Donnerstag den 6 < September 150. Jahrgang 1900 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigrblntt für den Kreis Gietzen 3. 4. 1. 2. K«;ugsprets vlkrkeljährl. Mk. 2M monatlich 75 Pfg, mit Briiigrriohnl durch die Abholrstkll« viertdjätjrl Mk. 1,9t monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug SRI. 2,40 viertcljä^rß, mit Bestellgeld. Alle Anzeigen-BermtttlungSstellen deS 3tt- und 8u8lenK nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntgegte, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auSwartS 20 Pfg. den daß Re- *- Aus der Wocbeoschrist ^Die Umschau", Uebersicht über die Fortschritte und Bewegungen auf dem Gesamtgebiet der Wissenschaft, Technik, Litteratur und Kunst. Frankfurt a. M., H. Bechholds Verlag. Preis pro Quartal 3 Mk. (Herr v. Brandt war bekanntlich früher deutschem Gesandter in Peking, der Vorgänger des Frhrn. ». Ketteler. D. Red.) Adresse für Depeschen: Anzeiger chiaßa». Fernsprecher Nr. 5L GraKsdeüaZr«: Gießrarr Famrüendtätter, Der hesstfthe Landwirt, Klstter Mr heUsche Usürskondr. CJMMMM—Bgggg * 1 * * *1 WIM IM fiti—, MAOiDian und fcvu*wb: Mr. 7. Das chinesische Regierungssystem Von M. v. Brand t.*) W »neigen zu der Mchmittag» Mr 9* Crjflwün Lsz «scheinenden Nummer big Denn. 16 Ahr. MMMmge« spätestens *«M Mrher. wirtschaftlichen Provinzialvereins; Mitteilungen; Vortrag des Großh. Kreisveterinär- arzteS Herrn Prof. Dr. Winkler von hier über feine Versuche zur Bekämfung der Maul- und Klauenseuche mit Fütterung von Milch seuchekranker Tiere und deren Erstes Blatt. BekamtinachMg, betreffend Generalversammlung des landw. Bezirksvereins Gießen. Am SamStag dem 8. September d. I., nachmittags 3 Uhr, wird eine Generalversammlung des landwirtschaftlichen Bezirksvereius im Lenz'schen Saale (Felsenkeller) dahier mit folgender Tagesordnung stattfinden: Prüfung der Rechnung 1899/1900; Wahl zweier Mitglieder des AuSschuffes des laud- Ergeb nisse. Ich lade hierzu die Mitglieder des Vereins und jeder- Maun, der sich für Gegenstände der Tagesordnung in» teresfiert, freundlichst ein. Die Herren Bürgermeister des BereiuSbezirks wollen dies gefälligst in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen und auf einen zahlreichen Besuch hinwirken. Gießen, den 27. August 1900. Der Direktor des landw. Bezirksvereins, v. Bechtold, Staatsgeschäfte und das Tsungliyamen den Verkehr mit dem Auslande wahrnehmen, aber wenn es schon in Europa nicht leicht ist, sich über die Attributionen, Rechte und Pflichten der verschiedenen Staatsbehörden, sei es auch in einem Nachbarlande, klar zu werden, so muß Pas in einem weit entlegenen orientalischen Reiche noch viel schwieriger sein, in dem feste Grenzen zwischen den Attributionen der einzelnen Aemter kaum bestehen dürften und jeder Beamte außerdem das Gefühl hat, sich dem Fremden gegenüber in ein möglichst undurchdringliches Dunkel zu hüllen. Der Kaiser, der Sohn des Himmels, der Buddha des heutigen Tages, der Herr und Meister, der Herr der zehntausend Jahre, dem gegenüber die Mandschuren Sklaven, die Chinesen Diener sind, ist theoretisch der Unbeschränkte Herr, in der Praxis wird er durch so viele ceremonielle und andere Vorschriften eingeschränkt, daß er recht wenig persönliche Freiheit in seinen Entschließungen haben dürfte. Was den Kaiser Kwang-ssü anbetrifft, so befindet sich derselbe augenblicklich nicht in der Lage, das, was er von persönlicher Initiative besessen haben mag, auszuüben, da seine Tante durch Verwandtschaft, seine Stiefmutter durch Adoption, die frühere Kaiserin-Regentin, Tsze-hsi, hauptsächliche die Regierungsgewalt in Händen hatte, soweit uns die Vorgänge in China bekannt sind. Ein Recht dazu dürfte sie nicht besitzen, denn schon ihre -Vormundschaft während der Minorität des jetzigen Kaisers und seines Vorgängers wurde von alt-konservativer chinesischer Seite als allen Vorschriften widersprechend scharf angegriffen, aber sie besitzt das, was überall und immer über dem formellen Recht gestanden hat, Entschlossenheit und That- kraft, und hat China während vierzig Jahren jbis in die jüngste Vergangenheit vortrefflich regiert. Es mußte also mit ihr als mit einer nicht wegzuräumenden Thatsache gerechnet werden. Der Kaiser, oder in diesem Falle die Kaiserin-Regentin, „die von hinter dem Schirm die Regierung wahrnehmende", wie sie bezeichnet wird, weil sie hinter einem Schirm die Vorträge entgegennimmt und Audienzen erteilt, da sie sich eigentlich keinem Manne zeigen darf, entscheidet auf die Vorträge der Minister hin. Die sechs großen Ministerien sind: das Finanzamt, das Ministerium' des Innern, das Ministerium der Riten, /das Kriegsamt, das Straf(Justiz-)ministerium und das Ministerium der öffentlichen Arbeiten; die fünf kleinen: der große Revisionshof (für alle gerichtlichen Entscheidungen), das Opferamt, das kaiserliche Gestütamt, das Banquetamt und das Ceremonienamt. Jedes dieser Ministerien zerfällt wiederum in eine große Anzahl von Bureaus; an der Spitze eines jeden stehen zwei Präsidenten und zwei oder mehrere Vicepräsidenten, von denen die eine Hälfte stets Mandschus, die andere Chinesen sein muß. Ebenso sind die anderen Beamten in den hauptstädtischen Ministerien teils Mandschus, teils Chinesen. Eine Ausnahme von dieser Einrichtung macht nur das Tsungliyamen, das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, da in demselben mit Ausnahme der Unterbeamten sich keine für dasselbe besonders ernannten Beamten befinden, sondern dasselbe aus Präsidenten und Vicepräsidenten der andern Ministerien, früher unter dem Vorsitz des Prinzen Kung, dann des Prinzen Ching zusammengesetzt ist. Diese Einrichtung ist bei der Schaffung des Tsungliyamen 1861 getroffen worden, um den Reibungen dieser Behörde mit den andern Ministerien, die man für unüberwindlich "hielt und die es wohl auch gewesen wären, vorzubeugen und ihren Entscheidungen sowohl den hauptstädtischen wie den Provinzialbehörden gegenüber größeren Nachdruck zu geben. Tas schließliche Ergebnis ist aber gewesen, daß es dem Tsungliyamen an jeder Initiative, sowohl dem Thron wie den anderen Ministerien gegenüber gemangelt hat und es mit Rtzcht den (ihm gegebenen Namen „Board vf pro- crastination", „Verschleppungsamt" verdiente. In früheren Zeiten war das Großsekretariat die wichtigste Behörde in China, da alle Anträge an den Kaiser und alle Entscheidungen derselben durch seine Hand gingen; jetzt find seine Mitglieder noch 'hochgestellte Beamte. Li- Hung-Tschang ails der zwar älteste Großsekretär ist der höchste Zivil- und damit überhaupt der höchste Beamte des Reichs, aber seine Macht und sein Einfluß sind auf das Staatssekretariat übergegangen, das sich im Laufe der Jahre aus dem früheren Kriegsrat der manschurischen Herrscher zu einer Art Kabinett — Staatsministerium — entwickelt hat. Bei besonders wichtigen Gelegenheiten wird der Große Rat einberufen, der aus den Prinzen des kaiserlichen Hauses und den höchsten in Peking anwesenden Würdenträgern besteht; auch die Gouverneure und Generalgouverneure der Prinzen werden häufig aufgefordert, sich über die dem Großen Rate vorgelegten Fragen zu äußern. Die Voten werden schriftlich und mit Begründung, einzeln oder von mehreren zusammen abgegeben; die schließliche Entscheidung liegt in der Hand des Herrschers. — Außer den Präsidenten "und Vizepräsidenten der Ministerien und einigen anderen höheren Beamten derselben", in den letzten Jahren ist das Audienzrecht und das Recht der direkten Bericht- Amtlicher Teil. Gießen, den 3. September 1900. Betr.: Ableistung des Huldigungs- und Verfassungseides. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises, mit Ausnahme derjenigen der Amtsgerichtsbezirke Grünberg und Homberg. Die Ableistung des Huldigungs- und VersassungSeideS der in Ihren Gemeinden neu aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großherzoglich Hessischen Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheiratet haben, soll wie nachstehend angegeben, stattfinden: 1. Der OrtS- und Staatsbürger aus den in den Amtsgerichtsbezirken Lich und Butzbach gelegenen Gemeinden deS Kreises Gießen Mittwoch, den 19. September d. I., nachmittags 2y3 Uhr, in dem Rathause zu Lich; 2. der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Laubach und Nidda gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen Freitag, den 21. September d. I., nachmittags 3 Uhr, in dem Rathause zu Hungen; 3. der Orts- und Staatsbürger aus den in dem Amtsgerichtsbezirk Gießen gelegenen Gemeinden Dienstag, den 25. September d. I, vormittags 11 Uhr, in dem Regierungsgebäude (auf dem Brand) zu Gießen. Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu den Terminen vorzuladen und, wie geschehen, unter Angabe der Namen der Vorgeladenen anzuzeigen oder zu berichten, daß niemand vorzuladen war. Halten sich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben. v. Bechtold. Nr. 208 Mit ÄatfeefrüiK de- Du GKHes-r 3*tkefl tax Nnznger toi «MM ■* „Hess. 9«Mtr Ä. „Blätter Wr pH. MMunfce" »NM* *** tetgekgt erstattung an den Kaiser, auch auf niederere Beamten-- klassen ausgedehnt worden, als dies früher der Fall war, und den Mitgliedern des Groß- und Staatssekretariats, besitzen auch die Mitglieder des Zensorenamts das Recht, sich direkt an den Kaiser zu wenden, der der erste Präfix deut dieses Amts ist. Sie 'haben aber nicht allein das Rechts sondern die Pflicht, dies zu thun, sobald sich in den ihnen zur Aussicht zugewiesenen Departements oder Provinzen irgend etwas ereignet, ^vas sie der Aufmerksamkeit des • Herrschers werthalten. Sie erfüllen damit einen Teil der Aufgabe einer guten Presse, aber es muß leider hinzugefügt werden, daß sie sich im allgemeinen als wenig zuverlässig und Bestechungen nicht unzugänglich erwiesen haben. Das Recht der direkten Berichterstattung besitzen auch die höchsten Provinzialbeamten; die General-Gouverneure, die sich an der Spitze von ein, zwei oder dret Provinzen befinden, die Gouverneure der Provinzen, bie Provinzial-Schatzmeister, Richter, Salz- und Getreide-Intendanten sowie die Territorial-Taotais, die unseren Regierungspräsidenten entsprechen dürften. Ob dieses Recht in der letzten Zeit auch den Präfekten und Unterpräfekten erteilt worden ist, muß dahin gestellt bleiben. Eine besondere Stellung in den Provinzen nehmen die sogenannten Tgtaren-Marschälle ein, die mit den General-Gouverneuren rangieren und sie vorkommendenfalls vertreten; es sind dies Ueberbleibsel der aus den ersten Zeiten der Mandschu-Herrschaft datierenden Orga-, nisation, als die siegreichen Eroberer des Landes in allen bedeutenderen Städten Garnisonen ihrer eigenen Landsleute unterhielten, um die unterworfenen Chinesen im Zaume zu halten. Die Frage, inwieweit die Provinzialbehorden uni) namentlich die General-Gouverneure, die irrtümlich oft Vizekönige genannt werden, der hauptstädtischen Regierung unterstehen, ist oft aufgeworfen worden, man wird dieselbe dreist dahin beantworten können, daß, wenn die Regierung sich auch nicht gern; und oft in die Einzelheiten der Verwaltung der Provinzen mischt, die Provinzialbehörden doch so vollständig von ihr abhängen, daß die Amtsentsetzung eines General-Gouverneurs wegen eines geringfügigen Fehlers durchaus nichts seltenes ist. Wo die Regierung die Selbständigkeit der Provinzial-Behörden vorschützt, um denselben keine Befehle zu erteilen, thut sie das, weil es ihr so besser paßt. — Außer den vorangeführten Zivilbeamten haben noch eine Anzahl höherer Militär-Mandarinen das Recht der direkten Berichterstattung an den Thron, so besonders die Präfekten und Unterpräfekten der hauptstädtischen Bannertruppen, wie die Tataren-Generale in den Provinzen. Es geht aus diese Weise dem Herrscher eine Menge von Informationen, Anträgen und Vorschlägen zu, zu deren nutzbaren Verarbeitung und Verwendung es schon in gewöhnlichen ruhigen Zeiten bei großer Kenntnis der einschlagenden Verhältnisse eines sehr fähigen Kopfes und vieler Ruhe und Ueberlegung bedarf. In unruhigen Zeiten ist es dann leicht erklärlich, daß selbst festere Charaktere durch die auf sie einstürmenden Memoranden und Vorschläge unruhig und nervös gemacht werden, und es würde nicht zu verwundern sein, wenn die Haltung der chinesischen Regierung, die in dem Herrscher gipfelt, bei der letzten .Krisis sehr wesentlich durch solche Erscheinungen beeinflußt worden wäre.__ Generalversammlung und Stiftungsfest des hessischen Bauernbundes. Schluß. (Fortsetzung der Rede des Dr. Böckel.) Der für das Reich verantwortlick)e Reichskanzler aber soll g ar n ich t einmal im Lande weilen. Selbst s)ie Post soll seine Adresse nicht genau wissen . Doch das ist einerlei; jedenfalls kommt diese Thatsache zu den andern wunderlichen Zuständen hinzu. Hat denn gegenwärtig das deutsche Volk nochseineBerfassung? Ncnhher soll vielleicht der Reichstag die Steuern bewilligen. Wird uns später die Bewilligung angesonnen, so werde ich sicher gegen die Bewilligung dieser ausgegebenen Millionen stimmen. Aber w i r sollten uns das nicht gefallen lassen, sondern auf Unserer Verfassung bestehen. Das Volk ist eben zu gleichgiltig; es ist froh, wenn es gelegentlich Hurra schreien darf. Wir sind gegenwärtig in einer Zwickmühle nach; innen und nach außen. Was bei den Handelsverträgen heraus- kommt, werden wir ja sehen. Die Industrie arbeitet schon heute für die Zollpolitik in ihrem Sinne. Andererseits ist es geradezu eine Verletzung d e r Verfassung, wie die Reichsregierung sich in der China fache benimmt. Heute nennt man Waldersee den Oberstkommandierenden in China. Fünf „Verbündete" stehen dort im Felde. Wie lange aber wird er .Hochst- kommandierender über diese fünf „Verbüirdeten" sein. Cs scheint schon jetzt, als ob aus der großen Ernrg- keit bald die schön st e Hauerei entstehen kann. Die Frage, wie China regiert wird, ist unter gegenwärtigen Umständen, wo alles davon abhängt, die Außenwelt fich einer kräftigen und zuverlässigen „„ gierung gegenüber befinde, die ihr Genugthuung für die Vergangenheit und Sicherheit für die Zukunft geben kann, von unzweifelhafter Wichtigkeit, aber wie so manche.andere Frage von gleicher Bedeutung, ist sie leichter .gestellt als ' beantwortet. Freilich ist es sehr leicht zu sagen, daß die Regierungsgewalt in den Händen des Kaisers ruhe, unter dem der große Staatsrat, die Staats- und Groß-Sekretäre und die sechs großen und fünf kleinen Ministerien die "SBalberfee geht einen schweren Gang, ohne hoffen zu dürfen, viel Tank damit zu ernten. Tenn alle werden über uns herfallen, wenn dort die Sache schief geht. Und was haben wir da zu thun? Kommen die Chinesen zu uns, um Land zu annektieren? Brau ch e n wir denn einen Krieg zwischen Morgen- und Abendland, haben wir denn hier nickt genug zu thun? Wenn wir uns die ganzen Zustänoe so ansehen, da kann man wahrlich nicht mehr von einem Aufschwung spreche n. Tenn wo sieht man einen Aufschwung? Nur bei den Millionären um noch einige Millionen, also an falscher Stelle, keinesfalls bei der Landwirtschaft «und Gewerbe. Im Gegenteil, diesen sind die Roh- inaterialien nur verteuert worden. Ties will aber die Regierung nicht eher einsehen, als bis sie darauf angewiesen ist, zu erkennen, daß Mittelstand und Bauernstand ihre festesten Stützen sind. Tann wird sie einsehen, daß es nicht so leicht ist, Deutschland den Agrarstaat aufzuheben und in einen Industriestaat zu verwandeln. Alle Zeiten haben noch gezeigt, daß ein Staat ohne gesunden Bauernstand rettungslos verloren war. Auch die Blüte, die England eine zeitlang getrieben hat, ist ja verwelkt. Daran sollte man sich doch ein Beispiel nehmen. Was ein Bauernstand zu leisten vermag, zeigt ja der Bur in Transvaal. Noch immer leistet er der großen englischen Armee Widerstand, noch immer verteidigt das tapfere Volk Vaterland und Freiheit in seinen Bergen. Und so tapfer ist der Bauernstand von jeher gewesen. Aber mit dem Altbewährten will man scheinbar aufräumen, um modernem Tand Platz zu machen. So wie wir kämpfen müssen um unsere Existenz im Frieden, kämpfen jene um ihre politische Existenz im Kriege. Wir sollen jetzt ja in einer Aera leben, in der man Zivilisation schafft: dort aber schafft man jetzt eine Wüste. Wo bis dahin Wohlstand, Frieden und Glück herrschten, kann man jetzt einen Denkstein errichten mit der Inschrift: „Hier schuf ein Kulturvolk Zivilisation!" Ja, soll man lachen über all die leeren Phrasen, die heute gemacht werden, oder soll man sich darüber ärgern, wie so heute Recht und Gerechtigkeit mit Füßen vor der ganzen Welt getreten werden? Der Burenkrieg hat meinen Glauben an die Menschheit sehr erschüttert. Gerade heute, wo hier Bauern versammelt sind, kann ich nur sagen: Lassen Sie Sich dies eine Mahnung sein. Eure Vorfahren haben auch das Land bebaut und die Scholle, amf der Ihr sitzt, Euch erhalten. Und all die Mühe soll nun dahin sein und sich allmählich abbröckeln; auf Euren Grund und Boden soll heute die Fabrik treten? Ich kann nicht sagen, daß alle Interessen im Staate dieselben sind. Sie sehen ja heute schon, wie es heißt, die Arbeiter könnten mit amerikanischem Fleische genährt werden. Bald wird es heißen, wir brauchen keine Landwirtschaft mehr, das Ausland liefert uns ja alles. Lassen die Landwirte sich nicht trennen, dann werden wir wenigstens bald das erreichen, daß wir angemessene Preise für unsere Erzeugnisse erzielen, sodaß wir unseren Verpflichtungen gegen Staat und Menschheit nachkommen können. Tenn mögen wir auch billige Preise haben, die Steuern bleiben dieselben und der Staat erläßt keine. Unser Banner flattert heute schon stark irn Winde. Bleibt wie bisher treu bei dieser Fahne, dann können wir selbst unser Retter sein. 10 Jahre haben wir zusammengehalten, und der Staat sieht dies. Er muß schließlich wieder ein Verständnis dafür bekommen, daß sein festestes Fundament niemand anders sein kann, als der d e u t s ch e M i t t e l st a n d, der d e u t s ch e B a u ernst a n d! Der inzwischen erschienene erste Vorsitzende des Hess. Bauernbundes, Reichstagsabgeordneter Köhler- Langsdorf, brachte auf Dr. Böckel ein begeistert aufgenommenes Hoch la'.us, und erteilte dem Hess. Landtagsabgeordneten Wolfs das Wort, der in längeren Ausführungen die ArbeitdesBauernbundes in Hessen behandelte. Er giebt zunächst seiner Freude darüber Ausdruck, das Fest im Kreise Gleichgesinnter feiern und den Reichstagsabgeordneten Dr. Böckel begrüßen und den Schriftführer des hessischen Bauernbundes, Redakteur H i r s ch e l - Offeu- bach, von langer Krankheit wieder genesen sehen zu dürfen. Er führt id'ann des längeren aus, daß der Bauer Politik treiben müsse, daß er sich rühren müsse. Dann geht der Redner auf die Thätigkeit der vom Bund in den Landtag gesandten Abgeordneten ein und erklärt deren oft schroffen Ton, der indessen heute nicht mehr nötig sei. Im Anschluß daran beleuchtet auch er noch einmal die Vorgänge bei den letzten Wahlen und kommt auf den letzten Mini st e r w e ch s e l zu sprechen. Schließlich kommt der Redner auf dieStellungdeshessischenBauernbundes -umBundderLandwirtezu sprechen. Alle Streitigkeiten sollten zwischen beiden möglichst der Vergangenheit und Vergessenheit angehüren. Hand in Hand müßten sie gehen, dann würde der Bauernstand Anteil haben an der Gesetzgebung, wie er bei der Bedeutung der Landwirtschaft ihm gebührt. Rücksprache solle vom Vorstande mit dem Bunde der Landwirte demnächst genommen werden. Zum Schluß gedenkt der Redner noch des Sedantages. £>eute würde er, wie ganz angebracht, nicht mit großem Pomp gefeiert. Als treue deutsche Bauern aber sollten sie heute der siegreichen Armee Deutschlands vor 30 Jahren gedenken. So treu wie die Väter damals im Kriege, ständen sie alle heute im Frieden für Thron und Altar. Doch es gäbe keinen Thron und Altar, wenn kein Volkswohl dabei sei; dazu aber gehöre Volk sfreih eit. Darum müsse man heute geloben, nicht abzuschweifen von dem gesteckten ;stele. Aus Uneinigkeit könne nur Unheil ent- stel>en, darum solle Freiheit und Volkswohl leben! Reichs und Landtagsabg. Köhler-Langsdorf geht «uf die ausgesprochen freisinnige Anschauung des Finanzministers Gnauth ein. Menn er in die Fußtapfen Küchlers eintrete, könne alles gut werden; aber daran glaube er nicht so recht. Er hoffe vielmehr, daß Gnauth sie, die Bauernbündler, so in die Fuchtel nehmen wird, daß sie einig werden, damit nicht der Abg. Dr. David nochmals sagen könne: Die freie Vereinigung fei eine freie Veruneinigung. Redakteur Hirschei legt noch dar, wie wenig freisinnige Stimmen bei der letzten Wahl im Lande abgegeben seien: trotzdem aber fei ein ausgesprochen freisinniger Mann Finanzminister geworden. Er bitte die Abgeordneten, Herrn Gnauth keine Rosen aus den Weg zu streuen. Als Vertreter des Bundes der Landwirte spricht Neure u t h e r - Offenbach und betont ebenfalls, daß, wenn die Landwirtschaft einig sei, auch ihr zu gunsten Handelsverträge abgeschlossen werden würden. Dem Bund der Landwirte gehörten heute über 200 000 Mitglieder an. Alle deutschen Landwirte aber müßten sich rtnter einem Banner zusammenscharen. Jeder habe das Recht, einer Partei anzugehören, und in dieser Beziehung brauchten die Landwirte auch gar nicht alle unter einen Hut gebracht zu werden. Man solle nicht darüber streiten und die Hauptsache, die gemeinsamen Interessen der Landwirtschaft darüber vergessen. In der wirtschaftlichen Reform müsse und würde Einigkeit erzielt werden. Der Bund der Landwirte komme dem Bauernbunde gern entgegen, um gemeinsame Interessen zu verfolgen. Darum einig! Treiben wir als Landwirte gemeinsame Standespolitit, wie die anderen Stände; dann werden wir bald erreichen, was innerer lieben deutschen Landwirtschaft not thut. Bürgermeister Köhler- Langsdorf begrüßt mit Freuden, daß eine Einigung in Aussicht steht, die leicht möglich fei, wenn der Bund der Landwirte etwas vom hessischen BaMrnbund lerne und umgekehrt. Auf allgemeinen Wunsch svricht dann noch einmal Dr. Böckel und mahnt ebenfalls zur Einigkeit, weil doch die Interessen die gleichen wären. Mit einem Hoch auf den Hessischen Bauernbund schloß die Versammlung. Aus Stadt und Land. Gießen, 5. September 1900. ** In dem verstorbenen Grafen Friedrich zu Solms- Laubach hat die Erste Kammer unseres Landes ein sehr hervorragendes Mitglied verloren. Der Graf verschloß sich nicht dem modernen Geist, namentlich nicht auf sozialpolitischem Gebiete. Für seine Gesinnungen sprach besonders beredt seine Haltung im Frühjahre 1898 in der Ersten Kammer bei der Beratung über das vom Reichstage angenommene Vereinsgesetz. Unsere Zweite Kammer hatte beschlossen, die Großherzogliche Regierung zu ersuchen, daß ihr Vertreter im Bundesrate für das vom Reichstage angenommene Vereinsgesetz stimme. Hierzu führte Graf zu SolmS Laubach in der Ersten Kammer aus, daß es seiner Ansicht nach unzuträglich sei, wenn die hessischen Vereine durch die Gesetzgebung anderer deutschen Staaten am Zusammenschluß mit deren Vereinen gehindert würden; diesen Zwang wolle er beseitigt wissen, und der Beschluß des Reichstages scheine ihm dazu dienlich. Er halte eS daher auch, entgegen dem Ausschuß, für richtig, dem Antrag der Zweiten Kammer beizutreten. Der Ausschuß der Ersten Kammer wolle dies deshalb nicht, weil der betreffende Reichstagsbeschluß ein Kampfmittel gegen den preußischen Landtag habe fein sollen und der hessischen Regierung aus einer feftgelegten Stellungnahme dazu im Bundesrate Un- gelegenheiten entstehen könnten. Diese Bedenken teile er nicht; was im preußischen Abgeordnetenhause vorgegangen sei, und welche Gründe der Reichstagsbeschluß habe, sei ihm gleichgiltig, er habe sich nur zu fragen, ob der vor- liegende Reichstagsbeschluß zu billigen sei. Dies sei der Fall, und deshalb wünsche er seine Durchführung. Daß unter dem Antrag der Zweiten Kammer die Namen von Sozialdemotrateu ständen, beeinflusse ihn in seiner Stellung nähme nicht. Die Erste Kammer aber lehnte es ab, dem Anträge der Zweiten Kammer beizutreten. ** Postpersonaluachrichten. Versetzt sind: die Post- direktoren Schad von Köln (Rhein) nach Darmstadt, Wittich von Mainz nach Rastenburg (Ostpreußen), BerniuS von Friedberg (Hessen) nach Mainz und der Postkassierer Wolf von Düsseldorf nach Friedberg (Heffen) als kom. Postdirektor. Gestorben ist der Oberpostassistent Hoffmann in Worms. ** Der Zweiten Kammer der Landstände ging u. a. die Vorstellung deS Gendarmeriewachtmeisters I. F. Bickel i. P. zu Nidda, betreffend sein Ruhegehalt zu. Hungen, 2. September. In der Wasserversorgungsfrage für hiesige Stadt schweben, wie die „Landpost" schreibt, gegenwärtig intensive Unterhandlungen. Man ist zwar noch nicht schlüssig, ob eine ca. 15 Kilometer lange Rohrleitung bis in die Gegend von Ruppertsburg gelegt werden soll, oder ob ein Pumpwerk in hiesiger Gemarkung zu errichten ist. In Anbetracht des Kapitalaufwandes von ca. 150 bis 180 Tausend Mark, die eine solche Rohrleitung von Ruppertsburg einschließlich des Ankaufs von Quellen kosten würde, dürfte wohl ein Pumpwerk in der Gemarkung mit eigenen Quellen vorzuziehen sein. Die elektrische Kraft des Oberhefsifchen Elektrizitätswerks kommt dabei gut zu statten. Jedenfalls hofft man von den gegenwärtigen Unterhandlungen eine enbgiltigc Lösung unserer Wasserfrage. -ch. Darmstadt, 4. September. Der Großherzog ist heute abend von Viernheim mit reicher Jagdbeute zurückgekehrt und wird morgen vormittag zur Beisetzung des Grafen Solms-Laubach nach Laubach reifen. — Die Großherzogin nebst der kleinen Prinzessin wird voraussichtlich am nächsten Freitag von Schloß Oberhof bei Koburg zurückkehren und Aufenthalt auf Schloß Wolfsgarten nehmen, wohin der Großherzogliche Hofhalt dann wieder verlegt wird. — Am Sonntag, dem 16. September d. I. (gelegentlich der Landwirtschaftlichen Landesausstellung) wird vormittags 10 Uhr im Kaisersaal hier auf Veranlassung des Hessischen Bauernbundes, Hand in Hand mit dem Bund der Landwirte und unter Beteiligung von Mitgliedern des Landwirtschastlichen Vereins deS Großherzogtums Heffen eine große Bauernversammlung stattfinden, in welcher namhafte Führer der agrarischen Bewegung u. a. auch ReichStagSabg. Dr. Böckel, Menninger-Würzburg, ReichS- und Landtagsabg. Köhler-LangSdorf re. sprechen werden. — In der letzten geheimen Sitzung der Stadtverordneten, welche bis nahezu 9 Uhr abends dauerte, wurde auch im Prinzip dem sog. Schloßfreiheitsprojekt zugestimmt, das zur Schaffung eines freien Platzes am Residenzschloß und einer neuen Verkehrsstraße durch die Altstadt nach der Rosenhöhe mit einer Aufwendung von über 600000 Mk. vorgesehen und schon lange im Werk ist, mit dem ausdrück. Uchen Vorbehalt zugestimmt, daß der seinerzeit von dem Finanzministerium. versprochene Staatszuschuß (der frühere Finanzminister Küchler hatte circa 250000 Mk. zugesagt) auch wirklich genehmigt wird. Ob der neue Finanzminister gleich günstige Zusagen macht, weiß man noch nicht. — Eigentümlich hat es berührt, daß man die neue Kühlanlage im Schlachthof in der gleichen Sitzung einer nicht- hessischen Firma übertrug, obwohl man von einer hiesigen sehr bedeutenden, sogar viel mit dem Ausland arbeitenden Firma eine nahezu 40pCt. billigere Offerte hatte. Mainz, 3. September. Bei dem städtischen Unter* bietungsversahren sollen für die Folge nachstehende Grundsätze zur Einführung kommen: 1. Das AuSschreiben für Arbeiten und Lieferungen von 300 bis 5000 Mk. erfolgt nach Maßgabe eines Kostenanschlags, welcher von den arbeitsvergebenden Behörden in der Art festzustellen ist, daß in jedem Jahr von hinreichend erfahrenen Handwerksmeistern der einzelnen Handwerkszweige Preisangebote soweit möglich für alle einschlägigen Arbeiten eingezogen werden sollen. Der sich hieraus ergebende Durchschnittspreis ist alsdann bei Ausstellung der verschiedenen Kostenanschläge für die Arbeitsvergebungen zu Grund zu legen. 2. Lieferungen oder laufende Unterhaltungsarbeiten bis zum Betrag von 300 Mk. können zu Einheitspreisen aus freier Hand vergeben werden. Bei lausenden Nnterhaltungs- arbeiten sind in abwechselnder Reihenfolge die ortsansässigen Handwerker nach näheren Bestimmungen zu berücksichtigen. 3. Lieferungen im Wert von 300 bis 1000 Mk. können öffentlich ausgeschrieben werden^ doch können solche auch in engerem Ausschreiben vergeben werden. Bei dem letzteren Verfahren müssen mindestens drei Angebote vorliegen; der Zuschlag ist alsdann dem Mindestfordernden zu erteilen. Soweit eS sich ermöglichen läßt, sollen zu diesen Arbeiten die hierfür in Betracht kommenden Unternehmer abwechselnd herangezogen werden. 4. Lieferungen und Arbeiten im Wert von über 1000 Mk. sollen in der Regel öffentlich ausgeschrieben werden. Von den einlausenden Angeboten kommen nur diejenigen in Betracht, welche bis zu 10 vom Hundert über oder 10 vom Hundert unter dem bauamtlichen Kostenanschlag sich bewegen. Aus diesen Anerbietungen ist der Zuschlag im allgemeinen dem Mindestfordernden zu erteilen. 5. Lieferungen und Arbeiten Über 5000 Mk. können an den Mindestsordernden vergeben werden; ebenso ist bei Lieferungen von reinen Handelswaren in der Regel das mindeste Angebot anzunehmen. 6. Generalunternehmer sind nur als Ausnahme in solchen Fällen zuzulassen, wenn der Teilung iinb Ausführung ber Arbeiten nach einzelnen Losen besondere technische Schwierigkeiten entgegenstehen; die dem Ver- dingungsanschlag beigesügten Zeichnungen sind so genau wie möglich zu fertigen und in Kopien möglichst unentgeltlich oder zum Selbstkostenpreis abzugeben. — Der Verein Mainzer Kaufleute hatte gestern abend, wie das „Mainzer Journal" schreibt, eine Anzahl von Vertretern der verschiedenen Branchen versammelt, um die kürzlich beschlossene Rundfrage bei den hiesigen Ladenbesitzern wegen deS Achtuhr-Ladenschlusses vorzubereiten. Es ist zu konstatieren, daß der weitaus größte Teil ber hiesigen Labeninhaber entschieden für ben Achtuhr-Labenschluß eintritt, unb lediglich bei einem Teil ber Zigarren- und Kolonialwarenhändler die Neigung besteht, für diese beiden Branchen eine Ausnahme zu schaffen. ES wurde somit be- schloffen, den Ladenbesitzern den Schluß der Läden auf 8 Uhr vorzuschlagen; dagegen für eine größere Anzahl von Abenden — wie Samstags usw. —, sowie für die Zeit vor Weihnachten und Neujahr bei der Bürgermeisterei auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen den Neunuhr- bezw. Zehnuhr- Ladenschluß zu erwirken. Kleiu-Steinheim, 3. September. Vier Herren von hier, Hanau und Groß-Steinheim unternahmen dieser Tage eine Automobilfahrt in baß Kinzrgthal. Auf ber Rückkehr hatte bas Vehikel eine 8/4 Stunden lange, steil abfallende Straßenstrecke zu passieren. Um die Geschwindigkeit zu mäßigen, wurden gleich die Bremsen angezogen. Wenige Augenblicke später geriet trotzdem der Wagen in ein beschleunigteres Tempo. In demselben Momente wurde Rauch bemerkbar. Zum Schrecken der Ausflügler war die Lederbremse in Brand geraten. Alsbald ging eß mit Blitzes- schnelle vorwärts. Todesangst bemächtigte sich der In, fassen, als sie die Straße am unteren Ende durch einen querstehenden Bauernwagen versperrt sahen. Der Automobilführer riß, die drohende Gefahr erkennend, die Lenkstange des Motorwagens nach dem Trottoir. Infolge des vorhergegangenen Regenwetters war der Trottvirboden weich. Jnfolgedeffen gruben sich die Räder, an denen auch die nichtverbrannten Pneumatikreifen geplatzt waren, fuß- ief in den Boden. Das Automobil Überschlug sich und die Jnsaffen wurden teils hinauSgeschleudert, kamen teils unter den umgestürzten Wagen zu liegen. Die ganze Fahrt währte bis zu diesem Augenblick zirka 3 Minuten. Da ber Bauernwagen noch zirka 100 Meter von der Unglücksstelle entfernt war unb noch keine Anstalt zum Weichen machte, so wäre in wenigen Sekunden ein größeres Unglück unausbleiblich gewesen. Die Verunglückten kamen biß auf einige Kontusionen mit btm bloßen Schrecken davon, während das Fahrzeug stark beschädigt wurde. (Darmst. Ztg.) Dillenburg, 3. September. Heute vormittag 11 Uhr wurden die Verhandlungen ber 79. Generalversammlung desVereins nassauischer Land- undAorst- wirte eröffnet, bie nach 32 Jahren wieder einmal hier stattfindet. Die Beteiligung aus allen Gegenden des Regierungsbezirks ist sehr stark, und m der Ausnahme, die man den etwa 170 Delegierten unb ber großen Zahl sonstiger Interessenten bereitet hat, bekundet sich aufs angenehmste der gastliche Sinn ber Bevölkerung. 77 Landes- birettor Sartorius-Wiesbaben betonte in ferner Eröffnung-- ansprache, daß ber Verein auch nach dem Inkrafttreten des I neuen Landwirtschaftskammergesetzes unzweifelhaft extfienz« Schul-Anzüge in grosser Auswahl! Markus Bauer. 5826 5760 VechMlung außemdeutliiheu 5609 4168 bei 5781 Ansicht. C. Böhr & Co •er unter einem hochgradigen Stotterübel zu 5848 5718 f Konverstihons- Lexikon (ihn pich In ihjcn k Giessen, Kirehenplatz 11. ergebenst eingeladen. Kages - Grdrmng: Erbauung eines neuen Sparkaffengebäudes. 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Bettstelle, Patentmatratze, Seegrasmatratze, Keil, Deckbett und zwei Kiffen. leiden hatte, nach einem Kursus im Sprachheilinstitut „Hephata" vollständig von demselben befreit wurde. Dieses auf Wunsch jedem mündlich bestätigt. Gerhard Baske, Ingenieur. Duisburg, den 29. August 1900. Vollst. Bett f.Mk. 126.- Bestehend aus: Hochfeiner, eiserner Bettstelle mit Patentmatratze, Schoner, Kapokmatratze, Deckbett mit Daunen und zwei Kissen. Vollst. Bett f. Mk. 77.- Bestehend aus: Eleganter eiserner Bettstelle mit Patentmatratze, Schoner, SeegraSmatratze, Keil, Deckbett und einem Kiffen. Hriims- Jd^sa^e hierdurch meinest besten Dank^ daß ich,,der Gießen, den 20. August 1900. Direktion der Spar- und Leihkaffe Gießen. Wiener. Man achte darauf, dass jedes Packet die volle Firma und Schutzmarke trägt. nutz Gebrannte Kbtfees in gediegener Ausführung zu folgenden, sehr billigen Preisen: Vollst Bett f.Mk. 36.50 Bestehend auS: Eiferner Bettstelle mit Spiralboden, Seegrasmatratze, Deckbett und einem Kiffen. WrimrsteigklW. Donnerstag den 6. und Freitag den 7, September, jedesmal nachmittags 2 Uhr anfangend, wird im Hofe Nord' aulage 7 (früherer Lahnsteiu) eine große Partie sehr guter Weitz- und Rotweine in Flaschen gegen Barzahlung versteigert. 5863 I. A.: Schneider. DV Weitere Anmeldungen zu einem in Gießen zu errichtenden Heilkursus werden noch Donnerstag den 6. und Freitag den 7. Veptember, von 1—3 Uhr und 6—7 Uhr nachmittags im Hotel Einhorn angenommen. Institut „Eephata“, staats, konzessioniert. Dir. Neumann, Wiesbaden. Dr. med. Coleman, Esten <*♦ R. Hochachtungsvollst A. Simon, Lollar, langjähriger Schlossermeister bei obiger Firma. Ortsftatut für die Stadt Gießen, betreffend die Gesindeorduung. In Gemäßheit des Art. 7 der Gefindeordnung in der vom 1. Januar 1900 an geltenden Fassung wird hierdurch auf Beschluß der Stadt- verordnrten-Versammlung vom 26. Juli 1900 und mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern vom 9. August 1900 zu Nr M. d. 1.23278 bestimmt, daß für den Bezirk der Provinzialhauptftadt Gießen an Stelle des Art. 6 des Eingangs zittrten Gesetzes die folgenden Vorschriften über die Dauer der Dienstzeit zu treten haben: Ist über die Dauer der Dienstzeit nichts vereinbart, so wird der Vertrag als auf die Dauer eines Kalendervierteljahres abgeschloffen angesehen. Das Kalenderoierteljahr beginnt mit dem ersten Werktag eines Vierteljahres und endigt mit dem Beginne des folgenden Kalendervierteljahres. Ein im Laufe des Kalendervierteljahres abgeschloffener Dienstvertrag gilt als bis zum Ende desselben eingegangen, falls nicht ein anderes vereinbart ist. Gießen, den 30. August 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. Zwievelkucheu Dienstag, Donnerstag u. Samstag, morgens von %9 Uhr ab. B. Schomber, WMHorstraße 51. Hochachtungsvoll Wilhelm Fischer, Merweg 13. Dachdecker. Afterweg 13. UnivrrM und Hochschule. — Profeffor Ernst Haeckel hat sich am 4. September in Genua nach Singapore zu seiner Forschungsreise nach Java, Sumatra, Celebes, Amboina eingeschisst. Er verabschiedete sich von seinen Freunden in einem Schreiben, in dem es heißt: „Ich hoffe, daß diese zweite Tropenreise — meine letzte größere Reffe — nicht allein meine viel- jährigen „Plankton Studien" zum endgiltigen Abschluß. und mir schöne neue „Kunstformen der Natur" liefern wird, sondern auch, daß der Naturgenuß von „Josulinde", dem schönsten Jnselreiche der Erde, mir neue Kräfte zum heißen „Kampf um die Welträtsel" geben wird. Zwar ist mir der Erfolg dieses Buches sehr erfreulich, aber die Beantwortung von mehr als tausend Briefen, die daraus crsolgten, hat doch meine Kräfte mit 66 Jahren etwas mitgenommen. Da ich leider keinen Versicherungsschein auf meine persönliche Unsterblichkeit besitze und an kein Wiedersehen im Jenseits glauben kann, rufe ich meinen lieben Freunden mit herzlichen Grüßen ein „Frohes Wiedersehen" im Diesseits zu." berechtigt sei. Unsere landwirtschaftlichen Verhältnisse können nicht mit denen der östlichen Provinzen gleich behandelt werden, wo der Großgrundbesitz überwiegt, dem hier nur etwa 6 pCt. der Landwirte angehören. 56 y2 pCt. rechnen mit einem Besitz von 2—10 Hektar zum bäuerlichen Mittelstand; der Rest hat weniger als 2 Hektar. Es gilt also im hiesigen Regierungsbezirk vor allem, die «einen Kräfte zusammenzufassen durch Vereine und Genossenschaften. Unsere Landwirte haben im Allgemeinen nicht die Mittel, ihre Söhne auf landwirtschaftliche Hochschulen zu schicken, wir müssen ihnen deshalb die Belehrung ins Dorf !htn- eintragen. Das kann nur dadurch geschehen, daß den 16 Bezirksvereinen größere Mittel an die Hand gegeben werden Der Voranschlag für 1901 sieht daher schon jetzt erhöhte Beihilfe von je 450 Mk. vor. Nach Eintritt in die Tagesordnung werden zunächst der Rechenschaf^bericht und die Jahresrechnung für- 1899 gutgehetßen. Em An- trao des 6. landw. Bezirksvereins (Oberlahnstem) erneuert das Bestreben, das Wahlverfahren zur Landwirt- schaftskammer im Sinne einer reinen Berufsvertretung umzugestalten. An Stelle der Wahl der Landwirtschafts- kammermitglieder durch die Kreistage solle Wahl durch alle beitragspflichtigen Landwirte treten. Landrat v. Heimburg als Gegner des Antrages suchte diesen auf persönliche Motive, insbesondere ans eine seiner Meinung nach völlig grundlose Abneigung gegen Beamte (Landräte) als Kammermitglieder zurückzuführen. Dieser Auffassung tritt eine ganze Reihe von Rednern sehr nachdrücklich entgegen, so Bürgermeister Neu-SelterS, FeldgenchtSschösfe Einladung. Die verehrlichen Mitglieder des Spar» und Leihkasievereius Gietzen werden zu einer am Areitag dem 7. SeptemLer t. I., nachmittags 4 Mr, im Saale der höheren Mädchenschule (Schillerstraße) dahier stattfindenden Bekanntmachung. Nachstehendes Ortsstatut wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis Stottern Rationelles, physiologisch begründetes Verfahren des Direktors Renmann. Das Verfahren ist wesentlich abweichend von den üblichen didaktischen (symptomatischen) Methoden und verhilft schwersten Stotterern zu völlig freier Sprache. Behandlung ohne Hypnose und ohne Medikamente oder Operationen. (Reichsmedizinalanzgr. Nr. 25/1893.) — Empfohlen von Geheimrat v. Leyden in Berlin und anderen hervorragenden medizinischen Gelehrten. Handel und Verkehr. Uolkswirtsthnfl. Frankfurter Börse vom 4. September. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. Prämie» auf Kredit per ult Sept. 1.75%, do. per ult Okt. 2.70%, Diskonto-Kommandit per ult. Sept. 1.45 %, do. per ult. 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