fit 265 ViMes Blcktt» Sonntag den 11 November 150. Jahrgang Meßmer Anzeiger Heneral-AHeiger ?3ejUfl5prcis viertcljährl. Ml. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohn; durch die Abholestelle« vierteljährl. Ml. 1^0 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Ml. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und AuSiande- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auSwärtS 20 Pfg. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für de« faßtzenb« tog erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. frMebd täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener JlerntttcMlfättct »erden dem Anzeiger im wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wächtl. 4 mal beigelegt. Aints- und Anzeigeblntt snv den TLveis Greszen. ÄeMtien, Expedition und Druckerei: -chnlstraße Ar. 7. GratisbeUagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. „ .' '■ ___»na Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. .Hl! Aus Stadt und Land. Gießen, 10. November. ** Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Am 28. Oktober fand im „Restaurant Kaiserhof- die satzungsgemäße Jahreshauptversammlung des Vereins statt. Der Vorsitzende erstattete einen ausführlichen Bericht über die Entwicklung der Gesellschaft und ihre Thätigkeit. Wiederum war eS möglich, den Mitgliedern eine stattliche über die satzungsgemäß festgelegte Mindestzahl hinauSgehende Reihe von zum Teil höchst wertvollen Vorträgen zu bieten, die denn auch ohne Ausnahme volle Häuser fanden. Auch für das soeben begonnene Jahr sind Redner von bedeutendem Ruf gewonnen; vorzugsweise werden aktuelle Themata behandelt werden. Zur weiteren wiffenschaftlichen Bethätigung hat die Gesellschaft mit der Herausgabe einer Zeitschrift begonnen. Der 1. Band der „Geograph. Mitteilungen aus Hessen" im Auftrage der Gesellschaft von Professor Dr. W. Sievers herausgegeben und für die Jahre 1900 bis 1901 berechnet, bietet neben einer wertvollen Arbeit von Dr. Krausmüller-Homberg a. Ohm einen übersichtlichen referierenden Bericht über geogr. Arbeiten in Hessen und Umgegend und das Mitgliederverzeichnis. Es darf erwartet werden, daß dieses Organ im weiteren Ausbau sehr anregend auf die geographische Erforschung der Heimat wirken wird. Die Finanzlage der Gesellschaft war nicht ungünstig; ein Reservefonds konnte jedoch noch nicht begründet werden. Für die Zukunft werden nicht in Gießen und Oberhessen angesessene Personen gegen einen Beitrag von Mk. 2.— Mitglied werden können; sie sind vollberechtigt, auch in betreff des Bezuges der „Mitteilungen". Der Vorstand besteht für die Zukunft auS folgenden Herren: Professor Dr. SieverS, erster Vorsitzender; Generaldirektor a. D. Bansa, stellvertretender Vorsitzender; Buchdruckereibefitzer Kindt, erster Schriftführer; Verlagsbuchhändler Toepel- mann, zweiter Schriftführer; Kommerzienrat Heichelheim, Schatzmeister. Reben diesem „engeren Vorstand" besteht ein Beirat aus den Herren: Brauerei-Besitzer Bichler, Professor Dr. Biermann, Oberlehrer Block, Kustos Dr. Ebel, Oberlehrer Fuhr, Stadtverordneter I. Kirch, Kommerzienrat Koch, Landgerichtsrat Prae- torius, Droguift O. Schaaf, Major v. Schlemmer. D:e Herren Dr. Markert und Dr. Günther wurden zu Ersatzmännern von der Hauptversammlung designiert. Am 27. Oktober wurde von Mitgliedern der Gesellschaft ein Ausflug nach Willingshausen in der Schwalm unternommen. Derselbe bot zum Studium des eigenartigen dortigen Volkslebens reichlich Gelegenheit, wurde aber durch Sturm und Regen leider beeinträchtigt. Voraussichtlich soll im Juli n. I. ein zweiter Ausflug mit Damen dahin unternommen werden. § Vollmachten und ihre Versteuerung. Im Groß- Herzogtum Hesien sind jetzt für die öffentliche Beurkundung (Protokollierung) von Vollmachten, wo diese Form verlangt wird, — z. B. in Erbschaftssachen — nur die Amtsgerichte und Notare zuständig, nicht auch die OrtSgerichte. Wohl aber dürfen Ortsgerichtsvorsteher Vollmachts Unterschriften, nicht auch Handzeichen, beglaubigen; in diesem Falle beträgt der Stempel nur 20 Pfennig. Jede gerichtlich oder notariell aufgenommene Vollmachtsurkunde muß dagegen mit 2 Mk. versteuert werden; ebenso eine Privatvollmacht, die der Vertreter eines Beteiligten dem Gericht in einem Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit vorlegt oder einreicht, oder die einem Gesuche beigesügt ist, das die Einsicht von Prozeß- oder Nntersuchungsakten im Interesse einer außergerichtlichen Angelegenheit oder in Sachen der freiwilligen Gerichtsbarkeit erbittet. Für Generalvollmachten erhöht sich bei einem Gegenstandswerte von 5000 Mk. ab, resp. über 100 000 Mk., die Stempelabgabe von 2 Mk. auf 20 resp. 40 Mk. Nicht steuerpflichtig find die im Verfahren der Grundbuchsanlegung eingereicht oder vorgelegt werdenden Privatvollmachten, sowie die bei dem Prozeßgericht überreichten Prozeßvollmachten, und die in Armensachen bei nicht streitigen Rechtsangelegenheiten erforderten Vollmachten. ** Sammelbriefe. Es kommt nicht selten vor, daß den Postanstalten von anderen Postorten her unter Umschlag Briefe, Postkarten rc. mit dem Ersuchen übersandt werden, solche mit dem Aufgabestempel der Postanstalt zu bedrucken und dann nach den in deu Briefaufschriften angegebenen dritten Orten weiterzusenden. Solchen Anträgen dürfen die Postanstalten nicht entsprechen; derartige Sendungen werden daher den Absendern stets zurückgegeben. Eine Besorgung an die in der Aufschrift benannten Empfänger erfolgt nur dann, wenn letztere im Bestellbezirke der Postanstalt, an welche das Ersuchen gerichtet ist, wohnen. In einem solchen Falle muß für jede zur Bestellung kommende Sendung das tarifmäßige Porto vom Aufgabeorte zum Bestimmungsorte, nicht blos die OrtSgebühr, entrichtet werden. Mit der Verteilung von Sendungen ohne Aufschrift (Preislisten rc.) befassen sich die Postanstalten nicht. !. Laubach, 8. November. Am Sonntag fand im Saale des „Schützenhofes" der erste evangelische Gemeindeabend für diesen Winter statt. Pfarrer Nebel hielt einen Vortrog über Luthers Frau, Katharina von Bora, und gab ein Bild von dem Haus und Ehestand des großen Reformators als echtem Vorbild eines frommen, gesegneten Familienlebens. Nach einer Pause berichtete Pfarrer Volp über die österreichische Los-von-Rom-Bewegung, und zeigte, wie speziell allein in Böhmen viele neue evangelische Gemeinden entstanden find. Er gedachte der Bewegung in Saaz, Braunau, Klostergrab, Turn und an anderen Orten. Er zeigte auch, wie eifrig der evangelische Bund seither fortgeholfen hat. Am Schluffe wurde für die Zwecke der Bewegung eine Tellersammlung veranstaltet. — Gestern hielt der christlich-soziale Verein zu Laubach seine Monatsversammlung ab. Pfarrer Fritsch berichtete über den Wetzlarer Parteitag in feffelndem Vortrag. Außer den im Vorstande verbliebenen Herren wurde noch Fabrikant Röm Held von der FriedrichShütte in den Vorstand gewählt. fc. Darmstadt, 9. November. Bezüglich der Reorganisation der Main-Neckarbahn erfahren wir von unterrichteter Seite, daß die Verhandlungen abgeschlossen sind und die Verträge demnächst den beteiligten Landtagen zur Genehmigung zugehen werden. Während der preußische und hessische Anteil vollständig in der Eisenbahngemeinschast aufgehen soll, wird der badische Anteil von der preußisch- hessischen Eisenbahngemeinschast gepachtet werden, da nach der Stimmung in Baden der badische Landtag jedensallS nicht auf einen Verkauf eingehen wird und ein Anschluß an die Gemeinschaftsverwaltung vollständig ausgeschlossen ist. Die Neuorganisation soll am 1. Mai 1901 in Kraft treten. In Darmstadt ist man von der ganzen Angelegenheit wenig erbaut, da die Stadt den Verlust der Direktion sehr spüren wird und man auch mit den Einrichtungen der Main-Neckar- Bahn zufriedener ist als mit denen der preußisch-hessischen Staatsbahn. Auch die Regierung hat anscheinend nur ungern zugestimmt und hauptsächlich nur deshalb, weil man bei Ablehnung des preußischen Vorschlags eine weitere Schädigung der Main Neckar-Bahn durch Umleitung des Frachtverkehrs fürchtete. Mainz, 8. November. Einem hiesigen bedeutenden Geschäftsinhaber ist ein Depositenschein der Reichsbank für einen deklarierten Welrt von 20 000 Mk. abhanden gekommen. Bei dem Amtsgericht Mainz ist! bereits die Sperre über den deklarierten Betrag verfügt. — Mit dem nächstjährigen Mainzer Karneval wird es aller Wahrscheinlich,keit nach nichts werden. In einer gestern abend stattgefundenen Versammlung von Karnevalsfreunden und hervorragenden Narrhallesen legte der letztjährige Präsident der „Narrhalla" zahlreiche Gründe dar, die das Abhalten der üblichen Karnevalsitzungen in dem kommenden Jahre als sehr schwierig erscheinen lassen. Es sind dies hauptsächlich finanzielle Gründe. Als ein sehr ungerechter Ausgabepunkt wurde in der Versammlung die von der städtischen Verwaltung vverlangte Miete für die „Stadthalle" im Betrag von 800 0 Mk. bezeichnet und übten verschiedene Redner dieserhalb schärfe Kritik. Bei det dieser Tage stattfindenden Generalversammlung, in welcher die Rechnungsablage über den letztjährigen Karneval erfolgt, sollen diese Verhältnisse Dtteratur. Der soeben erschienene „Gartenlaube-Kalender" für das Jahr 1901 begrüßt in schwungvollen, formvollendeten Versen von Karl Busse das neue Jahrhundert und bietet diesem letzteren zu Ehren eine ganz besonders reiche Mannigfaltigkeit in Text und Bildern seinen Lesern dar. Ten Reigen eröffnet W. Heimburg mit ihrer neuesten Novelle „Maiblumen", die das' Schicksal eines mit Glücksgütern nicht gesegneten Mädchens schildert. In das thüringische Torfleben führt Else Hofmann uns mit ihrer lebenswahren und gemütvollen Erzählung: „Mutters Begräbnisgeld". M. Berger charakterisiert in der Novelle „Ihr Hans" eine kernhafte Frau aus dem Volk. Interessante wissenschaftliche Artikel in leicht verständlicher Darstellung haben beigesteuert der Zoologe Prof. Dr. Kurt Lampert über leuchtendes Fleisch und C. Falren- horst über passendes Schuhwerk. L. Holle spricht über die deutsche Hochseefischerei und deren Einfluß auf die Ernährung des Volkes, Karl Brandt giebt seine Erfahrungen über die „Sprache" des Wildes kund, Martin Greif ist mit einem stimmungsvollen Frühlingsgedicht vertreten — lauter klangvolle Namen, denen jene der Künstler, denen der bildliche Schmuck dieses Hausbuches anvertraut wurde, ebenbürtig zur Seite stehen. Der „Tagesgeschichtliche Rückblick", den Dr. Hermann Diez in flotter und übersichtlicher Art geschrieben hat, ist reich illustriert, und das Kleinwerk an guten Ratschlägen für Hauswirtschaft 2C., kürzeren gut pointierten humoristischen, historischen usw. Artikeln, Anekdoten, astronomischen, statistischen genealogischen rc. Notizen ist mit Sorgfalt und glücklicher Hand gewählt. Kurz, wir können den im Verlage von Ernst Keils Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig seit vielen Jahren erscheinenden, würdig und hübsch aus- Sestatteten „Gartenlaube-Kalender" empfehlen, um so mehr, als der Preis von 1 Mark auch dem Minderbemittelten die Anschaffung gestattet. Ludwig Büchner : Kaleidoskop. Skizzen und Aufsätze aus Natur- und Menschenleben. Mit einem Vorwort: „Zur Geschichte der volkstümlichen Natu r f o r s ch u n g" von Wilhelm B ö l s ch e. Verlag von Emil Roth in Gießen. 6 Mk. broch, 7 Mk. geb. — Ludwig Büchners naturphilosophische Hauptwerke sind in aller Welt Händen. Aber die grosse Lebensarbeit des rastlosen Meisters ist mit ihnen noch längst nicht erschöpft. In unerschöpflicher Fülle fanden sich in seinem Nachlaß noch meisterhafte kleinere Essays und Skizzen über die verschiedensten Gegenstände Himmels und der Erden. Alle sind, so schwierig.der Stoff sein möge, im edelsten Sinne an das Volk gerichtet und dem Verständnis des schlichten Mannes aus der Menge in jener unnachahmlichen Art, wie sie eben Büchner eigen war, angepaßt. Der noch rechtzeitig zu Weihnachten erscheinende Band vereinigt einen bunten Strauß solcher Geistesgaben des verstorbenen Freidenkers und Volksfreundes, die kein Verehrer seiner bekannten älteren Schriften entbehren kann. Neben dem Naturphilosophen kommt hier auch der Mediziner in Büchner zu Wort, der geistvolle Reiseschilderer, der Biograph, der fein gezeichnete Porträts von Zeitgenossen giebt. Es fehlt nicht an politischen Streiflichtern, wie denn kaum eine große aktuelle Frage der Gegenwart unberührt bleibt. Büchners engere Freunde erhalten unschätzbare neue Beiträge zum Gesamtbilde seiner kühnen, erfolgreichen Persönlichkeit. Wer aber Büchner bisher nicht kannte, dem bietet das Buch einen unerschöpflichen Reichtum sachlicher Aufklärung über die eigene Zeit und ihre treibenden Ideen. Der Wert des Bandes ist erhöht durch eine in Form eines Vorwortes beigefügte längere Studie aus der Feder des bekannten Popularisators moderner Naturwissenschaft, Wilhelm Bölsche, die eine Entwickelungsgeschichte des Begriffs „Volkstümliche Naturgeschichte" giebt. _____________ — Jrrgerrdblätter, qearünbd von Isabella Braun. 1900. 46. Jahrgang, Heft 1. — 35 Pfg. — Verlag von Karl Haushalter, München. — Das uns vorliegende Heft 1 des neuen Jahrganges wird unserer Jugend herzlich willkommen sein. Der Inhalt ist reich; Gemüt und Verstand gleichmäßig anregend, der Bilderschmuck ziert dieses Buch. Die Verlagsbuchhandlung hat diesmal ein Preisrätsel ausgeschrieben. bei besten Lösung Knaben und Mädchen ein Weihnachtsbuch erhalten. DasWeihnachtsheft wird dieses Jahr eine ganz besondere Beigabe, ein Gesellschaftsspiel, haben. — Der billige Preis von 35 Pfg. das Heft (im ganzm Jahre werden es zwölf Hefte) ermöglicht es auch kleinen „Sparbüchsen", sich aus diese bestens zu empfehlende Zeitschrift für die Jugend (von 7, 8 bis 14 Jahren) zu abonnieren. — Eine Novelle Moltkes. Dem größeren Teil des Publikums dürfte es fremd sein, daß Helmuth Moltke, der große Held der deutschen Kriegsgeschichte, zuerst — wenn auch im Gewand eines durchsichtigen Pseudonyms — als Dichter vor die Oeffentlichkeit getreten ist. Unb.T dem Titel ,2)ie beiden Freunde" erschien eine Novelle Moltkes 1827 in der Berliner Zeitschrift „Der Freimütige". Helmuth v. Moltke schrieb diese Novelle, kurz nachdem er eine schwere Herzenskrisis durchgemacht hatte. In dem Bad Salzbrunn, wo er nach Absolvierung der Kriegsschule im Jahre 1825 zur Kräftigung seiner angegriffenen Ge. sundheit weilte, lernte er ein Mädchen kennen, das ihm völlig geschaffen schien, ihn für das ganze Leben glücklich zu machen. In einem Brief, in dem er sich seiner geliebten Mutter anvertraut, schrieb er darüber: „Hier ist ein Mädchen, das recht verdient, Deine Schwiegertochter zu sein. Es ist eine Gräfin Reichenbach. Sie ist blldschön und trefflich erzogen. Du würdest sie auf Händen tragen. Aber leider ist sie unvermögend." Die äußeren Verhältnisse gestatteten die Verbindung nicht und der jugendliche Moltke entsagte. Das Motiv dieser Resignation klingt in der Dichtung nach, die so recht eigentlich aus inneren Erleb- niffen hervorquoll. — Die Zeitschrift „Die Weite Welt" (Union, Deutsche Verlagsgesellschaft in Berlin, Stuttgart, Leipzig) veröffentlicht die Novelle gegenwärtig. nochmals zur Sprache gebracht und Mittel und Wege gesucht werden, wie der Mainzer Karneval wieder in seine alten Traditionen zurückzuführen und von der eitlen Prunksucht, welche sich seit den letzten 15 Jahren breit gemacht, zu befreien ist. Mainz, 8. November, lieber den Eintritt der Zöglinge süddeutscher höherer Lehranstalten, deren Schulschluß in den Hochsommer fällt, in die kaiserliche Marine ist neuerdings eine sehr wichtige Verordnung ergangen. Der Erlaß vom Februar d. I., der den Schülern der bayerischen höheren Lehranstalten Erleichterungen für den Eintritt als Seekadetten in die Marine gewährte, ist setzt auf die Zöglinge höherer Lehranstalten in Württemberg, Zaden und Elsaß Lothringen sowie des hiesigen Gymnasiums ausgedehnt worden. Danach ist zum Eintritt als Seekadett in die Marine die Beibringung der Bescheinigung des Lehrerkollegiums im April über die voraussichtliche Versetzung in die achte Klasse gleichbedeutend mit der Beibringung des Zeugnisses der Reife für die Prima und die Beibringung der Bescheinigung über das voraussichtliche Bestehen der Reifeprüfung für die Zöglinge der neunten Klasse gleichbedeutend mit der Vorlegung eines vollgiltigen Abiturienten» Zeugnisses. (Warum hat man die anderen hessischen Gymnasien hierbei außer acht gelassen? D. Red.) Bingen, 8. November. Die hiesige Rhede bot ojn Dienstag und Mittwoch ein anfckiauliches und lebhaftes Bild. Die Schiffe, die wegen des niedrigen Wasserstandes seither den Oberrhein nicht mehr befahren konnten und an den Orten Ccrub nnd St. Goar gelichtet werden mußten, können wieder nach dem Oberrhein, ebenso auch die großen Schraubendampfer, die bisher nur rkvch bis Köln fahren konnten. Von den Interessenten wird die gebotene bessere Transportgelegenheit nach Möglichkeit ausgenutzt, und es folgen sich daher im hiesigen Fahrwasser fortwährend die Schleppzüge in bunter Reihenfolge rhein-. auf und rheinab aufeinander. Auf hiesiger Rhede lagern manchmal 50—60 Schiffe, welche auf Schleppgelegenheit nach dem Oberrhein warten. Hier sind es hauptsächlich Kohlen, welche in die Bahn verladen werden, um ins Land befördert zu werden. — Die Verladung der großen Massen Braunstein, welche bisher in Bingerbrück vorgenommen wurde, wird mit dem nächsten Frühjahr von hiesiger Rhede aus erfolgen, wodurch der Schiffs- kadeverkehr noch einen weiteren Aufschwung nehmen wird. Fulda, 9. November. Das Komitee für die Errichtung eines Gedenksteines zur Erinnerung an den Tag von Bronnzell hat an den Kaiser folgendes Telegramm gerichtet: „Zum fünfzigjährigen Gedenktage des Zusammenstoßes bei Bronnzell setzen wir einen Gedenkstein als einfaches Gedächtnißzeichen für jene trüben Zeiten, denen dann unter Kaiser und König Wilhelm bessere für das deutsche Vaterland folgen sollten, und schauen unter Ew. Majestät segensreicher Regierung vertrauensvoll in die Zukunft, allezeit treu bereit für des Reiches Herrlichkeit." Uermisöfles. * Web et d i e Lieblingstiere der Herrscher undStaatsoberhäupter Europas weiß der „Cri du Paris" folgendes zu melden: „Die Königin Viktoria liebt Tiere überhaupt nicht; dafür liegt ein stichhaltiger Grund vor; , sie ist nämlich einmal von einer trächtigen Hündin gebissen worden und man glaubte tagelang den Ausbruch der Wut oder der Wasserscheu befürchten zu müssen. Dagegen haben alle anderen Herrscher ihre Lieblingstiere. Der d e u t sche Ka i s e r hat die Ka tz e n gern, nicht etwa die Luxustiere, sondern die ganz gewöhnlichen Dachhasen. In dem Bedientenetat ist ein besonderes Kapitel für die Nahrung umherstr'olchender Katzen ausgesetzt. König Carlos von Portugal hat für einen scheußlichen Affen Vorliebe, der alle Personen, die sich ihm nähern, . wütend anfällt, natürlich mit einziger Ausnahme seines Herrn, des Königs selbst. Dieser Affe betrinkt sich wie ein Saufbold und hat in diesem Zustande epileptische Anfälle. Das bereitet Sr. Majestät ein unsägliches Vergnügen. Der König Georg von Griechenland ist ein wahrer Sportsman. Er liebt, wie übrigens auch der Herzog Georg von Oldenburg, (d. Red.), leidenschaftlich die Pferde und macht täglich in frühester Morgenstunde einen Rund- aang durch die königlichen Ställe. Wehe dem Stallknechte, den ipr bei der Mißhandlung eines der edlen Tiere überrascht? Der König Leopold von Belgien ergötzt sich am Sange der Vögel. In Laeken hat er prächtige Volieren errichten lassen, in denen er stundenlang zubringt. Der Sultan Abdul Hamid zieht Meerschweinchen auf. Er besitzt unter anderem ein sechs Jahre altes, das fünf Kilogramm wiegt. Die Königin Wilhelmine von Holland besitzt seit einigen Monaten eine Hecke von weißen Mäusen. Sie ist überzeugt, daß diese niedlichen Nager ihr Glück bringen. Ein Politiker machte ihr dieselben auf ihren besonderen Wunsch zum Geschenke. Die Königin- Regentin von Spanien hat eine besondere Vorliebe für Ziegen, die auf dem rührenden Motive beruht, daß ihr zarter Sohn mit der Milche derselben aufgezogen wurde. Loubet liebt sehr prosaisch zwei .Hunde, die ihn stets auf die Jagd begleiten. Sie sind nichts weniger als schön, aber sie apportieren vorzüglich". * Herzog Heinrich von Mecklenburg, der Bräutigam der Königin W i l h e l m i n a, hat schon in seinen Knabenjahren Beweise besonderer Geistesgeweckt- heit gegeben. Eine Erinnerung an einen solchen Vorfall bildet eine kleine Gipsstatuette, die die ältere Schwester des Herzogs, die jetzige Großherzogin Elisabeth von Oldenburg, als Kind darstellt. Sie befindet sich! in einem Häuschen des Schloßparkes von Rabensteinfeld und zeigt die Figur die Eigentümlichkeit, daß das Näschen völlig abgeplattet ist, als wäre die Spitze durch häufigen Druch abgerieben worden. Der Attentäter war Herzog Heinrich. Als er eines Tages mit seiner Schwester im Parke spielte, kam es zwischen beiden zu einem heftigen Streit. Schon schien es, als würde es gar zu Tätlichkeiten kommen, als der kleine Prinz plötzlich davon stürzte, um nach wenigen Augenblicken beruhigt und anscheinend höchst ^friedigt zurückzukehren. Als sich dieses Fortlaufen und Wiedern kehren auch bei späteren Vorfällen wiederholte, folgte max dem Prinzen einmal und sah ihn vor die Gipsbüste der Schwester hintreten und dieser einige recht kräftige — Nasenstüber verabreichen. Man führte den Kleinen vor die Großherzogin, die ihn über seine Handlung inquirierte. Der Kleine sah der Mutter ruhig in das Gesicht und sagte: „Elisabeth hat mich sehr beleidigt, dafür mußte ich sie strafen, aber — wehe wollte ich ihr doch nicht thun *' Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gieße«. 44. Woche. Vom 28. Ottober bis 3. November 1900. (Einwohnerzahl: «ngenorrmen zu 24 800 (inel. 1600 M«m Militär) L-terbtichkettSMek: 14,67, nach Abzug der OrtSfremdm 4,19 %o. Kinder ES starben en: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. LedenSjahr: 2.-15. Jahr: A nm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auSwärtSnach Gießen gebrachte Krank? kommen. Lungenschwindsucht 1 (1) DiphtherittS 1 (1) _1 (1) 1 (1) — Sttmmritzenkrampf 1 — 1 — Krebs 2 (1) 2 (1) — — Herzentzündung 1 (1) —• 1 (1) Darmelnklemmuna 1 (1) 1 (D — Summ«: 7 (5) 4 (3) 2 (1) 1 (1) 6738 find vielfach die Folgen unvernünftiger Lebensweise. Würde man z. B. überall von Jugend auf anstatt des aufregenden Bohnenkaffees den wohl- bekömmlichen Kathreiners Malzkaffee trinken, so gäbe eS viel weniger bleich- fuchtige Mädchen und nervöse Frauen. Bleichsucht und Nervosität und Umgebung. 6691 MhoHalt Nur allein zu haben bei 7295 6578 au Nähmaschinen aller Systeme werden solid und billig ausgeführt. Heinrich Fltzler, Sahuhofstraße 58, Mein-Vertreter für Biesolt & Locke, Meißner Nähmaschiueu-Fabrik, Meißen (Sachsen). besohlt schnell besohlt billig besohlt gut ' mir$Mta*20 Johannes Hecker. gNeu! □ □ □ a □ a a a a a a a a a Champeoeitrti (AamerrLopswaschen) bei sorgfältigster Ausführung 1 Mk. empfiehlt [6422 Henn. Plank Ww. jpotxKxxxxxxxaoacxxxxxxx.xxrr>nnnt Afrana1 $U beste M-maschine der Jetztzeit vor- und rückwärts nähend C unentbehrlich für jeden Handwerker und Haushalt t infolge ihrer vorzüglichen Konstruktion. C Ausführliche Prospekte gern für Jedermann zur Einsicht. £ Deutscher Motten-Verein. Urovinzial-Ausschuß der Movinz Hberheffen. 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