M. 210 Zweites Blatt. Samstag den 8 September 150. Jahrgang 1900 eü 8aSe*b*tt bei Di« Wetewr ^eeHite6UHer bee Wnjetgtr » «e^t ■* «H-ff. jl .WÜller M H- »M*funbf Gießener Anzeiger Bezugspreis vierteljährl. Mk. 3M monatlich 75 Psg. mit Dringerloha; durch die AbholesteL« vierteljährl. Mk. 1IL monatlich 65 Pf^. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljShsL mit BestellzelL. Sm»«tz«e »w Anzeigen zu bet wadpeittogl f»r b* >feps3b®j Lutz «scheinenden Nummer dÄ Htm. 1t B^c. CMrSayb ipätestenS ebe»H »»rchrr. General-Anzeiger Äflt Anzelgen-BermitttungSstellm deS In- und Auslands atbmrn Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtgeye. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfß Anits« und Anzeigeblatt für den Ureis Giesien. -apgeeaww——w*?1..'- " 1 ..■!_. '-'-JJM« IMMUm, ft^bitUn und *6=nx4rt*. -ch»ea-«t- Nr. 7. «I III!! ,, Grslisdettage«: Gießenrr Familienblätter, Der hestrlche Kandwirl, Matter für hrWhe DslKsKnn-r. WM»W«S^.I»WWIIW!W>I,»''!!'' injii' !”■■■■ ■ । ■■■ —JL! '■■ ' ....... Adreg« für Depefchen: Anzeiger <^vd^.n» Fernsprecher 9h. 51. Die Wirren in China. Die „Köln. Ztg." meldet: Eine deutsche Patrouille von 30 Mann (!) wurde an der Nordgrenze von Kiautschou von 1000 Boxern (!) angegriffen. Letztere wurden auseinander gesprengt und verloren über 30 Tote. DieseitS sind keine Verluste, weder Tote noch Verwundete. — Diese Meldung beweist, wie wenig recht diejenigen haben, die jetzt immer behaupten, daß schon alles zu Ende und die jetzt erfolgende Nachsendung von Truppen völlig überflüssig sei. Bisher war in Schantung die Ruhe noch so leidlich aufrecht erhalten worden; doch müssen unsere Behörden in Kiautschou dem Frieden schon seit einiger Zeit nicht getraut haben, da sie die Seesoldaten, die bei Tientsin gefochten hatten, nach Kiautschou zurückzogen, sobald dort die unmittelbare Gefahr geschwunden war. Der Einfall einer nicht unbeträchtlichen Abteilung von Aufständischen bestätigt die Berechtigung dieser Vorsicht, und wenn wir auch hoffen, daß es in unserem, an Schantung angrenzenden Gebiet zu größeren Operationen nicht kommen wird, so ist eö doch gewiß besser, zu vorsichtig als leichtfertig zu sein. Wie große Banden bewaffneter Aufständischen sich bilden können, sieht man aus einer Depesche des „Standard", wonach sich auf die Meldung von der Eroberung von Peking ein Teil der Truppen des Gouverneurs von Kiangsu zerstreute. Solche Leute, die schon zu ihrem Lebensunterhalt in Banden zusammenbleiben müssen, sind eine große Gefahr für die Ruhe und können unter Umständen den Kern für eine anschwellende aufständische Bewegung bilden. Im übrigen ist die. Mitteilung des „Standard" sehr lehrreich, indem sie zeigt, welchen Eindruck die Eroberung von Peking auch auf solche chinesischen Truppen gemacht hat, die an den dortigen Kämpfen gar nicht beteiligt waren. RUckschließend kann man sich ohne Mühe vorstellen, wie es auf die Chinesen wirken würde, wenn ihnen jetzt plötzlich die Nachricht von der Räumung Pekings durch die verbündeten Truppen zugebracht würde. Vom zweiten Admiral des deutschen Kreuzergeschwaders ging folgende Meldung des Kapitäns Pohl aus Peking ein: Der russische General besuchte am 26. August die deutschen Quartiere und sprach sich lobend über die Ordnung und Disziplin aus. Die Unterkunft der Leute ist gut. Der von deu deutschen Mannschaften besetzte Teil der Chinesenstadt wurde gereinigt. Beruhigende Proklamationen wurden erlassen. Am 27. August find zwei Hitzschläge vorgekommen, auch beim Seebataillon find einige Dysenteriefälle zu verzeichnen. Der Seesoldat Bergers vom Peking-Delachement ist einer Kopfwunde erlegen. Am 28. August fand ein Durchmarsch durch den Palast statt, der Einmarsch erfolgte von Süden her, der Abmarsch nach Norden Der Durchmarsch erfolgte durch die Empfangshallen, die Räume machten einen schmutzigen verwahrlosten Eindruck. Kostbarkeiten waren nicht vorhanden. Später wurde der Palast wieder geschlossen. Einem Gerücht zufolge ist die Kaiserin erst am 15. August früh entflohen. — Vom 31. August meldet Kapitän Pohl: Das zweite Seebataillon ist in Peking eingetroffen. Ich trete nach Uebergabe der Geschäfte an den Generalmajor Höpfner mit den sehr angestrengten Landungstruppen den Rückmarsch nach Tientsin an. Auf den Etappenstationen und für die Wafferverbindung wird seemännisches Personal zurückgelassen. — Der zweite Admiral meldet ferner: Am 25. August befanden sich an Land: Deutschland mit 91 Offizieren, 3150 Mann, 6 Geschützen, 344 Pferden, England mit respektive 218, 6746, 25, 1897, Oesterreich Ungarn: 16, 272, 2, 80, Amerika: 181, 5427, 17, 1239, Frankreich: 192, 5186, 37, 570, Italien: 25, 552, 1, 10. Ueber Rußland ist Näheres nicht bekannt. Nach einer telephonischen Meldung aus Bremen trafen dort die letzten Truppentransporte heute (Freitag) früh ein und wurden in Bremerhaven nach China ein- Seschifft. Das deutsche Truppentransportschiff „Batavia" ist am 5. September in Schanghai eingetroffen. Der Gesundheitszustand ist vorzüglich. Die „Palatia" hat am 5. ds. Gibraltar passiert. „Aachen" ist am 6. ds. in Hongkong angekommen. Der Gesundheitszustand Äjt gleichfalls vorzüglich. Aus Schanghai wird vom 6. September gemeldet: Soeben landete der Stab und die 1. und 3. Kompagnie des 1. Bataillons vom 1. ostasiatischen Infanterie- Regiment unter Major Graham. Beim Empfang des Landungskorps durch den deutschen Generalkonsul war eine französische Ehrenwache aufgestellt. Die Musik der englischen Truppen spielte. Es folgte ein Marsch der deutschen Truppen durch die fremden Niederlassungen mit der Musik unseres Geschwaders Vor dem „Jltis"-Denkmal wurde ein Hurra auf den Kaiser ausgebracht. Beim Einrücken der Truppen in ihr Quartier fand eine Begrüßung durch den deutschen Gesandten und den Geschwaderchef statt. Der „Franks. Ztg." wird auS Schanghai telegraphiert: Ohne vorherige Anmeldung landeten die Engländer 700 Sikhs, 350 Geniesoldaten und 118 Mann von der indischen Kavallerie. Die letzteren gehen eiligst nach Taku weiter. Puonli, das Hauptquartier der deutschen katholischen Missionen in West-Schantung, hatte bereits drei Angriffe der Boxer anSzustehen; 1200 Christen sind in Gefahr. Nahrungsmittel und Munition sind nur spärlich vorhanden. Li-Hung-Tschang ist dringend aufgefordert worden, nach Peking zu kommen. Die chinesischen Beamten sagen, wenn er nicht gehe, sei daS Reich in Gefahr. In dem Bericht des Admirals Seymour über den Versuch, Peking zu entsetzen, schreibt der Admiral folgendes über die deutschen Truppen: „WaS den Mut und die hervorragende Manneözucht betrifft, die alle uns begleitenden Offiziere und Mannschaften Seiner Kaiserlichen Majestät zeigten, so kann ich nur sagen, daß sie der hohen Ueberlieferungen deS großen deutschen Reiches vollkommen würdig waren." Die „Köln. Ztg." reproduziert chinesische Blättermeldungen, die von unaufhaltsamen Siegen der Chinesen berichten und Schauermären über Folterungen der Admirale verbreiten und sagt: Diese chinesische Geisterstimmung, sowie die von Ueberhebung geschwollenen Telegramme Li-Hung-TschangS an den Londoner Botschafter, worin er mitteilt, Rußland sei überredet, Peking zu räumen, kennzeichnen die Stimmung des Volkes sowie die Geistesverfassung, die der russische Vorschlag unter den höchsten Würdenträgern gezeitigt hat. Deshalb schon ist, welche praktische Folge auch ein Notenwechsel hat, zu bedauern, daß die Mächte den Chinesen gegenüber sich eine solche Blöße gegeben haben. Der Kaheldampfer „Store Nordiske" der Großen nordischen Telegraphengesellschaft hat die Legung des Kabels zwischen T s ch i f u und Port Arthur am 3., zwischen Tschifu und Weihaiwei am 5. ds. beendet. In Tientsin sind vier angesehene Mitglieder der Boxersekte hingerichtet worden; zwei wurden von den Franzosen erschossen, zwei von den Japanern enthauptet. Aus Amoy wird vom 5. d. M. telegraphiert: Die japanischen und englischen Truppen sind noch nicht wieder von hier zurückgezogen worden, aber der ganze Zwischenfall scheint vollständig beendet zu sein. Nichtsdestoweniger leiden die Geschäfte, da keine Kulis aufzutreiben sind. Die einheimischen Banken sind geschlossen. Die Handelskammer macht große Anstrengungen, um die Zurückziehung der Truppen zu veranlassen. Es ist interessant, daß die Chinesen die g ü n st i g e Wendung der Dinge der Einwirkung der Deutschen zuschreiben, da der Umschlag gerade cintrat, als das deutsche Kanonenboot „Tiger" in Amoy einlief. Man meldet aus London: Nach Telegrammen aus Hongkong kam es in Kanton wiederholt zu Straßenunruhen. Die öffentliche Meinung wendet ihre Sympathien jetzt den Boxern zu, da ein Teil der Bevölkerung über die Unterdrückung der Zeitungen sehr aufgebracht ist. Nach Telegrammen aus Shanghai berichteten aus Peking dort eingetroffene Flüchtlinge, daß eine Strafexpedition auf dem Wege nach P a o t i n g f u sich befinde, um die Mörder der belgischen Missionare zur Verantwortung zu ziehen und die Dörfer der Boxer zu zerstören. — Aus Paris wird telegraphiert: Die Straf-Expedition 'der verbündeten Truppen gegen Paotingfu soll eventuell auch bis zum gegenwärtigen Zufluchtsort der kaiserlichen Familie vorrücken. In Peking und in einem Umkreise von 30 Meilen herrscht jetzt nach der Meldung des französischen Generals Frey vollständige Ruhe. Nach einer Meldung aus Wien äußerte sich der österreichische Kaiser zu dem japanischen Militärattachee Oberst Fudjy, der, da er Wien verläßt, in Abschiedsaudienz empfangen wurde, in den schmeichelhaftesten Ausdrücken über die Bravour der japanischen Truppen in China, namentlich in Peking. In einer Unterredung mit einem Journalisten bemerkte Oberst Fudjy u. a., er glaube nicht, daß es noch zu großen Schlachten mit den Chinesen kommen werde. Die chinesischen Elitetruppen, die Li-Hung-Tschang durch europäische Instruktoren ausbilden ließ, seien im Norden von Petschili. Diese Truppen seien bereits von den Verbündeten zurückgeworfen worden. Alle übrigen chinesischen Truppen seien minderwertig und würden voraussichtlich nicht Stand halten. Von den japanischen Truppen seien im Ganzen etwa 10 000 Mann in China. Das Staatsdepartement zu Washington teilte dem Verweser des russischen Ministeriums des Auswärtigen, Grafen Lamsdorff, mit, daß nur eine amtliche Meldung aus Peking, wodurch das Zurückziehen der russischen Truppen aus der Stadt angezeigt werden würde, von den Vereinigten Staaten als genügender Anlaß zur Zurückb erufun g der ame rikani- . schen Truppen angesehen werden könne. Das Reichsmarineamt giebt bekannt: Zahlreiche Anfragen bei den militärischen Behörden durch die Angehörigen der in Ostasien stationierten Marinemannschaften (Ähiffsbesatzungen und Seebataillone) lassen es geboten erscheinen, darauf aufmerksam zu machen, daß die Nach- sendung von Paketen nach O st a s i e n noch mit sehr erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist. Es sind Erwägungen im Gange, wie die Hinaussendung von Paketen allgemein geregelt werden kann. Die prompte Beförderung von Paketen ist naturgemäß sehr schwierig, weil die Empfänger sich nicht alle an einem Ort befinden, sondern weit zerstreut sind, häufig auch den Aufenthaltsort werden wechseln müssen. Die Beförderung eines Pakets nach der deutschen Postanstalt in Shanghai erfordert an sich schon etwa sieben Wochen. Hier würde es oft längere Zeit liegen müssen, bis es zum Aufenthaltsort des Empfängers befördert werden kann. Es können also leicht zwei bis drei Monate vergehen, ehe der Adressat in den Besitz des Paketes gelangt. Mithin empfiehlt es sich nicht, Lebensmittel per Postpaket hinauszuschicken, da dieselben, zumal sie die Tropen passieren müssen, leicht dem Verderben ausgesetzt sind. Für die ausreichende, kräftige Verpflegung aller Leute wird überdies so.gut wie möglich gesorgt, sodaß keinerlei Anlaß zus Befürchtungen vorliegt. Leuten, die einer besonderen Verpflegung bedürftig sind, werden in erster Linie die zahlreich einlaufenden Liebesgaben zuteil werden. • * • Telegramme deS Gießener Anzeigers. London, 7. September. Die heutigen Morgenblätter raten der Regierung, die Truppen aus Peking nicht zurückzuziehen, falls die deutschen Truppen dort bleiben sollten. Die Eisenbahn zwischen Peking und der Küste ist bis Aangtsun wieder betriebsfähig. London, 7. September. Aus Shang ai wird gemeldet, daß dort Räumlichkeiten für das Hauptquartier des Grafen Waldersee gewonnen worden find. Washington, 7. September. Der amerikanische Geschäftsträger in Berlin sandte seiner Regierung die Mitteilung, daß Deutschland, obgleich es eine Spaltung zwischen den Großmächten vermeiden möchte, angesichts der jetzigen Lage in Peking sich gezwungen sehe, die deutschen Truppen in Peking zu belassen. Japan soll den Großmächten mitgeteilt haben, daß es bereit sei, seine Truppenzurückzuziehen, falls die Mächte einen solchen Beschluß fassen sollten, in der Voraussetzung, daß die chinesische Garnison zum Schutze der Legationen in der Stadt zurückbleibt. Der Krieg in Südafrika. Der Standard meldet aus Belfast vom 2. ds.: Roberts kehrte gestern nach Belfast zurück. Die Zarps (die Johannesburger Schutzmannschaft) durchziehen das Busch- fcld und zwingen die dort wohnenden Buren, sich ihren kämpfenden Landsleuten anzuschließen. Daily Mail meldet aus Kapstadt vom 5. ds., es fehle nicht an Zeichen, die aus das herannahende Ende des Krieges deuten. Das Heerestransportpersonal der Oranjeriver-Kolonie ist aufgelöst und die in dieser verwandte Imperial Aeomanry und die Späher sind hier angekommen, um ebenfalls endgiltig abgelohnt zu werden. (Die angeführten Zeichen sind allerdings nur einseitig englisch. Von den Buren liegen Zeichen vor, daß der Kampf fortdauert.) Der Standard meldet aus Durban: Auf der Bahnlinie zwischen Charlestown und Volksrust wurde der Heizer eines Militärzuges durch Gewehrschüffe getötet, der Zugführer verwundet. Daily News meldet aus Lourenzo Marquez: Krüger werde wahrscheinlich das Land über Jncomati verlassen, in dessen Nähe zwei Schlepper aus dem Komatiflusse bereit lägen, um ihn nach einem Schiffe zu bringen, das ihn an der Mündung des Flusses erwarte. Ein Dampfer des Oesterreichischen Lloyd sei in Lourenzo Marquez mit 50000 Säcken Mehl für die Regierung von Transvaal eingetroffen. „Central News" meldet aus Lourenzo Marquez: Präsident Krüger telegraphierte an Lord Salisbury utifc zur Deutsches Reich Ausland. Amsterdam, 6. September. Unter dem Vorsitz des Ministers des Aeußern hielten gestern und vorgestern die das permanente Bureau der Friedenskonferenz bildenden Vertreter der Mächte Sitzung ab. — Für eine bedeutende Vergrößerung der niederländischen Defensivmarine beantragt der Marineminister einen. Zuschuß zu seinem Budget. Es sollen 5 große, 5 kleine Panzer, 21 große und 12 kleine Torpedoboote und 14 Kanonierboote gebaut werden. Rom, 6. September. Der Papst begab sich heute in Begleitung von vier Kardinälen und mehrerer Bischöfe nach St. Peter, um 500 Studierende italienischer und auswärtiger Universiläten sowie eine große Zahl Pilger zu empfangen. Wien, 6. September. Der Kaiser genehmigte heute die Auflösung des ReichSratS. Heute nachmittag traten die Minister zu einer Besprechung zusammen, der morgen vormittag ein Ministerrat folgen wird. Der Ministerrat wird mehrere Formalitäten ei ledigen, die ebenfalls der kaiserlichen Genehmigung bedürfen, worauf dann nächster Tage das kaiserliche Auflösungsdekret publiziert werden wird. Die Neuwahlen werden noch in diesem Jahre stattfinden. — Nach Meldungen aus Pol na mußten die dortigen Juden ihre deutsch-jüdische Schule schließen, da die Aufregung der katholischen Bevölkerung gegen die Juden im Wachsen begriffen ist. Der im Ri tu al-- mordprozeß vorgeladene Zeuge Hermann Basch ist spurlos verschwunden. New-Nork, 6. September. Die Demokraten und die anti-imperialistischen Republikaner haben gemeinschaftlich folgende neue Kandidaten für die PräsidentschaftS- wahl ausgestellt: Präsident: Casery, Vizepräsident: Archibald Howe. Die Hauptpunkte deS Programms sind: Einführung einer einheitlichen Goldwährung, Erhebung von Portorico zum Range eines Bundesstaates, absolute Freiheit für Cuba in betreff seiner politischen Beziehungen zum Auslande, Unabhängigkeit der Philippinen unter Garantie der Ver- einigten Staaten. Pittsburg, 6. September. Diese Woche gehen 75000 Tonnen Kohle von hier nach England ab. B crlin, U. September. Der Kaiser hörte heute vormittag militärische Borträge. Jur Frühstückstafel jonren geladen Gen.-Lt. Frhr. v. Gemmingen und Gen.- , ^uulcsiiiii oe l'cuj. v. Lieben. Am Abend sand Empfang der italienischen I Maßgabe der außerordentlichen Gesandtschaft zur Notifizierung der Thronbesteigung des Königs Viktor Emanuet III. statt. Daran schloß sich ein Mahl. Die Ankunft des Kaisers in Tilsit zur Teilnahme an der Euthültuugsfeier des Königin Luise- De n km a t s 'daselbst ist nach einer amtlichen Mitteilung des Oberhofmarschallamts auf den 22. ds. festgesetzt wor den. Der Kaiser wird sich im Anschluß an den Aufenthalt ui Eadinen nach Tilsit begeben. Bei seinem Tortsein wird der Monarch die Begrüßung der städtischen Behörden an einer Ehrenpforte, sowie auch einen Ehrentrunk am Denkmal entgegen nehmen. Außerdem ist zu Ehren der Anwesenheit des Kaiserpaares ein großer historischer Fest- zug geplant. Der Maler Dörstling aus Königsberg wird demnächst in Tilsit eintressen, um die zweckmäßige Verteilung der Teilnehmer für die einzelnen Bilder vor zunehmen. an alle Mächte einen kräftigen Protest gegen die Annexion Transvaals durch Lord Roberts. — Buller trifte Vorbereitungen für den Angriff; Hamiltons Kolonne, die ihn unterstützen soll, hat ihn erreicht. Man glaubt, De Wet werde sich mit den Buren vereinigen, bevor es Schlacht kommt. Dr. Leyds, die Mitglieder der südafrikanischen ^Deputation, Gesandtschaftsrat van Boeschoten und der südafrikanische Beamte Sandberg hatten im Haag eine lange Unterredung. Die Deputation wird noch einige Hauptstädte Europas besuchen und vorläufig nicht nach Afrika zurückkehren. Dr. LeydS hat sich nach Paris begeben und kehrt am SamStag in den Haag zurück. Telegramme des Oietzeuer Anzeigers. London, 7. September. „Daily Expreß" meldet aus Amsterdam, Präsident Krüger werde demnächst über Madagaskar nach Holland reisen. Lissabon, 7. September. Die RegierungIversügte den eiligen Abgang von 1000 Mann verschiedener Waffengattungen nach Ostafrika, da sie das Eindringen der kämpfenden Parteien in portugiesisches Gebiet infolge der Annexion Transvaals befürchtet. Aus Stadt und Land. e Gießen, 7. September 1900. *• Beamten Verein. Wie aus dem Anzeigenteile der heutigen Nummer ersichtlich, wird am SamStag dem 15. d. M., abends 8% Uhr, im Saale des Cafö Ebel die Herbst- Hauptversammlung abgehalten, in der neben anderem auch die Beratung und Beschlußfassung über die neuen Satzungen stattfindet. Da gerade dieser Punkt der TageS^ I ^Uh?bega7n di7letzte ösU; I Ä ^c'neral-Verfammlung. Oberlandesgerichtsrat Roeren I will den ihm bereiteten freundlichen Empfang nicht als perfonllche Auszeichnung auffassen,' sondern, wie ?s I in Volksztg." heißt, „als Ausdruck der Wärme ür die Versammlung dem Eintreten des Zentrums, I $lc Erhaltung djri/ icher eilte zustimme. Bei der Be- I £Ltu!!9 der lex Hei.^e wurden mit solchem EyniSmus epott und Hohn die Grundsätze der christlichen Moral an' gegriffen, daß es Unabweisbare Pflicht war, auf dieser ^^Versammlung zu erklären, daß wir Katholiken un- mflESL m Östlichen Sitteiigeietze festhalten. Unsere Bemühungen im Parlamente, auf gesetzgeberischem Wege Waffen, haben nur z7m Teil nnlÄ.Ll vt, aber doch zum größten Teile. Ich möchte a^drucklich der Anschauung, entgegentreten, als ob der wichtigste Teil der lex Heinze zu Fall gebracht sei. Tie Gegner hatten sich in blindem Taumel der Entrüstung auf zwei Paragraphen geworfen, so daß sie diesen ungebührliche ,^Äbutung gaben, während sie wichtigere Bestimmungen I "ch/,de.kämpften. Uebrigeus wird kaum jemals ein Gesetz zu schaffen sein, das allein ausreicht. Notwendig ist hier die orgaiiisierte Selbsthilfe nach dem Beispiel des Kölner Vereins zur Bekämpfung der öffeiitlichen Unsittlichkeit. Wenn alle etwa 6000 Anwesenden heute den Vorsatz faßten V1, rhrer Heimat auf diese Weise gegen die Gefährdung der Sittlichkeit der Jugend zu wirken, wäre dies ein wahrhaft, großer Erfolg". Dr. Lieber, der ziemlich gealtert auJ* Obhk, dankte für die große Teilnahme in den schweren £agen feiner Krankheit. Sodann gab er einen Rückblick auf die Thätigkeit des Zentrums bis auf den heutigen Tag. >^Ni Laufe seiner Rede deutete er an, ein neuer Kultur- rantpf ftetje bevor. Die Sammlung der Katholiken ei unerläßlich. Das Zentrum könne im Hinblick auf seine Verantwortung die Gesetzgebungsmaschine nicht stillstehen lassen. Das Zentrum und der katholische Volksverein wußten erhalten bleiben. Das Schlußwort nahm Weih- bischof Dr. Fischer aus Köln. Er sprach gegen die Ver- gnugungs- und Genußsucht, die „Krebsschäden der heutigen Zett". Zum Schlüsse erteilte er seinen bischöflichen Segen. Nach Schluß der VersamNilung vereinigte man sich zu einem Festmahle. Um 5 Uhr wurde eine Festfahrt per Schiff rheinaufwärts unternommen. Während der Rückfahrt wurden die Rheinufer festlich beleuchtet. Auch der katholische V o l k S v e r e i n hielt eine Generalversammlung ab. Dem Jahresbericht entnehmen wir: Der in allen Teilen Deutschlands verbreitete Volksverein zählt jetzt 186 818 Mitglieder. In Westfalen und in Sachsen nahm die Mitgliederzahl zu, in Baiern und Elsaß-Lothringen ging sie zurück. Die Mitglieder verteilen sich wie folgt: Rheinland 60 236, Westfalen 35 813, Hannover 15 906, Hessen-Nassau 8081, Provinz Sachsen 238, Brandenburg 1373, Westpreußen 1386, Ostpreußen 822, Posen 170, Pommern 31, Schlesien 4861, Hohenzollern 1604, Baiern 18 020, Württemberg 21 450, KöAigreich Sachsen 823, Baben 8046, Hessen-Darmstadt 3670, Olden- (nirg 2011, Braunschweig 197 und Elsaß-Lothringen 2083. Ham bürg, 6. September. Mit dem Reichspost dumpfer „S t u 11 g a r t" trafen heute abend n e u uzig verwundete und k r ante M a r i n e in a nuschaf teil üoii den Kanonenbooten „Iltis", „(Gefion" und „Hansa" und Seesoldaten ein. Die Schwerverwundeten hatte der Dampfer schon in Neapel gelandet. Die heute gekommenen sind soweit hergestellt, daß sie ohne Unterstützung vom Bord in die Halle gehen konnten, wo vom Roten .Kreuz für sie eine Bewirtung her gerichtet war. Den bleichen Gesichtern sah man die ausgestandenen Leiden deutlich an. Viele gingen mühsam mit lahmem Bein ober steifem Arm. Das Publikum, unter dem sich zahlreiche, oft von weither gekommene Angehörige der Soldaten be fanden, brachte den Heimkehrenden Ovationen dar. Die Mannschaften sollen von hier zunächst nach Kiel befördert werden. Bonn, 6. September. Heute früh fand die letzte ge 1'6)1 offene Gc n er a 1 Ve r f a in m l u n g d es Ka t ho 1 i f e n t a g e 8 statt. An derselben nahm auch Weihbischof Dr. Fischer aus Köln teil, der bei feinem Eintritt durch Erbeben von den Sitzen seitens der Versammelten geehrt wurde. Es gelangten verschiedene Anträge zur Annahme, darunter ein solcher auf Bekämpfung des Miß- brauchs des Alkohol- G e u u f f e S. Bezüglich des Mäd- I wch Ergänzungen 1. des amtlichen Warenverzeichnisses zum I ■sarir' ^Cr Instruktionen für die zolltechnische Unter» I Abidung des Talgs, sowie der Entwurf einer kaiserlichen I ^broronung über die Formen des Verfahrens und den I Geschäftsgang des Reichsversicherungsamtes bei Durch- I suhrung der Novellen zu den Unfallversicherungsgesetzen. I Unzutreffenden Mitteilungen über die Einsüh - I st rnn g eines neuen In fauteriegewehrs tritt I der in Spandau erscheinende „Anzeiger für das Havellanb" I Aufgabe entgegen, daß die .Herstellung der neuen I ’'c keineswegs mit besonderer Eile betrieben werde. Tas neue Gewehr, Modell 1898, ist eine verbesserte Auf läge des älteren Modells 1888. Dieses ist in der Zeit von Anfang 1889 bis Anfang 1892 in den Staatswerk I statten zu Spandau, Danzig, Erfurt und Amberg (Bayern) | sowie auch bei Ludwig Löwe u. Co., bei Mauser in Obern- I (c°.r !” bcr Waffenfabrik zu Steher hergestellt worden. I letzt also zehn Jahre in Gebrauch. Die Gewehre I oer Neuzeit sind infolge ihrer verwickelten Konstruktion I ou wnd für sich nicht so widerstandsfähig wie die früheren I einfacher und stärker gebauten Schußwaffen mit größeren! I Kaliber. Hierzu kommt, daß sie durch vermehrte Schieß I Klingen viel mehr in Anspruch genommen werden. Wenn I das Modell 1871 IMauserl 15 Jahre ausgehalten hat, I >o lmrd jetzt auf eine solche Dauerhaftigkeit nicht mehr gerechnet. Hatten wir jetzt nicht das verbesserte neue I Modell 18.18, )o mußte, um den erforderlichen Ersatz für I das alte Gewehr herbeiznschaffen, dieses, also Modell 1888 von neuem angefertigt werden. ES liegt nun kein zwin- I Sender Grund Vor, die Erneueriing der Jnfanteriebewafs I ustug besonders zu befchleunigen. Tie Staatsfabriken ar : I en, wie sie die Fabrikation des neuen Gewehrs vor I 1 Jahresfrist begannen, in normalem Betriebe weiter nach * 1 I öur Verfügung gestellten etatsmäßigen! I -WcttteL Es ist auch nicht bekannt, daß, wie früher, dies- I 'n al die Privatindustrie, insbesondere die auSläubische (Steher), in größerem Umfange damit beschäftigt werden I '0ll; allem m Oberndorf (Mauser) wird noch an' dem I neuen Gewehr gearbeitet. I "Post" schreibt: Den neuerdings wieder verbrei I leteii Alarminelduugeu von einer Zuspitzung des r u - m a n i sch bulg arischen Konflikts mißt man in mcfigen über die Lage auf dem Balkan unterrichteten Kreisen wenig Bedeutung bei. Man weist darauf hm, daß kein jeitpimkt weniger geeignet sei, die orienta lffche Frage aufzurolleii, als der gegenwärtige und glaubt, I baß auch die beiden Balkanstaaten umsoweniger bereit sein I durften, sich in Abenteuer einzulassen, als ihnen ihre I finanzielle Lage keineswegs unnötige Ausgaben zu milk I kanschen Zwecken gestattet. | .... “7, TaS „Marineverordnungsblatt" ver- I öfsentlicht folgende Verfügung: Tie Nr. 5 des § 4 I oer Anlage 34 zu den organisatorischen Bestimmungen für I oas Personal des Soldatenstandes erhält folgenden Zusatz: I „Alle Wendungen, wie „Euerer ta'ifer I iinb königlichen Majestät melde ich all er- u n t c r t lj ä n i g st", oder „A 11 e r u n t e r 11) ä n i g ft c Meldung" und dergleichen sind zu vermeiden.! Alle Kuralien fallen fort; auch soll nur der I Aame des Schiffes ohne weiteren Zusatz genannt werden. I Ferner ist der Namensunterschrift nur da, wo Zweifel I entstehen können, der Tienstgrad beizufügen, sonst nur | die Dienststellung." Die Freizügigkeit p r e n ß i sch er Lehrer! ist durch eine Verfügung der Düsseldorfer Regierung in | einer für viele Lehrer unliebsamen Weise beschränkt I 'vorbei,. Nach ber Verfügung soll jungen Lehrern, die I ".och nicht fünf Jahre im Amte sind, die Bestätigung für I eine andere Stelle in der Regel versagt werden; ältere I Lehrer sollen nur dann beim Stellenwechsel Aussicht auf I Bestätigung haben, wenn die Versetzung ohne Nachteil für I die bisher verwaltete Stelle geschehen kann. Aus Kamerun wird gemeldet: Kribi bewährt I feinen üblen Rus. Im Juni mußte einer der Brüder der I dortigen Mission wegen einer Art Dysenterie nach Ka- I incrunftabt ins Hospital. Am 12. b. ging Pater Haar I paintner ebenfalls erkrankt nach Kamerun. In Groß-Ba- I tanga baut bie Mission eine neue Station. Anfangs bieses I Monats starb Bezirkshauptmann v. M a 1 f e u , ber Vertei- I biger ber Mission, am Schwarzwasserfieber; am 7. b. M. I brachte Oberleutnant v. B ü I o w bie zwei Bulihäuptlinge I Abesola unb Opa ein. Dieselben finb seinerzeit beim I Ueberfall beteiligt gewesen und waren die mächtigsten I Häuptlinge, die bis jetzt ber Regierung trotzten unb enblich I gegen Zusicherung ihres Lebens sich freiwillig stellten, sonst I hätte bie Jagb auf sie noch lange währen können. Damit I ist die B e st r a f u n g der B u l i e r l e b i g t. Etwa 500 I Strafarbeiter wurden von ihnen gestellt, bie vielleicht zwei I dis brei Jahre von ber Regierung zur Arbeit an Farmen I abgegeben werben. Jebenfalls haben wir jetzt Ruhe. Tie I Mission,g eht stetig voran. Demnächst soll in Jaunbe eine I neue Missionsstatwn gegründet werben. Dort (10 bis 15 I Tagereisen von der Küste) sind über hundert Christen. Man I fürchtet aber, baß Vorerst trotz ber Notwendigkeit nichts I daraus wird. Es wird an Priestern fehlen, ganz sicher an | Geld. , Der „Reichsanzeiger" schreibt: Der G r o ß h e r z o g Voii Mecklenburg-Strelitz blickt am heutigen Tage auf eine 40 jährige Regierung zurück. Heber die Kneife des Großherzogtums hinaus wird im weiteren Vaterlande dleses Ehrentages eines deutschen Bundesfürsteu mit bei» Gefühl ber Anhänglichkeit gebucht, wie sie bie im Deutschen Reich geeigneten Stämme unseres Volkes ihren Fürstenhäusern wechselseitig eiitgegenbringen. Dem Groß- Herzog Friebrich Wilhelm fei zum heutigen Jubeltage auch un dieser Stelle ehrerbietiger Glückwnufch dargebracht. Das preuß. Staats m i n i st e r i u in trat unter oem Vorsitz des Ministers v. Miguel heute mittag in Kinern Dienstgebände zu einer Sitzung zusammen. Wie verlautet, stand die allgemeine Einführung des R o h st o f f - T,arifes für Kohlen Transpo rte auf den preußischen Staatsbahnen zur Beratung. Der Minister Graf v. B ü 1 o w hat dem Vorsitzenden des Allgemeinen deutschen Sprachvereins, Geh. Banrat Sarrazin, feinen Beitritt in einem Schreiben angezeigt, dem wir folgende bemerkenswerte Stelle entnehmen : „Das Anerkenntnis, daß die mir unterstellte Reichsbehörde bereits feit Jahren ihr Wohlwollen für die Bestrebungen Des Vereins durch die That bewiesen hat, gereicht mir zu lebhafter Befriedigung. Ich erachte es als wichtige Aufgabe gerade derjenigen Reichsbehörde, der die Wahrnehmung der deutschen Interessen im Auslände und, in notwendigem Zusammenhänge damit, bie Fürsorge für bie Erhaltung des Deutschtums unter den in der Fremde lebenden Deutschen obliegt, ber Pflege eines ber gewaltigsten Bindemittel, ber "lte r s p r a ch e , erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. AIS Leiter dieser Behörde berufen, werde ich es mir jederzeit persönlich besonders angelegen sein lassen, alle dahin zielenden Bestrebungen nach Kräften zu fördern". Neber den neuen deutsch österreichischen H a ii b e 1 s v e r t r a g wird geschrieben: „Die Vorbereit ungsarbeiten sind auf österreichischer Seite bisher nur langsam vorgeschritten, da eine Einigung im Jndilstrierctt über bie bei bem neuen Handelsvertrag festzuhaltenden vKttchtspiinkte bisher nicht erzielt worden mar. Neuerdings ijai der Verein der Jnbustriellen Oesterreichs unter Hinzu । Aieiiuug der Vertreter der einzelnen Handelskammern über o u i u ei i en, au bei ei ve ii r a g eingehend beraten. Der neue k’ /'iCI,1Ä Zolltarif wird prinzipielle A b w e i ch u ii g e u a ' ch t enthalten, mir daß er, wie dies il lU?lf5 'st- '"ehr spezialisiert sein wird. Der NU. /.^'l'lbrauche soll sogar bereits vollständig inh-h h\ n \ V”- V" '»aßgcbender österreichischer Seite i h,.n A. ,r\irs bnfi nrofie Hindernisse L.ih■ bM neuen dentsch österreichischen öfl M-i? d Bc,f.ürr(,k" fcien' "nd dnft tum ..... s;. y ‘ ’ f v ?,® ®te a H e s g c t h a u werden wird, "t-H «r.La u." « ,U"t Deutschland j» erleid, "PJL T'rcifc U,echten nur durch bii un (\ i aiiffm ti i Fi jeden seftgefettten Bebiuiiuu<-u'n Schwierigkc'iten für die Verständigung zwischen nefterrenti unb Dentschlanb, da gewisse Vorteile, welche Oe erreich geneigt wäre event Deutschland zn gewähren, es nich auch Frankreich gewähren kann, ohne einige Zweiae seiner Industrie schwer zn schädigen." 11 '' w 'Mrhl Tein Bttndesrat ist die zwischen Deutsch land unb B elgi e n , betr. Maßnahmen zur Be sch r ä n Fung der Einfuh r Von Spirituosen i» he stimmte Gebiete A f r i k a s, abgeschloffene K 0 n von tiou zur Kenntnisnahme zugegangen Ferner sind dem Bundesrat zugegangeu der Entwurf von Abänderungen ordnung für jedes Mitglied großes Interesse hat, so steht zu erwarten, daß die Versammlung sehr zahlreich besucht wird. Darmstadt, 6. September. Der Prinz von Wales kam heute nachmittag von Homburg in Frankfurt an und traf am Hauptbahnhof mit dem Großherzog und der Großherzogin zusammen, die von Wolfsgarten, bezw. Koburg kamen. Alle drei fuhren sodann nach Schloß Wolfsgarten, von wo aus der Prinz Abends 11 Uhr nach Homburg zurückkehrte. — Der Preußische Gesandte am Großh. Hofe, Prinz fzu Hohenlohe-Oehringen, ist vom Urlaub auf seinen Posten zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wieder übernommen. Darmstadt, 6. September. Unsere an Denkmälern nicht gerade überreiche Residenz wird in einigen Monaten eine iuteresiante Vermehrung erfahren: um das Standbild einer hessischen Fürstin, nämlich der verstorbenen Großherzogin Alice von Hessen, Gemahlin des Großherzogs Ludwig IV., dem bereits am 25. November 1898 hier ein Reiterdenkmal nach dem Entwurf des Berliner Professors Schaper errichtet worden ist. DaS neue Denkmal der Lieblingstochter des Prinzen Albert wird auf dem Wil- helmsplatze vor dem Neuen Palais, das sich das Großherzogliche Herrscherpaar dortselbst erbauen ließ, seine Stelle finden. Es ist nach dem Entwürfe unseres talentvollen Ludwig Habich in dec Ausführung begriffen und soll am 1. Mai 1901 fertiggestellt sein. Schon jetzt haben die Stadtverordneten unserer Residenz beschlossen, vom 20. September an den gegenwärtig noch mit schönen gärtnerischen Anlagen versehenen Platz zur Vornahme der Aufstellungs- arbeiten dem Denkmalsvorstand zur Verfügung zu stellen. DaS neue Denkmal wird sehr gerühmt und gewiß eine ähnliche Zierde der Stadt werden, wie das Reiterdenkmal des Großherzogs Ludwig IV. Dagegen hört man in neuer Zeit nichts näheres von dem geplanten Denkmal für den Ehrenbürger Darmstadts, den Fürsten Bismarck. Worms, 6. September. Die altehrwürdige Wormser Schiffbrücke, die durch die Erbauung einer festen Brücke über den Rhein nunmehr entbehrlich geworden ist, wird jetzt, wie auch seinerzeit die Mainzer Schiffbrücke „unter den Hammer kommen". Die Versteigerung der Schiffbrücke ist aus den 20. und 21. September in Worms festgesetzt. Mainz, 7. September. Am Gutenbergseste wurden, wie wir seinerzeit meldeten, einer Dame in der Neustadt für 30 000 Mk. Wertpapiere gestohlen. Obwohl das Verzeichnis der Papiere im Reichsanzeiger publiziert worden war, gelang es dem Dieb dennoch, bei zwei Bankhäusern in Köln für 18 000 Mk. und für 6000 Mk. von den Papieren zu verkaufen. In Köln ward nunmehr auch ein Mann verhaftet, der im Verdachte steht, der gesuchte Einbrecher zu sein. Der Verhaftete hatte sich zur Gutenberg- feier nachgewiesenermaßen in der Nähe von Mainz und u. a. auch in Wiesbaden umhergetrieben; er ging später in Begleitung einer Frauensperson nach Paris zur Weltausstellung. Er verfügt über namhafte Beträge, über deren Erwerb er sich nicht ausweisen kann. Der Verhaftete, der bereits bestraft ist, ist seines Zeichens Komiker und trat als solcher auf verschiedenen kleinen Bühnen auf. Die Photographie des Verhafteten wurde einer Anzahl Personen vorgelegt, die in der Neustadt den Einbrecher gesehen haben wollen. Doch ist die Identität bisher noch nicht festgestellt worden. Kermischtrr. * Zum Selbstmord der ftüheren Biolinvirtuostn Arma Senkrah, Gattin des Rechtsanwalts Hoffmann in Weimar, wird geschrieben: Die unglückliche Frau tötete sich durch einen Schuß in das Herz; ihr Mann ist abwesend; ein achtjähriger Knabe bleibt als Waise zurück. Die Vermögensverhältnisse der Familie sollen schon lange Zeit ganz zerrüttet gewesen sein, trotzdem aber widersetzte sich Hoffmann dem Vorschlag seiner Frau: durch Erteilung von Unterricht eine Besserung herbeizusühren. Oeffentlich aufgetreten ist Frau Senkrah in der ganzen Zeit ihrer Ehe nur selten und stets nur zu wohlthätigen Zwecken. Gegenstand allgemeiner Bewunderung war ihre allerdings bezaubernde Persönlichkeit bei dem letzten Maskenfeste im Weimarer Künstlerheim, und niemand ahnte damals, daß \o bald schon die von Humor und Lebenslust erfüllte Frau bas Opfer eines so furchtbaren Verhängnisses werden sollte. Kunst und Wissenschaft. — Die Thesterzensur wnd neuerdings in Berlin streng g. ^andhrdt. Es soll offenbar immer wieder und wieder der Beweis -rdrachl werden, daß es einer Lex Heinze gegen sog. unstttliche.Theale - Guffü'jiunßen nicht bedarf. Wie die „Freis. Zig." berichtet, ist der Direktion des Berliner Theaters an diesem Donnerstag ein Bescheid d.s Polizeipräsidenten zugegangen, durch den die öffentliche Aufführung des Lustspiels „Die gestrengen Herren" von Oskar Blumen- lhal und Gustav Kadelburg unrersagt wird. Im Einoer- stäirdnis mit den Autoren wird sich die Direktion des Berliner Theaters bei diesem Bescheid nicht beruhigen, vielmehr sofort den Beschwerdeweg beschreiten. Wie verlautet, spielt in dem Stück die Lex Heinze eine Rolle. Vielleicht hat dies für das Ministerium Rheinbaben den Grund zum Verbot abgegeben. Die furchtbar harmlosen Herren Blumenthal und Kadelburg aber sollten doch wirklich von den Behörden nicht ernst genommen werden. Diel eher verdienten ihre albernen Sächelchen aus Gründen des guten Geschmacks vom Publikum gemieden zu werden. Neuenburg, 6. September. Die Sitzungen des Instituts für internationales Recht wurden heute eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde gewählt Lardy, Gesandter der Eidgenossenschaft in Parts, zu Vizepräsidenten Oberlandesgerichtsrat und Untversttäts- profeffor Harburger-München und UniversttätSprofessor Sacerdoti- Padua. Gerichtssaal. Braunschweig, 5. September. Die Strafkammer hiesigen Landgerichts verurteilte heute den Pastor Schaumann aus Heimburg bei Blankenburg wegen Unterschlagung von Ktrchenkaffen- g ibnn zu vi-'r Monaten Gefä-crnis. Sch., über d-ssen Vermögen inzwischen der Konkurs verhängt worden ist, hatte seit dem Jahre 1886 die mit einem Jahresgehalt von 4800 Mk. dotierte Pfarrstelle in Heimburg inne und nebenbei die dortige Kirchenkasse zu verwalten. Aus dieser hat Sch. etwa 2400 Mk. unterschlagen. Innerhalb der fünfzehn Jahre seiner seelsorgerischen Thätigkeit in veimburg hat er das 25000 Mk. betragende Vermögen seiner Frau aufaebraucht und zahlreiche Darlehen von 5000 Mk. und darunter sich zu verschaffen gewußt__________________________________ Arbeiterbewegung. Mainz, 6. September. Die streikenden Lederarbeiter haben an die hiesige Bevölkerung ein Flugblatt ergehen lassen, in dem sie mitteilen, daß durch den Ausstand in den Mainzer Lederwerken, Kinder und Frauen eingeschloffen, 1400 Personen brodlos seien. Die traurigen, gesundheitsschädlichen Zustände in den Werkstätten der Lederwerke und das rücksichtslose Vorgehen der Leitung der Werke habe die Arbeiter in den Streik getrieben. Es wird alsdann im einzelnen auf die ungeheuer gesundheitsschädliche und lebensgefährliche Arbeit in den betr. Werkstätten bingewiesen. Zum Schluß des Flugblattes erklärt die Lohn- kommissron folgendes: „Wir haben zu Anfang des Streiks durchaus nicht auf der absoluten Annahme unserer Forderungen in vollem Umfang beharrt, sondern waren zu einem Vergleich über unsere Forderungen bei einigermaßen Entgegenkommen der Lederwerke jederzeit bereit. . . . Wir wollen unsere täglich 11 stündige Arbeitszeit auf ein vernünftigeres Maß reduzieren. Wir wollen diese Arbeit, die zu den allerungesundesten und schlechtesten überhaupt gehört, wenigstens einigermaßen anständig bezahlt erhalten. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Geweindr. Sonntag den 9. September. 1?. nach Trinitatis. Gottesdienst. In der Gtadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- gemeinde. Vormittags 9V» Uhr: Pfarrer Schlosser. Am nächsten Sonntag, dem 16. September, nimmt die Kinderkirche für die Markusgemeinde wieder ihren Anfang. (Vorbereitung Donnerstag den 13. September, nachmittags 3 Uhr.) In der JohanneSkirche. Vormittags 8 Uhr: Siehe Stadtkirche. Vormittags 9i/a Uhr: Pfarrassistent KrauS. Nächsten Sonntag, den 16. September, wird nach allen Gottesdiensten eine Sammlung für die innere Mission erhoben werden. ES wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß der kirchlichen Trauung auch ein kirchliches Aufgebot vorherzugehen hat, und wird dringend gebeten, es rechtzeitig — spätestens eine Woche vor der Trauung — bei dem zuständigen Pfarrer zu bestellen. Katholische Gemeinde. Samstag den 8. September. Nachmittags um 4V8 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit »m heiL Beichte. Sonntag den 9. September. 14. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6Ve Uhr an: Gelegenheit zur hl. "Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Die zweite heil. Meffe. „ um 91/2 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2% Uhr: Muttergottes-Andacht. Anmerk. An den Werktagen sind von nun an die hl. Meffen um 6V1 und 7i/a Uhr. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag den 8. September 1900. Vorabend es- Uhr, morgens 8so Uhr, nachmittags 4 Uhr SchrifterklLrung, Sabbathausgang 7estkii.M 'Ausflug nach Münzenberg1 Sonntag den 9. Septemöer et. 5941 Sammlung am Bahnhof morgens 8 Nhr.Der Vorstand. Tüchtiger, junger Mann sucht Stellung, einerlei welcher Branche, als Kommis oder Reisender. Zeugniffe stehen zu Diensten. Offerten erbitte unter K F Nr' 03708 an die Expedition d. Bl. 1. Ziehung am 8. Oktober 1900. V10M.3.SV, Vs Mk. K.KV, V1 M. 16.50, */i Mk. 33.~ pro Klasse. Die Lose für die erste Klaffe werden unseren werten Abnehmern Schützenbruders Heinrich Bau in Kenntnis und bitten um zahlreiche Beteiligung bei 8. September, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehaufe, Grummetgras billig zu verkaufen. Näheres 5940 Licherstratze 19. Ludwig Schlierbach. Ludwig Gerlach. HM" Für günstige Fahrgelegenheit der Bieberthalbahn ist bestens gesorgt.. Ferber'sche Uuiv Buchhdlg.; Gust. Gerhardt; C. Herber K. Jegust; F. Kühn; C. Müller; L. RackS in Gießen. fst. marinierte Heringe, Fralldfulttt Wmßlhev empfiehlt 5945 Chr. Wallenfels, Marktplatz!?. Todes-Anzeige. Heute nachmittag 3 Uhr entschlief unser innigst geliebter Gatte, Vater, Sohn, Bruder und Schwiegersohn Herr Heinrich Bender im Aller von 48 Jahren Die trauernden Hinterbliebenen. Männer-Hurnverein Kießen Unseren geehrten Mitgliedern geben wir hiermit Kenntnis von dem Ableben unseres langjährigen Turngenoffen Ama Privatier Heinrich Rau und bitten, an der Beerdigung Samstag den 8. September, nachmittags 4 Uhr, teilzunehmen. Zusammenkunft Uhr an Steins Garten. 5937 Der Vorstand. Schützen-Verein. Wir setzen hiermit unsere verehrlichen Mitglieder von dem am Donnerstag abend 11 Uhr erfolgten Ableben unseres lieben Vorbereitung Finanzprüfnng II. Steueraufs., Pfandm., stadt. Assistenten (1300—8400 Mk. E ). Einz. richtig Mat. Näheres in der Erped d. Bl 5841 Bielsex9 dei Ddheiui. Sonntag den 9. und'Montag den 10. Septemöer xx Kirchweihfest nnerod. Sonntag den 9. und Montag den 10. September ZM Kirchweihfest UZ wozu freut dl chst einladet Gastwirt Philipp Wächter. 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