1900 Nr. 156 Zweites Blatt Samstag den 7. Juli Alle Anzeigen-BermitttungSstellm M In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegte, ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Mezugsprels vierteljährl. Mk. 2AD monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholcstelle» vierteljährl. Mk. 1,96 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljSH^. mit Bestellgeld. Staa«|e« wew Anzeigen zu der nachmittag» für W* Ln» «scheinenden Nummer b«S Bonn. tO Ahe. MtißMungen fp«testen» vorher. Gießener Anzeiger General-Anzeiger txf Wechsel wM »Hess. Sdmdwtr^ *. Mäkler gk H-S. »«Mkundr- tANLAwA deigelegt. Amts- und Anzeigeblutt für den Kreis Gieren. NMtoa, WgPediNon und Druck««»: Nr. 7. Gratisbeilagr«: Gießener Famitienbtätter, Der hesMe Kandwitt, Kälter für heische DMskundr. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieß«, Fernsprecher Nr. 5L Die Wirre« i« China. Nach, einer aus Shanghai in London eingegangenen Depesche sollen sämtliche Fremden, die in der englischen Gesandtschaft zu Peking sich aufhielten, getötet und die Gesandtschaft nieder gebrannt sein. In Berlin ist an unterrichteter Stelle noch, nichts darüber bekannt, wenn auch, die Besorgnisse um die Lage in Peking andauern. Briefe des Zolldirektors Sir Robert Hart und einer Französin aus Peking, das meldet jetzt auch der deutsche Konsul in Tschifu, betonen wiederholt, daß die Lage verzweifelt sei Md bitten um sofortige Hilfe. Inzwischen bestätigen die Boten, die aus Peking in Tientsin eingetroffen sind, sämtlich die Ermordung Kettelers. Die deutsche S ch u tz w a ch e, die bei ihm war, soll darauf das Gebäude des Tsungliyamen verbrannt und das Stadt- thor vor dem Kaiserpalast mit vier Kanonen, darunter zwei eroberten, besetzt haben, während alle anderen Thore in den Händen der Chinesen sein sollen. Prinz Tschings Truppen kämpfen angeblich, gegen die Boxer. Es scheint also, a«ls ob die deutsche c^chjutztruppe den schmählichen Mord an dem Vertreter ihres Kaisers, soweit in ihren Kräften stand, geahndet hat. In Bestätigung dieses Berichts des deutschen Konsuls Meldet ein Telegramm des österreichisch^ungarischen Kreuzers „Zenta": „Ein aus Peking eingetroffener Bote berichtet, daß die ö st erreich isch - ungarische Gesandtschaft wahrscheinlich zerstört wäre. Das österreichischungarische Detachement befände sich auf der englischen Gesandtschaft, die beschossen würde. Die deutsche Abteilung halte ein Stad tthor besetzt. Es seien sehr wenig Lebensmittel und Munition vorhanden". Das Telegramm Meldet ferner, baß ein Entsatz vor- läuftg unmöglich wäre. Der deutsche Geschwaderchef, Vizeadmiral Bendemann hätte persönlich, zu dem tapferen Verhalten des österreich^sch^ungarischen Detachements der Zenta" bei der Erstürmung der Forts von Taku gratuliert. Mittlerweile scheint die Expeditionnach Peking endgültig aufgegeben zu sein, denn der deutsche Konsul än Tschifu berichtet vom 1. Juli: „Die Detachements-Kommandeure in Tientsin sind wegen der Zerstörung der Eisenbahn, wegen des Beginns der Regenzeit und wegen der Schutzbedürftig- keit Tientsins außer st ande, Truppen nach Peking zu entsenden. Auch haben die Chinesen den Kaiser-Kanal bei Tientsin durchbrochen, anscheinend, um durch Ueberschwemmung den Vormarsch der Truppen auf Peking «zu verhindern". Auch die folgende Reutermeldung aus Tschifu vom 4. ds. bestätigt die Unmöglichkeit, vor dem Herbst nach, Peking vorzudringen; sie lautet: „800 Mann französischer Truppen sind gestern mit zwei Batterien Feldgeschützen vor Taku eingetroffen. Die Verbündeten erwarten Verstärkungen, bevor sie einen Vorstoß auf Peking versuchen. Die regnerische Jahreszeit, wo Marschieren und Transport schwierig sind, fängt jetzt an, auch, Ueberschwemmungen sind wahrscheinlich. Der Vormarsch dürfte bis zum Herb st unmöglich sein". Schließlich hat in der Ersten niederländischen Kammer der Minister des Aeußaren de Beaufort noch eine Depesche des niederländischen Konsuls in Shanghai mitgeteilt, das niederländische Gesan d tscha fts g e b äud e sei nuch, zerstört und die Lage im Norden sei äußerst ernst. Nach, Meldungen aus London haben die vereinigten Truppen am 30. Juni die Chinesen st adt von Tientsin nach, sechsstündigem Kampfe nachmittags um 3 Uhr genommen. Inzwischen aber hat sich! die Lage in Tientsin durch das Anrücken großer chinesischer Verstärkungen wieder sehr verschlimmert. Während die Gesamtzahl der konzentrationsfähigen fremden Truppen etwa 20 000 beträgt, beherrsch, en nicht nur etwa 140 000 Mann chinesische Truppen den Weg von Tientsin bis Peking, es steht auch, ein Angriff von 90000 Mann unter General Nieh auf Tientsin bevor. Außerhalb der Stadt werden bereits Geschütze hinter Schanzwerken montiert, es soll offenbar ein neues Bombardement erfolgen. Für den Fall, daß Tientsin preisgegeben werden muß, tauchen sogar bereits Zweifel auf, ob Taku zu halten sein wird. — Nach Telegrammen aus Tschifu .ist Weihaiwei unter Kriegsrecht gestellt worden. — Die „Daily Mail" meldet aus Shanghai, daß die Fremdenniederlassung von K i a u t s ch o u unter dem Schutze der deutschen Befestigungen durchaus sicher sei. — Demselben Blatt geht ein weiteres Telegramm zu, daß die deutsche Handelskammer in Shanghai an Kaiser Wilhelm telegraphierte, er möge die Lage nicht unter sch ätzen, sondern ebenso viele Soldaten hinausschicken, wie die anderen Mächte. Um T i e n t - sin finden schwere Kämpfe statt. Von Peking aus rückt eine Armee von 30 000 Chinesen gegen Tientsin vor, die bereits Lofa erreicht hat. In Kwantung sei die Lage Luch sehr ernst. Ein Teil der Truppen in den mittleren Provinzen weigert sich den Befehlen der Gouverneure Folge zu leisten und zieht ngch Norden, um sich! den Boxern anzuschließen. — Ein Telegramm besagt, daß bei Tientsin eine große Schlacht zwischen den Alliierten und den chinesischen Truppen erwartet wird. Die letzten Depeschen aus Tientsin melden, daß alle Nicht-Kombattanten den Befehl erhalten haben, die Stadt zu verlassen. — In Soochow verweigerten die chinesischen Truppen dem Gouverneur den Gehorsam und begaben sich nach- Norden, um sich, mit den Boxern zu vereinigen. — Der V i z e k ö n i g von Nanking hat eine schärfe Proklamation gegen die Boxer erlassen, worin er sie Strolche nennt und ihre abergläubische Einbildung, die europäischen Kanonen könnten ihnen nichts nnhaben, für Wahnsinn erklärt. Lihung Tschang hat eine ähnliche Bekanntmachung gegen die fremdenfeindlichen Gesellschaften veröffentlicht. Lihung-Tschang hebt 200 000 Mann aus. Der „Central News" wird aus Shanghai gemeldet: Offizielle chinesische Nachrichten verzeichnen die Ereignisse in Peking bis zum 27. Juni. Danach standen nur noch zwei Gesandtschaften, alle anderen waren in die Hände der Chinesen gefallen. Armglu soll wiederholt an den Prinzen Tuan appelliert haben, er möge die Ausländer schützen. Uunglu wurde in den Straßen insultiert und in der ganzen Stadt herrscht völlige Anarchie. Die Boxer tumultuieren ungehindert und Prinz Tuan macht keinen Versuch!, der Gesetzlosigkeit seiner Anhänger Einhalt zu gebieten. Alle Thore Pekings sind geschlossen und werden sorgfältig bewacht. — Nach einer Dalziel-Meldung aus Shanghai haben einige mandschurische Damen vor einer Wochie Peking verlassen. Dieselben beschreiben die Szenen um die Gesandtschaften als fürchterlich Die Damens aller 'großen städtischen Behörden sind verbrannt, auch, Teile des P a l a st e s, die die B o x e r jetzt völlig im Besitz haben. Die Damen bezeichnen den Prinzen Tuan als irrsinnig. — Londoner Blättern wird aus Shanghai vom 4. Juli gemeldet: Der Kaiser Kuangsü wurde am 19. Juni von dem Prinzen Tuan gezwungen, sich durch Opium das Leben zu nehmen. Die Kaiserin- Regentin folgte seinem Beispiele, lebt aber noch, soll jedoch infolge der Wirkung des Opiums geisteskrank sein. Diese Erklärung wurde amtlich vor den deutschen Konsularbeamten abgegeben. — Es handelt sich offenbar um eine Erklärung chinesischer Beamten, und es läßt sich nicht feststellen, wie weit ihre Wahrheitsliebe durch das Bestreben beeinträchtigt wird, für die Blutthaten gegen die Ausländer in Peking eine Entschuldigung zu suchen. Aus Ciria in der Mandschurei wird berichtet, daß auf derjenigen Strecke der Bahn, deren Ches der Ingenieur ProssinSki ist, chinesische Soldaten plötzlich eine Salve auf die russische Schutztruppe abgegeben haben. Dieser Ueberfall erfolgte in dem Augenblick, als der russische Hauptmann Jantkevic den chinesischen Soldaten auseinandersetzte, warum einige chinesische Bahnarbeiter verhaftet worden seien. Der Hauptmann und ein Kosak wurden auf der Stelle getötet und ein anderer Kosak wurde schwer verwundet. Aus der genannten Strecke sind überhaupt häufig Mißhelligkeiten zwischen Russen und Chinesen vorgekommen, während die Chinesen sonst freundschaftliche Beziehungen zu den Russen unterhielten. * * Neuerdings ist der Vorschlag ausgetaucht, die Japaner mit der Herstellung der Ordnung in China durch die Mobilisierung einer japanischen Armee von 20- oder 30,000 Mann zu betrauen. Der „Nationalzeitung" zufolge verhält sich die deutsche Regierung diesem Vorschläge gegenüber neutral, hat es jedoch abgelehnt, ihn der russischen Regierung zu unterbreiten, wohl von der Voraussetzung ausgehend, daß dabei mancherlei Interessengegensätze zwischen Rußland und Japan in Frage kommen könnten. Die „Berl. Neuest. Nachr." erklären wiederholt, die deutsche Politik gegenüber den chinesischen Wirren gehe ohne irgend welche Sonderbestrebungen dahin, im Einvernehmen mit den anderen Mächten eine leidliche Ordnung in China mit möglichster Sicherheit für Gut und Leben der deutschen Reichsangehörigen, sowie Sühne zu schaffen für schmähliche Verletzung des Völkerrechtes durch Gesandtenmord und weitere Gräuel. • * * Im Namen des Offizierkorps des 1. Bad. Leib-Gren.- Regts. Nr. 109 widmet der Oberst und Kommandeur v. Ferno dem in Peking ermordeten Frhrn. v. Kettel er folgenden ehrenden Nachruf: „Die Ermordung des deutschen Gesandten in Peking, Herrn Frei« Herrn v. Ketteler, hat das Offizier-Korps mit besonders tiefer Teilnahme und Trauer erfüllt. In treuester Anhänglichkeit hielt der Verstorbene die Beziehungen zu seinem früheren Regiment austecht, in dessen Offizierkorps er von 1874 bis 1878 seine militärische Erziehung empfing. Dem Stolz über die Laufbahn seines ehemaligen Kameraden fügt das Offizierkorps bet dem heldenmütigen Ende desselben den unvergänglichen Lorbeer dankbaren und ehrenden Gedächtnisses hinzu." Der österreichisch - ungarische Botschafter in Berlin, v. Szögyeny-Marich, drückte im Namen seiner Negierung der deutschen Regierung die tiefste Entrüstung über die Ermordung des deutschen Gesandten in Peking, Frhrn. v. Ketteler, und schmerzliches Beileid aus. Auch König Alexander von Serbien und die serbische Regierung ließen dem deutschen Gesandten in Belgrad, Frhrn. v. Waecker- Gotter, ihr Beileid ausgrücken. Der erste Dolmetscher bei der deutschen Gesandtschaft in Peking, Frhr. v. d. Goltz, der China vor Ausbruch des Aufstandes verlassen hatte, um einen längeren Erholungsurlaub in der Heimat zu verbringen, ist in Berlin eingetroffen. Er hat für seine Reise den Ueberlandweg gewählt und zur Zurücklegung der ganzen 15000 Kilom. langen Strecke von Wladiwostok aus 37 Tage gebraucht, von denen er 21 Tage auf dem Wasser, insbesondere auf dem Amur, hat zubringen tnüffen. Er ist feit Jahren in feiner jetzigen Stellung in Peking thätig. Die Gesellschaft vom Roten Kreuz in Rom trifft Vorbereitungen zur Entsendung von Samariter- Personal nach China. Zahlreich Offiziere melden sich zum Freiwilligen-Dienst nach China. — Angesichts der deutschen Machtentfaltung in China werden auch in Paris Maßregeln in weit größerem Umfange geplant, als ursprünglich angenommen wurde. Zunächst wurde befohlen, zwei weitere Kreuzer in Dienst zu stellen. — In der französischen Kammer will der Abg. Pioux die Regierung über den volkswirtschaftlichen Zustand, in den Europa sich durch die Ereignisse in China versetzt sieht, interpellieren. Die Interpellation lautet: Aus welchen Gründen hat der chinesische Botschafter in Paris seine Pässe noch nicht erhalten? * * * Telegramme des Giehener Anzeigers. Berlin, 6. Juli. Der hiesige chinesische Gesandte ist seit einigen Tagen infolge der Aufteguug durch die Er- eigniffe der jüngsten Tage erkrankt und hütet das Bett. Der Ausdruck des Beileids anläßlich der Ermordung des deutschen Gesandten in Peking durch die Empörer geschah auf Veranlassung des Vizekönigs Li-Hung- Tschang und unter Zustimmung der Mehrzahl der Gouverneure von Süd'China. Berlin, 6. Juli. Bei der gestrigen Besichtigung des Schnelldampfers „Deutschland" sagte der Kaiser beim Betreten des Schiffes: „Ernste Nachrichten aus C h i n a". — Wie aus Kiel gemeldet wird, ließen die Kommandanten nach dem Eintreffen der Mobilmachungs-Ordre die Mannschaften sämtlicher Linienschiffe auf Achterdeck antreten und verlasen den Befehl des Kaisers, den die Besatzung mit brausenden Hurrarufen beantworteten. —, Gestern mittag fand ein K r i e g s r a t auf dem Flaggschiff „Kurfürst Friedrich Wilhelm" statt. Anwesend waren sämtliche Kommandanten. Die kriegsmäßige Ausrüstung soll so beschleunigt werden, daß am Samstag sämtliche Linienschiffe und der kleine Kreuzer „Hela" abgangsfertig find. In diesem Sinne telegraphierte Admiral Hoffmann an den Kaiser. Am Samstagnach- mittag, eventuell Sonntagmorgen wird die Division vom Kaiser inspiziert werden, tritt daun die Fahrt nach der Nordsee durch den Kanal an und geht, ohne Wilhelmshaven anzulaufen, direkt nach Gibraltar. Der Kieler Staatswerft ist die vollständige Ausrüstung übertragen. Das heimische Panzergeschwader ist gestern aufgelöst worden. Wilhelmshaven, 6. Juli. Gestern trafen 15 Armee-Offiziere als Ersatz des See-Bataillons ein. Eine fieberhafte Thätigkeit herrscht im Bekleidungsamt für die Herstellung von 2500 Tropen-Anzügen. Die zweite Expedition soll 5000 Mann stark sein. Brüssel, 6. Juli. Wie aus diplomatischer Quelle verlautet, soll die Regierung im Besitz der Nachricht sein, daß der Sekretär der belgischen Gesandtschaft in Peking, Mergelinck, enthauptet wurde. Es wird hinzugefügt, man glaubt, daß der Minister des Auswärtigen dem Vater des Ermordeten dies bereits mitgeteilt habe. London, 6. Juli. Ein einflußreicher Chinese erhielt nach einer Shanghaier Meldung der „Dail Mail" von gestern mittelst Läufer einen Brief aus Peking, worin ihm mitgeteilt wurde, daß die Boxer sich immer zahlreicher in und um Peking versammeln. Die Adligen sind vollständig aus Seiten der Boxer. Vor fünf Palästen Adliger haben die Boxer Altäre errichtet, vor denen sich ihre Anhänger versammeln, und vor welchen hunderte chinesischer Christen von Boxern abgeschlachtet werden. London, 6. Juli. Daily Mail meldet aus Shanghai vom 5. ds., man erwarte stündlich« das Eintreffen der Nach- ridjt von der Ermordung sämtlicher Europäer in Peking. Der Tao Tai erklärte, seiner Ansicht nach sei die Lage derselben eine absolut hoffnungslose und wenn sie noch!'sticht getötet worden seien, so sei dies nur eine Frage kürzester Zeit. London, 6. Juli. Daily 'Expreß berichtet auf Grund von Mitteilungen aus bester chinesischer Quelle, die in Tientsin, Tschifu und Shanghai eingegangen sind, daß die englische Gesandtschaft in Peking am 30. Juni resp. 1. Juli den Boxern in die Hände gefallen sei- — London, 6. Juli. Die Birmingham Post versichert, der Zar habe der Königin Viktoria dieser Tage einen eigenhändigen Brief über China geschrieben, und die Königin habe in die friedfertigen Absichten des Zaren anerkennenden Worten geantwortet. London, 6 Juli. Die Tientsin einschließenden Chinesen zählen jetzt 80 000 Mann. Nur die Ankunft von 9000 Japanern rettete Tientsin vor dem Fall. Der Ort ist mit Verwundeten angefüllt. Der Fall der Chinesen-Stadt in Tientsin erfolgte zwischen Q und 8 Uhr morgens am 30. Juni. — Die Verluste der internationalen Truppen werden als sehr schwer bezeichnet, namentlich, bei den Russen und Japanern. Paris, 6. Juli. Dem „Jntransigeant" zufolge find äußerst ernste Nachrichten aus China im hiesigen Auswärtigen Amt und im Marineministerium eingetroffen. Man hat beschlossen, Verstärkungen an Kriegsschiffen und Mannschaften nach China zu entsenden. Es sollen vier neue Kreuzer und 15000 Mann Truppen so schnell wie möglich dahin abgehen. Rom, 6. Juli. Der Papst ließ durch die Vermittelung des Kardinal-Fürstbischof Dr. Kopp dem Kaiser seinen Glückwunsch zu dem energischen Vorgehen in China übermitteln und die Hoffnung ausdrücken, daß das 23ei> gießen christlichen Blutes baldigst aufhören möge.__________ Politische Tagesschau. Bei dem Festessen, das die amerikanische Kolonie in Leipzig zur Feier des Uuabhängigkeitstages veranstaltete, hielt Botschafter White eine Rede, worin er aus die Friedensliebe des Präfidenteu Mac Kinley im allgemeinen, sowie im besonderen aus das Bestreben des Präsidenten hinwieS, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland auf daS freundlichste zu gestalten. Des näheren führte er aus: Von Anfang an bis jetzt hatten die Anweisungen, die ihm von der gegenwärtigen Regierung zugegangen feien, darauf hingezielt, jeden Unfrieden im Keime zu unterdrücken, jeden Keim deS Friedens weiter zu entwickeln. Man habe in Washington gefühlt, und das mit Recht, daß, was auch immer für Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und den Vereinigten (Staaten auftreten mögen, doch daS Rechte zur richtigen Zeit geschehen würde, und daß es von größter Bedeutung sei, die beiden großen Völker in den guten Beziehungen zu erhalten, die traditionell gewesen find seit dem Entstehen der amerikanischen StaatSversassung. Mau fühlte, daß deshalb jede zwischen beiden Ländern austretende Frage leidenschaftslos erörtert werden müßte. Und diese freundliche Gesinnung der Regierung Mac Kinleys gegenüber der deutschen Regierung beschränkt sich nicht auf die Nebenbuhlerschaft in Handel und Gewerbe. Verschiedene andere Fragen traten auf, z. B. die samoanische Frage, die ihrerzeit so drohend war und doch jetzt vergessen ist. In dieser ganzen Frage habe Mac Kinley ein freundliches Gefühl gegen Deutschland gezeigt, das alle Feindseligkeit entwaffnete. Auch die deutsche Reichsregierung ist bemüht, „das Rechte zur richtigen Zeit" zu thun. Sie hat durch ihren landwirtschaftlichen Attache in Washington der amerikanischen Preffe eine Schrift zugehen lassen, worin der sanitäre Charakter des Fleischbeschaugesetzes betont und das Reich vor der Annahme verwahrt wird, als habe es durch das Gesetz Amerika treffeu wollen. Deutsches Wich. Berlin, 5. Juli. Aus Cuxhaven wird gemeldet: Der Kaiser traf gegen 11 Uhr an Bord des Schnelldampfers „Deutschland" ein, und wurde von den Vertretern der Hamburg-Amerika-Linie und dem Admiral Hollmann, der als Passagier die Fahrt nach England mit- macht, empfangen, von den vielen hundert Passagieren jubelnd begrüßt. Der Kaiser hatte bereits vorher vom „Sleipner" aus die „Deutschland" eingehend besichtigt. Der Kaiser besichtigte das Schiff in allen Teilen und sprach wiederbolt seine Anerkennung aus. Nach- der Besichtigung nahm der Kaiser einen Imbiß in der Kapitänskajüte ein. — Die „Deutschen Verkehrsblätter", das Organ des Deutschen Nsenbahnbeamten-Vereins, bringen folgende Meldung: „Gegen das schlechte Grüßen der Eisenbahnbediensteten. Nachdem Sr. Majestät dem Kaiser in der jüngsten Zeit auf den Eisenbahnfahrten das schlechte Grüßen der nicht zum Tragen einer Dienstkleidung berechtigten Eisenbahnbediensteten (Hilfsbeamten und Arbeiter) aufgefallen ist, hat der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten unlängst eine entsprechende Ergänzung der Bestimmungen für die Reisen allerhöchster und höchster Herrschaften angeordnet, worauf die Herren Präsidenten der Eisenbahndirektionen mit dem Ersuchen aufmerksam gemacht worden sind, die Inspektions-Vorstände alsbald nochi und zwar, soweit angängig, mündlich dahin zu verständigen, daß auf die genaueste Beachtung dieser Bestimmungen ihrerseits hinzuwirken sei". — Eine orthographische Konferenz hat, wie verlautet, am letzten Samstag stnter dem Vorsitze des Ministerialdirektors Dr. Mhoff getagt. An der elben haben außer mehreren Räten des Ministeriums der Geh Regierungsrat Dr. Wilmanns-Bonn, der Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Sprachvereins Geheimrat S a r r a - zin-Friedenau, Gymnasialdirektor Dr. Duden-Hersfeld und Studiendirektor Professor Dr. Rehrmann-Groß- Lichterfelde teilgenommen. Es handelte sich um die a m t - liche Einführung der bisherigen Schul-Orthographie bei allen preußischenund Reichsbehörden. — Zur Zusammensetzung des Reichsmilitärgerichts schreibt die „Augsb. Abendztg.". Ein „Präsident" des baierischen Senats und ein ,,Senats Präsident" werden nicht existieren. Für den baierisck>en Senat werden ernannt: Ein etatsmäßiges militärisches Mitglied, der Oberst, Oberst mit Brigade- Kommandeursrang oder Generalmajor sein kann und das betreffende Gehalt bezw. die Gebührnisse bezieht, ferner vier außeretatsmäßige militärische Mitglieder, die aus den z. Z. nach Berlin kommandierten baierischen Offizieren entnommen werden und je 600 Mark Zulage erhalten. Senatspräsident wird ein Militärjurist mit 12 740 Mark Gehalt. Außerdem werden ernannt: vier Reichsmilitärgerichtsräte mit je 10 986 Mark und ein Militäranwalt mit demselben Gehalt. Mülhausen i. E., 5. Juli. Nach weiteren Meldungen über die Reichstags-Ersatzwahl erhielt Schlumberger 17 670 Stimmen, Emmel (Soz.) 7688 Stimmen. Schlumberger ist somit gewählt. Saarbrücken, 5. Juli. In der gestrigen Sitzung der Handelskammer wurde die Stellungnahme der Kammer zur Saar- und Moselkanalisierung dadurch zum Abschluß gebracht, daß folgender Antrag des Vorsitzenden zur einstimmigen Annahme gelangte: Die Kammer hält in der Kanalfrage grundsätzlich! an dem bisherigen ablehnenden Standpunkt fest, vermag deshalb auch nicht, sich bedingungslos zu Gunsten der Kanalisierung der Saar und Mosel auszusprechen. Sollte aber der M i t t e l l a n d - kanal und ein damit zusammenhängendes Kanalprojekt zur Ausführung gelangen, so betrachtet die Handelskammer die Saar- und Moselkanalisierung als notwendige Ergänzung derselben und schließt sich deshalb den Bestrebungen derjenigen an, welche die Aufnahme der Kanalisierung der Saar und Mosel in dieses Netz wüirjchen. A»ÄÄN-. L o n d o n, 5. Juli. U n t e r h a u.fv Balfour teilt mit, daß eine aus drei Mitgliedern, dem PrasideMen des Aerzte- kollegiums, Dr. Church, dem Professor der Anatomie Cunningham-Dublin und dem Lordrichter Romer bestehende Kommission zur Untersuchung übe r' d i e Behandlung der Verwundeten unb Kranken in Südafrika ernannt worden sei. Nach längerer Debatte willigt Balfour ein, die Kommission durch zwei weitere Mitglieder zu ergänzen. — Chamberlain verliest ein Tele- gramnr aus Fumen vom 4. Juli, worin dieser mitteilt, daß Gouverneur Hodgson am 23. Juni mit 600 Eingeborenen unter Major Morris Kumassi verlassen, nachdem er dort 100 eingeborene Soldaten mit Rationen bis zum 15. Juli reichend zurückgelassen und sich nach Cape Count Castle begeben habe. Oberst Borroughs sei mit 400 eingeborenen Soldaten am 1. Juli in Dompoasi eingetroffen. Der Feind sei völlig überrumpelt worden und habe die Pallisaden geräumt. Borroughs habe 40 Kanonen, und eine Menge Schießpulver erobert. Dreißig Mann vom Feinde seien getötet, auf britischer Seite ein eingeborener! Soldat getötet, drei verwundet. — Das Oberhaus nahm die zweite Lesung der Vorlage an, durch die die Haftpflicht der Arbeitgeber auf die Landwirt- ch a f t ausgedehnt wird, sowie die dritte Lesung der Vorlage betr. den australischen Bund. Brüssel, 5. Juli. Prozeß Sipido. Aus dem Zeugenverhör ist hervorzuheben, daß sämtliche Aussagen über die vier Angeklagten, besonders über Sipido ganz vorzüglich günstig lauten. Volkaert sagt aus, daß Meert aus der inzwischen aufgelösten „Avant-garde sozialiste" einen jungen Menschen wegen Verbreitung anarchistischier Ideen habe ausschließen lassen. Die Angeklagten seien Sozialisten ulnb nicht Anarchisten. Die Aussagen der Entlastungszeugen lauten derart günstig, daß die Verteidigung die Vernehmung der Mehrzahl für überflüssig erachtet. — Das Gericht verkündet: Nichts chuld i g fürdrei Genossen Sipibos; dieser selbst habe ohne Vorbedacht gehandelt. Das Urteil gegen Sipido lautet dahin, daß er bis zum Alter von 21 Jahren unter Auf- icht der Regierung gestellt und sofort in Freiheit gesetzt wird. Sipido wird von Hunderten umarmt und geküßt. Die Menge äußert ihre Freude auf alle Weise. Sie johlt, bringt Hochs auf die Jury, die Verteidigung und Sipido aus. Die Freisprechung Sipidos erfolgte mit Stimmengleichheit. Im Publikum waren zahl- rerche Engländer sichtbar, die düs'Urteil durchaus zu billigen schienen. Paris, 7. Juli. Die Kam m.ßH 2hÄhm in der heutigen Sitzung den Gesetzentwurf bejr. die Schaffung einer Kolonialarmee mit den vom Senat vorgenommenen Aenderungen an. Der Gesetzentwurf ist damit endgiltig angenommen. ( w Aus Stadt und Land. Gießen, 6. Juli 1900. ♦* Burschenschaft Germania. Die Jahressammlung des Ehrenmitglieder-Vereins der Burschenschaft „Germania" in Gießen findet am 15. Juli zu Frankfurt a. M. statt. Es wird hauptsächlich über Gründung und Unterhaltung eines Germanenhauses beraten werden. ** Süddeutsches Mämrerfextett. Auf seiner großen Konzert-Tournee wird Ernst Bleichers süddeutsches Männerquartett, Opernsänger-Ensemble, auch Gießen berühren und, tote aus dem Inseratenteil ersichtlich, am Dienstagabend in „Steins Garten" ein Konzert mit vielversprechendem Programm geben. Ein vorzüglicher Rus geht dem Ensemble voraus. □ Zigeuner-Transport. Gestern eskortierte unsere Schutzmannschaft einen Trupp Zigeuner durch die Stadt. Am Marienberg übernahmen Gendarmen die Eskorte. Die Zigeuner kamen aus der Gegend von Worms und werden nach Berlin geschafft, wo sie sich vor dem Landgericht wegen eines Kindesmords, dessen sie verdächtig sind, u verantworten haben. Schotten, 6. Juli. Anläßlich des am Sonntag den 8. Juli ftattfindenden Kriegerfestes wird ein Sonder-Personenzug in nachstehendem Fahrplan ge- ähren: Nidda ab 11 Uhr 45 Min. vorm., Kohden 11 Uhr 53 Min., Unterschmitten 12 Uhr 1 Min., Oberfchmitten 12 Uhr 8 Min., Eichelsdorf 12 Uhr 16 Min., Rainrod 12 Uhr 25 Min., Schotten an 12 Uhr 38 Min. -ö- Hartmannshain, 4. Juli. Hier befinden sich seit einigen Tagen schon wieder drei Familien mit etwa 20 Köpfen aus Frankfurt auf Sommerfrische. Für später sind noch 35 Personen angemeldet. Seit etwa achx Jahren wird unser Ort als Luftkurort von Städtern sehr besucht. Darmstadt, 5. Juli. Gegen eine größere Anzahl Studenten an der Technischen Hochschule ist, wie bereits mitgeteilt, ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden wegen des flegelhaften Betragens, das sie sich gelegentlich der Mainzer Gutenbergseier haben zu schulden kommen lassen. Der Hergang ist nach einer uns heute vorliegenden Schilderung kurz folgender: Die Herren waren wegen ihrer Beteiligung an dem historischen Festzug von der Stadt aus auch zur Teilnahme an den übrigen festlichen Veranstaltungen eingeladen worden. Statt sich nun als „Gäste der Stadt" eines besonders gesitteten Benehmens zu befleißigen, faßten sie ihre Aufgabe von vornherein so auf, als ob man das Andenken des Erfinders der Buchdruckerkunst nur durch maßloses Saufen würdig feiern könne. Das führte schon an den ersten beiden Festtagen zu mancherlei unliebsamen Szenen und stellte die traditionelle Gutmütigkeit und Gastlichkeit der Mainzer Bevölkerung aus eine harte Probe. Die Krone der Unverschämtheit errangen sich die Jünglinge aber auf der Festschifffahrt nach Bingen. Die Fahrt rheinabwärts benutzten sie zu einem organisierten Zechgelage, das sich auf der Burg Klopp, wo die Stadt Bingen den Festgästen mehrere hundert Liter Erdbeerbowle kredenzen ließ, in ein wildes Wettsaufen verwandelte. Sie belagerten förmlich die Brunnen, aus denen das edle Naß geschenkt wurde, und da es nichts kostete, so soffen sie den Wein wie Wasser aus Gläsern, Hörnern und Eimern. Das Publikum sah erstaunt und entrüstet diesem Treiben zu; ein trinkweiser Mann aber recitierte ahnungsvoll aus Faust: „Gieb nur erst acht, die Bestialität wird sich gar herrlich offenbaren". Der W.eingott kehrte rasch den Spies um und bezwang seine Bezwinger. Kaum war man wieder aus dem Wasser, da kam es auf dem Schiff „Gutenberg", wo mit den Spitzen der Behörden auch ein großer Teil der Hochschüler untergebracht worden war, zu den skandalösesten Ausbrüchen der Besoffenheit. Wüstes Gegröhle und Geschrei entstieg den Kehlen und bei manchem quoll noch anderes heraus, die Kleider der Nächstftehenden besudelnd. Mit- sahrende Damen mußten vor Zoten und zärtlichen Handgreiflichkeiten geschützt werden. Dieses Treiben wurde dann in Eltville, wo man einige Stunden verweilte, fortgesetzt, so daß sich der Oberbürgermeister Dr. Gaßner genötigt sah, den Hochschülern eines der anderen Schiffe zur Weitersahrt anzuweisen. Darob ergrimmten die jungen Leute natürlich sehr. Im wilden Zorn suchten sie sich den Eingang auf den „Gutenberg" zu erzwingen. Der Versuch scheiterte aber an der muskulösen Energie der Schiffsmannschaft, die, als das Zureden nichts half, die Herren mit Gewalt zurückschleuderte. Daß auch manchem aus dem übrigen Publikum der Geduldfaden dabei riß, läßt sich denken; es setzte Püffe und Ohrfeigen. Das half denn endlich, man hatte Ruhe bis Mainz. — Man darf gespannt sein, was bei dem Disziplinarverfahren herauskommt. Worms, 5. Juli. Die hiesige Lutherde nkmal- Stiftung vergiebt in diesem Jahre an neun Kandidaten der evangelischen Theologie deutscher Nationalität, die ihr. Examen bereits mit Auszeichnung bestanden haben, Stipendien für ein Jahr in Höhe von je 860 Mark, damit sie ihre Studien noch ein weiteres Jahr auf einer deutschen Universität fortsetzen können. Das Stipendium kann nach Belieben in dem Zeitraum vom 1. Oktober 1900 bis 1. Oktober 1903 benutzt werden. Gesuche müssen bis spätestens zum 1. September d. I. bei der Kommission eingereicht sein. Näheres ist durch den Dekan Dv. Smend zu erfahren. Mainz, 5. Juli. Es liegt in der Absicht unserer Stadtverwaltung, die in unserer Altstadt gelegenen engen Stadtteile, zu denen besonders die Schlossergasse, Heugasse, Altschirnser Geleg^ bei ber » ,er Sanität ,„en Sither- rin »*s5 r/sS ttbn^" O Gießen, 6. Juli. Die bekannten Herrenfahrer Stratter und Rö aus Turin find hier eingetroffen, um bis zum Oktober hier zu bleiben, auf unserem Sportplatz a d. Hardt zu trainieren und von Gießen aus bei verschiedenen Radwettfahren auf deutschen Bahnen zu starten. Die Herren haben sich bereits zum 22. ds. Mts. für das Gießener Rennen gemeldet. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 8. Juli. 4. nach Trinitatis. Gottesdienst. I« der Dtadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Siehe Johanneskirche. Vormittags 9*/i Uhr: Pfarrer Dr. Grein-l Beichte und heil. Abendmahl für die Matthäus- und Markus- gemeinde. Anmeldungen zuvor bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. zum 1. Oktober nach Darmstadt über. — Dem Hofrat Ludwig Barnay in Wiesbaden hat der Kaiser sein Bildnis übersenden lasten, das mit eigenhändiger Unterschrift und einem charakteristischen Verse aus Schillers Wallenstein versehen ist. Die Veranlassung zu dieser Ehrung des berühmten Schauspielers dürfte wohl in dem vor kurzem stattgehabten 40 jährigen Künstlerjubiläum Barnays zu suchen sein. — Zum städtischen Schulinspektor in Berlin ist der Seminarlehrer Ernst Gäding aus Dillenburg gewählt worden. Diese Wahl ist insofern bemerkenswert, als G. früher Volksschullehrer war. Er wurde 1862 geboren be- suchte 1881—84 das Seminar in Berlin und wurde 1887 als Gemeindelehrer angestellt. Er legte sodann die Mittel- schul- und Rektoratsprüfungen ab, bestand als „Wilder" die Abiturientenprüfung, studierte — neben seiner Thätig- leit als Gemeindelehrer — an der Universität Berlin Theologie und legte die theologischen Prüfungen ab. Im vorigen Jahre ging er als Seminarlehrer nach Dillenburg, und im Oktober dieses Jahres soll er nun als Schulinspektor nach Berlin zurückkehren. Vermischtes. • Der rechtskräftig zum Tode verurteilte Raubmörder Josef Göuczi hat in der vorigen Woche zu Protokoll des Gerichtsschreibers einen umfangreichen Wiederausnahmeantrag eingereicht, lieber den Karl Schultze in Rio de Janeiro, der sich in einem Briefe an den deutschen Konsul. dort der Ermordung der Gips-Schultzen und deren ^Stieftochter bezichtigt hatte, sollen die angestellten Ermittt Zungen ergeben haben, daß er vollständig geistesgestört ist, so daß sein Zeugnis nicht den leisesten Anspruch-, aus Zuver- lässigkeit hat. v ♦ Konih, 5. Juli. Spielende Kilver im Alter von zehn bis elf Jahren wollen am Ufe?J des Plötziger Sees bei Kamin, etwa 20 Kilometer südlich von Könitz, einen Unterschenkel, etwa einen ^^INeter vom User entfe^f liegen gesehen haben. Weil n-*un ein Gewitter auKq und starker Regen niederging, liefen die Kinds" in das Dorf und ließen den Unterschenkel» im Der Fuß ift jedenfalls durch das stark in ‘- bci^ee strömende Regenwasser Wetter hineingespült worden und trotz eifrigen Suchens noch ntcht gefunden worden. m * Dresden, 5. Juli. Durch die Form eines dienstlichen Erhaltes MteFch der Staatsanwaltschafts ässe ssor dernburd von dem Oberstaatsanwalt Dr. Baer oeleibigta «b forderte diesen. Er wurde wegen Auffor- .^Mndorf ^Zweikampf zu drei Monaten Festung oe? Lumda ern,wakn..Je.^ 5' Juli. Ein eigentümlicher Angriff ° “3 A^fahrer 'st auf der Straße von Meulebeke “ 2[nn«*->s (Westflandern) erfolgt. Der Handelsreisende /irabant radelte nach Thielt zu, als er plötzlich einen Stier tm tollen Laufe auf sich loskommen sah. Der Radfahrer suchte sich vor dem wilden Tiere zu retten, aber umsonst. Der Stier hob bas Rad und den Radfahrer in °re Höhe und schleuderte diesen zu Boden. Landleute, bie den Vorfall gesehen hatten, eilten herbei. Brabant hatte eine schwere Kopfwunde und klagte über innere Schmerzen,- man schaffte ihn nach einer Meierei, auf der ihm ärztliche Hilfe wurde. * Karlsbad, 5. Juli. In GraSlitz tobt seit gestern ein heftiges Erdbeben. Bisher sind 60 Erdstöße in der Richtung nach Nordwesten verspürt worden. * NewYork, 4. Juli. Bei der Stadt Tacoma sprang eine mit Personen besetzte Draisine aus den Schienen und stürzte in eine 120 Fuß tiefe Schlucht. 35 Personen wurden getötet, 18 verletzt, darunter 9 rötlich. * 51eto*^otf, 4. ^nlt. 115 Leichen von Personen, welche bei dem Brandunglück in Hoboken umgekommen sind, wurden bisher geborgen. Der Präsident der fran- fischen Republik ließ der deutschen Regierung sein Beileid anläßlich des Brandunglücks in New-York aus- sprechen. * New York, 5. Juli. Ein Teil der Werke der „Standard Oil Company" in Bayonne (New Yersey) ist niedergebrannt. 17 Tanks mit je 30 000 Barrels Oel stud explodiert. 50 Schiffe wurden durch Schlepper aus den Docks gezogen. Baumstämme und Klötze waren im Halbkreis im Wasser ausgelegt, damit daS brennende Oel sich nicht auf dem Wasser weiter verbreiten und die Schiffe zerstören könne. Universität und Hochschule. — Aus Heidelberg wird geschrieben: An der naturwiffenschaft- ^-mathematischen.Fakultät der hiesigen Universität wird sich am 7. ds. JJ Karl Boehm mit einer Probevorlesung über „bie Mathematik der Ä" habilitieren. — Der vortragende Rat im Kultusministerium ^el,Rat Professor Dr. Martin Kirchner ist zum a. o. Professor in ^-»^zimlchen Fakultät der Universität Berlin ernannt worden. — Aus nnSbruck beichtet man: Zum Rektor der hiesigen Universität cm er Studienjahr 1900/1901 wurde, nachdem Prof. Lentner die • ,l9eIp%l, Professor Dr. Franz Frhr. v. MyrboH, der Volks- wrrtschaziehre und österreichisches Finanzrecht vorträgt, gewählt. — ElgklNig ist die letztwillige Verfügung, die d-e Heidelberger Professor oer Physiologie Willy Kühne (gestorben cvn 11. Juni d. I.) für seine Bestattung traf. Er bestimmte, „daß fett« Leiche verbrannt werden und während der Verbrennung der erste Satz der neunten Sinfonie von Beethoven gut gespielt werden solle/ Eine Gedächtnisfeier solle nicht stattfinden. Vormittags 11*/» Uhr: Kinderkirche für te Markusgemeinde. Pfar»r Dr. Grein. „ . In der JohanneSlirck* BormcktagS 8 Uhr: Pfarrer Dr. Na^nann. Zugleich Christenlehre für die Rukonfirmierten auS der Johannesgemeinde. Bormittags 9V, Uhr: Pfarrer Euer. Bormittags 11 Uhr: Ktnderkiv^e für die LukaSgemeinde, Pfarrer Euler. Nächsten Sonntag, den 15 3uü, findet Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und d» Johannesgemeinde im Hauptgottesdienst statt. Anmeldungen vrher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß der kirchlichen Trauung auch ein kirchli»s Aufgebot vorherzugehen hat, und wird dringend gebeten, es rechteckig — spätestens eine Woche vor der Trauung — bei dem zuständigen Pfarrer zu bestellen. Katholische Gemeinde. Samstag den 7. Jul Nachmittags um 4«/, Uhr rnd abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag den 8. Illi. 5. Sonntag nach Pfingsten. BormittagS von 6«/, Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. , um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr Die zweite heil. Meffe. „ um 9Vs llhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2> > Uhr: Andacht. Goffesdiensi in der Synagoge. Samstag ben 7. Juli 1900. Borabend T45 Uhr, morgens 8®’ Uhr, nachmittags 4 Uhr GchrifterklörunSr Sabbathausgang 9N Uhr. Gotk^dienft der israelitischen Keligionsgesellschast. Sabbathferer am 7. Juli 1900 Freitag «benv 7*» Uhr, Samstag, vormittag 8 Uhr, nachmittags 4 Uhr, Sabbathausgang s86 Uhr. Nachmittag 8*o Uhr SchrifterklLrung in der Synagoge. WochengotteSdienst morgens 6»° Uhr, abends 780 Uhr. Arbetterbewegung. O Gießen, 6. Juli. Der Weißbinder-Ausstand ist beendet und für die Arbeiter resultatlos verlaufen. Klagenfurt, 5. Juki. In dem Graf Henckel'schen Bergwerk ist ein Arbeiterstreik ausgebrochen. Temperatur der Lahu und Luft nach Reamnur gemessen am 6. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr mittag-: Wasser 15’, Luft 14°. Rübsamen'sche Badeanstalt. Neueste Meldungen. London, 6. Juli. Lord Roberts telegraphiert, daß die Eisenbahn von Natal nach Vreedingstaad den Betrieb eröffnet hat. General Rundle und einige Offiziere sind in der Nähe von Pretoria von den Buren gefangen genommen worden. Paris, 6. Juli. Der Bürgermeister von Algier, Max Regis, ist gestern in Perpignan in dem Augenblick verhaftet worden, als er nach Frankreich zurückkehren wollte, um sich den Gerichtsbehörden zu stellen. 91 en* Bekanntmachung. L®iclieiifund. Ä --Am 80' Juni 1900 wurde in einem Roggenfeld bei Gelnhausen an der *ranFturt«Letp3iger Straße, nahe der Stelle, an welcher die Straße nach Wächtersbach abzweigt, der fast vollständig verweste Leichnam eines mittelgroßen Mannes, -der tm Alter von 20 bis 30 Jahren gestanden haben mag, aufgefunden. Der Oberkörper war mit einem Jacket, anscheinend aus Cheviotstoff, zu- Fdeckt. 3m Uebngen war bie Leiche nur mit Hose, Weste und hohen Schnür- bekleidet. In der Brusttasche befand sich ein schwarz-ledernes Visitenkarten- raschchen, enthaltend Visitenkarten, eine beschriebene Postkarte, verschiedene Photo- flrapgten, em kleines Notizbuch, einen Taschenkalender für 1900 einen Kalenderabriß ,?aUm V<>W 8* SM 1900, einen Handschuhknöpfer und einen Zahnstocher aus Horn. Die Visitenkarten lauten auf: Modelltischler Wilhelm Severidt, Buchdrucker w $QUlTx^oartlP' ferd, 4649] Durch Wegzug de» Herrn Rutscher mit guten Zeugnissen zu 4567 Fabrikanten Cohn ist die 1. । Pferden gesucht. 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