150. Jahrgang Dienstag den 13 November 1900 Erstes Blatt Gießener Anzeiger Keneral-AHeiger Amts- und Anzeigsblatt für den Ureis Gieren 7. i«c MHtfl ^aris WM« \ 4. 5. 1. 2. 3. 8. 9. 10. 11. 12. anlage und entlang des Mittelwegs von der Grünbergerstraße aus. Alle Anzeigen-BermittlmrgSstellen bt8 In- und AuSlaudeA nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. •kbettten, Expedition und Druckerei: -chnlftraße Ar. 7. Moderne künstlerische Seidenstoffe von höchstem Interesse für die ganze Damenwelt, insbesondere aber auch für die Fachkreise der Seidenindustrie wird, wie man uns schreibt, die Ausstellung der Künstler-Kolonie in Darmstadt (1. Mai bis 1. Oktober 1901) zum erstenmal vorführen. Prof. Hans Christiansen hat eine Reihe wundervoller Muster entworfen. Diese köstlichen Stosse dürften auf dem Gebiete des neuzeitlichen Kostümwesens geradezu bahnbrechend wirken, und die Ausstellung wird durch diese für die gebildete Damenwelt einen neuen, wirkungsvollen Anziehungspunkt gewinnen. DerNeubaudesFrankfurterSchauspiel- hauses schreitet mächtig voran, die Arbeiten sind bereits bis zur Firsthöhe des Hauses gediehen, an der nördlichen Front beginnt sich schon der mächtige (Liebel alten Steinbacher Wegs. Fußweg nach der hohen Warte. Marktlaubenstraße während der Marktzeit. Saudgasse von der Marktstraße bis zum Stadtbach. Kleine Mühlgasse. Dreihäusergasse. Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestelle» Vierteljahr!. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Adresse für Depeschen: Anzeiger Htetze»« Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Volkskunde._________________ Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. schinen iche Leistongg. ihuWh* lug. neneeten Ver 18 ftr deren Güte Gewähr geleistet HchrM' .Khinnq- w. ilitfmma. tnommen. «ter! Eifenbahnunglücksfälle. ES giebt keine menschliche Einrichtung, die, wenn sie noch so großartig wäre, nicht die Schatten ihrer Unvollkommenheit an sich trüge. Alle menschliche Kunst und alle Höhe technischer Entwickelung und administrativer Bor- fichtigkeit vermögen diese Schattenseiten nicht ganz aus dem Lichtbilde des Kunstwerks zu entfernen. Die Gestaltung unserer Eisenbahnen ist ein Triumph der Technik, eines der wunderbarsten Zeugniffe menschlichen Ersindungsgeistes, und wer Sinn für Größe hat, den muß es wunderbar berühren, wenn er in dunkler Nacht auf schmalem Pfade ein unbespanntes Fahrzeug mit rasender Schnelligkeit auf sicherer Bahn an sich vorbeisausen sieht. Zwei Männer nur vorn auf der geheimnisvollen Maschine, die dem Koloß fliegende Schnelligkeit diktieren, und drinnen Gäßchen auf der Bach. Erlengasie. Fußweg über die Oberhessische Bahn zwischen Frankfurterstraße und Bahnhof. Wege in den städtischen Anlagen. Fußwege nach dem Philosophenwald, von der Ost- Straßen und Plätzen; hier Erlaß einer Polizeiverordnung. Nachstehende Polizei-Verordnung bringen wir hiermit öffentlichen Kenntnisnahme. Gießen, den 8. November 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Polizei-Verordnung. 13. Trillergasse. 14. Essiggasse. 15. Gäßchen von der Bleichstraße nach der Alieestraße. § 2. Die Benutzung des Platzes „OSwaldsgarten" als Uebungsplatz für Radfahrer ist verboten. § 3. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden nach § 366 Ziffer 10 des ReichSstrasgesetzbuchS mit Geldstrafe bis zu 60 Mk. oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft. Gießen, den 2. November 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. 6. Fußwege im Philosophenwald. Die von der Fahrbahn abgetrennten Fußwege nach dem Schiffenberg, entlang der Kreisstraße und des Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche. Die auf den 27. nud 28. November feftge« setzte» Biehmärkte zu Gießen werden wegen der in größerem Umfange herrschenden Seuche und der durch bic seitherigen Erfahrungen erwiesenen Gefahr der Seuche« Verschleppung aufgehoben. Gießen, den 10. November 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. in den erleuchteten Wagen Hunderte von Menschen, schlafend, spielend, sich unterhaltend, im Gefühle der Sicherheit, die vor kurzem ihren Lieben daheim geschrieben oder tele* graphiert: „Ich komme bestimmt, erwartet mich am Bahnhöfe." Bor dieser gewaltigen Erscheinung unseres technischwissenschaftlichen Jahrhunderts verblaßt alles, was die Alten an Kultur geschaffen, und den modernen Menschen ergreift ein Gefühl ruhigen Stolzes, nicht ob der gemeinen „Nützlichkeit- dieses Werkes, sondern weil in ihm menschlicher Erfindungsgeist und menschliche Schaffenskraft einen geistigen Triumph über die tote Materie feiern. Freilich erhält das glänzende Bild tiefe Schatten, wenn Angstschreie aus dem sausenden Fahrzeuge unser Ohr be- rühren, wenn verstümmelte Leichen, zerschmetterte Glied« maßen uns die Unvollkommenheit alles Menschlichen so grausig vors Auge führen . . . Die letzten Monate hatten wiederholt Eisenbahn- Unglücksfälle von bedauerlichem größerem Umfange zn verzeichnen, und das letzte in Offenbach trägt einen ganz besonders schrecklichen Charakter; es zeigt uns das entsetzliche Bild, wie ein halbes Dutzend Menschen bei lebendigem Leibe verbrennen mußte. Da fragt man sich denn mit Recht, wie solchen Fällen vorzubeugen sei, und man kann und will sich nicht mit dem fatalistischen Einwand begnügen, daß das Unglück eben eine Begleiterscheinung des allgemein Menschlichen ist. Die Oeffentlichkeit verlangt mit Recht nach größerer Betriebssicherheit, namentlich dort, wo durch Ber- besserung der technischen Einrichtungen vorbeugend gearbeitet werden kann. Es ist aus Anlaß des schrecklichen Offenbacher Unfalles darauf hingewiesen worden, daß die O-Wag en besser konstruiert werden müßten, damit sie sich im kritischen Moment nicht als „Totschläger- erweisen, man hat mit Recht statt der Gasbeleuchtung elektrisches Licht gefordert. Aber die Hauptschuld an diesem, wie in manchem anderen Falle, liegt doch auf einem anderen Gebiet, das ist die ungenügende Räumlichkeit unserer Bahnhöfe. Daß unsere Bahnhöfe zum großen Teil nicht groß genug sind, das wiffen wir hier in Gießen ganz genau. Auf Grund des § 12 Abs. 2 und 3 der Verordnung vom 10. Oktober 1899 die Fahrräder und Automobilen betr. und Art. 56 der Städte-Ordnung wird nach Anhörung der Stadtverordneten-Versammlung mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern vom 15. Oktober 1900 zu Nr. M. d. I. 17922 für die Provinzialhauptstadt und die Ge- Aarkung Gießen verordnet, wie folgt: § 1. Das Radfahren ist auf nachstehenden Straßen, Plätzen rmd Fußwegen verboten: Tischler rückten mit einem Aufgebot von drastischer Komik ins Feld, die ihre zwerchfellerschütternde Wirkung nicht verfehlte und über die für unseren Geschmack bisweilen zu breit ausgesponnenen Szenen hinweghalf. Das stärkste Gelächter riefen die parodistischen Gesangsnummern im ersten und zweiten Akt hervor. Hierbei lernten wir Herrn Portz auch als Tenorbuffo von sehr schätzenswerter Qualität kennen. Zudem standen seine erstaunliche quecksilberige Beweglichkeit und seine beunruhigende Redseligkeit in äußerst ergötzlichem Kontrast zu dem trockenen Humor und der unerschütterlichen Bier-, oder vielmehr Schnapsruhe des Herrn Direktor Helm. Den Damen Eichenwald und Kugler, die den Salon Zwirn episodisch schmückten, hätten wir etwas mehr Hingabe gewünscht. Indem sie um die Gunst des reich gewordenen Schneiderleins wetteiferten, ließen sie es an Eifer nach Anereknnung des Publikums fehlen. Frl. Wo hl brück hätte sich, als Peppi freier, ungezwungener geben dürfen. Der übrige Teil der Vorstellung — na, es war ein Sonntag. Die geschickte musikalische Travestie würde doppelt so erheiternd wirken, wenn es sich hierbei um Melodien aus unseren Modeopern handeln würde. Adolf Müller, der die hübsche Musik zu dieser, wie zu mancher anderen Posse geschrieben hat, konnte natürlich dazu nur Opern benutzen, die in Wien während der dreißiger Jahre populär waren. Auch die Einlagen gefielen sehr, zu denen ii. a. auch Adolf Baer und Prinz Tuan herhalten mußten. Merkwürdig wenig belacht wurde der hübsche Scherz des Herrn Helm, daß sein .Knieriem in Neuenahr all sein Geld losgeworden sei. Im ganzen vermißte man aber doch die Sorgfalt in der Vorbereitung, es mangelte der frische flotte Zug, den derartige Karnevalsspäße unbedingt erfordern. Es machte den Eindruck, als ob der Inspizient seines verantwortungsvollen Amtes hinter den Koulissen überhaupt nicht waltete, sodaß von einem prompten Jneinander- greisen der Szenen nicht die Rede sein kann. P. W. Bekanntmachung. Betr.: Den Verkehr der Radfahrer auf öffentlichen Wegen, Gießener Stadttßeater. Lumpaci Wagaöundus oder das tüderkiche Kteeölatt. Posse von I. Nestroy. „So einen gemeinen Titel hätte ich nicht niederschreiben können", sagte Ferdinand Raimund, der Zau- bermärchendichter, zu einem Freunde, als im Jahre 1833 der „Lumpaci Vagabundus" zum erstenmale auf den Anschlagzetteln Wiens angekündigt wurde. Und als er der ersten Vorstellung beigewohnt hatte und Zeuge ihres Er- silges gewesen war, da ahnte er, daß das Publikum von ihm, dem sentimentalen Romantiker, zu dem parodierenden jüngeren Komiker, der seine, des älteren künstlerisch unendlich wertvollere Stücke ins Lächerliche herab- pg, übergehen würde. Und er hatte für seine Zeit recht, Nestroy verdrängte ihn von der Bühne und aus den Herzen der Wiener. Der „Lumpaci Vagabundus" aber trat seinen Siegeslauf über alle deutscl-en Bühnen an, md überall sahen der böse Geist und die ihm unter-, lhänigen drei Gesellen Leim, Zwirn und Knieriem volle Häuser. Und em wohlwollender Beurteiler findet sie auch heute noch erträglich, während die anderen 60 Stücke Icestroys vergessen sind. Die Posse des im Jahre 1862 verstorbenen Johann Nepomuk Nestroy, der nach dem Erfolge des Lumpaci Vagabundus auch als Direktor des Karltheaters in Wien wegen seiner originellen Darstellung komischer Rollen und seiner derb-humoristischen Lhurakterzeichsnungen eine Wiener Berühmtheit blieb, hat zweifellos im Laufe der Jahre infolge der veränderten «eschmacksrichtung, die das Derbe und Drastische nicht mehr so wie früher zu sehen liebt, bedeutend an Wirkung verloren: einen nicht anspruchsvollen Zuhörerkreis aber toirb sie immer noch durch ihre harmlosen Späße erheitern. Auch am Sonntag unterhielt sich der größere keil des vollbesetzten Hauses ausgezeichnet. Das lüderliche Kleeblatt von Handwerksburschen ist eigentlich das ganze Stück, und wenn sie schlecht gegeben tofiben, sieht es um den Erfolg übel aus. Mer Herr Y^rtz, ein Gast aus Köln, als der nach Höherem stiebende Schneider Zwirn, Herr Helm als Schuster Knie- riemr mit ewigem Durstgefühl — den man sonst mit »nsndlich viel Westen auf dem Leibe kennt — und Herr d' Balthyni als der freilich etwas lederne Leint- zu erheben und an der Promenadenseite des Baues leuchten die großen gelblich weißen Sandsteinflächen der Seitenwand durch das Gerüstwerk hindurch. Hält die gute Witterung an, so wird der Rohbau des Hauses in diesem Jahre fast vollendet — eine ganz respektable: Leistung. In anbetracht der schnellen baulichen Entwicklung hält man die Erledigung der Bühneneinrichtungs- srage jetzt schon für angebracht. Von verschiedenen Seiten werden Vorschläge gemacht und mehr oder minder praktische Erwägungen darüber gepflogen, ob das neue Haus die einfache Horizontalbühne oder die drehbare Bühne nach Lautenschlägerschem Vorbild erhalten soll, lieber die praktische Bedeutung der letzteren ist kein Wort zu verlieren; denn der beständige Szenenwechsel fast jeder klassischen Vorstellung geht zu sehr auf Kosten des inneren Zusammenhangs des jeweiligen Stückes und der Illusion, als daß man nicht das neue Verwandlungssystem, das diese Mißstände beseitigt, mit Freuden ber jedem Bühnenneubau acceptieren sollte. Die Einrichtung der drehbaren Bühne kostet allerdings 30 000 bis 40 000 Mk., allein diese Mehraufwendung wird überreichlich' verzinst durch die großen Annehmlichkeiten, welche die neue Einrichtung bietet und so, wie z, B. in Frankfurt, elektrische Energie zur Verfügung steht, dürften sich die Kosten Wohl auch etwas niedriger stellen. Intendant Claar ist ein Anhänger der neuen Methode und hat bereits seinen ganzen Einfluß zu Gunsten der drehbaren Bühne geltend gemacht. Auch die Herren des Auffichtsrates der Neuen Theater-Aktien-Ge- sellschaft haben sich der Behörde gegenüber zu Gunsten der drehbaren Bühne geäußert, sodaß wohl kein Zweifel besteht, daß das neue Haus mit dieser Einrichtung versehen wird. inhi6^lt d Umgegend 58H lenweg < und Fahrräder, orfiänc Stück. ■ zum JmhM giftitt. Wt w , sch8^’' £ M. 266 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Mnmttlenvtätter werden dem Anzeiger hn Wechsel mit „Hess. Landwirt" n. „Blätter Mr Hess. Volkskunde- roöchtt. 4 mal beigelegt. Der daraus folgende Hauptübelstand für de« Reifeudeu ist, daß sehr häufig die Züge nicht einsahreu können und auf freiem Felde halten müssen. Es stellt sich immer mehr als ein unabweisbares Bedürfnis heraus, daß das Geleis-Terrain auf den Bahnhäfen von nur einigermaßen verkehrsreichen Stationen erheblich vergrößert wird, denn der Bahnhof ist das Herz des Verkehrs. Die zunehmende Berkehrssteigerung bringt eine immer größer werdende Konzentration des Wagen- rc. Materials in den Bahnhöfen zu Stande; das Terrain auf tiefen muß nun von einer derartigen Aufnahmefähigkeit sein, daß es alle Maschinen- und Wagenschiebungen mit Leichtigkeit „verdauen" kann. Dadurch allein wird das Halten auf den Strecken, auf freiem Felde, das sich oft als eigentliche Ursache von Unfällen gezeigt hat, vermieden. Aufgabe unserer Bahnverwaltung und noch mehr unserer Parlamente wird es sein, auf diesen Umstand ein besonderes Augenmerk zu richten; insbesondere werden es sich unsere Volksvertretungen abgewöhnen müssen, bei Bahnhofsbauten die sonst bei allen Dingen vorteilhafte Sparsamkeit walten zu lasten, eine Forderung, die sich der Eisenbahnfiskus selbstverständlich erst recht wird merken müssen. Geräumige, viergeleisige Bahnhöfe, die den in ihnen sich stauenden Wagenverkehr derartig bewältigen können, daß die Strecken zu jeder Zeit frei sind, das scheint eine Hauptforderung rationeller Verkehrstechnik zu sein und es wäre zu wünschen, daß FiSkuS und Volksvertretung gleicher Weise an der Verwirklichung dieser Forderung arbeiten wollten. Politische Wochenschau. Am Mittwoch beginnt die Reichstagssession, deren Anfang seit dem Sommer dieses Jahres der Gegenstand eines sehr heftigen Streites gewesen ist. Alsbald nach dem Beginn der chinesischen Wirren war die Forderung nach der Einberufung des Reichstages erhoben worden, und diese Forderung, der die Mehrheit der Parteien anfangs ungünstig gegenüberzustehen schien, hatte allgemach immer mehr Verfechter gefunden. Freilich erfolglos, denn die Regierung stellte sich auf den Standpunkt, daß der Reichstag immer noch früh genug einberufen werden würde. Heute ist vielleicht auch die Regierung zu der Erkenntnis gelangt, daß es auch! von ihrem eigenen Standpunkte aus richtiger gewesen wäre, die Forderungen für die chinesische Aktion in einem Zeitpunkt geltend ßluj machen, wo der Kritik noch nicht ein jo breiter Boden gegeben war, als jetzt. Es ist selbstverständlich, daß die Jndemuitätsvorlage bewilligt werden wird, aber in diese Bewilligung wird der Wermutstropfen herber Kritik fallen, die sich gegen die mancherlei Einzelheiten, die mit dem Vorgehen gegen China verknüpft waren, richten wird. — Dem Bundesrat ist der Etat für die Expedition nach Ostasien in Form eines dritten Nachtragsetats für 1900 zugegangen. Zur Bestreitung der einmaligen außerordentlichen Ausgaben werden 152 770 000 Mark gefordert, die auf dem Wege -es Kredits flüssig zu machen sind. Die Vorlage bestimmt: Soweit Ausgaben auf diesen Betrag zu Verwendungszwecken bereits geleistet sind, werden sie nachträglich genehmigt und kommen auf den bewilligten Kredit in Anrechnung. Von der Forderung entfallen: 119 800 000 Mark auf die Heeresverwaltung, 15 857 000 Mark auf die Marine, 380 000 Mark auf die Post- und Telegraphen- Verwaltung, 243000 Mark auf Pensionen usw. und 70000 Mark Kosten für eine T e il n e h m e r-Metz/ail le. Die Ansätze, so heißt es in der amtlichen Mitteilung weiter, entsprechen dem überschläglichen "Schätz- «ngsbedarf bis zum 31. März 1901. Für das Rechnungsjahr 1901 wird eine weitere, entsprechende Vorlage gemacht, sobald die Verhältnisse genügend übersehbar sind. Die Begründung des Etats besagt, die Form eines Nachtrags-Etats sei gewählt, um bei der Unsicherheit der Schätzungen wenigstens diejenige Gliederung der Ausgaben zu bieten, die gegenwärtig möglich sei. Der Vorlage ist eine Denkschrift beigegeben über die politische Notwendigkeit der Expedition, über die Maßnahmen der einzelnen Verwaltungen und deren Finanzierung. Die Stärke des ganzen Expeditionskorps beträgt 582 Offiziere, 120 Sanitätsoffiziere, 161 obere Beamte, 18 712 Mannschaften, 27 untere Beamte und 5579 Pferde. Ersatzsendung für den Abgang ist nur vorgesehen, wenn tzie Verhältnisse cs durchaus erfordern. Im übrigen sind die Dinge in China auf dem alten Fleck stehen geblieben. Die Mächte verhandeln und verhandeln miteinander und kommen vor lauter Verhandlungen nur sehr wenig vorwärts. Die Machthaber in Jfyina aber machen firij diesen diplomatischen Schlendrian, -er durch die mancherlei militärischen Erfolge nicht wett gemacht werden kann, zu Nutze und leisten einen passiven Widerstand, bei dem sie mehr Erfolge erzielen, als früher Ser den aktiven. Jedenfalls ist das Facit der in der »ongen Woche eingelaufenen Nachrichten, daß die chi- nesstchen Machthaber fürs Erste gar nicht daran denken, yigcben^enin^en ^”d)te freiwillig und gutwillig nach- Wir sind freilich daran gewöhnt, daß uns von Asien »lchts gutes kommt, und wir wurden an diese Thatsache erinnert als dckr Pest fall in Bremen die Befürchtung wachrief, daß es sich hier vielleicht nicht um einen vereinzelten Pestfall handele. Daß dieser unheimliche asiatische Gast uns eine ernftlübe Visite abstatten könnte, -fft nun nicht mehr anzunehmen, und die Beunruhigung die ein zweiter Erkrankungsfall in Hamburg erregte hat fick erfreulicherweise als grundlos und der Erkrankungs- fall als eine harmlose Halsaffektion erwiesen. Der kurze Besuch der Pest ist übrigens diesmal nicht direkt aus Asien sondern auf dem Umwege über Süd-Amerika zu uns ge' iomnien, woraus hervorgeht, daß unsere Maßnahmen, eine Einschleppung der Pest zu verhindern, fid) nach allen Richtungen zu wenden haben. Nach Amerika hatten fid* diesmal auch sonst unsere Blicke diese gunze Woche hindurch gerichtet, denn in den Bereinigten Staaten tobte der gewaltige Wahlkampf, der zu Gunsten der Republikaner, zu Gunsten Mac Kinleys entschieden worden ist. Nicht nur bei der Präsidentenwahl erzielte« die Republikaner eine Mehr- ,eit, welche die von 1896 übertraf, sondern auch die Wahlen zum Kongreß endeten mit dem Siege der Republikaner, odaß deren Regiment auf weitere vier Jahre gesichert ist. Für das „Temperament", mit dem in Amerika gewählt wird, ist übrigens die Meldung kennzeichnend, wonach bei dem Austrag der Wahlwetten in Kentucky sechs Mann über den Haufen geschossen wurden. Das ist echt amerikanisch. Aber nicht minder echt amerikanisch ist das Wahlmanöver der Republikaner, die einen Tag vor den Wahlen die Schwind ein ack) richt verbreiteten, daß der Kriegaufden Philippinen angeblich in den letzten Zügen liege. Tas entpuppte sich alsbald als ebenso eitel Schwindel, wie die von den Engländern schon so in die Welt gesetzte Nachricht, wonach der Guerillakrieg in Südafrika seinem Ende entgegengehe. Diese Nachricht ftnüet jogar in England selbst keinerlei Glauben mehr. Macht sich doch die englische Kriegsleitung bereits mit dem Gedanken vertraut, daß der Burenkrieg noch ein halbes Jahr dauern könne. In der That ist es nicht zu verkennen, daß der Widerstand der Buren gerade in letzter Zeit unverkennbar an Energie gewonnen hat, und die Bewunderung aller verdient die heldenmütige Tapferkeit, mit der >ie zusammengeschmolzenen Sckaren der Buren für ihre Sache kämpfen. Der Prozeß Masloff in Könitz. Kvnitz, 9. November. Die Sitzung wird um drei Uhr durch den Präsidenten eröffnet, der sogleich dem Ersten Staatsanwalt das Wort erteilt. Er führt aus: Ein grauenvoller Mord hat die allgemeine Aufmerksamkeit in hohem Maße erregt. Leider ist es bisher allen Bemühungen von Bell ö'rden und Beamten nickst gelungen, den Mörder aus- fuldig zu mach>en. Die sogenannte Volksmeinung hat die Behörden nach einer bestimmten Richtung hin zu drängen sich bemüht, aber die mit der Ermittlung und Untersuchung betrauten Beamten haben trotz der eifrigsten und unparteilichsten Prüfung nach dieser Richtung hin nichts zu ermitteln vermocht. Die Beweise bei den nach dieser Richtung hin verfolgten Spuren waren nicht ausreichend, uni daraufhin irgend einen bestimmten Verdacht begründen zu können. Bei dem heutigen Prozesse steht aber nicht der eigentliche Mord im Mittelpunkt, es handelt sich hier nickst darum, die Frage zu entscheiden, ob Ritualmord oder nicht, und es handelt sich auch nicht um den oder die Thäter, die das Verbrechen an Winter verübt haben, es handelt sich heute ausschließlich um das Verbrechen des Meineides, dessen die Angeklagten sich schuldig gemacht haben sollen. Was den Mord Winters anbelangt, so ist es heute nur möglich, sich auf die Thatsachen zu stützen, die für das Verschwinden Winters noch vorhanden sind, und auf die Thatsachen, soweit sie sich auf die Auffindung der Leiche beziehen. Winter ist eines gewaltsamen Todes gestorben, das haben die Aussagen und Gutachten der Gerichtsärzte bewiesen. Die erste Annahme ging dahin, daß Winter in den Wohnräumen einer Dirne ums Leben gekommen sei. Dann lenkte sich der Verdacht auf den Fleischermeister Hoffmann. Hier waren indessen die Beweise nicht ausreichend. Darauf richtete sich der Verdacht gegen Lewy. Zehn Tage nach dem Morde erschien Masloff auf der Polizei, um dort seine Wahrnehmungen zu bekunden. Alle Nachforschungen bei Lewy ergaben aber ein negatives Resultat und absolut nichts Belastendes. Erst am 13. April, also 25 Tage nach dem Morde, erschien Frau Roß und erzählte von den Wahrnehmungen, die jener Knecht gemacht haben wollte. Daraufhin trat das Nebenuntersuchungskomitee in Thätiakeit und machte allerlei Anzeigen, die dazu führten, daß die Angeklagten mehrfach eidlich vernommen wurden. Der.Staatsanwalt geht nun des Näheren auf die bekannten Aussagen Mas- loffs und der anderen Angeklagten ein. Er weist dabei auf die verschiedenen Widersprüche hin, die sich zwischen den Aussagen der Angeklagten vom 23. April resp. 2. Mai und denen vom 8. Juni ergeben. Tie Geschworenen sollen jetzt nun entscheiden, ob die Anklage berechtigt ist oder nicht. Masloff hat unbedingt am 2. Mai einen Meineid geschworen. Amtsrichter Pankau hatte ihn eindringlich verwarnt und trotzdem hat Masloff höchst wichtige Dinge verschwiegen. Das Gleiche gilt von Frau Roß, die schon früher vernommen wurde, und von Frau Masloff und Frau Berg. Auch ihre Aussagen haben zahl - ; reiche Widersprüche ergeben und der Augenschein widerspricht den Angaben Masloffs. Masloff widerspricht sich in einem fort. Die Zeugen-Aus- fagen haben auch ergeben, daß Masloff bei seinen Erzählungen dritten Personen gegenüber widersprechende Angaben gemacht hat. Die Aussagen der Handlungsgehilfen Puppel und Kuntzig beweisen, daß Masloff unmöglich seine Wahrnehmungen hat machen können. Der Pfarrer Boenig hat zwar erklärt, daß ihn noch keines seiner Pfarrkinder belogen hat, wenn es freiwillig zu ihm kam. Masloff ist aber nicht freiwillig zum Pfarrer getommen, sondern ist auf Veranlassung der Kriminalbeamten geholt worden. Der Angeklagte hat vor Ostern gebeichtet, hat dann aber am 2. Mai unter allen Umständen falsche Angaben gemacht. Bei den Aussagen der Frau Roß ist von Wichtigkeit die Erzählung ihres Besuches bei Lewy, wobei sie das Wimmern gehört haben will, ferner auch die Geschichte von dem Knechte. Bei dieser letzteren Sache hat sie nachgewiesen er maßen die verschiedensten sich widersprechenden Angaben gemacht. Es ist auch trotz der größten Anstrengungen nicht gelungen, diesen Knecht ausfindig zu machen. Es ist unmöglich, daß jener Knecht und Masloff die gleichen Wahrnehmungen gemacht haben können. Außerdem soll dann ja noch ein Dritter, der Schlosser Berg, die gleichen Beobachtungen gemacht haben. So verdienen denn weder die Angaben von der Roß noch von Masloff Glauben und min ziehe man in Betracht, daß Frau Roß behauptet hat, um 7 Uhr bei Lewys gewesen zu sein und dort Helene Lewy getroffen zu haben. Thatsächlich hat dieser Besuch aber erst uim 9 Uhr stattgefunden, wie dies durch einen weitläufigen Beweis festgestellt worden ist. Frau Masloff hat ausgesagt, dort die Uhrkette und die Photographie Winters gesehen zu haben. Diese Aussagen sind höchst «mirteilt. fcW l-1" Set Verteidiger dc teifen, daß oon be fcm W DaS SotwV «Huldig, grgnt Jtrauen Msl-fftir, Mk, nirbe auch ju 3 ja btt - ,2Mdm .1 NMail, 1 Msmadchen. 2S JjWhöe: 2 B »* Gin flonytt Hj den 23, Mmk Her ausgezeichnete! ltöder unwiderruflich ifi für Gießens Run liegt es uni, andere selbst in Berlin hab« in diesem Jahre ( Das HM Äto ift auSybaut, no fort geg Einzelheiten; dabei !»eS Untergebenen g Aeberetnstimmng, «irkrn. In einer t'ifter Clarinettist *erche Künstler, j knlenöe, mitschaff mfiossenen Woche Verein mit bern j?( N. bar DmollS SoMjolinen dem ®et einiger Ar Städte MH. K Meininger iw unglaubwürdig. Die Pbvtographie sollte offenbar beweisen, daß Lewy fmit Winter in sehr intimen Verkehr taut) und daß der Letztere an Moritz sein Bild geschen» hat. Es ist doch festgestellt, daß vor dem Tode WintetB keinerlei Photographie desselben außer dem Klassenbild« existiert hat. Es hat Frau Berg dann über das Taschentuch ausgesagt, daß es mit einem W. gezeichnet gewesen ei. Bei sofortiger Nachsuchung ließ sich jenes Taschentuch jedoch nicht finden und die Angaben der Frauen Roß und Berg sind über die Zeichnung auf dem Taschentuch s» verschieden, daß man annehmen muß, dieses Taschentuch hat niemals existiert. Ten Aussagen der Angeklagten teht das Zeugnis der Familie Lewy gegenüber, das nuter- tützt wird durch eine sehr große Anzahl von Zeugen. Frau Roß will um 7 Uhr, Masloff um 10 Uhr wimmern gehört haben. Winter mußte aber scvon um 7 Uhr tot sein. Erhaben überdies alle Zeugen ausgesagt, daß die Familie Lewy durchaus harmlos ist. Dahingegen bezeichnete der Untersuchungsrichter Maßloff und Frau Roß für völlig unglaubwürdig. Unerheblich sind die Angelegenheiten Js- raelski und Eisenstädt sowie der Fall Matheus Meyer, sie stehen in gar keinem direkten Zusammenhang mit den Beschuldigungen gegen Lewy. Alle Angaben der Angeklagten sind augenscheinlich erfunden zu dem Zwecke, die ausgesetzte Belohnung zu verdienen. Es haben fänü- licheAngeklagteoffensichtlicheinenwissent- lichen Meineid geleistet. Der Erste Staatsanwalt schließt mit dem Antrag auf Schuldig in allen Punkten. Es nimmt nunmehr der Oberstaatsanwalt ba£ Wort. Er stellt sich gleichfalls auf den Standpunkt, daI die Anklage durchaus begründet ist. Es haben die Angeklagten Behauptungen ausgestellt, die nur dann Sinn haben, wenn man annimmt, daß der Gymnasiast Winter im Lewy'schen Hause getötet worden ist. Ist hingegen die Familie an diesem Tode unschuldig, so sind die Angeklagten schuldig. Nun müssen auch Zeugenaussagen nachgeprüft werden. Es sind nicht immer zwei Aussagen, die sich widersprechen, so zu verstehen, daß die eine eint bewußt falsche ist. Keineswegs! Im Falle Eisenstädt- Schlochau find beispielsweise beide Aussagen augenscheinlich nach! bestem Wissen gemacht, trotzdem sie sich widersprechen. Die.AussagenHugoLewysmüssenats zutreffend erachtet werden, da sie durch eine große Reihe von Zeugen unterstützt werden. Eine besondere Kategorie von Zeugenaussagen sind jene, bei denen von Blut geb rauch der Juden die Rede ist. B e - tannt ist es zunächst, d ifj in den jüdischen Religionslehren kein Wort über den Ritualmord steht. Auch Fürstbischof Kopp teilt diese Ueber- zeugung der Gelehrtenwelt. Die Vorgänge im Laden der Familie Meyer müssen gleichfalls als unwahr erscheine« und dies uplsomehr, da sie zu drei verschiedenen Zeiten stattgefunden haben sollten, und die Familie doch wahrlich keine Veranlassung hatte, sich mit dem Blut des 18jährige« Gymnasiasten zu besudeln. Wenn man dies alles nachprüft, so wird inan finden, daß man den VersuA als mißglückt erachten in u ß, d i e hiesige« Juden mit einem Ritual mord in Verbindung zn bringen. Gegen die Familie Lewy insbesondere liegt nichi das Geringste vor. Nicht das geringste Belastende konnte gegen diese Personen bewiesen werden, und dafür gäbe es gewiß nicht den geringsten Anhalt, daß sie an einem Komplott beteiligt gewesen seien. Wollte man nun ein anderes Motiv bei irgend einem Mitgliede der Familie Lewy annehmen, s» ist auch hierfür keine thatsäckliche Unterlage vorhanden Ernst Winter ist spätestens um 7 Uhr gestorben. Bis dahi" haben aber alle Mitglieder der Familie Lewy ihr Alibi n a ch g e w i e s e n. Was nach 7 Uhr oorgegangen fein Jon, ist hierbei zunächst ganz nebensächlich. Der Oberstaatsanwalt schließt sich den Ausführungen des Ersten Staatsanwalts an und beantragt das „Sch u l d i g Angeklagten wegen Meineids, da schwere Lwersch:uche vor- liegen und da für ihre Behauptungen kein Beweis erbracht worden ist. m , .... , . Erster Verteidiger Dr Vo-g e l ergreift bar auf das Wort - Es ist bedauerlich, daß nmn in der jetzigen Sckiwnraerichtsperiode nicht über den oder die Mörder deS Ernst Winter zu Gericht sitzen könne. Statt dessen verhandle man über Landfriedensbrüche und Meineide. Trotz der Bemühungen aller Behörden ist es nicht gelungen, Sicf)t in das Dunkel der That zu bringen. Auch jetzt ist etx positives Ergebnis nicht erzielt worden, aber der Meinu«- möchte ich doch Ausdruck geben, daß die Familie Lewy bei That dringend verdächtig erscheint. Gleichwohl gebe ich zu, daß politische nUterlagen für diese Behauptungen nicht vorhanden sind. Immerhin kann ich mich der Beweisführung der Staatsanwaltschaft bezuglisst der Familie Lewy ganz und gar nicht an - schließen. Es muß die That in unmittelbarer Nahe des Mönchsees geschehen sein, und von sachkundiger Seite ist augenscheinlich die Zerstückelung des Leichnams erfolgt. So kommt denn als Thäter entweder Hoffmann oder Lewy in Betracht. Dem Verteidiger kommt es darauf an, fest- zustellen: Ist ein Ritualmord ausgeschlossen ober ist oit Möglichkeit nahe gerückt, daß em solcher verübt worden sein kann? Die Möglichkeit ist vorhanden, und weiteres zu behaupten, wünsche auch die Verteidigung nicht. Daß sich die Angeklagten bei ihren verschiedenen Vernehmungen mehrfach in' Widersprüchen verwickelt haben, muß zugegeben werden, aber im allgemeinen sind ihre Angaben doch richtig, und dies treffe auch auf den Angeklagten Masloff zu, dessen Widersprüche nur nebensächliche Punkte betreffen. In der Schuldfrage bezüglich des Masloff ist über die kleinen Widersprüche hinwegzusehen und daß auch Masloff zuerst den Gang der drei Männer nach dem Mönch fee verschwiegen habe, sei erklärlich durch die Furcht des Angeklagten, wegen des Fleischdiebstahls zur Rechenschaft gezogen zu werden. Der Verteidiger beantragt, Maslosi freiz'usprechen. Rechtsanwalt Hnnrath plattierte noch für Frau Roß Er erklärte die Lewy's für unglaubwürdig uno hält die Wahrnehmung der Angeklagten bei den Lewy» für richtig. In der heutigen Sitzung plattiert zunacW Rechtsanwalt Zielewsky zu Gunsten der Anna Masloff. Sie habe zunächst beschworen, was sie von - ihrem Mann und dessen angeblichen Beobachtungen erfahren bat. Wenn diese Beobachtungen von ihrem Manne fE wiedergegeben sein sollten, so habe Anna Masloff oop. -K 8le6t«, btt ; Kistem I 2* Kiff > 1 Eine n« de hifie ß ' 5,3 berz^W das unter, ^Wn. Frau 2^ y jein. E, ’/Äte bet f B für böIHg un. ^Weiten A Katheus Sehet Anhang mit U yen der Anae- dem Zwecke, du haben sänch nenwisfent- ^taatiantoalt ■M xn (Wen tsanwalt das Standpunkt, daß - haben die An. nur dann Cinri ymnasiast Winter L Ist hingegen o sind die Angk- ’W[agen nach- zwei Aussagen, die eine eint Wie EisenM igen augenschein m sie sich wide Vs müssende sie durch ein stützt werden »jagen sind jent, iie Rede//z Le- iübifd)tvAv den Ritual' teilt tiejeüebei- ige im Laden de, mwahr erscheine -schiedenen Zeitv illie doch wahrliö lut des tS/ähnga bie§ Ä nach den Persu- die Vxt\ig^ in Verbi/^ aniilie W geringste vvr ien biefe PersM ivitz nicht den P plott beteiligt gr- ckeres Motiv » >wy annehmen, I» -rlage Vorhände' wrden. Wdah" W 'HÄt, „2*n Staat» jüt die A» derjprücheM ein Beweis « ergreift d«ck in der « bic Mörder M Statt befien w Keineibe. W SS sf»-> «V« iar ’VrftW "TI,itAw S®1' Se#®Sei»tf »ffit, fj 'S Äm-htnuE ien ye LUtt zB haben, rÄ •Ä ^nach L^t d Sk- te". ierf < fl 7863 Schuhe, Strümpfe etc. 7281 llrluiiintiiuiilinniirii begonnen. Gießen, den 3. November 1900. _____________ Großherzogliches Amtsgericht. Hh. Darmstadt. 11. November. Der Gesellen- I Ausschuß zur Handwerkskammer trat am Don- I nerstag vormittag zu seiner ersten Sitzung in dem Sekre- tariert der Handwerkskammer zusammen. Von Seiten der I Großh. Staatsregierung war Regierungsrat Dr. Usinger erschienen, von Seiten der Handwerkskammer deren Vorsitzender Herr I e a n Falk-Mainz, sowie Handwerkskammer- Sekretär En gelb ach. Nach begrüßenden Worten des Vorsitzenden wies dieser auf das große Interesse hin, das die Staatsregierung der Handwerkerfrage entgegenbringt, und dankte insbesondere dem Regierungsvertreter für sein Erscheinen. Der Vorsitzende wies sodann darauf hin, wie Lehrling — Geselle — Meister im eigentlichen Handwerk I zusammengehören, und daß es nun auch gelte, daS bestehende I Gesetz über die Organisation des Handwerks als praktische Menschen sich zu Nutzen zu machen. RegierungSrat Dr. Usinger bemerkte, daß sich für den Gesellenausschuß nunmehr ein weites Feld seiner Thätigkeit eröffne. Die Mitglieder dieses Ausschusses seien berufen, mitzuwirken im Interesse des gesamten Gesellen- und LehrlingSstandeS im Großherzogtum Hessen. Er hoffe, daß der Gesellenausschuß, wie er jetzt konstituiert ist, möglichst lang erhalten bleibe, und daß alle Hoffnungen, die man an seine Mitarbeit knüpfe, in Erfüllung gehen möchten. Der Vorsitzende der Handwerkskammer leitete nun die Wahl des Vorsitzenden, Schriftführers und deren Stellvertreter für den Gesellen- Ausschuß, aus welcher einstimmig Schreiner Johann Baptist Weiß-Mainz, als Vorsitzender, sowie Schneider Josef Berty-Mainz als Schriftführer hervorgingen. Zu Stellvertretern derselben werden ebenfalls einstimmig gewählt Schreiner Hermann Mailand-Offenbach und Glaser Franz Kämmerer -Offenbach. Herr I. B. Weiß übernahm sodann den Vorsitz mit Worten des Dankes für die auf ihn gefallene Wahl. Nach Besprechung einiger geschäftlicher Angelegenheiten! gab in der Nachmittagssitzung Sekretär Engelbach eine Uebersicht über die bis jetzt gewonnenen Wünsche seitens des Handwerkerstandes zur Regelung des Lehrlingswesens sowie Kenntnis von den bis jetzt über diese Frage eingelaufenen Schreiben. Jede sorgsame Mutter sollte auf den fiat des Arztes hören und beim Waschen der Kinder die ärztlich empfohlene Pktent-MycrhoUn-Seife anwenden. So schreibt z. B. ein bekannter Arzt: „Bet meinem Kindchen (z. Z. '/r Jahr alt) wegen oberflächlicher Hautschrunden rc. zu Waschungen in Gebrauch genommen, hat sich großartig bewährt." Die Patent- MyrrholiwSeife, welche überall, auch in den && Apotheken, erhältlich, ist bereits in vielen Familien unentbehrlich geworden. 6682 Ausschreibung. Für die Neubaustrecke Friedrichsdorf- Friedberg sollen die erforderlichen kiefernen Brückenschwellen, sowie der Bohlenbelag vergeben werden. Erforderlich sind rd. 22 cbm Brückenschwellen und rd. 884 qm Bohlenbelag. Bedingungen und Angebotsformulare können von hier gegen porto- und bestellgeldfreie Einsendung von 1,50 Mk. bezogen werden. Die Angebote find brs zum Termin, am Donnerstag dem 29. November d. I., vormittags 11 Uhr, bei der unterzeichneten Bauabteilung einzureichen. 7366 Gießen, den 12. November 1900. Großh. Bauabteilung. Vermischtes. * Halle, 10. November. Im chemischen Institut der Universität wurden dem Studenten Hans Sachse durch die Explosion eines selbstangefertigten Präparates beide Hände abgerissen. • Loudon, 10. November. Das technische Komitee des Hafens von Dover hat die Vergrößerung der Dockanlagen beschloffen, um das Einlaufen der mäch- tigen Schiffe zu ermöglichen. Die Arbeiten werden unverzüglich in Angriff genommen. Die Kosten der Vergrößerung sind auf 40 Millionen Mk. veranschlagt. Die Schiffahrts-Gesellschaften, die den Verkehr mit Hamburg, Bremen und Newyork vermitteln, wollen die Docks nach Fertigstellung benützen. * Amiens, 11. November. Hier erschoß sich infolge der Leinwandkrisis der Besitzer der hiesigen Leinwandweberei, Delaslus, deffen Fabrik seit Mittwoch den Be° Kistemann & (xrnmbacher Ingenieure, Dussel, Cöln.-Str. 50c. Anfertigung von Fabrikbau-Projekt en« Leitung von Neu- und Umbauten. 5978 Bewährte und unbeeinflusste Beratung in allen technischen Fragen. Aus Stadt und Land. Gießen,gl2. November 1900. ♦♦ Ein Konzert der Meininger Hoskapelle findet am Freitag den 23. November in Steins Saal statt. Der Gewinn dieser ausgezeichneten Kapelle, die, so schreibt man uns, leider unwiderruflich nur einmal hier konzertieren kann, ist für Gießens Kunstleben von hoher Bedeutung. Fern liegt es uns, andere Kapellen dadurch herabzusetzen, aber seihst in Berlin haben die Meininger jedesmal und gerade in diesem Jahre ganz außerordentliche Erfolge gehabt. Was Hans Bülow eingeleitet, hat Steinbach fortgeführt »nd ausgebaut, vollständige Unterordnung des Einzelnen der Gesamtheit gegenüber, und zwar bis in die kleinsten Einzelheiten; dabei aber keineswegs knechtische Unterordnung des Untergebenen gegen den Vorgesetzten, sondern künstlerische lledereinstimmung, erzielt durch jahrelanges Zusammenwirken. In einer Kapelle, wo ein Mühlfeld, Deutschlands erster Clarinettist, mitgewirkt und neben ihm viele gleichwertige Künstler, giebt es keine musikalischen Sklaven, sondern denkende, mitschaffende Musiker. In Berlin hat in den verflossenen Wochen Prof. Joachim es nicht verschmäht, im Verein mit dem Konzertmeister der Meininger, Earl Wendling. das vmoll Konzert von Joh. Seb. Bach für zwei Solo-Violinen dem jubelnden Konzertpublikum darzubieten. Wer mit einiger Aufmerksamkeit die Kunstberichte anderer Städte verfolgt, muß bestätigen, daß jede Gastreise der Meininger ein musikalischer Siegeszug ist. Städtischer Arbeitsnachweis Gieß«, -urschen, 1 Waschfrau, 1 geübte Näherin, 1 Kutscher. Rach frage der Arbeitgeber r 1 Spengler, 1 Metzger, 1 Küfer, 4 Ro ck - nbeiter, 1 Ä-uhmacher, 1 Schneider auf Woche, 1 Bauschremer, 1 Dienstmädchen, ' ^LehrUnge, 3 Bäcker, I Buchbinder, 1 Drechsler, I Friseur, I Kupferschmied, 2 Schreiner, 1 Wagner.__—------ Bekanntmachung. In da» Handelsregister unterfertigten Gerichts wurde unter Rr. 33 eingetragen die Firma „Joseph Stern Söhne" zu Gießen; als Ingber derselben Isaak Stern und Hermann Stern, Kaufleute daselbst; offene Handelsgesellschaft. Die Gesellschaft hat am 24. Oktober 1900 trieb hatte einstellen müffen. Ueber 200 Arbeiter waren in der Fabrik beschäftigt. • Paris, 10. November. Aud Oran wird berichtet, daß heftige Regengüsse dort Ueberschwemmungen verursacht haben. Die Eisenbahnverbindung zwischen Oran und Algier ist gestört. * Newyork, 11. November. Der Dampfer „City of Mondirello- ist auf der Fahrt von Jonmouth in New- Schottland in der Nähe von Halifax gesunken. 40Per- sonen sind ertrunken. ___ SxülM» in »treinifiten frankferter SIMtzkat». Opernhaus. Dienstag den 18. November. „Templer und Jüdrn . Mittwoch den 14. November. „D e r F r e i s ch ü tz". Donnerstag den 15. November. „Norma". Freitag den 16. November. Geschloffen. Samstag den 17. November. In neuer Inszenierung und Einstudierung „Fidelio". Sonntag den 18. November. 3*/r Uhr. »Die Geisha" Abends 7 Uhr. „Die lustigen Weiber von Windsor". Montag den 19. November. Geschloffen. Dienstag den 20. November. Einmaliges Gastspiel des Kgl. Sächs. HofopernsängerS Ejnar Forchhammer „Tristan und Isolde". Tristan: Herr Forchhammer. Schauspielhaus. Dienstag den 13.November. „Johannisfeuer". Mittwoch den 14. November. „Ein Fallissement". Donnerstag den 15. November. „I o h a n n i s f e u e r". Freitag den 16. November. „JohanniSfeuer". Samstag den 17. November. Nm einstudiert: „Die Maus". Lustspiel in 3 Akten von Pailleran. Vorher zum erstenmale: „A n t ö". Italienisches Volksstück in 1 Akt von G. E. Nuni. Sonntag den 18. November. 3Va Uhr. „Charley's Tante". 7 Uhr. „Die Mau s", vorher zum erstenmale wiederholt „Antö". Montag den 19. November. */»7 Uhr. „Fiesco." ♦ ) Wenn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr. ^glaubt, fie für richtig halten zu müssen. Sie habe L sich ganz unbewußt allmählich zu eigen gemacht und ßann an ihnen festgehalten. Dafür, daß der Mord an Ernst Winter von fremden Juden begangen worden sei, kredye, daß von den Konitzer Juden eine Reihe von That- Lhen bestritten werden, die in der jetzigen Verhandlung sich als einigermaßen wahrscheinlich erwiesen hätten. Belastend für die Juden sei auch die Bekundung des Zeugen Prinz, des dummen Alex, auf die mehr Wert zu legen sei, als es von der Staatsanwaltschaft geschehe. Ebenso muß dem Fall Eisenstädt ein größeres Gewicht beigelegt werden. Eisenstädt sei in der Nacht vom 11. pm 12. März nicht im Krankenhause gewesen. Die beiden Krankenschwestern könnten sich nicht irren in dieser Beziehung, der Irrtum müsse bei den anderen, auch! den christlichen Zeugen liegen. Mes weise darauf hm, daß der Mord 'im Lewy'schen - Keller vollbracht worden ist. Wenn auch die Familie Lewy nicht am Morde selbst beteiligt sein möge, so könne sie doch aus religiösen Gründer diesen Keller für das Verbrechen hergegeben haben. Der Präsident stellt sogleich einige unrichtige Behauptungen des Verteidigers, die sich auf die Führung der Untersuchung beziehen, richtig. Rechtsanwalt Meyer eis Verteidiger der Angeklagten Berg versucht nachzu- wcisen, daß von den Behörden in der Winter'schen Mordfache Fehler gemacht worden, und daß die Haussuchungen nicht sachgemäß vorgenommen seien. Das Votum b« beschworenen lautete gegen Masroff aut schuldig, gegen Frau Ros gleichfalls auf schuldig, aegen d.e trauen Masloff und Berg aus Nrchtschuldrg. Das Urteil lautet, «asloff ein Jahr, Frau RoS IV, Jahre ZuchthauS.Letztere »urde auch zu 3 Jahren Ehrverlust und dauernder EldeSunfahigkeit verurteilt. _______ ChlistdeschklNW der Kleinkisder-KeMtziMstalt. Am 4. Advents Sonntag, den 28. Dezember d. I., soll die Christ- drscherung für die Kinder unserer Anstalt stattfinden. Wir haben in diesem tahre für 240 Kinder die Bescherung berzurickten und den Weibnachtstisch mit gaben zu decken. Um dies zu tönnen, wenden wir uns wieder an die Liebe und ien wohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder. Wir litten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn und dergleichen, besonders aber auch Geldgaben, die uns die gleichmäßigste Bescherung für unsere Kleinen ermöglichen, zuwenden zu wollen. Eine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgegeben. Vielmehr bitten wir, die unS zugebachten Gaben reckt bald an eine der »achbenannten Borstandsdamen gelangen zu lasten: Fräulein Amalie ZSausa, Diez- Üraße 15, Frau Dr. Ar-et, Moltkestraße 3, Frau Amtsgerichtsrat Heöhardt, Berg. Kraße 8 Frau Rechtsanwalt Hrünervatd, Liebigstraßr 21, Frau Rechnungsrat Katbffeisch, Ludwigftraße 7, Frau Pfarrer Daumarm, Südanlage 8, Frau Xuife »Ileus. Bismarckstraße 11, Frau Fabrikant Ätna Schmal!, Ostanlage 36, Fräulein Juife Wartruaurr, Asterweg 16. Auch die Schwestern unserer Anstatt find bereit, Saben in Empfang zu nehmen. Gießen, am 10. November 1900. ß Der Vorstand der Meinkinder-Bewahranstalt. Dr. Naumann. Bekanntmachung. Carl Ludwig Gail und seine Ehefrau Louise geb. Rispel zu Gießen haben durch notariellen Vertrag vom 28. September 1900 Gütertrennung in Gemäßheit der § 1426 ff. des B. G Vs. vereinbart unter Aurschluß des § 1427 Absatz 2. Eintrag im Güterrechtsregister hat ftattgefunden. Gießen, am 6. November 1900. Großherzogliches Amtsgericht. Dekannlmachung. In das Güterrechtsregister unterfertigten Amtsgerichts wurde eingetragen: Otto Heinrich Becker zu Treis an der Lumda und Anna Katharina Escher von Haffenhauftn h^en durch notariellen Vertrag vom 3. Oktober 1900 vereinbart, daß für ihre ehelichtn Güterrechlsoerhäll- niffe die Bestimmungen des B. G. Bs. — 1519 bis 1548 — über die Errungenschaftegemeinschaft maß- ge&enb sein sollen. 7362 Gießen, am 13. Oktober 1900. Großherzogliches Amtsgericht. Eigene Reparaturwerkstätte aller Puppenfabrikate. Hort IzGregorU Sohn L Grosse Spezial-Ausstellung gekleideter Puppen Gelenkpuppen, Ledergelenkbälge, Köpfe, Hüte, Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Gründers, 10. November. Frachtmarkt. Weizen 15,64—15,90 Mark, Korn 15,22—15,50 Mark, Gerste 14,12—14,25 Mark, Hafer 12,20—12,50 Mark, Erbsen 17,00—00,00 Mark, Linsen 26,00—00,00 Mark, Samen 22,00—00 Mark, Kartoffeln 0,00-0,00 Mark.__ Wer des Morgens verschleimt ist besonders nach Biergenuß und Rauchen am vorherigm Abend, der p.-sfuchc die so sehr erttischendm Apotheker Albrechts Aepsel- säure-'Pastillen, hergestellt aus der aus den F üchten gewonnenen Säure ihib Zucker als ausgezeichnetes schleimlösendes Mittel. Auch bei Heiserkeit, Trockmbeit der Stimme von ersten Bühnenkünstlern, wie Emil Götze, Maria Propischill, R. Biberti, N. Roth- mühl, Felix Tchweighofer, Anna Schramm, Elisabeth Leistnger, SchrSver-Hanfstaengl, Marcella Umbrich und andere durch Gutachten bestätigt. Schachtel 80 Pfg. in den Apotbeken und besseren Drogerien. 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