1900 Samstag den 9. Zum Rr. 132 Zweites Matt Anrts- und Anzeigeblatt für den Ttreis Gieren. der. 1031 Bekanntmachung 11 er Sohn uilie, 4C29 7. ?Zctug»PretA viertcljährl. Mk. 2,96 monatlich 75 Vfg. mit Brmgerlohn; durch die AbholefteLrs »ierieljährl. Mk. l,9i monatlich 65 Plg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vicrteljährt. mit Bestellgeld. All. Lnreigr».BmniNlungSstellev de» In- und «ullonM nehmen Anzeigm für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auSwLrtS 20 Pfg. Gxpedition und Drwkerei: >4*(f!ra6< Ar. 7. NUBafrmt een Anzeigen zu der nachmittags für den Inenden Lag erscheinender. Nummer bis Derrn. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Die KreiSftratze Alleudorf-Climbach wird vom ... Juni l. IS. an von der Lumdabrücke ab gegen Elim» bt» wegen des Umbaues dieser Straße für den Fuhrwerks. verkehr bis auf weiteres gesperrt. Gießen, den 7. Juni 1900. Großherzogliches KreiSamt Gieße«, v. Bechtold. bei den kleinen zentralamerikanischen Republiken hat sich I da- frühere Vertrauen und der gläubige Aufblick zu I den selbstlos die Monroe-Doktrin verteidigenden Der- I einigten Staaten in lebhaftes Mißtrauen gegen den Plötz. I lich imperialistisch annektierenden Kollegen verwandelt, I und das vor kurzem in der gelben Presse des Nordens mit I liebevoller Zuneigung breitgetretene müßige Geschwätz und I Thema einer Umwandlung Nicaraguas in einen Staat der I Union, aus Anlaß der Kanalbau-Frage und um so auf einen Schlag alle territorialen Schwierigkeiten mitsamt englischen Wünschen gründlich aus der Welt zu schaffen, hat selbstverständlich nicht verfehlt, die Stimmung gegen den Norden des weiteren zu verschlechtern. Dieses Gefühl der Animosität und Sorge ist außerhalb des englisch sprechenden Teiles des Kontinents überall im Wachsen begriffen und in Washington wohl bekannt. Mexiko, das für den empfindlichsten Punkt aller spanischen Republiken, namentlich der । kleinen und kleinsten, die nationale Unabhängigkeit, am eigenen Leibe geblutet und die größten Opfer gebracht hat, ist als nächster Nachbar der Vereinigten Staaten möglicher, weise auch der erste, der für den in seiner zukünftigen Ent- Wickelung unberechenbaren Imperialismus und die Annexion in Frage kommen könnte, obgleich es bisher verstanden hat, sich mit Umsicht und gutem Erfolge jede Interventions-Möglichkeit nicht nur vom Halse zu halten, sondern sogar eine intim freundschaftliche Stellung zur Union einzunehmen, die nunmehr von der letzteren auSzu- nutzen versucht wird, um im Kampfe der Jntereffen und j Befürchtungen zu vermitteln und die früheren herzlichen Beziehungen des Südens zum Norden wieder herzustellen, und wenn möglich zu vermehren. Andererseits stärkt natürlich Mexiko seine eigene Stellung, indem es unternimmt, sich als lateinische Grenzmacht gegen den englischen Norden die verwandten Nationen und Natiönchen für alle Eventualitäten zu gewinnen; dazu bieten sich Gelegenheiten, wie vor kurzem, als Mexiko auf die Bitte des Gesandten der Republik Salvador, Rafael Zaldivar, sich mit Vergnügen bereit erklärte, der Schwefterrepublik, die versäumt hatte, sich auf der Ausstellung in Paris ein eigenes Heim zu bauen, in seinem Gebäude Platz zur Ausstellung der Pro- I buhe Salvadors anzuweisen. Bei solcher Sachlage wird I ein zweiter pan-amerikanischer Kongreß in Mexiko möglicher- I weise manche Überraschungen, Abmachungen und Verträge, I geheime oder öffentliche, bringen. __________________________ ^rschewt täglich wtt Ausnahme des Montags. Die Gießener pramtlienv lätter werden dem Anzeiger kt Wechsel mit „Hess, knndwirt" m. „Blätter heff. BolkSkunde- »Schck. 4 mol beigelegt. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. ten am: . Konzen tf Ir. 116, Kai«irWil1* _ _ cüniDi*'' Herrn •r“'r im* kal Deutscher Reichstag. 205. Sitzung vom 7. Juni. 11 Uhr. Der Reichstag nahm in der heutigen Sitzung zunächst eine Deklaration des Artikels 35 zu der am 19. März 1897 zu Venedig unterzeichneten internationalen Sanitätsübereinkunft, betreffend Maßregeln gegen die Einschleppung und Verbreitung der Pest, ohne Debatte an. Es wird dadurch besttmmt, daß alle Schiffe, die Pilger an Bord haben, auch einen Arzt mitführen müssen. Ebenso finden die §§ 2—5 des Flo tten gesetzes diskuffions- los Annahme. Ueber § 6, der die Bestimmung enthalt, daß die K o st e n der Flottenverstärkung keinesfalls durch Erhöhung oder Vermehrung der indiretten, den Massenverbrauch belastenden Reichsabgaben aufgebracht werden- dürfen, entsvinnt sich eine längere Erörterung. Abg. Dr. v. Siemens (frs. Vgg.) bedauert die von der Kommission beliebte Lösung der Deckungsfrage. Seme Partei, die eine starke Flotte wolle, hätte der Regierung nichts anderes bieten können, als- direkte Reichssteuern, die wiederum der Regierung unannehmbar waren. Angesichts der obwaltenden Verhältnisse verzichte er daraus, Gegenvorschläge zu machen, aber er müsse doch einige prinzipielle Bedenken gegen die Kommissionsbeschlüsse geltend machen. Man solle doch ja nicht glauben, durch Borsen- steuern die Börse zu treffen, seit Noahs Zeiten hatten die Kommissionäre die Lasten stets auf ihre Auftraggeber ab- qewälzt. Getroffen werde also das Publikum, durch die Steuer auf Kuxe und Konossemente insbesondere auch der Mittelstand. Den Vorteil würden, lbie von dem bestehenden Börsensteuergesetz, durch die Erhöhung der Stempel- abgaben die Großbanken haben. Er glaube aber auch nicht, daß das Reich davon eine Mehreinnahme haben roerbe. Uebriqens erscheine ihm eine Schwächung der Börsen nicht wünschenswert. Die Börsen seien politische Machtmittel allerersten Ranges geworden, er erinnere nur an den englisch-russischen Wettbewerb um Persien; das sei ein Kamps um die Oberherrschaft, der auf finanziellem Gebiete ausgefochten werde. Deutschland werde eine starke finanzielle Macht namentlich in absehbarer Zeit in China nötig haben. Redner legt an verschiedenen Beispielen den Wert und die Notwendigkeit einer starken finanttellen Zentralmacht für die Staaten dar, wie sie eben die Börse repräsentier Politische Tagesschau. Der in der letzten Zeit von den Kolonialsteunden stark I angefeindete Kolouialamtsdirektor Dr. v. vnchka hat nun I seinen Abschied erhalten. Zu einem erheblichen Teile be- I ruhten die gegen ihn gerichteten Angriffe zweifellos auf I mangelhafter Kenntnis der hierbei in Betracht kommenden I Verhältnisse, und jedenfalls wird man dem scheidenden I Kolonialdirektor das Zeugnis nicht versagen können, daß I er ehrlich das beste gewollt und in den beiden Jahren seiner I Amtsthätigkeit seine ganze Kraft dafür eingesetzt hat. Was I die Wahl seines Nachfolgers betrifft, die anscheinend 1 mit dem Bortrage des Staatssekretär- Grafen Bülow beim I Kaiser am zweiten Pfingsttage im Zusammenhang steht, so I dürfte sie auf die rückhaltlose Zustimmung der wertesten I Kreise zu rechnen haben. Dr. St Übel bringt alle Voraus- I setzungen mit, die ihn für sein neues, wichtiges 2(mt in I hervorragendem Maße geeignet erscheinen lasten: außerdem I Ä»fe eines Beamten von bewährter Tüchtigkeit und offenem, I filtern Blick namentlich auch eine sehr vielseitige Erfahrung | und gründliche praktische Schulung in den einschlägigen I überseeischen Verhältnissen. Geboren wurde er 1846 in Dresden, studierte Mathematik und Jura unb trat nach abgelegtem erstem Examen m den sächsischen Staatsdienst ein, 1873 wurde er Privatsekretär bei dem K»nia Johann. Später trat er als RegierungSastessor in das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten zu Dresden ein, wurde 1879 in das Auswärtige Amt des Deutschen Reichs übernommen und 1880 zum Legationsrat ernannt, verwaltete 1882 bis 1883 die Konsulate in St. Louis und Cincinnati in den Vereinigten Staaten und ging 1884 na$ Apia auf dem jetzt deutsch gewordenen Samoa, zunächst als Vertreter des Generalkonsuls Zembsch, dann als selbständiger Verwalter des deutschen Konsulats mit dem Titel als Generalkonsul. Nachdem er hierauf Konsul in Kopenhagen | gewesen war, fungierte er von 1890 bis.1899 al« Generalkonsul auf dem wichtigen Posten zu Shanghai und hat bitarke Reichseinbömmensteuer getroffen, d. h zu den Fl-ttenaus. I gab?n ordentlich mit zahlreichen hunderttausenden heran- Adresse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51. Hezogen werden könnten. Das mag ja bei den bei-en Herren zutreffen, aber wie steht es denn mit den übrigen Reichsangehörigen, die nicht solche Verdienste einheimsen? Sowie man eine Reichseinkommensteuer einführt, wird man in die Budgets verschiedener Einzelstaaten die größte Verwirrung bringen. Zu einer Ausgestaltung der Weinsteuergesetzgebung in der Richtung auf eine Reichsweinsteuer' müssen wir ebenfalls gelangen suchen. Vollkommen aus der Luft gegriffen ist bie Behauptung, daß die Aufhebung des Börsenterminhondels den deutschen Landwirten Hunderte von Millipnen gekostet haben soll. Bei den Verhandlungen über den neuen Zolltarif werden wir hoffentlich alle dahin wirken, daß das deutsche Kapital auch auf dem Weltmärkte wieder diejenige Rolle spielt, die ihm zukommt. (Beifall rechts.) Abg. Gröber (Ztr.): Für die jetzige Lösung Habern wir uns vor allem aus dem Grunde entschieden, weil jede Generation ihre Flotte selbst bezahlen muß und man dies nich-1 einer späteren Generation zuschieben darf, wie es auf dem Wege der Anleihe geschehen wäre; denn die Lebensdauer der Kriegsschiffe betragt höchstens 25 Jahre. Die Anleihezinsen wären doch ohne weiteres aus die große Masse gelegt worden, das haben wir vermieden. Die Einführung einer Reichseinkommensteuer hätte die Finanzhoheit zahlreicher Bundesstaaten einfach aufgehoben und ihnen die ergiebigste direkte Steuereinnahmequelle geraubt. Man hätte neben einer solchen thatsächlichen Mediatisierung dieser Bundesstaaten die förmliche nicht mehr nötig gehabt. Gegen eine Reichsvermögenssteuer lassen sich noch mehr derartige Einwände machen, für eine Reichserbschaftssteuer, die zu den indirekten Steuern gehört hätte, fand ich in der Kommission einzig bei den Nationalliberalen Entgegenkommen. Es finb also blos die anderen indirekten Steuern übrig geblieben. Wenn Graf Kanitz uns jetzt gewissermaßen zum Vorwurf macht, daß wir keine Reichs weinsteuer vorgeschlagen hätten, so überlasse ich die Antwort auf diese Anregung den Agrariern aus dem deutschen Süden und Westen. (Heiterkeit.) Herr Siemens sagt, die Börse sei das beste Reservoir für Deutschilands Macht und Größe; wir halten für dies Reservoir jedoch nicht die Börse, sondern denj gesunden deutschen Mittelstand in Landwirtschaft und Gewerbe. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Den gerade wjoklen wir schonen und die Börse heranziehen, deren Interessenten fast schon beleidigt sind, wenn man sie nur dem Mittelstände zuzählt. (Heiterkeit.) Was die Kommissionsbeschlüsse Vorschlägen, trifft Leute, die zweifellos recht gut in der Lage und mehr als die unter ihnen stehenden Schichten im stände sind, oiese Last zu tragen. Wer wie die Sozialdemokraten bei solcher Gelegenheit die Börse gegen diese Belastung zu schützen versucht, der muß -sich gefallen lassen, als Schutztruppe der Börse bezeichnet zu werden. (Zustimmung, Äirm links. Abg. Bebel ruft: Unverschämtheit. — Präsident Graf Balle st rem ruft den Abg. Bebel für diesen Ausruf zur Ordnung.) Wir stimmen für das Flottengesetz nur unter der Voraussetzung, daß die Steuervorlagen im großen und ganzen solche Erträgnisse abwerfen, wie sie in der Kommission nachgewiesen worden finb. Würde daran abaebröckelt, so würden wir die Deckungsfrage nicht als gelöst ansehen können und die Konsequenz bei der Schlußabstimmung über das Flottengesetz ziehen müssen. Abg. Rickert (fr. Vg): Was versteht Herr Gröber unter Mittelstand ? Wir wissen es in der That nicht. (Große Heiterkeit im Zentrum.) Von welchem Steuersatz fängt der Mittelstand an, wo hört er auf? Ich bedaure, daß die Reichseinkommensteuer und die Reichsvermögenssteuer keinen Anklang gefunden haben. Die Vermögenssteuer hätte eminente Vorzüge gehabt, sie trifft nur wenige Taufende und die Kontrolle wäre leicht, gewesen, auch die Finanzhoheit der Einzelstaaten damit nicht geschädigt worden. In der früheren Kommifsionsberatung 1897/98 haben doch auch gerade vom Zentrum Herren wie Herr Lieber, Herr Gröber, Herr Müller-Fulda Anträge auf Zuschläge zu den Einkommensteuern für die Deckung der Flottenausgaben eingebracht. (Bewegung.) Abg. v. Siemens bezieht sich auf die Rechtsprechung! des Reichsgerichts in Sachen der Termingeschäfte. Dem Grafen Kanitz bemerkt er, daß er die Kandidatur zum Reichstage nicht angenommen habe, um feine persönlichen, sondern um allgemeine Interessen zu vertreten und wenn Graf Kanitz ihm daraus einen Vorwurf mache, so beklage er ihn, aber nicht sich. (Beifall links.) Abg. Graf Kanitz: Wenn Börfenspieler emittieren, die sich zwei verschiedene Konten halten, eins beim Bankier A., eins beim Bankier B., so sehe ich nicht ein, warum man solche Leute nicht zu einer kleinen Selbstabgabe anksalten! -soll. (Große Heiterkeit.) Abg. Bebel: Der Ausdruck Schutztruppe der Börse (Sehr richtig! im Zentrum) gegen uns ist eine beispiellose Beleidigung und Verdächtigung. Sind die Manipulationen der Börse gesetzwidrig und unmoralisch, dann sollten die Behörden gegen sie einschreiten. Wir sind aber gegen eine Steuer, die den legitimen Verkehr belastet. Man beruft sich auf den Mittelstand; die ganze Schutzpolitik ist auch im Namen des Mittelstandes eingeführt worden, und die Wirkung war die Förderung des Kapitalismus und die fortschreitende Zerstörung des Mittelstandes des Kleingewerbes. Wenn wir für eine Reichseinkommensteuer eintraten, setzten wir natürlich voraus, daß diejenigen, die wie Graf Kanitz unter geflickten Strohdächern wohnen, nicht davon betroffen werden sollten (Heiterkeit), fonberrt diejenigen, die unter Schieferdächern wohnen. Aber man will eben keine direkte Steuer, man will bei indirekten Steuern bleiben, und es ist das Charakteristische, daß damit jetzt auch das Zentrum einverstanden ist. Abg. Richter: An sich habe ich gegen die lieber* tragung der Landeserbschaftssteuern auf das Reich nichts einzuwenden. Keine Steuergefetze, keine Flotte! das ist jetzt der Schlachtruf des Zentrums. Wenn jetzt ein Zehntel Prozent an dem Stempel abgefetzt wird, dann fort mit der Flotte; das ist in der Thal die „gräßliche Flotte".. (Große Heiterkeit.) Abg. Gröber: Wir können darüber keinen Zweifel lassen, daß wir für die Flotte nur stimmen, wenn auch die Steuergesetze mit den herausgerechneten Erträgnissen zur Annahme gelangen. Herrn Bebel habe ich keine unmoralischen Motive zur Last gelegt, sondern nur objektiv konstatiert, daß die Sozialdemokratie stets gegen die Belastung der Börse gewesen ist. Abg. .Schmidt-Warburg (Ztr.) findet die Fassung des § 6 bezüglich der Worte „Mehrertrag" und „Fehlbetrag" nicht ganz einwandsfrei. § 6 wird mit großer Mehrheit angenommen, desgl. § 7, welcher das Flottengesetz gleichzeitig mit den Steuer- gefetzen in Kraft treten läßt und das Flottengefe.tz von von 1898 aufhebt, mit einem redaktionellen Amendement Rickert. — Die Kommission hat ferner drei Resolutionen vorgeschlagen: I. 1) Daß vom Rechnungsjahre 1891 an im Etat für die Verwaltung der faiferlidien Marine die vollen Kosten für Armierung (statt bisher zwei Drittel) und von den Schiffsbaukosten 6 Prozent (statt bisher 5 Prozent) des Wertes der Flotte auf ben orbentlichen Etat übernommen werden. 2) Daß der aus der Aenderung des Reichsstempelgefetzes noch verbleibende Ueberschuß zur Verminderung der Reichsschuld nach Maßgabe bty hierüber im Etat zu treffenden Bestimmungen Verwendung finde. II. Den Herrn Reichskanzler zu er» suchten, dahin zu wirken, daß im Interesse der Landwirtschaft und zum Zweck ihrer Versorgung mit den nötigen Arbeitskräften frie deutsche Reichsgrenze für den erforderlichen Zuzug fremdländischer Arbeiter geöffnet werde. III. Die verbündetem Regierungen zu ersuchten, fpätestens Anfang der nächsten Session des Reichstages einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die Besteuerung des Saccharins und ähnlicher Süßstoffe in einer der bestehenden Zuckersteuer und der Süßkraft ber künstlichen Süßstoffe entfprechenben Höhe gesichert wirb. Die Resolutionen werben sämtlich angenommen!, biejenige unter 2. gegen bie Stimmen ber Sozialdemokraten, ber beibert Volksparteien, ber meisten Nationalliberalen, einiger Mitglieder des Zentrums und ber Rechten, biejenigen unter 3., nachbem Abg. Richter gegen bieselbe bemerkt hat, baß Zucker unb Saccharin ihrem Ernährungsl- werte unb Zuckergehalte nach verschieben seien, unb baß es baber nicht angezeigt erscheine, ber Besteuerung auf biefe '<9eife zu präjubizieren. Gegen einhalb 6 Uhr wirb bie Fortsetzung ber Beratung auf Freitag vertagt. (Vorher britte Beratung bes Handelsabkommens mit England.) Alldeutscher Verbaudstag. Mainz, 7. Juni. Der Alldeutsche Verband hat gestern morgen mit einer Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses begonnen. Es wurde mitgeteilt, daß sämtliche 5 Mitglieder der Hauptleitung der Tagung nicht beiwohnen können. In der Sitzung wurden zunächst die Tagesordnungen der auf den Nachmittag anberaumten Vorstandssitzung und der morgigen Hauptversammlung durchberaten und die Richtung der zu erstattenden Berichte, sowie die Entschließungen, die namens deS AuSschusieS erfolgen sollen, festgestellt. Sodann wurde die Erledigung einer Reihe von internen Verbandsangelegenheiten vorgenommen. Wir heben daraus hervor, daß aus dem Burenfonds deS Verbandes, der rund eine Viertelmillion erreicht hat, ein Betrag von zunächst 10000 Mk. an die Ortsgruppe Johannesburg des Alldeutschen Verbandes als weitere Abschlagszahlung zur Unterstützung der Hinterbliebenen Gefallener u. s. w. überwiesen unb der Hauptleitung zu ähnlicher Verwendung noch 20000 Mk. aus genanntem Fonds zur Verfügung gestellt werden. Inzwischen soll die Sammlung fortgesetzt werden. Im „Kötherhof- fanden am Abend die Begrüßungsfeierlichkeiten statt. Nach einigen Vorträgen der Musikkapelle des Pionierbataillons Nr. 11 ergriff der Vorsitzende der Ortsgruppe Mainz, Rechtsanwalt Claß, das Wort, um die Erschienenen zu bewillkommnen. Oft von Beifall unterbrochen, gab er bekannt, daß die ReichsratSabg. Wolf und Mühlwerth aus Oesterreich, Pastor Jacobfen-Scherrebeck, Baron v. Ziegesar-Brüffel für die Vlämen, und ferner Vertreter von Siebenbürgen und Niederland anwesend seien; ihnen widmete er ganz besondere Worte der Begrüßung, ebenso den anwesenden gleichgesinnten Vereinen. Ts sind dies: der deutsch - nationale Handlungsgehilfen - Verband, Allgemeiner deutscher Sprachverein, Schulverein, Evangelischer Bund, Flottenverein, Wartburgbund, Ostmarkverein, Odin und deutscher Verein Nord-Schleswig. Dr. Reis- mann-Grone aus Effen a. d. R. dankte namens der Hauptleitung. Proseffor Samasfa, der Chefredakteur der „Alldeutschen Blätter-, übermittelte die Grüße der Führer. Im Namen des ReichsratSabg. Wolf, sowie im eignen Namen dankte ReichsratSabg. Mühlwerth-Krems. Er teilte mit, daß in Krems a. d. Donau die Absicht bestanden habe, eine Ortsgruppe des Alldeutschen Verbands zu gründen, waS aber durch die österreichischen Vereinsgesetze verhindert wurde. DaS habe aber seine Freunde nicht abgehalten, sich als Mitglieder dem Allgemeinen Verband lose anzuschließen. Redner gab einen Rückblick aus die Hetzpolitik der Czechen. Er forderte die Deutschen im Reiche auf, ihren Brüdern in Oesterreich die moralische Unterstützung zu leihen. Alsdann übermittelte Herr Karl Pröll die Grüße des deutschen SchulvereinS. Weiter sprach Baron v. Ziegesar-Brüffel, der die Grüße der Niederdeutschen überbrachte und darauf hinwies, in welch schwerer Lage der niederdeutsche Stamm jetzt durch den Sieg der Engländer sich befinde. Die Opfer des Krieges seien nicht umsonst gebracht worden; dort habe sich zuerst die Blutsbrüderschaft von Hoch- und Niederdeutschen bewährt, die nie mehr getilgt werden könne. Professor Dr.^Liesegang sprach als Vertreter des Ostmarken-VereinS dem Alldeutschen Verband den Dank aus für seine entschiedene Stellung in der Polenfrage. Geschäftsführer Geiser leitete mit einem Trinkspruch auf die rheinische Gastfreundschaft in die Fidelität über, die die Festgäste lange zusammenhielt. Am Nachmittag deS ersten Tages eröffnete Dr. Reiß- mann -Grone eine Vorstandssitzung, in der zunächst eine Satzungänderung dahingehend angenommen wurde, daß die Zahl der Mitglieder des Vorstandes auf 300, die des Ausschusses auf 20 erhöht werden kann. In den Vorstand wurden sodann neu gewählt Kgl. Offizial v. Mayer, Lindau am Bodensee, Rechtsanwalt Dr. G. Pezoldt, Plauen im Voigtland, Schriftsteller Otto Ammon, Karv ruhe i. B., Professor Stinzing, Jena, Professor Hey k München, Landgerichtsdirektor Stephan, Darmstadt. Es wurde hierauf der Auszug aus einem Bericht! Dr. LehrS Über die Thätigkeit des Alldeutsch« Verbandes seit 1897 verlesen, woran sich eine interessant! und lebhafte Aussprache knüpfte. Es wurden mehrfach Klagen laut über wenig loyale Stellungnahme det Deutschen Flottenvereins zum Alldeutschen Verband was dem Ausschußmitglied Fabr. S i m o n s - Elberfeld Ber anlaffung gab, sich in längerer Rede über die Ziele uib Bestrebungen des Flottenvereins und des Alldeutschen Der bands auszusprechen. In der weiteren Besprechung rvurbr die Frage der Unterstützungen für deutsche Schulen iw Auslande berührt und festgestellt, daß die Mk. 300,000, die das Reich als Zuschuß zu diesem Zwecke bewilligt hvt im letzten Jahre nicht ganz anfgebraucht worden find, war Staunen erregte, da eine ganze Reihe deutscher Schulen noch dringend der Unterstützung bedürfen. Bei dieser @e< legenheit wurden mannigfache Klagen Über die Haltung einer Reihe deutscher Konsuln im Auslande gegenüber diese! Frage laut, und der Vorsitzende nahm Veranlaffung festzustellen, daß eine der nächsten und wichtigsten Aufgaben des Verbandes sein müffe, auf eine Reform deS deutschen Konsulatswesens hinzuwirken. Damit waren die geschclst- lichen Verhandlungen deS heutigen Tages beendet. Der Rechenschaftsbericht giebt nicht nur einen Ueberblick über die geleistete Arbeit, sondern auch eine programmatische Darstellung der Ziele des Verbandes. Di! aufsteigende Entwickelung des Alldeutschen Verbandes koim in folgenden Zahlen zum Ausdruck: Mitglieder Besteller d. Ortsgruppe Alld. Bl. Am 1. ordentl. VerbandS- tag September 1894 5600 2200 am 2. ordentl. Verbandstag 1. April 1897 10217 4367 75 am 1. April 1900 21361 8279 184 Von den 21361 Mitgliedern sind 17 577 in Orte gruppen organisiert; unter Vertrauensmännern stehen 2725 und 1059 find Einzelmitglieder. Die Ortsgruppen vn teilen sich: 158 im deutschen Reiche mit 16,577 Mitgliedern, 5 im übrigen Europa „ 319 „ 13 in Amerika „ 371 „ 2 in Afrika „ 83 „ 5 in Asien „ 208 „ 1 in der Südsee „ 19 „ In der Polenfrage trat der Verband mit der Gründung des Vereins für Waisenpflege in der Provinz Pose, und der Errichtung bej3 Waisenhauses zu Neuzedlitz hervor. Letzteres beherbergt 34 Kinder und wird demnächst durch Errichtung einer landwirtschaftlichen Winterschule erweitert werden. Der Vorsitzende des Verbandes, Pros. Dr. Haffe, Hai im Reichstage eine wesentliche Erhöhung der Reichsuntei. stützung an deutsche Schulen im Auslande auf 300 000 Ml durchgesetzt. Die brutale Vergewaltigung ihrer Stammesbrüder in Südafrika durch England habe die Niederländer auf die Gefährdung ihres eigenen Kolonial-BefitzeS aufmerksam ge macht und den Gedanken eines wirtschaftlichen Bündnisse mit Deutschland bei voller Aufrechterhaltung der staatliche!: Selbständigkeit bedeutend gefördert. Die Niederwerfung der Buren betrachtet der Verband als eine ernste Ee fährdung der deutschen Jntereffen in Aftika. Er ertm' an, daß die Regierung gezwungen ist, Neutralität zu übtn, hat aber den Sympathien des deutschen Volkes für bi' Buren einen positiven Ausdruck ermöglicht in einer Bum sammlung. die bisher die Hohe von 230513 Mk. erreich hat. Davon sind zu einer mit vlämischen Freunden g- meinsam ausgesandten Alldeutschen Ambulanz bis jch 36 081,37 Mk. ausgegeben, 6688 Mk. zur Linderung ber Not der Gefangenen in Kapstadt, 21 200 Mk. an die Ortt gruppe Johannesburg überwiesen zur Unterstützung der not leidenden Angehörigen der im Felde stehenden Buren wl Deutschen. Nach dem Rat sachverständiger Kenner der Tri haltniffe werden größere Zahlungen vorläufig nicht M wiesen, da die größte Not erst noch kommen wird. In der Kolonialpolitik hat der Verband die St* setzung von Kiautschau, den Erwerb der Karolinen- nt Marianneninseln, vor allem den Samoas, freudig begrüß In der Behandlung unserer afrikanischen Kolonien läßt d nach Ansicht des Verbandes die jetzige Kolonialleitung a der nötigen Energie fehlen (ostafrikanische Zentralbau Auch die Art, wie sie große Länderstrecken an Gesellschaft von zweifelhaftem Deutschtum, ohne ausreichende Ge^r leiftungen, vergebe, verdiene Tadel und habe das Vertrat zu dieser Leitung in allen Kreisen des Alldeutschen Verbal erschüttert. Bereits 1895 habe der Verband eine starke beutw Kriegsflotte für notwendig erachtet. Schon 1896 trat <• in eine ausgedehnte Agitation ein. In Errichtung Mtr Denkmals für den Admiral der ersten deutschen Flo"^ Karl Rudolf Brommy, erfüllte der Verband eine Pflicht d« Pietät. Der Verband erkennt es als fein höchstes Ziel, ir Bismarck'schem Geiste zu wirken für die Ehre und Grch des deutschen Namens. Aus Stadt und Land. Auszeichnung. Dem evangelischen Pfarrer und Dekali Kirchenrat Friedrich Heß zu Crumstadt, wurde anlatzl!« seines 50jährigen Dienstjubilaums die Krone zum Rtlic kreuz 1. Klaffe deS Verdienstordens Philipps des Grok mütigen verliehen. " Die frauzöfischen Vvrtrage, auf bie wir vor einig« Zeit hinwiesen, werden (siehe Inserat in unserer gestrigr sl«9 ^""*1. " d-.Kr-Ä °L:S *.’Ä: Hebe Sb7tzk, *"b be« aubeits ' fc"k ^.deutsche fcf6 ' daß die W >' ® iw« V -N« bentfinl eb*. srj “Ä übn * l ’nT"» Segenübr .,”* 8«tqnlajjn ’ltle,Nom des br * waren die 9t ? ^lgrs beendet. nicht NA ?' sondern auch eil, >kte des Lerbandes. putschen Berbaudes1 li: Besteller d. OrtSsn WML 2200 t 4367 8279 fti * find 17577 iiD- nuenswannern stchv. Die OrlSMkl r 16,577 9JHtgte 319 , 371 . 83 n M . 19 H t Lcrband mit der Gn ege in der Provinz K ufti iu $tiytbli$ Her«, b ivirb btmnäifi bur n Sintttföult tttceik. ä.VA-^'W^ # ÄÄ!M^ 'ttx AWurl! Marivr 300 000 31 g ihrer StaMijbriiber die Nieder!^ ü । ,ja!-BefißeS auf*: wirtschaftlichen Ws ichterhaltung der dert. Die Nieder band als eine tw ,n in UM Er r Itn i», totrWF 8 btifteu BoKtf K trmöÄ'«* 81 1 »ISM« r-e°» ° Men Sntbulanz >88 M. !“ 21"be?i 21200 WH. an bte» -L- ■06 kommen mv. «wtsi ’Ä*** rZxSS *tfh'Äbt 6: ’Ä* ftSÄ*8rf ***x®'! 1 ««■ 3” jlflÜ 8^' „illllei .«"sys Ä«' ordeno eini, Nummer) am 12. Juni ihren Anfang nehmen und mit dem 6. Vortrag am 24. Juli ihren Abschluß finden. ** Am Donnerstag der nächsten Woche, 14. Juni, von IO*/? Uhr ab, tagt in Gießen, Steins Garten, die „Gießener Theologische Konferenz", die Geistliche aller Richtungen aus dem Großherzogtum, aus den Konfistorialbezirken Cassel, Wiesbaden, Frankfurt, zumal auch aus dem Kreis Wetzlar, zu vereinigen pflegt. Borträge werden gehalten von Herrn Prof. D. Joh. Weiß-Marburg über „Die Idee des Reiches Gottes in der evangelischen Theologie" (Referat), und Herrn Pf. E. Förster-Frankfurt über „Die Rechtslage der evangelischen Kirche in Deutschland 1800 und 1900“ (mit Thesen zur Diskussion). ” Defitzwechsel. Das Haus des Herrn Schulmeyer, Ludwigstraße 12, ging für den Preis von 48 000 Mk. in den Besitz der Ortskrankenkasse Gießen über. Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Totgeborenen, betrug in der Woche vom 20. bis 26. Mai in Mainz 40, in Darmstadt 31, in Offenbach 22, in Worms 9 und in Gießen 10, zusammen 112, davon 30 im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 1000 Einwohner kamen auf Mainz 25,6, Darmstadt 22,8, Offenbach 26,4, Worms 12,3 und auf Gießen 12,0 — Die Todesursache anbelangend, verstürben an Masern und Röteln 5 (Mainz 1, Darmstadt 4), an Scharlach 1 (Darmstadt), an Rachenbräune 2 (Mainz), an Keuchhusten 3 (Darmstadt), an Diarrhöe und Brechdurchfall 4 (2 in Offenbach, je 1 in Mainz und Worms), an Lungenschwindsucht 14 (5 in Mainz, 4 in Gießen, 3 in Darmstadt, je 1 in Offenbach und Worms), an entzündlichen Krankheiten der AtmungSorgane, inkl. Influenza, 16 (6 in Mainz, 5 in Offenbach, je 2 in Darmstadt und Worms, 1 in Gießen), an Gehirn-Apoplexie 4 (3 in Mainz, 1 in Darmstadt), an allen übrigen Krankheiten 62 (22 in Mainz, 17 in Darmstadt, 13 in Offenbach, je 5 in WormS und Gießen), gewaltsamen Tod erlitt 1 Person (WormS). § Holzheim (Kr. Gießen), 7. Juni. In einem Strohhaufen auf dem Felde wurde heute die Leiche eines ortsfremden Mannes aufgefunden, der anscheinend der Bettler- klaffe angehörte. Die Behörde traf zur Untersuchung des Falles noch gegen Abend hier ein. Friedberg, 7. Juni. In der letzten GemeinderatSfitzung wurde u. a. auch über die Herstellung des Stadt- kirchenturmeS beraten. Architekt Kratz, der im Auftrage des Bürgermeisters erschien, legte zwei Projekte über die Wiederherstellung der Westseite der Stadtkirche vor. In dem ersten Projekt ist der südliche Turm vollständig auSgebaut. Die Kosten der Ausführung dieses Entwurfes stellen sich auf 200—220 000 Mark. Das zweite Projekt stellt den Vermittlungsvorschlag dar. Der nördliche Turm wird mit der Südseite des Langhauses in Einklang gebracht. Die Kosten der Renovation des nördlichen Turmes mit Herstellung der Gallerie stehen auf 16—17 000 Mk. Der südliche Turm wird ungefähr 3 Meter heraufgeführt. Die Ausführung dieses Teile« der Westseite wird auf 12 bis 13 000 Mk. zu stehen kommen. Im Ganzen kostet also die Ausführung beider Türme nach dem Vermittlungsvorschlag 28—30 000 Mk. Die Summe wurde bewilligt. Ferner wurde der ortsübliche Tagelohn gegen früher erhöht, männl. Arbeiter Mk. 2.50, jugendl. männl. Arbeiter Mk. 1.20, weibl. Arbeiter Mk. 1.50, jugendl. weibl. Arbeiter Mk. 1.-. (Neue Friedb. Ztg.) x Alleudorf a. d. Lda., 7. Juni. Heute ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall. Der 20jährige Sohn des Maschinenbesitzers Heinrich Wagner VI. war an der Kreissäge beschäftigt; dabei drang ihm durch einen unglücklichen Zufall eine Latte tief in die Brust. Der an der Lunge schwer Verletzte wurde nach Gießen in die Klinik gebracht, wo er bald nach der Ankunft starb. Salzschlirf, 8. Juni. Der kommandierende General des 11. Armeekorps, Excellenz v. Wittich, ist zur Kur hier eingetroffen. — Da Salzschlirf für das 7., 8., 11. und 18. Armeekorps in die Reihe der Militärkurorte eingetreten ist, fand am SamStag eine Besichtigung des Bades durch den Generalarzt Dr. Jarosch statt, der feine rege Befriedigung über die Zweckmäßigkeit und Annehmlichkeiten der hiesigen Kureinrichtungen zu erkennen gab. -----i 1 i'i - ...... ' * i . ■ 1 ■ .1' i1?.. - Vermischter. * Eine romantische Erzählung der heimlichen Trauung eines Neffen des Reichskanzlers, Fürsten v. Hohenlohe, des jungen 21jährigen Prinzen Heinrich von Sayn-Wittgenstein, einzigen Sohnes des Prinzen Friedrich, der bei Petersburg begütert sei, wird von Rußland aus verbreitet. Da dieser Sohn aber selbst der nur morganatisch geschloffenen Ehe seines Vaters mit Fräulein Wilhelmine Hagen entstammt, hat er den fürstlichen Namen Sayn nie geführt; denn der Vater verzichtete auf alle mit dem Sayn- schen Fideikomiß verbundenen Rechte und führt seit 1879 selbst nur noch den Namen eines Grafen von Altenkirchen; der Sohu ist auch nicht Graf, sondern heißt v. Altenkirchen. Dabei sei bemerkt, daß der zweite Bruder der verstorbenen Fürstin Hohenlohe, zu dessen Gunsten der Aeltere verzichtete, als Wittwer einer Prinzeß Blaca d'AulpS, 1883 wiederum zu Gunsten feines Sohnes verzichtete, um Fräulein von Krolkowska heiraten zu können, und den Namen eines Grafen Hachenburg annahm, während der Gemahl der ehemaligen Tänzerin Amalie Lilienthal aus Berlin, jetzigen Frau v. Reischach, den Namen eines Fürsten von Sayn beibehielt. Allerdings blieb die Ehe, die der Tod des Fürsten 1876 nach achtjähriger Ehe löste, kinderlos. * Wieder ein Absturz! Im Karwendel stürzte der Tourist Trapp, ein Kunstmaler aus Darmstadt, der an der Münchener Akademie studierte, ab. Er stand im Alter von 24 bis 25 Jahren und wird als außerordentlich talentiert geschildert. Münchener Freunde des Verunglückten haben sich nach Scharnitz begeben, um die Leiche in Empfang u nehmen. Sie soll bann von München nach Darmstadt gebracht werden. Kunst und Wissenschaft. Köln, 7. Juni. Der deutsche Lehrer verein hielt, hier seine Hauptversammlung ab. Von beii zahlreichen Vor4 trägen sei nur erwähnt, daß der Schulinspektor er er aus Worms folgende Leitsätze verteidigte: „1. Die i^it- wickelungsgeschichte der Menschheit lehrt uns, daß neben der Sprache die technische Arbeit am meisten dazu beigetragen hat, den Menschen zu höheren Kulturstufen emporzuheben und seine geistigen Fähigkeiten zu entwickeln; demnach ist die technische Arbeit auf allen Kulturstufen em wichtiges Erziehungsmittel gewesen. 2. Auch für die Kulturmenschen unserer Zeit ist die technische Arbeit ein wichtiges Erziehungsmittel, sie dient zunächst der Bildung von Auge und Hand, befördert aber auch weiterhin die geistige und sittliche Bildung. 3. Die Entwich lung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des deutschen Volkes verlangt eine größere Berücksichtigung des technischen Moments in der Jugendbildung, insbesondere in der Volksschule; diesem Zwecke soll in erster Linie der Handfertigkeitsnnterricht dienen. 4. Der Hand- fertig leit sunt erricht mutz, wenn er seine volle Wirkung ausüben soll, ein organischer Bestandteil des Lehrplans der Volksschule sein und nach pädagogischen Grundsätzen erteilt werden. 5. In ihrer gegenwärtigen Gestaltung Jana jedoch die Volksschule dieser Forderung nicht nach- lommen; es muß erst eine Umgestaltung des Lehrplans nach den Forderungen des Kulturlebens und der Pädagogik unserer Zeit erfolgen. 6. Solange das nicht qeschel-e'ii ist, muß der Handfertigkeitsunterricht m Nebew- klassen, Schülerwerkstätten und .Knabenhorten methoorsch weiter ausgebildet werden". Die Versammlung sprach sich jedoch nach lebhafter Debatte mit aller Entschiedenheit gegen die Aufnahme des Handfertigkeitsunterrichts in den Lehrplan der Knabenschulen aus. «in- Wichtig- medizinisch- Entdeckung. «m Hygienischen Institut der Universität Würzburg wurde eine wichNge medizinische Entdeckung gemacht: die bakterienvernichtende Eigenschaft bestimmte elektrischer Ströme, die zur Heilung einer Anzahl auf Infektion durch Bakterien beruhender Krankheiten angewendet werden können. L>as einfache Verfahren ist von Zahnarzt Zierler entdeckt und erfolgreich angewandt worden. Das Verfahren ist mehrere Zentimeter hef wirksam, aber schmerzlos, da nur Ströme von lOWstel Ampöre Verwendung finden. Maßgebende Kreise sind von der Bedeutung der Entdeckung überzeugt, über die eine größere Veröffentlichung in Aussicht steht. S ißt zu einer guten Tasse -w Kaffee unumgänglich notwendig. (Original-Marke in Dosen.) Bekanntmachung. Alle Steigerer, welche sich noch mit der Abfuhr deS Holzes im Gietzeuer Ttadtwald im Rückstände befinden, werden aufgefordert, die Abfuhr ihres Holzes aus dem Wald um so gewiffer bis zum 20. Juui d. I. zu bewerkstelligen, als sonst forstgerichtliche Anzeige gegen sie erhoben werden wird. Gießen, dm 6. Juni 1900. 4006 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ___________Gnauth. __________________ Bekanntmachung. Die diesjährige Graserute von Wegen uud Schneisen im Siebener Stadtwald soll Dienstag den 12. Juni d. I., vormittags IO’/, Uhr, i« Hose bei der Bürgermeisterei, Garteustraße 2, öffentlich versteigert werden Die Großh. Bürgermeistereien der umliegendm Orten werden ersucht, die» in den dortigen Gemeindm bekannt machm zu laffm. Gießen, den 6. Juni 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 4005_______Nnvukh._______________________ Bekanntmachung. Nachdem die Stadwerordueten-Ber'ammlung in ihrer Sitzung nom 31 Mai 1900 beschlossen hat, die Gebühren für all« auf deu beide« ftüdtische« Lastwaage» vorkommeude» Verwiegungen vo« Wagenladungen ans 1 Psg. pro Zentner sestzusetze», bringen mir dies mit dem Anfügen zur allgemeinen Kenntnis, daß der neue Gebührensatz mit dem Erscheinen dteser Bekanntmachung in Wirksamkeit tritt. Gießen, den 6. Juni 1900. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 4004 Rübsamen'sche Bade- und Schwimm-Anstalt. - Hierdurch die ergebene Mitteilung, daß die Anstalt in allen Ab- tellunoen eröffnet ist, und lade ich zum Abonnement höflichst ein. Die Lifte liegt in der Anstalt zum Einzeichnen offen, und bitte ich, nähere Bedingungen daselbst zu erfragen. (Für Familien Preisermäßigung; Semefterkarten für die Herren Studenten ebenfalls zu ermäßigten Preisen.) Die Badestunden für die Schuljugend find vormtttags von 10 bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr. In diesen Stunden wird gute, aewifienbaste Aussicht geübt, sodaß die geehrten Eltern m jeder Beziehung benlhigt sein fönneu. Schwimmunterricht in den gleichen Stundem 9 Die Anstalt ist geöffnet von morgens 6 Uhr bis 1 Uhr mittags und von 3 Uhr mittags bis 8 Uhr abends. 3973 Albert Rübsamen. Wlanz am 31. Dezember 1899. Aktiva. Passiva. 1 enfilien-Konto 156.82 Mitgliederanteil-Konto 510.- Kaffenbestand 367.33 Reservefond 1498.04 Waaren-Konto 8124.10 Betriebsrücklage 1644.45 Diverse Warenausstände 672.05 Aufgenommene Kapitalien 1500.— Diverse Gläubiger 3404.97 Reingewinn 762.84 9320.30 9320.30 Mitgliederstand Enl x 1898 102 Zugang in 1899 — Abgang in 1899 4036 Zahl der Mitglieder Ende 1899 102 Beuern, den 7. Juni 1900. Konsumverein II, G. H. m. unöeschr. Kastpflicht. Konrad Gommerlad IV , PH. Liudenstruth V., Dirck.or. Lagerhalter. Akademische Vorträge Mittwoch den 20. Juni 1900, abends 8 Uhr. Professor Dr. von Wagner: Der Kampf ums Dasein in der Tierwelt. Eintrittskarten sind in der Ricker’schen, Frees’schen und Ferber’schen Univ. - Buchhandlung, Studentenkarten beim Uni- ▼ersitatshausmeister zu haben. 4019 Pflasterstein- Lieferung. Zur Herstellung ven Fahrbohn- pflaster in hiesiger Gemeinde soll die Lieferung von 78 cbm gerichteten Basaltpflastersteinen (Hartbasalt) in öffentlicher Submission vergüten werden. Termin ist anberaumt auf dikllstag den 16. Im b. Is., vormittags 10 Uhr. Die entsprechenden Offertformulare mit Bedingungen können von uns gegen Einsendung von 20 Pfennigen (m Briefmarken) bezogen werden. Seligenstadt, am 28. Mai 1900. Großh. Bürgermeisterei Seligenstadt. Hover. 3893 Prima neue Matjes-jUringe eingetroffen. 3870 H. F. Nassauer Telephon 92. Aeuenweg 15. Französische Vorträge Dienstag den 19., 26* Juni und 10«, 17«, 24. Juli abends 8 Uhr, in der Lteinen Aula der AniversttLt. Die Teilnehmer werden gebeten. EintrittSkart-rr zum Preise von Mk. 5.— für den Cyklus von 6 Vorträgen in der Ricker'schen Buchhandlung oder bei Herrn Verwalter Stork in Empfang zu nehmen. 4016 Lektor A. Goetschy. KieukOchtkrukrem für Gießen uud Umgegend. V er Sammlung Sonntag deu 10. Juui, nachmittags 3 Uhr, bet Bauer. Tages-Ordnung: 1. Vereinsangelegenheiten, hier: Haftpflicht. 2. Erhebung der Beiträge'. Bemerkt wird, daß Waben uno Bienengerätfchaften vorrätig sind. Der Vorstand. Eier 5Va und 5 Pfg. H. Arnold H., ________Marttstraß- 38. 3097 Ad. Geisse empfiehlt Kücken- v. Geflügelfnlter sowie Hundekuchen 8942 der Mrstde-tschkll Hmdekochkv-jabrik Köln-Laugenfeld. KeMer Kos, Mutzbach Hmkli-Lravilttkil / rt rr. r rri.a 2765 3765 empfiehlt billigst icvre 2024 Das beste Waschpulver 3261 bei KOln a. Rh. Zu Bäckereien, Braten, Gemüse ist la 8902 gewaschenen 1 gcWdSvllüllCU I i ■ je Waldgirmes. £ahtt$aild M iMtiin<1 Iß. Htlh AA ▲ ▲ X T X Wohnungseinrichtungen.^ Kriegerfeft Sonntag den IO. und Montag den 11. 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