Nr 237 Zweites Blatt. Mittwoch den 10 Oktober 150 Jahrgang i«mm» Gießener Anzeiger General-Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag-. Die Gießener Aamitienvlätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wöchtl. 4 mal beigelcgt. Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Mezugspreis vierteljährl. Ml. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholcstellen vierteljährl. Ml. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Amts- und Zlnzeigeblutt für den Atreis Glatzen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schukstraße Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mittler für hessische UolKsKunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Die Wireeu irr China. In Paotingfu, der alten Hauptstadt der Provinz Tschilt, etwa 150 Kilometer südwestlich von Peking gelegen, scheint sich in kleinerem Maßstabe ein ähnliches Drama abzuspielen, wie wir es zur Zeit der Belagerung der Gesandtschaften in Peking miterlebten. Auch dort sollen eine Anzahl Ausländer eingeschlossen und belagert sein, und man hat ihnen offenbar, genau wie den Gesandten, den Vorschlag gemacht, unter chinesischer Bedeckung abzuziehen. Die Ausländer weigern sich aber, wie dem Reuterschen Büreau aus Tientsin vom 6. ds. gemeldet wird, Paotingfu zu verlassen, da sie einen Verrat der Chinesen fürchten. Infolgedessen dürfte eine wesentlich aus deutschen Truppen bestehende Entsatzexpedition in diesen Tagen nach Paoting aufbrechen. Eine deutsche Truppenabteilung von 500 Mann mit zwei Geschützen, die abgesandt war, um die Gegend nach Tsing- haihsien aufzuklüren und Wagen und Maultiere für die Expedition nach Paoting zu requirieren, kehrte nach viertägiger Abwesenheit zurück. Sie war 11 Kilometer über Tsinghaihsien hinaus gekommen und hatte viele Boxer gesellen. Zwei Mann, die vom Lager abgeirrt waren, wurden schwer verwundet; ein japanischer Kuli wurde in Stücke gehauen. Die Expedition nach Paotingfu wird, so fährt jene Reutermeldung fort, wahrscheinlich ihren Weg über Tsinghaihsien nehmen; die Expedition ist aufge- schoben worden urch wird am Montag oder Dienstag abgehen. Aus chinesischer Quelle wird berichtet, daß die Soldaten und die Bewohner aus Paotingfu geflohen sind und d aß zahlreiche Boxerbanden die Stadt und den Weg nach Paotingfu besetzt halten; man erwarte jedoch, daß s-ie fliehen werden, sobald sie vom Herannahen der Truppen chren. Man wird also voraussichtlich bald näheres über dihse Expedition nach! Paotingfu hören. Wie inzwischen, der „Daily News" aus Peking vom 28. September gemeldet wird, haben Nachforschungen des Dolmetschers der deutschen Gesandtschaft Cordes zur Entdeckung von drei Hinterladekanonen des neuesten Modells sowie eine Menge anderer Waffen und Munition in einem der Tempel der Stadt geführt. Die Kanonen waren in einzelne Stücke zerlegt worden, damit man sie leichter verstecken konnte, doch fehlte keines der Teile. Die Deutschen stellten die Teil e der Kanonen wieder zusammen, durch die jetzt ihre Artillerie vermehrt worden ist. Nach der „Daily News" hat der deutsche Dolmetscher Cordes seinen großen Waffenfund dadurch erzielt, daß ihm beim Verhör verschiedener Boxer die mehrfache Erwähnung des Buddhistentempels Tschangan auffiel, wo während der Belagerung Boxer und chinesische Truppen gehaust hatten. Er vermutete dort ein Zeughaus und die Nachsuchungen bestätigten seine Mutmaßung. Der „Times" wird aus Peking vom 1. ds. berichtet, daß nach der Abreise des russischen Gesandten v. Giers mit dem Gesandtschaftspersonal das Gebäude der russischen Gesandtschaft von General Treskow, der die in Peking zurückgelassene russische Garnison befehligt, besetzt worden sei. Vom 5. ds. wird der „Morning Post" gemeldet, der britische Befehlshaber General Gaselee sei nach Peking zurückgekehrt und habe allen englischen Truppen mit Ausnahme des Regiments aus Weihaiwei den Befehl gegeben, sich für den Winter einzurichten. Das Regiment aus Weihaiwei kehre in seine Garnison zurück. Der Hauptteil der russischen Truppen sei bereits nach der Küste abgegangeen. Eine große Anzahl Fahrzeuge führen flußaufwärts mit Lebensmitteln für die Japaner. Das scheint im Gegensatz zu der amerikanischen Meldung vom Rückzüge der japanischen Truppen darauf hinzudeuten, daß die Japaner beabsichtigen, den Winter über in Peking zu bleiben. Auch längs der Eisenbahn stellen die Japaner Marine- Abteilungen auf; ein Teil der französischen Truppen verläßt Peking. Der neue britische Gesandte für China, Sir Ernest Satow, der bisher England in Tokio vertrat, wird am Dienstag von Shanghai nach Taku abfahren. Der „Morning Post" zufolge soll neuerdings wieder einmal ein Angriff der Chinesen auf Shanghai befürchtet werden. So wird diesem Blatt e aus Shanghai vom 7. ds. Mts. telegraphiert, daß Chinesen einen 'Angriff auf Shanghai machen. 8000 Mann chinesischer Truppen sollen vom Norden her über den großen Kanal nach Süden marschieren, um mit den bereits hier stehenden Truppen zusammenzustoßen. Alle fremden Truppen in Shanghai werden in Bereitschaft gehalten, um einem Angriff zu begegnen. Ueber die politische Gestaltung der Dinge in China, insbesondere über die Bedeutung der neuesten kaiserlichen Erlasse geben auch die heutigen 9Nel- dungen keine Klarheit. Die meisten behaupten, diese Erlasse und Beamtenernennungen ließen erkennen, daß der Hof nach wie vor bei seiner fremdenfeindlick)en Haltung beharre. Vom 1. Oktober wird der „Times" aus Peking berichtet: Der Kaiserin ist der Versuch, eine Schemregier- ung in Taiyuenfu einzurichten, mißlungen. Sie habe Mandarinen in Peking, die früher hohe Aemter bekleideten, befohlen, sich dorthin zu begeben, alle aber hätten abgelehnt, unter dem Vorwand, daß sie die Linien der fremden Truppen nicht passieren könnten. Der „Times" wird aus Peking vom 3. ds. gemeldet: Das Zurückziehen der russischen Truppen ist noch vollständiger, als man zuerst gemeldet hatte. Sogar die Wache am Sommerpalast wird eingezogen und der Palast den Chinesen zurückgegeben werden. Li-Hung-Tschang hat dem Kaiser die deutsche Note übersandt, die die Bestrafung der Hauptanstifter fordert. Daraufhin hat der Kaiser den Beschluß unterzeichnet- wodurch Prinz Tuan und andere Boxerführer, die für die letzten Ereignisse verantwortlich sind, degradiert und bestraft werden sollen. Diese hohen Beamten bilden aber noch jetzt hauptsächlich die Umgebung des kaiserlichen Hofes, und sie selbst sind es, die dem Kaiser den Erlaß über ihre ebenen Strafen diktiert haben. Es steht außer Zweifel, daß diese Bestrafung gänzlich unzulänglich ist und Deutschland keine Genugthüung bieten kann. — Aus Shanghai wird demselben Blatt vom 5. ds. berichtet, daß nach Meldungen chinesischer Zeitungen Li-Hung-Tschang versprochen habe, Rußland die Mandschurei unter der Bedingung abzutreten, daß Rußland fortfahre, seine Truppen aus China allmählich vollständig zurückzuziehen und die übrigen Mächte dazu bestimme, Friedensunterbaltungen einzuleiten. Bis jetzt sei dieses Gerücht nicht bestätigt (und es dürfte sich sobald auch nicht bestätigen), aber es sei immerhin bezeichnend für die chinesische Auslegung der Schritte Rußlands, daß es in der eingeborenen Presse auftauchen könne. Einem Telegramm aus Peking vom 3. d. M. zufolge hat sich Tungfuhsiang in der Provinz Schansi (soll wahrscheinlich Kansü heißen) geflüchtet, weil er seine Bestrafung fürchtet. Man gewinnt mehr und mehr den Eindruck, daß die kaiserliche Regierung Anstrengungen macht, um Hie Boxer zu zerstreuen und zu bestrafen. — Kaiserliche Truppen zeigten sich am Montag in der Nähe von Peitatschu, man glaubt, daß ihr Auftreten mit jenen Anstrengungen im Zusammenhang stehe. Ter Vertreter des Vicekönigs von Tientsin machte bekannt, daß Befehle zur Niederwerfung der Boxer ergangen seien; zugleich erklärte er jedoch, daß er wegen der Anwesenheit der Verbündeten sich scheue, Trrtppen auszusenden. Bei einer ausgedehnten Erkundung japanischer Truppen südlich von Peking gelang es nicht, den Feind zu entdecken. Wie jedoch ein Telegramm aus Tientsin vom 5. d. M. meldet, haben die Boxer gut ausgerüstete Kanonenboote auf den Kanal gebracht, um Paotingfu zu verteidigen, wohin am 8. eine Expedition abgehen soll. Chinesische Handelsleute sagen, daß Paotingfu thatsächlich verlassen sei, da die Bewohner von dem beabsichtigten Angriff gehört hätten. Aus Hongkong wird vom 7. gemeldet: Gestern griffen etwa tausend Aufrührer den Marktflecken Taiwan an, der acht Meilen nordöstlich von Samtschun an der Grenze des britischen Kaulungebietes liegt. Sie wurden indessen zurückgeschlagen. Hundert reguläre Soldaten sollen auf Samtschun marschieren. Ein Angriff auf diesen Ort wird heute erwartet. Die Polizei an der Grenze ist verstärkt und mit Maxims ausgerüstet worden, außerdem werden Truppen für alle Fälle bereit gehalten. Man glaubt, daß die Aufrührer Mitglieder von geheimen Gesellschaften sind. Nach den Meldungen aus Samtschun von heute früh ist dort noch alles ruhig, wenngleich die Läden geschlossen sind. Die „Temps" melden aus Tientsin vom 6. Oktober: Die Boxer sind noch nicht auseinandergetrieben. Der Posten von Mato-r ist soeben angegriffen worden, Lu- kautschao wurde von einer aus Franzosen und Engländern bestehenden Kolonne besetzt. Die Russen sind auf dem Wege von Peking nach Tientsin. Die Franzosen schicken sich an, ihnen zu folgen. Der Abzug dieser Truppen beunruhigt die Europäer. Aus Petersburg wird vom 8. gemeldet: Die Russen nahmen am 4. Oktober unter Generalleutnant Subbotitsch M u k d e n , nachdem die letzte chinesische Armee in der Mandschurei am 27. September bei Schischepu zersprengt war. Nach Meldungen, die dem Generalstabe zugegangen sind, haben die zur Eroberung von Mukden bestimmten Truppen auf der Linie Jnkou bei Tschen sich gesammelt. Sie bestanden aus 11 Bataillonen mit 40 Ge- fchützen, 2 Sotnien Kosaken und 4 Schwadronen Eisenbahnschutzwache. Sie wurden vom Generalleutnant Subbotitsch befehligt. Am 26. September wurde An-schan- tschan, am 28. September Liaojang genommen. Während dieser Operationen befehligte General Fleischer sechs Bataillone Infanterie mit 10 Geschützen und 2 Sotnien Ko- aken auf dem linken Flügel, das Zentrum unter Oberst Artemonow bestand aus ztvei frisch aus Odessa angekommenen Schützenregimentern und einem sibirischen Bataillon. Dieser verfügte über 36 Geschütze. Die rechte Flanke, die aus 4 Schwadronen Eisenbahnschutzwache mit 4 Geschützen bestand, und lediglich, mit dem linken Flügel der Chinesen zu kämpfen hatte, wurde von Oberst Mischt- schenke befehligt. Der Feind zog sich kämpfend langsam aus den eingenommenen Stellungen zurück. Unsere Truppen hatten bis den 28. September dem Feinde 8 Geschütze neueren Systems abgenommen. Unsere Verluste betragen : 3 Osfiziere verwundet, 10 Mann tot, 64 verwundet. • * « Telegramme deS Gießener Anzeigers. Loudon, 9. Oktober. Aus Peking wird gemeldet: Die Deutschen wollten den von den Russen geräumten Sommerpalast besetzen, doch die Engländer kamen ihnen zuvor und halten ihn jetzt besetzt. Die Russen räumten das Gebiet des Kaiserpalastes außerhalb der verbotenen Stadt; dasselbe ist jetzt von den Deutschen okkupiert. Li-Hung-Tschang übermittelte dem Prinzen Tsching Waldersee's Forderungen, die Anstifter der Boxer-Bewegung zu bestrafen. Prinz Tsching erklärte, nichts thun zu können, bevor Li-Hung- Tschang an gekommen sei. — Nach Privatbriefen aus Tayen-fu soll Kaiser Kwangsü bei voller Gesundheit, di§ Kaiserin-Witwe aber sehr leidend sein und dringend eine Verständigung herbeiwünschen. London, 9. Oktober. Aus Peking wird gemeldet: Die Zahl der Deutschen, die in Peking überwintern werden, beträgt 1800. Die Zahl der übrigen Truppen, die ebenfalls dort Winterquartier beziehen werden, ist noch nicht festgestellt. Die Verbündeten sammeln augenblicklich große Mengen Lebensmittel. Paris, 9. Oktober. Aus Tientsin wird berichtet, daß eine aus Franzosen und Engländern bestehende Abteilung die von den Boxern bedrohte Bahnstation Luku- tschao besetzte. Diese ist wegen Sicherung der Straße Peking—Tao-ting-fu besonders wichtig. Jetzt erst kann ernstlich daran gedacht werden, gegen Tao-ting-fu vorzurücken. Petersburg, 9. Oktober. General Matsiefsky, General-Gouverneur des Amurgebietes, sandte folgendes Telegramm: Der KriegSminifter teilt mir mit, daß der Kaiser mit dem Zweck, die guten Beziehungen zu China wieder anzuknüpfen, die Geneigtheit gehabt hat, zu beschließen, daß kein Teil Chinas annektiert werden wird, und daß die zu treffenden Maßregeln auf das allernotwendigste beschränkt werden müssen, nämlich zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zum Schutze der Mandschu-Eisenbahn und zur freien Schiffahrt auf dem Amur. Der Krieg in Südafrika. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Ly den bürg vom 2. Oktober: Während der letzten fünf Tage ist General Buller ständig vor gedrungen, durch den Macmachügel, Pilgrimstbal, Pilgrimsrest und Kriegerspost, überall den Feind vor sich hertreibend, jetzt ist er in der Nähe von Okrigstad. Aus Kapstadt wird vom 7. Oktober gemeldet: Die Freiwilligen Londons haben sich heute nach London eingeschifft. Vor der Abfahrt hielt Sir Alfred Milner eine längere Ansprache an die Scheidenden. Aus Johannesburg wird telegraphiert: Mehrere Buren, die unter der Anklage standen, auf dem hiesigen Markte Lebensmittel für die Burenkommandos aufgekauft zu haben, wurden verhaftet. — Aus Aliwalnorth wird vom 1. Oktober berichtet, daß eine englische Patrouille mit einer Anzahl Buren in der Nähe von Ronkville zusammentraf. Die B u r e n besetzten d i e S t a d t. Die englische Patrouille zog sich nach Aliwalnorth zurück. Zwei berittene Australier wurden von den Buren gefangen genommen. De Wet steht eine Meile von Wepener entfernt. Sämtliche englische Posten in der Stadt und Umgegend sind verdoppelt worden. • ♦ Telegramme des Gießener Anzeigers. London, 9. Oktober. „Daily Mail" meldet aus Pietermaritzburg: Ein hier ansässiger Bürger hat Lord und Lady Roberts das Anerbieten gemacht, ihnen das Grundstück, auf dem ihr Sohn getötet wurde, zu überlassen, um darauf ein Denkmal für ihn errichten zu können. Lord und Lady Roberts nahmen dieses Anerbieten an. London, 9. Oktober. „Daily Mail" meldet, daß Lord Roberts wahrscheinlich mit den ersten nach England zurückkehrenden Truppen sich in die Heimat einschiffen wird, also gegen Ende November oder Anfang Dezember. Kapstadt, 9. Oktober. Cecil Rhodes ist hier eingetroffen und wird sich in den nächsten Tagen nach England einschiffen. — Herbert Gladstone sagte in einer Rede, die I er zu. Accrington hielt, aller Wahrscheinlichkeit nach werde I Aord Salisbury zurück treten, bevor das nächste I ^ahr um sei. Chamberlain werde alsdann im I Stande sein, seine eigenen Forderungen zu diktieren. | . Brüssel, 8. Oktober. Als der König mit dem I Prmzenpaar Albert unter Eskorte des Guidenregiments I t>on der Börse nach dem Schlosse abfahren wollte, ver- I suchte eme Gruppe Sozialisten sich in den königlichen I Abagenzug hineinzudrängen, doch würde sie von der Polizei I daran gehindert. Zwei Arbeiter, die Rufe auf die Amnestie I ausstießen, wurden verhaftet, jedoch alsbald wieder frei- I gelassen. Etwa zehn Personen wurden verhaftet, die die I Anordnungen der Polizei nicht befolgt hatten. I Puri s 8. Oktober.Der Erste Präsident des Pariser I Appelyoses, Fonrchon, ist im Departement de l'Jndre I äUch, Senator gewählt worden. — Handelsminister Millerand ist heute mittag in Arras eingetroffen, I um das Kohlenrevier zu besichtigen. — Die Budgetkommission trat heute nachmittag zusammen und bewilligte 1400 000 Franks zur Beschleunig- sowie einen Zusatzkredit von 1-00 000 Franks, der durch das Steigen der Kohlenpreise erforderlich geworden sei. — Den leitenden Beamten der W e l t a u s st e l l u n a u,nb ?cn um die Ausstellung besonders verdienten französischen Architekten und Ingenieuren, sowie einigen anderen hervorragenden Persönlichkeiten wurden vom d e u t - sch en Kaiser Auszeichnungen verliehen. Ter Reichs- kommissar veranstaltete abends zu Ehren der Dekorierten ! eine Festtafel in den Sälen Friedrichs des Großen im Deutschen Hause, woran der deutsche Botschafter mit den Mitgliedern der Botschaft, Prinz Lichnowsky vom Aus- n rtigen Amt in Berlin, Geheimrat Lewald, sämtliche Mitglieder des Reichskommissariats, der Präsident des D.ätschen Weinbauvereins, Wegener, und der Präsident der Handelskammer Krefeld, Kommerzienrat Sehfarth teilnahmen. Bukarest, 8. Oktober. Das Parlament wurde heilte mit einer vom Ministerpräsidenten verlesenen Botschaft eröffnet. Die Kammer wählte den ehemaligen Minister-Präsidenten Cantacuzeno zum Präsidenten. Der Ministerpräsident legte der Kammer den Entwurf eines Gesetzes betr. die Reineinnahmen aus dem Zigaretten- papicrmonopol zwecks einer Anleihe vor, ferner den Gesetzentwurf betr. die Abänderung der Steuer für alkoholartige Getränke. Der Mehrertrag dieser Steuer wird auf 3 Millionen jährlich geschätzt. Konstantinopel, 8. Oktober. Der Schah dankte dem Sultan von Sofia aus für den ihm -in Konstantinopel gewordenen Empfang und fügte hinzu, er glaube, oie Begegnung alsbald nach dem Regierungsjubiläum des Sultans werde die zwischen der Türkei und Persien bestehenden guten Beziehungen im Interesse des Wohles aller Muselmanen noch inniger gestalten. Der Sultan sagt in seiner Antwort, er habe mit größtem Vergnügen das Telearamm des Schahs erhalten und danke für die Gefühle der Freundschaft, die ihm der Schah auch bei dieser Gelegenheit bezeugt habe. Der Sultan hat dem Schah den Jftikarorden mit Brillanten verliehen. P e t e r s b u r g, 8. Oktober. Wie die Blätter melden, hat der Minister der Volksaufklärung die Einführung der russischen Unterrichtssprache für alle Unterrichtsfächer, mit Ausnahme der Religion, in den a r m e n i - sch en Kirchen schulen für notwendig erachtet. Tie Einführung der russischen Unterrichtssprache soll allmählich im Laufe von zwei Jahren erfolgen. New-York, 8. Oktober. Der Führer der ausstän- bi g en Kohlenarbeiter, Mitchell, berief die bereits angekündigte Versammlung der Ausständigen auf Freitag nach Scanton ein. — Die „New-Yorker Staats-Zeitung" tritt nunmehr ausgesprochen f ü r M c K i n l e y ein, dessen Wahl sie als notwendig bezeichnet, um wirtschaftliche Wirren zu vermeiden. Deutsches Reich. Berlin, 8. Oktober. Der Kaiser empfing, wie der „Reichsanz." meldet, gestern in Hubertus stock den deutschen Botschafter in Rom, Grafen v. Wedel, sowie den Gesandten in Luxemburg v. Tschirschky und hörte heute die Vorträge des Chefs des Civilkabinetts v. Lukanus und des stellvertretenden Chefs des Marinekabinetts, Kapitäns z. S. v. Müller. — Aus Rom wird gemeldet: Der deutsche Geschäftsträger in Vertretung des beurlaubten Botschafters begiebt sich heute nach Neapel, um dem König ein eigenhändiges Antwortschreiben Kaiser Wilhelms auf die Ankündigung der Thronbesteigung Viktor Emanuels zu überbringen. Der Kronprinz ist in München eingetroffen und am Bahnhofe von dem Legationssekretär der preußischen Gesandtschaft Grafen v. Bernstorfs und dem Militär- attachß Frhrn. v. Hammer st ein empfangen worden. Er verlreß den Salonwagen nicht und setzte bald nach 11 Uhr bte Reise nach Gmund fort. Um 12«/3 Uhr mittags er- „ Ankunft in Gmund, wo zur Begrüßung Bezirks- amtS-Asseffor Frhr. v. Kreutzer erschienen war. Mit dem Hofmarschall Frhrn. v. Godin fuhr der Kronprinz in einem Hofwagen nach Bad Kreuth. Tegernsee ist reich be- staggt, und eine zahlreiche Menschenmenge begrüßte den Kronprinzen lebhaft. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe empfing heute mittag den Besuch des rumänischen Ministers des Aeußern Alexander Marghiloman. “ Die ostafrikanische Zentralbahn wird den Reichstag ,n ferner nächsten Session wieder beschäftigen. An den leitenden Stellen des Reiches ist man mehr noch । al? früher überzeugt, daß der Bau dieser Bahn ein dringendes Bedürfnis für Deutsch-Ostafrika ist. , Polnische Handwerker und Gewerbetreibende beschlossen, nach einer Meldung aus Posen, die Bildung einer Genossenschaft zu gemeinsamen Kohlen- vezügen und die Organisierung eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses gegen die Deutschen. — Aus Kiel wird gemeldet: Der Erbgroßherzog I von Baden ist von der Reise nach Panter, wo er dem I Landgrafen von Hessen einen Besuch gemacht hatte, hierher zurückgekehrt und begab sich nachmittags unter J*cd Punzen Heinrich nach der kaiserlichen und der Germania-Werft und nahm dort die neuern und mr Bau befindlichen Schiffs- sowie die Docksbauten in I Augenschein. Das Erbgroßherzogspaar von Baden ist abgereist. Prinz Heinrich und Gemahlin geleiteten ihre hohen Gäste zum Bahnhof und fuhren dann nach I Hemmelmark. — Herr von Miquel und Graf v. Bülow kehrten heute aus Hubertusstock zurück. — Wie die „Post" meldet, hat der Kaiser von Japan dem Kapitän des „Iltis", Lans, die dritte Klaffe des Ordens der ausgehenden Sonne verliehen, und I auch einige andere Marine-Offiziere dekoriert. ,__ Der Bundesrat soll sich in seiner Donnerstags- I Sitzung mit der Einberufung des Reichstags nicht I beschäftigt haben. Diese Frage pflegt erledigt zu werden I Ech em Einvernehmen zwischen den größeren Bundes- I stauten, worauf dem Kaiser die entsprechenden Vorschläge I gemacht werden, alsdann wird erst die formelle Beschluß- I fassung des Bundesrats herbeigeführt. Man nimmt an, daß m Hubertusstock, wo der Kaiser jetzt weilt, der Zeit- I Punkt für die Einberufung des Reichstags vereinbart wird. I . ~ ®ne Konfer enz, die am SamStag im Reichsamt I des Innern stattgefunden hat, und an welcher die Chefs verschiedener Ressorts des Reichs und Preußen teilgenommen I haben, hat sich mit der Frage beschäftigt, ob der neue I au^«?Dmc Äolltaris ein Generaltarif werden oder ob I em Maximal- und Minimaltarif aufgestellt werden soll. — Im „Reichsanz." giebt der Kommissar der frei- I wmigen Krankenpflege, Graf Solms, bekannt, daß die l Bundesregierungen, sowie das elsaß-lothringische Ministerium die unterstellten Eisenbahnverwaltungen anwiesen, vom I 1°. Juli ab die für den Kriegsfall zugunsten der frei - I willigen Krankenpflege getroffenen Bestimmungen des I -lleilitartarifs bei Transporten und Frachtsendungen zu I Zwecken der freiwilligen Krankenpflege in China I auzuwenden. Etwa zuviel gezahlte Fahrgelder und Frachten .t öurllckzuerstatten. Die Beförderung der Sendungen soll I thunlichst beschleunigt werden und soweit angängig auf I werben ^^riders auch mit Personenzügen bewirkt I Würzburg. 8. Oktober. Der neueste Ministerialbescheid ÄL?le, Wunsche und Anträge im HandelSkarnmerbericht für ^"'^Erweiterung des Lohrer Stadtbahnhofer, r E'usuhrung des unbeschränkten Güterdienstes in I und des beschränkten Güterdienstens in Langen- Frachtermäßigung für überseeisches Telephonverbindung zwischen Brückenau r”sm: .?"* ”• *" «• Dtloier- Die Volkspartei hat im Betänaen Fabrikanten Schickhardt- Betzmgeu als Landtagskandidaten aufgestellt. Er hat anae- I nommen. In Laupheim kandidiert Stadtschulheiß Schick lC) I Cannstatt hat die Deutsche Partei den Gerichtsnotar I aufgestellt, nachdem der bisherige Abae- I ordnete Bankier Pfaff eine Wiederannahme des Mandats abg-l-hnt hatte. Im Bezirk Besigheim stellt di- Vol spartei den bisherigen Abgeordneten Schmid auf. p I Das Heidelberger Bahnunglück. Heidelberg, 8. Oktober. Die gestrige Eisenbahnkatastrophe setzte unsere Stadt in große Aufregung und Trauer. Die Gesamtzahl der Verwundeten, die im Akademischen Krankenhause behandelt wurden, beträgt etwa 70. Todesfälle sind sechs gemeldet. Etwa 35 Schwer verletzte liegen noch im Akademischen Krankenhaus. Es ist zu befürchten, daß von diesen noch einige ihren Wunden erliegen. Tas Unglück geschah gestern abend 6 einhalb Uhr vor der Station Karlsthor. Der dichtbesetzte Lokalzug hatte am Hans- acker angehalten, um die Billetrevision im Zuge vornehmen zu können, als plötzlich der 6.29 Uhr fällige Zug von Neckargemünd angefahren kam. Wegen der scharfen Kurve, die dort die Bahn macht, konnte der Zugführer den noch» haltenden Lokalzug nicht rechtzeitig bemerken und der Zug fuhr mit voller Gewalt auf den Lokalzug auf, sodaß die drei letzten Wagen förmlich aufeinander geschoben wurden. Es folgte eine erschütternde Katastrophe, Schmerzensrufe und Wimmern erfüllte die Luft. Ein grauenhafter Anblick bot sich den zu Hilfe eilenden Personen dar. Die meisten Passagiere der letzten drei Wagen waren zwischen den Trümmern eingeklemmt und schrecklich verletzt. Abgefahrene Körperteile lagen umher. Nachdem Hilfsmannschaften, Aerzte und die Sanitätskolonne eingetroffen waren, wurden Notverbände angelegt und die Verwundeten und Toten ins Akademische Krankenhaus und andere Heilanstalten verbracht. Eine zahllose Menschenmenge strömte an die Unglücksstelle. Die Aufräumungsarbeiten waren gegen Mitternacht beendet. Die Aerzte des Akademischen Krankenhauses hatten etwa siebzig Personen zu behandeln. Auch im Krankenhause versammelte sich eine zahlreiche Menschenmenge während der Nacht, um Erkundigungen über ihre Angehörigen einzuholen. Das schwere Unglück verschuldete der 21jährige Eisenbahnassistent Albert Weipert von der Station Karlsthor, der diesen Dienst seit acht Tagen versah. Die Insassen! des Kurszuges kamen meist mit dem Schrecken davon, nur die Maschine wurde beschädigt. Staatsminister v. Brauer kam heute früh zur Untersuchung des Unglücks hier an. Die Katastrophe hatte verschiedene Zugverspätungen zur Folge. Tie Generaldirektion zu Karlsruhe ver- öffentlich,! über das Eisenbahnunglück bei Seidel, berg olgenden amtlichen Bericht? bei Her del- UnfaH BefrnHlnn6^nsein,nI4U1'8 ift Oon einem schweren sXen ua ’ t?“-. ^er von Jagstseld kommende unb öeibetoern ^rrlk8^ crn ar6e,,b zwischen Schlierbach! hpn bnrnnanA? sar beim sogenannten Hausacker auf den vorausgehenden Lokalzug 16a aufgefahren Tie waren entsetzlich. Der letzte Wagen be§ der zweitletzte auf den vvraüTLm heraufgeschoben und auch dieser stark fcefdiähmt (Smt sprechend der Materialzer törün'g ist'dw Zahl der O v^e r unter den Reisenden des stark beschten Zuges eine sehr ^uaShprfnna^n^n °nen einschließlich eines Mannes vom Zugspersonal blieben aus der Stelle tot oder verstärken JEran^orteS von der Unfallstelle, und 7 0 bis 80 Personen, soweit bis setzt festgestellt werden konnte, wurden schwerer oder leichter verletzt Von diesen haben 36 in der Universitätsklinik Aufnahme gefunden, wahrend etwa ebenso viele Leichtverletzte nur vorübergehend dort behandelt wurden. Die Verunglückten stammen mit wennigen Ausnahmen aus Heidelberg oder Mannheim Hilfe war schnell zur Stelle. Namentlich waren zahlreiche Aerzte und die Sanitätskolonne des Heidelberger Hilfsvereins'in aufopfernder Weise um die Ver- wundeten bemüht. Auch die Aufräumungsarbeiten gingen rafd) von statten. Nach zwei Stunden war das eine Ge- leise frei gemacht und kurz nach Mitternacht konnte der zweigeleisige Betrieb wieder ausgenommen werden. , -i Ursache des Zusammenstoßes ist, soweit bis jetzt festgestellt, m einer schweren Verfehlung der Station Karlsthor zu suchen, die den Personenzug 126a angenommen und damit sich mit dessen Abfahren von Schlierbach einverstanden erklärt hat, ehe der vorausgegangene Lokalzug 16a auf Station Karlsthor eingetroffen war. Vom Personal dieses Zuges würde ein Mann, der Weichenwärter, getötet, sonst niemand verletzt. Von den Insassen und dem Personal des Personenzuges 126a wurde anscheinend niemand verletzt. Minister v. Brauer und Generaldirektor Eisenlohr sind noch in der Nacht in Heidelberg eingetroffen. Das „Heidelb. Tagbl." bemerkt zu dem Eisenbahnunglück, daß die Entrüstung des Publikums sich weniger gegen den bedauernswerten Beamten, als gegen das bei uns herrschende unselige System wendet, nach dem so wichtige und verantwortungsvolle Posten, die einen ganzen Mann erfordern, jungen und unerfahrenen Beamten anvertraut werden. Der verhaftete Weipert soll diesen Dienst erst seit vier Tagen versehen haben. — Eisenbahnamtlich meldet die „Karlsr. Ztg.": Der am Sonntag abend auf der Station Heidelberg-Karlsthor mit der Leitung des Fahrdienstes betraute Beamte hatte den Dienst am Sonntag mittag übernommen, nach^ dem eine dienstfreie Zeit von Samstag abend an vorangegangen war. — Der „Reichsanz." meldet: Anläßlich des auf der badischen Staatseisenbahn in der Nähe von Heidelberg. gestern vorgekommenen Unfalls hat sich der Vortragende Rat im Neichseisenbahnamt von Misani an Ort und Stelle begeben. Tot sind: Frau Apotheker Karlsteiu, Fräulein Ma/ thilde Busch, Gärtnerstochter, Wagenwärtergehilfe Wernet, Kaufmann Otto Hassel jun., Fräulein Fanny Frei sämtlich von Heidelberg, Fräulein Julie Munter-Mannheim. Verwundet: Bahr, Kind Hildegard aus Mannheim, Unter- chenkelbruch, Busch, Gärtner von Heidelberg, Knöchelbruch, Toni Blos, Fußverftauchung, Paula Blos, Fußquetschung, Herr Blos, Unterschenkelbruch, David Eisinger (Mannheim) Öberschenkelquetschung, Frau Eisinger, Fußquetschung und Hautabschürfung, Meta Eisinger, Quetschung des linken Fußes, Marie Eisinger, Beckenbruch, Minna Frey, Rippenbruch, Kaufmann Glänzer (Frankfurt a. M.) Fußbruch^ Höllerbach, Briefträger, Unterleibs- und Fußverletzung, Anna Hollerbach, Fußquetschung, Fräulein Emmy Hoffmann, doppelseitiger Unterschenkelbruch, Dr. Hauer, Hofbaumeister (Berlin), Armbruch, Frau Dr. Hauer, stnter- chenkelamputation, Lukas Keller (Kleingemünd), Rippenbruch, Johann Christian Lehr (Heidelberg), Knöchelbruch, Martin Münch (Neckarzimmern), Oberschenkelbruch, Frau Schüler (Wiesbaden), Armbruch, Frau Schifferdecker (Heidelberg), Oberschenkelbruch, Frl. Louise Kelling (Mannheim), Amputation beider Beide, Alexander Spitz (Heidelberg), doppelseitige Unterschenkelamputation, Frl. Osche aus Speyer, Fußquetschung, Frau Therese Thoma (Heidelberg), Kopfverletzung, Marie Stegmarer (Waldüren), Gehirnerschütterung, Unterschenkel- und Beckenbruch, Joh. Georg Ohrig (Heidelberg), Schenkelbruch, Paul Venediger (Speyer), .Knöchelbruch, Privatier Karlsteiu aus Neuew- heim, Stirnquetschung, Frau Dr. Virnhaber (Mannheim), Oberschenkelbruch, Robert Kersten, Oberlehrer aus Lukau, Oberschenkelbruch, Frau Medizinalrat Elise Walter, Ober- chenkelbruch, Rutzek (Mannheim), Kiefer- und Schulterbruch, Schuhmacher Speck (Heidelberg), doppelseitiges Oberschenkelbruch, Tüncher Wilhelm Mayer (Heidelberg), Unterschenkelbruch und Gehirnerschütterung, Fabrikant Köhler (Heidelberg), Bruch des rechten Unterschenkels, Schermers (Heidelberg) Kopfverletzung, Frl. Schermers, Rippenbruch. Im Ganzen wurden in der letzten Nacht int akademischen Krankenhause 71 Verletzte verbunden. In Privatbehandlung befinden sich etwa zehn bis fünfzehn. Eine revidierte Lifte der Opfer der gestrigen Katastrophe am Karlsthor nennt folgende Name": Tot sind: Frl. Julie Munte, Mannheim; Frl. Mathilde Busch, Tochter des Gärtners Busch, hier; Wagenmärter Werner, Heidelberg; Frau Apotheker Dr. ftarlffeirt, Jceuenpcim; Hassel jun. (Sohn des Kohlenhändlers Hassel); Fanny Frey, hier. Schwer verwundet liegen im akademischen Krankenhaus: Dr. Hauer und F^ou, Mannheim;. Frl. Toni und Paula Blos und Mechaniker Blos jim., Familie des Zugführers Blos; Familie Eismger aus Mannheim (David Eisinger, Frau Eisinger und deren Ahnber Grethe und Marie Eisinger); Minna Frey, hier; Kaufmann Glänzer, Frankfurt; Briefträger Ho lerbach und Frau, hier; Lucas Heller, hier, Dr. Rudolf Karlstein, Neuenheim; Frau Schüler, Wiesbaden; Sttident Alex Spitz, Schlierbach; Johann Georg Uhrig, Schlierbach; Heizer Martin Münch, Neckarzimmern; Frau Thoma, hier; Frau Schifferdecker, hier; Frau Medizinalrat Walter, hier; Frau Dr Firnhaber, Mannheim; Kapellmeister Kuczeck, Wiesbaden-Wien; Dr. Venediger-Halle; Kind Hildegard Bahr, Mannheim;'Emmy Hoffmann, hier; Johann Christian Ausland. L o n d o n, 8. Oktober. Nunmehr sind 3 2 5 M i n i ft e - Stelle, 95 Lib erale und 67 irische National iften Lewahlt. Lehr hier; Frl. Köllirrg, Mannheim; Frl. Osche (?); Oberlehrer Kersten, Lukan; Marie Stegmayer, hier; Postbote Speck (?). Die Zahl der Leichtverletzten ist ebenfalls bedeutend. Darunter befindet sich von auswärts Professor Vogel aus Stuttgart. Aus Stadt und Kan-. Gieße«, 9. Oktober 1900. •• An der Abschiedsfeier zu Ehren unseres bisherigen Oberbürgermeisters, des Präsidenten deS Finanzministeriums, Herrn Gnauth, werden sich nach den nunmehr abgeschlossenen Einzcichnungslisten gegen 300 Personen beteiligen. Angesichts dieser zahlreichen Beteiligung können die Veranstalter des Festes den einzelnen Besuchern keine Plätze reservieren; dagegen steht den Teilnehmern frei, von Donnerstag vormittag um 10 Uhr an sich selber Plätze zu belegen. Die Tafelmusik wird von der Regiments« kapelle ausgeführt und der Kronbauer'sche Quartett- verein wird durch einige Liedervorträge die Festbesucher erfreuen. • • Stadttheater. In „Vasantasena", das am kommenden Donnerstag dem 11. dss. Mts. erstmalig aufgeführt wird, spielt Fräulein Henny Schoelermann die Titelrolle. Der Künstlerin ist damit zum ersten Male Gelegenheit geboten, sich dem hiesigen Publikum in einer hervorragenden Rolle zu zeigen. Die übrigen Hauptrollen des Stückes liegen in den Händen der Herren Liebscher als Snmsthanaka, d i B a l t h y n i als Karudatta, Ramseyer als Maitreja rc. Der Kartenverkauf findet von Mittwoch mittag in Ernst Challier'S Musikalienhandlung statt. • * -8- Konzert. DaS Konzert, das der erblindete Pianist Heinrich Hartung auS Eschwege unter Mitwirkung von Fräulein Else Grosse aus Kassel und Herrn Wilhelm Schmidt gestern abend in Leibs Fest- saal veranstaltete, erfreute sich eines recht guten Besuches. Herr Hartung spielte drei bekannte Stücke von Mendelssohn (zwei Lieder ohne Worte und das Capriccioso in e-moll), eine Transcription von Kullack — eine recht geistlose Komposition — und die as-äur-Sonate von Beethoven op. 26; Fräulein Grosse sang einige Lieder, meist leichten Gehalts, und die Arie aus der Oper „Mignon" von Thomas: „Kennst Du das Land", wozu Herr Schmidt die Begleitung dankenswert ausführte. Das Capriccioso und das Liedchen „Die Bekehrte" fanden besonderen Beifall. Fräulein Grosse verstand sich zu einer kleinen neckischen Zugabe. Die Darbietungen wurden von der Zuhörerschaft freundlich ausgenommen, sodaß die Vortragenden mit ihrem Erfolge wohl zufrieden sein dürfen. Höheren künstlerischen Anforderungen wurde durch die ver« schiedenen Vorträge allerdings nicht entsprochen. • * Verbandsfchießen 1899. Dem Geschäftsführenden Ausschuß des vorjährigen Verbandsschießens war es endlich gelungen, gestern abend den zu einer Gesamtausschußsitzung geladenen Mitgliedern Rechnungsablage zu erstatten. Die Einnahmen und Ausgaben des Festes balancieren mit Mk. 130,990.50. Zur Prüfung der Rechnung wurden die Herren Hermann Eichenfauer, Wilh. Hornberger und Ed. Schiffnie gewählt. Zur Erinnerung an das rubr. Fest wurde den Anwesenden das seinerzeitige SchützewFest- abzeichen gratis überlassen. Der Schützenverein hatte zu Ehren der Festausschußmitglieder eine Feier mit Preisverteilung veranstaltet, die recht amüsant verlief. Unter den Schießpreisen befanden sich auch zwei künstlerisch aus- gestattete Ehrenscheiben (von den Herren Photograph Wilh. Becker und Kunstmaler Scheich verfertigt), die zur Besichtigung in dem Erker der Firma W. Reiber, SelterS- weg, aus einige Tage ausgestellt sind und allgemein gefallen dürsten. a Klein Linden, 9. Oktober. Die Arbeiten an dem Schulhaus-Neubau haben heute wieder begonnen, nachdem sie 21/, Wochen geruht hatten. Gestern sind die Zimmerleute endlich angekommen, heute beginnen auch die Maurer wieder zu arbeiten. In den nächsten Tagen wird das Dach von dem älteren Flügel des Schulhauses abgerissen, da noch ein Stockwerk auf dasselbe gebaut werden soll. Im ganzen wird das Gebäude nach seiner Fertigstellung drei Lehrerwohnungen und drei Säle enthalten. e- Ettingshausen, 9. Oktober. Gegen die Zurückweisung der Reklamation und die Bestätigung unserer Bürgermeisterwahl seitens des Kreisausschusses will die unterlegene Partei abermals Einspruch erheben. Leider wird dadurch immer noch keine Ruhe in unserem Orte einkehren. Die Angelegenheit wird also vor die letzte Instanz, den Provinzialausschuß, gelangen. r- Stockhausen, 8 Oktober. Unser Ort, der im vorigen Jahre zum großen Teile niedergebrannt war, hat durch die an Stelle der alten Häuser entstandenen schönen Neubauten ein stolzes Gepräge angenommen. Auch die damals abgebrannte Riedeselische Oberförfterwohnung ist jetzt wieder fertig ausgebaut. Lehrerheim Vogelsberg, 8. Oktober. In der „Alemannia" zu Frankfurt a. M. tagte die sechste Mitgliederversammlung des Vereins „Lehrerheim Vogelsberg". Der Jahresbericht des Vorsitzenden ersuhr {einerlei Beanstandung. Im verflossenen Geschäftsjahre hatte der Verein eine Einnahme von 1545 Mk. und eine Ausgabe von 1419 Mk. Das Vermögen des Vereins beträgt 39 236 Mk., die Schulden 24 269 Mk. Eine Erweiterung des Heims erklärte die Versammlung für wünschenswert. Durch die Ausgabe von Anteilscheinen zu 50 und 100 Mk., die mit drei Prozent verzinst und von denen jährlich eine bestimmte Anzahl ein- gelöst werden sollen, gedenkt man die Baukosten zu decken. Ein Satzungsentwurf, der dem Bürgerlichen Gesetzbuch angepaßt ist, wurde mit einzelnen Abänderungen genehmigt. Der gesamte Vorstand wurde durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. Darmstadt, 8. Oktober. Am Freitag wurde die gerichtliche Sektion der in so schrecklicher Weise getöteten Dienstmagd Gunst vorgenommen. Die Leiche des Mädchens, das von auffallender Schönheit gewesen sein soll, zeigte fünf Schußwunden, davon drei im Kopf, eine in der Hand und eine in der linken Brust, unmittelbar unter der Achselhöhle. Die vier ersten Verletzungen bestanden nur in Fleischwunden und hätten voraussichtlich keinen ernsten Ausgang verursacht, dagegen mußte die letzterwähnte, welche Lunge und Herz durchbohrt hatte, alsbald tötlich wirken. Der Schuß in die Hand war wahrscheinlich erfolgt, während die Angefallene eine abwehrende Bewegung machte; der rötliche Schuß scheint, der Brandspur im Kleide nach zu schließen, aus allernächster Nähe abgegeben worden zu sein. DaS Verhältnis zwischen der Getöteten und dem Thäter bestand, wie die „N. H. V." melden, schon längere Zeit und nahm in Neckarsulm, wo die G. diente und der in Heilbronn in Fabriken arbeitende Pflüger wohnte, seinen Anfang. Als sich die G. in eine Stelle nach Frankfurt begab, siedelte auch Pfl. dorthin über und war in dortigen Fabriken beschäftigt. Wegen eines Vorfalls hatte die G. Unannehmlichkeiten und trat, um dem Gerede zu entgehen, ohne dem Pfl. etwas zu sagen, am 1. ds. MtS. ihre hiesige Stelle an. Der Verlassene ermittelte jhren Aufenthaltsort, erfuhr von der Herrschaft, daß das Mädchen gerade ausgegangen sei, erwartete sie auf der Straße und stellte sie zur Rede. Als sie sein dringendes Bitten, sich nicht von ihm abzuwenden, zurückwies, führte er, angeblich in höchster Erregung '.nicht wissend, was er thue, die blutige That aus, die er nicht vorher geplant haben wolle. Er war bei Agnoszierung der Leiche völlig gebrochen und zeigt lebhafte Reue. König i. O., 8. Oktober. Die junge Königin der Niederlande ist mit ihrer Mutter heute abend im Sonderzug von Frankfurt hier eingetroffen. Der Besuch trägt einen rein familiären Charakter und ist als ein Stückchen Nachsommerfrische gedacht, eine Absicht, die durch das herrlichste Herbstwetter aufs beste unterstützt wird. Der Empfang sowohl wie der Aufenthalt soll mit so wenig offizieller Feierlichkeit wie nur möglich ausgestattet werden. Es dürste den Intentionen der Fürstinnen von Niederland am besten entsprechen, wenn ihr zehntägiger Aufenthalt im Mümlingthal nicht allzusehr durch „Aufmerksamkeiten" gestört würde. Die Bevölkerung wird allerdings den Gästen des erbgräflichen Paares ein Willkommen bieten und hat in üblicher Weise Straßen und Häuser geschmückt. ** Kleine Mitteilungen ans Hessen nnd den Nachbarstaaten. Daß der Gerichtssaal keine Lesehalle ist, hat ein Handelsmann vor dem Schöffengerichte Alzey erfahren. Derselbe wollte sich zurzeit, bis seine Sache zur Verhandlung kam, mit Lesen seines LeiborganS vertreiben, was ihm jedoch, wegen Ungebühr vor Gericht, eine 24stündige Haftstrafe eintrug. Damit er in seiner Lektüre ungestört weiterfahren konnte, wurde der neugierige Leser sogleich in ein „separates Lesezimmer" verbracht. Vermischtes. * Pforzheim, 7. Oktober. Heute nachmittag wurde hier die 24jährige Kettenmacherin Frieda Bohnenberger unter Umständen tot auf gefunden, die es zweifelhaft erscheinen lassen, ob sie freiwillig aus dem Leben gegangen, oder infolge eines Verbrechens nach § 219 des Strafgesetzes gestorben ist. Sie war mit ihrem Bräutigam und einem seiner Freunde kurz vorher in dessen Wohnung. Der Bräutigam hat die Anzeige erstattet, daß das Mädchen sich vergiftet habe. * Nürnberg, 8. Oktober. Heute morgen stieß ein nach Bamberg abgehender Personenzug beim Verlassen des Centralbahnhoses mit einem Rangierzuge zusammen, der mißverständlich in Bewegung gesetzt war. Drei Reisende, der Zugführer und der Schaffner erlitten leichte Verletzungen. Der Materialschaden ist unbedeutend. Kunst und Wissenschaft. -nn- Darmstadt, 8. Oktober. Die heute stattgehabte erste Hauptversammlung des hessischen Goethebundes war gut besucht und wurde durch Prof. Harnack geleitet. Nach Verlesung des Protokolls über die konstituierende Versammlung durch Herrn Hartleb gab der Vorsitzende einen übersichtlichen Bericht des Bundes, aus dem die gedeihliche Entwickelung desselben zu konstatieren ist. In allm hessischen Städten sind Mitglieder beigrtreten, in Bensheim und Gießen sogar je ca. 30, sodaß dort die Bildung von Zwetgvereinen in Aussicht siebt; auch in Mainz sei die Gründung eines solchen in Sicht. Die Ziele des Bundes sollen in monatlichen V^sammlung^n auch iu Verbindung mit dem Theater e. örtert werden. In der Presse soll auf interessante Theatervorstellungen hingewiesen, und schwerer verständliche Stücke sollen der Allgemeinheit erklärt werden. Die Mitgltederzahl sei erfreulicherweise auf ca. 230 gestiegen. Da im Herbst voraussichtlich die deutschenGoethe- bündr in Berlin zu gemeinschaftlicher Thätigkett zusammentreten werden, wird auch der hessische Bund dort vertreten sein. Man tritt hierauf in die Beratung der Statuten ein. Diese werden nach dem Entwurf der unter Landgerichtsrat v. Hessert thätig gewesenen Kommission nach kurzer Diskussion ohne Aenderung angenommen. § 1 lautet: Der hessische Goethebund verfolgt den Zweck, die^reiheit der Kunst, Wissenschaft und Litteratur gegen Angriffe jeder Art zu schützen und weitere VolkSkretse zu ernster Würdigung wahrer Kunst und Wisienschaft und zu selbstständiger Abwehr von Ausschreitungen aus diesem Gebiete zu erziehen. Der Bund hat seinen Sitz in Darmstadt. — Mindestbeitrag ist jährlich eine Mark. Mitglied kann jede unbescholtene erwachsene Person werden. — Der geschästsführende Ausschuß (Vorstand) besteht aus neun Mitgliedern, die alljährlich zu wählen sind rc. — Bei der hierauf folgenden Wahl wurden folgende Herren bestimmt: Prof. Harnack, Lanbgerichtsrat v. Hessert, Bildhauer L. Habich, Hosschauspieler Hatker, Zahnarzt Heilbronn, Dr. med. Heil, Jnstitutsvorsteher Elias, Oberstleutnant a. D. Gab und Lehrer Hartleb. — Prof. Harnack gibt nun das vorläufigeWtnterprogramm bekannt, aus dem zu erwähnen ist: Eine Volksversammlung im November mit einem Vortrag des Prof. Harnack: „Ueber die Entwickelung deS Deutschen Dramas", sowie eine weitere Volksversammlung im Dezember, in der Dr. med. Heil über „Hygiene und Aesthetik in ihren gegenseitigen Beziehungen" sprechen wird. Oerichtssaal. Berlin, 8. Oktober. Vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I begann heute vormittag unter kolossalem Andrang des Dubli- kums der Prozeß gegen den Herausgeber der „Zukunft", Maximilian Harden, wegen Majeftätsbeleidigung, begangen durch einen Artikel in Nr. 45 der „Zukunft" mit der Ueberschrift „Der Kampf mit dem Drachen". Der Staatsanwalt beantragte Ausschluß der Oeffentlichkeit während der Verhandlung. Der Verteidiger Hardens, Rechtsanwalt Haußmann, widersprach diesem Antrag, da die öffentliche Ordnung nicht gefährdet sei. Der Gerichtshof beschloß aber nach dem Antrag des Staatsanwalts. Von der Verteidigung sind u. a. als Zeugen geladen: Prof. Schweninger, Prof. Lippold, Prof. Paulsen, Schriftsteller Fritz Mauthner. _______ Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Main eigener Werkstätte. Gießen, Airchenplatz u- 5188 Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse vem 8. Oktober. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. Prämie» auf Kredit per ult Okt. 1.80°/o, do. per ult. Novbr. 3.00%, Diskor.fo-Kommandit per ult. Okt. 1.75%, do. per ult. Novbr. 3.00%, Lombarden per ult Okt. 0.70%» do. per ult Novbr. 1.00%. Deutsche Bank 0.00%, Notierungen : Kreditaktien 202.10-202.00.00,, Diskonto- K mmandit 171.10-171-171.20-171, Btaatsbahn 139.70, Lombarden 24.90-00, Italiener 93.90, Spanier 71.50-00, Sproz. Mexikaner 26.00, Bochumer 170 bz., Laura 192-193.50-40-50-191.80 bz. G., Harpener 178.20-179.00-00 bz., Gelsenkirchen 189.40-00 bz., Privat-Diß- kont 4%% G. _. 1% bv 2% Uhr: Kreditaktien 202-201.50-80-00 bz., Dja- konto-Kommandlt 171-170.70-80.00 bz. G., Staatsbahn 139.80 bz. Lombarden 24.90-00.00 b., Laura 000-00, Berliner Handelsgesellschaft 000.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz., 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz , Bochumer 000.60 bz., Deutsche Bank 182.70-3.50 bz., Harpener 181 50 bz. Metzerr, 9. Oktober. Marktbericht. Muf dem heutigen Wochemnarkt kosteten: Butter per Pfd. 0.75—1.00, Hühnereier per St. 7—8 4, 2 St. 00—00 Enteneier 2 St. 00—16 H, Banse- eier per St. 00—00 H, Käse 1 St. 5—8 Kasematte 2 St. 5—6 Erbsen per Liter 24 Linsen per Liter 34 Tauben per Paar 0.65-0.80, Hühner per St. A 1.00—1.40, Hahnen per Stück ut 0.50-1.20, Enten per St. -X 1.80—2.00, Gänse per Pfund M 0.00-0.00 Ochsenfleisch per Pfd. 68-74 H, Kuh. und Rindfleisch per Pfd. 62—64 4 Schweinefleisch per Pfd. 50—70 Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 74 Kalbfleisch per ^.64—66 Hammelfleisch per Pfd. 50-70 H, Kartoffeln per 100 «ilo 5.00 bi, 6.00 vä, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. * 5.50—6.00, Milch per Liter 18 Bohnen per Pfund 8—10 H. Dauer der Marktzeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags. Während der ersten drei Stunden der Marktzett darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden. Neueste Meldungen. Berlin, 9. Oktober. Der Herausgeber der „Zukunft", Maximilian Harden, wurden gestern spät abends wegen der Majestätsbeleidigung zu 6 Monat Festungshaft verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt eS: „In der Kritik, die der Angeklagte an dem Verhalten des Kaisers gegenüber den China-Wirren und besonders an der Bremer- hav.ner Rede geübt, findet der Gerichtshof nicht blos eine Hintansetzung der dem Kaiser schuldigen Ehrerbietung, sondern direkt beleidigende Angriffe gegen den Kaiser. Der Angeklagte habe sich daher der Majestätsbeleidigung schuldig gemacht und sei zu der genannten Strafe verurteilt. Außerdem wurde aus Vernichtung der Nr. 45 der „Zukunft" erkannt." London, 9. Oktober. Wie verlautet, wird Hicks Beach das Marineamt und Chamberlain das Schatz- kanzleramt übernehmen. Falls Salisbury nicht das Ministerium des Aeußern mit dem Posten des Premierministers vereinigt haben wolle, werde Balfour dasselbe mit dem Range eines Pairs übernehmen. Chamberlain ist auch zum Präsidenten des Unterhauses in Aussicht genommen. Paris, 9. Oktober. Gestern wurden 17 Personen die ihnen vom Deutschen Kaiser verliehenen Auszeichnungen Übergeben. Der Oberkommissar der Ausstellung, Picard, erhielt das Großkreuz des Roten Adler- ordens, der Chef des Protokolls, Cr ozier, den Kronenorden 1. Klaffe. Paris, 9. Oktober. Die reaktionären Blätter beginnen wiederum einen äußerst heftigen Feldzug gegen das Kabinett Waldeck-Rousseau, und versichern, daß der Sturz desselben mit der Wiedereinberufung der Kammer zusammenfalle. New-York, 9. Oktober. Die Nachrichten aus Cuba lauten fortdauernd sehr ungünstig. Gestern wurde ein Meeting abgehalten, in welchem die Hauptredner, unter denen sich die angesehensten Generale und Politiker des Landes befanden, aussührten, daß unter der spanischen Regierung das Volk ausgebeutet worden sei, daß aber nunmehr unter der amerikanischen Regierung die Ausbeutung eine noch weit größere fei. Wenn in dieser Beziehung keine Abhilfe geschaffen werde, so müßten die Cnbaner in der nächsten Zeit wieder zu den Waffen greifen, um sich der amerikanischen Ausbeuter zu entledigen. Telephonischer Kursbericht 91.60 Berliner Handelsges. . 200.20 . 169.20 . 129.10 . 141.50 . 141.50 . 138.20 . 139.50 . 191.50 . 168.20 . 175 50 3%% 3% 3V»°/o 3% 8%