Aints- und Zlnzeigeblatt für den Ureis Gieren eine Konkurrenten aus dem Felde zu schlagen^ nu-Fadrik. Feuilleton Sonntag den 7- Januar Mr Anzeigen-Bermittlungsstellen des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Mk. 6.60 für Ö ür'/, So». 6 ;eeueht. Q 0000000001 Redaktion, Expedition und Druckerei: Schukstraße Ar. 7. Notwendigkeit für uns ist, mit Deutschland in Energie und Bedachtsamkeit zu wetteifern, so würde der Transvaalkrieg die Rettung des englischen Kaiserreiches bedeuten. Es ist vollkommen zwecklos, Deutschlands Bestrebungen zur Erlangung der maritimen und kommerziellen Suprematie als vage Träume anzusehen. Laßt uns bedenken, was Deutschland war und was es jetzt ist, ehe wir Dem, was es hofft zu sein, ein leichtfertiges Mißtrauen entgegenbringen..... Vor hundert Jahren war Deutschland in einen Zustand apathischer Anarchie versunken, der es zum Gespött der Welt machte.....Die Deutschen waren damals sozial, noch im Mittelalter, politisch in einem Zustand des Chaos und ökonomisch fast so weit zurück als Kamschatka. Das war vor drei kurzen Generationen der Zustand, in dem sich die Nation befand, die heute mächtig und ehrgeizig dasteht und den ersten Platz in der Welt beansprucht. Deutschland verdankt seine Größe der Schwäche seiner Grenzen, die es zwang, ständig auf der Wacht und erzbereit dazustehen — gerade wie die schlimmste Versuchung für England, nachlässig und apathisch zu werden, darin liegt, daß es die natürliche Sicherheit der See besitzt. Ein halbes Jahrhundert hindurch ist in Deutschland an der Aufgabe, die geistigen und militärischen Fähigkeiten, die Erziehung und die Disziplin zn heben, gearbeitet worden, und diese Arbeit wurde kaum im Vaterlande selbst verstanden, kaum außerhalb desselben bemerkt.....Dann kam die Stunde und der Mann — der eiserne Kanzler, Sadowa, Sedan; und die Welt erwachte, um zu sehen, daß 50 stille Jahre des Denkens und der Energie, ernsten und entschlossenen Lebens, ein halbes Jahrhundert der Erziehung und Disziplin, der Bedachtsamkeit und Vorbereitung, Deutschland zur größten Nation auf dem Kontinent gemacht hatten. .... In den letzten dreißig Jahren hat man eine derartige ungeheure Entwickelung, wie die der Industrie und der Gesamtlage Deutschlands überhaupt nicht gesehen, außer höchstens in Amerika. Berlin hat seine Bevölkerungsziffer schneller vergrößert, als New Aork; Hamburg hat im letzten Viertel des Jahrhunderts seine Bevölkerungsziffer verdreifacht; Köln hat sich in der Dekade von 1880 bis 1890 verdoppelt; Leipzig ist schneller gewachsen als San Franzisko. Die Landbevölkerung Ostdeutschlands ist in die großen industriellen Centren des Westens gewandelt und doch sind diese so weit entfernt davon, Ueberfluß an Arbeitskräften zu haben, daß die großen Werke alle Versuche machen, die Landbevölkerung in die Städte zu ziehen und den Ackerbau Russen und Polen zu überlassen. Die Löhne steigen und die Arbeitszeiten werden geringer. Die Auswanderung, die früher sehr stark war, nimmt von Jahr zu Jahr ab. . . . Viele Städte sind fast vollständig neu und reicher und schöner, als sie früher waren, gebaut. . . Das ist im Süden ebensowohl Thatsache, als auch im Norden und es zeigt, mit welchen gigantischen Anstrengungen dieses Land mit aller Energie und mit allem Ehrgeiz vorwärts eilt, um »eutsche Nation verdankt der Wehrpflicht eine körperliche Ausbildung, die der geistigen Entwickelung, die das Erziehungssystem ihr giebt, nichts nachgiebt. Intelligenz, Disziplin und Ausdauer, das sind die Waffen, mit denen der einzelne Deutsche auszieht, um sich eine Stellung in der Welt zu schaffen. Das Zusammenwirken der Kräfte von 60 Millionen solchen Deutschen ist es, worauf die Regierung des Kaisers, die fähig, wachsam, zähe, frei und unbeeinflußt durch die divergierenden Elemente der Parteien ist, sich stützt, um das neue Deutschland zu einer großen, wenn nicht der größten Weltmacht des 20. Jahrhunderts zu machen. Wir wollen hier nicht nochmals die Geschichte aller Konsulatsgerichte wiederholen, welche zeigt, wie der Deutsche auf jedem Markt unter der Sonne erscheint und sich festsetzt. . . Der Deutsche siegt im Handel, wie er im Kriege gegen Frankreich siegte — durch vollkommenes Studium des Problems und durch vollkommene und sorgfältige Verbreitung seiner Methoden. ... Der Deutsche reift und spricht zu jedem Manne in dessen eigener Sprache, während der englische Kaufmann zufrieden ist, feine Briefe zu öffnen; der Deutsche ist ebenso anpassungsfähig, wie der Brite steif ist. ... Es ist sein Prinzip, nicht die kleinste Gelegenheit zu versäumen. Wir wollen hier die Geschichte nicht wiederholen, aber wir wollen die Aufmerksamkeit auf einige Thatsachen hinlenken, die bezeichnend für die Engländer fein müssen: Hamburg wird schnell der größte Hafen in der Welt; in einer Zeit von fünf Jahren verdoppelte es feine Dampferflotte. Ein deutscher Dampfer, „Friedrich der Große-, hält den Rekord für schnellste Fahrt über den atlantischen Ozean. Am bemerkenswertesten von allem ist der Fortschritt des deutschen Schiffbauwesens. In den Statistiken für 1899 zeigt sich, daß die Vulkanwerft in Stettin mit der Quantität der gelieferten Schiffe, bei zusammen 65 862 Tons, an dritter Stelle steht, während zur selben Zeit diese Firma in Bezug auf die indizierten Pferdekräfte that- sächlich den ersten Platz in einer Schiffsbautechnik ein- nimmi, die in keinem Jahre so umfangreich war, wie im letzten. Das ist ein Beweis dafür, daß die Schiffe, die auf der deutschen Werft gebaut wurden, im Durchschnitt viel stärkere Maschinen hatten, als alle anderen im Ausland gebauten Schiffe. . . . Deutsch ist die Geschäftssprache des Balkan, die russische Diplomatie beklagt sich, daß Konstantinopel so deutsch wird, wie Berlin, Kleinasien wird allmählich in eine deutsche Kolonie umgewandelt und jetzt wird die Bagdad-Eisenbahn diesen selben Einfluß zwei tausend Meilen näher an den persischen Golf tragen und die größte militärische Macht der Welt auf den direktesten aller Wege nach Indien bringen. Ist es ein Wunder, daß Deutschland es eilig hat, unter der Führung eines Kaisers — gleich stark an Körper sllr. 5 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener AamitienvtLtter »erden dem Anzeiger kn Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" »ichtl.4mal beigelegt. Gratisbeilagen: Gießener""ßamilienblätter, Der hessische Landwirt, Diätter ftir hessische Volkskunde.___________________ Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. 1900 Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellen vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Viertes Bl«tt. n x A^* ist in allen | e in den 3 * Ein englisches Urteil über Deutschland. Gießen, 5. Januar 1900. Der „Daily Telegraph" bringt neben dem üblichen Rückblick auf das verflossene Jahrhundert eine ausführliche Betrachtung Über die Entwicklung, die Deutschland im 19. Jahrhundert genommen hat, und kommt zu dem Schluß, daß Deutschland, welches in all der Zeit fremde Muster nachahmte, nunmehr auf dem Punkte stände, daß die anderen Nationen der Erde gut thun würden, Deutschland nachzuahmen. „Keine Nation", heißt es in diesem Rückblick, „eröffnete jemals ein neues Zeitalter mit einem so triumphierenden Rückblick und einem so glänzenden und vertrauensvollen Ehrgeiz, als der, welcher die 60 Millionen des deutschen Volkes an diesem Neujahrstag bewegt. Für die übrige Welt bedeutet dieser Tag das nahende Ende des alten Jahrhunderts, für Deutschland ist es der Beginn des neuen. . . . Der Abschluß eines Jahrhunderts, welches die deutsche Rasse aus niedriger und armer Stellung zum Gipfel des Reichtums und der Macht geführt hat; vom Rhein bis zur russischen Grenze und von der Ostsee bis zu den Alpen wurde der gestrige Tag als der Abschluß einer wunderbaren nationalen Wiedergeburt des Volkes gefeiert; der heutige Tag wird als das Dämmern eines Jahrhunderts gewaltiger Expansion angesehen, in der das moderne Deutsch- land entschlossen ist, unter allen Umständen gegen Rußland und die anglo-sächsische Raffe die kommerzielle Suprematie und die Herrschaft der Welt zu erreichen. Das ist ein grandioser Traum — aber die Geschichte Deutschlands während des 19. Jahrhunderts ist die Geschichte von großen Träumen, die verwirklicht wurden. Die neue deutsche Nation hat bis jetzt in allem, was sie anfaßte, Erfolg gehabt. Jedes Ziel, das ihr vor Augen schwebte, hat sie mit bewunderungswürdiger Umsicht in meisterhafter Methode erreicht, und logisch, wie das Schicksal, hat Deutschland Schritt für Schritt vorwärts gemacht. Derselbe Geist weitausschauender Bedachtsamkeit und praktischer Vorbereitung, der nacheinander beim Erziehungswesen, beim Kriegswesen und in der Industrie zur Anwendung gekommen ist, soll nun zur Ausdehnung des maritimen Handels und zur Schaffung eines Kolonialreiches angespannt werden. . . . Deutschland ist für jede Art von Entwickelung und Ausdehnung vorbereitet. England dagegen steht jedem neuen Ereignis unvorbereitet gegenüber. Die Situation in Südafrika wiederholt unseren tauben Ohren die trübe, alte Lektion: Wir verlassen unS auf nichts als auf unsere Fähigkeit, die Dinge durchzusetzen; aber das ist eine Zuversicht, die nicht mehr und nicht weniger wert ist, wie die des hoffnungsvollen Kruges, der vorläufig immer noch zu Wasser geht. England ist wie ein Athlet, der außer Training ist. Wenn die Niederlagen im südafrikanischen Krieg unser Land zu der Einsicht erwecken könnten, daß eß absolute und vitale Meßmer Anzeiger General-"Anzeiger datz mir eine flaut- D Itbon BMungen £ nlMimchne. g Gutenberg uttb die Iahrhmberhostkarte. Bei der Sylvesterfeier des Gutenberg-Bundes in Mainz hat Herr Buchdruckerei-Direktor Lehmann wie mir dem Mainzer Anzeiger entnehmen, folgende Rede gehalten: „Ich hatte heute Nacht einen merkwürdigen Traum. Ich befand mich im Himmel, Gott saß auf seinem Throne und rings herum, auf Wolken sich wiegend, standen die Engel und die göttlichen Heerscharen. Und der Herr sprach zu dem Engel Raphael: Gehe hin und rufe mir meinen Knecht, den Johannes Gutenberg. Und Johannes erschien vor dem Throne des Höchsten und der Herr redete ihn also an: In diesem Jahre wird sich Dein Geburtstag zum fünfhundertsten Male wiederholen, ich gestatte Dir, auf die Erde zurückzukehren, damit Du sehen kannst, was «us Deiner Erfindung geworden. Und Johannes nahm die Erlaubnis dankbar an, und im Fluge ging es hinunter auf die kwigjunge Erde. „In welche Stadt willst Du, mein Sohn?" frug der Engel, der ihn geleitete. „ t „ . „Natürlich zuerst in meine Vaterstadt Ma r n z" antwortete Gutenberg und nach einigen Minuten befand er sich in Mainz vor dem Zentralbahnhofe. , Erstaunt blickte der alte Meister um sich. „Das soll meine veburtsstadt Mainz sein? Ich kann es kaum glauben, tote anders sah es doch zu meiner Zeit aus, werde ich mich hier zurechfindten können?" Er machte einige Schritte nach vorwärts und bejah sich die Schilder auf den Häusern. Welche Freude erfüllte da plötzlich sein Herz, ,a ls er die Inschrift las: Buchdrucker e i. „Dem Höchsten sei Dank, ich habe nicht umsonst auf Erden Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. den wir in unserer Kunst gemacht. Die Zeilen entstammen der S e tz m a s ch i n e". „Eine Setzmaschine?" was ist das, sagte Gutenberg, „setzet Ihr denn nicht mehr die Lettern mit den Händen aneinander?" „Nein, Meister, das besorgt heute eine Maschine". „Könnte ich auch die einmal sehen?" frug der Unsterbliche. „Gewiß", antwortete man ihm und leichten Schrittes, nicht wie ein Fünfhundertjähriger, flog Gutenberg die Treppe hinauf in den ersten Stock, wo die Setzmaschine aufgestellt war. Da stand sie nun, die Setz-, Gieß- und Ablegemaschine „Lynotype" und der sie bediente, suchte dem Meister die sinnreiche Konstruktion des Handwerkszeuges zu erklären. Und der Meister war erstaunt, ergriffen, hingerissen. „Wie bedauere ich, daß ich heute nicht mehr lebe, ich mutz gestehen, Ihr habt aus meiner Erfindung doch etwas gemacht, was ich mir nie hätte träumen lassen. Ich bin beschämt. Wie roh und plump waren doch die Anfänge und wie herrlich wett habt Ihr es gebracht: schnell will ich mich wieder in meinen Himmel zurückziehen, denn da kann ich nicht mehr mit". Da erscheint schnell noch der jüngste Lehrling des Geschäfts, auch e r will dem Meister seine Huldigung barbringen und überreicht demutsvoll die soeben zur Ausgabe gelangte amtliche P o st k a r t e für das Jahr 1900. Lange betrachtet der Meister in tiefes Nachdenken versunken die neue Postkarte, endlich entringt sich ein Seufer der Erleichterung seinem Munde: „Ihr möget noch so weit vorgeschritten fein, meine Lieben, — in einer Sache nehme ich es noch mit Euch auf und das ist der gute geläuterte Geschmack. Betrachtet dieses allerneuste Produkt Eurer Kunst und sehet Euch dagegen ine Initialen meiner 42 zeitigen Bibel an, dann urteilt, wer weiter voran war. Ich verabschiede mich von Euch^ mit Dem Wunsche, daß, wie Ihr in Bezug aus die T e ch n i k Fortschritte gemacht habt, Ihr auch im G e s ch m a ck im neuen Jahrhundert solche Fortschritte machen möget!" )Mteutg 222 6 ttcrie q gelebt, meine Erfindung blüht und siehe, sogar oben an dem Hause ist meine Büste". . „ ..... Bewegten Herzens betrat der Meister ine Offizin. Zunächst gelangte er in den Maschinenraum. Auch hier mar er erfreut, wiederum feine Büste in der Mitte des Saales angebracht 8U ^Aber was wird hier gemacht?" fragte er erstaunt einen der Maschinenmeister, „zu welchem Zwecke kommen diese Riemen aus dem Boden, was sind das für merkwürdige eiferne Kasten, auf denen sich Walzen anhaltend drehen?" v Und der Drucker führte den Unsterblichen an das Ende der Maschine, und dort sah er, wie die gedruckten Bogen mit ungeheurer Geschwindigkeit die Presse verließen. „Es ist Deine Er- sindung, o Meister, es ist Deine Druckpresse, nur vervollkommnet durch einen Mann Namens König!" Gesegnet sei dieser Mann", sprach der Meister, und neugierig betrachtete er die Satzfläche der inzwischen znm Stehen gebrachten Schnellpresse. „Doch was muß ich hier sehen", rief jetzt tief betrübt der große Mann ans. „Das Wunderbarste an meiner Erfindung war doch die B e w e al i ch k e i t der L e t t e r n und Ihr drucket wieder von ganzen Platten, hat man denn das Aneinanderreihen der Buchstaben vergessen?" „Nein, teurer Meister, wir haben es nicht vergessen, durch die wunderbare Erfindung der Stereotypie ist es uns möglich, aus der Druckform mit beweglichen Lettern Platten herzustellen, die Lettern werden wieder benutzt und die Platten zu ' beliebigen Neudrucken aufbewahrt". Und Gutenberg ließ sich in die Gießerei führen, sah zu, wie man aus Formen Platten goß. Aber der Meister war immer noch nicht befriedigt. „Die Formen, aus denen Ihr die Platten gießet, es sind immer noch nicht die richtigen Formen wie ich sie herstellte, da sind ja ganze Zeilen auseinandergegossen. Verzeiht, Ihr scheinet mir trotz aller Eurer Kunst keine Fortschritte gemacht zu haben". „Doch, teurer Mann, das ist noch der größte Fortschritt, $ volltamm,n.5fe I ^ibmas* | !UplVo rz'iV LUyf- iertinige^__ >5ckn.mil ,bswdhtr>n9- lusfüötung, 5 'lotteret, - ----221 sNaäO wie an Geist und einig wie ein Mann, das neue Jahrhundert zu begrüßen, und das weiße unbeschriebene Bl aufzuschlagen, auf welches die Geschichte Dinge företbcn wird, die über jede Vorstellung ruhmvoll oder furchtbar für Nationen sein werden? .. Nicht der geringste Faktor bei der Umwandlung, die Deutschland im 19. Jahrhundert erfuhr, war ferne meffter- hafte Fähigkeit, fremdes Beispiel nachzuahmen. Es wäre gut für England, wenn es jetzt seinerseits dem Nachahmer nach ahmen wollte. Heer und Marine. Genaue Bestimmungen über die Hebungen des Beurlaubten- Üandes sind dieser Tage auf emen vorn preußischen Kriegs- minister dem Kaiser gehaltenen Vortrag ergangen. Es ist angeordnet worden, daß die Interessen der am meisten beteiligten bürgerlichen Bcrufskreise, namentlich die Ernteverhaltnine in den einzelnen Korpsbezirken bei der Wahl des Zeitpunktes möglichst zu berücksichtigen sind. Tie Gestellungsbefehle sind den Einzuberufenden so früh wie möglich zu übermitteln Bei der Infanterie (Jäger, Schützen) findet möglichst ein Schießen der Mannschaften mit scharfer Munition statt. Bei Heran- zichung der Jahresklassen zu den Hebungen — abgesehen von besonderen Verhältnissen ist darauf zu achten, daß die Mannschaften möglichst gleichmäßig int Reserve- und Landwehr-Verhältnis je einmal üben, .hierbei ist anzustreben, daß je eine Hebung möglichst in die letzten Jahre der Dienstpflicht in der Reserve oder Landwehr ersten Aufgebots fällt. Auf Grund der Vorschriften des Gesetzes über die N a - t u r a l l e i st u n g e n für die bewaffnete Macht int Frieden ist der Betrag der für die Naturalverpflegung marschierender u. s. w. Truppen zu gewährenden Vergütung für das Jahr 1900 dahin festgestellt worden, daß an Vergütung für Mann und Tag zu gewähren ist: 1. für die volle Tageskost mit Brot 80 Pfg., ohne Brot 65 Pfg.; 2. für die Mittagskost mit Brot 40 Pfg., ohne Brot 35 Pfg.: 3. für die Abendkost mit Blot 25 Pfg., ohne Brot 20 Pfg.: 4. fiir die Morgenkost mit Brot 15 Pfg., ohne Brot 10 Pfg. Mteratur. Mit einer reich ausgestatteten ^Nummer schließt die »Garten- laUbe" den Jahrgang 1899 ab. Ein herrliches, tiefempfundenes Gedicht Max Haushofers, „An desJahrhundertsNeig e", wozu P. Schnorr die künstlerische Umrahmung geschaffen hat, erweckt in uns ernste Gefühle, während uns die launige Sylvesterbetrachtung Ernst Muellenbach„Der große Geburtstag" in heitere Stimmung ve>setzt. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. Eulenburg läßt sich über das Thema „Nervenschutz und Nervenstärkung" in einer allgemein verständlichen Abhandlung aus, welche die Beachtung der weitesten Kreise verdient. In einem anderen Artikel finden wir in- tereffante Erläuterungen zu dem Bilde L. Ch. Spriets „Der S o h n L u d w i g s XVI. b e i Simon im Gefängnis". Die Backfischgeschichte von Eva Treu „Grünes G r a s" mit der überraschenden Wendung am Schlüsse mu- l-d--mann erfr« J große Roman I. C Heers „Der König der" t in , ein erschütterndes Ende findet, erhält den Ls Zrei(,nm-e und gradiger Spannung. Zahlreiche Bilder bieten 8 mg j.reI Gegenstände von rein künstlerischem Retz m anregendem W chs meinverständlichen Erläuterungen vom 9 . Graudenz, thalin Danzig bearbeitete, Verlag Gustav Röthen Gnmv nz, Bedürfnis weiter Kreise entgegenkommt. Der Herausgeber sag Einleitung richtig, daß der bloße Text von Gesetzen (wie des Tertes mit unmittelbar sich daran anschließenden Erklärungen ist das geeignete Mittel, Kenntnis und Verständnis des Rechts zu forbern Die erschienenen Ausgaben mit Erklärungen sind meist nur für den zur Anwendung des Civilrechts unmittelbar berufenen ^achJuristen von Wert Das vorliegende Werk hat sich, wie die .m Prospekt abgedruckten zahlr ichen Urteile von Behörden, Richtern, Rechtsanwälten, Verwaltungsbeamten, Gerichtsschreibern, Bureauvorstehern u s- w. s°w'e der Fach- unv Tagespresse ergeben, bereits in allen Zeilen Deutschlands Eingang verschafft; Gerichts- und Verwaltungsbehörden m Preußen Bayern Sachsen, Württemberg, Baden, tm Elsaß u. f. w. haben nach dem im Prospekt mitgeteilten Bestellverzeichnis bis zu >0 Exemplaren bezogen. In den Kritiken wird mit Recht bervorgehoben, daß es dem Herausgeber durch Kurze und Klarheit der Erläuterungen, namentlich durch treffende Beispiele aus dem täglichen Leben gelungen .st, den Sinn des Gesetzes wahrhaft gemeinverständlich zu erläutern und dabei eine auch dem Juristen durch Handlichkeit und ausgezeichnete Ausstattung in Druck und Papier angenehme Ausgabe zu schaffen. In der Besprechung eines angesehenen Blattes heißt es: „Soweit die Popularisierung des B. G -B. erreichbar, dürfte sie durch diese jArbeit erreicht sein", und eine andere hebt hervor, daß man trotz des Strebens nach Gemeinverständlichkeit „Überall die Empfindung hat, daß der Verfasser ein Jurist von Fach ist". Dazu kommt, daß die vorliegende dritte Auflage unter allen bisher erschienenen Ausgaben des B. G.-B. die erste ist, welche auch die A u s f ü h r u n g s g e s e tz e der fünf größten deutschen Staaten (Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden) durch ausgiebige Hinweise in der übersichtlichen Form von Randvermerken (Marginalien) berücksichtigt und in einem 112 Seiten umfassenden Anhänge die für das tägliche Leben wichtigen Vorschriften jener Ausfuhrungsgesetze im amtlich publizierten Text der betreffenden Gesetzsammlungen zum Abdruck bringt. Das Werk sollte in keiner Amtsund Schreibstube, in keinem Kontor fehlen; es eignet sich für jeden Deutschen jeden Standes und Berufes. Aus dem Gelchäftsleden. Ein W e i h u a ch t s f e st ohne W e i h n a ch t s b a u m konnte man es nennen, welches die in den weitesten Kreisen bekannte Firma Fritz Schulz jun. Leipzig (chemifch-tech- nifchck Fabriken) beging. Am 20. Dezbr. 1899 verließ die 100 000 ste Bahnkiste im Jahre 1899 den Expeditionshof der Zentralfabrik in Leipzig-Plagwitz. Diese Stückzahl ist bisher noch in keinem Jahre erreicht worden und sind in dieser Zahl die vielen Poststücke, welche außerdem noch täglich zur Versendung gelangen, sowie der Versand der Fabriken in Eger (Böhmens) und Neuburg a. D. nicht mitgerechnet. Im Jahre 1878 unter den bescheidensten Verhältnissen gegründet, haben die Inhaber, die Herren F. A. Schulz und G. A. Philipp, es verstanden, durch Umsicht und rastlose Thätigkeit ihre Firma in kurzer Zeit zu dem größten Etablissement der Branche emporzubringen. Von den vielen Produkten, welche die Firma während der Zeit des Bestehens auf den Markt gebracht hat und welche sich schnell die Gunst des Publikums erworben haben, mögen nur folgende genannt fein: Brillant - Glanz - Stärke, Globus - Putz-Seife, „Scheuerin", Haarpomade, Möbel-Politurpomade, Wäscheblau, Mentholin re. Den größten Absatz hat wohl der von der Firma vor einigen Jahren erfundene „Globus-Putz-Extrakt" erreidyt. Werden doch hiervon jährlicki annähernd 50 Millionen Dosen fabriziert und nach allen Weltteilen versandt. (Zur Zeit beträgt sogar die Fabrikation ca. 200 000 Dosen täglich.) Der Hauptbestandteil des Globus-Putz-Extraktes, die allein ächte und in ihrer vorzüglichen Güte einzig dastehende „Kieselkreide" wird in eigenen Bergwerken der Firma gewonnen, welche für Schlämmereibetrieb mit den modernsten Hilfsmaschinen eingerichtet sind. Treu dem Prinzip nur gute und reelle Fabrikate zu liefern, wird die Firma Fritz Schulz jun. and) weiterhin in steter Entwicklung vorwärts streben und kann dieselbe nur bestens empfohlen werden. E&K oidonetnfiFo kauft trbe Damo am besten und dUCIloLUHu, preieiuertJjeflrn direkt von Sammte von Elten & Keussen und Velvets HtL unser Mustersorlimeut. Kunst-Ausstellung. ausstellung im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen. Eintritt für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfg., an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg. Bei Todesfällen übernimmt die Buchdruckerei des Giessener Anzeigers, Schulstrasse 7, die schnellste Anfertigung von Trauerbriefen und Danksagungskarten, welche auf Wunsch couvertirt geliefert werden. fabrik zu Ostern gesucht. 214 empfiehlt die 240 &(sr gs- 172 179 178 ~ Druck und «erlag der Brühl'schm UniversitätS-Buchi '' Unb Sitindruckerei (Pietsch Erben, in Gießen.' (iliniift'liluiigcii (Offene teilen Stelü'll-Gf suche Vereine 7 ö 9 = 2.2. . e. SS 2° "> a 2 3 S Löwen-Drogerie. W. Kilbinger. Vorzügliche deutsche u. französische Marken in jeder Preislage -'S.- Der Oberbürgermeister: I. V.: Wolff. 2-r-tirc Kaufmann, gesetzten Alters, Christ, verheiratet, sucht Stellung als Reisender oder Kontorist. Offerten erbeten unter A. 050 an die Expedition dieses Blattes. Gießen, den 29. Dezember 1899. Direktion des Spar- und Leihkaffevereins Gießen. ____________________Wiener._____ Verantwortlicher Redakteur: H. Korgler. der Hessischen LandeSlotterie empfiehlt xU Originalpreisen p 194 August Noll, Bahnhofstraße 51. MotnrP *?.eu u. gebraucht, für Gas C/öen&tn, Petrol, u. Dampf rc Arbcitsmaschiuen all. Art, Acetylen- und Luftgas.Anlagen. Günstige Habt ung§bebnig. A. CoUin, Frankfurt o. M., G., Kaiserstraße 60._________[230 Regenschirme, ikparatumi uni Mmitbtn » rx , billigst. 8555 I Zufall, Kreuzplotz 4. abends 9 Uhrr Monatsversammlung im BereiuSlokal. ^^Oesordnung: 1. Vereinslokal betr., 2 Wlnteivergnügen, 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersuckt Der Vorstand. R«d-Kliib Gamm Gießen. Mittwoch, den 10. Januar 1900, Bekanntmachung. Nachdem uns die Haupt - Versammlung wieder die Mittel zur Prämiierung von Dienftboteu des Sparkasseubezirks zur Verfügung gestillt hat, bringen wir dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß Prämien nur solche Dienstboten im engeren Sinne von 5 zu 5 Jahren erhalten können welche bei der Herrschaft Kost und Logis haben und sich über gute Führung durch Zeugniffe auszuweisen im. stände sind. Von Vollendung der 5 Jahre kann nur dann im letzten Dienstjahre abgesehen werden, wenn der Dienstaustritt durch Einberufung zum Militär, durch Auflösung des Haushaltes der Herrschaft, oder durch Gründung eines eigenen Haushaltes seitens de» Dienstboten erfolgt. Es werden hiernach alle diejenigen Dftnftboten, welche nach den vorstehenden Bedingungen auf eine Prämie glauben Anspruch erheben zu können, aufgefordert, sich unter Vorlage der Dienstbücher, eines Zeugnisses der Herrschaft über gute Führung und daß Kost und Logis im Hause gewährt wird, sowie eines etwaigen Sparkassebuchs bei unserer Kasse oder der Grobh. Bürgermeisterei des Wohnorts bis zum 15. l. Mts zu melden. 20000 rote Betten wurden ■ vers, em Beweis, wiebctieöt m. Netten sind. Ober-, Unterbett u Kiffen 12>/,, prachtv. Kotetöetten nur 17'/,, «Herrschafts-Metten 22% AK. Preisliste grat. Nichtp. zahle Betrag retour. A. Kirschberg, Leipzig, Blücherstr. 12. Lehrling für das Kontor einer hiesigen Cigarren- 063] Stadtkundiger, jüngerer Hausbursche gesucht Näheres in der Exped d. Bl. __ Westanlage 35, III. Lehrmädchen aus achtbarer Familie in ein feineres Kurz- und Modewarengeschäft gesucht. Offerten unter C. 161 an die Expedition dieseSBlattes erbeten. Bekanntmachung. Mit Bezugnahme auf die Bestimmungen in § 25 der Wehrordnung werden alle im Jahre 1880 geborenen Militärpflichtigen, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt, oder welche hinsichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine destnitive Entscheidung erhalten und entweder in Gießen ihren gesetzlichen Wohnort haben, oder als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirtschaftsbeamte, Handlungsgehilfen, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Dienstboten, Fabrikarbeiter ober in ähnlicher Eigenschaft sich dahier aufhalten, hiermit aufgefordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Rekrutierungsstammrolle in der Zeit vom 10. bis 20. Jauuar d. I. bei der Bürgermeisterei dahier im Zimmer Nr. 13 zu melden und dabei, wenn sie dahier nicht geboren sind, ihren Geburtsschein welcher von dem betreffenden Standesamt zu erwirken ist, und wenn sie bereits bei einer früheren Musterung konkurriert haben, ihren Losungsschein vorzulegen. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, sich zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Teilnahme an der Losung ausgeschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung u. s. w. für verlustig erklärt werden. Bezüglich der zurzeit der Meldefrist abwesenden Miliiärpflichtigen sind deren Ellern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherren zu diesen Anmeldungen verpflichtet. Ferner wird bemerkt, daß Gesuche um Zurückstellung von Militär- pflichtigen auf Grund des § 32, pos. 2, lit. a, b, c, d, e, f und g der Wehrordnung rechtzeitig bei der Bürgermeisterei dahier vorzubringen find, da verspätete Gesuche keine Berücksichtigung finden. Gießen, den 3. Januar 1900. ■ n : (Brust-Caraniellen) von E. Übermann, Dresden, sind das einzig beste diätet. OonussiaiiffaI bei Husten und Heiserkeft “ 105 Zu haben bei: «ebr. Adami, Mäusburg. ’ DV Gesucht ein besseres Mädchen, welches kochen kann und die Hausarbeit versteht. Eintritt sofort oder Mitte Januai. alt 6nia r ftAnblÄer Junge, 15 bis 16 I. foSäJ H°usbursche für Ans. Febr. ges. Näheres in der Expedition d. Bl. Zu erfragen in der Expedition d. Bl. 143] Auf das Bureau eines Fabrikgeschäfts wird ein Lehrling gesucht. Selbstgeschriebene Offerten erbeten unter Nr. 143 an die Exped. d. Bl. 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