Nr. 160 Erstes Blatt. Donnerstag den 12. Juli 1900 38cjngspreU Vierteljahr!. Mk. UM monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlo-Hn; durch die Abholkstrllvtz vierteljährl. Mk. LM monatlich 66 Pstz. Bei Postbezug DU. 2,40 Vierteljahrs, mit vestcllge». Alle Anzeigen-BermittlungSstellm des In« und Äullenkt nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntgcfou Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. *■■•!*< bbb Anzeigen zu der »achmtttagS für den Hstgrntz« leg «scheinenden Nummer bis oorm. M) lchr- MGeßoLnngev spätestens **M »»rcher. Gießener Anzeiger General-Anzeiger täglich »it Lut—hm c deS «ontugS. Die Gießener AnmikienßtLtter »erd«» de» Anzeiger Nb Wechsel mit „Hess. Wmdwtrt" e. „Blätter flk he«, •odfhinbe- »dchN.4»«l deigelegt. Amts- und Auzeigeblatt für den ‘Kreis (Sieben. MiMw, »Edition und Druckerei: Fch»tBr«ße Nr. 7. Gratisbeilage«: Gießener Famitienblätter, Der heWhe Landwirt, KlMter für heUche Volkskunde._______________ —— 111 I 111 Ab reff« für Depeschen: Anzeiger chistzs». Fernsprecher Nr. 5L Amtlicher Teil. Gießen, den 10. Juli 1900. Betr.: Den Termin zur Einsendung der Gemeinderechnungen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen ct.n€§ ^ben, einzuspringen und sich den Unglücklichen helfend zur Seite zu stellen?? — Die Berliner akademische Jugend hat das erkannt, und durch die Aufforderung des Direktoriums der akademischen Lese- Halle zur Beteiligung an jener Sammlung hat sie gezeigt baß fte awch auszuführen nicht zögert, was sie als Pflicht bedachtet. Und was die Berliner Studentenschaft vermag, sollte auch der übrigen akademischen Jugend nicht schwer fallen. Wir sind fest überzeugt, daß es nur dieser Anregung bedurfte, um auch die Gießener Musensöhne für das von den Berlinern in die Wege geleitete Liebeswerk, zu begeistern, und wir sind ferner überzeugt, daß auch dre bürgerlichen Kreise nicht zögern werden, das menschcn- freundliche Werk thatkräftig zu unterstützen. ** Die Herren Kruse und Helm schreiben uns aus Bad Neuenahr, daß Halbe'S ..Jugend" von ihrer Theatergesellschaft bereits am 7. Dezember 1896 hier zur Aufführung gebracht wurde. -B- OberBesfingen, 10. Juli. Bei der hiesigen Bürg er - meisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Kühn einstimmig wiedergewählt. Es ist dies das dritte Mal, daß derselbe einstimmig gewählt wurde, ein Zeichen, daß er in seiner Gemeinde sehr beliebt ist. Herr Kühn ist als tüchtiger Bürgermeister bekannt, und man kann der Gemeinde Ober-Bessingen Glück wünschen, daß sie iu Anerkennung dieser Thatsache die einstimmige Wiederwahl beschloß. f den soll: Herzogin Marie Cfabriele, die jugendliche, liebreizende Braut, braucht nicht erst um die Liebe des bayerischen Volkes zu werben. Uns allen ist die Familie des Herzogs Karl Theodor lieb und vertraut: giebt es doch kaum einen Mann int Königreich der sich als Wohl-' thäter der leidenden Menschheit einer so unbegrenzten Hochschützung und Verehrung erfreut, wie der Vater der Braut. Und an her Beliebtheit, deren sich der Vater erfreut, nehmen auch die Kinder Anteil, deren Liebenswürdigkeit und hohe geistige Bildung ihnen die Herzen aller gewonnen haben, denen sie je ttäher getreten ftrrd. Mit gleich herzlichen Wünschen, wie seine hohe Braut, begleitet das bayerische Volk den Prinzen Rupprecht von Bayern auf seinen künftigen Lebenswegen. In Gmunden ist der Prinz Maxvon Baden mit Der Prinzessin Marie Luise von Cumberland vor den Traualtar getreten, lieber diese Heirat, die nicht eines gewissen politischen Beigeschmacks entbehrt, da der Vater der Braut, der Herzog Ernst August von Cumberland, das Haupt des Welfenhauses ist, wird der „N. Fr. Pr." aus Gmunden gemeldet: Von herzoglicher Seite wurde den Anhängern der welfischen Sache nahe gelegt, in ihren Ansprachen und Glückwünschen jede politische Anspielung zu vermeiden. Prinz Max von Baden, der mit Kaiser Wilhelm sehr befreundet sei, habe dem Kaiser vor seiner Verlobung von dem Entschlüsse, die Prinzessin Cumberland zu heiraten, Kenntnis gegeben und der Kaiser habe diesen Entschluß gebilligt. Daraus folge aber nicht, daß er daran denke, sich gegenüber der Familie Cumberland auf Kon- zeftwnen etnzulassen, uud auch der Herzog von Cumberland f et nicht geneigt, seinen Standpunkt zu verlassen und feine Ansprüche aufzugeben. Wohl könne man aber annehmen, daß die persönlichen Beziehungen zwischen Berltn und dem Cumberlandschen Hause sich fernerhin etwas freundlicher gestalten würden. Darmstadt, 10. Juli. Graf und Gräfin zu Erbach- Schönberg trafen heute zum Besuch auf Jagdschloß Wolfsgarten ein, nahmen an dem Luncheon teil und reiften im Laufe des Nachmittags wieder nach Schönberg zurück. — Bom 21. Gauverbandsfest des Mittelrheinischen Fechtklubs ist noch zu berichten, daß auf dem Kommers am Samstagabend der Vorsitzende, Herr Enders, bei der Eröffnung ein mit Begeisterung aufgenommenes dreifaches Hoch auf den Kaiser uud Großherzog, den Protektor des Festes ausbrachte. Das Gleiche geschah beim Festbankett. An beide Monarchen wurden Huldigungstelegramme abgesandt. Vom Ehrenausschuß waren im Verlaufe des Festes erschienen Divisionskommandeur v. Perbandt, Oberst- hofmarschall v. Westerweller, Generalmajor v. Plötz, Stadtkommandant Generalmajor v. Daum, Oberst v. Rothkirch und Panthen, Major Kade, Provinzialdirektor Freiherr v. Grancy, Rektor Geh.-Baurat Koch. — Auf dem Ball wurde dem hiesigen veranstaltenden Verein von seinen Damen ein wertvolles Angebinde in Gestalt eines prächtigen Trink- horns überreicht. — Spaziergang nach dem Parkhotel nebst Tanz beschloß gestern mittag die festlichen Tage. M a i n z, 10. Juli. DieGutcnbergkanone. W* ist die Kanone? Die sogenannte Gutenberg-Kanone nämlich, die Mainz ehrlich, erworben, in den dreißiger Jahren uoch besaß, seitdem aber aus dem Besitztum von Mainz verschwunden ist, ohne daß diejenigen, die dazu berufen sind, den städtischen Besitz zu schützen und zu mehren, einen Finger dafür gekrümmt hätten. Und das verhält sich!,so: Im Jahre 1808, als Mainz, wie das ganze linke Rhein - Ufer, sich unter französischer Herrschaft befand, kamen an 1000 Stück preußischer Kanonen, von Jena usw. herrührend, nach Mainz, von hier ins Arsenal nach Metz. Darunter befand sich, auch eine bronzene Kanone, die, der ihr ausgegossenen Angabe nach, im Jahre 1540 in Mainz gegossen wurde und zwei kunstvoll gravierte Bildnisse von Fast und Schäffer trug. Der damalige französische Artillerie-Direktor bezeigte sich sofort, nachdem er dieses Bronzestück besehen, dem damaligen Maire Macke, und in diesem der Vaterstadt Gutenbergs so gefällig, ihn auf dieses von den Franzosen eroberte Stück aufmerksam zu machen und meinte, es sei möglich, daß der Kaiser dies historische, den Erfinder der Buchdruckerkunst und dessen Vaterstadt ehrende Stück heimischer Technik, der Stadt zum Geschenk machen würde. Und so geschah es. 1810 kam Mainz wirklich in den Besitz dieser Kanone. Daß in dieser Zeit die Stadt diesen Besitz zu ehren wußte, das beweist die Fürsorge des damaligen Mainzer Bürgermeisters dadurch, daß er zwei Tage vor dem Abzug der Franzosen aus Mainz, April 1814, in aller Form Rechtens einen Notariatsakt aufnehmen ließ, der dieser Stadt den bleibenden Besitz gründlich verbürgte. Von da ab, wieder unter deutscher Herrschaft, war die Kanone denn auch wohl bewacht und bewahrt in sorgsamen Händen städtischer Patrioten, aber leider, wie oben gesagt, nur bis in die dreißiger Jahre. Wo aber ist es jetzt, dies Kleinod für eine Gutenbergstadt? Wo ist die Kanone? fragte schon vor etwa fünf Jahren ein hiesiges Blatt, und wo ist die Gutenbergkanone, fragte dasselbe Blatt vor etwa drei Jahren nodji einmal. Ob man sie sich vermerkt haben wird, diese Fragen und ob man Schritte für die Wiedererlangung des Stückes gethau haben wird seitens Derer, die über den Besitzstand und die Mehrung des städtischen Besitzes von Gesetzes wegen zu wachen verpflichtet sind?" ♦* Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 20, vom 9. Juli | hat zum Inhalt: 1) Uebersicht der von Großherzoglichem I Ministerium des Innern genehmigten Umlagen der israeliti- I scheu Gemeinden des Kreises Oppenheim für 1900/1901. I 7* 2) Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern I sür das Etatsjahr 1900/1901 genehmigten Umlagen zur Bestretung der Kommunal-Bedürfnisse in den I israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Gießen. — 3) Ordensverleihungen. — 4) Ermächtigung | zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. — 5) Namensveränderungen. — 6) Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. — 7) Dienstnachrichten. — 8) Militärdienstnachrichten. — 9) Dienstentlassungen. — 10) Nachweis der Befähigung zur Uebernahme eines Ktrchenamts. — 11) Ruhestandsversetzungen. — 12) Konkurrenzeröffnungen. ** S. Sektion Gießen des deutschen und österreichischen Alpenvereins. Wohl selten ist ern Sornrnerausflug der.Sektion von angenehmerem Marschwetter begünstigt worden, als die am letzten Sonntag unternommene Tour nach dem Rimberg im oberen Lahnthal. Selten wohl erstrahlten auch Felder, Wiesen und Wälder des stillen. Hinterlandes in reinerem Grün Die Ueberzeugung, daß nach den Niederschlägen der letzten Wochen dtese Vorbedingungen einer wahrhaft genußreichen Sommerwanderung gegeben waren, war es denn, was die kleine Schar derer vereinigte, die sich durch die weniger , günstige Wettergrognvse von der Ausführung des Pro- i gramms nicht abhalten ließen. Nach! kurzer Bahnfahrt ging es von Niederweimar durch üppige Wiesen und Felder im stillen waldumsäumten Thal über Haddamshausen nach Heimershausen mit prächtigen Rückblicken nach dem Frauenberg und die anschließenden Höhen; dann durch Hochwald empor und hinab nach Nesselbrunn und Wei ter sh au sen, wo der Morgen- imbi-ßi eingenommen wurde. Gleich hinter diesem weltabgeschiedenen, idyllisch gelegenen Dorfe beginnt der Anstieg auf das dem Rimberg im Süden vorgelagerte I Plateau mit seinen ausgedehnten Waldungen. Nach dreistündiger Wanderung ist der Gipfel des R i m b e r g e s I erreicht. Der im Bau begriffene Aussichtsturm ist noch nicht vollendet; doch das schreckt die Mutigen nicht ab, I auf schwanker Leiter emporzuklimmen und Umschau zu I halten über Berg und Thal. Diese Rundsicht, eine der schönsten im schönen Gebiet der Lahn, stellt sich der vom I Dünsberg gebotenen würdig zur Seite; ist doch die ab- I fohlte Höhe des Gipfels dieselbe wie die des'letzteren (500 I Meter). Die Ferne ist leider verschleiert, doch ragen I Dürrs berg und Sackpfeife mit ihren Türmen im I Süden und Norden klar und deutlich! über die sie um- I gebenden Höhen empor. Umso schöner zeigt sich das obere I Lahnthal, dessen grüne grüne Fluren und freundliche I Dörfer gerade jetzt der siegreichen Sonne und dem azur- I blauen Himmel dankbar entgegenlachen. Besonders lieb- I lich grüßen, vom stolzen F e i s e l b e r g getrennt, die roten I ziegelbeschirmten Häuser von Kerub ach und das am I steilen Ufer gelegene Caldern mit seinem stattlichen I Turm über Felder und Wälder zu uns empor; und gerne I folgen wir dem Ruse, denn da unten im Wiesengrund, I am Fuß des Feiselbergs, ertönen aus fahnenumflattertem I Festplatz bekannte Weifen, uns einladend zum harmlos I fröhlichen Treiben eines ländlichen Sängerwettstreites. Es I ist zwar noch früh am Tage, doch ist uns schon reichlich Ge- I legenheit geboten, nun auch das Völkchen kennen zu lernen, I dessen Thäler und Berge wir soeben durchwandert. Den I 13. Deutsches Bundesschießen zu Dresden vom 8. bis 15. Juli. F. G. Dresden, 9. Juli. Trotz des gestern fast ununterbrochen niedergehenden Regens herrschte doch aus dem Festplatze reges Treiben, und besonders in der Schießhalle ging es ftoh und lebendig zu. Beim Diner in der Festhalle brachte zunächst im Auftrage des Schießausschusses Schütze Burckard-Dresden ein Hoch auf die ersten bekannt gewordenen Sieger aus, worauf Wach end ors-München im Namen der fremden Schützen dankte und sein Glas der Dresdener Bürgerschaft widmete. Kuntzsch - Dresden erinnerte an die beim 3. deutschen Bundesschießen in Wien 1868 verlebten schön-.n Stunden und trank seinen Schoppen auf die anwesenden Oesterreicher. Abends wurde in der Festhalle sowohl Instrumental-Konzert von der Kapelle des 2. Grenadier- Regiments Nr. 101, als auch Konzert des Julius-Otto- Bundes geboten. Die genußreichen Vorträge hoben die durch einen erneuten wolkenbruchartigeu Regen doch etwas herabgedrückte Stimmung merklich, und erst um die mitternächtliche Stunde wurde es leer in den verschiedenen Hallen und Zelten des Festplatzes. Beim Konkurrenzschießen auf Standscheibe erhielten als Sieger Becher und Medaille: u. a. Besler-Bockenheim (286), Roth-Frankfurt a. M. (280). Außerdem erschossen Standbecher: u. a. Riehl-Darmstadt, Sollacker-Gießen, Sallweg-Offenbach; Feld- j becher: u. a. Jung-Mainz. Heute vormittag klärt sich das Wetter; der erste Sonnenstrahl blitzt durch die Wolken und wird von den bayerischen Schützen mit schallenden „Juchzern" begrüßt. Der Kleinverkauf von Spiritus. Die Zentrale für Spiritusverwertung versucht, nach dem Muster der Standard Oil Co., die Klein- händler in ihre Gewalt zu bekommen, um ihnen vorzuschreiben, wie sie den Brennspiritus absetzen sollen. Zu dem Zwecke stellt sie, wiederum nach dem Muster des Petroleummonopols, einen Maximal- und einen Vorzugspreis auf. Den letzteren räumt sie jenen Detaillisten ein, die sich schriftlich verpflichten, genau nach ihren Anweisungen zu handeln und keine anderen Ausschläge beim literweisen Ver- I kauf zu nehmen, als die Zentrale gestattet. Dieser Aufschlag beträgt bei Abnahme von mindestens 10 Litern I höchstens 5 Psg. pro Liter, sowie bei Abnahme von weniger I als 10 Litern nur 3 Psg. pro Liter. Diese Ausschläge sollen den Geschäftsnutzen einschließlich Entschädigung für ine durch den Verkauf entstehenden Mühen und Unkosten darstellen. Hierzu schreibt der „Frks. Ztg." ein Kleinhändler: Dieses Ansinnen involviert gewissermaßen eine Vergewaltigung I des Detailhandels. Während gerade eine gewisse Partei zum Schutz I des Detailhandels alle möglichen gesetzlichen Vorschriften veranlaßt, | können es Mitglieder derselben Partei über sich gewinnen, diesen Stand 1 m feiner Interessensphäre durch diese Knebelung noch weiter zu schmälern I ^"freiheitlicher Beziehung zu kürzen. Wenn schon dem Detaillisten I die Lust am Brennspiritushandel aus dem genannten Grunde verleidet I werden muß, so kann nicht ausdrücklich genug betont werden, daß das I von 5 Psg., resp 3 Psg per Liter dem Kleinhändler absolut kein Aeqmvalent für seine täglich 14stündige Mühe und I feine Unkosten bietet. Zur Begründung dieser Behauptung braucht I nur angeführt zu werden, wie groß heutzutage die Anforderungen I des kaufenden Publikums gegenüber dem Detaillisten sind Man fordert elegante Läden, flotte Bedienung, luxuriöse Ausstattung und Beleuchtung, kurzum einen Aufwand, der allein schon die I wenigen Prozente von vornherein verschlingt. Dazu kommt noch daß Brennspiritus in Bruchteilen von Litern im Laden gekauft I wird, wodurch selbst bei genauesten Vermessungen für den Händler wenn I auch kleine, so doch rmmerhin Verluste unvermeidlich sind, ferner daß I Nicht selten Gesäße und Korken gratis dazu geliefert und die Ware bis rn die fernsten Stadtteile zugesührt werden muß. Daß auch mancher Liter überhaupt unbezahlt bleibt, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Alsdann ist doch auch zu berücksichtigen, daß Spiritus ein feuergefährlicher Artikel ist, für dessen Einlagerung und Verkauf die weitgehendsten unter polizeilicher Kontrolle stehenden Vorsichtsmaßregeln getroffen werden müssen. Es scheint, daß die Zentrale von der Ansicht ausgeht, daß jeder Spezereihändler, ob er will oder nicht, Vrennspiritus führen muß, wenn sonst sein Geschäft als vollgiltig erachtet werden soll. Bon diesem Gedanken geleitet, glaubt sie dem Detaillistenstand diese -i- Aus dem Btelerthal, 10. Juli. Der Krieger- »erein zu Bieber begeht am 22. und 23. Juli das Fest der Weihe seiner Fahne, wozu schon die ersten Vorbereitungen getroffen werden. Am Vormittag des ersten Festtages findet die Delegiertenversammlung des KreiS-KrtegerverbandeS Biedenkopf in der „Germania" statt. Zu diesem Feste wird auch Landrat v. Heimburg aus Biedenkopf eintreffen und die Enthüllung der Fahne vornehmen. Der Verein wird in jeder Weise bestrebt sein, allen Gästen den Aufenthalt in unserem schön gelegenen Dörfchen so angenehm als möglich zu machen. -e- Rodhei« a. d. B., 9. Juli. Heute nachmittag trafen zwei Herren von der Regierung zu Wiesbaden hier ein, die eine Revision der Gemeindekasse vornahmen. Für den Gemeinderechner KrauSköpf, der schon lange Jahre der Kasse vorfieht, fiel die unerwartete Revision zur großen Zufriedenheit aus. — Trotz der regen Bauthätigkeit, die ut den letzten Jahren hier geherrscht hat, mangelt es dennoch an Wohnungen. So konnte z. B. der in diesen Tagen von Frankfurt nach hier versetzte Beamte der Bieberthalbahn keine Wohnung mehr auftreiben. Wiesbaden, 10. Juli. Die Zahl unserer sogenannten „Markmillionäre" beträgt 143. Wiesbaden nimmt in steuerlicher Hinsicht eine Ausnahmestellung im Staate ein und kann mit Städten seiner Einwohnerzahl in dieser Beziehung nicht wohl in Vergleich gestellt werden. So hat z. B. das in der Einwohnerzahl dicht vor Wiesbaden stehende Erfurt nur 24, und Posen, welches hinsichtlich der Einwohnerzahl im Staate auf Wiesbaden folgt, gar nur 10 Millionäre. Deshalb seien einige der größten Städte des preußischen Staates zum Vergleiche herangezogen: Es hat da zum Beispiel: Berlin 1306, Breslau 101, Köln 207, Frankfurt a. M. 447, Magdeburg 89, Hannover 95, Düffeldorf 151, Königsberg 30 Millionäre. Fulda, 10. Juli. In glanzvoller Weise beging vorgestern der hiesige katholische kaufmännische Verein sein 25jähriges Jubelfest. Auswärtige Brudervereine waren erschienen von Aschaffenburg, Erfurt, Frankfurt a. M., Bochold, Heiligenstadt, Neuß, Würzburg und Gießen. Der Festgottesdienst sand in der Abteikirche der Benediktinerinnen statt. Es waren viele Glückwunschtelegramme von Brudervereiuen eingetroffen. Bei der imposanten Festversammlung hielt erster Beigeordneter Robert Kircher (früherer Landtagsabgeordneter) die Festrede. Vermischtes. * Eine heldenmütige Braut. Ganz Rouen ist — wie au- Paris geschrieben wird — in Ekstase über den Heroismus einer jungen Amerikanerin, der in ihrer Vaterstadt Cincinnati als Schönheit gefeierten Miß Helen Townsend. Das kaum 20jährige Mädchen, das sich entschlossen hat, gleich ihrer an einen Franzosen verheirateten Schwester für immer in Frankreich zu bleiben, weilt seit kurzem in Rouen, wo sie vor wenigen Tagen mit ihrem Verlobten Paul Roumergue und ihrem kleinen Neffen eine Segelbootfahrt auf der Seine unternahm. Ein plötzlich sich erhebender starker Wind brachte das Fahrzeug zum Kentern, und die drei Insassen versanken in den Fluten. Miß Townsend kam sehr bald wieder zum Vorschein und es gelang ihr, sich an dem umgekippten Boot sestzuhalten. Als sie aber sah, daß von keiner Seite Rettung nahte und ihr Bräutigam,, der als schlechter Schwimmer sich nur mühsam selbst über Wasser halten konnte, den Knaben nicht zu retten vermochte, ließ sie los und erfaßte das eben in ihrer Nähe zum zweiten mal auftauchende Kind. Sie schwamm mit ihm zu einem vorüberkommenden Dampfer und beide wurden glücklich an Bord geholt. Da ertönte ein schwacher Hilferuf des jungen Mannes, der bereits am Ertrinken war. Mit schnellem Blick erkannte die Braut, daß der mit den Wellen Kämpfende nicht mehr die Kraft haben würde, eins der ihm zugeworsenen Seile zu erreichen. Ohne sich zu besinnen, streifte sie ihre Oberkleider ab und sprang, obwohl man sie daran zu hindern suchte, noch einmal in das Wasser. Es war abends nach 8 Uhr und nahezu dunkel. Trotzdem fand das brave Mädchen den Verlobten und hielt ihn solange an der Oberfläche, bis vom Ufer aus einige Männer zu ihnen ruderten. Roumergue war bereits bewußtlos, als ihn die Retter in das Boot zogen; die junge Dame aber erklärte, nur ein wenig erschöpft zu sein. Die Volksmenge, die sich zu beiden Seiten des Flusses angesammelt hatte, spendete der mutigen Amerikanerin lauten Beifall, und der Maire von Rouen ließ ihr von der Stadtkapelle vor ihrem Hotel ein Ständchen bringen. Ktteratur. Reiselitteratur. Im Verlage der N. G. Elwert- schen Verlagsbuchhandlung in Marburg erschien kürzlich in zweiter, zum Teil umgearbeiteter und vermehrter Auflage ein „Führerdurch Oberhessen und die angrenzenden Gebiete, reichend von Marburg bis Lahnhof, Berleburg, Kahler Astenberg, Corbach, Wildungen, Knüll, Alsfeld, Vogelsberg, Nidda, Nauheim, Braunfels, Dillenburg. Bearbeitet und herausgegeben von E. Schneider/' Dieser Führer, in zwei handlich und fest gebundene Teile geteilt, die zusammen über 300 Seiten umfassen und von denen jeder eine große Karte des genannten Gebietes und mehrere Abbildungen bringt, ist namentlich für Wandertouren sehr empfehlenswert. Alle irgendwie bemerkenswerten Punkte in unserer unmittelbaren und weiteren Umgebung finden wir in breitester Ausführlichkeit behandelt. Jrrwanderungen mit diesem Buche in der Hand sind unmöglich Jeder Weg ist bis aufs kleinstes enau mit allen Abzweigungen beschrieben. Reich sind auch die Mitteilungen aus Sage, Geschichte und Dich tung, wie aus dem Reiche der Botanik. Naturfreunden werden hier viele selten oder nie. bisher reiseplanmäßig durchwanderte reizvolle Punkte erschlossen. Beide Teile verdienen zahlreich Käufer. — Kleine Führer, die bequem in Taschen unterzubringen sind, werden von dem Verlage von Lützenkirchen & Bröking in Wiesbaden für Bad Neuenahr und das A h r t h a l geboten. Beide sind mit übersichtlichen Plänen versehen. — Ter bekannte Verlag von Albert Goldschmidt in Berlin tziebt als 38. Band von Griebens Reisebüchern in zweiter neu bearbeiteter Auflage einen Führer durch Heidelberg und das Neckarthal heraus, dem ein Plan von Heidelberg und eine Karte des Neckarthals beigegeben sind. Der in neuer Auflage erschienene Woerl'sche Führer durch Oberammergau bietet eine Beschreibung der Stadt München und ihrer Hauptsehenswürdig ketten, zeichnet genau die Reise von München nach Oberammergau unter Angabe der interessantesten Punkte auf dieser Route, giebt eine Geschichte der geistlichen Spiele und der Oberammergauer Passionsspiele besonders, schildert Oberammergau und seine Bewohner, referiert den Inhalt der einzelnen Abteilungen des Spieles und macht auf einige Ausflüge in das oberbayerische Gebirge aufmerksam. Dem Merkchen sind neben vielen Illustrationen ein Plan von München und eine Kartenbeilage beigefügt. Aus dem Gesagten mag man entnehmen, wie wünschenswert das Büchlein den Besuchern des Passionsspieles sein mag, und auch diejenigen, denen der Besuch nicht vergönnt ist, können sich mit Hilfe desselben eine klare Vorstellung des berühmten Spiels machen. Er kostet nur 1 Mk. Handel »vd Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse vom 10. Juli. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. Prämien auf Kredit per ult Juli 2.002/0, do. per ult Äug. O.ÖO6/^, Diskonto-Kcmmandit per ult. Juli 2.10%, do. per ult Äug. 3.70 0/0, Lombarden per ult Juli 0.75%,. do. per ult Äug. 1.05%. Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 %. Notierungen: Kreditaktion 212 60-210.10 000, Dip- kontc-Kommandit 176.90-177.0, Staatsbahn 141.30-141.50, Lombarden 25.50, Italiener 93.60, Spanier 71.80, 8proz. Mexikaner 25.50-00, Bochumer 201.30-, Luura 215.20-217, Harpener 187-186 50-7.30-20 Gelsenkirchen 192-191-191.50, Gotthard 00000.00, Ungar. Goldrente 00.00, Oesterr. Coupons 00.00, Amerik. Coupons 0.00, Privat- Diskont 315/18% IV4 bis 2% Uh?: Kreditaktien 213.10-000.000.0000000 bz., Düi- konto-Kommandit 177.-157.50. bz., Staatsbahn 141.50-000.00 bz., Lombarden 25.50, Bochumer 196-6.50-195 bz. Märkte. z. Echzell, 10. Juli. Der gestrige V i e h m a r k t zeigte eine deutliche Abflauung in Bezug auf Schweine, besonders gaben Milchferkel sehr im Preise nach; denn das Paar kostete nur 18 bis 22 Mk. Auch Läufer und Springer wichen um 5 bis 6 Mk. das Paar. Dagegen haben fette Schweine bedeutend im Preise angezogen. Während sie noch vor Kurzem 42 Mk. für den Zentner Schlachtgewicht erzielten, ist der Preis rasch auf 44, 46 und bei feiner Ware sogar auf 50 Mk. gestiegen. — Das Rindvieh ist sehr fest im Preise, und dieser steigt infolge der günstigen Futteraussichten und weil die Ägentümer ungemein festhalten, langsam höher. 2156 Leitern, Mangeln Eiserne Bettstellen Haushaltungsmaschinen Blumentische. 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Laut Beschluß letzter Versammlung ersuchen wir unsere Mitglieder und richten die ergebene Bitte an die dem Verein nicht angehörenden Herren Kollegen, fernerhin 4651 Fleischwaren jeder Art nickt bei denjenigen Metzgern zu entnehmen, die selbst Mittag« und Adendtisch (sogen. Privatkostgeberei) veranstalten. Metzg-r, welche konzessionierten Wirtschaftsbetrieb haben, sollcn selbstredend von dieser Maßnahme nicht bettoffen werden. Wir verweisen des Weiteren auf die allen Wirten zugehende L'ste^ W Xäisergarten. «vvM ßM Linoleum zum Aekegen ganzer Zimmer, und Linoleum-V erlagen. Das Belegen ganzer Zimmer wird fachmLnnis» auSgesührk Aeftrenzeu: Psychiatrische Klinik, Physikalisch-chemisches Institut, Umversitats- Bibliothek, Kreisamt rc. rc. 4170 Th. Brück, ZchlMaffe 16. Eisschränke Gartenmöbel Rasenmäher Emaillierte Geschirre Petroleumkocher Spiritusgaskocher Haushaltungsmaschinen 3561 empfehlen A. Kröll Söhne. 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