ihrer ganzen Art nach der freundlichsten Teilnahme überall wert. Sie haben aber bereits Schule für andere gemacht zum Losreißen aus den heimischen Verhältnissen und zum Losreisen auf Gastspiele. Die Tegernseer, die vor kurzem im Berliner Bellealliancetheater auf den weltbedeutenden Brettern agierten, sind vor einem Jahre bereits unter die Bauern- theater-Rundreisegesellschasten gegangen. Im nächsten Jahre kommen vielleicht die Kochelseer an die Reihe, wenigstens hat man im vorigen Sommer in Kochel bereits recht fleißig Komödie „gespüllt". Wenn dann erst die Walchenseer und die Staffelseer und die Chiemseer rc. pp. diesseits und jenseits des Ozeans sich erfreuen an den Kränzen, die man ihnen als Mimen flicht, dann werden bald auch die Ukleiseer aus Holstein und die Spirdingseer aus Masuren kommen. Die Anwohner des einen Sees wird der Ruhm der Anwohner des benachbarten SeeS nicht ruhig schlafen lassen, und wir werden dann schließlich vier Hände nötig haben, um alle diese Binnensee-Theatergesellschaften an den Fingern herzähleu zu können. Am erwünschtesten wären noch fürs nächste die Ngamiseer, aus begreiflichen Gründen. (Vergl. Vermischtes in der heutigen Nummer. D. Red.) Das war ja ein ganz origineller Gedanke, Bauernspiele einmal durch richtige Bauern darstellen zu lassen. Aber es muß doch alles seine Grenzen haben, dieser Ultra» Naturalismus führt denn doch zu weit. Dann käme man ja schließlich zu der Forderung, daß der Kommerzienrat, der Graf, der Barbier, der Pantoffelheld, der Wechselfälscher, der Mörder rc. durch einen echten Kommerzienrat, Grafen, Barbier, Pantoffelhelden, Wechselfälscher, Mörder rc. dargestellt werde. DaS sind ungeheuerliche, aber ganz logische Konsequenzen. Wenn man in daS Landl der Schlierseer kommt, dann ist einem gleich die stille und innige Gegend mit den harmlosen, frohen, den ganzen Tag singenden Menschen lieb, daß man jedes Jahr dorthin möchte: nirgends wird einem so froh ums Herz, nirgends kann man den Verdruß der Stadt so schön vergeffen. Dort möchte man leben dürfen! Alles ist heiter, jeder Rede wachsen kleine Flügel an, gleich flattert ein Lied heraus; das Leben wiegt sich lustig und ist zum Tanz bereit. Leise wird der See gekräuselt, Wasserrosen schaukeln sich, eß weht linö. Die Gräser sind so schmal und zart, wie zum Scherz für artige Kinder liegen die blanken Häuser da am Fuße der Berge. Hier kann man nicht traurig sein, die Gegend erlaubt eß nicht, — wenn's gutes Wetter ist! Die Leute, die dort wohnen, sind eins mit ihrer Heimat. Zu Hause haben sie die tiefe Poesie der Berge bei sich; das fehlt aber doch auf der Reise. Hier wirken sie bloß als Schauspieler. Ist das rein Schauspielerische an ihnen, vom Menschlichen abgetrennt, stark genug? Die Leute find doch keine Virtuosen, mit Ausnahme Terofals. Alles in allem genommen findet man ihre Hauptfiärke allein in der vorzüglichen Schulung des Ensembles, und die läßt sich überall erreichen, auch unter den Bewohnern von Gleiberg und Staufenberg. Ein Bedenkliches auch ist die mundartliche Sprache auf der Bühne. Eß ist nicht unrichtig, wenn der Direktor des neuen Hamburger Schauspielhauses, Adolf Frhr. v. Berger, in seiner (soeben bei Eduard Avenariuß in Leipzig erschienenen) sehr lesenswerten kleinen Schrift „Ueber Drama und Theater" sagt: „Für den Dichter und seine engeren Landsleute mag über solchen mundartlich gefärbten Werken eben deshalb der Zauber der Heimatpoefie liegen, aber für Angehörige eines anderen Stammes ist diese provinzielle Poesie doch dichterisches Ausland." Durchaus recht eher hat Herr v. Berger mit der Behauptung: „Anderseits tt« leiht die Mundart gar manchem geringen Geist, wie eine chargierte Rolle einem mittelmäßigen Schauspieler, die Möglichkeit, den Anschein viel größeren Genieß zu erwecken alß er besitzt....." P. W. Familie sucht 8- big • Offenen unter LOH- |bition dieses Blattes. Er---- L ® Pferde mit bart' E * Boden, per T n (auch als K ' r EAlfnet pn sofort, p diSvlar-ltrakt 32,: fleeiflit., fln&ettoettiuy. ittrt I» vemieia ' Plockstrasse Ul W Rahmeö. men. 1;, 1 SP‘W«, bnender 6e» । erzielen dird Mm* -In auf ein in« MM' Hohe Pfflfa M 'n unter S. N Mit1 nt 7, postlagernd. l Atpti tüchü-r t GInftM will Sccorb) für dauern!. Kch«, M°l •dineD> Ibt 1 rh*)" 1 geilen hohen Lotz.M. B. Amtvd, item* SfftiS* 1<,‘ ä in 6« ArbE ^Kihnachtendk>' gW Mr. 2S2 Erstes Blatt. Donnerstag den 13. Dezember 15V. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- unb Anzeigeblatt für den Areis Giefzen Mezngspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn' durch die Abholestellea vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen.Vermittlungsstellen des In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen, Zeilenpreis: lokal 12 Psg., auswärts 20 Psg. lineljtne von Anzeigen zu der nachmittags für den ffßlßmdm Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Rebohion, Expedition und Druckerei: Kchntgraße Nr. 7. -rschetut täglich ui, Ausnahme des Montags. Die Gießener Iimllienvtätter Btrbttt dem Anzeiger i» Wechsel mit „Hest. Lmdwirt" u. „Blätter ffilt heff. Volkskunde- »ichtl. 4 mal beigelegt. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Zandwirt, Ktätter für hessische Dolkskunde. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hie^e». Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Heil. Bekanntmachung, den Urkundenstempel betreffend. Indem wir die nachstehenden Gesetzesstellen hiermit zur »sfentltchen Kenntnis bringen, fordern wir alle Jn- Lvesscuten auf, im Monat Dezember d. I. die be- tirffenden Stempelbeträge auf dem Zimmer unseres Mrseauvorstehers, Brandplatz Nr. 9, eine Treppe hoch, in beit Vormittagsstunden von 10—12 Uhr zu entrichten Mr den stempelpflichtigen Gegenstand (bei Fahrrädern unter Abgabe der Nummerplatten) abzumelden, andern- fflllls die Stempelgebühr event. zwangsweise beigetrieben n>irb. — Nach Artikel 33 des Gesetzes über den Urkundenstempel verfällt derjenige, der es unterläßt, den erforder- Cidjm Erlaubnisschein zu lösen, unbeschadet seiner Haft- pslicht für den Stempelbetrag, in eine Geldstrafe, welche dem vierfachen Betrag des hinterzogenen Stempels gleich kommt. ’ Gießen, den 10. Dezember 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. L. Wer in Bahnhöfen, öffentlichen Wirtschaften oder an «nderen öffentlichen Orten ober Plätzen einen Ver - kauffs- oder Waag-Automat oder automati- jdie n Kraftmesser, sowie wer in einem öffentlichen Mrtftchaftslokal einKlavierodersonstigesMusik- tnjer i aufstellen will, hat zuvor bei. dem Kreisamt seines SSchviortes oder Aufenthaltes eine Erlaubniskarte zu erwirken und für Lösung dieser Karte die in Nr. 10 des Tarifs vorgeschriebene Stempelabgabe fru entrichten. Diese Abgabe beträgt jährlich: ■a) für jeden Automat je nach der Größe, dem Ankaufspreise und der Leistungs fähigkeit desselben .... 10—40 Mk. b) für jedes Klavier oder sonstige Musikwerk, je nach d^er Größe, dem Ankaufspreise und der Leistungsfähigkeit desselben ...... 10—40 Mk. Für besonders leistungsfähige Instrumente kann die Stcmpelabgabe bis auf den zweifachen Betrag erhöht werden. Unter Leistungsfähigkeit ist die finanzielle Leist- mgsfähigkeit oder Ergiebigkeit zu verstehen. Musikwerke, welche nur verschlossen und unbenuht trit einem öffentlichen Orte stehen, sind nicht abgabe- pslichtig. Die Aufstellung von Automaten für Bahnsteigkarten ist stempelfrei. 2. Die Abgabe ist von einer und derselben Person, auch bei einem Wechsel des Automaten oder des Instrumentes oder des Aufstellungsortes, innerhalb des Kalenderjahres stets nur einmal für das ganze Kalenderjahr und zwar erstmalig vor der Aufstellung des Automaten oder des Instrumentes und sodann alljährlich im Monat Dezember für das darauffolgende Kalenderjahr bei dem Kreisamte zu entrichten. 3. Das Kreisamt trägt die Anmeldungen unter fortlaufenden Nummern in ein Verzeichnis ein, erhebt die vorgeschriebene Abgabe und erteilt dem Anmeldenden eine mit .amtlichem Stempel versehene Karte, welche die Nummer des Verzeichnisses, Vor- und Zuname, Stand oder Gewerbe und die Wohnung des Anmeldenden, den angemeldeten Gegenstand, den Tag der Anmeldung und Stempelmarken im Betrage der entrichteten Abgabe enthält. Das Kreisamt hat die Stempelmarken der Karten aufzukleben und vorschriftsmäßig zu entwerten. Die Karte ist nur für das Kalenderjahr gütig, für welches sie ausgestellt ist. 4. Wer einen Automaten, ober ein Klavier oder ein sonstiges MnfikJnstrnment, welches an einem der unter Ziffer 1 erwähnten Plätze ans« gestellt ist, von diesem Platze entfernt, ohne den« selben oder dasselbe ans einen anderen der nnter Ziffer 1 erwähnten Plätze ansznstellen, hat dies bis znm nächsten 1. Januar dem Kreisamte an znzeigen, widrigenfalls er zur Entrichtung der Abgabe weiter verpflichtet bleibt. Diefe Anzeige (Abmeldnng) ist in daS nach 3 zu führende Verzeichnis einzutragen und dem Anmeldenden anf Verlangen zu bescheinigen. 1. Wer sich am 1. Januar 1901 im Besitz von Luxuswagen oder Luxusreitpferden / welche zum persönliet>en Gebrauch des Besitzers oder seiner Angehörigen gestimmt sind, befindet, sowie wer! vorn 1. Januar 1901 ab in den Besitz solcher Wagen oder Reitpferdes gelangt, ist verpflichtet, bei dem Kreisamt seines Wohnortes oder Aufenthaltsortes a) diesen Besitz binnen 4 Wochen mündlich oder schriftlich anzumelden und b) die für Lösung einer Jahreskarte in Nr. 50 des Stempeltarifs vom 12. August 1899 vorgeschriebene Stempelabgabe zu entrichten. Diese Abgabe beträgt jährlich für jeden Luxuswagen 20 Mk., jedes Reitpferd 20 Mk. Als Luxuswagen und Luxusreitpferde gelten solche- Wagen und Reitpferde, welche nicht zu einer beruflichen oder gewerblichen Thätigkeit benötigt werden. Für Wagen, welche nicht auf Federn ruhen, ist keine Abgabe zu entrichten. 2. Die Vorschriften des § 1 finden keine Anwendung auf Personen, welche sich zum Kurgebrauche oder welche sich weniger als 30 Tage lang im Großherzogtum aufhalten. (Außerdem vergleiche Artikel 7 des Gesetzes.) 3. Die Abgabe ist von ein und derselben Person auch bei einem Wechsel der Wagen oder Pferde innerhalb des Kalenderjahres stets nur einmal für das ganze Kalenderjahr und zwar erstmalig bei Erwerbung des Besitzes des Wagens oder Pferdes und sodann alljährlich im Monat Dezember für das darauffolgende Kalenderjahr zu entrichten. 4. Das Krersamt trägt die Anmeldungen unter fortlaufenden Nummern in ein Verzeichnis ein, aus welchem die Nummer, der Vor- und Zuname, Stand oder Gewerbe und die Wohnung des Anmeldenden, der angemelsdete Gegenstand, sowie der Tag der Anmeldung und der Tag der Abmeldung ersichtlich sind, erhebt die in 1 erwähnte Abgabe und erteilt den Anmeldenden eine mit amtlichem Stempel versehene Karte, roe^dje die Nummer des Verzeichnisses, Vor- und Zuname, Stand oder Gewerbe und die Wohnung des Anmeldenden, den angemeldeten Gegenstand, den Tag der Anmeldung und Stempelmarken im Betrage der entrichteten Abgabe enthält. Das Kreisamt hat die Stempelmarken der Karte aufzukleben und vorschriftsmäßig zu entwerten. Die Karte ist nur für das Kalenderjahr gütig, für welches sie aus'- gestellt ist. 5. Wer den Besitz eines abgabepflichtigen Wagens oder Pferdes im Lanfe eines Kalender- jahres anfgiebt, oder verliert, hat dieS de« Kreisamt längstens Xbis znm 1. Januar anzn» zeigen, nnd, wenn nötig, glanbhaft darzuthnn, widrigenfalls er znr Entrichtung der Abgabe weiter verpflichtet bleibt. Diefe Anzeige (Abmeldnng) ist in das nach 4 zn führende Verzeichnis einzntragen nnd dem Abmeldenden anf Verlangen zn bescheinigen. § 1. Jeder Besitzer eines Fahrrads oder Automobils, welcher dasselbe zum Fahren auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen benutzen will, ist verpflichtet. Hießener Sladltsieater. D' Schatzgräber. Volksstück von Benno Rauchenegger. Mit dem Volksstück ,,D' Schatzgräber" beendeten die Schlierseer am Dienstag ihr erfolgreiches Gastspiel, daß leit alß ein hoch willkommenes Weihnachtsvorgeschenk mit Freuden ausgenommen haben. Noch zum letzten Male tiefen sie den Beifall eines größeren Publikums hervor. Liese „plebejischen" Dörfler lernten wir aufs neue alß ein kühn aufstrebendeß Geschlecht schätzen, das durch eigene Tatkraft verheißungsvoll emporblüht. „D' Schatzgräber" ist, soviel ich weiß, Novität. Viel ist an diesem Stücke auch nicht dran, dessen Fabel kaum einem längst überwundenen Dorfromanfabrikanten naivster Serie Ehre machen könnte. Die wackeren Schlierseer sind ja aber nicht verantwortlich dafür, daß ihr Leibdichter öiauchenegger von dem göttlichen Funken eines Anzengruber keinen Schimmer hat, und schließlich geht man ja zu den trefflichen oberbayerischen Naturspielern nicht der Stücke, sondern der Darstellung wegen. Xaver Terofal, der Treffliche, rief wiederum mehrfach stürmische Heiterkeit hervor,, diesmal als arg karikerter Meßner, Gemeinde- sihreiber und Ehehanswurst, der vor dem Besen seiner bösen befferen Hälfte Reißaus nimmt und ein tolles Schnada- Wfl singt von „Leberwurst und Plunzn". Und ihm nach Ntn’ß recht tüchtig die anderen alle, die resolute Regina -btt Therese Dirnberger, die fuchsige Lisei der lieblichen Anna Dengg, Beri Niedermeier als Unter- stchiungsrichter u. s. w. Heute haben uns die Schlierseer verlassen. Die Frage, loaS die Kunst durch sie gewinnt, darf man schlechterdings Vicht aufwerfen. Sie verliert — denn in unserer Zeit, 60 alles nach Neuem hascht, sind wir schon gar weit ge- ^mmen, bis zu argen Bizarrerien. Die Schlierseer find ja vor Ingebrauchnahme desselben bei dem Areisamt seines Wohnortes oder Aufenthaltsortes 1. dies mündlich oder schriftlich anzumelden und 2. die in Nr. 11 und' 58 des Stempeltarifs vom 12. August 1899 für Lösung der Fahrkarte vorgeschriebene Stempelabgabe zu entrichten. (Ausnahmen siehe W 2 und 3). / Diese Abgabe beträgt jährlich: bei Fahrrädern ... 5 Mark bei Automobilen ... 5 bis 50 Mark, je nach der Größe und, dem Ankaufspreise und der Leistungsfähigkeit des Automobils. § 2. Von der Anmelde- und Stempelpflicht sind befreit: 1. Personen, welche zum Kurgebrauche oder welche sich weniger als 30 Tage lang im Großherzogtum aufhalten, 2. diejenigen Militärpersonen und sonstigen Personen, welche in Diensten des Reichs oder eines Bundesstaates, einer Provinz, eines Kreises oder einer Gemeinde stehen und zur Erledigung der ihnen obliegenden Amtsgeschäfte Diensträder zur Verfügung haben. Diese Personen müssen bei Benützung des Fahrrads sich in Dienstkleidung befinden oder mit Dienst-Abzeichen versehen sein, und das von ihnen benutzte Fahrrad muß als lediglich zu Dienstzwecken bestimmt von der vorgesetzten Dienstbehörde erkennbar gemacht sein. 3. Besitzer von im Dienste des Reichsheeres verwendeten und als solche erkennbar gemachten Automobilen. 4. Kinder, welche Fahrräder benutzen, die nur als Spielzeug zu betrachten sind. 5. Personen, welche ein Fahrrad oder Automobil, für welches die Stempelabgabe bereits entrichtet ist, vorübergehend benutzen (§ 9). 8 3. Von der Stempelpflicht sind befreit: 1. Lohnarbeiter, welche das Fahrrad als Transportmittel zur Arbeitsstelle. 2. Gewerbetreibende, welche das Fahrrad bei Ausübung ihres Gewerbes benutzen, sofern ihr Einkommen den Betrag von jährlich 1500 Mark nicht erreicht. Die Verpflichtung zur An- und Abmeldung und zur Führung einer Nummerplatte wird hierdurch nicht berührt. Wer auf Grund der Bestimmung in Absatz 1 die Befreiung von der Abgabe in Anspruch nimmt, hat die den Anspruch begründenden Thatsachen unter Vorlage des letzten Steuerzettels nachzuweisen, lieber den Anspruch entscheidet, vorbehaltlich der Beschwerde an das Ministerium des Innern, das Kreisamt, bei welchem die Stempelabgabe zu entrichten ist. Die Steuerbehörden sinb verpflichtet, dem Kreisamt auf Verlangen jede zur Entscheidung erforderliche Auskunft zu geben. 8 4. Die Abgabe ist von einer und derselben Person (auch bei einem Wechsel des Rads) innerhalb des Kalenderjahres stets nur einmal für das ganze Kalenderjahr, und zwar erstmalig bei Anmeldung des Besitzes des Fahrrads oder Automobils und sodann alljährlich im Monat Dezember für das darauffolgende Kalenderjahr, unter Vorlage der Karte bei dem Kreisamt zu entrichten. Innerhalb der gleichen Fristen haben diejenigen Personen, die gemäß 8 3 Befreiung von der Stempelpflicht in Anspruch nehmen wollen, bei dem Kreisamt entsprechenden Antrag zu stellen. 8 5. Das Kreisamt trägt die Anmeldungen unter fortlaufenden Nummern in ein Verzeichnis ein, erhebt die in 8 1 erwähnte Abgabe und erteilt dem Anmeldenden 1. eine Nummerplatte, welche die Nummer des Verzeichnisses enthält, 2. eine mit amtlichem Stempel versehene Karte, welche die Nummer des Verzeichnisses, Vor- und Zuname, Stand oder Gewerbe und die Wohnung des Anmeldenden, den angemeldeten Gegenstand, den Tag der Anmeldung und Stempelmarken im Betrage der entrichteten Abgabe — bei den nach § 3 von der $b* gäbe befreiten Personen den Vermerk „Stempelfrei für das Jahr ...."— enthält. Das KreiSamt hat die Stempelmarken der Karte aufzukleben und vorschriftsmäßig zu entwerten. § 6. Wer den Besitz eines anmeldepflichtigen Hahrrades oder Automobils im Laufe eines Kalenderjahres anfgibt oder verliert, hat dies dem Kreisamt feines Wohn- oder Anfenthalts- orts läugfleus binnen 8 Tagen unter Vorzeigung der Karte und Rückgabe der Nummerplatte anzvzeigeu. Wer, ohne den Besitz auszugebeu, das Hahr- rad oder Automobil ans öffentliche« Wegen, «traßen oder Plätzen nicht mehr benutzen will, kann sich durch Abmeldung unter Rückgabe der ^»««erplatte von der weiteren Abgabepflicht Die Abmeldung ist in das nach 8 5 zu führende 23er- zeichuiv einzutragen und dem Abmeldenden auf Verlangen aus der ihm erteilten Karte zu bescheinigen. Abmeldung und Anmeldung haben auch bei jedem Wechsel des Wohnorts oder Aufenthaltsorts des Besitzers von anmeldepflichtigen ,Fahrrädern oder Automobilen bei dem Kreisamt des seitherigen und des neuen Wohnortes unter Vorzeigung der Karte, sowie unter Rückgabe der Nummerplatte an das Kreisamt des neuen Wohnortes oder Aufenthaltsortes, gegen Ausstellung einer neuen Nummerplatte durch letzteres, zu erfolgen. 8 8. Das Fahrrad oder Automobil muß bei dem Befahren öffentlicher Wege, Straßen oder Plätze mit der Nummerplatte (8 5) versehen sein. Die Nummerplatte ist in der Richtung der Längsaxe des Fahrrads oder Automobils und nach vorne gerichtet derart zu befestigen daß die Inschrift von beiden Seiten gut sichtbar ist Der Besitz der Nummerplatte gilt als Beweis für die erfolgte Stempelabgabe. Besitzer von solchen Fahrrädern oder Automobilen, welche mit Nnmmerplatten versehen sind, dürfen zur Kontrollierung der Abgabe nicht ange halten werden. Strafbestimmungen. 8 19. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über die Entrichtung der Stempelabgaben werden nach dem Gesetz vom 12. August 1899 über den Urkundenstempel bestraft. Zuwiderhandlungen gegen die übrigen Vorschriften dieser Verordnung werden, sofern nicht nach anderen Strafbestimmungen höhere Strafen verwirkt sind, auf Grund des 8 366 Ziffer 10 des Reichsstrafgesetzbuchs mit Geldstrafe bis zu 60 Mk. oder mit Hast bis zu 14 Tagen hestraft. 8 20. Personen, welche den ihnen nach! 8 4 obliegenden Verpflichtungen nicht rechtzeitig nachkommen, kann die Nummerplatte bis zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen von dem Kreisamt durch Beschlagnahme entzogen werden. Artikel 33 deS Gesetzes vom 158. August 1899. Wer es den bestehenden Bestimmungen zuwider unterläßt, die nach den Tarifnummern 10, 11, 35, 41, 47, 48, 50, 58, 87 erforderlichen Erlaubnisscheine und Karten zu lösen, verfällt in die im Artikel 31 Absatz 1 bestimmte Strafe. Die Vorschriften des Art. 31 Absatz 3 und 4 finden entsprechende Anwendung. Die hinterzogene Stempelabgabe ist von demjenigen nachzuentrichten, der im Falle der Lösung des Erlaubnisscheins oder der Karte zur Zahlung des Stempels verpflichtet gewesen wäre. Die Einziehung der Abgabe erfolgt nach Maßgabe der Vorschriften des Artikels 26. Gießen, den 10. Dezember 1900. Betr.: Den Urkundenftempel. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir empfehlen Ihnen, die in heutigem KreiLblatt erschienene Bekanntmachung obigen Betreffs in Ihren Gemeinden ortsüblich publicieren zu lassen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Der Viehmarkt zu Grün berg am 31. Dezember kann unter der Bedingung gehalten werden, daß 1. alles Marktvieh am Marktplatz tierärztlich untersucht wird; 2. Vieh aus verseuchten Gemarkungen ausgeschlossen bleibt. Gießen, den 10. Dezember 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Betr.: Den Schutz junger Obstbäume gegen Hasenfraß. Wir machen die Landwirte unseres Kreises darauf aufmerksam, ihre jungen Obstbäume in gehöriger Weise gegen Hasenfraß zu schützen. Das Umwickeln der Bäume mit Stroh oder Ginst-.rn, wie es vielfach üblich ist, ist nicht genügend, da der Hase diese beiden Schutzmittel leicht durchnagt ; auch nisten sich im Stroh gern Obstbaumschädlinge ein. Einen wirklichen Schutz gewährt vielmehr nur ein dichtes Umbinden der Bäume mit Dornen. Bei der großen Bedeutung, welche der Obstbau zurzeit hat, liegt cs im dringenden Interesse der Landwirte, ihren Bäumen diesen leicht und billig zu beschaffenden Schutz angedeihen zu lassen. Besonders bemerken wir hierzu noch, daß nach Art. 2 des Gesetzes vom 1. Juni 1895, den Ersatz des Wildschadens betreffend, Wildschaden nicht ersetzt wird, wenn derselbe sich ereignet an Obstbäumen, deren Eigentümer unterlassen hat, dieselben mit den unter gewöhnlichen Umständen ausreichenden Schutzvorrichtungen zu versehen. Gießen, den 10. Dezember 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Deutscher Reichstag. Berlin, 11. Dezember. In der Fortsetzung der ersten Etatsberatung verbreitet sich) Abg. Bebel (Soz.) über die rückläufige Wirtschaftsbewegung, infolge deren das Reich für die- nächsten Jahre mit erheblichen Mindereinnahmen zu rechnen haben wird, während die Ausgaben steigen. Tie Sparsamkeitserkenntnis der Bewilligungsparteien komme zu spät. Anstatt den Bundesrat zur Sparsamkeit zu ermahnen, hätte der Reichstag selbst weniger bewilligungswütig sein sollen. Es ist dem Reichsschatzsekretär der Vorwurf gemacht worden, daß die Vorlage des Gesetzes betr. die Schaum- weinsteuer noch nicht gemacht ist. Nun, die Vortage wird kommen, vielleicht schon im Laufe dieser Session, und wenn es gut geht, dann wird sie eine Mehreinnahme von 8 Millionen Mark ergeben, die jedenfalls für das große Reichsfaß, das gefüllt werden soll, wenig bedeuten. (Heiterkeit.) Der Redner zeigt das Anwachsen der Militär - und Marineausgaben. Diese Ausgaben würden durch die beabsichtigte Kolonialarmee noch gewaltig zunehmen. Wenn ein Privatmann in dieser Weise wirtschafte, würde man ihn einen lüderlichen Kerl nennen, einen Verschwender, der mit dem Gelde nicht umzugehen versteht, und wer ist derjenige, dem wir das alles zu verdanken haben: das Zentrum! (Sehr richtig, bei den Soz.) Das Zentrum ist als leitende und als treibende Kraft an stelle der Nationalliberalen getreten. Die Wirt- idjaft der Nationalliberalen war ja schon arg, aber die Wirtschaft, die das Zentrum jetzt treibt, ist noch oicl ärger. (Sehr richtig! bei den Soz.) In dieser Beziehung habe ich vor den Nationalliberalen geradezu Respekt (Heiterkeit), denn sie haben doch wenigstens das Budgetrecht zu wahren gewußt: unter Führung des Zeri- trums ist dieses jetzt Stück für Stück verloren und wir treiben einer wahren Budge t an archi e mit aller Macht entgegen: (Sehr rüstig! bei den Soz.) Tas Zentrum sei nur noch Schleppenträger der Regierungspolitik. Verfehlt sei unsere Chinapolitit und er fürchte, daß China ein deutsches Transvaal werden würde. Zur Transvaalfrage vertritt Bebel den Standpunkt, daß Deutschlands Interesse em freundschaftliches. Verhältnis zu England gebiete. Er verurteile die englische Raubpolitit. Wenn nun Krüger, sich bemühe, die Regierungen zu einem Eingreifen für die Selbständigkeit der südafrikanischen Republik zu veraw lassen, so sei das menschlich begreiflich. Er verurteile auck die schonungslose Abweisung Krügers, weil nach dem früheren Kaisertelegramm an ihn die deutsche Politik sich, den Anschein der Treulosigkeit gegen die Buren gebe. Die Buren hätten glauben müssen, daß der Kaiser ihnen materiell oder moralisch in dem Kampf um ihre Existenz zu Hilfe kommen würde. Unsere auswärtige Politik verscherzt sich dieSympathiender fremden Völ- k e r eben in einem Grade, wie es nur ein Feind Teutsch- lands wünschen kann. Klüger ist in Paris von Loubet empfangen worden, und auch der deutsche Kaiser hätte ihn empfangen müssen. Er hat Zeit dazu (Heiterkeit), er muß die Zeit haben (Große Heiterkeit und Bravo! links); statt dessen erhält Krüger eine Benachrichtigung, daß er nach den bereits getroffenen Dispositionen nicht empfangen werden könne. Ich gehöre nicht zu den Don Quichotes, die gegen jede englische Windmühle anrennen wollen; im Gegenteil, ich habe stets ein Zusammengehen mit England befürwortet; aber gerade deshalb bin id)> gegen die Fehler und Schwächen der englischen Politik. Viele Abgeordnete hoffen, daß die erstrebten Z o l l er h öh ungen die nötigen Gelder zur Besserung der Finanzen bringen werden. Diese Aussicht auf weitere, Steigerung bet. Sebent- mittelzölle ist aber erst recht bedenklich, sowohl für die Belastung der arbeitenden Bevölkerung als auch für unser wirtschaftliches Verhältnis zum Auslande. Jedenfalls werden Sie durch eine Erhöhung der Getreidezölle die Arbeiter immer mehr in unser Lager treiben. (Rufe rechts: Dann freuen Sie sich doch!) Auf dem katholischen Gewerkvereinstag in Frankfurt a. M. haben sich die katholischen Gewerkschaften schon entschieden gegen die jetzt bestehenden Getreidezölle erklärt. Werden sie nun mit Hilfe des Zentrums erhöht, so riskieren Sie, daß die katholische Arbeiterschaft gänzlich vom Zentrum abfällt. (Rufe: abwarten!) Die gestern vom Abg. Limburg-Stnum vorgebrachte Statistik hat keinerlei wissenschaftlichen Wert, es wird auf dieselbe noch später zurückzukommen sein. Ich muß hier nochmals auf die 1 2 000 M a r k-A f f air e zurückkommen. Ich habe vergeblich gesucht, wo die 12000 Mark, die vom Zentralverband deutscher Industriellen in das Reichsamt des Innern geflossen sind, int Etat eingestellt worden sind. (Große Heiterkeit links.) Redner fragt, was nach der Veröffentlichung des Briefes der See-Berufsgenossenschaft geschehen sei, gegenüoer Leuten, die sich so unglaublich über Unfälle der Mannschaften aussprachen. Graf Limburg jammert über die zweijährige Dienstzeit und will die dreijährige wieder haben; aber an den Ernst dieser Ausführungen glaubt fein Mensch Sie kriegen die dreijährige Dienstzeit nicht mehr, weil dann die Mehrausgaben pro Jahr mindestens 100 Millionen betragen würden und Sie haben ja jetzt schon nicht mehr das nötige Geld für die Militärausgaben. Eher bekommen wir die Milizarmee in Deutschland,' als Sie die dreijährige Dienstzeit wieder. (GroßeHeiterkeit.) Redner fragt dann den Kriegsminister, wie es mit den Meldungen über die Neubewaffnung der Artillerie und über eine deutsche Geschützlieferung nach England stehe, welch' letzteres die Neutralität im Transvaalkriege verletze. Ferner, ob wirklich Bestellungen auf ein neues Gewehr stattgefunden haben und wie das mit dem Budgetrecht des Reichstags zu vereinbaren ist. Budgetwidrig sei auch, wenn dem Kaiser Geld zum Bau von Panzerkanonenbooten für China von privater Seite zur Verfügung gestellt werde, denn alle derartigen Einnahmen und Ausgaben haben den Reichstag zu passieren, sonst befinden wir uns in einer Budgetanarchie. Im Reichsamt des Innern zeigt sick> fast überall ein arbeiterfeindlicher Geist, lieber die Sozial Politik hat in der Thronrede sehr wenig gestanden; es ist eine Statistik ausgenommen worden über die gewerkt liche Kinderarbeit, die Resultate liegen vor. Wir hätten also eine Vorlage auf diesem Gebiete erwarten können. Ebenso ist eine Statistik ausgenommen worden über die Beschäftigung verheirateter Arbeiterfrauen, aber auch nach dieser Richtung hin ist keine Vorlage zu erwarten. Weiter hat Dr. Sattler es gestern schon bemängelt, daß das Krankenversicherungsgesetz für diese Session nicht angekündigt ist. Hat aber Dr. Sattler etwa den Glauben, daß diese Vorlage arbeiterfreundlich sein würde? (Abg. Dr. Sattler: ja!) Dann ist das ein Köhlerglaube. (Große Heiterkeit.) Die bürgerliche Gesellschaft ist mit ihrem Latein zu Ende; es ist ihre Götterdämmerung eingetreten. (Unruhe.) Sie (nach rechts) arbeiten nur für uns. Ter Kriegsminister sagte: „Gottes Mühlen malen langsam"; ich sage: Unsere, die sozialdemokratischen, Mühlen mahnen rasch, unser Weizen blüht, unser ist die (S*rnte! 5ie sehen die großen Siege unserer Parteigenossen jetzt tvieber in Württemberg, überall Fortschritte der Sozialdemokratie. Unser ist die Ernte, unser der Sieg! Das ist Arbeit! Ich schließe mit dem Spruch: Vivent nos amis, nos ennemis! (Lebhaster Beifall bei den Sozialdem.) Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt in Bezug auf die 12 000 Mark-Affaire, daß er die Verantwortung trage für alles, was in feinem Amt geschehen ist. Jenes Gesetz war nicht für die Arbeitgeber, sondern für die Arbeiter. (Widerspruch.) Die 12 000 Mark wurden verwendet lediglich zur Deckung von Ausgaben für Verbreitung amtlichen Materials, Auszüge aus der Denkschrift und Reden vom Bundesratstisch. An eine Beeinflussung des Reichstags war damals nicht mehr zu denken, sondern es sollten nur die Irrtümer beseitigt werden, die in der großen Masse über die Größe und den Umfang bet Vorlage verbreitet wurden. Die sozialdemokratische Preße hat nichts dagegen gethan, um diese Irrtümer aufzu- klären, sie hat im Gegenteil dazu beigetragen, die Aufregung zu vermehren. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ta wär es allerdings eine wichtige Sache, daß man durch die Verbreitung amtlichen Materials, wie es von verschiedenen Seiten verlangt wurde, soweit wie möglich m die große Masse des Publikums die Wahrheit trug (Lacl-en bei den Sozialdemokraten); daß man durch Verbreitung lediglich amtlichen Materials der großen Masse na* legte, welche Thatsachen Veranlassung zu dem Gesetz Sr geben hatten, und was das Gesetz erstrebe. (Unruhe vei den Sozialdemokraten.) Präsident: Wenn weitere Unterbrechungen erfolgen, so werde ich von den Präsidial-Besugnißen - Le' M ' sä !i»rneM dl Wil *iattfLDncn. VeM leinen ]°n . e gewM h den wir »'M Wö- v? (hort.'W M»LctC^runb deW i: Unruhe *■ I rnuuolW ‘ el Zeile» w''baral iDitie r pttie aW MW II KU, M esiet (i£ i di war. rlchl Ich tun» vM'chen-' Rnchtags nochmals an » | t)iM die Meml ge« fcaMigen ^rchW cder nur in ganz »M« («stellt haben. IW» yfiMr bestreitet die Abt (.lentralverband, gegenüb ^npwvellen in schärfste > 'M auf den W u 'ssenschafk liege tihie-j Mitgliedes vor, zbeder nicht identifizi ; st chsversicherungsamt ii’ die Lozialpoli zcM schon viel geleisl ml uw des Schutze S.ie Differenzierung De ntchl mehr. Bei den Atzungen fvüe man n ^dg.vvn tWrdo tiualm vor, gibt ihm < Publikums über dens) Negierung nicht gunfl inn Interesse miigers Iiomme, weil es dan Wort in London einzu choirischastlichen Stanbp stchiedene Kiizelsragen. Abg. Richter (fre "^oiadorvch m der 12 l iuürrten nicht ohne Reichstags genommen icirtrguugsverfuch stau Erklärung des Reichs Jur Transvaalfra Ä es Reichskanzlers. Bi Mu,IM Ht . Don 1896. treiben, «enne ZWche niitäme, nx S1™' 61 abct s'riiae nach jioiitu Ü $et Zolltarif fann sW« aus der 6 yss* ü«ti fe* «er, päS* F-Wn in B clMeÄna g Wbei hat fch Ma Q(.- N aber 1 fc,";;'»"* b°i bEn cn L.bie5n^llrt itra9setnf • (f WA 1 wSx ^t dem er die letzten Versicher- Kampfe durchgefochten habe, mit derSeeberufs-Ge- Dte genannten Nrdner der nationalliberalen Fraktion nehmen mehrmals Gelegenheit, auf diese non der Regierung rorgetragenen sachlichen Gründe hinzuwüsen. Einzelne Bestimmungen, die auch der Ausschuß in seiner Mehrheit beseitigt wissen will, z. B. die Besteuerung der Lumpen- und Bleisammler rc. der mit Roherzeugnissen der Land- uns Forstwirtschaft rc. Handel Treibende werden besonders von den Abgg. Wolf, Eul-r und Ulrich angegriffen. In den neuen Vorschriften über Drtailreisende sind nach Auffassung des Abg. Weidner unzureichende Begriffsbestimmungen über das Maß der Einzelleistungen rc. vorhanden. Der Antrag Joutz wird schließlich abgelehnt und die Spezialberatung begonnen. Die Art. 1—3 werden nach Anträgen des Ausschusses angenommen. Zu Art. 4 stellt Abg. Wolf einen Antrag, der den Gemeinden das Recht mweisen soll, eine erhöhte Besteuerung der Hausierer und Wander- rnMovellen in schärfstem 5n tteaiig auf den Vorfall : kossvnschaft liege nur • ine-i Mitgliedes vor, mit limch machen. Bei einer Debatte, die eine besondere illftegung hervorruft, empfiehlt es sich, weder Zwiscl-en- ilüft' zu machen, noch Zeichen des Mißfallens oder der -jHimmung zu geben. (Ruse links: Oho! Wir sind ifiit in der Kaserne!) Krüger gehandelt. England ist uns immer entgegen gewesen und wird es auch fernerhin sein. Unser Motto sei: Los von England! Darauf wird die Beratung vertagt. Persönlich bemerkt Abg. Dr. Lieber (Zentr.): Ich habe in Bonn auf unserem Parteitage nicht erklärt, daß das Zentrum den Luxus einer politischen Meinung drangeben müsse, ich sprach zu Katholiken und ich habe eine Binsenwahrheit ausgesprochen, indem ich aussprach, daß eine politische Partei von ihren Mitgliedern häufig verlangen muß, in gleichgiltigen Dingen auf den Luxus einer politischen Meinung zu verzichten. Schluß gegen halb sieben Uhr. Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr. (Fortsetzung der Generaldebatte des E t a ts.) die bedauerliche Aeußerung der sich die anderen Mit- i lieber nicht identifiziert hätten. Uebrigens habe das rreiüis Versicherungsamt die Akten eingefordert. In Bezug cui die Sozialpolitik sei durch die letzten Reform- o:«fetzk schon viel geleistet. Man beschäftige sich setzt mit r:er Frage des Schutzes der verheirateten Frauen. 'i>ie Differenzierung Deutschlands durch Amerika bestehe iiidjt mehr. Bei den handelspolitischen Auseinander- jpbungen solle man nicht dem Ausland Waffen liefern. ALg. von Kardorff (Reichsp.) wirft Bebel Großen- f-Nbii, vor, gibt ihm aber zu, daß die Stimmung des ^Mlilkums über den Richtempfang Krügers allerdings der - üegievung nicht günstig ist. Indessen habe es noch mehr in, Interesse Krügers gelegen, daß er nicht nach Berlin Ibmnne, weil es dann leichter ist, für ihn ein gutes < Lort in London einzulegen. Redner vertritt dann seinen i o-ittsLiaftlichen Standpunkt und äußert sich über ver- | jtfljiebrne Einzelfragen. Gerichtssaal. L.L. Gießen, 11. Dezember Strafkammer. Auf der Anklagebank sitzen die Arbeiter Karl Weisel aus Altenbusek, Gg. Kolb, Karl Rudolf, Kasp. Schmidt, Wilhelm Balser und Jakob Roth aus Rödgen. Der 7. Angeklagte, Maurer Aug. Balser aus Altenbusek weilt z. Z. in Mülheim a. d. R„ wo er vernommen wurde, und ist deshalb vom Erscheinen entbunden. Die Leute sind verdächtig, am Abend des 13. Mai zu Rödgen andere Personen vorsätzlich körperlich mißhandelt, und an der Gesundheit geschädigt zu haben. Meisel, der vorbestraft ist, hat an jenem Abend einem Arbeiter aus Großen- Buseck mit einer Latte mehrere Schläge beigebracht, von denen der eine das rechte Auge verletzte, das 4/s seiner Sehkraft eingebüßt hat. Der Verletzte war 5 Wochen arbeitsunfähig. Drei weitere Passanten hat M. mit seiner Waffe ebenfalls verfolgt und einem 3 Schläge auf den Rücken versetzt. Kolb, Aug. Balser, Rudolf und Roth sind überführt, einen Taglöhner ausjAlten-Buseck mit den Fäusten bearbeitet zu haben, außerdem wird gegen Kolb und August Balser der Nachweis erbracht, daß sie sich gegenseitig mit einem Stock geprügelt haben. Daß an den Balgereien auch Wilh. Balser und Kaspar Schmidt beteiligt gewesen sind, konnte nicht festgestellt werden. Die Rohheiten Michels werden mit einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten und einer Woche geahndet, die übrigen erhalten in der zu Anfang unseres Berichts angegebenen Reihenfolge eine Gefängnisstrafe von 6 bezw. 3, 2 und 7 Tagen. Gegen Kaspar Schmidt und Wilhelm Balser wurde auf Freisprechung erkannt. — Wegen Dieb» stahls in wiederholtem Rückfalle erhält der Arbeiter Balduin Lormis aus Magdeburg 6 Monate Gefängnis. Er hat sich am 27. August aus dem Laden eines Trödlers in Friedberg eine Arbeitshose und -Jacke zugeeignet. Ivo hl so ähnlich aussehen wie in Berlin, wo an jeder Este bei einer Obstfrau ein Schutzmann steht. (Große Heiter- E'-ilj Kürzlich ist schon ein Weltkabelnetz gefordert worden, d'lnit wir mit dem Nachrichtendienst nicht auf das Aus- l'.üid angewiesen seien. Wir sind jetzt also schon so weit, r®1™1 selbst im Ausland nicht mehr vorn Auslande ab- Wn’igß sein wollen. Immer kostspieliger wird auch die r>Ä»Ik!i lalpolitik und trotz der schlechten Finanzlage kommt rnanmitteuren Eisenbahnbauten in Ostafrika. y, ,.l[ ^6'iebermann v. Sonnenberg (Antis.): Wir vH ts* Neutralität nur gegenüber den Buren be- blr&ir w.o9lä.^ber dagegen zuvorkommend behan- ' »uwenen 10U, einte YEN nicht ritterlich gegen den Präsidenten | lager herbrizuführen. Vermischtes. * Ein verschwindender See. Ein bekannter See I in Südafrika ist im Verschwinden begriffen. Vor kurzem wurde erst das Eintrocknen des Lobnorsees gemeldet, und jetzt erzählt der südafrikanische Pionier B. Wilson, der unter dem Namen Matabele Wilson bekannt ist, nachdem er soeben eine fünfzehn Monate dauernde Expedition durch die große Kalabariwüste gemacht hat, daß er den Ngamisee vollständig trocken gefunden hat. Er berichtet über seine Reise: „Ich verließ mit zwei weißen Gefährten, zwei Eingeborenen und einem Wagen mit sechzehn Ochsen im April 1899 Khama's town in Palachwe. Bald kamen wir in die Wüste, und da während der ersten 130 Meilen nur drei Wassergruben sind, mußten wir mit größtmöglicher Schnelligkeit vordringen. Der erste Brunnen war so trocken, daß wir jedem Ochsen nur anderthalb Eimer Wasser geben konnten und dies nur, nachdem wir zwei Tage darauf warteten, | bis das Wasser sich in der Grube sammelte. Nach einer I Reise von 7i/2 Tagen bei fürchterlicher Hitze durch schweren Sand, fanden wir in einer zweiten Grube einen etwas größeren Wasservorrat. Dann kamen wir durch ein Land das ein Paradies für Jagdliebhaber ist, und erreichten fünf Wochen nach dem Aufbruch von Palachwe den Botletli- fluß und den Ngamisee. Bis zu diesem Punkt waren die uns begegnenden Eingeborenen vollkommen freundlich, und wir hatten sehr wenig Mühe mit ihnen. Die große Wüste wird hauptsächlich von nomadischen Stämmen von Busch- lernen bewohnt, die wie die Tiere leben. Sie haben weder Dörfer noch Häuser und durchstreifen in kleinen Banden das Land. Sie halten sich hauptsächlich in der Nähe der Wassergruben in der Wüste und erwarten dort die Tiere die sie dann mit ihren vergifteten Pfeilen töten. ES ist ein harmloses Volk, das von den die Wüste umgebenden, mächtigeren Stämmen in Abhängigkeit gehalten wird. Selten kommen sie mit den Weißen in Berührung. Am Abend sitzen sie um chre Feuer, singen Zauberlieder und klatschen dazu in die Hände. Die Frauen tragen den ganzen Haushaltbesitz und die Kinder in einem kleinen Bündel auf dem Rücken Die Buschleute sind hellfarbig, schrecklich schmutzig und sehr abgezehrt. Den Ngamisee fanden wir bei unserer Ankunft völlig trocken. Es mag einst ein See gewesen sein, aber jetzt ist es nur ein großer Sumpf. Wahrend meines Aufenthalts überschwemmte der Okavango, der den See speist seine User, und nach acht Jahren der Dürre war der so-' genannte See, der 30:15 engt. Meilen mißt, eine seichte Wasserfläche. Die ungeheuren Giraffenheerden in der Nähe des Sees werden von den Eingeborenen ausgerottet: einmal töteten sie bei einer einzigen Jagd 105 Tiere. Vom Ngami gingen wir nördlich nnd nordwestlich den Okavango entlang, durch ein «ha-sächlich unerforschtes Land. An seinen oberen Wassern, 300 Meilen, nördlich vom See, waren die Leute auf deutschem und portugiesischem Gebiet sehr gut bewaffnet, sogar mit Martini-Henry'Gewehren. Auf Befragen sagten sie, daß sie Pulver und Gewehre von portugiesischen Händ- «Jncu'cef(ii!nen,«?)ie ganze Gegend ist voll von Nashörnern, Flußpferden, Löwen, Elefanten und anderem großen Wild. In einer Nacht griffen zwei Löwen mein Lager an, nahmen eine Geis und töteten eine große Bulldogge. In dem ganzen Gebiet traf ich keinen Europäer, und die Eingeborenen sagen, daß sie außer bei einer Gelegenheit niemals einen deutschen Beamten gesehen hätten. Da es fortgesetzt an Wasser fehlte, mußte Wilson auf demselben Weg wieder nach Palachwe zurückkehren. Abg. Richter (frei). Volksp.) wendet sich gegen b astdowsky in der 1*2 000 Mark-Affaire. Private Gelder Liüriten nicht ohne Wissen und gegen den Willen des 'Reichstags genommen werden. Der jetzt gemachte Rechter rligungsversuch stand im Gegensatz zu der früheren Julia rmig des Reichskanzlers. In der Stellungnahme ; ui T r a n s v a a l f r a g e billigt Redner den Standpunkt LtesM'ichskanzlers. Wir würden durch Eintreten für Kund- giebiiiisgen jetzt solche Fehler begehen, wie beim Kaiser- tMramm von 1896. Man darf nicht Politik nach Ge- fMn treiben. Wenn es. beim Empfang Krügers nur auf Sympathie ankäme, wäre er berechtigt und notwendig gMsen, da aber Krüger die Intervention der Mächte ueikingen will, habe die Sache eine politische Bedeutung micd cs müßte nach politischen Erwägungen entschieden wer- blem Der Zolltarif kann auch nach meiner Meinung nicht Hui) genug veröffentlicht werden. Nach der Theorie der Atziorier bringt der Getreidezoll dem Reiche keine Oiirii ah men; Deutschland soll seinen Kornbedars selbst pro Kjicren können, und dann fiele selbst die gegenwärtige .Minnahrne aus der Getreideeinfuhr weg. Wie können also solche Versprechungen machen? Selbst ein Ehren- < nclglied der Agrarier, §err v. Miquel (große Heiterkeit) hstt iestgestellt, daß die Steigerung des heimischen Gc- t'Mehaues zu einer Verminderung der Einfuhr und der Mnijdezölle führen muß. Der Redner bespricht dann die Ni.ua nzlage, bei der die Regierung schlechte Voraus- fi'chi jcige, und gegenüber der Sparsamkeit schlecht möglich ip, nachdem der Reichstag sich auf Juhre hinaus die gSibe gebunden hat. Die Bewährung der A w e i j ä h r i g e n Ä-iciistzeit hat fick) durch die gute Haltung unserer Driivpen in China gezeigt. Der M a r i n e e t a t zeigt im eilen Teilen, wie sehr die Marineaufweudungen ff eigen. Sdei hat sich aber die große Flottenansammlung in i als überflüssig erwiesen. Die Mehrausgaben des Mcmieetats belaufen sich auf 48 Millionen Mark. Der Time Marineetat enthält ein Plus bei den fortdauernden SMiaben von 6 Millionen, bei den einmaligen Ausgaben, d°e.ms laufenden Mitteln zu bestreiten sind, von 23 Mill' unb bei den einmaligen Ausgaben, die aus Anleihen befkitlen werden, von 19 Millionen. Beim Postetat tadelt e^Medner, daß die Posta ssi st en ten noch immer die Dienst e der Postsekretäre verrichten müßten, wodurch nutiiilich Geld gespart werde. Von Interesse ist es, daß für Die Kosten des Chinafeldzuges bereits ein weiterer NlrLiragsetat in Vorbereitung ist. Auf dem Ozean soll Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. 1 M.G. Darmstadt, 11. Dezember. Das Haus tritt sofort in die Beratung des den ganzen Tag in Anspruch nehmenden Gesetzentwurfs, die Besteuerung des Gewerbebetriebs im Umherziehen betr., ein. Die Regierung hat die Vorlage damit begründet, daß das seitherige Gewerbesteuergesetz vom 8. Juli 1884 an dem Mangel leide, keine Rücksicht auf die Größe des Betriebes zu nehmen, vielmehr die Gewerbe nur nach Art der vertriebenen Waren in bestimmte Klassen des Gewerbe- steuertarifes eingereiht worden wären. Manche dieser Betriebe seien deshalb unzureichend besteuert und darauf gründeten die stehenden Gewerbe vielfach ihre Klagen über Mangel an Konkurrenzfähigkeit ihrerseits. Ohne die Frage der Nützlichkeit der Hausiergewerbe oder ihres Schadens weiter zu berühren, sei es doch gebot n, möglichste Gleichstellung der Besteuerung aller Gewerbe anzustreben. Dies solle durch den Entwurf geschehen. Für die Beibehaltung einer staatlichen Besteuerung spreche der Charakter fragl. Gewerbe. Auch sei solches bereits in einer Reihe anderer Staaten I geschehen (Preußen, Sachsen, Bayern, Elsaß-Lothringen, Baden, Württem- I berg). Sonach empfehle sich solches auch für Heffen. Der Entwurf um- I faßt vier Abteilungen von Gewerbebetrieben: I. Das Hausieren, II. De- I tailreisende, III. Musikaufführungen, IV. Das Wandergewerbe. Diese I vier Hauptabteilungen zerfallen wieder in verschiedene Unterabteilungen, I wie folgt: I. Hausiergewerbe. 1. Sammeln geringwertiger Gegenstände, I 2. Anbielen zu gewerblichen Arbeiten, 3. Handel mit Erzeugniffen der I Land- und Forstwirtschaft, 4. Handel mit geringwertigen Haushalt- und I Wirtschaftsgegenständen. — II. Drtailreisende. a. wenn nur im Umkreis | von 15 Kilom. vom Sitz des Geschäfts gereist wird, b. wenn Geschäfts- | inhaber selbst reisen. III. Musikaufführungen rc. — A. Lustbarkeiten I untergeordeter Art, B. Schaustellung und Lustbarkeiten größerer Art. I IV- Wanderlager. A. Gewerbe geringerer Art. B Alle anderen I Gewerbe.1 AM Aog. Joutz beantragt Vertagung der Beratung d. y. Zu^ück- I Verweisung an den Ausschuß zwecks vorheriger Anhörung I der Handelskammern. Ftnanzminister Gnauth weist darauf hin, daß die Vorlage I am 1. Januar Gesetz sein müsse, da von diesem Tage an die Be- I steuerung in Kraft treten solle. I Da die Generaldebatte bereits eröffnet ist und deshalb die I Diskussion über den Antrag Joutz nicht mehr von ihr losgelöst I werden kann, ist die mehrere Stunden in Anspruch nehmende erregte I V^ENdlung bis zur kürzeren Spezialberatung ein Gemisch von I Gründen für und gegen Antrag Joutz und Gründe für und gegen I einzelne Bestimmungen der Vorlage, deren Behandlung streng- I genommen gleichfalls für die Spezialberatung hätte aufgespart werden I müssen Gegen die ganze Vorlage als solche nimmt von vornherein nur die sozialdemokratische Fraktion, die heute ihren Wortführer in Abg. Ulrich findet, Stellung. Weidner, dem die Vorlage ein Dorn im Auge ist — ihre Notwendigkeit erkennt er übrigens a:i — schließt sich dem Antrag Joutz an, da er Uebereilunpen wie bei dem Stempel- und Notariatsgesetze befürchtet. Die Handelskammer Friedberg hat ihn ersucht, zunächst die Einholung von Gutachten der Handelskammern rinzuholen. Wie sich aus den Aeußerungen des Finanzministers Gnauth, des Ministerialrats Braun, deS Abg. Molthan rc. ergibt, hatten die Handelskammern seit Februar l. Js. Gelegenheit und das gesetzliche Recht, sich mit der Vorlage zu befaffen. Hiervon hat nur die Handelskammer Mainz, die größte im Lande, Gebrauch gemacht I und zwar in zustimmendem Sinne. Die genannten Redner und mit ihnen die Abg. Jöckel, Schmeel und Pitthan ziehen hieraus den Schluß, daß nunmehr keine Veranlassung zu weiterer Verschiebung der Vorlage gegeben sei, zum Anderen die, daß in dem Schweigen Zustimmung zur Stellungnahme der Mainzer Handelskammer gefunden werden müsse, endlich die weitere, daß die von einzelnen Rednern, besonders dem Abg. Weidner geäußerten Befürchtungen schwerster Schädigung des kleinen Gewerbetreibenden gewiß unberechtigt seien, weil sich sonst die interessierten Kreise, insbesondere i die Handelskammern längst würden gemeldet haben. Finanzminister Gnauth wünscht keine Erregung über eine solche Vorlage, lieber das System der Regelung bestehe kein Streit zwischen Regierung und Ausschuß. Einigen redaktionellen Aende- rungen stimme die Regierung zu. G wisse Meinungsverschiedenheitkn im Ausschuß über Tarifbestimmungen seien lkicht zu erledigen und gäben keinen Anlaß zur Erregung. Die vom Ausschuß oorgeschlagene Verdoppelung der vorgesehenen Brstemrung der Wandrrlager werde das Gesetz nicht zu Fall bringen. Abg. Molthan spricht über Wanderlager, in denen er einen häßlichen Auswuchs des Geschäftsverkehrs erblickt; er hat im Ausschuß die erhöhte Besteuerung oorgeschlagen, um ihre Erschwerung obit Beseitigung zu erzielen. Abg. Ulrich nennt sie die Folge unserer modernen Entwickelung des kapitalistischen Handels und steht in der größten Be- | steuerung nickt das Mitte! ihrer Bekämpfung. Abg. Wolf steht in der Vorlage den Charakter eines „steuer- | politischen Athrensammlers" ausgedrückt. Finanzminister Gnauth weist darauf hin, daß nach Beseitigung I der staatlichen Gewerbesteuer und ihrer gleich,eiligen Aufrechterhaltung I als Grundlage für die Gemeindesteuer es sich um Beseitigung einer I Lücke handle, die mit dem 1. April 1901 eintrrten werde. Logischer I wäre es ja, zu Gunsten der Gemeinden, auch den Wandergewerbe- I betrieb zu bestimmen; praktisch aber sei dies undurchführbar. Der I Zwang zur Besteuerung ergebe sich daraus, daß der stehende ein- I heimische Gewerbebetrieb geschützt werden müsse gegenüber Heusterern I und ihnen gleich zu achtenden Detailreisenden und ferner aus der I Notwendigkeit der gleichmäßigen Behandlung beider Arten von Ge- I werbetreibenden. Geh. Obersteuerrat Bickel betont die vielfachen Klagen von I Gewerbetreibenden stehender Gewerbe über die ihnen durch Reisende | und Hausierer der umliegenden Bundrsstaaten zugefüglen Schädig- | ungen, denen durch die Vorlage soll begegnet werden. Der Antrag wftd aus formellen Gründen zurückgezogm und sein späteres Wirderetnbringen Vorbehalt n Nach Annahme sämtlicher Artikel w der Tarif in Beratung genommen. Zu I 1 (siehe oben) beantragt die Ausschußmehrheit, diese Nummer ganz ausfallen zu lassen, da diese Erwerbsart meist armseliger Natltr sei und in der Regel von arbeitsunsähigm Leuten ausgeübt werde. Finanzminister Gnauth bittet, es bei der Regierungsvorlage zu belassen, da die Regierur g auf Grund der ihr erteilten Ermächtigung (nach Art. 4) keinen Anstand nehmen werde, arbeitsunfähigen Personen die Wandergewerbesteuer ganz zu erlassen. Der Ausschußantrag wird angenommen. Auch Punkt 3 zu I wird nach Antrag des Ausschusses gestrichen. Heber die Tragweite des Gesetzes gegenüber Detailreisenden (II) gaben Oderfiuanzrat Dr. Becker und Finanzminister Gnauth aus Anfrage der Avg. Schönberger und Wolf einige Aufklärungen. Gegen die vom Ausschuß vorgeschlaqene Ermäßigung deS Steuersatzes der Regierungsvorlage (30—200 Mk.) hat Finanzminister Gnauth nichts etnzuwenden. Diese wie alle übrigen Positionen deS Tarifs werden hierauf nach dm Anträgen des Ausschusses erledigt. Damit ist die Vorlage erledigt. Stz)luß bet Sitzung l'/r Uhr. — Nächste Sitzung Mittwoch, 9 Uhr vormittags. ■Mitit ■nWn ih ■Äs»»» ■II«. daß (Jytaiw |e "«sZF'h--« ■ l1* in $anT? N Ui Seit btnu fe U deshalb bi’ ’u "r ■un« ber-SHur IterUttiqeT? f" I N ntw. CMm KrQnffurt g. U c I en ^on entschieden ^ D K erklärt. Serben sien ri^ren Sie, L M Dom Zentrum M Dom Äbg. Limburgs. :Iei w'ssenschafllicheni- 'r Muckzukommen sei 2 000 Mart-Asin- blick gesucht, wo die ns deutscher >ni- nern geflossen (Große Heitert, Veröffentlichung & geschehen fei ck über UnsW M Mm ■imburg ja»rt nlm 1 und wilt i)ic Wi? Ernst bitfet Ausfich jen die dre/HriM ie W/MSgaben y Mwurden unb I; £ taatssekretär Graf Posadowsky: Nun kann imn streiten über die politiscbe Opportunität des Vor- (jitljtiiS, aber im übrigen wuroe die Sache übertrieben. -Mi hätte die Summe auch aus dem Truckschriftenfonds ndjmpn können. Wenn das nicht geschehen ist, so mag lli: Ursache eine gewisse bureaukratische Aengstlichkeit ge- loefcn sein (Heiterkeit), oder es mag der Geoanke obge- wahee haben, daß der größte industrielle Verls iiiid, den wir in Deutschland haben, ein so großes Interesse (Hort! hört! bei den Sozialdemokraten) daran Hotte, auf Grund des amtlichen Materials die Arbeiter : Wer den wirklichen Inhalt des Gesetzes aufzuklären, so >) aß m an ihm auch die Kosten hierfür aufbürden konnte Unnifje). Ich muß an das Waxt des französischen Kri- ■ »mallsten denken, der da sagte: Geben Sie mir zwei 3fi(eic von der Hand eines Mannes und ich basiere ein owitilverbrechen darauf. Wie wenig beim Reichsamt >6 Innern der Gedanke maßgebend war, daß man durch >ieje Publikation noch das Gesetz durchdringen konnte, i >11(111" kann ich eine amtliche Thatsache anführen. Wir xiiten inzwischen noch große Mengen von Material von «Berichten und Verwaltungsbehörden zur Begründung des »Gesetzes zum Schutz der Arbeitswilligen bekommen? Wir iahen auch daraufhin eine Nachtragsdenkschrift ausge- «iricilct (Hört.' hort! bei den Soz.), die wir aber dem kKnckstag nicht mehr vorlegten, weil wir der Ansicht waren, daß es bei der Stimmung des Hauses doch ver- Lteblid) war. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) $d) kann versichern, daß ich nach den Angriffen des !^cichstags nochmals an sämtliche Regierungen geschrieben ) abc, die Material geliefert haben, daß dieses einer (»rgsöltigen Durchsicht unterzogen worden ist, daß sich cber nur in ganz unwesentlichen Punkten Irrtümer her- i^gestellt haben. (Lachen bet den Sozialdemokraten.) Der Webner bestreitet die Abhängigkeit, des Reichsamts vom Zentralverband, gegenüber ölige Geld für bieiüto ir die Miliza.^ee n iijährige Tienra ipiiöer jt bann ben ^icgiminifKi er b/H'eu benianw eine beutle #W ' ' legeres bie NeutraH rner, ob wirklich ekzr M^eHmden M ürechk des Reichst^ ig sei auch, tvtnn ta erkanonenboolen für et" gung gestellt trenV, btr mb Ausgaben W ta lefinden wir uni in w it des Innern • er Seift, lieber bir sehr wenig gestat° morden über M :e liegen vor. Gebiete erwartens , nonimen rvorbe^- eiterfrauen, rlagezu ernj»^ hon bemanM ^b L;e S'/M w. Z N L den M sein wurde. ': -m Köhlerglaube |W eüschasl i)t cSmeniy” W ■'000 itC i ■ Neu eröffnet! An Reparaturen und Umänderungen. 7115 Prachtvolle Neuheiten 6603 in Gaskronen etc. als deren Elektrische Lampen. 8044 HM Veröffentlicht: 8045 7 £93 5 Neid hart, Gerichtsschreiber. Echloßgaffr. Brandts. Horst. 8043 !!! Bitte meine Schalltoter zu boaehtenü! Nr. 809. 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