Ausland. Paris, 11. Juni. Den Blättern zufolge verlautet, daß derKönigvonJtalien, sowie der Prinz von Neckpel Anfang Juli zum Besuch der Weltausstellung nach Paris kommen werden. — Regierungskreise versichern, daß der Zwischen- fall zwischen deutschen und französischen Pilgern in der PeterSkirche zu Rom keinerlei diplomatische Erörterungen zur Folge haben werde. Rom. 11. Ium. Der Papst ist durch den gestrigen Kirchenbesuch derartig geschwächt, daß der Leibarzt Dr. Lapponi die größte Ruhe anbcfohlen hat. Rom, 11. Juni. Gestern haben die Stichwahlen zur Deputiertenkammer stattgefunden. Die Ministeriellen erhielten achtzehn, die konstitutionelle Opposition zwölf, die Sozialisten vier, die Radikaler» hrei Stimmen und die Republikaner eine Stimme. Mit der Lr>^ ehemaligen Universitätsprofessors Circottr der erste Sozialist seinen Einzug in Neapel. Die Sozias, die vor den Wahlen 15 Sitze in der Kammer hattrn, kehren mit 32 zurück. . Leoben, 11. Juni. In Eisenerz fanden gestern bei der Feier des Barbarafestes aus bisher nicht festgestellter Veranlassung größere Ausschreitungen statt. Die Gendarmerie schritt ein und machte von der Waffe Gebrauch, als sie mit Steinen beworfen wurde. Es werden zwei Arbeiter getötet und drei schwer verletzt. Drei Gendarmen wurden leicht verwundet. Die Wirren in China. Die Nachrichten über die Wirren in China sind zurzeit noch wenig übersichtlich und ermöglichen noch kein zuverlässiges Urteil. Die Unterdrückung des Aufstandes würde ihren örtlichen Charakter verlieren, wenn sie den Anlaß geben konnte, zu einem Zankapfel um die Oberherrschaft in China oder um größere Provinzen des chinesischen Reiches zwischen den verschiedenen Großmächten zu werden. In dieser Hinsicht hat namentlich ein großer Teil der englischen Presse einen hohen Grad von nervösem Mißtrauen zumal gegenüber den russischen Absichten an den Tag gelegt. Das ist bei den ns. > | iulage.* \ i auerei GS l ;hocolade ] Getränke * '«w ml en. li: Mert ll6> Klint Will* Tn Kümmel netadt rni C. Krausse, Eintritt 75 kh "ml trieft“ MM . beeehbv. V Sirtttlyt; j liuibiiTfl 11 I tib lkarz-Wanu iWj Mtz von 10 Hl K U Bl. richt. een b'-b^Ltssr^ Tahrr^ b iwäf* 1 efert unter er Beließ 0 U Nr. 135 Erstes Blatt. AUttwoch den 13. Juni 1900 Gießener Anzeiger Heneral-Nnzeiger 53ejaiQ5preU vierteljährl. Mk. 2M monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Adholestetl« vieneljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2.40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen'BermittlungSstellev bt« In« und Au-kanbei nehmm Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auSwärtS 20 Pfg. chrfcheinl ItgNch ■it Ausnahme dcS Montag«. Die Gießener »erden dem Anzeiger hn Wechsel mit ^Heff. Sandwirt" x. ^Blätter Mr he». Volkskunde" »schtl. 4 »al deigelrgt. Hinnahme »an Anzeigen zu der nachmMagS für de» solßendm Lag erscheinender. Nummer bis vorm. 10 Uhr. AddesteLungen spätesten« abend« vorher. Amts- und Anzeigeblatt fAv den Areis Gietzen. WiHIHh, Expedition und Druckerei: -chntstraße Nr. 7. Grattsbeüage«: Gießener FamMendlätter, Der hessische Kandwirt, Kälter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger KttKev. Fernsprecher Nr. 51. Politische Tagesschau. Mbert Träger feiert heute, am 12. Juni, seinen 70. Geburtstag. Nächst LangerhanS und Virchow ist Träger der Senior der parlamentarischen freisinnigen Volkspartei. In Augsburg wurde Albert Träger geboren. Sein Vater war dort bei der Redaktion des „Ausland- angestellt. Ader schon im 8. Lebensjahre des Dichters siedelten die Ettern nach Naumburg über. In Halle und Leipzig widmete sich Träger Dem Studium der Rechtswissenschaften. 1857 wurde Träger GerichtSaffeffor, 1862 ließ er sich in dem thüringischen Städtchen Cölleda als Rechtsanwalt und Notar nieder. 1874 sandte ihn der Wahlkreis Gera in dm Reichstag, 1880 wurde er in Berlin gewählt. Nachdem er diesen Kreis bis 1884 vertreten hatte, entsandte ihn 1884 de» Wahlkreis Grünberg-Freystadt in den Reichstag. Seit 1887 vertrat Träger den 2. oldenburgischen Wahlkreis Barel. In das preußische Abgeordnetenhaus wurde Träger 1879 durch die Stadt Frankfurt gewählt. Von 1884 bis 1887 vertrat er den Wahlkreis Hamm-Soest, feit 1892 den 1. Berliner Wahlkreis. 1875 hatte Träger seinen Wohnsitz öoh Cölleda nach Nordhausen, 1891 von Nordhausen nach Berlin verlegt. Weit über die politischen Kreise hinaus ist Albert Träger bekannt geworden durch seine lyrischen Gedichte. — Wie man uns mitteilt, hat der Freisinnige Verein Gießen dem Jubilar herzliche Glückwünsche zugehen laffen. Der Krieg in Südafrika. Noch immer liegt keine Nachricht von Lord Roberts vor, also wird der bei Roodewal von den Buren abgeschnittene Telegraph noch nicht wiederhergestellt fein. Nie zu erwarten war, haben die Buren nicht nur den Telegraphen, sondern auch die Eisenbahn durchschnitten, und zwar soll die Strecke von Roodewal südwestlich bis America, die zweite Station vor Kronstadt, in einer Länge von 32 Kilometern gründlich zerstört sein. Daß General Forestier- Walker dies als den Bericht Eingeborener meldete, ist em Zeichen, daß bis zum 10. ds. die von Bloemfontein abge- sandten Truppen seltsamerweise noch nicht an dem Schauplatze des Anschlags auf die Rückzugslinie des Marschalls Roberts eingetroffen waren oder doch noch keinen Bericht erstattet hatten. Die Unterbrechung der Bahnlinie Pretoria- Bloemfontein Capstadt macht für General Buller die Aufgabe, nun die Bahn Johannesburg-Volksrust-Durban zu eröffnen und für das Hauptheer eine zweite Zufuhrlinie zugänglich zu machen, doppelt dringlich. Er hat zu dem Ende von Westen her den rechten Flügel der bei Laingsnek, dem Bergrücken, durch den der von den Buren verschüttete Eisen- dahntunnel führt, verschanzten Buren umgangen und meldete om 10., der Feind habe sich 40 Kilometer nach Nordwesten zurückgezogen. Ob nun LaingSnek vollständig vom Gegner gesäubert ist, sodaß die Ingenieure schleunigst mit den Aufräurnungsarbeiten beginnen und die Linie wiederherstellen können, erfahren wir nicht. Man könnte nach dem Wortlaut jener Buller'schen Meldung annehmen, daß die Buren den Laingsnek freigegeben und an der Bahn nach Standerton-Johannesburg zurückgegangen seien. Aber über die Bewegungen Bullers liegt noch die folgende Reuter- Meldung aus Gansvlei vom 10. Suni üor. Seneral Bullers Streitmacht hat eine nordöstliche Richt- una einaeschlagen und nahe au der Grenze von Transvaal und dem Oraniefreistaat em Lager biogen Nachdem die Truppen 13 Kilometer marschiert waren, stießen sie auf Widerstand, jedoch zogen bie Suren sich zurück, als die britische schwere Artillerie m Tätigkeit trat Später leistete der Feind abermals Widerstand an einem Bergrücken vor Gansvlei.- — Der NanSvlei ist ein Quellfluß des Klipriver und fließt in. westlicher Richtung in der Höhe des Laingsnek von den Drakensbergen ab. Vermutlich sind also diese von Reuter erwähnten Gefechte dieselben, von denen Buller in seiner Meldung redet, sodaß es sich immer noch um die vorbereitenden Bewegungen zum Laingsnek handelt, zumal die Marschrichtung Bullers nach Nordosten geht Uebn- aen8 würde General Buller sicherlich nicht versäumt haben, ausdrücklich davon Kunde zu geben, wenn es ihm gelungen Mre, den Engweg über den Laingsnek zu offnen. Eine Depesche Bullers aus seinem Hauptquartier in Katal vom 10. d. M. meldet: Die britischen «Streit» fräfte haben sich in der vergangenen Nacht am Älip- rüver beim Zusammenfluß mit dem GanSvlei konzentriert. Wir kamen bei dem dortigen Paffe einer etwa 3000 Mann starken feindlichen Abteilung zuvor, welche die Absicht gehabt haben dürfte, denselben zu besetzen. Dieselbe zog sich, obald unsere schweren Geschütze das Feuer eröffneten, zurück. Die leichten südafrikanischen Reiter und die zweite Kavalleriebrigade hatten während der Sicherung unserer linken Flanke ein scharfes Gefecht. Unsere Verluste betragen etwa 6 Todte und 7 Verwundete. Am 7. Juni hat bei Roodewal ein Kampf stattgefunden. Das 4. Bataillon des Derbyschire - Re? giments hatte 17 Tote, darunter 2 Offiziere, und 76 Verwundete, darunter 5 Offiziere. Der Rest ist gegangen genommen worden. Da die Unterbrechung der Bähnlinie bei Roodewal vermutlich schon am 5. oder 6. Juni erfolgte^ so handelt es sich hier wahrscheinlich um einen neuen Unfall, der ein Etappenbataillon betraf, das auf die Kunde von dem Anschlag gegen die Bahn herbeieilte, aber der burischen Uebermacht erlag. — Lord Methuen hatte am 8. ds. 16 Kilometer südlich von Hei l b r o n n ein G ef ech ti zu bestehen. Aus Lourenco Marques dringen Gerüchte Yon einem, Hand st reich gegen Komati Port herüber. Die Brücke wäre jedoch erhalten worden. General Carrington marschiert mit seinen Truppen in Eilmärschen nach dem Süden. Aus Lourenco Mar-^ ques wird telegraphiert, daß die britischen Truppen in’ Bremersdorp (Swaziland), 80 englische Meilen von Macha- dodorp entfernt stehen, und wilde Gerüchte zirkulieren von einer SchlachtbeiMachadodorP mit unglücklichem Ausgang für die Buren. Piet Grobler, der Untersekretär des Auswärtigen in Transvaal, und ^ack- heer Sandberg, der militärische Sekretär General Bothas, sollen in Lourenco Marques mit einer beträchtlichen Menge Barrengold eingetroffen sein. Es soll in ihrer Umgebung erklärt worden sein, daß der Krieg noch drei bis fünf Monate dauern werde. * * Telegramme des Gießener Anzeigers. London, 12. Juni. Die „Central-News" melden vom Botha-Passe vom Samstag: Buller trat ant Freitag den Vormarsch an, um sich des Passes zu bemächtigen. Der Feind leistete nur schwachen Widerstand, und der Paß wurde mit geringen Verlusten besetzt. Die Kavallerie verfolgte die sich zurückziehenden Buren, aber der Feind hatte das Terrain in Brand gesteckt, um den Verfolgern zu entgehen. _ London, 12. Juni. Aus Kapstadt wird gemeldet, daß man dort gestern zweimal die Lokale der Ch artere b Company in Brand zu stecken suchte. . London, 12. Juni. Eine gestern von Rhenoster River eingetroffene unklare amtliche Depesche vom 8. ds. über die Vorgänge bei der Zerstörung der Ei'-sen- bahn durch die Buren bei Roodevaal wird vom Kriegsamt dahin ausgelegt, daß die B u r e n e i n ganz e s . Bataillvn des 4. Derbyshire-Regiments bis auf! 6 Wann gefangen nahmen. Auf englischer Seite blieben zwei Offiziere tot /und 7 verwundet. — Offiziell wird aus Bloemfontein vom Sonntag gemeldet: Lord Methuen mit dem größeren Teile seiner Truppen befand sich heute früh im Gefecht 10 Meilen südlich von Heilbronn, wo General Colville sich mit der Hochländer^Brigade befand. Methuen verließ Lindley am 5. b& Mst Vorräten für sich selbst und General Colville. Er ließ den Oberst Paget mit genügenden Streitkräften in Lindley zurück. General Kelly Kenny hatabe ihn wirklich aufrichtig bewundert. Roberts habe seinem Lande unschätzbare Dienste geleistet. Auf die Entgegnung Sullivans, daß nächst Roberts der Kaiser England in schwerer Zeit einen großen Dienst erwiesen habe, und daß man in England sehr wohl wisse, wie sehr man dem Kaiser zu Dank verpflichtet ist, gab der Kaiser seiner Freude Ausdruck, daß man in England seine freundlichen Gefühle kenne und ie zu würdigen wisse, und sagte schließlich, daß er vielleicht nach Aowes komme. Der Kaiser überreichte dem Kom- wnisten ein Etui mit Manschetten knöpfen aus Brillanten. — Der Statthalter von Elsaß-Lothringen, Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, hat sich in Begleitung jtzes Prinzen und der Prinzessin von Reuß von Straßburg aus zum Besuch der Weltausstellung nach Paris begeben. Der Erbprinz und die Erbprinzessin zu HolMlohe sind bereits vor einigen Tagen direkt von langenbura aus nach Paris vorausgefahren. Der Aufenthalt daselbst ist auf mehrere Wochen berechnet. — Die „N o r d d. A l l g. Z t g." weist mit Entschiedenheit den Vorwurf zurück, daß die an der Konitzer Angelegenheit beteiligten Beamten voreingenommen und von d em Wunsche geleitet gewesen seien, gewisse Bevölkerungsklassen zu schonen. Vielmehr sei jedem Verdacht, gleichviel auf welchen Thäter und auf welches Motiv der That er hindeutete, mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln nachgegangen worden. Statt die Behörden zu unterstützen, habe ein erheblicher Teil der Bevölkerung sich durch parteipolitische Agitationen und durch eine skrupellose Thätig- keit gewisser Preßorgane in den Wahn besttmmter Vor-, stellungen zwingen lassen. Infolge dieser Beeinflussungen, die durch Verbreitung zahlreicher unwahrer Behauptungen über die Ergebnisse der Untersuchung gefördert wurden, habe sich in weiten Kreisen die Ueberzeuaung festgesetzt, daß es sich bei dem Konitzer Verbrechen um einen jüdischen Ritualmord handele, obwohl die bisherigen Ermittelungen nichts ergeben haben, was eine s o lche Annahme rechtfertigen könnte. Je schmerzlicher es sein müsse, daß der Urheber der grausigen That noch nicht entdeckt und zur Rechenschaft gezogen ist, umsomehr sollten die beteiligten Bevölkerungstlassen bemüht fein, die Behörden bei der Lösung ihrer schwierigen Aufgabe zu unterstützen. Oberstleutnant von Boehn, die Admirale Tirpitz, Freiherr von Senden und Hollmann, Oberstabsarzt Dr. Jllberg, Kultusminister Studt, Wirklicher Geheimrat Dr. von Lu- canus, Korvettenkapitän Graf Platen. Die Herren vom Vorstand des Regattavereins und Landrat von Stuben- rauch begaben sich an Bord und wurden vom Kaiser be- grnißt. Danach, und nachdem das folgende Rennen im Akademischen Vierer entschieden worden und dem Akade-; mischen Ruderverein Berlin den Wanderpreis des-Kaisers eingetragen hatte, setzte sich die „Alexandria" wieder ist Bewegung und glitt nach dem Start hinüber, von wo aus der Kaiser nunmehr pcrfönlufy den weiteren Rennen nachfolgte. Es war erstaunlich, wie schnell die Ruderer gewußt hatten, sich! aus dem Sportkostüm heraus in die hoffähige Toilette zu werfen, um in Würden vor dem Sorgen, mit denen man in England der Beendigung des Transvaalkrieges entgegenschaut, begreiflich. Gleichwohl werden alle beteiligten Großmächte sich darüber klar sein, daß nur die volle Einigkeit zum Ziele führt und daß jeder Versuch, eigennützige Sonderinteressen geltend zu machen, die unliebsamsten Früchte zeitigen würde. Wenn ein Teil der englischen Presse einen besonders lebhaften Argwohn gegenüber der russischen auswärtigen Politik hegt, so verkennen diese Blätter vollständig die Ziele dieser Politik. Rußland hat von vornherein keinen Zweifel darüber gelassen, daß es nicht gewillt war, in Ostasien die schweren Verlegenheiten auszunützen, in die England durch die unglückliche Kriegsführung während der ersten Monate des Transvaalkrieges versetzt war. Die Gründe, die Rußland zu dieser zurückhaltenden Politik bestimmt haben, liegen auf der Hand. . Der Zar will keinen Weltkrieg entfesseln, und er weiß, daß jedes gewaltsame Vorgehen in Ostasien weit leichter dazu führen könnte, ihm das Pflücken der Früchte zu erschweren, dre beim ruhigen Ausreisen nach seiner Ueberzeugung ihm von selbst in den Schoß fallen werden. Er hat sich deshalb damit begnügt, seinen Einfluß in Persien und Kleinasien in einer so vorsichtigen Weise zu verstärken, daß dagegen England nicht aufbegehren konnte. Aber im übrigen hat er sich wohl gehütet, Englands Machtentfaltung in Transvaal durch irgend welche militärische Demonstrationen zu stören. Eine römische Meldung, daß die Mächte sich entschlossen hätten, an China ein Ultimatum zu stellen, ist nach der Auffassung leitender Kreise in dieser Form nicht ganz richtig. Bis zur Einigung über ein an China zu stellendes Ultimatum seien die Verhandlungen zwischen den Mächten noch nicht gediehen, doch sei es nicht ausgeschlossen, daß es noch dazu kommt. Vorläufig habe man sich über ein energisches I Kollektiv-Vorgehen der diplomatischen Vertreter in Peking I geeinigt. Der deutsche Kreuzer „Hertha" mit dem Geschwader- I chef Vizeadmiral Bendemann an Bord, sowie der Kreuzer I rtjanfa" trafen am 8. ds. in Tongku ein. Tongku ist die I Endstation der Bahn von Tientsin zur Küste und liegt ein I bls zwei Kilometer am Peiho aufwärts. Die Zahl und Verwegenheit der Boxer nimmt be- I ftattotg zu. Die Straße in Peking, in der die Gesandt- I schäften liegen, ist fortwährend mit Leuten angefüllt, die I Mefcr gefährlichen Sekte angehören. Die Protestanten in I der Methodistenmission haben eine kleine auswärtige Wach- I Mannschaft; man glaubt, daß die Katholiken, falls sie an- I gegriffen werden, guten Widerstand leisten können. In der I öon ben Boxern am 9. Juni niedergebrannten amerikanischen I Missionsanstalt Tungtschouwurden über 40 eingeborene I Christen getötet. Die Londoner Abendblätter melden aus Tientsin, es I verlaute dort gerüchtsweise, daß 4000 Russen bei Peel- I gelandet seien und auf Peking marschierten. I -^vfolge eines Einvernehmens zwischen der russischen Re- I gierung und anderen Mächten erging nach Port Arthur I öer Befehl, 6000 Mann der dortigen Garnison bereit I su halten, die nach Tientsin abgehen sollen, sobald der I russische Gesandte in Peking deren Entsendung verlange I oder die Umstände es erheischen. b) „im Verordnungswege entsprechende Gebührensätze für alle diejenigen Amtsverrichtungen der Bürgermeister festzusetzen, bei welchen es sich im Wesentlichen um die Wahrung eines Staats- oder Privatinteresses handelt" in manchen Kreisen, so auch im Kreise Gießen bis jetzt nichts in dieser Sache geschehen ist, ergeht an Großh. die Anfrage, welche Bergütungssätze in Aussicht genommen, und wie weit die Ausführung jenes Kammerbeschlusses gediehen ist. ** Gastwirte-Bersammlung. In einer am Montagnachmittag im „Hotel Einhorn" unter Vorsitz des Herrn I C. Stein abgehaltenen, sehr zahlreich besuchten Versamm- | hing der Gastwirte Gießens und der Umgebung sprach | Sterbekasse-Direktor C. Reinemer aus Darmstadt über die Bestrebungen des deutschen Gastwirte-VerbandeS. Das Ziel der deutschen Gastwirte, führte Redner aus, müsse eine starkeVereinigung derselben sein, denn die Forderungen, die der Stand in Bezug auf Gesetzgebung, die Besserung der wirtschaftlichen Lage des Wirtestandes zu stellen berechtigt sei, könnten nur erfüllt werden, wenn eine starke Organisation den nötigen Nachdruck gebe. Der Bund der deutschen Gastwirte, dem er (Redner) im Laufe des Winters durch seine Vorträge ca. 1000 neue Mitglieder zugeführt, biete zunächst in der Sterbekasse eine segensreiche Einrichtung; gleich segensreich wirke er auf dem Gebiete des Versicherungswesens (Feuer- und Haftpflichtversicherung), Beffer- stellung des Dienstpersonals durch wohlorganisierte Stellenvermittelung, Heranbildung eines tüchtigen Nachwuchses durch Einrichtung von Fachschulen, Gewährung von Auszeichnungen für langjährige treue Dienste, durch die Fachpresse, besonders den in einer Auflage von 11000 Exemplaren verbreiteten „Gastwirth", den Bundeskalender usw. Von besonderem Jnterefie waren die Ausführungen des Herrn Reinemer über die Haftpflicht der Gastwirte; diese müßten nach den Bestimmungen des bürger- i lichen Gesetzbuchs Ersatz leisten für in ihren Betrieben ab- I Händen gekommene oder beschädigte Wertsachen! der Gäste, für die denselben innerhalb der Gastwirtschaft'zustoßenden Unfälle aller Art, sowie für Schäden, welche die Gäste an etwa eingestellten Pferden erleiden. Deßhalb sei es ein Gebot der Vorsicht, daß sich die Gastwirte nach dieser Seite hin versicherten. — Auch eine geordnete Buchführung sollten sich die Wirte angelegen sein lassen, um jederzeit über ihre Verhältnisse unterrichtet zu sein; der Anschluß an die Vereins-Spar- und Darlehnskafie sei den Wirten besonders ^ipfohlen. — Der gegenwärtig 25000 Mitglieder zählende Bund zahlt zu seinen Aufgaben auf dem Gebiete I O Der Verein zur Züchtung reiner Hnuderaffeu hat in seiner kürzlich abgehaltenen General-Versammlung zum ersten Vorsitzenden den Büchsenmacher Aug. Dikorö gewählt, ferner folgende Herren zu Vorstandsmitgliedern: Tierarzt Seid er er, Kaufmann Louis Benner, Metzger- meister Fritz Schreiner, Uhrmacher Stoever, oand. ▼et. med. Maus, Bauunternehmer Alb. Rübsamen, Förster Roggen dorf. Niederbiel, Oekonom A. W. Paul- SelterS a. d. L. und Lehrer EiSfelder-Steinbach. Die Versammlung regte an, zum Herbste ein Preisschliefen, und Feldjagdfuchen zu veranstalten. ** Rudersport. Herr Albert Rübsamen, der bekanntlich vor kurzem bei der Kaiserregatta in Biebrich durch außergewöhnliche Ueberlegenheit gegen sechs Mitbewerber geradezu überraschte und den Ehrenpreis der Stadt Biebrich für unsere hiesige Rudergesellschaft errang, hatte abermals auf der großen Berliner Regatta einen vollen Erfolg. Wie wir bereits gestern kurz berichteten, siegte er glänzend im Rennen um die Meisterschaft von Deutschland gegen fünf Mitbewerber aus Berlin, Stettin, Hannover, Leipzig und Danzig. Er hat damit eine hervorragende Ueberlegenheit bewiesen, in Biebrich gegenüber sechs Konkurrenten aus Süd- und Westdeutschland, und in Berlin gegenüber fünf solchen aus Norddeutschland, und kann mit Recht stolz fern der Gesetzgebung den Erlaß einer neuen »ichordnuna bi- sonders inbezug auf Faßaiche, Beranlwortlichkeü der Gla sabnken für richtige Glaseraichung, Siegelung des K°n,°! sionswesens behufs F-rnhaltung solcher Elemente bi* Bauspekulanten und Brauereien dem Gastwirtttand führt, denselben nicht nur wirtschaftlich schädigen sondern auch in ihrer GeschäftSgebahrung der Völlerei und Unlltt hchkeit Vorschub leisten. Redner besprach sodann einaebpnd die Schäden, welche dem Gastwirtstande durch ben besteuerten Flaschenbierhandel und die mit verdecktem Aus- schank verbundene Privat-Kostgeberei zugefügt werden, wendete sich scharf gegen die unlautere Konkurrenz bezüglich bn- Speisewirte, ferner die Art und Weise, wie in manchen Gemeinden die einer einheitlichen Regelung dringend bedürftigen Bestimmungen über die Feierabendstunde gehand- I h?bt werden ; als weitere berechtigte Forderung stellt Redner I 9in: die Reinigung der Bierpressionen durch geeignete Personen auf Gemeindekosten, die Beseitigung der Ungleichheit I ,n der Stempelabgabe für Tanzerlaubnis und der noch- I maligen Entrichtung des KonzessionSftempelS bei Ucbcrqano einer Wirtschaft auf die Wittwe oder Kinder eines verstorbenen Gastwirts, die Abschaffung der die Gajl- I wirte und die Industrie gleichschwer schädigenden «mo. I malen- und Klaviersteuer. Angesichts der auf allen I mit Erfolg angeftrebien Preiserhöhung für I Rohprodukte und Fabrikate, der Steigerung der Ähne nnd I Beamtengehälter, der Steuern und Lasten der sozialpolitischen I Gesetzgebung, der gesteigerten Mietpreise usw., sei es zu | beklagen, daß die Gastwirte sich noch nicht zu einer an- I gemessenen Erhöhung ihrer Speisen- und Getränkepreise I entschließen konnten. Er sei überzeugt, daß in dieser Beziehung auch in Gießen viel zu wünschen übrig bleibe; er I brauche nur auf den Versuch, Einheitlichkeit in den Bierpreisen I herbeizuführen, hinzuweisen. Herr Steinerner appellierte I unter Hinweis auf die angeführten und eine Reihe anderer I Mißstände an das StandeSgefühl der Gastwirte, und for- I derte diejenigen Gastwirte, welche dem Bunde noch nicht I angehörten, zum Beitritt auf. Die Aufforderung hatte den Erfolg, daß sich eine größere Anzahl Nichtmitglieder ein- I zeichneten. — Im Laufe des Vortrages war Herr Provinzial I birektor v. Bechtold erschienen, welcher auf die Begrüßung I aes Herrn Reinemer antwortete, daß er der Einladung zur I Versammlung gern gefolgt sei, und derselben guten Erfolg wünsche. — Nach einer kurzen Pause ging Herr Steinerner zum zweiten Teile seines Vortrages, die Bundes-Sterbe- lasse, über. In ausführlicher Weise schilderte Redner die Grundlagen und das segensreiche Wirken dieses Instituts. Die Kaffe wurde 1893 gegründet mit zirka achthundert | Mitgliedern, welche Zahl inzwischen auf ca. 8000 gestiegen ift. Dieses enorme Wachstum kann wohl als ein Beweis der Notwendigkeit der Kaffe und des Vertrauens, welches dieselbe genießt, angesehen werden. Mehr als 1 100 000 Mark wurden für den edlen Zweck, Not am Sarge der Ernährer fernzuhalten von der Kaffe an Wittwen und Waisen verstorbener Mitglieder ausbezahlt, wodurch sicherlich vielen geholfen wurde. Der Reservefond beträgt mehr als 550 000 Mark; derselbe ist denkbar sicher angelegt. Die Verwaltungskosten find niedrig, da alle kostspieligen Einrichtungen vermieden werden. Infolge ihrer segensreichen Wirksamkeit und guten Verwaltung genießt die Kasse Ansehen bei Behörden und Publikum, welchem in Worten der Anerkennung schon so oftmals Ausdruck gegeben wurde, wie auch die Regierung dem Institut die Rechte einer juristischen Person verliehen hat. DaS Sterbegeld von 500 Mk. bis 3000 Mk. gelangt in ein paar Stunden zur Auszahlung — auch bei Selbstmord und im Kriegsfall (in Gießen wurden feit Bestehen der Kaffe allein ca. 30000 Mk. auSgezahlt). Ein weiterer Vorzug besteht darin, daß das Sterbegeld unpfändbar ist, wodurch auch bei Schicksalsfällen dasselbe den Witwen und Waisen erhalten bleibt. Nachdem der Herr Referent noch darauf hingewiesen, daß kaum ein -weites Gewerbe so schwer um seine Existenz kämpfen müsse und soviel Schicksalsfällen unterworfen sei, wie das Wirtsgewerbe, und daher um so mehr die ernste Verpflichtung vorliege, fich an solchen humanen Bestrebungen zu beteiligen, schloß er mit einem warmen Appell an die Anwesenden, nicht zu zögern und, wie es die Tausende ihrer Beruss- genossen zum Besten ihrer Angehörigen gethan, der Kaffe beizutreten. Dem Vortragenden wurde reicher Beifall zu Teil und meldeten sofort mehrere Anwesende ihren Beitritt an. Den nichtanwesend gewesenen Wirten diene zur Kenntnisnahme, daß der Ortsrechner für den hiesigen Bezirk, Gastwirt M. Jaskowsky von Gießen, noch Anmeldungen entgegen nimmt. Kaiser zu erscheinen und zu bestehen. Der Kaiser richtete an jeden ein freundliches Wort, zeichnete jeden der Sieger durch kräftigen .Handschlag aus. Einen der Studenten, der augenblicklich z-u den Hebungen eingezogen, in der Vizefeldwebeluniform des Zwölften Infanterieregiments, stramm grüßend vor ihn getreten war, zeichnete der Kaiser besonders aus und meinte scherzend zu ihm: „Ein Glück, daß Sie nicht in Uniform zu rudern brauchten! Die hätten Sie sonst schön durchgeschwitzt!" Gegen dreiviertelsechs Uhr verließ die „Alexandria" ihren Ankerplatz und dampfte Berlin zu. Albert Rübsamen von der Gießener Ruder- Gesellschaft errang sich die Meisterschaft von Deutschland im Einer nach äußerst hartnäckigem Endkampf. Das genaue Resultat des Rennens um die Einer- Meisterschaft von De u t s ch l a u d lautet also: Wanderpreis, gegeben vom Deutschen Ruder-Verband. Dem jedesmaligen Sieger ein goldenes Ehrenzeichen. Gießener Rudergesellschaft (Albert Rübsamen. Zeit: 9 Mi nuten 59 Sekunden) 1., „Wiking"-, Berlin 2., Danziger Ruder-Verein 3. (Vorjähriger Gewinner des Meistertitels: Dr. Schultze-Denhard vom Berliner Ruderklub.) Aus Stadt und Land. ** Von der Universität. Nach dem nunmehr im Druck befindlichen Personalverzeichnis der Universität sind im Sommersemester 1900 immatrikuliert: 68 Studierende in der theologischen, 190 in der juristischen, 264 in der medizinischen und 333 in der philosophischen Fakultät, im ganzen also 855. Darunter befinden sich 536 hessische LandeS- kinder, d. i. 62,7 Prozent. •• Vom Landtag. Gutem Vernehmen nach wird der erste Ausschuß der zweiten Kammer der Landstände das Schreiben des Finanzministeriums vom 29. Mai, die Herstellung mehrerer Nebenbahnen betreffend, nicht unerwidert lassen. Infolge Verhinderung einzelner Mitglieder kann aber erst am kommenden Donnerstag eine Sitzung des Ausschusses stattfinden. ** Der Zweiten Kammer der Landstande ging eine Anfrage des Abgeordneten Bähr zu, betreffend die Bureaukosten der Bürgermeister: In Erwägung, daß die zweite Kammer in der 114. Sitzung j vom 7. Juli 1899 folgenden einstimmigen Beschluß faßte: a) „die Kreisämter anzuweisen, dahin zu wirken, daß in den einzelnen Gemeinden, für welche die Landgemeinde- Ordnung gilt, die Bureaukosten der Bürgermeister nach Maßgabe der Arbeitslast, der Kopfzahl und der Steuerleistungsfähigkeit der Einwohner, der Größe der Gemarkung und der Höhe des Gemeindevermögens festgestellt werde." Telegramme deS Gießener Anzeigers. London, 12. Juni. Aus Tientsin wird berichtet, der Kapitän des Kriegsschiffes „Aurora", der die englischen Verteidigungswerke in Tientsin befehligt, requirierte einen vierten Spezialzug, in dem er 230 russische Soldaten mit drei Geschützen, sowie 62 französische mit einem Geschütz nach Peking absandte. Die fremden Truppen befinden sich augenblicklich in Lang-Fang, 50 Meilen von Peking. Es ist zweifelhaft, ob die britischen Truppen früher als heute in Peking eintreffen werden. — Aus Peking wird gemeldet: Ein Missionar, der aus dem Norden Chinas zurückgekehrt ist, berichtet, daß die Bevölkerung dort einstimmig die Ernennung eines neuen Kaisers verlangt. Die chinesischen Handelsleute sind über die Unruhen äußerst aufgeregt und wünschen Wiederherstellung geregelter Zustände. London, 12. Juni. Das Tsung li Damen ist nach einer Pekinger Meldung teilweise umgebildet worden. Ein gemäßigter Chinese und vier MandschuhS find durch fünf konservative Mitglieder ersetzt worden. Wien, 12. Juni. Einem Redakteur der „Neuen Freien Presse" gegenüber äußerte sich der hier eingetroffene österreichische Gesandte in B-ttng über die Situation, daß nach seiner Ansicht dex jetzige Boxer-Ausstand hauptsächlich gegen h«* chinesischen Christen, nicht aber geae” »ce Regierung und die Dynastie und die Euro- «9Cntltel sei- — Nach hier eingegangenen Pekinger Meldungen haben 5000 Russen mit 10 Kanonen den Vor- marsch nach Peking angetreten. Die Kaiserregatta in Griinau. ..weitgedehnte sonnige Wasserfläche. Fahrzeuge, ^wasser rauschen, ruhen verankert am Gestade und sind von einer tausendköpfigen ^^ßE bedeÄ. Ein Theater im Freien bereitet sich vor; ^ange See bei Grunau ist die Riesenbühne, auf der das Schauspiel der Kaiserregatta sich entfalten soll bei vün mitzuwirken die hervorragendsten deutschen Ruder- tlubs am ^>tart erschienen sind. Nm vier Uhr nimmt das erste Rennen seinen Anfang. Nock) ist das FnteEe des i Mblikums nickst hochgespannt, von dem ersten Sieger ab i gleiten die Zuschauer immer wieder nach Norden zu Da plötzlick) Hehl es wie ein Rauschen durch die Menge- schnell -und graziös dampft die „Alexandria" heraus. Bald heben fich die Personen deutlicher ab: die ragende Gestalt des! Kaisers in Admiralsuniform, die weiße Mütze auf dem Haupt, neben ihm zwei Knaben in schneeigem Linnen, die Prinzen August Wilhelm und Oskar; im Kreise die Herren Wm Gefolge: Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg, Hof- warschall Freiherr von Eglofffteiu, General von Mackensen) | einem am 24. Juni in Dieburg fiattfindenden Sänger« Wettstreit, zu dem auch der Großherzog einen Preis in Gestalt eines prachtvollen Pokals gestiftet hat, beteiligen. — Der neugewählte Oberbürgermeister Müller zu Kassel, bisher Oberbürgermeister von Eisenach, hat die königliche Bestätigung für eine 12jährige Amtsdauer erhalten. — Das Schwurgericht in Darmstadt verurteilte die Dorothea Felbinger aus Ober-Rodenbach bei Hanau, zuletzt bedienstet in Kelsterbach, wegen KindeömordeS zu einer Gefängnis- strafe von vier Jahren, unter Annahme mildernder Umstände. Vermischtes. ~ • Absturz m den Bergen. Beim Abstieg vom Felsblock der Frauhitt ist am 10. d. M. der 20jährige Spengler Franz Ortner aus Innsbruck ca. 150 Mtr. abgestürzt. Er wurde furchtbar zerschmettert und blieb sofort tot. Die Leiche wird heute herabgebracht. Der Verunglückte hatte die Partie mit einem Freunde gemacht. — Bekanntlich ist auch der Maler Trapp auS Darmstadt auf der Frauhitt abgestürzt. Gerichtssaal. Vom Reichsgericht freigesproche« wurden der Müllermeister Heinrich Göldner und der Mitangeklagte Lange in Lauterbach, die am 15. März auf Grund von § 66, 4 des Reichsviehseuchengesetzes zu je 5 Mk. Geldstrafe verurteilt worden waren. In L.'s Gehöft war die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, und es war die Gehöftssperre angeordnet worden. Auf Veranlassung L.'s fuhr G., sein Schwager, den Dünger ab. Hierdurch sollen beide Angeklagten die gesetzlichen Vorschriften, die zur Verhinderung der Weiterverbreitung der Seuche er- laffen worden sind, verletzt haben. — Da aus dem Urteil hervorging, daß die Angeklagten sich einfach nach den Angaben des Tierarztes gerichtet haben und ihnen nicht zugemutet werden konnte, daß sie sich erst noch erkundigten, ob der Tierarzt ihnen die richtige Auskunft gegeben habe, so sprach das Reichsgericht die Angeklagten kostenlos frei. auf seinen diesjährigen Meistertitel — von Zwölfen der weitaus Beste! — Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, empfängt dieRudergesellschaft ihren verdienstvollsten Ruderer, dessen Erfolge bereits nach Dutzenden zählen dürften, heute abeud 9 Uhr 15 Min. am Bahnhof und veranstaltet darnach zu Ehren Rübsamens ein Bankett im Hotel „Großherzog von Hessen", das bei der großen Popularität des Genannten wohl die Mehrzahl der Mitglieder vereinigen dürfte. (Vergl. den besonderen Artikel über die Kaiserregatta bei Grünau.) ** Hessische Geschichte. Der gestern von unS erwähnte Antiquariatskatalog, der eine stattliche Anzahl von Werken über hessische Geschichte aufweist, ist von der I. Ricker- schen Universitäts-Buchhandlung herausgegeben worden. Sich, 12. Juni. Das K. Scherff'sche Ehepaar feierte nicht seine silberne, sondern seine „goldene Hochzeit". — Treis a. d. Lumda, 12. Juni. Im Jahre 1875 wurde unter dem Namen „Liederkranz" in hiesiger Gemeinde ein Gesangverein gegründet, der sich auch im gleichen Jahre noch eine Fahne anschaffte. Nächsten Sonntag und Montag feiert dieser Verein sein 25jährigeS Stiftungsfest und zugleich das silberne Fahnenjubi- läum. Die hiesigen Jungfrauen und der Kriegerverein werden gelegentlich dieser Doppelfeier dem Vereine eine prächtige Fahnenschleife widmen. 22 auswärtige Gesangvereine mit über 700 Sängern haben ihre Teilnahme zugesagt. Der festgebende Verein und mit ihm die ganze Gemeinde werden es sich nicht nehmen lassen, allen Festteilnehmern einen freudigen Sängertag zu bereiten. Geräumige Festhallen bieten vielen Gästen Unterkunft. Mainz, 11. Juni. Eine dichte Menschenmenge umstand gestern abend nahezu drei Stunden lang ein Haus in der ParkuSstraße. Dort war ein Einbruch verübt worden. Man hatte den Kassenschrank eines dort wohnenden Rechtsanwalts erbrochen und daraus ca. 4000 Mk. gestohlen. Noch wußte man davon nichts, als das Dienstmädchen in ein Zimmer der zweiten Etage kam, in dem ein fremder Mensch am Schreibtische saß und diesen zu erbrechen versuchte. Das Mädchen hatte die Geistesgegenwart, das Zimmer abzuschließen und um Hilfe zu rufen. Nun ereignete sich aber das Merkwürdige, daß, als man das Zimmer »n Anwesenheit des vom Bahnhofsplatz geholten Schutzmanns aufschloß, der Einbrecher nirgends mehr zu finden war. Das offensteheude Fenster zeigte, welchen Weg der Einbrecher zur Flucht benutzt hatte. Zwei Gendarmen beteiligten sich an der Suche nach dem Flüchtling (der als dunkel gekleideter junger Mann mit Hellem Strohhut geschildert wird), aber man fand ihn nicht mehr. Wie der „Mainzer Anz." erfährt, soll der Einbruch so vorbereitet gewesen sein, daß eiserne Klammern an der Hausmauer angebracht waren, die ein bequemes Ein- und Aussteigen zu den Fenstern ermöglichten. *♦ Kleine Mitteilungen aus Hefieu und' den Nachbarstaaten. Der Gesangverein „Frohsinn" zu Londorf wird sich an Jagd und Sport. O Hunde-ArrSstelluug Marburg. Die Ausstellung von Hunden aller Raffen, die am Sonntag, den 17. Juni zu Marburg auf dem Kämpfrasen stattfindet, wird ca. 500 Nummern aufweisen, wobei alle Klaffen sehr gut besetzt find. Die bedeutendsten Züchter und die ersten Zwinger Deutschlands find bei der Ausstellung vertreten. Auch die Mitglieder des Gießener Vereins haben zahlreich ihre Tiere gemeldet. Die Ausstellung dauert nur 1 Tag und wird morgens 8 Uhr eröffnet. Es wird dann sofort die Vorführung der Tiere zur Prämi- rung vor sich gehen. Nachmittag von 3 Uhr an wird die Jäger-Kapelle in der Ausstellung konzertieren. — Die Marburger haben auch neben ihrer Ausstellung für einen Vergnügungsplatz gesorgt, damit sich jeder nach seinem Geschmack amüsieren kann. Arbeiterbewegung. Berlin, 11. Juni. 2000 Bäckermeister waren heute versammelt, um zur Abmachung vor dem Einigungsamt Stellung zu nehmen. Nach heftiger Debatte wurden alle Punkte bis auf Punkt 6, der den unparteiischen Arbeitsnachweis verlangt, mit großer Majorität abgelehnt. An diesem Punkte werden wahrscheinlich die ganzen Verhandlungen scheitern und der Streik zum Ausbruch kommen. — Oberbürgermeister Kirschner hat es abgelehnt, in dem neuen Streite zwischen den Straßenbahnangestellten und der Direktion Stellung zu nehmen. Er betonte, daß, bevor er in der Lage wäre, irgendwelche Erklärungen abzugeben, er sich über den Stand der Dinge und die Berechtigung ihrer Klagei noch weiter erkundigen müffe. Er fühle sich verpflichtet, auch die andere Partei zu hören; erst so könne er ein Urteil gewinnen, ob und inwieweit gegen die Friedensbedingungen nach Beilegung des Streiks gefehlt worden sei. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch sollen nochmals große Versammlungen stattfinden, um die Lage zu besprechen. St. LouiS (Missouri), 10. Juni. Gestern abend wurde seit Beginn des Streiks zum ersten Male wieder der Versuch gemacht, nach Einbruch der Dunkelheit den Betrieb aufrechtzuhalten. Es kam wieder zu ernsten Unruhen. Die Wagen wurden mit Ziegeln und Steinen beworfen; 4 wurden durch Dynamitbomben zertrümmert. ES besteht keine unmittelbare Aussicht auf Beilegung des Ausstandes, in deffen Verlaufe schon 7 Personen getötet und Dutzende verwundet wurden. Der Schaden, dm der Ausstand bisher hervorgebracht hat, wird auf 20 Millionen Doll, geschätzt. Gestern wurden drei Streikende und ein Bürger getötet. Dutzende wurden verletzt. Die Gefängniffe sind überfüllt. Die Polizei ist seit Samstag unausgesetzt im Dienst. Ferner sind 2500 Hilfssheriffs in Tätigkeit. Universität und Hochschule. — Gestorben: Professor Reinhold Hoppe, Dozent für Mathematik und Philosophie an der Universität Berlin im Alter von 84 Jahren. — Am 8. ds. in Berlin Prof. Dr. Friedrich Schwarzlose im Alter von 69 Jahren. Er hat sich durch seine Studien zum Arabischen einen Namen gemacht. — In Heidelberg Geheimrat Professor Willy Kühne, der Direktor deS physiologischen Instituts. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 12 Juni, zwischen 11 und 12 Uhr mittags: Wasser 17'/,°, Luft 24°. Rübsamen'lche Badeanstalt Ärmste Meldungen. Homburg v. d. H., 12. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin treffen mittelst Sonderzuges heute abend 9 Uhr 15 Min. hier ein. 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Die zum Rohbau des Schul hauseS zu GurkhardSfeldeu erforderlichenArbeitenundLieferungen und zwar: veranschlagt zu Erd-u. Maurerarbeiten 5651,94 Mk Stetnhauerarbeiten 556,51 „ Zimmerarbeiten 1221,65 „ Dachdeckerarbeiten 640,78 „ Spenglerarbeiten 249 34 „ Blitza'oleiteranlage 143,30 „ Schreinerarbeiten 135,28 „ Weißbinderarbeiten 121,49 ,, Schlofferarbeiten - 27,40 „ Eisen-u.Röhrenlieferung 1247,90 „ sollen im W-ge schriftlichen Angebots »ergeben werden. Angebote sind bis Mittwoch den 20. Juui l. Js., vor- mittags 9 Uhr bei Großh. Bürgermeisterei Burkhardsfelden, woselbst Voranschlag, Pläne und Bedingungen uic Einsicht offtrr liegen, einzureichen. Gießen, den 9. Juni 1900. Der Großh. Kreisbauinspektor 4149]Stahl. Vergebung von Vauarbeiteu. Die für die Vergrößerung des Schulhauses zu Kleiu-Liudeu erfforderlichen Arbeiten und Lieferungen Men im Wege schriftlichen Angebot« lichinintiuiu1)uniuii Selranntmachung. Freitag den 15. Juni 1900, nachmittags 3 Uhr, sollen dahier im Hospitale — SelterSweg 11 — Verschiedene Kleidungsstücke, Weißzeug und Mobilien, ein vollständiges Bett, Silber- und Goldsachen meistbietend gegen Barzahlung versteigert werden. Gießen, 11. Juni 1900. Die Armen - Deputation der Stadt Gießen. 4151 Die Möbel- und Bettenfabrik Th. Brück 16 Schlossgasse 16 16 Sehlossgasse 16 8283,10 Mk. eiserne Bettstellen nebst eisernen Matratzen aller Systeme, sowie 4162 Wlanz am 31. Dezember 1899 260 224 97 260 224 97 Gewinn- und Dertustrechnung 1236,54 n § JL 1. 10 750 68 92 2. 833 3. 58 5. 11584 50 1900. Hirz. Philipp. Stahl. Schaefer. 4160 4150] 8 567 831 Effen-u. Röhrenlteferung 1659,95 Gießen, den 12. Juni 1900. 3. 4. 1534,78 1695,60 868,57 391,76 264,50 132 50 349,95 105,68 71 11 1068,33 2384,96 1044,12 311,90 95,00 471,20 175,00 115,78 1. 2. 620 wie folgt veranschlagt: Erd- u. Maurerarbeiten Steinhauerarbeiten Zimmerarbeiten Dachdeckerarbetten Spenglerarbeiten Blitzableiteranlage Schlofferarbeiten Schreinerarbeiten Weißbinderarbeiten 18 1547 veranschlagt zu 7953,12 Mk. vergeben werden und sind Angebote bis DieuStag d. 19. Juui l.Js, nachmittags 4 Uhr, bei Großh. Bürgermeisterei Klein-Linden, woselbst Pläne, Voranschlag und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, abzugeben. Die Arbeiten und Lieferungen find H M H n // // // zwar: Erd- u. Maurerarbeiten Steinhauer arbeüen Zimmerarbeiten Dachdrckerarbeiten Spenglerarbeiten Schlofferarbeiten Blitz Meiteranlage Schreinerarbeiten Weißbinderarbeiten Material- u. Eisenlieferung n n n n H M w n w Einnahme. Zinsen von auSge- liehenen Kapitalien Nachläffe von Kaufschillingen Sonstige Einnahmen Der Großh. Kreisbauinspcktor 4148] Stahl. Gardinen, abgepasst und vom Stück. Vitrages und Stores von 10 Pfg. bis Mk. 2.— per Meter. Ausgabe. Verwaltungskosten Zinsen von aufgenommenen Kapitalien Sonstige Ausgaben Abschreiben von Mobilien Reingewinn Vergebung von Bauarbeiten. Die zum Rohbau des Schulhauses io Stangenrod erforderlichen Arbeiten und Lieferungen und 11 584 50 Watzenborn, den 31. Mai der Spar- «nd^eihkaffeWatzenöorn-SLeinöerg-Mtiengeselrsch. Rouleauxcoeper in allen Breiten. August Montanus Nacht. (Inh.: R. & M. Imheuser) Markt 9-10. gegründet 1858 Uefert sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Angebote find bis Douuerstag deu 21. Juui l. Js., vormittags IOV2 Uhr bei Großh. Bürgermeisterei Stangenrod abzu« geben, woselbst Voranschlag, Pläne und Bedingungen zur Einsicht offen liegen. Gießen, den 9. Juni 1900. Der Großh. Kreisbauinspektor Montags, Mittwochs u. Freitags, von morgens S Abr ab 4181 frischen Imedrlkuchen. Wilh.Amend, Kahuhofstr.62 Matratzen und Chaiselongues mit in der Höhenlage verstellbarem, mit dem abnehmbaren Polster aus Ganzem bestehenden Kopfteil. Gesetzlich geschützt. D. R. 6. 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