Erstes Blatt. Sonntag den 11. März 1900 Aints- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren bis 8. i wird M. ten untn W. NtzL f-. Lies« Mm-. Telegramme des „Gießener Anzeiger". London, 10. März. Aus Ladysmith wird vom 2ME1V. Liiskunft ertheilt . M. Schulhof, larl Loos. Isidor Schulhof, Julius Karl, Carl Stern. Äfle Anzrigen-LermittlungSflellen deS In« und AuSlande» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeig-c rntgrgeiu Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. HrteW»M, Expedition und Druckerei: -«-»lstraße Nr. 7. GratisbeilagrN: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Ktäüer für hessische Volkskunde. Verträge werde man aus politischen und wirtschaftlichen Gründen einen wesentlich verstärkten Schutz der Landwirtschaft schaffen müssen, und da sei es doch taktisch nicht richtig, jetzt, zweieinhalb Jahre vor Abschluß neuer Verträge, ein solches Gesetz zu beschließen, das die Industrie in so hohem Maße beunruhige. Der Beschluß, den das hohe Haus jetzt fasse, sei von ganz außerordentlicher Tragweite und vielleicht von einer Schwerkraft, die viel weiter gehe, als man jetzt denke. Am besten würde man der Einflusses auf die Buren, teils wegen Mangels an Eifer. Der Kommandant Louis Botha befindet sich mit 6000 Mann bei Glencoe. Man glaubt, daß es dem Präsidenten Krüger nicht gelingen werde, die Freistaatler von der Ueberlegen- heit der Buren über die englischen Streitkräfte zu überzeugen. Nezugsprel» vierteljähxl. Ml. 2M monatlich 75 Psß. mit Brmgerlohux durch die Abholestell« vierteljährl. Mt. 1,9(1 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Adresse für Depeschen: JtKietfttt Kietz««« Fernsprecher Nr. 61. a«««H>e »•» «Ojeigen zu der nachmittag« für de« fcCfa,>« tefl erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. RbdeMSungen spätestens adendS vorher. haus David Ul Friedt. David t __ Tarwstadh § und betühmlis ^ereandhanr, lieb bestellte t-Kollektor schm LaiideM \ Tw» , * Vom Kriegsschauplatz. Berlin, 9. März. Der „Lokal-Anzeiger" meldet aus London: Zu dem Rückzug der Buren bei Osfontein schreibt heute die „Times": Die Schnelligkeit, mit der die Buren die Tragweite der Robert'schen Umgehungsbewegung erkannten, und dementsprechend ihre Maßnahmen trafen, zwingt zur Bewunderung. — Nach einer Meldung der „Daily Mail" ziehen sich die Buren 30 Meilen östlich bei Abrahams Kraalwieder zusammen. Bei Osfontein standen ste in einem weiten halbkreisförmigen Bogen auf den beiden Anhöhen zu beiden Seiten des Modderriver. — Es fällt hier auf, daß in den Meldungen von der Burenseite, nirgends der Name des Generals Joubert genannt wird, man vermutet, daß er der Kommandant einer Hauptarmee der Buren ist, deren Standort bisher absichlich geheim gehalten wird. — Demselben Blatte wird aus Brüssel telegraphiert: Dr. Leyds erklärte, er könne den Wert der Nachricht vom Verrat des Burenkommandanten Ferreira nicht schätzen; freilich sei alles möglich. Die Familie Ferreira sei zahlreich vertreten, der betreffende Kommandant war wahrscheinlich ein alter transvaalischer Soldat; er befehligte eine Kavallerie Elitetruppe, bezeichnet „Ferreira-Horse". Er war sehr beliebt und tapfer. Ein Verrat seinerseits würde die Buren besonders schmerzlich berührt haben. Wahrscheinlicher ist deshalb, daß es sich um irgend welchen NamenSvettex des Genannten handelte. London, 9. März. Die „Times" veröffentlicht folgendes Telegramm aus Lorenzo Marquez: Den amtlichen Berichten auS Transvaal zufolge sind die BurenKomman- danten Lukas Meier und Schalk Burger in Ungnade beim Volke gefallen, teils wegen ihres geringen März berichtet: Die Eisenbahnzüge treffen jeden Tag mit Proviant hier ein, und schaffen die Verwundeten und Kranken nach dem Süden. Die Hitze ist unerträglich, der Staub ungeheuer. Die Gesundheitsbehörden sind mit der Desinfektion der Stadt beschäftigt. Infolgedessen mußte die gesammte Bevölkerung die Stadt räumen. Kavallerie und Infanterie liegt außerhalb der Stadt. Der Feind hat eine starke Stellung bei den Biggersbergen eingenommen. Man hofft, daß die Brücke über den Tugelafluß innerhalb 14 Tagen fertiggestellt sein wird, damit die Eisenbahnzüge den Fluß wieder passieren können. London, 10. März. Das Kriegsamt gab gestern folgende Meldung aus: Lord Roberts telegraphiert aus Poplars Drift vom 9. März 1 Uhr 10 Min. nachm.: General Clements berichtet, daß er Norwalpont und das angrenzende Gebiet besetzt hat. Sobald seine Genie- und Pioniertruppen ankommen, wird er den Fluß überschreiten. London, 10. März. Aus Pretoria wird vom 8. März gemeldet: Die Buren telegraphierten nach Bloemfontein, die Lage bei Norwalpont sei sehr bedenk- l i ch infolge der jüngsten Aenderungen in den Kommandostellen. Der Kommandant Delarey habe Pretoria am Donnerstag verlassen, und sei bei seinen Truppen angelangt. Er berichtet, daß die Republikaner geschworen haben, sich zu rächen. Die meisten Freistaatler glauben nicht an die Besitzer hat er de mzelv Amtlicher Teil. Bekanntmacynng. Der Viehmarkt zu Düendorf a. d. Lda. am L4/d. MtS. kann stattfinden mit der Bedingung:! " 1. daß Vieh aus Orten, in denen die Maul- und Klauenseuche herrscht, nicht zugelassen wird; 2. alles ankommende Vieh auf den Markt gebracht und daselbst veterinärärztlich untersucht wird; 3. Vieh, welches nicht auf den Markt kommt, den Quarantänebestimmungen unterliegt. Gießen, den 10. März 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Uebergabe Cronjes. London, 10. März. Der „Times" wird aus Lou- renzo Marquez gemeldet, daß der Sohn des russischen Feldmarschalls Gur ko dort eingetroffen und ihm auf seiner Weiterreise nach Pretoria in Koomati Port ein glänzender Empfang bereitet wurde. London, 10. März. Der Times-Korrespondent telegraphiert: Die Buren des Oranje-Freistaates verlangen die Unterwerfung. Der Präsident ist jedoch dazu nicht geneigt. Trotzdem erwartet man, daß die Unterwerfung binnen einer Woche erfolgen werde. Der Unwillen gegen ein weiteres Zusammengehen mit Transvaal ist im Wachsen begriffen. (?) Berlin, 10. März. Nach einem Telegramm des „Berl. L.-A." aus London wird eine Meldung, daß das Warrensche etwa 10 000 Mann starke Korps Befehl erhalten hat, zu der Robertschen Hauptarmee zu stoßen, dahin verstanden, daß kein Versuch gemacht werden soll, die Draakenberge und Biggersberge, welche von den Buren besetzt sind, zu nehmen. Sonst würde man eine Schwächung der Bullerschen Armee nicht gewagt haben. Paris, 10. März. General Gallifet ist soweit wiederhergestellt, daß er gegen Mitte nächster Woche seine Amtsgeschäfte in vollem Umfange wieder aufnehmen kann. London, 10. März. Lord Bathurst wurde zum Gouverneur von St. Helena ernannt. Der Transport Cronjes nach St. Helena soll bald erfolgen. (ßiehener Anzeiger Heneral-AnMger II toi J ’ dessen, n MlÄ und bemerkt dem Abg. Fischbeck: Wir sind und bleiben unter allen Umständen, wie auch hier heute beschlossen werden möge, begeisterte Anhänger der Flottenvermehrung. Reichskanzler Für st Hohenlohe weist den ihm vom Abg. v. Wangenheim gemachten Vorwurf, daß er ein gegebenes Versprechen nicht erfüllt habe, als unberechtigt zurück. Sein, des Reichskanzlers, Versprechen sei eben durch Vorlegung dieses Gesetzentwurfes vollständig erfüllt. Redner erklärt sich noch gegen die Kommissionsbeschlüsse. Abg. Paasche (nl.) hält den § 14 zwar nicht für einwandfrei , die Mehrzahl seiner Freunde würde gern die Fristbestimmung darüber, wann das Fleischeinfuhrverbot in Kraft treten solle, aus dem Paragraphen herausschaffen und den Termin dafür der Regierung anheimgeben, aber jetzt sei ein diesbezüglicher Antrag doch aussichtslos. Die Mehrheit seiner Freunde werde daher heute für die Kommissionsbeschlüsse stimmen. Eine Minderheit seiner Fraktion stimme gegen den Kommissionsbeschluß betreffend den § 14. Abg. Steinhauer (frs. Bp.j behält sich sein Votum über die ganze Vorlage bis zur Schlußabstimmung vor. Nunmehr wird ein Schlußantrag gestellt. Derselbe wird mit 195 gegen 89 Stimmen angenommen. § 1 wird fast einstimmig, § 2 mit 209 gegen 75 Stimmen in der Kommissionsfassung angenommen, desgleichen § 14 mit 168 gegen 99 Stimmen, rund zwar ebenfalls in der Kommissionsfassung. Mit der Minorität stimmte der kleinere Teil der Nationalliberalen, vereinzelte vom Zentrum. Morgen 1 Uhr: Fortsetzung. Kleinere Vorlagen. Schluß 6 Uhr 45 Minuten. Sßsm E üwTiüfc ’ MauzeiM-, klag^N^phti«. •»SS. v • I - . wVf.l1 inbelieb'^Äl^ ibergt^nfferten^ Deutscher Reichstag. 163. Sitzung vom 9. März. 1 Uhr. Der Abgeordnete Reichert-Baden (Ztr.) ist gestorben. Das Haus ehrt sein Andenken in der üblichen Weise. Tagesordnung: Fortsetzung der Beratung des Fleischbeschaugesetzes, 1, 2 und 14. Abg. P a ch n i k e (srs. Vg.) meint bezüglich der Kommissions- beschltisse, daß das, was Graf Klinckowström als „mittlere Linie" bezeichnet, in Wirklichkeit das äußerste an Kühnheit sei, was von den Agrariern in der letzten Zeit geleistet worden sei; es sei das eine verblüffende Probe dafür, wie weit die Agrarier gehen, obwohl man doch wahrlich in dieser Beziehung einigermaßen abgehärtet worden sei. Die Voraussetzungen für den § 14, daß nämlich die deutsche Landwirtschaft den Fleischbedarf Deutschlands zu decken vermöge, erkenne niemand in Redners Fraktion als gegeben an. Eine wirkliche Notlage der Landwirtschaft könne er nicht finden, auch nicht der kleineren Landwirte, der Bauern. Nötig sei nur, daß die Großgrundbesitzer den kleinen Landwirten einen viel größeren Einfluß im Kreise einräumen, als sie es bisher thäten. Würde dieses Gesetz hier beschlossen werden, dann würde bei den Hausfrauen ein gewaltiger Sturm losbrechcn. Fürchteten denn die Herren nicht den Zorn und die Ungnade der deutschen Hausfrauen? (Heiterkeit). Schließlich werde ja auch hier nur die Sozialdemokratie der gewinnende Teil sein. Das möge sich das Zentrum merken, namentlich auch die oberschlesischen Zentrumsabgeordneten. Redner kommt dann auf Amerika zu sprechen, auch darauf, wie man bisher die Flottenvermehrung begründet habe, und fährt dann fort: Aller Augen richten sich auf den Grafen Posadowsky (Heiterkeit), aber dieser zieht es vor, zu schweigen (Heiterkeit). Soll dieses Schweigen etwa eine Kapitulation vor der Rechten in dem Sinne sein, das; sie damit die Flotte durchzusetzen glaubt? Die Regierung braucht Ihre Stimmen (nach rechts) nicht so teuer zu erkaufen; denn wenn es mit der amtlichen Wahlbeeinflussung der Landräte aus ist, ist es auch mit Ihnen aus! (Stürmische Unruhe und Gelächter rechte1. Nachdem zwei Jahrzehnte lang Großgrundbesitzerpolitik getrieben worden ist (stürmisches Gelächter rechts), ist es Zeit, damit aufzuhören. (Reichskanzler Fürst Hohenlohe betritt den Saal.) Von den Nationalliberalen erwarte ich, daß sie nicht für dieses Gesetz stimmen. Ich bitte um Ablehnung des § 14, bezw. des ganzen Gesetzes. (Lebhaftes Bravo links. Zischen rechts.) Abg. Graf Kanitz (kons.) legt dar, man müsse bei der Fleischeinfuhr unterscheiden zwischen frischem und anderweitem Fleische. Die ganze Summe, um die es sich hier für Amerika bandle, sei verschwindend klein gegenüber der großen Ueber- bilanz, welche Amerika im Handelsverkehr mit Deutschland habe. Amerika werde viel zu klug sein, um so vorzugehen, wie die Linke es befürchte. .Was die Kommission Vorschläge, das Einfuhrverbot, könne er garnicht so unerhört finden. Staatssekretär Graf Posadowskl; erwidert dem Abg. Pächnickc, daß die Regierung den Zeitpunkt, wo sie antworten wolle, selber wähle und sich nicht vorschreiben lasse. Es handle sich hier um einen Akt der autonomen Gesetzgebung des Reiches (Bravo! rechts). Es handele sich hier nicht um eine internationale Angelegenheit, sondern um einen autonomen Akt der Reichsgesetzgebung (erneute Bravos rechts). Es handele sich um ein hygienisches Gesetz, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen (Rufe rechts: Sehr richtig! Heiterkeit links). Man müsse vermeiden, auch nur den Schein zu erwecken, als ob mit diesem Gesetz irgend welche wirtschaftlichen Zwecke verfolgt würden (Rufe rechts: Sehr richtig! Links große Heiterkeit) Auch alle bisherigen Maßnahmen gegenüber der Einfuhr hätten nur das Interesse der Gesundheit im Auge gehabt, nicht die Hebung der Viehzucht. Wenn man prohibitiv vorgehen wolle, so müsse man iwn Beweis erbringen, daß Deutschland erstens die ausländische Ware nicht brauche und zweitens, daß dieselbe gesundheitsschädlich sei. Aber daß Deutschland aus letzterem Grunde alle Einfuhr verbieten müsse, so weit sei selbst die Kommission in richtiger Erkenntnis der Sachlage nicht gegangen, denn sonst hätte sie auch Schmalz und Speck nicht dauernd zulassen dürfen. Wenn es sich um eine Trichinengefahr handele, so werde diese doch durch die Untersuchung an der Grenze beseitigt. Daß zur Zeit der Bedarf Deutschlands an Fleisch gedeckt werden könne, glaube er, Redner, nicht. Er bitte, die Regierungsvorlage wiederherzustellen, weil an maßgebendster Stelle schwere Bedenken gegen die Kommissionsbeschlüsse beständen. Die Freunde der Kommissionsbeschlüsse würden auch taktisch richtig handeln, wmn sie dazu verhelfen würden, die Regierungsvorlage wiederherzustellen. Bei den Handelsverträgen rverde geprüft werden, inwieweit die landwirtschaftlichen Beschwerden berechtigt seien sich abstellen ließen. Bei dem Abschluß neuer Handels- Deutsches Keich. Berlin, 9. März. Das Kaiserpaar begab sich heute vormittag nach Charlottenburg, um im Mausoleum daselbst einen Kranz niederzulegen. Nachmittags gedachte der Kaiser die königliche Porzellanmanufaktur zu besuchen, um dort die für die Pariser Weltausstellung bestimmten Gegenstände zu besichtigen. Heute abend 10 Uhr 10 Minuten wird der Kaiser sich nach Wilhelmshaven begeben. — In der Budgetkommission des Reichstages wurde heute der auf Antrag des Abg. Richter an die Kommission zurückgewiesene Titel „Bahnbauten in Ostafrika" beraten. Der Abg. Richter beantragte, die für den Weiterbau der Usambara-Bahn von Korogne nach Mombo geforderten 72 000 Mark zu streichen. Die Beschlußfassung über diesen Antrag wurde bis zur Entscheioung über die für die Zentralbahn geforderte Summe ausgesetzt, und die Beratung bis Dienstag vertagt. • — Gegen die Beschlüsse der Reichstags-Kommission zum Fleischbeschaugesetz ist für nächsten Montag eine außerordentliche Generalversammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands nach dem Kaiserhof einberufen worden. Es wird eine Resolution zur Beratung gelangen, die das Zustandekommen des Fleischbeschaugesetzes in der Kommissionsfassung energisch bekämpfen soll. — Im Abgeordnetenhause wurden heute folgende Kapitel des Kultus-Etats erledigt: Evangelischer Oberkirchenrat, evangelisches Konsistorium, Provinzial - Schul - Kollegium. Morgen Weiterberatung. Nr. 59 ^rscheivt tä-Nch mit LuSmahme deS Montag«. ®tt Sießeser M«milre«»tStter Wtb-T dkm Anzeiger tat Wechsel mit „Hess, fairtmirt- «. „Blätter Dr h«ß Bolllfimbt* •Hfl. 4 md ktgelegL Sache dienen, wenn man noch ein par Jahre sich gedulde, zur Neugestaltung unserer handelspolitischen Beziehungen. Abg. Fischbeck (frs. Vp.) weist unter großer Unruhe des Hauses auf den großen Widerspruch in den Kommissionsbeschlüssen hin und führt dann weiter aus, dies hier sei die erste Rechnung, die die Agrarier für die Flotte präsentierten, die zweite Rechnung komme bei den Handelsverträgen. Die Agrarier hätten eventuell mit Ablehnung der Flottenvorlage gedroht. Das sei die schlimmste Art der Erpressung (große Unruhe rechts). Abg. v. Wangenheim (Bd. d. Landw.) erklärt, seine Freunde seien nicht in der Lage, der Regierung irgend welche Vollmachten zu erteilen, damit hätten sie bereits zu schlechte Erfahrungen gemacht. Die Regierung habe sich einschüchtern lassen durch das Gebrüll der liberalen und sozialdemokratischen Presse. Erreicht werde damit gegen die Sozialdemokratie doch nichts, vielmehr würden die kleinen Leute auf dem Lande nur noch mehr der Sozialdemokratie anheimfallen. Wolle die Re- aicrung wirklich hier wieder stoppen und vor den Sozialdemokraten kapitulieren? Hamburger Senator Dr. B u r ch a r d bittet dringend im Interesse von Handel und Industrie und Rhederei, die Kommissionsbeschlüsse zum § 14 ablehnen zu wollen. Redner wendet sich dann gegen die gestrigen Ausführungen des Abg., Vielhaben über die großen Hamburgischen Seefahrtsgesellschaften — Wie die „Berl. N. N." von zuverlässiger Seite hören, -Haven die Beschlüsse der Reichstags-Kommission für das Fleischbeschau-Gesetz, soweit sie sich auf das Verbot Der Fleisch-Einfuhr beziehen, keine Aussicht auf Zustimmung des Bundesrats. — l Der „Lokal-Anzeiger" schreibt: In Bestätigung unserer bisherigen Nachricht können wir mitteilen, daß der Reichskanzler Fürst Hohenlohe eine bestimmte ablehnende Haltung einnimmt gegen diejenigen Kommissionsbeschlüsse zum Fleischbeschaugesetz, die das landwirtschaftliche Interesse zu einseitig wahrnehmen, und daß es ihm gelungen ist, für diese seine Auffassung die Zustimmung des Kaisers zu gewinnen. Damit erledigen sich die umlaufenden Gerüchte von Demissionsabsichten des Reichskanzlers. F r a n k f u r t a. M., 9. März. Die „Frkf. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Der französische Dampfer „Pejo" wurde von einer Batterie der Dardanellen stark beschossen, weil derselbe kurz nach Sonnenuntergang die Meerenge passieren wollte. Der Dampfer mußte sich infolgedessen aus den Dardanellen zurückziehen. — Deutsch - Südwestafrika. Nach einem von der „Deutschen Kolonial Zeitung" veröffentlichten Aussatz war die Spitze der Eisenbahn von Swakopmund nach Windhjoek im Dezember v. IS. bis etwa 150 Km. vorgeschritten, und wird sie voraussichtlich bis zum Frühjahre Karibik (180 Km.) erreichen. Es bleiben alsdann noch ungefähr 200 Km. bis Windhoek zu bauen. — Ein!deutscher Kabelverein! Aus Kreisen der Dresdner Großkaufmannschaft wird uns geschrieben: Erst seitdem England in seinem jetzigen Kriege mit den Burenstaaten die Allmacht seines Kabelmonopols zum Schrecken aller zivilisierten Staaten in der unseren „Vettern" von jenseits des Kanals eigentümlichen rigorosen Weise ausnutzt, wird uns Deutschen so recht klar, was uns fehlt, daß wir nicht eigene Kabel besitzen. Heute durchziehen die Meere ca. 1460 Seekabel mit rund 320 000 Kilometer Gesamtlänge, von denen 240 000 von England beherrscht werden. Wenn auch die einzelnen Kabellinien meist nicht im staatlichen Besitze sind, sondern etwa 30 Aktiengesellschaften gehören, so sind davon fünf Sechstel englische, und England wagt noch immer, allen anderen europäischen Staaten die Stirne bietend, die Welt tagelang darüber im unklaren zu lassen, was denn eigentlich auf dem Kriegsschauplätze passiert, welches die Geschicke so und so vieler Tausender tapferer Männer, Buren wie Engländer, sind. Ja sogar der telegraphische Verkehr zwischen unseren bedeutendsten Kolonieen in Deutsch-Ostafrika und dem deutschen Mutterlande ist in Frage gestellt, denn wie der Staatssekretär v. Podbielski am 26. Oktober v. I. bekannt gab, werden alle Depeschen von und nach Deutsch-Ostafrika in Aden einer strengen Zensur unterworfen, und er rät ausdrücklich, alle Telegramme in englischer Sprache abzufassen. Viele Monate währt nun schon die für Deutschland schimpfliche Sperre. Längst hat man im Berliner Kolonial- Amte die Lücke erkannt, bereits am 9. November v. I. ist der erste deutsche Kabeldampfer vom Stapel gelaufen, und in vielleicht nicht allzu ferner Zeit werden unsere Kolonien eigene Kabel mit dem Mutterlande verbinden. Hierzu werden zwar Hunderte von Millionen Mark nötig sein, und die Reichsboten werden noch manche schwere Stunde haben, denn neben der Kabelfrage läuft ja die noch viel kostspieligere Flottenfrage. Aber hier kann das deutsche Volk selbst viel zur Lösung beitragen. So notwendig eine starke deutsche Flotte ist, so bleibt sie zunächst doch noch ein totes Kapital, dessen ideelle Wirkung fürs erste nur der Schutz des Deutschtums, die Achtung vor den deutschen Farben im Auslande ist. Ganz anders das in Kabeln festgelegte Kapital! Es dient dem Volke und seinen Interessen praktisch vom ersten Augenblicke an, es ist ein lebendiges, die Einnahmen des Reiches vermehrendes Kapital. Kein Opfer soll uns Deutschen zu groß sein, dem Kaiser eine starke Flotte zu bauen; denn die Früchte werden sich bald zeigen, und lieber in der Zeit Steuern bezahlt, als in der Not — Kriegskontributionen! Aber nebenher sollten wir uns der Kabelfrage aus eigener Initiative annehmen. Und zur immer weiteren Verbreitung des Verständnisses für die Bedeutung eigener deutscher <Äekabel sorge ein deutscher Kabelverein! Karlsruhe, 9. März. Der Karlsruher Künstler- bund beschloß, eine Zustimmungskundgebung an den Professor Eberlein-Berlin für seine energische Initiative in der Berliner Protest-Versammlung gegen die lex Heinze zu senden. Ausland. Wien, 9. März. Das Abgeordnetenhaus wählte den Jungtschechen Dr. Czezek mit 168 gegen 56 Stimmen zum zweiten Vizepräsidenten. Der größte Teil der Linken sowie die Sozialdemokraten hatten sich der Wahl enthalten. Wien, 9. März. Heute vormittag fand ein Ministerrat statt, in welchem angeblich sehr wichtige Beschlüffe für den Fall gefaßt worden seien, daß sich der Reichsrat nicht weiter arbeitsfähig zeigen sollte. In Jungtschechenkreisen verlautet gerüchtweise, es sei eine Militär-Diktatur geplant. Wien, 9. März. Die Regierung hat, wie im Abgeordnetenhause verlautet, die Absicht aufgegeben, die Wahl der Delegationen noch im Monat März vorzunehmen. Wien, 9. März. Der Wiener Gemeinderat beschloß in seiner heutigen Sitzung, eine Sympathie-Kundgebung für den Pariser Gemeinderat anläßlich der Brand-Katastrophe ^bzusenden. Wien, 9. März. Im liberalen Klub wurde das Verhalten des Abgeordneten Ugron gegenüber dem Baron Banffy aufs schärfste verurteilt, und Ugron für politisch unmöglich erklärt. Wien, 9. März. Der Jungtschechen-Klub beschloß, die Obstruktion auch auf die Investitions-Vorlage bezüglich des Triester Hafenbaues auszudehnen und gegen das Rekruten- gesetz nur einfache Opposition zu machen. Graz, 9. März. Die hiesigen Fleischergehilfen fordern höhere Löhne. Falls ihre Forderungen nicht bewilligt werden, beabsichtigen die Gehilfen in den Ausstand zu treten. Lemberg, 9. März. Gestern sanden hier Demonstrationen seitens der Studentenschaft statt. Dieselben richteten sich gegen die Wahl des Ministers Pientak zum Landtags-Abgeordneten. Erst nachdem Militär eingeschritten war, gelang es, die Manifestanten zu zerstreuen. Schwurgericht. W. Gießen, 9. März 1900. Heute wurde in die Verhandlung gegen den Gastwirt Karl Aug. Bayer von Alsfeld wegen betrügerischen Bankerotis eingetreten. Die Anklage vertritt Gerichtsaffessor Reuß. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Katz. ES find im ganzen 27 Zeugen erschienen. Der Angeklagte ist nicht vorbestraft; er ist am 6. April 1864 zu Trier geboren und verheiratet, und erklärt, er sei nicht schuldig. Bayer erzählt, wie er im Hotel Großmann zu Frankfurt a. M. Büffelkellner gewesen und sich dort etwa 2000 Mk. gespart habe. Er wollte sich gern selbständig machen und habe in dem kleinen Hünhau eine Wirt, schäft mit Bierverlag übernommen. Das Geschäft sei aber zu klein gewesen, und so habe ihn Emil Wießler, Agent in Hünhau, veranlaßt, daS „Deutsche HauS" von Karl Malk- mus in Alsfeld käuflich zu übernehmen. Als Preis wurden 138000 Mk. festgesetzt bei 30000Mk. Anzahlung. 25000Mk. zu dieser Anzahlung gab die Riedeselsche Brauerei Lauterbach gegen Hypotheken Eintrag, 5000 Mk. gab der Weingutsbesitzer Andreas Schlereth in Neustadt a. d. Hardt gegen Wechsel. Der Cigarrenhändler Heinrich Kempel lieh ebenfalls gegen Wechsel 3000 Mk., womit das Betriebskapital beschafft war. Bayer bezahlte aus eigenen Mitteln nur den Kaufstempel. Der Angeklagte erklärt, Wießler habe ihm mitgeteilt, daß MalkmuS pro Jahr im „Deutschen Haus" 800 Hektoliter Bier und mindestens 50 Hektoliter Wein ausschänke, ohne die Cigarren und den Schnaps. Dies sei aber nicht wahr gewesen. Als er das „Deutsche Haus" übernommen, sei es schon zurückgekommen gewesen, doch habe er im ersten Jahre ein leidliches Geschäft gemacht. Bayer hat das „Deutsche Haus" im November 1897 übernommen. Das Geschäft ging dann aber immer mehr zurück, dazu kamen eheliche Zerwürfnisse, und Bayer sah bald ein, daß er die Sache auch nicht lange mehr halten könne. Er verhandelte mit Malkmus wegen Verkauf des „Deutschen Hauses", und dieser versprach, sich dafür zu interessieren und erklärte dem Bayer, es sei ihm ein leichtes, das HauS unterzubringen. Im Juli 1899 verschwand Bayer von Alsfeld, er war ins Ausland gegangen und nahm den vorhandenen Barvorrat von 1600 Mk. mit. Es brach dann die Katastrophe herein. Der Zigarrenhändler Kempel von Frankfurt erschien, leerte daS ganze Haus aus und brachte die zum Eigentum ihm verschriebenen Möbel des Bayer so wie die vorhandenen Weinvorräte nach Frankfurt a. M. Die Alsfelder Geschäftsleute suchten sich ebenfalls an dem, was da war zu decken und schließlich kam es zum Konkurs, bei dem die unbevorzugten Passiven ca. 12000 Mk. betragen, wogegen Masse so gut wie gar nicht vorhanden ist. Der als Zeuge vernommene Hotelbesitzer Großmann gibt dem Angeklagten daS Zeugnis eines soliden, ordentlichen und sparsamen Menschen, den er ungern in seinem Geschäft vermißt habe. — Der ehemalige Buchhalter der v. Riedesel'schen Brauerei in Alsfeld, Neumeyer erklärt, daß es s. Zt. geheißen, daß Bayer 5000 Mark erspartes Geld mit zur Anzahlung anwende und daß dies bestimmend war, demselben die 25000 Mk. gegen Hypothek zu leihen. Die Hypothekenzinsen seien stets prompt bezahlt worden. Zu Anfang sei auch das gelieferte Bier bezahlt worden. Später sei dies aber nicht mehr geschehen, sodaß die Brauerei mit 3000 Mk. allein für Bier hängen geblieben ist. Im ganzen seien dem Bayer 800 Hektoliter ä 16 Mk. geliefert, wobei derselbe mindestens 8000 Mk. verdient haben müsse. Der als Zeuge vernommene Konkursverwalter Brieg von Alsfeld erklärt, daß die Maffe soweit ausgeplündert, daß noch nicht soviel vorhanden ist, um einen Prozeß zu führen. Das Deutsche Haus sei mit 138,000 Mk. viel zu teuer bezahlt, die Ortsgerichtliche Taxe bewerte dasselbe mit 80000 Mk. Die Zeugin Charlotte Albert von Frankfurt war bei Bayer im Büffet thätig, sie kann nur sagen, daß das Geschäft in der letzten Zeit sehr schlecht gegangen ist. Die Tageseinnahmen schwankten zwischen 18—40 Mk. Der Zeuge Karl Malkmus erklärt, daß er dem Bayer von dem Kaufpreis von 138000 Mk. später 12000 Mk. abgelassen habe. Er habe daS „Deutsche Haus" nach dem Zusammenbruch der Wirtschaft Bayer für 86000 Mk. zurückgekauft. Malkmus erklärt, daß er seine Gastwirtschaft wegen Krankheit in seiner Familie verkauft hat, und als Preis dafür 130000 Mk. gefordert hat, aber auch einige tausend Mark weniger genommen hätte. Der Zeuge Rötter, Kontrolleur der Volksbank in Alsfeld, deponiert, daß man allgemein der Ansicht in Alsfeld war, daß Bayer im „Deutschen HauS" nicht zurechtkommen könne, weil er es zu teuer gekauft habe. Der Weingutsbesitzer Schlereth, Neustadt a. d. Hdt., erklärt, er habe bei dem Geschäft im ganzen 4800 Mk. verloren. Der Zeuge Woldemar Steuernagel von Alsfeld verweigert darüber, ob er mit der Ehefrau des Angeklagten ehebrecherischen Verkehr gepflogen, das Zeugnis. Eine ganze Reihe Zeugen aus Alsfeld, Geschäftsleute von dort, erklären, Bayer habe ihnen immer pünktlich ihr Geld gegeben. Sie haben alle die Ansicht, Bayer habe nicht bestehen können, weil die Wirtschaft zu teuer gekauft gewesen sei. Es sei zu viel Konkurrenz in Alsfeld unter den Wirtschaften. Der Zeuge Zigarrenhändler Kempel aus Frankfurt am Main ist der Ansicht, er sei bei dem Handel schmählich reingefallen, denn er bleibe mit 15—1600 Mk. hängen, die er aber zur Masse nicht angemeldet habe. Kempel erklärt, er sei der Ansicht, daß Bayer kein unehrlicher Mensch sei, IdW» fytrii, io. $ Kuiflinbiffen jemt to unb mstanbelten bi Vfan nidjntittaij t hnUmtchnM tmyi 8*9-3 tagten Heute in Streit echegenM ilusstanbe refp. fin. würbe erklärt, baß Mg ablehnen müff. MmaNvhn beharrte in mlchn die Versa Forbeningen für ur durch Zurückziehung •ftU ni*1 l igt i‘" a»9 5fuhi Bfc fei« IM WÄ dezent an der Mg, Mischen Hähern W Herbst üä bem MtärichrMe Unb anzetreten, m dessen Geschäft sei nicht gegangen, und da sei er auf und davon gegangen. Der Zeuge Emil Wießler von Hünhau erklärt, er sei nicht Agent, sondern Holzhändler und Gastwirt. Wießler gesteht zu, bei dem ganzen Handel 4500 Mk. Provision verdient zu haben. Die den Geschworenen vorgelegten Fragen lauten auf betrügerischen Bankerott aus § 209 der K.-O. Sind mildernde Umstände vorhanden? Der Vertreter der Staatsbehörde, Gerichtsassessor Reuß, plaidiert für schuldig im Sinne der Anklage, tritt aber auch für Bejahung der mildernden Umstände ein. Rechtsanwalt Katz plaidiert mit Wärme für seinen Klienten, in dem doch niemand einen Menschen erblickt, der seine Gläubiger betrügen wollte. Bayer sei ein bemitleidenswerter Mensch, aber kein Betrüger. Es fehle an dem Nachweis, daß der Angeklagte die Absicht hatte, seine Gläubiger zu benachteiligen, und darum müsse derselbe freigesprochen werden. Der Wahrspruch der Geschworenen lautete auf Verneinung der Schuldfrage, infolgedeffen wurde Bayer auch vom Gerichtshöfe freigesprochen und aus der Haft entlassen. Lokales uni) Krsviiyieües. (Rmmyme Einsendungen, gleichviel welche« Inhalte-, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.) Gießen, den 10. März 1900. ** Stadttheater. Morgen, Sonntag abend gelangt die alte bekannte Posse „Robert und Bertram" oder „Die lustigen Vagabunden" zur Aufführung. Außer „Lumpacivagabundus" ist wohl keine andere Posse so populär geworden, und seit Jahrzehnten finden die lustigen Streiche der beiden Vagabunden ausverkaufte Häuser, und ein dank- bares Publikum. Auch morgen dürfte der Andrang ein sehr starker werden, und empfiehlt es sich, bei Zeiten Billetts zu besorgen. Der Vorverkauf bei Herrn Challier dauert bis 3 Uhr nachmittags; von 4 bis 6 Uhr werden auch Billetts im Theaterbureau abgegeben; die Abendkasse wird 71/2 Uhr geöffnet. Die beiden lustigen Vagabunden werden unseren beiden trefflichen Komikern, Direktor Helm und Wilhelm Wilhelmi, Gelegenheit geben, ihrer Komik vollauf die Zügel schießen zu lassen. Die Begleitung der KoupletS und sonstigen Gesänge erfolgt durch unsere Regi- mentskapelle. ** Theater Wallenda. Das hier seit Jahren gut ein* geführte Theater Wallenda gibt auf Oswalds Garten einige Vorstellungen. Die Eröffnungsvorstellung findet bereits heute (Samstag) abend statt. Für morgen (Sonntag) sind zwei Vorstellungen (nachmittags und abends) vorgesehen. Das reiche Programm enthält manche Neuheit. (Siehe Inserat). Bleidenrod, 7. März. Das Bezirkskriegerfest des Bezirks Homberg a. O., verbunden mit 25jährigem Stiftungsfest des Kriegervereins Bleidenrod, soll am 15. und 16. Juli d. I. in Bleidenrod abgehalten werden. Groß-Felda, 9. März. Nachdem in unserer Gemeinde vor kurzem das Ehepaar Völzing die diamantene Hochzeit gefeiert hat, ist diese Feier nun einem zweiten hiesigen Ehepaare, dem Landwirt Heinrich Graulich und deffen Ehefrau Elisabeth, geb. Schmiermund, zu Teil geworden. Ersterer hilft, trotz seiner 87 Jahre, dem jungen Geschlechte noch tapfer bei der Arbeit, und auch seine Gattin, die im 78. Lebensjahre steht, erfreut sich einer noch verhältnismäßig guten Gesundheit. — Eine besondere Weihe erhielt der Tag dadurch, daß Se. König!. Hoheit der Großherzog dem Jubelpaare ein huldvolles Glückwunsch-Schreiben nebst seinem Bildnisse mit eigenhändiger Unterschrift übersenden ließ. — Möge den wackeren Alten, die im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel, mit Dank gegen Gott, ihren Jubeltag begingen, noch ein langer friedlicher Lebensabend beschert sein. A Mainz, 9. März. Laut Mitteilung der „D. Wein- Ztg.", begegnet die Absicht der Reichsregierung, durch eine abändernde Bestimmung des 1892er Weingesetzes die gewerbsmäßige Herstellung der sogenannten Halbweine z» verbieten, mancherlei Schwierigkeiten. Namentlich trugen der Geschäftsgang im Reichstage, als auch die weitergehenden Forderungen gewisser Jntereffentenkreise dazu bei. In dem Punkte des Verbotes der gewerbmäßigen Herstellung von Rosinen- Hefen- und Tresterweinen seien aber alle Fachgenossen einig, weshalb Regierung und Reichstag nicht an- stehen würden, diesem Wunsche nachzukommen. — Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute die Verhandlung gegen den Gerichtsschreiber Page, der beschuldigt ist, in seiner Eigenschaft als Gerichtsschreiber bei dem Amtsgerichte in Alzey in ca. 50 Fällen aus Rechtssachen herrührende Kostengelder unterschlagen zu haben. Laut der Anklage find durch die betrügerische Handlungsweise Page'S, dem noch ein ebenso unredlicher Hilfsgerichtsschreiber zur Seite ’tanb, bei der Gerichtsschreiberei Alzey die verworrensten Zustände eingerissen. Die Kostenregister waren vollständig vernachkäsfigt, die Berechnung der Kosten und deren Er- jebung wurde ganz nach dem Belieben der ungetreuen Beamten vorgenommen und überhaupt in der unverantwortlichsten, leichtsinnigsten Weise gewirtschaftet. Ganze Aktenstöße hat man verschwinden lassen und nach Einleitung der Untersuchung fand man in verborgenen Winkeln ganze Bündel Akten, die man in die Kontrollregister eingetragen und daher unvermißt beseitigen konnte. Der Angeschuldigte Page, der 57 Jahre alt ist und aus Rheindürkheim stammt, galt lange als ein vorzüglicher Beamte. Für die Verhandlungen, zu denen zahlreiche Zeugen geladen sind, sind mehrere Tage vorgesehen. Alzey, 9. März. Wie dem „Berl. Tagebl." geschrieben wird, sprach dieser Tage der Führer der hessischen Zentrumspartei, Reichs- und Landtagsabgeordneter Dr. Sch mitt - Wtttnhnicht. Druck, bifim Rtrn Htfll. Das bnomtlr I ßkitmrs W die VoraM der unb M H 8L btt W M-rmchnn, > 1885 ^eidenha M: Paul | Hoflieferant - -Mannte- u . Mi M|4 Di Unb cou,an 7 arn *' ü. 0955] HauSbursche gesucht, kann sofort eintreten. ___________Bäcker Fatz, Neuen-Bäue. 0956] Braver Junge in die Lehre gesucht. I. Atzbach, Marmor- und Steinmetzgeschäft. 1894] Schreinerlehrling unter günstigen Bedingungen gesucht. _______H. Sack, Große Mühlgoffe 5. Tüchtiges, erfahrenes, älteres Mädchen mit guten Zeugnissen bei hohem Lohn gesucht. Kinderloser Haurh., Bei- hülfe. Vermittelung erbeten. 0960 Steins Garten, Zimmer 10. 0946] Ein braves Dienstmädchen auf Ostern gesucht.________Marktplatz 2. 1892] Nach Bad EmS tüchtiges, braves Dienstmädchen gegen hohen Lohn gesucht. Näheres SelterSweg 62, I MMllMlllchk 382] Wer Stelle sucht, verlange unsere „Allgemeine Vakanzenliste". W. Hirsch »erlag, Mannheim. Junger, lediger Mann, militärfrei, in allen Kontorarbeiten erfahren, sucht für 1. Mai Stellung. Auf Wunsch könnte der Eintritt schon am 1. April erfolgen. Nähere- in der «xp. d. »l. Q95l Als Stütze der Hausfrau sucht evangel. Fräulein, 26 Jahre, in der bürgerlichen Küche und in allen Hausarbeiten erfahren, Stellung. Mnhrlfe tm Geschäft nicht ausgeschlossen- Fammen- anschluß erwünscht. Gefl. Offerten unter 0937 an die Exp. d. Bl. erbeten. Eine von etwa 3500 Personen 1885 Moy et "A Konvoi xalions - Lexikon folgenden Tage statt. Berlin, 10. März. lung gegen die lex Heinze, welche gestern abend in ,, I der Philharmonie stattfinden sollte, mußte wegen deS ge- 1 waltigen Andranges ausfallen. Paris, 10. März. Der französische Botschafter in London, Gambon, hat seiner Regierung wichtige Mitteilungen über die franzosen-feindliche Stimmung in England gemacht. Der russische Minister des Auswärtigen, Graf Murawiew, ließ der französischen Regierung Mitteilungen desselben Inhalts zugehen und warnte vor den Folgen dieser Stimmung. — Wie aus bester Quelle versichert wird, war der gestrige Artikel des Matin, der über diesen Gegenstand handelte, von der relt< gestern vom Ozean her dem französischen und südlichen englischen Küstengebiete nährite, ist heute noch weiter hereingerück». In den konti- nnetalm Lagen hat sich das Wetter schon wäh end der Nqcht meistenortS «ufgekiäit, sodaß ziemlich empfindliche Nachtfröste auftraten. Die Temperaturen liegen allgemein veroältntsmäßtg hoch. — VorauS- fichtltche Witterung: Im Norden wechselnde Bewölkung, im Süden zeitweise föhniger Wetter. Im allgemeinen wärmer. Großherzogltche Bürgermeisterei Gießen. G n a u t h. besuchte Protest-Versammlung der Warenhaus- Angestellten gegen die geplante Warenhaus- Steuer, welche gestern im Feen Palast abgehalten wurde, endete nach einem Vortrage des Abgeordneten Barth mit polizeilicher Auflösung. Berlin, 10. März. Die große Protest-Versamm- Ärmste Meldunge«. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 10. März. Nach einer Meldung aus München gründeten gestern sämtliche Künstler, Dichter, Gelehrte und viele Professoren der Universität eine Schutz- und Trutz-Liga, welche durch Massen-Versammlungen französischen Regierung beeinflußt. London, 10. März. Die Regierung ist fest entschlossen, gleich nach Beendigung des Krieges, das Parlament aufzulösen und die Neuwahlen aus zu schreib en. Das neue Parlament soll sich mit der Frage der Annexion der beiden Buren-Republiken beschäftigen. Die Wahl-Periode wird somit auf September oder Oktober fallen. New York, 10. März. Die Zahl der durch die Explosion in der Redash-Grube in West-Virginien Verunglückten ist bedeutend größer als bisher angenommen wurde. Bis jetzt sind 125 Leichen geborgen. j» UmtaiMh gegen Uten »Werke) sowie eile andern Bücher liefert gegen Teilzahlungen von monatl. 3 M. an BL 0. Sperling, Buchhandlung, Stattgart VIL * 'skriegnM bti 8t- ib, ftl M 10. Md 'len wtxbtn. Msnn Gmnck imantrn Hvh itm zweiten hiesig canUch und btfin zu Teil gewotbr in jungen Gejchlr^ eine Gattin, die i: ur noch verhiilck inbtte Weihe * heit der Großhen. lnsch-Schreiben nt iterschrift überseck die im Sretse P gegen ®olt, i^1 edlicher Lebensad^ De» 4. März. Dem Oekonomen Christian Rebe ein Sohn, Karl Wilhelm Oskar, geboren den 2. Februar. Denselben. Dem Kaufmann Wilhelm Ockel eine Tochter, Marte Elisabeth, geboren den 12. Januar. Denselben. Dem Tag öhner Justus Sauer eine Tochter, Marte, geboren den 29. Oktober 1899. Denselben. Eine uneheliche Tochter, Karoline, geboren den in ganz Deutschland der Reichs-Regierung klar machen soll, daß durch Gesetze nach Art der lex Heinze die Grundlage deutscher Kunst und Wissenschaft untergraben, und diese dem Auslande gegenüber blamiert werde. Berlin, 10. März. Das „Berl. Tgbl." meldet aus Chicago: Vorgestern abend fand hier eine große, mehr von Deutschen besuchte Versammlung statt. Drr Saal, einer der größten in Amerika war überfüllt. Ls wurde eine Resolution angenommen, wonach die amerikanische Regierung ersucht wird, in Gemäßheit der Haager Friedens-Konferenz den Krieg führenden Parteien ihre guten Dienste anzubieten. Berlin, 10. März. Der „Lokal-Anzeiger" meldet aus London: Einer Meldung aus New-Jork zufolge teme der amerikanische Botschafter in Berlin seiner Regierung i mit, der deutsche Kaiser mache seinen Einfuß gegen die auf Besteuerung der amerikanischen Fleisch- Jmport-Artikel gerichtete Gesetzes-Vorlage im Reichstage geltend. Berlin, 10. März, Die nächsten Plenarsitzungen I deS Herrenhauses finden am 27. März und die Auszug aus den Kirchenbücher» der Stadt Gießen. Svaagelifche Gemeinde. Setraute. 3R«rtu6gemclnb<- Dm 3. März. Heinrich Weber, Schmied zu Offenbach, und Johanrette Weiß, Tochter deS verstorbenen Bremsers Adam Weitz zu Gießen. Getaufte. MatthäuSgemeinde Den 4 März. Dem Staltonsgebtlfen Wilhelm Tränkner eine Tochter, Bertha Marie, geboren den 27. Januar. Denselben. D-m Schneider Kart August Gödel eine Tochter, Eüsabrth, geboren den 23 Dezember 1899. Denselben. Dem Ausläufer Karl Mandler ein Sohn, Karl Emil, geboren den 7. Februar. , _ r Denselben. Dem Korbmacher Heinrich Hahler ein Sohn, Heinrich. geborm den 18. Januar. MarkuSgemeind« Den 3. März. Ein unehelicher Sohn, August Konrad, gekoren 27. November 1899. Lvkesgemeinde. Den 4. März. Dem Schreiner Gustav Witkowski eine Tochter, Else, geboren den 9. Januar. , _ , Denselben. Dem W rksührer Hubert Schiffers ein Sohn, Alfred Wilhelm, geboren den 11. Dezember 1899. JohanneSgewetnde. Den 4. März. Dem Taglöhner Johann Herrmann ein Sohn, Johann Konrad, geboren den 12. Dezember 1899 Denselben. Dem Kaufmann August Leithäuser ein Sohn, Rudolf Ferdinand, geboren den 6. Januar. Denselben. Dem HtlfSg-richttzschreiber Heinrich Fauldrath eine Tochter, Emma Margaretha, geboren den 23. Januar. Beerdigte. MatthSuSgemeinde. Den 6. März. Wilhelm Heinrich Euler, Kousmann, Sohn des oerstorvenen Schuhmachers Heinrich Güler, 19 Jahre alt, starb den 3. März. , MarkuSgemeinde. Den 7. März. Elisabeth- Hrrtsch, Privatin, 56 Jahre alt, ftarh den, M,rz. ^hann Thoma, Küfer und Wirt, verheiratet, 50 Jahre alt, starb den 6. März. llnwrlttät und Hochschule. __ flu-annt: Dr. Heinrich Rietsch, Privatdozent an her Uni. »erfltäHnSuum a »o. Professor der Musikwissenschaft an der deutschen Umverfitüt n^Prag.^ ^Uipp Ahrens, Arzt an der Klinik des Professors Hoffa an die chirurgische Universitätsklinik in Bonn. «.»orbeur In Innsbruck am 7. ds. der pensionierte Pro. seffor der Pathologie Dr. A. Tschurtschenthaler im Alter von g! fahren Tschurtschenthaler war von bäuerlrcher Abkunft. - Verschärfte P r o m o t i o n s b e d i,n g u n g e n m » c r (i ii für Ausländer. Die philosophische Fakultät zu Berlin hat für die Doktorpromotion von Ausländern neuerdings eine Bestimmung getroffen, die mit dem 15. Oktober 1900 m tt: Darnach werden Ausländer nur dann zur Promotion rnaelassen. wenn sic das Reisezeugnis einer tzochschule besitzen, welche dem humanistischen Gymnasium dem Realgymnasium-der der Oberrealschule des Deutschen Reiches als gleichwertig an- qesehe» werden kann. Die Zulassung gilt bloß für die Facher, zu deren Studium Abgangszeugnisse der genannten Anstalten die Angehörigen des Deutschen Reiches berechtigen Von emer Prüfung im Lateinischen wird abgesehen. Die Zulassung von Kandidaten aus Ländern wie England und Amerika, deren Schul- vkrhältnisse anders geartet sind, wie die deutschen, soll, wie bisher, von Fall zu Fall entschieden werden. — Der Zweck der neuen Bestimmung ist offenbar der, daß Ausländer bei der Zu- lüisung zur Doktorprüfung hinfort nicht günstiger gestellt sem ollen, als Studierende aus Deutschland. — verschiedenesr Aus Straßburg schreibt man: Der Privatdozent an her hiesigen philosophischen Fakultät und Oberlehrer an der städtischen höheren Mädchenschule Dr. Kromayer, der im verflossenen fcetbft das große Engelmann-Stipendium erhalten, hat zusammen mit btm Militärschriftsteller Oberst Janke eine Studienreise nach Griechenland angetreten, um dort die bedeutsamsten antiken Schlachtfelder, H hilippi, Chäronea u. s. w. zu studieren und kartographisch aufzunehmen. Bekanntmachung. Der Entwurf de» Voranschlags der Stadt Gießen für 1900/1901, sowie die Voranschläge des Stadt-rweitermigsfonds, der Armenkasse und des Gas. und Wasserwerks für dieselbe Zeit liegen in Gemäßheit des Art. 83 der Städteordnung während 8 Tagen auf dem Bureau der Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 15, zur Einsicht der Beteiligten offen. Gießen, am 8. März 1900. Mainz in einer Versammlung in Alzey in Rheinheflen und berührte dabei auch die Flaitenyorlage. Er führte aus. yib da» Zentrum der Flottenvermehrung durchaus Nicht abgeneigt fei nur müsse vorher d.e Deckung«, raae erledig, sein. Es müßten aber d.eientgen zu den und Exporthäuser -e. Bevor b» Deckung«sr-ge einftfmmig°a"und se^eine? eventuellen Auflösung de» Reichstages ruhig entgegen. • vrovis^ W )et. Ä* asp* 0- Atz \x Q9 gtiQnat oder ww. tzLßrr u'lT' und ein baut ttjnbtaiig tin L " Zeiten Mtts p 1 ^tzallier dam Nhr werden aut :n; die Abendlch lstigen Vagabund-.: Direktor Hel, tzrben, ihrer Ron" Die Begleitung! durch unsere eit Jahren gut tii- >öwalds SvorstellunA ji'nbü ‘ morgen Mntch abends) vorMen. Nechl. sSichi Für Konfirmanden empfehlen eine sehr große Auswahl in allen Preislagen und Qualitäten Arbeiterbewegung. Berlin, 9. März. Ueber 2000 Arbeitgeber der Tischlerbranche tagten heute in Buggenhagens Saal, um den Situationsbericht vom Streik entgegenzunehmen. Darnach befinden sich 15,000 Mann tm Ä usstande resp. sind ausgesperrt. Unter dem Beifall der Versammlung n urbe erklärt, daß die Arbeitgebervereinigung alle Vermittelungsvor- shläg ablehnen müffe, wenn die Arbeitnehmer auf der Forderung 24 Mk. Minimallohn beharrten Schließlich wurde eine Resolution angenommen, iic welcher die Versammelten die ihnen von chren Arbeitern gestellten Forderungen für unannehmbar erklären und einen Friedensschluß nur durch Zurückziehung derselben für möglich halten. ramme deS „«ieftenet Anzeigers ©rttib, 10. März. Aus Carmaux werden Unruhen der AuSständischen gemeldet. Dieselben griffen eine Anzahl Arbeitgeber an und mißhandelten diese, darunter einige schwer. Der Poltzet-Präfekt i» gestern nachmittag dort eingetroffen, hat aber noch keinerlei Sicher- h-itSvorkehrnngen angeordnet._______________ Wetterbericht. Den größten TeU des Kontinents bedeckt hoher Druck, dessen Kern über der österreichisch - ungarischen Monarchie liegt. Das barometrisch. Minimum, dessen vorderer Rind sich be- tai der :egietntifl, W1; Weingelb “ Hinten $** jlaWBtlti lv JÄäj, «weife W ititR Vr “noetteuen f 1^1 EinleiM $ ) flOt62e(n < gelave» ' netet ®r' VerWedenes Seidenbaus David Inh.: Paul Friedr. 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