Sonntag den 10 Juni Amts- und Anzeiseblutt für den Tireis Gieren Alle Anzeigen-BermittlungS-cllen de- In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger rntgcgau Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., au-wärl- 20 Pfg. «»»ahme Hu Anzeige« zu der nachmtttag- für de« f-tgeudev L«, «scheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. EN^eLungen spätesten- abend- vorher. Viertes Blatt. Gießener Anzeiger Keneral-MnMger 190(1 Nezugspreis vierteljährl. Mk. 2M monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohnz durch die Abholestele» vierteljährl. Mk. 1,2t monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 Vierteljahr-. mit Bestellgeld. «r. -33 frf^dnl täglich mit Ausnahme deS Montag-. Die Gießener n<*me*eritut dem Anzeiger « Wechsel mit „Hess. €enbtolrt* «. ^Blätter fiN he-. Bolk»künde" »schü. 4 mal deigelegt. RebeMan, Expedition und Druckerei: -chnlflraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblättrr, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger $Uft«u Fernsprecher Nr. 5L Aus Stadt und Land. (Anonyme Ginsendungen, gleichviel welche« Anhalte», werde« grurrdsLtzltch nicht ausgenommen.) Gießen, 9. Juni 1900. • • Perfoitalnachrichter,. Am 2. Juni wurde der Vorsitzende der Handwerkskammer zu Darmstadt, Jean Falk in Mainz, zum außerordentlichen Mitglied der Abteilung Großherzogl. Mimsteriums deS Innern für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe für die Dauer der Bekleidung der obenbezeichneten Stellung ernannt. Der GerichtSaffessor Dr. Maurer in Darmstadt wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Staatsanwalts am Landgericht der Provinz Starkenburg beauftragt. • * Gastwirte Versammlung. Die Gastwirte unseres Leserkreises machen wir auf die nächsten Montag (s. Inserat) hier im Gasthof „zum Einhorn- stattfindende große allgemeine Gastwirte-Versammlung aufmerksam, in der Direktor und Stadtverordneter R e in e m er - Darmstadt über die Bestrebungen des Bundes deutscher Gastwirte und deffen segensreich wirkende Sterbekasse sprechen wird. § Holzheim (Kreis Gießen), 8. Juni. Zu dem gestern berichteten Leichenfund ist nachzutragen, daß es fich um den aus Stockhausen gebürtigen Wilhelm Schöbt handelt. Er soll erst vor kurzem aus dem ArbeitShause in Dieburg entlassen und 45 Jahre alt sein. Dem Vernehmen nach ist die Todesursache nicht genau feftgestellt. Darmstadt, 7. Juni. Eine Ausstellung moderner Kunststickereiarbeiten in der Großherzoglichen Zentralstelle für die Gewerbe wird am 14. ds. eröffn net werden. Die Ausstellung ist außerordentlich stark beschickt, z. B. vom Frauenarbeitsverein in Stuttgart und vom Künstlerinnenverein in Karlsruhe. Sie enthält auch schwedische, türkische, bulgarische und marokkanische Arbeiten. Mit Kollektionen sind u. a. vertreten: Frau Margarete v. Brauchitsch (München), Fritz und Helene Rentsch (Dresden), Otto und Hanna Ubbelohde (München). Auch die Darmstädter Künstlerkolonie wird insofern an der Ausstellung beteiligt sein, als in derselben Stickereien sich befinden, die nach Entwürfen von Professor Christiansen und Paul Bürck von Herrn E. H. Bringer und Frl. Pauline Braun in Darmstadt, sowie Frl. Sturmsels in Hamburg «u»geführt wurden. Frankfurt a. M., 8. Juni. Im Zoologischen Gartjev ist für Sonntag vormittag der Eintrittspreis ermäßigt. Das endlich eingetretene Sommerwetter hat es ermöglicht, daß nun auch die wärmebedürftigeren Tiere ins Freie kommen. Bei dem so prächtig angewachsenen Tierbestand des Gartens, der nun in allen seinen Teilen Kunst und Wissenschaft. Die zehnjährige Wiederkehr der Gründung des atllgemeinen deutschen Lehrerinnenvereins wurde an den Pfingsttagen zu F r i e d r i ch- r ob a festlich begangen. Aus allen Gauen des deutschen, Vaterlandes waren Lehrerinnen aller Schulgattungen herbeigeeilt, um dort an der Wiege des Vereins das Bestehensfest zu feiern und zu gemeinsamen Beratungen zu- fammenzutreten. Vier Vorträge brachten mannigfache Anregung: 1) Die staatliche Prüfung der Musiklehrerin, Fräulein Sophie Henkel-Frankfurt, 2) Einige Worte zur Reform des Gesangunterrichts, Fräulein Louise Müller- D a r m st a d t, 3) die Besoldung der Lehrerinnen an öffentlichen preußischen Mädchenschulen, Fräulein Bertha von der Lage-Berlin, 4) Kinderkonflikte, Fräulein Bertha Jordan-Danzig. In dankbarer Anerkennung der Verdienste um die Entwickelung des allgemeinen deutschen Lehrerin- uen-Vereins wurde dessen Gründerinnen Frau Marie Loeper-Houselle, von der zuerst der Gedanke des Zu- sammenschließens der Lehrerinnen ausging, sowie Fräulein! Auguste Schmidt, der Ehrenpräsidentin des Vereins, und Fräulein Helene Lange, der ersten Vorsitzenden, die Urkunde einer Stiftung: Schmidt-Lange-Loeper- Stiftung überreicht, die nach Entschließung der genannten Damen zu gunsten der Lehrerinnen, Studienzwecken und dergleichen verwendet werden soll. In letzter Stunde wurden der Stiftung von hochherziger Seite noch 1000 Mk. zugewandt, sodaß dieselbe jetzt nahezu die Höhe von 8000 Mk. erreicht hat. — Die nächste Generalversammlung des allgemeinen deutschen Lehrerrnnenvereins wird nächstes ^ahr in Bonn abgehalten werden, wozu auch die Stadt vonn durch die Delegierten des Bonner Lehrerinnen^ Vereins eine Einladung hat ergehen lassen. (D. Z.) Hannover, 7. Juni. Heute trat hier der Verein lder deutschen Chemiker zu seiner Hauptversammlung zusammen. Hofrat Dr. C a r o - Mannheim begrüßte eine Fülle des Interessanten und Unterhaltenden bietet, fällt es auf, daß die Zahl der Affen, die sonst um diese Zeit zu Dutzenden den großen Käfig bevölkerten, in diesem Jahr so gering ist. Auf Befragen darüber sagte man uns, daß trotz aller Bemühungen keine Affen in größerer Anzahl aufzutreiben waren. Als Ursache nannte man uns die Verkehrserschwernngen, die durch die Pest in Indien an den Häfen hervorgerufen wurden und die Händler abschreckten. Immerhin sind in der letzten Zeit doch kleinere Sendungen angekommen, sodaß die Pavian-Gesellschaft einigen Zuwachs bekam, der fich auch schon genugsam eingewöhnt hat, um mit den oagewesenen das in seine Variationen und Einzelszenen so anziehende und belustigende Possenspiel zu treiben, das immer zu den Hauptanziehungs- punken des Gartens gehört. * Ditz Automobil-Aus stellung in Frankfurt a. M. Allenthalben, selbst an Stellen, die sich, weniger für die Sache interessieren, ist bekannt, daß in Paris und Vincennes eine große Automobil-Ausstellung stattftndet, daß in Nürnberg und Wien zu gleicher Zeit welche in Szene gehen, und daß sich in Berlin infolge der Initiative, die Herr Graf von Talleyrand-Perigord ergriffen, sogar eine ständige etablieren wird. Auch in Frankfurt a. M. wird eine solchtz Ausstellung eröffnet werden. Die Ausstellung fördert nicht nur die Automobil- Industrie, sondern alle mit ihr zusammenhängenden Ge- ive^rbe. Sie zerfällt in eine stehende, fahrende und gewerbliche Abteilung. — Die gewerbliche braucht keine Erklärung, die stehende auch! nicht, dagegen möchten wir der fahrenden einige Worte widmen. Sie befindet sich außerhalb des Ausstellungsgebäudes und zeigt die Fahrzeuge im Betriebe; denn der Käufer will den Motorwagen arbeiten sehen umd sich davon überzeugen, daß er das, was ihm nachaerührnt wird, auch hält. Bon morgens 8 Uhr bis zum Beginn der Dunkelheit werden große und kleine Fahrzeuge, Motordreiräder, Voiturettes und Tourenwageü die Fahrbahn beleben und mit ihrem fröhlichen „Töff-Töff" die Zuschauer darüber zu trösten fudjen, daß die Abgase, welche nach der Explosion des Benzin- und Luftgemisches entstehen, noch nicht wie neapolitanischer Flieder riechen. Wie sich das große Ausstellungskomitee eifrig bemüht, die Ausstellung möglichst vollkommen auszugestalten, bemühen sich! die verschiedenen Unterausschüsse ums Gelingen eines Blumenkorsos und das Zustandekommen eines großen Motorwagenrennens guf der Rennbahn des Rennklubs. Steht letzterer hem.Unternehmen freundlich gegenüber, wird Frankfurt ein noch nie gesehenes hochinteressantes Schauspiel erleben: den Kampf der Rennwagen, bei dem Mut, Kaltblütigkeit und Jntelligenzj einerseits und 'gutes Fabrikat andererseits sehr wesentlich in Betracht kommen. — Zum Schlüsse sei nod), erwähnt, daß das Komitee Unterhaltungen aller Art, große Konzerte, Fernfahrten, Luftfahrten und die Ehrengäste und Mitglieder. Wie die Versammlung in Darmstadt unter dem Zeichen des Namens von Justus Liebig gestanden habe, so gedenke man heute des großen Sohnes der hannöverschen Erde, Robert Bunsens, der am 16. August vorigen Jahres als unsterbliches Ehrenmitglied des Vereins zur ewigen Ruhe eingegangen fei. In einziger Größe, ehrfurchtgebietend, trete sein Leben uns! entgegen, ein Bild reicher Menschlichkeit und rastlosen Forschens nach Erkenntnis. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß der Geist Bunsens, das Suchen nach Wahrheit um der Wahrheit willen, auch über den Arbeiten der Versammlung stehen möge. Es folgte eine Reihe von Begrüßungsansprachen. Der Vorsitzende dankte den Rednern und spricht die Zuversicht aus, daß auch der Verein deutscher Chemiker das Seine dazu beitragen werde, um den großen Vorsprung, den die deutsche chemische Industrie trotz ungünstiger Produktionsbedingungen dem Auslande gegenüber errungen habe, nicht wieder verloren gehen zu lassen. Es folgte der Festvortrag des Ehrenmitgliedes Geheimrats Prof. Dr. Winkler-Freiberg über die Schwefelsäureproduktion des abgelaufenen Jahrhunderts. Der Vortrag fand rauschenden Beifall und gestaltete sich zu einer großen Ovation für den Vortragenden als Erfinder eines neuen, die ganze Schwefelsäureindustrie umwälzenden Kontaktverfahrens. Hamburg, 7. Juni. Die 9. Hauptversammlung des Vereins zur Förderung des Unterrichts in der Mathematik und den Naturwissenschaften in den höheren Lehranstalten nahm folgende Resolution einstimmig an: „Die 9 Hauptversammlung erklärt, daß es eine schwere Schädigung des für die allgemeine Bildungsaufgabe der Schule unentbehrlichen mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichtsssein würde, wenn bei der bevorstehenden Neugestaltung des höheren Schulwesens die ihm zugewicsene, ohnehin sehr knapp bemessene Zeit eine weitere Verkürzung erfahren oder seine Stellung im Lehrplane beeinträchtigen sollte/ Leipzig, 7. Juni Der Kongreß deutscher Neuphilologen sprach sich in einer Reihe wichtiger Beschlüsse für eine größere Förderung französischer und englischer Sprachstudien an den Staatslehranstalten aus. Die Beschlüsse sollen sämtlichen Unterrichts- dergleichen Dinge mehr Sorge getragen hat und auch bestrebt gewesen ist, auf dem Ausstellungsplatze eine vorzügliche Restauration einzurichten. Zehn Jahre deutscher Jugendspielbewegung. Während unsere Kultur durch die großen Fortschritte, die auf dem Gebiete des öffentlichen Lebens, der Wissenschaft, Technik u'nd Gütererzeugung im Laufe des letzten halben Jahrhunderts erzielt worden sind, eine mächtige Entwickelung erfahren hat, sind Körperpflege und Gesundheit weit hinter dem geistigen Ringen der Zeit zurückgeblieben. Die durch die Kultur bedingte Beschäftigungsart entzieht den einzelnen mehr und mehr der Natur; der Aufenthalt ist im wesentlichen das Zimmer, der geschlossene Raum, sei es als Wohnung, Arbeits- oder vielfach auch als Erholungsstätte. Zu dieser Einengung kommt die einseitige Inanspruchnahme der Kräfte, und in Verbindung hiermit für alle sitzenden Berufe eine fast völlige Entwöhnung von körperlicher Anstrengung. So ergiebt sich, meist noch durch Genußsucht vermehrt, ein solch großes Maß gesundheitswidriger Einflüsse, daß es nicht wunder nehmen kann, wenn die physische Entwickelung zurückbleibt, und wenn Lebens- und Arbeitskraft, Wohlsein und Lebensfreude darunter leiden. Wir zehren am Kapital unserer Volkskraft. Lange vorher sind in weiser Voraussicht von den Reformatoren des Erziehungswesens, von Basedow und Gut Muths, und von Bolksfreunden, insbesondere von Friedrich Ludwig Jahn bereits die Heilmittel gegen diese Kulturschäden in der geregelten Pflege der Leibesübungen und in reichlicher Bewegung im Freien erkannt und gefördert: worden, vor allem int Turnen und Spiel. Die geregelte Bewegung bildet für die durch die Kultur hervorgerufene physische Schädigung das notwendige, ja unentbehrliche Korrelat. In der Entwickelung der Leibesübungen war, was die Ausbreitung wie die innere Durchbildung betrifft, das Jugendspiel, welches reichliche Bewegung im Freien mit kräftiger Leibesübung ^verbindet/ zurückgeblieben. Als daher im Jahre 1890 vorn Zentral-Ausschuß für Volks- und Jugendspiele der Ruf ertönte, die Leibesübungen in Schule und Volk mehr ins Freie zu legen, fiel diese Mahnung auf fruchtbaren Boden, und ihre großen Erfolge dürften sich diejenigen, welche in langer und verdienter Arbeit das deutsche Turnen erzielt hat, bereits angemessen zur Seite stellen. Das neunte Jahrbuch für Volks- und Jugendspiele bespricht in mehrfachen Abhandlungen zugleich die seitherige zehnjährige Thätigkeit des Zentral-Ausschusses, und giebt sowohl von den Erfolgen als von dem hocherfreulichen Stande der Bestrebungen Kenntnis, sowie mehrfach auch zahlenmäßige Beläge. Die seit 1890 in allen Teilen des Reiches abgehaltenen zahl- verwaltungen Deutschlands und Oesterreichs unterbreitet werden. — Als Ort der nächsten, 1902 stattfindenden Hauptversammlung wurde Breslau gewählt. ______________ Mteratur. „Ein Sommer in Bad-Nauheim, Gedichte von H. Ploetz", betitelt sich ein soeben int Verlag von L. Wagner, Bad-Nauheim, erschienenes Buch (Preis M. 0,50), das in launiger Weise Bilder aus dem Kurorte und feiner Umgebung, Beobachtungen und Erinnerungen, Klänge aus Geschichte und Sage mit glücklicher Empfindung wiedergiebt. Wegen seines blühenden Humors und seinen sinnigen stimmungsvollen Gaben wird dieses Buch sicher- lich einen großen Freundenkreis finden und ein guter Bekannter werden, der liebe Erinnerungen an unseren schönen heilbringenden Nachbarort in angenehmer Form wachruft. Als fünfter Band des neunten Jahrgangs der Veröffentlichungen des „Vereins der Bücherfreunde", (Ge-< schäftsleitung: Verlagsbuchhandlung Alfred Schall, Hofbuchhändler), Berlin 30, erschien soeben: 'Südafrika. Von Peter Wlast. Entwickelungsgeschichte und Gegenwartsbilder. Mit 31 Bildern nach Original-Photographien. 312 Seiten. Preis geheftet 3.50 Mk. Gerade jetzt, wo das Burenvolk sich um seiner Freiheit willen verblutet, erscheint ein Buch willkommen, das nicht die Litteratur über den Buren krieg selbst vermehrt, sondern dem deutschen Leser Aufschluß über die südafrikanische Lage giebt und jeden in die Lage versetzt, sich selbst ein Urteil über die englische Politik in Südafrika zu bilden, und somit das Verständnis! für südafrikanische Angelegenheiten zu fördern sucht. Deshalb ist dieses Buch zu begrüßen, zumal es zum ersten Male eine umfassende Schilderung Südafrikas von einem Südafrikaner bringt, der, als Deutscher eingeroanbert, Jahre lang in Südafrika lebte, und erst mit dem Ausbruch deH Krieges Transvaal verließ. , -reichen Spielkurse für Lehrer und Lehrerinnen behufs Gewinnung von sachkundigen. Leitern der Jugend-, Volksoder Turnspiele, haben bisher 3736 Lehrer und 1956 Lehrerinnen ausgebildet. Sehr erheblich ist die Zahl der Spielplätze gewachsen. Aus die 1899 an 804 Orte, die mehr als 5000 Einwohner zählen, gerichtete Anfrage haben 615, also 74,6 Prozent, geantwortet; von diesen wird das Spiel in 457 Orten gepflegt; die Zahl ihrer Spielplätze stieg im Jahrzehnt 1890/1900 von 1166 auf 2092, die Spielplatzfläche von 9 einhalb Millionen Hektar auf 18 einhalb. In Aussicht genommen oder in der Ausführung begriffen sind 108 Spielplätze. Da diese Zahlen auf privaten Ermittelungen beruhen, sind sie mutmaßlich in Wirklichkeit größer. Sehr erheblich ist auch die vom Zentral-Ausschuß und von einzelnen Mitgliedern desselben in dieser Zeit veröffentlichte Litte r atur ; sie umfaßt die regelmäßig erschienenen Jahrbücher, den Ratgeber zur Einführung der Spiele, die Anleitung für Wettkämpfe, die einheitlich aufgestellten Spielregeln und eine Reihe von Flugschriften. Hocherfreulich ist auch die Zahl der Städte, die sich dem Zentral-Ausschuß mit Beiträgen, welche nach der Einwohner-Zahl festgestellt sind, angeschlossen haben. Die Bestrebungen des Zentral-Ausschusses und diejenigen seiner einzelnen Mitglieder wollen aber mehr als nur das engere Gebiet der Volks- und Jugendspiele ausbauen; sie haben 'durch ihre Maßnahmen auch das Ziel im Auge, die gesundheitsfördernden Leibesübungen überhaupt zu größerem An sehen, zu höherer Wertung im Volke zu führen. Dahm gehört die Reform der deutschen Volksfeste, als belebendes Mittel für die Leibesübungen selbst, und um diese volkstümlicher zu machen; sodann die schon auf breiter Grundlage aufgenommene Arbeit, die gymnastische Schulerziehung, unbeschadet ihrer allgemeinen Aufgabe, nach den Gesichtspunkten der Wehrkraft auszugestalten, und endlich die Aufgabe, die Leibesübungen in den Dienst der sittlichen Erziehung der Jugend zu stellen. Für die Wehrkraftbestrebungen sind die leitenden Ideen in der Schrift von Dr. Lorenz: „Wehrkraft und Jugenderziehung" niedergelegt; für die sittliche Erziehung in der Schrift von Professor Dr. Koch: „Die Erziehung zum Mute durch Turnen, Spiel und Sport". So können die Bestrebungen des Zentral-Ausschusses, mit voller Befriedigung auf das erste Jahrzehnt ihrer Wirksamkeit zurückblicken. Möchten sie weiter gedeihen/ Und so auch zu ihrem Teile dazu beitragen, für jeden ein^ feinen Gesundheit, Arbeitskraft und Lebensfreude und für die Gesamtheit ein wehrkräftiges Volk zu schaffen, das feine erhöhte Kraft gleichmäßig in den Dienst der Friedensarbeit stellt. v. Scheuckendorff. Deutscher Kriminalisten-Tag. Straßburg, 7. Juni. Die Siebente Landesversammlung der Landesgruppe Deutsches Reich der! internationalen kriminalistischen Vereinigung wurde heute morgen eröffnet. Der Vorsitzende Prof. Dr. v. Mayr-München hob in seiner Begrüßungsrede 'hervor, das Bestreben der Vereinigung, die Kriminal- Politik mit einem Tropfen sozialen Oels zu durchtränken, finde in immer weiteren Kreisen Anklang. Begrüßun'gs- ansprachen hielten der elsaß - lothringische Unterstaatssekretär der Justiz Dr. Petri im Namen der reichsländischen Regierung, der Ministerialrat Schwab-Stuttgart im Namen der württembergischen, Oberlandesgerichtsrat Schlippe im Namen der hessischen Regierung, Beigeordneter v. d. Goltz im Namen der Stadt Straßburg. Prof. Dr. v. Liszt-Berlin machte die Mitteilung, daß die nächste Gesamttagung der Internationalen kriminalistischen Vereinigung 1902 in Petersburg abgehalten werde. Gegenstand der Tagung werde das Thema: „Versuchsfragen und Erfolghaftung bei vorsätzlichen Stras- thaten" sein. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Frage der einheitlichen Regulierung der er ft e n juristischen Prü sun g in den deutschen Bundesstaaten. Das Referat hatte Ministerialrat Stadler-Straßburg, das Korreferat Dr. v. Liszt-Berlin übernommen. Nach mehrstündiger Debatte werden die Leitsätze des Ministerialrats Stadler mit einigen Aenderungen angenommen. Diese Leitsätze lauten wie folgt: 1. Es entspricht einem dringenden Bedürfnisse, die ersten juristischen Prüfungen in sämtlichen Bun d es st a a t en, sei es im Wege der Reichsgesetzgebung, sei es durch Vereinbarung unter den einzelnen Regierungen einheitlich zu gestalten. 2. Für die Einrichtung dieser Prüfung empfehlen sich folgende Hauptgrundsätze: a) Die Prüfung wird vor einer Kornmission abgelegt, die unter einem von der Zentralbehörde des betreffenden Bundesstaates ernannten Vorsitzenden vornehmlich aus Rechtslehrern einer Universität, nach Bedürfnis aber; auch ganz oder teilweise aus höheren Justiz- oder Verwaltungsbeamten gebildet werden kann. Erste Prüfungen finden jährlich; mindestens zweimal statt, b) Die Prüfung ist eine schriftliche und eine mündliche. Die erstere geht der letzteren voraus. 3. Bei der schriftlichen Prüfung, an der die zugelassenen Kandidaten gleichzeitig teilnehmen, werden unter gleichmäßiger Berücksichtigung des Privatrechtes und des öffentlichen Rechtes mindestens sechs Aufgaben gestellt, die möglichst in der Bearbeitung von Rechtsfällen bestehen, die in bestimmter Zeit unter Aufsicht zu erfolgen hat. Als Hilfsmittel sind Gesetzestexte und außerdem noch solche Bücher zugelassen, die dem Kandidaten besonders zur Ver-, sügung gestellt sind. 4. Der dritte Leitsatz Stadlers wird mit einigen Ab- änderungen in nachfolgender Fokin zum Beschluß erhoben: „Es empfiehlt sich«, die Dauer des Universitäts-^ st u d i u m s in den Bundesstaaten allgemein auf min- bestens 3 einhalb Jahre festzusetzen und eine Zwischenprüfung einzuführen. Die Prüfung ist von einer Kommission, welche unter einem von der Zentralbehörde erwählten Vorsitzenden aus Rechtslehrern einer Universität gebildet ist, frühestens nach! Ablauf des dritten Semesters abzulegen und hat sich vornehmlich; auf die römische Rechtsgeschichte und das System des römischen Privatrechtes, sowie auf die deutsche Rechtsgeschichte und die Grundzüge des deutschen Privatrechtes zu erstrecken. Zur ersten juristischen Prüfung ist nur zuzulassen, wer nach^ dem Bestehen der Zwischenprüfung noch mindestens drei Semester dem Studium der Rechtswissenschaft gewidmet hat". 5. Den Gegenstand der mündlichen Prüfung! bilden die Disziplinen des Privatrechjtes und des öffentlichen Rechtes, sowie die Grundlage der Nationalökonomie und der Finanzwissenschaft. Die Dauer eines Prüfungstermins, tzu dem mehrere Kandidaten berufen werden können, ist so zu bemessen, daß auf jeden Kandidaten, mindestens eine Stunde trifft. 6. Im Falle des Nichtbestehens der Prüfung ist der Kandidat nach; dem; Ermessen der Prüfungskommission für die Zeit von sechD Monaten bis zu einem Jahre behufs besferer Vorbereitung zurückzuweisen. ______ Vermischtes. * Ohlau, 7. Juni. Gymnasial-Oberlehrer Anders, Rittmeister der Landwehr beim hiesigen Hnsaren-Regi- ment, stürzte bei einem Uebungsritt vorn Pferde, brach das Genick und war sofort tot. ♦ Der elektrisch beleuchtete Dackel. Nach • der „Postzeitung" hat sich ein edler Waidmann des Bezirkes, Hahnenkamm einen köstlichen Witz geleistet, indem er eirv neues raffiniertes Verfahren zur Jagd auf Füchse erprobte. Der Dachshund, welcher möglichst kleiner Gattung sein soll, wird mit eigens konstruierten elektrischen Glühlichtern, di« in verschiedenen Farben erstrahlen, versehen. So ausgerüstet, läßt man den Hund in den Fuchsbau. Die Wirkuna ist eine geradezu verblüffende. Die ungewöhnliche Erscheinung treibt Meister Reinecke zur sofortigen Flucht, und der Jäger hat nun Obacht zu geben, daß letztere für ihn nicht! allzu rasch bewerkstelligt wird. Der kleine, sinnreiche Leuchtapparat soll patentiert werden. Warum der ge- scheidte Dackel nicht gleich so dressiert wurde, im Fuchsbau auf dessen Bewohner eine elektrische Ladung loszulassen und so den Meister Reinecke statt durch einen unsicheren, Schuß des Jägers auf zeitgemäße, moderne Art selbst zu töten, ist schwer zu entscheiden. Dadurch würde die Geschichte jedenfalls an Glaubwürdigkeit noch viel mehr gewinnen! Aber der elektrisch beleuchtete Dackel ist immerhin eine schöne Leistung! * Ein neues! Kaiserschiff. Speziell für den Kaiser ist, wie miqn dem „Vorw." aus Kiel schreibt, neben der „Hohenzollern" ein anderes Kriegsschiff eingerichtet worden. Es ist dies das neueste Torpedoboot, das den Namen „©(eigner" erhalten hat. Es soll der „Hohenzollern" als Tender attachiert werden, zum An- und Von- bordgehen, für Fahrten auf Flüssen und in engen und flachen, von der „Hohenzollern" nicht zu besuchenden Fjorden an der norwegischen Küste nsw. dienen. Und dieser Aufgabe gemäß ist denn der „Sleigner" eingerichtet. Das Schiff ist, abweichend von den bisherigen Torpedobooten, auf dem Hinterdeck mit einem Pavillon versehen und weiß gestrichen. — Der „Vorw." bezeichnet den Namen des Torpedoboots mit „Slei g ner". Es dürste da ein Druckfehler vorliegen und der Name des Schiffes „Slei p ner" fein. Dieser Name stammt aus der altgermanischen Sagengeschichte. Gott Odin reitet nach nordischem Mythus als Stnrmgott auf dem achtsüßigen Rosse Sleipnir mit dem tiefen Wolkenhute und dem dunkelen Himmelsmantel an« gethan.______ Jagd und Sport. — Gin Bravonrftückchen. Der in den weitesten Kreisen be, kannte und beliebte Herrenreiter Oberleutnant Suermondt erhielt in netfloffener Woche im Wuhlhaide-Jagdrennen zu Berlin-Carlshorst von Graf Potockis Stute „Madame Paquin" einen so heftigen Schlag gegen das Schienbein, daß er sofort abfioppen mußte. Aber die eiserne Kon- stitution des hessischen Dragoners, die in Sportkreisen fast sprichwörtlich geworden ist, kam doch wieder zum Durchbruch, denn im Landsberg- Jagdrennen war Oberleutnant Suermondt von neuem im Sattel. Wiederum erlitt er einen Unfall, der sogar sehr böse aussah, denn er kam am Carlshorster Sprung mit „Kilimandscharo" zu Fall. Diesmal trug er an Schultern und Armen schmerzhafte Kontusionen davon, aber nichtsdestoweniger steuerte er eine halbe Stunde später im PichelSbrrger Jagdrennen den „alten Roll" zum Siege, obgleich er nur einen Arm ungehindert gebrauchen konnte. Das Publikum spendete diesen Bravourstücken lauten Beifall. TOR.IL Bchntemarke. Fleisch - Extract h aus bestem Ochsenfleisohmit löslichem nährende® Fleisch-Eiweiss übertrifft trotz billigeren Preise» ’ 1 \ 4 ane Liebig’schen Extracte an Ntbrkraft und Wohl- ÄfW' >. geschmack und ist in allen besseren Drogen-, Deli- catessen- u. Colonialwaaren-Handlungen zu haben. Bekanntmachung. Die diesjährige GraSerute von Wegen und Schneisen im Gießener Stadtwald soll Dienstag den 12. Juni d. I, vormittags IO1/» Uhr, im Hose bei der Bürgermeisterei, Garteustraße 2, öffentlich versteigert werden. Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Orten werden ersucht, die» in den dortigen Gemeinden bekannt machen zu lasten. Gießen, den 6. Juni 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 4005 Gnauth. Für Landwirte! Die Stadt Gießen läßt Mittwoch den 13. Juni d. I, nachmittags 2 Uhr, folgende Gegenstände in der Hofraite „Zum Pfau", Marburgerstroße 66, öffentlich meistbietend versteigern: 1 großen und 2 kleinere kupferne Kessel, 40 steinerne Krippen (0,80 bis 1,69 m lang), 7 steinerne Tröge (1,86 bis 2,34 m lang). Gießen, am 2. Juni 1900. 3940 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Vor den bevorstehenden Soininerreisen empfehlen wir dringend, Hausmobiliar und Wertgegenstände gegen 2988 Einbruch und Diebstahl b-i b« Aachener und Münchener Feuer-Versicherungs - Gesellschaft zu versichern. Die Bedingungen sind liberal und frei von Härten. Conpon-Policen für Haushaltungen bis zum Werte von Hk. 10,000 Jahresprämie Mk. 5.— „ »0,000 dto. „ 10.— „ 30,000 dto. „ 15.— Prospekte werden auf Wunsch kostenfrei zugesandt. Auskunft erteilt Louis Wittich, Kwxtagkut, Kghllhasstrsßk 27, Me W-Ikenz-sse. Ö: III ji feil In II Olli Prima neue Mjer-jleriiise eingetroffen. 3870 H. F. Nassauer Hekephou 92. Werrenroeg 15. Eier 57, und 5 Pfg. II. Arnold II., _________Marktüratze »8. 3097 Günstige Gelegenheit für Wirte! Franz. Capern prima Ware per Pfd. 1,40 Mk. so lange der Vorrat reicht, empfiehlt Fh. Herrmann, ______Scltersweg 38. 4026 Cigarren. 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