flte» 263 ErRes Blatt Freitag den 9 November 15V. Jahrgang 1900 Keneral-An^eiger Alle Anzeigen-VermittlungSsteLen M In- und AuSlaubr» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeh«. ZcilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Snaahwe von Anzeigen zu der nachmittag« für bee falzenden Lag erscheinenden Nummer bis »orm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten- abend- vorher. Mczngspreis vierteljährl. Ml. 2,28 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestcllm vierteljährl. Ml. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierlcljährt. mit Bestellgeld. -rfcheiul tägNck Ä .ä / ... mit Ausnahme de- W s Gießener Anzeiger Aints- und Anzeigeblcrtt für den ICret« Giefzen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Fchnkstraße Ar. 7. niiiBi^—■ ...... Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Aandwirt, Klütter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Kiest«» Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Heil. Gießen, 6. November. Betr.: T-ie Volkszählung im Jahre 1900. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien der Land- gemeinden des KreiseS und daS Großh. Polizei« Kommissariat Arnsburg. Indem wir nachstehend die Namen der Mitglieder der Zählungs-Kommissionen, als deren Vorsitzender in jeder Gemeinde der Großh. Bürgermeister und in dessen Verhinderung der Großh. Beigeordnete, für Arnsburg der Großh. Polizeikommissar, zu fungieren hat, zur öffentlichen Kenntnis bringen, benachrichtigen wir Sie, daß die von Großh. Ministerium erlassenen „Bestimmungen" in je zwei Exemplaren zum Gebrauch der Zählungskommission und eine entsprechende Zahl von Exemplaren der „Anweisung für die Zähler", um jedem derselben ein solches zustellen zu können. Ihnen k. H. zugehen werden. Die Zählbriefe und Zählkarten werden demnächst rechtzeitig flii Sie versandt werden. Die Teilnahme in der Zählungs-Kommission bildet -ein Ehrenamt, wofür eine Vergütung nicht geleistet tverden darf. Auch die Thätigkeit der Zähler ist eine freiwillige. Wir zweifeln nicht daran, daß Sie aus der Zahl der selbständigen Ortseinwohner die erforderliche Zahl geeigneter und befähigter Personen leichit auswählen können, welche im Hinblick auf die Wichtigkeit des Gegenstandes zur Ueber- uahme des Amtes eines Zählers, bereit sein werden. Bei Auswahl der Zähler wollen Sie mit besonderer Sorgfalt verfahren und nur solche Personen hierzu heranziehen, welche ihren Obliegenheiten (wozu nicht allein die Austeilung und Wiedereinsammlung, sondern auch die Prüfung, ^Berichtigung und Ergänzung der Zählpapiere, sowie event. eine thätige Beihilfe bei Ausfüllung dieser Papiere gehört) vollkommen gewachsen sind. Großh. Ministerium des Innern, Abt. für SchUl- Angelegenheiten, hat genehmigt, daß auch Lehrer als Zähler verwendet werden, und für die nötige Zeit in den betr. Schulen und Schulklassen der Unterricht ausgesetzt wird, wovon Sie den.Schulvorständen und Lehrern unter dem Anfügen Kenntnis geben wollen, wie seitens der Großh. Kreisschulkommission erwartet wird, daß bei dem großen Werte, welcher fiuf ein genaues Resultat der Zählung zu legen ist, die Lehrer sich mit besonderem Eifer an dem Zählungsgeschäft beteiligen werden. Sie wollen nun veranlassen, daß die Zählungs-Kommissionen zusammentreten, sich mit den Bestimmungen genau bekannt machen und zur Bildung der Zählbezirke, wo solche nach § 9 der Bestimmungen erforderlich erscheinen, schreiten, sowie auch die Zähler ernennen. Letzteren ist die Instruktion sofort zu behändigen, damit sie sich mit deren Inhalt vertraut machen können. Sobald Ihnen die erforderlichen Zählformularien zugegangen sein werden, wollen Sie die Kontrollliste gemäß § 15 der „Bestimmungen?" durch Eintrag des Zählers und der genauen Bezeichnung der Zählbezirke vorbereiten und nebst den erforderlichen Formularien zur Abgabe an die Zähler bereit halten. Bei etwaigem weiteren Bedarf an Formularien ist uns berichtliche Vorlage zu machen. Die bei der Volkszählung von 1895 ausgestellten Kon- troUliften, welche wir Ihnen gleichzeitig zusenden, sind den Zählungs-Kommissionen zur sachdienlichen Benutzung zu überlassen. Auch für die bevorstehende Volkszählung ist das Verfahren mit Zählkarten! zu Grunde gelegt, und erstreckt sich! die Ausfertigung der Zählkarten nicht allein auf alle (in der Nacht vom 1. auf 2. Dezember) anwesenden, sondern such auf die vorübergehend abwesenden Personen. Den Zählern ist noch besonders zu empfehlen, bei der Einsammlung der Zählbriefe und Zählkarten darauf zu sehen, daß für jede in der Namenliste (Seite 3 des Zählbriefs) verzeichnete Person eine Zählkarte ausgesüllt ist, daß alle Fragen beantwortet finb,. und daß etwaige Mängel beseitigt werden, wobei darauf zu achten ist, daß die Zählbriefe u'.nd Zählkarten, welche für Personen bestimmt sind, die sich in Gasthöfen oder an anderen Orten nur vorübergehend aufhalten, thunlichst rasch und zuerst einzusammeln sind, damit vorkommende Unvollständigkeiten noch vor der Abreise der betreffenden Personen vom Zähler berichtigt werden können. „ Auch ist zu beachten, daß in den Zusammenstellungen n Lch Muster 3 (Beilage 3 der Bestimmungen) sämtliche einzeln gelegenen Wohnplätze getrennt aufzunehmen sind. Die Zählbriefe und Zählkarten müssen den Zählern vor dem 25. November zugestellt und von diesen zwischen dem 88. und 30. November ausgeteilt werden. Den Zählungs-Kommissionen wird dringend em- p i o h l e n, das Zählungsmaterial einer sorgfältigen, aufalle Einzelheiten sich erstrecken den Prüf- u ng zu unterwerfen und etwa erforderliche Ergänzungen und Berichtigungen sofort gu veranlassen. Nach beendigter Zählung sind dre von den Zählungs-Kommissionen benutzten „Bestimmungen" und die Anweisungen für die Zähler, sowie die Kontrolllisten von 1895 von Ihnen in Verwahrung zu nehmen. Der Einsendung oes gesamten Materials — Zählbriefe und Zählkarten, nach den darauf befindlichen Nuinmern und nach Zählbezirken geordnet, nebst den Kontrolllisten und den unbenutzt gebliebenen Formularen und den nach Beilage 3 der „Bestimmung" (§ 20) aufzustellenden und von den Mitgliedern der Zählungs-Kommissionen zu unterschreibenden Zusammenstellungen sehen wir bis zum 21. Dezember d. I. längstens entgegen. v. Bechtold. B er der Mitglieder der Albach: Bürgermeister Baller, Konrad Balser VII., Philipp Euler. Alleudorf uehmer Gesinnung hinter den humanistisch vorgebildeten Aerzten zurückstehen werden. DaS Niveau der Bildung ist vollkommen gleich und die Gesinnung ist Sache des einzelnen Individuums. Derartige Verunglimpfungen ganzer Kategorien von Menschen können die Sache, der solche Bemühungen dienen sollen, nicht fördern. Aus Stadt und Zand. Gießen, 8. November 1900. LU. Von der Universität. Die Zahl der bisherigen Neueinschreibungen läßt erwarten, daß die Besuchs- ziffer des laufenden Wintersemesters nur wenig hinter der des Sommers Zurückbleiben, jedenfalls aber die des letzten Winters nicht unerheblich übersteigen werde. *• Das Regtentngsblatt Beilage Nr. 26, vom 5. November enthält: 1. eine Bekanntmachung, den Holzpreistarif für die Größh. Domanialwaldungen pro Wirtschaftsjahr 1900/1901, Rechnungsjahr 1901/1902 betreffend. — 2. eine Bekanntmachung, die Bestätigung von Schenkungen und Vermächtnissen betreffend. — 3. eine Bekanntmachung, die Errichtung eines Freiherrlich von Nordeck zur Rabenau- scheu Familienfideikommisses des Appenbörner Hauses betreffend. — 4. eine Bekanntmachung, die Neuwahlen von Beisitzern für die Unfallschiedsgerichte betreffend. — 5. Or- denSverleihungeu. — 6. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen ftemder Orden. — 7. Namensveränderungen. — 8. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. — 9. Dienstnach- richten. — 10. Ruhestandsversetzungen. — 11. Konkurrenz, eröffnungen. Der erste Kammermusik-Abend am Freitag in der Aula bringt — so schreibt man uns — neben herrlichen Kammermusikwerken eine Anzahl der v»rnehmsten Lieder aus dem Schatze der GesangSlitteratnr. Interessieren schon die ßvber allein, so trifft das in höherem Maße bei der Sängerin zu, hat sich doch die junge Künstlerin, um uns etwas deplaciert auSzudrücken, in Gießen ihre Sporen geholt. Auf einem bescheidenen musikalischen Abend int Kron- bauer-Luartett hat sie den ersten großen Erfolg zu verzeichnen der sie sofort für den vornehme» Kreis des Konzert- BereinS zünftig machte. Und daran schloffen sich dann Erfolg in Erfolg, so daß sich heute Fräulein Carola Huber zu den gesuchtesten und viel beschästigsten Konzert- sängerineu zählen darf. Daustadt, 7. November. Die Großherzogin begab sich gestn abend mit der Großfürstin Helena von Rußlad zur Weltausstellung nach Paris, um dort mit dem Eoßherzog zusammenzutreffen. Prinzessin Elis ab h reiste zum Besuch der Herzogin-Witwe nach Koburg. fc. Bubach a. M., 7. November. Der Vizepräsident der hiesi, Handelskammer, Kommerzienrat Gustav Böhm, ist gesternittag plötzlich an einem Schlaganfall gestorben. Der 73 hre alte Herr war gerade an seinem Schreibtisch besaigt, als ihn >her Tod ereilte. Opprim, 5. November. Mit längerem Schreiben teilte Langsabg. Dr. Schroeder in Darmstadt dem «ucgrrmerSchmidt hiev die schon bekannt gegebene Nie- derlegu seines Mandats mit: Er sagt darin u. a. . Die hge Zeit und die Zeitumstände sind wesentlich andere, als vor yahnn. Damals war die Nation und damit auch das yessifche Volon Dank und Freude erfüllt für und über das endlich ^rungene, jnte Deutsche Reich. Der lebendige, sieghafte nationale Gedanke fpee an zu hingebendem, opferbereitem Thun auf den ver- Medensten bieten des öffentlichen und des ganzen geistigen Lebens, «ewe dagegverdrängt die Vertretung scharfer, öfter ein- l JU8eMitereffenpolitif, wie die schroffe Hervorkehrung 10116 W“f*8 die Frage nach dem Gemeinwohl und seiner fa.Tr, er^tiflun8- Die vorurteilslose Förderung der Gesamtheit to»» nÜ'- J”le sozialpolitischer Beziehung läßt nicht selten zu wün- Spörri* in bet -weiten hessischen Ständekammer macht sich T < geltend, und gar manches leidet unter diesem Banne. Prozeß Sternberg. \ Berlin, 6. November. möolirsrst bittet die Vertreter der Presse, sich der^Verhandlm ^^^^rstattung über den Gang ru rSn h A zu beschranken und nicht dem Urteil vor- herauf toirh V ^Mh°s zu fällen haben werde. - gKp erL^rf nochmals hervorgerufen. X das erste Mal als auch etzt «e iÄ ULMlen die Dinge so erzählt habe, wie verend aen ^T-^ Die medizinischen Sach- aeuflin XDr. Puppe richten an die - -ta9en' dre sich auf den Charakter und »ie Glaubwü^'Mcher Frieda Woyda beziehen. v4ail^n Reihe von Kreuz- und Quer- ftage. der Verteidig tritt Zeuge Blümke nochmals vo, um mitzuteilen, ^err Stierstädter habe ihm einmal .^gesagt, er bewache aVch srbon seit längerer Zeit Herrn Justizrat V Sello. Darauf habe Stier- Aädter noch eine schweV Beleidigung gegen Dr. Sello yinzugefügt. Zeuge StiVrstädter wird nochmals vor gerufen. Nachdem er vo> dem Vorsitzenden auf sein Zeügnisverweigerungsrecht^aufmerksam gemacht worden, erklärt er, sein Zeugnis zu verweigern. Rechtsanwalt Dr. Werthauer fragt den Zeugen Stierstädter, ob es wahr sei, daß er seinerzeit wegen Gehorsamsverweigerung vom Militär entlassen worden sei. Zeuge Stierstädter bestreitet dies ganz entschieden unter Hinweis aus seine Militärpapiere. R.-A Dr. Werthauer beantragt infolge- dejsen die Vorladung des ObertelegraphenaWtenten Hermann Schulz. Zeuge Stierstädter erklärt rnis weiteres Befragen in erregtem Tone, daß dieser Schulz seinerzeit sein Feldwebel gewesen sei. Er habe mit diesem außer- : dienstlich einmal einen heftigen Wortwechsel gehabt und sein Hauptmann habe ihm geraten, nicht mehr zu kapitulieren. Es folgt die Vernehmung von Robert Huth, 4 des früheren Vormundes der Frieda Woyda. Der Zeuge giebt an, daß er am 4. April d. I. zuerst, mit dem Kinde in Verbindung getreten sei, als die Beerdigung der Frau Woyda stattfand und' die Ander verwaist waren. Er sei der Onkel der Woyda'schen Kinder. Das Kind habe ihm und seiner Ehefrau viel Aerger bereitet. Schließlich hätten sie es nicht mehr aushalten können und die Frieda, die eine Monatsrente von 21 Mark bezog, im Waisenhause zu Rixdorf untergebracht. Hier seien bald so viele Klagen von dem Kinde laut geworden, daß der Zeuae sie anderweitig habe unterbringen müssen. Er habe diesmal den Weg der Zeitungsannonce gewählt. Unter den sich Meldenden habe ihm ein Fräulein Fischer am besten gefallen. Bevor es zu einem definitiven Abschluß Tarn, habe er die Fischer in deren Wohnung besucht. Dabei habe er gesehen, daß die Fischer Masseuse sei. Dies habe ihn stutzig gemacht. Er habe es für angezeigt gehalten, bei den Hausbewohnern (Äkundigungen einzuziehen, die gleichmäßig gut ausfielen. Auch in dem zuständigen Polizeibureau habe man ihm erklärt, daß das Blatt der Fischer weiß sei und nun habe der Zeuge keine Bedenken mehr gehabt, ihr das Kind anzuvertrguen. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt der Zeuge Huth noch, er halte Frieda Woyda für so verstockt, daß, wenn ihr heute etwas eingeprägt worden ist, sie lieber ihr Leben lassen möchte, ehe sie es zurücknimmt. Es sei doch erwiesen, daß sie den Angeklagten durch ihre erste Aussage unglücklich gemacht habe und nun .... Präsident: Welck)e Aussage halten Sie denn nun für die richtige, die vorige oder die heutige? Zeuge: Darüber kann ich mir kein Urteil erlauben. Staatsanwalt Brant: Jcb habe einen anonymen Brief erhalten, toonadji eine Handelsfrau Adeline Mohr bekunden könne, daß Frieda Woyda bestochen worden sei. Ich habe es für meine Pflicht gehalten, die Sache aufzuklären. Tie Mohr ist zur Stelle und ich beantrage, sie zu vernehmen. R.-A. Tr. Werthauer: Die Verteidigung schließt sich mit Vergnügen allen Anträgen,. die auf angebliche Bestechungsversuche Bezug haben' an, denn es kann ihr nur lieb sein, wenn jedesmal festgestellt wird, daß an all dem Gerede nichts ist. Frau Adeline Mohr, eine 53jährige Frau, mit einem großen Korb am Arm, wird aufgerufen. Die Zeugin erklärt, daß Frieda Woyda nach ihrer Meinung jenes Mädchen nicht sei. Justizrat D-r. Sello hält es doch für notwendig, zu versuchen, das Mädchen, um das es sich wirklich handelt, zu ermitteln. R-A. Dr. Werthauer glaubt bemerkt zu haben, daß die ganze Ausdrucksweise in dem anonymen Briefe derjenigen des Schutzmanns Stierstädter ähnlich sehe. Die nächste Zeugin ist Frau Huth: Sie schildert die Frieda Woyda als ein ungehorsames, verstocktes, verlogenes Mädchen, das sie einmal mit einer gänzlich von ihr erfundenen schmutzigen Geschichte sehr gekränkt habe. Auf Befragen des Tr. Stürmer erklärt Frau Huth, daß Frieda Woyda immer ein recht gutes Gedächtnis und eine geschickte Darstellungsgabe hatte. Das Mädchen hat als Kind an der englischen Krankheit und an Nasen- diphtheritis gelitten. Frieda Woyda wird abermals vorgerusen, um zu erklären, wieso ihr gutes Gedächtnis jetzt plötzlich versage und wieso sie zu den Unwahrheiten über ihre Tante gekommen sei. Sie wird dabei plötzlich wieder sehr schüchtern und erklärt mit leiser zögernder Stimme: Ich weiß es nicht. Präsident: Wenn es sich um Deine Person handelt, wirst Du immer mit einemmale sehr kleinlaut und schüchtern, und wo es Dir nicht ließt, oa kommst Tu mit Deineni: Ich weiß nicht. Ich begnüge mich jetzt nicht mehr damit, sondern wünsche die Wahrheit zu hören. Trotz den sorgfältigsten Bemühungen des Vorsitzenden ist aus dem Mädchen nichts herauszubringen, wie es zu den Verleumdungen über ihre Tante gekommen ist. Auf die Frage, ob sie die Sache geträumt oder vielleicht ausgedacht hat, erklärt die Zeugin unter Thränen: Ich weiß nicht. R.-A Dr. Werthauer: Vielleicht wird die Frieda Woyda danach gefragt, ob sie sich vielleicht auch die ganze Sternberg'sche Sache ausgedacht hat und nur blos fälschlich erzählt, daß ihr dies von Herrn Stierstädter eingeblasen sei. Die Zeugin erklärt weinend, Herr Stierstädter habe es gesagt. Nunmehr wird Polizeidirektor v. Meers cheidt- Hüllessem als Zeuge aufgerufen. Präsident: Es ist hier die Behauptung aufgestellt, daß Sie dem Kriminal-Schutzmann Stierstädter untersagt haben, in der Sternberg'schen Sache noch thätig zu sein. Zeuge: Tas ist nicht so richtig. Als ick> das zu Stierstädter sagte, war dies zu einer Zeit, als er gar nicht mehr in dem Tecernat war und nicht mehr unter Herrn v. Tresckow stand, also gar nichts mehr mit der Sache Sternberg zu thun hatte. Staatsauwalt: Wer hat veranlaßt, daß Stierstädter aus dem Tecernat herauskam? Zeuge: Ich Es geschah im Einverständnis mit dem AbteilunZs- decernenten. Herr v. Tresckow erhielt sein neues Tecernat, aber der Prozeß Sternberg ging mit Herrn v. Tresckow dorthin über. Präs.: Herr Stierstädter sagt. Sie hätten ihn kommen lassen und ihm gesagt, er solle sich nicht unterstehen, noch etwas in der Sternvergychen Sache zu thun. Zeuge: Oh, das war ja viel später. Präs.: Welche spezielle Veranlassung lag dazu vor? Zeuge: Wie gesagt, hatte er mit der Sternberg'sck)en Sache nichts mehr zu thun, es sei denn, daß Herr v. Tresckow ihn zu Recherchen haben wollte. Ich erfuhr aber durch die Mitteilung eines mir unbekannten Mannes, der sich als Maler Normann unterzeichnete, daß er doch wiederholt noch bei Blümke's gewesen sei und dies hielt ich Stierstädter vor. Präs.: Das thaten Sie blos auf die Mitteilung eines Ihnen bis dahin unbekannten Der Die »ft ^»2 tiütt dünkt «erfolge,® Gießei Mannes? Zeuge: Es war zu einer Zeit, akS meine-? Frau sehr krank darniederlag und ich in einer steten Gemütsdepression mich befand. Da ließ ich mir ©Her- städter kommen und sagte ihm: Ich verbitte mir solche eigenmächtigen Recherchen über den Kopf des Kriminalkommissars hinweg. Er antwortete, daß er auf Anordnung des Staatsanwalts Romen die Recherche» bei Blümke's anstelle. Er hatte schon vor dem erste» Urteil im Sternberg-Prozeß einmal auf eigene Faust unter Umgehung des Kommissars etwas unternommen. Präs.: Haben Sie seit längerer Zeit Beziehungen $um Angekl Sternberg gehabt? Zeuge: Ja, seit 13 Jahren. Präs.: Wie lange war Ihnen bekannt, daß die Kriminalpolizei mit Dingen sich zu beschäftigen hatte, bei welche» der Name Sternberg eine Rolle spielt? Zeuge: Mir war bekannt, daß seit 1893 Anzeigen gegen Sternberg vorliegen. Angekl. Sternberg: Ihnen war aber auch | bekannt, daß ich freigesprochen worden bin? Zeuge: Ge wiß. Ich hatte etwa im Jahre 1893 meinen Verkehr mit Sternberg unterbrochen, und ihn etwa int Jahre 1896 wieder ausgenommen. Präs.: Haben Sie auch Familienverkehr gehabt? Zeuge: Ja, mit meiner Frau und meinen Töchtern. Das war aber vor dem ersten Prozeß. Präs.: Hatten Sie auch Geldbeziehungen zu Herrn Sternberg? Zeuge: Ja. Als ich nach dreijähriger Pause Herrn Sternberg im Jahre 1896 wieder traf, fragte er mich nach allem Möglichen, auch nach der Villa, die ich in Brieg auf Rügen besaß. Ich war 1892 mit Herrn Sternberg in Binz gewesen. Er hatte sich Binz angesehen, um event. dem Fürsten Puttbus dazu zu verhelfen, daß er das Bad zurückkaufen könne. Es kam aber nicht dazu. Ich hatte bei dieser Gelegenheit eine seitwärts in bet Einöde belegenes schönes Terrain gesehen. Das erwarb ich vom Fürsten Wit eigenem Gelde. Es war ein Morgen groß und der Kaufpreis betrug nur 400 Mark. Ich hatte das Grundstück in der Absicht gekauft, um ein kleines Haus für mich und höchstens noch eine befreundete Familie zu bauen. Tas Haus sollte sehr billig werden. Es war aber über den ursprünglichen Plan weit hinaus gegangen worden und die Mittel, die ich mir verschafft hatte, waren eigentlich schon durch den Rohbau aufgezehrt gewesen. Ta sagte mir Sternberg, daß, wenn ick etwas Mittel brauchte, er gern erbötig wäre, mir Geld vorzuschießen. Er gab mir 2000 Mark gegen einen Schuld- schein zu 4 Prozent Zinsen. Die Summe sollte, von 1897 angefangen, in halbjährlichen Raten zurückgezahlt werden. — Präsident: Als die Sache Fournacon auf der Bild fläche erschien, war die Schuld noch nicht abgezahlt? Zeuge: Nein, aber ich, habe mir da sofort das Geld anderweitig beschafft und an Sternberg zurückgezahlt. Präs.: Hatten ©ie auch eine Hypothek von Sternberg? Zeuge: Ja. Ich erhielt von der Häuser- und Grundbesitz- Aktiengesellschaft, zu der Herr Sternberg in Beziehungen stand, eine Amortisations-Hypothek an erster Stelle. Dahinter kamen 3000 Md 4000 Mark und eine Grund schuld von 18 000 Mark. Die Hypothek war im Jahre 1892 ausgenommen und von da an amortisiert worden. Im September vorigen Jahres wollte ich das Grundstück, aus welchem Sch leider ein Logierhaus hatte machen .müssen, verkaufen. Ta wollte ich die Hypothek in eine feste Hypothek verwandeln und das amortisierte Geld heraus- haben. Ich sprach mit Sternberg. Er war damit einverstanden, daß die Hypothek auf seinen Namen umgeschrieben würde. Ich bekam die Amortisationsquote heraus, nachdem noch die kleine Summe, die er mir zu Anschaffungen voraestreckt hatte, abgezogen worden war. Das Haus habe ich im Oktober v. I. an den Bahnhofspächter Rost in Puttbus, der Herrn Sternberg überhaupt nicht kennt, verkauft. Tie Hv' vthek ist übergegangen auf die Breslauer Diskontobank, die sie bezahlt hat. Präs. : Sie sind also seit dem Oktober v. I. aus der ganzen Sache heraus? Zeuge: Jawohl. Präs.: Haben Sierrgenv welche größeren Geschenke von Sternberg frommen Zeuge: Nein. Zur Einrichtung der Villa hafte er mir mal ein paar Bettstellen, einen Schirank und einen ^.iscy Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt Zeuge v. Tresckow: Als Herr Sternberg eingeliefert werden solte, machte er Herrn v. Hüllessem Mitteilung^ Er horte von ihm, daß er mit der Familie bekamit war, hatte abei von pekuniären Beziehungen keine Kenntnis. Tas terefie welches Herr v. Hülle em cm der Sache hatte, war wolst etti rekn rnenMiches. Auf weitere Fragen des Präsidenten erklärt o. Tresckow es fei einm Er«, rrjktt Ze rozyn. er foI Ä Gegen WM mrer Dienstmac rochier der T Dabei hat du gesagt, -qre bauer sagt, daß Lewy jd ßiegenwart l gejagt: Wart diesem Punkt Aie doch me Kriminai Angeklagten Ahm ivaren b tr hatte sich \ vollen. Masl schein konnte Auf eine Fra, zeführt tourbf größten Sorgst Lewy'schcn Kell tzaß kein Nage «n den Kellers« des Liaalsam ihm von dem Miragen W ßroci hatten hinten dran, mutzte die t lkvmmissar l es sich gar fanbeite. F W gescheh ringste belaß lehrer M e y »eiche Bluts ^rann bestr , De Bem Mtn durch Aeje bestätig Nach i i «icht zu tza- reiner weiter Zuden groß Moment für Beuge 8l "ach bem 19. AnMche, bann quc -eschen habe, b ^kommen und l a#bieb[tah[ c schert hätten' W tann selbst «lernet äusfa W bodj ton, Aen. Am 2 ftteinec Zyatet, die, M leHt dn Mm Namen um- E^atmsquote her^ mine, die er init js gezogen worden war 3. an den WW 1 Sternberg überhaB ist übergeganM f« -,*e e«l SjS»’ " er mit « W^e« T>B pn! °mer , ich $M» meiie ÄÄ*fc -AK- 'Me„ Ä!°rd. G- vor &K« Sä* ZÄÄL Il’Äbe^ J'" bin? ZMge T . Ä. >zahre 10a* ten tn6meillt« tc? ®roif6. Prä, GLÄ ” mut an.' \& ^uz angesehen SU verhelfen.'laß kam aber nicht dazu, ne seitwärts in bet jegen. Das erwarb ® war ein Morgen 400 Mark. Ich haße W- um ein kleine eine befreundete Fa- W billig werden, n Plan weit t)inai& ie ich mir verschafft \ 'den Aohdau auf- *9, dah, wenn ich >öüg wäre, mir Geld gegen einen Schuld« mtme sollte, bon 1897 i zurüchezahlt Werben wcon auf der Bild- >ch nicht abyyityt9 da sofort das W rnderg zuruckgeMi । >the! von Steckers iser- und Grundbesip- nberg in ÄeMMen >f an erfter LteUe d iinb eine Grund chek w im. Jahre amortisiert worden ich das Grundstück. ;atte machen Mssm, )tbet in eine sch tisierte Ad heran- tzr war damit ein iret Zeuge v. Tm S werben (»«'■ g. 6r Dörte w ttvar, Da®* ° *yw, d. <;** den J°Se«e< s‘cA»' ,ur e "°b »°S kr-s-kLnivd- ö« einSe„ Ärs n Mcken 1 l(tf. mfer^e" l $ -M »'sK sK'S u«ti ;otfl ■ fff Baß sich ix den Personalakten Stierstädters eine ve- ^chwerde deS Direktors v. Hüllessem befindet, weil Stier- Aädter trotz seiner geringen Erfahrung 'eigenmächtige äd.’titte in dienstlichen Angelegenheiten thue. Der Gerichtshof lehnt sodann den Antrag der Verteidigung, noch weitere Zeugen in Betreff des Vorlebens Mierstädters laden zu lassen, ab, beschließt dagegen die Vernehmung des Abteilungs-Chefs Reg.-Rat D i e t e r i c i. Dieser soll morgen vernommen werden. Darauf wird die «Ätzung um 5 eirchalb Uhr bis Mittwoch vorm. 9 ein- tzalb Uhr vertagt. ♦ e • Die ministerielle offiziöse .Brrl. Korr/ schreibt: Nach dem Krgebniffe der gestrigen gertchtl Len Vernehmung deS Polizei« dtrektorS v. Meerscheidt-HüHeffem im Sternberg'schen Peoz.sse ist dem genannten Beamten sogleich die weitere Ausübung dieust« licher Kuuktioueu untersagt worden. Der Prozeß Masloff in Kouitz. Elfter Verhandlungstag. Könitz, 7. November. Erster Zeuge ist Wierschewsky aus Abbau Kona- eozyn. Er kam am 11. März in der Dämmerstunde nach Haufe. Gegen 5 Uhr war er vom Abbau fortgegangen. Damals waren die Lindenstrauß'schen Eheleute schon fort. Dienstmädchen Ko Wale c hat am 11. März der Tochter der Frau Lindenstrauß nach 7 Uhr Milch gegeben. Dabei hat die Tochter aus eine Frage der Frau Koernig gesagt, ihre IQutteT sei nicht zu Hause. — Zeuge Mei- bauer sagt, daß ihm seinerzeit Frau Roß erzählt habe, daß Lewy fdie Treppe heraufgekommen sei. In seiner Gegenwart habe der Untersuchungsrichter Zimmermann gejagt: Warten Sie, Frau Roß, wenn ich Sie auch in diesem Punkte nicht fassen kann, in anderen Punkten sind Wie doch meineidig. Kriminalinspektor Braun hat am 15. Mai mit dem Angeklagten Masloff einen Lokalaugenschein abgehalten. Ihm waren die Angaben Maslofss auffällig gewesen, und er hatte sich persönlich von dem Sachverhalt überzeugen wollen. Masloff konnte nichts sehen, auch beim Lampen- ßchein konnte er die Personen nicht genau erkennen. — Auf eine Frage des Präsidenten, wie die Haussuchungen geführt wurden, erklärt Zeuge Braun, daß sie mit der größten Sorgfalt vorgenommen wurden. Der Zustand des Lewy'schen Kellers wäre derartig, die Spinnweben so dicht, Naß kein Nagel und kein Brett, also auch kein Vorhang an den Kellerfenstern gewesen sein könnte. Auf Befragen des Staatsanwalts erzählt Zeuge Braun, daß Masloff »hm von dem Paket berichtet habe, das die drei Männer getragen hätten. Dieses Paket sei sehr schwer gewesen. Zwei hätten an den Zipfeln angefaßt und der dritte trug Hinten dran. Nach Wx Ansicht des Inspektors Braun mußte die Umgebung des Sees wohl der Thatort sein. Kommissar Braun ist auch heute noch der Meinung, daß es sich gar nicht nm Mord, sondern um Totschlag handelte. Für die Auffassung, daß der Mord in der Synagoge geschehen sein könnte, har der Zeuge nicht das geringste belastende Moment gefunden. Geschworen er Oberlehrer Meyer fragt, ob in dem Keller von Lewy irgend welche Blutspuren gefunden worden sind. Kommissar Braun bestreitet das entschieden. Die Vernehmung des Zeugen Braun wird jetzt unterbrochen durch die Vernehmung der kranken Frau Kirin. Diese bestätigt die Aussage des Dienstmädchens Kowalek: Nach 7 Uhr waren Hie Lindenstrauß'schen Eheleute noch nicht zu Hause. Kriminalinspektor Braun erklärt bei feiner weiteren Vernehmung, er sei unter den schlimmsten Juden groß geworden, hätte aber niemals das geringste Moment für einen Ritualmord kennen gelernt. Zeuge Aschke hat von Masloff schon einige Tage nach dem 19. März gehört, daß er im Lewy'schen Keller einen Lichtschein gesehen hätte und auch rumoren gehört habe, Hann auch^ daß er an der Hinterstraße drei Männer gesehen habe, die etwas trugen. Später sei Kubi zu ihm gekommen und habe erzählt, daß Masloff bereits von dem Fleischdiebstahl gesprochen habe, wobei die Herren ihm zugesichert hätten, daß er straflos bleiben würde. Zeuge ?at dann selbst den Masloff gesprochen, und dieser blieb bei seiner Aussage. Er hat seine Arbeiter über Masloff gefragt, doch konnte ihm keiner etwas schlechtes nachsagen. Polizeikommissar Krischt wiederholt seine früheren Aussagen. Am 24. März hat Masloff ihm nur sehr wenig gesagt, zu keiner Zeit aber etwas von den drei Leuten mit dem Paket, die nach, der Spüle gingen. Zeuge hat den Masloff sehr eingehend ausgefragt, aber nicht mehr von ihm erfahren. Die anderen Angeklagten bat er nicht vernommen. Der Staatsanwalt weist darauf hin, daß Masloff nicht nur bei dieser, sondern auch bei der eid- lidjen Vernehmung vom 2. Mai die Unwahrheit gesagt habe. Aeußerst merkwürdig sei es, daß Direktor Aschke von allen diesen Dingen den Behörden, die so eifrig nach dem Mörder suchten, keine Mitteilung gemacht hat. Amtsrichter P a n k a u Win, dann als Zeuge vernommen. Er hat auf Grund der Anzeige des Herrn Hoffrichter den Masloff am 2. Mai eidlich vernommen. Er hat ihn sehr eindringlich verwarnt und bei seiner Fragestellung wieder holt darauf hingewiesen, daß Masloff die volle Wahrheit sagen müsse. Bei seiner Vernehmung hat ihm Masloff damals angegeben, er habe in der Nähe des Lewy'schen Hauses nur eine Viertelstunde gelegen, dann sei er nach Hause gegangen, wo er etwa um 11 Uhr angekommen sei. Masloff hat damals auch ausdrücklich bestritten, Gewimmer gehört zu haben. Er hat dann auch den Schlosser Berg wegen des Kohlendiebstahls vernommen. Dieser hat dabei gesagt: Ich bin es nicht gewejen, aber meinem Schwager Masloff bleibt manchmal etwa-, an den Fingern kleben. Polizeikommissar Block: Am 18. April hat Frau Roß ihnr erzählt, daß der Knecht am Osterfeiertage bei ihr gewesen sei und ihr die bekannte Geschichte erzählt habe. Anderen Zeugen ha-t die Angeklagte Roß die Geschichte von dem Knechte schon am 5. und 7. April, also vor Ostern, erzählt. Frau Roß wurde weiter am 26. April vorgeladen, weil sie ein mit E. W. gezeichnetes Taschentuch gefunden haben wollte. Zeuge ist dann sofort zu Lewy gegangen, wo ihm Frau Lewy bereitwilligst die Wäsche, die noch auf zwei Stühlen zusammenlag, herausgab. Es fehlten zuerst einige Taschentücher, aber Frau Lewy übergab ihm sofort die fehlenden vier oder fünf, sodaß der Waschzettel stimmte. Frau Roß behauptete, daß das Taschentuch mit E. W. gezeichnet fehle. Trotz der genauesten 'Durchsuchung fand sich aber nichts vor. Angeklagte Frau Roß weiß nichts zu erwidern, als: „Es ist kein wahres Wort an dem, was der Kommissar sagt." (Bewegung im Zuschauerraum.) Kommissar Block erinnert sich aber dieses Vorfalles ganz genau. Als nächste Zeugen erscheinen der Pfarrer und der Organist aus Konarczyn. Beide teilen mit, daß Oberlehrer Hofrichter umd Rechtsanwalt Hahn aus Charlottenburg am 4. April bei ihnen gewesen sind, um sie auszufragen. Polizeisergeant Jaschewsky sagt aus, daß er im März mit Masloff gesprochen habe. Dieser hat ihm alles erzählt, was er gewußt hat. Bis halb 12 habe er mit Berg Karten gespielt, dann sei er die Danziger Straße entlang gegangen, habe im Keller das Licht gesehen, sei um die Ecke gegangen und dort habe er durch die Spalte gesehen, wo er einen Mann mit einem schwarzen Anzug und Cylinder beobachtet hat. Nachdem er eine Zeit lang dort gelegen hatte, sei er aber nach Haus gegangen. Arbeiter Ullrich hat bald nach dem Morde mitMas- losf gesprochen, und dieser Hai ihm erzählt, daß er im Lewy'schen Keller ein Geräusch gehört habe. Zeuge ist banh mit Masloff und Jaschowaky nach der Mauerstraße hingegangen, und dort hat ihnen Masloff gezeigt, wie er durch die Thürritze gesehen hat. Landrichter Zimmermann vernahm den Masloff zuerst am 8. Juni, wobei er ihn ruhig nach seinem Gefallen erzählen ließ. Masloff sagte aus, daß er sich mit der Absicht, Fleisch zu stehlen, bei Lewy eingeschlichen hatte. Das Protokoll dieser Aussage wird verlesen und der Präsident stellt die einzelnen Widerspräche fest. Unlöslich bleibt der Widerchruch, wann Masloff seine Wahrnehmungen zu Hause resp. der Frau Roß erzählt hat. Er behauptet, am 12. März, Frau Roß am 26. April, Frau Masloff am 14. oder 15. März. Landrichter Zimmermann hat am 8. Juni auch noch die Frau Masloff vernommen. Das Protokoll über diese Vernehmung wird verlesen. Auch hierbei ergeben sich wieder unlösliche Widersprüche zwischen den einzelnen Aussagen. Alsdann wird das Protokoll über die Vernehmung der Frau Berg vom 11. Juni verlesen. Frau Berg hat auf den Zeugen den sichersten Eindruck gemacht. Der Staatsanwalt fragt, ob Kommissar Wehn auch andere Spuren verfolgt habe, die sich gegen Juden richten, insbesondere auch die durch die Aussage von Prinz gegebene Spur. Kommissar Wehn antwortet, daß eingehende Ermittelungen nur ergeben hätten, daß der «Schächter Hamburger am Tage nach dem Morde in Könitz war. Dieser hat sich aber in harmlosester Weise in Könitz bewegt. Mit größter Sorgfalt hat man alles geprüft, aber nichts belastendes gefunden. Auch in der ganzen Umgegend sind die genauesten Ermittelungen angestellt worden, und jede fitytur ist aui da» jorgfälttgste geprüft worden. Universität und Hochschule. Marburg, 7. November. Der Besuch unserer Universität hat sich In diesem Wmlersrmester »bemale gehoben. Wie wir hören, beziffert sich nach den vorläufigen Feststellungen jetzt nach dem Abschluß der Immatrikulation die Zahl der Studierenden auf 1074. Im vorige" Wntersemester zählte unsere Universität 1030, im Wintersemester 1898/99 J1019 Studenten. — Aus Heidelberg wird geschrieben: In der philosophischen Fakultät der hiesigen Hochschule wird eine etatsmäßige außerordentliche Professur für neufranzösische Sprache und Litteratur errichtet und dem Prioatdozenten und Lektor der romanischen Philologie Dr. F. E. Schnee - gans als Ersatz für die ausgeschlagene Berufung nach Erlangen übertragen werden.— Zum Direktor der Universitäts- und Landesbibliothek in Straßburg ist der dortige Oberbibliothekar und Honorarprofeffor Dr. Julius Euting ernannt worden. — Aus Straßburg meldet die „Straßb. Post- vom 6. ds. M.: Gestern haben die ersten Studentinnen der hiesigen medizinischen Fakultät, Frl. Hirsch aus Frankfurt undFrl. Philippson aus Bonn, die ärztliche Vorprüfung, das fogen.tontanem phyeicum, mit Erfolg bestanden. Die beiden Prüflinge waren durchweg sehr gut beschlagen und gaben den Beweis fleißigen Studiums. Die beiden nunmehrigen Cond. med. haben ihre Maturitätsprüfung, welche zum Universitätsstudium berechtigt, in Zürich absolviert._________ Kunst und Missenschast. — AuS Darmstadt wird geschrieben: Die früher an unserer Hofbühne lange thättg gewesene Sävgerm Emma Jungk, jetzt in Kassel, hat sich mit dem Sohne des Geh. StaatSrats und Präsidenten des hessischen Verwaltungs-Gerichtshofs, Leutnant v. Knorr hier vermählt. Handel und Verkehr. Uolkswirtschast. Märkte. r. Limburg cu d. Lahn, 7.- November. Fruchtmark!. (DurchschntttsvretS pro Malter.) Roter Weizen, Mk. 12.67, weißer Weizen Mk. 00.00, Korn Mk. 11.17, Saatkorn Mk. 00.00, Gerste Mk. 8.50, Hafer, alter, Mk. 8 10, neuer Hafer 6.07 Mk. KriefKasten der Redaktion. D. Nach dem Hypothekengesetz vom 13. Juli 1899 ist bei jeder Hypothekenbank ein Treuhänder und ein Stellvertreter durch die Aufsichtsbehörde nach Anhörung der Bank zu bestellen. Die Funktionen der Treuhänder bestehen darin, daß fte darauf zu achten haben, daß die vorgeschriebene Deckung der Pfandbriefe vorhanden ist; denn gesetzlich muß der Betrag der umlaufenden Pfandbriefe durch Hypotheken von gleicher Höhe mit gleichem Zinserträge gedeckt sein. Ferner hat der Treuhänder darüber zu wachen, daß die Hypotheken und Wertpapiere, die zur Deckung der Pfandbriefe bestimmt sind, in das Register eingetragen werden, bai die Bank zu führen hat, und von dem sie halbjährlich der Aufsichtsbehörde eine beglaubigte Abschrift einzureichen hat. Die Urkunden der int Register eingetragenen Hypotheken und Wertpapiere verwahrt der Treuhänder unter dem Mitverschluß der Bank; so darf er auch die Pfandbriefe und die im Register eingetragenen Bücher und Schriften einsehen. Aus dem Geschästsleben. — Die Güte wirb anerkannt. »ei dem Wettbewerb auf der Pariser Weltausstellung ist es zu Tage getreten, weich' bedeutenden Fortschritt die Nähmaschinen-Jndustrie im Laufe der letzten Jahre gemacht hat und wie gerade die Singer Co. es verstanden hat, die achtunggebietende Stellung, die sie in dieser Industrie seit deren Gründung einnimmt, zu behaupten. So ist chr denn auch in Paris wiederum die höchste Auszeichnung zu Teil geworden: die „Internationale Jury" hat den ausgestellten Original-Singer-Nähmaschinen, die nicht nur dem Hausgebräuche dienen, sondern auch für Handwerk und Industrie nach jeglicher Richtung hin als ausgezeichnete Hilfskraft sicherweisen, außer drei Medaillen den höchsten Preis der Ausstellung, den „Grand Prix“, verliehen : für hervorragende Konstruktion, vollendete Ausführung und höchste Arbeitsleistung der Maschinen, sowie für deren Verwendbarkeit für jede Art häuslicher Näharbeit und aller industriellen Zwecke. Urteil eines medizinischen Fachblattes. Die »Medical News*, London, veröffentlicht einen Artikel über die Aepfelsäure, welche sie alS ein vorzügliches Lösungsmittel für die entzündeten Schleimhäute des Halses und der Luftröhre hinstellt. Sie schreibt: „Die Aepfelsäure, welche bis jetzt noch wenig oder garnicht in medizinischer Anwendung stand, wird aus den Fruchtsästen der meisten unserer einheimischen Obstsorten gewonnen^nd hat sich neuerdings (und namentlich von England aus empfohlen) "-als ausgezeichnetes Lösungsmittel bei Schleimhautaffektionen ganz vbrzüglich. bewährt. Um nun dieses neue Mittel dem Publikum zugänglich zu machen, wird die Aepfel- säure mit Zucker in Pastillenform gebracht und in üblicher Weise wie andere Pastillen eingenommen." — In Deutschland sind es die Apotheker Albrechts Aepfelsäure-Pastillen, die sich in den oben angeführten Fällen ausgezeichnet bewährt haben. Die Schachtel 80 Pfg. in den Apotheken und besseren Drogerien. Haupt Depots' Hirsch- und Univerelt&ts-Apetheke. 7094 Bekanntmachung. Aus der Stistrrng der Daniel Moog Witwe zu Gießen sind die diesjährigen Zinsen an hiesige bedürftige, unbescholtene, im Witwenstand lebende Bürger und Witwen von Bürgern zu verteilen. Anmeldungen hierzu können bis zum 20. l. Mts. aus de« Armen- smt erfolgen. Gieße«, den 7. November 1900. 7288 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. Bekanntmachung. Inda» Handelsregister unterfertigten Gerichts wurde eingetragen unter Nr. 32: Die Firma „Johannes Fleischer, Fabrik pateistietter technischer Apparate- zu Gießen und als Inhaber derselben Ingenieur Rabannes Fleischer zu Frankfurt a. M., und als alleiniger Inhaber der Nnna vom 15. Oktober l. I. ab Kaufmann Karl Malkomefius zu Gießen. Der Ueberuana der in bem Betriebe des Geschäfts begründeten Forderungen -ist bei dem Erwerbe des Geschäfts durch Karl Malkomesius ausgeschlossen. Gießen, den 8. Oktober 1900. 7298 Großberzogliches Amtsgericht. Bekanntmachung. I» bae Handelsregister unterfertigten Gericht» wurde eingetragen, ^»aß dem Wilhelm Lenz und Hugo Engel, beide Kaufleute zu Gießen, für Nie Firma „Konrad Dietz" Kollekttvprokura erteilt worden ist. Gießen, den 2. Oktober 1900. Großherzogliches Amtsgericht Gießen. 7299 Bekanntmachung. In das Handelsregister unterfertigten Gerichts wurde eingetragen unter Nr. 31 die Firma „Otto Pickert" zu Gießen unb als deren Inhaber Kaufmann Otto Pickert daselbst. Gießen, am 6. Oktober 1900. 7300 Grobherzogliches Amtsgericht. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Queckbor« für das Jahr 1901/1902 liegt vom 12. November l. I. an acht Tage laug zur Einsicht der Interessenten auf hiesigem Bürgermeisterei-Büreau offen. Queckborn, den 7. November 1900. Grobherzogliche Bürgermeisterei Qinckbor«. Schmidt. 7303 Bekanntmachung. Der Nachtrag des Umlage-Registers 1900/1901, betreffend Standgeld und Aufrufgeld für die nicht in die Gemeinde eingezogeneu Mitglieder liegt zur Einsicht der Beteiligten von heute an acht Tage auf de« Büreau des unterzeichneten ersten Vorsteher« offen. Gießen, bett 7. November 1900. 7294 Der Vorstand der israelitischen ReligiouSgemeiude Gieße». S. Heichelheim. ar CXD Täglich frische Fluss- u. Seefische s- § CO a o sa > Od 8- ua o xrx ca o a *5 © ä« "35 a 6131 CO CD ccs ® 55 S •a ” o ® o § W I Rwtaa Ilttperhfifli, fatalihllillle Elegante englische Wagen 1 Ö / I o J mit Federgestell, hellem Klappverdeck, Rundpolster und Kinderwagen Luxuriöse Ausstattung. Hochmoderne Ausführung. Ledertuchausschlag, Hk. 17.—. Billigste Preise. Braune Wagen mit Verdeck Hk. 10«—• Sicherheits-Gürtel dE Neu! Neu! das Herausfallen der Kinder aus Kinderwagen, Bettchen und Stühlen unmöglich machend. D. R. M. angemeldet. August ISilbinger 19 Seltersweg 19 2638 Joh. Brahms. schäftigung bei 7257 Rod Schumann. Joh. 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BP Wer schnell und billigst Stellung finden will, der verlange per Postkarte die Deutsche SaKanzeupost in Eßlingen. llritenutttte KM Programm. 1. Trio für Klavier, Violine und Violoncell, op. 101 in C-molI 2. Lieder: a) Stille Thränen, op. 35, No. 10 ... b) Aufträge, op. 77, No. 5..... c) Er ist’s, op. 79, No. 24 .... 3, Solostücke für Violine: a) Romanze aus dem Konzert in ungar. Weise, op. 11 b) Passacaglia (bearbeitet von Cäsar Thomson) 4. Lieder: a) Wir wandelten, wir zwei zusammen, op. 96, Nr. 2 b) Wie froh und frisch mein Sinn sich hebt, Romanze No. 14 a. d. Cyklus „Die schöne Magelone“, op. 33 o) Ständchen, op. 108, No. 1 . 5. Trio für Klavier, Violine und Violoncell, op. 97 in B-dur (»rosse Spezial-Ausstellung gekleideter Puppen Gelenkpuppen, Ledergelenkbälge, Köpfe, Hüte, 04782] Alleinstehende, ältere Frau tagsüber zu Kindern gesucht. Bahnhofstratze 61, I. Ia. Fmkstr. Wjirfte« empfiehlt Ohr. Wallenfels Machhilfe- bezw. 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Hoheit deS GrotzherzogS von Hesse«. Einladung. Am Mittwoch dem 14. November, abends 8V2 Uhr, Prim stillste Cervelatmrst, Mo. Mettwllrst, sowie 6984 hochfeine lrankftrter MUrstchen Per Paar 25, 80 und 85 Pfennig empfiehlt Fr. Schreiner SelterSweg 65. XammertnttsiK-Abende in der grossen Aula der Universität zu Giessen. Erster Abend: Freitag den 9. November, abends 8 Uhr. Mitwirkende: Fräulein Carola Hubert (Sopran) aus Köln, Herr Grosah. Univ.- Muaikdirektor 6. Trautmann (Klavier), Herr Adolf Rebner (Violine), Herr Johann Hegar (Cello), aus Frankfurt a. M. <=/ Mer feine Mhne lieb hat, Vee träufele morgens nach dem Aufstehen und abends V f vor dem Schlafengehen einige Tropfen Kosmin in 1 I ein Glas Wasser, behalte einen Schluck von der i Misd)ung eine Zeit lang im -Munde und bewege die Flüssigkeit zwischen den Zähnen hin und her, damit dieselbe überall gut eindringen kann. Mit dem Rest spüle \ man wiederholt den Mund und gurgele. 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MM nur bebrüten, wngenä ber f, swßen nach ® ft l)ie:b Kmals unb i Wtae4‘< Sw Ser 9e y-hL^re L°'s°r