Mittwoch bet» 11 Illi 1900 Erstes Blatt. AerugsprelF vierteljährl. Mk. 2M monatlich 75 Pfß. mit Bringerlohn; durch die AbhoicstrlK» vierteljihrl. Mk. IM monatlich 65 Pfg. Bei Postbezu, Mk. 2,40 vierteljLH^. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen«Vermittlungsstellen des In« und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegn« ZeUenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. S«««h»e W« Lnzeigen zu der «nchmittagS für dn tzOlgatd« log «scheinenden Nummer bis vorm. 10 Ahe. »bdr-eLungen spatesten- ab«ds -rher. Gießener Anzeiger General-"UHeiger ■;S>h. ISS frf4Hxt U«fi4 - mit Ausnahme des RenteN- Die Gießener »««trienßtütter dem Anzeiger ta wechsel Mit „Heff. SemdwtrN' n. Mütter flfc Heß. Volkskunde- »schtl. 4 m«l beigelegt. Amts- und Anzeigeblatt snv den Nreis Gieren. Gxpeditton und Druckerei: >4*HU*6e Nr. 7. Gratisbeilage«: Gießener Famitienblättrr, Der heWhe Landwirt, Matter für hessische Volkskunde.__________________ । ■ 1 »'« Adresse für Depeschen: Anzetger chtS-M» Fernsprecher Nr. 5L Kmtticher leit Betr.i Die Ober-Hörgern. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Ober-Horgern erloschen ist, ordnen wir die Aushebung der Schutzmaßregeln an. Gießen, den 9. Juli 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold.___________________ Politische Tagesschau. Der in Tanger ansässige Amerikaner Jon Perdicaris teilt der „Pall Mall Gazette" folgendes Urteil des er« mordeten Herrn v. Kelteler über die Missionare in China mit: Unbescholtene Eingeborene oder solche, die zu der besseren Klasse gehören, kommen nur wenig mit den Missionarm in Berührung. E8 ist der soziale Pariah oder der Verbrecher, der sich an den Fremden wendet, um seine Protektion zu erlangen, für die er manch' mal eine Geldbezahlung zu machen hat, wie in der Türkei und Marokko, wo die Unterbeamten der Gesandtschaften und Konsulate mit ihren Verbündeten, den Wucherern, vor noch nicht langer Zeit ein blühendes Geschäft betriebm. Wenn der Eingeborene nicht« hat, wa« er al« Bezahlung für Protektion anbtetm könnte, dann wendet er sich an den Missionar und heuchelt großen Elser für die Religion, und schließlich, wenn er sich das Vertrauen des Missionars verschafft hat, enthüllt er ihm eine Schmerzensgeschichte, und zeigt ihm, wie seine Landsleute ihm mißtrauen und ihn verabscheuen infolge seiner Abtrünnigkeit, wie sie alle daraus aus seien, um ihn auf irgend eine falsche Beschuldigung hin vor ein Landesgericht zu ziehen, wie er dann von dcm grausamen, ungerechtm Richter in« Gefängnis geworfen wird, wo er Schläge und sogar Martern zu leiden habm wird. Durch solche Geschichten läßt sich der Missionar nur zu leicht bewegen, den unwürdigsten Betrügern seine Sympathk und Unterstützung zu geben, besonders da er weiß, daß in Wirklichkeit die Gerechtigkeit der Landesgerichtee häufig eine Täuschung ist. Der schlimmste hiermit verbundene Umstand, sagte Baron v. Ketteler, -ft in China, daß es im allgemeinen gerade der unehrliche Schuldner -nd besonders der treulose Verwalter von ihm anvertrauten Geldern in dem plötzlich die Ueberzeugung von der Schönheit und dem Wert x christlichen Religion erwacht. Auf diese Weise find oft Landgüter nd anderes Eigentum von beträchtlichem Wert der chinesischen Gerichtsbarkeit entzogen und unter die Konsulargerichte gebracht worden, und es ist unvermeidlich, daß der Unwille des Volkes, der dadurch hervor- gerusen wird, eine schwere Gefahr bildet. Der Schreiber dieser Zellen verwahrt sich gegen irgend welchen Verdacht, daß er ober der Baron v Ketteler beabsichtigt hätten, den Missionaren Unehrlichkeit vorzuwerfen. Aber das Ergebnis der Arbeit derer, die die Lehre vom Frieden auf Erden und Wohlgefallen gegen unsere Mitmenschen predigen, ist, rote wir heute in China sehen, zuerst Massenmord in entsetzlichem Maße, und schließlich bewaffnetes Einschreiten mit dem daraus hervorgehenden Verlust der nationalen Unabhängigkeit. China bietet die unmittelbarste und am meisten in die Augen fallende Anschauungslektion, aber es gibt noch andere orientalische oder mohammedanische Nationen, bei denen gleiche Ursachen früher ober später gleiche Wirkungen haben müssen. Marokko, wo ber Verfasser lange gewohnt unb an verschrobenen Versuchen, Mißstände zu beseitigen, Anteil genommen hat, ist eine derselben, die bald die Aufmerksamkeit der Außenwelt auf sich ziehen lönnen. 13. Deutsches Bimdesschietzen zu Dresden vom 8. bis 15. Juli. F. G. Dresden, 8. Juli. Als vor langer Zeit an die deutschen Schützen im Jn- und Auslande der Ruf erging, in Dresden einige Tage in inniger Zusammengehörigkeit, in brüderlicher Freundschaft, „die uns eint als deutsche Brüder", zu verleben, da hoffte man wohl, daß derselbe überall freudigen Wiederhall finden würde. Doch alle Erwartungen sind übertroffen worden, denn: „Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt!" sie alle, alle kamen in die gastliche Sachsenresidenz an der Elbe. Daß der Schützensport eine echt nationale Sache ist, daß das ideale Element, das insbesondere seine großen Feste verklärt, sich dabei in den heiligsten Gefühlen der brüderlichen Freundschaft, die Herz an Herz kettet, äußert, darüber ist sich wohl jeder klar, dessen Sinn nicht voreingenommen ist. Ist es doch von jeher der deutschen Schützen Ziel und Ehrensache gewesen, neben der Hebung von Auge und Hand vor allem dem Nationalgefühl und dem Reichsgedauken auch bei ihren Festen einen glühenden und beredten Ausdruck zu geben. Dabei sind uns die wackeren Deutsch Österreicher, die getreuen Unterthanen des unserem Kaiser treu verbündeten, von den Deutschen aufrichtig verehrten Kaisers Franz Joseph, immer liebe Gäste gewesen, dies hat ihnen auch der gestrige Empfang in Dresden erneut bewiesen. Schon in den frühen Morgenstunden zeigte sich gestern am festlich dekorierten Landungsplätze der Sächsisch-Böhmischen Dampfschifffahrts- Gesellschaft und an den verschiedenen Bahnhöfen reges Leben, da fortwährend Schützengesellschasten aus den verschiedenen Städten Sachsens eintrafen, die in ihre verschiedenen Standquartiere unter Vorantritt von Musikkorps geleitet wurden; es kamen doch heute nicht weniger als 120 Schützenkorporationen hier an. Vormittags in der 11. Stunde trafen mit frischer Musik (Musikkorps vom 10. Jns.-Regiment-München und der Chevaulegers-Nürnberg) die ersten Gäste aus dem Süden ein, bei denen eine wahrhaft herzerquickende Feststimmung herrschte, die wohl auch mit darauf zurückzusühren war, daß in München, Nürnberg, Fürth u. a. O. menschenfreundliche Bierbrauer die Reisenden mit einigen Fäßchen vom besten während der langen Fahrt versehen hatten. „Grüß'Euch Gott, allemiteinander!" so hallte es beim Aussteigen aus dem Hauptbahnhof den Empfangenden entgegen, und nicht minder herzlich klang der Willkommen-Gruß. Und al« sie trotz der ermüdenden Reise frisch und froh aus dem Wagen stiegen, die lieben Gäste aus München, Nürnberg, Stuttgart, Erlangen, Fürth, Forchheim, Schweinfurt, Regensburg, aus Prag, Wien, Steiermark und Tyrol, da zeigte sich, daß der Süden Deutschlands und Oesterreichs wahre Hünen an Kraft und Gesundheit zum Bundesschießen entsendet hatte. Die Schützen auS Tyrol, echte unverfälschte Nachkommen des besten Schützen Wilhelm Tell, wurden überall ans das stürmischste bejubelt. Am Nachmittag trafen unsere lieben Schützenbrüder aus Norddeutschland ein, von Hamburg, Altona, Lübeck, von der Nord-und Ostkante, von der roten Erde, aus dem lebenslustigen Berlin, vom schönen Rhein, aus Frankfurt a. M., aus Wilhelmshaven, aus Schlesien, Posen rc., und der Empfang derselben war der wohlthuend herzliche, wie am Vormittag. Ein jovialer Berliner rief schon beim Einlaufen des Zuges auS: „Na, nu man schnell etwas Feuchtigkeei, Sie kleener Bieronkel da, bis hierher mangelte et etwas an Stoff!" Mit der Ankunft der Norddeutschen kam der Frohsinn erst so recht zum Durchbruch, und schon in den Nachmittagsstunden sah man Freundschaften schließen. Da die Witterung günstig war, so entwickelte sich alsbald auf dem Festplatz ein feucht-fröhlicher Verkehr, bei dem die vielen Erfrischungshallen wohl zunächst den Vogel abgeschossen haben. Besorgt sah man heute früh nach den Wolken, ob es wohl bis zum Beginn des Festzuges aufhören würde mit dem schon seit nachts niedergehenden Regen; doch wurden die frommen Wünsche nicht erfüllt, es „nieselte" weiter und erst nachmittags gab es einige Stunden, wo man wenigstens von außen nicht angefeuchtet wurde. Doch der altbewährte Schützenhumor überwand auch diese Situation, und punkt 11 Uhr vormittags verkündeten schmetternde Fanfaren, daß sich der Festzug vom Albertplatz in der Neustadt nach der Altstadt zu über die Carolabrücke in Bewegung gesetzt hatte. Tausende, Zehntausende bildeten aus den Straßen, durch die der Zug führte, Spalier, stundenlang wartete das Publikum geduldig im Regen auf das seltene Schauspiel, und auch hier bemerkte man nichts von übler Stimmung, obgleich das Gedränge ost recht ungemütlich wurde. Für die Königliche Familie war am Postplatz ein Pavillon errichtet; aber leider vermochte König Albert, der sich von seiner schweren Erkrankung noch nicht völlig erholt hat, zu seinem Bedauern nicht die ihm zugedachte Huldigung entgegen zu nehmen. Dafür erschienen des Königs Bruder, der greise General- seldmarschall Prinz Georg, sowie Prinzessin Mathilde, Prinz Friedrich August nebst Gemahlin, Prinzessin Louise, Prinz Johann Georg nebst Gemahlin, Prinzessin Isabella, Prinz Albert und die Prinzen Paul von Mecklenburg-Schwerin und Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz nebst Hofstaaten und Gefolge, begrüßt vom Bürgermeister Hetschel. Nachdem am Altmarkte vor dem Nathause die Begrüßung der Schützen durch den Oberbürgermeister Dr. Beutler erfolgt war, wofür der 1. Präsident des deutschen Schützenbundes (Hauschild-Bremen) mit verbindlichen Worten gedankt hatte, fügten sich hier die Innungen Dresdens mit ihren Fahnen und Emblemen in den Zug ein, dessen Spitze gegen V21 Uhr auf dem Postplatze anlangte. 25 berittene Stadtknechte in der Tracht des Jahre« 1683, 13 auf derben Gäulen sitzende Fanfarenbläser und ein starkes Musikkorps zu Fuß eröffneten den Zug; dann ritt stolz zu Roß ein Herold der Stadt Dresden einher, und ihm folgte der prunkvolle Bannerwagen des deutschen Schützenbundes, eskortiert von einer Abteilung Nürnberger Schützen (mit dem Trichter) und den Dresdener Freihandschützen. Vor dem Königspavillon angekommen, und nachdem der überaus reizend ausgestattete Prunkwagen mit der Dresdensia daselbst Halt gemacht, entstiegen die Vorstandsmitglieder des deutschen Schützenbundes, die Ehrenmitglieder des Centralausschusses, Deputationen der städtischen Kollegien, die Vorsitzenden der Festausschüsse ihren Wagen und teilten sich vor den hohen Herrschaften auf, an die der verdiente Vorsitzende des Fest-Ausschusses, Rechtsanwalt Dr. Lehmann-Dresden, eine Ansprache richtete, in derer mit warm empfundenen Worten im Namen der deutschen Schützen für die Anteilnahme dankte, die SachsenS Königshaus jederzeit an der deutschen Schützensache genommen habe. Aufs Neue versicherte er, daß die deutschen Schützen mmerdar festhalten werden an der Liebe und Verehrung ür König und Vaterland. Seine patriotische Rede klang in ein jubelnd aufgenommenes dreifaches Hoch auf den hohen Protektor des Festes, den König Albert von Sachsen aus. Die einfachen schlichten Worte machten auf die hohen Herrschaften sichlich den befriedigendsten Eindruck, und Prinz Georg gab diesem Empfinden in der huldvollsten Weise Ausdruck. — Dann trat der Zug den Weitermarsch durch die Wettinerstraße an. Der erste Schützenzug bestand aus außerdeutschen Schützenvereinen, nach Ländern und Städten alphabetisch geordnet. Denselben eröffneten drei Deputierte aus der Schweiz, dann folgte eine bekränzte Equipage mit New- Aorker Schützen, hieran schlossen sich die Schützen aus Giddings-Texas, Valdivia, Chile, Argentinien, San Franzisko, weiter die Schützen aus Oesterreich (Wien war sehr stattlich vertreten), Steiermark, Tyrol und Vorarlberg (Meran hatte die eigene Bürgerkapelle in ihrer braunen kleidsamen Tracht mitgebracht) und auch Triest hatte seine Vertreter entsendet. Der nun folgende Zug B enthielt nur kostümierte Teilnehmer und wurde durch Ouerpseiser und Trommler eröffnet. Diesem Zug lag die Idee zu Grunde, daß Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen nach der siegreichen Türkenschlacht bei Wien 1683 an der Spitze seiner tapferen Truppen wieder in seine Residenz Dresden einzieht. Diese historische Gruppe in den Festzug einzusügen, war jedenfalls ein sehr glücklicher Gedanke. Dem voranschreitenden Trommlerzug folgte die Fahne des Propheten, getragen von kurfürstlichen Streitern, dann kam ein gefangener Pascha mit zwei Damen zu Pferde, nach ihm ein mit Ochsen bespannter Wagen, der den Harem des Würdenträgers und erbeutete Teppiche rc. barg. Die folgende Gruppe bestand aus 30 gefangenen Türken, eskortiert von zwei kurfürstlichen Soldaten, einem recht mißmutig barem-- schauenden Kamee! mit zwei Fezträgern, einem Geschütz mit Bedienung, fünf Reitern mit zwei Lastpferden, einem weiteren Beutewagen, verwundeten Muselmännern und endlich wieder kurfürstliche Soldaten mit der Kriegskasse. Hieran schloß sich der zweite Schützenzug, enthaltend deutsche Vereine. Wir nennen daraus die Vereine aus: Karlsruhe, Heidelberg, Offenburg, Lörrach, Pforzheim, München, Ansbach, Bayreuth, Erlangen, Lauf, Regensburg, Reichenhall, Schweinfurt, Schwabach, Kronach, Weißenfels, Berlin (sehr stark), Bocken- heim, Kottbus, Crossen, Breslau, Frankfurt a. M., Offenbach, Wiesbaden (Bürgerschützen-Korps und Schützevgesell- schast), Waldkirch, Kreuznach, Gotha, Erfurt, Koburg, Zelle, Finsterwalde, Senftenberg, Braunschweig, Blankenburg, Apolda, Montigny, Hamburg, Wesselbeuren, Düsseldorf, Koblenz, Neuß, Köln, Hannover, Wilhelmshaven, Magdeburg, Mühlhausen i. Thür., Eisenach, Görlitz, Kalau, Eisleben, Sorau, Lauban, Halberstadt, Schmalkalden, Magdeburg, Habelschwerdt, Naumburg a. S., Rudolstadt, Rostock, Soest, Stettin, Schönebeck, Wittenberg, Lauscha, Nordhausen, Schwäbisch-Hall, Stuttgart, Plochingen, Eßlingen u. f. w. (Aus einer uns von einem dort weilenden Gießener zugegangenen Postkarte wird bedauert, daß Gießen nicht bei dem Fest vertreten ist.) Den Schluß dieser Gruppe bildeten die jetzige Dredener Bogenschützengilde, sowie ein Reiterzug der privilegierten Gilde Dresdener Bogenschützen von 1683 und der Kaufherren Dresdens aus derselben Zeit. Dem nun folgenden wiederum kostümierten Zug ritten Fanfarenbläser voran j dann kam der Standartenreiter des Kurfürsten^ der Kurfürst Johann Georg III. mit Gefolge, der Bürgermeister von Dresden (1683) mit Ratspersonen, alles beritten, und schließlich eine Anzahl kurfürstlicher ReitWdom roten und braunen Regiment. Der historische Zug gewährte einen sehr abwechselungsreichen und farbenprächtigen Eindruck. Der nun folgende letzte (3.) Schützenzug war au« sämtlichen sächsischen Schützenvereinen gebildet, die sehr zahlreich vertreten und vielfach in ihren kleidsamen Paradeuniformen, die Anführer zu Pferde, erschienen waren. Der wohl über 4000 Teilnehmer zählende Zug, den die Dresdener Scheibenschützengilde, sowie eine Abteilung historischer berittener Stadtknechte schloß, führte außer sechs teils berittenen Mufikkorps die Kapelle des Bayer. 2. Infanterie- Regiments Nr. 10 (München), sowie das Musikkorps ber ChevauxlegerS aus Nürnberg, die Meraner Bürgerkapelle, die Frankfurter Schützenvereinskapelle, sowie die Kapelle der Liegnitzer Schützengesellschaft mit sich. In allen Straßen, die der Zug berührte, wurden die Schützen vom Publikum stürmisch begrüßt und aus den Fenstern mit einem wahren Blumenregen überschüttet. Die Nürnberger mit ihrem „Trichter", die Schützen aus Nordhausen mit ihrem „Fäßchen Echten" erregten überall große Heiterkeit, was der anfänglich infolge des mißlichen Wetters etwa- gedrückten Stimmung sehr zu statten kam. Die Münchener Schützen brachten dem sächsischen Königshaus durch Niederlegen von Alpenrosen und Edelweiß am Königspavillon ein sehr sympathisches Zeichen ihrer Ehrerbietung dar und ernteten dafür lebhaften Beifall. Ueberhaupt wurden die wackeren Schützen überall auf das Stürmischste begrüßt, und man sah eö ihnen allen an, daß sie sich in dem schönen Dresden sehr wohl fühlten und mit dem Empfang recht zufrieden waren. Nach Eintreffen des Festzuges aus dem Festplatze ließ man sich in der bequem 5000 Personen fassenden Festhalle zum Bankett nieder. An der Ehrentafel hatten außer dem Ehrenpräsidenten deS Schießens Oberbürger, meister Beutler, Vertreter der städtischen Kollegien, die beiden Präsidenten des deutschen SchützenbundeS, H a u sch ild- Bremen und dall' Armi - München, Kreishauptmann Schmiedel, Staatsbahn-General - Direktor Geh. Rat v. Kirchbach, Geh. Kommerzienrat Hahn, der verdienstvolle Vorsitzende des Finanzausschusses, u. a. m. Platz genommen. Von Beginn der Tafel an schon war die Stimmung bereits eine sehr gehobene, und zunächst brachte Hosschau spieler Walther den deutschen Schützen im Namen der Feststadt einen von Herzen kommenden und wieder zu Herzen gehenden Willkommengruß. Dann bestieg Oberbürgermeister Beutler-Dresden die vor der Ehrentafel errichtete Tribüne, um in patriotischer Ansprache unter Hinweis auf die Wirren im fernen China der Verdienste des Kaisers Wilhelms II. zu gedenken und schloß seine ost von Beifallsrufen unterbrochene Rede mit den Worten: „Wo in solcher Zeit deutsche Männer und deutsche Schützen in Sachsens Haupt- und Residenzstadt festlich versammelt find, da entspricht es einem Herzensbedürfnisse aller, wenn das erste GlaS und das erste Wort dem geliebten und all« verehrten Landesherrn, Seiner Majestät dem König von Sachsen, zugleich aber auch dem gottbegnadeten Führer seines Volkes, dem deutschen Kaiser, gilt. Seine Majestät der König von Sachsen und Seine Majestät der deutsche Kaiser: hoch, hoch, hoch!" Die daraus folgende Rede des Vorsitzenden des Festausschusses, Stadtrats Dr. Lehmann, war überaus herzlich und für die Schützensache begeistert. Sein Trunk galt dem Wohle aller Schützenbrüder. Der Schützenkommissar der Stadt Nürnberg, Rechtsrat Wagner, der das Bundesbanner gestern der Stadt Dresden übergab, widmete sein Glas nach zündenden Worten der Feststadt Dresden, woraus Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Stöckel in ebenso inniger Weise auf die Stadt Nürnberg und den deutschen Schützenbund toastete. Ritter v. Metnitz-Wien gedachte in sinnigster Art im Hinblick auf das bewährte treue Bündnis zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn der Gemeinschaft der deutsch - österreichischen Schützen. Stürmischen Beifall erntete auch ein Tafellied, welches das 1., 11., 14. und 20. Jahrhundert feierte. Die Tafelmusik spielte die Kapelle des 2. Grenadier-Regiments Nr. 101. Punkt 5 Uhr begann bei reger Beteiligung das Kon« kurrenzschießen um 10 Feldbecher. Als Sieger gingen bei der abends 8 Uhr erfolgten Preisverteilung hervor: G. Blume-Erfurt, C. Bock-Frankfurt a. M., Robert Strenzel«Leipzig, Robert Hauber - Stuttgart, Holzapfel- München, Belk-Müncheu, UeSring-Eisleben, Ritzel-Zöllen, Büder-Basel und Steinkeller-Botzen. ~ Heute, Montag, früh 7 Uhr begann das allgemeine Schießen, wozu es den Schützen an Kaltblütigkeit nicht fehlte, denn das Thermometer zeigte + 10 Grad Celsius. Brr! Das Wetter ist trüb und unfreundlich. Aus Stadt und Land. Gießen, 10. Juli 1900. •• Perfoualuachrichte». Dem Generalmajor ä la suite der Kavallerie v. Grolman wurde das Komturkreuz 1. Klaffe mit der Krone des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen, dem Major Clausius, BataillouS-Kom- mandeur im Infanterie - Regiment Nr. 155, seither im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116, das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen, dem Geschäftsführer und Prokuristen Karl Moll zu Offenbach a. M. das silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, sowie dem Lithographen Dionysius Gerhäuser zu Offenbach, dem Notendrucker KaSpar Wilhelm zu Bieber, dem Magazingehilfen Hein- A^ngler zu Offenbach und dem Notenstecher Friedrich Winter zu Offenbach, sämtlich in Diensten der Firma Andree zu Offenbach, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit" verliehen. Der Lehramts» affeffor Philipp Wahl aus Babenhausen wurde zum Ober- lehrer an der höheren Bürgerschule zu Pfungstadt und zum Leiter dieser Anstalt nut dem AmtStitel „Rektor", der Lehr- amtSassessor Karl Krauß aus Laubach zum Oberlehrer an *cr höheren Bürgerschule zu Dieburg, der Lehramts, affeffor Karl Zörb aus Michelstadt zum Oberlehrer an der höheren Bürgerschule zu Neu-Ysenburg und zum Leiter dieser. Anstalt mit dem AmStitel „Rektor", der Kreis- amtmann Krug v. Nidda zum Vorsitzenden und der KreiSamtmann Dr. Merck zum Stellvertreter des Vorsitzenden der in Mainz domizilierten Schiedsgerichte ernannt. § Wieseck, 10. Juli. Am 7., 8. und 9. Juli fand hier das 50. Stistun-gsfest unseres ältesten (Gesangvereins „Concordia" statt. Aufs schönste waren Dors und Aestplatz mit Fahnen, jfiänzen, Euirlanden und Tannenbäumen geschmückt. Auch mehrere Ehrenpforten waren errichtet, und man merkte, daß im ganzen Dorfe die beste Feststimmung herrschte. Um 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch unseren Ort. an dem sich ungefähr 25 Vereine beteiligten. Auf dem Festplatz angekommen, hielt der Präsident Seuling die Festrede. In kernigen Worten sprach er über die Gründung unseres Vereins, in einer Zeit, da es auf den Dörfern fast noch keine Gesangvereine gab. Schwere Stürme mußte auch der Verein mitmachen, indem sich nach und nach aus dem Mutterverein airdere Gesangvereine abtrennten, sodaß das Häuflein manchmal sehr zusammenschmolz und das Weiterbestehen der „Concordia" oft in Frage kam. Aber die zähe Ausdauer der wenigen Getreuen hat unsere „Concordia" jedes- inal vor der Auflösung bewahrt, und so steht sie heute geehrt und geachtet da. Zum Schlüsse seiner Rede brachte Präsident Seuling ein Hoch auf das deutsche Lied aus. Hierauf überreichte der Turnverein unserem Gesangverein zu seinem Jubeltage eine prachtvolle Standarte, die Frauen und Jungfrauen und der Kriegcrverein je eine Fahnenschleife und der Gesangverein Sängerkranz ein Ehren- ! Diplom. Drechslermeister Lau ton hatte eine schöne Fahnenstange mit Lyra gestiftet. Präsident Seuling bedankte sich namens der „Concordia" und brachte den Spendern ein kräftiges Hoch Nach dem Begrüßungslied und verschiedenen gesanglicl)en Vorträgen der übrigen Vereine herrschte bei Tanz und Konzert die denkbar fröhlichste Stimmung bis zur späten Abendstunde. Leider war infolge der schlechten Witterung der Festplatz sehr aufgeweicht, und es ivar ein Glück, daß es am Festtage nicht regnete. Montag um 10 Uhr fand Frühkonzert mit Frühschoppen auf dem Festplatze statt. Nachmittags 2 Uhr Umzug durch das Dorf nach dem Festplatze. Hier angekommen, wurden durch den Präsidenten Seuling an verschiedene Mitglieder Ehren-Diplome übcrretdjt. Gesang, Tanz und Konzert schloß sich hieran. Bei eintretender Dunkelheit wurm noch ein großes Feuerwerk abgebrannt. Die wohlgeschulte Kapelle Becker von hier sorgte für eine schöne Musik. Die prächtige Acetylen-Beleuchtung wurde von der Firma Welkoborsky in Gießen ausgeführt. ).( Harbach, 10. Juli. In dem benachbarten Ettingshausen fand vor einigen Wochen Bürgerin e i st e r w a h l statt. Im ersten Wahlgang waren drei Kandidaten aufgestellt, der seitherige Bürgermeister Gör- nert, der Beigeordnete Heinrich Keil und dessen Schwager Johannes Keil. Da keiner dieser drei die Stimmenmehrheit erhielt, so war nach einer Woche Stichwahl zwischen den beiden letztgenannten erforderliche Das Ergebnis war, daß der Beigeordnete Keil 58, Johannes Keil dagegen 61 Stimmen erhielt, somit ging letzterer aus dem Wahlgang siegreich hervor. Der neugewählte Bürgermeister konnte aber bis jetzt noch nicht von der Behörde bestätigt werden, da er wegen verschiedener Sachen verklagt ist, ob mit Recht oder Unrecht, das wird durch die bereits eingeleitete Untersuchung hoffentlich^ klargestellt werden. Am verflossenen Donnerstag war nun der Untersuchungs- richter int Ort und vernahm eine ganze Anzahl Männer über verschiedene dem Joh. Keil zur Last gelegter schwerwiegender Beschuldigungen. Auch viele Frauen sind, wie wir hören, in dieser Sachte vernommen worden. Die Aufregung in der Gemeinde ist sehr groß, und jahrelanger Haß der einzelnen Familien wird die Folge sein. Das traurigste bei der ganzen Wahlgeschichte ist die Thatsache, daß schon den ganzen Winter über auf die Bürgermeisterwahl getrunken worden ist, und wenn es vielleicht auch) nicht immer öffentlich! ausgesprock-en wird, so ist cs doch als selbstverständlich von den Wählern angenommen, daß der Kandidat die Zeche bezahlt. Man sagt sogar, daß es hier oder da vorkommt, daß die Kandidaten Fäßchen auflegen. Daß dieses „Trinken auf die Wahl" eine der bedenklichsten W a h l b e e i n f l u s s u n g e n ist, bedarf keines weiteren Beweises, und daß Zank, Streit, Haß und Schlägerei die unmittelbaren Folgen sind, sehen wir auch) hier wieder. Ist doch) diesmal eine Schlägerei nur durch das Eingreifen besonnener, angesehener Leute verhindert worden. Mit Freuden haben wir deshalb die Nachricht vernommen, daß die Behörde auch über das Trinken vor der Wahl die Untersuchung eingeleitet hat. Wir zweifeln nicht, daß man in Ettingshausen der Wahrheit die Ehre geben wird, damit die Behörde einschreiten kann und derartige Unsitten auch in anderen Orten verschwinden. Zahlen beweisen und so mögen auch hier einige Zahlen angeführt werden, um den Lesern eine Vorstellung davon zu machen, was alles getrunken und gegessen wird bei einer Bürgermeisterwahl. Für Bier, Schnaps und Wein sollen mindestens 2000 Mark in den verschiedenen Wirtschaften gelassen worden sein. Nun sind aber auch zur Stichwahl von den Kandidaten Schweine geschlachtet worden; und bei diesem Schmaus wurde wohl auch kein Wasser getrunken. Außerdem wurden die Frauen der Wähler zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Ob dieses auch, vor oder nach der Wahl geschah, hat unser Gewährsmann nicht erfahren können. Die Ausgabe für Essen, süßen Schnaps usw. wird demnach nicht gering sein. An diesen Ausgaben dürften die Gewählten jahrelang zu tragen haben. Darmstadt, 9. Juli. Anlage einer Villenkolonie im Isenburger Wald bei Frankfurt empfahl in den letzten Verhandlungen der ersten hessischen Ständekammer der Erbprinz v o n L e i n i n g e n. Es stand zur Erörterung, ob der hessisck)ie Staat die auf hessischem Gebiet bei Neu-Isenburg und Offenbach belegenen Waldungen käuflich) erwerben solle, Waldungen, die ursprünglich Bestandteile des uralten Reichst und Königsforstes zu Drei- eich, seit mehr als 400 Jahren irrt Besitz des Hauses Isenburg, mit einem Flächengehalt von über 3300 Hektar, zu den größten Privatforsten Mitteldeutschlands gehörend/.pon dem gegenwärtig finanziell bedrängten Fideikommiß ° Besitzer zum Verkauf gestellt sind. Infolge der günstigen Lage zu Frankftirt und Offenbach eigneten sich), so führte Erbprinz Leitungen aus, diese Waldungen vorzüglich) zur Anlage einer Villenkolonie mit Parks, Sportplätzen u., und der Staat müsse bei Bemessung des zu bietenden Kaufpreises diese günstige Verwertbarkeit ins Auge fassen. In der That eine beachtenswerte Idee. In allen unseren Großstädten macht sich) mehr und inehr das Bedürfnis nach behaglichen, leicht erreichbaren Vororten geltend, die es ermöglichen, ruhigen, gesunden Landaufenthalt mit städtischer Berufsausübung zu verbinden. Für Frankfurt dürfte sich! kaum ein geeigneteres Villenvorort-Terrain finden, als diese nahe der Stadt erhöht über dem Maint-Hal liegenden Waldungen, die bisher als unantastbarer FideikoMmiß- besitz dem Prtvaterwerb unzugänglich waren. Das gleiche Projekt war schon vor 3 Jahren dem Fürsten Jsenburg-Bir- stetu von einem als Berater in den finanziellen Schwierigkeiten zugegangenen Finanzier empfohlen, aber — vielleicht aus Mangel an Mitteln — nicht verfolgt worden. Interessant ist es, wie jetzt der Staat sich, zu dieser in der ersten Ständekammer gegebenen Anregung verhalten wird. Wird der Fiskus als Käufer die Verwertbarkeit des Waldes als Villenvorort, also einen gewissen Spekulationswert des Waldes mit bezahlen? Wenn dies geschieht, wird er das Geschäft selbst realisieren, den Villenort selbst anlegen und dte Parzellen an Private verkaufen? Wenn der Staat ablehnt, wird dann der Fürst Isenburg die nach hessischem Recht erforderliche staatliche Genehmigung zur getrennten Veräußerung erhalten, oder wird der Fiskus durch Verweigerung dieser Genehmigung den finanziell bedrängten Eigentümer dahin bringen, den Forst unter dem wahren Wert zu verkaufen? Selten vereinigen sich! sonst heterogene Interessen derartig für ein Projekt, wie für dieses: die Stadt Frankfurt bekäme einen schönen, nahegelegenen ' Villenvorort, der Fürst Isenburg gute Bezahlung für seinen Wald, die Genteinden Neu-Isenburg, Sprendlingen rc. schöne Bezahlung für teilweise Ablösung ihrer Waldgerecht- same, der hessische Staat würde um einen höchst-steuerkräftigen Ort reicher — nur dem hessischen Fiskus entginge ein Waldankauf unter Preis. Darmstadt, 8. Juli. Die Mittelrheinischen Fechtklubs, wozu außer Darmstadt die Fechtklubs zu Frankfurt ,o. M., Mainz, Wiesbaden, Butzbach, Mannheim, Bürgel, Worms, Rüdesheim, Karlsruhe und Kreuznach gehören, feierten vom 7. bis 9. Juli in unseren Mauern das 21. Gau Verbands fest der Mittelrheinischen: F e ch t k l u b s, das der Darmstädter Fechtklub übernommen hatte, um damit gleichzeitig sein zehnjähriges Stiftungsfest zu feiern. Die Beteiligung war eine äußerst rege. Die am Samstagvormittag im großen Saalbausaale begonnenen Wettkämpfe boten ein sehr schönes - Bild von Energie und Schneidigkeit im friedlichen Streits der Geist und Körper stärkt. Der Kommers verlief in prächtiger Weise unter Reden und gesanglichen und musikalischen Darbietungen. Am Nachmittag des 8. fanden alsdann irrt Saalbau die Schau Übungen der Klubs statt, und zwar wurden ausgeführt: 1. Sabel-Uebung, ausgeführt von sechs Herren des Darmstädter Fechtklubs (außer Konkurrenz), 2. Säbel-Gewehrübungen, ausgeführt von zehn Herren des Wiesbadener Fechtklubs, 3. Säbel- Stockschwingungen, ausgeführt von vierzehn Herren des Vereinigten Fechtklubs „Arminius-Darmstadtia", 4. Kollek- tiv-Uebung im Florett, ausgeführt von acht Herren des Frankfurter Fechtklubs, 5. Säbel-Uebung, ausgeführt von vier Herren des Mainzer Fechtklubs. Die Kapelle Engel konzertierte anfangs im Garten, dann nach Beginn des Regens im Saale. Darmstadt, 10. Juli. Die „H a s s i a", das älteste Korps der Technischen Hochschule, feierte vorgestern abend im „Kaisersaal" sein 60jähriges Stiftungsfest durch einen solennen Kommers, zu dem eine stattlick>e Anzahl Ehrengäste, u. a. das Rektorat, Vertreter der Körperschaften, sowie zahlreiche alte Herren erschienen waren, um das Korps zu seinem Jubelfeste zu beglückwünschen. — Den eifrigen Nachforschungen unserer Kriminalpolizei ist es gelungen, in der Person des ca. 20 Jahren alten I. Schwerenberger von hier eines derjenigen Individuen zu erwischen, die das schon kurz gemeldete Sitt- lichkeitsverbrechen anfangs der vorigen Woche in den städtischen Tannen begangen haben. Sein Genosse, den S. nicht kennen will, ist der Beschreibung'nach'ea. 25 bis 30 Jahre alt, mittlerer Statur, hat rötlichen Schnurrbart, viele Sommerflecken im Gesicht. D a r m st a d t, 10. Juli. Auf Grund telegraphischen Ersuchens des Berliner Zentral-KomiteeS vom Roten Kreuz ließ, wie die „N. Hess. V." schreiben, der Vorstand des hessischen Landesvereins heute die Aufforderung ergehen, daß fieiwillige gute Berufskrankenpfleger, welche geeignet sind, im Lazareth- dienst im deutschen Schutzgebiet in China oder auf Laza- rethschiffen verwendet zu werden, sich bei dem Vorstande (Vorsitzender: Oberkonsistorialpräsident Buchner in Darmstadt, Riedeselstr. 42) sofort melden möchten. Bedingungen: alles frei und außerdem Tagegelder. Mainz, 10. Juli. Mit den großen Erweiterungsbauten im Bereiche der ehemaligen Hessisch e n L u d w i g s b a h n , zu denen vor einiger Zeit schon von dem preußischen Landtage und den hessischen Kammern die Mittel bewilligt worden sind, wird in allernächster Zeit begonnen werben. Es wurde ein genauer Plan ausgearbeitet, in welcher Reihenfolge die einzelnen Teile der umfangreichen Arbeiten zur Ausführung kommen sollen, damit während der Bauzeit Verkehrsstörungen so viel wie nur irgend möglich vermieden werden. Zuerst kommt zur Ausführung der zweiklassige Ausbau der Linie Mainz- Montbach, mit dem gleichzeitig die Uebcrbrückung des Rheines unterhalb Mainz begonnen wird, um alsdann die Anschlüsse an die Bahnlinie Castel-Frankfurt und an die Station Curve auszuführen. Neben dseien großen Arbeitenwerden zur gleichen Zeit die Erweiterungsanlagen an dem Bahnhof in Worms ausgeführt. — Unter den Truppen der hiesigen Garnison ist die Z a h l d e r F r e i w i l l i g e n, die sich nach China gemeldet haben, eine außerordentlich große. Allein von dem Fuß-Artillerie- Regiment Nr. 3 haben sich so viele Unteroffiziere und Mannschaften gemeldet, daß aus demselben eine vollständige Batterie gebildet lverden konnte. Gestern wurden Vie Leute ärztlich untersucht und bereits morgen treten dieselben die Reise nach China an. Die Batterie nimmt sechs Haubitzen mit. — In unserer Stadt treibt sich ,nieder ein fremder Kolporteur umher, der durch Scheine einer auswärtigen Buchhandlung hier Bücher verkauft. Der Kolporteur läßt sich 2 bis 3 Mark als „Draufgeld" bezahlen, von den bestellten Büchern bekommen aber die Käufer nie etwas zu sehen. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Matz in eigener werksiätte. Gießen, ttirchenplatz 71£> Mobiliar-Versteigerung. Dienstag den IO. nud Mittwoch den 11. Juli d. I., jedesmal nachmittaps 2V3 Uhr beginnend, wird in dem Hause Wilhelm- ftraße 21, 2. dahier, der Nachlaß des verstorbenen Herrn Oeh. Med.-Rat Pros. Dr. Bose öffentlich gegen Barzahlung versteigert. Es kommt u. A. zum Aurgebot: 1 Schreibzyliuder, 1 Zimmerschrauk, 1 Medieiufchrauk, 1 Bücherbauk, 1 Konversationslexikon, diverse Bücher, 1 Ausziehtisch, ovale, runde, viereckige und Spieltische, Wasch- und Nachttische, 1 Kommode, 1- und 2thür. Kleider- schränke, 1 Weißzeugschrank, 1 Pfeilerschränkchen mit Spiegel, sonstige Spiegel und Bilder, mehrere vollständige Betten, Sophos, 2 Sessel, Kleiderständer, Stand- und Wanduhren, 2 Lustrcs, mehrere Lampen, Vorhang-Gallerien und -Rosetten, 1 Herrenüberzieher, fast neu, mit Bisamfütteruug, Porzellan- und Glas waren, Küchen- und Hausgeräte jeglicher Art rc. I. A.: Schneider. Bund Deutscher Gastwirte. Der uns in Originalsüllung zur Prüfung überlastens Selters-Speu-el der Angusta-WM-Aelle zu Selters a. d. Fuhs wurde von uns als ein wohlschmeckendes, kohlenfäurehaltiges Tafelwaffer befunden, die beigegebene Analyse ist eine äußerst günstige und erweist fich der natürliche Selters mit Wein vermischt als ein angenehmes, wohlbekömmliche» Getränk. Leipzig, am 14. Februar 1900. 4604 Die Prüfungs-Kommission dr» SSchfischeu GiSwiris-Nrrdandrs und dks Kiindks Deutscher Gastwirte. H, Facias, Vorsitzender. HenerakDertreler für Hießen und Umgegend: Fr. 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