1900 Sonntag den 13 Mai Viertes Blatt. Aint-- unfc Anzeigeblatt für den Kreis Gieren Politische Tagesschau Auch rAr^ 609 i, 4* ZSezngspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringrrlohn; durch die Abholestellev vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 Vierteljahr!, mit Bestellgeld. für n-, Herren- jarderoben Wonnen, en, Strauss- Möbelstoffen,, ReMtien, Expedition und Druckerei: -chnkstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener FamilienblMer, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Volkskunde.________________ Adresse für Depeschen: Anzeiger HieZerr. Fernsprecher Nr. 51. Wett, Wafftt' len), ttaiuW« i; joffar 1R50 Aus Stadt und Land. («»onyme GLnsend«nü«rr, gleichviel welche» Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.) Gießen, 12. Mai 1900. *♦ «eschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 55 Jahren, em 12. Mat 1845, fttub zu Bonn August Wilhelm v. Schlegel, einer der größten Uebersttzungtzkünstler Deutschlands, und vortrefflicher Kritiker. Als Untverstlätsprofessor in Bonn beschäftigte er sich vorwiegend mit dem Studium der indischen Sprache. Hauptarbeit seines Ladens ist die meisterhafte Uebrrtragung von 15 Shakedspear- schen Dramen. Mit seinem Bruder Friedrich war er Vorkämpfer für die Romantik. Schlegel würbe am 8 September 1767 zu Hannover geboren. _____________ *♦ Der Zweiten Kammer der Landstände liegen neuerdings folgende Drucksachen vor. Eine Vorstellung des Ortsvorstandes und Bürgerausschusses zu Sprendlingen (Rheinhessen), betreffend Errichtung eines Amtsgerichts daselbst; eine Vorstellung der Gemeinden Hammelbach und Litzelbach, betreffend den Bau einer Nebenbahn von Wahlen nach Hammelbach; eine Vorstellung des Gerich-tsdiener-Substituten Jakob Kettwig zu Langen, betreffend seine dienstlichen! Verhältnisse; ein Bericht des Ersten Ausschusses über die Vorstellung der Strafanstaltslehrer, betreffend Neuregulierung ihrer Gehaltsverhältnisse; ein Bericht des Ersten Ausschusses über die Vorstellung des Siedemeisters i. P. Jakob Ost zu Theodckrshalle, betreffend die Regulierung seines Ruhegehalts; ein Bericht des Ersten Ausschusses über die Vorstellung der hessischen Militäranwärter, betreffend Anrechnung ihrer Militärdienstzeit als Besoldungsdienstzeit; ein Bericht des Ersten Ausschusses über die Vorstellung des Steuerboten Neff in Michelstadt und Genossen, betreffend Regelung ihrer Diensteinkommen; ein Bericht des Ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage, betreffend den Ankauf des Gärtnerschen Hauses auf der Burg zu Friedberg; ein Antrag der Abgeordneten Molthan, Schlenger und Genossen, betreffend die Gehalte der Schulverwalter und Schulverwalterinnen. Diese beantragen: Hohe Kammer wolle beschließen, Großherzogliche Regierung zu ersuchen, eine Erhöhung der Gehalte der Schulverwalter und Schulverwalterinnen um jährlich 100 Mark veranlassen zu wollen. Im neuen Jnvalidenversicherungsgesetz- ist in einer bisher von der Oeffentlichkeit wenig beachteten Bestimmung zum ersten Mal in unserer Gesetzgebung der Versuch gemacht worden, die Arbeitskraft der ausländischen Wanderarbeiter mit einer Art Zoll zu belegen. Der Bundesrat hat zwar die Befugnis erhalten, zu bestimmen, daß diese Personen der Versicherungspflicht nicht unterliegen, aber die Arbeitgeber sind in diesem Falle verpflichtet, den Beitrag an die Versicherungsanstalt zu zahlen, den sie für ihre ausländischen Haus zu kommen und so zu thun, als ob er zu Pferde käme! Wir Holländer mögen kein fremdes Volk, am allerwenigsten aber solches, das sogar noch zu Fuß geht". Einem Engländer würde die Burenfrau ungefähr folgendermaßen begegnen: „Du elender englisck)er Vagabund!" Der Fremde erNärt nun, daß er kein eigentlicher Engländer, sondern ein Schotte sei. „Ich bin Ire", so erklärt er. „Jeder Zoll ein Ire. Mein Vater und meine Mutter stammen aus Irland. Kein Tropfen englischen Blutes fließt in meinen Adern". Das scheint sie zu beruhigen, aber bald meint sie doch wieder, der -Fremde sehe zu englisch aus, und schreit: „Alle Engländer taugen nichts!" Zu einem ihrer Angestellten sagt sie: „Nimm ihn auf Dein Zimmer mit, aber alle Sünden, die er begeht, kommen über Dich!" So wird das Burenweib im ganzen Buche als ein entartetes Geschöpf geschildert, das weder gute Manieren sich zu eigen gemacht, noch jemals etwas von solchen gehört hat. Aus dem Munde jener Frauen, die Mrs. Schreiner schildert, kommen nichts als Schimpfworte. Vom Christentum sollen sie nicht mehr verstehen, als die Eingeborenen, die ihnen Gesellschaft leisten. Trotzdein opfern sie große Summen, um die Eingeborenen zu bekehren. So gut und gastlich sie gegen ihre eigenen Landsleute sind, so grausaw sind sie gegen alle Fremden, vor allem aber gegen die Engländer, auf die alle einen direkten Haß geworfen haben. habe der Kultusminister sein kirchenpolitisches Entgegen- I kommen abhängig gemacht von der jeweiligen parlamentarischen Haltung oeA Zentrums. So lange die Kultur - kampf-Ueberreste nicht beseitigt, ,könne von einem friedlichen Geiste des Kultusministers nicht geredet werden. U a. tadelte der Redner die Haltung des Kultusministers in der Frage des von der erzbischöflichen Knrie gewünschten Verbotes der Aufführung von Halbes „I u g e n d." Von dem Minister Nokk erwarte er keine Besserung, seine Hoffnungen könne er nur auf einen Ministerwechsel stützen. | Je früher dieser eintrete, desto besser sei es. Staats Minister Nokk stellte entschieden in Abrede, daß das KnltusministeriuM nicht vom Geiste des Wohlwollens gegen die katholische Kirche erfüllt sei. Gesetzlich sei eine freie Grundlage geschaffen für eine gesunde innere Gntwickelung der katholischen Kirche und auch , er habe stets das Bestreben gehabt, die kirchliche Organisation zu stärken und daher auf ihrem Gebiete möglichst selbständig eil machen. Was das Verbot von Halbes „Jugend anbelange, brauche er keinen Grund zu habendem solches auszusprechen. Auf solche Weise könne man einen Kampf gegen die Litteratur- nicht führen. So lange er Minister sei, werde er nach seiner Ueberzeugung handeln und das voilriehen, was ihr entspreche. Er werde daher bemüht fein, mit den großen kirchlichen Korporationen in Frieden und Freundschaft zu leben. f., , . » Alm. Dieterle (Ztr.) wendete sich besonders gegen Halbes „Jugend", die eine Kränkung des katholischen Bewußtseins bedeute und obendrein nicht den geringsten künstlerischen Wert habe. (Darüber kann man nun freilich sehr geteilter Ansicht sein.) Abq Oberkircher (nl.) wendete sich gegen Wacker, dessen Ausführungen nichts neues gebracht hätten Er würde es sehr bedauern, wenn man sich in kirchenpolitischen Dingen nach Preußen richte. Er sei ein Kulturkämpfer, wenn es sich um die Interessen des Staates gegen die Anmaßung der katholischen Kirche handle. In Baden herrsche der Radikal-Ultramontanismus, der in Wacker seinen .Hauptvertreter gefunden. Der Angreifer in dem kirchen- politischen Kampfe sei nicht der Staat wohl aber die Kurie And das Zentrums ge>vesen, und diese seien schuld, wenn auch in politischer Beziehung die Verhältnisse erbittert seien. Mrs Schreiner und die Buren fr au. Tie Daily News" bringen Schilderungen aus dem Buren- l'eben. Die Aufsätze haben Mrs. Schreiner zur Verfasserin. Originell ist das Bild, das von einer typischen Burenfran entworfen wird. Es heißt da: „Im Farmenhause, in der großen Holzbettstelle, liegt das Burenweib und wirft sich unruhig im Schlafe hin und her. Sie war zu Bett gegangen, wie sie es stets thut, in allen ihren Kleidern. Die Nacht war warm und das Zimmer eng; io kam es, daß sie böse Träume plagten. Sie träumt aber nicht von Geistern und Teufeln und jenen entsetzlichen Fabelwesen, die so oft ihre Gedaüken beschäftigen; sie träumt auch nicht van dem Engländer, ihrem zweiten hatten dessen Grab da draußen wo liegt, ober von ihrem ersten Gemahl, dem jungen Buren, sondern von dem schlechten Abendessen, das sie genos en hat. Sie träumt daß ihr ein Stück Fleisch auf den Rock gefallen ist und das ist die Ursache, daß sie sich so unruhig hin und her »wirft, und so schrecklich seufzt. Wenn man tue Burenfrau aber am Tage sieht, so ist sie allerdings noch weit weniger liebreizend als in der Nacht, in der sie so unruhige Traume hatte. Dünn sitzt sie in ihrem Stuhl irrt großen Speise- zimmer, die Füße auf eine Holzbank gelegt, umd schüttelt bedächtig mit dem Kopfe. Sie trinkt be- Mndig ihren Kaffee und schwört in ihrem schönsten Kap- tzolländisch, daß das Wetter ganz verdammt sei". Mrs. Annahme van Anzeigen zu der nachmittags für den iahenden tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Schreiner schildert bann eine Liebesszene, bei der die Burenfran auf den ihr gestellten Antrag ungefähr folgendermaßen antwortet: „Ich bin kein Kind, und bin nicht gestern erst geboren worden. Nein, wahrhaftig nicht. Ein Blick meines Auges, und ich sehe alles. Ich will keine Sch afs köpfe auf meiner Farm haben". Als man der aufgeregten Dame dann erklärte, daß der Mann, der ihre Hand begehrt, ein sehr respektabler Mann sei, der nur deshalb zu Fuß zu ihr gekommen sei, weil fein Pferd vor drei Tagen gestürzt sei, antwortet sie: „Ich will nichts davon wissen. Der Mann ist noch nicht geboren, der mich heimführen kann. Wenn jener Geld hätte, würde er nicht schon längst ein neues Pferd gekauft hüben? Leute, die zu Fuß kommen, sind meistens Diebe, Verbrecher, - ~ ' "" c ri einer toagt in mein Arbeiter entrichten müßten, wenn diese versicherungspflichtig wären. Es braucht nicht besonders auseinandergesetzt zu werden, daß diese letzte Bestimmung vom rein versicherungstechnischen Standpunkt aus gar keinen Sinn hat; denn den Beiträgen stehen keine auch nur möglichen Leistungen der Versicherungsanstalten gegenüber. Es handelt sich hier vielmehr um eine Abgabe, die von den Ausländer beschäftigenden Unternehmern zu dem Zwecke gefordert wird, damit bis zu einem gewissen Grade verhütet werde, daß sich die Chancen der ausländischen Arbeiter im Vergleich zu denen der inländischen in der Konkurrenz um die Arbeitsgelegenheit allzu günstig gestalten Man hat es hier mit einer Art von Schutzzoll gegen die aus- ländische Arbeit zu thun — mit einem Zoll, den die inländischen Unternehmer, die ausländische Arbeiter beschäftigen, zu zahlen haben, und der den Jnvalidenkassen zugute kommt. Bei ben niebrigen Lohnsätzen, bie im allgemeinen biete zum größten Teil slawischen, zu geringem Teil italienischen Arbeiter beziehen, wirb zwar der zu „erhoffende" Zuschuß nicht sonderlich in dre Wagschale fallen, doch ist es recht angezeigt, daß mit Hilfe dieser Bestimmung eine statistische Unterlage über den Umfang, die Verteilung und bie Lohnbezüge ber betreffenden Wan- berarbeit geschaffen werben kann. Im allgemeinen wird zwar die Landwirtschaft und die Zuckerindustrie durch diese Bestimmung getroffen, doch auch die Bau-, besonders Ties- bauunternehmungen, welche bei Land-, ^senbahn- und Kanatbauten reichlich Wanderarbeiter einstellen, werden mit herangezogen werden. Diese unscheinbare Beltimmung kann sich als der Keim zu einer recht erfolgreichen Schutzgesetzgebung entwickeln. Denn so gut wie die Unternehmer für ihre Produkte ben Schutzzoll forbern, ist ber SJrbeiter berechtigt, zu verlangen, baß auch seine Ware, bie Arbeitskraft, durch einen gehörigen Zoll geschützt werde vor ber slawischen Schmutzkonkurrenz. _ Mainz, 10. Mai. In ber gestrigen Sta btvero r b- netentierfammlung kam ein Vorfall zur Sprache, der besonders erwähnt zu werden verdient. Vor etmgen Wochen wurden die Mannschaften der Homburger Garnison, weil unter ihnen bie Genickstarre ausgebrochen war, nach Mainz verlegt. Im Interesse bes Wohlbefmbens ber Be- völkerung interpellierte ber Stabtverordnete Dr. Schmitt | den Bürgermeister wegen des Falles. Das Kreisgesundheitsamt teilte der Bürgermeisterei mit, daß bie Genickstarre keine ansteckenbe Krankheit sei. Stadtverordneter Dr. Schmitt konnte aber gestern darauf Hinweisen, daß bie Militärbehörde andrer Ansicht zu sein fdjeine. Die Raume, in denen die Mannschaften untergebracht sind, durften von anderen Personen nicht betreten werden; überall seien Warnungstafeln angebracht, damit jeder Verkehr mit der Außenwelt und den Mannschaften aufhöre; den betreffenden Soldaten selbst sei es streng verboten worden, nut anderen Personen zu verkehren. Anfänglich wollte man die erkrankten Mannschaften in Wiesbaden unterbringen, Wiesbaden hat sich aber entschieden geweigert, und dann habe man, ohne die Mainzer Bürgermeisterei zu benachrichtigen, die erkrankten Mannschaften einfach nach Mainz abgeschickt. Stadtverordneter Dr. Masserell bemerkte, daß die Behauptung des Kreisgesundheitsamtes, die Genickstarre stecke von Person zu Person nicht an, doch etwas zu gewagt sei; die Untersuchungen über das Wesen dieser Krankheit seien überhaupt noch nicht abgeschlossen. Für die Folge wird bie Stabtverwaltung sich entschieben ba- gegen verwahren, vvllstänbig erkrankte Truppenteile in Mainz aufzunehmen. . Aus Eppstein wirb ber „Butzb. Zig." geschrieben: „T)er Kommanbeur ber 25. Kavallerie-Brigabe, Herr Generalmajor von Winterfelb-Darmstadt traf hier ein zur Be sichtigung bes Gelänbes für bie biesjährigen Divisionsmanöver des 18. Armeekorps, bie in ber Gegenb zwischen Wetterau unb Taunus stattfinbenr" m. Ziegenhain, 10. Mai. Der Ausschuß für das Kreiskriegerdenkmal trat gestern zu einer letzten I Sitzung zusammen. Der Vorsitzende des Ausschusses, Landrat von Schwertzell, begrüßte die erschienen Herren, worauf Lehrer Schnell den Kassenbericht erstattete und die Rech- I nung vorlegte. Der Abschluß war sehr günstig. Die Ge- samteinnahme betrug 9913,84 Mk., die Ausgabe 9443,89 Mk. I sodaß ein Kassenbestand von 469,95 Mk. vorhanden ist. I Dieser Betrag wurde auf Vorschlag des Schriftführers, I Kreissekretär Brunner, dem im Kreise bestehenden Verein I zum Roten Kreuz überwiesen. Die Rechnung wurde für I richtig befunden und dem Kassier Entlastung erteilt. Landrat I von Schwertzell sprach auch im Namen des Kreis-Aus- I schusses ben Mitgliebern bes Ausschusses für ihre Thatigkeit ben Dank aus unb erklärte bent Ausschuß, ba bie Unterhaltung bes Denkmals auf ben Kreis ub^uommen se^ für aufgelöst. Daß bie Errichtung des Denkmal, sowie der günstige Rechnungsabschluß in erster Lime der Thätig I feit des Kreissekretärs Brunner zu danken ist, wuroe von Herrn von Baumbach-Ropperhausen b-r°°rgeh°brn u„d I dem Kreissekretär der Dank in einem Hoch zum Ausdruck preiarbei^' <*** Die letzte Sitzung des badischen Landtags bot ein allgemeineres Interesse. Es gab eine Kulturkampsdebatte bei ben Beratung bes Bubgets bes Kultus. Der Zentrumsabgeordnete Wacker meinte, daß unter dem Kultusminister Nokk das Maß der Gerechtigkeit, das in kirchenpolitischen Dingen in Preußen obwalte, in Baden nicht zur Anwendung gekommen sei. Unter dem Jubel ber Kulturkämpfer sei das Ministerium Nokk in bas Leben getreten, und wenn nach Ansicht der Nationalliberalen dem Minister auch hiei und da das feste Rückgrat gefehlt, im allgemeinen habe er doch die Wünsche der Kulturkämpfer , i v..... vi erfüllt. Eine Reihe von Beschwerden und Klagen habe das I die zu Fuß kommen, sind meistens Zentrum. Nicht Bitten, denn diese seien bisher erfolglos | falsche Priester oder Verführer. Und so geblieben. Die Regierung behandle vor allem bie katholischen Dinge in einem« Geist, der' schon vom konstitutionellen Standpunkt zu den größten Bebenken Veranlassung gebe. So werde beispielsweise bie Besetzung bes erzbischöflichen Stuhles jeweils von bem Gesichtspunkt aus vorgenommen, was von dem kommenden Erzbischof in politischer Beziehung nach der Richtung des Zentrums hin zu erwarten fei. Und in dieser Beziehung habe die Regierung nicht nur in Rom, sondern auch in Freiburg antichambriert. Stets Meßmer Anzeiger AA* AA* zA I AAA AA rA AA* lnt Anzeigen-LermittlungSstellen deS In- und Auslandes tlll'IIl'IlI I "" II 2 (/ 8 ( I |z | nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. TQL/V IW VU* V V Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. yx, 1U Erschein! täglich mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener KiarnMenVtLtler werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" »rchtt. 4 mal beigelegt. gebracht. — Der landwirtschaftliche Kreis-Verein Ziegenhain wird am 30. Mai auf dem Bunten Bock eine Rindvieh-Ausstellung mit Preisverteilung stattfinden lassen. — Die Landwirtschaftskammer hat zur Hebung der Geflügelzucht in jedem Kreise des Bezirkes eine Hühnerzuchtanstalt errichtet, die Bruteier zum Preise von 10 Pfennig abgeben. In Neukirchen befindet sich beim Gasthofbesitzer Roh eine Station für rebhuhnfarbige Italiener. Vermischtes. * Doppel selb st mord eines Liebespaares. In Giersdorf im Riesengebirge wurde dieser Tage ein Berliner Liebespaar erschossen aufgefunden. Das in blühendster Jugend freiwillig aus dem Leben geschiedene Mädchen ist die 23 jährige Tochter Sidonie Theresia des Porträt- und Kunstmalers Fischer in Berlin und der junge Mann, ihr Bräutigam, der 24 Jahre alte Kolonialbeamte oder Schutztruppenoffizier Bruno Alexander Pietsch aus Berlin. Dieser war längere Zeit in Deutsch-Südwestafrika thätig gewesen, dort schwer an Malaria erkrankt und vor ungefähr einem Vierteljahr nach Deutschland beurlaubt. Hier erhielt er die Gewißheit, daß seine Gesundheit völlig ruiniert war und er nach Ansicht der Aerzte nur noch anderthalb Jahre zu leben hätte. Sein Gemütszustand, der ohnehin schon durch die Zerrüttung seines Nervensystems — eine Folge seines längeren Tropenaufenthalts — gelitten hatte, verschlimmerte sich infolgedessen immer mehr. Dazu mögen, um die Selbstmordgedanken in ihm reifen zu lassen, nun wohl noch Geldsorgen gekommen sein. Sein nicht unbedeutendes Vermögen von einigen dreißigtausend Mark hatte er bei seinem Vater deponiert, mochte es aber, da dieser in schwierige geschäftliche Verhältnisse geraten war, nicht zurückziehen. Er selbst aber war erwerbsunfähig und sah somit auch einer pekuniär keineswegs sorgenfreien Zukunft entgegen. Aus all diesen Gründen scheint Pietsch verzweifelt zu sein und den Gedanken, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, gefaßt zu haben. Tas junge Mädchen, das von ihrem Bräutigam nicht lassen wollte, ihm aber im Leben nicht angehören konnte, hat daraufhin, wie sie ihren Angehörigen in den hinterlassenen Briefen mitteilt, beschlossen, gemeinsam mit ihrem Bräutigam den Tod zu suchen. In dieser Absicht scheint das Paar den Ausflug in das Riesengebirge unternommen zu haben. Am Donnerstag nahm das Paar in Erdmannsdorf Abschied, um angeblich nach Hause zu reisen. Sie nahmen noch eine halbe Flasche Wein zur Reise mit, und wanderten Arm in Arm, freundlichen Gruß für den abwesenden Wirt hinterlassend, fröhlich wie immer die Straße nach Giersdorf hinab. Seitdem waren sie verschwunden, bis sie am Samstag im Fiebigthal als Leichen gefunden wurden. Sonntagabend traf ein Bruder des unglücklichen jungen Mädchens in Giersdorf ein. Die Anverwandten des Mannes hielten sich dagegen fern, doch hatten sie durch Ueberweisung eines ansehnlichen Geldbetrags für ein würdiges Begräbnis Sorge getragen. Montagnach.- tnittag 6 Uhr wurde das Paar, seinem letzten Wunsche gemäß, gemeinsam auf dem Friedhöfe zu Giersdorf der letzten Ruhestätte übergeben. * Straßburg, 10. Mai. Ein schauerliches Familiendrama ereignete sich in Lemberg bei Bitsch. Der 28 jährige verheiratete Zimmermann Schubert aus Niederbronn drang in einem Anfall von Wahnsinn nachts zwischen 12 und 1 Uhr mit einem Revolver und einem kleinen Säbel bewaffnet in das Haus seines in Lemberg wohnenden Schwiegervaters, des Hufschmied Faber ein, tötete zunächst mit dem Säbel im Stalle einige Stück Vieh und steckte sodann das Haus in Brand. Als Faber aus dem brennenden Hause stürzte, versetzte ihm Schubert mit seinem Säbel einen Stich in die Brust, sodaß Faber nach einigen Minuten verschied. Unmittelbar darauf brachte er dem Sohne Fabers zwei schwere Stichwunden bei. Das Haus Fabers sowie das Nachbarhaus wurden ein Raub der Flammen. Schubert machte nunmehr einen Versuck), über die Grenze zu entkommen, wurde jedoch in Philippsburg in einem Eisenbahnzuge von einigen Gendarmen festgenommen. Er leistete bei seiner Verhaftung heftigen Widerstand, verioundete einen der Gendarmen mit seinem Säbel und verübte einen erfolglosen Selbstmordversuch, indem er sich mit dem Säbel einen Stich beibrachte. In das Gefängnis zu Bitsch verbracht, machte Schubert abends seinem Lebert durch Erhängen ein Ende. * Paris, 10. Mai. Wie bereits gemeldet, hat sich am Sonntag ein schweres Eisenbahnunglück auf der Westbahnlinie zwischen den Stationen Sevres u nd Chaville ereignet, und zwar unter folgenden Umständen: Um 9 Uhr 2 Minuten hielt ein Lokalzug, der vom Pariser Bahnhof Montparnasse kam, an der Station Chaville. Gleich dahinter kamen in Zwisck)enräumen von ungefähr 5 Minuten der Expreßzug nach Saint-Malo und ein Personenzug. Die vordere Signalstange des Bahnhofs zeigte an, da«; der Schienenweg nicht frei sei. Trotzdem gab ein Weichensteller in unverzeihlick)er Leichtfertigkeit dem zuletzt kommenden Personenzuge das Zeichen zum Weiterfahren, ohne dasselbe dem Saint-Maloer Expreßzuge gegeben zu haben. So mußte natürlich der erstere auf den letzteren mit Gewalt losfahren. Der Zusammenstoß erfolgte ungefähr 600 Meter vor dem Bahnhofe von Chaville. Die Lokomotive des Personenzuges zertrümmerte buchstäblich den Gepäck- und die letzten beiden Personenwagen dritter Klasse des Expreßzuges. Die Abteile waren mit Passagieren, besonders Soldaten, gefüllt, die einen Sonntagsurlaub zum Besuche der Weltausstellung erhalten hatten. Der Anprall war so stark, daß der Krach auf eine weite Entfernung hin vernommen wurde; gleichzeitig erschollen gellende Hilferufe und Schmerzensschreie. Der Beistand ließ aber ziemlich lange auf sich warten. Erst nach mehr als einer halben Stunde erschienen die Löschmannschaften von Sevres auf der Unglücksstelle, denen bald darauf die von Chaville und den umliegenden Ortschaften folgten. Es kostete große Mühe, die Passagiere aus den wirr zusammengehäuften Trümmern hervorzuziehen und sie nach dem nicht allzuweit belegenen Schulgebäude von Chaville zu schaffen, wo sie die erste Pflege erhielten. Ein Marine- Infanterist und ein unbekannter 40 jähriger Mann wurden tot zu Tage gefördert, drei andere Passagiere so sckmrrr verletzt, daß sie unverzüglich in das Hospital von Sevrer überführt werden mußten. Außerdem wurden über zwanzig Personen stark verletzt und trugen Bein- und Schädelbrücke schwere Quetschungen an Brust und Gliedern u. s w. davon' Die Untersuchung konnte wegen der eingebrochenen Dunkelheit und des strömenden Gewitterregens nicht sofort mit der nötigen Gründlichkeit betrieben werden; aber scheu die ersten oberflächlichen Feststellungen genügten, um außer der frevelhaften Leichtfertigkeit des Weichenstellers auch sehr bedenkliche Unterlassungssünden der höheren Beamte und der Westbahngesellschaft selbst zu entdecken. Kmdwirtschast. — Das Programm der landwirtschaftlichen Laude-aus, stelluug, welche vom 14. bis 17. September d. I in Darmstadt stattfindnr wird, ist dieser Tage erschienen. Dasselbe sieht folgende Abteilungen und Gruppen vor: Abteilung 1: Tiere. Gruppet: Pferde. Gruppe B: Rinder. Gruppe C: Schweine. Gruppe D: Schafe. Gruppe E: Ziegen. Gruppe F: Geflügel- Gruppe 6: Bienen. Abteilung 2: Erzeugnisse deS Pflanzenbaues. Gruppe A: Ackerbau. Gruppe B: Obstbau. Gruppe C: Weinbau. Gruppe D: Gemüsebau. Gruppe E: Gartenbau. Abteilung 3: Forstwirtschaft und Jagd. Abteilung 4: Landwirtschaftliche Hilfsstoffe. Abteilung 5: Landwirtschaftliche Nebengewerbe einschließlich Molkereiwesen. AbteilungS: Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte. Abteilung 7: Wissen schaftliche Abteilung. An Preisen sind im ganzen ausgesetzt bezn. gelangen zur Verteilung: 24,639 Mk. Geldpreise, mehrere goldene Medaillen, 165 große silberne Medaillen, 209 Heine silberne Medaillen, 229 Diplome und 3 Ehrenpreise. Näheres hierüber ist aus dem Programm ersichtlich, welches — ebenso wie die bezüglichen Anmeldebogen — bei der Geschäftsstelle des hessischen Landwirtschastsrats Offenbach a. M., Löwenstraße 2 von Interessenten umsonst zu beziehen ist. M allgemeiner Anmeldeschlußtermin ist der 1. Juli festgesetzt; für die Gruppen Ackerbau, Obstbau, Gemüsebau und Geflügel ist der Anmelde, schlußtermin 1. August. A m« (Hessen) zw. Darmstadt n. Heidelberg, ■■ w* MÄvAA Hotel & Pension ,,znr Krone“, Sommerfrische. Pensionsprospekt u. Führ. grat. Bes : G. Diefenbach, tor.il Schntnnarke. FleiSCh - ExtfaCt aus bestem Ochsenfleisch mit löslichem nährenden? Fleisch-Eiweiss übertrifft trotz billigeren Preise t alleLiebig’schen Extracte an Näbrkraft und Wold- gescbmack und ist in allen besseren Drogen-. Deli- cafu. Colonialwaareu-Handlungen zu haben Die „Berlinische Lebens-Versicherungs-Gesellschaft", deren 63. Ge« schäfts-Bericht wir heute im Inseratenteil veröffentlichen, ist die älteste Preußische Lebens-Versicherungs-AktieN Gesellschaft. Wir verfehlen nicht, darauf hinzuweisen, daß die genannte Anstalt auf Grund ihres bedeuten, den Sicherheitsfonds zu den am besten fundierten deutschen Lebens. Versicherungs-Gesellschaften zählt, wie auch ihre liberalen Versicherungs. Bedingungen (Zahlung der vollen Versicherungssumme im Selbstmord, falle nach dreijähriger, bei Tod infolge Duells nach einjähriger Versicherungs-Dauer) als äußerst günstig bezeichnet zu werden verdiene«. Heinrich Lanz, Mannheim, lieber 3500 Arbeiter. Lokomobilen bis 300 PS beste und sparsamste Betriebskraft. VeHcawft: 1896: 64G Lokomobilen 1897: 845 » 1898: 1263 » 1899: 1449 » Gleicher Absatz von keiner anderen Fabrik Deutschlands erreicht I A welche auf solide und practische Kleider 8^8 ^uthaten Werth legen, werden auf.die vor- wi ULI U B Ä^üglieh bewährten, von der FirmaVorwerk er- ^lundenenSpecialartikel aufmerksam gemacht, von welchen ueuerdings besond. dieVorwerk- i „ ......... schenSchweissblätterzu erwähnen sind. Jedes " s' i;tHf iii)rt d|P natl|st'-li.-iiden Vorwerkschen Fabrikate VORWERK8 Velourborde gestempelt„Vorwerk“,i. Haltbark. u. Güte unübertroffen. 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