183 Zweites Blatt. 4 Mittwoch den 8. August iooe Amts- und Anzeigeblatt süv den Aveis Gieren Nllk Lnzngen-BermittlungSftellen des In- und HulleeNI «ehmrn Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtgcg*. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Aezug,preis vierteljShrl. Tif. 2M monatlich 75 Pfg. mit Bringerllchnr durch die Abholestelm vierteljährl. Mk. IM monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vicrtkljLHR. mit Bestellgeld. Weee^et w« Anzeige« zu der «OchmMagS für b* Mvee>« Seg «scheinenden Nummer HB wenn. >0 8H«. AAHßeLimgen sp« testens *eM vorher. NstNch eit llu*w**t des Die Gte--»er »eelHteiritttr werde« dem Anzeiger W Wechfet wt „H-ff. »*da*r e. ^Blätter Mr h-ff. Rolls künde- MGchL 4 Ml HigdtgL Gießener Anzeiger General-Anzeiger Oratisbeilagr«: Gießener FamüirnblSNer, Der hesfisthe Kandwitt, Klätter für hcsstfche Volkskunde. Rdrefle für Depeschen: Anzeiger chl-ffo«. Fernsprecher Nr. 51. •Petition und Druckerei: Jch.kßr-ße Nr. 7. Enthüllung des Denkmals des Großen Kurfürsten in Bielefeld am 6. August. Der Zufluß von Fremden, die zur Teilnahme an der heutestattgefundenen Enthüllung deS Denkmals des Großen Kurfürsten auf der Sparenburg hier eintrafen, hatte schon gestern gewaltige Ausdehnung genommen. Die Stimmung der Bevölkerung war vorzüglich, das Wetter prächtig. Vom Bahnhof zog sich die Ausschmückung durch die Stadt bis zur Sparenburg hinaus. Durch Guirlanden verbundene Flaggenmaste säumten die Straße zu beiden Seiten eiu, die Häuser prangten im Flaggenschmuck und Schaufenster waren reich ausgestattet. Hiesige und auswärtige Vereine bildeten an der langen Feftstraße Spalier. Kurz vor zwölf Uhr trafen der Kaiser und die Kaiserin hier ein, und begaben sich sofort zur Sparenburg. Den Zug eröffnete der Bürgermeister und eine Eskorte, die das in Münster garnisonierende Kürassierregiment von Driesen (Westfälisches) Nr. 4 gestellt hatte. Die Kaiserin, die schwarze Kleidung mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens trug, fuhr im Wagen. Hinter dem Wagen der Kaiserin folgte der Kaiser in Kürassierunisorm mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens, und das Gefolge zu Pferde. Den Zug schloß wieder eine Eskorte. Auf dem ganzen Wege zur Sparenburg wurden die Majestäten von der Bevölkerung mit stürmischem Jubel begrüßt. Um 121/4 Uhr hielten der Kaiser und die Kaiserin unter stürmischer Begeisterung der Anwesenden durch das Burgthor ihren Einzug in die Sparenburg. Vor dem Pavillon neben dem großen Turm sprach die Tochter des Oberbürgermeisters in einem weißen historischen Kostüm, einen von Frida Schanz gedichteten Willkommengruß und überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß, die sodann den Wagen verließ, und sich in den Pavillon begab. Vor dem Pavillon steht das Denkmal, neben demselben hatten Damen in Kostümen aus der Zeit des großen Kurfürsten Aufstellung genommen, die Gallerte des Turmes war mit Gmnasiasten in der Uniform der Brandenburgischen Dragoner besetzt. Auf der Südseite des Turmes standen 1000 Posauncnbläser, im Burghofe war eine Ehrenkompagnie des 55. Infanterie-Regiments aufmarschiert. Der Kaiser ritt vor das Denkmal und hielt folgende Ansprache: „Meiner treuen Stadt Bielefeld und meinen Ravensbergern habe ich beschlossen, zum Dank für ihre Aufnahme und zur Erinnerung an die jahrhundertlangen Bande, die sie mit meinem Hause verbinden und an die Treue, die sie demselben stets erwiesen, das Denkmal des Großen Kurfürsten zu weihen, welches hier aufgestellt worden ist, des Fürsten, dem diese Lande, unser ganzes Vaterland und unser Haus so unendlich viel zu verdanken haben, dem seine Feinde den Namen des Großen gaben, noch zu seinen Lebzeiten. Versetzen wir uns in die Zeit zurück, als der Kurfürst in ganz jungen Jahren zur Regierung kam. Was sand er vor? Zerstampfte Saaten, niedergebrannte Dörfer, ein ausgehungertes, heruntergekommenes Volk, verfolgt von allen Seiten, sein Land war der Tummelplatz für die wilden Schaaren, die seit 30 Jahren Deutschland mit Krieg überzogen hatten, fürwahr eine Aufgabe, fe ungeheuerlich und so gewaltig, daß man ihm es hätte verzeihen können, wenn er bei seiner Jugend davor zurückgeschreckt wäre. Run kam er mit seinem felsenfesten Vertrauen auf Gott und seinem eisernen festen Willen, er schweißte die Stücke seines Landes zusammen und hob Handel und Wandel, Ackerbau und Landwirtschaft in einer für damals unglaublich kurzen Zeit. Er legte die Grundlage für unseren Staat und für unsere Armee und war in der Lage, bald auf große Erfolge zurückzublicken. Er vermochte in Europa ausschlaggebend aufzutreten, sodaß von ihm der Dichter fingen konnte, wenn er von einer Seite feineä Reiches zur anderen eilte, um es zu schützen und zu bewachen: „DaS war em schnelles Reiten, vom Rhein bis an den Rhin, das war ein herßes Streiten am Tag' von Fehrbellin " Und alle diese Thaten schließen sich m einer Folge aneinander, hervorspringend aus seiner Hoffnung em großes gewaltiges, nordisches Reisch zu gründen, welches deremst dazu dienen sollte, das deutsche Vaterland wieder zusammen zu führen. So schnell bauen sich Weltreiche nicht auf; aber den Grund- und Eckstein hat er dazu gelegt und die gewichtigen Hammerschläqe, die er dazu gethan, haben für Mich eine feste Basis geschaffen. Welche hohe Freude war es für ihn, wenn er inmitten seiner Ravensberqer auf dieser von ihm so gelte6ten Burg den Blick auf das schöne Land hinausschweifen laffen konnte, für dessen Wohl und Wehe er angestrengt arbeitete und deffen fortschreitende Blüte ihn beglückte. Welche Freude war es für ihn, hier seine Dragoner zu sehen, auf seinen Reisen auf dem damals noch so fern liegenden westlichen Lande, welches er erworben und zu halten und zu schützen geschworen hatte. Wie anders ist es jetzt: Aus dem von ihm begründeten Staate hat sich das Königreich Preußen entwickelt und durch Preußen ist das deutsche Reich zusammengeführt und geschweißt. Der große Kaiser, des großen Ahnen großer Nachfolger, hat das ausgeführt, was der andere sich gedacht. Woher ist es wohl möglich gewesen, daß bei dem kurzen Rückblick auf die Geschichte unseres Landes und Hauses diese wunderbaren Erfolge unseres Hauses zu verzeichnen find? Nur daher, weil ein jeglicher Hohenzollernfürst sich von Anfang an bewußt war, daß er nur Statthalter auf Erden ist und daß er Rechenschaft abzulegen hat, von seiner Arbeit vor einem höheren König und Meister, daß er ein getreuer Arbeitsführer fein muß im allerhöchsten Auftrage. Daher auch die felsenfeste Neberzeugung von der Mission, die jeden einzelnen meiner Vorfahren erfüllte. Daher die unbeugsame Willenskraft, das durchzuführen, was man sich einmal zum Ziele gesetzt hat. (Bravo). So möge es denn auch mir vergönnt sein, zum Wohle, nicht nur des gesamten Reiches, sondern auch gerade dieses schönen Ländchens, denselben Fußtapfen zu folgen, die dieser große Ahn uns vorgezcichnet hat. (Bravo). Mir ist es vielleicht vergönnt, den Teil seines Traumes auszufüllen, der durch die späteren Kämpfe in unserer Entwickelung zurücktreten mußte, den Weg über die See! Was damals der Große Kurfürst nur angedeutet und begonnen, das vermögen wir jetzt im Großen aufzunehmen, weil wir ein geeintes großes deutsches Vaterland haben. (Lautes Bravo.) Wir haben es jüngst erlebt; deutsche Heere unter dem Schutze deutscher Fahnen ziehen hinaus, bestehend aus Gliedern und Söhnen unseres Vaterlandes, aus allen Gauen von den Schären des Belt bis zum Wasgau, gemeinsam für die schwarz-weiß-rote Fahne zu kämpsen, die Größe und bin Ruhm unseres Vaterlandes im Auslande zu besiegeln, zu zeigen, daß der Arm des deutschen Kaisers auch bis in die entferntesten Teile der Welt reicht. (Bravo!) Alles dieses wäre unmöglich gewesen ohne den Großen Kurfürsten und sein Werk und deswegen hoffe ich, daß auch ein jeder meiner Unter: thanen von demselben Geiste beseelt, in demselben Sinne an feiner Aufgabe fortarbeiten wird, mir zu Helsen. Einem Jeden ist feine Aufgabe und fein Ziel gesetzt, und wenn Jeder es so auffaßt wie der Große Kurfürst und wie alle aus meinem Hause, in der Ueberjeugung, daß er verantwortlich ist und dereinst oben Rechnung ablegen muß, von dem, was er gethan, dann bin ich fest davon überzeugt, daß unserem deutschen Vaterlande noch große Zeiten beoorstehenl (Anhaltendes Bravo I) Dann werde ich unbekümmert um die dunklen Wolken, die über uns dahin ziehen, wie einst Eberhard der Greiner von meinen Ravensbergern sagen, daß ich unbekümmert einem Jeden von ihnen mein Haupt in seinen Schooß legen kann. (Lang anhaltende stürmische Bravo- und Hochrufe I) Sooann fiel unter den Klängen der Nationalhymne die Hülle. Oberbürgermeister Bunnsmann sprach hierauf den Dank der Stadt Bielefeld aus und reichte Seiner Majestät den Ehrentrunk dar. Der Kaiser trank unter den jubelnden Zurufen der Menge mit den Worten: „Der Graf von Ravensberg den Ravensbergern!" und pflanzte nunmehr an der Ostseite des Denkmals eine Eiche, die er vor Jahren im Garten des Geheimrats Hintzpeter als Reis gesetzt hatte. Um 1 Uhr fuhr das Kaiserpaar nach der Wohnung des Geheimrats Hintzpeter, um dort das Frühstück einzunehmen. Das Kaiserpaar ist unter dem Jubel der Bevölkerung Nachmittags 3 Uhr abgereist und nach Wilhelmshöhe zurückgekehrt. Die Wirren in China. Die Beurteilung der Dinge aus der Ferne wird mehr und mehr durch, die U n z u v e r l ä s s i g k e i t der Nacy - richten erschwert. Auch die Reutermeldung über den Selbstmord Li-Hung-Tschangs ist jetzt unter die Rubrik Tatarennachrichten zu verweisen. Sie mag sich daraus erklären, daß, nachdem ein Mann wie Lipingheng in Peking Oberwasser erhalten hat, für den alten Li-Hung-Tschang dort kein Platz mehr ist, d aß er seine Rolle, vorläufig wenigstens, ausgespielt hat. Bom Standpunkte der Mächte aus braucht man den Bruch Li-Hung-Tschangs mit Peking nicht zu bedauern, und wenn es sich, bestätigt, daß mit ihm auch Liukunyi sich auf die Seite der Gegner Lipinghengs gestellt hat, so erscheint sogar die Hoffnung, daß die mächtigen Generalgouverneure des Jangtse im Verein mit Li- Hung-Tschang, wenn es nötig ist, auch gegen den Willen von Peking, Ruhe und Ordnung erhalten werden, bedeutend gekräftigt. Aber nicht nur die falschen Nachrichten, auch der Mangel an Nachrichten und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Meldungen führen das Urteil irre. So erfahren wir zu unserm Staunen durch ein Telegramm der „Daily Expreß", daß die Nachrichten aus Tientsin einer Preßzensur unterliegen, wir also alle Aussicht haben, daß sich die Vorgänge aus dem Beginn des südafrikanischen Krieges in China wiederholen, daß auch bei diesem Bundeskriege der Mächte gegen die Barbarei dem Telegraphen als dem Nachrichtenübermittler möglicherweise die Rolle zufällt, die Wahrheit zu verschweigen. Schon längst war der Mangel neuer Nachrichten aus Tientsin umsomehr aufgefallen, als die ganze Welt mit atemloser Spannung die Meldung von dem Vormarsch auf Peking erwartete, der Äen Belagerten in Peking endlich Erlösung bringen sollte. Man suchte vergeblich nach einer Erklärung, weshalb Berichterstatter ihre Telegramme auf dem Postwege nach Shanghai sandten und erst dort dem Telegraphen anvertrauten — jetzt erfahren wir allmählich die Ursache: es ist eine Zensur eingerichtet, weil sich Dinge ereignet haben, die man verschweigen möchte. Man wußte zwar, daß die Verzögerung des Vormarsches auf Peking kleinlichem Zank und Streit über den Oberbefehl und der Lässigkeit und Saumseligkeit einiger Kontingente der Verbündeten zur Last gelegt wurde, wir erfahren auch, daß der amerikanische Befehlshaber, General Chaffee, in so starken Ausdrücken an die Regierung nach Washington darüber telegraphiert hat, daß sein.Bericht das Licht der Oeffentlichkeit nicht verträgt, aber was man noch nicht wußte und was erst die heutige Meldung des „Daily Expreß" erraten läßt, das ist, daß die Truppen der Mächte eine empfindliche Schlappe erlitten haben. Bisher war man der optimistischen Meinung, daß die Verbündeten Tientsin, das Fremdenviertel wie die Chinesenstadt und die Forts derart besetzt hielten, dgß der Besitz der Stadt gegen jede Ucbcrraschung gesichert wäre. Jetzt aber erfahren wir, daß die Chinesen- stadt wieder in der Gewalt der Chinesen war, daß diese von dort aus sogar am 1. August die in. der Fremdenstadt stehenden Verbündeten angriffen, und zwar zurückgeschlagen wurden, aber „schließlich doch starke Stellungen in der Chinesenstadt behaupteten". Im Lichte dieser Nachrichten gewinnen auch die Meldungen der „Morning Post" aus Tschifu vom 4. August, die wir nicht mitgeteilt hatten, weil sie bis jetzt unverständlich waren, einige Klarheit und Bedeutung. Sie seien deshalb nachgetragen. In dem ersten Telegramm heißt es, der Versuch der Russen, die Pontonbrücke über den Lutaikanal zu nehmen, sei fehlgeschlagen, aber andere Pläne seien gefaßt worden, die Eingeborenenstadt in wenigen Tagen einzuschließen. In der Stadt sei ein Labyrinth von engen Strahn; an die Forts könne man nicht heran. Die zweite Depesche besagt, daß die Chinesen in die Forts der Eingeborenenstadt zurückgeworfen worden seien und ein heftiger Artilleriekampf im Gange sei. Die dritte Depesche meldet, unter den weiteren bis jetzt eroberten Stellungen seien solche, von denen aus der Feind die Streitkräfte oer Verbündeten an der Eisenbahnstation und in der Fremdenstadt schwer belästigt habe. Die Truppen der Verbündeten rückten jetzt in einem Bogen nach dem Nordwesten der Stadt vor. Der Verlust der Chinesen sei schwer. Die Verbündeten hätten jetzt einen ausgezeichneten Artilleriepark erhalten. Bisher seien ihre Geschütze denjenigen in der Eingeborcnenstadt nicht gewachsen gewesen. Alle diese in ihrer Abgerissenheit und Zusammenhanglosigkeit nichts weniger als klaren Nachrichten lassen nur soviel deutlich durchblicken, daß es den Chinesen gelungen ist, Tientsin von den Verbündeten zurückzuerobern, und daß dann eine Wiederholung der blutigen Kämpfe vom 13. und 14. Juli nötig war, damit die Truppen der Mischte abermals von der Stadt Besitz ergriffen. Dabei bleibt es noch zweifelhaft, ob das überhaupt in vollem Maße gelungen ist. Dieser beklagenswerte Rückschlag dürfte in seinem moralischen Eindrücke auf die Chinesen die bedauerlichsten Folgen haben und wird vielleicht das Schicksal d^r in Peking Belagerten, die bis jetzt so heldenmütig standgehalten haben, besiegeln; er ist zugleich eine einleuchtende, wenn freilich auch recht peinliche Erklärung dafür, weshalb wir nun so lange schon vergeblich auf die Nachricht vom Vormarsch auf Peking warten. Die Meldung über den Selbstmord Li-Hung- Tschangs bestätigt sich also nicht. Der greife chinesische Staatsmann Li-Hung-Tschang — er ist jetzt 79 Jahre alt — müßte aber auch wirklich arg ins Gedränge geraten sein, wenn er, der Listige, keinen anderen Ausweg mehr als Selbstmord gesehen haben sollte. Li Hung-Tschang soll sich in eines der bei Shanghai gelegenen Festungswerke zurückgezogen und allen Verkehr mit den Fremden abgebrochen haben, sodaß es schwierig sein mag, über ihn Genaueres zu erfahren, — ein Grund mehr, um der Nachricht von seinem Selbstmorde zu mißtrauen, zumal in Shanghai die sensationellsten Mitteilungen am ehesten Glauben finden. Als fich unter den Fremden in Shanghai das Gerücht verbreitete, jdaß Li-Hung-Tschang Selbstmord verübt habe, sandte ein fremder Beamte einen Boten nach der Wohnung Li'S, und da man sich weigerte, ihm Antwort zu geben, scheint daraus der Schluß gezogen worden zu fein, daß das Gerücht wahr fei. Was in Shanghai als Gerücht kursierte, ist dann als positive Meldung nach Europa gekommen. Der Spezialberichterftatter eines Berliner Blattes hatte am 5. Juli eine Unterredung mit Li-Hung-Tfchang. Auf die Frage des Berichterstatters, wie die Ansichten Li- Hung-Tschangs über Ursachen und Bedeutung der Unruhen in Nordchina seien, antwortete Li, die Bewegung sei von den Boxern ausgegangen. Diese seien nicht eigentlich Rebellen, wenn sich im Lause der Bewegung natürlich auch schlechte Elemente darunter gemischt hätten. Die Boxer seien dem Kaiserlichen Hause treu ergeben. Die Ursache des Aufstandes sei auch nicht eigentlich religiöser Natur; sie hänge aber allerdings damit zusammen, insofern, als sich der Aufruhr in erster Linie gegen die christlichen Chinesen gewandt habe. Es sei seine, Li-Hung- TschangS, feste Ueberzeugung, daß die Missionare für daS Verhältnis der chinesischen Bevölkerung zu den Fremden immer eine Gefahr und die Ursache fast aller Unruhen gewesen sind und immer bleiben werden. Die besseren Klaffen der Bevölkerung in Kanton wollten von den Boxern nichts wiffen, aber in der Masse der Bevölkerung hätten die Boxer Sympathieen gefunden. Die steigende Erbitterung gegen die Fremden sei in den letzten Jahren durch die fremden Mächte selbst hervorgerufen worden, z. B. durch die Erwerbung KiautschouS seitens Deutschlands. Für die paar ermordeten Missionare habe die chinesische Regierung alle Genugthuung gewährt. Trotzdem habe Deutschland auf seiner Forderung, Land in China zu erwerben, bestanden und habe seinen Willen durchgesetzt. Andere Mächte seien diesem Beispiel gefolgt. China dürfe aber unter keinen Umständen weiteres Land abtreten. Ueber die Ermordung des deutschen Gesandten, Frhrn. v. Ketteler, sprach Lihüngtschang sein tiefstes Bedauern aus; alsdann bat er den Berichterstatter, als Deutscher seine persönliche Ansicht auszusprechen. Der deutsche Kaiser sei bekannt als ein Mann von raschem, energischem Handeln. Ob er (der Berichterstatter) wohl glaube, daß der deutsche Kaiser China den Krieg erklären werde? Li erklärte im weiteren Verlause der Unterhaltung, er könne die bestimmteste Versicherung abgeben, daß weder Prinz Tuan, noch sonst ein Mitglied der Regierung etwas von dieser Ermordung gewußt hätten. Herr v. Ketteler sei nicht ermordet worden, weil er der deutsche Gesandte war, sondern er sei lediglich als Fremder ein Opfer Auf- rührischer geworden. Prinz Tuan und die ganze Regierung bedauerte ungemein diese abscheuliche That. Lihüngtschang bemerkte weiter, er tadele den Prinzen Tuan sowohl wie die Kaiserinwitwe und die ganze Regierung wegen Mangels an Energie bei der Unterdrückung der Boxer. Den Willen dazu habe die Regierung, aber sie sei jetzt nicht stank genug. Er hoffe, daß sich ein Ausweg finden werde, einen förmlichen Krieg der Mächte gegen China zu vermeiden und den Ausstand aus den Norden zu beschränken. Das Haupt der Zentralregierung sei jetzt Prinz Tuan im Namen des Kaisers. — Damit war die Unterredung beendet. Nach einer Meldung aus Washington soll der Vormarsch auf Peking von den verbündeten Streitkräften bisher doch noch nicht angetreten sein. — Eine Tievtsiner Depesche des „Daily Expreß" besagt, daß die Chinesen am 1. August (s. o.) T i e n t s i n a n g r i f s e n, und daß es ihnen gelungen sei, nach sechsstündigem Kampfe einen Teil des Chinesenviertels zurückzuerobern, sich dort starke Stellungen zu sichern, von wo aus sie die Fremdennieber- laffungen beschießen. — Aus Tschisu wird gemeldet, die Chinesen hätten mehrere Forts von Tientsin wieder besetzt. — Shanghaidrahtungen zufolge bedroht eine starke, aus Boxern und kaiserlichen Truppen gemischte Streitmacht von Süden her die Verbindungslinie der vereinigten Kontingente. — Bei dem Kampfe am 30. Juli nördlich von Tientsin, bei dem 4000 Japaner beteiligt waren, verloren letztere 29 Mann. Nach Meldungen aus Shanghai herrscht seit der Ankunft des Generals Li-Ping-Hen in Peking eine Schreckensherrschaft. Jede Begünstiguug der Ausländer wird mit dem Tode bestraft. Die Vizekönige Li- Hung-Tsckang, Lienkwungch und Tiang°si-tung find aus die Proskripttonsliste gesetzt. Lord Seymour ist von Nanking nach Shanghai zurückgekehrt. — Aus einen Ausländer, der vor einer Veranda saß, wurden von Chinesen drei Schüsse abgegeben; die Kugeln durchbohrten das Buch, in dem der Ausländer las. — Chinesische Truppen gehen selbst aus den fremdenfteundlichen Provinzen durch den Kaiserkanal nach dem Norden ab. e ♦ * Aus Chabarowsk wird vom 3. August gemeldet: Aus Charbin und anderen an der östlichen chinesischen Eisenbahn liegenden Orten kamen infolge der von den Behörden getroffenen Verjügung aus Dampfern die Angestellten der Bahn mit ihren Familien an. Die Zahl derselben beläuft sich auf ungefähr 6000, darunter befinden sich 44 Verwundete und 35 Kranke. Die letzteren wurden im Militärlazarett untergebracht. * • » Für die zahlreichen Verwandten und Freunde unserer nach Ostasien geschickten Offiziere und Soldaten dürfte eine .Zusammenstellung darüber von Interesse sein, wo sich augenblicklich unsere Schiffe befinden und wie es ihnen bisher auf der Reise ergangen ist. Dampfer Köln, der ein Ablösungskommando von 1500 Mann nach Kiautschou führte, das sich noch an den Kämpfen in und bei Tientsin beteiligen konnte, ist noch in den chinesischen Gewässern, wo er zu verschiedenen Dienstleistungeu ae- braucht wird. Die Mehrzahl der Ablösungstruppen befindet sich in Kiautschou, einige hundert in Tientsin. Die Dampfer Frankfurt und Wittekind haben nach einer wenn auch heißen so doch ziemlich freundlichen Fahrt Singapore erreicht und sind jetzt auf der Fahrt nach Hongkong. Dampfer Preußen, der das Vorbereitungskommando trägt, das sich in Genua einschiffte, blieb von Stür- -neu verschont und wird in diesen Tagen in Colombo eintreffen. Dampfer Gera hat mit drei Torpedobooten Gibraltar passiert irnb wird sich jetzt auf der Höhe von Tunis befinden. Dem bösen Wetter im Kanal und der Biscaya ist er davongefahren. Die Dampfer Batavia, Halle und Dresden werden jetzt vor der Straße von Gibraltar sein und können leicht noch von einem kleinen „Schwänze" bes Unwetters erwischt worden fein. Die Dampfer Sar- dinia und Straßburg fiuo jetzt an der portugiesischen Küste und werden uwhl in den letzten Tagen noch etwas von dem unfreundlichen Welter abbekommen haben. Die Dampfer Rhein und Adria sind wohl im Kanal als auch in der Biscaya tüchtig geschüttelt worden. Sie waren gerade im Kanal, als die englischen Postschiffe wegen Sturtnes nicht auslaufen konnten. Auf diesen Booten dürfte reichlich dem Seegott geopfert worden sein. Die Dampfer H. H. Meier und Phönicia bekamen gleich bei ihrer Ausfahrt einen gründlichen Vorgeschmack von dem, was sichl die yöorbsee bisweilen leistet, und passieren jetzt bei starkem Winde den Kanal. Wenn Straßburg, Sardinia, Rhein, Adria, H. H. Meier und Phönicia gleich zu Aufang die Unbilden der Sckflffahrt erfahren haben, so sollen ihre Insassen sich das nicht leid sein lassen, denn sie werden nun hoffentlich gegen allbs, was noch folgen kann, so pb gehärtet sein, daß ihnen die nachfolgende Reise nur umsomehr Vergnügen machen wird. Unsere Transporte bilden jetzt 'eine langgezogene Linie vom Kanal bis zur Mitte fdes Mittelmeeres, vor ihnen aber befindet sich dann eine ganze Reihe von Kriegsschiffen. Von ihnen ist der Fürst Bismarck am weitesten und muß jetzt bald in Singapore sein. Dann folgen ^wei kleine Kreuzer und nach diesen das Panzergeschwader, das sich jetzt Colombo nähert und hinter ihm noch ein kleiner Kreuzer. In Summa befinden sich auf allen diesen Schiffen 15 000 Deutsche. Die Panzer-Division kann erst am/1. bezw. 3. September vor 'Kiautschou bezw. Taku sein. • » Telegramme des Gieheuer Anzeiger-. Berlin, 7. August. Von den 10 Dampfern, die das aus 13000 Mann bestehende deutsch-ost asiatische Expeditionskorps befördern und in den Tage vom 27. Juli bis 4. August in Bremerhaven abgegangen sind, haben die ersten Schiffe bereits Gibraltar hinter sich. Während die aus den Dampfern „Frankfurt" und „Wittekind" eingeschifften beiden Seebataillone nach Kieler Meldung Taku etwa am 17. August erreichen werden, dürfte von den in den letzten sTagen abgelaffenen Schiffen der erste Dampfer am 7. September in Taku anlangen. Die letzten dürsten am 19. September bei Taku eintreffen, so daß an diesem Tage alle deutschen Truppen aus chinesischem Boden versammelt sein dürsten. Hamburg, 7. August. Die russische Regierung charterte zum Truppentransport nach China den Sloman- Dampser „Pisa", der bereits gestern abend nach Odessa in See gegangen ist. Loudon, 7. August. Ein Telegramm der „Daily Mail" aus Shanghai meldet, daß der Gouverneur von Shantung von chinesischen Boxern ermordet worden sei. London, 7. August. Die Bestätigung der Meldung, daß die Chinesen am Peitsang-Fluffe, 15 Kilometer von Tientsin, zurückgeschlagen worden sind, ist zwar noch nicht eingetroffen, doch zweifeln die Blätter nicht an der Richtigkeit dieser Meldung. „Morning Post" glaubt, daß die Be- sreiung der Gesandten nahe bevorsteht. — Dasselbe Blatt meldet aus Washington: Der chinesische Gesandte habe der amerikanischen Regierung erklärt, er sei überzeugt, daß der Kaiser von China nachgeben werde und daß diese Niederlage der Chinesen der letzte Akt des Trauerspiels sei. Mac Kinley glaubt, der Kaiser von China werde nun ohne Vorbehalt die Bedingungen für die amerikanische Vermittelung annehmen. London, 7. August. „Daily Expreß" meldet aus Shanghai, Lihüngtschang habe den fremden Konsuln amtlich erklärt, daß die Gesandten Peking am Freitagnachmittag verlassen hätten und nach Tientsin unterwegs sei en. Die Konsuln schenkten dieser Nachricht keinen Glauben. Der General Tung- Fu-Siang soll den Befehl erhalten haben, sich der Gesandten zu bemächtigen und sie zwangsweise nach Tientsin zu bringen. London, 7. August. Uebereinstimmende Nachrichten aus Tschsifu melden ben Antritt des Vormarsches der Verbündeten auf Peking. 15 000 Japaner rücken angeblich in Eilmärschen vor und dürften, wenn die Eroberung der befestigten chinesischen Stellungen am Peitsang ohne lange Zeitverluste gelingt, Ende dieses Monats vor Peking eintreffen. Bei Peitiang soll es gelungen sein, die Haupt- befestigungen der Chinesen zu stürmen. London, 7. August. Das Auswärtige Amt veröffentlicht folgendes Telegramm des englischen Konsuls in Trentsin doch 4. August viL Tschisu vom 6. August: DerVormarschderverbündetenTruppenhat heute begonnen, aez. Karels. London, 7. August. Der hiesige chinesische Gesandte hat dem Auswärtigen Amt nachstehendes Telegramrn vom 30. Juli, welches er vom Tsung li Namen erhalten hat, zugestellt. Sämtliche fremden Gesandten befinden sich bei guter Gesundheit. Lebensmittel sind den Gesandtschaftenmehrfachzugesteckt worden. Die Gesandten und die chinesischen Behörden unterhalten freundschaftliche Beziehungen. Paris, 7. August. Nach, einer Privatmeldung aus Tschifu war der am Sonntagmorgen unternommene /Vormarsch einer ans 4000 Russen und Japanern bestehenden Kolonne gegen Norden dadurch veranlaßt, daß man sichere ZtUndschafl von einem Urngehungs-Manöver erhielt, das der chinesische General Ma ins Werk gesetzt hatte. Thatsächlich waren in allen Kornfeldern längs der Straße Chinesen verborgen. Ihre Infanterie schoß aber schlecht. Das Endresultat der Bewegung ist noch unbekannt. Der Krieg in Südafrika. Daö Reutersche Bureau meldet aus Paardekopvom 5. ds.: Eine von Standerton kommende britische Truppenabteilung überraschte das Burenlager am Klippriver und zerstreute die 300 Mann zählende Abteilung. . Die in Lourenzo Marques beschäftigten Zollbeamten und die Eisenbahnangestellten haben ihre Entlassung eingereicht. Sie wurden durch Offiziere ersetzt. Nach Meldungen aus Kapstadt soll das Hauptkorps der Buren unter Dewet bei Reitzburg vollständig umzingelt sein. Die Burendeputation ist in Brüssel eingetroffen, die Mitglieder treten lediglich als Privatpersonen auf. Politische Tagesschau. Der „Reichsanz." veröffentlicht das am 10. Juli d. I. vom Staatssekretär der Vereinigten Staaten von Amerika und dem deutschen Botschafter in Washington unterzeichnete d e u t s ch - a m e r i k a n i s ch e H a n d e l s a b k o m m e n im Wortlaut. Die „Nordd. Allg. Ztg." fügt hinzu, daß dieser Text gegenüber der vor kurzem gebrachten Meldung über den Inhalt des Abkommens nichts wesentlich neues enthält. Während die Union die Frankreich und Italien eingeräumten Zollvergünstigungen jetzt auch uns zugesteht, haben, wir der Einfuhr aus den Vereinigten Staaten den Fortgenuß unseres Konventionaltarifs für die Dauer des Ausland. Paris, 6. August. Der internationale Studenten ko ngreß wurde Samstagnachmittag in der Sorbonne eröffnet. Der Kongreß hob sofort die Sitzung auf zum Zeichen der Trauer über den Tod des Königs .Humbert. * Paris, 6. August. Es gelingt nicht, einen Mitschuldigen Salsons zu finden. Der gestern verhaf- Abkommens belassen. Der amerikanischen Regierung ist: eine Zusage hinsichtlich/ der Untersuchung von getrocknetem und gedorrtem Obst gemacht worden, weil sich nach den über die San Jose-Schildlaus gesammelten Erfahrungen ergeben hat, daß sich nach der Dörrung oder dem Trocknen von Obst der Schädling in lebensfähigem Zustande nicht mehr darauf vorfindet und daß daher nach sachverständigem Urteil die Einschleppung des Insektes durch derartige Waren nicht zu besorgen ist. Die Frage der Berechnung des Zuschlagszvlles für deutschen Zucker und unsere Beschwerde über das Zollabfertigungsverfahren in den Vereinigten Staaten sind in dem Abkommen nicht berührt. Letztere sind durch den deutschen Botschafter in Washington der amerikanischen Regierung mitgeteilt worden, die sie ihrerseits wieder dem für Abänderungen der Zoll-Gesetzgebung zuständigen Kongreß vorgelegt hat. Wegen der Berechnung der Zucker-Zuschlagszölle schweben z. Zt. noch besondere Verhandlungen, die ein unseren Wünschen entsprechendes Ergebnis erhoffen lassen. Wenn die Italiener, die von Viktor E man ueIIII. E Einleitung einer neuen Aera erhoffen, geglaubt haben outen, daß er bereits in seiner ersten Proklamation an ein Volk Andeutungen Darüber machen werde, so haben re sich getäuscht. Die gestern abend von dem neuen Könige erlassene Proklamation gleicht fast vollständig derjenigen, welche sein Vater vor 22 Jahren bei seiner Thronbesteigung erlreß. In derselben hieß es wörtlich: In diesem Momente ist nur der einzige Trost möglich: uns seiner würdig zeigen, ich, indem ichin seine Fußstapfen t'rete, ihr, indem ihr bei den Bürgertugenden' verharrt, mit deren Hilfe er das schwierige Unternehmest zu vollbringen vermochte, Italien groß und einig zu machen. Ich werde seinem großen Beispiele der Anhänglichkeit an das Vaterland, der Liebe zum Fortschritt und des treuen Festhaltens an den freien Institutionen, die der Stolz seines Hauses sind, folgen. Mein Ehrgeiz wird sein, die Liebe meines Volkes zu verdienen. Italiener! Euer erster König ist tot! Sein Nachfolger wird Euch beweisen, daß die Institutionen nicht sterben. Stehen wir einig zu- sastimen ! Befestigen wir in dieser Stunde des großen1 Schmerzes jene Eintracht, die stets das Heil Italiens war. Genau so spricht sich! Viktor Emanuel III. aus, indem er sagt: /,Jch fühle, daß es meine erste Pflicht sein wird, den väterlichen Bahnen und seinen Tugenden als König und erster Bür'ger Italiens zu folgen. . . . Möge Gott mir helfen und die Liebe meines Volkes mich stärken, damit sich! meine gesamte Fürsorge als König dem Schutze der Freiheit und der Verteidigung der Einheit widmest kann, welche durch unlösliche Bande zum Heile des Vaterlands vereinigt sind." - Daß es in Italien Leute giebt, die die Freiheit vernichten möchten, ist leider nicht zu leugnen, aber die Einheit Italiens ist doch ernstlich! nicht bedroht. Hier kann nicht der Schwerpunkt einer neuen Regierung liegen, die eine Besserung der arg verfahrenen Zustände Italiens anstrebt. Ihr ganzes Streben sollte vielmehr auf eine Förderung der wirtschaft! ichenVerhältnisse gerichtet sein, womit allerdings eine Pflege des Militarismus und die Verfolgung einer Großmachtpolitik in der bisherigen Meise unvereinbar ist. Davon steht aber nichts in der Kundgebung des neuen Königs. Man wende nicht ein, daß ein neuer Herrscher nicht schon in der Proklamation beim Antritte seiner Regierung ein neues Regierungs-Programm verkünden könne, denn Kaiser Friedrich III. hat dies mit großem Erfolge gethan. Freilich muß der Thronfolger schon ein bestimmtes Regierungs-Programm besitzen, wenn er ein solches sofort beim Antritte der Regierung soll verkünden können. Deutsches Reich. Berlin, 6. August. Die Ankunft des Kaisers auf Bahnhof Wilhelmshöhe erfolgte am Samstag, abends 7 Uhr 55 Min., mit Sonderzug von Koburg, wo der Kaiser der Beisetzungsfeier für den verstorbenen Herzog Alfred» beigewohnt hatte. Um 7 Uhr 40 Min. abends trafen in drei Equipagen die Kaiserin mit den Prinzen und der Prinzessin Viktoria «auf dem Bahnhof ein, um den Kaiser zu empfangen, — Heute fuhr der Kaiser nach Bielefeld (s. bes. Artikel) und kehrte heute abend nach Wilhelmshöhe zurück. — Prinz Heinrich ist in Schloß Wilhelmshöhe zur Meldung beim Kaiser eingetroffen. Heute mittag trat der Prinz von Kassel aus die Reise nach Italien an, um den Kaiser bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für König Humbert zu vertreten. In seiner Begleitung befinden sich auf .Befehl des Kaisers: Der persönliche Adjutant des Prinzen- Admirals, Korvetten-Kapitän von Witz leb en, der Hofmarschall Vize-Admiral Freiherr von Seckendorfs, und ferner der Generalleutnant z. D. von Engelbrecht und der Flügeladjutant des Kaisers Oberstleutnant von Jacobi vom' Großen Generalstabe der Armee. Die beiden letzten Herren waren seiner Zeit als Militärattachees bei der kaiserlich deutschen Botschaft in Rom kommandiert. Prinz Heinrich soll außer der allgemeinen persönlichen Kondolenz dem König Viktor Emanuel ein Handschreiben des Kaisers überbringen. — Wie aus Rom gemeldet wird, ist Kontreadmiral Dibrocchetti zum Ehrendienst bei dem Prinzen Heinrich während dessen Aufenthalts in Italien kommandiert und wird dem Prinzen bis Luino entgegenreisen. — Staatssekretär Graf Bülow ver-ichtet auf regelmäßigen Sommerurlaub und geht nur für ein paar Tage mit einem Teil des Beamtenpersonals, darunter mehrere Chiffrierer, nach Norderney. Heute hatte der Staatssekretär eine Besprechung mit dem russischen und dem englischen Botschafter. Stuttgarts. August. Forstdrrektor v. F i s ch b a ch, früher Professor an der Akademie in Hohenheim, ist im! Alter von 73 Jahren g e storben. Aus Stadt und Land. Gießen, 6. August 1900. ** Herr Oberbürgermeister Gnauth hat sich zur Sommerfrische nach Sayn begeben; die Geschäfte der Bürger- meisterei werden bis zur Rückkehr des besoldeten Beigeordneten Herrn Wolfs von dem Beigeordneten Herrn Kommerzienrat Georgi geführt. •* Ludwig, und Alicestiftuug. Die 27. ordentliche Hauptversammlung der Ludwig- und Alicestis- tung findet am 24. September d. I. in Offenbach im Saale der Schlosier'schen Liegenschaften statt. Die Tagesordnung umfaßt acht Punkte. ** Sechzigjähriges Stiftungsfest des Korps Starkeubnrgia. Heute, morgen und übermorgen wird das Korps Starkenburgia, eine der ältesten htefigen Korporationen, sein 60jährigeS Stiftungsfest feiern. Sehr zahlreiche Anmeldungen Alter Herren des Korps sind zu dieser Feier eingelaufen, darunter diejenige eines der drei noch lebenden Stifter des Korps, sodaß eine sehr rege Beteiligung zu erwarten steht. Nach dem Programm beginnen die Festlichkeiten heute abend b/^9 Uhr mit einem Fackelzug mit Magnefiumfackeln im Licht der Korpsfarben, der sich in drei Abteilungen mit je einem Mufikkorps von dem KorpShauS durch nachfolgende Straßen zu dem Festlokal (Steins Garten) bewegt: Wilhelmstraße, Franksurterstraße, Seltersweg, Kreuzplatz, Mäusburg, Marktplatz, Schulstraße, Neuen- bäue, Gartenstraße, Bergstraße. In Steins Garten findet sodann Festkommers statt. Am Mittwoch ist vormittags 11 Uhr Frühschoppen auf dem Korpshaus, darauf mittags 1 Uhr gemeinschaftlicher Zug der Festteilnehmer von dem KorpShauS nach Sterns Garten, wo ein Frühstück gegeben wird, während des abends um 6 Uhr in Steins Garten ein Gartenfest, bestehend aus Militärkonzert, Beleuch ung des Gartens und Tanz, angesetzt ist. Am dritten Tag endlich vereint noch ein gemeinschaftliches Mittagessen auf dem KorpShauS die Festteilnehmer und daran anschließend Ausfahrt nach dem Schiffenberg. — Wie man uns schreibt, sollen auch zahlreiche Familienangehörige der KorpSmitglieder, insbesondere Damen, ihre Teilnahme in Aussicht gestellt haben, so daß ein sehr schönes Fest zu erwarten ist. Für sämtliche Festlichkeiten ist, da die hiesige Regimentskapelle dienstlich verhindert ist, das in weiteren Kreisen bekannte und beliebte Musikkorps des Jnf.-Regiments v. Wittich (3. Hess.) Nr. 83 zu Kassel unter Leitung des Königl. Kapellmeisters O. Große gewonnen. *• Kaufmännischer Verein. Wohl über 100 Mitglieder des hiesigen Kaufmännischen Vereins hatten sich mit ihren Damen vorgestern an dem Ausflug nach Wetzlar be- , tete Volkssänger Valette, der Verfasser revolutionärer Lieder und ein Bekannter Saisons, verwahrt sich vor dem Untersuchungsrichter entschieden dagegen, um den Anschlag auf den S ch a h gewußt zu haben. In Montceau^les-mines demon st vierten gestern abend die sozialistischen Arbeiter gegen den Präfekten, wobei auch anarchistische Lieder gesungen wurden. Rom, 6. August. Zur Trauersitzung der Kammer sind Saal und Tribünen dicht besetzt. Ter Vicepräsident und Saraceo gedenken unter dem lebhaften Beifall des Hauses des Königs Humbert. Ter Beifall wiederholt sich in gleichem Maße bei der Erwähnung der Königin Marguerita. Der Präsident verliest sodann Beileids-Adressen mehrerer auswärtiger Parlamente. Hierauf werden mehrere Anträge verlesen, die den von der Kammer beschlossenen ent- sprechcn und ebenfalls angenommen werden. Schließlich wird der Wortlaut einer Adresse an den König und die Königin-Witwe genehmigt. Die Sitzung wurde sodann aufgehoben. — Ter Ministerpräsident sagte in der Ansprache, die er in der heutigen Sitzung hielt, man habe in der Person des Königs Humbert das geordnete Staats wesen überhaupt treffen wollen. Humbert habe die Palme des Märtyrers empfangen. Die Regierung kenne ihre Pflichten vor dem Lande und der civilisierten Welt und werde nicht verfehlen, diese zu erfüllen. Auch fei die Regierung sicher, daß sie auf die Mitwirkung des Senats und die Unterstützung des gesamten Parlaments rechnen könne. — Die Beisetzung der Leiche des Königs Humbert findet am Donnerstag statt. Dem Leichenwagen werden zwei Piqueure in tiefer Trauer Voranziehen; der Wagen selbst wird von acht Pferden, deren Galaschabracken mit schwarzen Netzen bedeckt sind, gezogen. Während der Zua zum Pantheon geht, läuten die Glocken des Kapitols und des Monte Citorio. Für die Kosten der Feier hat das Königshaus eine Million Lire ausgesetzt. — Der Zug mit der L e i ch e des K ö n i g s H u m b e r t wird von dem Herzog von Aosta und dem Grafen von Turin begleitet sein. Derselbe wird am Mittwoch nachmittag 4 Uhr 27 Min. von Monza abgehen und nach kurzem Aufenthalt in Mailand, Como und Pisa am Donnerstag früh 7 Uhr 20 Min. in Rom eintreffen. — Monsignor be Wall, Rektor der deutschen Cam- posanto, ist zum päpstlichen Protonotar ernannt worden. Belgrad, 6. August. Bei dem gestrigen G a l a d i n e r waren die Mitglieder des diplomatischen Korps mit ihren Damen vollzählig erschienen. Den ersten Trinkspruch brachte der russische Geschäftsträger Mansurow auf das Königspaar aus. König Alexander erwiderte mit einem Toaste auf das Kaiserpaar von Rußland und dankte dem französischen Spezialgesandten für die Aufmerksamkeit des Präsidenten Loubet, auf dessen Wohl er trank. Der französische Gesandte Marchand erwiderte diesen Toast. Alsdann i trank König Alexander auf das Wohl der vertretenen I Souveräne. । — — . NewAork, 6. August. Auf dem Dampfer „Deutschland" beging der vierte Offizier Thiele Selbstmord. Chicago, 6. August. Gestern stießen hier Anarchisten mit Polizeibeamten zusammen. Die letzteren gingen scharf vor. 25 Personen wurden arg zugerichtet, 5 verhaftet, darunter die Witwe des s. Zt. in Chicago Hingerichteten Anarchisten Parson. I teiligt. Unter Borautritt einer mitgebrachten Musikkapelle zogen sie nach dem „Schützengarlen-, wo sie bei Konzert und geselliger Unterhaltung bis zum Abend verblieben I , .** Zuwendungen und Stiftungen an Ar- I beiter. Nach der in der Vierteljahrsschrift Arbeiter - freund" dem Organ des „Deutschen Zentralvereins für bas Wohl der arbeitenden Klassen", allvierteljährlich ver- 1 osfentlichten „Ehrentafel", in welcher die von der Rc- I daktion ermittelten außerordentlichen Beiträge für das Wohl der Angestellten und Arbeiter und für die Forderung gemeinnütziger Zwecke aufgeführt werden erreichten die im ersten Halbjahr 1900 innerhalb bcfi Deutsck)en Reiches von Arbeitgebern und von Aktienaesell- I sthaften für das Wohl der Angestellten und Arbeiter und I wr gemeinnützige Zwecke, sowie von Privaten für das Wohl der unbemittelten Volksklassen gemachten außerordentlichen A-".!?^udungen und Stiftungen den Betrag von 3, 197 705 Mk. Im ersten Vierteljahr wurde ein Betrag von 22 899 978 Mk. und im zweiten Vierteljahr ein solcher I bon 14 297 7-27 Mk. ermittelt. Die Zahl der bei diesen spenden beteiligten Faktoren beläuft sich auf 269; unter I diesin befinden sich 96 Arbeitgeber bezw. deren Rechts- I sowie Privatpersonen und 173 Aktiengesell- -v- Heuchelheim, 7. August. Ein auserlesenes, ?usi I merksames Publikum füllte gestern abend den großen Saal I der „Ludwigsburg" bis auf den letzten Platz, um dem I Konzert zu lauschen, mit dem das Kruse'sche Qartett sich für diese Saison von seinen Gästen verabschiedet. I Sämtliche Darbietungen wurden mit großem Beifall auf» I genommen. Von der ersten Nummer, dem Streichquartett I in Es-dur von Mozart, gelangen besonders gut der erste I und der zweite Satz, auch das leicht dahin tändelnde Menuett I verfehlte seine Wirkung nicht; dagegen litt die Wiedergabe I des letzten Satzes etwas durch das allzurasche Tempo. Herr H. Kruse trug mit großem Ton und poetischer Auffassung I eine Etüde von Chopin vor, die allgemein entzückte und bad I Publikum zu stürmischem Applaus hinriß, sodaß der ge- I schätzte Künstler im Laufe des Abends noch mehrere Zu- I gaben folgen ließ, die die Vorzüge seiner großen Kunst im I hellsten Licht erscheinen ließen. Besonders gefiel allgemein I die Wiedergabe der Berceuse von Godard und des Scherzos I von D. v. Goens. Auch Herr W. Kruse fand mit dem Vor- | trag der Reverie von Vieuxtemps großen Beifall, für den I der jugendliche Künstler durch ein meisterhaft gespieltes Bravourstück dankte. Das Publikum jubelte seine Lieblinge I immer wieder hervor, wohl der Ausdruck aufrichtigsten I Dankes für die genußreichen Stunden, die es dem Kruse- schen Quartett zu verdanken hat. Auch die Kritik ist in der angenehmen Lage, sich diesem Dank voll und ganz anschließen zu können und ruft den sympathischen Künstlern im Interesse unseres musikliebenden und vor allem des musikver- ständigen Publikums ein ausrichtiges „Auf Wiedersehen!" zu. I Friedberg, 6. August. Der hiesige Veteranen- und Militärverein feiert am 19. und 20. August den Gebenk- tagderSchlachtbeiGravelotte und damit zugleich die F a h n e n w e i h e. An den Festtagen findet eine Zu- i sammenkunft der ehemaligen hessischen Garbejäger । statt. Die Meldungen zur Teilnahme sinb bereits zahlreich eingegangen. — Von einem ehemaligen preußischen Offi- ; zier, ber wieberholt in unserer Nachbarstabt Bab-Nauheim I zur Kur war unb nunmehr in Tokio in Japan ist | wurde einer hiesigen Wein-Großhandlung ein Auftrag auf zwertausend Flaschen feinsten Moselweins zur schleunigsten Lieferung erteilt. Schotten, 6. August. Der gestrige Herbstausflug des Vogelsberger Höhen-Klubs nahm einen recht schönen Verlauf. Wenn auch durch die etwas zweifelhafte Witterung und verschiedene Festlichkeiten in der Umgegend der Besuch kein sehr großer genannt werden konnte, so entwickelte sich doch bald bei den Erschienenen eine recht heitere und animierte Stimmung, und der Klubwirt, ber schon mehreremal bei solchen Anlässen unter der Un^unft des Wetters zu leiden .hatte, dürfte trotzdem einigermaßen seine Rechnung gefunden haben. Noch spät wurde munter das Tanzbein geschwungen. -g- Bad Salzhausen, 6. August. In das idyllische Stillleben unseres z. Z. gut ftequentierten Badeortes brachte I das gestrige Konzert des Gesangvereins „Liederkranz" I von Gießen, wie wir gestern schon kurz berichteten, eine I recht angenehme Abwechslung. Wenn auch genanntem I Verein schon ein sehr guter Rus vorausging, so haben doch I seine gestrigen Leistungen alle unsere Erwartungen über- I troffen. Schon kurz nach Beginn des im Kursaal veran- I stalteten Konzertes war das Haus ausverkauft. Aber deffen- I ungeachtet drängten noch sortwährend kleinere und größere I Gruppen von auswärts gekommenem, kunstliebendem Publi» I kums zur Kasse, die um den Genuß des Konzertes gern I mit einem Stehplatz an den Thüren und in den Neben- I zimmern vorlieb nahmen. Schon mit dem ersten Vortrag I „Gebet vor der Schlacht" von Storch hatte es der Chor I verstanden, das Auditorium für sich einzunehmen. Die I Präzision des Einsatzes, die scharfe Nüancierung und Frische I des Vortrages, sowie die gediegene Aussprache, die in diesem I ersten und in allen folgenden Liedern zum Ausdruck kam, I kann nur das Resultat einer zielbewußten und gründlichen I Schulung sein, die den SangeSbrüdern unter der Leitung I ihres bewährten Dirigenten, Herrn Franz Bauer, zuteil I geworden ist. Rauschender Beifall lohnte die SoliS (drei I Lieder für Tenor), die in künstlerisch vollendeter Weise zur I Ausführung gebracht wurden. Ebenso fanden einige Duette I allseitig den wohlverdienten Beifall. Und als die letzte I Nummer des Programms verklungen war, da gab es nur | eine Stimme des Lobes und der Bewunderung für die I Gießener Sänger, die uns noch lange in guter Erinnerung I bleiben werden. Darmstadt, 6. August. Bei der am 30. Juli ds. IS. I stattgehabten Ersatzwahl eines Abgeordneten des im Groß- I Herzogtum genügend mit Grundeigentum angeseffenen Adels I zur Ersten Kammer der Stände ist Herr Albrecht I Riedesel Freiherr zu Eiseubach zu Sickendorf ge- I wählt worden. I .mJ: Landeslotterie. Bei der heute angefangcnen Haupt» I ä^hung fielen 1 Gewinn 30000 Mk auf Nr 17 433 - l0000 Mk auf Nr. 1442. - 3 äÄÄ Nr- N 885, „20919, 31072. - 1 4 4000 Mk. auf Nr ~ 7 4 6000 Mk. aus Nr. 2947. 13224, 13420, I ii955^ko218?P' 26714, 28297. — 9 4 2000 Mk. auf I Nr. 402, 1229, 7040, 7358, 10560 11687 19455 32906, 32 964. - 30 4 1000 Mk. aus Nr 527 3706 I 5420, 6597, 7329, 7428, 8364, 8667, 9105, 9246 9479' 117!8, 12505, 13089, 14 715, 15995, 16747, 17027' 17717, 17781, 19274, 21 801, 22939, 23447, 24 906 26123, 28503, 30506, 30536, 32040. — 47 L 500 Mk' °ufNr. 543, 778, 990, 1856, 2296, 2486, 4820, 5230 5479, 5550, 5843, 7490, 7607, 8524, 9453, 9668, 10168 I 12 £14, 10824, 12851, 13194, 13818, 14002, 14041 ’5808' 16490, 17 752, 18315, 18840, 18843, £2 A79, 20406, 20660, 21061, 21848, 22558, »2654, 25050 26 732, 27 865, 29184, 29253, 29531 I 29576, 31996. (Ohne Gewähr.) I hör sLc *n August. Arn Samstag nachmittag fischte L ^eph Baumgärtner, 23 Jahre alt' in I y,cm. Wallgraben am äußeren Mornback)er Thor. Er war, I Angcsiüatz zu erreichen, an dem Thorpfeiler hin- I N,,A"ert. Wenige Schritte von ihm stauben zwei I ^.e.u/l£e' ebenfalls fischend. Tiefe sahen, wie Baumgärtner I plötzlich von ber sehr steilen Böschung abmtschte unb in den | Wasser hoch gefüllten Wallgraben fiel. Direkt Hilfe I konnten bic bciben Freunde ber Steilheit ber I Böschung wegen nicht, weshalb sie fortliefen und Leute I ""t einem Nachen herbeiholten. Daburch verstrich eine 1 halbe ^tunbe unb als man bann ben B. herausholte war I zu spat, er war schon eine Leiche. Mau baub bie Seiche I au, holte bann erst Polizei. Als ber stellvertretenbe Kri- I mtnalkommissär durch die verspätete Nachricht erst gegen 9 Uhr emtreffen konnte, war es so finster, daß sogar wit I Hilfe von Laternen kaum etwas zu sehen war. Tas Herausholen der Leiche bereitete bie größten Schwierigkeiten, I tvegen ber Dunkelheit und bann besonbers wegen I ver Steilheit der Böschung. Ein Mann mußte angeseilt und hinabgelassen werden. Dieser brachte dann ben Verunglückten, ber über unb über mit Schlamm bebeckt war, I nncv oben.Mainz. Anz. Vermischtes. 6. August. Von ber weißen Wanb im I Raß-Gebiete stürzte ber Kaufmann Kramer aus Wien ab. Er würbe schwer verletzt aufgefunben. * W alb en bürg, 5. August. Heute vormittag sand I vtbr bie feierliche Enthüllung bes Bismarck- ? = c 5 statt. Das in Bronze geformte Denkmal ist das Werk des taubstummen Bildhauers Fritz Schneider in Charlottenburg. . * Einen bösen Ausgang hat eine Eifer- f u ch t s s z e n e g e n o m m e n, die sich am Sonntagmorgen zwischen 1 und 2 Uhr zwischen dem 27 Jahre alten frii- heren Schlächter August Seifert und seiner gleichalterigen Ehefrau Cäcilie, geb. Rapzinska, beide aus dem Kreise Ohlau gebürtig, auf dem Grundstücke Rykestraße Nr. 6 zu Berlin abspielte. Tort wohnten beide seit dem 1. Apnl b. I. im ersten Stock bes Querge.bäubes. In biefer Beit ist es zwischen ben Eheleuten, bie brei Jahre chit- einanber verheiratet finb, oft zu Streitigkeiten gekommen. I Die Ursache bilbeten stets Eifersüchteleien von beiben Seiten, die meistens nach dem beiderseitigen Genuß von geistigen Getränken zum Ausbruch kamen. Auch am Samstag war dies der Fall. Die Eheleute hatten sich bis nach Mitternacht in einer Gastwirtschaft in demselben Hause aufgehalten und in voller Eintracht befunden, bis Frau Seifert beim Abschied mit einem Schlosser in einem Hiifter- jimmer um bas Billarb tanzte. Balb barauf brach beim Abendbrot tn ber Wohnung ein lebhafter Streit aus, ber in Thätlichkeiten auslief; ber Mann benutzte einen Ausklopfer zur Züchtigung ber Frau, biese wieberum warf eine brennendePetroleumlampe nach ihm, bie in Scherben auseinanberslog. Balb hörte man bie Frau aus einem Fenster heraus schreien, und kurz barauf stürzte sie kopfüber auf ben asphal tierten' Hvf hinab. Dort blieb sie mit zerschmetterten Kniescheiben unb mit inneren Verletzungen hegen. Nachbarn eilten hinzu; ber Hauswirt holte Hilfe vom 81. Polizei- Revier, unb bieses ließ bic Schwerverletzte, bie überdies! guter Hoffnung ist, nach bem Krankenhaus im Friebrichs- hain bringen. Frau Seifert, bie bei Besinnung war, be» schulbigte ihren Mann, baß er sie, währenb sie sich am Fenster festgehalten habe, in ber Wut bei ben Beinen gepackt unb kopfüber aus bem Fenster geschlenbert habe. * Königsberg, 5. August. Bei ben Rennen in Karolinenhof stürzte Leutnant Gamv-Allen- ftein und zog sich dabei einen schweren Schäbelbruch zu. Es ist wenig Hoffnung vorhanben, baß ber Verunglückte am Leben bleibt. i Arbeiterbewegung. Berlin, 6. August. Die Lieferungen für die Ausrüstung der Chinattuppm haben die MililSr-Effekten-Sattler Berlins viranlaßt, in eine Lohnbewegung zu treten. Vornehmlich handelt eS sich um Anerkennung deS NeunstundentageS und des Mintmal- LohntarifeS. Eine Versammlung beschloß am SamStag, den Arbeitgebern bis zum Dienstag Frist zu gewähren. Sind bi« dahin die Forderungen nicht bewilligt, so soll der Generalstreik erklärt werden. Am Mittwoch findet wieder eine Versammlung statt, tn der end- giltige Beschlüsse gefaßt werden. Eine Urabstimmung hat mit übergroßer Majorität stch sür den Streik erklärt. Aanbel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. Gieße«, 7. August. Der heutige Rindermarkt hatte einen Auftrieb von 12—1300 Stück, darunter etwa Ve Kälber. Beeinflußt durch die überall gesteigertm Milchpretse und auch durch den starken Bedarf von Milch, besonders in den Badeorten, machte sich der Handel in Milchvieh überaus flott. DaS aufgetriebene Vieh des diesmaligen Marktes war in Qualität durchschnittlich überaus gut, bester als beim letztm Markte. Händler aus Rheinhessen und Rheinpreußen, sowie von der Steg kauften gleich zu Beginn des Marktes ganze Transporte und brachten daburch Leben tn den Handel. Auch da» Geschäft in Kälbern machte stch ausgezeichnet, da für schwere Waren R.flrktanten sür Frankfurt a.M. und Bad-Nauheim an den Martt gekommen waren und hohe Preise dafür anlegten. Junge «»gehende Mastrinder erzieltm, trotzdem die Nachfrage darnach nicht lebhaft war. doch gute Preise. Es wurde gehandelt: Kübe, frischmelkend und traaend, einzelne schwere Exemplare, 450—500 Mk., L Ware 380 - 440 Mk., II. Qualität 260-300 Mk., altere Abmelkkühe waren verhältnismäßig wenig vorhanden, aber auch schwer zu lohnenden Preisen an dm Mann za bringen. Junge Rinder gingen zu 180—220 Mk. fort. Kälber erzieltm pro 100 Pfund Schlachtgewicht: beste schwere Ware 68-72 Mk... Mtttel-Ware 60—65 Mk., geringere Tiere 56 - 60 Mk. Der Markt blieb nur wenig über> ständig. — Es besteht die Absicht, außer den gewöhnlichen Bteh- mL'kten, die wir Haden, einen Markt etnzurichttn, auf dem nur Rassevieh aufgetrieben werden soll. In dm maßgebenden Kreisen denkt man sich diesen Markt mit dem Pferdemarkt zusammen zu verbinden. Sletzeu, 4. August. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 1.20—1.30, Hühnereier per St. 6—7 A. 2 St. 11—13 H, Enteneier 2 St. 14—16 A. Gänse» eier per St. 11—12 H, Käse 1 Sr. 5—8 Käsematte 2 St. 5—6 4, Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 32 A, Tauben per Paar X 0.75—0.90, Hühner per St. X 1.20—2.00, Hahnen per 6tüd X 0.70—1.30, Enten per St. X 2.00—2.20, Gänse per Pfund X 0.00—0.00 Ochsenficisch per Pfd. 68—74 H, Kuh» und Rindfleisch per Pfd. 62—64 A Schweinefleisch per Pfd. 50—70 4, Schweine» fleisch, gefallen, per Pfd. 74 H, Kalbfleisch per Pfd. 64—66 A, Hammelfleisch per Pfd. 50—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 biS 5.00 X, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. X 5.00—9.00, Milch per Liter 16 A* Kirschen per Pfund 12—15 Ä- Hruesir Meldung» Berlin, 7. August. Die Kaiserlichen Prinzen werden am Donnerstag von Wilhelmshöhe nach Plön zurückkehren. Berlin, 7. August. In Hamburg war die gesamte politische Polizei gestern alarmiert worden, um mehrere Anarchisten abzufangen, die über Hamburg nach Deutschland mit geheimen Aufträgen reisen sollten. Die Anarchisten hatten aber, wie festgestellt wurde, ihren Weg über Antwerpen eingeschlagen. — In Leipzig hob die politische Polizei mit Unterstützung von Gendarmen und Gemeinde-Polizei im Vorort Leutzsch eine geheime Anar- chisten-Bersammlung aus. 15 Teilnehmer derselben wurden sistiert, aber wieder entlassen, da sich ihnen nichts strafbares nachweisen ließ. München, 7. August. Gestern sand hier eine Trau erfrier für König Humbert statt, an der 4000 Italiener teilnahmen. Es wurde eine Beileids-Depesche an König Viktor Emanuel und an die Königin-Witwe Mar- guerita gesandt. Mailand, 7. August. Der Prozeß gegen Bresci soll aus das möglichste beschleunigt werden und dürfte wahrscheinlich noch in diesem Monat vor das Mailänder Schwurgericht kommen. Der Prozeß wird einen Aufschub durch die Nachforschungen nach den Mitschuldigen BreScib erleiden. Durch die Untersuchung ist festgestellt worden- daß von Genf aus ein eigener Korrespondenzdienst nach Patterson errichtet worden ist. Die Genfer Polizei wußte, daß ein Attentat oder eine Reihe von Attentaten vorbereitet wurden, konnte aber die Richtung nicht ermitteln. MaUaud, 7. August. Bei der Frauenmesse, die gestern im Humbert-Spital in Monza gelesen wurde, sprach Der Priester zum ersten Male das von der Königin Marguerita verfaßte Gebet. Petersburg, 7. August. Der Stabs-Kapitäy der Artillerie,. Koslow, hat ein weittragendes Geschütz erfunden, das aus eine Entfernung von 16 Werst noch einen Erz- Panzer von 6 Zoll durchschoß. Die Resultate waren glänzende. Die Fachleute sind entzückt von der Erfindung» WrMWiIieM^W und höher — 14 Meter! — Porto- und zollfrei zugesandt! Muster umgehend; ebenso von schwarzer, weißer und farbiger „Henneberg-Seide" von 75 Pfg. bis 18,65 per Meter. 122 G. 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