' 36-38 WWe 27. >' N li1 S®»‘ : LsrK nm billig. er fieber !t. 86-38 toßmonn, Tasklwaffr, (6d M °b-ft-»G.schm°< kE, »otjlglS g-M cen-s., Md WW» k> des Mage« 'erheffeu nvd Heff» r8| Mn Kötels w)? und nflto Sher. Ünterj^ ünterW Hemden StriünP' tigeS 7674 ilii | Wollene U Banmw. W Biber-Br Steppd* IB eftWw MorlLM fisMetlei in grober üit: um |B«t Dr. tW JJ l Pi HÖHL’?! Aezepk ® jtit'l *■« St KZ « Soctei Kre' el°k^ unm iM* 1900 150. Jahrgang Freitag den 7. Dezember Kr, S87 Erstes Blatt o Amts- «nd Anzeigeblatt für den Ureis Gieren vor- ZSezugspreis vierteljährl. Mr. 2,96 monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohnr durch die Abholkstelle» vierteljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. 5lht Anzeigen-VermittlungSstellen deS In» und AuSlande» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgege». ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. ItobeÜW», »rpkdition und Druckerei: -ch»kßraße Ar. 7. Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Gratisbeilage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Glätter für hestische Volkskunde.__________________ Ende 1904; b. der verstärkten Ersatz - Kommission an Stelle deS verstorbenen Bürgermeisters Faulstich zu Weitershaiu, für die Zeit bis Ende 1901; c. der Körkommission für den Bezirk Grün- b e r g an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Faul- stich zu Weitershain, für die Zeit bis Ende 1902. Gießen, 5. Dezember 1900. Der Vorsitzende des Kreistages deS Kreises Gießen. v. Bechtold. Vvn Anzeigen zu der nachmittags für de« schmdm teg erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. »bd«strllungkn spätestens abenbS vorher. schränken müssen, den staatlichen ^Grubenverwaltun gen die neuen Wege vorzuzeichnen. Hingegen ist nicht einzusehen, wie der teilweisen wucherischen Ausbeutung des. Kohlenmarktes durch den Zwischenhandel von Staatswegen wirksam entgegengetreten werden soll, ohne die auf Angebot und Nachfrage sich, aufbauenden Kohlenprerse in eine staatliche Schablone hineinzuzwängen. Tas Beste zur Bekämpfung des Kohlenwuchers wird allemal von den Verbrauchern selbst durch festen Zusammenhalt und eine geeignete Berufsorganisation geschehen können. Tas Beispiel der von den Kohlenverkäufern gebildeten Organisationen läßt deren Bedeutung für die Aufrechterhaltung eines gleichmäßigen Preisniveaus erkennen. Es ist nicht zu leugnen, daß die Kohlensyndikate unter Umständen ihre Macht zu übertriebenen Preissteigerungen mißbrauchen können. Die Möglichkeit solcher Folgen der Wirksamkeit der Kartelle und Syndikate wird daher im Auge zu behalten sein, zu einem unmittelbaren Vorgehen gegen das rheinische Kohlensyndikat fehlen aber bisher sowohl die Handhaben als auch der Anlaß. Adreffc für Depeschen: Anzeiger Hietkn« Fernsprecher Nr. 51. Neben Herrn Bauer, dem geschätzten Frankfurter Gaste, treten die Darsteller der übrigen Rollen zurück. Nennenswert ist in erster Linie der Bürgermeister, den Herr Liebscher spielte, mit weniger Hochmut und Amtsdünkel, als man diesen „dummen Hans" sonst zu sehen pflegt, sogar mit einer Idee von Gemütlichkeit, namentlich im tete ä tete mit seinem Bruder. Das that im übrigen der Glaubwürdigkeit der Figur keinen Schaden, vielleicht sogar Nutzen; sie erhielt dadurch mehr Menschlichkeit. Auch gegen das Vermeiden deS sonst üblichen allzu Anämischen im Wesen dieses Mannes ist u. E. durchaus nichts einzuwenden. Wenn Herrn Liebschers recht respektable Leistung etwas um ein kleines beeinträchtigte, so war es die von ihm so beliebte eigenartige Bewegung seiner Arme. Als Thomsen vermied Herr Kirchner die stärkere Parodie und that sehr recht daran. Seine Leistung war im ganzen genommen einwandfrei. Aber ist denn das „Volksblatt" wirklich so ein Käseblatt, daß der Besitzer in blauer Schürze in seiner Druckerei herumirrt? Das dürfte selbst beim Hinterländer Anzeiger nicht der Fall sein. Herr di Balthyni wird eS nötig haben, auf sein Sprechen mehr Wert zu legen. Er überstürzt sich oft, verschluckt nicht nur Silben, sondern ganze Worte, ja halbe Sätze. Die Petra spielte Frl. Korn mit Natürlichkeit und Frische, hätte aber vielleicht noch etwas resoluter, auch in ihren Bewegungen, sein können. Das Ensemble ging im übrigen gut zusammen, es wurde in flottem Tempo gespielt, und die Volksversammlung im 4. Akte war so lebhaft und wirkungsvoll arrangiert, als es sich machen ließ. P. W. sein Dr. Stockmann, der den blöden Spießbürgern seiner | Vaterstadt ihre für sie selbst nicht erfaßliche pestilenzartige Lügenhaftigkeit ins Gesicht schreit, ein lebensfrischer Bursche von viel Humor ist, der sich mit dem Lumpengesindel in fröhlichster Laune herumschlägt. Herr Bauer spielt den Badearzt von vornherein sehr aufgeregt, mit einem Stich ins Konfuse, von A bis Z, wodurch die Gestalt an Geschlossenheit der Wirkung zweifellos gewinnt, obwohl der Unterschied zwischen dem Dr. Stockmann der ersten und dem der späteren Akte klar liegt. In der großen Rede des 4. Aktes vermißte ich jede Andeutung ihres Entstehens aus dem Stegreif; zu manchem unüberdachten Worte läßt er sich hinreißen, das er dann sofort wieder zurücknimmt. Eine solche gänzlich unvorbereitete Rede fließt doch nicht so überaus glatt und wohlgefällig von den Lippen eines Mannes, der Jahre lang in voller Abgeschlossenheit unter armseligster Felsküstenbevölkerung zugebracht hat. Anderen Einzelheiten im Spiele des Herrn Bauer bm ich seinerzeit bereits nachgegangen. Die kompakte Majorität der Zuschauer hatte Herr Bauer wie damals in Frankfurt, auch gestern bei uns in Gießen für sich; der Beifall, der ihm gezollt wurde, war ungewöhnlich stark, drei- bis viermal konnte er nach jedem Akte dem Publikum seinen Dank komplimentierend abstatten. Wenn wir das Bedürfnis haben ehrlich zu sein, müssen wir uns fragen, wie wir einen solchen Wahrheits-, man ist fast versucht zu sagen: Narrheitsfanatiker wohl im Leben behandeln würden. Offenbar nicht anders als die Leute im Stücke es thun. Wir würden ihm die Fenster ein- schlagen. Es ist ein schönes Stück für die kompakte Majorität..... Bekanntmachung. 8etrr.: Die Ausführung des Reichsgesetzes die Abänderung der Gewerbeordnung vom 30. Juni 1900. Wir bringen hiermit zur Kenntnisnahme der Jn- lireffenten, daß während der Zeit vom 10. bis 15.; vom 17, bis 22. und am 24. d. Mts. den Gehilfen und .Lthrllmgen eine kürzere Ruhezeit und Mittagspause, wie die in § 137 c rubrizierten Gesetzes vorgesehen, gewährt werden 'M, und daß die Läden, sowie die offenen Verkaufsstellen m t iefen Tagen bis 10 Uhr abends offen gehalten werden Alfln. Gießen, den 3, Dezeember 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. ÄM M.ntagS. Die Gießener Jemtlienvtätter Mttn dem Anzeiger ^»echstt mit „Hess Smb»ktw ». „Blätter flk ML Volkskunde- *ttl. 4wtl beigelegt. Gießener Anzeiger Hmeral-Anzeiger BamStag, 15. Dezember lfd. 3^ mitt agS 11 Uhr, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung deS Kreistages deS Kreises Gieße» mit folgender Tagesordnung statt: 1, Wahl eines Mitgliedes: a. des Kreisausschusses an Stelle des zum Präsidenten des Finanzministeriums ernannten Oberbürgermeisters Gnauth zu Gießen, für die Zeit bis Volttische Tagesschau. Wir lesen neuerdings in der nationalliberalen Münchener „Allg. Ztg.": „An die Mitteilung vom Ausscheiden des Abg. Fr'hrn. v. Heyl zu Herrnsheim aus dem Verbände der nationalliberalen Reichstagsfraktion knüpft die „Freis. Ztg." die Vermutung, es sei jener Schritt aus „gekränkter Eitelkeit" erfolgt; Herr v. Heyl sei darüber entrüstet gewesen, daß man ihn nicht seitens der Fraktion vor dem Äbg. Hilbck in der Debatte über die Kohlenfrage zum Worte zugelassen habe. Wir sind unsererseits der Ansicht, daß dieses Moment höchstens zum Anlaß gedient hat, die Differenzen, die zwischen dem Genau n t e n uni) verschiedenen einflußreich^n Mitgliedern der Fraktion in Bezug auf die Beurteilung so mancher wirtschaftspolitischer Fragen s ch o n seit längerem bestehen, in entscheidender Form zum Ausdruck zu bringen. Herr v. Heyl, liebte es, hier und da ohne Rücksicht auf die Vorschriften des Parteikatechismus seine eigenen Wege zu wandeln; namentlich standen seine Auslassungen über agrarische und z oll- politische Fragen wiederholt i m s ch r o f f e n G e g e n- satz zu dem, was dem linken Flügel der Partei in dieser Hinsicht als das Erstrebenswerte vorschwebte. Wer es mit dem nationalen Liberalismus gut meint, der wird es indessen auf das tiefste bedauern, daß ein Mann dieses Schlages, an dessen aufrichtig nationaler und zugleich echt liberaler Gesinnung jeder Zweifel ausgeschlossen ist, solcherart für die Zukunft verhindert sein wird, in der parlamentarischen Arena unter dem Banner der Fraktion zu streiten." Die „Natlib. Korr." schreibt u. a.: Vor uns liegt das Stenogramm der Rede, die Frhr. v. Heyl in Frankfurt gehalten hat. Darin ist allerdings der Lage des Tabakbaues in Süddeutschland eingehend Erwähnung Hießener Hheaterverem. Ei» Volksfeind. Von Henrik Ibsen. Den „Volksfeind" von Ibsen wieder zu sehen, ist immer M Genuß; besonders in dieser Zeit, da der gute und große lichter bereits seit langen Jahren allenthalben „die kom- lp!l>e Majorität" hinter sich hat. Man könnte wohl sagen, Sie Menge habe sich in höchst geistreicher Weise an ihrem grimmigen Feinde gerächt, indem sie ihm bewundernd nach- jjufU — wenn man das Nachlaufen von dem Standpunkte eines Jdealpsychologen erklären wollte. In Wahrheit macht Mch hier die kompakte Majorität im wesentlichen aus ihrem Mrschütterlichen Glauben an das Besserwissen der Minder- Wbl der anerkannten AuSerwählten den Erfolg; was 5h Majorität gefällt, ist das nur rein Aeußerliche, das Hkamatisch Effektvolle, wovon ja in dieses Stück der Dichter allerdings einiges wohlweislich hineingemischt hat. Dieses trotzige Stück, bad so ganz von der Lust an »er großen Einsamkeit erfüllt ist, das uns soweit wert weg- tti&M von den Feigen, den Behaglichen, den VorteilSjagern, Dom. Gesinnungspöbel, wurde m der zweiten Hälftt des Swember in ben Ey-lus nordischer Dramen deS Fran^ Int« Schauspielhauses ausgenommen, und damals habe ich I»uhl über die Jbsensche Dichtung als über ,ene Franl- turl.tr Darstellung an dieser Stelle des Längeren mich auS- ch'wchen. Auch H-r'N Bauers m. E. nicht 9^8/"= «Mdsreie, aber doch recht gute Darstellung der Tn-lr°ll- ta ich damals eingehend behandelt. Ich habe dem heute nidjttg hinzuzufügen, sondern will nur wiederholen, daß blems manchen schätzenswerten Beitrag geliefert, jedoch, so wird offiziös geschrieben, nicht dargethan, wo mit einer sicheren Aussicht auf Erfolg und ohne bedenklichen Eingriff in berechtigte Interessen der Reformhebel anzusetzen wäre. Dennoch darf man den Wert der Aussprache nicht unterschfitzen. Aus ihr ging hervor, daß die Entwickelung der Kohlenkalamität von den zuständigen Organen der Regierung fortgesetzt aufmerksam verfolgt wird, aber auch, daß die bald vpn dieser, bald von jener Seite vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen, sofern sie überhaupt anwendbar sind, sich nid)t von heute auf morgen verwirklichen lassen, und nicht die gewünschte und erwartete Wirkung ausüben würden. Der Kohlenmangel und die Kohlenteuerung sind in ihren letzten Ursachen -durch ein Mißverhältnis z w i s ch e n A n g e b o t und Nachfrage hervorgerufen — wie der Abg. Richter zutreffend hervorhob; die Kohlendecke ist zeitweilig zu kurz geworden. Diese Erkenntnis muß der Ueberzeugung Vorschub leisten, daß nicht ein einziges Heilmittel die Gesundung des deutschen Kohlenmarktes zu verbürgen vermag-, sondern daß nur durch das Zusammenwirken der verschiedenen beteiligten Elemente den hervorgetretenen Uebelständen Einhalt geboten werden kann. In erster Linie wird darauf Bedacht zu nehmen sein, daß das Angebot an Kohlen in Zukunft der gewaltig gesteigerten Nachfrage in breiterem Umfange als bisher zu genügen vermag. Die Förderungsmenge des inländischen Kohlenmaterials ist, wie der preußische Minister für Handel und Gewerbe darlegte, sehr beträchtlich gesteigert worden und wird in den nächsten Jahren infolge zahlreicher Neuanlagen weiter anwachsen. Zugleich sind der Einfuhr ausländischer Kohle mannigfache Erleichterungen gewährt worden. Mit besonderem Nachdruck wird immer wieder betont, daß das Angebot bedeutend größer sein könnte, wenn nicht ein Teil der inländischen Kohlenförderung ins Ausland vergeben würde. Demzufolge wird gefordert, daß die noch bestehenden Ausnahmetarife für die Kohlenausfuhr beseitigt, womöglich sogar Kohlenausfuhrverbote erlassen werden. Die Zweischneidigkeit und praktische Nutzlosigkeit solcher Maßnahmen ist im Reichstage erneut nachgewiesen worden. Es handelt sich hier um solche Eingriffe m die wirtschaftspolitischen Verhältnisse, die auf den ersten Blick ungemein verlockend erscheinen, bei eingehender Würdigung aber als eine bedenkliche Drangsalierung der einheimischen Kohlenindustrie und eine Schädigung zugleich der deutschen Kohlenkonsumenten sich Herausstellen. Viel angefochten ist auch der Vertrieb der «geförderten Kohlen an die Abnehmer. In dieser Beziehung kann zweifellos noch manche Neuerung Platzgreifen. In welcher Weise hierbei Hand anzulegen ist, haben die preußischen Minister für Handel und für öffentliche Arbeiten angedeutet. Die Negierungen werden selbstverständlich nicht verabsäumen, was in ihren Kräften steht, z«u thun, um den Wünschen der Konsumenten Rechnung zu tragen, ihre Mitwirkung wird sich jedoch in der Hauptsache darauf be- Die Kohlenfrage im Reichstage. Die Kohlenfrage, die dieser Tage infolge einer Jnter- Mation im Reichstage zur Verhandlung stand, hat die Pckamentarischen Vertretungskörper im Laufe der letzten Zchre wiederholt beschäftigt. Die Ursachen der Kohlen- Snwlcheit und Kohlenteuerung sowie die Zweckmäßigkeit dc>. gegen sie etwa zu ergreifenden Maßnahmen sind be- »kits früher mannigfach erörtert und auf ihre 2r_agleite fin geprüft worden. Ein einzelnes durchgreifendes Mittel ater, um den Uebelständen zu begegnen, hat bisher von Hiner Seite angegeben werden können. Auch die le|3te Aichstagsverhandlung hat wohl zur Klärung dev Pro- I Alsdann wird der Zeuge Wohl noch einmal dariibe- I vernommen ob und unter welchen Umständen er vom I Zeugen Hofweier zum Dr. Werthauer geschickt worden i>i I “m 2f 2mb Mark in Empfang genommen habe. I ^ensatz zu ferner ganz bestimmten Aussage am I ^anrstag stellt der Zeuge heute alles ins Nichtwissen. Er j behauptet heute, nicht sagen zu können, ob der ihm von I Hofmerer gegebene Brief an Sternberg oder Dr. Werthan- adressiert gewesen sei und bleibt längere Zeit hindurch oaber, daß rn dem znrückerhaltenen Couvert kein (Veld qe» etL uus ausdrückliches Ermahnen des Vorsitzenden, sich durch einen Meineid nickst unglücklich 511 machen, kommt Zeuge zögernd damit heraus, daß er qc- sehen habe, wie in das eine Couvert 50 Mart, in ba-3 andere 25 Mark hineingesteckt worden seien. Zeuge macht lerne Aussagen mit zu Boden gesenktem Blick und unter I wrederholtem Weinen. Hofmerer erklärt, er halte den Zeugen \wt nicht gonz normal. Er habe ihn nur einmal in Werthauer'7 Bureau gesandt und in dein Briefe um etwas Geld gebeten, solches aber nicht erhalten, sondern erst am nächsten Tag, wo Lrrppa ihm das Geld persönlich brachte. Auf die Aussagen dieser beiden Zeugen erklärt Tr. Wertharrer mit allem Nachdruck, daß von ihm niemals an den Zeugen Hofmeier oder einen seiner Boten in der Sternberg'schen Sache ein Pfennig gezahlt worden sei. Sein Bureauvorsteher versichere, daß nach seinem Wissen kein Pfennig gezahlt worden sei, jedoch entsinne sich der Bureauvorsteher, daß einmal ein junger Mann mit einem Briefe, dessen inneres Couvert an Herrn Luppa adressiert war, rm Bureau erschienen sei. Als Herr Luppa erschien, (?er ^vte mit dem Briefe an ihn gewiesen worden. Ob Herr Luppa dem Boten Geld gegeben habe, wisse der Bureauvorsteher nicht. Dr. W. bekundet weiter, daß er am Samstagabend einen Freund zur „Staatsb. Ztg." Müt- habe, um dort vor dem Erscheinen weiterer Arükel;u warnen, wenn nicht vorher genaue Erkundigungen ungezogen worden wären. Er habe auch der RedaKm an- geboten, mit allem ihm bekannten Material zur Verfügung stehen zu wollen. Auf die Frage des Beisitzers Kaempfe, ob des Zeugen Arndt Verhalten gegen Dr. Werthauer später dadurch beeinflußt worden sei, weil er ihn schlecht behandelt habe, antwortet Zeuge Arndt sehr energisch: Mich schlecht be- handelt? Das ist die dreisteste Unwahrheit, die mir je vorgekommen ist. Dr. Werthauer entgegnet, dann habe der Zeuge eben nicht bemerkt, wie schlecht er ihn behandelt habe. Er, Zeuge, glaube, daß Arndt deshalb auf ihn so schlecht zu sprechen sei, weil er ihm das fette Geschäft verdorben habe. Darauf wird Frl. Platho vernommen. Sie erklärt, daß sie niemals Geld von Luppa empfangen habe. Sie sei eine alte Freundin der Familie Sternberg und hat Arndt mit Luppa zusammengebracht, nachdem ersterer ihr erzählt hatte, daß er mit dem Bankier Behrens befreuM sei, der vielleicht ein Gnadengesuch befürworten thM Für den Fall eines günstigen Erfolges sei Arndt eine Zusage von 50 000 Mark gemacht worden. Sie, Zeugin, sei dann zu Dr. Werthauer gegangen, dort aber grob an= gefahren worden, als Arndt den Rechtsanwalt ausgesucht habe, sei es ihm ebenso ergangen. Geld habe sie niemals weder von Werthawer, noch von Luppa, erhalten, niemals sei sie in dieser Angelegenheit in Leipzig gewesen^ Was den in der „Staatsb. Ztg." veröffentlichten Bries anlange, so könne sie Bestimmtes darüber nicht angeben; es schwebe ihr aber so vor, als 06 er ihr von Arndt selbst diktiert worden sei. Fra,u v. Gräfe sei eine 9* barin von ihr und habe mit der Sternbergsache nid)1* zu thun. Sie habe diese nie beauftragt oder ihr nab^ gelegt, bei den Oberstaatsanwälten Wachler und 3feiibiel- ein gutes Wort für Sternberg einzulegen. Auch sei ihr nicht erinnerlich, daß ihr Frau v. Gräfe eine Visitenkarte mit einer Empfehlung an den Staatsanwalt Dr. Romen gegeben habe. . . Zeuge Arndt bleibt demgegenüber bei all seinen Angaben und sucht der Zeugin Platho durch Erinnern an einzelne Momente die Thatsachen ins Gedächtnis zurua- zurufen. Er bleibt auch bei der Behauptung, daß dec Zeugin Platho eine Visitenkarte an Dr. Romen gegeben worden sei. . Zeugin Platho sagt weiter aus, sie sei nur einifl“ auf Wunsch Luppas nach Kissingen gefahren, nin Fro^ Sternberg, die die Absicht hegte, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen, davon abzubringen. Sie habe ab Frau Sternberg in Kissingen nicht mehr angetroffen, r I Vvs.se rm an n (ntl.) sieht in dem Anträge eine I f f ber Reichsverfassung. Diese formellen Be- denken wurden allerdings gegen die sachliche Entscheidung nicht auvreichen Seme Partei verlangt Toleranz in jedem „Melstaate, aber auch gegen jede Religionsgesellschaft, nicht blo» gegen die staatlich anerkannten. Aber für Er- ^^rung der Reichskompetenz wäre das Einverständnis der Bundesstaaten erforderlich. Uuannehnibar sei der Vor- Ip*.aß stder die Freiheit der Religionsbekenntnisse der ^^^vhrigen. Seme Freunde seien ebenso gegen die Beseitigung der Kirchenhoheit der Einzelstaaten Gegen- snl1 Achten und Privilegien muß auch das Aufsichtsrecht des Staates bleiben. s - J^i c r (fr. Vp.) ironisiert die Stellungnahme des Reichskanzlers noch vor Begründung des Antrages, -^.can hatte, als es hieß, daß der Reichskanzler gleich an- fangs sprechen würde, geglaubt, es handle sichi um eine Erklärung über den Richtempfang des Präsidenten Krüger. (Große Heiterkeit.) Die einheitliche Regelung der Reli- grons frech eit für das ganze Reich ist mit dem föderativen Prinzip wohl vereinbar. Die Fortschrittspartei hat diesen Standpunkt schon trn Norddeutschen Reichstage im Jahre 80, zusammen mit der bundesstaatlich konstitutionellen Fraktion vertreten, und wir sind stolz darauf, daß damals I J" der Reichsverfassung durch beit Äbg. Moritz Michers Mecklenburg) ein Teil des Art. 12 der preußischen Ver- lv'sung herubergenommen worden ist. Damals hat der Avg. Wmdthörst dagegen gestimmt. (Heiterkeit.) Der Redner hat verfassungsrechtlich kein Bedenken gegen den Antrag. Rur müsse man ausdrücklich sagen, daß es eine I Verfassungsänderung ist. Materiell steht er freundlich zu dem ersten Abschnitt, der alle kirchenpolitischen Streit- I fragen der Einzelstaaten vor das Forum des Reiches ziehe. Außerdem sei die Beschränkung aus die anerkannten Reli- I gwnsgemeinschaften intolerant. Bulle Gleichberechtigung bedingt auch, daß nicht einzelne Religionsgemeinschaften I besondere staatliche Zuwendungen erhalten. Abg. Fürst R a d z i w i l l (Pole) erklärt seine Ueber- einstimmung mit dem Anträge und bringt verschiedene I polnische Beschwerden zur Sprache. _ Staatssekretär Graf P 0 sad 0 wsky erwidert auf eine I Beschwerde des Vorredners, daß die Regierung die Ver- I bindung zwischen der katholischen Kirche und einem ihrer I Oberhirten nicht hindern wolle. Abg. Rickert (fr. Ver.) hoffte, daß die Kommissions- I beratpng aus dem Antrag ein brauchbares Gesetz ge- I stalten wird. Abg. S t 0 ck m a n n (Reichsp.) ist aus staatsrechtlichen Bedenken gegen den Antrag. Abg. Pichler (Ztr.) faßt nochmals die Argumente für I den Antrag zusammen und zählt eine Reihe von katho- I lischen Beschwerden in verschiedenen Einzelstaaten auf. I lieber die Zuständigkeit kann nach' dem Gesetze von 1869 I und 1872 kein Zweifel sein; es würde nicht schaden, wenn I durch diesen Antrag das placetum regium in Bayern auf- I gehoben würde. (Heiterkeit.) Die Auslegung, die Kollege v. Vollmar dem sozialdemokratischen Programmsatz: „Re- I ligion ist Privatsache" gegeben, war sehr subjektiv. I (Widerspruch bei den Sozialdemokraken.) Lesen Sie Ihre I offiziellen Parteitagsprotokolle! (Zurufe bei den Sozial- I demokraten.) Unser Antrag bezweckt keineswegs nur eine I Verbesserung der Lage der Katholiken, nach seinem Wort- I laut soll er vielmehr allen anerkannten Religionsgemein- I schäften, also auch z. B. den Altlutheranern zu gute I kommen. . . Sächsischer Bevollmächtigter Graf H 0 h e n t h a l sucht I bie Beschwerden über die disparitätische Behandlung der I Katholiken in Sachsen als unberechtigt nachzuweisen. Großh. Mecklenburgischer Bundes-Bevollmächtigter I Sn 7 den Kult der einzelnen Religionsgemeinschaften nicht I einzuinifchen; wir wünschen die Trennung der Kirche I ü 0 m S t a a t. Es giebt freisinnige Leute in und außer I vom Hause, die nichts mehr fürchten, als die Invasion I von Mönchen, Nonnen, Kongregationen und Jesuiten. Ich verweise nur auf Herrn Rickert. (Heiterkeit, Zuruf des Abg. Rickert.) Dieser Antrag geht uns nicht zu weit, sondern er bedarf auch wesentlicher Ergänzungen. Vor allem muß die Unterscheidung von anerkannten und nicht anerkannten Religionsgemeinschaften verschwinden. Es konnte ja ein Staat auch die katholische Kirche nicht anet- I ^nuen, und dann sitzen Sie wieder auf dem Trockenen. (Große Heiterkeit.) Alle Religionsfreiheit bedingt, daß sie gänzlich unabhängig von jeglicher Staatsgewalt ist. (Sehr richtig! bei den Soz.) Wollen Sie wirkliche Reliqionsfrei- heit, bann müssen Sie auch bafür sorgen, baß alle kleinen K u l t e n u n b S e k t e n erlaubt sind, auch beit Dissi- beitten tf)re Religionsübung freigeben. Wir kündigen heute schon an, baß wir M § 5 leinen Abänberungsantraa emrctcfteit werden, dahingehend, daß darin nutzt von '/“^tannten Religionsgemeinschaften", fonbern von re- ligtofen Gemeinschaften allgemein bie Rebe ist. In einem Gewissensfreiheit werben Sie uns stets i aui >zhrer Seite finben, unb wir fürchten uns auch nicht, o*;”n ^tlva Kulturkämpfer, Jesuitenriecher, und ähnliche su, p!<,p???"c^^bder von einer schwarz-roten Internationale sprechen sollten. (Heiterkeit.) An unserem Rufe ist ja so ww^so nichts mehr zu verderben (erneute Heiterkeit), unb hoffentlich schabet bie Verbrüderung mit uns auch I Bravo!°"ttnk??^ ®ofe "icht viel. (Große Heiterkeit und ©eftern von imon 2 Stunden « Heinrich Romer Gerichtshof mr 9 ° 8T’tB J KÄS« Der Atzütatzte, m • M tzüch, dch er in c \*x ds. Irr. zu Schmtt M dort vor mißhandelt, and an de' daß der Tot des Schn 5m 23. Septembe wefättn Anlaß mehrer • Göbelnrod dorthin geko Umer befand. R. erki feinem HrimatSdorf zu t gdommen, es könne e/m Es saßen dort mehrere l Mer verletzte Heinri^ i zwar in einem Zimmer de Mr dieses Zimmer bett , gletz unfreundlich begrgi • besonderen Tisch Platz. : Schmitt, ein Bruder des ' Aefcain des Liedes. De ! geschehe dies, um ihn dc 1 eillärte dem Schmitt, er k nun nach einigem hin und 1 wobei Romer auf die C zur Thiire hinauSfpedier dir ThUr bffnend, feiner Raum Mer zu bettet wdhrend SchM den ff to erklärt Römer, habe habe sich gewehrt, man sein Gegner haße untei grwöhnlichen Resser, t haben wi5, diesen in t Stl/agte behauptet, den ( zu haben, als dieser ihn ArrstaatSunwattT geklagte gleich nach mehrere Me in der «toß mit bem Mesier ei ^bhüos im Gange unte » * Station y aethan, aber auch nicht mit einem einzigen Worte in einer berartigen Weise, ine ben Synbikus bes Deutschen Tabakvereins zu jener „Bezugnahme" auf bie nationalliberale; Fraktion berechtigt. Herr v. Hehl bezeichnete in seiner Rede bie Tabaksteuerreform vom Jahre 1879 für total verfehlt unb fuhr bann nach eingehenbex Darlegung ber Wirkungen der Tabakzollverliältnisse fort: „Als Abgeorbneter eines Bezirks, in bem oer Tabakbau früher von hervorrageuber Bebentnug war unb ben Fleiß der bamit beschäftigten Landwirte burch gute Einnahme lohute, fjalte ich mich für verpflichtet, auf biesen Miß- stanb hinzuweisen, weil mir aus eigener Erfahrung bekannt ist, baß ber Tabakbau im Durchschnitt ber letzten Jahre mit großen Verlusten gearbei- t e t hat." Der Passus schloß bamit, ber auslänbrsche Tabak ersticke bas inlänbische Probukt nach unb nach, unb baß hier Wanbel geschaffen werben müsse, sei außer Frage. So bie Rebe, bie vor ber Lanbesver- sammlung gehalten unb in vollem Wortlaut ber Oeffent- I lichkeit übergeben worben ist. Prozeß Sternberg. ! Berlin, 4. Trzember Der Vorsitzende fragt nun nach dem Graefe ber nach den Briefen der Zeugin Pfeffer in der Wobnu/ Sternbergs vorgenommenen Haussuchung Staatsanwalt Braut teilt mit, daß trotz stmit-. langen Suchens die Briefe nicht gefunden worden Auf eine Frage des Vorsitzenden giebt Justi-ra -? I Sello eine Ncbersicht der von der Verteidigung vorlü,,t noch zu stellenden Beweisanträge. Darunter befinde, emer aus Vorladung des Frl. Platho und ber „ v. Grase. . Der Staatsanwalt erklärt sich gegen bie nebmmnQ ber beiben Damen. Der Gerichtshof beschiß einstweilen Frl. Platho zu vernehmen. „Zur Abwep8t Rnitnimstt^an n"? P"^°'zwecken derart das Wesen fannd C5 darauf nicht verzichten und .i,1, ,?“fommenftellung der Worte „Toleranz" - - V? ,UT den ersten Augenblick etwas Ver- wuri hot" hnrfi fpii.p . tonstr liierte Vor- I mut| ijat doch keine Beweisrrast. Tie hinter uns lieaen- liicht in Betrackit ng,>>■ «Ä ,_< V diesem Punkte I bafi c "eine Ä'prÄ" doch festgestellt werden, oag es eine bürgerliche und sittlickw Freiheit aeaenüßer I \'eU5 d^ubJ.L JZun s'nd aber bie Verhältnisse ftärfpr 4rLasbern f?nn- Auch die katholisch^, Parteien haben sich dem anbequemen müssen. Sie ordern üir d?e M i n b e r h e 11 eine Toleranz die sip' 'S .e der Mehrheit sind; nicht gewähren (Zuruf im'aen- ^umi Baiern!) Baiern ist fein katholischer, sondern^ein paritätischer Staat: E.n Münchener katholisches Blatt hat den Antrag bekämpft.^ (Zuruf im Zentrum: Sich') ? onben ^ie denn, daß Sie allein Katholiken find? (Große Heiterkeit.) Ein Geistlicher soll dort geschrieben haben, baß bie ganze Zentrumsfraktion in ben nirdien- bann gehöre (Heiterkeit.. Bei Ihren römischen Konnexionen haben tme allerdings nichts zu befürchten. \ Ä t;ö0epfQn bnhRAfleflen flefiß k'TZLV Iftn Q0;l v.' box FreiNabein e . Sllilk 45 N Ws! r a Yfoitn stioÄrk e 1 Fortsetzung der ^5aen statt- Verdingung 7805 ,6 Vertreter: Carl Daub, Betzdorf a. d. Sieg. böti billigster Berechnung. ßpfltrfermit _ - -/. Karl Münch von den Saasener Burschen dazwischen und riß Römer zurück, worauf jener ihm mit der Faust ins Gesicht schlug, sodaß deffen Zähne und Lippen bluteten. Darauf erst wurden die Saasener Burschen thätlich und drängten die Friedensstörer zur Thür hinaus, vor der dann der verhängnißvolle Stich fiel. Am 24. September morgens erst erfuhren der Bruder und die Eltern von der Verletzung. Der Arzt ordnete die Neberführung des lebensgefährlich Verwundeten in die Klinik nach Gießen an, wo er am 26. September verstarb. Zeuge Karl Münch sagt aus, daß ein Stich auSgeführt sei, habe er nicht wahrgenommen. Als er den Angeklagten von seinem Opfer loSgerissen, habe er ihm mit dem Fuß einen Stoß versetzt, so daß dieser die Treppe hinab geflogen sei. Der Verletzte hat am andern morgen erklärt, Römer habe ihm den Stich versetzt. Die weitere Beweisaufnahme erstreckt sich lediglich darauf, festzustcllen, was der Verstorbene für ein Mensch gewesen. Die Eltern, eine Reihe von Zeugen, darunter der Bürgermeister Schmidt von Saasen, erklären, er sei niemals streitlustig gewesen. Die Burschen aus Saasen erklären übereinstimmend, Heinrich Schmitt habe an dem Abend in später Stunde versucht, den Römer von Ge- waltthätigkeiten abzuwehren, dieser allein habe die Rauferei im Zimmer verursacht. Es wird auch festgeftellt, daß die Parteien in den Nachtstunden des fraglichen Tages nicht betrunken gewesen sind. Allerdings will ein Zeuge wahrgenommen haben, daß der verstorbene Schmitt am 25. September nachmittags etwas animiert war und in der Tasche offen ein Messer getragen hat. Auf Veranlassung des Verteidigers wird festgestellt, daß früher gegen den Zeugen Münch sowie gegen den verstorbenen Schmitt wegen Körperverletzung und wegen Hausfriedensbrnchs Anzeigen vorgelegen haben, die aber durch Beschluß der Strafkammer Gießen zu Anklagen nicht geführt haben, weil Beweise für deren Schuld nicht erbracht waren. Weiter wird auf Antrag des Verteidigers der Pfarrer des Kirchspiels Wirberg, zu dem die Dörfer Saasen und Göbeln rod gehören, als Zeuge vernommen. Dieser erklärt, er habe nichts günstiges über Schmitt erfahren. Er soll zu Schlägereien sehr geneigt gewesen sein. Die Bevölkerung von Saasen habe einen sehr gutmütigen Charakter, aber die jungen Burschen seien streit- und rauflustig im Gegensatz zu den Göbelnrodern. Ihm sei zu Ohren gekommen, der Vater des Verstorbenen habe, als sein Sohn nach Gießen gekommen, erklärt: „Laß das Aas verrecken, ich kümmere mich nicht um ihn." Der Vater des Heinrich Schmitt erklärt die Aeußerung für unwahr, unter Thränen bemerkt er, der Verstorbene sei ihm ein guter Sohn gewesen, ordentlich und brav in den letzten Jahren, und habe ihn öfter mit Geld unterstützt. Der Pfarrer erklärte, das, was er bekundet habe, nur von Hörensagen zu wissen. Medizinalrat Dr. Haberkorn erklärt, daß der Stich mit dem Messer den Blinddarm verletzt habe und die Todesursache bilde. Es wäre vielleicht möglich gewesen, den Verletzten am Leben zu erhalten, wenn alsbald nach der erfolgten Verwundung ein Arzt eingegriffen hätte. Als man den Mann in Gießen in die Klinik ablieferte, war cs hier zu spät. Damit ist die Beweisaufnahme erschöpft. Den Geschworenen wird die Frage vorgelegt, ob der Angeklagte schuldig der Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges, mit tätlichem Erfolg, und ob mildernde Umstände vorhanden sind. Auf Antrag der Verteidigung beschließt der Gerichtshof, noch die Nebenfrage vorzulegen, ob der Angeklagte sich der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht hat. (Fortsetzung im Zweiten Blatt.) Schwurgericht. Gießen, 6. Dezember 1900. Gestern wurde von vormittag 9 Uhr mit Unterbrechung tim 2 Stunden mittags bis zum Abend 10 Uhr gegen Kkincich Römer III. von Göbelnrod wegen Körperverletzung mit rötlichem Erfolg verhandelt. Der Gerichtshof war gebildet durch Landgerichtsrat Wehner täte Vorsitzendem und die Landgerichtsräte Hellwig und Sandmann als Beisitzer. Die Anklage vertrat Ober- ßaatSanwalt Dr. Güngerich. Die Verteidigung lag in Händen des Rechtsanwalts Römheld. Es waren Oer 20 Zeugen, und als Sachverständiger Medizinalrat Dr. Haberkorn anwesend. Der Angeklagte, unbestraft, ist 1876 zu Göbelnrod ztbouen, er betreibt die Landwirtschaft. Ihm wird zur Haft »gelegt, daß er in der Nacht vom 23. auf den 24. Sep- -Mifflc ds. JrS. zu Saasen den Weißbinder Heinrich Schmitt von dort vorsätzlich mit einem Messer körperlich mißhandelt, und an der Gesundheit derartig geschädigt hat, baj der Tod des Schmitt herbei geführt wurde. Am 23. September war Kirchweih in Saasen, aus Nkbem Anlaß mehrere Burschen aus dem benachbarten -Wrllnrod dorthin gekommen waren, unter denen sich auch iönirr befand. R. erklärt, er sei mit den Kameraden aus (tinen Heimatsdorf zu Saasen in die Müller'sche Wirtschaft giforimen, es könne etwa gegen 1 Uhr nachts gewesen sein. Es saßen dort mehrere Burschen aus Saasen, darunter der -Dec verletzte Heinrich Schmitt, und einige Mädchen, und zivar in einem Zimmer des oberen Stockes. Als die Göbeln- tüöti dieses Zimmer betraten, sollen die Saasener ihnen gleich unfreundlich begegnet sein, doch nahm man an einem Lchnderen Tisch Platz. Römer begann zu singen, und cSdjnritt, ein Bruder des später Verletzten, wiederholte den Iiefra in des Liedes. Der Angeklagte war der Meinung, es Mclhe dies, um ihn damit zu verhöhnen, sprang auf und Dklinte dem Schmitt, er könne sein Lied allein singen. Es kam »rach einigem hin und her zu einer unbedeutenden Rauferei, wobei Römer auf die Erde zu liegen kam und schließlich M Thüre hinausspediert wurde. Römer verlangte darauf, töit 2 hür öffnend, seinen Hut, indem er Anstalt machte, den Aaiim wieder zu betreten. Man warf ihm den Hut zu, mhr; nd Schmitt den R. in einen engen Gang schob. Hier, verklärt Römer, habe ihn Heinrich Schmitt angepackt, er We sscch gewehrt, man sei auf die Erde zu liegen gekommen, fm Gegner habe unten gelegen, und er habe mit einem Möglichen Messer, das er im Wirtszimmer gefunden Abui will, diesen in den Le'ib gestochen. Der An- A'gite behauptet, den Stich dem Schmitt bereits versetzt 8-ho ben, als dieser ihn zuerst gestochen hatte. Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich konstatiert, daß der Wgei tagte gleich nach seiner Verhaftung den Vorgang nchere Male in der Weise dargestellt hat, daß er den - Daß mit dem Messer erst ausgeführt habe, als sein Gegner crchlwS im Gange unter ihm gelegen hat. Durch die Beweisaufnahme wird festgestellt, daß Hein« Schmitt jeden Streit vermeiden wollte, er ist zuerst 5 jeifdjen Römer und feinen Bruder vermittelnd getreten, atmf R. ihn gepackt haben soll und über eine Bank himiisdrückte, sodaß der Kopf desselben auf die Erde kam. xtmbtefcr Situation trat, wie mehrere Zeugen bekunden, Aus Stadl md Land. Gießen, 6. Dezember. *♦ eiw heftiger Sturm durchbraust seit heute nacht unsere Stadt. Ueberall in den Anlagen und Gärten sah man heute früh heruntergerissene Zweige und gefallene Bäume Herumliegen. Im Walde mag der Windbruch argen Schaden angerichtet haben. An besonders exponierten Stellen der Stadt hat der Wind Fenster aufgerissen und Thüren in den Häusern zugeschlagen. Und nicht große Kinder waren's diesmal, sondern ausnahmsweise der Wind, das „himmlische Kind", der da an verschiedenen Stellen der Stadt Laternenscheiben zertrümmert hat. Der Wind aber ist ein schlechter Lehrmeister . . . *• Unentgeltliche Unterrichtung über „die Laufbah neu in der Kaiserlich deutschen und Handelsmarine, im Konsulats- und Kolonialdienst, sowie über die Schulschiffe der Handelsmarine" erteilt jedem, gleichviel, ob Mitglied des Vereins oder nicht, das Kanzleramt und sämtliche 1300 Geschäftsstellen des Deutschen Flottenoereius. Die bezüglichen Fingerzeige sind in einem kleinen Wegweiser zusammengestellt, der portofrei und unentgeltlich jedem auf Anfrage hin vom Kanzleramt des Deutschen Flottenvereins, Berlin NW., Schiffbauerdamm 23 I, zugestellt wird. Auch die Redaktion des „Gieß. Anz." ist gern bereit, in ihrem Briefkasten Auskunft hierüber zu erteilen. Kießener Stadttheater Die Schliersee’r beginne» ihr Gastspiel hier am Samstag dem 8. Dezemiier, und beschließen dasselbe am Dienstag dem 11. Dezemöer. »11 Freitagabend: Spansau Cafe Ebel. Jmn nach Berlin zurückgekehrt und habe für diese Reise ton Luppa 100 Mark erhalten. Die Fortsetzung der Vernehmung der Zeugin Platho 'indel morgen statt. (Fortsetzung im zweiten Matt.) Weihrrachtsbäckereien. Weihnachten naht und damit die Zeit der Weihnachtsbäckereien mit ihrer vielen Arbeit, vor allem dem stundenlangen ermüdenden Rühren des Teigs. Letzteres hat gewiß schon mancher Hausfrau das Backen verleidet und den Wunsch rege werden lassen, dafür eine Erleichterung geschaffen zu sehen. Eine solche ist nun thatsächlick in der ^Blitzrührschüffel" gefunden, eine Erfindung der Frau Privatier Hoffmann in Würzburg. Die ^Blitzrührschüffel" besteht aus einer extrastarken la. 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