$iei ier gner 1 Seeigvet. 7255 C'1» Siegen. Geräte ärmflaschen Kkaur-oöes. MM! Jahrgang) iterte Lrttürr Vinter! te Dvh-iaz. nartM. N-Aichrmlg. t ngtiwmmtn. >IN Sm* ll2, 9 bei „«>cho meinte man wenigstens; es war blinder Lärm, der schnell verpuffte. t ,, Das Amtsgeheimnis, weshalb das Stück fast allenthalben (nur nicht in den thüringischen Staaten) von der öffentlichen Ausführung ausgeschlossen wurde, habe ich nie ganz enträtseln können. Wenn die Sekte der guten Revolutionäre noch nicht bekannt wäre, so müßte sie um Hauptmanns willen erfunden werden. Wie gern auch der Dichter der „Weber" im Schatten der Nacht wandelt, und wie düster auch die Bilder sind, die er zeigt, es will uns scheinen, als ob mehr von Klinger, Kleist und Otto Ludwig in ihm stecke als von Byron, Lassalle und Krapotkin. Der Himmel, den er stürmt, ist mit blinkenden Sternen besäet. Gemüt aber nicht Galle weht in ihm und aus ihm. Deutsche Traumhaftigkeit schaut aus seinen Tichteraugeii. Wo er aufbegehrt, ist es niemals bös gemeint. Das Düstere bei ihm ist meist Halbdunkel. — Es ist eine feine Beobachtung, die der Genius unserer Sprache machte, da er den Schalk „Eulenspiegel" nannte, zwei Bilder in einem, ein dunkles erst und dann ein silberhelles. Auch über das grauenvolle Bild des Weberelendes huscht es wie lichte Streifen. Man beachte, wie Heine, der die schlesischen Weber nickt kannte, in seinem wild pathetischen Weberlied die Flamme des Hasses mächtig auflodern läßt in schweflichtem Sprühlicht. Hauptmann, dagegen, der da weiß, wie bescheiden und genügsam die schlesischen Weber im Grunde sind, malt ohne Giftfarbe, dunkel aber mit einer Unparteilichkeit, die nur an einigen wenigen Stellen das Gleichmaß vergißt. Es steckt kein Agitator in ihm, darum glaubt man ihm. Seine dichterische Natur erweitert den Goethe'schen Satz, daß Gott selbst die Geradheit ans Herz genommen habe, durch den niederdeutschen Spruch: een beeten scheef hat Gott lev. Weiter geht sein Naturalismus nicht und weiter darf er nicht gehen, soll er Lkunst bleiben. Hebbel hat diese Grenze erreicht und Hauptmann hat sie in seinem „Fuhrmann Henschel", seinem letzten beachtenswerten Werke, fast schon ebenso wie sein großer Vorgänger respektiert. „Die Weber" hat er seinem Vater gewidmet und dabei die Dichtung, „ob sie nun lebenskräftig oder morsch im Innern sein mag", doch als „das Beste" bezeichnet, „was ein armer Mann, wie Hamlet ist, zu geben hat." Die Poloniusse deutelten viel an diesem Wort; uns ist Gerhart Hauptmann schlechthin ein Künstler ohne —ismus. „Die Weber", „College Crampton", Fuhrmann Henschel" sind nur Miniaturen. Aber Phidias schuf erst eine Fliege in Lebensgröße und sand danach die Maße für den olympischen Zeus. Ein sozialistisches Ideal kann es für den'Künstler nicht ! geben. Schon diese Thatsache macht die jetzt ja längst glück- | lieh zertretenen Bedenken der Polizei grundlos. Gleichheit ist Tod, Gliederung ist Leben, vor allem gerade in der Kunst. Die Kunst braucht individuelle, nicht doktrinäre Größen zu ihrer Rechnung. Deshalb kann eine Vorstellung sozialer Nachtbilder, wenn sie ein Künstler ins Leben rief, nickst: an den Vesten des Staates rütteln. Wohl kann das Stigma, das die Zensur anfangs darauf setzte, den Unverständigen zu dem unrechten Gebrauch locken. Die lebendige Darstellung, die enthusiastisches und nüchternes aus dem yörer weckt, bringt die richtige Beleuchtung und täuscht den Sinn weit seltener als die einsame Stille, die heimlich raunt und überredet. Natürlich muß der Künstler richtig gezeichnet haben und nicht den Griffel zum Hetzen entweihen. Das thut aber, in scharfem Gegensatz zu manchem sog. „patriotischen" Un- poeten, ein wahrer Dichter nie. Und Hauptmann ist ein Dichter. Hauptmanns Drama schildert einen historischen Vorgang: den Weberaufstand, der 1844 in einigen schlesischen Dörfern ausbrach. Wenn er dabei Parallelen findet mit Problemen, die unsere Gegenwart in Atem halten, so ist die Frage aufzuwerfen: Sollen unsere Dichter durchaus warten, bis sich hundert- oder gar tausendjähriger Staub darüber gelagert hat? Einen historischen Stoff zu behandeln und „Mit dem Zeichen der Zeit ihn preiswert zu prägen, Tas ist Dienst des Dichters, des Gedankenwardeines" — sagt sehr richtig der alte Wilhelm Jordan. Man wird allerdings bei diesem Stück zuweilen an einen Ausspruch Hebbels erinnert: es ist einem zu Mut, als ob der Dichter die Feder statt in Tinte, in Blut und Gehirn getaucht hätte. Hauptmann hat nach seinen eigenen Worten den Keim seiner Dichtung von seinem Großvater, der in jungen Jahren als armer Weber wie die Geschilderten hinterrn Webstuhl gesessen. So gab der junge Stürmer und Dränger aus unmittelbarem Gefühl heraus dem Gehörten, das auf ihn mächtig wirkte, ein donnerndes Echo. Es ist nicht abzuleugnen, daß die schroffe, rücksichslose Wirklichkeit in der Dichtung auf ein peinlich behütetes Gefühl stellenweise unangenehm wirken muß und daß es immerhin eine eigentümliche Sache bleibt, in langen Ausführungen und mit einer Offenheit Dinge nennen zu hören, die, wenn man sie in der Gesellschaft überhaupt andeutet, mit allen möglichen un- Revision der allgemeinen Bauordnung in Bezug der „in manchem Betracht stark veränderten Verhältnisse der Städte" anzuregen. Eine gleiche, aber noch viel radikalere Revision der allgemeinen Bauordnung thäte not für die ländlichen Bezirke. Denn der Widerwille gegen die vielen unsinnigen und den Betrieb der Landwirtschaft hindernden Brandmauern, die schablonenhafte und unzweckmäßige, mitunter zwangsweise auf Grund der Kreisordnung erfolgende Anordnung der Baufluchtlinien auf den Dörfern ist seit Einführung der allgemeinen Bauordnung nicht schwächer, vielfach aber heftiger geworden. Die schädliche Wirkung der allgemeinen Bauordnung liegt eben darin, daß sie eine allgemeine Bauordnung ist. Solange nicht Stadt und Land in der staatlichen Bauordnung getrennt und jedes für sich behandelt werden, so lange wird keines der beiden Befriedigung finden. Wir fragen hiernach an, ob Großh. Regierung gewillt sei, bei Revision der Bauordnung Stadt und Land getrennt und jedes für sich, entsprechend seinen eigensten Verhältnissen zu behandeln? 2. eine Anfrage des Abg. Köhler-Langsdorf, betr. die genossenschaftlicheOrganisation des Bauernstandes im Großherzogtum Hessen: Am 7. Juli 1899 i ifjte die zweite Kammer, fußend auf meinem die selbige Sache betreffenden Anträge folgenden vom vierten Ausschuß beantragten einstimmigen Beschluß: „Die Großherzogliche Regierung zu ersuchen, den Lmdständen nach baldigst ins Werk zu setzender Prüfung der Frage und unter thunlichster Berücksichtigung der in dem Ausschußbericht vorgetragenen Wünsche, eine Gesetzesvorlage zugehen zu lasten, nach welcher im Großherzogtum eine berufsständische Organisation der Landwirte in der für das Großherzogtum entsprechenden Weise zur Einführung zu gelangen hat." — Nachdem seit Fassung dieses Beschluffes bereits mehr als ein Jahr vergangen ist, nirgends aber etwas über eine einschlägige Thätigkeit Großh. Regierung weder, offiziell noch inoffiziell verlautbar wurde, die Landwirtschaft betreibend'en Bevölkerungsklaffen aber, angesichts der kommenden Verhandlungen über die Handelsverträge des Reichs mit dem Ausland, mehr als je der staatlich anerkannten obligatorischen Organisation bedürfen, frage ich bei Großherzoglicher Regierung hierdurch ergebenst an, ob noch während des laufenden Etatsjahres eine bezügliche Regierungsvorlage zu erwarten steht? ** Das Regierungsblatt Nr. 73 vom 3. November enthält: 1. die Bekanntmachung, die Ausführung des Gesetzes über die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten vom 30. Juni 1900 betreffend. — 2. die Bekanntmachung, die Verleihung der Rechtsfähigkeit an den Viktoria-Melita-Verein, Heil- ftättenverein für das Großherzogtum Hessen, in Darmstadt betreffend. — 3. die Bekanntlichung, den Bau und Betrieb eines normalspurigen Anschlußgleises in den Gemarkungen Mittel^Gründau und Hain-Gründau betreffend. ** Schenkungen und Vermächtnisse. In den ersten dreiviertel Jahren 1900 wurden eine Reihe Schenkungen nnd Dermächtniffe von dem Großherzog bestätigt und damit die betreffenden Behörden und Korporationen zu deren Annahme ermächtigt; es seien daraus erwähnt: Schenkung der Stadt Gießen an den Allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege daselbst, im Betrage von 10000 Mk.; Schenkung des Leopold Zimmermann in New Jork an die israelitische Religionsgemeinde in Ober-Seemen zu den Kosten der Erbauung einer neuen Synagoge im Betrage von 10000 Mk.; Schenkungen an das Barmherzige Schwesternhaus in Darmstadt, und zwar: a) einer uri- genannten Dame, bestehend aus Wertpapieren im Nominalbeträge von 10140 Mk., b) der Freifrau Schenck zu Schweinsberg, geb. v. d. Capellen, zu Darmstadt im Namen ihrer Geschwister zu Gunsten der ..Krippe", im Betrage von 10000 Mk.; Vermächtnis der Karl Joseph Leineweber Eheleute in Friedberg au die katholische Pfarrei daselbst, im Betrage von ca. 6884 Mk. ** Uniformierung der Eifenbahubeavtten. Der preußische Eisenbahnminister hat nunmehr genehmigt, daß die mittleren und unteren Beamten im äußeren Dienst Joppen mit Umlegkragen tragen dürfen. Die mittleren Beamten tragen dieselben nach dem Schnitt der Offizierslitewka aus blauem rechten Worten verschleiert werden. Man könnte hier freilich die Franc dagegen aufwerfen, ob nidjt am Ende der Grund des Anfloßes an unserer mißleiteten Erziehung! läge, allein das ist ein Gegenstand, der weit über den Rahmen einer Tageskritik hinausgreifen würde. Die Menschen, die uns der Dichter vorstellt, sehen wir in voller Leiblichkeit: es sind Menschen von „Fleisch und Blut" — eine Redensart, die allerdings auf die ausgehungerten Weber nicht ganz passen will. Man sieht sie nicht nur, sondern man handelt und leidet mit ihnen, man wird ergriffen und gepackt, sei man nun Konservativer oder Sozialdemokrat. In ihrem bescheidenen Heim ist jeder Nagel eine durchwachte Nacht, jeder Balken ein Jahr des Hungers. Gerhart Hauptmann ist der sicherste und kühnste Genremaler des deutschen Dramas; aus sämtlichen fünf uften dieses Schauspiels ersehen wir das. Freilich manche nur allzu modern klingende Tiraden wären im Interesse des Kunstwerks und des Theaters besser fortgeblieben. Immerhin aber bleiben „Die Weber" eine der machtvollsten Leistungen, die die dramatische Kunst der letzten a” -herv^gbbracht hat, wenn sich auch, entgegen E^.?^bn Regeln der dramatischen Kunst im sganzen Ä kein Charakter entwickelt, wenn auch nn« fertl9 ^0^6^ Das gerade bedeutet eine von der Literaturgeschichte sehr bemerkenswerte Erweiter- ung der Grenzen der dramatischen Kunst. c J?enr? irgendwo- so spielt bei den „Webern" die Hauptrolle der Regiffeur. Herr Direktor Helm hat sie gestern mit unerwartetem Erfolge gespielt. Was will es heißen, wenn der eine oder der andere der gegen 40 Aornf hm«t. ö. - ___ - greift ober ins Stocken gerat, wenn er ich etwas zu ehr an den fiilfreirfien Mann im Kasten wendet, wenn dieser und jener all/u sehr ins Publikum spricht,. - gegeiiüber der plast?Kn Ausarbeitung des ungemeinschwierigen Ganzen Freilich hatte man nicht das Zeitkostüm gewählt, freilich mangelte es an.szenischer Treue namentlich im Dreißiqerfchen Hause Daffir aber gab es andere äußere Details,' die in ihrer Gesamtheit das Milieu des Elends und des Hungers treffend und ohne Uebertreibung zeichneten. Packend und dramatisch bewegt waren die Massenszenen, und wenn sich auch nicht jeder Teil vom Ganzen ohne Mühe löste so vereinigte sich doch in imposanter Größe alles zu der solidarischen Gesamtheit: Die Weber. Bei der Beurteilung der einzelnen Leistungen ist Tuch ohne Goldstickerei, aber mit Achselstücken, die unteren Beamten in Litewkaform, Kragen mit orangefarbenem Vorstoß. ** Der „Deutsche Verein Gießen" wird im Laufe des Winters für seine Mitglieder folgende Vorträge veranstalten: 1. Freihandel oder Schutzzoll. 2. Bodenreform und Wohnungsnot. 3. Cäsar Wollheim und die Kohlenteuerung. 4. Sozialdemokratie und Judenfrage. 5. Gemeinde- und StaatSsozialismus. 6. Von Weitling bis Bernstein und darüber hinaus. 7. Der Freisinn und deutschvölkische Forderungen. 8. Warenhäuser und Konsumvereine. 9. Bedürfnisfrage im Gastwirtsgewerbe und Befähigungsnachweis. 10. Koalitionsrecht im Lichte der Thatsachen. 11. Produktivgenossenschaften. 12 Das „Märchen" von Xanten; Könitz,; Polna; Tisza-Efflar und die Orientalisten. Ferner werden durch den Verein voraussichtlich einige Volks-Versammlungen abgehalten, in der namhafte Abgeordnete sprechen werden. Ä Aus dem Kreise Schotte», 6. November. Einen namhaften Zuschuß haben 26 Gemeinden unseres Kreises, besonders Orte im höheren Vogelsberg, zur Bestreitung der Fortbildungsschulkosten aus der Staatskaffe erhalten. Die Verteilung geschah auf Grund des Steuerkovfficienten in jeder dieser Gemeinden. Die Gesamtsumme soll etwa 1800 Mk. betragen. X Darmstadt, 6. November. Auch in diesem Herbste wird hier wieder ein Turnkursus für Volksschullehrer abgehalten, an dem aus jedem Kreise unseres Hessenlandes zwei oder drei Lehrer teilnehmen. Der diesjährige Turnkursus dauert vier Wochen und zwar vom 5. November bis 2. Dezember. Gestern hat er in An- Offenheit des Ministerialrats Dr. Eis en Hut und deS Landesturninspektors Schmuck seinen Anfang genommen. Der TurnkursuS steht unter der persönlichen Leitung des Herrn Schmuck und bezweckt hauptsächlich Ausbildung der Teilnehmer in turnerischer Geschicklichkeit und im Erteilen des Turnunterrichts. In seinen Vorlesungen wird Herr Schmuck außerdem die Lehrer mit der geschichtlichen Entwicklung und mit der gegenwärtigen Spieß-Marx'scheu Methode des Turnens eingehend bekannt machen. Ferner wird der Assistenzarzt des hiesigen Kreisgesundheitsamts wöchentlich zwei Vorträge halten über Anatomie des menschlichen Körpers und Gesundheitslehre und praktische Unterweisungen geben über die erste Hilfe bei Unglücksfällen. Diese Turnkurse sind für eine gedeihliche Weiterentwicklung des Turnunterrichts in den Volksschulen von größter Bedeutung. Am Schluffe des TurnkursuS findet dann noch ein Abturnen der Teilnehmer im Beisein mehrerer Vertreter der obersten Schulbehörde statt. Mainz, 5. November. Zur Entlastung der Bahnlinie Mainz—Bingen ist nunmehr beschlossen, im Anschluß an die projektierte strategische Linie Gau-AlgeSheim— Münster a. S. eine zweigleisige Schienenanlage auf der linksrheinischen Strecke zwischen Mainz und Bingerbrück herzustellen. Bis die Entscheidung darüber getroffen ist, in welcher Weise die rechtsrheinische Anschlußlinie Bischofsheim— Kostheim—Kastel—Curve in den Mainzer Bahnhof eingeleitet werden soll, soll zunächst die neue linksrheinische Strecke nur von Gau-Algesheim bis Budenheim geleitet werden, damit während dem Bau der rechtsrheinischen Einleitungs- linie nicht Verkehrsstockungen an der Ueberbrückungsstelle unterhalb Mainz eintreten. Die Fortführung der neuen Linie von Gau-Algesheim rheinabwärts wird erst nach Vollendung des Anschlusses nach Münster a. S. erfolgen. — In Mannheim wurde in der verflossenen Nacht ein Einbruch verübt und dabei einer der Einbrecher, ein gewisser es schwer, allen Gerechtigkeit angedeihen zu lassen. Sta- I Listen, Anfänger, ja selbst Dilettanten wetteifferten mit I den ersten Kräften, jeder bemühte sich, seinen Platz in der rechten Weise auszufüllen — mit ganz geringen Ausnahmen — und gab so Zeugnis von der künstlerischen Direktive des Regisseurs Helm. In erster Linie machten sich mit besonders charakteristischen Leistungen verdient die Herren Liebscher als der alte Baumert, Ramsey er (Moritz Jäger) und Helm (Ansorge). Das Zusammenspiel dieser drei Künstler im zweiten Akt bei der Verlesung des „Blutgerichts" war, chas künstlerische Stimmung anbetrifft, der Höhepunkt des Abends und brachte eine gewaltige Wirkung hervor. Den Lumpensammler Hornig gab Herr Lachmaun ganz ausgezeichnet, ohne eine niedere Komik hervorzukehren; für den Pastor Kittelhaus paßte er weniger. Eine bemerkenswerte Talentprobe legte Herr Meißner (a. G.) als Schmied Wittich ab. Dem gottesfürchtigen alten Hilfe, der da gewissensrein und glaubensstark an seinem Webstuhl dem Tode verfällt, ein verehrenswerter Leidensheld von fast antiker Größe in all seiner Schlichtheit, gab Herr Kirchner-Kirchberg eine gewisse Weihe, die die Herzen ergriff. Auch sein Tischler Wiegand war unangreifbar. Recht charakteristisch war der rote Bäcker des Herrn di B a lt h Yni, der nur im Anfang gleich etwas allzu heftig ins Zeug ging, auf Kosten der Darsteller des Dreißiger und des Pfeifer. Herr Marlitz war ein guter Reifender, aber ein wenig guter Kandidat. Von den Damen ist an erster Stelle die alte Baumert der Frau Kruse, ein gebrechliches und weinerliches Mütterchen von echtem Realismus, zu nennen. Fräulein Schölermann stellte die Frau Dreißiger dar: sie sah sofort, daß ihr ganzes, der Rolle ja wohl ange- mesfenes Gehabe und Gethue bei einem Teile des Publikums Beifall fand, und übertrieb nun nach dieser Richtung in wenig erfreulicher Weife. Mit wenigen Strichen charakterisierte Frau. Helm die Pastorfrau vorzüglich. Frl. Korn als Luise Hilfe, das fanatische Weib aus dem Volke, war in ihrer Leidenschaft etwas theatralisch und so kam es leider nicht zu dem entsprechenden Schlußakkord. Alles in allem sei dankbar anerkannt, was gut gelungen, und gern geglaubt, was gut gewollt war. — Wo ein Tritt tausend Fäden schlägt, kommt erst das Weber-Meisterstück zu stände. Einige etwas zu willkürliche Striche wirkten unanKeller, der hier seine Wohnung hat, verhaftet. Bei du hier sofort vorgenommenen Haussuchung stellte eö sich heraus, daß Keller, ein angeblicher Reisender der Firma Opel ii Rüsselsheim, von Mainz aus in den Nachbarstädten Frankfurt, Wiesbaden, Mannheim rc. und auch hier ausgedehnt Diebstähle begangen hat. In seiner Wohnung wurde ein ganzes Warenlager von Uhren, Schmucksachen, Ringe 2t, gefunden, außerdem viele Postscheine, woraus hervorging, daß er eine Menge Gegenstände seiner in Koblenz wohnen, den Mutter zugesendet hat. Das „Geschäft" muß einträglich gewesen sein, Keller konnte beträchtliche „Ueberschusse" auf der Sparkaffe anlegen. Kaffel, 5. November. In dem 4 Uhr 14 Min. nach, mittags hier eintreffenden v-Zuge Hamburg Basel befand sich in einem Abteil 2. Klasse ein schlafender Passagier, ein sehr wohlbeleibter Herr, welcher schon von dem Schaffner in Hamburg schlafend übernommen worden war unv die ganze Strecke von Hamburg bis Kassel ohne auch nur einmal die Augen zu öffnen, zurückgelegt hatte. Wie dem Schaffner von seinem Vorgänge Kollegen in Hamburg versichert wurde, hatte der Passagier auch die ganze Strecke von Flensburg bis Hamburg in schlafendem Zustande zurück» gelegt. Um jeder Störung seiner Ruhe vorzubeugen, hatte der Schlafsüchtige seine Fahrkarte Kopenhagen-Basel sichtbar an den Hut gesteckt. Auch während des 10 Minuten währenden Aufenthaltes auf hiesiger Station unterbrach der Reisende seinen Dauerschlaf nicht. Der Glückliche, für den eß feint schlaflosen Nächte zu geben scheint, ist entschieden sehr zn beneiden. Möge er, sanft in Morpheus Armen ruhend, während seiner Reise von den süßesten Träumen beglückt werden, bis er sein Ziel erreicht. Der Prozeß Masloff iti Könitz. Zehnter Verhandlungstag. Könitz, 6. November. Pfarrer Boehnig wird als erster Zeuge vernommen. Auf Wunsch der Kommissare Braun und Wehn hat er mit dem Angeklagten eindringlich gesprochen, und dieser hat ihm dabei das Versprechen gegeben, die volle Wahrheit zu sagen. Das genaue Datum weiß Zeuge nicht mehr, doch muß es nach dem Anfang Mai gdwesen sein. Er hatte keinen Grund, an der Wahrheit der Masloff'scheni Aussagen zu zweifeln. Tr. L u k o w i c z sagt aus, daß Fleifchermeister Eisen- st ä d t eine Blutvergiftung gehabt habe. Er wurde am 5. Februar ins Krankenhaus ausgenommen, aus dem er am 17. März entlassen wurde. Er hat ihn einmal verbunden. Am Sonntag, den 11. März, hat er ihm Nachturlaub erteilt. Er weiß nicht genau, wann Eisenstädt in Schlochau war. Auch auf die sonstigen Details weiß er sich nicht zu besinnen. Schwester Felicia, die nächste Zeugin, sagt aus, daß Eisenstädt in der Nachtt vom 11. zum 12. März nicht im Spital war. Sie bleibt auch bei dieser Aussage, obwohl der Präsident ihr vorhält, es hätten sehr viele Zeugen ausgesagt, daß es sich um die Nacht vom 12. zum 13. März handelte. Von einem angeblichen Versuch Eisen- städts, )idj einen falschen Alibibeweis zu verschaffen, weiß Zeugin nichts. Zeuge Mielke hat mit Eisenstädt zusammen int Krankenhause gelegen. Er ist am 12. März auf genommen worden. An diesem Tage ist Eisenstädt etwa gegen 7 Uhr in das Zimmer gekommen. Zeuge Szamotulsky weiß, daß Eisenstädt am 12. März in Schlochau war. Er hat ihn um 6 oder ljalb 7 Uhr gesehen. Am Dienstagmorgen ist er nach Könitz zurück- gekehrt. Zeuge weiß ganz genau alle Details anzugeben. Er hat Montagabend mit ihm gegessen und am anderen genehm. — Wer die ganze dichterische Kraft der Schilderung, die tieffchöpfende Charakteristik des äußeren und inneren Lebens der armen Weber, den vollen Wert der Dichtung kennen lernen und auf sich wirken lassen will, wird doch immer zum Buch greifen müssen. Das voll besetzte Haus spendete rauschenden Beifall, der wohl verdient war. Mancher aus dem Publikum könnte bei gutem Willen dieses und jenes aus der Aufsübrung der „Weber" lernen. Vor allen Dingen hat er Gelegenheit, sich jenes Maß besonnener Objektivität anzugewöhnen, ohne das die Aui- führungsmöglichkeit moderner Stücke oft in Frage gestellt wird. Wir lachen heute, wenn wir hören, daß die Ausführung von „Wilhelm Tell" noch vor kurzem in Rußland uni) lange Jahre auch in Wien verboten war. Wir erreget unß nicht unnötig bei den Brandreden des Mark Altton, Coriolan oder der Gracchen, die Shakespeare und Wil- brandt zu Roms Pöbel sprechen lassen. Und entgegnet mir einer, daß zwischen dem Ton in diesen Stücken und dem in dem Weberdrama, ganz abgesehen von den zeitlichen und örtlichen Verhältnissen, denn doch ein Unterschied bestehl, so meine ich, daß ein besonnenes und im Theater nur die Kunst suchendes Publikum es an der Hand hat, auf Worte, die, ob nun beabsichtigt oder nicht, wie politische Zeitaus- fpielnngen klingen, nW zu reagieren. P. Wi11ko. Kunst und Wissenschaft. Der zweite Teil von Björnsons „Ueber die Kraft" wurde am Hoftheater -u Stuttgart zum überhaupt erstenmal in Deutschland aufgeführt, und errang bei feinsinniger Inszenierung und trefflicher Darstellung einen großen Erfolg. Die Massenszenen wirkten Überaus packend, das sanfte, versöhnende Ausklingen tief ergreifend. Wir lesen yn einem Frankfurter Blatte: Bangels K u n st f a l o n hat zwei Sammel-Ausstellungen veranstaltet. Louis Jacobi (-Gera, ein geborener Offenbacher) drängt Landschaftsbilder von einer gewissen Gröye der Auffassung in kleine Rahmen zusammen. Es sin.d kühne Vorwürfe, breit gemalt, nicht ohne eine gewiße härte in der Farbengebung. Hermann Dum le r liefert zarte Landschaftsbilder von intimem Reiz und zahlreich kleine, sinnige Flachlandschaften von ferner Zeichnung. Flasche Mk. 1.80 bis Mk. 4.50, 7270 n ■■■■ Berficherungsftand über 43 Tausend Policen. Allgemeine Renten-AnMl 7261 Der Vorstand Ph Herrmann, - SelterSweg 33. Telephon 257. Der Vorstand Hygiama Preis Mk. 1.60 und Mk. 2.50. 4170 Th. Brück, Schloßgaffe 16 1 — 0.70 0.40 bei Vorrätig in den Apotheken und Drogerien. nährt, kräftigt, ist leicht verdaulich, billig, von angenehmem Cacaogeschmack. 2.40, 1.60, 0.95 6919 Gießen, den 31. Oktober 1900. 7157 Gießen, den 5. November 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. 93.: Wolff. KriefKasten der Redaktion. Ä. Dr. Alexander Olinda, drr übrigens eigentlich-lexander Schnitzt heißt, steht heute im Alter von 62 Jahren. Sein „Freund AllrrS" — so heißt eine seiner Schriften — ist 43 Jahre alt. Feinste baierische Gebirgs- SnstrahlllTasei-Knttrr stets frisch empfiehlt 7155 Bekanntmachung. Aus den Zinsen der Friedrich Heyer von Roseuseld'fcheu Ltistuug sollen am Todestag des Stifters (21. Dezember) 69,53 Mk. an solche evangelische würdige Stadtarme verteilt werden, welche selbst in Gießen geboren find, und deren Eltern und Großeltern ebenfalls dorten zur Welt kirnen und daselbst das Bürgerrecht ime haben oder hatten. Anmeldungen zum Bezug dieser Zinsen sind auf dem Armenamt bis zum 1. Dezember er. zu erstatten. Nationalliberaler Verein. Irettag den 9. Movemöer, aöends 87- Ilyr, findet die ordentliche General-Versammlung im oberen Saale der Restauration Weidig statt. Lages. Ordnung: Rechnunqsablage. — Vorstandswahl. — Landesver- sammlung am 11. November. — Winterprogramm. Deutscher Kognak ärztlich empfohlen Literflasche Mk. 1.80 u. 2- Fages-Hlduurrg. 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Mitteilungen. 3. Elektrische Beleuchtung dec Eisbahn. 4. Vorstandswahl. Gießen, am 5. November 1900. gegründet 1833. ZU StuttgUrt* Aeorgauifiert 1855. Gegenseitigkeits-Gesellschaft unter Aufsicht der K. Württ. Regierung. Lebens-, Wenten- u. Kapitatverficherungen. Aller Gewinn kommt ausschließlich den Mitgliedern der Anstalt zu gut. M billigst öerechnete Prämien. S Kohe NenteuVezüge. M Außer den Prämien-Reserven noch bedeutende, besondere Sicherheitsfonds. Nähere Auskunft, Prospekte und Antragsformulare kostenfrei bei der General-Agentur Darmstadtr August Berbenich, Waldstraße 20, I • in Gießenr Haupt-Agent Göerh. Mehger, Kaufmann, Kelur. Tichy, Friseur, Seltersweg 43; in Großen-Linden r Keim. Weiß, Bauunternehmer; in Salomon ZSerNn; in Laubach r Wiky. Kllpstein; in TO » ^e$nr# Schreiner, Werkführer; in Steinberg r Karl Kiukter, Werkmeister. v ä383 izcnen M! id>t 4ii m ।1 0T1 । Geriklsissaal. G. c. Gießen, 6. November. Strafkammer. Zur Verhandlung kamen heute lediglich Bcrufungtzsachen; in zwe, derselben wurde, da der betreffende Angeklagte nicht erschienen war, dem Anträge der Staatsanwaltschaft entsprechend die Berufung kostrnfälttg verworfen; eine Sache wurde zur Vo nähme weiterer Ermittelungen ausgesetzt. — Eine größere Beweiserhebung verursachte die Strafsache gegen den Lehrer t. P. Ftlz, hier, wegen Beleidigung. Ihm war zur Last gelegt worden, tn einer am 5. März l. Js. an Großb. Ministerium deS Jnn rn. Abteilung für Schulangelegenheiten, gerichteten Eingabe feinen früheren Vo gesetzten, Oberlehrer F., hi r, dadurch beleidigt zu haben, daß er in derselben äußerte, Oberlehrer F. h»be dem Schulvorstande wissentlich gefälschte Berichte übergeben uad den Vorsitzenden desselben durch ein verwerft cheS Manöver in egelcitet; auch war in der Eingabe von einem TSuschungS- und Racheakt des Oberlehrers gesprochen. Durch diese Handlungen des Oberlehrers sei er zu Unrecht zu einer Strafversetzung verurteilt und schließlich mit einem zu wenigen Gehalte penfioniert wordm. Vom Schöffengericht dahier war der Angeklagte deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt wordm. Die von ihm eingel-gte Berufung wurde heute kostenfällig verworfen. In der Begründung des Urteils wurde ausgeführt, daß das Gericht die Ueberzeugung erlangt habe, daß der Zweck der Eingabe darauf gerichtet gewesm sei, dieWiedereinstrllung in den Schuldienst oder eine höhere Pension zu erreichen. Der Angeklagte handle in Wahrung berechtigter Interessen, wenn er in sachlicher Form wahrheitsgemäße Schilderungen über seine Verhältnisse und das ihm vermeintlich geschehene Unrecht seiner vorgesetzten Behörde unterbreite; nicht aber könne ihm der Schutz des § 193 bed Str.-G.-B. zugebilligt werden, wenn er sich, wie geschehen, in der Eingabe Beleidigungen zu Schulden kommen ließ. Für Ausdrücke beleidigender Natur hielt das Gericht die Worte „wissentlich gefälschte Berichte", „verwerfliches Manöver", „Täuschung und Racheakt." -1 Gießen, 6. November. Schöffengericht. Es wird zunächst der gegen einen erlassenen Strafbefehl erhobene Einspruch kostenfällig verworfen und demnächst in die Verhandlung gegen einen hiesigen Friseur LZ: ' woraus Uh $e.21 ., ,O tl war uuü « *6 auch nur i 5 ” Hamburg Qt[, Sm? StTei‘ '°Nbeugen, hattet Wat axi btt Mch uAk, für den es leiri entschiedeu sehr ii ^pheus 8men ruheü, sten Träumen beD ta Konch. >stag. ltz, 6. Novmder. tt AtW betnommc und Wehn hat er f. ochen, und dieser h: i, die volle Wahrheit iß Zeuge nidjt niet ai gewesen fein, (t ; eit der MaslossW:^ ^eischermeister iifwi; habe. Er tour': M;' immen, aus henum ihn einmal ttrbunbw • ihm MMlaub er. ifenftabt in Schloß« weih et \\6y n\th u > 3euqtn, fagt aus L 11. KM 12. Mär 3 bet dieser Aussagt es hätten sehr Le Äacht vom 12. p ^sichen versuch ©Kn is zu verschaffen, M eMdt zusammen in 2. März aufgewo lädt etwa gegen ' daß EisensM^i . um i] ober fr® 'M2 ^d anzMM -. ■en und am anderen Morgen war Eisenstädt noch da. — Dienstmädchen Katha rina Ossewsky bestätigt die Aussagen des vorigen ist'ugen. Sie weiß genau, daß Eisenstädt am Montag den 12. März kam, denn damals wurde der große Bulle geschlachtet. Eisenstädt blieb Montagnacht dort. Zeugin hat ihn Dienstag früh sin den Hotelwagen einsteigen sehr-n. Die Zeugen Paausky werden aufgerufen. Sie wissen, daß sie Lewinsky im Krankenhaus getroffen, aber nicht, wann. Frau Eisenstädt fei nicht dabei gewesen. Am Montag fuhr er mit Eisenstädt zusammen nach Schlochau. Tort blieb er bei Selow und fuhr mit Eisenstädt zusammen nach Könitz, am Dienstag den 13. März, zurück. Schlächter E i s e n st ä d t, als Zeuge vernommen, giebt eine genaue Schilderung seiner Erlebnisse von Sonntag den 11. und Montag den 12. März. Er ist sehr aufgeregt. Als ihm die geistlichen Schwestern und Nielke gegenübergestellt werden, bleibt er aber fest bei seinen Bekundungen. Fleischermeister Ewald hat Eisenstädt bei feinem ersten Besuche in Schlochau abends ausgesucht. Tas Datum weiß er nicht genau. Bestimmt ist es aber an einem Wochentag gewesen. Kreisbaumeister Duren sagt aus, daß er am 12. März, dem Montagabend, aus Danzig kam nnd mit Eisenstädt zusammen ins Gasthaus zur Stadt gefahren sei. Das «Datum weiß er deshalb so genau, weil er an diesem Tage von einer Reise kam und ihm an demselben Tage ein Kind geboren wurde. Kreisausschuß- setretär Thiele fuhr ebenfalls an demselben Tage von Tanzig und jjat ihn ebenso wie der vorige Zeuge am Nachmittag im Omnibus gesehen. Alsdann werden 3 Dienstmädchen aus jdem Krankenhause vernommen. Diese haben hier die Pforte geöffnet und sie kennen auch! den Eisenstädt, sonst aber wissen sie nichts anzugeben. Zeuge Kuntze erzählt', daß er am Sonntag den 11. März in Könitz gewesen ist. Abends kam er zurück. Gegen 12 Uhr ging er durch die Danzigerstraße, die Mauerstraße und die Hinterstraße, ohne etwas von Mas- loff oder den drei Männern gesehen zu haben. Zeuge Landmesser ist mit Kaufmann Lewinsky an einem Dienstage vor dem Morde zu einer Hochzeit gewesen. Kaufmann L e w i,n s k y bestätigt das. Frau Lucke hat am 11. März abends einige jüdische Männer im Zuge nach Könitz fahren sehen. Zeugin Worczewsky hat dieselben Leute gesehen. Es waren zwei Personen, darunter die ihr widerwärtig waren. Der nächste Zeuge ist Kantor Haller aus Kulmfee, früher in Tuchel. Er sagt aus, er wäre am 23. Februar in Könitz gewesen, um einen Arzt zu befragen. Im März war er nicht in Könitz. Zeuge Haller ist am 11. März mit zwei Personen über Land gefahren mit dem Fuhrwerk von Geisenberg. Moritz Geifenberg hat den Haller an dem betreffenden Tage nach Lieskau gefahren. Er weiß es, weil an dem Tage das Begräbnis des Schmied Müller war. Gendarm Räubert hat um halb drei Uhr in Konarozyn Feierabend geboten. Er glaubt, daß Lindenstrauß gleich gepackt hat und abgefahren ist und dieser um sechs Uhr in Könitz gewesen fein kann. Er hat ihn aber nicht abfahren sehen, ebensowenig hat er das Einpacken beobachtet. Zeuge Selke ans Abbenkonerczyn hat nach der Vesperandacht Linden- strauß abfahren sehen. etngetreten, der sich wegen Beamtenbeleidigung zu verantworten hat. Der Amtsanwalt beantragt eine Gefängnisstrafe von 14 Tagen, das Urteil indes lautet auf Freisprechung, weil das Gericht der Ansicht ist, daß der Angeklagte das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit seiner Handlungsweise nicht gehabt hat. — Zur Verhandlung in einer Strafsache gegen den früheren Hausburschen eines hiesigen Geschäfts wird ein neuer Termin für den 29. November anberaumt. — Nunmehr haben sich zwei junge Kaufleute einer hiesigen Großhandlung wegen Diebstahls zu verantworten, von denen der eine das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, weswegen ihm die mildernden Bestimmungen des 5. 57 St.-G.-B. zuzubilligen sind. Beide sind beschuldigt nämlich größere Quantitäten Kaffce und Zucker ihrem Dienstherrn in der Absicht rechtswidriger Zueiznun; weggenommen zu haben. Das Urteil lautete gegen den älteren Angeklagten auf eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen, während der jüngere, der geständig ist und dessen Strafthat sich als Unterschlagung qualifiziert, mit einer Geldstrafe von 50 Mk. davon kommt. — Wegen Widersetzlichkeit, Beamtenbeleidigung erhält ein hiesiger 18jähriger Schlosser eine Gesamt-Gefängnisstrafe von 3 Monaten, des wetteren wird er noch wegen einer bei derselben Gelegenheit voll- fü’jrten Ruhestörung in eine Haftflrafe von 6 Tagen genommen. Neben der genannten Strafe wird noch auf Publikationbefugnis im „Gießener Anzeiger" erkannt — Demnächst wird ein Tuchmacher aus Hecsfeld, ein mehrfach vorbestrafter Mensch, wegen Bettelns in eine Haftstrafe von 4 Wochen genommen und feine Ueberweisung an die Landes- pslizei beschlossen; die Verhandlung gegen einen wegen Landstreicherei mehrfach vorbestraften auswärtigen Schmiedegesellen endigt dagegen mit Freisprechung, weil das Gericht keinen Anhalt dafür gewinnen konnte, daß sich der Angeklagte auch diesmal zwecklos und ohne Beschäftigung herumg trieben hat. — Es wird nunmehr in eine Privatbeleidigungsklage gegen zwei Landwirte aus Ruhlkirchen eingetreten. Das Gericht erkennt auf eine Geldstrafe von je 10 Mk. und spricht dem Privatkläger die Publikationsbesugnis. durch die „Alsfelder Z-itung" zu. Wegen einer gegenseitigen Beleidigungsklage zweier Landwirte von Wieseck, erkennt das Gericht gegen beide auf Freisprechung. Berlin, 5. November. Wegen Herausforderung zum Zweikampf mit tätlichen Waffen bezw wegen Kartelltragens standen gestern fünf Personen vor der ersten Strafkammer des Landgerichts II. Der Geforderte war der Freiherr von dem Bottlenberg-Schirp, der in einem vertraulichen Rundschreiben an die Aktionäre eines geschäftlichen Unternehmens den früheren Hauptmann v. Wedel, den Gutsbesitzer A. Schmidt und den Rechtsanwalt Dr. Max Hoffmann, die eine leitende Stelle bei dem Unternehmen bekleideten, einer inkorrekten Handlungsweise beschuldigt hatte. Die drei Herren fanden sich dadurch beleidigt und ließen durch ihre Kartelträger, Freiherrn v. Mosch, Baumeister Pohlemann und Rechtsanwalt Stolte, den Freiherrn v. v. Bottlenberg fordern, falls der letztere sich nicht zu einem Widerruf bequemen wollte. Dieser verwies die Förderer vorläufig auf den Weg der Privatklage, wobei die Sache im Lauf der Untersuchung zur Kenntnis der Behörde gelangte, welche die fünf genannten Personen, mit Ausnahme des Rechtsanwalts Dr. Hoffmann, der als Reserveoffizier der Militärgerichtsbarkeit untersteht, zur Verantwortung zog. Da die Angeklagten im Termin den Thatbestand im vollen Umfang zugaben, so gelangte der Grund der Herausforderung garnicht zur Erörterung. Da Pohlmann als Kartellträger des Schmidt in feinem Schreiben an den Frhrn. v. d. B. nut Andeutungen hatte fallen lassen, wodurch event. eine Forderung in Aussicht gestellt wurde, so wurden Schmidt und Pohlemann freigesprochen, v. Wedel wurde zu zwei und v. Mosch und Stolte wurden zu je einer Woche Festungshaft verurteilt Ter Erste Staatsanwalt beantragt die Ladung einiger Zeugen über Hallwig, die, entsprechend einem in der ?himiTier 257 des „Vorwärts" vom 3. November veröffentlichten Feuilletonartikel, nach den Anschauungen von Hallwig über Hexen und Teufel befragt werden sollen. In jenem Artikel war Huf Grund persönlicher Bekanntschaft mit der Hallwigschen Familie mitgeteilt, daß diese an Hexen und allerlei Spuk glaube, lieber diesen Punkt entspinnt sich eine scharfe Debatte zwischen dem Staatsanwalt und dem Verteidiger Hunrat. Alsdann überreicht der Kommissar Wehn die „Staatsbürger-Ztg." voin 3. Mai. Der Präsident verliest die darin enthaltene Notiz, welche folgenden Wortlaut hat: „Ein Schlossergeselle B. will, wie er angegeben hat, am Vorabend des 11. März Kohlen aus einem dem Lewy sch en Hinterhause benachbarten Raume entwendet und dabei gesehen haben, daß mehrere Leute, darunter der Schächter Heymann, das Lewysche Grundstück von der Hinterseite betraten. Derselbe will auch Winseln gehört haben. Aus diesem Schlossergesellen, der ein Kohlendieb war, ist dann später der Angeklagte Masloff geworden, der Fleisch hatte stehlen wollen. Der Präsident 'verkündet die Ladung neuer Zeugen. Auch! Hallwig wird auf morgen vorgeladen. Schluß der Sitzung. Carl Retter Lindenplatz, Ecke Wallthorstrasse. He Aast der W| ti des äußeren fei * 8861151; ch Mn lassen ö - rächenden * 'offne das die hören, MB kuxS litten- $ gittfi- A.Simon,Lollar Zur Winter-Saison empfehle mein Lager in 7078 Mrkopp's Nähmaschinen und Zubehörteilen in verschiedenen Ausstattungen. W Kiinoleum 33 Ium Belegen ganzer Zimmer, und Iimolemn-Vorlagen. Gießener Eis-Verein. Mittwoch Öen 7. Dovemöer 1900, abends 8>/, Uhr pünktlich, im Hotel Großherzog von Hesse«: General Versammlung ü?nrti Säue 43 Ine 9«™ Sötte 43 parterre. Bßflk parterre. Speeial-Wäsche-Aussteuergeschäft, Anfertigung sämtlicher Herren-, Damen- und Kiuderwäsche. Komplette Brautausstattungen. | Durch Ersparung der Ladenmiete find dir Preise bedeutend ermäßigt. Reisszeuge empfiehlt billiget A. Reinig, Seltersweg 30 GIESSEN. 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