-üar-ÄallW i Tewrdes. tior; iö u. 40 «pfci. bet 1 & Krumm, iedi g « im lend Ausland. Cii 28«ö i D m. V tück r, H. Kühn, darktahu« i, sraweg l ie mit äk*' n.gröi*tpB’ angeboten ilich. 11200. into £5Ä* mit den , Taugen,. rilmprao"cn71- nie- Tftfifl un6 °A ,7'A^ K. xoS 'Wlt Sonntag den 6. Mai W. 105 Fünftes Blatt. Amts- nnb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren en umarmten und küßten sich herzlich. Kaiser Franz Josef schüttelte dann verschiedenen der preußischen Generäle kräftig ^us die Monarchen sich dem linken Flügel näherten, intonierte die Regimentskapelle die österreichische Volks- Hymne: „Gott erhalte Franz den Kaiser". Kaiser Franz Josef salutierte nun die Fahne, er schritt rüstig und mit jugendlicher Elasttzität die Front ab. Dann schwenkte die Kompagnie zum Parademarsch ab, die kaiserlichen Prinzen als Zugführer und Fahnenoffiziere auf ihren Platzen. Kaum war der rhythmische Marschttitt verhallt, so verließen die Monarchen den Bahnhof und bestiegen den mit vier Trakehner Rappen a la Daumont bespannten Wagen. Biel bewundert wurde das österreichische Gefolge, namentlich der Minister des Auswärtigen, Graf Goluchowski, der gleich bei der Ankunft mit seinem deutschen „Kollegen", dem Grafen Bülow, ein sehr lebhaftes Gespräch geführt hatte dann die General-Adjutanten, General der Kavallerie Graf Paar, Feldzeugmeister Graf Bolfras, der Chef des Generalstabes, Feldzeugmeister Freiherr v. Beckh und alle die übrigen in ihren schmucken und blitzenden Uniformen. Auf dem Pariser Platz. rttta aittfrtft der fötofe I Leopold in der Uniform seines österreichischen Husarew- Die Feierlrchketten aus -»nnry oer regirnents. Ferner trafen ein der Chef des Großen Gene- jährigkeitserklärrrng des Kronprinzen 1 --------- -- - —- — Rebeftien, Expedition und Druckerei: AAnkßratze Ar. 7. Annahme von Anzeigen zn der nachmittag Mr den Mftnbffi Tag erscheinender. Nummer bt8 vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. II. I Ein blauer Frühlingshimmel lacht nieder auf die I Reichshauptstadt, in goldenes Licht getaucht sind die Plätze, I eine froh gestimmte und festlich gekleidete Menge flutet durch die beflaggten Straßen. — Berlin begeht heute einen I Feiertag in jener fteudigen Erregung, die alle Ereignisse, I die das vaterländische Gefühl bewegen, immer zu begleiten I pflegen. Namentlich ist es auch ein Feiertaa für Jung- I Berlin, die kecken Jungen und Mädchen sind den dumpfen I Schulstuben und dem Bakel des Magisters entronnen. I Leuchtenden Auges folgen sie in echt kindlicher Freude den I farbenprächtigen Vorgängen. Der Empfang des Kaisers Franz Joses in Frankfurt a. Oder. Eine halbe Stunde vor der festgesetzten Ankunftszeit I nahm eine Ehrenkompagnie des Leib-Grenadier-Regiments I König Friedrich Wilhelm III. mit der Regimentsmusik auf | dem Bahnsteig Aufstellung. Auch der Magistrat von Frank- I furt a. O. war erschienen, ferner bemerkte man den öfter- I reichisch-ungarischen Botschafter in Berlin, Szögyeny-Ma- I rich. Um 7 Uhr 56 Min. lief der kaiserliche Zug ein. Die I Musik intonierte die österreichische Volkshymne und Kaiser I Franz Josef entstieg dem Salonwagen. Er schritt zuerst I an die Herren des Ehrendienstes heran, begrüßte dieselben I und nahm vom Kommandanten des 3. Armeekorps, Ge- I neräl Lignitz, den Frontrapport entgegen. Der Kaiser ging I hierauf die Ehrenkompagnie ab und ließ sie an sich vor- I oeimarschieren. Nach kurzer Unterhaltung mit den Herren I des Ehrendienstes und dem österreichisch-ungarischen Bot- I schafter bestieg der Kaiser wieder den Salonwagen und mit I chm die Herren des Ehrendienstes. Als der Zug um 8 Uhr I 6 Min. aus dem Bahnhof ftihr, spielte die Musik abermals I die Volkshymne. Der ganze Aufenthalt dauerte zehn Mi- I nuten. Auf dem Borplatz deS Potsdamer BahuhosS in Berlin. Kurz nach 9 Uhr ritten die Gardes du Corps ein, die dem! Wagen der Monarchen als Eskorte dienen sollten. Auf das Kommando des Regimentskommandeurs Grafen Hohenau ritten die Gardes du Corps vor die b umenge- | schmückte Rampe und formierten sich dort in zwei Miedern. Nun kamen in langem Zuge.Hofwagen an, die Oberstall- meister Graf Wedel Revue passieren ließ. Der Kommandant von Berlin, Generalmajor von Ende, besichttgte ine militärischen Aufstellungen, und Polizeioberst Krause inspizierte zu Pferde in Begleitung seiner Adjutanten den Sicherheitsdienst. Freudig empfangen, fuhren jetzt Prmz Eitel Fritz und die jüngeren Kaiserlichen Prinzen heran, und Punkt halb 10 Uhr erschien der Kronprinz, der unausgesetzt die Grüße des Publikums erwiderte. Nachdem noch Prinz Friedrich Leopold von Preußen, Prinz Joachim Albrecht, Prinz Aribert von Anhalt eingetroffen waren, kündigten Hochrufe das Herannahen des Kaisers an, der mit dein Prinzen .Heinrich in einer zweispännigen Equipage die Rampe hinauffuhr. Kurze Zeit darauf dröhnte aus der Halle die Musik der dort aufgestellten Ehrenkompagnie, der Zug des Kaisers von Oesterreich war eingelaufen. — Bald rückte die Leib-Kompagnie mit klingendem Spiel ab, ein prächtig adjustierter a la Tuumont bespannter Wagen mit Spitzenreitern fuhr auf, und nach wenigen Minuten traten aus den Empfangszimmern die beiden Kaiser hervor und besttegen die Equipage. Jetzt brach ein nicht endenwollender Jubel aus. Kaiser Franz Josef dankte, heiter lächelnd, nach allen Seiten hin, und Kaiser Wilhelm war sichtlich auf das freudigste davon berührt, daß die Berliner seinem Kaiserlichen Verbündeten einen so überaus ivarmen und herzlichen Empfang schon beim ersten Betreten des Berliner Bodens bereiteten. Von den Gardes du Corps eskortiert, fuhren die Herrscher nach dem Potsdamer Platz zu. Den beiden Kaisern folgten in einer zweispännigen Equipage der Kronprinz und Prinz Heinrich, und darauf verließen Prinz Albrecht, die anderen Fürstlichkeiten und das Gefolge den Bahnhof. Schon vor neun Uhr war die Leibkompagnie des ersten Garde-Regiments zu Fuß mit der Fahne des ersten Bataillons, den Spielleuten und der Regimentsmusik von Potsdam gekommen. Zuerst erschien der Polizeipräsident o. Windheim in Gala-Uniform, dann kamen ine Mmen und Herren der österreichisch-ungarischen Botschaft und der Verein der österreichisch-ungarischen Reserveoffiziere, an ihrer Spitze die hohe Gestalt des Schlachtenmalers A. d. Kossak in österreichischer Dragoner-Uniform Von halb 10 Uhr an trafen dann die zum Empfang kommandierten Generale und die bei den Garde-Regimentern stehenden Fürstlichkeiten ein. Es erschienen Prinz Aribert von Anhalt, der Erbprinz von Sachsen-Altenburg, Prinz Albert öon Holstein und der Erbprinz von Hohenzollern. Es kamen dann Prinz Heinrich und Prinz Friedrich Leopold Don Preußen, ersterer in AdmiralsMÜform, Prinz Friedrich Tauffeier an verbinden, noch enger und fester zu knüpfen. Die Bürgerschaft dieser Stadt, seit Jahrhunderten gewöhn!, innigen Anteil zu nehmen an den Freuden und Ehren ihres Fürstenhauses, dankt Euerer Majestät fteudigen Herzens für diesen neuen Beweis Kaiserlicher Huld und Gnade. Der Gruß gilt zum anderen dem mächtigen Herrsck)er der österreichisch-ungarischen Staaten, welche dem Deutschen Reiche benachbart und befreundet, mit demselben durch vielfache gemeinsame politische, wirtschaftliche und geistige Interessen eng verbunden sind. Der GriM gilt nicht zum letzten dem ehrwürdigen Friedensfürsten, welcher seit Jahrzehnten in treuer Bundesgenossenschuft mit den Deutschen Kaisern rastlos, eifrig und erfolgreich bemüht ist, den eigenen Völkern und, soweit möglich, den Völkern des Erdreichs die Segnungen des Friedens zu erhalten, ihnen den ftiedlichen Wettbewerb in dem Streben nach ihrer eigenen Wohlfahrt wie nach den höchsten Gütern der Menschheit zu ermöglichen. Reich gesegnet seien die Stunden, ivelche Euere Kaiserliche und Königliche Majestät in dieser Stadt Der» 'weilen! Reich gesegnet für die Fürsten, reich gesegnet für die Völker! Die Antwort des Kaisers Franz Josef. Freundlich lächelnd erwiderte Kaiser Franz Josef auf die Begrüßungsrede des Oberbürgermeisters: Ich danke Ihnen, Herr Bürgermeister, für die herzliche Begrüßung und bin hocherfreut über den prächtigen Empfang, den Mir die Stadt Berlin durch ihre Vertreter bereitet hat. Ich sehe darin einen neuen Beweis, daß die unverbrüchliche Freundschaft, die Mich mit Ihrem erhabenen Herrscher vereint, auch hier wie bei uns in der Bevölkerung vollen Widerhall findet. M ,,at Ich bitte Sie, der Bürgerschaft der Reichshauptstadt Meinen herzlichen Dank und Gruß zu entbieten - »ä= ssssäi ss* ------ Überraschend war. 1900 Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholesteüeo vierteljährl. Mk. 1,96 monatlich 65 Pfg. Bei Possbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Kiehener Anzeiger Heneral-Anzeiger Begrüßung durch die Ehrenjaugfraueu. Wie bekannt, hatten drei schon oben erwähnte junge Damen im Namen der Stadt Kaiser Franz Josef nach der Ansprache des Oberbürgermeisters begrüßen sollen. Sie waren, während Magistratsmitglieder und Stadtverordnete den Wagen der Monarchen umdrängten, etwas in den Hintergrund der Szene geraten, und so kam es, daß, wahrscheinlich durch ein Versehen des die Ehrenschwadron führenden Offiziers, diese sich in Bewegung setzte und auch die Pferde des kaiserlichen Wagens demgemäß anzogen. Warnend winkte Kaiser Wilhelm, der sich bis dahin in ben Fond des Wagens zurückgelehnt hatte, ab: Kommandorufe erschallten, und ein Adjutant sprengte vor; schon aber erklangen von jenseits des Triumphbogens die Klänge des Präsentiermarsches, den die Kapellen der draußen postierten Regimenter anstimmten. Einen Augenblick sah es dann thatsächlich aus, als sollten die drei weißgekleideten Damen nicht dazu kommen, ihre Begrüßung anzubringen, dann aber kam der kaiserliche Wagen wieder zum Stehen. In diesem Augenblick erblickte Kaiser Franz Josef Frl. Kirschner und ihre Begleiterinnen, die an den Schlag des Wagens herangetreten waren. Und nun geschah das Unerwartete. Er blieb nicht sitzen, sondern erhob sich mit schneller Bewegung, Kaiser Wilhelm folgte ihm, und im nächsten Moment standen beide vor den jungen Damen, diese mit eleganter Verbeugung grüßend. Fräulein Kirschner sprach einige von Ernst von Wildenbruch für diesen Zweck verfaßte Verse: „Durch unsre hochgebauten Hallen Ziehst, hoher Herr, gebietend Du herein. Laß einen zweiten Willkomm' Dir gefallen: In unsre Herzen, lieber Herr, tritt ein. Wir möchten Dir ein Wort, ein einz'ges, sagen. Das man nicht laut, nur leise sagen darf, Daß Lust und Leid, was jemals Du getragen. Den Widerhall in unsre Herzen warf. Doch weil die Herzen schweigen, wenn sie lieben, So sei die stumme Blume unser Mund, Du kommst zu uns, und wir lind Dein geblieben. Der Frühling Gottes segne diesen Bund". Damit überreichte sie dem Monarchen einen Maiglöckchenstrauß, dessen Schleife die Farben Oesterreichs und Ungarns zeigte. „Sie haben sehr schön gesprochen, mein liebes Fräulein: das war wirklich ein ganz reizendes Gedicht!" Mit diesen Worten reichte der Kaiser von Oesterreich der jungen I Dame die Hand, und auch ihre beiden Gefährtinnen und I nach ihnen Oberbürgermeister Kirschner und Stadtverord- I neten-Vorsteher Dr. Langerhans wurden durch die gleiche Liebenswürdigkeit ausgezeichnet. Die Monarchen nähmen ihren Platz wieder ein, und der Wagen setzte sich in Bewegung. Kaiser Wilhelm nickte Oberbürgermeister Kirschner und den Umstehenden grüßend zu. Dann rollte der Wagen die Linden hinab. Abermals erschallte der Präsentiermarsch, diesmal rechtzeitig, und von der Höhe des Ehrenbogens herab schmetterten wiederum die Fanfaren der städtischen Bläser. Den Epilog des Begrüßungsaktes am Pariser Platz bildete die Vorüberfahrt der Begleitung und des Gefolges der beiden Kaiser. Jubelnde Hochrufe und Hurrahs galten namentlich dem Kronprinzen und dem Prinzen Heinrich, die gemeinsam die Fahrt zum Schlosse zurücklegten. Im Lustgarten und vor dem Schloß. Lustgarten und der Raum vor dem Schloß waren ausschließlich dem Militär Vorbehalten. Front nach dem Museum stand das Kaiser Franz-Regiment, das dritte Bataillon in einem spitzen Winkel nach der Schloßbrücke zu, den beiden ersten Bataillonen angegliedert. Den Franzern gegenüber war das Augusta-Regiment postiert, vor der in ihren malerischen Uniformen die Abordnung des russischen Leibgarde-Grenadier-Regiments zu Fuß Posto gefaßt hatte. Den Rücken gegen die Kaiser Wilhelmsbrücke stand das dritte Bataillon des Augusta-Regiments. Auf der Schloßbrücke begann dann die Aufstellung der Alexander. Die Mündungen ihrer Geschütze der Wasserseite zugekehrt, steht die Leib-Batterie. Es ist etwa 40 Minuten nach 10 Uhr, als das erste Geschütz seinen ehernen Mund öffnet, das Zeichen, daß die beiden Kaiser das Denkmal Friedrichs des Großen erreicht haben. Und nun folgt Schuß auf Schuß und in das Dröhnen des kriegerischen Saluts mischt sich der Klang der rauschenden Regimentsmusiken und der laute Gruß der präsentierenden Truppen. Am östlichen Brückenkopf der Schloßbrücke schwenkt die Ehreneskorte rechts zur Schloßfreiheit ab, und beide Monarchen verlassen die Equipage. Wenige Schritte und Kaiser Franz Josef befindet sich am linken Flügel seines Regiments, dessen ganze Front er in strammer, militärischer Haltung langsamen Schrittes und nur von unserem Kaiser begleitet, abschreitet. Nach dem Wschreiten der Front begann der Vorbeimarsch. Zwischen dem zweiten und dritten der fünf dort aufgereihten Kandelaber wählten die Kaiser ihren Standplatz, wieder beide allein und erst eine Strecke hinter ihnen alle die Prinzen und Fürstlichkeiten mit ihrem Gefolge. Den Vorbeimarsch eröffnete das Franz-Regiment. Unter den Klängen des Radetzki-Marsches zog es in Zügen an seinem Chef vorüber. Es folgte das Augusta- und diesem das Alexander-Regiment. Als die Infanterie vorüber war, setzte sich die Musik der Artillerie an die Spitze der Leib- Eskadron umd führte diese sowie die Geschütze der Leib- Batterie an den Herrschern vorbei. Damit war der militärische Akt der Einzugsfeierlichkeiten beendet, und die beiden Monarchen gingen, gefolgt von den übrigen Fürstlichkeiten, unter denen sich auch die ältesten Söhne unseres I Kaiserpaares befanden, in das Schloß. Die Familien Frühftüikstafel. Bei der Ankunft im Schloß wurde Kaiser Franz Josef I von der Kaiserin Augusta Viktoria auf das herzlichste begrüßt. Mittags um 1 Uhr 15 Min. fand dann bei dem I Kaiser und der Kaiserin eine Familien-Frühstückstafel statt, art der der Kaiser Yon Oesterreich, der Großherzog und die Großherzogin von Baden, Prinz und Prinzessin'Heinrich von Preußen, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen, Prinz Albrecht von Preußen, der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich und Prinz Adalbert und Prinzessin Feodora von Schleswig teilnahmen. | Galatafel. Abends 7 Uhr fand im Königlichen Schlosse Gala- I täfel statt. Der Kaiser von Oesterreich führte die ! Kaiserin, Kaiser Wilhelm die Großherzogin I von Baden. An der Tafel saß der Kaiser rechts, die I Kaiserin links von Kaiser Franz Josef, nach rechts folgten I die Großherzogin von Baden, der Herzog v. Aork, Prin- I zesfin Friedrich Leopold, der Kronprinz, die Ecbprinzesfin I von Hohenzollern, Prinz Eitel Friedrich, Prinzessin Feodora I von Schleswig-Holstein, Prinz Joachim Albrecht, Frau I Minister Gräfin v. Bülow. Nach links folgten der Kronprinz von Italien, Prinzessin Heinrich, der Großherzog I von Baden, Prinzessin Aribert von Anhalt, Prinz Heinrich, I Prinzessin Karl von Hohenzollern, Prinz Albrecht, Gräfin Brockdorff, Prinz Friedrich Heinrich, Fürstin von Fürstenberg, Herzog Albrecht von Württemberg. Gegenüber dem Kaiser Franz Josef saß der Reichskanzler, rechts von ihm Graf GoluchowSki, die Botschafter Graf Szoegyeny, Generaloberst Graf Waldersee, Feldzeugmeister Beck, links der italienische Botschafter, der englische Botschafter, der Oberkämmerer Graf Solms und der österreichische General Graf Paar. Bei der Tafel brachte Kaiser Wilhelm folgenden I Trinkspruch au«: Es wird mir schwer, Worte zu finden, um Eurer Majestät meinen Dank und den meine» Volkes darzubringen für Euerer Majestät gnädigen erneuten Besuch. Aberkenn ich auch die schönsten Worte finden und zusammenfügen wollte, so wären fie doch nicht Imstande, die Gefühle wtederzugeben, die uns heute bewegen. Worte müssen verstummen, wo der PulSschlag eines gesamten Volkes sich fühlbar macht. Dieser PulS- und Herzschlag hat heute Euerer Majestät entgegengeschlagen, wie wohl noch nie. Der jubelnde Empfang in Berlin am heutigen Tvge gilt zunächst Euerer Majestät erhabenen Person, als dem großen und weisen Herrscher. Aber mein Volk steht auch in Euerer Majestät den treuen Freund und Bundesgenossen meines seligen Herrn Großvaters, meines Herrn Vaters und meiner selbst. Und nun sind Euere Majestät erschienen, um der vierten Generation die unschätzbare Gabe Euerer Majestät Liebe und Freundschaft anzutragen, fürwahr da« herrlichste Kleinod, welches heute unter allen Geschenken meinem Sohne mitgegebm werden kann. Zugleich aber haben Euere Majestät durch Ihren Besuch der Welt offenbart, wie fest und sicher der Bund besteht, den Ew. Majestät dereinst mit meinem seligen Herrn Großvater und dem Herrscher deS schönen glücklichen Italien abgeschloflen haben. Wahrlich, dieser Bund ist nicht nur eine Uebereinkunft der Gedanken der Fürste«, sondern, je mehr und mehr er bestanden hat, hat er sich tief etngelebt in die Ueberzeugung der Völker, und wenn erst die Herzen der Völker zusammenschlagm, dann kann fie nichts mehr auseinander- retßen. Gemeinsame Jntereffen, gemeinsame Gefühle, gemeinsam getragenes Freud' und Leid verbinden unsere drei Völker heute über 20 Jahre, und obwohl oft verkannt und mit Hohn und Kritik übergossen, ist es dm drei Völkern gelungen, bisher den Frieden zu bewahren und als ein Hort des Friedens in aller Welt angesehen zu werden. So beugt sich denn auch beute mein Volk dem Weisen und Aeltestm diese« Bundes. Unsere Wünsche, die sich am heutigen Tage um Ew. Majestät und Ew. Majestät erlauchtes Haus und Ihre Völker zusammenschaaren, gipfeln in noch einem anderen Punkt. Ich glaube, kaum zu weit zu gehen, wenn ich ausspreche, daß, soweit hmte in deutschm Landen ein Vaterherz schlägt, es Ew. Majestät in tiefer Bewegung dafür dank« wird, daß Ew Majestät meinem jungen Sohne Ihren Segm mit auf seinen Lebensweg geben wollen. Allen Gefühlen aber, die mein Volk, mein HauS und mich heute erfüllm, geben wir Ausdruck, indem wir rufen: Se. Majestät der Kaiser und König Franz Josef Hurrah! Hurrah! Hurrah! Der Kaiser und König Franz Josef erwiderte hierauf mit folgenden Worten: Bon den herzlichen Worten Euerer Majestät innig bewegt, danke ich aus vollem Herzen für den schönen Willkommen, den Euere Majestät mir bereitet haben, und gedenke mit wärmster Erkenntlichkeit des festlichen Empfanges seitens Euerer Majestät prächtiger Hauptstadt. Ich bin glücklich, daß es mir heute gegönnt ist, in Erfüllung eines lange gehegten Wunsches Euerer Majestät im Kreise der Ihren die Hand zu drücken. Die unverbrüchliche Freundschaft, die uns vereinigt, bildet auch ein kostbares Gut unserer Reiche und Völler. Er» weitert durch die treue Mithilfe unseres verehrten Freundes und Verbündeten seiner Majestät des Königs von Italien bedeutet sie für Europa ein Bollwerk des Friedens. Um die Pflege dieses segensreichen Werkes, welches ich mit Ihrem ruhmreichen Großvater zu begründen so glücklich war, haben sich Euere Majestät als mannhafter Hüter eines für alle Telle gleich kostbaren Erbtells unvergängliche Verdienste erworben. Inder frohen Zuversicht auf die Fortdauer unserer Freundschaft erhebe ich mein Glas auf das Wohl Euerer Majestät, Ihrer Majestät der Kaiserin und der königlichen Famllie. Sie leben hochl Die Illumination. Die Illumination zu Ehren des Kaisers Franz Josef war glänzend. Von der französischen Botschaft auf der einen, und der russischen Botschaft auf der anderen Seite der Linden zog eine Reihe prächtig beleuchteter Bauten und großer Hotels die bewundernden Blicke auf sich. Das Denkmal Kaiser Wilhelms war märchenhaft beleuchtet. Es war von weißglühenden elektrischen Guirlanden rings umzogen und von sieben Scheinwerfern von der Schloßzinne bestrahlt. Das Standbild hob sich wie lebend von dem dunklen Nachthimmel im weißen Licht ab. Kaiser Franz Josef und Kaiser Wilhelm betrachteten das Standbild lange vom Schloßfenster aus. Inzwischen rückte die Militärmusik sämtlicher Regimenter des Garde-du-Corps, etwa 1700 Mann, die Linden entlang. Das Kaiserpaar und Kaiser Franz Fosef erschienen auf dem Schloßbalkon, während die übrigen Fürstlichkeiten von den Fenstern herniederblickten. Jetzt ertönten die Kommandorufe: Präsentiert das Gewehr! Die Fürstlichkeiten auf den Balkons und an den Fenstern salutierten, die Musik intonierte „Gott erhalte Franz den Kaiser". Gegen 10 Uhr war der Zapfenstreich beendet. Crispi über den Dreibund. Crispi veröffentlicht in der „Ora" von Palermo einen langen bedeutsamen Artikel: Obschon die Feste einen familiären Charakter hätten, bewiesen fie doch die Festigkeit des Dreibundes, der stets Italien zum Heil gereiche. Daß der Dreibund Italien militärische Lasten aufzwinge, sei unwahr. 1890 habe Caprivi seinem Plane zugestimmt, den Dreibund in einen Zollverein umzuwandeln. Hierauf wendet sich Crispi an diejenigen, die glaubten, in Berlin würden Abmachungen für die künftige internationale Politik getroffen. Das sei unwahrscheinlich. Alle schwebenden Fragen müßten auf einem internationalen Kongreß erledigt werde«. Die italienischen Sorgen um Albanien seien grundlos. Oesterreich werde dies nie aneklieren wollen, auch nicht können, wenigstens würde Italien dies nicht gestatte. Die emzige Lösung sei die Unabhängigkeit Albaniens. Schließlich preist CnSpi den Dreibund als einen Friedens- bund. * * * Reifet Franz Joses fuhr heute nachmitlaa 2‘f, Uhr nach dem Schlöffe Kaiser Wilhelms I., verweilte dort 20 Minuten und begab sich dann nach dem Maus oleum in Charlottenberg, wohin ihm Kaiser Wilhelm II. und Prinz Heinrich vorausgefahren waren. Franz Josef besuchte dann den Prinzen Albrecht von Preußen, den Erbprinzen von Hohenzollern, sämtliche Botschafter und den Fürstbischof Kopp. Zu der großen Schießübung bei Jüterbog sind gestern und heute die Truppen von Potsdam, Berlin und Groß-Lichterfelde auSgerückt. Zwei kriegsstarke Schwadronen des Leib-Garde-Husaren-Regiments unter dem Befehl des Regimentskommandeurs Grafen Dosna machten gestern morgen um 8 Uhr den Anfang; sie reiten hin und zurück. Die Fußtruppen wurden mit der Bahn befördert. Der Besuch des Kaisers Franz Josef in der Kaserne des Kaiser- Franz-Regiments ist auf morgen nachmittag P/2 Uhr cm- gesetzt. Das Regiment steht bei der Ankunft seines Chefs in Parade. Um 6 Uhr findet im Offiziers-Kasino ein Festesten zu 125 Gedecken statt. Der Reichsanzeiger schreibt: Die Kaiserin Friedrich hatte die Absicht, zur Feier der Großjährigkeitserklärung nach Berlin zu kommen. Sie mußte dieselbe indes wieder aufgeben, da ihre Gesundheit noch der Schonung bedarf. Kaiser Franz Josef hat der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung zufolge nach dem Einzuge in Berlin dem deutschen Kaiser die Würde eines österreichischen Generalfeldmarschalls übertragen. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung begrüßt heute an der Spitze ihres Blattes die mit dem Kaiser von Oesterreich zur Feier der Großjährigkeitserklärung des deutschen Kronprinzen hier eingetroffenen deutschen und fremdländischen Fürstlichkeiten. In dem Artikel heißt eS u. a.: Als Vertreter des Kaisers von Rußland begrüßen wir mit besonderer Genugthuung den Großfürst Constantin Constantinowitsch, deffen Erscheinen zur Großjährigkeitserklärung des deutschen Kronprinz'n ein neuer Beweis für die Fortdauer der alt überlieferten Freundschaft zwischen dem deutschen und russischen Kaissrhause und zwischen dem deutschen und russischen Reiche ist. Herzliche Sympathieen begegnen dem Prinzen von Neapel, in dem wir den edlen Sohn des ritterlichen Königs Umberto ehren, der, wenn Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz ich die Hand reichen, im Geiste mit seinen beiden Verbündeten vereint ist. Das unserer Kaiserfamllie nahe verwandte englische Königshaus entsendet in der Person des Herzogs von Dork einen dereinst zur Thronfolge berufenen Prinzen als willkommenen Ueberbringer von Glückwünschen der ehrwürdigen Herrscherin des britischen Lottes. — Dem „Berl. Tagebl." zufolge hat die Stadt- vertretung von Mährisch-Neustadt, die deutsch- national gesinnt ist, gestern an den Oberbürgermeister von Berlin ein Telegramm gesandt, worin sie eingedenk der Zusammenkunft des Kaisers Josef II. mit dem Köuig Fried, rich IL in Mährisch-Neustadt der deutschen Reichshauptstadt treuen deutschen Gruß und Glückwunsch darbringt. Der Kronprinz von Italien traf um 5 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof ein und wurde vom Kaiser, dem Kronprinzen und den anderen Kaiserlichen Prinzen, dem Prinzen Heinrich, den Mitgliedern der italienischen Botschaft und dem Ehrendienste empfangen. Am Bahnhofe hatte eine Kompagnie des 4. Garde-Grenadier-Regiments z.F. Aufstellung genommen. Die Musik spielte bei der Einfahrt des Zuges den italienischen Königsmarsch. Der Prinz von Neapel trug blaue Husarenuniform. Der Vertreter des Zaren bei den Feierlichkeiten traf heute abend aus Petersburg auf Bahnhof Friedrichsttaße ein und wurde von dem russischen Botschafter Grafen Osten von der Sacken mit dem Personal der Botschaft empfangen. Eine Ehrenwache des Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier- Regiments paradierte. Die Deputation des russischen Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm III., a la suite dessen der Kronprinz steht, ist aus Warschau angelangt. lieber die Veranschlagung des Waldkapitalwertes zu Zwecken der Besteuerung. Gießen, 5. Mai 1900. Die neue hessische Steuergesetzgebung hat an Stelle der Grund-, Gewerbe- und Kapitalrenten-Steuer eine einheitliche Vermögenssteuer eingefühtt. Jnfolgedeffen sind die Privat-Forstverwaltungen aufgesordert worden, die Boden- und Holzvorratswerte der ihnen unterstellten Forstreviere zu deklarieren. Da dies innerhalb kurzer Frist geschehen soll, so kann es sich selbstverständlich nur um eine annähernde Veranschlagung handeln. Eine an mich gerichtete Anfrage veranlaßt mich, für solche Abschätzungen einen Berechnungnungsmodus öffentlich in Vorschlag zu bringen, der im nächsten Hefte der Allg. Forst- und Jagdzeitung näher ausgeführt werden wird und im wesentlichen auf folgenden Erwägungen beruht. Bekanntlich ist, wenigstens bei Hochwaldungen, der bei weitem größte Teil deS Kapitalwettes in dem stockenden Holzvorrat enthalten der kleinere Teil steckt im Boden. Folglich wird e? zweckmäßig sein, bei der Abschätzung von dem ersteren, dem thatsächlich vorhandenen Holzvorrat, auszugehen. Dieser wird bei den nach neuester Vorschrift ausgeführten Betriebsregulierungen ziemlich genau ermittelt, läßt sich aber auch auf Grund einer Altersklaffentabelle, wie sie wohl für jedes ordnungsmäßig verwaltete Revier vorliegt, summarisch veranschlagen. Die so ermittelte Holzmaffe (in Festmetern) wäre dann noch mit dem durchschnittlichen Einheitswerte (pro Festmeter) zu multiplizieren, der natürlich, da eS sich um größtenteils «lster nnb^ !i Sütert ot^m, Bei Markes' nter btmte ®*geh ” u"b M fordert. ;tn£be^fliL P seines M WM*,’; ^"Friedch Ww?> be !t ?en Mstmen in ta beut lWrv M tinef JusoW^ 1 « *»*« bieü *$ ft**6 ir * ’ >«± « «°S- H Md »* t=it-»l bet h< .-8'1° tWrej«1'?1* «A orvnu^ a( 1*5 1 forderungen genügen. Dr. Wimmenauer. noch nicht haubares Holz handelt, kleiner sein muß als der Durchschnittswert hiebsreifer Bestände und nach meinen Ausführungen im 1895 er Jnlihest der Allg Forst- und Fagdzeitung /, Tagen 66658 und hier in Darmstadt (mit 68000 Einwohnern) während 9*/2 Tagen 48 659 Besucher. Das ergiebt während 62 Ausstellungstagen eine Gesamtbesuchsziffer von 279 264 Personen oder im Durchschnitt die große Zahl von täglich 4500 Besuchern. Es kamen somit auf 1000 Einwohner in Breslau 193, in Dresden 217, in Dortmund 469 und in Darmstadt 715 Besucher. Die Frequenz der hiesigen Ausstellung war also die verhältnismäßig weitaus stärkste, trotz der hier bekanntlich beschränkten Raumverhältmsie. § Ostheim, 5. Mai. Nächsten Donnerstag findet hier Bürgermersterwahl statt. Da die Amtsperiode des bisherigen langjährigen Gemeindeoberhauptes abgelaufeu ist. Außer ihm werden noch zwei jüngere Mitbürger als Kandidaten aufgestellt, so daß man sehr gespannt ist, wer den Wahlsieg davontragen wird, und ob es ohne Stichwahl abgeht.____________ _ Jagd und Sport. Nidda, 4. Mai. Die Stadt rüstet bereit« emsig für die am 28. und 29. Mai stattfindende Vereins-Wettfahrt des Nord-Bez.- Gau IX vom Deutschen Radfahrer-Bund, verbunden mit der Standarten- Weihe des Radfahrer-Vereins Nidda. Vorbereitungen wie nie zuvor werden getroffen, der Festplatz wird ein neues, eigenartiges Gepräge erhalten. Die Anlage eines riesigen Podiums, auf welchem u. a. der Kunstfahrer C. Vafferot die unglaublichsten Leistungen auf Zwei- und Einrad ausführen wird, ist bereits vergeben. Für Volksspiele rc. ist reichlich Sorge getragen. Kletterbäume, Sacklaufen, Schaukeln mit Vorrichtung zum Schnappen nach Würsten u. dgl. werden die Jugend belustigen. Krafts Saalbau, wo die Weche der Standarte in Gegenwart der Vertreter der Gau- und Patenvereine vollzogen wird, legt für die Festtage ein besonderes Gewand an. (Hung. Land-Post.) Das XIII. deutsche BuudeSschietzen in Dresden. Für die Teilnehmer am XIII. deutschen Bundesschießen ist nachfolgende behördliche Entschließung von Wichtigkeit: Auf die an das königlich- sächsische Finanzministerium gerichtete Eingabe hat die königliche Zoll- und Steuerdirektton dem Festausschüsse mitgeteilt, daß dem Anträge auf zollfreie Abtastung der von den ausländischen Besuchern des deutschen Bundesschiebens in Dresden einzubringenden Waffen, Munition und Fahnen entsprochen und wegen Anweisung der Zollstellen das erforderliche verfügt worden ist. Von Ehrenpreisen sind weiter eingegangen: Ein Preis vom Kaiser von Oesterreich, ein Preis vom Großherzog von Baden (ein vergoldeter Pokal), ein Preis vom Herzog zu Sachsen-Altenburg, Preise von der privilegierten Scheibenschützengesellschaft zu Dresden in Höhe von 1000 Mk., von den Damen der privilegierten Scheibenschützengesellschaft zu Dresden vier Ehrengaben zu je 450 Mk. (zusammen 4800 M ), von den Sau-Schützen und Jägern der Berliner Schützengilde (100 Mk.) auf Wildscheibe), von der Stadt Leipzig 1000 Mk. und von zahlreichen Privaten. Die Ehrenpreise der Stadt Dresden betragen 6000 nicht 4800 Mk. wvvS naefi 0TLaa» w tA