16. i0^ Nr. 157 Erstes Blatt. Sonntag den 8. Juli 1900 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts» und Anzeigeblatt für den Kreis Gieszen. ung Erhebung der Umlagen in vier Zielen bescheinigt und unter dem Anfägen zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2M monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abhotefteke» virrlcljährl. Mk. !,$• monatlich 66 Pfg« Bki Postbezug Mk. 2,40 vierteljährt. mit Bestellgeld. rgeführt van i anftelauft IM 1 4 Werte halbe Preise. itw, kette ab« I bit, als t MS» QlnHifuB Alle Anzeigen« BermittlungSstellen deS In- und Auslands nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Die Gießener Berten de» Anzeiger le MM rett „Heff. fcmbtvtef* n. ^Blätter M he». Volkskunde- MchL 4 »Mdeigelegt. B**to*, «Spedition und Srodmi: Jch^Or.te Mr. 7. Adreste für Depeschen: Anzeiger KUtzS». Fernsprecher Nr. 5L Mwng, Mrnlhalt N. rrMvM dieselben zu Publikums ter Pferve 4686 S»»«h»e >w Anzeigen zu der nschmNtag» für bee NN«*« erscheinenden Nummer bis Berre. >0 Uhr. ABtgelungen spätestens **H vorher. Ueberficht der für das Jahr 1900/1901 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfniste in den Landgemeinden des Kreises Gießen. GraLsbeilagen: Gießener Famitienblätter, Der heWhr Kandwirt, DlStter Mr heWhe UsLskmu-r. rt. >k'r. lung von __4698 ribiüt bof, Mal, irl, n. Offiziere gefangen zu nehmen. Näheres ist darüber noch nicht bekannt geworden. Doch dergleichen kecke Einzelstreiche auf burischer Seite, deren Urheber meistens der wagemütige General de Wet ist, werden den für die wackeren Streiter um ihre Freiheit tragischen Ausgang des Krieges nicht verhindern, und man wird heute mehr denn je annehmen müssen, daß England aus dem Kriege siegreich hervorgeht. Was, das ist in einem solchen Falle die MM., * 021Ü ItÄ . wert«« I"’’n« hüllen, lteu,Mtsst>' rltilfe». "bi cgcg. RheiA Mi luadel) mü Näherer M >, Mp.31- ' 4499 Frage, wird dann aus den Deutschen in Transvaal? Daß sie einen sehr schwierigen Stand haben werden, steht außer Zweifel. Diejenigen unserer Landsleute in Transvaal, die sich gegenwärtig noch in verhältnismäßig gesicherter Stellung befinden, müssen der Zukunft nicht ohne Sorge entgegensehen. Einige der deutschen Geschäfte dort arbeiten! freilich gegenwärtig ebenso oder vielleicht sogar ein wenig mehr gewinnbringend, als ihnen dies vor dem Kriege mög- intaAv *----------------=--’ Politische Tagesschau. .2 Durch die Ereignisse in China ist das allgemeine Jn- 5- teresse am Burenkriege völlig erlahmt, und doch ver- — dienen die wechselnden Vorgänge auf dem Kriegsschauplätze ganz übersehen zu werden. Wir teilten erst geftem l 1Z imiseren Lesern mit, daß es den Buren neuerdings gelungen l ist,, bett englischen General Rundle nebst einigen seiner Vorstehende Ueberficht wird hierdurch als richtig bescheinigt und unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Erhebung der Umlagen in vier Zielen, und zwar in den Monaten bezw. für die Monate Juni, August, Oktober und Dezember 1900 erfolgen soll. An allgemeiner evangelischer Kirchensteuer werden von den Angehörigen der evangelischen Landeskirche aus 1 Mark Steuerkapital 2,2 Pfennig erhoben. . r . r, ~ , .. . Die Publikation vorstehender Ueberficht ist im Großherzoglichen Regierungsblatt Nr. 19 vom 27. Jun, l. IS. erfolgt, von welchem Tage ab auch die vierwöchige Frist zum Vorbringen von Reklamationen läuft, welche gegen die Erhebung von Umlagen überhaupt gerichtet sind. Gießen, den 30. Juni 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. | Namen ! bet ca c I Gemeinden. 5 Umlagen auf das gesamte Kommunalsteuerkapital der Ortseinwohner und Forensen. Sonstige AuSschläge. Ordnungs-Nummer. 1 Namen der Gemeinden. Umlagen auf das gesamte Kommunalsteuerkapital der Ortseinwohner und Forensen. Sonstige Ausschläge. Ausschlag. Beitrag auf 1 Mark Normal- steuerkapital. I 'si-nF-'g-hrN Ausschlag. Beitrag auf 1 Mark Normal« steuerkapital. Erheb.-Ziele. || Bezeichnung der Art des AusschlagS und der Repartittonsnorm. Aus. schlag. Beitrag auf 1 Mark Normalsteuerkapital. | Erheb.-Ziele. Ausschlag. Beitrag auf 1 Mark Normalsteuerkapital. I -sisiS-^-h-D | Bezeichnung der Art des Ausschlags und der Repartittonsnorm. 1 Mach .... 2 Allendorf an bet Lahn .... 3 Allendorf an der Lumda . . . 4 Allertshausen . . ö Alten-Buseck . . 8 Annerod . . . 7 Bellersheim . . 8 Beltershain . . . v Bergheim (Feld- gemarkung) . . o Bersrod .... U Bettenhausen . . 12 Beuern .... 13 Birklar .... 14 Burkhardsfelden 15 Climbach . . . 16 Daubringen . . . 17 Dors-Gill . . . 18 Eberstadt mit Arnsburg . . 19 Ettingshausen . . 20 Feldheim (Feldgemarkung . . 21 Garbenteich . . . 22 Geilshausen , . 23 Göbelnrod . . . 24 Großen-Buseck . . 23 Großen-Linden. . 2# Grünberg . . . 27 Grüningen . . . 28 Harbach .... 29 Hattenrod . . . 30 Hausen .... 31 Heuchelheim . . . 32 Holzheim . . . 3 Hungen .... 34 Inheiden . . . 35 Keffelbach . . . 16, Klein-Linden . . 37 Langd . . . . 88 Lang-Göns . . . 39 Langsdorf . . . 40 Lauter .... 41 Leihgestern . . . 42 Lich mit Hof Al- bach, Coln- hausen u. Mühlsachsen .... ►44 6400 5700 2300 11955 3300 11000 4200 3500 4000 6000 6000 2000 3000 6000 6500 1000 6400 5300 2700 4000 17000 33350 7200 3700 4000 21000 7600 8000 6300 5133 10500 4000 14000 3000 4200 11500 15900 41,366 15,584 51,615 34,405 24,366 33,936 54,615 22,079 15,848 34,001 43,612 56,171 30,093 57,150 28,132 5,564 46,271 42,398 43,926 7,018 24,006 32,393 32,067 34,693 37,344 39,534 24,420 10,949 46,553 44,022 45,629 19,353 23,099 7,395 36,587 24,194 13 153 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 X 100 584 550 260 740 746 1000 1260 512 400 75 246 1965 1344 1280 0,384 2,155 2,700 3,380 4,904 6,048 20,528 1,243 2,351 1,596 0,332 ■ 1,298 3,297 3,123 1,154 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 Keine Umlagen, jedoch Kirchensteuer. Auf das Steuerkapital der ev. Ortseinwohner. Desgl. Keine Kirchensteuer. Auf das Steuerkapital der Paro- chianen. Auf das Steuerkapital der immersteuerbaren Objekte. Keine Umlagen, jedoch Kirchensteuer. Keine Umlagen und keine Kirchensteuer. Auf das Steuerkapital der immersteuerbaren Objekte. Desgl. Auf das Grundsteuerkapital. Auf das Steuerkapital der immersteuerbaren Objette. DeSgl. Keine Umlagen, jedoch Kirchen« steuer. Auf das Steuerkapital der immersteuerbaren Objekte. Desgl. Desgl. Desgl. Keine Kirchensteuer. Auf das Steuerkapital der immer- steuerbaren Objekte. Desgl. 48 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 | 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 1 80 1 81 82 1 Lindenstruth . . Lollar .... Londorf .... Lumda .... Mainzlar . . . Münster .... Muschenheim mit Hof-Güll . . . Nieder-Bessingen . Nonnenroth . . . Obbornhofen . . Ober-Bessingen . . Ober Hörgern . . Odenhausen mit Appenborn . . Ober-Steinberg (Feldgemarkung) Oppenrod . . . Queckborn . . . Rabertshausen mit Ringelshausen . Reinhardshain . . Reiskirchen . . . Rodheim mit Hof Graß .... Rödgen .... Röthges .... Rüdingshausen . . Ruttershausen mit Kirchberg . . . Saasen mit Bolln« bach, Veitsberg und Wirberg Stangenrod . . . Staufenberg mit Friedelhausen . Steinbach . . . Steinheim . . . Stockhausen . . . Trais-Horlost . . Trais a. b. Lumda Trohe ..... Utphe..... Villingen . . . Watzenborn mit Steinberg . . Weickartshain . . Weitershain . . Wieseck .... Winnerod . . . X 3200 12000 12000 4000 1900 3500 5680 2000 2000 10000 2650 3900 8300 800 6200 2800 3500 8500 3000 6000 3000 9000 1600 5470 3400 5000 2400 2800 6400 8700 1700 5000 4000 13000 3475 4200 23000 1350 § 54,635 19,107 40,518 39,588 12,761 39,930 28,150 16,448 21,810 42,847 21,736 19,914 48,491 10,475 31,489 40,893 34,856 20,438 29,172 43,064 39,424 62,716 14,839 53,150 39,935 20,129 14,935 52,368 30,074 30,326 57,024 27,942 17,845 38,804 50,329 36,629 38,823 27,935 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 X 290 100 670 970 96 510 48 170 2300 1330 592 630 176 7,796 12,645 6,661 6,013 1,417 36,055 0,648 1,678 27,858 8,328 2,819 3,815 0,548 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 Aus das Grundsteuerkapital der Parzellenbesitzer. Auf einen Teil des Grundfieuer- kapitalS. Auf das Steuerkapital der immersteuerbaren Objekte. DeSgl. Auf daS Grundsteuerkapital. Auf das Grundsteuerkapital. Keine Kirchensteuer. Auf das Steuerkapital der immersteuerbaren Objekte. Desgl. Auf das Grundsteuerkapttal der Parzellenbesitzer. Keine Umlagen, jedoch Kirchensteuer. Auf das Steuerkapital der immersteuerbaren Objekte. Auf das Steuerkapital der ev. Ortseinwohner. Auf das Steuerkapital der immer, steuerbaren Objekte. Desgl. lich gewesen ist. Der Grund hierfür liegt jebod) sicherlich nicht in der größeren Beliebtheit deutscher Geschäftshäuser dort, sondern vielmehr in der fortgefallenen Konkurrenz, die dadurch entstanden ist, das; die dortigen englischen Geschäftshäuser zum großen Teil geschlossen sind und der Handel somit nolens volenS in die Hande anderer Nationalitäten übergeganaen ist. Es ist neuerdings hin und wieder die Rede von deutschen Einwanderungen in Transvaal. Davor kann nicht dringend genug gewarnt werden. Sie, die weder Mittel noch SpraMenntnisse besitzen, werden dort sowohl bei einem für die Buren günstigen als für sie ungünstigen Ausgange des Krieges kaum einen irgendwie lohnenden Erwerb erwarten dürfen. Geht der Krieg für die Engländer siegreich! aus, so sei nur an die Folgen des Jameson- Einfalles erinnert, wo man an manchem englischen Geschäftshause, das Beamte suchte, in großen Buchstaben lesen konnte; „No Gormaana noed applv“ (deutsche Bewerber ausgeschlossen) — und wie viele Gesellschaften haben stillschweigend bei der Anstellung neuer Beamter ebenso gedacht und gehandelt, ohne dies direkt öffcnt(ixi)i auszuhängen. Selbst deutsche Firmen haben „aus Geschäftsrücksichten" Engländer als Angestellte den Deutschen vorgezogen. Sollten im anderen Falle die Buren ihre Unabhängigkeit behaupten, so ist es ein Irrtum, anzunehmen, daß die Deutschen besondere Bevorzugung zu erwarten haben; da die Buren auf der jetzigen Stufe ihrer lEntwickelung weder für industrielle,' noch für Handelsunternehmungen Sinn haben, fo sind die einzigen Stellungen, die sie zu vergeben haben, die Negierungsämter. Für diese Stellen aber sind unter den Landessöhnen allein mehr ia ls genügend Bewerber vorhanden. Wir möchten hier einschieben, daß die auswärtigen Freiwilligen, die gegenwärtig für die Burensachle fechten, wohl Beköstigung und Kleidung, aber keine Löhnung beziehen und daß für sie im Falle einer Verwundung bis jetzt wenigstens keine Entschädigung vorgesehen ist. Betreffs anderer Stellungen, als auf Gruben oder in Kaufhäusern, wird kaum eine Verschiebung eintreten. Es ist auch> in Betracht zu ziehen, daß sich ein großer Teil' ber früher dort beschäftigten Ingenieure, Kaufleute und Arbeiter zur Zeit in Südafrika aufhält und nur auf den Friedensschluß wartet, um nach Transvaal zurückzukommen und Stellung zu suchen. Sicherlich werden diese, die mit der dortigen, von Deutschland ganH verschiedenen, Arbeitsweise vertraut sind, vor den Neuankömmlingen den Vorzug haben. Ob die augenblicklichien hohen Löhne nach« dem Kriege bestehen bleiben, ist, wenn nicht unwahrscheinlich,, jedenfalls zweifelhaft, da die dortigen Gruben lange Zeit brauchen werden, ehe sie ihre frühere Produktions- fähtgkeit erreichen und dementsprechend ihre frühere Ar- beiterzaht beschäftigen können. Hessischer Landtag. Erste Kammer der Laudstäude. Darmstadt, 6. Juli 1900. Am Negierungstisch: Staatsminister Rothe, Ministerialrat Dr. E i s e n h u t h, Oberregierungsrat B e st. Die Sitzung wird um halb 2 Uhr durch den Präsidenten Grafen Schlitz, gen. v. Görtz eröffnet. Zur Be- ratung steht die Vorlage Letr. die G e h a l t e d e r V o l k s - schnllehrer. Geh. Kommerzienrat Michel erstattet Bericht, wobei er betont, daß die Zweite Kammer von ihrem ursprünglich einstimmig gefaßten Beschluß zurückge- foimneii sei und einen Antrag angenommen habe, der nur noch 55000 Mark jährlich mehr als die Regierungsvorlage erfordere. Diese verteilen sich auf etwa 2000 Lehrer, sodaß auf den Einzelnen etwa 25 bis 30 Mark entfallen. Dieses Verhältnis rechtfertige nldjit mehr einen Beschluß zu fassen, der den Lehrern in pcn nächsten Jahren nichts biete, vielmehr beantrage der Ausschuß nunmehr wiederholt a u f dem früheren Beschluß zu beharren (das heißt, den Antrag Molt Han an zu ne hm en), gleichzeitig aber auch dem Antrag Schmitl entsprechend! riefe Skala nur bis zum 1. April 1904 zu beschließen. Staatsminister Rothe erklärte sich hiermit einverstanden. Das Haus nahm alsdann den Antrag einstimmig an. Die Vorlage, betr. Verwilltgung von 50 000 Mark zu Aiefbohrungen in Bad Salzhausen, wird tonforui dem Beschlüsse der Zweiten Kämmer zugestimmt. Die Kämmer vertagt sich auf unbestimmte Zeit. Zweite Kammer der Laudstäude. 24. Sitzung. Freitag, 6. Juli. Am Negierungstisch: Staatsminister Rothe, Ministerialräte Ewald, Dr. Cisenhuth, OberregierungSrat Best. Eröffnung der Sitzung 9 Uhr 40 Minuten vormittags. Für Tiefbohrungen zur Aufsuchung neuer Soolquellen in Bad Salzhausen werden Mk. 50000 ohne Debatte bewilligt. Bei dem Gesetzentwurf über die Erweiterung und Ergänzung des Staatseisenbahnnetzes und seiner Anlagen hat die Erste Kammer den Zusatzantrag gestellt, man möge die Regierung veranlassen, daß man bei den neuprojektierten Umgehungsbauten der Stadt Mainz diese Stadt durch Uebersahren der Station Kastel nicht schädige. Abg. Molthan ersucht das HauS, diese wichtige Frage aufzugreifen und im Sinne der Ersten Kammer bei der Regierung dafür einzutreten, daß jede Schädigung der Städte Mainz und Kastel vermieden werde. Ministerialrat Ewald sagt jeden möglichen Schutz zu. Bei Fortsetzung der Beratung des Gesetzentwurfs über die Gehälter der Volksschullehrer verwahrt Abg. Dr. Schmitt sich namens seiner Partei dagegen, als ob der Antrag Molthan bestellte Arbeit sei; man habe den Antrag erst eingebracht, als von der Regierung die bestimmte Erklärung erfolgt sei, daß sie aus weitere Erhöhung nicht eingehen könne. Er würde ja gern sür die Skala Backe« stimmen, wenn sie Aussicht hätte, von der Regierung angenommen zu werden; doch glaube er nicht, daß dies der Fall sei, denn anscheinend sei die von ihm im vorigen Jahre gewünschte Festigkeit jetzt vorhanden. Man solle deshalb einen Umschlag nicht wünschen. Er mache auf die bedenk geändert, daß die . 2800 „ Regierung schon drei- teresse des Zustandekommens dahin Haltsskala folgende sein solle: vom 81. Dienstjahr an . . . Abg. Backes stellt fest, daß die lichen Folgen einer Ablehnung des ganzen Gesetzes aufmerksam; es könne dann in diesem Landtag keine Vorlage mehr kommen, und dadurch entgehe den Lehrern unter allen Umständen für die nächsten drei Jahre der Betrag von über 2 Millionen Mark; die« wirke auch nachteilig auf die Pensionierung. Wenn die Regierung die Steuerreform erst überschaue, werde sie von selbst in drei Jahren auf eine weitere Erhöhung kommen, wenn man den Antrag Molthan angenommen habe. Man solle den Antrag annehmen, denn die Verantwortung für die Ablehnung sei sehr groß. Abg. Backes hat seinen bisherigen Antrag im Jn- 25. Sitzung. Freitag, 6. Juli, nachmittags 3l/2 Uhr. Abg. Backes erklärt, daß er nach Lage der Dinge moralisch gezwungen ist, um die Lehrer in den nächsten drei Jahren nicht zu schädigen, lauf seinen Antrag zu verzichten und, wenn auch mit schwerem Herzen, dem Anträge Molthan zustimme. Abg. Dr. David wird, um die Lehrer in den nächsten drei Jahren nicht zu isclKdigen, gerade aus seinem früheren Standpunkt beharren und macht per Regierung den Vorwurf, daß sie das äon allen Seiten gebotene Entgegenkommen und den einstimmigen Beschluß der Kämmer so wenig beachtet habe. Man jhätte in der Kämmer fest bleiben sollen, so hatte man der Negierung den Ernst der Si Inntion gezeigt. Seine Partei werde aus moralischen Gründen ans ihrem gefaßten Standpunkt beharren. Staatsminister Rothe stellt nochmals fest, daß die Regierung gethan habe, was möglich war. Abg. Weidner vertritt den Standpnnkt des Finanz Ausschusses, der auf seinem Standpunkte beharre; die Ent tnal in den letzten Jahren eine Erhöhung der Volksfchul- lehrer-Gehalte der Finanzlage wegen ablehnen mußte, während man für andere Beamtenkategorien jederzeit Geld übrig habe. Vor einer wirklichen Volksabstimmung über die Gehälter aller Beamten brauchten sich, die Bolksschullehrer nicht zu fürchten; trotzdem habe er feinen Antrag reduziert, um wenigstens für oie Lehrer in den mittleren Altersstufen, im denen die Kosten für die Kindererziehung bedeutend erhöht find, zu sorgen. Sein neuer Antrag erhöhe die Forderung MvlthanS nur um 55 000 Mark; er bitte die Regierung dringend um Bewilligung. Abg. Weidner tritt gleichfalls für diesen neuen Antrag ein. Abg. Dr. Gut fleisch will sich auf diesen Kuhhandel nicht einlassen, er habe zu der Regierung das Vertrauen, daß sie ihre Schuldigkeit thue. ES frage sich, ob der beste Freund der Lehrer der fei, der Prinzipien reite unter der großen Gefahr, praktisch garnichts herauszuschlagen. 'Abg. Wolf spricht gegen, Graf Oriola für den neuen Antrag Backes. Der Staatsminister Rothe erklärt zum drittenmal, daß die Regierung nicht über den Antrag Molthan hinauS- gehe; ein Entgegenkommen sei nur durch vorläufige zett- lichie Festlegung des Gesetzes möglich. Abgg. Erck und Schmeel haben trotzdem das Vertrauen zu der Regierung, daß sie den Vermittlnngsvor- schlag Backes annehme. Abg. Ulrich findet, daß die ganze Vorlage in und außer dem Hause viel Unheil gestiftet habe. Er lasse sich von bet Regierung kein „niemals" entgegenschleudern, mit viel mehr Recht könne, die Kammjer der Regierung dies Wort entgegenrufen. Die Kämmer taffe sich von dem leider abwesenden Finanzminister nicht ziehen. Die Abgeordneten haben als Vertreter des Volkes das Recht der freien Abstimmung. Thatfache fei es, daß es nur den Lehrern erträglich gehe, die eine reiche Heirat machten, den meisten andern gehe es kümmerlich, und solche Lehrer können keine guten Lehrer im Interesse des Volkswohles sein. Die Vorteile der Volksbildung seien so bedeutende, daß man absolut für deren Sicherstellung sorgen müsse. Werde die Vorlage nicht Gesetz, so fällt das Odium der Ablehnung auf die Regierung und die Erste Kämmer allein, es komme nur darauf an, daß die Kämmer einig und beständig fei, dann brauche man nicht nachzuyeberi. Mit Recht werden dann die Lehrer auch mit der Zett den gewünschten Höchstgehalt von 3500 Mark erreichen. Ministerialrat Eisenhuth vertritt den Standpunkt der Regierung. Er hofft, daß das Haus sich keine Regierung wünsche, die nach! den mehrfach abgegebenen bestimmten Erklärungen heute eine andere Erklärung abgebe. Er kon- statire nochmals vor dem Land, daß man jetzt durch die Vorlage ü6er eine Million neu bewillige und damit die Lehrer in gute Gehaltsverhältnisse einrücken lasse. Er erkläre ferner wiederholt, daß zwischen der Regierung und dem Antrag Molthan absolut keinerlei Zusammenhang bestehe und bestanden habe. Abg. Dr. Gutf leisch hält nach seinen parlamentarischen Erfahrungen nicht viel von der angeführten Kraftprobe. Eine Kammer im Sinne Ulrichs führe zu nichts Gutem und die Lehrer haben den Nachteil. Hier gelte das Sprichwort: Das Beste ist der Feind der Guten. Avg. Dr. Schmitt verteidigt nochmals den Antrag Molthan und macht auf die außerordentlichen Nachteile für die Lehrer aufmerksam, die durch das Festhalten an oem Antrag Backes entstehen werden. Abg. Dr. David erklärt, daß man durch einstimmigen Beschluß die Negierung zum Nachgeben zwingen müsse, auch dem laut gewordenen Verdacht einer Erziehung der Zweiten Kammer durch den Finanzm,inister müsse man entgegenwirken. In namentlicher Abstimmung wird der Ausschuß-Antrag, d. h. der reduzierte Antrag Backes, der mit 5 5 1 0 0 M k. über den Antrag Molthan hinan s- geht, mit 29 gegen 13 Stimmen angenommen.. m 1—8. „ 4.-6. Dienstjahr .....1100 .....1200 Mk., ff , 7.-9. .....1400 * 10.—12. .....1600 * „ 13.-16. .....1760 „ 16.—18. .....1900 „ 19.-21. .....2100 , 22.-24. ..... 2300 „ 25.-27, ..... 2600 „ 28,-30. /r ..... 2680 M scheidung könne im Herbst gefällt werden, da die Verhand- lung über das Gesetz dann vertagt werden müsse. Abg. Ulrich stellt fest, daß eS sich um die Reputation und das Ansehen des Hauses handle, er bedauert den Rückzug des Herrn Backes und der nationalliberalen Partei sehr. Man schädige die Lehrer keineswegs, wenn man die Entscheidung bis zum Herbst verschiebe, da das Gesetz ja ohne dies bis 1. April 1900 rückwirkend sei. Abg. Dr. Schmidt glaubt nicht, daß im Falle des Beharrens des Hauses auf dem ersten Beschluß die Regierung im Herbst mit Sicherheit eine neue Vorlage bringe, man solle nehmen, was man bekommen könne. Die Abgg. S ch m e h l, Graf O r i o l a und Köhler- Langsdorf erklären, daß sie, um das Zustandekommen des Gesetzes zu sichern, für den Beschluß der Ersten Kammer stimmen. Abg. Bär erklärt, daß er mit seinen Freunden auf dem gefaßten Beschluß beharrt, ebenso Dr. Schröder. Abg. Weidner würde sich schämen, wenn er jetzt noch, nachdem man so lange um die Sache gekämpft, nach? geben wollte. Abg. v. Brentano glaubt, daß es der Lehrerschaft egal sei, wer die Verantwortung trage; Hauptsache fei, daß sie die nötige Aufbesserung erhalte. Abg. Wolff sieht in dem Nachgeben des Abg. Backes, der doch die Lehrerschaft hinter sich habe, ein Zeichen, daß man mit gutem Gewißen dem Anträge Molthan zu- ftimmen könne. Aba. Ulrich, hält es für eine vollständige Verkennung der Folgen des Beschlusses, wenn man glaube, daß durch ein Beharren auf dem Standpunkt die Lehrerschaft geschädigt werde. Die Vorlage würde wiederkommen, und es könne bann rückwirkend das Versäumte nachgeholt werden. Er seinerseits werde fest bleiben und bedauere nur den Abfall der nationalliberalen Partei. Mit Hohn und Spott werde man im Lande auf die Kammer blicken, wenn sie wie Wachs sich kneten lasse, und die Lehrer werden Herrn Backes für seinen unverantwortlichen Rückschritt feinen Dank wissen. Nach einigen die Geschäftsordnung betreffenden Worten des Staatsministers, sowie entsprechender Aufklärung durch den Vorsitzenden erfolgt in namentlicher A b - ftimmung mit 22 gegen 18 Stimmen Annahme des Beschlusses, auf dem ursprünglichen Antrag Backes mit der Skala B zu beharren. Die Vorlage ist somit gefallen. Aus Stadt und Land. (Unsere ständigen und gelegenllichen Herren Mitarbeiter werden gebeten, bei Einsendungen stets nur eine Seite ihres Manuskripts zu beschreiben und die Rückseite frei zu lassen im Interesse der schnelleren Druckherstellung.) Gieße«, 7. Juli 1900. *• Personalnachrichten. Ernannt wurden: der HilsS- heizer bei der Main-Neckar Eisenbahn Friedrich Rull mann auS Nidda zum Lokomotivheizer bei dieser Bahn mit Wirkung vom 1. Januar l. I. an; der Hilfswagenwärter bei der Main-Neckar-Eisenbahn Ludwig Strauch aus Nidda, zum Wagenwärter bei dieser Bahn mit Wirkung vom 1. Januar l. IS. an. **-o Theater. Die Theatergesellschast, die hier neulich mit hübschem ideellen Erfolge L'Arronge'S „Wohlthätige Frauen" gab, hat sich entschlossen, nun doch noch eine Vorstellung hier zu geben zur Sicherung ihres Rufes, trotz aller bisherigen Passivität des Publikums. Halbes „Jugend", die hier noch nie zur Aufführung gebracht worden ist, soll am nächsten Mittwoch dem 11. ds. Mts. zur Auf- sührung kommen. Seit gestern zirkuliert unter den Mitgliedern des Theatervereins eine Liste zur Erklärung, die Vorstellung besuchen zu wollen. Aus dieser Thatfache mögen unsere Leser ersehen, daß der Theaterverein der Veranstaltung sein Interesse zugewandt hat. Billets werden von dem Diener des Theatervereins sowie von Herrn Challier verkauft. In den Zwischenakten wird bei warmer Witterung Restauration im Garten des Stadttheaters sein. — So wird denn den Gießenern Gelegenheit geboten werden, einen Dichter kennen zu lernen, dessen Art grundverschieden ist von der der alten Routiniers und Handwerksleute der dramatischen Technik, einen Dichter, der sich sonst allerorten längst eine große Anzahl von Anhängern, allerdings auch von erbitterten Gegnern zugezogen hat. Wir leugnen nicht, daß wir den kecken Wagemut des Herrn Robert Friedrich vom Stadttheater in Bremen, des Leiters dieser Theatergesellschast, der sich übrigens auch als seuilletonistischer Schriftsteller bekannt gemacht hat, bewundern. Max Halbe'S „Jugend" ist eines der echtesten und zugleich gewagtesten Werke der neuen Richtung. Wie wenige andere, läßt dieses Stück erkennen, woraus die Modernen hinauswollen, aber wie wenig andere setzt es sich auch in Widerspruch zu den Forderungen der bislang als alleinseligmachend geltenden Bühnentechnik und läuft Gefahr, mißverstanden zu werden. Denn der Dichter macht es dem Publikum nicht so leicht, wie Schönthan, Kadelburg und Genoßen, er setzt ihm feine Schablonenarbeit vor, bei der die Handlung so glatt herunterschnurrt, als ob ein Uhrwerk dahinter steckte, die Personen aber nicht mit Rücksicht auf ihre Charaktere, sondern mit Rücksicht auf die „Fächer" der Darsteller behandelt werden. Er thut weniger und doch unendlich viel mehr: er bringt einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben aus die Bühne, wohl verstanden, aus dem wirklichen, wahrhaftigen Leben. Nun, hoffen wir, daß sich recht viele Gießener an diesem Werke eines echten Dichters erfreuen werden. R. Wiefeck, 6. Juli. Bei der heutigen Beigeordnetenwahl wurde der Gastwirt Karl Schäfer mit 53 Stimmen gewählt. Hungen, 6. Juli. Bei der heutigen Bürger meist erwähl erhielt der seitherige Bürgermeister Heinrich Butt- ron III. 177, der zweite Kandidat Wilhelm Heinrich Bender II. 64 Stimmen. Der erste ist somit wiedergewählt. 1 Zettel war ohne Namen, 9 haben von ihrem Stimmrecht keinen Gebrauch gemacht. — Heute verunglückte im hiesigen Steinbruch der Arbeiter Funk von hier dadurch, daß ihm j b n 9 e d ( ! I ti ur 8' tt t l h ob üb i 11 4.1 Df i Gießen, Rirchenplatz fl. 718 3555 bei 4168 Entwurf und Ausführung Marmor- und Syenitwerk. Prima Referenzen. Fernspr. 751. ift Frankfurt a. M. 4717 Steinbildhauerei. Gegründet 1864. Veranda-Möbel Triumph-KIappstühle Rollschutzwände etc. Baumweg 7 und Berlin N., Chausseestrasse 2E. .KG»' Wir bitten, unsere Firma stets voll auszuschreiben. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener Werkstätte. Warum ist „Toril“ Grabmonmnente-Geschäft F. Hofmeister Frankfurt a. M. 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