400 80 ' l$0 Pfg. 80 7 480 V8 " 470 . 866T 20. I Bldpr ^nSehilfe, «lUCii fud)t 04835 °«g, KapIanSM 27. WML. olideS Mchen zur Mr» uSbaltes auf losort ar, vwgaffe 5, Hl. anstänvtgtS »äbchm 9 des U\tt)H\yn sucht. Wb Sübanlnue 11, r>rt vom. S biS nachm 4 Uhr mstmadche. i sofort gesucht. 7a Ehirmgif-r Minik tzKik-' ijflitepjffl* OlU »w ^CarlS^> jet MM, 23 Ä <Ä. >es Euswmmtpn l.oi I. cui Bureau. Pnrv ereM^,u,uD^ 1 n&n unter v< B w zuichavS tüilifltt M uh«a»ttgeM iu-bt aui Etuli. Hi X1_ bisher als WW ucht Stellung. Off. JJJ die En>ed. d Di. eckirr Gr 264 Zweites Blatt. Samstag den 10 November 156. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger ZSezugsprei» vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abhoteftellnr vierteljäbrl. Dkk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 viertetjährk. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen-BermittlungSstelleu deS In- und AuSlandrA nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Sanatymt von Anzeigen zu der nachmittags für den ^«a-euben Log erscheinenden Rümmer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Erscheint tLgklch mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Aamilteuö kättcr werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für heff. Volkskunde" wdchtl. 4 mal beigelegt. Aints- und Anzeigeblntt ftw den Tkreis Gseszen. Heb eitlen, Expedition und Druckerei: Kchulstcaße Ar. 7. MW«—1......... H—■— Gratisbeilagen: Gießener Familienblütter, Der hessische Landwirt Klätter für hestische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietz«. Fernsprecher Nr. 51. cawrng—onnwnir i —nm—f——m Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Ium 1887 Über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht rm Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert pro Monat Oktober 1900 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kq. betragen: Hafer Mk. 16,10, Heu Mk. 7,50, Stroh Mk. 4,80. Gießen, den 7. November 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold.__ Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß Großh. Ministerium des Innern der Allgemeinen Versicherungsgesellschaft „Fortuna" in Berlin die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Großherzogtum unter den üblichen Bedingungen erteilt hat. Gießen, den 7. November 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Die Polizei in Preußen. Gießen, 9. November. Als in Berlin die Prozesse gegen Leckert und v. Lützow und gegen den Kriminalkommissar v. Tausch ihren Aufsehen erregenden Ausgang nahmen, wurde der Ruf nad} Reform der Berliner Kriminalpolizei laut. Es wurde auch mancherlei reformiert, aber bald darauf kamen ondere bedenkliche Polizeifälle vor. Dem Gendarm Höppner im Berliner Vorort Rixdorf wurde vom Richter in einem Beleidigungsprozeß der Eid abgenommen, und der Richter bezeichnete offen den Eid dieses Gendarmen als falsch. Der Mann blieb trotzdem ®enbarm. In Düsseldorf konnte am 9. März vorigen Jahres das Gericht dem Schwur von fünf Polizeibeamten keinen Glauben schenken. Die Polizei besitzt allenthalben in Deutschland im bürgerlichen Erwerbsleben ein in manchen Dingen fast als schrankenlos empfundenes Stück Macht, die oft freilich mit Unrecht in den Augen des Geschäftsmannes größer erscheint, als sie thatsächlich ist. Die Polizei kann, alles im Namen des Gesetzes, z. B. einem Gastwirt das Leben zur Hölle machen, sie kann aber auch bei liberaler Anwendung ihrer Machtbefugnisse dem Manne das Dasein in jeder Beziehung erträglich gestalten. Die P o l i z e i st u n d e erzählt ein Stückchen davon. Trotz diesem und manchem anderen, trotz vielfacher privater und öffentlicher Klagen ist eine wesentliche Reform im staatlichen Polizeiwesen nirgends eingetreten. Die am meisten angefeindete Berliner Kriminalpolizei hat inzwischen an öffentlichem Ansehen nicht gewonnen. Im Gegenteil wirft man ihr Unfähigkeit vor, weil es ihr bei einer Reihe von neueren schweren Verbrechen nicht hat gelingen wollen, den Thäter zu entdecken. Jetzt aber ist wieder ein Schlag gegen sie gefallen, so schwer, wie noch keiner zuvor. Der Glaube an die Unbestechlichkeit und Unparteilichkeit der Beamten ist gewaltig erschüttert worden. Das darf man schon heute sagen, wiewohl die volle Aufklärung noch fehlt. Gegen den Bankier Sternberg schwebt, wie an anderer Stelle berichtet wird, ein Strafprozeß wegen schwererSittlichkeits^elikte. Sehr belastend hat in der Voruntersuchung ein fünfzehnjähriges Mädchen gegen ihn ausgesagt. Jetzt vor dem Schwurgerichte will es auf einmal nichts mehr von der Sache wissen. Es behauptet, der Kriminalschutzmann (Stierffäbtet habe ihr alles eingeredet, was sie früher ausgesagt habe. Dem ganzen Sachverhalt nach klingt diese Anschuldigung gegen den Beamten nicht sehr wahrscheinlich Dem Vorsitzenden des Schwurgerichts scheint es offenbar ebenfalls in Anbetracht des Auftretens des Mädchens nicht wahrscheinlich, daß es jetzt die Wahrheit gesagt und früher gelogen haben soll. Es weiß auch keine befriedigende Antwort auf die Frage zu geben, warum es die den Angeklagten belastenden Aussagen gemacht habe. Stierstädter seinerseits ist mit überraschenden Behauptungen aufgetreten, wonach auf das Mädchen zu Gunsten des Angeklagten eingewirkt worden ist. Er beschuldigt seinen Vorgesetzten, den Polizeikommissar Thiel, Bestechungs- Versuche bei ihm gemacht zu haben, indem er sehr verständlich auf große Geldsummen hindeutete, die Sternberg hergeben würde, um seine Freisprechung zu erzielen. Sogar die Person des Verteidigers Dr. S e l l o soll Thiel mit in diese Bestechungssache mit hineingezogen haben. Stierstädter behauptete 'weiter, ihm sei von Kollegen zu verstehen gegeben worden, er möge Sternberg schonen und nicht so eifrig vorgehen, er solle an seine Familie denken, und der Polizeibirektor v. Meerscheidt-Hüllessom habe ihm weitere Recherchen in der Sache verboten._ Polizeikommissar Thiel bezichtigte Stierstädter vor Gericht der Lüge und behauptete, Stierstädter sei es gewesen, der mehrfach in auffallender Weise das Gespräch, auf Sternberg gebracht und Andeutungen wegen Bestechung gemacht'habe. Von seinem Vorgesetzten wird Stierstädter das beste Zeugnis ausgestellt. Im Kreuzfeuer mußte er freilich bekennen, daß er mit anrüchigen Frauenzimmern, mit denen er amtlich zu thun hatte, in unsittlichen Verkehr getreten sei. Anderseits fällt es auf, wie v e r t r au l i ch d a S V er h ä l t n i s Thiels zu seinen Untergebenen war. Er lud ihn zu Kneipereien ein und traktierte. Bei solcher Gelegenheit betrank Stier st ädter sich einmal vollständig, und am anderen Tage besuchte ihn- sein Vorgesetzter, erkundigte sich nach seinem Befinden und ließ, als Stierstädter klagte, am Abtznd vorher zu kurz gekommen zu sein, wr'ederetwasspringen. Eine befriedigende Erklärung für die^e, jedes Subordinationsverhältnis aufhebende Intimität gab Thiel nicht. Was aber ganz besonders für die Wahrheit der Aussage Stierstädters zu sprechen scheint, ist der Umstand, | daß ein anderer bedenklicher Teil seiner Behauptungen sich bestätigt hat. Bei der Konfrontation mit seinem Vorgesetzten Thiel, der ihn selbst in die Enge zu treiben suchte, machte er sich auf einmal Luft mit dem Ausrufe: „Wenn nicht durch Thiel, wo sollte ich denn sonst es wissen, daß SternbergdemPolizeidirektor von Meerscheidt-Hüllessem Geldgeborgt hat? Was weiß ein Beamter von meiner Stellung, meiner Bildung und meinem Verkeyr von den Beziehungen, die so hohe Herren miteinander pflegen?" Und nun behauptete er, Thiel habe ihm erzählt, daß Sternberg eine Hypothek von 30000 Mark auf ein dem Polizeidirektor gehörendesHaus genommen habe. Stern berg gab zu, daß er Herrn v. Meerscheidt-Hüllefsem eine Hypothek von 18 000 Mk. gegeben habe, die aber int Laufe dieses Jahres bereits gelöscht worden sei. Stierstädter wußte aber noch mehr. Herr v. Hüllessem, behauptete er, habe auch sonst pekuniär in Beziehungen zu dem Angeklagten gestanden; auch auf Wechsel solle dieser ihm geborgt haben. Und der Angeklagte bestätigte: „Herr v. Hüllessem ist mir seit Jahren bekannt. Er verkehrt seit langer Zeit als Freund in meinem Hause. Als solchen habe ich ihm stets gern aus der Verlegenheit geholfen, wenner pekuniärer H i l f e b e d u r f t e. W e ch s e l Hat er mir deshalb nicht erst zu geben brauche n". Also der Direktor der Kriminalpolizei unterhält freundschaftliche Beziehungen zu einem Manne, der bei der Polizei schon lange in bedenklichem Rufe gestanden haben muß, da es nicht das erste Mal ist, daß dieser wegen Vergehen gegen die Sittlichkeit verfolgt wird, er läßt sich von ihm mehrfach mit Geld aushelfen und eine Hypothek gewähren, die erst „gelöscht" wird, als Sternberg längst in Untersuchungshaft sitzt; ob diese Hypothek auch zurückbezahlt worden ist, steht dahin. Und alles das wissen bie Untergebenen bis zum Schutzmann herab unb wird von diesen besprochen. Wir denken, das ist genug, viel mehr, als das Ansehen der Polizei ertragen kann. Alle Welt wird nun auch geneigt sein, Stierstädter die Bestechungsgeschick)te zu glauben und anzunehmen, daß Polizeikommissar Thiel und vielleicht noch aridere Beamte, durch Ster nbergsches Geld bewogen, die vollständige Aenderung in den Aussagen des Mädchens veranlaßt und Stierstädter in der Verfolgung der Angelegenheit aufzuhalten gesucht haben. Auch wird man glauben, daß Sternbergsches Geld direkt auf das Mädchen unb dessen Angehörige usw. gewirkt hat. Es spielen da noch allerlei seltsame „Zufälligkeiten" unb dunkle Persönlichkeiten in die Untersuchung hinein, die gleichfalls Verdacht wecken. Indessen müssen wir unser Urteil hierüber bis zu weiterer Klarstellung aussetzen. Einstweilen ist genug des Haarsträubenden in den Zuständen bei der Berliner Kriminalpolizei aufgedeckt worden. Die preußische Regierung ist nicht minder unangenehm davon überrascht worden, wie das Publikum. Der Reichskanzler Graf Bülow hatte sofort den Minister des Innern, Frhrn. v. R h e i n b a b e n, zu einer Besprechung wegen dieser Angelegenheit eingeladen. Das vorläufige Ergebnis dieser Besprechung spiegelte sich in den Feuilleton. Anno 1848 in Gießen Alexander Büchner erzählt in seinem von uns an dieser Stelle bereits ausführlich be- iprochenen interessanten Buch „Das tolle Jahr" (Verlag von Emil Roth) folgendes Erlebnis, das sich 1848 in Gießen zugetragen hat. Büchner kam um 1 Uhr in der Nacht mit einem Studierenden der Medizin, etwas „angesäuselt", auS dem Wirtshaus. Gegenüber lag die Post, eine Postchaise wurde dort umgespannt, und die Studenten erfuhren, daß der neue Kurfürst von Hessen, auf der Reise von Frankfurt nach Kassel begriffen, im Wagen saß. Sie hielten es für billig, ihm die Zeit zu vertreiben, und so öffneten sie den Wagenschlag; zwei Herren saßen im Fond. „Königliche Hoheit", sagte der Mediziner, „Sie stehen im Begriff, ein deutsches Land zu regieren; wollen Sie uns daher erlauben, Ihnen einige Examenfragen zu stellen, deren Beantwortung uns beweisen würde, daß Sie jener Aufgabe gewachsen sind?" Keine Antwort. „Erste Frage", begann Büchner, „wer lacht über Griechenland?" Keine Antwort. „Da Sie bad nicht zu wissen scheinen, so muß ich es Ihnen ffagen: Ein ewig heiterer Himmel." „Zweite Frage", fiel -der Mediziner ein, „von was sind die Sterne nicht?" Keine 'Antwort. „Ei, ei", rief der Fragende, „Sie bestehen schlecht, Herr Kandidat, Sterne sind nicht von Goldpapier." „Dritte nkrage", fuhr Büchner fort, „warum sollte das Meer nicht lalzig sein?" Keine Antwort. „ES schwimmen ja so viele Heringe drein", rief Büchner in den Wagen. Inzwischen stieg der Begleiter des Kurfürsten, ein Generalmajor von Habelschwerdt, auf der anderen Seite aus dem Wagen, schritt auf die Studenten zu und zog den Degen. Einer der Postillone warnte ihn jedoch und sagte, wenn er die Studenten angreife, würden diese den Ruf „Burschen heraus" erschallen lassen, und bann würben Hunderte von Stubenten kommen unb bie Herrschaften tüchtig burchprügeln. Der General steckte ben Degen wieder ein, unb zwei Pebelle, bie auf ben Lärm herbeieilten, scheuchten bie Stubenten nach Hause. Die Sache machte Aufsehen unb würbe mit Zuthaten unb Uebertreibungen in ben Zeitungen besprochen. Der Kurfürst erhob am Bundestage unb in Darmstadt Klage wegen Beleidigung, aber eine in Hinblick auf die Februar-Revolution erlassene Amnestie schützte die Studenten. — Msenbah«h - «-«- «-mobner -n ««taufen: der wertere Dn- .. ~ — «-*—i. —h 1 entfdväbigt wird. Die Stadt hat Krcuder für das dann in die Straße fallende, vier bis viereinhalb Quadratmeter von uns wiederaegebenen Auslassungen der amtlichen I „Berl. Kvrresp.", denen zufolge nun auch, wie wir gestern schon mitteilten, dem Polizeioirektor v. Meerscheidt- I Hüllessem die weitere Ausübung dienstlicher I Funktionen untersagt worden ist. . Bis zur Beendigung des Prozesses wird im übrigen I die Presse in der Besprechung der Vorkommnisse sich Zu- I rückhaltung auferlegen müssen. Der in öffentlicher Sitzung ausgesprochene Wunsch des im Prozeß Sternberg den Vor- I fitz führenden Laudgerichtsdirektors, der dieses Ziel hat, war u. E. überflüssig, was die anständige Presse betrifft; I der andere Teil der Presse wird sich trotzdem nicht danach richten. , , Am schärfsten äußern sich die konservativen Blatter. lDie „Dtsche Tagesztg." erblickt in den Enthüllungen „entsetzliche Zeichen der Zeit". Besckönigen lasse sich nichts. Der Kriminalbeamte, der mit anrüchigen Frauenzimmern in unsittlichen Verkehr trete, der sich in Gegenwart eines Vorgesetzten viehisch betrinke — der Vorgesetzte, der mit einem solchen Untergebenen seltsam vertraulich verkehre, — zwei Polizeibeamte, die sich vor Gericht gegenseitig meineidiger Lüge zeihen — ein hoher Beamter, der von einem Sternberg Darlehen annehme und freundsckfastlich in seinem Hause verkehre — hier gelte es, kraftvoll einzugreifen, damit das Beamtentum gesäubert werde. Die „Krzta." kann nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß es sich uim einen vereinzelten Fall handele. Die „Post" weist auf die aus der Episode Stierstädter-Thiel sich er- Subordinationsverhältnis aufhebt und die Machtbefugnisse der Unterbeamten in einer wahrhaft beunruhigenden gebende Intimität zwischen oben und unten hin, „bie jedes Weise erweitert. Ein Schutzmann wird ja geradezu ein Diktator, wenn ihn nur die Uniform, nicht aber seine Subordinationspflichten von dem Vorgesetzten unterscheiden. Das sind durchaus unhaltbare Zustände. Mehr als der Prozeß Leckert-Lützow erweist diese Verhandlung die Un- | erläßlichkeit einer baldigen und gründlichen Reform." Zur Orientierung weisen Berliner Blätter darauf hin, daß die Berliner Kriminalpolizei der vierten sogenannten Kriminalabteilung des Polizeipräsidiums unterstellt ist. Der Geschäftskreis der Kriminalabteilung umfaßt die Ermittelung und Verfolgung strafbarer Handlungen, die Stellung unter Polizeiaufsicht und lieber* wachung der Observaten sowie anderer gemeingefährlicher Personen und der von ihnen besuchten Lokale, Unterbringung von Geisteskranken und verwahrlosten Kindern, Zwangserziehung und Konkubinatssack>en, Transporte, Polizeigewahrsam, Sittenpolizei, Feststellung der Leichen von Verunglückten und Selbstmördern und Redaktion des Zentralpolizeiblattes. Diese Kriminalabteilung ist dem Regierungsrat Dieterici unterstellt, der mit Erlaubnis des Gerichtshofes an den Prozeßverhandlungen gegen Sternberg teilnimmt. Die drei Unterabteilungen der Kriminal- abteilung bilden die Kriminalpolizei, die allgemeine Sicherheitspolizei und die (Ättenpolizei. Chef der Kriminalpolizei ist der im Prozeß Sternberg mehrfach genannte Polizei- direltor v. Meerscheidt-Hüllessem. Außer einem Polizeirat gehören noch sechs Eriminalinspektoren der Kriminalpolizei an. Sehr bemerkenswert ist, wie armselig die Besold- | ung ist, die vielen Beamten der Berliner Kriminalpolizei zuteil wird. Es ist festgestellt worden, daß der Kriminal- ; kommissar Thiel 3200 Mk. Gehalt bezieht. Dazu kommen I 540 Mk. Wohnungsgeldzuschuß und 300 Mk. für ein besonderes Zimmer in der Privatwohnung, das für Amts- zwecte bestimmt ist. Nach dem preußischen Staatshaushalt für das । laufende Verwaltungsjahr 1900 erhält der Chef der Kriminal- und Sicherheitspolizei im Berliner Polizeipräsi- I dium, wie die anderen Abteilungsdirigenten, ein Gehalt von 4200 bis 7200 Mark, eine Dirigentenzulage von 900 Mark, dazu Wohnungsgeldzuschuß. Drei Polizeidirektoren erhalten 6000 bis 8000 Mark Gehalt, sechs Kriminal-Inspektoren 3600 bis 5000 Mark, 59 Kriminalkommissarien 2700 bis 4200 Mark und Wohnungsgeldzuschuß. Der Kriminalkommissar beginnt also mit 2700 Mark Gehalt. Interimistische Kriminalkommissarien erhalten sogar im Durchschnitt nur je 1800 Mark. Wenn es eine Beamten* klasse neben den Richtern giebt, die ganz vorzugsweise durch ein ausreichendes Gehalt allen Nahrungssorgen entrückt sein müßte, so sicherlich die der Kriminalpolizei. In einer der letzten Sitzungen wurde im Gerichtssaal von einem höheren Beamten gesagt: „Die Kriminalschutzleute sind in vielen Dingen leider viel zu selbständig." Leider! Aber, so wurde hinzugefügt, ihre Thätigkeit läßt sich nicht ichablonenhaft reglementieren. Daraus folgt, daß auch Die Kriminalschutzleute, für ihre Verhältnisse, ebenso ausreichend besoldet sein müssen, wie die Kriminalkommissare es fein sollten. Denn auch sie können in bedenkliche Sagen kommen, wo sie zwischen Vermögensvorteil und Pflichterfüllung zu wählen haben. Im preußischen Staatshaushalt finden wir die Kriminalschutzleute nicht besonders erwähnt-, sie beziehen anscheinend gleich den übrigen Schutzmännern 1200 bis 1600 Mark Gehalt. Auch das erscheint der Wichtigkeit ihrer Tbätigkeit kaum angemessen. Ebenso wenig erscheint das System der Belohnungen aus Zuwendungen von Privatleuten oder Privatgesellschaften, auch wenn das Präsidium bie Verteilung vornimmt, zweckmäßig. Der Beamte muß nicht nur feine ganze Kraft einsetzen, um seiner Aufgabe zu genügen, ohne Rücksicht auf besondere Geschenke, er muß auch gegen den Verdacht geschützt sein, nur besonders eifrig zu fein, wenn ihm solche Belohnung winkt, oder, um Den Lohn zu gewinnen, auch übereifrig zu handeln. ■initt F8ett "ch R"üb«'"A°» Wirft" * Ä'* de« m '»Mfe der ftj* W 'Läutevon^s *!nw.uie;8 i W^^anae« >:®!°tfen' werden n^s neuen Bade- doch sch ieft, burd) Crneueruna ann. B Ung, Prang, men Gelände- ' Bebauen ihrer wird, hat die ba die Manow Mw\\vm emgestellt werden, die Stadtv. Lüber, des Gesuches aus-' r Goethestraße soll käuflich abgetreten 'S einem Vertrage i e r 167 Quadrat Lonystraße pacht- tmeter rächenden .Gailstimmt die Kaufpreises von Projekt des Um ? geplante Anlage und Buseä > »eit die Verhallt, das bekaaat- i Linien ^zweckt, gt das Lchrriden ; in dieser Ange- im Juü b 3. an r eine 3*-^ nteile der W v/M. - Stalw. „läge von §W Hon zum betrieb stabt sMer nM ratgesellschafterr z» übernehmen w i- und Wasfer- ibt Grgebnisse: dk' eren Anzahl neua Erfahre erhebW e Eimahmen uni U verzeichnet 0« ieselbe Summe -m hme °n Gas (t» >elbstverbra^ Ä einsM^uh r den dtzada teta voxe nn » äÄÄ W SZ Ä^S' jtU in Stiaen KZS Ab-ttZ K« Serif $ $ur , 253.81,,”L' ^iter en vFgen«« es, laufe. $} 0 ipärf^lfi S« * ^rdeta?^esstrk 1*?Ä !ÄÄ r'S"^ tzis zu 1500 Mk. Jahreseinkommen abzulassen, wird eben- ialls zum Beschluß erhoben. Vor einiger Zeit ist von einem Stadtverordneten beantragt worden, die Stadt möge ein Kohlenlager errichten und die Kohlen zum Selbstkostenpreise an die minderbemittelten, etwa mit einem Einkommen bis zu 1500 Mk. zur Steuer veranlagten Einwohner abgeben. Nachdem seitens der Stadt vergebliche Versuche gemacht, Kohlen zu annehmbaren Preisen zu erhalten, hat auch der sozialdemokratische Wahlverein um Errichtung eines städtr- sschen Kohlenlagers, bezw. Abgabe von Kohlen und Holz zum Selbstkostenpreise nachgesucht. Die vereinigten Kommissionen für da« Gas- und Wasserwerk und für die Beschaffung von Brennmaterial haben beantragt, den Gesuchen keine Folge zu geben, dagegen die Bildung von Genossenschaften zum Bezug von Kohlen, wie dies in München geschehen, zu unterstützen. Motiviert wird die Ablehnung damit, daß keine Kohlennot, sondern eine Kohlenteuerung bestehe, daß die Differenz zwischen den Preisen der Händler und denjenigen, die die Stadt bieten könne, zu gering sei, daß ferner man sich mit den in hiesiger Gegend nicht teuren Briketts, sowie mit Coks helfen könne. Stadtv. Orbig begründet den seinerzeit gestellten Antrag eingehend und bemerkt, daß durch die Kohlenverteuerung thatsächlich die Arbeiter not litten, er weist auf die Gefahren hin, welcher die minderbemittelten Klassen hinsichtlich ihrer Gesundheit ausgesetzt seien, wenn sie sich nicht genügend erwärmen könnten; er bezeichnet es als eine Pflicht der Stadt, helfend einzugreifen. Die Stadtv. H a n a u , H a u b a ch Helfrich' befürworten den Ankauf von Kohlen durch die Stadt. Der auf Ablehnung der Gesuche lautende Antrag der vereinigten Deputation wird abgelehnt, und auf Vorschlag des Beigeordneten Wolff eine aus den Stadtv. Hanau, Löber und Orbxg bestehende Kommission, unter Vorsitz des Beigeordneten Georgi eingesetzt, die unter Mitwirkung des Direktor Bergen den Bezug von Kohlen, die Beschaffung eines Lagerplatzes usw. in die Wege leiten soll. Stadtv. Kirch bemerkt, daß in der Deputation, welche die Ablehnung beantragt, die Prinzipienfrage nicht berührt worden sei; man habe oen Antrag abgelehnt, weil man Kohlen überhaupt nicht bekommen könne. Für die Aufstellung dreier Gaskandelaber an der äußeren Marburger st raße werden 375 Mark bewilligt. Das auf dem Submissionswege erfolgte Ausgebot von Nutzholz aus dem Stadtwald (300 Cbm. Eichengruben- hvlz, 300 Cbm. Nadelbauholz und 800 Cbm. Nadelgrubenholz hat nur bezüglich der beiden letztbezeichneten An- tätle befriedigende Ergebnisse gehabt; der Verkauf derselben soll danach genehmigt, das Eichengrubenholz dagegen zur Versteigerung ausgeschrieben werden. Dem Gesuch des Restaurateurs 0110 L u f t um Ueber- kiassung von 20 Cbm- Fichtenstammholz zum Wiederaufbau seiner Eishalle wird stattgegeben, der Preis für den Kubikmeter auf 20 Mk. festgesetzt. Das an das erste Bataillon Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm verpachtete Ob st gründ stück hinter der neuen Kaserne an der Licherstraße befindet sich in schlechtem Zustande. Dem Vorschläge des Stadtgärtners entsprechend wird beschlossen, das Grundstück wieder aufzubessern und den bestehenden Pachtvertrag aufzuheben. Wie seit einer Reihe von Jahren, so sollen aud). für kommenden Winter dem Gießener Eisverein die Wiesen hinter den Eichen zur Anlage einer Eisbahn überlassen werden. Die Gegenleistung des Vereins besteht bekanntlich in der Ueberlassung von 2000 Eintrittskarten (int Vorjahre waren es 4000 und auch diesmal ist der Vorstand befugt, bis zu dieser Summe Karten auszugeben, falls das Bedürfnis vorliegt) an Kinder der Stadtschulen. Nachdem in einer früheren Sitzung dieZusammen- llegung der Grundstücke auch auf dem links der Lahn liegenden Teile der Gemarkung Gießen beschlossen worden, hat die landwirtschaftliche Kommission beantragt, die Zusammenlegung in zwei, durch die Grünbergerstraße getrennten Teilen auszuführen und mit dem nordöstlichen Teile zuerst zu beginnen. Die Versammlung beschließt demgemäß, die erforderlichen Anträge zu stellen. Die Kredite für eine Reihe von öffentlichen, im Jahre 1899/1900 nicht zur Ausführung gekommenen Bauten im Gesamtbeträge von 401944 Mk. werden in das folgende Budget übertragen. Die von der Armendeputation vorgeprüfte Rechnung der Plockschen Stiftung für 1899/1900 wird nicht «beanstandet, der Voranschlag derselben Stiftung für 1901/1902 genehmigt. Auf Gesuch des Fechtverbands Gießen bewilligt die Versammlung 1000 Mk. zur Errichtung einer Freistelle für einen Halb- oder Ganz-Waisen im Reichswaisenhaufe zu Lahr. Betr. des Gesuches des Jul. Schulhof um Erlaubnis zum Kleinverkauf von Branntwein beschließt die Versammlung, den auf Bejahung der Bedürfnisfrage lautenden Beschluß vom 27. September d. I. als auf irriger Voraussetzung beruhend, zurückzuziehen und die Bedürfnisfrage zu verneinen. Das Gesuch des Emil Bender um Erlaubnis zum Branntweinausschank über die Straße int Hause Neustadt 53 wird befürwortet; die Bedürfnisfrage bezüglich des Konzesfionsgefuchs der Elisa- h«the Sorgenfrei verneint. Generalversammlung des landwirtschaftlichen Provinzialvereins. -ff- Gieße«, den 8. November 1900. Die für heute nach „Steins Saalbau" einberufene Generalversammlung des landwirtschaftichen Ver- :ins für die Provinz Oberhessen wurde gegen y,l Uhr von dem Vizepräsidenten des Vereins, Oekono- raierat S chlenke - Hardthof, eröffnet. Herr Sch lenke gedachte zunächst des verstorbenen Präsidenten, Grafen Friedrich zu SolmS-Laubach, der ihnen allen ein Nüster und Vorbild in der Landwirtschaft gewesen sei. Bei» Andenken wurde durch Erheben von den Sitzen -e'chrt. Nach Begrüßung des Provinzialdirektors Geheimrats v»n Bechtold, des Ministerialrats Braun und des Zitkovomierats Dr. Müller «nd der Mitteilung, daß eine Mitgliederaufnahme heute nicht stattfinde, ging der Vorsitzende zur Erstattung des Jahresberichts über. Die Thätigkeit des Vereins sei im verflossenen Berichtsjahr eine recht lebhafte und vielseitige gewesen. Nachdem dem Vereine vom Staate größere Mittel zur Verfügung gestellt seien, sei die Anwendung zum erstenmale im Budgets- jahr 1898/99 in die Erscheinung getreten. Die vom Land- wirtschastSrat aufgestellte allgemeine Organisation für die Hebung der Viehzucht sei bis auf die kleinsten Einzelheiten durchgearbeitet und den hiesigen Verhältnissen angepaßt worden. Ob dabei immer das richtige getroffen fei, müsse die Zukunft lehren. Ueberhaupt habe der Schwerpunkt der Thätigkeit des Vereins auf dem Gebiete der Viehzucht gelegen. Dies werde auch für die nächsten Jahre, bis sich die Neuorganisation eingelebt hat, so bleiben. Indessen hätten die sechs landwirtschaftlichen Bezirksvereine, wie seither auch in diesem Jahre ihre Thätigkeit einzelnen Arbeitsgebieten, so besonders dem Acker, und Pflanzenbau, dem Meliorationswesen, der Düngerlehre, der Bodenbearbeitung usw. zugewandt. Was die Lage des landwirtschaftlichen Gewerbes im Vereinsgebiete im allgemeinen anbetreffe, so könne nicht verkannt werden, daß in technischer Beziehung auch im letzten Jahre Fortschritte gemacht worden seien. Aber auch die landwirtschaftlichen Nebenbetriebszweige hätten Fortschritte zu verzeichnen. Der Obstbau, in der Provinz durch den Oberhessischen Obstbauoerein gepflegt, finde immer mehr Anerkennung und Beachtung, die Geflügelzucht Förderung durch einen neugegründeten Verband, der sich dem landwirtschaftlichen Provinzialverein angeschloffen hatt Wenn trotz dieser überall zu Tage tretenden Richtigkeit der Handhabung der Landwirtschaft die wirtschaftliche Frage sich kaum gebessert habe, so sei der Grund hierfür in Ursachen zu suchen, die außerhalb des Wirtschaftsbetriebes des einzelnen Landwirtes liegen. Der Mitgliederbestand habe nach Aufnahme 212 neuer Mitglieder und Abganges von 47 im letzten Vereinsjahre am Ende des Bereinsjahres 1392 betragen, die sich wie folgt auf die sechs Bezirksvereine verteilen: Alsfeld 165, Büdingen 392, Friedberg 309, Gießen 243, Lauterbach 143, Schotten 135, ferner 5 auswärtige Mitglieder. Im abgelaufenen Geschäftsjahr seien eine Hauptversammlung und sieben Ausschußsitzungen abgehalten worden; die Bezirksvereine hätten durchweg zwei Hauptversammlungen abgehalten. Vvn den Landwirtschaftslehrern wurden im VereinSjahr ca. 70 Vorträge gehalten. Auch die Spezialvereine, insbesondere der Oberhesfische Obstbauverein, hätten zahlreiche Vorträge und Unterweisungen abhalten lassen. Im Rechnungswesen fänden in Teil 1 die eigenen Mittel, in Teil 2 die Staatsmittel Verrechnung. In Teil 1 betrage die Einnahme 81098,08 Mk., die Ausgabe 69082,63 Mk., mithin Ueberschuß 12015,45 Mk.; in Teil 2 belaufe sich die Einnahme auf 101384,00 Mk., die Ausgabe auf 88020,33 Mk., mithin Ueberschuß 13363,67 Mk. In Teil 2 ist die Hälfte der Staatszuschüffe für 1897/98 mitenthalten, die erst im Laufe des verfloffenen VereinS- jahreS überwiesen wurden. Landwirtschaftliche Unterrichtsanstalten bestehen in Oberhessen vier: 1. die landw. Winterschule und Obstbauschule zu Friedberg, 2. die landw. Winterschule in Alsfeld, 3. die landw. Winterschule Büdingen, 4. die landw. Haushaltungsschule in Lindheim. Der Besuch der Schulen sei auch im Berichtsjahre ein günstiger gewesen. Für die Förderung des Meliorationswesens be- beständen in der Provinz zwei Kulturinspektionen (Gießen und Friedberg). Als eine besondere Aufgabe habe der Verein betrachtet, die sterilen Hutweiden im Vogelsberg in ertragreiche Futterflächen umzuwandeln. Die Arbeiten auf dem Gebiete der Rindviehzucht seien unter Zugrundelegung des von der Regierung erlaßenen Planes weitergeführt worden. In die Herdbücher des Vereins wurden bis jetzt im ganzen 4222 Tiere, und zwar 1377 Vogelsberger und 2845 Simmenthaler eingetragen. Einen recht erfreulichen Fortschritt habe die Errichtung von Bullenstationen genommen. Die vier Zuchtviehhöfe hätten auch im Vereinsjahr 1898/99 weiter- bestanden. Recht beträchtliche Aufwendungen habe der Verein für den Ankauf und die Einfuhr von Zuchtvieh gemacht. Ferner sei in der Errichtung von Jungviehweiden der erste Schritt gethan, indem im sog. Tiergarterk bei Hungen die erste derartige Anstalt für 40 Stück Jungvieh eröffnet sei. Auch die Frage über die Errichtung von Gemeindetummelplätzen sei weiter verfolgt worden, und an mehrere Gemeinden seien Unterstützungen von je 200 Mk. ca. bewilligt worden. Die Mittel zur Hebung des FutterbaueS seien im wesentlichen den Bezirksvereinen Schotten und Lauterbach mit je 500 Mk. und Alsfeld und Gießen mit je 100 Mk. zu dem Zwecke überwiesen worden, die Bewohner des höheren Vogelsberges bei Beschaffung von Mineraldüngemitteln zu unterstützen. Die Bestrebungen auf dem Gebiete der Schweinezucht hätten sich im wesentlichen darauf beschränkt, die Gemeinden bei Anschaffung von Ebern durch einen VereinS- zuschuß zu unterstützen. Solche Gemeinden, die reinrassige englische Eber anschaffen, sollen einen Zuschuß von 20 bis 40 Mk. erhalten. Von diesem Anerbieten haben schon 15 Gemeinden Gebrauch gemacht. Die in der Provinz bestehenden fünf Ziegenzucht- Vereine (Bad-Nauheim, Büdingen, Nieder Moos, Gießen, Wieseck) hätten auch im laufenden Jahre ihre Thätigkeit fortgesetzt, die sich hauptsächlich auf Beschaffung von Zucht- material, in erster Linie von Böcken, erstreckt. Die Bestrebungen auf dem Gebiete der Geflügelzucht seien dadurch einen erfreulichen Schritt vorwärts gekommen, daß die in der Provinz bestehenden Geflügelzuchtvereine sich zu einem Verbände zusammengethan haben, der durch seinen Vorsitzenden im Ausschuß des landwirtschaftlichen Provinzialvereins vertreten ist. Auf dem Gebiete des Obst- und Gemüsebaues liege die Thätigkeit in den Händen des Oberhessischen Obst- bauvereins. Schließlich möge noch erwähnt werden, daß im Vereinsgebiete eine Molkereischule für weibliches Molkereipersonal mit dem 1. April in Lauterbach im Anschluß an die dortige Molkerei eröffnet worden ist. Mit dem Bemerken, daß der Verein volkswirtschaftliche Fragen nur selten berührt habe, weil ja der Hessische Land- wirtschaftsrat diese Fragen in erster Linie in seinen Versammlungen und Kommissionen zur Beratung stelle, schloß der- Vorsitzende fen Bericht, den wir hier in kurzen Zügen wiedergegeben haben, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Landwirtschaft von feiten deS Reiches in nächster Zeit die nötige Hilfe werden möge, damit man den Mut und die Berufsfreudigkeit nicht verliere. Hierauf richtete Graf Oriola nach einem kurzen Rückblick auf den eben erstatteten Jahresbericht des Vereins und auf feinen verstorbenen Präsidenten das Wort an den Vertreter der Regierung, Ministerialrat Braun, und kam auf die Verordnung über die Fortbildungsschulen zu sprechen. Diese habe' in den meisten (Zuruf: allen) Kreisen großen Widerspruch hervorgerufen. Der Landwirt solle jetzr von 5—7 Uhr, zu einer Zeit, wo man das Vieh füttern müsse, sein Gesinde in die Fortbildungsschule schicken. Er glaube die Zustimmung der Landwirtschaft zu haben, wenn er eine Aenderung der Zeit wünsche. Dann gab der Redner noch seiner Üeberzeugung Ausdruck, daß zur nachher anstehenden Präsidentenwahl kein geeigneterer Kandidat vor geschlagen werden könne als der jetzige Vizepräsident, Oekonomierat Sch lenke, der ja in Wirklichkeit die Geschäfte des Präsidenten schon seit einem Iahte zur all gemeinen Zufriedenheit führe. Herr Sch lenke schiene ihm ferner deswegen der geeignetste Vertreter, weil er eine so entschiedene Stellung einnimmt bei den Forderungen der Landwirtschaft, die der Reichstag befriedigen müsse und feiner Ansicht nach auch befriedigen werde. Ministerialrat Braun äußert sich nun kurz zu dem Wunsche, 'den Graf Oriola an ihn als Vertreter der Regierung gerichtet hat. Der Erlaß über den Fortbildungsunterricht sei innerhalb der eigenen Zuständigkeit der Schulabteilung ergangen Er habe zuerst Kenntnis davon erhalten durch die Beschwerde eines Kceisamts, des Inhalts, so wie die Sache jetzt sei, könne sie nicht durchgeführt werden; diese greife tief in die landwirtschaftlichen, gewerblichen und kleingewerblichen Verhältnisse ein. Sein undankbares Amt sei es nun, allen Wünschen und Interessen Rechnung zu tragen. Um diese hier zu hören, sei er heute hierher gekommen. Mit mehreren Freunden und Bekannten habe er nun schon vor Eröffnung der Versammlung Rücksprache genommen. Er habe gründlich die Wahrheit gehört, und fein Tornister sei zur Rückreise gehörig gepackt. Morgen gehe er zu demselben Zwecke auch nach Mainz. Nachdem er auch aus gewerblichen Kreisen Mitteilungen habe, könne er versichern, daß man sofort in die Beratung über Abänderung eintreten werde. Da die Verhältnisse nicht überall die gleichen seien, müffe man prüfen und nachprüfen. Als man die Verordnung bestätigt habe, sei u. a. auch in Betracht gezogen worden, daß in Baden dieselbe Einrichtung bereits seit zehn Jahren bestehe und durchführbar fei. Er hoffe, die Regierung werde einen Weg finden, der allen gerechtfertigten Wünschen Rechnung trage. Nachdem sich der allgemeine Beifall gelegt hatte, berichtete Bürgermeister Köhler- Langsdorf, daß die Konferenz der Bürgermeister des Kreises Gießen heute morgen beschlossen habe, zu petitionieren, daß die Regelung der Zeit den einzelnen Gemeinden überlassen bleibe. Mit der Eintragung des Vereins in das Bereinsregister und den dadurch notwendigen Statutenänderungen erklärte sich die Versammlung einverstanden. Graf Oriola schlug hierauf nochmals vor, Herrn Schl enke durch Akklamation zum Präsidenten zu wählen. Bürgermeister Köhler-Langsdorf forderte indessen Wahl durch Stimmzettel. Die Wahl hatte folgendes Resultat, das wir gestern noch kurz unfern Lesern bekannt geben konnten: Schlenke 192, Graf Oriola 11, Kohler 8, Jrle 1. Nach Verkündung des ErgebniffeS brachte Graf Oriola ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den neuen Präsidenten aus. Herr Schlenke erklärte dankend sich mit der Wahl einverstanden. Es sei nicht leicht, Nachfolger der vorigen Präsidenten zu werden. Er verkenne die Aufgabe und, er mochte sagen, die Gefahr nicht. Sein Weg werde nicht so dornenlos sein als der feiner Vorgänger. Aber gefürchtet habe er sich noch vor keiner Arbeit. Wenn sie alle ihm treu zur Seite ständen, dann werde er die Geschäfte des Vereins zum Wohle der Landwirtschaft der Provinz Oberheffen und auch der gesamten hessischen Landwirtschaft führen. Bei der nun vorgenommenen Wahl des Vizepräsidenten erhielten Stimmen: KreiSrat Dr. Wall au-Lauterbach 161, Schade-Altenburg 35, Graf Oriola 4, Jrle 2, Hoffmann 1, Kohler 1 (Zuruf: einstimmig gewählt!). Dr! Wallau nahm die Wahl dankend an und brachte ein Hoch auf die Provinz Oberheffen und ihre Landwirtschaft aus. Mit einer kurzen Ansprache des neugewählten Präsidenten, Oekonomierats Schlenke, fand die programmgemäß und ruhig verlaufene Generalversammlung ihren Abschluß. Koloniales. . -Nach einer von kolonialen Blättern mitgeteilten Meldung des MaiorS von Kamptz aus Kamerun kann die beabsichtigte Expedttton der Schutztruppe nach Adamaua im Frühjahre nicht ausgesuhrt werden. Bet den Anwerbungen im Kongostaate, die tnS Auge gefaßt waren, begegnet man solchen Schwierigkeiten, daß die notwendige Zahl der Mannschaften bei weitem nicht erreicht werden kann. Der Kommandeur der Schutztruppe schiebt deshalb die Expedition nach Norden zunächst auf unbestimmte Zett hinaus in Ueveretnstimmung mtt der Kolonialoerwaltung, damit nicht ein solcher Zug in große, unruhige Gebiete ohne zureichende Maat angetrelen wird. 2. 7321 to (Ätbön möbliertes Zimmer zu vermieten, ö 7111 Steinkraße 42. 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