Donnerstag den 11. Oktober MV. 238 Erstes Blatt» Gießener Anzeiger General-Anzeiger 150. Jahrgang LSQO Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen deS In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener AsamllieuVtätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wöchtl. 4 mal beigelegt. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohn; durch die Abholestellen vierteljährl. Ml. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Aintr- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für heMheUalbsKunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche. In Allertshausen ist in einem Gehöfte die Maul- nnd Klauenseuche durch Verschleppung aus dem Gehöfte deS Viehhändlers Emanuel Stiebe! in Allendorf a. d. Lda. auS- gebrochen und Gehöftsperre verfügt worhen. Gießen, den 10. Oktober 1900. Gwßherzvgliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Gießen, 8. Oktober 1900. Betr.: Bekämpfung der Obstbaumschädlinge. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Einem Ersuchen des Oberhessischen Obstbauvereins .und einem Beschlüsse des Kreisausschusses entsprechend empfehlen wir Ihnen, dafür Sorge zu tragen, daß bis zum 30. November 1900 sämtliche Obstbäume gehörig ab- gekratzt und mit Kalkmilch (mit viel Wasser verrührter gelöschter Kalk) gekalkt werden, und entsprechende öffentliche Aufforderung zu erlassen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Betr.: Die Volkszählung im Jahre 1900. Am 1. Dezember d. IS. wird im Deutschen Reiche eine Volkszählung stattfinden. Zur Ausführung derselben in hiefiger Stadt bedürfen wir einer großen Anzahl als Zähler geeigneter Personen und fordern daher diejenigen, die sich als solche, sei es unentgeltlich, sei es gegen Bezahlung beteiligen wollen, auf, sich bis spätestens 1. November l. IS. auf unserem Bureau (Weidengasse Nr. 5) zu melden. Gießen, den 4. Oktober 1900. Grvßherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Gießen, 8. Oktober 1900. Betreffend: Vertilgung des Frostnachtspanners. Bas Großherzogliche Kreisamt Gießen KL Ale Grohh. Bürgermeistereieu des KreiseS. Unter Hinweis auf den im Abdruck nachstehenden, aus dem Monatsblatt des Oberhessischen Obstbauvereins vom Oktober 1891 entnommenen Artikel beauftragen wir Sie, die Baumbesitzer Ihrer Gemeinden alsbald zur Anlegung fcon, Klebgürteln an den Obstbäumen öffentlich aufzufordern, sowie an den Gemeindebäumen auf Kosten der Gemeinde Klebgürtel baldigst anbringen zu lassen. Mitte November dieses Jahres sehen wir Ihren Berichten über den Vollzug unserer Anordnung mit der Aeußerung darüber entgegen, inwieweit die Baumbesitzer Ihrer Aufforderung entsprochen haben. v. Bechtold. Der Frostnachtspanner. Einer der gefährlichsten Feinde unserer Obstbäume, der Frostnachtspanner, schickt sich wieder an, seine Brut an Obstbäume zu bringen und dadurch jetzt schon die nächstjährige Ernte zu beeinträchtigen. Deshalb ist es not- wendlg, daß alle Obstzüchter Hand in Hand gehen und verhüten, daß das Weibchen seine Eier an die Knospen der Obstbäume legen kann. Dieses Weibchen, das noch in der Erde als Puppe ruht, kommt nämlich von Anfang Oktober bis Mitte November auS der Erde. Es ist ein Schmetterling, welcher nur mit Flügelstummeln versehen ist, also nicht fliegen kann, dafür aber sehr kräftige, lange Beine besitzt, mit deren Hilfe er den Stamm erklimmen und zu den Knospen gelangen kann. Das Männchen dagegen, welches braune Flügel besitzt, kann fliegen und sucht das Weibchen während des Marsches am Stamme entlang auf. Gelangt das Weibchen dann in die Baumkrone, so legt es an die Knospen seine Eier ab, und zwar nicht weniger als etwa 250 Stück. Aus diesen schlüpfen im Frühjahr die kleinen grünen Spannraupen, welche mit der Entwickelung der Blüten wachsen, sich zwischen einige Blätter und Blüten einspinnen, um von da aus die Entblätterung der Bäume durchzuführen. , „ Als der bekannte Pfarrer Christ diese Lebensgeschichte kennen gelernt hatte, reihte er an die vielen Verdienste, die er sich um den Obstbau Oberhessens schon erworben hatte, noch das eine Mittel zur Bekämpfung dieses Feindes. Er hat zuerst auf Birkenrinde Theer gestrichen und diese Rinde dann um den Stamm gebunden. In der neueren Zeit wurden erst die Klebgürtel in Anwendung gebracht, welche, in der richtigen Weise und zur richtigen Zeit angewendet, das Erklettern des Baumes durch das Weibchen unmöglich machen. Im Kreise Gießen war dieses Anlegen der Klebgürtel überall da mit gutem Erfolg begleitet, wo es richtig durchgeführt wurde, und wo die Bäume trotzdem von der Raupe entblättert wurden, waren eben Fehler gemacht worden. Wenn man den Gürtel anlegt, nachdem der Frostnachtspanner oben am Baume ist, oder wenn man den Leim eintrocknen läßt, oder wenn man fingerdicke Lücken zwischen Stamm und Ring läßt, dann darf man nicht der Methode, sondern muß seiner eigenen Gleichgiltigkeit die Schuld beimessen. Deshalb wolle man beim Anlegen der Leimringe, denen wir recht große Verbreitung wünschen, folgendes beachten: 1. Die Ringe müssen anfangs Oktober angelegt werden. 2. Das Papier muß sehr gut geleimt sein. Am besten verwendet man sogenanntes Pergamentpapier. 3. Das Papier muß mindestens 10 Centimeter breit sein. 4. Der Papierring muß um den ganzen Stamm gelegt und mit einer Kordel unten und einer oben gebunden sein. 5. Zwischen dem Papierring und dem Stamm dürfen keine Lücken sein, da sonst das Weibchen unten durchkriecht. Etwa vorhandene Lücken werden mit Lehm, Werg rc. ans- gestopft. 6. Bevor man den Popierstreifen anlegt, muß an der betreffenden Stelle die Rinde glatt gemacht werden. 7. Der Leim wird mit einem Pinsel auf das Papier, niemals aber auf den Stamm selbst aufgestrichen. 8. Es ist notwendig, daß man die Ringe alle 10 Tage von neuem anstreicht. Im Übrigen sei bemerkt, daß die Geschäftsstelle des Oberhessischen Obstbauvereins in Friedberg gerne bereit ist, gutes, geschnittenes Papier und beliebige Mengen Leim zu vermitteln. 4. Christlich-sozialer Parteitag. s-r Wetzlar, 9. Oktober. Um 3 Uhr nachmittags begann im Saale des „Schützengarten" der Parteitag mit einer Mitgliederversammlung, an der etwa 85 Delegierte teilnahmen. Stöcker, der den Vorsitz führte, eröffnete die Tagung mit einem kurzen Rückblick auf die politischen Ereignisse und den Eutwickelungs- gang der Partei im letzten Jahre. Er gedachte vor allem des schweren Verlustes, den die Partei durch den Heimgang ihres 2. Vorsitzenden, des Grafen zu Solms-Laubach, erlitten habe. Zahlreiche Begrüßungstelegramme waren eingelaufen, darunter eins von demReichstags-Abg. Raab und eins vom Abg. Liebermann von Sonnenberg und dem Grafen Reventlow: „Aus schwerem Wahlkampf senden wir deutschen Gruß. Für die Zukunft erhoffen wir gemeinsame Arbeit zum Wohle unseres Volkes und unseres Vaterlandes. Der Sieg muß uns doch bleiben!" Lebhafter Beifall begleitete diese Kundgebung, ein Danktelegramm ging ab. Nach Eintritt in die Tagesordnung sprach zunächst der Geschäftsführer des Christlichen Ziegler-Gewerkvereins im Fürstentum Lippe, Ziegler Ehlerkamp, über die Gewerkschaftsfrage, indem er lebhaft für die Gründung christlicher Gewerkschaften eintrat. In der eingehenden Debatte wurden die verschiedensten Vorschläge gemacht: Eintritt in die modernen freien Gewerkschaften und in die Hirsch-Dunker'schen Vereine, Neutralisierung der Gewerkschaften u. s. w. Es äußerten sich dazu eine Reihe von Delegierten: Stöcker, Lic. Weber (M.-Gladbach), der Sekretär der deutschen Gärtnergewerkschaft Behrends (Berlin), Bäckermeister Heistermann (Elberfeld) u. a., darunter auch mehrere Arbeiter. Man nahm schließlich folgende Resolution an: „1. Hinsichtlich der Gewerkschaftsbewegung muß als das Ziel betrachtet werden, die Einführung obligatorischer Fachgenossen- fchaften bezw. gesetzlich anerkannter Gewerkschaften. 2. Zur Erreichung dieses Zieles dient am besten die Bildung starker, interkonfessioneller, unparteiischer und einheitlicher Gewerkschaften, für die Rechtsfähigkeit anzustreben ist, die zu wirtschaftlichem Frieden geneigt, aber zu gesetzmäßigem Vorgehen behufs Erlangung befriedigender Arbeitsbedingungen fähig sind und die den Schwerpunkt ihrer Wirksamkeit in der Anbahnung langfristiger Tarifgemeinschaften und dem Aufbau von Unterstützungskaffen, besonders gegen Arbeitslosigkeit, sehen. 3. Die Erreichung dieses Zieles wird dadurch erschwert, daß die heutrge Gewerffchaftsbewegung vielfach gespalten und mehrfach politisch nicht neutral rst. Wo interkonfessionelle Genossenschaften christlichen Charakters bestehen, ist zu fordern, daß im Vorstand die beiden Konfessionen anerkannte Stellung haben. 4. Es ist im allgemeinen ausgeschloffen, daß Mitglieder der christlich-sozialen Partei üch den Zahlstellen solcher Gewerkschaften anschließen, die satzungsgemäß sozialdemokratisch sind, wie die Lokal- organisationen, oder fremdartiger Propaganda dienen." Der Parteitag sprach sodann dem Abg. Stöcker bett Dank für feine Thätigkeit im Reichstag aus, die besonders gelegentlich der lex Heinze so rege wie nie gewesen sei, und nahm auf Antrag des Pfarrers F r i t s ch - (Ruppertsburg) nachstehende Erklärung an: Der christlich-soziale Parteitag beklagt es aufS Heffle, daß im Reichstage unür Führung der Sozialdemokraten und Freisinnigen eine erfolgreiche Obstruktionspolitik gegen den Entwurf des UnfitUtch- kettsgesetzeS ausgeübt wurde. Er sagt seinem Vorsitzenden, Hofprediger a. D. Stöcker sowie allen tapferen Vertretern des Entwurfs besten Dank für ihren Kampf gegen die Unsittltchkett im Volksleben, Theater, Lttteratur und Kunst. Der Parteitag ist überzeugt, daß dieser Kamps immer energifcher und zielbewußter geführt werden muß, zumal von feiten der Gegner wüste Angriffe auf die Fundamente christlicher Sittlichkeit, der unentbehrlichen Stütze des VolkS- wohls gemacht worden sind und noch gemacht werden. Wir erwarten bestimmt, daß strenger gegen grobe Auswüchse von Literatur und Kunst vorgegangen werde, daß der leider fallen gelassene Arbeitgeberparagraph zur Annahme komme, ebenso wie die Erhöhung des Schutzalters der Mädchen, da wir der Ueberzeugung sind, daß durch die wachsende Unsittltchkett und Schamlofigkeit unser m Volksleben das größte Verderbm droht, falls schlimmem Vorbild und böser Anregung dazu nicht gesteuert werden. Es wurde bann noch eine Erklärung angenommen, in ber an bie preußische Staatsregierung bie Bitte gerichtet wirb, bie soziale Lage ber Eisenbahn-Unterbeamten, soweit sie bei ber letzten GehaltSregulierung übergangen wurden, einer erneuten Prüfung zu unterziehen. — Zum zweiten Vorsitzenden wurde Chefredakteur v. Oertzen gewählt. Oeffeutliche Volksversammlung. s-r. Wetzlar, 9. Oktober. Um 8 Uhr abends eröffnete Parteisekretär Dr. Burck- hard-Godesberg bei bis auf den letzten Platz gefülltem Saale die öffentliche Volksversammlung mit einem Hoch auf den Kaiser. Zunächst sprach Abg. Stöcker über das Thema: „Die Bekämpfung der Sozialdemokratie und das Festhalten an der gesetzlichen Reform, ein Lebensinteresse des Arbeiterstandes". Die Christlich-Sozialen seien, so führte er aus, die ersten gewesen, die mit einem wirksamen Kampf gegen die Sozialdemokratie bie Anerkennung ihrer berechtigten Forderungen verbunden habe. Sie habe auch zuerst bie gesetzliche Reform gefordert. Infolge des Kampfes habe bie Sozialdemokratie die gröbsten Umsturzgedanken aufgegeben, an eine Revolution mit den Waffen denke heute niemand mehr. Singer dächte auch nicht daran, auf den Barrikaden obenan zu stehen (große Unruhe). Die Sozialdemokratie sei keineswegs bie einzige Partei, welche die Interessen ber Arbeiter wirksam vertrete. Die Stellungnahme der Bergarbeiter im Siegerland, im Kohlenrevier und auch in Berlin zur Zeit der Berliner Bewegung beweise, daß man der Sozialdemokratie große Arbeitermaffen streitig machen könne. Für sie und alle Arbeiter erstrebe man die Sozialreform auf dem Gesetzeswege. Die Sozialdemokratie und ihr drohendes Anschwellen seien nicht allein die Ursache für das Zustandekommen der großen Sozialgesetzgebung. Im Gegenteil habe die Sozialdemokratie alle die einschlägigen Gesetze verleugnet, weil sie angeblich zu wenig brächten. Jetzt habe sie aber im Reichstage an der Verbesserung dieser Gesetze mitgearbeitet. Sie hätten aber schon früher mit Abschlagszahlungen zufrieden fein müssen, wie bie Christlich-Sozialen, bereu Forderungen z. B. in Sachen ber Witwen- unb Waisenversorgnng weit über das jetzt gebotene hinausgingen. Jemehr sich der soziale Gedanke durchsetze, umsomehr stehe die Sozialdemokratie dem sozialen Fortschritt im Wege. Die Reform könne nur von oben aus- gchen, Monarch und Regierung würden aber durch baS Verhalten der Sozialdemokratie verärgert. Die Demokratie biete keineswegs größere Gewähr für bessere Zustande. Man schaue auf Frankreich und Amerika, wo das Kapital viel wichtiger sei, und wo es die Arbeiter viel schlechter hätten wie bei uns. Eine dauernde, klare, zielbewußte Reform sei nur in der Monarchie möglich. Eine schnellere Verwirklichung dieser Reform werde aber durch die Sozialdemokratie gehindert. — Wie stehe es aber neben den materiellen Interessen mit dem Eintreten für König, Vaterland, Familie und Ehe, Kirche und Religion? Ein Arbeiter, der sein Vaterland nicht lieb habe, sei ein schlechter Kerl, die Parteinahme für die Chinesen eine nichtsnutzige Gemeinheit. Die Kolonialpolitik komme auch den Arbeitern zugut. Die Sozialdemokratie setze aber an die Stelle der Vaterlandsliebe internationale Schwirr- belcien. L>ie vergesse auch, daß der Mensch neben dem Magen auch ein Herz habe und sei gegen die Religion. Die Tiere, die nur einen Magen hätten, gehörten zur alleruntersten Klasse. Die Sozialdemokcatie sei international, aber nur die deutsche. Das komme daher, daß ihre Väter, Marx und Lasalle, Juden gewesen seien. Jude sei aber das Gegenteil von Arbeiter. Der soziale Kampf ergebe sich aus dem Gegensatz zwischen dem Spekulantentum, das zum Schaden anderer und den Arbeitern, die zum Nutzen anderer reich werden wollten. Deshalb könne aber ein Mann wie Singer nicht Präsident einer Arbeiterpartei sein. Es seien die dümmsten Kälber, die sich ihren Schlachter selber wählten. (Lautes Pfeifen und Beifall.) „Glauben Sie, daß Sie durch Pfeifen pfiffige Kälber würden?" Die Sozialdemokratie sei eine Hinderung des Fortschritts auf materiellem und geistigem Gebiet. Nur die soziale Reform könne Helsen. Lebhafter Beifall begleitete diese durch öftere Zwischenrufe und Unruhe der anwesenden Sozialdemokraten unterbrochene Rede. Namens der letzteren sprach sodann Redakteur VetterS-Gießen. Mit dem Worte Revolution sei niemals eine solche mit der Heugabel gemeint gewesen. Die gesellschaftliche Entwickelung vollziehe sich nicht von heute auf morgen. Das einzige Bischen Sozialreform sei lediglich dem Auftreten der Sozialdemokratie zu danken. Wenig sei geschehen. Welcher Sturm habe sich gegen die Bäckereiverordnung erhoben? Was geschehe gegen die Ausbeutung von schulpflichtigen Kindern, die in der Hausarbeit oft 12 Stunden arbeiten müßten? Stöcker habe der Sozialdemokratie Negierung aller idealen Güter vorgeworfen. Thatsächlich seien aber dort, wo die Sozialdemokratie am stärksten vertreten sei, die besten sittlichen Zustände. Sie hätten mehr Herz für's Volk wie Stöcker mit seinem guten Freunde Hammerstein. International seien sie, weil sie das internationale Kapital, die internationale Ausbeutung zu bekämpfen hätten. Damit sei Vaterlandsliebe sehr wohl vereinbar. Die Arbeiter wüßten sehr genau, was es vnt dem Patriotismus der Leute aus sich habe, die nur für ihren Geldbeutel arbeiteten. Singers brauchten sie sich mcht zu schämen. Er habe in selbstlosester Weise die Arbelterinteressen vertreten. Nur selten hätten die Kapitalisten höhere Ideale. Auf die Gründe des vaterlandslosen Verhaltens könne man in öffentlicher Versammlung nicht eingehen. Warum, das wisse auch Stöcker ganz genau. Er gönne ihm seinen Sieg über die Sozialdemokratie, die da- ber wachse und gedeihe. (Forts, s.) Oerkchtssaat. . G. C. Gießen, 9. Oktober. (Strafkammer.) Als erste Sache kam heute die Anklage gegen Ludwig Klein zu ^rankenbach wegen Betrugs zur Verhandlung, dem zur Last gelegt wurde, sich am 9. Juli 1900 eines Betrugs zum Nachteil des Christian Bernhard zu Bad-Nauheim, seines damaligen Dienstherrn, am 19. Juli l. I. eines Betrugs zum Icachtell eines Backsteinmachers namens Klahn schuldig gemacht zu haben. — Der Angeklagte ist geständig. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Gefängnisstrafe von emem Jahre. Das Urteil lautete auf eine Gesamtgefäng- Nlsstt-afe von 10 Monaten. Der Angeklagte verzichtete auf Rechtsmittel und trat seine Strafe sofort an. — Eine größere Beweisaufnahme zu der nicht weinger wie 25 Zeugen geladen waren, erforderte die Verhandlung gegen den L> tu deuten Paul Mühl Häuser von Geislmqen ivegen Betrugs. Dieselbe zeigte, wie leicht es für einen Abiv.^dten Hochstapler ist, das Vertrauen hiesiger Geschäftsleute zu mißbrauchen. Mühlhäuser entstammt einer angesehenen Familie aus Geislingen in Württemberg. Mit denk Reifezeugnis für Prima verließ er die Schule, Zu Fbgmn des letzten Sommersemesters kam er hierher, um Dlerhellkunde zu studieren. Von Hanse aus war er aus- rerchend mit Geld und Kleidern reichlich versehen, doch hatte er vor seiner Ankunft hier den größten Teil des Geldes m Frankfurt bereits verjubelt. Am dritten Tage seines hiesigen Aufenthaltes begann er, um sich Geld zu verschaffen, mit Betrügereien. Er begab sich in das Kleidergeschäft von St., stellte sich als Student vor, der sich hier zum Examen vorbereiten wolle — immatrikulieren ließ er sich hier überhaupt nicht — und kontrahierte binnen einer kurzen Zeit eine Schuld von fast 150 Mark. In gleicher Weise gelang es ihm auch- binnen kurzem Schnei- dermeister H. und das Kleidergeschäft von K. um erhebliche Beträge zu beschwindeln, ebenso gelang es ihm, noch in verschiedenen Kleidergeschäften eine Anzahl von Anzügen, Mäiiteln usw. auf Kredit zu erhalten, die sofort von dem Angeklagten in dem Pfandhaus zu Frankfurt versetzt wurden. Erleichtert wurden ihm seine Betrügereien einmal durch sein sicheres Auftreten, dann auch durch den umstand, daß zufällig ein Student gleichen Namens hier thatsächlich immatrikuliert war, (der also, wie wir noch ausdrücklich hervorheben wollen, mit jenem Hochstapler ch t identisch ist. D. Red.) auch Angeklagter eine Visitenkarte vorlegte auf der er sich den Rang eines Vizewachtmeisters der Reserve im Ulanenregiment „König Wilhelm I. von Württemberg" beilegte. Neben einer Reihe von Kleidergeschäften betrog der Angeklagte fast sämtliche hiesige Buchhandliiiigen um zum Teil recht namhafte Beträge. Zur Erleichterung seiner Betrügereien hatte er in einem Geschäfte sich Mützen in den Farben schwarz-weißhellblau anfertigen>ssen; in dem gleichen' Geschäfte außerdem ein silbernes Zigarrettenetui tm Preise von 23 Mark auf Kredit genommen, das er sofort in Frankfurt für drei Mark versetzte. Eine Reihe von Schuhmacher haben ebenfalls zum Teil erhebliche Verluste zu beklagen. Auch verschiedene Uhrengeschäfte suchte der Angeklagte auf; in dem einen gelang es ihm, unter dem Vorgeben, er werde zu einer militärischen Hebung eingezogen, und unter Vorlegen seiner Visitenkarte, einen Feldstecher im Werte von 23 Mark zu bekommen, der alsbald für 7 Mark versetzt wurde. In einem anderen Geschäfte hatte er verschiedene Uhren zur Auswahl in seine Wohnung bestellt, der Eigentümer des Geschäfts brachte sie selbst dahin und übergab sie dem Angeklagten, bekam aber bald Bedenken und kehrte wieder zurück. In einem Hotel, wo er den Angeklagten | Zugabe der Vermieter sicher zu finden alaubte derselbe völlig unbekannt. Er eiltt an den faS unb Abiabr^ü!^ ^geklagten in einem gerade zur Adwhrt nach Frankfurt bereitstehenden Zuge zu entdecken ÄÄn ÄCnF de'r AngeÄgte^die ufre« im zberte von 410 Mark heraus, dre Etuis hatte er wea- nnnphpftlf s ^fernt, die eine Uhr an seiner Kette und einer Woche beantragt. Das Gericht 28 Säfte bee; vollendeten Betrugs und 6 Fülle de« tiex« suchten Betrugs auf eine G e s a m t g e f ün gn is str a f e Bon ätoet Sabr-en, wobei als festgestellt angenommen w«de, daß der Angeklagte von seinem Vater sken^n r? borgen, keine Aussicht und nicht die Absicht hatte, die von ihm angepumpten Geschäftsleute aeHaaten19^' dieselben nur getäuscht durch den An- ""gegeben, ihm Kredit gegeben, anderen 5aus demselben ohne weiteres verweigert hätten. Straf- ^dernd kam in Betracht das jugendliche Alter des Angeklagten, der erst 20 Jahre alt ist, sowie daß derselbe ^ch, mcht vorbestraft ist. Der Angeklagte verzwhtete auf Rechtsmittel und trat seine Strafe sogleich an. Kunst und MMnMst , Stuttgart, 7. Oktober, berichtet man: Der württem- bergische Goethe-Bund hat in seine Satzungen die Bestimmung ausgenommen, daß er neben der Abwehr aller Angriffe auf die freie Entwickelung des künstlerischen und wissenschaftlichen Lebens auch die Förderung und Verbreitung künstlerischer und wissenschaftlicher Bildung und Anschauung bezweckt. In Erfüllung dieses Satzes ist er bereits darangegangen, für den Winter ein Arbeitsprogramm zu entwerfen, urlprünglrch lag es in dem Plan des Bundes, Volksvorlesungen zu ver- anstalten, wie diese schon in mehreren größeren Städten mit Erfolg ein* haben aber inzwschen die „Vereinigten Gewerk- schasten Volkshochschülkurse ins Leben gerufen. Durch dieses Vorgehen Goethe-Bund sozusagen entlastet: er kann mehr die künstlerische Seite der Darbietungen pflegen. Es sind nun zweierlei Arten von Veranstaltungen in Aussicht genommen. Einerseits sollen im Hof- tyeater, und zwar an einigen Sonntagnachmittagen, kurze Vorträge über unsere klassischen Dichter gehalten werden; an diese werden sich Dar- bletungen aus chren Werken, namentlich auch dramatische, anschließen. Em Vortrag über bildende Kunst ist gleichfalls vorgesehen. Diese Veranstaltungen sind für das große Publikum berechnet und die Preise werden deshalb sehr billig gestellt (etwa40Pfg. für den Platz). Außer- dem aber sollen im Wllhelmatheater in Berg Vorführungen literarisch bedeutender Stücke, deren Darstellung auf größeren Bühnen Schwierigkeiten der einen oder anderen Art begegnet, stattflnden. Einige dieser Vorstellungen werden zugleich den Charakter des künstlerischen Experiments tragen. Für solche Aufführungen, die eine intime Darstellung verlangen, eignet sich das kleine, im übrigen trefflich ausgeflattete Wllhelmatheater vorzüglich. Der geschäftsführende Ausschuß wird nächsten Samstag das Programm im Einzelnen feststellen. Es darf anerkennend hervorgehoben werden, daß diese Thätigkeit des Goethebundes im Wesentlichen ermöglicht wird durch das Entgegenkommen des Hoftheaters, dessen Intendant, Baron Putlitz, an der Spitze des Goethebundes steht und das Wirken des letzteren in kräftigster Weise fördert. Die Eintrittspreise für sämtliche Vorstellungen können nur deshalb so nieder gestellt werden, weil das Hoftheater sich mit der Erstattung der Selbstkosten begnügt. Kedda chaöler. -e. Gießen, 10. Oktober. Iw Frankfurter Stadttheater wurde am Montag übend von Eleonore Düse und ihrer Truppe als zweite und letzte Gastvorstellung „Hedda Gabler" von Ibsen ausgeführt. „Hedda Gabler" ist eins der schwierigsten Probleme, die je der alte nordische Geisterseher sich gestellt hat. Ob er des Rätsels Lösung ganz gefunden, sei dahin gestellt; jedenfalls aber hat er aus Rätselfrage und Lösung ein vollendetes Kunstwerk geschaffen. Der Inhalt des Stückes ist folgender: Der Privatdozent Jörgen Tesman hat sich mit Hedda Gabler, der Tochter des Generals Gabler, vermählt, lieber fünf Monate sind sie fortgewesen und jetzt soeben von der Hochzeitsreise zurückgekehrt in das eigene, elegante, behagliche Heim (einer Villa der Vorstadt), das inzwischen ihr gemeinsamer Freund, der Gerichtsrat Brache, für sie erstanden und eingerichtet hat. Durch das tägliche Leben und den täglichen Verkehr werden wir nun näher mit dem jungen Paare und seiner Umgebung bekannt. Da sind zunächst zwei prächtige alte Damen, die guten alten Tanten, die an ihrem Jörgen Mutterstelle vertreten haben, deren ganzer Stolz und letzte Freude er ist. Die eine von ihnen ist seit Jahren ans Bett gefesselt, aber stets froh und teilnehmend für alle; die andere ist die gute Tante Jule, die nie an sich denkt, die soeben einen Teil ihrer Altersrente verpfändet hat, nur um das junge Heim den Ansprüchen Heddas gemäß gestalten zu helfen, doch trotz aller Herzensgüte wirkt Tante Jule in ihren Andeutungen und Zuknnftstränmev der vornehmen Hedda gegenüber oft fast plump. Endlich gehört zum Haushalte noch die alte treue Magd Berte, die ans dem langjährigen Dienst bei den Tunten in Jürgens Heim übergegangen ist, „weil er doch zu sehr an sie gewöhnt war". Das alles wirkt wie ein köstliches Idyll aus Großvaters Idyll paßt Jörgen Tesman selbst aufs ^r!?lÖen Verhältnissen hat er sich durch unermüdlichen Fleiß zu einer allgemein geachteten Stellung emporgearbeitet. Während seiner Hochzeitsreise hat er den Doktorgrad erworben, hat zahlreiche Archive durchstöbert und 'eine Fülle von Notizen als, Material zu neuen Arbeiten mit heimgebracht Jetzt hat er Aussicht, in kurzer Zeit Professor zu werden Mit den Forderungen der Wirklichkeit aber weiß er sich schwer abzufinden. Für sich selbst bedürfnislos, hat er sich in Schulden gestürzt um seiner jungen, verwöhnten Gattin ein Heim nach ihrem Geschmack zu schaffen. Ihm selbst erscheint es wie ein Wunder, daß die stolze Hedda Gabler ihm gehört und deshalb scheut er kein Opfer für sie und fühlt nicht, was ihn trotz seines edlen Charakters und seines angeborenen Zartgefühls auf immer von ihr trennt: Der Mangel an Kraft, an Lebens- Übermut, an frischer, gesunder, überschänmender Urwüchsigkeit! Und wer ist Hedda Gabler? Ihr äußeres Leben ist ebenso schnell erzählt als ihre Seele schwer zu entziffern ist. Hedda ist, tote gesagt, die einzige, verwöhnte Tochter des Generals Gabler. Sie hat früh die Mutter verloren; der Vater hat sich wenig uni sie gekümmert, so ist sie, meistens sich> selbst überlassen, ausgewachsen. In gewisser Weise hat sie sich ihre Freiheit zu Nutzen gemacht, sie ist eine gefeierte Salondame geworden, sie kokettiert mit männlichen Künsten: sie reitet, raucht, schießt fleißig mit Pistolen, kurz, sie treibt allen Sport, soweit ihn die Mode gerade begünstigt, wohlverstanden, weiter nicht. Nur keinen Skandal, nur den Schein wahren! Die konventionelle Form als Schutzgewand aufgestellt und dahinter sicher geborgen thun, wozu die prickelnde Laune treibt — aber bei Leibe nichts, was nicht nach außen durch diese schützende Mauer gedeckt werden könnte — das ungefähr ist Heddas moralisches Glaubensbekenntnis und doch würden wir gewaltig irren, wenn wir dächten, hiermit schon eine Erkenntnis ihres Wesens gewonnen zu haben. Ihr Charakter gehört zu den ganz seltenen, wie sie in so komplizierter Weise einem nur ein^ .ober zweimal im Leben erscheinen. Man glaubt, sie zu ergründen und findet neue Rätsel, und steht man endlich an ihrem Sarge unb schaut rückwärts auf ihr abgeschlossenes Leben, ba blitzen einem noch! aus ber Nacht bes Tobes bie schillernben Augen ber Sphinx entgegen unb führen irre! Es heißt, zwischen ben Zeilen lesen unb aus Mienen unb hingeworfenen Worten sich ein Ganzes hüben. Doch kehren wir zurück zu Hebba vor ihrer Verheiratung mit Tesman. Wie gesagt — sie war verwöhnt, schön unb pikant. An Courmachern fehlte es ihr nie — aber Hedda Gabler war arm — es fand sich kein ernstlicher Bewerber unter der Sch,ar ihrer reichen Verehrer. Hedda aber wußte, daß mit ihres Vaters Tode aller äußere Glanz für sie erlosch und sie haßte die Armut, — so sah sie sich bet Zeiten nach einer Versorgung, versteht sich, einer anständigen Versorgung um: sie heiratete den Privatdozenten Tesman! — Seine Bücher waren ihm bis dahin alles, nun hat er Hedda in sein Leben ausgenommen — wie, weiß er selbst kaum, jedenfalls nicht, weil sie ihm notwendig war zu seinem Leben! Im Schlußakt sagt Tesman einmal „die Papiere anderer zu ordnen — das ist gerade etwas für mich!" — feine eigenen Papiere, kein eigenes Leben — volle Befriedigung findend in dem Aufgehen in andere, das ist Tesman. Hedba's ganzes inneres Wesen bricht einmal in die Worte hervor: „Ja, Mut, ja, wer den hätte — bann vermöchte man vielleicht boch sein Leben zu leben!" Ihr eigenes Leben zu leben ist ihre tiefste Sehnsucht. Sie sagt ein anberes mal „nur ein einzigesmal im Leben Macht haben über ein Menschenschicksal". — Daß bie Allgewalt bes Weibes, ihre, wirfenbe, um- gestaltenbe Kraft für sich unb andere einzig in ber Liebe besteht, will ober kann Hebba nicht einsehen. Unb boch hatte sich auch ihr wenigstens einmal im Leben Gelegenheit geboten, Macht zu erlangen über ein anberes Menschen- schicksal uno nach freier Wahl ihr Los zu bestimmen, aber bie Furcht, sich lächerlich zu machen, hatte den Mut zur Liebe gelähmt.-- Kaum sind Tesman und Hedda in ihrem jungen Heim eingekehrt, da erscheint hilfesuchend bei ihnen eine Frau Elvsted. Sie ist eine Schulgefährtin Heddas gewesen, von dieser aber stets geringschätzig als eine tief unter ihr Stehende behandelt. Frau Elvsted ist hoch oben in ber Bergeinsamkeit bie zweite Frau bes Landrichters Elvsted geworden; sie hat seine erste Frau zu Tode gepflegt, hat für seine Kinder und den Haushalt treulich gesorgt und da sie das Leben ebensowenig kannte als sich selbst, so wurde sie eben die Frau des alternden'Mannes. Da kommt in ihre Einsamkeit der junge Gelehrte Ejlert Lövborg, der sich trotz seiner genialen Begabung in seiner Vaterstadt unmöglich gemacht hat durch fein wüstes Leben und feinen Hang zur Trunksucht. Frau Elvsted's Leben ist leer unb unausgefüllt — ihr Mann kümmert sich nichp um sie; wohl unterrichtet sie seine Kinber unb führt feinen Haushalt, aber jeher verlangt nur Pflichten von ihr, keiner begehrt ihre warme herzliche Liebe. Ejlert Lövborg wird ber, Hauslehrer ihrer Stiefkinber — sie sieht ihn täglich erkennt die edlen Gaben unter seinen entsetzlichen Schwächen und ein heißes, mütterliches Erbarmen erfaßt sie. Zum erstenmal bedarf ein Mensch ihrer: so liebt sie ihn mit elementarer Gewalt wie eine Mutter ihr krankes Änd, wie, ihrer selbst unbewußt, die junge Maid zum erstenmal ihr Herz der Liebe öffnet. Sie denkt nicht an sich begehrt nichts für sich und handelt so völlig instinktiv, daß sie einmal daran denkt, bösen Schein zu meiden. Sie will und erstrebt nur eins: den Freund, sein besseres Selbst zu retten. So arbeitet sie mit ihm, glaubt pn ihn, giebt ihm sein Selbstvertrauen und feine Selbstachtung zurück. Als neuer Mensch mit neuem Mut schafft er ein Werk, das Aufsehen erregt. Von ber Entwickelung ber Kultur bi§ zur Gegenwart hanbelt es, unb er hat noch ein Werk geschrieben, im Manuskript völlig fertig, von bem er sich weit mehr noch verspricht. Seine Jbeen über bie Kultur der Zukunft hat er barin niebergelegt, mit anbern Worten, sein bestes Selbst, feine zwingenbe Sehnsucht nach höchsten Zielen. Aber hiermit greifen wir vor. Vorläufig ist fern erstes Werk mit Staunen unb Beifall aufgenommen, er selbst ist an bie Unib&rfität zurückgekehrt und, so erfahren wir bald durch den Hausfreund Gerichtsrat Brache, es soll eine Konkurrenz für ihn und Tesman ausgeschrieben werden, nach welckM erst die Professur dem einen oder dem andern verliehen werden soll. Frau Elvsted allein kann den allgemeinen Jubel nicht teilen, sie bangt, ob in ber großen Stabt bie Versuchung nicht zu groß fein wirb für ben eben erst gefunbeten Lövborg. üjrer Herzensangst sucht sie Rat und Hilfe bei Dr. Tesman und nun entwickeln sich Szenen, in ihrer seinen Seelenmalerei so raffiniert, daß ihnen an psychologischer Zresssicherhert kaum etwas gleichkommt. Wie schlangenartig Hedda dre harmlose, kindliche Frau El« ted umgarnt, wre sre durch zauberhafte Liebenswürdigkeit ihr ihres Herzens innerstes Geheimnis xntrcißt-koidihr Zorn, ihre Eifersucht auslodern, als sie erkennen muß, baß biefe von ihr verachtete kleine ft-rau'aeleiftet bat, wonach sie sich burch lange inhaltsleere ftabre felmtc, daß sie in ber That Macht gewonnen hat über ein Menschenschicksal: bas alles ist vortrefflich ge- scbilbert. Balb erfahren wir mehr. Ejlert Lövborg ist es. Dr. Detter» L 4170 Th. iSrück, SGoßgaffk 16. 6441 2692 MAGGI @@ eeeeeeeeeee® Neuester vervollständigter $ Wohne jetzt 31 Weftanlage 31 im Hause des Herrn Jean Dern. Zahnarzt Th. Frutig. Oeör. Adami. Neuner & Krumm. A« & H« Mallenfets. K. Aruokd II. Hussav Matter. Z. M- Schulhof. Aug. Mott II. Keiurich Mallach. K- A- Nassauer. Gart SchwaaV. Oeör. Michek. Hmil Alschbach. A- Heisse. 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Mts. an Ort und Stelle anderweit verpachtet werden. Di- Zusammenkunft ist vormittag, 9 Uhr an der Gabelung der Grünberger- und Lich-rstraße, mit Fortsetzung nachmittag» 3 Uhr. Gießen, den 8. Oktober 1900. 6681 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. SB.: Wolff. Hedda aber hat ihm das Manuskript abgeuomm^ _ um es aufzubewahren. Lövborg erscheint vor ihr voller Verzweiflung und klagt seinen Verlust. Vor ihren Auaen spielt sich eine erschütternde Szene ab zwischen Lövbora mit beweglichen Worten klagt. Thea den Freund an, qq? et das Kind, das ihnen beiden gehörte, umgebracht L \TvpfVßenn ie, so mußte jetzt Hedda klar werden, bis tei(npn^m ^ode Thea an dem Geistesleben Lövgards B 'mtnetL Bettelarm kommt sie sich vor, die stolze 'Ü. H.^da Gablers Leben eine Rolle a lick ^ie k ^7.°. fesselte sie, sie lockte ihn K. Itc den guten Kameraden und nutzte die Vertraulichkeit, um Lövborg auszuforschen, um durch zu befriedigen nach dem, „was sonst fahren". Als er begehrte, was Pni/LdL, lieÄ ÄHUf toar "id,t mafcno§' ~ H'dd° ÄZer haßte jeden I EwstL"" s^r'tg7h7n, ^■*r<.nUl um r,fect unt> $e’&" lodernden Geistes zu allem Höchsten -ngespornt, „mit Weinlaub im Haar" wie ein M? allen nmtMK etU ^knechteter vor ihr än erscheinen. Mit allen Mitteln — auch instinktiv, aber freilich aus einem ganz andern Instinkt heraus als Thea Elvsted ar- I Tirh etfruü, "’V....... bettet nun Hedda. - Sie verrät die Freundin sie säet Nüstern beim Knistern ®ruft 9^" Thea, seinen .streuen I besten^hrer Seele trafste Regung. Kameraden , sie weckt in ihm falschen Stolz und Eiaen- Z übde^'das'er'L Ziel. @r bricht e"n er aefit ™ ?e9ebeit- « greift zum Becher - er MeUt biefa4Xrrfen?e'e be3 Gerichtsrats Brache; lich erwarten^ Uni? S'rtt" Elvsted ihn vergeb- nicht he?m? 'Tns RNd"^^^inlaub bekränzt" kehrt er Augen Hedda von ba§.,§r.e,un^ Brache unter vier hat wachlich niMs Treiben entwirft, schaffen. — In btcfer^^v^,?.ftter9feuf)en Vorstellungen zu Mna im Sterben Tesman^e^^/^b^ Nacht liegt Tante Hause kommt und voll T?auer und a § erf eben naä> I mitteilt, daß der trunkeneLövbo^ feiner Frau nungssähigen Zustande sein Ästbares unzurech- Er, Tesman hat es au aebobe^ verloren davon gesagt, um dem armen Freunde Ä "^mandem Sobald derselbe ausgeschlafen hat u?prn??u sch-aden. I er ihm das Manuskript wieder Ä ?ill den Freund, die sterbende Tantes 'di SorgeW?ÖIt ;b°nd-, das alles nimmt ihn in AnW bembffltannp\Tben "binen krauslöpfigen Thea, neben tin ihrer Gegenwart die gehaßte Gefähr- oh.mrt höchstem Preise krönt. Ob sie selbst in Heister stieß°ode? °Ulüht fi'e f/siher zurück- m1 rOb Uf flch nur darnach sehnt, selbst einmal toi^nm0—Ki^€rtSelB^nIici,4o iu klebet!, das wissen r- hort unbewegt Lövborgs Berzweiflunas- Elvsted ungehindert die ganz verzagende Frau . „o< * chrtgehen, vernimmt Lövborgs Selbstinord- Und nun taucht dieser Lövborg auf als ein völlio I ^hne nur mit einem Worte zu verraten dast anderer, von allen gerühmt und geehrt und das alles I Selbstm^r?^rnt Lövborg noch zum durch den Ernfluß der kleinen unscheinbaren Thea Elvsted? I ihm ?Xtt- Andenken" eine ihrer Hedda ertragt es nicht, jetzt wird sie in sein Leben ein- I lÄ Junten Pistolen m die Hand. Aber, in Schön- greisen, fte wird ihn von Thea's Einfluß befreien er I ^rben: „nur in Schönheit, Ejlert Lövborg" Mird als freier Mann unter Männern sich berauben .versprechen Sie mir das nur"! 9 Aber mir hmt foj ' । geht — fte bleibt und verbrennt Blatt für Blatt ^" u/^rk, das seines Geistes Ringen und Sieg enthält ,,^etzt verbrenne ich Dein Kind, Thea! — Du mit Zn, KraushaarDein und Ejlert Lövborgs Kind. Jetzt ver- brenne, — letzt verbrenne ich Dein Ktnd". - Dws heim- ft P ff P TT 1 Pl ‘WO'V* a/\1 a X1 ai£ Fl tW _ - . . Verrät am NsWSBNH WM I regelmäßig erscheinende ArmeenListe^ewbält einefahren übersichtliche Zusammenstellung aller Truvvent 7e Ä Utt?r mit namentlicher Angabe der Kfj JE deutschen Armee Standorte, sowie kurr? nntfm-m m rx (Inhaber), Kommandeure und Regiments-Namenszüge! 'L Abbildungen der höheren Militärbehörden, die ®enertifiab^nVwÄtte96^ttmftcrien unb und Äommanban^ren^uvernementr behörden; ferner die Landweh " und Terrttn^N Berwallungs- sämtlicher Truppenteile nach Waffenaatt^n n^'^'' em ^rzeichniß den alphabetischen Quartierstand — r b Nummerfolge und enthält die Personalien des ^^lung „Kaiserliche Marine^ und Inspektionen, die Küst^nbeii^e N^nm" ^ dle Ober-Kommandos für die Kolonien und Z^9jbejÖ- pfcxcement Werbefräfte" und Besatzungs Et°7 ^bst (1880—1900). deutscher Litteratuegeschichte qesebene Auslki^^ dargest.llt von Emil Thomas, 2., durch- liegende, Anfang d Siebter, Leipzig). Das vor- von mehr als 250^^sM'erschienene Werk bringt Charakeristiken die in ihrer GesomÄ?^?^ Richtern Deutschlands und Oesterreichs, wiberfDiprtPrn »e L ba6 0an3e litterarische Leben der Gegenwart wiverspiegeln. Mit kundigem Blick hat der als Redakteur der ° Unb nun' zu' de^Lffü^ eigenartigen | » otur' üle cr tn übersichtlich geordneten Gruppen zm Darstellung bringt. Ur Keiaolexim M zum Nekegeu ganzer Zimmer, und XsinoleiiEsi-IT orla^en. ffiw Das Belege« ganzer Zimmer wird fachmännisch ansgeführt. Nefereuzen: Mychmtnsche filmit, Physikalisch-chemisches Justitut, UnivechtätS- Bibliothek, Kreisamt rc. rc. Max Weissbäcker Vertreter der Firma Siemens & Halske, A.-GL Giessen, Südanlage 23 empfiehlt sich zur Installation von Hausanschlüssen an das Städtische Elektrizitätswerk, sowie zur Lieferung elektrischer Biotore fi > , , . „ für gewerbliche Zwecke. 6038 Grosse Auswahl in Bogenlampen, sowie Lustres und sämtlichen Bedarfsartikeln der elektrischen Branche. nnd Projekten diene auf Wünsch kostenlos. Gekannt hat niemand Hedda Gabler in ihre™ SSsBfB dis Hand i6r wurde, und nun rik hpr OritfFVit. c .' L ! Plakat-Fahrplan I enthaltend die Fahrzeiten der auf den Stationen Giessen, ® ä Frankfurt a. M, Cassel, Marburg, Friedberg, Lollar, — g Fronhausen, Wetzlar, Coblenz, Deutz, Fulda, Alsfeld, ® g Gelnhausen, Nidda, Stockheim, Gedern, Schotten’ • Laubach und Londorf ankommenden und abgehenden ® g Eisenbahnzüge, sowie die Fahrzeiten der Biebertbalbahn, ® M zum Pfel8e von 20 Pfg, in der Expedition des Giessener ® Anzeigers vorrätig. — Der Fahrplan kann auch durch die ® d ■^■usträger des Giessener Anzeigers bezogen werden. Werkes. Beim Auftreten der D u s e ist man schon daran I gewohnt, ihre Mitspielenden nicht gleichwertig zu finden. Darunter litt bei der Aufführung am Montag besonders dre Rolle der Frau Elvsted. — Könnte man einmal ^Snev Sorma als Thea Elvsted und Eleonora ,y,e als Hedda Gabler zusammen wirken sehen! — das mi^te bür Ensemble geben, von dem die Buhnenaeschichte l7?w^ nfQ(paeVU berichten hätte. Wie es nun einmal weggewrscht, wodurch Frau Elvsted Eern auf einen Mann wie Lövborg einen so dauernden sÄ ^-^langen konnte und nur eine gewisse unbehilf- 5^ char gebliebem Tesman erging es besser ?Ue ^bsenscheti Feinheiten der Rolle um toar genug davon geblieben, I um die Karrrkatur zu verhindern. 1 f .^ie übrigen Rollen übergehen wir am besten um Un^re ungeteilte Huldigung der Düse darzubring^n £fn9 «» grauer Schimmer über bem Haupte ^r rst jung und frisch geblieben. nur Seelisches in ftebba Gabler lag - in ihren f ' kT^ren Mienen, ihren Körper -und Handberveq- ungen, das wußte Eleonore Düse herauszuholen. Sie spielte nicht Hedda Gabler — sie war — so lanae •£ieTteo Gabler.- darin liegt der Schlüssel zu ihrer Zauberwirkung. w Biegsamkeit der Seele, welch völliges^ Auslöschen der eigenen Persönlichkeit, welch ungeteiltes Auf- gehen in ihrer Rolle gehört dazu, um derartia hna Spiel m Leben zu verwandeln. oerartig das- Wteratur. n Maggi zum Würzen, Z Gemüse- und Kraftsuppen, 2 Bouillou-Kapsein, 6458 -— -----— Gluten-Kakao ^rap?^lc in praktischer Verwendbarkeit und Billigkeit ^Zch empfehle solche meiner verehrltchen Kundschaft bestens. 9 11 -----------------Gustav Walter, Mäusdurg 13. Weiße und Wme-Uorkänqe / ’™öi*nange in Wolle, Seide und gestickt. Th. Brück, Schloßgasse 16. I .Und dann kommt es, wie es kommen mustte — her ®erter.~- Schönheit ist er nicht geftorbL' Zauche gab nur einen mildernden Bericht, um der armen klonen Frau Elvsted" willen, allein mit HeddalaE anberS und aus diesem Berichte schlägt ihr etwas entgegen, wie widerliche, ekelerregende Sumpflnft - Sie sieht sich nur in ihrem Leben - Brache hat alles erraten — ihr früheres Verhältnis zu Lövborg — ihre Mit- hnrfunfl an seinem lobe — er hat stets ihre^ Fehler und a Uj ihre Fehler yat er seine Pläne gebaut Er wird schweigen, aber er hat sie in der Hand' ° Sie fühlt sich unfrei wird sich wenigstens zum ersten Mal ihrer Unfreiheit voll bewußt. Sie sieht sich nach Tesman und Thea um. Frau Elvsted hat in ihrer Tasche die Zettel gefunden, nach denen Lövborg ihr sein kostbares Manuskrcht zu diktieren pflegte. Sie sind vielfach durch- strichen, kraus, verworren, aber wenn Thea ergänzt und W' w?rb Tesman schon Ordnung stiften und sie werden durch Erneuerung seines Werkes dem toten Freunde das ?L"kmal setzen. Sie sind es ihm schuldig - , Thea steht schon beide eifrig bei der Arbeit. Wie immer I feei ernsten Dmgen, ist sie überflüssig, niemand gebraucht sie, niemand erachtet sie für notwendig — als Brache — und Frau Elvstech'aus der ’bie* 9^ I ^Spielzeug! Da steigt der Ekel wieder Theas, aus der Lövborgs unbegrenzte Hochachtung vor I sich ?fef bfr 6e,m Jeeare^ ^den Leben, das sie feinem „guten Kameraden" hervorleuchtet, aus de/ aber I cioenTn^mutP^Tf? b(S Zwangen nach einer auch hervorgeht, daß von dem verlorenen Manuskript keine I —ein Schust s» [hn m8 Nebenzimmer I existiert und daß es deshalb nie zu ersetzen ist. I sie im torimho 1 Lbcflm rSL6efn berec entglitten, denen //3Jr Kind" nennen die beiden das verlorene Manuskript Gekannt- Kni-™ gewesen war. empfohlen. zu vermieten. 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