Drittes Blatt. 1900 Gießener Anzeiger an: Henerat-Anzeiger Amts- und Anzeigeblutt ffit den Aveis Gieren 718 Gießen, Kirchenplatz U- Donnerstag den 7. Juni Wezugsprei« viertcljährl. Mk. 2L0 monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn; durch die Nbholestell« vierteljäbrl. Mk. 1,9t «onattich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteltähirt. mit Bestellgeld. Alle Anzeige»-DeimiittlunI-sterl« des Jo- und Auslandes nehmen Anzeige« für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilerchreiS: lokal 12 Psg., auSwärtS 20 Pfg. VMsMmi, enitbittoH und Druckerei: Sch»rBr«be Ar. 7. «»»ahme »hi Anzeigen zu der nachmittags für de» fatgcvde» Dag erscheinenden Nummer diS vor«. 10 Nhr. LddefteLungen spätestens abends varher. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieß«», Fernsprecher Rr. 51. 7lti)» 9,ti als diejenigen, welche ftüher in Frankfurt gezeigt wurden. Er mustert, meist auf seinem Stuhl fitzend, die Beschauer mit sichtlichem Jnteresie und ist für kleine Scherze und Schmeicheleien fast so zugänglich, wie für seine Milchflasche. Rührend ist seine Zärtlichkeit gegen den Wärter, dem er wie ein kleines Kind fast beständig am Halse hängt. Bei gutem Wetter wird er im Garten spazieren getragen, sitzt wie ein Baby auf dem Arme und läßt sich mit sichtlichem Behagen die Sonne auf den langen, roten Pelz brennen. Gratisbeilage«: Gießener Zamitienblätter, Der hespsthe Kandwirt, Mütter für hrWhe Volkskunde. ____ Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener werkstätte. Vermischter. ** Da» beleidigte Diesenthal. Am Sonntag tagte in Biesenthal eine Bürgerversammlung zur Besprechung der von der „EberSwalder Ztg.- gebrachten Mitteilung, daß der Erste Staatsanwalt Unger-Prenzlau über die Stadt Biesenthal im allgemeinen gesagt haben soll: „Ganz Biesenthal stehe nach seinen Erfahrungen auf einem sehr niedrigen sittlichen Niveau.- Die Versammlung erwählte ein Komitee, das im Namen der Bürgerschaft die Sache verfechten soll. Schließlich nahm man einstimmig folgende, im Wortlaut von Major v. Tietzen-Hennig vorgelegte Resolution an, die mit den Unterschriften des Komitees bereits am Montag an den Staatsanwalt abgeschickt worden ist: „Nach einem in der „EberSwalder Ztg." vom 26. Mai enthaltenen Bericht über die Sitzung der Strafkammer vom 23. Mai sollen Sie in Ihrer amtlichen Eigenschaft das sittliche Niveau von ganz Biesenthal als sehr niedrig bezeichnet haben. So unglaublich dies auch klingt, so hat die am 27. d. M. dieserhalb zusammengetretene Bürgerversamm- luug es doch für erforderlich erachtet, das unterzeichnete Komitee zu beauftragen. Sie aufzufordern, sich binnen drei Tagen dahin zu äußern, ob die obige angeblich von Ihnen ausgesprochene Beschimpfung der Biesenthaler Bevölkerung stattgefunden hat, und wenn nicht, welche Schritte Sie ge- than haben, um die Oeffentlichkeit mit der Wahrheit der Thatsache bekannt zu machen. Das Komittee." * Beleidigungen der deutschen durch ftauzöfische RompUger. Man schreibt aus Rom : Bereits seit dem Abend des 26. Mai waren hier Gerüchte von beinahe unglaublichen Unordnungen in Umlauf, zu denen eine am Vormittage dieses in St. Peter den Pilgern der verschiedensten Nationen von Leo XIII. gewährte Massenaudienz Veranlassung gegeben haben sollte. Während italienisches Militär mit bewunderungswürdiger Ruhe und Festigkeit die Ordnung auf dem weiten Platze vor dem Riesendome aufrecht erhielt, sollten in dessen Innerem deutsche Pilger von französischen gröblich insultiert, ja sogar thätlich mißhandelt worden sein. ES kann nunmehr als erwiesen gelten, daß ein Anstimmen deutscher Kirchenlieder seitens der französischen Pilger durch lautes Zischen, schrille Pfiffe und wüstes Ueberschreien unmöglich gemacht wurde. Durch die Angaben von Augenzeugen ist sogar erhärtet, daß ein junger Abbe einen deutschen Priester, den schon sein hohes Alter und daS Schneeweiß seines Haares vor der leisesten Verunglimpfung hätte bewahren müssen, ohrfeigte, weil er gewagt hatte, ein deutsches Lied anzustimmen, daß selbst deutsche Frauen ähnlichen körperlichen Mißhandlungen ausgesetzt waren, und daß der Ausbruch eines allgemeinen Faustkampfes wenigstens an einer Stelle nur durch das Eingreifen der päpstlichen Gendarmerie verhindert werden konnte. Da der größte Teil der bei den beklagenswerten Vorgängen anwesenden deutschen Pilger aus Preußen stammte, hat denn auch der preußische Gesandte beim hl. Stuhl Veranlaffung genommen, der Angelegenheit näher zu treten. Eine möglichst entschiedene diplomatische Behandlung derselben scheint allerdings in hohem Grade angezeigt. Denn das hiesige Lokalkomitee für Pilgerzüge aus Deutschland und Oesterreich hat Alles gethan, um sie zu vertuschen und jede patriotische Protestkundgebung der teilweise auf'S Höchste erregten Pilger hintanzuhalten. Als Seele dieses unwürdigen Verhaltens bezeichnet man allgemein und offen den Präsidenten des Komitees, Msgr. Nagl, den Rektor der unter österreichischem Protektorate stehenden deutschen Nationalstiftung 8. Maria dell’ anima, der, wie von zuverlässiger Seite verlautet, den dringendsten Gegenvorstellungen nur ein höhnisches Lachen entgegensetzte. * Drei Toiletten für die Pariser Weltausstellung. Die ständige Frühjahrsfrage: „Wohin gehen Sie im Sommer?" ist in diesem Jahre von der Erkundigung abgelöst worden: „Gehen Sie nach Paris zur Ausstellung?" Das ist für viele eine peinliche Frage, für die Frauenwelt, die in der angenehmen Lage, „doch" die Weltausstellung besuchen zu können, die Wunderstadt Paris zu sehen, eine Quelle schwerer Toilettesorgen. Das Reise- Nr. 130 ltgnch DU Ausnahme deS Montag». Die Gießener M«mkkie»vrLt1er «erden de« Anzeiger ta Wechsel mit .Hess. 8e»bti>wt* X. „Blätter Mr he«. BalkSkunde- «»Schtt. 4 «el bcifltfcgt. kleid ist natürlich der wichtigste Anzug. In den Covert- coattönen ist es am meisten zu empfehlen. Höchst modern sind die doppelseitigen Stoffe. Die Kostüme, Rock und Jacke, werden so hergestellt, daß sie umkehrbar sind und man also aus einem Kleide zwei machen kann. Nur Schneiderhände par excellence vermögen solche Toiletten anzufertigen. Jedenfalls sind sie originell. Auf der Fahrt trägt man unter dem Jäckchen eine Hemdbluse. Die zum Anzuge passende Schneidertaille liegt im Koffer. Ein schwarzes Kleid, vielleicht aus Doile, einem dünnen, kongreß- ähnlichen Gewebe, gehört unbedingt zu einer vollständigen ReiseauZstattung. Hr^varz ist Modefarbe. Das Jackenkleid, das auch gern aus unregelmäßig karrierten Stoffen gearbeitet wird, dient als Vormittagstoilette. Es erfährt alltäglich eine Veränderung durch die zweireihig zu knöpfenden farbigen Westen, durch die Sammet- oder Spitzen- kravatten. Diese Tracht hat im Grunde einen männlichen Zug. Man muß ihn besonders in Paris abschwächen. Es geschieht durch die hohen seidenen oder breiten weißen Gürtel aus weichem Leder, durch die duftigen Jabots. Als Abend- und GeseNschaftstoiletten dürfen schwarze Tüll- oder Spitzenkleider als hervorragend elegant bezeichnet werden. Fast noch mehr beliebt sind weiße Tuchkleider mit Bolerojäckchen, die über und über eine Stickerei aus Gold tragen. Hiernach sind also nicht mehr als drei Kleider erforderlich, um in Paris gut angezogen zu sein. Sie schweben über einem Alpakkarock oder einem schwarzen Seidenjupon mit Rüschen. Diese sind mit weißen Bändern benäht. Einige hübsche Blusen aus gestreifter japaniscl>er Seide bringen Abwechselung in die Toilette. Ein heller Cape, bis zu den Knien reichend, schützt am besten gegen des Wetters Unbill, sei es Hitze oder Frühjahrskühle. * Seltsame Heiratszeremonie. Unter den vielen seltsamen Sitten, die in Bezug auf Brautwerbung und Eheschließung den Völkern fremder Länder eigen sind, verdient die Art, wie bei den Negritos auf den Philippinen! die Liebespaare sich finden und von den Eltern zusammengegeben werden, in erster Linie Erwähnung. Die Negritos, eine Rasse von Ureinwohnern der genannten Jseln, sollen nach den Schilderungen der Reisenden die kleinsten Menschen der Erde sein. Wünscht einer der fabelhaft dünnen, spindelbeinigen Jünglinge mit der platten Nase, wulstigen Lippen und dem wolligen Kraushaar ein Mädchen seines Stammes zum Weibe, so holt er sich zuerst die Erlaubnis der Eltern seiner Auserwählten. Sobald er deren Einwilligung erhalten hat, sucht er sich der Geliebten zu nähern. Dies ist jedoch nicht so leicht. Ein alter Brauch verlangt es, daß sich die Maid so lange als möglich vor dem Bewerber verbirgt und ihn flieht. Begegnet sie ihm außerhalb des Hauses, so muß sie schleunigst davonlaufen. Er eilt ihr nach und holt sie auch ein, sie aber entwindet sich seinen Armen wieder und ergreift die Flucht. Dies Manöver wird noch verschiedene Male wiederholt. Endlich ergiebt sich die stolze Negritin, und der Freier trägt sie im Triumph zu ihrem elterlichen Hause zurück. Der Vater der Braut zieht nun den Jüngling die Leiter zu dem „Salon" der Hütte hinauf, und die Mutter thut dasselbe mit der „errötenden" Tochter. Tie beiden jungen Leute knieen nieder und die Alte gießt ihnen eine ausgehöhlte Kokosnuß voll Wasser über die Schultern. Dann ergreift der Vater die Liebenden beim Schopf, stößt ihre Köpfq dreimal aneinander, und die Zeremonie ist beendet. u tatnttten. t Akronyme Einsendungen, gleichviel welche« Inhaltes, werde« grundsätzlich nicht ausgenommen.) Gießen, 6. Juni 1900. •• Der Zweiten Kammer der Sandstande ging zu: 1) eine Vorstellung des Vorstandes des DerkehrsvereinS zu Darmstadt, betreffend den Bahnhof der Main - Neckar - Bahn; 2. ein Antrag des Abg. Seelinger, betreffend die Errichtung eines Amtsgerichts in Lampertheim; 3. eine Anfrage des Abg. Dr. Schmitt, betreffend die Erweiterung der Stadt Kastel; 4. eine Regierungsvorlage, betreffend die dienstliche Stellung der Räte bei den Provinzialdirektionen; 5. eine R8 «A«ilie Grabmonnmente-Geschäft F. Hofmeister Frankfurt a. M. D°« Weueste «b Eleganteste in Oefen Gartenmöbel Herde Rollschutzwände. Vollständige Kücheneinrichtungen <$>z Küchenmöbel 4 Anerkannt billigste und beste Bezugsquelle, ßx la. Tafel-Schellfisch ZZ jeden Mittwoch und Donnerstag frisch eiutreffend. Kölner Konsum-Anstalt -371 Bahnhofstraße 27, C. F. Haekenberg Nachf. Lindeuplatz 12. 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