Ne 23S Zweites Blatt. Keitag den 12 October 15V. Jahrgang i9Ound die Staatsangehörigkeit; 2) von jeder reichsangehörigen aktiven Militärperson des Heeres und der Marine; der Dienstgrad und der Truppenteil bezw. die Behörde, der sie angehört; 3) von jeder blinden oder taubstummen Person: die Angabe des bezw. der betreffenden Mängel und Gebrechen, sowie, ob das Gebrechen in frühester Jugend oder später entstanden ist. Als Wohnstätten werden in die Kontroll-Liste die bewohnten und unbewohnten zu Wohnzwecken bestimmten, im Bau vollendeten Gebäude (Wohnhäuser), andere bewohnte, aber gewöhnlich nicht zu Wohnzwecken dienende Gebäude, sowie sonstige, den Charakter von Gebäuden nicht an sich tragende, feststehende oder bewegliche Baulichkeiten ausgenommen, die zur Zeit der Zählung bewohnt sind. Für die bei dieser Zählung über die Persönlichkeit des Einzelnen gewonnenen Nachrichten ist das Amtsgeheimnis zu wahren; sie dürfen ohne besondere Genehmigung der zuständigen Regierung nur zu statistischen Zusammen st ell ungen, nicht zu anderen Zwecken benutzt werden. Aus Stadt und Fand. Gießen, 11. Oktober. ** Personalnachrichten. Der Kreisamtmann und Feldbereinigungskommissär für die Provinz Oberhessen, Regier rungSrat Ernst Karl Süffert, wurde zum Kreisrat des Kreises Alzey und der Kreisamtmann bei dem Kreisamt Büdingen, Friedrich Sandmann, zum Feldbereinigungskommissär für die Provinz Oberhesien mit dem Amtssitze in Friedberg ernannt; der Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Mainz Professor Dr. Konrad Schäfer wurde auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand versetzt; der von dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen präsentierte Lehramtsassesior Friedrich Müller aus Flonheim im Kreise Alzey wurde zum Oberlehrer an dem Gymnasium zu Büdingen, die Lehramtsüccessisten Dr. Adam Flechsenhaar in Schlitz, Ludwig Hammer in Langen, Karl Kaus in Langen, Friedrich Lenh ar dt in Groß-Bieberau und Dr. August Schilling in Groß Gerau wurden zu Lehramtsassessoren ernannt. * * Ladenschluß. Gegen die von der Versammlung geplante Geschäftszeit ist beim Kreisamt Protest erhoben worden und zwar namens derjenigen Geschäftsleute, speziell der Nahrungsmittelbranche, die kein fremdes Personal beschäftigen. Gegen den beabsichtigten Geschäftsschluß im Sommer um 8, im Winter um 9 Uhr abends hat man von dieser Seite nicht das Geringste einzuwenden; wohl aber will man dahin wirken, in der frühen Morgenstunde die Läden offen halten zu dürfen. Die kleinen Geschäftsinhaber wollen die nach dem Gesetz für sie höchst zulässige Arbeitszeit, wonach Geschäfte ohne fremdes Personal schon um 5 Uhr früh öffnen und verkaufen können, in Anspruch nehmen. * * Ortskrankenkasse. Freie Aerztewahl in beschränkter Weise hat der Vorstand der Ortskrankenkasse für seine Mitglieder in Gießen beschlossen. Statt des bisherigen einen Kassenarztes Dr. Zins; er (Westanlage 19) haben die Mitglieder nunmehr zwischen diesem, Dr. P l o ch (Asterweg 9) und Dr. Hanau (Nordanlage 21) in Erkrankungsfällen die Auswahl. Diese neue Einrichtung kostet die Ortskrankenkasse pro Jahr etwa 5—6000 Mk. an Aerztehonorar mehr. * * Schütz en verein. Am deutschen Bundesschießen in Dresden beteiligten sich von den Mitgliedern des hiesigen Schützenvereins die Herren: C. Wigandt, Fr. Seibel, Brück unb Appel. Die soeben eingetroffenen Preise, die die Herren Wigandt (Bronzeuhr und Besteckkasten) und Seibel (Silberne Herrenuhr) errangen, sind im Schaufenster der Firma Reiber, Seltersweg, ausgestellt. Außerdem errangen genannte vier Herren namhafte Geldpreise. * * Jubiläum. Die Tabak- und Zigarrenfabrik von Gg. Heinr. Schirmer feierte gestern das Fest des 75jährigen Bestehens. Wie die Mehrzahl der hier bestehenden Betriebe derselben Branche hat sich auch die Firma Schirmer aus kleinen Anfängen zu der .Höhe emporgeschwungen, auf der sie heute sowohl hinsichtlich der Vorzüglichkeit ihrer Fabrikate wie ihrer Geschäftsgrundsätze steht und geachtet wird. Was aber die Firma noch besonders ehrt, ist das zur Tradition gewordene gute, fast familiäre Verhältnis zu ihren Angestellten und dem Arbeiterpersonal. Arbeitsverhältnisse von vierzigjähriger Dauer und darüber ehren ebenso die betreffenden Arbeiter wie die Firma. Am gestrigen Ehrentage der Firma kam das gegenseitige gute Einvernehmen zu besonderem Ausdruck. Am Morgen wurde der Chef in seinem schön geschmückten Arbeitsraume vom Kontorpersonat und den Abgeordneten der Arbeiter beglückwünscht und durch Ueberreichung recht ansprechend ausgeführter Widmungstafeln erfreut. Der Mittag vereinigte alle Angehörigen des Hauses zu einem fröhlichen Mahle im „Cafe Leib". Die Feier, die sich bis zum späten Abend fortsetzte und allen Teilnehmern Vergnügungen mancherlei Art bot, entsprach in ihrem Verlaufe den Gefühlen, die das Haus' Schirmer seit seinem Bestehen mit den Angestellten und dem zahlreichen! Arbeiterpersonal verbinden. Daß die Firma die Thätigkeit und Anhänglichkeit ihres Gesamtpersonals zu ehren weiß, das bezeugten die zur Verteilung gekommenen reichen und sinnigen Geschenke; diejenigen für das Kontorperfonal und die Werkführer bestanden in geschmackvollen, tritt der Schutzmarke der Firma versehenen Zigarrentaschen mit reicher, wenn auch nicht zum Rauchen geeignete* Einlage; die Arbeiter erhielten je der Dauer ihres Arbeitsverhältnisses entsprechende Spenden in bar. Die gestrige Feier dürfte ebenso zum Befestigen des idealen Verhältnisses der Firma zu ihrem Personal beigetragen haben, wie zum ferneren Blühen und Gedeihen des Hauses Schirmer. """.Feierabend fürLehrlinge. Der unter Leitung des Pfarrers Dr. Grein stehende Feierabend für Lehrlinge wird nächsten Sonntag, den 14. Oktober, wieder- feinen Anfang nehmen. Die Vereinigung bezweckt, jungen Leuten in der Lehrzeit den Sonntagabend anregend und unterhaltend zu gestalten. Dies wird erreicht durch Darbietung guter Unterhaltungsschriften im Vereinslokal, durch mannigfache Spiele, die zur Verfügung stehen, durch unentgeltliches Ausleihen von Büchern aus einer reichhaltigen Bibliothek sowie hier und da durch belehrende oder unterhaltende Vorträge. Zur Weihnachtszeit werden auch durch die jungen Leute selber mehrere kleine Stücke aufgeführt. Durch die baulichen Veränderungen am alten Rathaus war der Verein leider genötigt, den alten vorzüglich geeigneten Rathaussaal zu räumen und hält nun diesen kommenden Winter seine Zusammenkünfte in der Gewerbes chuleA st erweg2 5 (EckeA st erwea und Sch i ll e r st r aß e im unteren Saale ab. Zu diesem Zweck ist der Saal vom nächsten Sonntag ab jeden Sonntag, abends von6 — lOUHr geöffnet. Eltern und Dienstherren seien auf dies gemeinnützige Unternehmen aufmerksam gemacht (s. auch Inserat) und gebeten, die jungen Leute zu regelmäßigem Kommen zu veranlassen, damit auch in diesem Winter sich dort wieder ein reges, fröhliches Leben entfalten kann und der Besuch auch unter den neuen Verhältnissen die altgewohnte Höhe von weit über 100 Lehrlingen erreicht. * * Die Bauplätze zwischen Brand und Ostanlage (früher Oppenheimerscher Garten) sind nunmehr bis auf zwei Parzellen sämtlich verkauft, so daß damit die Bebauung dieses Geländes für das'kommende Jahr gesichert ist. Der wüste Platz in jener Gegend machte bisher auch gerade keinen angenehmen Eindruck auf den Vorübergehenden. * * Rekruten ein st ellung. Die Rekruten rücken morgen vormittag in Stärke von über 800 Mairn bei unserem Infanterie-Regiment ein. * * Hessische Handwerkskammer. An die Handwerkskammer gelangen vielfach Fragen über die näheren Bestimmungen des Ladenschlusses. Obwohl in erster Linie die diesbezüglichen gesetzlichen Bestimm- ungen das Handelsgewerbe berühren, so sind doch auch viele Handwerkszweige hiervon betroffen. Durch die Gewerbenovelle ist der Ladenschluß auf 9 Uhr festgesetzt, jedoch sind gemäß § 139e Abs. 2 Ausnahmen zugelassen, daß dieser Schluß auch erst um 10 Uhr abends stattfinden kann. Bei der nun gegenwärtig sich bemerkbar machenden Strömung, den allgemeinen Ladenschluß auf 8 Uhr herbei- zuführen, wirft sich die Frage auf, ob die auf den 9 Uhr-Schluß Bezug habenden Ausnahmebestimmungen auch für den 8 Uhr-Schluß Giltigkeit haben, wenn ein solcher auf Antrag von mindestens zwei Drittel der beteiligten Geschäftsinhaber herbeigesührt werden sollte. Ter § 139f sieht diese Ausnahmebestimmungen nicht vor. Um diesbezügliche an die Kammer gerichtete Schreiben beantworten zu können, hat sich diese an Großherzogliches Ministerium mit der Anfrage gewendet, welche Ansichten von dieser Behörde über diesen Punkt vertreten werden. ** Der Zweiten Kammer der Landstände ging eine Anfrage des Abg. Dr. Schroeder über die Revision der allgemeinen Bauordnung zu, dahin lautend, ob und wann die schon länger in Aussicht stehende Revision der allge. meinen Bauordnung, d. h. eine darauf gerichtete Vorlage an die Stände zu erwarten ist; ferner eine Anfrage des Abgeordneten Dr. Schroeder über die Ausbildung der Zeichenlehrer, dahin lautend, ob, und bis wann voraussichtlich Anordnung zur Herbeiführung eines einheitlichen Unterrichtsplans und staatlicher Prüfungen für die künftigen Zeichenlehrer an unseren höheren und anderen Schulen zu erwarten, resp. die dafür etwa noch erforderlichen Geld» mittel von den Ständen verlangt werden sollen und wollen. « Lang.Göns, 10. Oktober. Wie bereits berichtet, ist gegen die am 6. v. Mts. stattgesundene Wahl des Herrn Rompf als Bürgermeister unserer Gemeinde Einspruch erhoben worden. Heute nun weilte die Großh. Kreisamtsbehörde von Gießen hier und vernahm eine größere Anzahl Einwohner über die von den Reklamanten behaupteten Thatfachen, auf Grund deren die Kassierung der Wahl begehrt wird. Butzbach, 10. Oktober. In der gestern nachmittag abgehaltenen Sitzung des Gemeinderats wurde unser seitheriger Beigeordneter Küchel IV. durch den Geh. Re- gierungSrat Dr. Br ad en-Friedberg in sein Amt als Bürgermeister eingeführt und vereidigt. — Die hiesige Realschule unternimmt morgen einen Au sflug zu den Einweihungsfeierlichkeiten aus der Saal- burg. Die Abfahrt erfolgt morgens 5.08 Uhr mit der Bahn bis Friedberg. Von da aus Fußmarsch durch daS Köpperner Thal auf die Saalburg. + Lehnheim bei Grünberg, 10. Oktober. Heute fand die Ausfischung des zwischen hier und Merlau belegenen fiskalischen Teiches statt. Es wurden etwa 6 Gentner Fische (Karpfen und Hechte) gezogen. Der größte Teil der Fische wurde an einen Händler aus Villmgen abgegeben, ^n letzterer Zeit scheint man Oer Fischzucht wieder mehr Sorgfalt angedeihen zu lassen. Nachdem vor Jahren viele der in den Vogelsberger Waldungen befindlichen Teiche trockengelegt und mit Gras eingesäet wurden, ist man jetzt wieder auf die Anlage von Fischteichen bedacht. () B ü d i n g e n, 10. Oktober. Kamm ist die K l a u e n-- Seuche, die in verschiedenen Orten unseres Kreises auf- trat, erloschen, regt sie sich jetzt wieder in erheblichem Maße, was ium so unangenehmer empfunden wird, als die Bestellung der Wintersaat die Bespannung der (Geschirre mit Rindvieh dringend nötig hat. In Wenings wurde die Seuche 'durch eine Handelskuh eingeschleppt; in ca. 60 Gehöften ist Sperre ungeordnet. Zwei Bullen, darunter ein Vereinsbulle von hohem Wert, wurden von der Seuche befallen und verendeten schon nach einigen Tagen. ? Aus Oberhessen, 10. Oktober. Infolge des Umstandes, daß die Volks sch ul lehr er nunmehr ein Jahr dienen müssen, macht sich auch in unserem Lande der Mangel an Lehrkräften fühlbar. Für erkrankte Lehrer konnte bis jetzt in verschiedenen Fällen ein Vertreter nicht bestellt werden; auch haben mehrere bereits vor einigen Jahren in den Ruhestand getretene Pensionäre wieder Verwendung im Schuldienst gefunden. Hoffentlich wird die Gehaltsangelegenheit der Lehrer bald in befriedigender Weise geregelt; es ist anzunehmen, daß dann durch Zuzug von nichthessischen Schulamtskandidaten dem Lehrermangel gesteuert wird. D a r m st a d t, 11. Oktober. Der Großherzog empfing am 10. Oktober u. a. den Hauptlehrer Pfund el von der Weberschule in Lauterbach, den Pfarrer Kling von Ober-Erlenbach, den Professor Dr. Schmidt, Rektor der Landes-Universität; zum Vortrag den Staatsminister Rothe, den Präsidenten des Ministeriums der Finanzen G n a u t h, den Archivdirektor Frhrn. Schenk zu Schweins- derg, den Kabinettsrat Römheld, den Hostheaterdirektor Werner. —ld— Darmstadt, 11. Oktober. (Tel.-Meld, des „Gieß. Anz.") Der frühere langjährige Finanzminister W e b e r ist in der vergangenen Nacht nachlängerem Leiden gestorben. König, 9. Oktober. Wer die sonst hier herrschende Stille gewohnt ist, der wird in einer gewissen Weise über das lebhafte Treiben im letzten halben Jahre erstaunt sein . Am 1. August war beim Einzug des neuvermählten Erbgräflichen Paares eine Menschenmenge in König zusammengeströmt, wie sie wohl noch nie hier gesehen wurde. Auch heute herrschte hier ein sehr reges Leben und Treiben. Selbst aus größerer Entfernung waren Fremde gekommen, um bei der Ankunft der Königin Wilhelmina von Holland und der K ö n i g i n - M u 1 ter Emma, die gestern zum Besuche des Erbgrafenpaares eingetroffen sind, zugegen zu sein. Zur festgesetzten Zeit, 7.34 Uhr abends traf der Sonderzug in dem besonders zum Empfang hergerichteten, festlich geschmückten Bahnhof ein. Die Herrschaften fuhren unter dem Geleite des Schloßhauptmanns und unter begeisterten Hoch- und Hurrarufen durch die dichtgedrängte Menge nach dem Schloß. Heute morgen machten die Königin und die Königin-Mutter von Holland einen Spaziergang in die nächste Umgebung von König. Um halb drei Uhr Nachmittags unternahmen die Majestäten mit dem Erbgrafen und der Erbgräsin eine Fahrt über Kimbach nach Eulbach und über Michelstadt nach König zurück. Mittlerweile waren der Graf zu Erbach-Schönberg und die Gräfin nebst Tochter Marie Elisabeth zum Besuche hier eingetroffen. Die Herrschaften reisten um 7 Uhr 17 Minuten wieder ab. Gerichtssaat. Mainz, 10. Oktober. Das Bootunglück von Bingen beschäftigte gestern nochmals die Strafkammer. Am Abend des 17. April gegen 9 ’/2 Uhr hörten mehrere Personen in Bingen in der Nähe des Rheines etwa 15—20 Minuten lange gellendr Hilferufe vom Strome her. Die Leute, darunter zwei Schutzleute, waren an das Ufer geeilt und ersuchten den eben aus seinem Nachen steigenden Schiffer Jakob Lustenberger von Bingen, doch hinauszufahren, um den etwa Ertrinkenden Hilfe zu bringen; fte seien gerne bereit, mitzufahren. Der Schiffer lehnte das Ansinnen ab; er wollte die Fahrt nur unternehmen, wenn Schiffahrtskundige mit hinausführen. Inzwischen verstrich die .Zeit und die Hilferufe verstummten. Der Schiffer wurde vom Schöffengericht auf Grund des 8 360, Ziffer 10, weil er keine Hilfe geleistet hat, zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Erkenntnis legte der Angeklagte Berufung ein, die heute von der Strafkammer als unbegründet verworfen wurde. Berlin, 10. Oktober. Die bekannte Lübecker Verordnung, welche das Streikpostenstehen unter Strafe stellt, ist nunmehr durch ein Gerichtsurteil als verfassungswidrig gekennzeichnet worden. Die „Brandenburger Ztg., das Organ der Sozialdemokraten, hatte die Lübecker Arbeiterschaft aufgesordert, der Verordnurig Trotz zu bieten, um eine gerichtliche Entscheidung über ihre Rechtsgiltigkeit herbeizuführen. Wegen dieser Aeußerung hatte die Staatsanwaltschaft gegen den damaligen verantwortlichen Redakteur der „Brandenb. Ztg." Anklage erhoben, weil er angeblich zum Ungehorsam gegen Gesetze oder rechtsgiltige Verordnungen aufgefordert habe. Das Brandenburger Amtsgericht hat aber die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt und diesen Beschluß wie folgt begründet: „Eine nach § m des Strafgesetzbuchs strafbare Handlung ist nur dann vorhanden, wenn das int § 110 bezeichnete Gesetz (die Verordnung oder Anordnung) objektiv rechtsgiltig erlassen ist. An diesem Erfordernis fehlt es im vorliegenden Fall. Die Lübecker Verordnung betreffs des Verbots des Streikpostenstehens vom 24. April 1900 ist im Widerspruch mit Artikel 2 der Reichsverfaffung und § 2 des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch erlassen. Sie greift in die Materie der gewerblichen Koalitionsfreiheit ein, welche die Reichsgesetzgebung durch § 152 —153 der Reichsgewerbeordnung in chren Bereich gezogen hat Das Streikpostenflehen ist eines der Mitteln, welche dou den gewerblichen Arbeitern gebraucht werden, um günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erlangen. Die Fassung und der Geist des § 152 der Gewerbeordnung zeigen aber deutlich, daß sich die Reichsgesetzgebung dieser Materie in weitestem Umfang hat bemächtigen wollen. (Vergl. v. Buchka in der „Deutschen Juristenztg." 1900, Nr. 15, S. 310 a. E.) Ein Verbot über eine Bestrafung des Streikpostenstehens könne also derzeit nur im Wege der Reichsgesetzgebung erlassen werden, soweit sie sich auf gewerbliche Arbeiter beziehen solle. Hieraus folgt die Ungtltig- keit der Lübecker Verordnung vom 24. April 1900 und weiter die Unanwendbarkeit des § 111 des Strafgesetzbuches auf den vorliegenden Sachverhalt." Uermtschtes. * Heidelberg, 10. Oktober. Unter sehr zahlreicher Beteiligung der hiesigen Bevölkerung wurden heute nachmittag die sieben unglücklichen Opfer der Eisenbahnkatastrophe beerdigt. Ein nicht endenwollender Trauerzug, an dem sich die Spitzen der staatlichen, städtischen und Militärbehörden, sowie der Universität und Vertreter der Studentenschaft beteiligten, bewegte sich von der Friedhoss- kapelle zum Begräbnisplatz. Stadtpfarrer Hönig hielt die Trauerrede. Ein Berg von Blumenspenden bedeckte die Gräber. Der Gesangverein Liederkranz und das städtische Orchester vertieften den Eindruck der ernsten Feier mit Passenden Vorträgen. Auch der Minister von Brauer und der Generaldirektor der badischen Staatsbahn, Staatsrat Eisenlohr, waren anwesend. Oberbürgermeister Dr. Wilckeus legte namens der Stadtverwaltung einen Kranz nieder. Arbeiterbewegung. Leipzig, 10. Oktober. Die Vertreterkommtssion der Buchbinderei-Arbeiter und Arbeiterinnen Leipzigs hat heute dem Vorsitzenden des Prinzipalverbandes Sperling-Leipzig, unter Zurückweisung der durch die Einigungskonferenz geschaffenen 54stündtgen Arbeitszeit neu unterbreitet. Bet Ablehnung der Forderung soll die sofortige Wiederaufnahme des Streits erfolgen. Eine Versammlung der Buchbindereibesitzer wird morgen abend zur Forderung der Gehilfenschaft Stellung nehmen. ES ist eine Einigung zu erwarten Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankierter vom 1O. Oktober. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. Prftmien auf Kredit per ult. Okt. 1.75%, do. per ult. Novbr. 3.15 %, Diskonio-Kommandit per ult. Okt. 1.60%, do. per ult. Novbr. 3.00%, Lombarden per ult Okt. 0.70%., do. per ult. Novbr. 1.00%. Deutsche Bank 0.00%, Notierungen: Kreditaktien 201.80-202.10-000, Diskonto* Kommandit 169.60-170.00-000-000, Staatsbahn 139,10, Lombardei- 24.90-00, Italiener 98 90, Spanier 71.50-00, Sproz. Mexikaner 25 50, Bochumer 167.80-169-168.80 bz., Laura 190.80-191 bz. G., Harpener 173.20-90-000.00 bz., Gelsenkirchen 182.50-183.40 bz., Privat-Diskont 4%% G. 1% bv 2% Uhr: Kreditaktien 202,20-201.90-00 bz., Dis- konto-Kommandit 170-169.80-000.0 bz. G., Staatsbahn 139.10 bz. Lombarden 24.90-00.00 b., Laura 190.80, Berliner Handelsgesellschaft 000.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz, 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz , Bochumer 000.60 bz., Deutsche Bank 182.70-3.50 bz., Harpener 176 173.00 bz. Märkte. Limburg a. d. Lahn', 10. Oktober. Fruchtmarkt. Durch« schnittspreis pro Malter. Roter Weizen, alter, 00.00 Mk., neuer 13.00 Mk, Weißer Weizen —.— Mk., Korn 00.00 Mk., neues Korn 11.30 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer, alter, 0.00 Mk., neuer 6.00 Mk., Erbsen —Mk., Kartoffeln —Mk. Aus dem Gefchitststeben. Ein seltenes Jubiläum. v f Von den bekannten Winters Dauerbrandöfen Germanen sind leit 7 Jahren über 150 000 Stück verkauft. Diese für den Absatz eines Ofens gewaltige Zahl spricht wohl mehr, wie jede andere Empfehlung für die Vorzüge dieses Ofen-Systems, dessen Beschreibung durch jede beffere Ofenhandlung oder den Fabrikanten OSkar Winter, Hannover, zu beziehen ist.___________ Neueste Meldungen. Berlin, 11. Oktober. Wie die „Berl. Neuest. Nachr." hören, hat in Anbetracht der günstigen Aufnahme, welche die bisher nur vereinzelt in Bruchstücken veröffentlichten Briefe des verewigten Fürsten Bismarck an seine Gemahlin überall gefunden haben, Fürst Herbert Bismarck sich entschlossen, nunmehr eine vollständige Sammlung dieser Briefe, soweit er sie beim Ordnen seiner Archive zusammenstellen konnte, der Oefsentlichkeit zu übergeben. Loudon, 11. Oktober. Der Handelsminister Ritchi wird von seinem Posten zurücktreten. Paris, 11. Oktober. Aus London kommt die Meldung, die Liberalen würden gleich nach Beendigung der Wahlen eine parlamentarische Untersuchung über den Transvaalkrieg und namentlich über die Militärverwaltung verlangen. Die Interpellanten sollen nach ihrer Behauptung über die begangenen Gesetzesverletzungen vortrefflich mit Beweisen ausgerüstet sein. Die Untersuchung oll die Versetzung Chamberlains tu den Anklagezustand zur Folge haben. , t Paris, 11. Oktober. Die Kammer wird sich gleich nach ihrem Zusammentritt mit der Beratung des Haushalts von 1901 befassen und sich einen Tag in jeder Woche zur Diskussion über die Gesetzesvorlagen Vorbehalten. In erster Reihe wird das Gesetz über die Genossenschaften und dasjenige über die Erbschafts- und Getränke-Steuer zur Beratung gelangen. Madrid, 11. Oktober. Amtliche Nachrichten bestätigen die Entdeckung einer karlistischen Waffenfabrik in Lerida (Katalonien). Ueber hundert fertige und 500 in Arbeit befindliche Gewehre, viele Bajonnette und Maschinen wurden beschlagnahmt. Der Karlistenchef Nimbo mit verschiedenen Genoffen, die dort weilten, wurden verhaftet_______________________________ -Aul. 3%% 3% 3*/l% 3% 3%% Kreditaktien . . Diskonto-Kommandit Darmstadter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Gotthardbahn . . Laurahütte . . . Bochum . . . . Harpener . . . . 5 "/, Italien. Rente 4«- Stellen Vereine 04339] Zwei Studierende suchen inemanberoe^enbe, mtzbl. Zimmer Cfferten mit Preisangabe erbeten an Trau Simon, Babnhosstr. 60, gart. 04338] Cigarren« und Wickel« «racher finden dauernde Beschäftigung ________________Nordanlage S. die beliebteste Hausseife, im Verbrauch die billigste, schafft grössere Bequemlichkeit, einmal versucht — stets gebraucht, frei von schädlichen Bestandteilen, besitzt höchste Reinigungskraft, erspart Zeit, Mühe und Geld, unübertroffen in ihrer Art, erfordert weniger Arbeit Preis pro Carton (ein Doppelstück) 25Pfg. Zu haben in allen einschlägigen Geschäften. iu Filz, Leissen und Stramin re. Geschnitzt© Holzsachen etc 6690] Diejenigen Damen, welche an dem am 1. Ziobembev beginnenden Kursus in der Tam« bourierstickerci (St-'cken mit Häkelnadel) teilnehmen wollen, werden gebeten, sich bis zum 20. Oktober bet Frau Geheimrat Pasch, Alicesiraße 31, anzume'den. Johanna Erna. Verantwortlich für den allgemeinen Teil: I. B.: Ä. toteffenboaen- " H"aßen> für ben Anzeigenteil: Hans Beck. Di. Beerdigung «°j., Mu, d» 12. Okl.be,, ...huilleg. 4 Uh,, „„ SCb.h...., F,„kr,rt„„...« 5, ,ta«. Für die überaus zaMreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verluste sagen wir hiermit unseren innigsten Dank. 04342] Suche bis Anfang November KW“ 5000 Mark rur Ueberschreibung einer Hypothek gegen pünktliche Zinszahlung. Zu erfragen in der Expedition d. Bl. (Gin tücht. Schneider findet fof. dauernde Beschält. F.Heibertshausen. Lollar Saufmädcken oder Frau für vormittags gesucht._______________Kicchenplatz 6. 6638] Zuverlässiges Dienstmädchen gesucht. Westonlage 62, -art. 01347] Stube mit Küche zu vermieten. Gg. Unverzagt, Kaplansgafie 5. 04341] Stube und Küche zu vermieten. ____