Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen. Bezugspreis viertehährl. Mk. 2,90 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestelle» vierteljährl. Mk. 1,9(1 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. 11 Nr, 2 anze ».38 ur «Le Anzeigen-BermittlungSstellea M In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchukstraße Ar. 7. Lvaahme von Anzeigen zu der nachmittag« für den tsotgevdm Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hietz«. Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Kälter für hessische UotKsKunde. greifen zu haben und nahmen an, daß das Gold der Transvaalregierung gehöre. Sie traten daher an die beiden Banken mit dem Ersuchen heran, das Gold ihrerseits mit Beschlag zu belegen, und diesem Ersuchen ist Folge geleistet morden. Die liefernde Firma hat Protest gegen die Beschlagnahme eingelegt, und die Entscheidung wird aus dem Wege des Prozesses zu erfolgen habert. Telegramme des «ietzeoer Anzeigers. London, 7. November. „Daily N-wS" melden au« Piet ermaritzburg, daß die flüchtigen Buren noch vor dem nächsten Jahre wieder nach den Goldländern zurückkehren können. In der Umgebung von Ettelstadt befinden sich 5000 Buren. Bonbon, 7. November. Die Zensur untersagt die Veröffentlichung von Informationen über die Bewegungen Lord Roberts. __ Arsche tut täglich gift Ausnahme des Montags. Die Gießener AsmilienblLtier werben dem Anzeiger tm Wechsel mit „Hess. ßtRbtoirt" u. „Blätter flr Hess. Volkskunde- w-chtl. 4 mal beigelegt. Donnerstag den 8 November 15V. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger Ar "za Giessen. 148 8 Uhr, üDiT. M»j, iianb per soflv/Men die Werbetrommel, um die Abgänge der einzelnen Korps zu ergänzen und Mannschaften strömen ihm zu, um sich für weitere sechs Monate zu verpflichten. Nebenher geht auch die Rekrutierung für Buden-Powells Schutztruppe. Marthinus Steijn, der älteste Bruder des Präsidenten, ist am 2. November in Springfontein plötzlich an einem Schlaganfall gestorben. — Der Militärgouverneur erklärte die Münze von Transvaal als gesetzliches Zahlungsmittel. Der Name der Nationalbank des Oranjefreistaates ist abgeändert worden, sie heißt jetzt „Nationalbank der Oranje- fluß - Kolonie". Reuter meldet aus Cradok vom 4. ds., man glaube, daß ein Burenkommando bei Petersville, südlich vorn Oranjefluß, stehe. Ein Soldat des walisischen Regiments wurde am vergangenen Mittwoch ersck>ossen, als er bei Philippstown, wohin eine englische Besatzung gelegt worden ist, auf einem Patrouillengang begriffen '^'Feldmarscholl Lord Roberts telegraphiert aus Johannesburg vom 5. November: „Während unzweifelhafte Anzeichen dafür vorhanden sind, daß die Buren mutlos sind und an Munitions- und Proviantmanget leiden, thut Präsident Steijn sein Aeußerstes, um seine Landsleute zu ermutigen, den hoffnungslosen Kampf fortzusetzen, indem er sie mit falschen Meldungen von Erfolgen tauscht^uter me(&et au= Maseru (an der Grenze des 'Freistaates und des Basutolandes) vom 31. Otkober: Die Zahl der an der Grenze des Basutolandes sich sammelnden B u r e n w ächst. Ein Kommando von 1400Mann steht dicht bei L a d h b r a n d. Die Stadt und der Bezirk Ficks bürg ist in den Händen des Feindes. Die Buren, die Ficksburg besetzt halten, stehen unter dem Kommandanten Hermann Steijns. Der Gouverneur der Stadt war Rodenbach-, Bei der Besetzung wurden die Laden von Ficksburg ganz ausgeplundert; auchmPri- vathäusern wurden Plünderungen borgenommen. Die englische Fahne wurde heruntergeholt und in Stü cke zerrissen, die die Buren den Pferden all di? Schweife b-indew Mehrere Eingeborene wurden erschossen, andere wurde» aus offener Straße brutal geprügelt: ein angesehener Kaufmann wurde verhaftet und ins Bnrenlager gebracht, um dort »ot ein Kr eqsqericht gestellt zu werben; ferner wurde ein Postbeamter gefangen gesetzt. Die von den Engländern in Ficksburg zurückgelassene Munition Itmrbe von den Buren ^^Tie Beschlagnahme der Goldsei,düng aus T r a n s v a a l auf dem Dampfer „Bundesrat" in Hamburg hat folgende Ursache; Der Deutschen Bank und der Dresdener Bank ist seinerzeit ein Posten Golch der von den Transvaal-Minen aus zum Versand nach Europa gebracht werden sollte, durch die Transvaalregierung beschlagnahmt worden. Der Betrag wurde indessen den beiden Banken durch die Versicherungsgefellschasteu, die die Versicherung von den Minen aus übernommen hatten, voll vergütet, 'sodaß den erwähnten Banken an dem nunmehr in Hamburg angekommenen, ursprünglich in Transvaal beschlagnahmten Golde kein Forderungsrecht mehr zustand. Nun glaubten aber beim Eintreffen des Goldes ldie.Versicherungsgesellschaften: kein Recht zum Ein- bH gesucht. 12c Ul Roltkestraß^ Frau fcfMW' 3" d-n ELL * Telegramme deS Gieheuer Anzeigers. London, 7. November. Sondierungen eines deutschen Kriegsschiffes in der Nähe von Honan Spit zwischen Hongkong und Kanton gaben in Hongkong Veranlassung zu dem Gerücht, die Deutschen wollten dort eine Konzession für den deutschen Handel erlangen. Loudon, 7. November. „Daily Mail" meldet aus Schanghai: Den jüngsten Nachrichten aus China zu- solge soll sich die Lage im Süden bedeutend gebessert haben. Der Widerstand dor Buren. Auf dem Kriegsschauplätze sind neuerdings die den rkamps noch fortsetzenden Führer der Buren eifrig bemüht, die Kampflust ihrer Landsleute durch unermüdliche Regsamkeit wieder zu erwecken und andererseits in der Ferne den Eindruck unbeugsamen a Kl«»», Lollar. Ifctr indergehilfe teHung gqucht. ; Srpebition b. Bl. 'nbrcher ! unb bauembe 7?j; Msel, Mafchinenfabn' Aus Stadt und Land 6 Gießen, 7. November. ** Stadttheater. In nächster Zeit wird der erste g 5) Von her ■ M-Mw, gabefttntyclS qaöe des Auf (iebsame Weit dem Wege zur Garnison von Arbeitern überfallen und mißhandelt. Olmutz, 6. November. Bei den heutigen Wahlmännerwahlen wurden trotz der heftigen tschechischen Agitation sämtliche 32 deutsche Wahlmänner gewählt. ** AuS dem Militär-Wochenblatt. Stamm, Jntend.- Bureaudiätar von der Jntend. des 18. Armeekorps, wurde zum Jntend. Sekretär ernannt, und Wild, Rechnungsrat, Garn.-Verwalt.-Direktor in Darmstadt, auf seinen Antrag zum 1. Februar 1901 mit Pension in den Ruhestand versetzt. (W. ist bekanntlich wegen Unterschlagungen seit dem 31. Oktober flüchtig. D. Red.) •• Alice Schule. Eine sehr freudig zu begrüßende Einführung möchten wir hiermit unserem Leserkreise empfehlen. Sie ist hervorgegangeu aus dem sich mehr und mehr zeigenden Bedürfnisse nach einem Umsatzgebiete zur Verwertung von Frauenhandarbeiten und einem daraus erwachsenden Erwerb für Frauen und Mädchen, die keine Gelegenheit haben, ihre Handarbeiten preiswert zu verkaufen. Angeregt durch Anfragen und Vorschläge von verschiedenen Seiten, hat der Vorstand der Alice-Schule beschlossen, mit der diesjährigen Ausstellung der Schularbeiten vor Weihnachten eine Weihnachtsmesse zu veranstalten, wie solche bereits an anderen Orten seit Jahren besteht. Dazu können von jedermann Stickereien, Porzellanmalereien, Holzschnitzarbeiten, Brandmalereien, kurz alle Arten von Handarbeiten eingeschickt werden. Sehr erfreulich wäre es, wenn recht eifrig Gebrauch von diesem An erbieten gemacht würde, durch zahlreiche Beschickung der Messe und dann auch durch zahlreiche Käufer die gute Sache die nötige Unterstützung fände. Die Bedingungen zur Ein lieferung der Arbeiten sind im allgemeinen aus dem Inseratenteile dieses Blattes und im besonderen durch Fräulein Möser, Oberlehrerin an der Alice-Schule, zu erfahren. ** Hessische Handwerkskammer. In einem dieser Tage an das Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, abgegangenen Bericht spricht sich die Handwerkskammer für Förderung des genossenschaftlichen Zusammenschlusses im Handwerk und nachhaltige Unterstützung dieses Zusammenschlusses aus. Die ungeheure Konkurrenz, die dem Handwerk durch kapitalkräftige Großbetriebe erwachsen ist, hat zu dem allmählichen Rückgang des Handwerkerstandes wesentlich beigetragen, und mit allen Mitteln sollte daher auch versucht werden, das Handwerk wieder in sich zu stärken und konkurrenzfähig zu machen. Die Handwerkskammer ist der Ansicht, daß dieses geschehen kann durch Verschaffung von Baarkredit für den Handwerker und durch Förderung der Gründung zunächst von Rohstoff und Werkgenoffenschaften. In der Errichtung der erwähnten Genossenschaften, die einerseits in .der Lage sind, die Kreditwürdigkeit der einzelnen Handwerker genau zu prüfen, andererseits aber diesen die Aufnahme von Darlehen mehr zu erleichtern, dürfte zweifellos ein wirksames Mittel zur Aufbesserung der wirtschaftlichen Lage des Kleingewerbtreibenden und Handwerkers zu suchen sein. Diese Genossenschaften werden jedoch nur dann die Erwartungen, die man in dieselben setzen kann, erfüllen, wenn sie durch eine kaufmännisch geleitete Centrale geführt werden. Die intelligenten Handwerker, die wohl eine solche Leitung übernehmen könnten, sind meistens von. ihren Geschäften so in Anspruch genommen, daß sie keine Zeit für solches Wirken haben, und die weniger beschäftigten Handwerker sind dazu nicht geeignet. Also die kaufmännische Leitung müßte durch Berufsbeamte in der Centrale erfolgen. In Betracht kommen bei Gründung von Genossenschaften jedoch nur die größeren Städte, Alzey, Bingen, Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms; Darmstadt vielleichtgleichzeitig als Centrale mit dem Sitz einer Handwerker-Genossenschaftsbank. Die Gründung von Rohstoffgenossenschaften dürste vorerst für das Schneiderund Schuhmachergewerbe versucht werden. Diese beiden Handwerkszweige sind in erster Linie dazu geeignet, durch gemeinschaftlichen und dadurch billigeren Bezug der Roh- stoffe in dem Kampfe gegen die Großindustrie unterstützt zu werden. Die Gründung hätte auch hier vorerst in den größeren Städten zu erfolgen, wo die nötige Anzahl Gewerbetreibender derselben Branche vorhanden sind; gleichzeitig aber wäre die Ausdehnung auf das flache Land ins Auge zu fassen und vorzubereiten. Jedenfalls wird mit der Errichtung von Genossenschaften unter kaufmännisch geleiteter Centrale und Gründung von Rohstoffgenossenschaften zunächst für Schneider und Schuhmacher kein Mißgriff gemacht werden. Wenn von Seiten des Staats in Form von Darlehen diese Gründungen unterstützt werden, haben sie unseres Erachtens eine gute Zukunft, und werden ebenso segensreich wirken, wie die in Preußen bestehenden gleichen Einrichtungen. *• Der Zweiten Kammer der Landstäude gingen folgende Vorlagen zu: 1. eine Vorstellung der Bürgermeisterei Mainz, betreffend den Universitätsfonds daselbst; 2. eine Regierungsvorlage, betreffend das Verfahren auf Grund der Vorschriften in den §§ 20 und 21 der Gewerbeordnung; 3. ein Bericht des Dritten Ausschusses über die Vorstellung des Hauptsteueramtsassistenten i. P. Friedrich Kammer in WormS betreffend die Wiederanstellung als Haupsteueramts- assistent; 4. ein Antrag der Abgg. Köhler-Darmstadt und Schmeel betreffend die Errichtung einer Handelshochschule in Hessen: Wir beantragen, Großh. Regierung zu ersuchen, baldmöglichst den Ständen eine Gesetzesvorlage zukommen zu lasten, wonach für Hessen eine Handelshochschule errichtet wird, die mit dem Sitz in Darmstadt an die Technische Hochschule in Darmstadt anzugliedern ist. 5. eine Vorstellung des Landesgewerbevereins betreffend die genossenschaftliche Organisation des Handwerkerüber dem Voranschlag berechnet sich daher für das Rechnungsjahr 1899 auf 12 235 545.98 Mk. Der Hauptanteck an her Einnahme an Bautnotenisteuer entfiel mit etwa 2.8 Mill. Mark auf die Reichsbank selbst: im weiteren wurden von der Steuer betroffen die Bayerische Notenbank mit etwa 12 000 Mk., die Sächsische Bank in Dresden mit rund 25 000 Mark und, mit kleineren Steuerbetragen .die Württembergische Notknbank, die Badische Bank und die Bank für Süddeutschland. — Nach der im Reichsversicherungsamt gefertigten Zusammenstellung betrug die Zahl der seit dem 1. Sfinuar 1891 bis einschließlich 30. September 1900 von den 31 Versicherungsanstalten und den 9 vorhandenen Kassenernricht- ungen bewilligten Invalidenrenten a74107. Davon sind infolge Todes oder Auswanderung des Berechtigten, Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit, Bezugs von Unfallrenten oder aus anderen Gründen weggefallen 187 423, sodaß am 1. Oktober 1900 liefen 386 684 gegen 365 523 am 1. Juli 1900. Die Zahl der während desselben Zeitraumes bewilligten Altersrenten betrug 371005. Davon sind infolge Todes oder Auswanderung des Berechtigten oder aus anderen Gründen weggefallen 180 889, sodaß am 1. Oktober 1900 liefen 190116, gegen 191626 am 1. Juli 1900. Beitragszurückerstattungen sind bis zum 30. September 1900 bewilligt: a) an weibliche Versicherte, die in die Ehe getreten sind, 540266, b) an versicherte Personen, die durch einen Unfall dauernd erwerbsunfähig im Sinne des Jn- validenversicherungsgesetzes geworden sind, 198, c) an die Hinterbliebenen von Versicherten 124521, zusammen 660 985. standes; 6. eine Vorstellung des Ausschusses des landwirt- schaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen betreffend den Tier-Zuchtinspektor für diese Provinz; 7. eine Anfrage des Abg. Schmeel und Genossen betreffend die Main Neckar- Bahn; 8. eine Anfrage der Abgg. Schubart und Köhler- Langsdorf, betreffend die Vergebung von Steinlieferungeu und Steinmetzarbeiten bei öffentlichen Bauten; 9. eine Mitteilung des Ministeriums der Finanzen, betreffend Bekanntmachung über den Nachrichtendienst bei Hochwasser und Eisgang im Großherzogtum Hessen. Zn Folge Neueinrichtung mehrerer Postanstalten im Hochwassergebiet, sowie sonstiger notwendig gewordener Aenderungen in der Beförderung der Hochwassernachrichten sah sich das Ministerium veranlaßt, die Bekanntmachung vom 30. Januar 1891 im Einvernehmen mit der Ober Postdirektion Darmstadt und Großherzogl. Ministeriums des Innern einer Neubearbeitung zu unterziehen. *• Theaterverein. Das Gastspiel vonJreneTriesch findet am Dienstag dem 13. ds. MtS. statt. Frl. Triesch wird die Mag da in Sudermanns „Heimat" spielen, die neben der Nora ihre berühmteste Rolle ist. Vorausbestellungen auf Billets werden von heute an bei Herrn Challier angenommen. Ausland. Amsterdam, 6. November. Heber die verwandtschaftlichen Beziehungen der Häuser Oranicn und Mecklenburg- Schwerin finden wir in hiesigen Blättern eine Mitteilung, aus der hervorgeht, daß die Königin Wilhelmina und Herzog Heinrich von Mecklenburg-Schwerin in König Friedrich Wilhelm II. von Preußen einen gemeinsamen Urgroßvater hatten. Brüffel, 6. November. Der Abg. Bertrand teilte namens der Sozialisten dem Kriegsminister mit, daß diese in die Kommission zur Vorberatung der Militär- re form nur eintreten könnten, wenn ihnen darin eben- soviele Sitze eingeräumt würden wie den Liberalen, da sie in der Kammer genau gleich stark waren wie die Liberalen. Der Kriegsminister antwortete, er werde mit seinen Kollegen beraten. Paris, 6. November. Heute nachmittag erfolgte die Wiedereröffung der Kammern. Nach einer kurzen Erklärung des Präsidenten befähle sich die Kammer mit den verschiedenen JnterpellationSanträgen, darunter denjenigen Sembadsch, betr. die Auslieferung Sipidos. Waldcck-Rousseau erklärt sich bereit, die Interpellation des radikalen Abg. Vazeilles über die Generalpolitik des Kabinetts, sowie die über den Ausstand in Marseille zu beantworten, soweit sie Bezug auf die Generalpolitik der Regierung hat. Vazeilles hält eine längere Rede über die Generalpolitik des Kabinetts und entwickelt das Programm der Radikalen; er kommt zu dem Schluffe, daß ein Gesetz gegen die klerikalen Genossenschaften absolut notwendig sei. Der sozialistische Abg. Kiviam erklärt im Namen seiner Freunde das Kabinett zu unterstützen, falls es fortfährt, das Programm, das Waldeck Rousseau in Toulome entwickelte, einzuhalten. — Im Senate brachte der Senator Piot einen Gesetzentwurf zur Verhütung der Entvölkerung Frankreichs ein. Der Senator will einer Abnahme der Bevölkerung durch eine hohe Steuer aus Junggesellen und kinderlose Familien entgegenarbeiten. Er verlangt außerdem die Bewilligung eines Kredits von20 Mill. Frks., um kinderreiche Familien zu unterstützen. — Der Handelsminister Millerand brachte folgende Vorlage ein: Die obligatorischen Schiedsgerichte sollen eine Ergänzung zu der jüngst von Millerand geschaffenen Einrichtung der Arbeitsräte bilden. Der sozialistische Minister will durch diese Reform die Arbeitgeber zwingen, stets dieForderungenihrer Arbeiter zu erörtern, sodaß das Schiedsgericht in voller Kenntnis der Sachlage seine Entscheidung fällen könne. — Der „Rappel" verzeichnet ein Gerücht, wonach der Kriegs Minister geneigt sei, in der Kammer einen Gesetzentwurf betr. die Einführung der zweijährigen Dienstzeit einzubringen. Madrid, 6. November. Die Truppen setzten die Streifzüge zum Zwecke der Verfolgung karlistischer Banden in den Bergen Cataloniens fort. In Manresa töteten Aus ständige einen Fabrikb e sitz er und seine Frau durch Steinwürfe. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Rom. 6. November. Der Papst richtete an die Bischöfe eine vom 1. November datierte Encyclica de Redemptore. Der Papst spricht darin seine Freude darüber aus, daß Katholiken aus der ganzen Welt anläßlich deS Heiligen Jahres nach Rom pilgern, was beweise, daß die Völker sich Christo zuwenden. Er ermahnt sodann jedermann, zum Erlöser zu kommen, welcher Weg die Wahrheit und das Leben ist. Wie Christus, als er in die Welt kam, die menschliche Gesellschaft reformierte, so werde diese, indem sie sich jetzt von neuem wieder Christo zuwende, verbessert und gerettet werden; und, tnbem sie die Lehren Christi und das göttliche Gesetz befolge, Auflehnungen gegen die bestehenden Gewalten und Streitigkeiten zwischen den Völkern meide, handle sie derartig, daß alle sich brüderlich untereinander lieben und in heiligem Frieden ihren Oberen gehorchen. Die Entfremdung von Gott führe zu so vielen Verirrungen, wie auch jetzt die Völker durch Befürchtungen und immerwährende Beängstigungen bedrückt seien. Die Encyclica schließt mit der Aufforderung an die Bischöfe, alle Welt wissen zu lassen, daß allein der Erlöser der Menschheit Rettung und Frieden bringen könne. Przemysl, 6. November. Ein Offizier des 78. Infanterie-Regiments wurde in der vergangenen Nacht auf großen Umfan mrngsmäßige? ftefte eine empf anstallen Heran Felbpostpakete t unter keinen ü uneben mit v rniMer bei den Ann Ä die Bestimm' im Postbetri -fc Für Heinrich Sti des Gefchäf Revolver. Lehrling so brach. Aus Na 4, gtW <5 tJS*s Bä Soo« BI, Mm fit W sti» des letzten W die letztere/ gangen, die ' L Ms W aenbeMW §gMst-Lam Postpaketen an ein tzroßer D über die Ae uädeteien. i angabe ober Aufschrift ob Sendungen bie zur Ver nicht in feste 4) Tie Pake: JJ0X btt unsel ber PvtMk: dem hitlM schwerer' heißen Koks h-Renen Ga und bem Sh braute. nn. Dar «elender M Seff. S ?undes tour Kn"- Pfarre ^.erfreuliche Sw Hauptve '-Enn fand d Ä beginn $ O- Wtt ■W aus den ff WWit i ' ff; tnmeUab süS ' Äui uni’ -n-» -«Ss 6b jS“ V«, , W": Komiker des Kölner Stadttheaters, Herr Hans Portz, ein einmaliges Gastspiel im hiesigen Stadtiheater absolvieren. Portz, der Liebling des Kölner Publikums, ist hier bereits vor fünf Jahren einmal als Gast ausgetreten und dürfte bei vielen Theaterbesuchern noch in bestem Andenken stehen. ** Kammermusik-Abende. Eine Reihe von Kammermusik-Abenden sind von Universitäts- Musikdirektor Trautmann vorgesehen. Erst im vorigen Jahr ins Leben gerufen, scheinen sie bereits jetzt festen Fuß gefaßt zu haben, denn ein großer Teil unseres musikliebenden Publikums hat sich bereits für dieses Kon- zertjahr wieder Plätze gesichert. Die Abende finden in der Großen Aula statt, für die der 9. November 1900, 22. Januar und 15. Februar bestimmt sind. Außer Herrn T r a u t m a n n, der den Klavierpart ausführt, sind ständige Mitwirkende die Herren Adolf Redner (Violine) und Johannes Hegar (Cello). Als Gäste sind gewonnen Fräulein CarolaHubert (Sopran), Fräulein Martha Stapelfeld (Alt), Dr. Weilhammer (Baß--Baryton), Herr Carl Preuße (Horn). An Kammermusikwerken sind vorgesehen Trios und Duos von L. v. Beethoven, Johs. Brahms, G. F. Händel, C. Saint- Saens, B. Scholz und Rob. Schumann. Es wäre sehr zu 'wünschen, >Haß dieses -Unternehmen sich zu.einer dauernden Einrichtung gestalten möge. Dazu ist freilich nötig, daß die bis jetzt noch kleine Gemeinde sich kräftig erweitere. Die Programme sollen jederzeit rechtzeitig int Inseratenteil des „Gieß. Anz." bekannt gegeben werden. Vom ersten Konzert war bereits vorgestern eine ausfuhr- liche Aufstellung darin enthalten, die auch über alle Preise für Abonnement und Einzelabende genaueste Auskunft giebt. **Kirchengesangverein. Der Evangelische K i r ch e n g e s a n g v e r e i n beabsichtigt, am Montag, den 19. November, abends 6 Uhr, in der Stadtkirche ein Konz e r t zu veranstalten. Wir machen schon jetzt darauf aufmerksam, weil es bei der bereits einsetzenden Hochslut von musikalischen, theatralischen und anderen Darbietungen recht schwer ist, Raum und Beachtung zu finden. Der Kirchengesangverein ist freilich gewöhnt, eine größere Zuhörerschaft um sich zu sammeln, als irgend ein anderer Verein. Jedoch pflegt das nur der Fall zu feirr, wenn er Sonntags singt. Das ist leider diesmal nicht möglich zu mackjen gewesen, weil am Sonntag, den 18. .Roncm* ber, unser Orchester auswärts beschäftigt ist. Auch Vie Stundet 6 Uhr, die durch anderweitige Rücksichten geboten war, ist an einem Wochentage vielen recht unbequem. Es wäre sehr zu bedauern, wenn deshalb das Konzert geringer besucht werden würde, da es ganz besonders Schönes zu bieten verspricht. Vor allem kommt neben anderen Chören eine hier noch nie gehörte Cantate von I. S. Bach: „Wie schön leuchtet der Morgenstern" mit Orchesterbegleitung zur Aufführung. Außerdem sind auch verschiedene Soli vorgesehen, bei denen außer geschätzten hiesigen Kräften Fräulein Marie Kayser und Herr Wilh. Schmidt aus Frankfurt, bereits von früher her hier wohl eingeführt, mitwirken werden. Der Verein darf daher trotz der ungünstigen Zeit darauf rechnen, daß seine zahlreichen Freunde ihm treu bleiben. •* Silberne Hochzeit. Heute feiern Lehrer Kn au ß und Frau das Fest der silbernen Hochzeit unter Teilnahme der Kollegen und vieler Freunde. Neber den Kreis dienstlicher Wirksamkeit ist Herr Knauß seit Jahren eifrig thätig als Organisator und Leiter der Kaufmännischen Fachschule, und daher fehlten auch die Glückwünsche seitens des Kauf' männischen Vereins an diesem Ehrentage nicht. Die Wünsche her Freunde des Jubelpaares gehen dahin, daß ihm die Feier der goldenen Hochzeit in gleicher Frische und Gesund heit vergönnt sein möge. Zum Kloppenheimer Mord. Der vom Schwurgericht in Würzburg wegen Raubes abgeurteilte Schweizer Georg Ermer von Schirmitz ist in das Untersuchungsgefängnis nach Gießen abgeliefert worden. Er steht bekanntlich im Verdacht, in unserer Gegend einen Raubmord verübt zu haben. *• Keine Kohlennot mehr. Der „Darmst. Tägl. Anz." schreibt: Auf unserem Büreau präsentierte sich ein Herr, der eine Erfindung gemacht haben will, die, wenn sie sich bewährt, der Kohlennot für alle Zeiten ein Ende machen würde. Der Mann hat eine künstliche Kohle hergestellt, die nach seinen Angaben durch ein Streichholz entzündet werden kann und mit leuchtender Flamme ohne Rauch und Ruß brennt. Sie hinterlasse keinen Rückstand und sei im Preise sehr billig, koste ungefähr per Ctr. 50—60 Pf. und brenne besser und länger als natürliche Kohle. Der Mann, der diese weltumgestaltende Erfindung gemacht haben will, heißt Adam Hoch, wohnt hier und hat seine Erfindung in Berlin zum Patent angemeldet. mit berücksichtigt werden sollte, da die Aufgaben derselben, besonders in der Richtung der Hilfeleistung für die Geistesvielseitigen Anforderungen seiner Kunden entspricht, so hatten bereits mehrere hiesige Meister seit einiger Zeit die Absicht, eine Vereinigung §u bilden, welche "den Zweck hat, die von den Mitgliedern angefertigten Möbel in einem gemeinsamen Magazine auszustellen und zu verlaufen. In einer Versammlung, die von allen Interessenten sehr zahlreich besucht war, wurde das Projekt nicht nur mit hoher Genugthuung lyib Freude begrüßt, sondern mich sofort nach kurzer Beratung zur Gründung der Genossenschaft geschritten. Man sieht dem Unternehmen auch von feiten des Publikums mit größtem Interesse entgegen, da doch immer noch die größte Anzahl der Käufer einer gediegenen .Handwerksarbeit den Vorzug giebt. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der langjährige Vertreter dcS Landtagswahlkreises Oppenheim-Guntersblum, Dr. jur. Bernhaid Schroeder in Darmstadt, hat sein Mandat aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt. Schroeder war Mitglied der nationalliberalen Fraktion. Kirchliche Nachrichten. Sv angelifch r Gemeinde. Donnerstag den 8. November, abends 8 Uhr: Bibelfirmve im Konfirmandensaal (Kirchstraße 9). Psalm 2. Pfarrer Schlosser. Universität und Hochschule. Aus Heidelbergwird geschrieben: Der „Philologische Verein", die Korporation der Studenten der klassischen Philologie an der hiesigen Universität ist wegen Differenzen mit der Disziplinarbehörde suspendiert worden. — Man berichtet aus Tübingen: In der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität haben im Dekanatsjahre 1899/1900 von 34 Bewerbern 23 die Doktorwürde erlangt. Zwei Jubilaren wurde das vor 50 Jahren ausgestellte Diplom honoris causa erneuert, nämlich dem Landesgerichtsrat a. D. Dr. R. Gwinner in Frankfurt a. M. und dem durch seine Verdienste um das Turnwesen bekannten Profeffor Dr. O. H. Jäger in München. Dem soeben erschienenen Doktoren- Verzeichnis ist eine Abhandlung des Historikers Profeffor Dr. W. Busch über „Die Beziehungen Frankreichs zu Oesterreich und Italien zwischen den Kriegen von 1866 und 1870/71" beigefügt. — Der a. o. Professor Dr. Camill Henner ist zum o. Profeffor des Kirchenrechtes an der böhmischen Universität Prag ernannt worden. Vermischtes. * Könitz, 6. November. Zur Mordaffaire wird der antisemitischen „Staatsb.-Ztg." von „befreundeter Seite" folgendes geschrieben: Bauunternehmer Winter-Prechlau hat dem Rechtsanwalt Dr. Hahn-Charlottenburg die weitesten Vollmachten zur Wahrnehmung seiner Interessen in der Angelegenheit der Ermordung seines Sohnes Ernst erteilt. Auf Grund des in dem Prozesse gegen Maßloff neu hervorgetretenen Belastungsmaterials hat Rechtsanwalt Dr. Hahn- Charlottenburg im Auftrage des Herrn Winter dem Ersten Staatsanwalt am Landgericht Könitz eine Strafanzeige gegen Fleischermeister Adolf Lewy wegen Mordes, bezw. Beihilfe zum Morde und Meineides und gegen den Fleischergesellen Moritz Lewy wegen Mordes, bezw. Beihilfe zum Morde, überreicht. Gleichzeitig hat Dr. Hahn, da Fluchtverdacht und der Verdacht besteht, daß weitere Spuren der That vernichtet oder Zeugen und Mitschuldige zu einer falschen Aussage verleitet werden, die sofortige Verhaftung des Adolf Lewy beantragt. * Bremen, 6. November. Der Dampfer „Marienburg, mit dem der an der Pest verstorbene Seemann Kunze hier ongckommen war, ist in Antwerpen unter Quarantäne gestellt worden. Die Mannschaftskojen wurden sofort desinfizirt. lieber den Krankheitsfall wird noch mitgeteilt, daß Kunze bei seiner Ausmusterung am 29. Oktober noch nichts von einem Unwohlsein äußerte. Erst am 30. ließ er der Dampfschifffahrts-Gesellschaft Hansa mitteilen, daß er krank sei und übersandte ein ärztliches Attest. Als die Drüsenanschwellung größer wurde, wurde seine Uebersührung in das Diakonissenhaus angeordnet. der Stadt Gieße«. Evangelische Gemeinde. Getraute. Matthäusgemcinde. Den 27. Oktober. Albert Jakob Emil Werther, Schlaffer zu Gießen und Luise Philippine Größer, Tochter des verstorbenen Schuh« machers Philipp Größer zu Gießen. Getaufte. Mat thäusgemeinde. Den 28. Oktober. Dem Finanz-Aspirant Wilhelm Erle eine Tochter, Mathilde Emilie Elise, geboren den 29. September. Denselben. Dem Schuhmacher Johannes Jacob eine Tochter, Marie Margarethe, geboren den 25. September. Markusgemeinde. _ t Den 28. Oktober. Dem Werkmeister Friedrich Rettwetter ein Sohn, Erich, gekoren den 16. August. Denselben. Dem Schneider Karl Schön eine Tochter, Juliane Ernestine Katharme, geboren den 18. September. Denselben. Dem Fuhrmann Jost Riespeler eine Tochter, Minna, geboren den 26. September. Lukasgemeinde. Den 28. Oktober Deni Bahnarbetter Heinrich Karl Rethwisch eine Tochter, Minna Elise Gabriele, geboren den 24. September. Johannesgemeinde. Den 1. November. Dem Gastwirt Wilhelm Zürb eine Tochter, Ottilie Ulrike Auguste, geboren den 21. September. Beerdigte. Lukasgemeinde. Den 27. Oktober. Emilie Käß, 34 Jahre alt, starb den 25. Oktober. Den 51. Oktober. Wilhelmine Berninger, geb. Neutze, Ehefrau des Werkstätten-Vorstehers Karl Ludwig Berninger, 50 Jahre alt, starb den 29. Oktober. kranken nach ihrer Entlastung aus den Anstalten, so wichtige seien, daß sie die Beachtung jedes Menschenfreundes verdienten. Wie der kürzlich erstattete Jahresbericht für 1898/99 nachweist, sind aus der Hülsskaste in dem genannten Jahre — 4017 Mk. 20 Pfg. an Unterstützungen in unsere Stadt geflossen. Leider steht die Zahl der Geber und der geleisteten Beiträge zu diesem Aufwand in keinem richtigen Verhältnis, denn wir finden in dem nämlichen Jahresbericht aus Darmstadt nur 475 Geber mit 1058 Mk. 60 Pfg. an Beiträgen verzeichnet. -nn Darmstadt, 5. November. Ein thatsächliches Vorkommnis, wie man es sonst meist nur als Nebenbahn- Idylle in Witzblättern liest, passierte heute früh auf der Odenwaldstrecke Erbach - Darmstadt: Der Zug sollte um 6.12 auf Station Rosenhöhe eintreffen, hatte aber nahezu eine Stunde Verspätung erhalten, da die beiden Maschinen von dem Zuge in Lengfeld durch ein Versehen abgehängt wurden und nach erfolgtem Abfahrtssignal gemütlich nach dem 10 Minuten entfernten Reinheim abdampften, ohne die Wagen mitzuführen. Alles Rufen und Signalgeben der in Lengfeld Zurückgebliebenen half nichts. Anfangs glaubte man noch an ein Rangiermauöver, bis man die Maschine aus den Augen verlor. Tatsächlich merkten die Führer ihr leichtes Gewicht erst beim Einfahren in die Station Reinheim, worauf sie schleunigst Kehrt machten und die ungeduldig Harrenden holten. -fc Mainz, 6. November. Ein in einer hiesigen Fabrik beschäftigter verheirateter Hausbursche aus Gießen wurde wegen eines vor langer Zeit an einem kleinen Kinde begangenen Sittlichkeitsverbrechens verhaftet. Bingen, 6. November. Der Geschäftsführer des Vereins zur Wahrung des Deutschtums in den Ostmarken, Dr. Äovenschen, bat in den letzten Wochen wieder eine Werbereife nach dem Westen unternommen. Der Erfolg seiner Vorträge über die Polengefahr war, daß in Verden a. d. Aller und in Bingen Bingerbrück neue Ortsgruppen des „Deutschen Ostmarken - Vereins" begründet werden konnten. In Gelsenkirchen und in Barmen wurden größere Sammelstellen eingerichtet, und in Hildelsheim ist die Bildung einer Ortsgruppe in die Wege geleitet. Wetzlar, 6. November. Die hiesige Reichsbanknebenstelle wird in absehbarer Zeit ihr eigenes Geschäftsgebäude besitzen. Wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist am heutigen Tage ein Vertrag zum Abschluß gelangt, demzufolge die Reichsbank von dem am Wüllbacherthor gelegenen Besitztum des Geh. Sanitätsrats Dr. Höchst ein Areal im Umfange von 700 Quadratmetern käuflich erworben hat. Auf diesem Grundstück wird der Neubau errichtet werden. -fc. Limburg (Lahn), 6. November. Im Oktober 1874 starb zu Innsbruck die Gräfin Franziska Serafine zu Neu-Leiningen-Wefterburg, Inhaberin der Stan- desherrschaften Westerburg und Schadeck im Regierungsbezirk Wiesbaden. Laut Vertrag ging der keineswegs unbedeutende Besitz, der jährlich ca. 45000 Mk. einbringt, an den Grafen Friedrich zu Alt - Leiningen - Westerburg, Standesherrn in Ilbenstadt in Hessen, über. Zwei Jahre vor ihrem Tode — am 1. Juni 1872 — hatte die Gräfin ein Testament errichtet, in welchem sie den Universalerben, den unmittelbaren Besitznachfolger in den StandeSherr- schaften Westerburg und Schadeck, verpflichtete, verschiedene Legate aus ihrem Privatvermögen an bestimmte Personen und Korporationen auszuzahlen. So „1000 Gulden in Silber an die wahrhaft Armen und zwar ohne Unterschied der Konfession (Gräfin Serafine war katholisch) der Grafschaften Westerburg und Schadeck, wovon für die Kinderbewahranstalt in Westerburg 300 Gulden verwendet werden sollen." Die Auszahlung dieses Legats hat Graf Leiningen unterlassen, bezw. daß dasselbe besteht, verheimlicht. Erst vor einiger Zeit erfuhr davon das Landratsamt Westerburg. Letzteres stellte durch Anfrage bei sämtlichen beteiligten 11 Gemeinden fest, daß eine Zahlung des Legats nicht erfolgt ist. Als Aufsichtsbehörde der beteiligten Armenverbände richtete hierauf das Landratsamt an den Grafen Leiningen [nach Ilbenstadt ein Schreiben, in dem er an die Erfüllung seiner Legatsverpflichtungen gemahnt wurde. Das Schreiben kam mit dem Vermerk zurück „Unbekannt wohin abgereift." Graf Leiningen war eben ins Auslano, nach Wien geflüchtet, um sich der Verbüßung der über ihn wegen Ehebruchs von der Strafkammer in Gießen verhängten Gefängnisstrafe von 6 Monaten zu entziehen. In der Legatsangelegenheit kann, wie es heißt, strafrechtlich nicht gegen den Grafen vorgegangen werden. Andere Legate an Verwandte re. sind erst kürzlich ausbezahlt worden, da auch diese Erben erst jetzt aus Zufall Kenntnis von ihrer Erbschaft erhielten. -fc Fulda, 6. November. Die gerichtliche Obduktion der Leiche des am SamSlag von dem 13 jährigen Arthur Fritzsche erschossenen Kaufmannslehrling Heinrich Hartmann fand heute vormittag in Gegenwart des ersten Staatsanwalts statt. Fritzsche hat gewußt, daß die Waffe, die er schon einige Zeit in Besitz hatte, geloben war. Auch soll er den Hartmann gefragt haben: Soll ich Dich einmal schießen? Gleich nach der That hatte Fritzsche den Revolver verborgen. Erst als ihm ein Schutzmann mit Verhaftung drohte, brachte er die Waffe aus dem Versteck hervor. Cassel, 5. November. Während es früher allgemein Sitte war, daß das möbelkaufende Publikum seinen Bedarf oder die Eltern die Aussteuern für ihre Töchter ein Vierteljahr vorher bei ihrem Hausschreiner oder Tapezier zur Anfertigung bestellten, deckt man jetzt lieber, was auch in den meisten Fällen nicht zu verdenken ist, den Bedarf in Möbelmagazinen, wo sich nickst nur die einzelnen Möbel fix und fertig präsentieren, sondern wo auch gleich dem Käufer ganze Zimmereinrichtungen vor Augen geführt werden können. Ta nstn nicht ein jeder Schreiner oder Tapeziermeister sich ein Möbellager halten kann, das den Genchtssaal. -fc. Mainz, 6. November. Dec 27 Jahre alte AlthSndler Peter Metten von hier, der zu Pfingsten tm Walde bei Ecbenhetm seine Geliebte, Josephine Engelhardt, angeblich mit deren Einverständnis, erschossen hatte, wurde gestern von. der Strafkamuur in Wiesbaden zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt. Metten hatte damals auch die Waffe gegen sich gerichtet, jedoch ohne Erfolg, und war dann zu einem katholischen Priester in Wiesbaden gegangen und hatte ihm den Vorfall gebeichtet. Der Priester veranlaßte ihn, sich der Polizei zu stellen. Feldpost mit Briefen und Paketen vom Kriegsschauplatz, die bei Feldpostbriefanstalten aufgeliefert und mit deren Aufgabestempel bedruckt sind, ist am 29. Oktober beim Marinepostbureau in Berlin eingegangeu. Sie bestand in zwei Briefsäcken- im Gewicht von fast 80 Kilo, die mehr als 20 000 Briefe und Postkarten enthielten. Von recht großem Umfang ist auch die Ladung von Feldpostpaketen für den am 30. Oktober von Bremerhaven nach China abgegangenen Reichs-Poftdampfer gewesen. Obwohl zwischen der voraufgegangenen Schiffsgelegenheit, der rund 5600 Pakete Angeführt wurden, und dem Abgang des letzten Dampfers nur sieben Tage liegen, waren für die letztere Gelegenheit doch 8090 Feldpostpakete eingegangen, die in 403 Säcken zur Absendung gelangten. — Das Amtsblatt des Reichspostamts enthält weiter folgende Verfügung über die vorschriftsmäßige Beschaffenheit iind Behandlung der Feldpostpakete: Von den der Paketpost-Sammelstelle in Bremen zugehenden Feldpostpaketen an die ost asiatisch en Truppen entspricht ein großer Teil, über 10 pCt., nicht den Bestimmungen über die Beschaffenheit und Behandlung der Feldpost- päckereien. Die Mängel sind-folgende: die Inhaltsangabe oder die Bezeichnung des Absenders fehlt. 2) Die Aufschrift oder die Frankierung ist unzureichend. 3) Die Sendungen sind mangelhaft verpackt, insbesondere sind die zur Verpackung verwendeten .Kistchen und Kartons nicht in feste Leinwand oder Wachsleinwand eingeschlagen. 4) Die Pakete wiegen mehr als zweieinhalb Kilogramm. 5) Von der Beförderung ausgeschlossene Gegenstände, wie Flüssigkeiten, werden versandt. 6) Der Abdruck des Aufgabestempels ist undeutlich und die handschriftliche Angabe des Aufgabeortes fehlt. Da derartige Mängel unliebsame Weiterungen verursachen, durch die bei dem großen Umfang des Feldpostpäckerei-Verkehrs der ordnungsmäßige Fortgang der Geschäfte bei der Sammelstelle eine empfindliche'Störung erfährt, werden die Post- anstalten veranlaßt, mit Nachdruck darauf zu halten, daß Feldpostpakete von vorschriftswidriger Beschaffenheit fortan unter keinen Umständen zur Absendung gelangen. Sendungen mit mangelhafter Aufschrift und unvorschriftsmäßiger Verpackung oder mit unzulässigem Inhalt müssen bei den Annahmestellen den Absendern unter genauer Belehrung über die Vorschriften zurückgegeben werden; die Bestimmungen über die Behandlung der Sendungen im Postbetriebe ^nüssen sorgfältigste Beachtung finden. -fc Friedberg, 6. November. Der Barbierlehrling Heinrich Strauch, geb. aus Großkarben, und der Gehilfe des Geschäfts trieben Spielerei mit einem geladenen Revolver. Plötzlich ging ein Schuß los und traf den Lehrling so unglücklich, daß er sofort tot zusammenbrach. Aus Verzweiflung erschoß sich bann auch der Gehilfe. Nach einer weiteren Meldung haben der Gehilfe (des Barbiers Förder in der Schulftraße) und der Lehrling vor der unseligen Thal Streit miteinander gehabt, sodaß der Vorgang in einem ganz andern Lichte erscheint. — Auf dem hiesigen Gaswerk ereignete sich gestern Abend ein schwerer Unglücksfall. Der Arbeiter Kratz übergoß heißen Koks mit Wasser, als infolge der noch im Kols enthaltenen Gase plötzlich die ganze glühende Masse explodierte und dem Kratz am Körper furchtbare Brandwunden beibrachte. nn. Darmstadt, 5. November. Die Abgeord- neten-Versammlung gelegentlich des Jahresfestes des Hess. Hauptvereins des Evangelischen Bundes wurde heute vormittag 9 Uhr im Saalbau eröffnet. Pfarrer Dr. Weitbrecht-Wimpsen referierte über die Organisation und Agitation des Bundes in Hessen, die sehr erfreuliche Resultate zeigte. Als Ort für die nächstjährige Hauptversammlung wurde Wörrstadt bestimmt. Alsdann fand die gutbesetzte Hauptversammlung statt, zu deren Beginn Hofprediger Ehrhardt, der Vorsitzende des Hess. Hauptvereins, einen übersichtlichen Jahresbericht verlas, aus dew hervorging, daß an fast allen Plätzen strebsam gearbeitet wird, sodaß noch im lausenden Jahre gute Erfolge erzielt wurden. —I Der Hess. Hauptverein zahlt zurzeit 3 Prozent Unterverbände. — Kaufmanns Rummel gab alsdann den Rechenschaftsbericht, der eine Einnahme von 6788.73 Mark und eine Ausgabe von 5187.19 Mk. aufweist, sodaß ein Ueberschuß von 1601.54 Mark verbleibt, der Vermögenszuwachs beträgt 368.31 Mk. Ter Verein zahlt jetzt 4483 Mitglieder, er hat um 14 Mitglieder zugenommen. — In längerem ausführlichem Vortrage berichtet hieraus Pfarrer Reinhard-Wörrstadt über die Diakonie des evang. Bundes in Hessen. Es wird eine Resolution beschlossen, nach der in Anerkennung der Arbeit und Bestrebungen des Diakonissenhauses Elisa- . bethenstist, dem man nach Möglichkeit auch fernerhin helfend zur Sette stehen wolle, konstatiert werden müsse, daß derselbe den heutigen Anforderungen nicht mehr genüge und man sich deshalb mit Bildung eines Diakonissenseminars befassen werde; im Prinzip ist man darüber einig, u1nb die nächste Delegiertenversammlung im Dezember d. I. soll hierüber weiter beschließen. Zum Schluß hielt noch Pfarrer Wolff- Rumpenheim einen Vortrag über den derzeitigen Stand der österreichischen Bewegung und die Aktion des hessischen Hilfsausschusses, und es wurde folgende Resolution angenommen: „Der Ev. Bund zur Wahrung der deutschen protestantischen Interessen in Hessen begrüßt aufs freudigste die evangelische Bewegung in den Ostmarken und bittet alle Evangelischen des Landes, diese Bestrebungen zu unterstützen, dem neugebildeten Hess. Hilfsausschuß beizutreten und eifrigst dafür zu wirken." Ein gemeinschaftliches Mittagessen bildete den Schluß des Festes. ** Darmstadt, 6. November. Gegenwärtig ist in unserer Stadt eine Kollekte für die Unterstützungskasse der hessischen Landes-Irrenanstalten und derpsych- l^trischen Klinik in Gießen in Gang. Garoftschon list darauf hingewiesen worden, wie gerade diese Unter SS: Mgckel, fotoi, tat JWlton Dam, «n einet Nru- a,L Frl. TrjA spielen, die , Vorm. U w bei Herrn tot tt\\t Hvrtz, ^dllhkater absvl- vWm, ist hier st ^getreten unb n bestem Anbeuten Eine Reihe von von Universitäts- •_ Erst im vorigem bereit jetzt Mr Trck ■S M dieses Könnende finden in November 1900, nd. Außer denn 1. ausführt, sind f Redner (Bio- As Gäste sind Sopran), Fräulein Weilhammer Horn). An Kam- ' und Duos to Händel, C. Cmv i. Es wäre W hzu einer thiuexxv' jft freilieb nöt\§, ■ M kräftig er- it rechteckig im gegeben werden, tn eine ausfiihr- auch über alle he genaueste Aus« Evangelische am Montag, den : Ltadtlirche ein schon setzi daraus letzenden Hochflut eten Darbietungen i zu finden. Der . eine größere v# aend ein oberer [mi jein, Elch SrÄ wy iß. Auch toe [sichten Pdoten echi unbeguem. äd das Konzert ganz besonders ./kommt neben irte Kantate m orgenstern" erdem find aA und Herr trüber 6« * Mein bar w w», b»B le'nt ■et »«»'M? SS» .KxS • S’3 Ä-X es»' H-n- iri« fic ß» di-. S >« stahl* M.flnbtt " St t ** Feld postdieust in Ostasien. Der Feldpost- | stützungskaffe in erster Linie von der Wohlthätigkeit aller I dienst in Ostasien nimmt immer mehr an Ausdehnung k:- w. Wie man hört, ist eine weitere Verstärkung des Personals der Feldpost um Beamte, ©djaffner und berittene Postillone erforderlich, die mit einem der nächsten Reichspostdampfer die Reise nach China antreten werden. Auch wettere Postwagen und zwar Brieskariole werden von Berlin aus den Jeldpostanstalten überwiesen. Die erste Gingesandt. .Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Die Dtrtktion bts Gutzemr StadtttzealetS wud gebeten, bas soziale Drama „Die Webers von Gerhart Hauptmann, auch mal an einem Sonntagnachmtltag auszusühren, damit auswärtigen Theaterbesuchern Gelegenheit geboten ist, das Stück zu sehen- X. Neueste Meldungen. Berlin, 7. November. Der Kaiser ist gestern abend um 10 Uhr von Liebenberg wieder hier eingetroffen und wohnte heute vormittag um 10 Uhr der Vereidigung der Rekruten der Berliner Garnison im Lustgarten bei. Am 23. ds. wird der Kaiser zur Vereidigung der Marinerekruten nach Kiel reisen. Berlin, 7. November. Es wird nunmehr amtlich bekannt gegeben, daß die Eröffnung des Reichstages am 14. ds., 12 Uhr mittags, im Rittersaale des hiesigen königlichen Schlosses stattfinden wird. Loudon, 7. November. Mac Kinley soll 279 Stimmen erhalten haben, während auf Bryan nur 168 gefallen sein sollen. New'York, 7. November. Die gestrige Präsidenteu« wähl nahm einen durchaus ruhigen Verlauf. Die Beteiligung an der Wahl war in allen Unionstaaten um gewöhnlich stark, sodaß der schließliche Sieg der Republikaner nicht länger zu bezweifeln ist. Senator Hanea telegraphierte an Mac Kinley, daß eine republikanische Mehrheit von 95 Stimmen im Wahl-Kollegium gesichert sei, und daß sogar 10 Stimmen mehr erwartet werden könnten. Wenn sich diese Schätzung als richtig erweist, würde Mac Kinley mit 287 Stimmen gewählt werden, gegen 165 Stimmen für Bryan. Mac Kinley wird in dem maßgebenden Staate New Jork zweifellos eine große Mehrheit erlangen, sodaß eine Wiederwahl Mac Kinleys zum Präsidenten der Vereinigten Staaten außer Zweifel steht, da die Mehrzahl der Wahlmänner Parteigänger Mac Kinleys sind. Washington, 7. November. Präsidentenwahl. Mac Kinley hat 292, Bryan 155 Stimmen erhalten. Mac Kinley hat in 27, Bryan in 18 Staaten die Majorität. Börsennachrichteffi. Berlin, Preuss. Hypotheken-Aktien-Bank (*°/„) Deutsche Grundschuld-Bank (4%) do. do. unk. b. 1904 (4%) Deutsche Grundschuld-Bank (3*/,) 6. November. 89.60 M. 83.00 „ 83.00 „ 75,10 , Telephonischer Kursbericht Frankfurt, den 7. November. 3Vi % Reiohaanleihe . . 3 ü/0 do . . 3>/t°/o Konsole . . . . 3 % do . . . . SVgC/o Hessen . . . . 5 % Italien. Rente . . . 4 °/0 Griech Monop.-Anl. 3 v/o Portugiesen . . . 3% Mexikaner . . . . 4V, o/g Chinesen . . . . 95.40t Kreditaktien 86.80 Dresdener Bank . . Tendenz: fest. 86 75 95.50 Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Berliner Handelsges. Gesten. Staatsbahn Gotthardbahn . . Laurahütte . . , Bochum . . . . Harpener . . 92.80 94.90 41.70 24.55 25.70 76.30 . 207.90 . 177 40 . 134.60 . 148.30 . 148.50 . 142.60 . 146.— . 203.— . 182.— . 179.75 7288 7279 Poppert. Vossius. Anmeldungen zur Weihuachtsmefse müssen bis zum Heuchelheimer Mühle t I Gräber 7.v