iooe Nr. 160 Drittes Blatt. Donnerstag de« 12. Juli Gießener Anzeiger General-Anzeiger Alle Snzrigrn-BermittlungSsteüen de« 3n» ttnb AuSlanLrO nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger catgefce. Zeilenpreis: lokal 12 PH., auSwirlS 20 Pfg. ^rfchetnl ttßtich eit Ausnahme deS ManiaH». Die Wefcater »ewtCUalUtttt । werden Uw Anzeiger dm «kN* *H ^Hesi. taabxkxt“ >. Malter Mr h-S. Volkskunde- wSchL 4 w* hetgelegt. Aezugsprei» viertetjährl. Mk. monatlich 76 w nut Vrülgcrloh»; durch die Ai-hsleftN!«« »ierteljShrl. Mk. 1,9» »anatlich 66 Pf». Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljähri. mit BestMgeU». M»ah»e Wi Anzeigen zu der nachmittags für da» frtgend« >»> «scheinenden Nummer bis vorm. >0 Ühr. »»ißilttiigen spätestens **M wt^r. Amts« und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. MO MM», Appedttion und Druckerat: Ar. 7. OrgÜsbriiaM«: Gießener Familiendlätter, Der WW Landwirt, Kütter für heMche UMsKunde. Adrest« für Depeschen: jUqdgtt chichMh Fernsprecher Nr. 6L Medizinische Versuche au Menschen. i Gießen, 10. Juli. In jben weitesten Kreisen der deutschen Leserwelt hat unlängst ein Fall Aufsehen erregt, der sich in den Kli- ttiten Jenas ereignet hat. Nun haben die in Jena praktizierenden Aer^te dazu Stellung genommen und dem Professor iSttntzing in einer Adresse die unwandelbare Fortdauer ihrer vorzüglichen Hochachtung und Verehrung als klinischem Lehrer und vortrefflichem, in jeder Beziehung humanem, teilnehmendem Arzt versichert. Dagegen ist selbstverständlich Nichts einzuwenden. Inzwischen hat aber die Medizinische Stuoentenschäft Jenas es sich nicht nehmen lassen, wie wir gestern schon mitteilten, dem Professor Stintzing, auf den doch als auf den Vorstand der in Frage kommenden Klinik ein Teil des Odiums zurückfiel, eine Vertrauens-Demonstration durchs einen solennen Fackelzug zu vindizieren, an dem sich die Korps wie die Burschen^ schäften gemeinsam beteiligen wollten. Eine Deputation derselben wurde unlängst von Professor Stintzing empfangen, dem auch in oen Hörsälen in letzter Zeit des öfteren Ovationen bereitet wurden. Professor Sttntzings bat indeß die Studenten, abzuwarten, welches Ergebnis das Etliche Verfahren haben würde, und einstweilen von dem Fackelzug übsehen zu wollen. Dieser Bescheid ist völlig selbstverständlich Wir hoffen, daß es dem verdienten Gelehrten gelingt, die der Leitung der Klinik gemachten Vorwürfe zu entkräften; an sich aber ist die Angelegenheit gerade nach dem Urteil seiner eigenen Berufs genossen viel zu ernster Natur, als daß sie zum Anlaß derartiger Demonstrationen gemacht werden sollte. Fackelzüge sind keine Argumente. Wir wollen also mit der gesamten Presse die Diskussion über diesen Fall bis zur Veröffentlichung des Ergebnisses des ümtlichen Verfahrens zuriükstellen, finden aber durch eine soeben erschienene kleine Schrift Anlaß, auf andere Vorgänge in Krankenhäusern und Kliniken zurückzukommen, die von aller Welt verurteilt werden müssen und nirgends Sühne gefunden haben. Die Schrift betitelt sich!: „Arme Leute in Krankenhäusern". Wir beschränken Ms darauf, die unwiderlegt gebliebenen, auf Selbstbekenntnissen der Forscher in ihren wissenschaftlichen Zeitschriften beruhenden Thatsachen mitzuteilen : Prof. Schreiber in Königsberg i.Pr. impfte, nachdem bereits die Gefährlichkeit des Koch- schen Tuberkulins sogar durch Virchow festgestellt war, mit Erlaubnis des Prof. Dohrn, Direktor der Kgl. Universitäts-Frauenklinik, ^0 neugeborene Kinder mit starken Dosen von Tuberkulin. Ferner impfte er einen Knaben, dessen Vater, weil der Junge zu Hause eine kleine Unthat begangen hatte, zustimmte, mit Tuberkulin, weil er die Wirkung dieses Mittels auf gesunde Kinder aus tuberkulösen Familien feststellen wollte. Der Knabe bekam heftiges, mehrere Tage dauerndes Fieber, wozu zwei Drüsen anschwollen. Ganz unglaublich klingen die Versuche mit Eiterkulturen in Frauenkliniken, die wir nicht näher erörtern wollen. Es handelt sich hier um M a s s e n v e r s u ch e, die namentlich in Leipzig vorgenommen find. Ein Dr. Menge hat sogar zu solchen Versuchen (neugeborene Kinder genommen, die „sofort nach der Geburt, ohne gebadet zu sein, in sterile Tücher gehüllt und im Laboratorium zu Versuchen verwendet wurden." In der Universitäts-Ohrenklinik in Halle a. S. hat Schimmelbusch einem zehnjährigen Knaben, der an Blutvergiftung „hoffnungslos" darniederlag, eine Eiter- rultur aus dem Ohrfurunkel eines Mädchens auf die linke Wade eingerieben („frottierend ungefähr fünf Minuten, sodaß nachher die betreffende Hautstelle zwar gerötet, aber nirgends verletzt erschienen" sei). Der Arzt hatte sich über den hoffnungslosen Zustand des Knaben getäuscht, denn dieser erholte sich wieder. Am nächsten Morgen nach der Einreibung zeigten sich gegen 15 Pusteln auf der eingeriebenen Stelle, und eine der Pusteln vergrößerte sich mehr und mehr, und es entstand aus ihr ein regelrechter Furunkel! Der Knabe starb nach einigen Wochen. Derselbe Experimentator hat zu derselben Zeit einem 18jährigen, ebenfalls an schwerer Blutvergiftung leidenden Kranken „die ganze Eiterkulturmenge" eingevieben. lieber fünfzig Pusteln sind am nächsten Morgen aufgegangen; aber eine weitere Beobachtung war ausgeschlossen, denn 24 Stunden nach! der Einreibung starb der Patient, und der Arzt berichtet, augenscheinlich bedauernd: „Es kam also hier über die Anfangsstadien der Furunkelbildung nicht hinaus." In Graz hat der Professor der Kinderheilkunde Dr. Epstein pon dem an Spulwürmern reichen Kot eines Kindes ein Stück genommen, in ihm eine gut entwickelte Spulwurmbrut gezüchtet und mit dieser appetitlichen Kultur Fütterungsüersuche an wurmfreien Kindern, natürlich mit dem! Erfolge gemacht, daß die gefütterten Kinder unglaubliche Massen von Würmern bekamen, die mit Medizin schwer zu beseitigen waren. Der Professor der Kinderheilkunde berichtet über diese Versuche: .Aus meinen Versuchen zu schließen, ist e» auch leichter, Spul- Mürmer herbeizuführen, als sie dann vollends aus dem Körper zu schaffm. k Jedenfalls dürfte bei ähnlichen FütterungSversuchm eine größere Vorsicht geboten und eine Ueberlastung deS Versuchsobjekts durch eine allzugroße Anzahl von Spulwürmern zu vermriden sein." Auch in Irrenhäusern werden Versuche gemacht und zwar mit Einspritzung von schwefelsaurem Bilsenkraut. Die Folgen sind schmerzhafte Infiltrate um die Einstichöffnung, Schlingbeschwerden, Würgen, Trockenheit in Mund und Hals, unstillbarer Durst, statt Schlaf, der nicht länger als 1 bis eineinhalb Stund dauert, größere Auftegung, Verlust jeder Eßlust und Abnahme des Körpergewichts. Diese Versuche geschahen in der österreichischen Irrenanstalt Valduna an vielen Geis^skranken. Darüber wird offiziell berichtet: .Während wir bet Injektionen mit anderen Mitteln nur selten auf Widerstand von fetten der Kranken treffen, war bet Injektionen von Hyoscin ohne Ausnahme dte Anwendung von Gewalt nötig. Einzelne Kranke baten flehend, mau möchte fie nicht mit dem schmerzhaften Mittel behandeln." Die vielen Versuche dauerten zwei bis neun Wochen. Mtt der Heilung haben sie selbstverständlich nichts zu thun. In W i e what seist W Groß ^Perimeute mit Gonokokken gemachst. Er berichtet: „Die meisten Patienten hatten niemals eine gonorrhoische Infektion durchgemacht: mtt Vorliebe wurdm jugendliche Individuen (14—18 Jahre alt) für diefe Versuche gewählt/ In Wien sind überhaupt derartige Versuche an der Tagesordnung und zwar seit lange. Wir gehen nicht näher darauf ein, denn der Fall N e i s s e r ist noch in genügender Erinnerung. Neuerdings ist noch! eine Blutentziehung an 38 paralytischen Kranken in der Irrenanstalt der Professoren Jolly und Bober in Berlin zur Sprache gekommen. Ein Dr. Jdelsohn wollte aus diesem Blut der Paralytiker ein Serum (!) gewinnen. In dem „Medical Record" vom 9. 9. 1899 berichtet ein Dr. I. W. Stickler über „Die Ergebnisse von Schar- lachinoculationen bei gesunden Individuen". Er hat zehn Personen mur um des Experimentes willen Scharlachgeist unter hie Haut gespriW und hierdurch bei allen scharlach? artige, aber glücklicherweise ungefährliche Symptome erzielt. Die Lumbalpunkttonen des Dr. Salomon im Frankfurter Krankenhause dürften noch in der Erinnerung sein. Dies ist das nackte Material, das wir unseren Lesern mitteilen, damit sie wissen, um was es sich, handelt. Daß unter solchen Umständen strenge staatliche Vorschriften erlassen werden müssen, liegt auf der Hand. Daß das Verttauen des Publikums, namentlich, der ärmeren Bevölkerungsklassen, in die Krankenhäuser zerstört wird, wenn nicht die Sicherheit geschaffen wird, daß solche Vorkommnisse fürderhin unmöglich! werden, darüber kann kein Zweifel herrschen. Auch dürfte um der Verjährung vorzubeugen, zu empfehlen sein, daß von behördlicher Seite die medizinischen Fachschriften auf derartige „Versuche" geprüft und das sofortige Einschreiten im gegebenen Fälle veranlaßt werde. StreWgt durch die Pariser Weltausstellug. Von PaulLindenberg. (Nachdruck verboten.) XV. Der spanische Palast. — Monaco. — Schweden. — Griechenland nnd Serbien. — Rumänien. — Die übrigen Pavillons. An Deutschland reiht sich wenn wir weiter wandern, Spanien, das einen prächtigen Palast errichtet hat, der in seinen hellgelb gehaltenen Außenseiten viele bauliche Erinnerungen an die Schöpfungen der Renaissance zu einem gefälligen Ganzen verbindet und an das Schloß des Grafen von Monterey in Salamanca gemahnt. Das Innere mit der säulengettagenen Ehrenyalle und den Nebensälen, deren holzbekleidete Wände mit schönen alten Gobelins bespannt sind, sowie den herrlichen kunstvollen Waffen aus dem Museum in Madrid, wirkt ebenso vornehm wie ansprechend; von großem Interesse sind Kleiduna und Waffengerät Boabdils, des letzten Maurenkönigs, dessen Gedenken in Sage und Dichtung noch heute weiterlebt. Nun folgt Monaco mit einer freundlichen und gefälligen Villa, wie man sie an den Gestaden des' Mittelländischen Meeres erblickt, nur daß hier in die Vorderfront ein trutziger Turm hineingebaut ward, zur Erinnerung daran, daß Monaco einst ein kräfttges Seeräubernest gewesen. Es war nicht vorsichtig, solche Schatten heraufzu- beschwöven? Heute Hausen andere Räuber dort, unerbittlicher, raubgieriger, vernichtender, wie ehemals die Piraten. Was die Villa birgt, ob Tabellen über die jährlichen Selbstmorde in Monte Carlo oder nähere Angaben, wieviel Glück dort jahrein jahraus zur Schande der gesamten Kulturwelt vernichtet wird, kann ich leider nicht verraten — das Thor war stets geschlossen. Aeußerst ansprechend erscheint der Pavillon Schwedens, aus dem ein von mehreren Türmchen und Gallerieen umgebener, luftiger Turm aufsteigt, der ebenso lexcht geformt ist wie der ganze nur aus Holz bestehende übermütige Bau, dessen bunte Verzierungen, Fahnen und Wimpel so recht zu seiner flotten Gestaltung passen. Iw ihren kleidsam-farbigen Trachten sind im Inneren mehrere niedliche Schwedinnen mit Spitzklöppeln ünd Sticken beschäftigt, in reicher Weise ist sodann die vielfache Verwendung des Holzes veranschaulicht, ünd mehrere Dioramew schildern die Naturschönheiten Schwedens im salben Glanz der hellen Sommernächte. Emst, fast tmtzig schaut der Pavillon Griechenlands drein, mit seinen Kuppeln und seinem kreuzförmigen Bau einer Kirche in byzanttnischem Sttl gleichend. Daß Kunst und Kunsthandwerke auch im heuttgen Griechenland aufmerksame Pflege finden, beweisen die reichhaltigen und sorgfälttg zusammengestellten Ausstellungen, unter den Gemälden herrscht die moderne französische Richtung vor; an eine große Vergangenheit erinnern die aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. stammenden Goldfünde von Mycenae mit Krügen, Schüsseln, Schmucksachen und der goldenen Gesichtsmaske eines Königs, die dem sogenannten Grabe des Agamemnon entnommen wurde. Wenn das heutige Griechenland sich auch gehörig, nicht gerade zu seinem Vorteil gegen das frühere geändert hat, der Wein ist ihm doch geblieben, und von ihm und seiner Bedeutung für Land und Volk kündet mancher Teil in diesem Bau. Den langen Reigen der Bauten längs der Seine schließt Serbiens Pavillon ab, gleichfalls in byzantinischem Kirchensttl gehalten, von ernsten, dabei doch einnehmenden Formen. Schmucksachen in Gold- und Silber-Filigran, leichte Gewebe, Sttckereien, Kostüme, Teppiche, Waffen, Tabak, alles in dekorattvem Aufbau, bilden den Inhalt. Hinter diesen, ihre Fronten dem Strome zukehrenden Pavillons erstreckt sich eine zweite Reihe von Bauten anderer Nationen, getrennt von den ersteren durch eine schattige Allee, die gern Hu Promenaden benutzt wird. In sie von dem Serbischen Pavillon einbiegend, stoßen wir zunächst auf den großarttg angelegten und mit hingebender Sorgfalt ausgeführten Palast Rumäniens, der mit seiner Hauptkuppel und seinen beiden seitlichen Glockentürmen, den bunten und gewählten Außenverzierungen, dem umfassenden und doch! dem Ganzen würdig angepaßten dekorativen Beiwerk den Stil der rumänischen Kirchen- bauteü des 16. und 17. Jahrhunderts vortrefflich verkörpert. Beim Einttitt öffnet sich eine mächtige, von hohen Säulen! (getragene Halle, die rechts und links von weiten Sälen begrenzt wird, während eine breite, mit Fahnen und Teppichen verzierte Treppe zu dem oberen Stockwerk führt. Die Ausstellungsgegenstände sind ungemein mannigfaltig und zeigen, auf wievielen Gebieten das junge Reich unter der thatkräfttgen, auspornenden Führung seines Hohenzollern-Königs überraschend Tüchtiges und Wert- vollles leistet, namentlich in industrieller, landwirtschaftlicher und militärischer Hinsicht; 'aber auch das Kunstgewerbe, Schulwesen, Buchhandel und Wissenschaften kommen voll zu ihrem Recht neben Wohlfahrtspflege und dem Ausbau der Eisenbahnen wie Hafenanlagen. Die Schätze, die der mmänische Boden birgt: Metalle, Salz, Kohlen, Petroleum rc., lernen wir in ihrer Gewinnung und Verwertung kennen; neben kostbaren altertümlichen Kirchengeräten in Gold und Silber sind neue schönheitsvolle Erzeugnisse der sehr gepflegten rumänischen Gold- und Silberschmiedekunst ausgestellt, und die hohe künstlerische Begabung der Königin von Rumänien tritt uns in feinem von ihr geschiebenen und meisterhaft illustrierten Evan- gelienbuche entgegen. Der junge Staat hat sich! die Ausstellung viel kosten lassen, aber sie wird gute Früchte tragen, sieht man doch welchen ernsten Anteil das kraft- reiche Land am friedlichen Wettkampfe der Völker nimmt. Sehr bescheiden tritt in engster Nachbarschaft Bulgarien auf, das in seinem hallenartigen Bau sich haupt- sächllich auf eine Ausstellung der Weine, Teppiche, Rosenessenzen beschränkte neben der Vertretung einzelner Ministerien. Bulgarien beteiligt sich übrigens zum ersten Male an einer Weltausstellung, und in Anbetracht dessen verdienen seine Anstrengungen und Opfer volle Anerkennung. Zierliche und originell mit feinem auf massivem Unterbau sich erhebenden Holzgestell aus Tannenstämmen erscheint der Paillon Finlands mit Ausstellungen deS Forst- und Minenwesens, der Schulen, des Wegebaues; elegant, im einfacheren Sttl (der Spät-Renaissance tritt uns in jener Luxemburg entgegen, der Einzelteilen des alten Luxemburger Rathauses, heute Großherzoglichen Palais, nachgebildet ist. Jndusttielle, landwirtschaftliche und kunstgewerbliche Ausstellungen füllen die fteundlichen inneren Räume aus; einen breiten Platz nimmt das Schulwesen ein. Persien folgt mit einem schlichten Pavillon, der desto herrlichere Teppiche und Waffen, in Art von Bazaren ausgestellt, enthält, dann Portugal mit einem außen wie innen Fischerei und Schiffswesen erkörpernden schmächtigen Bau, hierauf Peru mit einem nur ans Eisen und Stein errichteten, einfachen Gebäude, das auch innen Nichts Merkwürdiges bietet, und endlich' Dänemark mit einem! kiBenswürdigett Lcndhäuschen, wie es sW Wit Vnklängett an die Bauart des 17. Jahrhunderts, wohlhabende Bürger gern in den Waldungen und an der See errichten. Slurfji die holzgetäfelten Zimmer innen sind traulich und behaglich; im Geschmack der Altvordern ausgestattet, laden sie, was auch ihr Zweck ist, zum Verweilen ein, und gern ruht man sich yier von der langen und ermüdenden, auf Schritt und Tritt neues bietenden Wanderung durch die Mraße der Nattonen aus! Landwirtschaftliches. Die landwirtschaftliche Ausstellung zu Marlmrg. In landwirtschaftlichen Kreisen ist man schon vor Jahren zu der Erkenntnis gelangt, daß unsere heimischen Rindviehschlägeinfolge der Einführung ftemder, insbesondere der Schweizer-Raffen teils sehr verdrängt, teils durch die naturgemäß entstandenen Kreuzungen erheblich beeinträchtigt worden find. Hierunter hat namentlich das „Vogelsberger Rind", das gegenüber dem von auswätts eingebrachten Rindvieh für viele Gegenden unserer engeren Heimat und gerade für unsere kleinbäuerlichen Verhältnisse aus den verschiedensten Gründen nicht zu unterschätzende Vorzüge hat, sehr gelitten. Das Bestreben unserer Landwirte, die zum teil entarteten heimischen Rindviehschläge durch besondere Aufmerksamkeit in der Aufzucht zu bessern, ist daher sehr berechtigt uüd erfreulich. Um aber einmütig und erfolgreich diese Bestrebungen durchzuführen, gründete fich auf Anregung einflußreicher und um die Landwirtschaft verdienter Berwaltungsbeamten und angesehener Landwirte vor längerer Zeit ein .Verband der Heerdbuchgesellschaften für das Vogelsberger Rind", deren Mitglieder es sich zur Pflicht gemacht haben, gerade das Vogelsberger Rind durch rationelle Aufzucht und Zuchtwahl in seinen guten Eigenschaften wieder zu heben und zu vervollkommnen. Der Verband hält satzungsgemäß in jedem zweiten Jahre eine Ausstellung ab, um den praktischen Landwirten sowohl, als auch dem sich für die Sache interessierenden Publikum und allen Beteiligten die erzielten Erfolge vor Auge zu führen und damit zugleich den Beweis zu liefern, wie durch eine verständige Wirtschaft auch unsere heimischen Schläge auf eine höhere Stufe gebracht werden können, die in erster Linie den Züchtern, dann aber auch allen mit der Landwirtschaft in Verbindung stehenden Personen zu Gute kommen muß. Daß, ganz abgesehen von der darin wurzelnden Bethätigung vaterländischer Gesinnung, auch der weitaus größte Teil des Publikums einem solchen Unternehmen, mit Rücksicht auf den außerordentlich entwickelten und stetig zunehmenden Konsum von wirtschaftlichen Produkten aus der Rindviehzucht, sehr sympathisch gegenüber steht, leuchtet wohl ohne weiteres ein. Der Verband besteht z. Z. aus den in den preußischen Kreisen Biedenkopf, Brilon (Amt Hallenberg), Dillenburg, Frankenberg, Kirchhain, Marburg, Siegen, Wetzlar, sowie aus den in den hessischen Kreisen Gießen und Schotten (Provinz Oberhessen), domizilierten Heerdbuchgesellschaften. Die erste Verbands-Ausstellung fand im Jahre 1898 in Gießen statt. Die zweite soll nun am 14., 15. und 16. Juli d. I. in Marburg abgehalten werden. Gleichwie die erste wird auch die zweite Ausstellung eines erfreulichen Erfolges sicher sein dürfen. Die denkbar größten Vorbereitungen und die außerordenllich reiche Beschickung mit wertvollen Objekten bieten hierfür die Unterlage. Hohe Staats- und anderweit gestiftete Preise für die besten Tiere, eine Ausstellung von landwirtschaftlichen Geräten, Verlosung von ausgesuchtestem Vieh unterstützen die vornehme Aufgabe Die Staats- und städtischen Verwaltungen, Civil- und Militärbehörden bringen dem Unternehmen das höchste Interesse entgegen. Mit der Ausstellung ist ein landwirtschaftliches Fest in echt volkstümlicher Weise verbunden, an dem sich alle Kreise und alle Stände in Stadt und Land beteiligen. Der Festplatz, der sogen. Kämpfrasen, an den sich die Ausstellungshallen und das von der Garnisonverwaltung bereitwillig zur Verfügung gestellte große Exerzierhaus (zur Aufnahme der Geräte-Ausstellung) anschließen, liegt in unmittelbarer Nähe der Stadt Für seine Herrichtung und festliche Ausgestaltung sind große Vorbereitungen getroffen worben. Dabei sind die Eintrittspreise absichtlich so äußerst niedrig gestellt, daß es jedem, auch dem Minderbemittelten, ermöglicht wird, an den Festlichkeiten teilzunehmen. Besonders aber wird eS Landwirte interessieren, zu erfahren, daß mit der Ausstellung des Verbandes ein Z u ch t v i e h m a r k t, offen für Vogelsberger Rindvieh-Rasse, am Montag dem 16. Juli von vormittags 6 Uhr abgehalten werden wird, der allen Züchtern, ob Käufer oder Verkäufer, große Vorteile bieten wird. Das Ausstellungs-Komitee wird hierbei den Beschickern des Marktes in jeder Weise entgegenkommen, und ihnen behilflich sein. Von den Marktobjekten werden zur Verlosung für etwa 7000 Mk. angekauft werden. Jede nähere Auskunft erteilt auf Anftage gerne der Vorstand des Ausstellungs-Komitees, Rentner Holly-Marburg. So muß das Fest, Alles in Allem, einen den erheblichen Aufwendungen des Komitees an Mühe, Zeit und Kosten entsprechenden, würdigen Verlauf nehmen, wenn der Himmel ein Einsehen hat. Kriefkasten der Redaktion. Der, Herrn Einsender in Wirtschaftsbetriebsangelegen- hriten bitten wir, feinen Namen uns zu nennen. Wir können unter keinen Umständen anonyme Zusendungen berücksichtigen, müffen vielmehr streng darauf halten, daß jeder Einsender bei Anfragen an die Redaktion uns seinen Namen bekannt gibt. Der Name bürgt uns für den Inhalt des Eingesandts. Selbstverständlich bewahrt die Redaktion volles Stillschweigen über die Person jedes Einsenders. — Auch anonyme Briefkastenanfragen müffen aus erheblichen Gründen unberücksichtigt bleiben. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener Werkstätte. Gießen, Airchenplatz y. 718 Sk Grosser JuVetitiir-ÄtisVerlM M Vom 15* Juli bis 4. August findet in meinem MW- mi> Krmt-AisstMmgg.GesihSst nn großer Inventur-Ausverkauf statt. Die Preise sämtlicher Waren sind während dieser Zeit bedeutend reduziert. 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