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Erstes Blatt»
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2lints- und 2lnzcigebltttt fiw den lirci» Gieszen
waS folgt:
§ 1.
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des
Donnerstag den 11. Januar
Erscheint täglich mit Ausnahme des
Montags.
Die Gießener AamitieuVlätter «erden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" cvöchtl. 4 mal beigelegt.
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London, 9. Januar. Gerüchtweise verlautet, die Buren hätten bei dem Angriffe auf Ladysmith eine Anzahl englischer Marinegeschütze erobert.
— Aus Lourenzo Marquez wird berichtet, daß die Regierungsbeamten des Oranjestaatcs beschlossen haben, Bloemfontein demnächst zu verlassen und den Sitz der Re-
Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abend- vorher.
welche vom Sonntag datiert ist, wären sämtliche Angriffe der Buren abgeschlagen und diese schließlich auch aus der einen den Engländern genommenen Position am Samstagabend, wieder vertrieben worden. Die Lage wäre also die gleiche wie vorher. Rekapitulieren wir vorerst nochmals die heliographischen Mitteilungen Whites an General Buller, die der Presse in verkehrter Reihenfolge übermittelt worden sind, richtig der Zeit nach:
White meldet am Samstag an Buller um 11 Uhr vormittags, bei Buller eingegangen um 1 Uhr nachmittags: „Der Angriff des Feindes, der von Süden aus Verstärkung erhalten hat, dauert fort". White meldet um 12 Uhr 45 nachmittags mittels Heliographen an Buller: „Ich habe den Feind jetzt zurückgeschlagen, aber ich werde noch von großen Massen feindlicher Truppen umringt. Besonders ist im Süden ein neuer Angriff wahrscheinlich". General Buller fügt seiner Depesche hinzu, daß er, da die Sonne nicht mehr scheine, erst am folgenden Tage weiteres erfahren könne. Später scheint jedoch die Verbindung wieder ermöglicht worden zu sein, denn um 3 Uhr 15 Min. nachmittags erhielt Buller von White nochmals folgende Meldung: „Angriff erneuert, bin stark bedrängt". Damit schließen die amtlichen Meldungen vom Samstag. Dann folgt am Sonntag das schon erwähnte Resurnö.
Angenommen nun, daß jedes Wort der White'schen Meldungen der Wirklichkeit entspricht und nicht weitere Kämpfe gefolgt sind, deren Resultat das Londoner Kriegsamt noch verschweigen zu müssen glaubt, erscheint doch der Satz des Rapports: „Ich werde (wahrscheinlich außerhalb des Lagers. D. Red.) noch von großen feindlichen Truppenmassen umringt" nicht zurückgenommen. Das, was White also bezweckte, nach Süden gegen den Tugela durchzubrcchen und sich mit Buller zu vereinigen, ist ihm völlig mißglückt und insofern der Tag für die Engländer wieder ein Unglückstag gewesen. Zwischen Ladysmith und Colenso ist jeder Berg und jeder Hügel von den Buren stark befestigt. Ein „Hindurch!" giebt cs hier für White nicht.
Das Gerücht, das sich in Bullers Lager bei Frere verbreitet hatte, 400 Buren seien gefangen genommen, be- stätigt sich nicht, sonst würde White nicht verfehlt haben, das große Ereignis an Buller zu heliographieren. Er sagt aber kein Wort davon. Von den Verlusten der Buren weiß er nichts, als daß sie „große" gewesen seien; über die {einigen will er erst berichten, wenn die Verlustlisten vollständig sind. Demnach dürften sie wieder enorm hohe Ziffern aufweisen. Das große Lob, das White seines Truppen zollt, ist auch verdächtig und erweckt den Anschein, als wolle er über den Schmerz seines negativen Erfolgs besser hinweghelfen.
Kläglich ist die Rolle, die Sir Redvers Buller nun zum zweiten Male gespielt. Hat er nur demonstriert, wie er sagt, so werfen englische Blätter ihm mit Recht vor, daß er den in Ladysmith Eingeschlossenen nur sehr schwächlich und unzulänglich zu Hilfe gekommen ist; hat er, was man als das Wahrscheinlichere halten muß, den Uebergang über den Tugela forzieren wollen, so hat er von neuem gezeigt, daß er mit seiner Strategie am Ende ist.
In England erwartet man jetzt alles Heil von einem einzigen Manne oder eigentlich von zweien, denn neben Lord Roberts, und vielleicht noch mehr als auf ihn, setzt man die Hoffnung aus seinen Generalstabschef, Lord Kitchener of Khartoum. Der Personenwechsel hat aber nichts zu bedeuten, wenn nicht das bisherige System — Zulassen der Einmischung in die Kriegführung von London her, eine Strategie der Zersplitterung und eine unvernünftige Bulldogtaktik — von Grund aus geändert wird. Werden die Generale Roberts und Kitchener dazu im stände sein? Von Lord Roberts ist wenig zu sagen; es entzieht sich jeder Berechnung, was der 68 jährige, auf dem indischen Kriegstheater bewährte General in Südafrika leisten wird, wenn er auch dort schon vor Jahren gleichfalls gefochten hat. Jedenfalls dürfte ein heroischer Entschluß nötig sein, um die verfahrene stratetische Lage wieder einzurenken, soweit es überhaupt noch möglich ist, und nicht minder, um sich von dem politischen und geschäftlichen Gängelbande, dem Sir Redvers Buller sich nicht entziehen vermochte, freizumachen.
Deutscher Reichstag.
123. Sitzung vom 9. Januar. 2 Uhr.
Präsident Graf Bal le st rem eröffnet die Sitzung mit den herzlichsten Glückwünschen zur Jahres und Jahr- Hnndert-Wende und macht alsdann Mitteilung von dem Ableben des Abg. von Fischer-Augsburg. Das Andenken des Verstorbenen wird durch Erheben von den Plätzen geehrt. — Tages-Ordnung: 2. Lesung des Entwurfs einer Reichsschuldenordnung. — Beim § 1 erhebt Abg. Richter (frf, Vp.) ein redaktionelles Bedenken, welchem das Haus durch Annahme eines entsprechenden Antrages Richter stattgiebt. — § 2 wird auf Antrag des Abg. Richter (frf. Vp.) an die Kommission zurückverwiesen. § 4 erfährt eine unwesentliche Aenderung auf Antrag des Aba. Kirsch (Zentr.). — § 16, Absatz 2 bestimmt für den fall des Abhandenkommens oder der Vernichtung eines Linsscheines, daß der im § 804, Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches ausgesprochene Anspruch ausgeschlossen sei, ohne daß es der Ausschließung in dem Zinsschein bedarf. — Dieser Paragraph wird aus Antrag des Abg. Lieber (Zentr.) an die Kommission zurückverwiesen. — Der Rest des Gesetzes wird unverändert angenommen. — Es folgen Rechnungssachen, die debattelos an die Rechnungskommission überwiesen werden. — Weiter ft eben Wahlprüfungen auf der Tagesordnung. — Die Wahl des Abg. Schulze-Steinen wird beanstandet, die Wahlen der Abgg. v. Christen, Boeckel, Pauli, Förster- Sachsen, von Staudy und Möller werden für gütig erklärt. Die Wahl des Abg. Sieg wird beanstandet. — Endlich stehen noch verschiedene Petitionen auf der Tagesordnung. — Verschiedene Petitionen betreffend Erhöhung des Zolles auf gesalzene Heringe beantragt die Kommission dem Reichskanzler zu überweisen. — Ein Antrag Frese, Stein Hauer, Hermes verlanat Uebergang zur Tagesordnung. — Abg. Hermes (frf. Vp.) bekämpft lebhaft die Forderung einer Zollerhöhung auf Heringe.
Solle dieselbe eine Steigerung der Reichseinnahmen bezwecken, so sei dazu der Heringszoll gerade der ungeeignetste .Weg, weil er vorzugsweise die ärmsten Konsumenten belaste. Bezwecke man aber nur eine Förderung unserer Seefischerei, Jo habe dos Reich schon andere und bessere Wege hierzu eingeschlagen, indem es Reichszufchüsse gewährt habe. Auch er, Redner, wünsche eine Förderung der Hochseefischerei, aber er wolle keine Maßregel auf Kosten der ärmsten Bevölkerung. — Abg. P a ch n i ck e (frf. Vp.) beantragt gleichfalls Uebergang zur Tages-Ord- nung, weil es einer Zollerhöhung nicht bedürfe. — Abg. von Waldow-Reitzenstein (kons.) empfiehlt den Antrag der Kommission. — Abg. Rickert (frf. Vp.) bittet dringend, die Petition durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen. — Geh. Rat Haus erkennt es als richtig an, was von den Gegnern der Petition über die bisherige Entwickelung der Hochseefischerei gesagt worden sei.
Der günstige Stand der Emdener Gesellschaft fei aber nur den Reichstagszuschüfsen zu danken. Für die Regierung fei die Frage der Zollerhöhung noch eine offene, aber die Kommission beantrage ja auch Ueberweisung von Material. — Abg. Wurm (Soz.) wünscht nicht Erhöhung, sondern völlige Beseitigung des Zolles. — Abg. Dasbach (Zentr.) erklärt sich für den Antrag Rickert und Genossen. Es handle sich hier um ein wichtiges Volksnahrungsmittel, das durch Zollerhöhungen nicht verteuert werden dürfe. — Rach weiterer längerer Debatte wird, entsprechend dem freisinnigen Anträge, Uebergang zur Tages-Ordnuug beschlossen. — Gegen diesen Antrag stimmen unter großer Heiterkeit des Hauses nur die Antisemiten und 3 Konservative. — Morgen 2 Uhr: 2. Lesung des Etats (Etat des Reichstages und Etat des Reichsamts des Innern).
Schluß 6 Uhr.
* Vom Kriegsschauplatz.
Nach der letzten zusammenfassenden Meldung Generals White über
die Schlacht bei Ladysmith,
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Preußischer Landtag.
Berlin, den 9. Januar 1900.
Im Weißen Saale des königlichen Schlosses wurde heute mittag die zweite Session der 19. Legislaturperiode des preußischen Landtages eröffnet. Vorher hatte Gottesdienst für die evangelischen und katholischen Mitglieder beider Häuser stattgefunden. In Vertretung des Kaisers erfolgte die Eröffnung durch dcn Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe. Dadurch hielt sich der ganze Akt im Rahmen einer mehr geschäftsmäßigen als feierlichen Handlung. Etwa 120 Mitglieder der beiden Häuser waren anwesend. Nachdem sich die der Feier beiwohnenden Persönliche feiten aufgestellt hatten, erschienen die Minister, an ihrer Spitze Fürst Hohenlohe, welcher alsbald mit vernehmlicher Stimme die Thronrede verlas. Zunächst machte er Mitteilung von der Geburt eines Sohnes des Prinzen Heinrich In der Thronrede wird die günstige Gestaltung der Staatssinanzen betont und bemerkt, daß der Staatshaushaltsetat für daS Jahr 1900 in Ausgabe und Einnahme das Gleichgewicht hält. Angekündigt wird in der Thronrede die Vervollständigung des Staats - eisenbahnnetzes und eine neue Vorlage, betreffend den Rhein-Elbe Kanal. In dieser Vorlage wird auch die Herstellung des Großschifffahrtsweges zwischen Stettin und Berlin, ferner die Beschaffung einer ausreichenden Vorflut im Oderbruche, die Verbesserung der Verhältniffe an der unteren Oder, an der Spree und an der Havel, die weitere Ausbildung von Wasserstraßen zwischen Oder und Weichsel und schließlich die Herstellung des Masurischen Seekanals enthalten sein. Mittel werden in der Thronrede gefordert zur Brauchbarmachung des preußischen Nordseehafens Emden für die großen Seeschiffe. Des weiteren wird versichert, daß die Regierung der Landwirtschaft die ernsteste Aufmerksamkeit zuwenden wird. In Aussicht gestellt werden noch Vorlagen betreffend Beseitigung der Hochwasserschäden in Schlesien, betreffend Regulierung der Weichsel, betreffend Besteuerung der Warenhäuser, betreffend Reform des Gemeindewahlrechts und betreffend Ausdehnung der Zwangserziehung. — Nach Verlesung der Thronrede erklärte Fürst Hohenlohe die Session des Landtages für eröffnet. Die Thronrede wurde schweigend entgegengenommen, nur die Ankündigung der Geburt eines Prinzen wurde mit Beifall begrüßt. Fürst zu Wied brachte ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser aus, in das die Anwesenden lebhaft einstimmten. In der Diplomatenloge hatten der Feier mehrere Mitglieder der japanischen und persischen Gesandtschaft beigewohnt.
Meßmer Anzeiger
Heneral-Anzeiger
Kräuterwein.
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Der Handel mit Klauenvieh im Umherziehen ist im Kreise Wetzlar bis einschließlich den 15. Februar 1900 verboten.
§ 2.
Zuwiderhandlungen werden gemäß § 148 Nr. 7a der Reichsgewerbeordnung mit einer Geldstrafe bis zu 150 Mk. und im Unvermögensfalle mit Haft bis zu 4 Wochen bestraft.
Diese Anordnung tritt sofort in Kraft.
Koblenz, den 5. Januar 1900.
________________Der Regierungspräsident.________________
Bekanntmachung.
Hinsichtlich eines in der Rubrik „Firmenrgister" des Adreßbuchs für das Jahr 1900 enthaltenen Eintrages lassen wir auf Antrag eines der Firmeninhaber nachstehende Berichtigung eintreten, die hiermit öffentlich bekannt gegeben wird.
Firma: S. H. Cohn, Farbenfabrik.
Inhaber: L. Cohn und Th. Cohn Wwe.
Prokuristen: Arthur und Heinrich Cohn in Rixdorf.
Gießen, den 10. Januar 1900.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.
Amtlicher Eeü.
Bekanntmachung.
Betr.: Maul- und Klauenseuche.
Nachdem in Alt en-Buse ck die Maul- und Klauenseuche in allen Gehöften bis auf eines erloschen ist, haben wir die Aufhebung der Gernarkungssperre verfügt. Die Sperre des einen verseuchten Gehöfts bleibt noch bestehen.
Gießen, den 9. Januar 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Boeckmann.
Bekanntmachung.
Arn nächsten Sonntag, 14. dS. Mts., läßt der
Verein folgende Borträge halten:
-CHerr Oekonomierat Leithiger spricht nachmittags %4 Uhr in Steinbach im Saale „Zum Ritter" über „Die Vorteile der Siebenfelderwirtschaft nach durchgeführter Feldbereinigung (freie Bewirtschaftung)" sowie über „DieAnwendung künstlicher Düngemittel".
Herr Direktor Dr. v. Peter aus Friedberg spricht in Bellersheim im Rathaussaale nachmittags 3y2 Uhr über „Saatfrucht, deren Reinigung und Wechsel mit derselben."
Ich lade jedermann, der sich dafür interessiert, zu diesen Vorträgen freundlichst ein und ersuche die Herren Bürgermeister der Vortragsorte und der umliegenden Orte um ortsübliche Bekanntmachung.
Gießen, den 8. Januar 1900.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins.
v. Bechtold.
gierung in eine andere Stadt, vielleicht nach Prätoria zu
verlegen. .
- Nach einer Meldung aus Colenso haben die Buren die Eisenbahn bis Colenso wiederhergestellt nno verwenden eine aus Transvaal eingetroffene gepan^r Maschine und Waggons.
- Nach einer Meldung der „Daily News beginnt am 11. d. M. die Einschiffung der 8. Division nach
Süd afrika.
— Die Firma Vickers und Maxim hat den Auftrag erhallen, bis auf weiteres soviel 4,7- und 6zollige Schnellfeuergeschütze zu liefern, als es in ihren Kräften stände.
— Das „Reuter"-Bureau berichtet vom Modder - slusse unter dem 7. Januar, daß am frühen Morgen eine Schiffskanone die Burenstellung beschoß. Es verlautet, die Buren hätten ein Geschütz auf dem Hügel zur äußersten Linken ihrer Stellung aufgestellt, während sie Verschanzungen auf eine große Entfernung zur Rechten ihrer Stellung errichteten. Letztere hat eine solche Ausdehnung, daß 30 000 Mann zur Verteidigung notwendig sind. Nach Angaben von Eingeborenen hätte sich eine Abteilung des Feindes von Magersfontein in die Richtung von Colesberg begeben.
Berlin, 9. Januar. Das „Berl. Tageblatt" berichtet: Von gut unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt, daß die Engländer in Kapstadt sogar die für die deutschen Konsuln in Prätoria und Johannesburg bestimmten Briefe aufhalten. Unter diesen Umständen ist man hier über die Vorkommnisse in Transvaal garnicht oder nur unzureichend informiert.
* *
Telegramme des „Gieheuer Anzeiger".
London, 10. Januar. Im Kriegsamte rechnet man anscheinend auf einen Flanken-Vorstoß der neu formierten Division Warren in Estcourt gegen die Stellung der Buren in Verbindung mit einem Angriff des Generals Buller. Die Freistaat-Buren haben in Blörn- fontein eine organisierte Ambulanz aufgelöst, welche hauptsächlich aus englischen Aerzten und englischem Personal bestand. An ihre Stelle tritt eine ans Deutschen gebildete Ambulanz mit Kaffernträgern. Nach einem Telegramm aus Kapstadt wurden die bei Sunnyside gefangenen Rebellen nach Kapstadt zur Aburteilung geschickt.
London, 10. Januar. In militärischen Kreisen ist man davon überzeugt, daß die Garnison von Ladysmith sich nicht mehr länger als 14 Tage halten kann, da die Vorräte an Lebensmitteln undMunition Anfang Februar auf alle Fälle erschöpft sind.
London, 10. Januar. Die Verletzung, welche sich General Joubert durch denSturz vom Pferde zu- gezogen hat, soll ziemlich bedeutend sein, sodaß Joubert, sobald es seine Kräfte erlauben, nach Prätoria ins Hospital gebracht werden wird.
London, 10. Januar. Die Verluste des Generals French bei Colesberg stellen sich als bedeutend höher heraus, wie man zuerst annahm. Nach der offiziellen Verlustliste sind 27 Mann tot, 21 verwundet und 107 vermißt resp. gefangen genommen. Unter den Toten befinden sich vier Offiziere.
Brussel, 10. Januar. In ben Streifen derTrans- vaal-Gesandtschaft wird dem Mißerfolg des Buren-Angriffs auf Ladysmith keine übertriebene Bedeutung beigemessen. General Joubert bereitet einen neuen, noch kräftigeren Angriff vor, da seine Taktik dahin geht, das kleine Besetzungsheer des Generals White durch fortgesetzte Angriffe zu ermüden und zu dezimieren.
Deutsches Keich.
Die Jahrhundertfeier der technischen Hochschule in Charlottenburg.
Berlin, 9. Januar.
Was die Akademie der Wissenschaften abgelehnt hat: eine Feier der Jahrhundertwende, das hat die technische Hochschule, obgleich ihr Lehrkörper mit der Arithmetik mindestens so vertraut ist, wie die Akademie, heute feierlich und prunkvoll voll- jogen. In der Halle der technischen Hochschule in Charlottenburg versammelte sich der Lehrkörper, die Professoren im Ornat. Die Wände nahmen die Farben tragenden Studierenden mit ihren Bannern ein: Vertreter des Kultusministeriums, zahlreiches geladenes Publikum füllte den großen Raum. Der Kaiser, den man erwartet, und von dem man sogar eine Rede erhofft hatte und der, wie es hieß, bei dieser Gelegenheit zum Dr. ing. promoviert werden sollte, erschien aber nicht.
Der Gesang eines gemischten Chors, Hebels Neujahrslied von Mendelssohn komponiert, leitete die Feier ein. Dann hielt der Rektor Geheimrat Prof. Riedler die Festrede. Der von oben ergangenen Anweisung gemäß gedachte er in dieser Jahrhundertrede der Verdienste des Königshauses, insbesondere des jetzigen Kaisers. In geistreichen Wendungen, ging er auf die Schulreform ein. Mit dem gewagten Satz, daß zum ersten Mal feit 1200 Jahren, nämlich seit Karl dem Großen, sich ein deutscher Kaiser um die Schule kümmere, feierte er des Kaisers Schul- ifform. Der Kaiser sei nicht ganz mit seinen Ideen durch- gcdrungen. Trotz der Reform bewegten wir uns noch in alten überlebten Geleisen. Mau spreche nicht mehr Latein, aber es beherrsche noch neben dem Griechischen den Lehrplan. Statt des Könnens, das unsere Zeit ersorderc, wird immer noch zu viel des Wissens in uns ausgcspcichert. Mit dem Reifezeugnis, aber nicht reif für das Leben kämen die Studierenden zur Hochschule. Als die Vertreter der technischen Hochschule ihren Dank kür daS Promotionsrecht ausgesprochen haben, habe der Kaiser betont, daß die Techniker insbesondere zur Mitwirkung in der sozialen Frage berufen seien, da keiner wie sie Gelegenheit haben, mit den Arbeitern zusammen zu kommen. Tas Verständnis für die sozialen Aufgaben müsse in den Schülern auf der technischen Hochschule wachgerufen werden. Jeder müsse sich bewußt werden, daß cS wie eine allgemeine Wehrpflicht auch eine allgemeine Arbeitspflicht geben müsse. Dazu sollten die Studierenden der technischen Hochschule erzogen werden. Der Dr. ing. befreie die Techniker von der bürcaukratischcn Schablone und gebe ihnen die wissenschaftliche Gleichberechtigung zugleich mit dem technischen Können. Mil einem Hoch auf den Kaiser schloß diese Rede. —
Ein Studierender sprach in kurzen Worten, während die Kommilitonen mit den Schlägern klirrten, dem Kaiser den Dank
* Bonn, 9. Morgenstern i Nein ®erbleiben et Stellt, fetten fid) a hem ^Bräutigam bi Wittel gelegt, um b. cis anjlänbige fluni Wachter wben abt jft och btt Da wicht zu dein Gestän W zu sein, geschlaz Verhaftete nach Hat tier Weg über bas: Das bedeutet so viel, wahrend er nach links der. Ätvas gutes to: AGage wohl nid Weitung scheint an' Egensttrn hat \\t
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für die Verleihung des Dr. mg. aus. Es lotgte GAuq. *nter Fanfarenklängen schritt dann der Senat auf em Podium und der Rektor trat hervor und proklamierte an der gleichen^Stelle, wo der Kaiser das Promotionsrecht verliehen den Prinzen Heinrich, der als Förderer der Marine zugleich.em vorderer der Technik sei, zum Ehrendoktor. Mit dem Kaisermarsch von Wagner schloß die Feier.
Berlin, 9. Januar. Der Kaiser hörte heute vormittag im Auswärtigen Amte ben Vortrag beS Staatssekretärs Grafen Bülow unb nahm später im Königlichen Schlosse bie Vorträge bes Chefs beS Militärkabmetts v. Hahnke, bes Chefs des Abmiralftabes ber Marine Bende- mann unb bes Chefs beS Marinekabinetts v. Senden Bibran entgegen. Gestern abend nahm ber Kaiser daS Dmer bet bem italienischen Botschafter Grafen Lanza ein.
— Der Vorsitzenbe ber Kolonialabteilung Berlin- Charlottenburg, Prinz Arenberg, wirb, wie die „Nat.- Ztg." erfährt, in dieser Stellung verbleiben und auch als Mitglied des Reichstages das Amt des Berichterstatters über den Kolonialetat beibehalten. .
— Im Reichsamt des Innern wird gegenwärtig eine Verordnung, bett, die Sitzgelegenheit t r Handelsangestellte, ausgearbeitet, um alsdann dem Bundesrate zur Beschlußfassung unterbreitet zu »erben.
— In die Surenarmee eingetreten ist oer frühere preußische Leutnant Graf Hans von Rothkirch-Trach. Ein Brief des freiwilligen Burenkämpfers schildert den herzlichen Empfang, der ihm unö einem deutschen Oberst, in dessen Begleitung er reiste, von ben Buren bereitet worden ist. Beide sind sofort mit wichtigen Kommandostellen betraut worden. Die beiden r^sst- ziere gehören der Armee vor Ladysmith an. ,
— lieber die Beförderung eines Bolksschul- lehrers zum Reserveleutnant berichtet die „Pfalz. Presse": Wie aus dem letzten bayerischen Armeebefehl her- voraehk, wurde der Volksfchullehrer Georg Ludwig, früher in Billigheim, jetzt an einer hessischen Prwatschule angestellt, zum Leutnant der Reserve im bayerischen 2. Infanterie- Regiment befördert.
— Der Seniorenkonvent des Reichstages war heute mittag vor der Plenarsitzung zusammengetreten. Man kam dahin Überein, daß zunächst morgen die Spezialberatung des Etats mit dem Etat des Reichskanzlers begonnen werden soll, bei welcher Gelegenheit sich eine allgemeine Besprechung der politischen Sage entwickeln dürste. Alsdann sollen die zunächst eingegangenen Vorlagen über die Konsulargerichtsbarkeit und über die Patentanwälte an die Reihe kommen, um an Kommissionen verwiesen zu werden. Hierauf sollen u. a. die zum Jnvalidenversicherungsgesetz vorgeschlagenen Resolutionen zur Verhandlung gestellt werden. Sobald ein beschlußfähiges Haus beisammen ist, soll auch die Gewerbeordnungsnovelle verabschiedet werden unb nach dem Etat die lex Heinze an die Reihe kommen.
— Die Prinzessin Heinrich ist heute früh in Kiel von einem Prinzen glücklich entbunden worden. Aus das Bekanntwerden von der Entbindung wurde auf dem Königlichen Schlosse neben der purpurnen Königsstandarte sofort die gelbe Kaiserstandarte unb der kur- brandenburgische Adler gehißt. Gegen 11 Uhr rückte von Moabit her die Leibbatterie des 1. Garde-Feld-Artillerie- regiments mit dem Trompeterkorps unter schmetternden Fanfaren in den Lustgarten ein unb gab in ber Richtung nach bem neuen Dome zu die für die Geburt eines Prinzen vorgeschriebenen 72 Schüsse ab.
— Zur Angelegenheit der Beschlagnahme deutscher Schiffe hören die „Berl. Neuest. Nachr.", laß die von englischer Seite abgegebenen Erklärungen eine Verständigung über die Erledigung der Zwischenfälle noch nicht endgiltig abgeschnitten erscheinen lassen. Die Schwierigkeiten der Unterhandlungen werden dadurch erhöht, daß der Thatbestand, namentlich im Falle „Bundesrat", immer noch nicht ausreichend bekannt ist. Was den prinzipiellen Rechts- standpunkt anlangt, so ist man deutscherseits bestrebt, der neutralen Schifffahrt eine möglichst breite Bahn zu sichern, während auf englischer Seite die entgegengesetzte Tendenz obwaltet. Eine Verständigung kann nach Sage der Dinge nur auf diplomatischem Wege, unb zwar zunächst nur birett zwischen Berlin unb Sonbon, erzielt werben. — Der „Nat. Ztg." zufolge, ist die Angelegenheit des Dampfers „General" bis auf die Ent- fchädigungszahlung erledigt. Die Verpflichtung zu solcher wird en gl isch er seits nicht 6 e ft ritten; es handelt sich jetzt um die Festsetzung derselben. — Von einer Beschlagnahme des deutschen Dampfers „Borussia", die einige Blätter verzeichnen, ist der „Post" zufolge hier an maßgebender Stelle nichts bekannt.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." ist ermächtigt, eine aus Kiel vor einigen Tagen verbreitete Meldung als eine thörichte Erfindung zu bezeichnen, wonach dar deutsche Kaiserpaar beabsichtige, im April an Bord des „Hohen- zollern" eine Reise nach Rom anzutreten, die mit einem Besuch von Aegypten verbunden werden solle.
Köln a. Rh., 9. Januar. Die „Köln. Volkszeitung" erfährt zum deutsch-englischen Zwischenfall aus Berliner diplomatischen Kreisen, dort herrsche gegenwärtig eine große Erregung. Die wiederholten Besprechungen des Kaisers mit ben Staatssekretären Gras Bülow unb Tirpitz würden vielfach kommentiert. Das Blatt fordert den Reichstag auf, bei den angefünbigten Interpellationen recht beutlich seine Meinung zu sagen. Nach allen Erfahrungen, bie Deutschland bei ben Verhanblungen mit England gemacht habe, sei es sehr gut, wenn die deutsche Negierung zu entschiedenem Auftreten ermuntert werde, für den Fall, daß das Vorgehen Englands sich als unberechtigt herausstellt.
Naumburg, 9. Januar. Die hiesige Kadettenanstalt wird am 1. April eröffnet.
Kolmles und ProvinsteUes.
(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)
Gießen, 10. Januar 1900.
** Postpersonal-Nachrichten. Versetzt ist: die Post- assistent Diem er von Alsfeld nach Butzbach. Ange- stellt sind als Postverwalter: der Postassistcnt K. H- F. Schmidt in Monsheim (Hessen); als Postassistent: ber Postassistent Busch injWorms; als Telegraphenassistenten: bie Postassistenten Faist unb Hohenstein in Darmstabt. Ernannt finb: zuOber-Postdirektionssekretären: die Post- sekretäre Schüler und Wiche in Darmstadt. Angenommen sind als Telegraphenanwärter Hoboist Günther in Mainz und der Sanitäts-Feldwebel Heil in Darmstadt; als Postagent: der Bürgermeistereigehilfe und Landwirt Heinrich Marth es heim er in Heppenheim (Rheinhessen). Aus geschieden ist: der Postagent Friedrich Märthes- heimer in Heppenheim (Rheinhessen).
** Franzis k a Ellmenreich (Freifrau von Fuchs-Nordhoff) gehört neben Agnes Sorma zu den bedeutendsten Vertreterinnen deutscher Schauspielkunst. Zusammen mit der Sorma gastierte sie vor Kurzem in Dresden in einer Vorstellung der „Minna von Barnhelm", welche zum Besten der König-Albert-Stiftung stattfand, und zu der die Königin von Sachsen die hervorragendsten Künstler eingeladen hatte. Die Minna wurde von Frau Cllmenreich, die Franziska von Frau Sorma gespielt, alle Herrenrollen waren ebenfalls von erstklassigen Kräften
Man male sich den Hochgenuß dieser Vorstellung aus! Franziska Ellmenreich war zuerst am Hoftheater in Hannover thätig, siedelte von da an das Dresdener Hoftheater -über, ging dann an das damals unter Pollinis r Ur-?r Hamburger Stadttheater und ist jetzt am StgL SckMispielhaus in Berlin thätig. Sie wird dasselbe aber in Kurze verlassen, um einem glänzenden Engagement an oay deutsche Schauspielhaus in Hamburg zu folgen, jenes großartige Unternehmen, das von Baron Berger ins unb. ^tzt seiner Vollendung entgegen- ?"hen künstlerischen Leistungen Franzika Ellmen- haben ihr eine große Reihe von Ordensauszeich- eingetragen. Sie besitzt beispielsweise die bayerische ^_3^bue ^.ndwigsmedaille für Kunst und Wissenschaft, ie ^achsen-Altenburgische goldene Medaille mit der Krone, <™ ^achslsch-ernestliiische goldene Verdienstkreuz f. K. u. 2~/ "Eenburg-schwerinsche goldene Medaille am hniffr ™ die koburg-gothaische große Me-
S Vv u_ W. Die Künstlerin tritt hier zum ersten U' CC' "" Theaterverein als
v.r ~ Stad,th-ater. Eines der bedeutendsten Gastspiele in r,iA ,1’ Dn b^leniflc Franziska Ellmen- ' Schauspielhausc in Berlin werden. Dir mal» » Künstlerin, welche aus all ihren Gastspielreisen En erntet, spielt am kommenden Freitag die
..>5phlgen>- m Goethes „Iphigenie aufTauris". Durch
Ausland.
Wien, 9. Januar. Die Blätter besprechen di- AuS, lastunaen der „St. P°'°rSb. Ztg." über die letzten Ä.n Druvveuverschiebungen und bezeichnen diese Auslassungen ^als eine Botschaft dafür, b«6 Wanb ent. S« fei in Indien den Todesstoß zu
^Brüllet 9 Januar. Das hiesige Komitee der i«ter< nationalen Freiwilligen des Roten Kreuzes hat eine Protestnote an das Auswärtig- Amt in London gerichtet, worin erklärt wird, daß die Ambulanzen auf dem Dampfer Herzog" nach allen Vorschriften ber Genfer Konvention ausgerüstet seien unb bie sofortige Freilassung ber Ambulanzen beantragt wirb.
Paris, 9. Januar. In ber heutigen Kammersitzung hielt ber Alterspräsibent, ber radikale Abgeorbnete Turigny, eine längere Ansprache, worin er bie vollstänbige Reorganisation bes Staates verlangt. Er forbert eine Revision ber Verfassung, Abschaffung bes Senats und icr Präsidentschaft der Republik und bie Ersetzung ber Minister burch Beamte. Er verlangt weiter ein Referendum für sämtliche Fragen, welche den Frieden des Landes betreffen , die Einführung eines internationalen Schiedsgerichts, bie inbivibnelle Freiheit, bie Preßfreiheit unb die Koalitionsfreiheit unb schließlich eine Besserung ber Arbeiter- agc. Es würbe alsbann zur Abstimmung über bie Präsi- »entenwahl geschritten. Deschanel wurde mit 308 gegen 221 Stimmen, die für Brisson abgegeben wurden, znm Präsidenten wiedergewählt. Die Progressisten haben sämt- ich für Deschanel gestimmt.
Paris, 9. Januar. Der Rat ber Ehrenlegion versammelte sich gestern abend, um über die Ausstoßung DöroulödeS zu beraten. Von den anwesenden zehn Mitgliedern stimmten sechs gegen und vier für die Aus- toßung. Infolge Beschlußunfähigkeit vertagte sich bie Ver- ammlung. Der Justizminister wird sich demnächst per- önlich mit der Einberufung des Rats ber Ehrenlegion lefassen.
Paris, 9. Januar. Die Subskription bes „Echo de Paris" zum Ankauf eines Andenkens für Dorou - ebe beträgt jetzt bereits 12800 Frks.
Madrid, 9. Januar. Es geht hier bas Gerücht, Sil- vela habe eine Depesche erhalten, worin es heißt, daß in Manila bie Beulenpest ausgebrochen sei. Eine amt- iche Bestätigung dieser Nachricht liegt bisher nicht vor.
Petersburg, 9. Januar. Hier würbe ein gewisser Iwan Wolff unter bem Verdachte, eine Verschwörung gegen das Leben des Zaren geplant zu haben, verhaftet Bei einer Haussuchung wurden den Verhafteten belastende aufrührerische Schriften und Waffen mit Beschlag belegt. Es dürften noch weitere Verhaftungen erfolgen.
Loudon, 9. Januar. Die Blätter verlangen wegen des Vorrückens der russischen Truppen in Afghanistan die Mobilisierung der Flotte.
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durch de» Personenzug 1258 die Lehrerswitwe Martha Kirchhammer aus Neuburg überfahren. Sie betrat bei der Einfahrt dieses Zuges plötzlich, ohne daß dies von jemand gehindert werden konnte, das Geleise, wurde von der Maschine erfaßt und erlitt schwere Verletzungen am Hinterkopfe und an beiden Füßen. Die Verunglückte wurde sofort in das Frauenhospital in Neuburg verbracht, wo sie nach einigen Stunden ihren Verletzungen erlag.
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chwörung gegen zu haben, verhaftet, erhasteten betastende it Beschlag belegt, rfolgt«.
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dieses Gastspiel erscheint auch nach längerer Pause wieder einmal em klassisches Werk auf dem Spielplan, was gewiß einem großem Teil der Theaterfreunde willkommen sein dürfte. Die Vorstellung muß selbstverständlich bei solch ungewöhnlich hohen Kosten, wie sie ein Gastspiel von Frau Ellmenreich erfordert, zu erhöhten Preisen stattfinden.
** Dem hessischen Landtage ist ein Gesetzentwurf über die Aushebung des Gesetzes vom 9. Dezember 1876, die Besteuerung desWeines betreffend, zugegangen. Derselbe lautet- Das Gesetz vom 9. Dezember 1876, die Besteuerung des Weines betreffend, ist aufgehoben. Unser Ministerium der Finanzen ist mit dem Vollzug dieses Gesetzes beauftragt. Dieser Gesetzentwurf enthält folgende Begründung: Die Tranksteuer vom Wein sollte nach Art. 2 des Finanzgesetzes vom 26. Mai 1894 nicht nach Maßgabe des Gesetzes vom 9. Dezember 1876, die Besteuerung des Weines betreffend, sondern auf Grund einer Vereinbarung über den den Ständen vorgelegten Gesetzentwurf, die Reform ‘ der Weinsteuer betreffend, erhoben werden. Eine Einigung der gesetzgebenden Faktoren über diesen Entwurf ist nicht zustande gekommen; es wurde daher die Erhebung der Weinsteuer mit Beginn des Etatsjahres 1894/95 ausgesetzt. Auch ist es nicht gelungen, zu dem einen Teil der Steuer- . reformvorlage bildenden Gesetzentwurf, welcher den Zweck verfolgte, unter Aufhebung des dermalen noch giltigen 1876er Gesetzes die Veranlagung der Weinsteuer auf anderen, die Mängel der seitherigen Vorschriften vermeidenden Grundlagen aufzubauen, die ständige Zustimmung zu erlangen, vielmehr ist dieser Entwurf von der hohen Zweiten Kammer während der Tagung des vorigen Landtages abgelehnt worden. Die Steuerreform ist inzwischen unter Umgang- nahme von diesem Teil der Vorlage auf anderer von beiden Sammern der Stände gebilligter Grundlage zustande gekommen ; die Erhebung einer Weinsteuer kommt hiernach zunächst nicht mehr in Frage. Unter diesen Umständen erscheint die Aufhebung des Gesetzes vom 9. Dezember 1876, die Besteuerung des Weines betreffend, nur als eine aus der dermaligen Sachlage zu ziehende Konsequenz.
** Gegen die Wahl des Abgeordneten Wolf zu Stadecken ist von Seiten des Beigeordneten Raeder zu Schimsheim wegen schwerer Gesetzesverletzung bei der Wahlmännerwahl zu Schimsheim Einspruch erhoben worden. Diese Gesetzesverletzung ist derart, daß voraussichtlich die Nichtigkeitserklärung der Wahl des in Schimsheim gewählten Wahlmannes ausgesprochen werden muß, dadurch wäre aber auch die Wahl des Herrn Wolf in Frage gestellt, da derselbe nur mit einer Stimme Majorität gewählt worden ist.
Gießen, den 5. Januar 1900.
Großherzogliches Amtsgericht.
Gießen, am 5. Januar 1900.
Großherzogliches Amtsgericht.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Donnerstag den 11. Januar, abends 8 Uhr, Bibelstunde im Konfirmandensaal, Kirchstraße 9. Brief an die Philipper, Kap. 3,1 ff. Pfarrer Dr Grein.
Ärmste MelÄungeK.
Depeschen deS Bureau .Herold".
Berlin, 10. Januar. Zu der gestrigen Jahrhundertsfeier der technischen Hochschule in Charlottenburg war der Kaiser nicht erschienen. Der Rektor der Hochschule, Professor Niedler, teilte eine kaiserliche Botschaft mit, in welcher der Kaiser sagt, er betrachte die Sozialdemokratie als eine vorübergehende Erscheinung, doch müßten die Professoren ihren Schülern die sozialen Pflichten gegen die Arbeiter klar machen und die allgemeinen Aufgaben nicht außer Acht lassen. Das Ansehen der deutschen Technik sei jetzt ein großes und er hoffe, daß es noch zunehmen werde. Zum Schluß vollzog Professor Riedler die Ehren- Promotion des Prinzen Heinrich von Preußen.
Berlin, 10. Januar. Eine von den Konservativen im Abgeordnetenhaus eingebrachte Interpellation über die Maßregelung der Beamten lautet: Inwiefern erachtet die königliche StaatS-Regierung die im vorigen Sommer im Anschluß an die Abstimmung der dritten Lesung der Kanal-Vorlage gegenüber einer Anzahl von Staatsbeamten getroffenen dienstlichen Maßregelungen im Einklang mit den Vorschriften der §§ 83 und 84 der Verfassung. Der frühere Präsident des Abgeordnetenhauses v. Köller wird diese Interpellation begründen.
Berlin, 10. Januar. Neber die Beschlagnahme des Dampfers „Herzog" wird noch gemeldet, derselbe sei nicht in die Delagoa-Bai eingefahren, sondern eine Strecke nördlich davon gewesen, als ihn die „Thetis" kaperte. Der Dampfer wurde dem Prisen-Gericht übergeben. Neber die Art der auf dem Dampfer vermuteten Kontrebande wird die größte Verschwiegenheit gewahrt.
Berlin, 10. Januar. Wie aus Madrid gemeldet wird, wurde gestern der deutsche Kronprinz zum Ritter des Goldenen Vliesses ernannt.
Paris, 10. Januar. Die Reden der Präsidenten in Senat und Kammer, sowie die Wahl DeSchanels zum Präsidenten werden als Vorboten für den Sturz des Kabinetts Waldeck-Rousseau angesehen.
Brüffel, 10. Januar. Einem Vertreter der „Etoile belge" gegenüber erklärte vr. Leyds über das Ausbleiben derKorrespondenz seineVerwunderung. Sogar die Zeitungen blieben aus, woraus zu schließen fei, daß sämtliche Korrespondenzen unterschlagen würden. Dr. Leyds drückte weiter seine Verwunderung darüber aus, daß die Engländer die Ambulanzen nicht durchlassen.
Brüffel, 10. Januar. Da die Abschaffung des Loskauf- Systems von den Dienstleistungen in der Armee von allen Parteien auf das Programm gestellt ist, so dürfte die Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht in dieser Tagung sicher sein.
London, 10. Januar. In politschen und in Regierungskreisen hält man es bereits für ausgemacht, daß die Verabschiedung des gegenwärtigen Kabinetts und dessen Ersetzung durch ein liberales Ministerium nur eine Frage von kurzer Dauer ist.
Gerichtssaal.
8. Januar. Strafkammer II. Eine Berichtete sich gegen die Fabrikanten Fritz Wilh. I l l e rt von Groß-Stein-
Vermischter.
* Bonn, 9. Januar. Der Polizeiwachtmeister Morgenstern ist verschwunden, ohne daß man über sein Verbleiben etwas weiß. Wie sich nachträglich herausstellt, hatten sich auch drei Nachtwächter, die unterwegs von dem Bräutigam der Verhafteten angerufen wurden, ins Mittel gelegt, um die Freilassung des Mädchens, das ihnen als anständige Bonnerin bekannt war, zu erwirken. Die Wächter wurden aber grob angeschnauzt. DaS Mädchen ist auch auf der Wache von dem Wachtmeister, als es sich nicht zu dem Geständnis bequemen wollte, eine Dirne aus Siel zu sein, geschlagen worden. Schließlich wollte er die Verhaftete nach Hause bringen, wobei er verlangte, daß der Weg über das Rheinwerst genommen werden sollte. Das bedeutet so viel, wie den Weg nach rechts einzuschlagen, »ährend er nach links führt. Das Werft ist nachts menschenleer. Etwas gutes wird der Polizist mit diesem sonderbaren Vorschläge wohl nicht bezweckt haben. Die schwere Ausschreitung scheint auf Betrunkenheit zurückzuführen zu sein. Morgenstern hat sich bislang dienstlich tadellos geführt.
* Augsburg, 9. Januar. Heute vormittag 10 Uhr fand man die in der Alpenstraße 21 wohnende Privatiers- Witwe Härpfer ermordet in ihrer Wohnung auf. Die Leiche lag auf dem Gang mit Bettdecken zugedeckt, der Mörder, ein im Hause beschäftigter Anstreicher, wurde schwerverletzt im Abort festgenommen. Man nimmt an, daß ein Raubmord vorliegt und der Mörder in dem Gedanken, daß er überrascht würde, selbst Hand an sich legte.
* Ingolstadt, 8. Januar. Vom Zuge getötet. Astern abend wurde in der Station Neuburg a. D.
Arbeiterbewegung.
— Monceaux les mines, 9. Januar. Gestern beschlossen die hiesigen Arbeiter wiederum den allgemeinen Ausstand.
— Gt. Etienne, 10. Januar. (Telegr. b. „Gieß. Anz."> In einer gestern abgehaltenen Versammlung der Arbeitgeber der Weber wurde ein Beschluß angenommen, worin die Aufmerksamkeit der Weber auf die ihnen bewilligte Lohnerhöhung gelenkt und mitgeteilt wird, daß, wenn bis zum 15. Januar der Ausstand nicht beigclegt ist, die Behörden um Schutz für die Arbeitswilligen ersucht werden würden Infolgedessen hielten die Arbeiter eine neue Versammlung ab, in welcher die Fortsetzung des Ausstandes beschloffen wurde.
Kunst und Wissenschaft.
Stockholm, 9. Januar. Die Anthropologische Gesellschaft beschloß, daß die im Frühjahr nach Spitzbergen abgehenden schwedischen Schiffe, welche die schwedische Gradmessungs-Expedition abholen sollen, nach König-Carlland abgehen sollen, um Untersuchungen über die dort gefundene Polboje Andrees anzustellen.
Braunschweig, 9 Januar. Einer der ältesten noch praktizierenden Aerzte Deutschlands, der Hofrat Dr. Fäsebeck, ein bekannter anatomischer Präparator, ist 90 Jahre alt hier gestorben.
Bekanntmachung.
In unserem Genoffenschaftsregister ist bezüglich des landwirtschast- lichen Konsumvereins Großen-Bufeck, e. G. m. u. H., gewahrt worden, daß laut Beschluß der Generalversammlung vom 24. v. Mts. an Stelle des ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Anton Henß in den Vorstand neu gewählt worden ist: Karl Siegfried zu Großen-Bufeck.
heim wegen Vergehens gegen § 184 St.-G.--B. (Verbreitung unzüchtiger Schriften). Die Angeklagten waren vom Schöffengericht schuldig befunden, zu je 30 Mark Geldstrafe verurteilt worden und hatten hiergegen Berufung verfolgt. Nach nichtöffentlich geführter Verhandlung wurde das Rechtsmittel kostenfällig verworfen, die Strafe also bestätigt. Eine der teilweise immer mehr ausartenden sogenannten Ansichtspostkarten mit darauf enthaltenem zweideutigen Gedicht war von den Verurteilten lithographisch hergestellt und verbreitet worden. — Ferner wurde das Urteil in der Strafsache gegen den Hausierer Nikolaus Esselbach III, dessen Sohn Nikolaus Anton Esselbach und 24 Einwohner von Griesheim wegen strafbaren Eigennutzes 2C/ verkündet. Die beiden Erstgenannten wurden der Beihilfe zum strafbaren Eigennutz in 21 Fällen schuldig erkannt und Esselbach Vater zu 1 Jahr, der Sohn zu 12 Wochen Gefängnis verurteilt. Von den Einwohnern Griesheims wurden wegen strafbaren Eigennutzes 18 zu je 30 Mark Geldstrafe, die im Fall der Uneinbringlichkeit mit je 6 Tagen Haft zu verbüßen ist, uihib 3, die zur Zeit der That noch nicht 18 Jahre alt waren, aber die zur Erkenntnis der Strafbarkeit erforderliche Einsicht besaßen, zu einem gerichtlichen Verweise verurteilt. Der der Begünstigung angeschuldigte Heinrich Massing III wurde freigesprochen, ebenso endigte die Verhandlung gegen zwei weitere Griesheimer Einwohner. In der Begründung wurde ausgeführt, daß eine Hehlerei bei Hesselbach nicht vorliege, da die rechtswidrige Zueignung erst mit dem Verkauf vollendet war. Darüber herrsche kein Zweifel, daß die bestehenden Vorschriften wegen der Verwendung der verschossenen und gefundenen Artilleriemunition allen bekannt war, und niemand glaubte, daß Esselbach zum Ankauf berechtigt sei. Gegen Heinrich Massing III liege nur die Aussage des Esselbach vor, diese fei zur Verurteilung aber nicht genügend glaubwürdig. Die Freisprechung der beiden anderen Personen rechtfertige sich dadurch, daß nicht diese, sondern strafunmündige Kinder derselben die Munition verkauften. Unter welchen Umständen dies geschah, sei aber nicht hinreichend festgestellt. Ein Fluchtverdacht liege bei Esselbach nicht vor, mit Rücksicht darauf sah man von dem Erlaß eines Haftbefehls ab.
Bekanntmachung.
In das Handelsregister unterfertigten Gerichts wurde eingetragen: Nachdem Kaufmann Jakob Scheid zu Gießen in das daselbst von Fabrikant Louis Scheid unter der Firma feines Namens betriebene Handelsgeschäft mit Wirkung vom 1. d. Mts. ab als Teilhaber ein« getreten ist, wird dasselbe von besagtem Zeitpunkte ab in offener HandelSgesrllschast unter der Firma „Louis Scheid" fortgeführt. Die dem Jakob Scheid s. Zt. erteilte Prokura ist sonach erloschen, und dem Buchhalter Wilhelm Hilgardt zu Gießen vom 1. d. Ms. ab für die Firma Prokura erteilt.
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Bremen, 8. Januar. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer Köln, Capt. H. Bruns, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist am 6. Januar 10 Uhr vormittags wohlbehalten in Baltimore angekommen.
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Frankfurter Börse vom 9. Januar.
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Notierungen: Kreditaktien 232.20-232.70-000, Disk.- Kommandit 191.70.-19200 Staatsbahn 135.30-70-000, Gotthard
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