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Rr. 56 Erstes Blatt. Domikrstaa den 8. März
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Gießener Anzeiger
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Der „deutsche" Kmrful in Aden ein englischer Unterthan!
In der Neichstagssitzung am Donnerstag hatte der AvterstaatSsekretär v. Richthofeu auf eine Anfrage des Abg. Liebermann von Sonnenberg hinsichtlich des unwürdigen Benehmens des „deutschen" Konsuls bei Beschlagnahme des Postdampfers „General" in Aden durch die Engländer nur die nichtssagende Antwort, der Regierung sei eine Nachlässigkeit des genannten Herrn nicht bekannt geworden. Jetzt wird den „Münch. N. Nachr." bezüglich des Adener Konsulats von einer über die dortigen Verhältnisse wohlunterrichteten Seite geschrieben:
Herr Schmuck, der deutsche Konsul in Aden, ist ein Kaufmann, aber kein Berufskonsul; er ist in Hamburg geboren, und war bis vor wenigen Jahren auch deutscher Unterthan, sand aber, daß er, als großer Kaufmann in Aden, von seiner deutschen Unterthanenschaft gar keinen Nutzen habe — und wurAe deshalb englischer Unterthan. Er hatte eine Engländerin zur Frau, und er ist selber durch und durch englisch gesinnt. Es kann lounder nehmen, daß Deutschland an einem so hochwichtigen Ort wie Aden, dessen Bedeutung man in Europa, aus Unkenntnis der Verhältnisse, ganz unterschätzt, keinen deutschen Berufskonsut hat. Sowohl Frankreich als Amerika haben solche. Ein deutscher Berufskonsul in Aden könnte eine sehr ersprießliche und weitreichende Thätigkeit entfalten.
Zu näherem Verständnis der Eigenart dieses sonder« 4>aren Herrn, dem in Aden die Vertretung des deutschen Reiches anvertraut ist, wiederholen wir aus den im Januar von uns abgedruckten Briefen von Angenzeugen der Beschlagnahme hier noch einmal die Stellen, die sich mit der Thätigkeit oder vielmehr Unthätigkeit dieses Herrn „Konsuls" beschäftigen. In dem Briefe heißt es:
„Also der Kaiserlich deutsche Reichspostdampfer unter neutraler Flagge, nur neutrale Häfen anlaufend, wird in einem der ersten Häfen seiner Reise trotz deklarierter und amtlich beglaubigter Listen über Ladung und Passagiere und trotz persönlicher Versicherungen strengster Neutralität einfach festgehalten, mit kriegerischer Macht besetzt, ausgeladen unter dem Schutze drohender Geschützmündungen, sein Inhalt durch rohe und frivole Behandlung zerstört, zahlreiche Passagiere in ihrem Beruf und ihrer Freiheit beeinträchtigt, und — am zweiten AbenderstwagtsichderdeutscheKonsulzum ersten Male verstohlen an Bord, um einmal zu sehen, was die Herren der Meere denn eigentlich mit seinen lieben Landsleuten angefangen haben. Ein schwacher Trost für uns arme hilflose Deutsche!"
Ein Brief eines anderen Passagiers an die „Hamb. Nachr." beschwerte sich vor allem darüber, daß der deutsche Konsul in Aden den empörenden Vorgängen ruhig zu- gesehen habe. ES heißt in dem Schreiben:
„Es war für uns Deutsche nun ein außerordentlich erhebendes Gefühl, wie englische Marinesoldaten mit geladenem Gewehr an Bord kletterten, auf Deck Gewehr bei Fuß antraten, und zum Patrouillieren kommandiert wurden. Noch erhebender war es indessen, daß bei dieser so ganz unwichtigen Sache wir armen Kriegsgefangenen während fast zwei voller Tage und Nächte vergebens nach der deutschen Konsulatsflagge aus- schauen mußten. Um so unbegreiflicher war diese glänzende Abwesenheit des Konsuls, da dieser Herr zugleich Agent der Linie ist. Erst am 5., spät nachmittags, erblickten wir endlich die ersehnte Flagge, nachdem der Kapitän am 4. persönlich seinen , schriftlichen Protest gegen die englischen Maßregeln auf dem Konsulat hinterlegt hatte.
Wir Passagiere haben einen Protest beim deutschen Konsul hinterlegt, in dem wir von der englischen Regierung vollen Schadenersatz für den uns durch die widerrechtliche Beschlagnahme des Schiffes erwachsenen Geld- uud Zeitverlust fordern. Allerdings, wenn der betreffende Herr sich unserer Ansprüche ebenso thatkräftig annimmt, wie unserer selbst, haben wir nicht viel zu hoffen."
Durch die englische Staatsangehörigkeit des Herrn Schmuck wird sein empörendes Benehmen einigermaßen erklärt. Wie dürfte ein englischer Unterthan auch nur mucksen, wenn die Marine-Söldner der Queen sich ein Recht anmaßen, die völlig unverdächtige Ladung eines deutschen Schiffes zu durchwühlen, und sich dabei so zu betrinken aus den.vorgefundenen Vorräten, daß sie, wie in diesem Falle, an Land geschafft werden mußten. Von einem Herrn Schmuck, dem sein nationales Bewußtsein so beiläufig aus „Geschäfts"rücksichten abhanden gekommen ist, darf man es allerdings nicht erwarten, daß er seiner Amtspflicht genügt.
Aber kann Deutschland schon solche Existenzen, die ihre Nationalität wie die Hemden wechseln, nirgends als Pioniere deutscher Kultur gebrauchen, auf den Posten eines deutschen Konsuls gehört eine derartige Limonadenseele schon garnicht.
Wir empfehlen übrigens Herrn v. Richthofen, etwas mehr Zeit auf die Lektüre der Zeitungen zu verwenden, damit er sich nicht wieder hinter den Vorwand verkriechen kann, ihm sei über solche Vorgänge nichts bekannt. Oder liest Herr v. Richthofen außer dem „Reichsanzeiger" nur noch englische Zeitungen?
Andererseits hat man es ganz vergessen, wie man noch vor einem halben Jahre das Volk in der Anschauung erzogen hat. England sei der „Erbfeind" Deutschlands. Der Zeitung, die etwa noch an das Krüger-Telegramm erinnern wollte, würde das sehr verübelt werden, als wollte sie „Mißtrauen" säen zwischen den Deutschen und ihren „Vettern", den Angelsachsen. Ebenso kommt derjenige jetzt in den Ruf eines „Reichsfeindes", der einer Annäherung an Frankreich das Wort redet, also nur der Politik vom letzten Jahre treu bleibt. Man thut in Berlin, als ob es kein CoweS gebe, wo man „geschnitten", kein Samoa, wo man an der Nase herumgeführt wurde. Und wenn heute ein deutsches Witzblatt etwa das geschmacklose Bild reproduzieren wollte, das kurz nach der Krügerdepesche erschien, und in dem die Großmutter in Windsor ihren Enkel überlegt und mit Ruten traktiert, so würde wahrscheinlich der Staatsanwalt nicht zugeben wollen, daß dieses Bild und noch weit schlimmere im englischen Witzblatte „Punch" gestanden, das in England so viel gelesen wird, wie bei uns die „Fliegenden Blätter".
Ja, es hat sich viel geändert! Man hat den berüchtigten Rhodes in Berlin empfangen, obgleich er nicht einmal im Frack, geschweige denn in Knieehosen u. s. w., sondern echt englisch im Hellen Sommeranzug, die Hände in den Taschen, erschienen war. Die Regierungsmänner haben auch den gleichwertigen Beit empfangen, einen der schäbigsten Juden und Hallunken, den die Erde trägt, und mit ihm unterhandelt. Man ist nach England gefahren, und hat dort in vertraulichem Gespräche mit Chamberlain und Balfour konversiert, derweil die Buren gegen englische Habgier und Raublust im Felde standen, und seit der Zeit sind allerhand Lieblichkeiten über den Kanal hinüber und herüber ausgetauscht worden, während man an die französische Grenze immer finstere Wolken schob.
Um aber dem Ganzen die Krone aufzusetzen, berichtet der offiziöse „DailyTelegraph" daß der deutsche Kaiser anläßlich des Sieges Roberts und der Kapitulation Cronjes der Königin Viktoria und dem Prinzen von Wales gratuliert hat. Wahrlich, unter dem Donnerwetterkurse, dem Kurse der Plötzlichkeiten und Ueberraschungen gehört Ben Akiba unter das alte Eisen! Das hat sich vor vier Jahren doch gewiß niemand träumen lassen. Es macht zwar dem Enkel der Königin Viktoria alle Ehre, wenn er Anteil nimmt an dem Geschicke der englischen Waffen, allein über dem Enkel stehtder Kaiser, stehen die Interessen des Reiches, welche allen verwandschaftlichen Gefühlen vorangehen, und so ist anzunehmen, daß die sensationelle Nachricht des „Daily Telegraph" unrichtig ist, obwohl sonst gerade dieses Blatt von allen englischen Blättern noch am ehesten das Prädikat „verläßlich" verdient. Das deutsche Volk hat seine Sympathieen für die Buren so unzweideutig zum Ausdruck gebracht, daß es ein Spiel mit Kronen wäre, wenn man ihm von oben herab nun Sympathieen für die Engländer anbefehlen würde.
„Ein Spiel mik Kronen", — das wäre es nun allerdings nicht, die Zeit von 1848 kehrt nicht so leicht wieder.
* Vom Kriegsschauplatz.
Man kann im Hinblick auf die wenigen Nachrichten vorn Kriegsschauplatz die Lage nur mit dem Worte
„Ruhe vor dem Sturm" charakterisieren. Der Rückzug der Burenarmee aus Natal vollzog sich derart, daß eine Division unter Führung von Lucas Meyer über den Vanreenen-Paß nach Harrysmith zog und von dort mittels der Eisenbahn nach Bloemfontein befördert wurde, während die Hauptarmee unter Joubert über Glencoe nach der Transvaalgrenze abging. Unterdessen beschäftigten 1500 Buren den General Buller, der den Abzug der Hauptarmee nicht merkte. Burenabteilungen unter de Wet, de la Rey und Botha in Stärke von 5000 Mann
besetzten den Makawspaß gegenüber dem Lager des Feldmarschalls Roberts. Der „Standard" meldet aus Os- fontein vom 2. dieses Monats: „Unsere Vorposten sind eine Meile vom Feinde entfernt, der eine isoliert liegende Hügel-Gruppe südlich des Flusses, zehn Meilen östlich vom Standplatz unseres Heeres, besetzt hat. Die feindlichen Truppen werden auf 4000 Mann geschätzt. Sie sollen, wie es heißt, ihre Stellung verschanzen." Die Angaben über die Zahl der burischen Streitkräfte bezweifeln wir nach wie vor.
Aus Kapstadt, 5. März, wird der „Magdeburger Ztg." telegraphiert: Das Afrikanderblatt „Ons Land" bestätigt, daß sich der Entsatz vouLadysmith dadurch erkläre, daß Joubert seinen Rückzug am letzten Sonntag begann. Um den Eindruck zu erzeugen, daß dem Entsatz hartnäckig Widerstand geboten werde, ließ der Burengeneral eine Streitmacht am Grobelaars Kloos zurück. Der Rückzug Jouberts erfolgte daher mit vollem Vorbedacht. Die Belagerung von Ladysmith wurde aufgegeben, da eingesehen wurde, daß die Besatzung nur durch Hunger zur Uebergabe gezwungen werden könnte. Auch machte die Lage an der Westgrenze die Aufhebung der Belagerung notwendig. Nachdem jetzt das erste Kriegsstadium vorüber sei, würden die Republikaner ihre Taktik ändern. Während der ersten fünf Monate des Krieges hätten sie die Offensive ergriffen; jetzt beabsichtigen sie, lediglich in der D e f e n s i v e zu bleiben.
Cronjes Kapitulation und Reise iu die Gefangenschaft.
Aus London wird berichtet: Lord Roberts' Worte beim Empfange Cronjes waren: „Ich freue mich, Sie zu sehen; ich freue mich, einen so tapferen Mann zu bekommen." Cronje und Frau gingen furchtbar niedergeschlagen zum Bahnzuge, „wie zum Schaffst steigend", drückt sich ein Korrespondent aus. Cronjes Lager enthielt keinerlei Nahrung oder Futter mehr. Cronje war mit de Wet in steter heliographischer Verbindung gewesen. Am Montag heliographierte er an de Wet, er müsse sich, falls ihm nicht raschest Entsatz gebracht werde, ergeben. De Wet heliographierte noch Dienstag früh, Cronje solle aushalten, denn er komme. Es war aber z u spät. Dienstag nachmittag wurde Cronjes Lager von allen dienstfreien Soldaten "besucht und jeder Winkel durchforscht. Die Soldaten durften, nachdem die Ausrüstungsgegenstände entfernt worden waren, nehmen, was sie wollten, und trugen Kleider, Kessel, Tassen und Regenschirme davon.
Cronje und Frau passierten am Mittwoch die Oranje- river-Station. Der Bahnhof war selbst für Offiziere ab> gefperrt. Cronje sah elend und leidensvoll aus. Er betrat das Speisezimmer mit seiner Frau, seinem Enkel und dem Sekretär. Der eskortierende General und dessen Suite setzten sich an denselben Tisch. Etliche Minuten lang bedeckte Cronje das Gesicht mit beiden Händen und betete.
Die Kosten des Krieges für England.
Dem Londoner „Statist zufolge wird die Regierung für die Zwecke des Krieges eine Anleihe von sechzig Millionen Pfund (1200 Millipneu Mark) machen, von denen 8 Millionen bereits aufgenommen sind. Zur Bestreitung der laufenden Ausgaben des Landes wird der Schatzkauzler genötigt fein, die Tabaksteuer um 8 Pence pro Pfund zu erhöhen, die Biersteuer um einen Schilling pro Faß, die Steuer auf Spirituosen um einen Schilling pro Gallon und die Einkommensteuer um einen Penny pro Pfund Sterling. Das würde zusammen die Steuereiu- fünfte um sieben Millionen Pfund Sterling erhöhen. 'Der „Birmingham Post" zufolge erhalten die Zollbehörden in den Häfen bereits versiegelte Instruktionen, sodaß'die erhöhten Zölle erhoben werden können, sobald das Parlament am nächsten Montag die ersten notwendigen Vollmachten erteilt hat.
Wir fügen noch folgende Meldungen an:
Berlin, 6. März. Nach hier eingegangenen Londoner Meldungen haben die Engländer am Montag unter General Gatacre Stromberg ohne Widerstand besetzt.
— Wie „Daily Telegraph" aus O st f o n t e i n erfährt, deckt die Stellung der Buren 18 Meilen am Südufer des Modder. General Freuch hatte Ende vergangener Woche wiederum ein erfolgreiches Scharmützel mit dem Feinde.
— Nach einer Londoner Depesche des „Bert. Lok.-Auz." hat General Buller beschlossen, eine Zeit lang a l l e Menschen aus Ladvsmith zu entfernen. Tie Garnison und die Einwohner begannen die Räumung am Freitag, und eine große Anzahl folgte am Samstag. Die am Freitag Ausgezogeueu erreichten das Lager am Moor River im Zustande völliger Erschöpfung. Sie bleiben einige Tage dort, um sich zu erholen. In den Stellungen der Buren fand man mehrere frische Gräber, aus denen Arme und Beine der Leichen hervorragten. Acht Tage ist niemand gestattet, Ladysmith zu betreten.
das
' r e b- März. Guten Nachrichten zufolge trat in dem Vorrnarsche der Engländer auf Bloern- ' 0 " l e i n eineStockungein. General French, welcher nut feiner Kavallerie bereits am 28. Februar gegen Bloern- Vorrücken sollte, ist daran durch die Division de Wett gehindert worden. Ebensowenig rücken die englischen Divisionen Gatacre, Clements und Brabant vor, während General Buller durch die Pässe der Drakenberge festgehal- den wird. Die Kriegslage besserte sich somit in den letzten Tagen zu Gunsten der Buren, welche die nötige Zeit zur Befestigung ihrer Positionen finden.
in der Kommission der Etat des Pensions- und Jnvaliden- sonds zur Beratung.
~ T^r Herzog von Veragna hat heute mitta» nut den übrigen Herren der spanischen Gesandtschaft Berlin verlassen, und sich zum Besuch des Prinzen Albrecht nach Braunschweig begeben.
„ . Beck-Heidelberg (nT.) schließt sich namens seiner Partei dem Anträge Pachmcke an, und wünscht eine reichsgesetzliche Regelung des Vereins, und Versammlungsrechts.
, ^iolle (Soz.) schildert die VerhLltniffe unter dem Vereins- wachsen, ebenso Abg. Herzfeld (Soz.) für Mecklenburg, speziell 'n Wismar. Er erzählt, wie bort das Vereins- und Versammlungsrecht gehandhabt werde, Auflösungen ohne haltbaren Grund vorgenemmen, ^okalmhaber chikaniert, mit Konzessionsentziehung bedroht, mit Polizei- strasen bedacht würden u. s. w.
r Abg. Beckh-Koburg (frs. Vp.) plaidiert ebenfalls für Berücksichtigung der Petition.
Abg. Baudert (Soz.) schildert die Handhabung der Vereinsund Versammlungspolizei im „Staate Schillers und Goethes", im Großherzogtum Sachsen-Weimar.
Abg. Büsing (nl.) verwahrt die Nationalliberalen Mecklenburgs gegen den vom Abg. Herzield gemachten Vorwurf, mit dem Junkertum zusammenzugehen. Zwischen der bockigen hochkonservativen Partei und ven Nationalliberalen bestehe in der mecklenburgischen Vckfaffungsfrage em tiefer R,ß. Dieser werde auch solange bestehen, bis die mecklen. burgrsche Verfaffungsfrage gelöst sei.
Abg. von Treuenfels (kons) stellt es in Abrede, daß in Mecklenburg es jemanden gebe, der den Arbeitern das Koalitionsrecht verkümmern wolle (lautes Gelächter links).
Nach einer kurzen Entgegnung des Abg. Büsing (nl.) wird lieber» Weisung der Petition zur Berücksichtigung beschlossen.
Eine Petition um Einführung des Befähigungsnachweises im Bau- soll nach Vorschlag der Kommission zur Berücksichtigung bezw. als Material überwiesen werden. ö 8
Abg Frohme (Soz.) führt aus, Unfälle im Baugewerbe seien im allgemeinen nicht die Folge von Unkenntnis, sondern vielmehr von Gewinnsucht. Angesichts der Verantwortlichkeit, um die es sich in solchen Dmgen handle, könne man aber doch einer Prüfung durch eine staatliche Kommission zustimmen, aber nicht durch Jnnungsorgane, wie es hier verlangt werde. Deshalb 'bitte er, diese Petition abzulehnen, »•„k e rk69zflcl;3$?retnet (Antis.) und Pauli-Potsdam (Antis.), sowie Bindewald (Antis.) sprechen sich für den Befähigungsnachweis für das ganze Handwerk, namentlich aber für das Baugewerbe, aus.
) ist der Ansicht, daß, wenn der Befähigungsnachweis Gesetz werde, das gerade für das platte Land große Schwierigkeiten und Verteuerung des Bauens zur Folge haben werde.
'S.\ocBer, (Zentr.) polemisierte gegen die Sozialdemokraten. Saugeroette auä ” ftir den Befähigungsnachweis im
antrag^ g?mäß^"^ Debatte beschließt das Haus dem Kommissions» Sefunß der Konsulargerichtsbarkeit, Rechnungs- sachen, Reichsschuldenordnung, Petitionen.
Schluß gegen 6 Uhr.
London, 7. März. Ein Telegramm aus Ost f o n - LV QaM nx ^ert.V tiom 3- berichtete Wir tenneti
h ’scnau- e§ scheint aber, als ob
* s'ch ^sachlich vermehre. Ein furchtbares Un- Wetter entlud sich gestern, wodurch die Wege teilweise unpassierbar gemacht worden sind. T-er Orkan richtete großen Sck-aden an. Der Regen war im übrigen aber für die Entwickelung der Weideplätze von Nutzen. - Infolge der Marschandenrng unserer Truppen zur Verfolgung Cronjes befanden sich dieselben während sechs Tagen ohne Proviant, und mußten sich daher mit halben Rationen, getrocknetem Gemüse und Konserven begnügen.
Brüssel, 7. März. Die Transvaal-Gesandtschaft betont nochmals, daß die Garantie der Unabhängigkeit der beideuBureustaatendie erste Vorbedingung jeder Friedens- Vermittelung bilden muffe. Anderenfalls feien die Bnren ent- schloffen, alle Städte zu zerstören, das Land in eine Einöde zu verwandeln und schließlich auszuwandern.
Wie wir bereits früher voraussagten, so kann es nun event. kommen: im Falle des Unterliegens der Buren steht England vor Blut und Leichen, vor einem verwüsteten Land einem Trümmerhaufen! Und zum dritten Male räumen dann die Buren diesem entsetzlichen Schachervolke ihre Heimat und ziehen m die Fremde! Noch ist es nicht so weit, aber eS kann so kommen! Und niemand kann helfen, das ist Beschämende für alle Kulturvölker der Welt!
Den Geschworenen wird die Schuldfrage aus 6 177 be5 Str.-G. gestellt. Im Fall der Verweigerung ist die wettere Frage aus § 176 des Str.-G. formuliert mit der Nebenfrage, ob mildernde Umstände vorliegen.
Staatsanwalt Zimmermann plaidierte für schuldig, und tritt ganz entschieden dafür ein, dem Angeklagten die mildernden Umstände zu versagen.
Der Verteidiger Rechtsanwalt En gisch bestreitet, daß es sich hier um einen Notzuchtsversuch handelt, sein Klient s« höchstens schuldig einer Beleidigung. Sollten die Ge- fthworenen jedoch der Ansicht sein, daß der Angeklagte ein Delikt gegen die Sittlichkeit begangen habe, so seien ihm. doch mildernde Umstände nicht zu versagen.
Der Spruch der Geschworenen lautet auf schuldig aus § 176 des Strafgesetzbuches. Mildernde Umstände wurde« verneint.
Herr Staatsanwalt Zimmermann beantragte darauf eine 2jährige Zuchthausstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren.
Der Verteidiger plaidierr auf das gesetzlich zulässige Niedrigste Strafmaß von 1 Jahr Zuchthaus. Demgemäß erkannte auch der Gerichtshof und rechnete dem Angeklagten 6 Monate der erlittenen Untersuchungshaft auf dft Strafe an. Zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte sah sich der Gerichtshof nicht veranlaßt.
Dem deutschen Kaiser.
Als ich ein Kind war, sah ich Deutschlands Macht: Ich sah aus uns'res Wasgaus Waldverstecken Franzosen flüchten aus der Wörther Schlacht.
Nun ward ich Mann, und machte weit mein Feld, O Kaiser, und ich sehe mit Erschrecken: — Nicht mehr gebietet unser Wort her Welt!
Da unten kracht aus goldgeworb'nem Heer Geschütz auf niederdeutsche Bauernscharen und kracht sie nieder, wie Wenns Wildpret wär!
Wir sehen zu! Wir fitzen im Papier!
D'.e wir in Bismarcks stolzer Schule waren,
Wir sehen zu!---
Das Kaiser, klag' ich Dir!
Fritz Lienhard.
Deutscher Reichstag.
160. Sitzung vom 6. März. 1 Uhr. iar!eüa6e6orbnun9: @c,c6cn,routf bi, «°nsül.-g-richi,.
ES folgen Petitionsberichte.
Ucber eine Petition des Bundes deutscher o • •
detr. die einheitliche Gestaltung des deutschen Vereins und 9lU,^W8 bmgsrechts beantragt die Kommission Uebergang zu^ Taaesord!,u!l!?""'
Abg. Pachnicke (frs. Vg.) beantragt Uebe?roeifUng an kan-ler zur Berücksichtigung. Es entspreche nicht mehr dem Rechtsbewußtsein, daß „Frauenspersone n" an Politiken Vercknen gar politischen Versammlungen nicht teilnehmen ^dürflen. Dieser Rechts zustand fei umso unhaltbarer, als auch fachgewerbliche und so.lale -migungen ic. unter den Begriff der politischen Vereine fielen, sobald sie eine Einwirkung auf die Gesetzgebung erstrebten.
Telegramme des „Gießener Anzeiger".
London,?. März. Ein Telegramm aus M o d d e r - River vom 6. März meldet: Unsere Genietruppen sind un Begriff eine Brücke .über den Fluß bei Klipdrift zu schlagen. Wahrend mehrerer Tage waren wir damit beschäftigt, die Pferdeleichen, die von den Buren in den Fluß geworfen waren, aus demselben zu entfernen.
London, 7. März. Nach Meldungen aus Buren- Quellen befindet sich Präsident Stein im Bur enlaaer ber O st fo ntein. Im Falle einer Niederlage der Buren wird Stern sich nach Pretoria begeben, in Bloemfontein aber eine provisorische Regierung einsetzen mit der Ermächtigung, eventuell Friedensverhandlungen anzubahnen, ^t^o^don, 7 Marz. Eine Drahtrmg vom 5. ds be-
General Gatacre nahm heute mit Reiterei und K^schutzen emen Aufklärungszug in der Richtung auf ^o^.^erg vor Da er auj feinen Widerstand stieß, drang er vor, und nahm schließlich auch den Gipfel des Rooikop, ohne einen Schuß abzufeuern. Die Buren hatten ihre Kanonen in Sicherheit gebracht und die Bahngeleise fünf Meilen südlich von Stormberg teilweise zerstört. Die Be- setzung von Stormberg erleichtert den Vorschub gegen den Feind. Doch stehen die Buren noch südlich vom Oranjefluß und hatten am 5 noch keine der großen Brücken zerstört. franfceüorQ(arät 93uHer^ fanb in Ladysmith 800 Typhus-
Sondon, 7. März. DieTimes" veröffentlichen folgendes Telegramm aus Dordrecht von gestern: Am
s 6r m unferce Truppen den Feind zehn Meilen weit in der Richtung auf Aliwal North und machten vier Gefangene. Eine große Anzahl Rinder und Hammel sind
Hande gefallen Bei Chomanes Farm fanden sich die Reste eines Burenlagers und bei Bambus Oak zwei vom Feinde verlassene Wagen. Ein dritter Wagen, mit ..cunitivn und Lebensmitteln beladen, wurde noch an an- herer Stelle gefunden. Einer der gefangenen Buren er- narte, daß die Verluste derselben bei ihrem Rückzüge sehr ^beutend gewesen feien. Die Zahl des Feindes wird auf loOO geschätzt, wahrend unsere Truppen niemals die Zahl Don Ilvv überstiegen haben. Wir haben 1,3 Tote und 09 Verwundete.
- . heute vormittag die Vorträge
des Chefs des Milltarkabinetts von Hahnke, des Staats- fekretars Tirpitz und des Chefs des Marine-Kabinetts von Senden-Bibran.
-"T Der Kaiser hat, wie die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, den nachbenannteii Herren anläßlich ihrer Betei- Iigulig an der vorjährigen Friedenskonferenz im Haag folgende Auszeichnungen verliehen: Dem Professor Freiherrn von Stengel den Roten Adlerorden 3. Klasse, bem sprofeHor Zorn den Roten Adlerorden 3. Klasse mit öer schleife und dem Marineattachee bei der Pariser Botschaft Kapitän zur See Siegel den Kronenordeii 2. Klaffe.
~ Kommission des Reichstages hat heute Vor- Bericht über das Schlachtvieh- und b e sch au g e se tz festgestellt. Die Regierungsvertreter erklärten nach demfelben, daß die Forderung emer formell gleichen Untersuchung des ausländischen un§ w Fleisches mit dem Verlangen des gänzlichen
Ausschlusses fremden Fleisches gleichbedeutend sei. In zweiter Lesung führte eine Kommission des Bundesrats s?y,?aI?-beJ den übrigen Paragraphen eine Einigung mit hp» Reir5“nbxten Regierungen wohl möalich erscheine, gegen ^L^^deru vorgeschlagenen Fassung (die bekannten ^^"^rderbote) lagen aber die allerschwersten Bedenken öor, und es sei fraglich, ob auf dieser Grundlage ein Gesetz ^mmen würde. Man möge den Bogen nicht zu
Spannen, )onft laufe man Gefahr, das Gesetz zu unb nichts zu erreichen. Nicht
Indern in unserem eigenen k^öhen Interesse seien mildere Bestimmungen an- gezeigt. Den größten Bedenken unterliege, daß nach Ab- ^uf des Jahres 1903 jede Fleischeinfuhr unbedingt ver- ^in solle. Die Gefahr einer Fleischleuerung werde AUxr^ein gehendes Einfuhrverbot naturgemäß erheblich verschärft. Es könne nur dringend gewarnt werden
• Januar 1904 ab in Aussicht genommenen Ein- suhrverbot zuzustimmen. Trotzdem fanden die bekämpften , ~ 5n 5.er /Budgetkommifsion des Reichstages stand b-^^o^-Checkvorlage zur Beratung. Der Unterausschuß der Kommission hat den Entwurf vorberaten und beantragt die Bewilligung der im Etat verlangten Summen. Doch soll der Postcheckverkehr ohne Gewähr ?r°” 3llJlen für. Einlagen und ohne Gebühren für Ein- und ^A?hlung eingerichtet werden. Die vorgeschlaqenen Zahlkarten, sowie die Einführung verschiedener Checksorten L eu Fortfällen. Die Anlegung und Verwaltung der soll bei der Reichsbank erfolgen mit der Maßgabe, daß die Bank an das Reich 3 pCt. unter dem Bankdiskont, Mindestens aber ein einhalb Prozent und höchstens 3 pCt. Ä!.UuN zu zahlen hat. Staatssekretär von Podbielski erklärt, die Vorlage sei ein Versuch den Geldverkehr zu verbessern, und den riesigen 7 Milliarden jährlich betragenden m^^hr zu vereinfachen. Die Erfahrungen mit dem w erfetyr in Oesterreich seien günstige gewesen. Der Vorschlag der Subkommission gelangt schließlich in etwas veränderter Form zur Annahme. Der Etat für die Einführung des Postcheckverkehrs int Reichspostgebiete wurde ??rauf unverändert angenommen mit der Maßgabe, daß die Einführung erst am 1. September 1900 erfolgt, und md}t' toie geplant war, bereits am 1. April. Morgen steht
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„Ich kann bi hle Wschen 8nsf W beleuchten, we DaS soll !»r YMsch Ag ^^txat über be nnb bu DuM ^jeift gebrungen liefen Darstell Herr Leist der Einladung ferne Fortbleiben mi urteilen.-
Etwas andere r;, 2. nnft)a6r tote'6"
Wnf? qZ« ' oer Kaiser hat gestern der
bem Landrat von Stubenrauch folgendes Handschreiben zugehen lassen: Mit hoher Be- ^-Lung hat mich die Meldung, daß die Vertretung des Kreises Teltow fast einstimmig die Mittel zum Bau des ?/"ow-Kanals bewilligt hat, erfüllt. Gern spreche ich daher chnen und allen Mannern, welche mit klarer Einsicht und treuer Hingebung dieses Unternehmen, dessen Bedeu- 6,weit über das Gebiet des nächstbeteiligten Kreises hm ausragt, befördert haben. Meinen königlichen Dank aus Wilhelm geneigter Unb banf6arcr Markgraf und König
Lokales und Vrooin)ielles.
♦* Wie wir bereits meldeten, hat die Gr. Regierung die Znlaffung von Frauen als Hospitautinuen und Hörermne« an der Laudesuuiverfität genehmigt. Morgen werden wir Genaueres bringen.
** Oeffeiltliche Lesehalle. Im Monat Februar wurden 1588 Bände ausgeliehen. Von diesen Bänden Olimen auf: Illustrierte Zeitschriften 5Ö6, Erzählende titteratur 6o3, Jugendschriften, Märchen, Sagen 217, Vers- bichtungen 18, Geschichte und Biographieen 49, Länder- und Völkerkunde 51 Naturwissenschaft, Technologie 77, JcD- l bTe unb „Religion 11, fremdsprachliche Litteratur
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gesetzlich zulässig! us. DemgemSs dem Angeklagten auf die Strafe renrechte sah sich
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Wiener Madeln auch nicht anders erwarteten Die Vertreterinnen der Hauptrollen aber leisteten geradezu bervor- raaendes in Spiel, Gesang und Tanz. 3n letzterer Beziehung zeichnete sich als Vertreterin der Solopartie in dem Gesangsballet besonders Frl. Volkmar aus, die ichon in der Offenbachschen Operette als Sergeant Belleroze 1 ehr gefallen hatte, und auch in „Ein Studentenstreich die Nolle des Studenten Fritz Rottmann brillant durchfuhrte. Als tüchtige Soubrette, was Spiel und auch Gesang betraf, lernten wir Frl. von Ehrenberg kennen, die in der „Ueber- listeten Scharwache" das Kammermädchen, und m dem „Studentenstreich" die erste Putzmacherin gab. Frl. Sylvia Vere zeigte sich in der Offenbachschen Operette als begabte Koloratursängerin, die gewiß eine Zukunft als Sängerin vor sich hat. Von den drei gestern zur Aufführung gelangten Einaktern gefiel, wie es schien, am meisten das Gesangsballet „Im Reiche des Jocus", das ui der Thal auch vorzüglich ausgeführt wurde, und, unterstützt durch die Dekoration und durch die prächtigsten Kostüme, einen herrlichen Anblick gewährte. Das Theater war ziemlich gut besetzt, zeigte aber doch noch genug Lücken, deren Ausfüllung am heutigen letzten Gastspielabend wir erhoffen wollen, sowohl im Interesse der Direktion Kruse- Helm, deren Streben nach Abwechslung in unserem The- «terrepertoire entschiedene Anerkennung verdient, als im Interesse der Direktion der „Bühne ohne Männer", welche bei der Größe ihres Unternehmens auf stärkere Kassen- crfolge angewiesen sein dürfte. Jedenfalls haben die Darbietungen des ersten Gastspielabends gezeigt, daß die Auffassung, der man in den letzten Tagen begegnen konnte, die „Bühne ohne Männer" sei wohl nur für männliches Publikum geeignet, vollkommen unberechtigt war. Der Besuch des heutigen letzten Gastspielabends sei deshalb «uch unseren Damen, jüngeren wie älteren, warm empfohlen.
** Stadttheater. Arn nächsten Freitag, dem 9. d. M. hak der jugendliche Held und Liebhaber unseres Stadt- thcaterS, Herr August Kirchhoff sein Benefiz. Derselbe gibt Lessings „Emilia Galotti" und spielt darin den ^.Prinzen von Guastalla".
**W. Die Generalversammlung des Detaillistenvereins, n>elche gestern abend im Caf« Ebel stattfand, war schwach besucht. ES wurde beschlossen, den Verein Einträgen zu lassen, außerdem wurde einer dementsprechenden Statutenänderung zigestimmt. — Zum Zwecke der eingehenden Berichterstattung für den alljährlich erscheinenden Bericht der Großherzogl. Handelskammer Gießen wurden für die einzelnen dabei in Frage kommenden Branchen des Detailhandels Kommissionen ernannt, deren Mitglieder mit dieser Aufgabe betraut werden sollen. — Infolge des schwachen Besuchs der Versammlung wurde beschlossen, zu der bevorstehenden Handelskammerwahl keine Stellung zu nehmen und es den einzelnen Mitgliedern zu überlassen, nach eigenem Ermessen zu wählen. Demnächst wird auf Veranlassung des Vereins, gemeinsam mit der Großh. Handelskammer, Hierselbst ein Vortrag von einem auswärtigen Redner über die hessische Steuer-Reform gehalten werden.
*• Berichtigung. Ihr gestriger Bericht über die rnttionalsoziale Versammlung enthält einige Unrichtigkeiten. Ich beschränke mich darauf, zwei Punkte richtig zu stellen, auf die ich besonderen Wert lege.
1. Es ist unwahr, daß ich dem Referenten Weinhausen den Borwurf gemacht haben soll, er hätte den volitisch sachlichen Kampf gegen die Nationalliberalen zu nobel geführt. Wahr ist, daß ich gesagt habe:
„Ich kann die Ansicht des Referenten nicht teilen, die Leist'schen Ausführungen deshalb nicht bis ins Detail zu beleuchten, weil genannter Herr nicht anwesend ist. Das soll vielleicht ein besonders nobles Verhalten sein; sirr politisch klug kann ich es nicht ansehen. Durch das Referat über den Leist'schen Vortrag im „Gieß. Anz." sind die Darstellungen des Herrn Professors in weite Kreise gedrungen, es ist deshalb dringend erforderlich, seine -schiefen Darstellungen ausführlich zu erörtern. Daß Herr Leist der heutigen Versammlung trotz besonderer Einladung ferngeblieben, ist nicht unsere Schuld; sein Fortbleiben zwingt uns, ihn in contumaciam zu verurteilen.-
Etwas anderes habe ich nicht gesagt.
2. Unwahr ist ferner, daß ich auf die Nationalliberalen „persönlich-maßlose Angriffe" gemacht haben soll. Ich habe die genannte Partei allerdings scharf üllgegriffen — das hat auch der „Gießener Anzeiger- kurz vor den letzten hessischen Landtagswahlen gethan —, ich habe Aich aber nicht mit einzelnen Personen beschäftigt.
PH. Scheidemann.
0 Mainz, 6. März. Im Fieberwahn hat sich heute vormittag der Türmer von St. Stephan aus rinem Fenster seiner etwa 100 Meter hoch gelegenen Würmer Wohnung in die Tiefe gestürzt. Der nur mit einem Hemde bekleidete Körper des unglücklichen, sechzig- whrigen Mannes schlug mehrmals auf, riß einige Schutz- " iretter mit in die Tiefe und fiel dann in den Pfarrhof von st. Stephan. Das Genick war gebrochen, und der Tod sofort -eingetreten. Trotz der Höhe des Absturzes war die Leiche ini allgemeinen nicht so verstümmelt, als man glauben iollte. Der auf so schreckliche Art um das Leben gekommene sagte, bevor er die That ausführte, im höchsten Fieber- Paroxismus zu seinem Sohne: „Jetzt stürze ich mich vom TuriW", und noch ehe der Sohn hinzueilen konnte, hatte kl Unglückliche seinen Worten die That folgen lassen.
Mainz, 6. März. Der frühere Unteroffizier Peter Ar nun vom 118. Inf. Regt, in Worms, jetzt in Frei- Teinheim wohnhaft, war heute vor dem Schwurgericht der Anstiftung zum Mordversuch angeklagt. Die Wirtin Mogtmann in Worms, bei der der Angeklagte verkehrte, hakte im vorigen Jahre wiederholt den Versuch gemacht, ’Kn Ehemann zu vergiften. Sie wurde deshalb auch zu zpen Jahren Zuchthaus verurteilt. In der Schwurgerichts- ttrtjanblung erklärte sie, daß Braun ihr die Giftmittel verschafft habe. Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage, worauf das Gericht auf Freisprechung erkannte.
Frankfurt, 6. März. Im benachbarten Kleinkrotzen- burg zerstückelte die ledige Zigarrenarbeiterin Abt ihr neugeborenes Kind und vergrub es. Die Thäterin wurde verhaftet.
Vermischtes.
Bonn, 6. März. Ein Opfer feines Berufes wurde der zweite Assistent des hiesigen pathologischen Instituts, Dr. med. Theod. Sauer. Am vergangenen Freitag zog er sich bei der Sektion einer Leiche eine Blutvergiftung zu. Wiederholte chirurgische Eingriffe, um ihn vor den furchtbaren Folgen des Leichengiftes zu retten, blieben vergeblich, und gestern ist er in der Klinik gestorben.
Hannover, 5. März. Eine grauenhafte That hat hier eine an Wahnvorstellungen leidende Frau Braunschweig vollbracht. Ihr unfriedfertiges Wesen verleitete den Mann öfter, im Wirtshause länger zu verweilen, als gut war, und auch vorgestern kam er in trunkenem Zustande nach Hause. Als er am Morgen noch im Schlafe lag, holte die Frau ein Beil und spaltete ihm den Kopf, brachte ihm auch an Hals und Schultern noch Wunden bei. Darauf erdrosselte sie ihr einjähriges Kind, dann schnitt sie ihrem vierjährigen Knaben den Hals durch, und schließlich sich selbst. Tiner Flurnachbarin fiel es auf, daß am Morgen in der Nebenwohnung vollständige Stille herrschte, während sonst Braunschweig um 6 Uhr nach der Gasanstalt ging, in der er arbeitete. Die Nachbarin schickte zur Polizei, und als geöffnet wurde, fand man in der Küche die Leiche des jüngsten Knaben, in der Kammer die des altern, daneben die Mutter, die das Messer noch in der Hand hielt, im Bett die Leiche des Mannes. Not konnte der Beweggrund zu diesem dreifachen Mord und Selbstmord nicht gewesen sein, denn der Mann hatte gutes Auskommen, und sorgte für feine Familie, obgleich die Frau ihm den Aufenthalt in feinem Heim verbitterte. Der Mann war 34, die Frau 30 Jahre alt. Die Unverträglichkeit der Frau soll nach einer Erkrankung an der Grippe noch eine Steigerung erfahren haben.
* Leipzig, 6. März. Der Wirtschaftsgehilfe Markwitz, welcher versucht hatte, den Rittergutsbesitzer Berndt zu vergiften, und deshalb zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, hatte Revision beim Reichsgericht angemeldet. Die Revision wurde jedoch als unbegründet verworfen. Dadurch ist das Urteil rechtskräftig geworden.
* Dresden, 5. März. Unter der Spitzmarke „Christliche Gottlosigkeit" schreibt der „Vorwärts": „Das fgl. „Dresdener Journal", das sich laut gerichtlicher Entscheidung beamteter Redakteure erfreut, bringt folgenden Nachruf:
Am 9. dss. Mts. verschied der langjährige Vorstand unseres 6. Kreises, Herr v. E. Derselbe hat den Interessen des Vereins allezeit mit hingebender Treue und hohem Verständnis gedient. Waidmannsdank folgt ihm in die ewigen Jagdgründe. Dresden, den 13. Februar 1900. Der Landesverein Königreich Sachsen im allgemeinen deutschen Flottenschutzverein.
Vermutlich handelt es sich bei diesem Nachrufe um eine Annonce, für deren Aufnahme die Redaktion des „Dresdener Journal" kaum verantwortlich gemacht werden kann. Immerhin ist diese Ausdrucksweise recht geschmacklos.
• Konstanz, 6. März. Der Baseler Schnellzug entgleiste zwischen Hegne und Reichenau. Die Reisenden wurden durch einen Hilfszug abgeholt. Verletzt ist niemand.
* Paris, 5. März. Die „Lanterne" meldet, daß vor einigen Tagen in einem französischen Kriegshafen sieben Torpedos unter dem Einflüsse der atmosphärischen Elektrizität explodiert feien. Man habe die dadurch entstandene Erschütterung für einen Doimerschlag gehalten und erst nach einiger Zeit die eigentliche Ursache des Knalles feftgestellt.
Kunst und Wissenschaft.
Berlin, 6. März. Der „Lok. Anz." veröffentlicht eine Unterredung mit Professor Nansen, der sich dieser Tage hier aufhielt Hebet Andree und seine eventuelle Wiederkehr befragt, äußerte Nansen, er habe am längsten gehofft; doch jetzt habe er alle Hoffnung aufgegeben. Er halte es für ausgeschloffen, daß Andree und seine Gefährten noch am Leben seien. Wäre das der Fall, so hätte unbegingt eine Nachricht uns erreichen müssen. Wenn überhaupt, so werde man nur ihre Leichen finden. Trotzdem halte er den von Andree eingeschlagenen Weg für durchaus gangbar.
Berlin, 6. März. Der Barbier von Bagdad, Cornelius' Oper, soll nunmehr endglltig anfangs April im Königlichen Opernhause zum erfienmale aufgeführt werden.
Berlin, 6. März. Frithjof Nansen ist auf der Durchreise nach Brüssel hier eingetroffen und im Hotel Kaiserhof abgestiegen.
Berlin, 6. März. Dem am Sonntag beschlossenen Protest der Künstler und Schriftsteller gegen die lex Heinze hat sich nun auch der 85jährige Meister Adolf Menzel angeschlossen.
München, 6. März. Ein von Künstlern und Schriftstellern eingesetztes Komitee veranstaltet morgen im Bürgerlichen Brauhaus eine öffentliche Versammlung behufs einer Kundgebung gegen die lex Heinze. 00
München, 6. März. „Wenn wir Toten erwachen" von Ibsen fand bei seiner gestrigen Aufführung durch die Münchener Litte- rausche Gesellschaft trotz ungleichwertiger Darstellung lebhaften Beifall.
Arbeiterbewegung.
O Mainz, 6. März. Die gestern hier in Ausstand getretenen Tüncher« und Malergehilfen haben das Gewerbegericht als V e r m i t t e- lungsstelle angerufen. Laut privater Besprechungen ist bei den Forderungen der Gesellen eine, auf welche die Meister unter keinen Umständen einzugehen erklären. Es ist die verlangte Festsetzung eines Mimmallohnes von 42 Pfg. per Stunde.
Erfurt, 6. März Gegen 200 Schneidergesellen sind heute in einen A u s st a n d eingetreten, weil die Arbeitgeber sich weigerten, einen
ihnen vorgelegten dreiklassigen Lohntarif anzuerkennen bezw dieserhalb mit einer Kommission zu verhandeln.
Wien, 6 März Der Unterausschuß des sozialpolitischen Ausschusses begann die Prüfung der Frage wegen der Verkürzung der Arbeitszeit im Bergbaubetriebe. Der Vorsitzende Bärnre ither betonte, der Ausschuß habe eine Frage zu entscheiden, die gegenwärtig den Gegenstand erbitterter Kämpfe in allen Kohlenrevieren Oesterreichs bilde. Er hoffe, daß man zu einer Lösung gelange, die den beiderseitigen Ansprüchen gerecht werde. Hierauf begann man die Verhandlung über die Gutachten der Sachverständigen.
Brüx, 6. März Der B e r g a r b e i t e r Bartl wurde gestern auf dem Wege zur Schicht von drei Männern mit Knütteln niedergeschlagen und schwer verletzt Zwei Thäter, ausständige Bergarbeiter wurden verhaftet
Grrichtssaal.
Augsburg, 5. März. (Ein gewaltthätiger Pfarrer.) Wegen vorsätzlicher und rechtswidriger Körperverletzung wurde der katholische Pfarrer Josef Müller aus Amzing vom hiesigen Landgerichte zu 100 Mk. Geldstrafe oder zehn Tagen Haft verurteilt. Derselbe hatte am 11. November vorigen Jahres in der Kirche von Ainzing den Schreinergesellen Hofberger wegen lauten Sprechens auf der Emporkirche die Treppe hinuntergeworfen, wobei Letzterer den Fuß brach Als straferschwerend kam in Betracht der Bildungsgrad des Angeklagten, sowie der Ort, an dem die That begangen wurde, als strafmildernd der Umstand, daß der Angeklagte durch das Sprechen des Kläger- und die dadurch herbeigeführte Störung des Gottesdienstes in einem gewissen Grade von Aufregung gehandelt hat.
Anfrage.
Wäre es nicht an der Zeit, hier eine allgemeine Vereinigung der Mieter größerer wie kleinerer Wohnungen zu schaffen zur Wahrung ihrer Interessen, zum Schutze gegen unberechtigte Eingriffe der Vermieter, zur Erteilung von Auskunft u. s. w.? Auch in sozialer Beziehung konnte ein solcher Verband nur wohlthätig wirken. Sachkundige Vertreter aller Stände, die geneigt wären, die vorbereitenden Verhandlungen zu einer solchen Gründung zu führen, werden gebeten, ihre konvertierte Adresse im Briefkasten der Redaktion dieses Blattes anzugeben.
Dr......n.
Kriefimsten.
Civis, Mannheim. Der Name des Einsenders muß vor der Aufnahme der Redaktion bekannt sein. Giebts denn übrigens in Mannheim kein Blatt, das Sie mit dem „Gimpelfang", beglücken können? Die Gießener sind mindestens eben so schlau wie die Mannheimer. D. Red.
Ärmste Keldungm.
> Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 7. März. Nach einer Blättermeldung aus Lissabon explodierte in einer dortigen Gesandtschaft der große Gasometer, wodurch 15 Personen schwer, und eine große Anzahl leicht verwundet wurde. Sämtliche umliegenden Gebäude wurden stark beschädigt, über hundert Fensterscheiben eingedrückt. Der Materialschaden ist bedeutend.
Berlin, 7. März. Wie dem „Berl. Tagebl." aus Braunschweig gemeldet wird, trafen die Herren der spanischen außerordentlichen Gesandtschaft gestern nachmittag daselbst ein. Heute findet zu Ehren der fremden Gäste Truppenschau und Festdiner statt. Morgen nachmittag erfolgt ihre Abreise nach München.
Wien, 7. März. Von unterrichteter Seite wird versichert, daß der hiesige päpstliche Nuntius Baliani vom nächsten Konsistorium zumKardinal ernannt werden wird.
Rom, 7. März. In einer Besprechung mit dem Kammervorsitzenden, die gestern vormittag stattfand, verstanden sich die Vertrauensmänner der äußersten Linken zu einem vorläufigen Verzicht auf lärmendeObftruktion bis zur Erledigung der schwebenden Verhandlungen über Abänderung der Abschnitte des Gesetzes-Distrikt, die von der Versamm- lungs- und Preß-Freiheit handeln. Rudini, Sonnino und Biancherie haben Abänderungen beantragt.
Paris, 7. März. Unter den vom Ministerrat zur Demission gezwungenen Beamten des Marine- Ministeriums befindet sich auch der Unter-Chef des Kabinetts, Savage, welcher der Vertrauensmann und die rechte Hand des Marineministers Lanessan gewesen ist. In politischen Kreisen ist man überzeugt, daß in dieser Angelegenheit eine ganze Reihe von Enthüllungen bevorfteht, und dieselben sich zu einem Skandal entwickeln würden, welcher ähnliche Machenschaften der Marine-Behörden zu Tage fördern dürfte, wie sie die DreyfuS-Affaire in der Kciegsleitung ans Licht gebracht hat.
Lex Heinze.
Berlin, 7. März. Eine weitere Prote st- Versammlung gegen die Lex Heinze findet am nächsten Freitagabend in der Philharmonie statt. Ein Komitee von etwa 50 Vertretern der Sitteratur, Kunst und Wissenschaft, wie auch des Buch- und Kunsthandels, welches gestern nachmittag bei Hermann Sudermann tagte, wird die Einladungen an die beteiligten Kreise versenden. Dem Komitee gehören u. a. an: Adolf von Menzel, Reinhold Begas, Gerhart Haupttnann, Ernst von Wildenbruch, Friedrich Spielhagen, Theodor Mommsen.
Berlin, 7. März. D i e deutsche Bühnen- g e n 0 f sen s ch a f t hat in ihrem Blatte auch bei ihren auswärtigen Lokal-Verbänden eine Protest-Versammlung gegen die Lex Heinze angeregt und zur Kundgebung dieser Proteste an die Berliner Zentrale Lur Weiterbeförderung aufgefordert.
Karl Bechsteio f.
Berlin, 7. März. Im Alter von 74 Jahren ist gestern der Geheime Kommerzienrat Karl Bechstein, der Begründer der weltbekannten Pianoforte-Fabrik hier gestorben.
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1. Ziehung am 9. April
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