1900 Samstag den 9. Juni monatlich 75 Psg. Äy mit Bringerlohn; ♦ 53cinQ5preis »ierleliährl. Mk. 2,Ä durch die AbholesteN« »ierteljährl. Mk. 1,9# monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 oierteljiltt mit Bchellgeld. m A “««btiefe to(l , Xetegtamwe be« Gieheuer Anzeigers. gonboe, 8. Juni, «us Pretoria wird vom 5. Juni gemeldet, daß jeder Widerstaud der Buren um die Stadt herum ausgehört hat. Heute zöge- sich alle kämpsendeu Buren nach Lhd-nburg zurück. Eine Bot> ul“>4 MI< «n^i,,n-v-r»i,!l>i»4»I-lln> b<« In. “”k euM«nbich«. 4 mal deigrlegt. W 0091 »U abzuschneiben, inbem er bie Eisenbahn nach -yden- burg zerstörte. Sein Plan ist jedoch nicht gelungen. London, 8. Juni. Der Lord-Mayor beantragte, die verhafteten Personen, die vor dem Manfton House am Tage der Einnahme von P^wria.den Kuudsebern ine Taschen plünderten, mit einer Gefangnissttafe von secys. Monaten zu belegen. „ Born Verein für Franenstudium ist der Konferenz ein Memorandum, betteffend das Mädchen schulw e se n , übersandt worden. Das Memorandum befürwortet die GründungvonMädchenrealschulenmit gleichem Lehrplane, gleichen Lehrbüchern und gleicher Lehrmethode wie in den Knabenschulen, als eine solide Allgemeinbildung auch für das weibliche Geschlecht und als bester Unterbau für einen von den Abfolventnmen fpäter eventuell zu ergreifenden praktischen oder wissenschaftlichen Beruf. Von der Berliner Schnlkonferenz. | Ueber die Beratungen des ersten Tages der Schul-Kon- I serenz teilt bie „Kreuzzeitung", beten Chef-Redakteur Prof. I Dr. Krvpatscheck der Konferenz angehört Folgendes mtt: I ,Es wurde die völligeGleichstellungber drei I neun klassigen höheren Schulen — al so auch I der Oberrealschule — hinsichtlich der Universttats- jmö Hochschulenstudien anerkannt. Dieser Beschluß wate I voraussichtlich einstimmig gefaßt worden, wenn nicht drei I llirivetsitäitsptofessoren — übrigens nicht der Mistischen Fakultät angehörend — die Vorbildung l der zukünftigen Richter und Verwaltung^- I beamten allein dem Gymnasium vindiziert I hätten sehen wollen. Die Mehrheit der Konferenz wat aber I .ber Meinung, daß eine solche Ausnahmestellung^die ganze I Nelotmidee zu Falle bringen müsse, denn für ^heologeu I unR) Philologen könne dasselbe Privilegium mit demselben I Ascht, wie für die Juristen begründet unb geforbert werden. I Dir für gewisse Studien unb Berufszweige notwendigen I Tp»eziaireuntnisse sollen in ber Regel auf Vorkursen auf I bei Universität bezw. Hochschule erworben unb nachgewiesen I Serben. Sobann wirb bie Frage bes gemeinsamen I Unterbaues — Sexta bis Quarta — mit Französisch I .als erster Frembsprache (6—4), Latein erst in 3 b ver- I hambelt. Dem sehr entschiebenen Eintreten ber beiben mut» tärischen Vertreter des Kabetteichauses verbankt es biefe I Organisation ber sogen. „Frankfurter Reform- I schule", baß, freilich mit knapper Mehrheit, ein ihr gun- I füg er er Beschluß, als ursprünglich seitens bes Re- I ferenten bes Unterrichtsministeriums vorgeschlagen war, I dahin gefaßt würbe: „Allgemein" einen solchen Unterbau I emzurichten, sei „zur Zett" nicht ratsam, eme zweckent- I sprechenbe Weiterführung unb Forberung ber damit gemachten Versuche sei aber zu empfehlen. Die Diskussion I juar sehr eingehend und anregend. Die Konferenz tagte I von 9 einhalb bis 7 Uhr. . - i Aus der Gesamtliste der „Eingeladenen" ist übrigens ,u erleben daß ihre Zahl fast so groß ist wie die bei der Ktmserenz vom Dezember 1890. Damals ^3, heute!4L_ ©ine .Schulmännerkonsetenz^, wie sie m den Blattern vielfach genannt wurde, ist bie jetzige aber v^l weniger als bie Konferenz. Im Jahre 1890 befanben sich unter ben Geladenen 20 „Schulmänner", einschließlich ber Schulrate, jetzt nur 5 (Oberschulrat Albrecht bie Direk oren Jager, düblet, Reinhard und Schwalbe), dagegen 13 Universttats- | unb berichtet über bie Konferenz Folgende Als das Ergebnis des ersten Tages erfahren wir, i>aß zunächst in der Berechtigungssrage insoweit eine Einmütigkeit in der Versammlung geherrscht hat daß den Aditurientcn der drei SchMgattungen neuustuftger Voll- »ustalten also der Gymnasien, der Realgymnasien und ber Oberrealschulen, der Zutritt zu den Studien an den ll aioersitäten und Technischen Hochchulen in gleicher Weise geöffnet werden soll. Für den Eintritt in die staatlich>e «ieamtenlausbahn sind darüber hinaus diejenigen Beding- irnaeil zu erfüllen, die für das einzelne Fach^ ale. Grundlagen der Staatsprüfung ausgestellt werden, sodaß also zum Beispiel ein Oberrealschul-Abiturient, der m die rich- terliche Laufbahn einzutreten beabfulitigt, sich zur Zeit bei der Staatsprüfung über die erforderlichen Kenntniffe im "ateiiiifcheil ausweifen müßte. Die Anerkennung der Mejchberechttgung für bie drei Schulgattungen wurde in bÄainmInng fast ausschNeßlich von den drei Berliner iVrokestoren Mommsen. Diels und Diltyey mit Nsicht darauf bekämpft, daß narh ihrer Ueberzeuguug d,e -tulalsuna zur juristischen Laufbahn nur auf der Grundlage der vollen Gymua ialbildung erfolgen dürfe^ Für die me- Qm.thnhn waren aud) biese brei Herren mit ber SneÄnnmig ber6 Gleichberechtigung der drei Schul-Gat- tungen einoerstand-ni. bie Beratungen fort «uf Tagesordnung stand, wie uns aus Berlin ge. kÄeb^ wird d°e Frage, wie der U n t e r r i ch t i m G r i e - (ft i f d) e n unb Englischen nach einheitlichen Grunb- fützen an ben höheren Unterrichtsanstalten 5" regeln sei. ^m ällaemeineii stellte sich, die Konferenz aus den Stand- ^nt eiligemc ' Sprachschulen" haben, aber we- 7i"a 'r den /r aktifchen "§edürsnif se n Rech- ™U n a tr a gen. Es mürbe baher eine Einschränkung r ichtsgegenstand 0 • -p > . qaeratungCn wurden um 1 Uhr COTT",“iflSf,e^8trnf?ine toetftünb1ge Pause ein, während 3CÄnie«ne6mer^äur^ftiid ®t«fe( in den Reichshof b.« sich dieTeilnehmer zu s n [iebc)t päbagogi)d)e -staaen zur Diskussion so daß die Verhandlungen heute L zu^Ende geführt werden dürften. äS‘-'s 2 ui DbL jifl Gießener Anzeiger Äeeelee »h Anzeigen zu der aachmitlagS für 03T(T I 1 TT ÖT (T ,ot«nidni «icheinenden Nummrr bis öonn. 10 Nhr. V 4 VV X- V 4 4 7 V W4 V-V fMcMungea spätesten- -denp- »»rher. & O Anrts- und Anzeigeblutt für den Areis Gieren. JMU Mimin ießen. ÄttS Bea»iru-Bnei!i uli 1900 neu /u W? Betreiber toota ihn KtL1 ich biS jum llb.M V. ten - Steinte’. - Persönliche 8* bt. Der Bort«»' ihrräderl lichen Nuntiatur in Berlin geflogen würden, zurzeit ebensowenig etwas bekannt, wie damals, als zuerst verlautete, daß diese Frage mit der Straßburger Fakultätsfrage verquickt werden solle. — Im preuß. Landtage stand heute die freisinnige Interpellation betreffend den Großschifffahrtsweg Berlin-Stettin auf der Tagesordnung. Nach Begründung derselben durch Abg. Brömel (freis.) erklärte Minister v. Thielen: Die mit den Interessenten gepflogenen Verhandlungen hätten sich derart hingezogen, daß es schwer gewesen sein würde, die begonnenen Arbeiten für eine Kanalvorlage zu beenden und ein Gesetz noch in der laufenden Session fertig zu stellen. Noch weniger aber würde es angehen, einzelne Teile der Kanalvorlage besonders zu erledigen. Eine Trennung des Berlin-Stettiner Großschiffahrtsweges von der Kanalvorlage sei nicht möglich. Die Regierung beabsichtige daher, die Kanalvorlage erst bei der nächsten Session, dann aber so frühzeitig einzubringen, daß die Vorlage in aller Ruhe erledigt werden könne. — Der Bundesrat überwies in seiner heutigen Sitzung die Vorlagen betr. die Z u l a s s u n g weiblicher Personen zu ärztlichen Prüfungen dem zuständigen Ausschuß und erteilte dem Entwurf des Gesetzes betr. die Aenderungen und Ergänzungen des Strafgesetzbuches nach den Beschlüssen des Reichstages seine Zustimmung. Ferner wurde dem Ausschußantrag zu dem Entwurf eines Arzneibuches für das Deutsche Reich, vierte Ausgabe, und dem Ausschußbericht über den Entwurf eines Gesetzes wegen Aenderung des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete Zustimmung erteilt. — Die Eisenbahndirektion Essen hat, zugleich int Namen der Eisenbahndirektionen Elberfeld, Köln, St. Jo- Hann-Saarbrücken, Münster, Hannover, Kassel, Frankfurt a. M. und Mainz, eine Mahnung wegen zeitiger Deckung des Bedarfs an Winterkohle erlassen. In dieser heißt es: „Vor allem ist es hierzu erforderlich, daß der Kohlenbedarf für den Winter,, namentlich an Hausbrandkohle, möglichst frühzeitig gedeckt wird, und, um allen Zufälligkeiten im Winter zu begegnen, soweit irgend angängig, Vorräte, wie dies auch von feiten der Eisenbahnverwaltung zur Entlastung des Herbstverkehrs geschieht, in den Sommermonaten angesammelt werden." Karlsruhe, 7. Juni. Der 11. evangelischsoziale Kongreß ist heute hier zusammengetreten. Esi sind mehrere hundert Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands anwesend. Arrsiand. Paris, 7. Juni. König Oskar ist abends hier eingetroffen und am Bahnhof von Präsident Loubet empfangen worden. Bern, 7. Juni. Aus Anlaß des 25jährigen JnbiläumS des Welt-Po st-Vereins, das am 2. Juli in Bern von den Vertretern der Staaten des Welt-Post-Vereins gefeiert werden wird, soll der Beschluß gefaßt werden, zur Erinnerung an die Gründung des Wellpostvereins ein Monument zu errichten. Von englischer Seite soll vorgeschlagen werden, das Monument soll das Bild oder die Büste des verstorbenen Staatssekretärs des deutschen Reichspostamts, Dr. v. Stephan, darftellen oder tragen. Außerdem wird eine Denkschrift ausgegeben werden. Wien, 7. Juni. In der heutigen Konferenz des Exekutivkomites der Rechten, der Ministerpräsident v. Körber beiwohnte, erklärten die Jungtschechen, die Obstruktion nicht aufgeben zu können, wenn ihre Forderungen nicht bewilligt würden. Körber antwortete: Wenn die Tschechen auf der Obstruktion beharrten, so werde das kommen, was kommen müffe, und was die Regierung verantworten wolle. Die Regierung könne nicht dulden, daß Staat und Bevölkerung länger wirtschaftlichen Schaden leide. Das schließliche Resultat wäre der Beschluß, daß die Rechte als parlamentarischer Verband zu bestehen aufgehört habe. Das Parlament dürfte in kürzester Zeit aufgelöst werden. Die Wirren in China. Der Londoner „Morning Post- wird aus Peking telegraphiert: Einem Gerücht zufolge sammelt sich die Hofpartei allmählich innerhalb der inneren oder Tartaren- stadt von Peking. Infolgedessen herrscht zunehmende Besorgnis. Die „Times- meldet aus Peking: Die Missionare in Kalgan telegraphierten, daß ihr Leben gefährdet sei. Die Besorgnis wegen der Mission in Partingfu wächst. Peking ist voller Flüchtigen. Ueber die gerüchtweise gemeldete Ermordung zweier russischer Ingenieure bei Autschaufu fehlt eine bestätigende Nachricht. Nach einer Privatmeldung aus Peking wird die Ankunft des amerikanischen Kanonenbootes Helena aus Manila erwartet, um die internationale Blokade zu beginnen, deren Ausdehnung noch Gegenstand der diplomatischen Beratungen ist. Der amerikanische Resident Couger ist eifrig bemüht, die zwischen Japan und Rußland bestehenden Differenzen auszugleichen, damit dem Kollektivschritt der Mächte ein größtmöglicher Effekt gewahrt bleibt. Der Reuter'sche Korrespondent kam bis 32 Meilen von Tientsin. Dort verbot der chinesische General Nitsch, der bei Yangtsun, 18 Meilen von Tientsin, mit 60 Sol- baten den Zug bestiegen hatte, die Weiterfahrt, du die Gegend augenscheinlich von Boxers wimmle und die Fortsetzung der Reise gefahrvoll sei. Der Korrespondent sah überall die Inschrift „Tod allen Fremden-. Die Ortschaften an der Eisenbahnlinie standen in flammen. — Nach dem glaubwürdigen Berichte des chinesischen Dieners eines belgischen Ingenieurs, der Paoting vor zwei Tagen verließ, sah dieser die Leichen von fünf Fremden und zwei Chinesen im großen Kanal. Plakate sind von den Boxers angeschlagen, in denen gedroht wird, alle Fremden am Samstag zu töten. — In Soeul hat das Vorgehen des japanischen Gesandten in Betreff angeblicher Fälle von Anwendung der Tortur seitens koreanischer Beamter sehr unangenehm berührt. Die koreanische Regierung lehne es ab, dem Gesandten eine Audienz zu erwirken, und der König habe ein direktes Telegramm an die japanische Regierung gerichtet. Die Erörterungen über die Konitzer Mordsache nehmen in der Preffe einen immer breiteren Raum ein. Je nach dem Parteistandpunkte wird die Angelegenheit in sehr verschiedener Weise behandelt. Für die antisemitische Preffe steht es fest, daß in diesem wie in einer Reihe ähnlicher, leider unaufgeklärt gebliebener Fälle sogenannter jüdischer Ritualmord vorliegt, besten Aufdeckung mit allen Mitteln und namentlich durch reichliche Geldaufwendungen zu verhindern gesucht werde und voraussichtlich auch werde verhindert werden. Entgegengesetzt behandeln diejenigen Blätter den Fall, die von vornherein bemüht waren, von jeder Spur eines jüdischen Thäters abzulenken und gar, wie das Kleine Journal, durch einen eigenen „Rechercheur- die Untersuchung auf eine falsche Fährte zn bringen versuchten. Aufgabe der gewissenhaften, ihrer Verantwortlichkeit bewußten Presse kann es nur sein, die grauenhafte Angelegenheit ohne jede Voreingenommenheit, streng sachlich und lediglich in der Absicht zu behandeln, zur Aufklärung, wenn möglich, etwas beizutragen. In hohem Maße bedauerlich ist es dabei, daß die Untersuchung bisher noch zu gar keinem Ergebnisse geführt hat. Die Aufregung, die dadurch an dem Ort der That und seiner nächsten Umgebung entstanden ist, erscheint durchaus begreiflich, wenn sie sich auch nicht immer in der richtigen Weise Luft gemacht hat und Lust macht. Auch in weiteren Kreisen macht sich eine wachsende Beunruhigung bemerkbar, weil sich die zur Entdeckung des oder der Mörder bisher angewandten Mittel so völlig unzulänglich erwiesen haben. Man fragt sich, wie das zu erklären sei. In einzelnen Blättern werden bereits nicht nur an der Fähigkeit und Findigkeit der in Könitz thätigen Beamten, soüdern auch an ihrem guten Willen Zweifel erhoben, die von einer Anfechtung ihrer Integrität nicht weit entfernt sind. So werden in einem Blatte folgende Fragen gestellt: 1. Warum ist Frau Roß noch immer nicht vereidigt? Die Frau beklagt sich über unfreundliche Behandlung seitens einiger die Untersuchung führenden Herren. Warum wird die Frau nicht so höflich be. handelt wie die Frau Lewy, der bei einer Haussuchung gute Befferung gewünscht wurde? Etwa nur, weil sie eine wichtige Belastungszeugin ist? 2. Warum will man den Arbeiter Waslow nicht vereidigen? 8. Hat die Untersuchungsbehörde sich auch schon näher mit der Uhrkette beschäftigt, die von der Aufwartefrau bei Lewy auf dem Ofen gefunden wurde? Hat die Behörde diese Kette, die angeblich dem Moritz Lewy gehört, schon den Mitschülern W.'s vorgelegt? 4. Warum wird das Dienstmädchen, das die stadtbekannte Unterhaltung zweier Juden belauscht hat, nicht vernommen? Falls sie auch schon gedächtnisschwach geworden sein sollte, muß sie der Näherin Pestka gegenüber gestellt werden. 5. Wie steht es mit dem Dienstmädchen, das nach Amerika auSwandern will? Erregt diese Absicht absolut nicht die Teilnahme der Untersuchenden? Wir verzeichnen diese Kundgebung lediglich als Symptom des in weiteren Kreisen herrschenden Mißtrauens, ohne sie uns irgendwie aneignen zu wollen; nur der mit den Einzelheiten der Untersuchung Vertraute kann darüber urteilen, ob und inwieweit sie eine sachliche Berechtigung haben. Inzwischen gibt ein Danziger Blatt in einem Eingesandt eines Strafanstaltsgeistlichen, dessen Inhalt sich auf die Aussage eines getauften, aus strenggläubiger Familie hervorgegangenen, gefangenen Juden, also offenbar eines Sträflings, stützen soll, eine neue Lesart über den rätselhaften Mord. Darin heißt es: Unter der Voraussetzung, daß der junge Winter ein oder mehrere Judenmädchen entehrt hat, waren die Eltern der betreffenden Mädchen verpflichtet (besonders wenn sie der strengeren Richtung angehirten), dieses Vorkommnis dem Rabbiner zur weiteren Veranlassung anzuzetgen. Derselbe war wiederum gezwungen, die Sache dem Gerichtshof zu unterbreiten. Der Gerichtshof (früher Synedrium) hat mindestens aus fünf Mitgliedern — Rabbinern und Schriftgelehrten (al. Schächtern) — zu bestehen. Bei wichtigeren Angelegenheiten wird die Anzahl erhöht. Dieser Fall muß besonders ernst gewesen fein, d. h. es muß eine mehrfache Entehrung von Judenmädchen Vorgelegen hoben und Winter als besonders gefährlich erachtet fein. Der Gerichtshof, der sich hier, weil es sich um ein nach den Staatsgesetzen schwer zu ahnendes Verbrechm handelt, aus ausländischen Juden zusammengesetzt haben wird, die sich, ins AuS- land zurückgekehrt, leichter der Strafverfolgung entziehen können, hat ein besonders grausames Todesurteil über Winter gefällt und es wahrscheinlich auch an demselben Tage vollstreckt. Er ist an dem Tage zusammengetreten, an dem wie er wußte, Winter von einem Judenmädchen an einen bestimmten Platz bestellt worden ist. Winter ist durch einen Schächtschnitl abgeschlachtet; ba6 Blut mag aufgefangen sein, um die Spuren möglichst zu verwischen, und i)er Körper mußte infolgedessen sehr bald blutleer werben. Daß bas Blut zu Opferzwecken benutzt werbe, ist so gut wie ausgeschlossen. Es würbe sich also hier nicht bloß um einen gemeinen Rachemord, andern um einen sanktionierten Sühnemord handeln. Natürlich kann baß nicht ohne weiteres bewiesen werben — unb wirb wohl auch nie nachgewiesen werben können; benn ein Jube, ber baS verrät, weiß, mag er auch noch so verkommen fein, baß er von ber Stunde an „verdammt" ist, unrettbar verloren ist, und deshalb wird schwerlich ;audj irgend ein jüdischer Mitwisser in Könitz etwas verraten. Daß ber Talmud ober anber Geheimschriften nicht in nackter Offenheit ben Morb, bte Verhängung ber Todesstrafe über einen Nichtjuden unter Umständen anbefeblen, bedarf keiner Erklärung, indeffen in dieser ober jener Geheimschrift, die es unbebingt giebt, mag es doch verblümt stehen, jedenfalls aber nach mündlicher Tradition. Daß das verführte Judenmädchen straflos ober fast straflos auSgeht (wie auch aus 1. Mos. 34 ersichtlich ist) hängt mit ber jüdischen Anschauung zusammen, wonach baS Weib als ziemlich widerstandslos, also in etlicher Hinficht in Bezug auf die sittliche Kraft als minderwertig gilt. Wir geben die Mitteilung des Danziger Blattes wie wir sie finden. Es lag nahe, mit Rücksicht auf die mehr- fach erwähnten Beziehungen des ermordeten Gymnasiasten zu Judenmädchen an einen Racheakt zu denken; ob derselbe unter Umständen den Charakter eines „Sühnemordesannehmen kann, wie der Gewährsmann des Danziger Blattes behauptet, muß natürlich dahingestellt bleiben. Wer von jüdischen Geheimschriften spricht, die in dieser Beziehung Anhaltspunkte bieten sollen, hat deren Vorhandensein und Tragweite zweifellos nachzuweisen, und das Gleiche gilt von der behaupteten Tradition. Hätte man nur erst den Thäter bezw. die Thäter entdeckt; über das Motiv würde dann schon leichter Klarheit zu schaffen sein. Aus Stadt und Kand. (Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen ÄnkaUe« Werder» grirndsätzNch nicht ausgenommen.) ' Gießen, 8. Juni 1900. * • Perfonalnachrichteu. Am 6. Juni wurde der Kanzlei- inspektor bei dem Großherzoglichen Oberkonsistorium Karl Wahl, zum Registrator, und der Kanzlist bei dem ®rofi- herzoglichen Oberkonsistorium, Rudolf Rothermel, iura Kanzleiinspeftor bei dieser Behörde, am 30. Mai der Finanzaspirant Theodor Clo oS aus Gedern zum Revisor bei der Brandversicherungskammer ernannt. — Der Gerichtsaffeffor Keil zu Büdingen ist mit der Wahrnehmung der Dienst, Verrichtungen eines Amtsanwalts in Lauterbach beauftragt worden. * * Mathematiker Versammlung in Gieße«. Wir hatten gestern Gelegenheit zu erwähnen, daß zurzeit in Hamburg die 9. Hauptversammlung des Vereins zur Förderung bes Unterrichts in Mathematik und Naturwiffenschaften statt« findet. Die Versammlung hat nun beschlossen, die nächst, jährige Hauptversammlung in Gießen abzuhalten. * e Gewitter unb Rege«. Gestern nachmittag hat um ein kurzes Gewitter erfreuliche Abkühlung der Luft gebracht, und heute früh erfrischt ein ausgiebiger Regen die trockene, Felder. In der Umgegend von Mainz, wie Laubenheim, Bodenheim und HechtSheim, gingen bereits vorgestern starke Gewitter mit langandauernden Hagelschlägen nieder, die in den Weinbergen und Feldern großen Schaden anrichteten. * • Unsere Studentenschaft hat ihre Beteiligung an dem historischen Festzuge bei der Gutenbergfeier in Mainz an- gemeldet. Extra-Konzert. Heute abend giebt in Steins ©arten die Regimentskapelle ein Extra Konzert zum Besten de- Jnvalidendanks, auf das wir in Anbetracht des wohl« thätigen Zweckes nochmals Hinweisen. * * Theater. In Bezug auf den Ausfall des Gastspiels des „Hof- und Stadttheater-EnsembleS" in „Stein- Garten" erhalten wir folgende Zuschrift: Mit den Gepflogenheiten des hiesigen verehrlichen Publikums nicht vertraut, glaubten wir, aus dem minimalen Barverkauf (ca. 15 M) auf einen sehr geringen Besuch der annoncierten Vorstellung schließen zu müssen. Da unsere Kosten ziemlich bedeutend sind und wir kaum hoffen durften, nur die Hälfte derselben durch die Einnahme decken zu können, so sahen wir uns gezwungen, die Vorstellung telegraphisch abzusagen Leider zu spät erfuhren wir, daß unsere Voraussetzung zu pessimistisch und die Abendkaffe sogar sehr erträglich gewesen war. Außer dem pekuniären Schaden, den wir durch den Ausfall der Vorstellung zu tragen haben, bedauern wir aber hauptsächlich die vielfachen Unannehmlichkeiten und Verlegenheiten, die dem hochverehrten Publikum indirekt durch unsere Schuld entstanden, und bitten in aller Höflichkeit um Verzeihung. Wir werden die Scharte in Kürze auswetzen und bitten das hochverehrte Publikum, uns bei einem demnächst bestimmt stattfindenden Gastspiel mit seinem Besuch zu beehren. Robert Friedrich, Leiter des Hof« und Stadt-Theater-Ensembles. 0. Grebenhain, 7. Juni. Vorgestern nachmittag fand auf bem Schießstande bei der FriedenSeiche ein PreiS- fchießen statt, verbunben mit ber Abschiebsfeier fär ben von hier nach Seligenstadt versetzten Oberförster Weber, als Präsidenten ber Kriegervereine des Bezirks Herbstein. Die Feier begann damit, daß der hiesige Musik» verein Herrn Weber ein Ständchen brachte, wobei Post» Verwalter Breitwieser einige herzliche Worte sprach und ihm gleichzeitig seine Ernennung zum Ehrenpräsidenten mitteilte. Darauf bewegte sich der Festzug nach dem Feft- platz. Die Festrede hielt Postverwalter Breitwieser al- stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Er beklagte den Verlust, der den Vereinen des Bezirks Herbstein durch da- Scheiden des langjährigen Präsidenten entstanden fei. Oberförster Weber dankte und verabschiedete sich mit einer kurzen Ansprache. Bei dem Preisschießen gingen folgende Personen als Sieger hervor: August Hofmann, Grebenhain, 1. Preis, Fr. Schneider, Grebenhain, 2. Preis, Gardist Lind, Jnf.-Reg. Rr. 115, 3. Preis, Postverwalter Breitwieser, Grebenhain, 4. Preis, Forstwart Flohr, Ilbeshausen, 5. Preis, Oberförster Weber, Grebenhain, 6. Preis, Dr. Bruchhäuser, Grebenhain, 7. Preis, Postverwalter Breitwieser, Grebenhain, 8. Preis, Förster Georg, Ilbeshausen, 9. Preis, Oberförster Weber, Grebenhain, 10. Preis, Gastwirt Hofmann, Freiensteinau, 11. Preis, Apotheker Carl, Freiensteinau, 12. Preis, Dr. Bruchhäuser, Grebenhain, 13. Preis, Forfl- wart Rühl, Hartmannshain, 14. Preis, Gastwirt Hofmann, Freiensteinau, 15. Preis, H. Hofmann, Nieder-Moos, 16. Preis. Die Preise bestanden in diversen Gebrauchs-Gegenstände», im Gesamtwert von ca. 70 Mk. Konzert und Tanz hielten die Feftteilnehmer noch bis in die späte Nacht beisammen. Darmstadt, 8. Juni. Der Großherzog erteilte jeute vormittag im Residenzschloß Audienzen und nahm Meldungen und Vorträge entgegen. Am nächsten Sams-" tag finden keine Audienzen, Meldungen und Vorträge statt. — Vorgestern abend reiften von Jagdschloß Wolfsgarten die Herzogin und die Prinzessin Beatrice von Sachsen-Koburgund Gotha nebst dem Erbprinzen und der Erbprinzessin zu Hohenlohe- Langenburg, die im Laufe des Nachmittags daselbst eingetroffen waren, nach Paris. Im Gefolge befand sich Fräulein Gazert. — Wie die „Darmst. Ztg." erfährt, hat Förster Sauerwein, jetzt in Burkhards bei .Schotten, in einem an die Ober - Staatsanwaltschaft gerichteten Schreiben erklärt, daß die Nachricht bezüglich von ihm angeblich gemachter „Enthüllungen" in der Mord- fache Kuh michel von Anfang bis zu Ende erfunden ist. Sauerwein wird gegen die Zeitung, die die falsche Nachricht zuerst brachte, Strafantrag stellen. — Das' „Darmst. Tgbl." schreibt: Die „Wormser Zeitung" scheint mit ihrer Meldung über den „Fall Kuh michel" das Opfer einer Mystifikation geworden zu sein. Nach Erkundigung bei seiner vorgesetzten Behörde, der Oberförsterei Schotten, ist der Forstwart Sauerwein, der bis 1.Juni 1896 zu Forsthaus Mitteldick stationiert war, gesund und munter und hat keinerlei Aussage bezüglich des Falles Kuhmichel gemacht. Der Raubmord an dem Mörfelder Landwirt Arndt geschah am 23. Oktober 1891 abends gegen 6 Uhr. An demselben Tage fand Hofjagd im Distrikt Buchschlag der Oberförsterei Mitteldick statt, welcher Großherzog Ludwig IV. und Prinz Heinrich von Preußen beiwohnten, und bei der auch Sauerwein als Hofjagdbeamter' 5mii L'.K ,**•• ®tL L* n*Sl 'M-«, b« i •» «tajit«. ' ■Ä Je9tn bie ttodti, X wie 2ottb* 2 6 6ot*n ük gjW nitbtr, die Wigung an dkl W'tt m Mainz z iebt in gttini ^uw Besten,, anbetrac^t des w n Ausfall des tzs, in ,6t* nft: ^ehrlichen PubliiMtz Soreertauf (c*. ,5$ "Erstellung schlich.^ Jinb und witfaian^-i rnnahme bnkoi m ttaw, S telezraphisch ai^tr. r-ursetzung pi p.iW Wesen war. Lj- Ar äiSsall ds Wuj |u h die rir'^ÄMehA. nie-N- Mitai uibattt 1 aller Mihkeit um Brr mictftn unb bitten bei sß kßanml staHndevd« eittd), >rheLt«LnsmbIei. tm nafynittaß /and •Hify ein $rei«> f($itb6ftitt fit ich« Qinchch« «xt®t wobei Poj>> rzürhr Worte [pr«| jum EhrMö^otei Zestzug vach bm^- ialter Breilmrsn all eins. Er beklagst to $ Herbstein durchs enten entstanden fo schiedete sich mit « ließen gingen folg* i, Fr. Schneider, ft* t 115, 3. PreiS, WJ 6 L.E «ftr, Srebenham, BJJ f rster Web«, ft*«g 11 Preis, «KÄ rebenh-m, 13<Ä^ sirlHostnvm,FrE- giert und Tanz W W- N--H- •**£»&* Si*S!S s%:s '. «O,s •* Ä bd w{ »«In M ””alt% Vn ih'" bi? i" bie f* ltTflL aeitunfl ß 5«fe äss Hätig uni) bis gegen 6 Uhr abends bei der Station Sprendlingen in Anspruch genommen war. Mainz, 8. Juni. Am Dienstag tagte im Konzert- Zaale der „Liedertafel" die VII. Generalversammlung des Katholischen Le h re r vereins im ÄroßherzogtumHessen. Es waren gegen, 400 Lehrer umd Freunde der Schule erschienen, darunter auch Pro- 1 inzialdirektor Freiherr von Gagern, Beigeordneter Haffner, die Landtags-Abgeordneten Frenay, Mol- than und Schlenger u. a. Der durch Firmung verhinderte Bischof Dr. Brück konnte erst am Nachmittag der. Versammlung beiwohnen. Nachdem an den Großherzog ein Ergebenheitstelegramm abgesandt worden war, erfolgte die übliche Berichterstattung. Hiernach zählt der Verein' gegenwärttg 868 Mitglieder, eingeteilt in 17 Bezirksver- einc; darunter sind 482 Lehrer, 149 Lehrerinnen und 237 außerordentliche Mitglieder. Der vor einem Jahre neugegründeten Sterbekasse gehören bis jetzt schon 263 Mitglieder an, die mit über 84 000 Mark versichert sind. Das, Referat des Lehrers Schmitt-Münster behandelte die pädagogische Bedeutung des 19. Jahrhunderts. Seme Aus- fjihrungen fanden großen Beifall und allseitige Anerken- rng. Während des nun folgenden Festessens entwickelte sich allenthalben eine froh bewegte Stimmung. Musikvorträge der Kapelle vom 27. Artillerie-Regiment wechselten mit kunstvoll vorgetragenen Liedern des Mainzer katholischen Lehrer-Gesangvereins. Unter den vielen Ansprachen unb Toasten fanden besonders die des Bischofs Dr. Brück u nd des Landtagsabgeordneten M o l t h a n begeisterten Widerhall. Marburg, 7. Juni. Gestern vormittag traf, von Lich kommend, der Großherzog von Mecklenburg- Strelitz hier ein und besichtigte unter Führung des Geh. Medizinalrats Profesior Dr. Küster die SehenSwürdig- >iten unserer Stadt. Gestern abend reiste der Großherzog mieber ab. Marburg, 7. Juni. Gestern wurden in Rennertehausen, ZreiS Biedenkopf, vier Personen vom Blitz ge- in.offen. Drei sind verletzt, ein Mädchen ist tot. ♦♦ Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Maurer Heinrich Peter von Stettb'ach wurde durch die Gendarmerie verhaftet und in das Arrestlokal nach Zwingenberg abgeführt. Er steht im Verdacht, am zweiten Lfingstfeiertage sein vierjähriges Stiefkind, einen skrophu- lösen Knaben, ermordet zu haben. Gr soll seine ruchlose That bereits eingestanden haben. — Während eines Gewitters wurde in Haist erbach die 68 Jahre alte Ehefrau des Landwirts Bär, die bemüht war, ihre aufgehängte Wäsche noch ins Trockene zu bringen, vom Blitz getroffen nmb war kurze Zeit darauf eine Leiche. — In Edersberg geriet ein dreijähriges Kind in einen mit kochendem Del gefüllten Kroppen und verbrannte sich derart, daß der Tod es bald danach von seinen schrecklichen Leiden erlöste. — In Mainz hatte sich vor dem Schöffengericht der Konsul von Venezuela, Weinhändler Arthur Philips, wegen Beleidigung zu verantworten. Der Angeschuldigte fyjtte im vorigen Sommer eine zur Kur in Wiesbaden weilende junge Witwe aus Benstett durch Briefe an andere schwer beleidigt. DaL Gericht erkannte auf 100 Mk. Geldstrafe. — In Marburg ist die Errichtung einer von Kaffel abhängigen Re.ichSbank-Nebenstelle vom 1. August au gesichert. Vermischtes. » Beuthe«, 7. Juni. Im Amtsbezirk Schwientochlo- rlvitz sind bis jetzt 166 Erkrankungsfälle au Typhus gemeldet worden. 18 Fälle verliefen tätlich. * Wien, 7. Juni. Beim heutigen Rennen in der Freudenau stürzte der Jokai Valasek mit dem Pferde des Erzherzogs Otto „Highest Time". Der Jokai ist tötlich vorletzt. , • Budapest, 7. Juni. Im UniversltätSgebaude fand eine Gasexplosion statt. Vier Hörsäle gerieten in Brand. Ein Diener wurde verwundet. Universität und Hochschule. — Bibliothekarversammlung. Mittwochabend fand in Marburg eine «orversammlung der Bibliothekare statt, die sehr zahlreich besucht war. Unter den Erschienenen befanden sich Geh.-Rat Dziatzko- GSttinaen, Schwenke und Erman aus Berlin, Schulz und v. Gebhardt «ls Leipzig Geh-Rat v. Laubmann aus München, Geiger aus Tübmgen, Dr Escker aus Zürich. Die Verhandlungen begannen heute früh tm Efefaalto Universitäts-Bibliothek. Auf Vorschlag des Geh.-Rats Diatzko wurde der Direktor der Marburger Bibliothek, «eh.-Rat Rödiger zu« ersten, Direktor Schwenke-Berlin zum zweiten Vorsitzenden gewühlt. Auf die Besichttgung der Bibliothek folgte die Beratung über einen Statuten entwurf für den zu gründenden Biblothekarverein, der von Prof. Schulz- Leipzig vorgelegt wurde. Der Entwurf wurde nach längerer Debatte einer Kommission überwiesen. Nachdem dann noch Dr. Ernst Schultze- Bonn über einige technische Einrichtungen der englischen und amerikanischen Bolksbibliotheken gesprochen hatte, wurde die Vormittagvsitzung geschloffen. Am Nachmittag wurden die Beratungen fortgesetzt. Am Abend wurde ein Spaziergang nach Spiegelslust unternommen. Arbeiterbewegimr. Hannover, 7. Juni. Nus Anlaß des Straßenbahnstreiks kam es gestern abend zu großen Exzessen auf der Vahrenwalder- straße, wo sich eine gewaltige Menschenmenge ansammelte. Der Pdbel warf mit Steinen auf die Polizisten, die mit blanker Waffe einhieben und zahlreiche Verhaftungen vornahmen. Es verlautet, daß auch Schüsse gefallen sind. Aus einem Lokale wurden von Rowdies gefüllte Benzin- und Petroleum-Flaschen auf die Polizei geworfen. Daraufhin drangen die Schutzleute in das Lokal ein und säuberten es. Biele Läden wurden geplündert. 16 Personen wurden verwundet, darunter 7 schwer. Der Tumult dauerte bis 1 Uhr nachts. Der übrige Teil der Stadt war ruhig. Paris, 7. Juni. Ein partieller Kutscherstreik ist heute hier ausgebrochen. 300 Kutscher streiken; sie verlangen Herabsetzung der an die Kutschergesellschaft zu entrichtenden Bettäge. Kirchliche Nachrichten. -vasgelifche Gemeinde. Sonntag den 10. Juni. Trinitatis. Gottesdienst. Ju der Stadttirche. Bormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neukonftrmierten der Matthäus- gemeinde. Bormittags 9»/, Uhr: Pfarrassistent KrauS. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Dr. Grein. Ar» der ^obanneskirlüe. Vormittags «Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde. Vormittags 9«/, Uhr: Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die LukaSgemeinde. Pfarrer Euler. Es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß der kirchlichen Trauung auch ein kirchliches Aufgebot vorherzugehen hat, und wird dringend gebeten, es rechtzeitig — spätestens eine Woche vor der Trauung — bei dem zuständigen Pfarrer zu bestellen. Katholische Gemeinde. SamStag den 9. Juni. NachmtttagS um 4V, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag den io. Juni. DreisalttgkeitSsouutag. Vormittags von 6«/e Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. , um 7 Uhr: Die erste heil. Meffe; vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. , um 8 Uhr: Die zweite heil. Meffe. „ um 9*/a Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um LV, Uhr: Festandacht. Mittwoch den 18. Juni. , um 4»/, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Donnerstag den 14. Juni. KrohnleichnamSfest. Vormittags von 6V2 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. , um 7 Uhr: Die erste heil. Meffe; vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Die zweite heil. Meffe. Militärgottesdienst mit Predigt. „ um 9V, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2«/, Uhr: Festandacht. Gottesdienst m der SamStag den 9. Juni 1900. Vorabend 7<» Uhr, morgens 8»o Uhr, nachmittags 4 Uhr GchristerklSruug, Sabbathausgang 9« Uhr. Gottesdienst der israelitischen KeligiorwzrstVchGst. Sabbathfeier am 9. Juni 1900. Freitag abend 7« Uhr, Samstag vormittag 8 Uhr, nachmittags 4 Uhr, Sabbathausgang 985 Uhr. Nachmittag 3») Uhr SchristeicklLruug. Wochengottesdienst morgens 68° Uhr, abends 780 Uhr. Familien Nachrichten. Gestorben r Albertchen Dingeldein, Darmstadt. — Frau Kammerrat Friedrich, geb. Schwally in Darmstadt. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 8 Juni, zwischen 11 und 12 Uhr mittags: Wasser 17°, Luft 14». Rüdsamen'sche Badeanstalt. Neueste Meldungen. Darmstadt, 8. Juni. (Tel.-Meld. d. „Gieß. Anz."' 12 Uhr mittags.) Nachdem von einem auf einer Dienstreise begriffenen höheren Forstbeamten ein eingehender Bericht an die Großh. Forstbehörde eingelassen ist, aus dem- hervorgeht, daß sämtliche über den Selbstmord des Försters Sauerwein in der Sache „Kuhmichel" gebrachten! Mitteilungen vollständig auf Unwahrheit beruhen, tvird die Großh. Hessische Staatsbehörde gegen die „Wormser Zeitung", die das Gerücht zuerst veröffentlichte, Strafantrag stellen. — Großfürst Sergius von Ruß - land wird heute auf mehrere Tage zum Besuch der Groß- herzoglichen Familie auf Jagdschloß Wolfsgarten eintreffen. , Berlin, 8. Juni. Die Schul-Konferenz hat gestern die Erörterung über die Frage des Sprachen-Unter- richts an den Gymnasien bis zum Schlüsse der Sitzung, der um 7 Uhr abends erfolgte, fortgesetzt. Zn einer besonderen Stellungnahme ist es jedoch nicht gekommen. Heute wird die Konferenz ihre Beratungen beenden. Berlin, 8. Juni. Abg. Dr. Heim hat, unterstützt von einigen Mitgliedern des Zentrums und der konservativen Partei des Reichstages, den Antrag gestellt, den Umsatz« stempel über den Kommissionsbeschluß hinaus von 0,3 auf 0,4 vom Tausend zu erhöhen. Die Antragsteller hoffen im Falle der Annahme dieses Antrages auf die geplante Bierzoll-Erhöhung im Interesse der deutschen Bierausfuhr verzichten zu können. Kouitz, 8. Juni. Die hiesige Synagoge brennt. I Das Feuer ist in einem Schuppen, der sich neben dem Gotteshause befindet, entstanden. Paris, 8. Juni. Die Liberte meldet auf Grund von privaten Informationen, daß augenblicklich 12 000 Russen nach Peking vordringen. Paris, 8. Juni. Nach einer Privatmeldung aus Peking steht die Unterzeichnung eines Protokolls seitens der Vertreter der europäischen Großmächte, der Vereinigten Staaten und Japan unmittelbar bevor, enthaltend die Vereinbarung dieser Mächte, daß den zum Schutze ihrer Angehörigen zu treffenden Maßnahmen keineswegs die Absicht einer einstweiligen Gebietserwerbung zu Grunde liege. Dem amerikanischen Kanonenboot „Helena" soll wegen seines geringen Tiefganges die Aufgabe zufallen, bis Tientsin zu dringen und die Stadt mit Beschießung zu bedrohen. — Die hiesige Preffe faßt die Lage in China sehr ernst auf. In nicht französischen diplomatischen Kreisen betrachtet man sie etwas besser und glaubt an keine internationale Verwickelung. Es finden diplomatische Verhandlungen zwischen Rußland und mehreren europäischen Mächten über die Lage in China statt. Deutschland soll zu einem schärferen Vorgehen geneigt sein als die anderen Mächte und darin von Italien unterstützt werden. R 0 m, 8. Juni. Der Papst fühlt sich außergewöhnlich angegriffen. Infolgedessen wurde der für heute an- gefetzte Empfang für Pilger verschoben. Verursacht ist die Indisposition des Papstes, die übrigens vorerst zu keinerlei Bedenken Anlaß giebt, durch die momentan sehr ungünstige Witterung. Wien, 8. Juni. Das offiziöse „Fremdenblatt" bespricht an leitender Stelle die gestern erfolgte Sprengung der Majorität der Rechten und richtet seinen dringenden Apell an die arbeitswilligen Parlaments-Parteien, um nochmals den Versuch zu machen, die Frage des Parlamentarismus zum Siege zu führen. Shanghai, 8. Juni. Die Kaiserin Witwe hat dem General Nie Si Hong den Befehl gegeben, die Eisenbahnlinie nach Peking zu beschützen. Es fanden mehrfach Kämpfe zwischen den chinesischen Truppen und den Boxern statt, wobei 200 Mann getötet wurden. 180 Mann englische Infanterie mit einem Geschütz sind nach- Peking unterwegs. Bis jetzt sind 900 Engländer gelandet. Eine Französin und zwei Fran- zosenwurdengetötet. Letztere waren auf der Eisenbahn-Linie Peking-Hankow angestellt. — Der österreichische Kreuzer landete 30 Mann, um die österreichische Legation zu schützen. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner kserren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener lverkstätte. Gießen, Airchenplatz u- 718 Kursbericht von j. Kurz & Co., Hießen, Kahohssstraßk 63. Frankfurter Börse vom 7. Juni 1900. p-rocem $■/, Deutsche RcichSanl. i Preuß. EonsolS $■/. Gr. Hessische DH. 1 Stadt Darmstadt v. 1891 l Stadt WormS unk. b. 1901 95.35 87.20 93.20 00.00 000.00 Procrnt 41/z Oesterr. Silberrente 4 Ung. Gold-Rente 3 Portugiesen 5 Mexicaner amort. S. I-Hl 4 Monopol-Griechen von 1887 f 5 Oesterr. Staatsbahn v. 1885 3 Jtal. staatSgar. Effeub. 00.00 4 Eisenb. Rentenb. Obl. 57.30 4 BuderuS DbL 4 4 4 4 93.20 92.70 99.70 99.50 )-/, Franks. Hhp--Bk.unk. b.lW6 8”/, Frks. HyP.Tred.B. unk.b. 1906 l bto. um. b. 190 < 4 Deutsche Grdsch.-B.unk.b. 1904 Hambrgr.Hyp.Bk. unk.b. 1905 Preuß. Hyp. A. Bk. unk. b. 1900 Pomm. Hyp. A. Bk. unk. b. 1904 Frks. Ldw. Lred. Bk. unk. b. 1900 97.15 96.90 25.05 41.40 46.00 98.00 00.00 100.00 99.30 99.30 98.95 20) Franken-St. Lckgl. Sovereigmk Dollars in Gold Geldsortenr Brief ®eü> 16.35 16.31 Franz. Banknote« 20.43 20.40 Oesterr. dto. 4.20 4.17 Americ. Brief Geld 81.20 84.30 4.17«/, DLarmst. Bk.'Acftcn Aberrdcourser 000.00 i Oesterr. Tredit-Actien 221.60 Dchdelterardeit. An dem Kirchturm zu Münzenberg sollen ca. 380 qm Dachflächen ab und mit Schiefer neu gedeckt werden. Beschreibung der arbeiten nebst Bedingungen liegen auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen und sind daselbst die Offerten versiegelt bis zum 19. Juui l. Js., morgens 19 Uhr, einzureichen. Friedberg, den 7. Juni 1900. Der Großh. Kceisbauinspektor. Schnitzel, Baurat. 4022 Westdeutsche Boderrkreditarrstalt Köln a. Rh. Die am L Juli er. fällig werdenden Zinssckeine unserer Pfandbriefe werden vom 15. Juui er. ab an unserer Kasse und bei den bekauuteu Zahl- stellen eingelöst. Köln, im Juni 1900. 4020 Der Vorstand. Günstige Gelegenheit für Wirte! Franz. Capern prima Ware per Pfd. 1,40 Mk. so lange der Vorrat reicht, empfiehlt Fh. Herrmann, Seltersweg 33. 4026 Z$it uevluuifcit Nähmaschinen einige fast neue, wegen Geschäftsabgabe billig zu verkaufen. 4027 Th. Haubach, Bahnhofstraße 40. Iür Schuhmacher. Hau- mit gutgehendem Schuhmacher- und Ladengeschäft habe bei kleiner An« Zahlung zu verlausen. 4034 W. HUd, Nordanlage 1. 4033] Zwei gebrauchte Fahrräder billig zu verkaufen.___________Neustadt 14. TVTl 1 Schoppen 7 Pfg. JXLIAGCL. Baer, Viehhändler. Sine Kaute Miß Neuenweg 28. Vermietungen 02449] 2.Zimmerwohnung sofort zu vermieten. stzraukfurterstratze 30. 4018] Mühlgaffe 23 ist eine Familienwohnung von 3 bis 4 Zimmern zu verm. Näheres Schanzenstratze 12.________ Wohnung 4033 Neustadt 14. 4030] Wohnung von 5 Zimmern, Küche, für 420 Mark sofort oder später zu vermieten durch With. 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