Nr. 214 Erstes Blatt» Donnerstag den 13. September 150. Jahrgang l$>oo Alle Snzrigell-Bermittlimg-stellell tze- Zn« unt fluilatm« arhmm Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntgegm, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfß. mü SLi»«K»e de- Ks«r»A». Ä« 4Kchr«r guaUUcMiHet •ß«V». t«» Anzeiger t« W «t ,Heff. &*b**#* a. hättet O- h--. MKW -stal bctykgt. Nrzugsprel« vierleljährl. Mk. 2M monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die AbholesteLe» viertcljährl. Ml. 1,9® monatlich 65 Pfg, Bei Postbezug Mk. 2,40 vierleljähE mit Bestellgeld. Sec»^te# IH« Anzeigen zu der «achmtttngs k* See «acheinenden Nummer bir norm. Kl Mr. WkMeiieJ« ipLietzens «feeeM Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigedlutt fBr -en Ttvers Giefzen. &&<&&&' und DruS-rot: Kch»§Or«te Mr. 7. GrsLisdeüazr«: Gießener FamiliendlStter, Der yesßfche Landwirt, Kälter Kr hePsche Nsütstlllnde. n NMIMI i nj jotm—fa—— treffe für Depeschen: Anzeiger frUflefa Fernsprecher Nr. 5L Amtlicher Teil. Gießen, den 10. September 1900. Betr.: Ermittelung der landwirtschaftlichen Bodenbenutzung im Deutschen Reich. DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen ta tzte Wrohh. Bürger»erftereieu deS Kreise-» Demnächst werden Ihnen die Formulare 1 wieder zugehen behufs Feststellung und Eintragung der Fläche der Nebennutzungen. (Spalte 3 von Seite 2 und 3 des Formulars.) Bei diesen Ermittelungen sind auch für Klee, Luzerne und Grassaat aller Art die zum Samengewinn benützten Flächen noch festzustellen und die in Spalte 4 ÄeS Formulars weiter geforderten Bemerkungen nach Maß- gäbe des Vordrucks zu machen. Außerdem bleibt noch auf Seite 4 des Formulars in denjenigen Gemarkungen, in welchen unter III. Weidenflüchen und unter VII. Flächen von Oed- und Unland zu verzeichnen waren, die Ermittelung nachzuholen, wieviel Hektar davon zur Aufforstung geeignet sind. Zur Feststellung dieser Fläche sind die Organe der Forstverwaltung Auzuziehen. Die Einsendung erwarten wir bis zum 15. Oktober. Zugleich bringen wir einstweilen die Einsendung der Formulare 2b bis zum 1. Dezember in Erinnerung. v. Bechtold. Zur Kohleuuot. Gießen, 12. September. Die Folgen der Ko hlen teuerung machen sich iricht blos in jedem einzelnen Haushalt aufs empfindlichste fühlbar, sondern bilden eine Gefahr für das gesamte Wirtschaftsleben, für die Industrie und für das Gewerbe. Was soll erst mit den ärmeren Klassen der Bevölkerung und mit den Kleingewerbetreibenden geschehen, wenn die kältere Jahreszeit eintritt und der Preis der Kohle noch weiter steigt? Das Verlangen, auf irgend einem Wege Abhilfe geschaffen zu sehen, macht sich immer allgemeiner geltend. Preßkohlen, Briquets, die sonst im Sommer zu 6.40 bis 7.80 Mk. pro Tausend verkauft wurden, kosten zur Zeit hier 10.80 bis 14 Mk. Nach bett Angaben von Kohlenhändlern dürften sie im Winter im Detailverkauf auf 20 bis 24 Mk. zu stehen kommen! Was Steinkohlen anbelangt, so sind diese, wie schon berichtet augenblicklich im Kleinhandel überhaupt kaum zu haben Verschiedene Großhändler nehmen sofortige Lieserunasaufträqe gar nicht an, da sie selbst bis zu Ende Sevtember Vorräte nicht erhalten können, Dre von den Gruben für September zugesagten Lieferungen sind aber dem „Arbeitsmarkt" zufolge ,o gering daß die Steinkohlen euerung im Arbeiterhaushalt überhaupt unmöglich! gemacht ist, Aehnlich liegen die Verhältnis^ bei Jn = Ibracit kohlen, deren Preise von 1.80 Mk. tm ver- -angenen Sommer und 2.40 Mk. im letzten Winter setzt aus 2.70 Mk. pro Zentner gestiegen send. Der vorausstcht- liclie Breis dieses st-euerungsmaterials für den kommen- den^Winter wird auf 3.50%« 4 Mk. geschätzt Auch che Hotzfeuerung wird bei den jetzigen hohen und noch Äiglich steigenden Preisen äußerst erschwert. Die Hoffnung, Bekauutmachuug. Betr.: Feldbereinigung vev uu| utau iouf" liegenden Teils der Gemarkung Gießen. Da der in der Versammlung der beteiligten Grunjd- eigentümer vom 23. v. Mts. zum Sachverständrgen gewählte Georg SiMon zu Gießen die auf rhn -gefallene Wahl abgelehnt hat, so hat eine Ergänzungswahl stattzu- Iabe daher in Gemäßheit des Art. 16 des Gesetzes vom 28. September 1887 sämtliche beteiligte Grundbesitzer E Wahl eines Sachverständigen auf Dienstag, den 9. Oktober l. I., vormittags 10 Uhr m der Turnhalle, Steinstraße 3 zu Gießen ein. Bei dieser Wahl hat jeder anwesende beteiligte Grundeigentümer eine Stimme. Zur Giltigkeit der Wahl ist eine Mehrheit von zwei Drittteilen der Anwesenden er- forderlich und unter dieser Voraussetzung auch für die nichterschienenen Beteiligten verbindlich. Kommt eine ailtige Wahl nicht zu stände, so hat Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe den Sachperständigen zu ernennen. Friedberg, 10. September 1900. Der Großherzogliche Bereinigungskommissär: S ü s f e r t, Regierungsrat. daß wenigstens die Kokes- und Torfpreise sich in niedrigen Grenzen bewegen werden, vermögen wir wegen der immer stärker werdenden Nachfrage nicht zu teilen. Auch die letzte Sitzung des preußischen Staatsministe- rmms beschäftigte sich mit der Deckung des inländischen Kohlcnbedarfs. Es konnte festgestellt werden, daß die Leistungen der einheimischen Kohlenreviere sich erfreulich gesteigert haben, sodaß in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres 4,8 Millionen Tonnen mehr als in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres zur Verfügung gestellt worden sind. Es ist dies gleichbedeutend mit einer Mehrleistung von 9,7 v. H. Die Kohlenförderung würde sogar noch eine weitere Steigerung erfahren haben, wenn nicht der überall hervortretende Mangel an Arbeitskräften eine entsprechende Vermehrung der Belegschaft verhindert hätte. Allerdings war zu Beginn des Jahres der Kohlenbestand der Läger und Händler stark erschöpft, sodaß die Diederergänzung derselben und die Ansammlung von Vorräten bei den einzelnen Verbrauchern von vornherein bedeutende Mengen in Anspruch, nahmen. Auch ist die Ein- fuhrböhmischerBraun kohle infolge der Arbeiterausstände um mehr als 1000 000 T. zurückgeblieben, ein Ausfall, der für bestimmte Teile Deutschlands besonders schwerwiegend empfunden wird. Wäre dieser Umstand nicht eingetreten, so würde die Bilanz zwischen Ausfuhr wnd Einfuhr von Kohle in diesem Jahre saft genau dieselbe wie im vorigen Jahre gewesen sein. Wenn somit auch dem inländischen Verbrauch in dem laufenden Jahre eine sehr viel größere Menge Kohlen zur Verfügung gestanden hat, so hat es doch bisher nicht vermieden werden können, daß bei der Unterverteilung des Brennmaterials an die Verbraucher, namentlich durch eine sachlich ungerechtfertigte Preistreiberei, Mißstände eingetreten sind, die insbesondere von deni Kleinverbraucher h rfiWihWV,” dw s LH^n-e-v Aw t>str scheinungen würde eine weitere Steigerung der Einfuhr ausländischer Kohle dienen. Das Staatsministerium hat daher beschlossen, diese Einfuhr durch Herabsetzung der Eisenbahntarife auf den preußischen Staatsbahnen zu erleichtern. Zu dem Zwecke soll für die D-auer der gegenwärtig auf dein Kohlenmarkte herrschenden Verhältnisse — mindestens aber für zwei Jahre — der Rohstofftarif verallgemeinert werden. Im Bereich der Preußischen Staatsbahnen wird diese Maßregel sogleich zur Durchführung kommen können, während im direkten Verkehr mit anderen Eisenbahnen zunächst mit diesen zu verhan- der gewähren kann. 135 000 „ 112 500 „ 60 000 „ 67 500 „ 11 250 „ deln sein wird. , . v Was die Verteilung der Kohlen unter die verschiedenen Kreise dec Verbraucher betrifft, so wird vielfach Klage dariiber geführt, daß der Vertrieb der Oberschlesischen Kohlen vornehmlich durch den Großhandel erfolgt, und man hat von den fiskalischen Werken Abhilfe verlangt. Um die Möglichkeit und die Grenze einer etwaigen Einschränkung des Großhandels durch Maßnahmen der fiskalischen Werke richtig würdigen zu können, sind nachstehende Ziffern zu beachten: , Der Gesamtabsatz an oberschlesischer Kohle tm ^ahre 1899 belief sich auf rund 21 760 000 T., davon entfielen auf die staatlichen Gruben 4 739 000 T., auf die Prwat- qruben 17 021000 T. Während die Produktion der Privatgruben seit jeher zum überwiegend größeren Teil an die Großhändler abgegeben wird, sind von den Staa s- gruben für das laufende Rechnungsjahr an Großhändler im ganzen 1 147 500 T. vergeben worden. Hiervon sind nach vertragsmäßigem Vorbehalt 10 v. H. gekürzt worden, so daß 1 038 750 T. verbleiben, also etwas mehr als ein Fünftel des fiskalischen, das ist etwa ein Zwanzigstel des gesamten oberschlesischen Absatzes Unter den an dw Händler im Jahre 189!) vergebenen Mengen fanden sich über 70 v kleine Sorten, die zum Hausbrand nicht geeignet sind' und auch sonst wegen ihrer geringen Lagerfahig- keit und ihrer geringeren Heizkraft schwieriger abzusetzen sind als grobe Sorten. , Bon den Großhändlern erhalten nach Abzug vorerwähnten Kürzung von 10 v. H.: Caesar Wollheim, Berlin ■ • • ■ • 652500T. C Königer, Wien, u. C. Wollheim . F. Grobe & Co., Berlin..... Ollendorfs & Co., Breslau . . . . E. Friedländer & Co., Berlin . . DrialaS Ziekursch & Co., Breslau . Von den Großhändlern beziehen zahlreiche Konsumenten (Brauereien, Brennereien, Zuckerfabriken, Gas-An- stalten und sonstige Betriebe aller Art), welche ebensowohl direkt bei !der Zentralverwaltung der Staatswerke ur Zabrze bestellen könnten, es aber. vorzwhew, durch die Händler zu beziehen, weil ihnen diese hinsichtlich der Zahlungsbedingungen und der Modalitäten der Lieferung Erleichterungen gewähren, die die staatliche Verwaltung nicht Volttische Tagesschau. Die „Köln. VolkSztg." veröffentlicht Nachrichten der Benediktinermissionen aus Deutsch-Ostafrika. Dann findet sich nachstehende intereffante Stelle über den Tod des Sultans Kwawa von Uhehe, der der deutschen Schutztruppe Jahre lang viel zu schaffen gemacht hat: „Am 7. Januar taufte Schwester M. Juliana einen schwer- kranken Knaben auf den Namen des h. Alexius. Dieser war der letzte Begleiter des Sultans Kwawa, von dessen Ende er folgendes erzählt: Als Kwawa von all seinen Leuten verlassen war, irrte er allein in der Wildnis umher. Da ihn nun sehr hungerte, kam er heimlich zu einem seiner Unterthanen ins Uchungwegebirge. Dieser erbarmte sich und brachte dem Sultan heimlich zu effen hinaus ins Port (Wildnis). Der Ortsvorsteher aber, der den Deutschen ergeben war, merkte es und bedrohte den Mann mit Anklage. Da flüchtete sich dieser mit seinem Sklaven, dem oben genannten Alexius, der damals „Kazi" hieß, zum Kwawa. So trieben sich nun diese drei eine Zeit lang in der Wüste umher, überfielen hier und da eine einzeln stehende Hütte und nahmen die darin befindliche Speise. Wegen der steten Verfolgungen konnte es jedoch nicht lauge so gehen, und da Kwawa seinen Untergang vor Augen sah, beschloß er, des Hungertodes zu sterben. Eines Tages fiel er nun kraftlos ohnmächtig zu Boden. Seine Begleiter machten sich auf und holten aus dem Fluffe Wasser, ihn zu laben. Der Sultan kam, damit gestärkt, wieder langsam zum Bewußtsein. Doch wie lohnte er ihnen diesen Liebesdienst ! „So, jetzt habt ihr mich wieder zum Leben gebracht", sagte er, „und nun macht auch ein großes Feuer, damit bör ^äiiutt uns fjvnvvy jjäV n* befahl ihm, von dieser zu kauen und sie ihm in den Nacken zu spucken. Als der Knabe dies ausführte, im selben Augenblicke ließ Kwawa sein Gewehr los — ein Schuß und der Herr des Kazi, der Lebensretter des geächteten Königs, lag am Boden. Sterbend sprach er: „Es macht nichts, daß ich sterbe, ich bin dein Sklave, du mein Herr." Bald darauf wollte er auch den Knaben erschießen. Dieser aber merkte es früh genug und lief davon, wurde dann von den deutschen Soldaten anfgefangen und verriet den Aufenthalt des Kwawa; dieser hatte sich aber unterdeffen schon selbst erschossen. Kazi hat sich von seiner Krankheit erholt und ist nun ein ordentlicher christlicher Junge." Aus Stadt und Land. Gießen, 12. September 1900. • * Persoualnachrichten. Der Revifionsgehilfe Philipp Rosignol zu Darmstadt wurde zum Oberrechnungsrevisor bei der 2. Justifikatur-Abteilung der Oberrechnungskammer mit Wirkung vom 1. September ernannt. • * Auflauf. In der Wallthorstraße waren gestern nachmittag zwei ältere Männer mit Schimpfworten derart aneinander geraten, daß sich eine größere Anzahl Menschen um die Schimpfenden ansammelte. Wie wir sahen, schritten zwei Schutzleute ein, zerstreuten die Menge und notierten die beiden Streitlustigen. Ein Betrunkener, der sich gestern abend auf Oswalds Garten ein Lager ausgesucht hatte, wurde von der Polizei mittels Wagen in die Sandgaffe gebracht, wo ihm ein Freiquartier angewiesen wurde. * • Alters- und Invalidenversicherung. Einer großen Anzahl hiesiger Einwohner, so schreibt die „Wormser Ztg." aus Worms, wurden dieser Tage Strafbefehle zugestellt, weil sie es verabsäumten, sich bei den vorübergehend bei ihnen beschäftigten Personen zu vergewissern, ob dieselben das Einkleben der Marken in die Quittungskarten der Alters- und Invalidenversicherung in vorschriftsmäßiger Weise erledigt hatten. Zu welchen Unannehmlichkeiten die Unterlaffung der Vorschrift deS § 140 des Alters- und JnvalidenverficherungsgesetzeS vom 13. Juli 1899 für die Beteiligten werden kann, wollen wir hier nur an zwei Beispielen vorführen: Die Ehefrau des Einsenders dieser Zeilen beschäftigte an einem Tage deS Monats August eine versicherungspflichtige Näherin. Das betreffende Mädchen, das seine Quittungskarte stets in Ordnung hielt, vergaß am Beginn jener Woche zum erstenmale daS Einkleben einer Marke. Nnglückseligerweise sand am Ende der Woche von dem die Kontrolle ausübenden Beamten eine Revision der Quittungskarten statt und wurden daher sämtliche Arbeitgeber, bei welchen besagte Näherin im Verlaufe jener Woche' beschäftigt war, in Geldstrafe genommen. Eme andere Näherin, welche die Marken für die Quittungskarten zwar regelmäßig bezog, aber aus Unkenntnis das Einkleben in der Zeit vom 1. März bis zum Monat August unterließ, hat dadurch sich und ihre Kundschaft ebenfalls in nicht geringe Verlegenheit versetzt. Nehmen wir an, das Mädchen hätte in jeder Woche an fünf verschiedenen Stellen gearbeitet, das wären zirka 100 Arbeitstage, die für jeden ein- z.lnen Fall mit Geldstrafen belegt werden müßten. Obwoh seinerzeit bei Inkrafttreten besagten Gesetzes von den Behörden wiederholt in den Tagesblättern nach dieser Richtung ausklürend hingewiesen wurde, herrscht doch in weiteren Kreisen über diese Angelegenheit noch vielfache Unkenntnis, wie aus vorstehendem Beispiel zur Genüge hervorgeht. ** Von den Herb st Übungen der Hess. Division. Das Brigade-Exerzieren am 5. September bestand aus nicht weniger als vier Gefechten aus dem Exerzierplatz zwischen Usingen und Eschbach. Am Donnerstag, den 6. September, fartd die Brigade-Besichtigung durch den kommandierenden General des 18. Armeekorps, v. Lindequist, statt. Um 8 Uhr sammelten sich die drei zur 49. Brigade gehörigen Regimenter bei Usingen und wurden sodann auseinander gezogen zum Gefecht. Zahlreiche Zuschauer aus den benachbarten hessischen und preußischen Orten hatten sich zu dem interessanten Schauspiel eingefunden und folgten den einzelnen Gefechtsmomenten mit großer Ausdauer. Namentlich der zu Beginn unternommene Sturmangriff auf den markierten Feind, den die drei Regimentsmusiken mit klingendem Spiel begleiteten, wurde gut durchgeführt und nahm sich imposant aus. Es folgte sodann ein Gefecht in südöstlicher Richtung, worauf sich die Brigade zum Parademarsch in Regimentskolonnen in der Reihenfolge 115 (Leibgarde), 116 (Kaiser Wilhelm) und 168 aufstellte. Bei der darau : folgenden Kritik gab der kommandierende General sein Urteil dahin ab, daß die Gefechtsausbildung aller drei Regimenter gut sei, ebenso der Parademarsch. — Zur Anerkennung der vorzüglichen Verpflegung und herzlichen Aufnahme der Truppen war seitens der Regimentskommandos veranlaßt worden, daß die Regimentsmusiken Abends in den verschiedenen Unterkunfts- orten konzertierten, was bei der Bevölkerung lebhafte Freude hervorrief. Freitag, den 7. September, war allgemeiner Ruhetag, Samstag, den 8. September, wurde der Marsch ins eigentliche Manöver angetreten und zwar marschierte der größere Teil der Brigade zurück nach Homburg v. d. H. Unterwegs hatten die 115 er Regiments- Ekerzieren bei Wehrheim, wobei Herr Oberstleutnant von Rheinbaben das Regiment führte. Auf dem weiteren Marsch wurde Halt gemacht zur Besichtigung der Saalburg. Die Offiziere erklärten nach Möglichkeit den Mannschaften den Zweck der eigentlichen Anlagen. Es fehlte hierbei, wie die „N. Hess. Volksbl." schreiben, nicht an heiteren Episoden. So sagte z. B. ein Hauptmann, auf eine am Eingang stehende Bildsäule hinweisend: „Das ist wohl Kaiser Hadrian?" worauf ein biederer Oberhesse erwiderte: „Na, der is vun Gyps". Gegen 12 Uhr rückte das 2. und 3. Bataillon des Regiments 115 und das Re- lulerieorrgaoe, loföie mehrere Batterieen Artillerie dort lagen, machte sich das militärische Element selbst im Ge- wühle der Badestadt recht bemerkbar. _ x ft Statistisches. Das Großherzogtum Hessen hat bekanntlich erneu Flächeninhalt von 7861,8 Quadrat krlometern und wies Ende 1895 1039 020 Einwohner auf- das bedeutet seit 1890 (wie wir Otto Hübners «eoara- phrsch-statistischen Tabellen aller Länder der Erde^ entnehmen, herausgegeben von Univ.-Prof. Dr. Fr. v. Jura schek, Verlag von Heinrich Keller in Frankfurt a. M., Buchausgabe 1.20 Mk., Wandtafelaus- §abe 60 Psg.) eine Zunahme von 46 137 Köpfen. Auf den Quadratkilometer entfallen demnach 135,3 Bewohner. Ausgewandert sind im Fahre 1899 333 Personen. Nach den Konfessionen kommen 673 Evangelische, 296 Katholische 24 ^uden und 7 Andersgläubige auf je 1000 Einwohner. Staatseinnahmen pro 1899/1900 betrugen 37,4 Mill. Mark und ebensoviel die Ausgaben: dazu für 1897/1900 außerordentliche Einnahmen 12,1 Millionen Mark und Ausgaben 9,7 Millionen Mark. Tie Staatsschulden betrugen 1899: Passiva 254,3 Millionen Mark, davon^isen- bahnschulden 230,0 Millionen Mark, Aktiva 12,3 Millionen Mark. Fm selben Jahre zählte Darmstadt 63 000, Mainz 76 000, Offenbach 39 000 und Gießen 23000 Einwohner, während die Zahl nach der Berechnung und den Veröffentlichungen des deutschen Gesundheitsamtes für März 1900 in Darmstadt auf 70 000, in Mainz auf 80 000, in Offenbach, auf 43 000 und in Gießen auf 24 000 ae- stiegeü ist. • b Grünberg, 12. September. Der „Gr. Anz." veröffent- ucht folgende Danksagung: v, -Ich büi nicht im Stande, jedem Einzelnen meinen Dank für DleIcn Beweise von Herzen kommender, zu Herzen gehender Teilnahme an unserem schwerer. Verluste auSsprechen zu rönnen, und sage darum, auch im Namen meiner ganzen Familie hierdurch Allen meinen tiesstgefühlten Dank. Raubach, den 7. September 1900. «x v«x «. • n Otto Graf zu SolmS-Laubach. Bad-Nauheim, 8. September. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde gegen das Gesuch des Theodor Mörschel- Friedberg, eine Lagerhalle aus seinem Grundstück am Rödger Weg zu errichten, Einspruch erhoben, da die Halle nach der 4° Zentimeter zurück zu stehen kommt. m?i?Ji inW,nbQb Heinrich Schmall.Gicßen. eine «rflrfnÄ?«bEt Schnursiraße zu erbauen, ftatn« v-rfiöß't b“ b,E •3e’$nu"9 W« § 13 des OrtÄbau. m e i V $ 5‘' 121 September. Eine in unserer Nachbargemeinde L. vorgekommene Messerstecherei lüt die ganze Umgegend in Aufregung versetzt Ein Bürschchen von 1, Zähren stieß einem jungen Manne einen sogenannten Dicker ui den Leib, daß die Eingeweide ter vorbrachen und verletzte noch einen anderen Burschen Als der Messerheld verhaftet werden sollte, eilte er aus den Speicher und hing sich auf. Ter Bürgermeister eilte ihm nach, schnitt ihn ab und brachte ihn durch eine kräftige Ohrfeige zum Bewußtsein zurück. Ter Verletzte wurde in die Klinik und der Messerheld ins Gefängnis nach Gießen verbracht. Offenbach, 11. September. Gestern abend hat ein Fremder, dem Vernehmen nach ein pensionierter Beamter aus Wiesbaden, unmittelbar am Friedhof seinem Leben durch Erschießen ein Ende gemacht. In einem hinterlassenen Schreiben hat er den Wunsch ausgesprochen, in unserm Krematorium verbrannt zu werden. Offenbach, 11. September. In dem hiesigen sozialdemokratischen Blatte lesen wir einen Artikel, dem wir mit großem Mißtrauen begegnen. Danach soll der Pfarrer Graf in Lämmerspiel, um zu verhüten, daß einzelne Andächtige, wie es häufiger vorgekommen war, den Gottesdienst vor Schluß verließen, am 19. August die Kirchen- thür verschließen lassen. Als nun nach Schluß des Gottesdienstes einer der so seiner Freiheit zeitweilig Beraubten den Pfarrer in ruhiger Weise interpellierte, soll dieser dem lästigen Frager als Antwort eine regelrechte Ohrfeige appliziert haben. Ter Mißhandelte aber soll Anzeige erstattet haben. Es wird nötig sein, daß Pfarrer Graf über diese Angelegenheit öffentlich authentischen Bericht erstattet. Mainz, 7. September. Eine bemerkenswerte Verkehrsverbesserung aus der Strecke Basel-Köln ist seit einigen Tagen in Kvaft. Bisher hatte der Nm. 4.07 hier fällige Schnellzug Basel-Mannheim-Mainz sehr häufig beträchtliche Verspätungen, die sich auf den Schnellzug Mainz-Köln (ab Mainz Nm. 4.57) und selbst auch noch in Köln auf verschiedene Anschlußzüge übertrugen. Die Ursache dieser Störungen war auf den fast täglich Mit Verspätung einlaufenden Konstanzer Anschluß in Offenburg zurückzuführen, der von dem oben erwähnten Schnellzug Basel-Mainz abgewartet werden 'mußte. Um diesen Mißstand zu beseitigen, hat nunmehr die badische Generaldirektion in Karlsruhe verfügt, daß ferner bei Verspätungen des Konstanzer Anschluss» von mehr als zwanzig Minuten der Baseler Teil des Zuges Konstanz-Offenburg getrennt bis Mannheim vorausgeführt wird. Der Schnellzug, der in der Regel die beiden direkten Wagen Konstanz-Mainz und Basel- Köln nach Mainz bringt, wartet in solchen' Fällen in Mannheim nur die Basel-Kölner Abteilung ab. Der Wagen Konstanz - Mainz geht in Mannheim auf den Zug Mannheim-Frankfurt über, der auf den zweiten Teil, der eigens nachgefahren wird, bis zu zwanzig Minuten wartet. Ab Dornberg geht der Wagen dann mit dem nächsten Zug nach Mainz. Diese Neuerung ist erfolgt, weil der direkte Wagen Konstanz- Mainz hier seinen Endpunkt erreicht, also für die Rheinlinie keine Bedeutung mehr hat. Bingen, 11. September. Die dem Stadtvorstände von der Bürgerversammlung zugeschobene Absicht, den Schuldenstand der Stadt im Lause der nächsten Jahre um weitere Millionen zu vermehren, wird entschieden bestritten, da z. Zt. überhaupt keine größeren Projekte zur Ausführung in Aussicht genommen feien. An der Hand des amtlichen Zahlenmaterials gegenüber dem diesjährigen Voranschlag wird nachgewiesen, daß in dem Zeitraum von 1896 bis Ende 1899 eine Steigerung der ordentlich en 1900/1901 noch wesentlich höher zu erwarten), die Steuer- krast der Bevölkerung um 12 Prozent gewachsen sei, die private Bauthätigkeit sich in den letzten Jahren außerordentlich vermehrt habe, unsere Lehranstalten (Realschule mit Progymnasium, Baugewerkschule und Technikum) sich bedeutend entwickelten, die Frequenz der Märkte und der Hafenverkehr eine stetige Zunahme verzeichneten. Wenn auch die seitens der Stadt gemachten großen Aufwendungen eme direkte Rentabilität noch nicht erblicken lassen, so sei doch der indirekte Nutzen in Betracht zu ziehen. Die der städtischen Verwaltung gemachten Vorwürfe über die Finanz- Wirtschaft beruhen auf Unkenntnis der Einberufer und falscher Auffassung der Verhältnisse; die daran geknüpfte Aufforderung zur Sparsamkeit sei daher unangebracht und zurückzuweisen. Cassel, 11. September. In ein und demselben vause wohnten zwei angebliche Arbeiter Koch und Apel und zwei junge Mädchen, die mit den beiden Arbeitern verkehrten, auf Schlafstelle. Gestern abend fiel in dem Zimmer der Mädchen e i n S ch u ß, als die beiden Männer auch in dem Zimmer waren. Tie Krigel drang dem einen der Mädchen, namens Kolbe, in das Bein, sodaß es verbunden werden und in das Landkrankenhaus gefahren werden mußte^ Auf Befragen erklärten die beiden Männer, daß der Schuß beim Spielen mit dem Revolver sich entladen habe. Die herbeigerufenen Polizeibeamten verhafteten indessen den Apel und einer von ihnen führte ihn nach dem Polizeigewahrsam. Der zurückgebliebene begab sich, um noch etwa vorhandene weitere Waffen zu suchen, nach der Schlafkammer des Apel. Koch und ^er Logiswirt begleiteten ihn dahin. Als er dort den Koch aufforderte, ihm seinen Koffer zu öffnen, erklärte dieser, den Schlüssel verloren zu haben, und als der Beamte bemerkte, daß sich dann wohl noch andere Mittel inden würden, denselben zu öffnen, riß der Geselle die Thüre auf und stürmte in wilder Hast die Treppen hinab. Doch kam er nicht weit. Ein im Hause wohnender Mann war ihm gefolgt und ereilte ihn, gerade als er um die nächste Ecke biegen wollte, um ihn dem Schutzmann wieder zuzuführen. Ter Schutzmann machte beim Oeffnen der Koffer dann noch eine rechte Beute: außer drei Revolvern von denen zwei geladen waren, und einem großen Tranchiermesser nebst einer Anzahl Schlüssel und verschiedenen Brecheisen fand der Beamte noch einen größeren Posten Zigarren, einige Flaschen Wein, eine Anzahl neuer Normalhemden, sowie eine Reihe neuer Portemonnaies und Taschenmesser, welche Gegenstände offenbar den in letzter Zeit gemeldeten Einbrnchsdiebstählen entstammten. Tie Revolver rühren nach der gegebenen Beschreibung aus dem an den Schaub'schen Spielwarenladen hängenden Schaukasten her, welcher bekanntlich jüngst ebenfalls erbrochen wurde. Ta die Polizeibeamten von den Wirtsleuten hörten, daß Koch und Apel zuweilen auch von einem gewissen Lückert besucht worden seien, der an der Kohlen- traße wohnt, wurde auch dieser noch am nämlichen Albend verhaftet. Ta die in der Schlafkammer vorgefundenen Gegenstände durchweg leicht zu versteckende Bedarfsartikel lind, bei den Einbirüchen der letzten Wochen aber -auch größere Posten Waren entwendet wurden, liegt die Vermutung nahe, daß die Tiebe noch eine zweite Niederlage an anderer Stelle errichtet haben. ** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. In Darmstadt kursiert aus Anlaß des Durchbrennens des Opernsängers Lauth folgender neuester Lokalwitz: „Haben Sie schon gehört, daß wir jetzt eine lautlose Oper haben? — Bei der Bürgermeisterwahl m Ziegenhain wurde von den 33 Bewerbern Herr Hartdegen, ein Sohn des Kreissekretärs Hartdegen in Eschwege, mit allen gültigen Stimmen zum Bürgermeister genannter Stadt gewählt. — In Kassel wurde auf dem Pserdemarkt auf ein dort wohnendes Mädchen ein Revolverattentat unternommen. Der Thäter, dessen Motive unbekannt sind, wurde verhaftet. Das Mädchen erlitt durch einen Schuß in den Unterschenkel eine nicht unerhebliche Verletzung. — Bei Marburg wurde eine junge Dame auf der Hühnerjagd von einem Jäger durch einen Schrotschuß so schwer verletzt, daß sie in die Klinik geschafft werden mußte. — Etwa an 400 Entwürfe, die aus Anlaß der Wettbewerbung um ein Krematorium in Mainz eingesandt wurden, sind im Saale der „Loge zur Einigkeit" in Frankfurt a. M. zur öffentlichen Ausstellung gelangt. ES waren insgesamt zwölf Preise ausgesetzt. Vermischter. * Dortmund, 11.September. Infolge Genusses von giftigen Pilzen ist in dem benachbarten Orte Lünen eine Bergmanns'Familie schwer erkrankt. Zwei ihrer Kinder im Alter von 8 und 10 Jghren sind bereits gestorben. Die Eltern liegen noch schwer krank darnieder. * Aachen, 11. September. Es dürste von Interesse sein zu vernehmen, welche Opfer eine Automobil- Fernfahrt Berlin-Aachen gekostet hat. Nach den bisherigen Schadenersatz Anmeldungen sind von den an der Fernfahrt beteiligten Fahrzeugen angefahren und getötet worden: Eine Kuh, zwei Schweine, drei Schafe, 16 Hunde, 23 Hühner, ferner wurden ein Wagen mit Heu und eine Mauer umgefahren. Menschen sind bei dieser Fernfahrt nicht zu Schaden gekommen. * Mietspreise in deutschen Grobstädten. Bemerkenswerte Mitteilungen über die Mietspreise in den deutschen Großstädten findet die „Kreuz-Ztg." in der neuesten von Dr. Neefe besorgten Bearbeitung des Statistischen Jahrbuchs deutscher Städte. Einer darin gegebenen Uebersicht ist zu entnehmen, daß unter den Großstädten in dieser Beziehung Berlin jedenfalls bis zum Jahre 1895 die erste Stelle eingenommen hat. Hier belief sich der Durchschnittspreis einer Wohnung mit vier heizbaren Zimmern am 2. Dezember 1895 aus 932 Mk., dann folgt Freiburg i. Br. mit 750 Mk., Breslau mit 735 Mk., Dresden mit 723 Mk., Königsberg i. Pr. mit 691 Mk., München mit 685 Mk., Leipzig mit 665 Mk., Frankfurt a. M. mit 660 Mk., "" • - -x z?KA cm« mit ßd.9 Wit. EtwuL anberß gestaltet sich die Reihenfolge bei größeren Wohnungen. Bei denjenigen mit sieben Zimmern folgt auf Berlin mit 2165 Mk. Frankfurt a. M. mit 1737 Mk., Hamburg mit 1732 Mk., Breslau mit 1653 Mk., Freiburg t. Br. mit 1600 Mk., Dresden mit 1594 Mk., Leipzig uut 1544 Mk. Es haben sich seitdem die Verhältniffe allerdings vielfach geändert und heutzutage wird München, was die Höhe der Mietspreise betrifft, hinter Berlin kaum zurückbleiben, wenn man dort von einigen ganz besonders teuren Straßen absieht, für die überhaupt exceptionelle Verhältniffe maßgebend find. ■ —■■■! im ___ Universität und Hochschule. -Professor DrL,Bi°nc in Frank,urt, dir früh-r in Leipzig dozierte und seit einigen Jahren an den Höchster Farbwerken thattg war, hat einen Ruf als o. Profeffor und Direktor des nm ju schaffenden Instituts für physikalische Chemie, insbesondere Elektro- Chemie an der Technischen Hochschule in Karlsruhe erhalten- er wird diesem Ruf voraussichtlich zum 1. April 1901 Folge leisten. — Der bisherige a. o. Professor in der philosophtlchen Fakultät der Untoerfität Marburg Dr. Bernhard Rathke ist zum o. Professor ernannt worden. Profeffor R«thke steht im Alter von 54 Jahren Kirche und Schule. Dürkheim, 6. September. Die Herbstferien gehen ihrem Ende entgegen, und das Wintersemester der Schulen nimmt am 18. September fernen Anfang. Eltern und Vormündern, welche sich noch nicht schlüssig gemacht haben, welcher Schule sie ihre Söhne ic. rc. anvertrauen wollen sei die Bärmann'sche Realschule in Dürkheim a. H. (Rheinpfalz) bestens empfohlen. Diese Anstalt hat seit Jahrzehnten die schönsten Unterrichtsund Erziehungserfolge aufzuweisen, und das Pensionat des Anstaltvorstehers Herrn H. Bärmann darf nach jeder Richtung hin als ein mufier- giltiges bezeichnet werden. Kandwirtschast. Landwirtschaftliches Rennen. Das vom Landwirtschastsra t in Aussicht genommene Rennen, das am 17. September, am letzten Sage der landwirtschaftlichen Landesausstellung auf dem Exerzierplatz in Darmstadt abgehalten werden soll, kommt, nachdem setzt zahlreiche Anmeldungen eingelaufen sind, sicher zu Stande. Bereits sind Ziel- und Schiedsrichter ernannt, das Geläuf und Ziel abgesteckt. Der Zugang zum abgegrenzten Zuschauerplatz in der Nähe des Ziels findet sowohl durch die Ausstellung als direkt von der Stadt aus statt. Der Eintrittspreis zu diesem Platz ist auf 50 Pfg. festgesetzt worden. Im übrigen ist der Zutritt frei. Während des Rennens konzertiert die Kapelle des Garde-(Leib-Garde)Regiments Nr. 115, die für die ganze Ausstellungszeit engagiert ist und täglich dreimal auf dem Ausfiellungs- platz konzertiert. Handel und Verkehr. KstkrorirtsitM. Frankfurter Böree vem 11. September. Wechsel auf New-Tork zu 0.00-00. Prämien auf Kredit per ult Sept. 1.40 Handlung der ersten in Sachen des Ehr. Zimmermann gegen den Verwalter Erich Achilles zu Hof Güll wurde auf Antrag deö juristischen Vrrtreters deS PrtoatklägerS behufs Ladung eines fehlenden Zeugm auSgrsetzt und al« Termin zur Weiteroerhandlung Freitag den 14. ds. Mls. bestimmt. Die zweite endigt mit der kostenfälligen Verwerfung der Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts Gteßm vom 31. Juli, durch das der AngeLagte Hch. Karpf wegen Vergehens im Sinne der SS 185, 186 und 200 des St.-G.-B. in eine Gefängnisstrafe von 2 Wochen genommen worden war, weil er am 16. Mai in der Güterhalle der Main Weser-Bahn den Privatkiäger, Dienstmann Fr. Schmit, ohne jede Veranlassung durch Worte schwer beleidigt und ihm vorgeworfen hatte, er habe die Leute bestohlen und betrogen. Die seitens des Privatbeklagten gegen den Privatkiäger erhobene Widerklage, in der dieser beschuldigt wird, er ha^c sich zunächst durch Beleidigungen gegen K. vergangen, mußte erfolglos blciben, weil für diese Behauptungen auch nicht der Schein eines Beweises zu erbringen war. — Demnächst wird in die Strafsache gegrn den früherer Müller Peter Will von Annerod und seine M lschuldige Ludw. Dopfer Witwe, Elisabeth, geb. Schäfer, von Annerod ein- getreten. Bride Angeklagte, die 45, resp. 34 Jahre alt sind, werdm des Vergehens im Sinne des S 172 des St.-G.-B. beschuldigt. Die Verhandlung erfolgt hinter verschlossenenThüren. Eine Vernehmung der geladenen Zeugen war nicht erforderlich, weil beide Angeklagte in vollem Umfange geständig sind. Das Urteil lautet gegen den geschiedenen Ehemann auf eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten, gegen seine Mitschuldige auf eine solche von 3 Wochen. — jAus der Untersuchung? haft vorgeführt, hat nunmehr der 27jährige Hausbursche Hermann KaU Friedrich Umlauft aus Bunzlau auf der Anklagebank Platz gekommen, um sich wegen Unterschlagung, resp. Diebstahls zu verantworten. Der Angeklagte befindet sich mit der ihm zur Last gelegten Strasthat im wiederholten Rückfälle, denn er ist wegen Diebstahls, resp. Hehlerei bereits viermal vorbestraft. Der heutigen Anklage liegt fügender Thatbestand zu Grunde: Am 2. August dss. I). befand sich der Oekonom Moritz Bender jr. auS Griedel in der Gastwtrtfchaft des Hotel Weith zu Friedberg, wo er als Hausbursche in Dienst stand. B. vermißte, als er später die Bieger'sche Wirtschaft besuchte, hier sein Geldtäschchen, in dem sich nach feinem Dafürhalten zwischen 180 bis 190 Mk. befanden. Zu dessen Wiedererlangung begab er sich zunächst auf die Bürgermeisterei, wo er Anzeige von dem Vorfall erstattete. Bei der Vernehmung durch den Polizeidiener Frank stellte Umlauft alles in Abrede. Nichts desto- weniger war ihm der Boden unter den Füßen zu heiß geworden; denn am 5. August erhielt Frank durch den Hotelbesitzer Weith die Nachricht, daß der U. mit dem Packen seines Koffers beschäftigt sei. Als sich der Beamte zu diesem Zwecke in der Schlafstube des Beklagten einfand, legte sich dieser wieder aufs Leugnen, zähte auch aus einem kleinen Geldtäschchen seine angebliche Barschaft auf den Tffch und ließ eine Visitation seines Koffers bereitwilligst zu. Doch war nichts von dem gestohlenen Gelde darin; dennoch fand der Beamte in einem versteckten Porte- monnat 74 Mk. in Gold und Silber, und einen Hunbeilmarkschein zwischen Leder und Futter des kleinen Geldtäschchens. Da der Bestohlene es nicht für ausgeschlossen -erachtet, daß der fehlende Betrag von ihm selbst verausgabt worden sein könnte, so hat er also einen Verlust nicht zu beklagen und erhält heute sein Geldtäschchen mit Inhalt, das der Angeklagte auf dem Gartenstuhl g funden halte, der dem B vorher als Sitzplatz diente. Wegen Diebstahls erhält der Angeklagte unter Zubilligung mildernder Umstände, dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten, abzüglich eines Monats der erlittenen Untersuchungshaft. Außerdem erkennt das Gericht auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von 3 Jahren. — Als letzler Punkt steht die auf heute vertagte Verhandlung gegen die Inhaber der Firma Schott und Schatzmann zu Bergen wegen Gewerbesteuer- Hinterziehung auf der Tagesordnung. Die Firma betreibt in Bergen in einer Filiale ein Eisengeschäft, das von den Brüdern Julius und Gustav Schott geführt wird, während dem Hauptgeschäft in Frankfurt a. M. der dritte Teilhaber Joh. Schatzmann vorsteht. Die Filiale in Bergen hat behufs schnellerer Ausladung der an sie auf Station Vilbel ankommenden Wagenladungen in dieser Stadt ein Lager errichtet. Aus diesem Lager sollen nun in mehreren Fällen auf Bestellung bei dem Mitinhaber Julius Schott Oefen und Herde an einige Personen in Vilbel geliefert worden sein; doch ist dafür, daß die Lieferung nicht von Bergen aus geschehen ist, ein Beweis dafür nicht erbracht; aber das Steuer-Kommiffariat erblickte darin einen Handel im Kleinen, der als Gewerbe anzumelden sei. Da diese Behörde des weitern folgerichtig hierin eine Steuerhinterziehung vermutete, so wurden die drei Geschäfsinhaber mit je einem Strafbefehl in Höhe von 28,80 Mk. bedacht; doch ließen sämtliche in Strafe genommenen Teilhaber rechtzeitig durch einen Rechtsanwalt gerichtliche Entscheidung in der vorliegenden Sache beantragen. Im Hauptverhand- lungStermin am 20. Juni vor dem Schöffengericht zu Vilbel lautete das Urteil auf Bestätigung der angesetzten Strafe gegen Jul. Schott, dagegen auf Freisprechung gegen die beiden andern Teilhaber. Gegen dieses Urteil hatte der Staatsanwalt Berufung eingelegt; doch war im Termin vom vergangenen Dienstag Einstellung des Verfahrens gegen die Brüder Schott beschlossen und Ladung des Mitinhabers Schatzmann angeordnet worden. Dieser schildert in der heutigen Verhandlung die Lagerverhältniffe zu Vilbel in der vorher angedeuteten Weise. Während der Staatsanwalt daran festhält, daß der Beklagte zu bestrafen sei und event. zur weiteren Beweisführung Vertagung der Sache beantragt, ist der Verteidiger zwar auch für die Vertagung, doch nur dann, wenn das Gericht nicht mit Rücksicht auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts vom 18. August 1892 zur Freisprechung seines Klienten gelangen sollte. Das Urteil lautet, indem es die Aussetzung des Verfahrens gegen die Brüder Schott bestätigt, auf Freisprechung gegen Schatzmann. Berlin, li. September. In dem Prozeß gegen die Germania wegen Beamtenbeleidigung, die aus Anlaß der Konitzer Mord-Affaire erfolgt sein soll, ist auf den 25. September, Nachmittags 1 Uhr vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I. Hauptverhandlung anberaumt. Arbeiterbewegung. New»?)ork, 11. September. Der Ausbruch des Ausstandes der Bergarbeiter dürfte sich noch einige Zeit hinziehen, da das Bergarbeiter-Syndikat die Differenzen auf gütlichem Wege beizulegen hofft. Sollten diese Bemühungen indes dennoch erfolglos fein, so würden 140,000 Mann in den Ausstand treten. Aus dem Geschäftsleben. — Die vom Kaiser der Deutschen Kolonial-Gesellschaft und dem Deutschen Frauenverein für Krankenpflege in bm Kolonien ge- nebmiate 8. Wohlfahrts-Lotterie zu Zwecken der Deutschen Schutzgebiete gelangt derei.s am 29. November und folgenden Trgen zur Ziehung. Die Lotterie bringt 16,870 Gewinne im Gcsamt- belrage von 575,000 Mark bar, darunter Hiuplgewinne von 100,000 Mk. bar. Preis des Lose« 3 Mk. 30 Pfg. inkl. Staatsstempel. Den General-Vertrieb hat das bekannte Bankhaus Lud. Müller u. Co. in Nürnberg — München — Berlin — Hamburg. 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Die Arbeiten und Lieferungen für den Rohbau eines neuen Sparkaffengebäudes sollen verdungen werden und zwar: veranschlagt zu rd. 1. die Erdarbeiten 1020 Mk. 2. die Maurerarbeiten 21700 „ 3. die Cementbeton-und Terrazzoarbeiten 5080 „ 4. die Sandsteinarbeiten 11640 „ 5 die Lungstein- und Granitarbeiten 1380 M 6. die Trägerlieferung 4800 „ 7. die Schmiede- und Schlofft rarbeiten 1560 „ 8. die Zimmerarbeiten 4150 „ 9. die Dachdeckerarbeiten 2440 „ 10. die SpcNglerarbeiten 960 „ Die Verdingungsunterlagen, Zeich. vungen und Bedingungen kö.ineu auf dem Bureau des Architekten Gust. Hamann, Bergstraße 11, an den Wochentagen eingesehen werden. Preisangebotsformulare sind daselbst gegen Erstattung der Kopialgebühren erhältlich. Angebote sind bis zum Donnerstag den 20. d. Mts., abends 6 Uhr, auf dem Bureau der Spar« und Leihkaffe, Gartenstraße 11, in verschlossenem Couvert mit entsprechender Aufschrift versehen, einzureichen. Gießen, den 10. September 1900. Direktion der Spar» und Leihkassr Gießen. Wiener. 6001 Ausschreibung der Lieferung von ca. 900 Bahngrenz- steinen und ca. 900 Weggrenzsteinen für die Neubaustrecke Friedrichsdorf- Friedberg, eingeteilt in 2 Lose und zwar Los 1: ca. 700 Bahn- und Weggrenzsteine für die Gemarkungen Seulberg, Friedrichsdorf, Holzhausen und Nodheim, und Los 2; ca. 1100 Bahn- und Weggrenzsteine für die Gemarkungen Rosbach, Friedberg und Fauerbach. Termin: Montag den 24. September 1900, vormittags 10 Uhr, im Bureau der unterzeichneten Bauabteilung. Bedingungen können ebendaselbst eingesehen und die Verdingungsunteilagen gegen kostenfreie Einsendung von 30 Pfg. von daher bezogen werden. 5918 Zuschlagsfrist 3 Wochen. Friedberg, im September 1900. Großh. Eisenbahn-Bauabteilung. Albeits- undLieserullgsvekgkbuns Freitag den 14. d. Mts., nachmittags IVs Uhr, soll auf unteneidmet'r Bürgermeisterei die Lieferung und Aufstellung von zwei gußeiserne» Brunnen - Pumpen uebft Zubehör, sowie die hierzu erforderlichen Schmiede-, Maurer-, Steinhauer- und Pflasterarbeiten 2c. vergeben werden. Voranschläge und Bedingungen können bei unterzeichntter Stelle vorher eingesehen werden. Bersrod, am 10. September 1900. Großh. Bürgermeisterei Bersrod. Bö cher. 6020 Uiiiplcliliiimcii Zwiebelkuchen Dienstag, Donnerstag n. Gamstag, morgens von V|9 Uhr ab. B. Schomber, WMHor-r-ßt 51. Rkuovieres und Wemaleu alter Oelgemälde. 03564 Goethestrasse 46, Hinterhaus Atelier für Sortraitmalerei. 1 Veranda-Möbel Triumph-Klappstühle etc. bei 4168 Th. Bruch» Wvßgaffe 16. Geschäfts-Empfehlung. Einem geehrten Publikum zur gefälligen Nachricht, daß wir das seither unter der Firma Prang & Fischer betriebene Dachdecker-Geschäft getrennt führen. Mit der Bitte um gefl. 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Bergstraße 17. 03710] Per sofort wird ein tüchtiges Mädchen für Küche und Hausarbeit zu einer Familie (Arzt) aufs Land gegen hohen Lohn gesucht. Näheres Westanlage 51, I.________ 5970] Jüngeres Dienstmädchen vom Lande gesucht. ________W. Ferber, Kirchenplatz n. Junge Dame, die Lust hat, den Buchhandel zu erlernen, wolle sich schriftlich melden. Briefe abzu- geben in der Exp. d. Bl. u „Beruf 6002". 5987] Ein zweites Mädchen gesucht zum 1. Oktober. Arankfurterstr. 4, H. Zum 15. Oktober Stelle frei in kleinem Haushalt (älteres Ehepaar). Reflektiert wird auf älteres Mädchen, welches Kochen und alle Hausarbeit versteht. Alleinstehende Frau ober kinberlose Witwe nicht ausgeschloffen. Gute Zeugniffe verlangt. Frau August Schlessinger, 03765 Ostanlage 40, I. Strlleib(ßel"iu1)c Tücht., energ., prakt. unb theoret. geb. OkkonomikverwaUer unverh, ges. Alters, ber auch selbst. biS- poniert, mit eins unb bopp. Buchführung vertraut, sucht, womöglich dauerndes, Engagement. Vorzügl. 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