190« M. 159 Zweites Blatt Mittwoch de« 11. Juli Aezugsprei» vierteljährl. Mk. 2M monatlich 75 Pfß. mit Bringerlohn; durch die AbholesteL« vierteljährl. Mk. IM monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen-DcrmittlungSstellen deS In- und AuSlandeL nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen« Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., au-wärlS 20 Pfg. Annahme »vn Anzeigen zu der nachmittags für be* legenden An, erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. AbbetzeLungen spätestens abe*M vorher. Kießmer Anzeiger Heneral-Htnzeiger Erscheint tügNch »U Ausnahme deS RontagS. Die Gießener Mnmttlenötttl-r »erden de» Anzeiger Nn Wechsel mit „Hess. 8enb®itT m. ^Blätter M he«. Volkskunde" mgchL 4 mal beigelegt. Amts- und 2lnzeigeblatt für den Ureis (Niefzen. *» ITJiftf—. Sgpeditton und Druckerei: Ichntßraße Nr- 7. Gratisbeilage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Kälter fiir heMche Volkskunde.________________ Adrrste für Depeschen: Anzeiger Kistzs«« Fernsprecher Nr. 5L —————■■«K Die Wirren in China. Während nach einem Reuten Telegramm aus Shanghai die Legationen in Peking am 4. Juli noch standen, will der Shanghaier Korrespondent des „Daily Expreß" am 6. Juli durch den dortigen britischen Konsul offiziell davon in Kenntnis gesetzt worden sein, daß alle Fremden in Peking einschließlich aller Gesandten ermordet worden seien, und nur ganz geringe Hoffnung bestehe, daß einer oder der andere von den Gesandten noch am Leben ist. Als Datum der Niedermetzelung wird in Uebereinstimmung mit früheren Meldungen die Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli genannt. Ueber die Lage in der Hauptstadt wird ferner aus Tientsin telegraphiert: Alle chinesischen Häuser in der Umgebung der Gesandtschaften feien zerstört. Die kaiserliche Stadt werde durch die Truppen des Generals Tusuhsiang geschützt, von denen jedoch 20000 Mann zwischen Peking und Tientsin stehen. Nach dieser Meldung muß man annehmen, daß in Peking ein KampsAller gegen Alle herrscht. Die Chinesen- Viertel der Hauptstadt haben die Boxerhorden durch Brandstiftungen und Plünderungen entsetzlich verwüstet. Sie haben auch das innere Thor des Palastes niedergebrannt. Die Fremden-Niederlassung in Tschifu ist vollkommen der Gewalt des chinesischen Heeres preisgegeben, die mit Krupp'schen Kanonen ausgestattet sind, um die Stadt von zwei Seiten her anzugreisen. Die Rebellen haben schon drei Versuche gemacht, die englische Gesandtschaft zu stürmen. Alle drei wurden jedoch mit schwerem Verlust für die Boxer zurückgeschlagen. So hat denn die Bewegung gegen die Fremden all- mählich den Charakter eines' Bürgerkrieges unter Chinesen angenommen, in dem aus der einen Seite die Partei der Kaiserin unter Führung des Prinzen Tsching und gestützt aus die großen Vizekönige in Mittel- und Südchina als Vertreter der Regierungsgewalt, aus der anderen Seite der Prinz Tuan und die Boxer nebst deren fremdenseindlichem Anhang stehen. Aus verschiedenen, srei- lich chinesischen Quellen ist bestätigt worden, daß bereits beim Ausbruch der Unruhen in Peking der Prinz Tsching, der seit dem Tode des Prinzen Kung Vorsitzender im Tsungliyamen war, bis er angeblich vor kurzem dem Prinzen Tuan weichen mußte, in gemeinsamem Wirken mit den fremden Schutzwachen, insonderheit mit der deutschen Truppe, deren Tapferkeit und Erfolge wiederum besonders lobend in den englischen Berichten hervorgehoben werden, gegen die Boxer und gegen den militärischen Anhang Tuans mit bewaffneter Hand vorgegangen sei. Prinz Tsching soll auch seitdem bei dieser Haltung verharrt haben. So meldet ein in Brüssel eingegangenes Telegramm aus Shanghai vom 9., einem chinesischen Blatte zufolge seien die Truppen des Prinzen Tsching in Peking dabei, die dortigen Europäer zu verproviantieren und gegen die Aufrührer zu verteidigen. — Nach einer Depesche des englischen Admirals Pruce aus Taku vom 7. ds. ist Grund zur Hoffnung vorhanden, daß Prinz Tsching mit seiner Armee die Gesandtschaften in Peking gegen den Prinzen Tuan und dessen Armee und die Boxer schütze. Hoffentlich ist das alles richtig, aber unerklärlich bleibt dann immer noch, zumal wenn Prinz Tsching in der Lage ist, mit den Gesandten der Mächte zu verkehren, weshalb er nicht dafür sorgt, daß beglaubigte Berichte über deren Befinden an die Küste gelangen. Inzwischen hat der Vizekönig Liukunyi in Nanking einen neuen Beweis dafür gegeben, daß er mit den Fremdenhassern nichts gemein haben will; denn der deutsche Konsul in Tschifu meldet vom 9. ds. MtS., der frühere Gouverneur in Schantung, Lipinheng, sei mit 8000 Mann von Nanking, wo der dortige Gouverneur den Aufenthalt nicht wünschte, nach Norden gezogen. Liping- heng ist einer der Führer der fremdenfeindlichen Bewegung und wurde wegen seiner Haltung auf Verlangen der deutschen Regierung seines Postens als Gouverneur von Schantung entsetzt, dann freilich zu einem höheren Amte befördert. In der Provinz Schantung scheint der Aufruhr weiter um sich zu greisen, denn nach einer weiteren Meldung des deutschen Konsuls in Tschifu sind die katholische Mission in Tschingtschufu und die amerikanische in Pingtu geplündert worden. Die Boxer bedrohten die Telegraphenftation Huanghsien, etwa 70 Kilometer westlich von Tschifu, und suchten die Bevölkerung in Tschifu auszureizen. Alle diese Vorgänge spielen sich übrigens in beträchtlicher Entfernung von unserem Kiautschougebiet ab. Damit aber unsere dortiges" b Überraschungen gesichert sei, sind, wie au« JJJ1 gemeldet wird, mit dem deutschen November 1900 ab u. Dampfer KnivSberg 240 Marinesoldaten aus Tientsin dorthin zurückgekehrt. Da die Befehlshaber der fremden Truppen in Tientsin infolge der bedrohten Lage am 5. Juli beschlossen haben, die japanische Regierung um Unterstützung durch eine kriegsstarke Division anzugehen, und da diese sehr erhebliche Verstärkung vermutlich schon eingetroffen ist, so darf man annehmen, daß Tientsin nunmehr gehalten werden kann. Laut telegraphischer Meldung des österreichischen Kriegsschiffes „Zenta" sind bis jetzt 20 000 Mann ausgeschifft worden, die für Tientsin und Taku genügen. "Mittlerweile aber haben die fremden Truppen heftige Kämpfe zu bestehen gehabt. Nach einem Telegramm aus Taku vom 4. Juli warfen die Chinesen während der wieder aufgenommenen Belagerung von Tientsin über 500 Granaten in die Stadt. Die „Zentral News" berichten aus Tientsin vom 6. Juli: „Die Chinesen griffen heute morgen Tientsin abermals an, indem sie ein Artillerie- Feuer mit 12 Geschützen eröffneten. Tie Alliierten antworteten mit zwei englischen Schiffsgeschützen. Darauf ging eine Abteilung von 1000 Mann unter dem Schutze der Artillerie gegen die Chinesen vor, die zurück- aeschlagen wurden. Das chinesische Granatfeuer auf die europäischen Ansiedelungen war sehr sicher". Aus London wird telegraphiert: General Ma hat mit 10000 Mann Peking verlassen und ist dicht vor Tientsin. 3000 Mann stießen auf dem Marsche zu ihm, und 15 000 sollen in der Chinesenstadt Tientsin sein. In Tientsin hat die Auffindung eines Dokumentes großes Aufsehen erregt, in dem eine große englische Militäreffektensirma dem Vizekönig Chanchitung für 453 000 Pfund Sterling die binnen acht Monaten fertig zustellende kriegsgemäße Ausrüstung eines ganzen chinesisch!en Armeekorps offeriert! Ueber die Verhandlungen mit Japan wegen dessen Hilfs-Aktion verlautet, däß Japan ein entscheidendes. Eingreifen an die Bedingung knüpfe, daß über sein Vorgehen ihm kein Konflikt mit anderen Mächten erwachse und daß ihm ein Ersatz geboten werde, der nicht in Landeserwerbungen bestehen soll. Aus Wien wird gemeldet: Die Frage des Oberst-Kommandos der europäischen Truppen in China bildet nicht den Gegenstand von Verhandlungen. Sie wird im Augenblick der gemeinsamen Aktion allseitig zufriedenstellend gelöst werden. Ein Spezial-Mandat soll keiner Macht erteilt werden, weder Rußland noch Japan. Die Aktion ist und bleibt eine gemeinschaftliche. Die gemeinschaftliche Armee soll auf 100 000 Manu gebracht werden. * * * Die Ausreise der deutschen Geschwader-Division vom Kieler Hafen durch den Kaiser Wilhelm- Kanal über Wilhelmshaven nach, den chinesischen Gewässern ist am Montag vormittag zur festgesetzten Stunde erfolgt. Zuerst verließ die Hela den Hafen, dann folgten die großen Linienschiffe in der Reihe: Wörth, Weißenburg, Brandenburg und Kurfürst Friedrich Wilhelm. Der Kaiser beobachtete die Ausfahrt von der Kommandobrücke des Linienschiffes Kaiser Wilhelnt II. aus, wo die Kaiser-Standarte gehißt war. Der Monarch grüßte die Besatzung der beim Passieren die Standarte salutierenden Schiffe durch Mützenschwenken. Zur Bemannung des bei Taku eroberten chinesischen Torpedokreuzers werden 80 Mann von der Torpedo- Abteilung entsandt. — Der Kaiser befahl die sofortige Indienststellung des Keinen' Kreuzers Sperber für China. Die Ablösung für den Seeadler, die auf dem Dampfer Gera am 18. Juli stattfinden sollte, wurde inhibiert, da diese Mannschaften auf den Sperber übergehen sollen. Die noch in der Bildung begriffene deutsche Brigade für China wird auf Befehl des Kaisers den Namen See-Brigade führen und zirka 4500 Manu stark sein. Die: Führung wird einem iGeneral-Leutnaut übertragen werden, der nad} der Landung in Tokio das Ober- Kommando über sämtliche deutschen Landtruppen in China übernimmt. Wie die „National-Zeitung" hört, werden sich im Stabe der See-Brigade, deren Formierung in Wilhelmshaven geschieht, auch« mehrere Generalstabs-Offiziere befinden. Zum Kommandeur der nady China gesandten Kavallerie-Truppen ist der Kommandeur des braunschweigischen Husaren-Regiments, Oberstleutnant von Arnstedt, ernannt worden. Das Marine-Verordnungsblatt veröffentlicht eine Ordre des Kaisers, wonach! die bisherige zweite Division des ersten Geschwaders die erste Division wird, während die bisherige erste unter dem Hinzutritt des kleinen Kreuzers Hela die zweite wird. Die nunmehrige zweite Division wird vom 8. Juli ab als besonderer Kommandoverband detachiert und begiebt sich nadfl Ostasien, wo sie unter Beibehaltung der Bezeichnung als zweite Division des ersten GesdMaoers in allen Beziehungen dem Kommando des Kreuzergeschwaders unterstellt wird. Sämtliche nach Ostasien entsandten Schiffe unterstehen mit ihrem Eintreffen in der ostasiatischen Station dem Kommando des Kreuzergeschwaders. Wie die „Vossische Zeitung" aus Mel meldet, soll die Panzer-Division die Reise nach! China in45Tagen zurücklegen. Die Abfahrt der nach China bestimmten Torpedoboots-Flottille erfolgt am 16. ds. Für die Truppen- Expedition nach! China wird das Brandenburgische Train- Bataillon in Spandau eine Sanitäts-Kolonne stellen. Stabsarzt Dr. Langheld, der mehrere Jahre in Afrika gewesen ist, hat auf seine freiwillige Meldung Ordre erhalten, sich dem Sanitäts-Detachement nach China anzuschließen. Zu dem Wortlaut der vorgestrigen Rede des Kaisers an Bord des „Kurfürst Friedrich! Wilhelm" in Kiel schreibt die „Nat.-Ztg.": Eine Bestätigung des Textes dieser Rede liegt an unterrichteter Stelle nicht vor. Die Stelle von der Niederwerfung Chinas könnte jedenfalls nur so verstanden werden, daß damit die Niederwerfung des Aufstandes in China gemeint ist. * * Ueber Pie von deutschen und anderen europäischen Werften an d ie chinesische Regierung gelieferten Kr i e g s sch i f f s n eu b au ten ist folgendes mitzuteilen. Seit dem Ende des japanisch-cht- nesischen Krieges wurden drei Panzerdeckkreuzer auf der Vulkanwerst bei Stettin und vier Torpedobootszerstörev auf der Werft von Schichau in Elbing gebaut. Die drei Panzerdeckkreuzer der Hai $ung, der Hai Chen und der Hai Cheu, sind Doppelschraubendampfer von 100 Meter' Länge und 2950 Tonnen Wasserverdrängung. Die Maschinen entwickeln 7500 Pferdekräfte und geben den Schiffen eine Geschwindigkeit von 19 einhalb Seemeilen. Es sind Schwesterschiffe. Jeder Kreuzer besitzt ein Panzerdeck von 75 Millimeter Stärke, 24 Geschütze, 3 Torpedostoßrohrs und 2 Scheinwerfer. Die Kohlenbunker fasse:: 520 Tonnen, an Besatzung führt jedes Sck)iff 244 Mann. Die auf der Elbinger Schichauwerft gebauten Torpedobootszerstörer Hai Lung, Hai Nju, Hai Chung und Hai Hoha sind moderne Fahrzeuge, die sich durch eine außerordentlich große Geschwindigkeit, große Stabilität und einen bedeutenden Aktionsradius ,auszeichnen. Die Boote laufen 32 Seemeilen. Die Maschinen kraft übertrifft diejenige unseres Kreuzers Gazelle. Die Fahrzeuge können eine Dampsstrecke von annähernd 4000 Seemeilen machen. Unseres Wissens befindet fick) augenblicklich fein chinesisches Kriegsschiff oder Kriegsfahrzeug auf deutschen Werften im Bau, es sei beim, daß China neuerdings wiederum einige Torpedoboots-Zerstörer bei Schichau bestellt hat. Dagegen läßt das Reich der Mitte bei der englischen Schiffswerft Armstrong in Elswick zwei große Kreuzer, den Hai Tieu und den Hai Tschi, bauen, die eine Wasserverdrängung von je 4300 Tonnen besitzen. China war die erste fremde Nation, die Kriegsschiffe auf deutschen Werften erbauen ließ. Sie gab bereits Ende der 70 er Jahre zwei Schlachtschiffe in Deutschland in Bau und ließ anfangs der 80 er Jahre drei Panzerkreuzer folgen. Das französische Expeditionskorps für China besteht nach den neuesten Bestimmungen des Marineministers au-s den beiden neu gebildeten Marine-Infanterie-Regimentern Nr. 16 und 17 von je 1800 Mann und vier Batterien von je 110 Mann und 55 Pferden. Die Truppen sind mit Tropenausrüstung versehen, und es hat der General Vorschläge zur Ausrüstung für den im Norden von China sehr harten Winter zu machen. Jeder Mann erhält 120 Patronen, jedes Geschütz 130 Schuß. Außerdem wird eine Reserve von 1 Million Gewehrpatronen — 275 für jedes Gewehr — und 2400 Schuß für die Artillerie — 100 für das Geschütz — mitgeführt, in Anbetracht der Feuergeschwindigkeit eine vollständig unzureichende Zahl, wenn man bedenkt, daß in den Schlachten des französisch-deutschen Krieges 8-—900 Schuß an einem Tage verfeuert hat. Der Befehlshaber dieser Truppen, General Dodds, soll Vorschläge machen, ob auch Reiterei zu verschicken ist und ob diese alsdann ihre Pferde in Tonking erhalten soll. Den Truppen wird eine Abteilung Artillerie- arbeiter mitgegeben, und zwar 20 Holzarbeiter und 20 Eisenarbeiter, zu denen in Saigun noch 40 eingeborene Arbeiter stoßen. Weiter erhält das Korps eine Telegraphen- Abteilung und 40 der Artillerie entnommene Geniesoldaten und Feuerwerker, ergänzt in Saigun durch 43 Eingeborene. Diese verschiedenen Arbeiter sind außer den Werkzeugen mit Karabiner und 60 Patronen ausgerüstet. Um die Truppen an körperlichen Arbeiten im Lager u. dgl. zu entlasten, erhält jede Kompagnie 10 aus Tongking entnommene Kulis, jede Batterie 110 Kulis, jede Arbeiterabteilung wie auch die dem Korps beigegebene Telegraphen-Abteilung 20 Kulis; eS kann aber der Oberbefehlshaber, wenn nötig, in Jndochina eine größere Anzahl Kulis sich beschaffen. Drei Jntendanturbeamte für Verpflegung und Kassenwesen sind dem General beigegeben, welche am 10. Juli abreisen. Fuhrpark wird dem Korps nicht beigegeben, ebensowemg wie ein Feldlazarett oder eine Sanitätsabteilung, beides }oÖ erst im Lande beschafft werden, was voraussichtlich aus große Schwierigkeiten stoßen wird. Nur eine kleine Abteilung Krankenwärter (Infirmiers) begleitet das Korps, das im übrigen an die Einrichtungen der Kriegsschiffe verwiesen wird, was bei der großen Entfernung an den Häfen wohl schwere Folgen nach sich ziehen wird. Jedes Bataillon und jede Artillerie-Abteilung erhält als Ersatz für fehlendes Sanitätskorps 2 Aerzte, es werden also für zusammen etwa 4200 Mann nur 14 Aerzte bei dem Korps sein. — Gerüchtweise verlautet, die Regierung habe den Obersten Marchand bezeichnet, den General Dodds auf seiner Expedition nach China zu begleiten. • • * Telegramme deS Gießener Anzeigers. Wilhelmshaven, 10. Juli. Das China-Geschwader traf heute früh hier ein. Die Ausreise erfolgt morgen früh. Die Panzer-Division besitzt Einrichtungen für drahtlose Telegraphie. Um für die gleichfalls ins Ausland gehenden kleinen Kreuzer Niobe und Nymphe die nötigen Mannschaften zu bekommen, ist unter Zurückhaltung des Ablösungstransportes für den Seeadler auch die Außer- dienftstellung des Flottillenschiffes der Torpedoboot-Division „Blitzt angeordnet. Kiel, 10. Juli. Die schwerverwundetenOffi- ziere des Expeditions-Korps Seymour sind sämtlich heim- Lerufen worden. London, 10. Juli. Aus Tientsin wird uritcrm 7. ds. gemeldet, es bleibe den internationalen Truppen nichts anderes übrig, als die Verstärkungen abzuwarten. Man befindet sich! augenblicklich vollständig in der R e g e n z e i t, und es ist nicht selten, daß während derselben das Thal zwischen Tientsin und Peking in einen ungeheuren Morast umgewandelt wird, der den Transport von Truppen, Geschützen und Artillerie vollständig unmöglich macht. London, 10. Juli. Hier verlautet, daß den Reden des deutschen Kaisers bei der Abfahrt der Marine- Infanterie aus Wilhelmshaven ein Depeschen- Wechsel mit der Königin Viktoria voranging, worin der Kaiser seinerseits seine feste Entschlossenheit zu energischem Vorgehen aussprach London, 10. Juli. Aus Shanghai wird gemeldet, der Gouverneur von Mukden teilt mit, daß die k a t h o l i s ch e n Missionen in Brand gesteckt sind. Wien, 10. Juli. Nach, der „N. Fr. Presse" denkt man hier an leitender Stelle gar n i ch t daran, Landtruppen der österreichisch-ungarischen Armee nach China zu entsenden. Es werden höchstens noch einige Schiffe der österreichisch-ungarischen Kriegs-Marine in die chinesischen Gewässer geschickt werden, wenn die übrigen Mächte zum Schutze der Staats-Angehörigen dies für nötig erachten sollten. Der Krieg in Südafrika. Der Burenkommandant Le mm er hat die eng- lische Garnison in Rustenburg aufgesordert, die Stadt zu übergeben, und versucht, die die Stadt beherrschenden Höhen zu nehmen, ist aber unter schweren Verlusten zurückgeworfen worden, nachdem die Engländer von einer Abteilung Australier aus Zeerust Unterstützung erhalten hatten. Zeerust liegt reichlich 120 Kilometer westlich von Rustenburg. Die Entsatztruppen brauchten also mindestens drei Tage, ehe sie den bedrängten Engländern Hilfe bringen konnten. Diesen muß es daher ziemlich schlecht gegangen sein. — Oberst Mahon kämpfte am 6. und 7. Juli mit 3000 Buren, welche die Eisenbahn bedrohten, und trieb sie östlich von Bronkerspruit zurück. Die Engländer verloren dabei 33 Mann. Es ist also auch hier sehr heiß gekämpft worden. — Präsident Stein und General de Wei sind mit 3000 Mann nach Fouriesburg, nordöstlich von Ficksburg an der Basuto- landgrenze, marschiert. General Buller ist nach einer Besprechung mit Feldmarschall Roberts von Pretoria wieder abgereist. Lord Roberts hat den Minen-Gesellschaften mitgeteilt, daß ihre Angestellten frühestens im Monat September nach Johannesburg zurückkehren könnten. * e * Telegramm des Gießener Anzeigers. Loudon, 10. Juli. Nach einer Meldung aus Prätoria vom 8. Juli machten die Buren einen erfolglosen Angriff aus die britische Eskorte zwischen Stander ton und Heidelberg. Die Eisenbahn zwischen Prätoria und Heidelberg ist vollständig hergefiellt, die jüngst zwischen Heidelberg und Standerton zerstörte Brücke dürste bald wieder hergestellt sein und so ein durchgehender Verkehr mit Natal bestehen. Der Feind griff den Obersten Mahon in der Nähe von Springs an. General Hutton Iras mit Verstärkungen ein und trieb die Buren zurück. Auch eine Patrouille der 7. Dragoner hatte ein Geplänkel mit dem Feinde. Die Buren find rührig in der Umgegend von Rustenburg.__ Politische Tngesschcm. ®ie japanif^e Sozialdemokratie — es gibt solche, wie auch eine Gewerkschaftsbetvegung nach englischem Muster — soll auf dem bevorstehenden internattonalen Soziattstenkongreß in Paris durch einen Delegierten vertreten sein. Wie nämlich, der „Vorwärts" einem sozialdemokratischen Blatte in San Francisco entnimmt sei „Genosse" Murai, der Generalsekretär der sozialistischen Arbeitervereine Japans, aus der Reise nach Paris zum Kongresse in Kalifornien eingetroffen. Er spreche fließend Englisch und werde in den Vereinigten Staaten verschiedene Vorträge über die Bewegung in Japan halten. In New ' York werde er sich nach Europa einschiffen. Da er England Frankreich und Deutschland besuchen will, hofft der Vorwärts, den Delegierten der Sozialisten Japans in Berlin begrüßen zu können. Ueber die japanische Gewerkschaft^ bewegung und die dortigen durch Ausstände errungenen Lohnerhöhungen haben wir seinerzeit berichtet. Neuer- Lings werfen sich japanische Arbeiter in großen Massen nach den Vereinigten Staaten und Britisch-Columbien. Fast jeder Dampfer, der von japanischen Häfen nach der West- tüste Nordamerikas kommt, bringt japanische Arbeiter. Die hawaischen Inseln weisen auch bereits eine starke japanische Einwnadcrung auf. D^ die japanischen Arbeiter im Gegensätze zum chinesisches Kuli für europäisch-amerikanische Kultur empfänglich, und auch keineswegs so bedürfnislos wie der niedere Chinese sind, werden sie von den einheimischen Arbeitern nicht angefeindet, doch könnte dies noch kommen. Trotz aller Einfuhrverbote hat übrigens jetzt fast jede größere Stadt in der nordamerikanischen Union eine kleinere oder größere Chinesen-Ansiedelung. Die Chinesen haben fast im ganzen Lande das Wäschereigewerbe an sich)! gerissen. _________ Deutsches Reich. Berlin, 9. Juli. Aus Kiel wird gemeldet: Der Kaiser nahm gestern abend die Meldung des Kommandeurs des Königs-Ulanen-Regiments Nr. 13, Majors von Heyden-Linden entgegen. — Dem „Berliner Tageblatt" zufolge fährt der Kaiser morgen mit der Hohenzollern von Kiel nach! Wilhelmshaven und tritt am Mittwochs die kürz-e Nordlandreise an. — Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Graf Büllow hat sich gestern zum Bortrage bei dem Kaiser nach! Mel begeben. — Der „R e i ch s a n z e i g e r" widmet dem verstorbenen früheren Kultusminister Dr. Falk einen ehrenden Nachruf, in dem es heißt: In der Leitung des Kultusministeriums, wie in seiner ganzen früheren und späteren Amtswirksamkeit hat der Dahingegangene seine hohe geistige Begabung und seine hervorragende Arbeitskraft unverkürzt in den Dienst der ihm anvertrauten staatlichen Aufgaben gestellt. Was er für recht erkannt hatte, suchte er mit unerschütterlicher Folgerichtigkeit durchzuführen. So lebt er in der Geschichte Preußens als Vertreter einer bedeutungsvollen Epoche unseres geistigen und kirchlichen Lebens, zugleich! aber als ein leuchtendes Vorbild preußischer Beamtentugend und edler Menschlichkeit. — Wie die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, ist der durch die Ernennung des Legationsrates v. Reichenau zum Gesandten in Guatemala freigelvordene Posten des Generalkonsuls in Sofia dem bisherigen Legationssekretär bei der preußischen Gesandtschaft am päpstlichen Stuhle, Legationsrat v. Below-Rutzan übertragen worden. — Wie die „Nordd. Allg. Ztg." vernimmt, ist eine Sitzung des Bundesratsausschusses für auswärtige Angelegenheiten auf Mittwoch anbe- raumt. — Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge entbehrt die Nachricht von der beabsichtigten Stationierung dreier älterer Torpedoboote auf dem Rhein jeglicher Begründung. Weder im Reichsmarineamt, noch sonst an zuständiger Stelle sei eine derartige Absicht erwogen worden. Homburg v. d. H., 9. Juli. Der Geburtstag des Prinzen Eitel Friedrich wurde vorgestern im engsten Familienkreise gefeiert. Von dem Kaiser, dem Kronprinzen und den übrigen nahen Verwandten liefen Gratulationen und Blumenarrangements ein. Nach der Tafel, obwohl das Wetter sehr unbeständig war, bewegte sich gegen halb 4 Uhr eine Kavalkade, bestehend aus den vier älteren Prinzen, dem Gefolge und den Dienerschaften, nach der Saal- bürg, wohin die Kaiserin, deren Schwester, die Herzogin von Glücksburg, sowie Prinzessin Luise und Prinz Joachim per Wagen folgten. Dort wurde im Freien der Thee eingenommen. Gestern nachmittag fuhren die Kaiserin, sowie die zwei älteren Prinzen zum Frühstück zur Kaiserin Friedrich! auf Schloß Friedrichshof. ALÄrms. Paris, 9. Juli. Oberst Bougon wurde strafversetzt. Er hatte den Offizieren seines Regiments die Einladung zu den Empfängen des neuen Kriegsministers vorenthalten. — sDer Finanzminister erklärte in der heutigen Kammersitzung, er werde noch vor Schluß der ©effion einen Nachtragskredit von 14 einhalb Millionen Francs für die mit den Ereignissen in China zusammenhängenden Transportkosten usw. einbringen. Der nationalistische Abg. Lari es verursacht bei dieser Gelegenheit wiederum einen heftigen Auftritt, indem er erklärte, der Kriegsminister sei der Desorganisator der französischen Armee und der Organisator der zukünftigen Niederlagen Frankreichs. Vom Präsidenten aufgefordert, sein Wort zurück- zunehmen, erklärte er, er ergänze sie im Gegenteil, indem er hinzufüge. Andre sei mit dem Marschall Bazaine zu ver- glerchen; Andre habe das Gesetz zerrissen, gleichwie Bazaine die französischen Fahnen zerrissen habe. Diese Worte riefen einen ungeheuren Tumult hervor. Lasies will noch weitere Beleidigungen gegen Andre schleudern, aber seine Stimme verliert sich in dem Tumult, den die Linke fortgesetzt mit den Pultdeckeln verursacht. Nachdem die Ruhe wiederhergestellt war, schließt der Präsident die Debatte, und die Kammer nimmt sodann diejenige über die direkten Steuern wieder auf. Graz, 9. Juli. Eine Bismarck eiche wurde in der Nacht von Unbekannten abgeschnitten. Auf die Eruierung der Thäter wurde ein Preis ausgesetzt. Gmunden, 9. Juli. Bei der morgigen Hochzeit s f e i e r i m H a u s e Cumberland hat der Herzog für die Ansprache sich jedwede politische Anspielung verbeten. Der deutsche Kaiser sandte als Hochzeitsgeschenk ein Servis der königlichen Berliner Porzellanmanufaktur. 180 unverheiratete Damen aus 91 hannoverschen Adelsfamilien sandten eine Damasttischbecke, in das die Wappen aller Spenderinnen eingewebt sind. Sämtliche per Hochzeit beiwohnende Gäste bis auf Kaiser Franz Joses sind hier eingetrosfen. Der geftem stattgehabten Illumination der Stadt, die großartig ausgefallen ist, wohnte der Herzog von Cumberland sowie alle Fürstlichkeiten auf der Terrasse des Kurhauses bei. Der Herzog von Cumberland wird dem deutschen Kaiser die erfolgte Vermählung in einer unter regierenden Fürsten üblichen Form mitteilen. Hoffnungen politischen Charakters werden, wie in welfischen Kreisen versichert wird, an diese Heirat Nicht geknüpft. , » ? r j e Das englische Geschwader, bestehend aus 40 Kriegsschiffen, ist unter dem üblichen eialut der Leuchtturmbatterie und in Begleitung des öfter- rerchstch-ungarischen Geschwaders, das den englischen bis Pirano entgegengefahren war, heute mittag im hiesigen Hafen eingelaufen. Vor dem Gebäude der See-Behörde lerstete eine Ehrenkompagnie mit Musik und Fahne der vrftlschen Flagge die Honneurs. Sodann begaben sich die offiziellen Persönlichkeiten aus das englische Admiralsschiff. Brunn, 9. Juli. Eine Konferenz der Obmänner der deutschen Fortschritts- und der deutschen V o l k s p a r t e t beschloß, in ganz Mähren Volks - Ver - sammlungen des deutschen Volkes Mährens gegen halten^^^ochengesetzentwurf der Regierung abzu- Sofia, 9. Juli. Der Kommandeur des zweiten Infanterie-Regiments, Oberstleutnant Giorgiler, wurde mit 64 Unteroffizieren und Soldaten wegen seines bauernfreundlichen Verhaltens bei den Unruhen in Trestenik vor em Kriegsgericht gestellt. Ko n st a n ti n o p e l, 9. Juli. Gestern und vorgestern wurden 150 Armenier verhaftet. Die Polizei gibt vor, zu wissen, daß zwei Haupttirheber des 1896 er Aufruhrs in Konstantinopel anwesend seien; doch scheint sie unter idnesem Deckmantel nur eine Anzahl angeblich verdächtiger Armenier aus der Hauptstadt entfernen zu wollen. Petersburg, 9. Juli. Die gestrige Feier des 200- jährigen Jubiläums des Wyborgschen Regi- ments, dessen Chef der deutsche Kaiser ist, verlief überaus glänzend. Nach, der Parade auf dem Platze vor der Troitzkykathedrale, an welcher der deutsche Oberst Graf York als Vertreter des deutschen Kaisers, ferner Major Lauenstein ünd Mitglieder der deutschen Botschaft teil- Lnahmen, fand Feldgottesdienst und die feierliche Einweihung dLr vom Zaren verliehenen neuen Regimentsfahne statt. Nachdem bereits am Samstag die feierliche Nagelung der vom deutschen Kaiser verliehenen Fahnenbänder stattgefunden hatte. Nach der kirchlichen Feier brachte der Regiments-Kommandeur Baron Meyendorff Hochs auf den Zaren und den deutschen Kaiser aus. Oberst v. York überreichte ein Handschreiben des deutschen Kaisers an den Regiments-Kommandeur. Es lautet: „Ich! entbiete meinem glorreichen Wyboraschen Infanterieregiment zum Jubellage meinen herzlichsten Gruß. Stolz darauf, Ches des Regiments mit so ehrwürdiger, ruhmreicher Vergangenheit zu sein, ist es mein Wunsch, demselben durch die Uebersendung meines Bildnisses einen erneuten Beweis meiner besonderen Wertschätzung und Zuneigung zu geben. Indem ich hoffe, dem Regiment hierdurch« eine Freude zu bereiten, wünsche ich, daß das Bild ein bleibendes Andenken meiner Zugehörigkeit und innigen Beziehungen zum Regiment sein möge. Wilhelm." Die Kapelle spielte: „Heil dir im Siegerkranz". Bei dem Frühstück des Offizierkorps wurde das von Kaiser Wilhelm verliehene lebensgroße Kaiserbild enthüllt. Nach Toasten auf die beiden Kaiser dankte Gras York für den Empfang und schloß: „In diesem Augenblick wissen wir die alte Freundschaft zwischen der russischen und der deutschen Armee doppelt zu schätzen, da unsere Soldaten jetzt unter dem Befehl des russischen Generals in feindlichem Feuer gestanden haben. Ich, trinke auf das Wohl der Spitzen der russischen Armee und aller russischen Generale und Offiziere, insbesondere derjenigen des ruhmreichen Wyborgschen Regiments." Der Toast wurde enthnsiasllsch aufgenommen. Vom Kaiser Wilhelm traf noch aus Kiel folgendes Telegramm ein: „Zu der seltenen Feier, welche mein braves Wyborg- sches Regiment anläßlich, seines 200 jährigen Bestehens heute begeht, spreche ich demselben meine wärmsten Glückwünsche aus. Möchte es dem Regiment vergönnt sein, treu der im Geiste seines großen Stifters gepflegten Tradition allezeit sich die Zuftiedenheit des allerhöchsten Kriegsherrn zu erringen." Aus Stadt und Sand. Gießen, den 10. Juli 1900. ** Stadtverordueteu-Bersammlung. Die Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung am Donnerstag den 12. Juli weist folgende Punkte aus: 1. Gesuch des Gärtners Georg Noll um pachtweise Ueber- laffung eines Lagerplatzes am Lutherberg. 2. Die Aufstellung von Turngeräten auf der Westseite der Kaserne seitens des Regiments. 3. Die von Fabrikant Georg Throm an seinem Grundstück Wetzlarerweg hergestellte Einfriedigung;, hier: Gesuch um Belassung derselben. 4. Gesuch desselben um Erlaubnis zur Anlage einer Rohrleitung am Wetzlarerweg; hier: Verzicht auf Benutzung derselben. 6. Gesuch des PH. Benner um Verpachtung eines städtischen Platzes zur Aufstellung eines Wasserhäuschens. 7. Baugesuch des W. Steinbach für die Querstraße zwischen Grünbergerstraße und Großen Steinweg. 8. Benennung der von der Grünbergerstraße parallel mit der Moltkestraße nach dem Großen Steinweg führenden Straße. 9. Gesuch des L. Seuling um käufliche Ueberlassung von städtischem Gelände an der Parallelstraße zur Grünbergerstraße. 10. Baugesuch der Firma Joh. Daniel Haas in Dillenburg für die Marburgerstraße.' 11. Gesuch der Architekten Stein u. Meyer um Entfernung der Schoorbäume vor ihren Neubauten an der Ostanlage. 12. Verbindungsweg zwischen Liebig- und Wilhelmstraße. 13. Anlage von Vorgärten an der vorgesehenen Verbindungsstraße zwischen der Frankfurter- und- Bahnhofstraße, der Wieseck entlang. 14. Errichtung einer ffychiatrischen Klinik; hier: Ausgänge von der Klinik nach >er Oftseite. 15. Beschaffung des Brennmaterials für die städtischen Anstalten pro Winter 1900—01; hier: der Braunkohlen. 16. Reparatur des Straßenpstasters. 17. Ge- uch des Friedrich Schieß um Erlaubnis zum Wirtschasts. betreib im Hause Löwengaffe. 2. 17. Desgl. des H. Weller um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Vorgarten bei seinem Hause Grünbergerftraße 32. ** Die Gesellschaft für Erd und Völkerkunde wird am Sonntag den 22. Juli ihren diesjährigen Sommeraus- flug nach Romrod und Alsfeld untern^ n Fuße zurückzulegende Strecke beträgt et^—————— ^b- 0 0 a a^..etsch Erben) in Preßen. Teilungen; doch wird für Fahrgelegenheit Sorge getragen werden. Das Nähere ergiebt die Anzeige. *• Das süddeutsche Männersextett, Opernsänger-Ensemble aus Stuttgart, giebt heute abend ein Konzert in Steins Garten. Die „Zweibrück. Ztg." schreibt, daß sich dort der vorzügliche Ruf, der dem Ensemble vorausging, als vollberechtigt erwiesen hat. All' die hübschen Nummern des Programms wurden in wahrhaft künstlerischer Weise zu Gehör gebracht, sodaß mit dem Beifall nach den einzelnen Borträgen nicht gekargt wurde. ** «Domchor-Konzert. Unter den reisenden Konzertsänger-Gesellschaften der Gegenwart nimmt die Kon^ertvereinigung von Mitgliedern des Königl. Domchors zu Berlin mit Recht eine der ersten Stellen ein, nicht nur wegen der Gediegenheit ihrer Programme, sondern auch wegen -d-er Vorzüglichkeit ihrer gesanglichen Leistungen. Diese Vorzüge hatten auch in dem gestrigen, in Steins Saalbau abgehaltenen Konzert ihre volle Würdigung gefunden, denn der Konzertsaal war trotz der für derartige Veranstaltungen wenig geeigneten Jahreszeit verhältnismäßig gut besucht. Das interessante und gehaltvolle Programm, dessen erster Teil geistliche Musik enthielt, während der zweite aus Tonschöpfungen weltlichen Charakters zusammengesetzt war, fand durch die aus acht Herren bestehende Sängerschar eine Erledigung, wie sie schöner kaum gedacht werden kann. Tie völlige Ausgeglichenheit der Stimmen, die ordentlich wohlthuend auf das Ohr des Zuhörers stärkte, die ganz hervorragende, selbst bei den zartesten Pianostellen noch deutlich vernehmbare Nüanzie- rungsfcchigkcit, durch die die dynamischen Vorschriften eine vollendete Ausführung erhielten, und die stets deutliche Textaussprache, die den Blick in das Textbuch nahezu überflüssig machte, waren Vorzüge, die man sämtlichen chori- schen Darbietungen in hohem Maße anmerken konnte, und welche hie Beantwortung der Frage nach der besten Leistung des Abends mindestens schwierig macht. Daß sich die Künstler ihre Aufgabe nicht leicht gemacht hatten, wird jeder gern zugeben, der namentlich die Motette von Neit- hart, die Chorballade Rudolph von Werdenberg von Hegar und die Madrigale von Isaak und Donati aufmerksam angehört hat. Die zwischen den Chornummern eingelegten Sologesänge wurden von den Herren Hermann, Neubauer, Rieke und Bakkes ansprechend wiedergegeben, wenn auch die geschätzten Künstler nicht gerade zu den hervorragendsten Vertretern dieser Kunstgattung gezählt werden können. Eine recht unangenehme Abkürzung mußte sich das herrliche Wanderlied von Schumann gefallen lassen, dessen stimmungsvoller Schluß von dem Klavierbegleiter einfach weggelassenwurde. So willkürlich sollte man mit einem Kunstheros wie Schumann nicht umspringen. Das Publikum zeigte sich für sämtliche Darbietungen sehr dankbar und spendete reichlichen Beifall. Die geehrten Künstler waren dafür so liebenswürdig, das Madrigal von Donati teilweise zu wiederholen und ant Schluß des Konzerts noch eine herrlich gesungene Zugabe (Wiegenlied von Brahms) zu spenden. Pr. Darmstadt, 10. Juli. Der Großherzog hat die ihm von Rektor und Senat der Technischen Hochschule verliehene Würde eines Doktor-Ingenieurs Ehrenhalber angenommen. — Heldenbergen, 10. Juli. Sonntagmorgen fand man etwa 20 Minuten von hier entfernt in der Nidder die Leiche der hier wohnhaft gewesenen Elisabeths Gruner. Was die Lebensmüde zu dieser That veranlaßt hat, ist bis jetzt noch völlig unbekannt. Vor einigen Tagen soll dieselbe geäußert haben, die Nidder sei ihre Grabstätte. Gestern abend gegen 11 Uhr verließ die Gruner ihre Wohnung, und als sie heute vormittag noch nicht zurückgekehrt war, begab man sich auf die Suche an die Nidder, in der man bald ihre Leiche fand. Mainz, 10. Juli. Um 4 Uhr gestern früh wurde auf der Kaijerstraße ein dort herumspazierendes chikes „Dämchen" von zwei Schutzleuten festgenommen und auf den Bezirk gebracht. Sie gab an, Elli Wehner zu heißen und Kellnerin aus Köln-Nippes zu sein. Wegen obdach- losem Umhertreiben blieb diese „Elli Wehner" in Polizeigewahrsam und wurde morgens nach der üblichen Verwarnung, sich, innerhalb drei Tagen Stellung und Obdach« zu suchen, entlassen. Kaum war nun das Mädchen entlassen, als vom 1. Bezirk die telephonische Meldung kam, daß der 15 jährige Peter W. von hier (geboren am 11. Januar 1885) die Kleider seiner Schwester angezogen habe und sich von zu Hause entfernt habe. Dieser junge Mann war nun das wegen Obdachlosigkeit aufgegriffene „Dämchen", das seine Frauenrolle so täuschend, auch stimme lich, zu spielen weiß, daß niemand das wahre Geschlecht des „Jüngling-Fräuleins" zu erraten vermag. Wie wir noch« hören, hat der Betreffende schon 14 Tage lang in Darmstadt als Kellnerin gearbeitet und zwar zur vollen Zufriedenheit seines Prinzipals. In Frauenkleidern hat er auch die Zahlbacher Kirchweihe besucht. Liebesbriefe an Herren zu schreiben, ist auch« eine Lieblingsbeschäftigung öon ihm. Rendezvous hat er auch schon gehabt. Tie Herren sollen ob der Anmut und Eleganz, mit der sich das „Jüng- nng-Fraulmn" zu bewegen verstand, entzückt gewesen sein. ^6en fernes gestrigen unüberlegten Streiches hat sich Peter W. übrigens eine Anzeige wegen groben Unfugs und falscher Namensangabe zugezogen. Wetzlar, 8. Juli. Im „Schützengarten" wurde gestern abend eine Generalversammlung der „Ortskrankenkasse für Gesellen, Gehülsen und Fabrikarbeiter der Stadt Wetzlar- abgehalten. Als wichtigster Gegenstand standen verschiedene Abänderungen des Statutes auf der Tagesordnung. Zunächst wurde über den § 1 verhandelt, der schließlich in folgender Faffung zur Annahme gelangte: § 1. Unter dem Namen OrtSkrankenkasie für Gesellen, Gehülfen und Fabrikarbeiter der Stadt Wetzlar wird hiermit für alle in dem Bezirk der Stadt Wetzlar betriebenen und zu betreibenden Gewerbe mit Ausnahme derjenigen, für welche eine Betriebs (Fabrik-), Bau-, Jnnungskrankenkasse oder Knappschaftskasse besteht oder begründet wird, sowie der Optiker und Mechaniker und der in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter und Betriebs« beamten eine gemeinsame Ortskrankenkasse errichtet. Für den § 11 wurden die beteiligten ortsüblichen Tagelohnsätze gemäß den neuen Festsetzungen mit Geltung vom 8. November 1900 ab wie folgt geändert: 1. Klasse: männliche Arbeiter über 16 Jahre 2 Mk. 50 Pfg. 2. .. weibliche M „ ,, 1 „ 50 H 3. „ männliche „ unter „ „ 1 „ 50 „ 4. „ weibliche „ „ „ „ 1 „ — Dementsprechend waren auch die Krankengeldsätze gegen früher zu erhöhen und wurden folgende Sätze angenommen: 1- Klasse erhält fortan 1 Mk. 25 Pfg. Krankengeld. 2. u. 3. „ erhalten „ — „ 75 „ 4. „ erhält „ 50 „ Im Anschluß hieran wurde die Frage diskutiert, ob auf Grund dieser neuen Feststellungen eine Erhöhung der Mo> natsbeiträge, welche im § 17 auf 2 Prozent des gewerblichen Tagelohns nominiert sind, notwendig erscheine oder nicht. Die Besprechung hierüber endete mit dem Beschluß, es vorläufig bei dem bisherigen Satze von 2 Prozent zu belassen. an Dutenhofen Wetzlar Albshausen Burgsolms ab H H Der Kriegerverein giebt sich die größte Mühe, den Kameraden des Kreises einen schönen, angenehmen Nachmittag aus dem schönen Festplatze oberhalb der Kirche von Burgsolms, dicht an dem Baumstück an der Straße Wetzlar-Braunfels zu bereiten. Wetzlar, 9. Juli. Am Sonntag, den 15. d. M., wird in Burgsolms der Generalappell des Kreiskriegerverbandes Wetzlar abgehalten. Die Königliche Eisenbahn-Direktion hat, den Wünschen der Kriegervereine entgegenkommend, zu diesem Feste nachstehende Sonderzüge für Sonntag, den 15., eingelegt: Gießen 1225 Burgsolms ab 9oo 1296 Albshausen an 905 12*9 Wetzlar w 915 1259 Dutenhofen n 928 104 Gießen 939 Limburg, 9. Juli. Die hiesige Handelskammer beschloß in ihrer letzten Sitzung angesichts der Agitation zu Gunsten eines Mosel- und Saarkanals sich! wegen der Lahn-Kanalisierung mit dem in Diez schon bestehenden Ausschuß zu verständiaen und auch weiter die Handelskammern lin Wetzlar und Gießen dafür zu interessieren. •* Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Aus verschiedene, bei der Regierung eingegangene Beschwerden wegen Heranziehung der Landwirte zu einer 14tägigen militärischen Uebung im Monat Juli, hat das Generalkommando zu Frankfurt a. M. diese Hebungen in die Mitte des Monats August verlegt. — Die Leiche des vor einiger Zeit aus Frankfurt verschwundenen Installateurs Drew wurde in Mainz geländet; Drew hatte vor dem Selstmord sein ganzes Geld und sonstige Sachen nach Frankfurt geschickt. Die Leiche wurde zur Beerdigung nach Frankfurt übergesührt. — Bei EmS wurde in der Lahn die Leiche eiaer unbekannten, feingekleideten Dame geländet. — Der zurzeit in Paris tagende, aus allen Teilen der Welt beschickte Internationale Genossenschafts-Kongreß ernannte den Anwalt der deutschen landwirtschaftlichen Ge- nossenschaften, Geheimrat Haas in Off enbach, zum Ehrenpräsidenten. — Der Feldhüter Klingelhöser, der den Konrad Schneider Samstagnacht erschoß, wurde aus der Untersuchungshaft in Kirchhain entlassen. Der erschosiene Schneider sollte sich am Dienstag vor der Marburger Strafkammer wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung u. s. w. verantworten. Vermischtes. * London, 9. Juli. Eine Depesche des Gouverneurs in Bombay meldet, daß 1 0 320 Cholerafälle, von denen 6502 tödtlich verliefen, in den von der Hungersnot betroffenen Gebieten während der mit dem 30. Juni endigenden Woche vorgekommen sind. Die Zahl der bei den NotstandSarbeiten beschäftigten Arbeiter nimmt infolge der anhaltenden Dürre rasch zu. Ein Telegramm des Vizekönigs besagt, daß sich die Not und der Hunger gegen jede Erwartung ausgedehnt und daß die Aussichten in Rajputana und in Centralindien trübe seien. * Ueber ein Ehe> und Eifersuchtsdrama wird dem „B. T." aus Petersburg unter dem 6. d. M. geschrieben: Gestern wurde hier in seiner Wohnung einer der tüchtigsten russischen Ophtalmologen, der Professor am Klinischen Institut der Großfürstin Helene Pawlowna, Hermann Dohnberg, von dem Stabskapitän a. D. Julian v. Hecker erscho ssen. In der Nacht erlag Dohnberg seinen Wunden. Professor Dohnberg, Kurländer von Geburt, war Witwer und lebte ganz allein. Es war gerade Krankenempsang beim Professor, als gegen 2 Uhr mittags Herr v. Hecker den Em- psangSsaal Dohnbergs betrat und, obwohl 5 bis 6 Patienten bereits warteten, sofort ins Kabinett des Professors gelassen wurde. Die im EmdsangSzimmer Wartenden vernahmen einen kurzen, heftigen Wortwechsel, dem mehrere Schüsse folgten, worauf sämtliche Patienten eilig das Hasenpanier ergriffen, während der Diener des Professors ins Kabinett stürzte. Hier bot sich ihm ein furchtbares Bild: Dohnberg lag, tätlich in den Bauch getroffen auf dem Teppich, der furchtbar erregte Hecker verließ das Zimmer, dem Diener, der ihn ergreifen wollte, mit dem Revolver drohend, und begab sich in die zweite Etage desselben Hauses, wo Verwandte von ihm leben. Hier ließ er sich ruhig arretieren. Aus seiner offenen Aussage erwies es sich, daß Professor Dohnberg die junge Frau Heckers, mit der dieser in kaum zweijähriger Ehe lebt, verführt habe. Als Hecker das erfuhr, habe er sich von der Frau scheiden lassen wollen und von Dohnberg verlangt, daß er die Geschiedene ehelichen solle. Dohnberg habe sich dessen geweigert und ebenso ein ihm darauf von Hecker angetragenes Duell abgelehnt. Nach diesem sei Hecker nichts anderes übrig geblieben, als zur Selbsthilfe zu greifen und sich am Zerstörer seines Familienglückes zu rächen. Professor Dohnberg hat 1870 bis 1875 in Dorpat Medizin studiert. Er war ein ausgezeichneter Okulist und hat hier seit 1876 in den verschiedensten Anstalten gewirkt. Auch eine weitverbreitete, nach ihm benannte hygienische Schreibtischlampe hat er konstruiert. Universität und Hochschute. — Aus Jena teilt man mit: Der Prioatdozent Dr. Friedrich Schultz, Leiter der physiologisch-chemischen Abteilung der hiesigen Universität, ist zum a.-o. Profesior ernannt worden. — Dem a.-o. Profeffor Dr. Joachim Teichmüller an der Technischen Hochschule zu Karlsruhe wurde die etatsmäßige Amtsstelle eines a.-o. Profesiors für Elektrotechnik an dieser Hochschule übertragen. — Die Greifswalder juristische Fakultät hat den Universitätsprofeffor Dr. Bernhard Kübler, Oberlehrer am Askanischen Gymnasium in Berlin, in Würdigung der Verdienste, die er sich um die Rechtswistenschaft, besonders durch die Herausgabe eines zweibändigen Wörterbuches der römischen Rechtswissenschaft, erworben hat, zum Ehrendoktor ernannt. — Man schreibt aus Zürich: Der Privatdozent für Germanistik an der hiesigen Hochschule und Herausgeber des „Archivs für Schweizerische Volkskunde* Dr. ©rnft Hoffmann-Krayer ist zum a.-o. Professor für Phonetik, schweizerische Mundarten und Volkskunde an der Universität Basel ernannt worden. — Der seit 36 Jahren an der Universität Genf dozierende o. Profesior für Botanik I. B. Thury ist von seinem Lehramte zurückgetreten. — Aus Basel wird berichtet: Dem Redakteur der „Schweizerischen Musikzeitung", Dr. Karl Res wurde die venia legendi für Musikwissenschaften an der hiesigen Hochschule erteilt. — Zum ersten Rektor der neuen Birmingham-Universität ist der Physiker und Elektriker Oliver Lodge erwählt worden. Er war bisher seit 1881 Profeffor der Physik am University College in Liverpool. — In Petersburg fand am 1. Juli die Grundsteinlegung des neuen Polytechnikums statt. Zum Direktor des neuen Polytechnikums ist bereits Fürst A. G. Gagarin ernannt. Kunst Md Wissenschaft. — Prof. Max Koner, der bekannte Meister der Bildnismalerei, der sich durch sein künstlerisches Schaffen und seine ganze Persönlichkeit eine ähnlich hervorragende glänzende Stellung im Kunstleben und in der Gesellschaft Berlins errungen hatte, wie sie Gustav Richter einnahm, ist am Abend des 7. Juli im Alter von 46 Jahren in Berlin gestorben, Sport, Spiel, Jagd. Em-, 8. Juli. Bei der heutigen Jubiläums-Kaiserregatta errang den Ehrenpreis Kaiser Wilhelms I. der Frankfurter Ruderverein gegen die Frankfurter Rudergesellschaft „Germania"; den Ehrenpreis Kaiser Wilhelms II. (Goldene Medaille) für einen akademischen Vierer errang der Bonner Ruderverein gegen den Bonner Akadem. Ruderklub „Rhenus" und gegen die Gießener Rudergesellschaft. Arbeiterbewegung. Amsterdam, 9. Juli. Infolge des Streikes der Schiffs arbeitet ist über Rotterdam der Belagerungszustand verhängt. Da8 Kanonenboot „Duca" liegt vor dem Hafen. Heute wird ein zweites Panzerschiff erwartet. Bewaffnete Barkasien bewegen sich auf der Schelde. Die Ausständigen versuchten einen An artff aulf ein Rheinsckrtsf. ergriffen aber vor den Seesoldaten die Flucht. Familien Nachrichten. Verlobte: Elsa Mansbacher mit Richard Horkheimer, Darmstadt-Stuttgart. Gestorben r Herr Friedrich Ott in Wetzlar. — Herr Karl Ahbach in Darmstadt. — Frau Margarete Rummel, geb. Gauß, in Darmstadt. — Fräulein Anna von Heffe in Auerbach a. d. Bergstraße. Handel «nd Verkehr. Uolkswirtsthast. Gtetze«, 10. Juli. Marktbericht. Auf tdem heurigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 0.90—1.10, Hühnereier per St. 6—7 2 St. 11—13 H, Enteneier 2 St. 14—16 4, Gänse eier per St. 11—12 Käse 1 St. 5-8 Käsematte 2 St. 5-6 H, Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 32 Tauben per Paar X 0.75—0.90, Hühner per St. X 1.20—2.00, Hahnen per Stück X 0.70—1.30, Enten per St. X 2.00—2.20, Gänse per Pfund X 0.00—0.00 Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 4 Schweinefleisch per Pfd. 50—70 Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 74 L, Kalbfleisch per Pfd. 64—66 Hammelfleisch per Pfd. 50—66 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 bi- 5.00 X, Weißkraut per St. 00—00. Zwiebeln per Ctr, X 8.00— 9.00, Milch per Liter 16 H. Kirschen per Pfund 12—15 H. Kiel, 10. Juli. Nach den neuesten Bestimmungen) ging das Begleitschiff der Kaiser-Yacht, der „Greif", gestern abend direkt nach Bergen. Die „H 0 h e n z 0 l l e r n" mit dem Kaiser an Bord und das Tepeschenboot „Sleipner" dampfen heute mit großer Fahrt gleichfalls nach Bergen ab. Die Rückkehr nach Kiel ist auf den 7. August festgesetzt. Gmünden, 10. Juli. Gestern abend fand im Schlosse eine große Soiree statt, an der alle Fürstlichkeiten teilnahmen. Alsdann besichtigten die Herrschaften den von der Bürgerschaft veranstalteten Fackelzug. Der Bürgermeister richtete an die Braut, Prinzessin Marie eine Ansprache, in welcher er diese, beglückwünscht. Der Herzog von Cumberland und die Prinzessin Marie bedankten sich für die ihnen dargebrachten Ovationen. Paris, 10. Juli. Die Nationalisten organisieren für den 14. Juli eine große Kundgebung, die sich besonders gegen den Kriegsminister Andre und den Präsidenten L 0 u b e t richten soll. Ein republikanisches Organ weiß zu berichten, daß eine Anzahl von Personen für fünf Francs pro Mann gedungen sind, um Andre und Loubet auszupfeifen, während die Metzgergesellen für 20 Francs pro Mann sicb mit F ä u st e n und Stöcken an der beabsichtigten Kundgebung und der sich anschließenden Schlägerei beteiligen werben. Die Republikaner sollen jedoch entschlossen sein, Gegen-Kundgebungen zu organisieren und keinerlei Demonstrationen zu dulden. Infolge dieser Eventualitäten .haben die Behörden ausgedehnte Vorsichtsmaßregeln getroffen. Wien, 10. Juli. Die Vermählung der Erzherzogin Marie mit dem Herzog Robert von Württemberg findet im Oktober statt. Es giebt wohl kaum einen Gebrauchsartikel für den Haushalt, welcher der Reklame soviel Stoff bietet, wie die Putzmittel für Metalle. Da giebt eS flüssige und trockene Putzmittel, solche in Pulver und in fester Form, Salben und Pasten. Es ist auch nicht zu verwundern, wenn der Wettbewerb da am meisten zu bieten sucht, wo am meisten verlangt wird; denn keine Hausfrau ist zufrieden, wenn beim „Reinemachen" nicht alles blitzblank ist. Ein vorzügliches Putzmittel, welche- ebenso wie es in ruhiger vornehmer Weise empfohlen wird, auch unter all den verschiedenen Putzmitteln obenan steht, ist der weiße GlockemPutzextrakt (Marke Glocke) aus der chemisch-technischen Fabrik von Rud. Starke in Melle in Hannover. — Dieser Putz Extrakt zeigt im Gebrauch eine überraschende Wirkung, indem in kürzester Zeit ein spiegelartiger Glanz damit erzielt wird, sodaß es jeder Hausfrau eine wahre Freude sei« muß, dieses wirklich vorzügliche Putzmittel zu benutzen. Der „Glocken-Putzextrakt" besitzt den Vorzug, daß er nicht schmiert und nicht die rote Rostfarbe annimmt, also lange haltbar ist.____________ A /kV (Hessen) zw. Darmstadt n. Heidelberg, ■■ WÄvAi Hotel u. Pension „zur Krone“, Sommerfrische. Pensionsprospekt u. Führ. grat. Bes.: G. Diefenbach, Verlogen faltbarster Ess/G. Q Verantwortlich für len allgemeinen Lett: P. ©Utle; für den Nn-etgenlettr GnnZ B^ck. — Druck und Verlag der Vrü^l^schen Uniderfitätr-Buch« und Etetndruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Direktor E. Boltz. r Königr. Sachsen """ Technikum Hainichen Höh. u. mittl. Fachschule f. Maschinenbau und Elektrotechnik. Ingenieure 5, Techniker 4 u. Werkmeister 2 Sem. Staatl. Oberaufs. Bekanntmachung, heh. Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter, sowie der Durchschnittswerte der Naturalbezüge. Laut Bekanntmachung Großh. Kreisamts Gießen vom 24. März d. J-. sind die ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbetter für die Stadt Gieße« wie folgt neu festgesetzt worden: 1. für männliche Personen über 16 Jahren 2,20 Mk. 2. , , unter 16 „ 1,20 , 3. „ weibliche „ über 16 y 1,60 w 4. „ „ „ unter 16 „ 1,— n Bezüglich der Durchschnittswerte der Naturalbezüge ist eine Aenderung nicht eingetreten; dieselben sind zur Zett festges tzt: Wohnungen alleinstehender Betriebsbeamten, Gewerbe- und Handlungsgehilfen, Dienstboten rc. jährlich 48 Mk. Familienwohnung jährlich 144 „ Freie Kost für männliche und weibliche Personen: a. Morgenkaffee 10 Psg. b. Frühstück 10 „ c. Mittagessen 35 „ d. Vesper 10 „ e. Abendbrot 25 „ volle Kost zusammen 90 Pfg. oder jährlich rund 320 Mk. Heizung, jährlich.....16 „ Beleuchtung, jährlich.....6 „ Wir bringen dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß die Neufestsetzung der ortsüblichen Tagrlöhne für die Stadt Gieße« mit dem 8. Oktober d. I. in Kraft tritt und daß hiernach von diesem Tage ab die Beiträge zu der Invalidenversicherung für Personen, welche einer eingeschriebenen Hilfskaffe angehören, oder für solche, welche der Krankenversicherung nicht unterworfen find (z. B. Kaufieute, Dieust- bote« für häusliche Arbeite«, Laufmädche« und Lauffraue«, sowie die sog. unständigen Arbeiter, Taglöhuer, Bügleriuueu, Schueideriuneu, Näherinnen und Kochfraneu rc.) betragen: a. für männliche Personen 24 Pfg. pro Woche, b. für weibliche Personen 20 Pfg. pro Woche. Für die in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigten Personen betragen die wöchentlichen Beittäge wie seither: für männliche 24 Pfg. und für weibliche 20 Psg. Lehrer und Erzieher gehören, soweit nicht ein Jahresarbeitsverdienst von mehr als 1150 Mk. nachgewiesen wird, zur IV. Klaffe mit einem Bettrag von 30 Pfg. pro Woche. Sofern im Voraus für Wochen, Monate, Vierteljahre oder Jahre eine feste bare Vergütung vereinbart und diese höher ist, als der für den Versicherten maßgebende Durchschnittsbettag, so ist diese Vergütung zu Grunde zu legen. Gießen, den 3. Juli 1900. 4736 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _________________________I. V.: Wolff._________________________ GesklWsj für Erd- md Merknndk. Sommer-Ausflug am Sonntag dem 22. Juli nach Jomrod und Alsfeld. Aöfahri 12.08 Zlhr nach Jell-Ztomrod. MckKeyr S.50 Ahr. Vortrag des Herrn Lehramts-Affefsors H. Krausmülker über: Die Verteilung der Bevölkerung in Oberhefseo. Die Führung durch Alsfeld übernimmt Herr Dr. Karl Ebel. Hemeirrfchafttiche Mahlzeiten: Kaffee inRomrodS Uhr, Abendessen in Alsfeld zu Mk. 1.50, 61/i Uhr. Anmeldungen bis 17. Juli einschließlich an den Vorsitzenden, Profeffor Sievers, erbeten. 4787 Gesellschaft für Erd- md Mkerkmde. Außerordentliche Hauptversammlung am Diesstag dem 17. Juli 1900, S1/, Uhr pünktlich, im „Großherzog von Hesse«". Tages-Ordnung: 1. Rechnungsablage. 2. Gründung einer Veremszeitschrift. 4788 3. Winterprogramm. Die ersten neuen Holländer Voll-Heringe find in schönster Ware eingetroffen bei A. & G. Wallenfels, 4793 Markt 21. — Telephon 46. Mittwoch de« 11. Ni 1. Is., nachmittags 2 Uhr, werden in der Bieker'schen Hofraite, Neustadt 55, gegen Barzahlung versteigert: 1. Sofas, Kommoden, Kleiderschränke, 1 Vertikow, ob. Tische, 1 Sekretär, Bilder, Konsole, Spiegel, 1 Ausziehtisch, 1 Linoleumbelag, 1 Schreibtisch, 1 Bücherregal, 1 vollst. Bett, 1 silb. Cylinderuhr mit gold. Kette, 2 schwere Zugpferde u. a. m. 2 1 Zugpferd (Schimmel) und eine Häckselmaschine. Die Versteigerung unter 2 findet be« stimmt statt. 4764 Geißler, Gerichtsvollzieher. Versteigerung. Mittwoch de« 18. d. MtS., nachmittags 2 Ahr, versteigere ich gegen Barzahlung im Pfandlokal, Settersweg 11: 1 Nähmaschine, mehrere GophaS, Kommode, Kleider - Schränke, 1 Regulateur und 1 Fatz Ocker. Gießen, den 10. Juli 1900. 4785 Mulch, Pfandmeister. SM. SGaWMS. Areiba«k. 4799 Heute und morgen: Rindfleisch 54 Pfg. Nene Vollheringe öeben eingetroffen. 4797 L. KaSkhof. Wegen Aufstellen eines größeren verkaufe meinen 4 Pferd. Benz'schen Gasmotor billig. Derselbe ist noch einige Wochen im Betrieb zu sehen. 4609 Joh. Lenz. Schreinerei und Holz-Handlung, _______Hießen, Frankfurterstraße 123. 02882] Gut erhalt. Samenkkcider preisw. zu verkaufen. Lörveugaste 22, I. DöppelM. KleiderschrauK und eine noch ganz neue Mangel sind zu verkaufen. Näh, in der Exped. £02875 Halbrermer, 02873 noch neu, Umstände halber billig zu Verkäufern_________Weftanlage 51, III. Eins Kelter, 4198 3- bis 400 Liter ausdrückend, mit Holz- biet und schwerer Uebersetzunqsschraube, ist billig zu verkaufen. Näh. Hess. 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