Sonntag den 8. Juli 19Ot 4648 O Amts- und Anzeigeblutt Mr den Ureis Gieren Still* Itz • ZSejugspreis dierleljährl. Mk. LM monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohnr durch die Abholestel« Vierteljahr!. Mk. IM monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljShvt. mit Bestellgeld. Alle Lnzeigen-BermittlungSstellen M Iw> und ÄullonK vehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tnigegta. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., anSwLrl» 20 Pfg. niHÜf - Expedition und Drucker«: Nr. 7. Gratisbeilage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Matter für hestifche Volkskunde. ________ men Geruch. 22 4 teeeetee Anzeige« zu der nachmittag» Mr de» ßalgmde» Lag «rfchcknenden Nummer 64» norm, 10 Uhr. »desteLungen spätesten» abend» vorher. tft d Härten, i an Prämie 5.- 10— 0.- Iftmft erteil« ö «ipsehlm 2)88 ih] M. 157 Viertes Blatt aufbesserungen von über 2 Millionen für die nächsten drei Jahre verloren. Wie dankbar aber wäre man in den Lehrerkreisen der Regierung, wenn sie ihren Starrsinn aufgäbe. Diese Beugung unter den Willen der Mehrheit der Kämmer wäre für sie kein schmählicher, sondern ein ehrenvoller Rückzug. Darum wollen wir im Interesse der hessischen Lehrer doch noch das beste hoffen. Mit der Mehrheit, d. h. für den reduzierten Antrag Backes stimmten die Abgg. Bähr, Berthold, Brauer, Brunner, Cramer, Dr. David, Diehl, Eck, .Haas-Mainz, Haas-Offenbach, Häusel, Joutz, MöNtnger, Pitthan, Rau, Ripper, Schönberger, Dr. Schvoeder, Schubart, Schmol- bach, Ulrich, Weidner, dagegen, d. h. für den Antrag Mol- than: die Abgg. Backes, v. Brentano, Euler, Dr. Frenay, Dr. Gutsleisch Horn, Köhler-Langsdorf, Korell, Molthan, Noack, Graf Oriola, Schlenger, Schvreel, Dr. Schmckt, Schönfeld, Seelinger, Weith, Leun und Wolf. GrscheNü UgM mit Lu»»ahmk de» SRoRtae». Die Gießener werben de« Anzeiger te Wechsel dH ,Heff. gaubtoirt* n. „Blätter str Heß. Volkskunde- Wpchtl. 4««l beigelegt. Die Wirren in China. Ein Schreiben des britischen Gesandten Sir Claude Macdonald, der die Ermordung des Freiherrn v. Kettel er bestätigt und mitteilt, der ihn begleitende Dolmetscher Cordes sei lebensgefährlich verwundet worden, ist vom 20. Juni datiert. Es ist an den britischen Konsul in Tientsin gerichtet und von dem dortigen deutschen Konsul übermittelt worden. Seltsamerweise taucht in diesem Schreiben wieder ein neues Datum auf, denn es nennt als den Tag der Blutthat den 20. Juni. Die Frage, wie es zu erklären ist, daß das amerikanische Bureau Laffan schon ant 17. Juni die Ermordung des deutschen Gesandten gemeldet hat, muß somit aufs neue gestellt werden. Ob sie jemals ausreichend beantwortet werden kann, wird davon abhängen, ob einer oder der andere Ausländer, der imstande ist, den über die Vorgänge in Peking gebreiteten Schleier zu lüften, mit dem Leben davonkommt. — Reuters Bureau erfährt, daß in Beantwortung einer telegraphischen Anfrage über das Schicksal der Fremden in Peking das folgende Telegramm aus maßgebender Quelle in Shanghai eingetroffen ist: „Bereitet euch vor, das schlimm st e zuhören!" Nach Telegrammen aus London hat der englische Konsul in Shanghai Nachrichten aus Peking empfangen, die bis zum 1. Juli reichen und wonach an diesem Tage die Legationen noch in der englischen Gesandtschaft belagert, aber in verzweifelter Situation waren. Danach gingen den Fremden am 1. Juli abends die Munition und Lebensmittel aus, und die englische Gesandtschaft wurde von den Angreifern im Sturm genommen. Zahllose Massen fanatischen Pöbels drangen in das Gebäude ein. Mann für Mann fiel, und endlich konnten sich die Angreifer, wilden Bestien gleich, auf Frauen, Kinder und Zivilisten stürzen, um ein entsetzliches Blutbad unter ihnen anzurichten. Es heißt, die Männer hätten nach Verbrauch der übrigen Munition wenigstens so viel Patronen in ihren Revolvern behalten, um im äußersten Notfälle ihre Frauen und Kinder selb st töten zu können, damit sie nicht den entsetzlichen Grausamkeiten der chinesischen Soldateska preisgegeben würden. — Dieser Bericht zirkuliert gleiche- zeitig in Shanghai, Tschifu und Tientsin. Die gleichen Schreckensnachrichten meldet auch „Daily Mail". Man betrachte es als ausgemacht, daßalleEuropäerinPe- kingumgebracht worden seien. Wenn einst die Einzelheiten der entsetzlichen Vorgänge ans Licht kommen würden, so würde bte Welt starr von Entsetzen sein. Ein anderes Telegramm besagt, daß das kaiserliche Zollamt in Peking von den Aufständigen nieder- gebrannt worden sei. Der Generalzollinspektor, Sir Robert Hart, sei in die englische Gesandtschaft geflüchtet. Der Vizekönig von Nanking, Lin, soll, englischen Quellen zufolge, das Erscheinen einer englischen Flotte vorder Yangtsemündung dringend wünschen. „Daily Expreß" hat erfahren, die chinesischen Generale seien im Begriff, den Feldzugsplan auszuführen, den deutsche Offiziere im vorigen Jahre entworfen, als China den Krieg mit R u ß l a n d für möglich hielt. In London ist die angebliche zuverlässige Nachricht ein- gettoffen, in der Hauptstadt hätten sich sämtliche Prinzen des kaiserlich,en Hauses den Boxern angeschlossen. Ist das richtig, so wird sich die Strafe der Mächte auf die ganze Mandschiudynastte auszudehnen haben. Auch ein von einem italienischen Offizier aus Taku in Rom eingetroffenes Telegramm bestätigt die E r m o r d - ung sämtlicher Europäer in Peking. Die Weserzeitung veröffentlicht folgendes Telegramm des Hauses Melchers u. Co. in Shanghai, das auch den Nordd. Lloyd vertritt, vom 6. Juni: „Wir haben Grund zu glauben, daß alle Fremden in Peking umgebracht sind. Die Rebellion Die N«lkssch«Iithkkrgkhältkr im tzMchen fanbiege. So ist denn also der unveränderte Antrag Backes von.' der Zwecken hessischen Kammer wiederum ange- itommen worden und der Konflikt zwischen Regierung Lind Landtag fertig. Was sich, in dem Zwischenakte gestern mittag, in der Zeit zwischen der ersten und zwecken Sitzung »unter den Coulissen zugetragen hat, geht aus dem heutigen Bericht ziemlich, klar hervor. Offenbar haben Verhandlungen zwischen der Regierung und der nationalliberalen Bartei stattgefunden und dabei hat sich die Regierung als die standhaftere erwiesen. Sie hat aber schließlich! doch nicht den Anttag Backes zu Falle bringen können und ist unterlegen. Die schroffe Stellungnahme der Mehrheit der Zweiten Kammer ist durch den Starrsinn der Regierung veranlaßt worden. Selten wohl — ivir erinnern uns allerdings an ähnliche Vorgänge im sächsischen Landtage, als dort auch die Lehrerbesoldungen zur Beratung standen — ist es geschahen, daß, wenn bei Neuordnung von Beamtenbesoldungen angesehene Männer des Landtages über die Regierungsvorlage hinausgehen wollen, die Behörde nicht mit Freuden darauf einging und für ihre Beamten davon nusgiebigen Gebrauchs machte. Statt die Bereitwilligkeit der ganzen Kammer dankbar anzuerkennen, begnügte sich die Regierung mit wohlwollenden Worten, die zwar sehr schön, aber auch ebenso wertlos waren; sie blieb hart wie Stein. 9hm hat die Regierung mit ihrer ablehnenden Haltung Erregung und Unzufriedenheit in die Reihen der Lehrer getragen. Der selige Reichsfinanzminister von Beckerath streute anno 1848 Blumen in die erwiesenermaßen dürren Reichs- finanzen. Unser Finanzminister Küchler schilderte noch vor nicht allzu langer Zeit die Finanzlage Hessens in blumigster Weise, um fyann plötzlich mit seiner merkwürdigen Erklärung in Eisenbahndingen zu kommen, die genau das Gegendeck besagte von dem, was man bisher aus seinem Munde entnommen hatte. Der Finanzausschuß der Zweiten Kam- iner hat einsttmmig anerkannt, daß Staatsmittel genügend Händen sind. Die Regierung aber sagt: für die Volksschullehrer sind sie nidjft da! Es gefällt ihr nicht, da, wo ihr einmal eine solche Gelegenheit geboten ist, an der Spitze der deutschen Staaten zu Marschieren. Es macht fast den Eindruck, als ob man den Lehrern gern eine Kleinigkeit bewilligen wolle, nur um spätere Einwendungen aus Lehrerkreisen bequem und leicht zurückweisen zu können hat dem Bedeuten, was die Lehrer eigentlich wollten, sie seien doch um so und so viel Prozent aufgebessert worden. Selbstverständlich müssen die Prozente kräftig in die Dingen fallen, wenn zu der kläglichen Besoldung des Volksschullehrers ein paar hundert Mark zugelegt werden. Aber dadurch wird die Thatsache des Mißstandes unter den Lehrern nicht aus der Welt geschafft. Es ist zu befürchten, daß die Regierung auf ihrem Standpunkte beharren wird. Wenn unter solchen Umständen Unzufriedenheit und Erbitterung unter den hessischen Nolksschnllehrern entstehen, so wird das wohl kein billig denkender Mann ihnen verargen. Trotz alledem wird, deß sind wir gewiß, der unbesiegbare Idealismus im Volksschullehrer, der zum Wesen eines kräftig aufwärts dingenden Standes gehört, keine Einbuße erleiden. Die Volksschullehrer werden auch in Zukunft ihre Pflicht ithun und genau wie vordem in den breiten Volksschichten den Unterbau zu liefern sich bestreben, der allein die festen Stützen bietet für Thron und Altar. Aber ebenso werden sie auch weiter kämpfen gegen alle süßen Liebesbeteuer- rmgen für die soziale Hebung ihres Standes. Bemerkenswert ist, daß auch in der Ersten Kummer s ich zwei Stimmen für den Beschluß der Zweiten Kanckner gefunden haben, und ein anderes Mitglied der Ersten Kammer, irr Vertreter unserer Universität, Prof. Dr. Arthur Schmid t, hat ebenfalls, wie wir nachträglich erfahren, durchaus nicht ohne weiteres die Regierungsvorlage vertteten. Er hat ausdrückliche erllärt, daß er persönlich nicht anstehen werde, für den Antrag Backes zu stimmen, daß er dies jedoch nicht thue, weil er diesen Antrag für aussichtslos halte und das Zustandekommen d»es Gesetzes als erstes erstrebenswertes Ziel ansehe. Er hat sich dann für den Anttag Molthan in der Sitzung vom 4. Juli ausgesprochen, nachdem die Regierung in der Ersten Kammer erklärt hatte, den Antrag Piolthan aceep- tieren zu wollen. Das Ergebnis der Verhandlungen der Kammern ist also vor der Hand, daß die berechtigte und lang ersehnte Gehaltsaufbesserung der Volksschullehrer für die nächsten drei Jahre ein frommer Wunsch gewesen ist, wenn die Aiegierungsichjetztdochnichtnoch entschließt, suhl den Wünschen der Ersten Kammer zu fügen. Sehr bndcmerlich wäre es, wenn sie die Vorlage zurückzöge. Da n.achi be$i landständischen Bestimmungen für die Dauer v«s jetzigen Landtages von keiner Seite und unter keiner anderen Form eine ähnliche Vorlage gemacht werden kann, sw gingen unter diesen Umständen den Lehrern die Gehaltsitn Norden von China breitet sich aus. Die Fremden in Tientsin werden die Stadt verlassen müssen, da neue chinesische Angriffe erwartet werden. Die Unruhen in Schantung nehmen zu. Wir sehen jedoch, noch keinen Anlaß zu Besorgnissen für das Yang- tsegebiet und Schanghai, da die Vizekönige von Wutschang und Nanking die Befehle der gegenwärtigen Machthaber in Peking nicht anerkennen. Auf alte Fälle ist die Lage der Dinge jedoch, sehr ernst". Die Provinz Schantung ist bekanntlich deutsche Interessensphäre. Es sieht aber auch« dort keineswegs zum besten aus. Die deutschen Eisenbahn- und Bergbauten int Innern haben teilweise eingestellt werden müssen, aus der Hafenstadt TMfu wird gemeldet, daß durchs zuziehende Aufrührer und, was noch schlimmer ist, durch das dort stehende chinesische Militär erhebliche Besorgnisse vor einer Störung der bisherigen guten Beziehungen zwischen den Europäern und der eingeborenen Bevölkerung hervorgerufen worden sind, und auch das Verhalten des chinesischen Gouverneurs von Schantung, der über etwa 10000 europäisch ausgebildete Truppen verfügt, ist in hohem Grade verdächtig. Jedenfalls hat er sich noch nicht dem Auftreten der vier Vizekönige unzweideutig angeschilossen. Hoffentlich, reichen die deutschen Streitttäfte aus, um jeden Versuch! die öffentliche Ruhe in Schantung zu stören, sofort und nachdrücklich niederzuschlagen, damit nicht der Aufstand in per Deutschen Interessensphäre, weitere Nahrung' gewinnt, insbesondere damit er nicht in das eigentliche deutsche Schutzgebiet von Kiautschou übergreift. Wenn es auf diese Weise gelingt, den eigentlichen Herd des Aufstandes auf die Provinz Tschjli zu beschränken, so wäre schon ein großer Erfolg erzielt. Man wird dann hoffen dürfen, daß, sobald die internationalen Streitttäfte auf eine ausreichende Stärke gebracht sein werden, die Niederschlagung des Aufstandes umso rascher erfolgen wird, als den Chinesen doch mit der Zeit die vom Auslande bezogenen Munitions-Vorräte ausgehen werden. Für die ausländischen Staaten wird es vor allem wichtig sein, recht bald eine Verständigung darüber zu erzielen, daß jede Ausfuhr von Waffen und Munition nach, China nach'drück- lich verboten wird. Auch, ist die internationale Flotte in den chinesischen Gewässern jetzt so stark, daß es verhältnismäßig leicht halten wird, die Einfuhr in die chinesischen Häfen zu überwachen und jede nennenswerte Ein- schmuggelung von Kriegsvorräten zu verhindern. Gelingt es dann noch weiter, die vier Vizekönige in ihrer Gegnerschaft gegen den Aufstand und gegen die Fremdenaustreibung zu bestärken, so dürfte allmählich wieder irgend eine Regierungsgewalt in China sich, aus dem gegenwärtigen Chaos herauskrystallisieren, die den Mächten gegenüber die Verantwortung für die weitere Entwickelung zu übernehmen vermag. Solange wie das jetzige Chaos andauert und die chinesische Regierungsgewalt in der Versenkung verschwunden bleibt, ist für die europäischen Mächte nichts anderes zu thun, als ihre Waffenmacht so zu verstärken, daß sie der Bekundigung ihres einheitlichen und einträchtigen Willens die unbedingte Sicherheit der Vollstreckung verbürgen. Der deutsche Kaiser telegraphierte an den Ches des Kreuzergeschwaders, an den Gouverneur vons Kiautschou und an die Vizekönige von Nanking und Wutschang, er v erpf lich te sich aus sein kaiserliches Wort, für jeden in Peking eingeschlossenen Fremden, gleichviel welcher Nationalität er sei, der lebend einer deutschen oder sonstigen fremden Behörde ausgeliefert werde, demjenigen, der die Auslieferung lebend herbeiführt, 1000 Taels auszuzahlen. Auch übernimmt der Kaiser alle Kosten, die jedwede Uebermittelung seiner Zusage nach Peking verursacht. Auf Allerhöchsten Befehl verbleibt der Kreuzer Condor in Afrika; der zu seiner Ablösung bestimmte Bussard sowie der kleine Kreuzer Schwalbe haben sich schleunigst nach China zu begeben. —n Auf kaiserlichen Befehl haben zahlreiche Reservisten der deut-schen Marine aus dem Jahrgang 1895 Gestellungsordres erhalten und sind sofort nach Wilhelmshaven abgereist, wo sie sich am Freitag zu melden hatten, um nach ihrer Einkleidung! voraussichtlich sofort mit dem Kanonenboot „Luchs" die Reise nach Ostasien anzutreten. Unter diesen Leuten befindet sich auch ein Reservist, der seinerzeit die Todesfahrt auf dem alten „Iltis" mitgemacht hat und glücklich gerettet wurde. Bezüglich des Aufenthaltes der ersten Panzer- Division in Ostasien rechnet die deutsche Marinebehörde offenbar mit einem längeren Zeitraum. Es wurde nämlich, wie man aus Siel meldet, den Schiffen außer der etatsmäßigen Kriegsmunition, für ein Jahr reichende Uebungsmunition überwiesen, damit sie die nächstjährige Schießübung in den chinesischen Gewässern erledigen können. Gießener Anzeiger General-Anzeiger Ndcesi« für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 5L Die Division hat gestern abend die Uebernahme der Munition und des Inventars beendet. — In Wilhelmshaven sind sämtliche Offiziere für das Ersatzbataillon eingetroffen. — Die neu zu formierenden beiden Seebataillone erhalten vorläufig nur Friedensstärke. * . * Telegramme deS Gießener Anzeigers. Berlin, 7. Juli. An maßgebender Stelle ist auf die die Berufung des Bundesrats und des Reichstages zur Beratung über die chinesischen Wirren im letzten Moment definitiv verzichtet worden. Kiel, 7. Juli. Der Kreuzer „Hela" hat ferne Kriegs- ausrüstung beendet. Die Linienschiffe haben ihre Krregs- munilion und Kohlen-Uebernahme abgeschlossen. Heute werden die Torpedo und Schraubenflügel an Bord genommen. Jedes Linienschiff besitzt 260 Handwaffen. Die China Division kann ein Landungsgeschwader von 1500Mann abgeben. Die Seeklar-Besichtigung durch den Kaiser findet heute nachmittag statt. Das Auslaufen der Division ist auf montagvormittag 10 Uhr verschoben. Der Kaiser begleitet die Division bis zur Nordsee. DaS Kanonenboot „Luchs" geht heute mittag, der Kreuzer „Bussard" Montag ab. Auch der kleine Kreuzer „Schwalbe" hat Befehl bekommen, schleunigst nach China zu gehen. Brüssel, 7. Juli. Nachrichten, die dem Ministerium des Aeußeren zugegangen sind, besagen, daß der deutsche Gesandte Freiherr v. Ketteler 18 Stunden lang gefoltert, und daß der belgische Gesandtschaftssekretär in Peking, Merghelinck, gleichfalls nach furchtbaren Majrtern hing'emordet worden ist. London, 7. Juli. Aus Hankau wird gemeldet, der Vizekönig hat die fremden Vertreter durch Vermittelung des chinesischen Gouverneurs benachrichtigt, daß, welche Wendung die Dinge auch nehmen mögen, er und der Vizekönig von Nanking alles aufbieten würden, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und das Leben der Europäer im Aangtse-Thale zu schützen. Er ersuche nur die Großmächte, keine weiteren Truppen zu landen. London, 7. Juli. Hier verlautet, die britische Regierung habe vorgeschlagen, daß Japan eine hinreichende Streitmacht für den unverzüglichen Vormarsch nach Peking zur Verfügung stellt. Salisbury habe auch bereits die Zustimmung Deutschlands, Italiens und Oesterreichs dazu erlangt, nur Rußland und Frankreich zauderten noch. Rom, 7. Juli. Das Resultat des gestrigen Ministerrats wird strengstens geheim gehalten. Fest steht nur, daß das Ministerium definitive Beschlüsse faßte bezüglich der Intervention in China, nach einer mit den Mächten getroffenen Vereinbarung. Die Absendung einer Brigade wird von den offiziösen Blättern entschieden dementiert. Dem Dementi widerspricht aber, daß die Regierung telegraphisch bei der Navigatione Jtaliana die Bereithaltung mehrerer großer Transportdampfer angeordnet hat. Petersburg, 7. Juli. Der russische Gesandte in Peking soll ebenfalls ermordet worden sein. Die russische Regierung zögere nur noch, die Nachricht offiziell bekannt zu geben. Der Krieg in Südafrika. In Londoner Blättern wird noch immer eine Unmasse von Zuschriften über die Krankenpflege abgedruckt, darunter auch manche, und das sind augenscheinlich die zuverlässigsten, die die von uns mitgeteilten Angaben vollauf und mehr bestätigen, als erquicklich zu lesen ist. Am 4. Juli machten die Buren einen verzweifelten Versuch, Ficks bürg wieder zu besetzen. Um Mitternacht fand ein heftiges Gefecht statt, das stundenlang dauerte; auch bei Senekal wurde gekämpft. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Pretoria vom 5. d. Mts.: Der erfolgreiche Abschluß der Operationen im Freistaate, der es ermöglicht, General Botha anzugreifen, wird täglich erwartet. ES scheint, daß General Botha Schwierigkeiten hat, die Buren zusammenzuhalten. Die Abordnung der Burenrepubliken ist jetzt in Frankreich, und zunächst in Havre, vom Senator Pauliat und dem Präsidenten des französischen burenfreundlichen Komitees empfangen worden. Pauliat hieß die Abordnung willkommen, wobei er sagte, alle Herzen iu Frankreich schlügen beiden südafrikanischen Republiken entgegen; alle Franzosen wünschten von Herzen, daß die Republiken die Freiheit behalten möchten. Durch ihren Opfermut gewannen die Buren die Bewunderung und Hochachtung Frankreichs. Von Havre begab sich die Abordnung nach Paris, wo sie auf dem Bahnhofe von dem Präsidenten des Gemeinderats und mehreren Senatoren empfangen wurde. Auf der Fahrt nach dem Hotel wurde die Abordnung von dem Publikum lebhaft begrüßt. Einige Personen, die feindliche Rufe gegen England ausstießen, wurden verhaftet, nach der Aufnahme eines Protokolls aber wieder freigelassen. • * • Telegramme des Gießener Anzeigers. London, 7. Juli. Aus Pretoria verlautet gerüchtweise, die Bluren hätten Utrecht besetzt. Berlin, 6. Juli. Der Kaiser arbeitete gestern in Brunsbüttelkoog mit den Vertretern der Kabinette. Die „Hohenzollern" blieb die Nacht in der Schleuse bei Brunsbüttel. Heute früh begab sich der Kaiser durch den Kanal nach Kiel, wo er am Nachmittag eintraf. Au der Fahrt arbeitete der Kaiser mit dem Vertreter des Auswärtigen Amtes, Fürsten Eulenburg, und erledigte nach seiner Ankunft in Kiel pn Bord Regierungsängelegenheiten, Zur Abendtafel waren Prinz Heinrich und das Gefolge geladen. — Staatssekretär Graf Posadowsky, der vom Kaiser vom 3. ds. pb beurlaubt war, hat den Antritt des Urlaubs bis auf weiteres verschoben. — Wie der „Reichsanzeiger" meldet, wurde dem Un- terstaatssekretär im Justizministerium Dr. Nebe - Ps I n g- tädt die nachgesuchte Entlassung aus dem Justizdienst mit Pension gewährt und der Präsident des Oberlandesgerichts in Marienwerder, Dr, Küntzel, zum Unter- taatssekretär im Justizministerium ernannt. — Für die Eröffnung des Fernsprechverkehrs zwischen Deutschland und Frankreich sind jetzt die näheren Bestimmungen seitens des Reichspostamtes getroffen worden. Im ganzen werden zunächst vier Leitungen hergestellt. Dresden, 6. Juli. Wenn das Befinden des Königs sich auch in erfreulicher Weise besserte, so ist, wie das Hofmarschallamt mitteilt, die Besserung dochnoch nicht so weit vorgeschritten, daß sie dem König gestattet, die Huldigung des Festzuges des 13. deutschen Bundesschießens entgegenzunehmen oder den Festplatz zu besuchen. Der König wird von dem Prinzen Georg vertreten werden. Homburg v. d. H., 6. Juli. Die Prinzen Eitel Fritz und Adalbert sind von Plön kommend heute vormittag hier eingetroffen. München, 6. Juli. Nach der „Allg. Ztg." folgt der bevorstehenden Publikation des Fleischbeschaugesetzes bald die kaiserliche Verordnung, die die E i n f u h r v o n W ü r - ten und Büchsenfleisch? verbietet. Straßburg i. E., 6. Juli. Der frühere sranzö - ische Unteroffizier Cucourbeil, der in Nancy unter dem Verdacht verhaftet worden war, den deutschen Militärbehörden wichtige militärische Geheimnisse verraten zu haben, wurde infolge Mangels an Schuldbeweisen in Freiheit gesetzt. Paris, 6. Juli. Die heutige Kammersitzung ver- ief sehr stürmisch. Der Nationalist Lasies stellte die Regierung zur Rede über angebliche Ungerechtigkeiten im Gerichtswesen. Er erging sich in so heftigen und unpassenden Redensarten, daß er vom Präsidenten zweimal zur Ordnung gerufen werden mußte. Als er schließlich erklärte, die Kammer habe das Diktaturkabinett satt, wurde er vom Präsidenten ausgesordert, die Rednertribüne zu verlassen. Der Abgeordnete weigerte sich edoch, worauf der Präsident seinen Hut nahm und die Sitzung für auf gehoben erklärte. Hierauf entstand ein großer Tumult. Lasies rief dem sich entfernenden Kabinettschef Waldeck-Rousseau zu, er sei ein Judas. Die Linke geriet hierüber in solche Aufregung, daß einige Abgeordnete auf die Tribüne stürzten, um Lasies von der Tribüne zu reißen. Es kam zwischen Abgeordneten verschiedener Parteien zu einem Handgemenge, auf beiden Seiten wurden Schimpfworte gewechselt. Lasies stand mit verschränkten Armen auf der Rednertribüne. Der Tumult dauerte in den Wandelgängen der Kammer fort. Nach einet Stunde wird die Sitzung wieder aufgenommen. Lasies ist noch immer mit verschränkten Armen auf der Tribüne. Mit bewegter Stimme bittet Präsident D e s ch a n e l seine Kollegen um Beistand in der Aufrechterhaltung des Reglements. Durch Szenen wie die vorhergehende werde das Parlament entehrt, würde Frankreich vor dem Auslande schwer getroffen. Lasies erwidert hierauf heftig. DeSchanel selbst habe die Ehre deS Parlaments beeinträchtigt. Die Freiheit des Wortes fei die erste Würde, und die habe er als Präsident nicht beachtet. Die Abstimmung über die Erteilung der Zensur sei zweifelhaft gewesen, und er habe ihn nur eigenmächtig vergewaltigt. DeSchanel verwahrt sich dagegen. Seine Stimme zittert vor Erregung; er appelliert an alle Parteien, um zu bezeugen, daß er stets den weitesten Liberalismus geübt habe. Der Nationalist Holtz und der Monarchist de Lanjuinais lassen sich bann in eine Diskussion darüber ein, ob der Präsident reglementmäßig gehandelt habe, worauf dieser den Gegenbeweis führt. Die Kammer wird dann über die Fixierung des Datums für die Diskussion der Interpellation befragt. Auf Antrag der Regierung wird die Interpellation bis nach Erledigung aller andern Interpellationen verschoben. Die Abstimmung erfolgte mit erhobenen Händen, worauf der Zwischenfall erledigt ist. — Senator Fabre hat gegen die „Libre Parole" Strafantrag gestellt, weil sie die 153 Senatoren, die gestern dafür gestimmt, daß die Rede Waldeck-Rouffeaus angeschlagen werde, als Schurken bezeichnet hatte. Er verlangt die Wiederrufung dieser Beleidigung durch 200 Zeitungsinserate. — Der „Soir" meldet: Nach einem Telegramm aus Dschibuti griffen die Somalis am 16. Juni zwei Posten der im Bau begriffenen Eisenbahn an. 18 Personen, darunter 8 Italiener, 2 Griechen und 8 Abessynier, wurden niedergemetzelt. Madrid, 6. Juli. Finanzminister Billaverde hat demissioniert. An seine Stelle tritt Gras v. Bernar. Krakau, 6. Juli. DaS Kriegsministerium verbot den Militärärzten die Beteiligung an dem hier am 21. b. M. stattfindenden Aerzte-Kongreß. Helfingfors, 6. Juli. Die Weigerung des finländischen Senats, den kaiserlichen Erlaß bctr. die Einführung der russischen Sprache als offizielle in Finland zu veröffentlichen, erfolgte nach einer offiziösen Kundgebung deshalb, weil der Erlaß nach der Meinung des Senats der Verfassung Finlands widerspreche. Nach Durchführung des Erlasses würde die höhere Verwaltung Finlands in einigen Jahren von russischen Beamten besetzt sein. Von 3 700 000 Bewohnern Finlands sprächen nur 7000 russisch. Kansas City, 6. Juli. Die demokratische Nativ- nalkonvention nahm die Platform an. Dieselbe macht den Imperialismus zum Hauptgegenstand des Wahlkampfes und erklärt, der Imperialismus auswärts führe zu Hause schnell zum Despotismus. Sie wendet sich gegen die Politik der Regierung auf den Philippinen und Cuba und verlangt Unabhängigkeit der Philippinen mit amerikanischer Protektion gegen fremde Einmischung. Dagegen begünstigt sie die friedliche Expansion, wo Bevölkerungen geeignet oder gewillt seien, amerikanische Bürger zu werden. Die Platform hält die Monroe- )octrin hoch und erklärt, keine Bewohner Amerikas dürften e gegen ihren Willen unter der Botmäßigkeit einer europäischen Macht gehalten werden. Die Platform verurteilt erner die Trusts und den Dingley-Taris als Trusts er- eugende Maßregel, billigt die Platform von 1896 und verlangt sofortige freie und unbegrenzte Ausprägung von Gold und Silber im Verhältnis von 16:1, )efürroortet direkte Wahl zum Senate und sofortige Er- )auung des Nicaraguakanals in Eigentum und unter Kontrolle der Vereinigten Staaten. Endlich verurteilt te das schlechtverhehlte republikanische Bündnis mit England, das eine Zurücksetzung anderer befreundeter Nationen mit sich bringe, und drückt ihre Sympathie mit den Buren aus. Die Konvention stellt Bryan als Kandidaten für die Präsidentschaft auf. Ferner nahm )ie Konvention eine Tagesordnung an, wonach ein Anschuß gewählt werden soll, um nut der Konvention der Silber-Republikaner wegen Aufstellung eines gemein* amen Kandidaten für den Posten des Vizepräsidenten ins Einvernehmen zu treten. Aus Stadt und Kund. Gießen, 6. Juli 1900. • * Von unserer Universität. Die für neue Kliniken in Gießen von der Regierung geforderten 21130 Mk., die verwendet werden sollen für den Bau eines Kohlen- schuppens am Kesselhaus mit 8800 Mk., für Verbesserungen der Warmwasserversorgung in der psychiatrischen Klinik mit 7700 Mk. und restliche 4630 Mk. für den bereits ausgeführten Umbau des gußeisernen Dampfsammlers sowie für eine neue Dampfleitung, bewilligte gestern die Erste Kammer. Von der Zweiten Kammer wurde dieser Betrag s. Z. einstimmig genehmigt. — Für bereits ausgeführte bauliche Veränderungen am Universitätsgebäude (Aula) und für Mobiliarausstattung werden 9200 Mk. bewilligt. Die Zweite Kammer bewilligte dieselben s. Z. einstimmig. — Für den Neubau eines UeberwinterungshauseS im Botanischen Garten werden 44000 Mk., für Herstellung der Wege 2000 Mk., zusammen 46000 Mk. bewilligt. Die vorhandenen Räume reichen nicht zur angemessenen Aufnahme der vorhandenen Pflanzen aus, wodurch dieselben, in ihrer Entwicklung behindert, vielfach zu Grunde gehen. Die Zweite Kammer hatte die Notwendigkeit anerkannt und den vorgelegten Plan und Voranschlag nicht beanstandet. * * Persona lnachrichten. Dem praktischen Arzt Professor Dr. Schott zu Bad Nauheim wurde das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen; mit den Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Ortenberg wurde der Gerichtsassessor Gill er in Darmstadt, und bei dem Amtsgericht Lorsch der Gerichtsassessor Reuß in Gießen beauftragt. * * Zum Gutscheinschwindel. Das Berliner Polizei-Präsidium giebt bekannt: „Das Warenhaus Hydra und die Gesellschaft G e l l a vertreiben Waren auf Berechtigungsscheine mit zugehörigen Gutscheinen. Die Firma R o s e n a u und die I m p e r i a l f a h r r a d w e r k e dehnten dies System auf Fahrräder aus, die Firma Nelken auf Eßbestecke. Der Vertrieb von Gutscheinen wird nach § 42a, §§ 56 und 148 der Gewerbe- Ordnung mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. bezw. Haft bis vier Wochen bestraft, weshalb vor dem Weiterverkauf der Gutscheine amtlich gewarnt wird." * * Zirkus Alt hoff giebt heute abend seine Eröffnungsvorstellung und, wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, morgen zwei Vorstellungen. Laubach, 5. Juli. An etwa 25 frühere Lehrer am hiesigen Gymnasium, sowie an ungefähr 500 frühere Schüler, soweit die Adressen ziemlich ermittelt waren, hat das Festkomitee zur Jubiläumsfeier als Einladung Pogramme zur Versendung gebracht. Anmeldungen, sowie Wünsche für Wohnungen sind bis 15. Juli an Oberlehrer Kullmann hier zu richten. Es fei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Frist für Auflegung der Einzeichnungsltste im „Hotel Schützenhof" ihrem Ende naht. Die Lösung der Festkarte berechtigt zur Teilnahme an allen Veranstalt* ungen, insbesondere auch zur Teilnahme am Festkommerse, zu dem nach Beschluß des Komitees ohne Festkarte nur solche hiesige Vereinsmitglieder Zutritt haben, die sich in aktiver Weise beim Fackelzuge beteiligen. Der Besitz der Festkarte schließt ferner den Bezug der Festschrift ein, die, ziemlich umfangreich und reich illustriert, von Professor Dr. Röschen versaßt wird. Auswärtige, insbesondere aus der Umgegend, mögen ihre umgehende Anmeldung nicht versäumen. -MN. Darmstadt, 7. Juli. Sicherem Vernehmen nach befindet sich» das längst veraltete Gesetz, die sogenannte „Organische Forstordnung" z. Zt. in vollständiger Revision. Diese Revision ist die Folge erner Anregung, die der Abg. Köhler-Langsdorf in voriger Session des Landtages in sehr dringlicher Form gab. Dre gedachte Materie wird bei ihrer demnächjtigen Behandlung im Landtag wahrscheinlich das Interesse weitester Kreise erregen und zu lebhaften Debatten Veranlassung geben. Darmstadt, 5. Juli. Die Großherzogliche Handelskammer beschloß auf eine Anfrage des Groß- herzoglichen Kreisamtes Darmstadt, die Einfuhr von Pökel- fleisch betreffend, die Errichtung einer Untersuchungsstatiorr im hiesigen städtischen Sch,lack)thause zu befürworten. — Auf eine Anfrage des Amtsgerichts Darmstadt I, die Führung der Handelsregister betreffend, beschloß man, sich gut- ächtlich dahin zu äußern, daß man Hotels und Herbergen jedenfalls für eintragpflichtig halte, während bei Gastwirtschaften hierüber von der Kommission zur Durchsicht der Handelsregister von Fall zu Fall zu entscheiden sei. Eine Mitteilung des Kaiserlichen Ottomanschen General- Vcmsulats in Frankfurt a. M., daß Sendungen aus Deutschland nach, den Gebieten der Türkei künftig eines Ursprung- Leuanisses bedürfen, wehckxes seitens des genannten Gene- ralüinsulats zu legalisieren ist, wenn die Waren zu den seitherigen Tarifsätzen eingeführt werden sollen, wurdezur Kenntnis-genommen. — lieber russische Kredit- und Rechtsverhältnisse sind der Handelskammer Mitteilungen von maßgebender Seite zugegangen, die für alle nach Rußland expedierenden Personen von großem Interesse fern dürsten. Der Sekretär wurde beauftragt, Interessenten auf Anfrage Auskunft hierüber zu erteilen. — Ein zwölfjähriges Mädchen, das auf dem städtisc^n Pumpwerk bei Griesheim wohnt und hierher in die Schu^ geht, wartete , am letzten Montag in der Nähe des sog. Bassins auf die Straßenbahn. Sie wurde von zwei unbekannten Mannern in den Wald gelockt und em Sittlichkeits-Verbrechen an ihr verübt. Bezugs der Thater ist man bis jetzt auf wenige allgemeine Angaben der Verletzten angewiesen. (Darmst. Zkg) Mainz, 6. Juli. Eine Abordnung der S t u d i e r e n d e n der Technischen Hochschule in Darmstadt erschien heute mittag bei Oberbürgermeister Dr. G a ß n e r und drückte ihm ihr Bedauern aus über die Vorfälle bei der hiesigen Gutenbergfeier. Dr. Gaßner gab sich Mtii der abgegebenen Erklärung zufrieden. Vermischter. Herne, 6. Juli. Durch Explosion schlagender Wetter auf der Zeche „Friedrich der Große" wurden vier Bergleute verletzt, davon drei schwer. Fiume, 6. Juli. In der vergangenen Nacht wurde hier ein leichtes Erdbeben verspürt.__________________ Gerichtssaal. Gießen, 6. Juli 1900. Strafkammer. Durch Urteil des hiesigen Schöffengerichts vom 12. v. M. war der Viehhändler Sally Flörsheim von Alsfeld wegen Zuwiderhandlung gegen 8 360 pos. 11 St.-G.-B. in eine Geldstrafe von 3 Mk. genommen worden, von der chm zur Last gelegten Uebertretung der Lokalpolizei-Verordnung vom 21. April, die Aufstellung des Viehs an Markttagen betr., aber freigesprochen worden, unter der Begründung, daß die betr. Verordnung erst tags zuvor durch den „Gießener Anzeiger" veröffentlicht worden sei. Gegen den letzteren Teil dieses Urteils hatte der Amtsanwalt Berufung eingelegt, die indeß, trotzdem heute der Nachweis erbracht werden konnte, daß die Publikation schon einmal und zwar zwei Tage vorher erfolgt war, von der Strafkammer verworfen wurde, weil das Polizei-Amt Gießen zum Erlaß der betr. Verordnung nicht befugt war, aus dem Inhalt derselben auch nicht zu entnehmen ist, daß die Verordnung infolge höherer Anordnung erfolgt ist. — Der mehrfach wegen Betrugs vorbestrafte Kolporteur Joseph Hörmann aus Rohrbach wurde am 25. August v. I. von der Ricker scheu Buchhandlung in Gießen als Subskribenten Sammler für die beiden Zeitschriften „Moderne Kunst" und „Som Fels zum Meer" engagiert und hat bereits am ersten Tage diese Stellung dazu benutzt, um sich einen rechtswidrigen Ver- mögensvorteil zu verschaffen, dadurch daß er, nachdem er einen Abonnenten auf letztere Zeitschrift gewonnen hatte, die Unterschriften auf weiteren fünf Bestellkarten fälschte, wodurch es ihm gelang, eine alS angeblich echt bei seinem Prinzipal unterzubringen, während ihm für die weiteren vier Karten, denen man mit Mißtrauen begegnet war und für die man deshalb Zahlung innerhalb der nächsten Tage in Aussicht gestellt hatte, eine Vergütung nicht zu teil geworden war. Der Angeklagte erhielt also für die Erwerbung zweier Abonnenten & 1,50 Mk. dm Betrag von 3 Mk. ausbezahlt, um den die Firma geschädigt wurde, da die eine Unterschrift gefälscht war, während von Seiten des wirklichen Bestellers später auf Lieferung des Werkes verzichtet wurde, eine Thatsache, durch die anders der Angeklagte nicht belastet werden kann. Es wird ihm nun zur Last gelegt, in einem Falle des Betruges, in vier Fällen des Betrugsversuches und in fünf Fällen der Urkundenfälschung sich schuldig gemacht zu haben. Der seit dem 19. Mai in Haft befindliche Angeklagte war von Anfang an geständig. Er wird deshalb im Sinne der SS 267, 268, 263, 264, 43 deS Str.-G.-B. in eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten genommen, auf die 6 Wochen der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung kommen. — Es wird alsdann in die Verhandlung gegen den Landwirt Hch. Heerz II. von Lauter, sowie besten Ehefrau und dessen Sohn Heinrich Heerz III. eingetretm, die sich mehr oder weniger im Sinne der SS 185, 186, 223, 223 a und 113 des Str.-G.-B. zu verantworten haben. Der Anklage liegt folgender Thatbestand zu Grunde: Heerz schuldete an die Gemeindekassr zu Lauter den Betrag von etwa 150 Mk., zu dessen Deckung ihm der KreiSpiandmeister Eifert einen Acker Halmfrucht gepfändet hatte. Als der VersteigerUvgStermin herannahte, bewilligte d»S KreiSamt Gießen, unter Vorbehalt der Genehmigung durch den Gemeinderat, die nachgesuchte Frist bis zum Ausdrusch deS Getreides, bei welcher Gelegenheit aber die Bedingung festgesetzt wurde, daß die Frucht auf demGrünberger Markt unter Aufsicht des gen. Vollziehungsbeamten versteigert werden solle. Hierzu bot indeß der Angeklagte keine Gelegenheit, weshalb Eifert, als er hörte, daß der Angeklagte die Frucht aus freier Hand zu verkaufen beabsichtige, die erforderlichen Schritte persönlich beim vorgesetzten Kreisamt einleitete und hier den Auftrag erhielt, der auf dem Halm gepfändeten, inzwischen aber gedroschenen Frucht sich sofort zu versichern. Eifert begab sich deshalb am 2. November v. I , abends 8 Uhr, in Begleitung des Beigeordneten und des Polizeidieners sowie eines Sackträgers in die Wohnung des Angeklagten. Hier empfing ihn die mitangeklagte Ehefrau mit einem Hagel von Schimpfnamen gemeinster Art, versperrte ihm den Weg zum Speicher, faßte ihn an der Kehle und gedachte ihn die Treppe hinunter zu stoßen, so daß der Beamte seine ganze Kraft ausbieten mußte, um sich auf den Beinen zu halten. Als sie ihren Zweck nicht erreichen konnte, rief sie ihren 23jährigen Sohn zu Hilfe, und dieser erschien denn auch, mit einem mächtigen Knüppel ausgerüstet, sofort auf dem Kampfplatz, indem er mit dieser seiner gefährlichen Waffe mehrmals nach dem Kopf des Pfandmeisters schlug, wodurch dieser verwundet wurde. Auch der Beigeordnete erhielt einen Schlag. Bei dem Drängen nach vor- und rückwärts soll sich auch der alte Heerz an dem Vollziehungsbeamten vergriffen haben, doch konnte dies nicht vollständig klargestellt werden. Vom Schöffengericht zu Grünberg warm die Ehefrau Heerz wegm Beleidigung in eine Gefängnisstrafe von fünf Tagen, der junge Heerz wegen Körperverletzung in eine solche von 14 Tagen genommen worden. Beide hatten gegen dieses Urteil Berufung eingelegt, gleichzeitig aber auch der Staatsanwalt. Das Urteil der Straftarnrner lautet denn heute auf eine Gefängnisstrafe von 4 Wochen gegen die Ehefrau und von 6 Wochen gegen den jungen Heerz, während der alte Heerz von Strafe und Kosten freigesprochen wird. — Der Tagelöhner Johs. Reuter aus Dauernheirn, der sich am 15. November v. I. in Michelnau einer Zechprellerei im Betrage von 56 Pfg. schuldig machte, erhält mit Rücksicht auf seine mehrfachen gleichartigen Vorstrafen wegen Bettugs eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten. ArbetterbtWeglmg. Gießen, 7. Juli. Im Gegensatz zu unserer gestrigen Notiz wird uns heute mitgeteilt, daß in einer heute abgehaltenen Versammlung der Weißbinder beschlossen wurde, im Streik solangeauszuharren, bis eine gegenseitige Verständigung herbeigeführt sei. Matur, 6. Juli. Wie der „M. A" vernimmt, beträgt die» Summe, die notwendig ist, um die Lohnregulierung der städtischen Gas- arbeit er zur Durchführung zu bringen, nicht weniger als 20000 Mk. jährlich. Für die Feuerarbeiter wurde die Arbeitszeit auf 8 Stunden per Tag festgesetzt, doch muß die Leistung dieser Arbeiter der früheren Arbeitsleistung annähernd entsprechen. Auch die städtischen Metallarbeiter bei dem Wasserwerk rc. sind in die Bewegung eingetreten; dieselben verlangen eine Herabsetzung der Arbeitszeit von 10 auf 9/, pCt., sowie bei SonntagLarbeit 50 pCt. Vergütung. Weiter wird die Anerkennung der Stellenvermittlung verlangt. Die Bildhauer verlangen von den Fabrikanten bis zum 12. d. M. die Antwort auf die Forderungen.__________________________ Sandel und Verkehr. UolksmirtschM. Gieße«, 7. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 0.90—1.10, Hühnereier per St. 6-7 4, 2 St. 11—13 H, Enteneier 2 St. 14-16 4, Gänse- eiet per St. 11—12 H, Käse 1 St. 6—8 H, Kasematte 2 St. 6—6 Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 32 Tauben per Paar X 0.76—0.90, Hühner per St. X 1.20—2.00, Hahnen per Stück X 0.70—1.30, Enten per St. X 2.00—2.20, Gänse per Pfund X 0.00—0.00 Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 Kuh. und Rindfleisch per Pfd. 62—64 H Schweineflüsch per Pfd. 50—70 Schweine» fleisch, gesalzen, per Pfd. 74 Kalbfleisch per Pfd. 64—66 A, Hammelfleisch per Pfd. 60—66 4, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 bis 5.00 X, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. X 8.00—9.00, Milch per Liter 16 H. Kirschen per Pfund 12—15 H. Keuche Meldungen. Könitz, 7. Juli. In der Mordsache sind die Behörden unausgesetzt bemüht, Licht in das Dunkel der Angelegenheit zu bringen. Än früherer Freund des Ermordeten Winter, Richard Sp e i s i n g e r aus Jastrow ist nach fünfstündigem Verhör vor dem Untersuchungsrichter verhaftet worden. Die Verhaftung erfolgte wegen Verdachts des Meineides. Speisinger soll bei seiner letzten Vernehmung eidliche Bekundungen über angebliche That- sachen gemacht haben, über die er vorher jede Wissenschaft ableugnete. Außer Speisinger wurden noch vernommen Fräulein Caspari aus Tuchel, Kaufmann Lewinski und Adolf Levy. Leipzig, 6. Juli. (Telegr. des „Gieß. Anz.") DaS Reichsgericht hob heute auf die Revision des Angeklagten das Urteil aus, durch das der Bankier Sternberg- Berlin wegen Sittlichkeitsverbrechens zu 2 Jahren Gesängnis verurteilt worden war. Die Aufhebung des Urteils erfolgte, weil die Beweisanträge des Angeklagten nicht gewürdigt worden waren und das verurteilende Erkenntnis wesentlich aus die Aussage einer Geistesschwachen gebaut war. Brüssel,?. Juli. Das Aipidofreisprechende Urteil wird von der hiesigen Handelswelt einstimmig bedauert, da man befürchtet, daß die Engländer Belgien boykottieren werden. Schon heute klagt man über den geringen Besuch der Bäder. Wien, 7. Juli. Durch schwere Gewitter mit Hagelschlag wurde in ganz Oesterreich - Ungarn großer Schaden angerichtet. Bekanntmachung, Hetr. Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter, sowie der Durchschnittswerte der Naturalbezüge. Laut Bekanntmachung Großh. Kreisamts Gießen vom 24. März K Js. find die ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter sür die Stadt Gießen wie folgt neu festgesetzt worden: 1. für männliche Personen über 16 Jahren 2,20 Mk. 2. „ ff u nnter 16 „ 1,20 w 3. „ weibliche „ über 16 „ 1,50 „ 4. „ ff ff unter 16 n 1, ff Bezüglich der Durchschnittswerte der Naturalbezüge ist eine Aenderung Aicht eingetreten; dieselben sind zur Zeit festgesetzt: Wohnungen alleinstehender Betriebsbeamten, Gewerbe- und Handlungsgehilfen, Dienstboten rc. jährlich 48 Mk. Familienwohnung jährlich 144 „ Freie Kost für männliche und weibliche Personen a. Morgenkaffee 10 Pfg. b. Frühstück 10 , o. Mittagessen 35 „ d. Vesper 10 „ e. Abendbrot 25 „ volle Kost zusammen 90 Pfg. oder jährlich rund 320 Mk. Heizung, jährlich.....15 Beleuchtung, jährlich.....5 „ Wir bringen dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß die Reufestfttzu^g der ortsüblichen Tigelöhne sür die Stadt Gieße« mit dem 8. Oktober d. I. in Kraft tritt und daß hiernach von diesem Tage ab die Beiträge zu der Javalidenverficherung sür Personen, welche einer eingeschriebenen Hilfskaffe angehören, oder für solche, welche der Krankenversicherung nicht unterworfen sind (z. B. Kaufleute, Dieust- bote« für häusliche Arbeiten, Laufmädcheu und Lauffraueu, sowie die sog. unständigen Arbeiter, Taglöhner, Büglerinnen, Gchveideriuueu, Näherinnen und Kochfraneu rc.) betragen: a. für männliche Personen 24 Psg. pro Woche, b. sür weibliche Personen 20 Pfg. pro Woche. Für die in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigten Personen be' tragen die wöchentlichen Beiträge wie setther: für männliche 24 Pfg. und für weibliche 20 Psg. Lehrer und Erzieher gehören, soweit nicht ein Jahresarbeitsverdienst won mehr als 1150 Mk. nachgewiesen wird, zur IV. Klaffe mit einem Beitrag von 30 Pfg. pro Woche. Sofern im Voraus für Wochen, Monate, Vierteljahre ober Jahre eine feste bare Vergütung vereinbart und diese höher ist, als der für den Versicherten maßgebende Durchschnittsbetrag, so ist diese Vergütung zu Grunde zu legen. Gießen, den 3. Juli 1900. 4736 Grobherzogliche Bürgermeisterei Gieße«. I. V.: Wolsf. Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf § 10 der Bedingungen für den Bezug von Wasser aus der städtischen Wasserleitung werden hiermit die betreffenden Hausbesitzer, bezw. deren Stellvertreter, dringend ersucht, dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Waffermeffer für unsere mit deren Untersuchung und Aufnahme betrauten Beamten jederzeit leicht und ohne Zeitverlust zugänglich sind. — Unsere Leute sind nicht verpflichtet, sich den Zutritt erst durch Wegschaffung von Kohlen, Holz und dergl. möglich zu machen. Die Monteure find gegenwärtig mit der Aufnahme der Waffermefler beschäftigt. Gießen, dm 7. Juli 1900. 4738 Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. __Otto Bergen. __________________ Mobiliar-Versteigerung. Dienstag den IO. und Mittwoch den 11. Jnli d. I, jedesmal nachmiltaas 2V2 Uhr beginnend, wird in dem Hause Wilhelm- straße 2R, 2. Stock, dahier, der Nachlaß des verstorbenen Herrn Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Bose öffentlich gegen Barzahlung versteigert. Es kommt u. A. zum Ausgebot: 1 Schreibzyliuder, 1 Zimmerschrauk, 1 Medieiuschravk, 1 Bücherbauk, 1 Konversationslexikon, diverse Bücher, 1 Ausziehtisch, ovale, runde, viereckige und Spieltische, Wasch- und Nachttische, 1 Kommode, 1- und 2thür. 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