Aints- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Theater in Hießen. erden ab- Ord.. Nr. KeteBfo«, Expedition und Druckerei: >#*f#r<-posenschen Grenze ziemlich aenau kenne. Es ist Halbes Heimat — der Dichter wurde zu Güttland in Westpreußen im Jahre 1865 geboren — und wie ich's bestätigen kann, er hat Menschen von Fleisch und' Bein, wie man sie dort alle Tage antrifft, auf die Bühne gestellt. Da finden wir einen katholischen Pfarrherrn von schlichtem Verstände, der sich durch die Schule des Lebens zu einer duldsamen und heiteren Lebensauffassung durch gearbeitet hat, einen polnischen Kaplan, den echten modernen Streitkaplan, ehrlich aber intolerant, der tmmei gleich mit dem Verdammen bei der Hand ist und bei aller Strenge und Asketik doch! nicht ganz) die Gelüste des Fleisches Niederkämpfen kann, und ein das Pfarrhaus wzeein Sonnenblick erheiterndes, munteres und lustiges Nichtchen voll Lebenslust und Freudigkeit. Neben der Nichte hat der Pfarrer auch einen idiotischen Neffen in sein Daus ausgenommen, der mit seiner Geistesblödigkeit auch ein gut Teil Bosheit verbindet. Man gewinnt aber doch den Eindruck, daß man sich in einem Heim befindet, das alle Burg- schäften für gleichmäßige und harmlosfreudige Entwicklung bietet, und aüch! die Thatsache, daß die Nichte Annchen ein Kind der Liebe ist, vermag diesen Eindruck n^st av zuschwächen. Der finstere Kaplan, der sich rote alle anderen dem Reize Annchens nicht entziehen kann, mochte dav zur echtbrechsein, nur um einen guten oder schlechten Witz anzubrinqen, der irgend einem einmal eingefallen ist und ihnen ganz besonders imponiert hat, die nicht Charaktere schaffen, sondern schön gekleidete lustige Puppen Halbe bringt wahres, echtes Leben auf die Buhne und schafft Menschen, in deren Seele man sich hineinzudenken hat, um mit ihnen zu fühlen und zu handeln. Das ist für manchen noch heute, obwohl nun acht Jahre bereits seit der Premiere der „Jugend" im Berliner Residenztheater verflossen sind eine neue Welt, die er nicht nut den Augen der alten, sondern mit denen der neuen betrachten muß, um Genuß an ihr zu empfinden. Wenn ihm em dichterisches Gemälde vorgehalten wird, über dem berauschender Frühlingsduft ausgebreitet liegt als Spiegelbild der Wirklichkeit, dann behandele er es nicht wie jene bunten Farcen des Theaters, in denen es von Mätzchen wimmelt und Triks zur Kitzelung der Lachmuskeln. Man steht heute doch schon ziemlich allgemein auf der Schwelle zu dem Zett- cchfchnckte, in dem ein heiliger Ernst tritt an Stelle des Gekichers über Worte, nut denen es, wie nut allem, dem Dichter heiliger Ernst ist, und ui dem es nicht mehr Leute giebt von ausschließlichgesellschäft!Uchem Schamgefühl. Wohl drängt sich m die freundliche Frühlmgs- stinununq, die das ganze Liebesdrama der kaum den Kinderschuhen entwackstenen Jugendgestalten durchzieht, hier und da gar schwüler Sommerhauch, ia man glaubt bisweilen das heiße, unnatürlich gesteigerte Treiben junger Pflanzen in heißer, feuchter Treibhausluft zu verspüren. Trotz mancher Unvollkommenheiten aber verrät schon dieses Stück das große und starke und dabei liebenswürdige Zur fragt der Ausdilduug des katholischen Klervs. Die Bildung des Klerus in kirchlichen Seminarien oder an Staatsuniversitäten. historische Skizze eines hundertjährigen Kampfes in Deutschland von. Dr. Holzammer Domkapitular und Regens des bischöflichen Seminars in Mainz." So lautet der vielversprechende Titel einer soeben ssr- schienenen Broschüre. ... ~ . Der Verfasser tritt nut seiner Arbeit für die Seminare ein, selbstverständlich gehört er doch selbst uit Jahrzehnten dem mit Recht berühmten Seminar in Mainz als Professor an und ist jetzt dessen Leiter geworden. Es ist dies das Seminar oder die Fakultät, die Bischof Kettelev zurzeit la!n die Stelle der katholisch-theologischen Fakultät an der Universität Gießen setzte. Der Schritt, den dieser Bischof damals that, fand die Billigung nicht bloß aller kirchlich gesinnten Katholiken, sondern auch vieler Liberalen. Die Zustande ui Gießen waren — wir folgen hier wörtlich den Darstellungen der „Straßb. Post", die in der uns übrigens nicht vorliegenden Broschüre Anspielungen auf Straßburg und die dort projektierte katholisch-theologische--Fakultät erblickt unerträglich geworden: die Theologiestudierenden versäumten die Messe am Sonntag und übertraten ohne Bedenken andere Kirchengebote; die, welche sich auf ihren zukünftigen Beruf in dem richtigen Sinne vorbereiteten, wurden von den anderen verhöhnt, die meisten ließen sich in ein wüstes Studentenleben hineinreißen (siehe Pfütf, Geschichte des Bischofs v. Ketteler 1 Seite 235 ff.). Der hessische Abg. Humann (siehe Holzammer Seite 31 ff.) bezeichnete in einer Rede, die er 1852 in der Ersten Kammer in Darmstadt hielt, die Gießener Zustande folgendermaßeii: „Ein Theologe wird sich nicht in dem sogenannten Burschenleben, in den Tabagien, bei den wilden Kommersen jene Tugenden aneignen, die seinem Stande so notwendig sind." Die katholischen Theologen hörten Philosophie bei Hillebrand, einem abgefallenen katholischen Geistlichen, Naturwissenschaften bei Karl Vogt, und die beiden Theologen, der einmal zum Bischof von Mainz erwählte, aber von dem Papste abgelehnte Professor S ch m i d sowie Professor Lutter b eck traten später aus der katholischen Kirche aus. Das wird genügen, um auch dem Befangensten zu beweisen, daß Gießen - natürlich ohne I Convict — damals nicht die geeignete Statte zur Heranbildung zukünftiger katholischer Geistlichen sein konnte. (Ob unsere Stadt im Laufe der Jahre geeigneter geworden Die Sommer theatzer-Gesellschaft des Herrn Robert Friedrich aus Bremen hat am Mittwoch hier ihren ersten vollen Erfolg gehabt. Nachdem alle ihre bisherigen Versuche an der hartnäckigen Passivität des Publikums gescheitert waren, hat sich nach dem guten Eindruck, den ihre. Vorstellung der alten „Wohlthätigen Frauen" auf die wenigen Besucher und die Kritik erzielt hatte, bet Theaterverein ihrer angenommen. Damit war von vornherein! für den materiellen Erfolg gesorgt; den ideellen hat sie sich selbst errungen. Man bot uns Max Halbes „Jugend", das schöne Frühlingsdrama mit seiner in knappen Zügen sich entwickelnden Handlung, und eine das Haus ziemlich, dicht besetzende Zuschauermenge folgte mit gespannter Teilnahme der Aufführung. . , Das Stück ist realistisch nach' Form und Inhalt Allerdings ist es infolge dessen der Gefahr ausgesetzt, verkannt AU werden. Halbes Bühnentechnik hat nichts gemein mit der alten, die auf Stjelzen einher wandelt und sich, in halsbrecherischen ober eleganten Perioben unb Rebewenbungen, wie man's nehmen will, ergeht, auch! nichts mit jener ber heute noch! beliebten Lustspielfabrikanten, bie sich Szenen teilen, unb ihn beauftragen, den genannten Betrag an - - - - alsbald ist, wollen wir mit bem genannten Blatte unerörtert lassen. D. Red. b. G. A.) Deshalb schrieb auch der Münchener Professor Windischmann am 5. August 1851 an Ketteler (siehe Holzammer Seite 22 f.): „Ew. Bischösl. Gnaden haben eine sehr vorteilhafte Stellung gehabt gegHr- über der Gießener Fakultät Auch dem blödesten Auge mußte einleuchten, daß Ort und Komposition dieser Anstalt einem katholischen Bischöfe nicht genügen können " Gießener Zustände bilden bie Grunblage, aus bas Holzammer fein Vorgehen gegen bie Universitäts- bitbung ber Theologen aufbaut. Es ist hier nicht ber Ort, was Bischof Ketteler gethan haben würbe, wenn man ihm freigestellt hätte, in Gießen ein Konvikt nach feinem Sinne einzurichten unb gegebenenfalls feinen Theologen ben Besuch unkirchlicher Vorlesungen zu verbieten. Manche glauben, baß er sein Seminar in Gießen eingerichtet haben würde. Doch das sind nur Vermutungen. Von Interesse ist es aber, zu sehen, welchen Einfluß ber Bischof unter so ungünstigen Umständen auf feine Theologen ausuben konnte. Darüber berichtet der schon erwähnte Professor Lutterbeck: (siehe Pfülf, a. a. O. I. S. 239) „Am Schlüße des Wintersemesters zweifelte ta schon niemand mehr, daß es mit der katholisch-theologischen Faku tät zu Ende sei, aber auch, was geschehen werde, wußte niemand Bei dem Wiederbeginn der Vorlesungen ließ stch kein katholischer Theologe blicken, man dachte wohl, warum, aber niemand wußte es. Endl^h unter dem 8. Mai 1851 kam das erste und das letzte amtliche (bischöfliche) Dokument in dieser Sache nach Gießen, ein Schreiben des bischöflichen Ordinariates in Mainz, die Todesbotfchast für die Fakultät enthaltend." c Wir denken, so fährt das genannte Blatt fort, das genügt, um zu zeigen, wie ohnmächtig eine — nebenher gesagt, heute ganz unmögliche — Fakultät gegenüber dem B^Was^werden bie Leiter ber heutigen Konvifte bezw. Kollegien an den Universitäten dazu sagen daß der Verfasser die in ber Denkschrift des oberrheinischen Epijcopats (12. April 1853) gebrauchten, damals richtigen Auseinandersetzungen über Konvikte anführt, ohne zu bemerken, daß dies heute nicht mehr stimmt? Es heißt da: (^olz- ammer, S. 48) „Die Konvikte sollen reine Staatsanstalttn sein, an welchen ber eigentliche unb allein berechtigte E^ zieher der Kleriker, weil der geistige Vater — ber Bischpf — nur einen prekären Einfluß hat. Diese Anstalten find ungeeignet, den beabsichtigen Erfolg zu erreichen . Elne anbere Stelle biefer selben Denkschrift verbleut hervor- gehoben zu werben. Es heißt (S. 50): „Wir (die Bischöfe) brauchen hier nicht auf abstrakte Untersuchungen einzugehen, ebensowenig wollen wir den Vorzug, den eine Hochschule als univereitaa literarum und ein Sammelplatz der mannigfaltigsten wiflenschaftlichen Bestrebungen ihrer Idee nach an und für sich vor der Spezialschule blos einer Wiffenschast hat, in Abrede stellen, noch leugnen, daß einzelnen besonders ausgezeichneten Theologen zu ihrer wissenschaftlichen Ausbildung der Besuch einer großen Unwerfität ersprießlich sein kann, sondern wir haben nur die konkreten Verhältnisse, nämlich die regelmäßige Ausbildung der zukünftigen Geistlichkeit und unsere gegebenen Zustände, in specie Mainz und Gießen tn Betracht zu ziehen." Bulgarische Zustände. In Kreisen ber „Wissenben" in ber bulgarischen Haupt- ftabt zirkulieren seit einigen Tagen Gerüchte, benen eine v. Bechtold. Bezeichnung bes Kirchenfonds. BerSrod Burkhardsfelden Dorf-Gill Gießen Großen-Linden Grünberg Harbach Haufen........ Lang-Göns Londorf Ober-Hörgern Oppenrod Rödgen Rodheim a. d. Horloff . . . RüddingShaufen Steinbach....... Wiefeck........ Winnerod....... Gießen, den 10. Juli 1900. Betr.: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 22. Juni 1900 (Gießener Anzeiger Nr. 147) noch nicht entsprochen haben, werden an deren sofortige Erledigung erinnert. v. Bechtold. Gießen, 7. Juli 1900. Betr.: Den Voranschlag des evangelischen Zentral- kirchenfondS für 1900/1901; hier: die auf die Lokalkirchen- und milden Stistungssonds ausgeschlagenen Umlagen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die evangel. Kirchenvorstände deS KreiseS. Nach einer Mitteilung Großh. Oberkonfistoriums vom 3. ds. Mts. haben die unten verzeichneten Kirchenfouds für die kirchlichen und geistlichen Zwecke den beigesetzten Beitrag pro 1900/1901 an den evangelischen Zentralkirchenfonds zu Krktes Blatt. Freitag dm 13. Juli »!><><> 1 ' . A Nezugsprels Ä W Vierteljahr!. Mk. SM Gießener Anzeigers ZV | A4r /V 44* Alle Anzeigen.« ermitNungSstellen des In- und AuSlau»«» 1 II \ <1 I *■ ff TT 2 PI || PI nehmen Anzeigen für ben Gießener Anzeiger entgegen, V ♦ TV K' TTT' V TT TV TVT V** Zeilenpreir: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pf,. Gewisse Veg»ündu«g nicht aüaesproft)je» werden fte- geMM des Umstandes, daß ein Landesteil nach dem -anderen dem martialischen Gesetz unterworfen werden mutz, tiitb daß auf diese Weise bereits die Hälfte des Fürstentums der militäris-cl-en Gerichtsbarkeit überliefert worden ist. M der Gedanke in ernstester Weise ventiliert werden, zur Regierung ausschließlich höhere Militärs zu berufen, und zwar heißt es, General Petro ff solle an die Spitze der Regierungsgetvalt gestellt werden. Dieser General hat seine Ausbildung in der Akademie des russi- schen Generalstabs erhalten und es wird ihm die Fähigkeit zngeschrieben, die Rolle eines bulgarischen „Alba" zu Spielen. Mehr als ei n bulgariscl-er „Egmond" dürfte dann vielleicht seine politis-ä>e Vergangenheit mit dem Leben zu bezahlen haben. Eine definitive Entscheidung über den Weg, der betreten werden solle, ist allerdings noch, nichb gefallen und der Fürst, zog es vor, tveit von — Sophia über die harte Zeit und deren Erfordernisse uachzudenken. Ob aber das Sprichwort: „Kommt Zeit, kommt Rat!" sich- in diesem, man darf wohl sagen, fast verzweifelten Falle bewähren wird, das ist allerdings sehr fragliche Die Lage in Bulgarien hat sich- derartig verschärft und |o drohende Aspekte angenommen, daß ein großer Ent- ßchluß gefaßt werden muß, dem ^entscheidende Thaten unbedingt zu folgen haben. Die Staatsautorität hält, wie die „Dresd. N. Nachr." wissen wollen, an dem Gesetze, betreffend die Zel)entsteuer, fest — aus welichm Grunde, das weiß man positiv nicht; wie in bulgariscl>en Blättern behanptet wird, soll es darum gescl)ehen sein, weil die Zehent st euer für das Jahr 1900 bereits einem f r a n - äöfischen Konsortium, an dem ein Bruder des F ü r st e fu$ erdinand beteiligt sein soll, für 20 Mill. Francs verpachtet worden wäre. (!!) Indessen, ebenso fest und unerschütterlich verharrt das Volk auf seiner Weigerung, diesem Gesetze sich zu beugen. Bulgarien ist demnach thatsächlich in zwei Lager geteilt: in dem einen steht das regierende Regiment, in dem anderen bezog die Wache, Gewehr bei Fuß, das regierte; keins von beiden will nachgeben. Von beiden Seiten wird, nicht im bildlichen, sondern im buchstäblichen Sinne des Wortes an die Waffen appelliert: Die Armee steht gegen die Nation, und diese letztere, ebenfalls gut bewaffnet, rielstete sich in ihrer ganzen Stärke drohend vor dem Heere auf. Wenn es wahr ist — und daran ist vorläufig nicht zu zweifeln —, daß die Regierung, von der kritisch gewordenen Finanznot gedrängt, unter keinen Umständen auf die Zchentsteuer in Natura verzichten kann und will, so ist absolut nicht abzusehen, wie der endlül>e Kampf zwischen beiden Lagern vermieden werden könnte. Muß er aber begonnen und ausgefochten werden, dann erscheint es nur logisch, daß ein Militär-Regime etabliert werde, und zwar je eher, desto besser. Verfassungsmäßige Bedenken scheinen ja die Machthaber in Sophia sehr wenig zu beunruhigen: hat man doch skrupellos mit der bekannten Preßordonnanz ein klaffendes Lock)! in das Grundgesetz gemacht! Nach dem bekannten Worte, daß es immer nur der erste Schritt sei, der Schwierigkeiten bereite, dürften die Löcher in die bul- garisst)e Staatsverfassung nunmehr in rascher Reihenfolge gebohrt werden und das „Ministerium der Obersten" wird nur noch den letzten Nagel in den Deckel des Sarges der Konstitution hineinzuschlagen haben. Welche Folgewirkungen dieser zum Teil bereits vollzogene, zum Teil noch, zu vollziehende „Coup d'Etat" für das Land haben wird, darüber kann man vorläufig keine präzise Meinung aussprechen. Nur so viel läßt sich schon jetzt sagen, daß Bulgarien den trübsten Zeiten und stärksten Erschütterungen entgegen treibt. Wie aber auch immer sich die Lage in Bulgarien gestalten möge, der Friede am Balkan dürste darunter schwerlich) leiden. Serbien, das in seiner heutigen Situation einen der ersten Faktoren der Balkangeschichte bildet, verbürgt zur Genüge die Stabilität des Friedens. Die letzte Reise des Königs Alexander im Osten seines Landes hat den Beweis erbracht, daß die Harmonie zwischen Thron und Volk so vollständig ist, wie sie vielleicht zu keiner Zeit in Serbien war. Eine Weiterverbreitung der bulgarischen Gährung über die bulgarische Grenze hinaus erscheint daher gänzlich ausgeschlossen und darin liegt die Bürgschaft für die Erhaltung des Balkanfriedens. Aus Stadt und Land. Gießen, 12. Juli 1900. *• Au8-eichuu»gen. Der Kaiser hat den nachbenannten Beamten im Geschäftsbereich des Auswärtigen Amtes die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verliehenen fremdherr- lichen Orden erteilt, und zwar: des Komturkreuzes zweiter Dr. Dörpfeld. der vchhSftöstelle unseres BlstteS entgegengenommen werden, lieber die geleisteten Beiträge wird öffentlich quittiert werden. somehr als die Veranstaltung in sich selbst den berufenste« Fürsprecher hat. Wir begnügen uns, daß Gaben auch in Klaffe des Großh. heff. Verdienstordens Philipps des Groß- | es sich heute nochmals darüber ausführlich zu sprechen, um. wütigen: dem Konsul mit dem Charakter als General- r c~ **“ “* " ' " ffJt r ,tr‘ c " * Konsul v. RekowSki in Neapel; des Ritterkreuzes erster Klaffe desselben Ordens: dem Ersten Sekretär der Zweiganstalt des Archäologischen Instituts in Athen, Prosessor ** Versetzungen. Lehrer Engel von Bannerod, Kreis Lauterbach, wurde nach Eichloch, Kreis Oppenheim, und Lehrer Schmuck aus Bechtheim nach Sichenhausen versetzt. ** Der meteorologische Beobachtungs- dienst im Großherzogtum Hessen soll bis zum 1. Januar 1901 vollständig reorganisiert werden. Zu diesem Zweck ist die Gründung eines treuen, einheitlichen und ausgedehnteren Netzes von Beobachtungsstationen geplant, von denen die meisten auf die sogenannten Regen- st a t i o n e n entfallen. Es sind dies Stationen, auf denen ein Jnstimment zum Messen des tagsüber fallenden Niederschlags, sogenannter Regenmesser, aufgestellt wird, dessen hauptsächlick)-c Bedienung darin besteht, daß jeden Morgen um 7 Uhr die darin angesammelten Medcrschläge abgemessen und nach einer den Beobachtern gelieferten, leicht faßlichen Instruktion ihre Art ausgezeichnet wird, worauf die Aufzeichnungen nach Monatsschluß an die Zentralstelle eingesandt werden. Es ist selbstverständlich daß dazu eins Anzahl von zuverlässigen Beobachtern erforderlich ist, süv jede Station einer, der auch imstande ist, im Falle seiner persönlichen Verhinderung einen ebenso zuverlässigen Ersatz für Ausübung seines, wie erwähnt, nicht schwierigen Amtes zu stellen, en den beiden Kindern, die sich wie selbstverständlich zusammenfinden. Dieses Spiel der Jugend, das kindlicl;e Mädcl)en, das sich mit reizender Hingabe in den ersten jungen Mann verliebt, den es zu sehen bekommt, und der Mulus, der noch nicht recht weiß, wo er Hände und Füße lassen soll, das alles kommt zur Darstellung wie ein Frühlingsgedicht mit Vogelgesang. Der Dichter hat es verstanden, das Erwoftien der Liebe in zwei jungen Menschenherzen, ihr Anwachsen zu einer jede Schranke niederreißenden Naturgewalt zu zeick>nen, die feinen Schwingungen im Seelenleben der beiden wiederzugeben, er hat die Regungen in der Menschenbrnst mit dem Lenzerwackien der Nattir in Verbindung zu setzen gewußt. Die linde Frühlingsluft, die über die Auen von Rosenau hinzieht, die jungen Saaten aufsprießen und die Knospen an Baum und Strauch schvellen macht, sie weckt auch in Hänschen und Annchen Mes geheimnisvolle Sehnen, in dessen Erfüllung sie ihr höchstes Glück und ihr tiefstes Leid finden müssen. Ihr tiefstes Leid! Denn Hänschen und AmuheN nähern sich viel zu sehr und —i viel zu schnell. Amandus, der Idiot, der Hans häßt, weil Annchen diesem allein die besten Leckerbissen reicht und ihn leer ausgehen läßt, verrät die Liebenden. Die beiden jugendlichen Sünde» versuchen gar nicht erst zu leugnen, sie nehmen ergeben das Urteil hin, das Onkel Hoppe über sie fällt: sie solle» sich sofort trennen, Hans soll gleich zur Universität ab- reifen und erst wiede Kugel ins §erj. Die Thal eines Idioten —. Dieser Schluß ist ein Zugeständnis an die alte Bühnentechnik, er ist unrealistisch Was wäre aus Hans unö Amuhen geworden, wenn der Schuß fehl gegangen wäre? Wäre Hans zurückgekehrt zu seinem Annchen narb Beendi- digung' seines Studiums? Die erste süße Jugendliebe ift ihm. dem thatendurstigen Jünglinge, nach ein paar Jahre» vielleicht nichts als ein Jugendtraum, und feine das Leben ausfüllende große Leidenschaft. Mit dem Mschiede der jugeirdlichen Sünder von einander hätte Ibsen das Drama geschlossen. Was nun kommt, das liegt im Schoße bei Zukunft verborgen, wie das Lebensschich'al jedes Menschen^ - h- Laub ach, 10. Juli. Zur 25jährige» Jubiläumsfeier des hiesige» Gymnasiums, die am 2. und 3. August stattfiudet und aus die im „Gieß. Anz." bereits in Nr. 157, viertes Blatt, hingewiesen wurde, ist das hiesige Festkomitee eifrigst mit den Vorbereitungen beschäftigt. Als Feftmusik ist die Bäuerische Kapelle in Gießen i» Aussicht genommen; eine besondere Festhalle soll erbaut werde». Die Gestaltung deS Festes wird im wesentlichen von der Größe des auswärtigen Besuches abhängig sein; mau sieht einer regen Beteiligung früherer Schüler entgegen. Damit jedoch das Wohnungskomitee jetzt schon in Thätigkeit trete» kann, ist es nötig, daß Anmeldungen für das Fest, Festmahl re. baldigst geschehen. Da Viele Studierende ber Ladorioiana frühere Schüler des hiesigen Gymnasiums find, so liegt es bezüglich der Unterkunft im Interesse derer, die das Fest zu besuchen gedenken, wenn fie umgehend ihre Anmeldung an Oberlehrer Kullmann richten. bm. Mainz, 10. Juli. Die jüngst durch die Blätter gegangene Mitteilung, daß das Großh. Ministerium in Darmstadt der Stadt Mainz die Erlaubnis erteilt habe, die Fäcalie» in den Rhein zu leiten, entspricht nicht der Richtigkeit. Zurzeit ist das Reichsgesundheitsamt noch mit her Abfassung eines Gutachtens über die Zulässigkeit der beabsichtigten FScalienableitung beschäftigt und kann, bevor dieses Gutachten vorliegt, von einer diesbezüglichen Entscheidung der einzelnen Rheinuserstaaten keine Rede sein. — DaS Ansinnen deS Spiritusringes, den Brenn- spiritus in Zukunft mit einem Aufschlag zu verkaufen, ist hier bei den Händlern auf keinen guten Boden gefallen. In einer gestern abend stattgehabten vertraulichen Besprechung derselben sprach man sich einstimmig gegen diese Zumutung aus und erklärte, sich der Bestimmung nicht unterwerfen zu wollen. bm. Mainz, 10. Juli. Eine Tochter Gutenbergs will man in Holland entdeckt haben, so schreibt wenigstens das holländische Blatt „Doetinchemsche Weckblad" in einer seiner letzten Nummern: „Als intereffante Neuigkeit wird gemeldet, daß Nachkömmlinge von Johann GenSfleisch zum Gutenberg, der durch unsere östlichen Nachbarn als Erfinder der Buchdruckerkunst gefeiert wird, noch immer zu Herzogenbusch wohnen. Eine Tochter von Gutenberg verheiratete sich seinerzeit mit Peter Schöffer, deffen Enkel Hans Schöffer sich zu Herzogenbusch in der „Kerk- straat" niederließ, allwo er im Jahre 1541 Drucker war im „Het vergulde Miffal". Deffen Nachkommen haben später den Namen Scheffer angenommen und sind in Herzogenbusch noch vorhanden. Keiner der zahlreichen Gutenbergforscher hat bis jetzt dieser Herzogenbuschenschen Verwandtschaft Gutenbergs auch nur mit einer Silbe erwähnt. Mainz, 10. Juli. In unserer Provinz finden gegenwärtig von einem Detachement militärischer Radfahrer der verschiedensten Regimenter größere Uebungen statt; eine aus zwei Manu bestehende Radfahrerpatrouille des 115. hessischen Infanterie-Regiments hatte am SamStag Ausklärungsdienst. An einer steilen Höhe in der Nähe von Bechtheim kam der eine der militärischen Radfahrer zum Sturz, wobei der Mann sich so schwer verletzte, daß er mehrere Stunden völlig bewußtlos war. Der Arzt eines Nachbarortes wurde herbeigeholt und mit Hilfe desselben gelang es, den Mann wieder zu sich zu bringen, doch hatte sich derselbe ganz erhebliche Verletzungen, besonders am Kopf, zugezogen. Der Verunglückte wurde in das hiesige Militärlazarett verbracht. Bo« Rhein, 10. Juli. Es regnet noch immer weiter zum unendlichen Schaden aller Kulturen am Rhein. Das Frühobst verdirbt. Auch hat der Heuwurm in den kalten Tagen Zeit gehabt, sich zu entwickeln, und kann man denselben schon zu 5 Stück in einem Gescheine finden. In geringen Lagen sind wenig Gescheine vorhanden. Das ist die allgemeine Klage der Winzer an Rhein, Mosel, Saar und Ahr. — Am Oberrhein, bei St. Goarshausen will die ReblauSgesahr nicht schwinden, trotzdem schon mit allen Mitteln dagegen gekämpft wurde. Dieser Tage wurde wiederum ein Herd in einem Weinberg im Hasenbachthal gesunden. Die Ausnahme, die daS Stück gestern bei uns fand, ro_ay* schon oben angedeutet, im allgemeinen warm und rückhaltlos. Das ist in erster Reihe das Verdienst der Darfleuerm des Annchen. Was wir bei Frl. Käte Torsen vor allem zu loben haben, ist, daß sie sich mit bestem Erfolge bemühte, rein von allem Komödiantischen, ganz Wahrheit und Leben zu sein. Gleich im ersten Akte stellte sie die Aufregung.über das große Ereignis, daS in ihr einsames und emtomges Lebentritt, mit lebhaftesten Farben dar, »nd auch, w,- -s alsbald ihr junges Leben aussüllt. Jnnige Hmgebung und auch d.e Reue und Zerknirschung im letzten Akte kamen «oll zu ihrem Rech,-, Und dabei scheint schon der tt-se Klang ihres vollen Organs, ihre reife Weiblichkeit, ihre hohe Intelligenz st- meist zu ganz anderen Ausgaben zu führen als zu diesem süßen klemeu Annchen. Auf ihr Annchen aber konzentrierte sich gestern die allgemeine Aufmerksamkeit, und ihr gebührt, nächst dem Dichter, der Löwenanteil des Erfolges. Ihr Gegenspieler, Herr Stiel er, hatte dagegen m. E. seine Aufgabe nicht richtig auf- und angesaßt. Der blutjunge Romeo, der für seine Liebe zur Pfarrhausjulia keinen Pater Lorenzo findet, ist ein stürmischer adolescentulus, der mit der gewonnenen Freiheit noch nichts Rechtes anzufangen weiß. Er besitzt noch die Nervosität der Anreife, nicht die des Dekadenten, deS fin-de-eiScle- Jünglings, eine Sehnsucht, die für das Unbestimmte weit die Arme öffnet, und hin- und hergeschoben wird von innerer Unrast. Er ist keineswegs, wie Herr Stieler ihn zu geben sich bestrebte, der Ueberlegene, der sinnliche Leidenschaften suggerierende, der Verführer. Zu allem dem ist der Mulus * * Meine Mitteilungen ans Heffen und de» Nachbarstaaten. Der ehemalige Rechner des landw. Konsumvereins in Leusel, Konrad Geiß, gegen den in Kürze wegen Unterschlagung, begangen an dem Konsumverein, vor dem Alsfelder Schöffengericht verhandelt werden sollte, hat sich erschossen. __ In Mainz hat sich der Zigarrenhändler Nicolai aus dem Friedhof erschossen. Ein Leiden soll die Ursache des Selbstmordes sein. — Dem „M. I." wird bezüglich der seitens der Militärbehörde beabsichtigten Enteignung des Schießplatzes des Mainzer Schützenvereins geschrieben: Ober, bürgermeister Dr. Gaßner wird sowohl bei dem Ministerium in Darmstadt, als auch bei der preußischen Militärbehörde Schritte thun, um ein gütliches Uebereinkommen zwischen der Mainzer Schützengesellschaft und der Militärbehörde zu Wege zu bringen. — Kommerzienrat Louis Schramm in Dillenburg ist nach langem Leiden gestorben. Vermischtes. * Wien. 10. Juli. Der seit Samstag vermißte Chorführer des Hamburger Stadttheaters Joses Bann, der in Gesellschaft zweier anderer Personen einen Ausflug ins Schneeberggebiet unternommen hatte, wurde heute nachmittag in der Nähe des Klosterwappens, einem der höchsten Punkte des genannten Gebietes, tot aufgefunden. Bann dürste vor Erschöpfung zusammengesunken und erfroren sein. * Innsbruck, 10. Juli. Der Schneefall in der Höhe dauert fort. Die Berge bieten bis unter die Waldgrenze das Bild einer vollständigen Winterlandschaft. Der Schnee liegt 30 Zentimeter hoch. Das Almvieh leidet ungeheuer. Auch in Südtirol ist aus den Bergen starker Schneefall. Die Verbindungen zwischen den alpinen Unterkunstshäusern ist unterbrochen. An den Fenstern der Schutzhäuser hängen stellenweise Eiszapfen. Auf dem Brenner waren heute früh 3 Grad, hier 6.5 Grad Reaumur. * Innsbruck, 11. Juli. Im Passeierthal verunglückte ein Radfahrer aus Meran. Der dort an- gestellte 30 Jahre alte Zeichner Joses Schusser, ein Deutschböhme, unternahm mit Kameraden eine Radtour ins Passeier. Bei einer scharfen Kurve in der Nähe des Sandhofs stieß er auf seiner raschen Fahrt an einen Prellbock und wurde hierdurch vom Rad weg über eine zehn Meter hohe Mauer kopfüber ins Passerbett geschleudert, wobei ihm der Schädel zerschmettert wurde. Nach einer halben Stunde verschied er. Gerichtssaal. -l. Gießen, 10. Juli. Strafkammer. Vor der heutigen Strafkammer hatte sich zunächst der 1836 zu Odenhausen geborene Taglöhner Peter Erb aus Butzbach! zu verantworten, der beschuldigt wird, sich im Mai d. I. zu Butzbach eines vollendeten Verbrechens und zweier Versuche im Sinne des § 176, 3, sowie des Vergehens im Sinne des § 183 St.-G.--B. schuldig gemacht zu haben. Der seit 30. Mai in Untersuchungshaft befindliche Angeklagte erhält in Anbetrach-t feiner vielen Vorstrafen eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr uckb 3 Monaten. — Demnächst wivd gegen benJohs. Schröder III. von Nieder-Bessingen wegen Betruges auf eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten erkannt. Der 43 rührige Angeklagte, der wegen Betruges in wiederholtem Rückfalle vorbestraft ist und zur Zeit aus gleichem Anlaß eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten verbüßt, ist geständig, im Frühjahr d. I. den Wirt Eberhard Haas unter Vorspiegelung der falschen That- sache, er habe in Lich 35 Mark vereinnahmt, die betr. Summe aber versehentlich im Holländischen Hof zurück- gelassen, um den Betrag von 2,08 Mark beschwindelt zu haben. — Der falschen Anschuldigung im Sinne des § 164 St.-G.-B. hat sich der Schuhmacher Heinrich Stein von Gießen schuldig gemacht. Es war in der Nacht vom 27. zum 28. Februar; der Fastnachtsdienstag war bereits vorüber und der Aschermittwoch angebrochen, als es am Kreuzplatz zwischen rauflustigen „Narren" zu einem kleinen Recontre kam, das indes ohne ernstliche Folgen blieb und bei einem großen Menschenauflauf sein Bewenden hatte. Daß gröbere Ausschreitungen nicht vorkamen, ist lediglich! dem maßvollen Einschreiten der patrouillierenden Schutzleute Gemmecker und Reinhard zu Hans viel zn unreif. In Kostüm und Haltung entsprach demnach Herr Stieler nicht der dichterischen Figur. Der Gegensatz der beiden Geistlichen, des Pfarrers Hoppe und des Kaplans v. SchigorSki, wurde durch das Spiel der Herren Friedrich und Ibert in scharfer Weise markiert. Jener gab uns zwar nicht gleich das Bild eines schlichten, halb bäuerischen Laudpfarrers, er brachte doch etwas von seiner Amtswürde ins häusliche Leben hinein, waS Halbe kaum gewollt hat. Seine große Szene im letzten Akte aber gelang vorzüglich. Die erwachte Energie, die dem Schleicher, als der sich fein Amtsbruder entpuppt, die Fäuste zeigt, war von vollendeter Charakteristk. Hier packte er uns im innersten, hier imponierte er, um allerdings die gleiche Lebensechtheit nicht mehr zu erreichen. Der Kaplan des Herrn Jbert war ein fanatischer Vorkämpfer des eccelesia militan, von düsterer Energie. Dieser polnische Kaplan wäre eine geeignete Titelvignette für eine Schrift, die von den antideutschen Bestrebungen in Westpreußen und Posen handelt. Die Tanzszene freilich hatte Herr I. nicht ersaßt. Hier wird der asketische Kaplan Mensch, hier unterliegt er dem Weibe. Dieses wohlabgetönte Ensemble überragte künstlerisch der Darsteller der grellsten Figur des Stückes, des blödsinnigen Amandus. Herr Verend bot eine Leistung so durchaus maßvoll und doch, ober gerade darum so wirksam, daß ich mich lebhaft erinnerte an die von Paul Biensfeld, der diese Rolle einst im Refidenztheater zu Berlin kreirte. Diese fürchterlichen körperlichen und seelischen Aufregungen, dieses idiotische Gestammel mit allem Drum verdanken, die nach Möglichkeit Ruhe zu stiften suchte«, die einzelnen Gruppen der Gaffer zum Weitergehen veranlaßten und der Wirtschaft, in der an dem Streite Beteiligte ihre Kneipe hatten, Feierabend boten. Dies alles hatte der Angeklagte mit angesehen; auch! er und seine Frau waren aufgefordert worden, sich zu entfernen. Da er sich aber nicht fügte, drohten die Schutzleute event. mit Verhaftung. Diese gewiß berechtigte Drohung ging indes dem Angeklagten so gewaltig in die Galle, daß er am nächsten Morgen in blindem Eifer zum Polizeiamtmann lief, um Beschwerde zu führen. Dieser wies ihn indes zum zum Polizeisekretär Roth; und bei diesem erklärte er ru Protokoll, daß die betr. Schutzleute gegen skandalierenoe Studenten nicht eingeschritten seien, obgleich die Schlägerei einen solchen Grad erreicht hätte, daß hierbei von Revolvern, Messern und Biergläsern Gebrauch gemacht worden sei. Die dienstthuenden Beamten hätten vielmehr friedlichen Passanten befohlen, sich zu entfernen und seien zuletzt mit den Studenten in die Weidigsche Wirtschaft gegangen, um dort gemeinsam zu kneipen. „Da ich", so heißt es in dem Protokoll, „in dem Verfahren der Schutze leute eine Dienstwidrigkeit erblicke, so beschwere ich, mich." Von allen diesen den Polizeibeamten zur Last gelegten Dienstwidrigkeiten und Besugnisüberschreitungen hat indes niemand, selbst keiner von den geladenen Entlastungszeugen, etwas wahrgenommen, nur einer unter ihnen, der indes nach seinem eigenen Geständnis schwer betrunken war, will bemerkt! haben; daß ein Student von einem Messer Gebrauchs gemacht hat. Heute giebt selbst der Angeklagte zu, daß er in seiner fürchterlichen Aschermittwochs-Erregung stark aufgetragen habe. Durch die Zeugenvernehmung ist also mit aller Bestimmtheit festgestellt, daß die Schutzleute sich keiner Pflicht- oder Dienstwidrigkeit schuldig gemacht, sondern ihren Dienstvorschriften gemäß gehandelt haben. Diese Thatsache wird denn auch von der Staatsanwaltschaft betont und das Vorgehen des Angeklagten als höchst frivol bezeichnet, weshalb eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten und Publikation des Urteils durchs den „Gießener Anzeiger" auf Kosten des Angeklagten beantragt wird. Das Urteil lautet auf eine Gefängnisstrafe von 5 Wochen. — Wegen Urkundenfälschung und Betrugs im Sinne oer §S 267, 268, 1, 263, 73 und 57 St.-G.-B. erhält der 16jährige Weißbindergeselle Heinr. Vetter von Hainchen eine Gefängnisstrafe von 14 Tagen, Weiher am 16. Mai eine Privaturkunde, nämlich einen Nachweis über seinen Tagesverdienst in Höhe von 3,50 Mark auf den Betrag von 4,50 Mark abänderte und sich dadurch in seiner Eigenschaft als Zeuge vor dem Schöffengericht Altenstadt einen rechtswidrigen Vermögensvorteil verschaffte. — Gegen den 14 jährigen Friedr. Karl Gruner aus Groß-Karben wird wegen Verbrechens gegen § 173 St.-G.-B. unter Annahme wildernder Umstände nach, § 57 St.-G.-B. auf eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen erkannt, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten soll. Händel «vd Verkehr. Volkswirtschaft, Frankfurter Börse vem 11. JulL Wechsel auf New-York zu 0.00-00. Prämie« auf Kredit per ult Juli 1.90%, do. per ult Äug. 3.40%, Diskonto-Kommandit per ult. Juli 2.00%, do. per ult. Aug. 3.60%, Lombarden per ul*. Juli 0.75%, do. per ult Äug. 1.05° . Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 %. Notierungen : Kreditaktien 213,40-213 10-212.90, Diskont o-Kommandit 177.60-176.80-90, Staatsbahn 142.50-10, Lombarden 25.70-60, Italiener 93 50, Spanier 71.90-80, Bpros. Mexikaner 25.60, Bochumer 200.50-40-50-199, Laura 216.80-215, Harpener 188.70-187 Gelsenkirchen 192.20-191.90-192-191.50 Gotthard, Ungar. Goldrente 00.00, Oesterr. Coupons 00.00, Amerik. Coupons 0.00, Privat- Diakont 4% 1V<|bis 2%Uhr: Kreditaktien 212 90-70,000.00000000 bz., Diskonto-Kommandit 176.80-7.20-6.60-80 bz., Staatsbahn 141 90 bz., Lombarden 25.50, Bochumer 196-6.50-195 bz. Märkte. Limburg t>0 Der KonkurSve. walter: J. Boeck, Steiiistriße 15. Wer volle Garantie für gutes Material und tadellose Arbeit haben will, «7sich nicht fortgesetzten Reparaturen und Scherereien ausgesetzt sehen will, Leben «ud Gesundheit ruhig seinem Rade auver- wvvB. Eraueu will, der wähle Brennabor aus der Fahrradhandlung 4702 Fr. Leo Nacht., C. Herber, Seltersweg 71. Hausdursche LudwigSplatz 3. 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