Donnerstag den 9. August Zweites Blatt M. 184 i9oa ießener Anzeiger Heneral-Un^eiger und Anzeigeblatt für den lirete Giefzen Lllr Nn-eigen-BermiltllmgSstkllen de- In- unb Sull«nM «ehmm Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgcys Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., au-wSrIS 20 Pfg. Dtt Gre-nrer »rrbzn tf« Anzeiger ta MM ■* „Heff. 8*i>nHrr 1. .vlälter Mr M- WalkSkundc^ •M«»«tz»e Hx Anzeigen zu der «nchmMag» für bM Mumbai teg erscheinender. Nummer bis »arm. 10 Uhr. Abbe-eLungen spätesten- efeeW vorher. Aezugsprei» »ierteljShrl. Mk. 2,2t? monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch dte AbholrsteLr» Vierteljährl. Mk. lAtz monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl mit Bestellgeld wsa VhMMi«, «ppebition und Druckerei: >er englische Sekretär der Gesandtschaft, schickt sich an, sein Haus zu räumen. Der Flotten-Attachee Tschen reiste nach Newcastle ab, um das Kommando des neuen chinesischen Kreuzers zu übernehmen. Aus Aden wird gemeldet: Durch Herausfliegen einer Mannlochpackung (Kesselverschluß) an Bord des Kreuzers „Bussard" wurden schwer verletzt und sind gestorben: die Heizer Beer und Timps; schwerere Verletzungen erlitten Feuermeistersmaat Schäfer, Heizer Müller und Arthur Fischer. Ferner sind Maschinist Heppner und Heizer Tesch leicht verletzt. Die Verwundeten wurden in Aden auSgeschifft. Der „Bussard" verlängerte seinen Aufenthalt in Aden um zwei Tage. Rüstungen. Die Meldungen für einen etwaigen Ersatztransport nach China, die durch die vier Bezirks- KommandoS in Berlin entgegengenommen werden, sind, wie eine Korrespondenz meldet, außerordentlich zahlreich erfolgt. Die meisten Meldungen kamen aus Handwerkerkreisen; daneben sind viele Arbeiter vertreten. Wie aus Brüssel geschrieben wird, haben sich bis jetzt zum Eintritt in das belgische Freiwilligen- Bataillon für China 470 Mann gemeldet. Alle sollen einer scharfen ärztlichen Untersuchung unterzogen werden, auch wird von ihnen eine unbescholtene Vergangenheit verlangt. Nach heutigen Blättermeldungen sollen die Aerzte, die das Korps begleiten, bereits bestimmt fein. Das Bataillon soll 400 Maulesel mitnehmen. Telegramme deS Gietzener Anzeigers. Berlin, 8. August. General - Feldmarschall Graf Waldersee wird als Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen nach China gesandt. Er begiebt sich heute zum Kaiser nach WilhelmShöhe zur Entgegennahme seiner Instruktionen. — Auch die zweite Abordnung des deutschen Roten Kreuzes hat sich nunmehr nach China begeben. Sie besteht aus 4 Aerzten und 15 Krankenpflegern und hat die Aufgabe, den Lazarettdienst auf dem augenblicklich in Yokohama befindlichen, von der Hamburg- Amerika-Linie zur Verfügung gestellten Lazarettschiff „Savoya" zu übernehmen. Die Abordnung wird sich in Genua nach Ostasien einschifsen. London, 8. August. Daily Expreß meldet aus Tientsin: 6000 Verbündete mit 14 Geschützen verteidigen die Stadt. 15000 Mann chinesische Truppen sind im Südosten Tientsins signalisiert. Ein kaiserliches Dekret befiehlt den Chinesen, Tientsin aus alle Fälle und um jeden Preis zurückzuerobern. London, 8. August. „Daily Telegraph" meldet aus Shanghai! Große Mengen Gold und Silber sind in San Fu eingetrosfen. Man glaubt, daß es sich um einen Teil der kaiserlichen Schätze handelt. London, 8. August. ®in Telegramm aus Tientsin vom Sonntagmorgen bestätigt, daß am Sonntag bei Tagesanbruch 16000 Mann verbündete Truppen die Chinesen bei Peitsang angriffen und ihnen eine Schlacht lieferten, während der der Feind aus seinen Verschanzungen verdrängt wurde. Der endgiltige Ausgang des Kampfes ist jedoch noch unbekannt. — Das Kriegsministerium in Washington hat folgende Depesche des Generals Chaffee, datiert Tientsin, 5. August, empfangen: In einem Kriegstat wurde heute beschlossen, eine Schlacht zu liefern. Die Chinesen sind in Peitsang, sowie östlich und westlich davon verschanzt. Weiterhin ist der Feind durch Ueberschwemmungen geschützt und thatsächlich unangreifbar. Japanische, englische und amerikanische Truppen in einer Gesamtstärke von etwa 10000 Mann griffen die Chinesen auf dem westlichen Hügel in der Flanke an. Die übrigen Truppen, Russen und Franzosen, etwa 4000 Mann, rückten auf der anderen Seite des Peiho zwischen dem Fluß und der Eisenbahn vor. Die feindliche Stellung ist offenbar sehr stark. Zwischen Peitsang und Dangtseng stehen 30000 Mann Chinesen. Dangtseng ist der Zielpunkt unserer Operationen. London, 8. August. Aus Shanghai wird gemeldet, daß in einem Telegramm, das dem japanischen Konsul aus Peking vom japanischen Vertreter zugesandt worden ist und in welchem gesagt wird, daß die Gesandten sich am 1. August in Peking noch wohl befanden, noch folgender Zusatz enthalten war: Wir erwarten einen Angriff und haben nur noch für 6Tage Lebensmittel und per Mann 25 Patronen. Der japanische Legations-Sekretär ist gestorben. Chinesische Beamte versichern, daß diese Nachricht mit den ihnen zugegangenen nicht übereinstimmt. Brussel, 8. August. Der Minister des Aeußern hat heute das erste Telegramm des belgischen Gesandten in Peking erhalten: Vom 4. bis 16. Juli verteidigten wir unter Mithilfe von 8 österreichischen Matrosen unsere Legation, ohne sie indessen retten zu können. Die österreichische, holländische und italienische Gesandtschaft sind niedergebrannt. Auch die fränzösische liegt in Trümmern. Alle Fremden flüchteten in die englische Gesandtschaft, wo sie von den Chinesen belagert werden. Vom 20. Juli bis zum 2. August, :bem heutigen Tage, hatten wir 58 Tote und 70 Verwundete. Seit dem 17. Juli haben die Angriffe aufgehört, die Lebensmittel nehmen ab. Wir hoffen, noch diese Woche entsetzt zu werden. Sämtliche Belgier in Peking sind wohlauf. Die Haltung des Legationssekretärs und der übrigen Beamten ist über jedes Lob erhaben. Wir ersuchen Sie, unseren Familien Nachricht zukommen zu lassen. Der Krieg in Südafrika. Wie man über Holland erfährt, gelangen immer noch offizielle Kriegsnachrichten der Transvaal- Regierung, die mit der Unterschrift des Staatssekretärs I. W. Reitz erscheinen, über Lorenzo Marques nach Europa. In diesen Nachrichten wurde unter dem Datum des 10. Juni mitgeteilt, daß die englische Regierung den Generälen LouiSBotha und De laNey je ein Jahreseinkommen von 10000 Pfund Sterling angeboten habe, und es wurde hinzugefügt, Krüger sei überzeugt, daß auch ihm, Steyn und Christian de Wet dasselbe Angebot gemacht werden würde. Die Generäle hätten aber erwidert, sie würden lieber den Tod wählen, als ihr Land und ihre Landsleute verraten. Vielleicht wird man diese Angaben englicherseits als „Buren-Lügen" brandmarken und mit einem Anscheine von Entrüstung bestreiten, daß England durch Geldmittel zu erreichen versuche, was es mit Waffengewalt nicht erreichen könne. Indessen erst gestern schlug die „Times" vor, England solle die chinesischen Mandarinen durch Geld auf seine Seite zu bringen suchen, und sie bezeichnete einen Mandarin besonders, dem mit 50000 Pfund Sterling geholfen wäre. Dem „Daily Telegraph" wird aus Pretoria vom 5. August gemeldet, kleine Bnrenabteilungen bedrängen die Briten von allen Seiten infolge des Rückzuges der Garnison von Sp ri g g S. Die Buren haben diesen durch seine Kohlenproduktion wichtigen Platz im östlichen Randgebiet wieder besetzt. Harrysmith ergab sich General Macdon ald. Dadurch ist die Eisenbahnverbindung nach Natal wieder hergestellt. Ein heftiges Gefecht begann am 5. dS. am Elandöriver. Dasselbe dauerte am 6. ds. fort. Einzelheiten fehlen, jedoch glaubt man, daß eS den Generälen Harrington und Hamilton gelungen ist, bte Garnison von Rustcnburg zu entsetzen und daß sich diese Garnison nach Ze ernst zu ückziehe. Ein in Cradock eingegangenes Telegramm besagt, daß in Vryburg am Samstag große Erregung herrschte. Die Stadtwache wurde einberusen. Militärische Ver> ftärkungen trafen ein. Auch sonst ist alles für einen Angriff der Buren vorbereitet. In London teilte Chamberlain dem Unterhaus mit, er habe bezüglich des Hauptpunktes der künftigen Regelung der südafrikanischen Verhältnisse sich mit Kanada und den australischen Kolonien ins Benehmen gesetzt. Die britische Negierung und diese Länder seien völlig darüber einig, daß die südafrikanischen Gebiete annektiert und dort eine von der Militärgewalt unterstützte Regierung eingesetzt werden müsse. Als Definitivum für beide Kolonien sei eine repräsentative Selbstregierung in Aussicht zu nehmen. Deutsches Reich. . Berlin,?. August. Der K a i s e r, hörte im Schlosse Wilhelmshöhe heute vormittag die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts v. Hahnke und des Vertreters des Auswärtigen Amtes Grafen Wolff-Metternich. — Wie aus Mailand telegraphiert wird, ist Prinz Heinrich v o n. P r e u ß e n in der letzten Nacht dort angekommen. Heute morgen hat er sich inkognito nach Monza begeben; nachmittags erfolgte die Weiterreise nach! Rom. Er wird am Mittwoch früh zu den Beisetzungsfeierlichkeiterr in Rom eintreffen und am Donnerstag abend wieder abreisen. — Der „Hamb. Korresp." giebt unter Vorbehalt eine Meldung seines Petersburger Korrespondenten wieder, wonach der Zar die Erlaubnis gegeben habe, daß deutsche Truppen per Bahn durch! Rußland und Sibirien nach Ostasien befördert werden dürfen. Nachdem diplomatische Verhandlungen über den Gegenstand ergebnislos verlaufen waren, was bei gewissen Strömungen nicht zu verwundern, kam ein H a n d schr e i - ben Kaiser Wilhelms an den Zaren, auf das bereits am nächsten Tage eine umfangreiche Antwort erfolgte. Drei Tage später, am 21. Jun, empfing der Zar ein Telegramm Kaiser Wilhelms, und eine Stunde später erhielt der Kriegsminister entsprechende Befehle, um die nötigen Maßnahmen zu treffen. — Der kaiserl. Botschafter in Rom, General-Adjutant und General der Kavallerie G r a f v. W e d e l ist auf seinen Posten zurückgekehrt und hat die Geschäfte der kaiserlichen Botschaft wieder übernommen. — Der kaiserl. Gesandte in Belgrad, Wirkt. Geh. Rat Frhr. v. Waecker-Gotter hat einen Urlaub ange- treten. Während seiner Abwesenheit ist der kommissarisch nach Belgrad entsandte Legationsrat Graf v. Mont- gelas als Geschäftsträger thätig. — In diesen Tagen steht die Ankunft des neuernannten Kolonial-Direktors Dr. S t ü b e l und die Uebernahm^ der Geschäfts der Kvlonialverwaltung durch ihU bevor. Der neue Kolonialdirektor wird, ohne erst ein Zwischen- klima aufzusuchen, sein Amt ohne weiteres übernehmen. — Es verlautet, daß an Stelle des zum Gesandten! in Luxemburg ernannten Herrn v- Tschirschky und Boegendorff der bisherige Erste Sekretär bei der Botschaft in Wien, Graf Pückler, in gleicher Eigenschaft nach Petersburg versetzt wurde, während der bisherige Zweite Sekretär bei der Botschaft in Wien, Freiherr von Romberg, zum Ersten und der bisherige Dritte Sekretär v. Stumm zum! Zweiten Sekretär bei derselben Botschaft ernannt wurde. — Die Berliner Anarchisten veranstalten morgen eine öffentliche Kundgebung. Der Agitator Dempwolz spricht über Attentate und Anarchie. Es soll angeblich eine Erklärung abgegeben werden, dahin gehend, daß die deutschen Anarchisten mit dem Attentat aus König Humbert absolut nichts Zu thun haben. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht den zwischen dem Reichskanzler im Namen des Reiches und der Aktiengesellschaft „Deutsche Ostafrikalinie" abgeschlossenen Vertrag über die Einrichtung und Unterhaltung von Postdampferverbindungen mit Afrika. — Das „Armeeverordnungsblatt" veröffentlicht eine allerhöchste Kabinettsordre betr. die Versorgung der Angehörigen des ostasiatischen Expeditionskorps und ihrer Hinterbliebenen. K i e l, 7. August. Das n o r w e g i s ch e> G e s ch w a d e r, bestehend aus den Panzerschiffen „Harald Haarfager" und „Tordenskiold", den Kanonenbooten „Frithjof" und „Sleip- ner", sowie 5 Torpedobooten, unter dem Befehl des Vize'- admirals Krogh, ist heute mittag zu mehrtägigem Aufenthalte hier eingelaufen. Ausland. Brüssel, 7. August. Die Angelegenheit S i p i d o s, der ein Attentat auf den Prinzen von Wales verübte, aber von der ersten Instanz freigesprochen wurde, kommt am 24. September vor den Kassationshof. Sipido kehrt alsdann zurück. — Der Schah von Persien trifft schon am 11. August in Ostende ein. Er wird 10 Tage in Belgien verweilen. London, 7. August. Der Gesandte in Brüssel, Sir R. F. P l u n k e t t, wurde zum Botschafter in Wien an Stelle R u m b o l d s, der sich ins Privatleben zurückzieht, ernannt. Durand, Gesandter in Teheran, wurde an Stelle Drummond-Wolffs, der aus dem Staatsdienste scheidet, zum Gesandten in Madrid ernannt. Nach Brüssel wird der bisherige Gesandte in Rio, Phipps, versetzt .An seine Stelle kommt Dering, bisheriger Gesandter in Mexiko. — Das amtliche Blatt veröffentlicht eine königliche Bekanntmachung, durch die die Ausfuhr von Waffen und Munition nach China vom 7. August ab'verboten wird. Paris, 7. August. Im Ministerrat teilte Delc asse ein Telegramm des Konsuls in Shanghai vom 5. ds. Mts mit, worin dieser meldet, Eisenbahndirektor Scheng benachrichtigte ihn amtlich, daß ein kaiserliches Dekret vom 2 ds besage, die fremden Gesandten würden, sobald sie wollen,' unter Eskorte nach Tientsin geführt werden. Sie durften von nun an in offener Schrift'-mtt'lhrc'n Mgier- ungen verkehren. Der Minister erklärte ferner, keine Depesche berechtige zu dem Glauben, daß der Marsch auf Peking beschlossen sei. R o m, 7. August. Das Königspaar kommt morgen früh zehn Uhr an. Offizieller Empfang findet nicht statt. Königin Margherita trifft abends ein. Die Frauen Roms wollen sie im Quirinal empfangen und ihr Blumen streuen. Die Stadt zeigt schon reichstes Leben. Das schöne Wetter kontrastiert mit dem Trauerschmuck der Hauptstraßen. Die Abendblätter melden, daß ein Mann verhaftet wurde, der heute morgen auf der Via Nazionale ein Plakat anklebte, das gekreuzte Dolche und Pistolen enthielt. Darunter stand eine Warnung an den König, der bald das Schicksal seines Vaters teilen würde. — Aus Mailand wird gemeldet: Brescis Ge- ständnis ist beinahe vollständig. Er nannte eine Reihe seiner Komplizen und gab auch eine Beschreibung, wie das Komplott beschlossen wurde. Die Details werden von der Behörde aber aus taktischen Gründen geheim gehalten. Bresci gab sein Geheimnis unter der Bedingung preis, daß er die Zwangsjacke, die 1er seit Freitag zehn Stunden lang täglich tragen mußte, ablegen dürfe. Sein Benehmen ist immerhin noch wunderlich Er läßt des öfteren den Gefängnisdirektor holen, er wolle sein Gewissen erleichtern und wichtiges gestehen. Wenn der Direktor aber kommt, erklärt er, von nichts zu wissen. Manchmal verweigert er die Nahrungsaufnahme. Gestern durfte er, da er dringend danach verlangte, seiner Frau nach AMetrik a schreiben. Konstantinopel, 7. August. Der Sultan bat den britischen Botschafter O'Conor bei seiner letzten Audienz, seine Kollegen zu ersuchen, das Zirkular in Betreff der strengen Handhabung der Bestimmungen über die Empfehlung von Fremden für die Selamlikfeier nicht als einen formalen Akt zu betrachten, sondern ihm die ernstlichste Beachtung zuzuwenden. — Der serbische Gesandte teilte der Pforte mit, die neue serbische Regierung habe ihn instruiert, Verhandlungen mit der Pforte zwecks eines definitiven Handelsvertrages umgehend einzuleiten. Wilhelm Liebknecht Gießen, 8. August 1900. Einer der ältesten Führer der Sozialdemokratie, der Reichstagsabgeordnete Wilhelm Liebknecht, ist gestern Nacht, wie wir gestern noch durch Aushang bekannt gaben, in Charlottenburg einem Schlaganfall erlegen. Er hat am Montag Abend bis Va1 Ühr nachts gearbeitet. Kein Anzeichen verriet die nahe Katastrophe, als er sich zur Ruhe begab. Am frühen Morgen, gegen 4 Uhr, wurde feine Frau durch ein schweres Röcheln geweckt. Wilhelm Liebknecht hatte sich, im letzten Widerstand gegen den andrängenden Tod, halb aus dem Bette emporgerichtet. Der Arzt war in wenigen Minuten zur Stelle, er konnte nur noch den Tod feststellen; ein Gehirnfchlag hatte Liebknechts Dasein rasch und mild ein Ende bereitet. Wilhelm Liebknecht ist am 29. März 1826 in Gießen im jetzigen Hause Kirchenplatz 15 geboren. Hier erhielt er seine erste Ausbildung und bezog im jugendlichen Alter von kaum 17 Jahren die heimische Universität, um Philologie zu studieren. Schon die Hochschule riß den jungen Strudelkopf in allerlei Wirren hinein; er machte den Gießener Studentenauszug mit und mußte sich als Relegierter eine andere Stätte suchen, zuerst Berlin, dann Marburg. Seinem Naturell und feiner Gesinnung folgend, wurde er 1848 „Revolutionssoldat", faß aber bald in Hast. Kaum befreit, machte er 1849 den badischen Ausstand mit und rettete sich aus dessen Zusammenbruch als Flüchtling in die Schweiz und von da nach England, wo er sich als Lehrer und Schriftsteller leidlich durchschlug und in Karl Marx den politischen Lehrer und brüderlichen Freund sand. Im Herbst 1862 nach Deutschland zurückgekehrt, war er kurze Zeit in der Redaktion der „Nordd. Allg. Ztg." thätig, wandte sich dann der Agitation in der Arbeiterfrage zu und wurde 1865 aus Preußen ausgewiesen. Liebknecht ging nach Leipzig und leitete dort die „Mitteld. Volks-Ztg." Nach dem Friedensschluß 1866 wurde er wegen Bannbruchs verhaftet und zu dreimonatiger Gefängnisstrafe verurteilt. 1874 wurde er vom Wahlkreis Stolberg in den Reichstag gewählt, dem er mit kurzer Unterbrechung seitdem angehört. Seit 1888 vertrat er den 6. Berliner Wahlkreis. Auch als Schriftsteller war Liebknecht thätig. Außer einer Anzahl von Broschüren veröffentlichte er auch eine ganze Reihe größerer Werke. Es wäre verkehrt, am Grabe des alten Führers der roten Internationale von einem einseitigen Parteistandpunkt aus den Verstorbenen einfach zu verdammen. Er gehört nunmehr der Geschichte an und diese wird über ihn das Wort sprechen, indem sie mit objektivem Griffel seinem Leben und seinen Thaten im Rahmen der Gesamtentwickelung des deutschen Volkes in der letzten Hälfte des vergangenen Sä- kulums die passende Stelle anweist. Keineswegs aber können wir uns berufen fühlen, die schweren und ernsten Gefahren des Irrwegs zu verkennen, aus welchen ein großer Teil der deutschen Arbeiterschaft durch den Verstorbenen in erster Linie hingeleitet wurde. Die deutsche Sozialdemokratie ging bekanntlich aus zwei Bewegungen hervor, aus dem 1863 begründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, der von Lassalle ins Leben gerufen wurde, und aus der 1869 geschaffenen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, die sich auf marxistischer Grundlage ausbaute. In Gotha erfolgte 1875 die Verschmelzung der beiden Gruppen; indes gelang es dem Lieb- knecht'schen Einfluß verhältnismäßig rasch, die Lassalle'schen Ideen aus der Partei auszumerzen; insbesondere das Erfurter Programm vom Jahre 1891 zeichnete sich dadurch aus, daß der letzte Rest Laffalle'scher Doktrinen, so die Forderung von der Zerbrechung des Ehernen Lohngesetzes und diejenige der Errichtung von Produktivgenossenschastcn bei Seite geschleudert wurden. Seit 1891 datierte der unbeschränkte Sieg des Marxisten Liebknecht in der sozialdemokratischen Partei. Er hat bis zu seinem Tode an den Lehren von Karl Marx unabänderlich seftgehalten, und feine Autorität gegenüber vielfachen Angriffen weniger doktrinärer und „überzeugter" Sozialdemokraten zu behaupten vermocht. Ein Musterbild sozialdemokratischer Einseitigkeit und Kurzsichtigkeit, betrachtete er alles durch die Brille feiner Partei. Er kannte nur das eine Ziel, den unverfälschten Marxismus zu verbreiten. Dies Ziel ging ihm über alles andere. Ihm war er bereit in fanatischer Verblendung alle den Menschen sonst teueren Empfindungen zu opfern, Vaterlandsliebe und Religiosität, Pflicht- und Autoritätsgefühl der Massen. Unvergessen ist noch fein Ausspruch, daß die Zeit der Sozialdemokratie nach einer Niederlage des deutschen Heeres kommen werde. Der Kampf um die Macht müsse blutig sein, wenn er auch vielleicht im Anfang unblutig sein werde. Unvergessen ist gleichfalls noch die Besorgnis, mit der der alte Revolutionär dafür eintrat, daß die Sozialdemokraten sich von den Landtagswahlen fern hielten; fürchtete er doch, seine Partei möchte, wenn sie mit bürgerlichen Parteien Hand in Hand ginge, verflachen und verwässern. Und doch wird diese Zeit eines Tages kommen. Denn die segensreiche Kraft der deutschen Sozialgesetzgebung wird eines Tages auch auf die verhetzten Massen ihre Wirkung ausüben. Liebknecht ist dahin, lieber ihn wird die Entwickelung hinausschreiten. An starren lebens und kulturwidrigen Doktrinen festzuhalten, ist nicht die Sache gesund sich entwickelnder Völker, und so wird auch einst der Tag kommen, an dem die Lehre selbst dahinstnkt, nachdem ihr der Lehrer vorausgegangen. Das Begräbnis findet Sonntag nachmittag 3 Uhr statt. Aus Stadt und Land. Gieße«, 8. August 1900. Militärisches HilligeS, Jntend.-Bureaudiätar, von der Korps-Jntend. des 18. Armeekorps, zu der Jnteud. der Großh. Hess. (25.) Division versetzt. ** Dem Korps Starkeuburgia gingen anläßlich seines 60jährigen Stiftungsfestes zahlreiche wertvolle Dedikationen von befreundeten Korps usw. zu, womit die ohnehin Prachtvolle innere Einrichtung des Korpshaufes wesentlich bereichert wird. Diejenigen Festteilnehmer, die s. Zt. der Einweihung des Korpshauses nicht beiwohnen konnten und dasselbe zum erstenmale betraten, sprachen sich ebenso lobend über die Ausstattung, tote anerkennend über den Betrieb der in Bewirtschaftung der Frau Zink befindlichen Kneipe aus. — Unter den zahlreichen Gratulanten befand sich auch die 79jährige Frau Dampfmann, die ihren Glückwünschen durch Uebersendung eines schöncn Blumenstraußes Ausdruck gab. Sie hat eine lange Reihe von Jahren „ihren Starkenburgern" Samariterdienste geleistet, den „Abgestochenen" die Wunden gekühlt und sie gepflegt, wie eine Mutter ihre Kinder; sie wurde in diesen Tagen mehrfach von „Alten Semestern" an ihrem Obststande begrüßt. — An dem imposanten Fackelzug, der sich gestern abend mit drei Musikkorps durch die Straßcn der Stadt bewegte, beteiligten sich gegen 100 Herren, Aktive, Alte Herren und befreundete auswärtige Korps. ** Laudeslotterie. Bei der heute fortgesetzten Hauptziehung fielen 1 Gewinn 50 000 Mk. auf Nr. 17 443. — 1 ä 12 000 Mk. aus Nr. 18 617. — 2 ä 1JW0 Mk auf Nr. 7928, 17 806. — 2 ä 4000 Mk. auf Nr. 561, 3871. — 17 ä 3000 Mk. auf Nr. 335, 11 681, 13 758, 14 504, 15 456, 15 681, 16 750, 21416, 22 570, 24 585, 26 276, 27 178, 27 614, 27 726, 29 522, 32 062. — 12 ä 2000 Mk. auf Nr. 1409, 3297, 3460, 4368, 12 677, 14 786, 15 262, 16 163, 18 309, 27 967, 30 330, 32 389 — 33 ä 1000 Mk. auf Nr. 494, 893, 1600, 2909, 2935, 3218, 4540, 5153, 6321, 6782, 7886, 10270, 10352, 11245, 11302, 11 805, 14 771, 15 636, 16 007, 17 395, 17 696, 19 206, 19 234, 19 268, 20116, 24 921, 24 968, 25 397, 25 450, 25 716, 25 853, 26 702, 30 517. — 30 ä 500 Mk. auf Nr. 373, 1016, 2483, 3461, 3709, 9665, 9349, 9696, 10 988, 12 083, 13 992, 17 690, 17 796, 17 826, 17 970, 18 849, 19 015, 19 267, 19 343, 22 009, 22 735, 24 486, 25 801, 26 269, 27 628, 28 013, 30 137, 31 611. (Ohne Gemäht). ** Militärisches Verbot. Der preußische Kriegsminister bringt erneut zur allgemeinen Kenntnis, daß den Unteroffizieren und ,M a n n s cha f t e n, dienstlich verboten ist: 1) jede Beteiligung an Vereinigungen, Versammlungen, Festlichkeiten, Geldsammluitgen, z>u der nicht vorher besondere dienstliche Erlaubnis erteilt lst, 2) jede Dritten erkemrbar gemachte Bethätigung revolutionärer oder sozialdemokratischer Gesinnung, insbesondere durch entsprechende Ausrufe, Gesänge oder ähnliche Kund- gebungen, 3) das Halten und die Verbreitung revolutionärer oder sozialdemokratischer Schriften, sowie jede Einführung solcher Schriften in Kasernen oder sonstige Dienst- lokale. Ferner ist sämtlichen Angehörigen des aktiven Heeres düenstlich befohlen, von jedem zu ihrer Kenntnis gelangenden Vorhandensein revolutionärer oder joäml5 demokratischer Schriften in Kasernen oder anderen Drenst- lokalen sofort dienstliche Anzeige zu erstatten. Diese Verbote uno Befehle gelten auch für die zu Hebungen emge- zogenen und für die zu Kontrollversammlungen ernbe- rufenen Personen des Beurlaubtenftandech welche gemäß § ß des Militärstrafgesetzbuchs und 8 38 » 1 des Reichs- Militärgesetzes bis zum Ablauf des Tages der Wiederent- lassung bezw. der Kontrollversammlung den Vorschriften des Militär-Strafgesetzbuchs unterstehen. -b. Bad Nauheim. 7. August. Ungeheures Aus. sehen erregt hier die Verhaftung des 0r. weä. Bruck, die auf die Beschuldigung einer unterleibsleidenden und hysterischen Frau Kowalewski au« Lodz hin erfolgt ist. Sie ist von Dr. Bruck dreimal untersucht worden; und nach der dritten Untersuchung hat sie behauptet, er habe ein unsittliches „Attentat» (Drücken und Küsten!) ver- sucht. Später hat sie erklärt, sie wolle keine Anzeige und .fein Protokoll machen. Es handelt sich hier hauptsächlich um die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der Frau, die natürlich bei einer Hysterischen stark anzuzweifeln und im Interesse des allgemein geschätzten Arztes zu wünschen ist. Gegen die Verhaftung des Dr. Bruck, der seine Unschuld versichert, ist von seilen der Verteidigung sofort Beschwerde erhoben worden. Mainz, 7. August. Der Kaiser trifft am Samstag vormittag gegen 9 Uhr auf dem großen Sande ein. Jeglicher offizielle Empfang unterbleibt; sein diesmaliger Besuch hat einen rein militärischen Charakter. Der Groß- herzog wird gleichfalls zugegen sein und schon am Tage vorher hier eintreffen. Nach der Truppenschau wird der Kaiser an der Spitze der Fahnenkompagnie, der die Stan- darten-Eskadron folgt, über die Mombacherstraße in die Stadt kommen, zuerst nach dem Gouvernement und nach Ablieferung der Fahnen in das Großh. Palais reiten, woselbst dann kleine Frühstückstafel abgehalten wird. In Rücksicht auf die Hoftrauer wegen, des Ablebens des Herzogs von Koburg-Gotha und des Königs von Italien unterbleibt jede Festlichkeit. Zu einer frühen Nachmittagsstunde reist der Kaiser wieder ab und begiebt sich nach Homburg. — Der kommandierende General des 18. Armee-Korps, General der Infanterie von Lindequist, der am Montag vormittag dem Exerzieren auf dem großen Sande beiwohnte, trifft am! Mittwoch wieder hier ein und wohnt dem Exerzieren der aus den Regimentern 88 und 117 zusammengesetzten Brigade bei. Zum Kaiserbesuch kommt der Kom^ mandierende schon am Freitag nach. Mainz und steigt im „Holländischen Hofe" ab. Mainz, 7. August. Generalmajor Dühring, Kom- niandeur der 41. Infanterie-Brigade, hat seinen Abschied eingereicht und ist das Gesuch vom Kaiser genehmigt worden. Zum Kommandeur der 41. Brigade ist unter Beförderung zum Generalmajor der bisherige Kommandeur des Infanterie- Regiments Nr. 99, Oberst Tecklenburg, ernannt worden. — Eine Blutthat hat sich gestern abend nach 10 Uhr in der Wallaustraße ereignet. Der 24 jährige Taglöhner Jos. Schmidt aus Gonsenheim, hier wohnhaft, vielfach vorbestraft und auch jetzt wieder von der Staatsanwaltschaft verfolgt, hielt sich mit der Ehefrau Kirchner, mit der er -seit längerer Zeit intimen Umgang pflegt, in einer dort gelegenen Wirtschaft auf. Der Frau wegen bekam er mit einem Italiener, einem Terrazzoarbeiter vom Feldbergschul' hauS (Schmidt hat seit einigen Tagen ebenfalls dort gearbeitet) Disput. Nachdem Schmidt und die Kirchner das Lokal verlassen hatten, folgte ihnen der Italiener und versetzte dem Schmidt mit einem Dolch einen Stich in den Rücken, der die Lunge durchbohrte. Der Thäter entfloh darauf. Auf das Hilfegeschrei der Frau tarnen Leute und man holte Polizei. Diese verbrachte den Schwerverletzten, bei dem die Lebensgefahr nicht ausgeschlossen ist, in das Spital. Bis heute morgen hat er die Besinnung nur auf wenige Minuten wiedererlangt und ist nicht vernehmungsfähig gewesen, lieber die Person des Thäters ist nur bekannt, daß es ein Italiener ist, sonst gar nichts. Die Kriminalpolizei ist eifrig auf der Suche nach ihm. (M. A.) Vermischtes. * Die in Berlin an schwarzen (echten) Pocken erkrankten Personen sind die 37 Jahre alte Kaufmannsfrau Anni Müller und ihre fünf Kinder Robert, 15 Jahre alt, Charlotte, 13 Jahre, Friedrich, 12 Jahre, Rosalinde, 8 Jahre, und Kathleen, 3 Jahre alt. Die Familie ist wohlhabend und in Kapstadt in Südafrika ansässig. Dort sind auch die Kinder mit Ausnahme der achtjährigen Rosa- linde, deren Geburtsort Bonn a. Rh. ist, geboren. Während der Ehemann sich nach England begeben mußte, unternahm die Familie eine Erholungsreise nach Deutschland und nahm in Klein-Glienicke bei Puhlmann Aufenthalt. Dort wurden die Pocken sestgestellt, und Frau Müller wurde sofort mit ihren Kindern in einem Krankenwagen dem Institut in Berlin auf ärztliche Anordnung zugeführt. Hier ergab die nähere Untersuchung, daß die Pocken nur bei einem Knaben und bei einem Mädchen zum Ausbruch gekommen und bereits in der Abheilung begriffen sind. Die Mutter und die übrigen drei Kinder sind bisher von der Krankheit verschont geblieben. Der Vorsicht halber wurden die letzteren in einem besonderen Raum untergebracht und unter Beobachtung gestellt. * Glatz, 7. August. Der Rittmeister Graf Leonhard zu Stolberg-Wernigerode, der wegen tödtlicher Verletzung eines Sergeanten zu 3 Jahren Festungshaft verurteilt worden war, ist jetzt begnadigt worden, nachdem er die Hälfte der Strafe in der dortigen Festung verbüßt hat. * Stuttgart, 7. August. Wie das „Deutsche Volksbl." aus Hord meldet, wurde Freiherr Oskar v. Münch in die Irren kl inik nach Tübingen übergfführt. * Von der Weltausstellung- In der französischen Presse wird gegenwärtig der Besuch erörtert, welchen der Präsident der Französischen Republik, Loubet, bei seinem Rund- gang durch die Ausstellung dem im Stil Louis XV. reich dekorierten Maggi-Pavillon abstattete. Während er den dort anwesenden General-Direktor, Julius Maggi, der bekanntlich auch als Preisrichter fungiert, in eine längere Unterhaltung zog, ließ ihm dieser durch ein reizendes junges Mädchen für Madame Loubet einen wunderbaren Blumenstrauß überreichen. Loubet dankte für diese Aufmerksamkeit durch Ueberfenbung einer prachtvollen, seinen Namenszug tragenden Brillant Broche an Frau Julius Maggi. • Havre, 7. August. Da infolge des Aus stand es der Heizer der transatlantische Dampfer „Bretagne" seine Fahrt nach Newyork nicht antreten konnte, hat die Regierung, da eS sich um einen öffentlichen Dienst handelt, sich der Sache angenommen und Heizer von den Kriegsschiffen auf dies„Bretagne" beordert. Der Dampfer konnte infolgedessen in Begleitung von zwei Kriegsschiffen den Hafen verlaffen und seine Fahrt antreten. Der Ausstand der Heizer und Schlepper dauert fort. • Engelberg (Schweiz), 7. August. Dr. Vogt aus Berlin und ein Führer sind am Steinberggletscher ab- gestürzt. Beide blieben tot. * Bern, 6. August. Heute morgen 8 Uhr ist bei Pon- tresina (Engadin) der Legationssekretär Baron Karl v. Metzsch aus Dresden beim Baden im Berninabach ertrunken. Bis um 4 Uhr nachmittags war die Leiche noch nicht gefunden. * Bern, 6. August. Beim Edel weiß such en ist der zwölfjährige einzige Sohn des Hotelbesitzers auf dem Stockhorn über 300 Meter tief abgestürzt. Er fiel von einem Felsvorsprung zum andern. Der unglückliche Vater fand den Knaben als schrecklich verstümmelte Leiche. • Pontrefina, 7. August. Der Legationssekretär im Auswärtigen Amte in Berlin, v. Metzsch aus Dresden, ist beim Baden im Morteratschbach ertrunken. Die Leiche ist noch nicht gefunden. Universität und Hochschule. — Der o. Professor, Geb. Iustizrat Dr. Philipp Zorn zu Königsberg i. Pr. ist in gleicher Eigenschaft in die juristische Fakultät der Universität zu Bonn versetzt worden. — Dem Privatdozent in der medi zwischen Fakultät der Universität Halle Wittenberg Dr. Karl Grunert ist daS Prädikat „Proseffor" beigrlegt worden. — Darmstadt, 7. August. An hiesiger Hochschule hat sich die beim Profesiorenkollegtum bei Studentenschaft, Bürgerschaft und in der Gesellschaft in allgemeinem Ansehen stehende „Akademische Freischlagende Verbindung Chattia" mit Schluß deS Sommersemestero unter Bei behaltung der seitherigen Kouleur als Korps mit Maturitätspnnzip aufgethan. Mit Beginn deS Wintersemesters wird die „Ehattia", unterstützt von ihrem A. H.-Vcrband, an hiesigem Orte noch ein zweites matures Kartell-Korps, „Turingia*, auflhun mit den Farben: schwarz- rot-grün und dunkelgrünen Mützen. — Die Gründung dieser KorpS stützt sich auf ein gleichprinzipielles Bestehen von Korporationen anderer Hochschulen. Der neue Verband, der sich ^Maturitätü-8.-6/ nennt, wird mit Beginn deS Wintersemesters in Kraft treten. Handel und Verkehr. Uolkswirlschafl. Märkte. + Grünberg, 7. August. Unsere Wochen Märkte sind gegenwärtig nur schwach mit Frucht befahren; trotzdem herrscht auf denselben recht reger Verkehr. Hunderte von Körben mit Gurken sind eben zum Verkaufe ausgeboten. Die Verkäufer sind fast ausschließlich Bewohner von Bessingen bei Lich. DaS Land in dortiger Gemarkung must zur Gurkenzucht ganz besonders geeignet sein, während z. B. hier und tn den nach der Rabenau und dem Vogelsberg hin gelegenen Ortschaften die Gurken nur selten geraten und deshalb wenig gepflanzt werden. Die Leute pflegen vielmehr ihren Bedarf auf dem hiesigen Markt zu decken. Das Hundert Einmachgurken wird jetzt mit 1 Mk bis 1.50 Mk. bezahlt. Grünberg, 7. August. Gelegentlich des am 28. August d. IS. stattsindenden V i e h m a r k t s soll zum Zwecke der Ankörung eine öffentliche Faselschau durch die Körkommission und zwar um 10 Uhr vormittags beginnend, abgehalten roerben. Es werden nur sprungfähige Bullen Vogelsberger oder Simmenthaler Raste berücksichtigt ; sie müssen sicher gefestelt sein, und dürfen vor 10 Uhr nicht aufgetrieben werden. ObstdurchschuittSpreise. den 6. Aug. 1900 (die Preise verstehen sich bet sofortiger Lieferung): Mk. 12. Centn«: der Pflaumen......... Frankfurt a. M., den 6. August 1900. Eentralstelle für Obstverwertung 8 50 12. 26. 18. 20—25. 26. 10-15. 14. 10. Heidelbeeren . . . . Stachelbeeren . . . . Johannisbeeren . . . Aprikosen ..... do. kleine . . . Pfirsiche...... Himbeeren . . . . Birnen, je nach Sorte . Kirschen, je nach Sorte . Meldungen. Paris, 8. August. Der KutscherauSstand nimmt ab. Die Kutscher der Gesellschaft „Abeille" haben sich mit ihrer Gesellschaft geeinigt. 300 haben heute die Arbeit wieder ausgenommen. Rom, 8. August. Der Justizminister machte dem Ministerrate die Mitteilung, daß die U n t e r s u ch u n g g e g e n Bresci abgeschlossen sei und daß die Schlußverhandlung in allerkürzester Zeit stattfinden werde. AuS Sicherheitsgründen wurden 56 übelbeleumundete Individuen ausgewiesen. <■ Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Garteuftrahe S. kl «gebot der Arbeitnehmer r 1 Schreiner, 1 Kellner, 2 Hausburschen, 3 Taglöhner, 1 landwirtschaftl. Arbeiter, 2 Fuhrknechte, 1 Lauffrau, 1 Schreibgehilfe. Nachfrage ver Arbeitgeber r 1 Spengler, 1 Metzger, 1 Schneider, 2 Bau- schreiner, 1 Küfer, 2 Einleger, 2 Hausburschen, 2 landwirtsch. Arbeiter, 1 Fuhr- knecht, 4 Dienstmädchen, 1 Lauffrau, 1 Hausmädchen zu zwei Damen bei hohem Lohn, 1 Schreibgehilse. _________________________________________________________ Bekanntmachung. In das Vereinsregister unterfertigten Gerichts wurde eingetragen der Gießener Eis-Verein zu Gießen. Die Satzung ist am 1. Februar 1900 errichtet. Mitglieder des Vorstandes sind: Jean Kirch, Restaurateur; Hans Wolff, Beigeordneter; Dr. Etienne Laspeyres, Univ. - Professor, Dr. Eugen Netto, Univ.-Profeffor; Otto Schmandt, Stadtbaurat; Karl Wiener, Amtsrichter; Dr. Konrad Reßling, Gymnasiallehrer; Dr. Curt Spohr, Rechtsanwalt; Heinrich Hochreuther, Bankagent; Ernst Balser^ Kaufmann; Hermann v Bechtold, Provinzial-Direktor; Feodor Gnauth, Oberbürgermeister; Otto Bergen, Direktor,- Hermann Clausius, Major; Dr. Gustav Güngerich, Oberstaatsanwalt; Theodor Muhl, Polizeiamtmann, Sigmund Heichelheim, Kommerzienrat, sämtlich zu Gießen. Gießen, den 14. Juli 1900. 5381 ______________________Großherzogliche» Amtsgericht-_______________________ Bekanntmachung. In das Vereinsregifter unterfertigten Gerichts wurde eingetragen der Oderhefstsche Geschichtsverein zu Gießen. Die Satzung ist am 18. Januar 1900 errichtet. Mitglieder des Vorstands find: Proseffor Dr. Constantin Höhlbaum, Proseffor Dr. Gotthold Gundermann, Land» gerichtsrat Dr. Wilhelm Schäfer, Kommerzienrat Sigmund Heichelheim, Geh. Hoftat Proseffor Dr. Otto Behaghel, Oberbibliothekar Dr. Hermann Haupt, Hauptmann a. D. Karl Kramer, Landgerichtsrat Dr. Friedrich Wilhelm Möbius, sämtlich in Gießen. Gießen, den 27. Juli 1900. 5379 ________________Großherzogliches Amtsgericht. Weiße und Krkme-Worhänge in großer Auswahl, abgepatzt und am Stück. Großer Posten Vorhänge von 3 Mk. an per Fenster zum Ausverkauf. Vorhänge in Wolle, Seide und gestickt. Th. Brück, Zthloßgasse 16. Oeffentliche Aufforderung. Heinrich Schmoll und feine Ehefrau Wilhelmine geb. Stalb zu Gießen sind am 5. April 1892 und 8. April 1898 mit Hinterlassung eines Testamentes verstorben, in welchem ihre 3 Kinder: 1. Emil Schwall zu Gießen, 2. Minna Lang geb. Schmall zu — Pingenheim 3. Louis Schs^ll, unbekannten -■ Aufenthaltes, angeblich in Amerika, zu Erben eingesetzt sind. Auf Antrag der Erben unter 1 und 2 ergeht hiermit an Louis Schmall bezw. dessen gdbeterben die Aufforderung, sich bis spätestens zum 15. November 1900 über die Antretung oder Ausschlagung der Erbschaft der Heinr. Schmall Eheleute zu Gießen zu erklären, widrigen- falls derselbe bezw. feine Erben bei der Erboerteilung nicht berücksichtigt werden. Gießen, den 4. August 1900. Großh. Amtsgericht. _________Gebhardt._____5380 Verdingung der Herstellung von 250 qm wasserundurchlässiger Pflasterung auf den Vieh- verladungen in Hungen und Schotten einschließlich Lieferung aller Materialien. Angebote auf vorgeschriebenen Angebotsbogen sind biS zum 18. d. Mls, vorm. 11 Uhr, in verschlossenem Umschläge postfrei bei der unterzeichneten Betriebsinspektion einzureichen. Verdingungsunterlagen liegen daselbst zur Einsicht aus und sind zum Preise von 50 Pfg. erhältlich. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 6. August 1900. 5858 Großh. Eisenbahn-Betriebsinspektion 2. Freitag den 10. Avguk d. I., nachmittags 2'/, Uhr, sollen die den Georg Brömer Erben zustehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen: Flur 28 Nr. 180 - 1800 qm Acker zwischen dem Sandkauter- und Erdkauterweg, Flur 28 Nr. 181 — 1800 qm Acker daselbst, Flur 28 Nr. 182 — 2750 qm Acker daselbst, Flur 28 Nr. 1658/io — 1599 qm Acker daselbst, Flur 28 Nr. 165»/1O — 193 qm Acker daselbst, Flur 29 Nr. lOQS/io — 1262 qm Acker am Ohleberg, rechts deS Erdkauter wegeS auf hiesigem OrtSgerickt einer dritten und letzten öffentlichen Versteigerung ausgesetzt werden. Gießen, den 6. August 1900. Großh. Ortsgericht Gießen. ____________I. V.: Keller. 5335 Versteigerung. Dienstag den 14. August 1900, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfandlokal Seltersweg 11 gegen Barzahlung: 1. 1 Kleiderschrank, 1 Nähmaschine, 1 Spiegel, 2 Bilder; 2. 1 Jagdflinte, 2 Revolver, 1 Taschenuhr ohne Deckel, 1 Stock u. 1 Messer. Die Versteigerung zu 2 findet bestimmt, zu 1 voraussichtlich bestimmt statt. Gießen, den 7. August 1900. 5363 Johann, Gr. Pfandmeister. Kekanntmachung. Donnerstag den 9. d. ®t., nachmittags 3 Uhr, sollen dahier Neustadt 55 Haus- und Küchengeräte aller Art, zwangsweise gegen bar versteigert werden. Gießen, den 8. August 1900. 03262 StiöL Mchthaus. Ar ei baut. 5344 Heute und morgen: WW 50 W Fst. Goth. Cervelatwurst wieder eingetroffen. 5876 8. Kalkhof. Kuhfleisch per Pfund 30 Pfennig. Hebe, RodhkiwkrSlsbk 6. Kaffee- und Speisewtrtschaft Neustadt 14 tLöbershof) Mittagstisch, Abendessen, Kaffee, kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. — Zugleich empfehle meiner verehrten Nachbarschaft prima Flaschenbier über die Straße. 03257 Hochachtungsvoll ß. Sorgenfrei. 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