Freitag den 6 Juli 1900 Erstes Blatt. «48 O Zlnttr- und Anzrigeblntt für den Kreis Greffen M iemv. Le. Mk. tigernde *ei* ZZezngspreiL viertchahrl. Mk. 2M monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die AbholesteLe» vierteljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierlcljähN. mit Bestellgeld. fiMwnu 1589 Alle Lnzeigen-vermittlung-stellen deS In- und AuSlaudeO nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeh». ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auSwärt» 20 Pfg. reu. f Versilbern, 408P UrtiTtl—, Expedition und Druckerei: -chMtßratze Nr. 7. vSgWü. NnivchM *16. mg ckstr.l. Richtung nichts verletzend neues geschaffen hat. Seme Salome ist — um einen Goetheschen Ausdruck zu gebrauchen, der heute vulgarisiert ist — ein „Luderchen". In einem blauen Becken — dieses tiefe, leuchtende Blau ift ungemein pikant — wird ihr das blutende Haupt des Täufers dargereicht. Eben erst muß die schaurige Handlung vollzogen worden sein. Der Henker steht dabei, eine viehische, brutale Gestalt; noch klebt das Blut an fernem Schwerte. Er grinst in seiner blöden Roheit. Salome aber, festlich aufgeputzt, mit Blumen im Haar, in prangenden Gewändern, die Hals, Busen und Schultern enthüllen, mit Goldschmuck behangen, tritt vor rhr Opfer hrn und hebt ihm mit zierlich gespreizter Hand den Augendeckel hoch. Hinter ihr stehen die Sklavinnen, dre eine m all ihrer Dumpfheit die Gebieterin mit dem Pfauenwedel fächelnd, die andere heiter, mit einem wohlgefälligen Lächeln, als ob sie das crudelschöne Schauspiel belustige. Was ist nun das Reue, das Besondere, das Exceptwnelle bei Corinth, das diesem Gemälde die Aufmerksamkeit m so hohem Maße zuzieht? Die meisten der Sezessionsbilder erheben, wenn sie nichts anderes anzufuhren wysen, wenigstens den Anspruch der Selbständigkeit — und dürfen ihn erheben. Das Was, will sagen; der behandelte Stoff ist es gewiß nicht, der gerade diesem Cvrmth'schen Bilde eine Ausnahmestellung verleiht. Auch die koloristischen Effekte sind es nicht. Die Komposition ist sogar em wunder Punkt: die Figuren sind nicht zwanglos genug angeordnet; die brntale Gestalt der Henkersknechte, em Ruckenakt, ist zu sehr in den Vordergrund geschoben; man merkt daA Mühsame der Komposition, die sich ein wenig theatralisch aiebt. Bleibt also nur die Charakteristik der Figuren, und thatsächlich hat der Münchener hier eigenartiges' geschaffen Wie bemerkt, ist diese Salome mit der Wollust Gratisbeilage: Gießener ZamiUenblätter, Der heWtze Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde._________________ ffiwKefcme »»« Anzeigen zu der nachmittag» für den ^otGMde» lef «scheinenden Nummer bU vorm. 10 Uhr. Abdeckungen spätesten- abend- vorder. Adresse für Depeschen: Anzeiger chtetzM. Fernsprecher Nr. 5L M- 155 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener »nrntlienorätter werden dem Anzeiger bm Wechsel mit -mrdwtrt" «. „Blätter Mr Hess. Bolttkundr- S4chtt. 4»al heigelegt. sollen ibiie beziehen: im 1. bis „ 4. „ „ 7. „ „ 10. „ „ 13. „ „ 16. „ „ 19. „ „ 22. „ „ 25. „ 3. Dienstjahr einen Gehalt von 1100 6 ' „ „ „ 1250 9 „ „ „1400 12. „ 1550 15. „ „ „ „ 1700 18 „ „ „ „ 1850 21. „ „ „ „ 2000 24 „ „ „ 2200 27. „ „ „ „ 2400 30. „ „ „ „ 2600 gäbe von über 1 Million Mark. Weiter könne nicht gegangen werden, darin fäien Finanzminister und Staatsministerium einig. Durch die Bereiterklärung zur Annahme der Skala Molthan habe die Regierung in Bezug auf ihre Vermittelungsthätigkeit und ihr Bestreben, das Zustandekommen des Gesetzes zu sichern, die äußerste Grenze beschritten. Er hoffe, daß das Gesetz auf dieser Grundlage doch noch zu stände kommen werde und könne versichern, daß die Regierung auf das Zustandekommen im Interesse des Lehrerstandes den allergrößten Wert vom 31. Dienstjahr an „ „ „ „ 2800 „ Etwa 25 bis 30 weitere Vorlagen, darunter Gesetzentwurf die Witwen- und Waisenkasse der Volks- schullehr er, werden entsprechend den Beschlüssen der Zweiten Kammer angenommen. Ein kleinerer Teil der Vorlagen wird für die morgige Sitzung Vorbehalten. In dieser wird auch' eine eventuelle Gießener Anzeiger General-Anzeiger RS re der E -ogen, Sie m -Provinz e wunderbar *re6to - Mu E - »tM1^ ZU LZ: iS* Lebens-" Hessischer Landtag. Erste Kammer der Landstände. M. G. Darmstadt, 5 Juli 1900. Die Sitzung wird »om Präsidenten Graf v. Schlitz, «en. t>. Görtz, um halb J.0 Uhr eröffnet. Dieser macht Mitteilung von seiner Ernennung zum Ersten Präsidenten der Kammer und empfiehlt sich der Nachsicht und dem Wohlwollen der Mitglieder des Hauses. — Er gedenkt rmt warmem Nachrufe Sr. Gvoßh. Hoheit, des Prinzen Wilhelm von Hessen, und die Mitglieder erheben sich zu (Aren des Dahingegangenen von ihren Sitzen. — In einem Schreiben an die Erste Kammer teilt Graf Solms-Laubach mit, daß er das Amt eines zweiten Präsidenten der Ersten Kammer zu seinem Bedauern aus Gesundheitsrücksichten meberteaen müsse und den Sitz in der Kammer auf seinen Sohn, pen Grbgrafen, übertrage. Der letztere, sowie der Bischof von Mainz, Dr. Brück, werden hierauf eingeführt und leisten den landständigen Eid. Zum zweiten Präsidenten wird Graf Erbach-Für st enau, als Sekretär Graf Solms- Laubach gewählt. Als neue Mitglieder für die Vier- Ausschüsse werden Erbgraf Solms-Laubach, Erbprinz Lei- ningen, Graf Stolberg-Roßla und Fürst Solms-Hohen- solms-Lich gewählt. „ r In Erwiderung der AllerhöchstenBot s cha s t,Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs an die Stände anläßlich des Ablebens des Prinzen Wilhelm von Hessen wird eme Adresse beschlossen und um 11 Uhr durch das Bureau der Kammer und zwei Mitglieder in besonderer Audienz überreicht. „ r , Die Vorlagen, Entschädigung für an Milzbrand und Rauschbrand gefallenen Tiere, Antrag Korell hierzu, die dienstliche Stellung der Räte bei den Provmzialdirek- tionen, mehrere Vorstellungen wegen Ruhegehaltes und Besoldungsdienstzeit, Teilung des Mainzer Gymnasiums, die Lehramtsassessoren an höheren Bürgerschulen, Ankauf des Gärtner'scheu Hauses auf der Burg zu Friedberg und kleinere Gegenstände betr., werden nach Beschlüssen der Zweiten Kammer genehmigt. &A Zur Beratung gelangt nunmehr die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern, die Gehalte der Volksschullehrer betr., dazu Antrag Backes, Antrag Molthan, Schlenger und Genossen, Antrag Köhler (Darmstadt) und Genossen, Vorstellung des hessischen Landeslehrervereins. Staatsminister Rothe erklärt, daß die Regierung weiterhin auf ihrem Standpunkt beharren müsse, wonach die Vorlage nicht Gesetz werden könne, wenn der Antrag Backes angenommen werde. An dem Wohlwollen der Regierung für den Lehrerstand könne niemand zweifeln, ferne Grenze finde aber das Wohlwollen in der Steuerkraft und m den Finanzen des Landes. Die Vorlage sei in dieser Hinsicht «uf das sorgfältigste erwogen worden. Man habe sich, dazu verstanden, den Antrag Molthan in die Regierungsvorlage aufzunehmen; dieser schaffe eine Arbeitsskala, wie sie die Regierung von vornherein beabsichtigt, aus finanziellen Gründen aber aufgegeben habe; durch die Erhöhung der Pensionslasten, die Organisation der Schullehrerwitwenkasse usw. schaffe sich der Staat unter HinzurechuunF der 700 000 Mark für Gehalte der Lehrer eine Mehraus- der Grausamkeit ausgestattet. Sie nähert sich dem abgeschlagenen Haupte des Johannes mit einer Koketterie, als ob sie einen Tanzsaal beträte. Sie kommt ja gerade von einem wilden Tanze her; die Unordnung der Gewändev scheint darauf hinzudeuten. Ihr jugendlicher Leib, den sie den Blicken ihres begehrlichen Stiefvaters preisgab, hat ihr den Triumph über den strengen Gottesmann erwirkt. Und diese lüsterne Brunst dampft noch ihr Leib aus. Es ist das Wonnegefühl der befriedigten Rache, das diese Salome durchglüht. Und nickst minder schwelgen die Personen ihrer Umgebung in diesem schaurig-schönen Anblick. Es mag zarte Gemüter geben, die diese Roheit abstößt; ihrer überwältigenden Wirkung wird sich kein Unbefangener entziehen können. _ t Corinths übrige Bilder, die gleichfalls der Bibel ihre Stoffe entnehmen, offenbaren keine neuen Seiten seines Könnens. Seine Kreuzigung fällt weder nach der guten noch nach der schlechten Seite auf; wir haben diesen Gegenstand im Laufe der letzten Jahre mit realistischerer Kraft gemalt gesehen. Seine Susanna, ein Lieblingsthema der Maler, läßt den Humor vermissen. An Böcklin darf man dabei gewiß nicht denken. Religiöse Stoffe sind übrigens der Sezession bei weitem nicht so fremd, wie man gemeinhin anzunehmen geneigt ist. Da ist eine schlichte „Beweinung Christi" von dem Berliner Otto Heinrich Engel, ein Johannes-Bildnis des Grafen Leopold v. K a l ck r e u t h, eine Pieta von Hans Thoma, und der Münchener Fritz v. Uhde hat neben der „Flucht nach Egypten" eine rührend einfache Heilandsgestalt („Christus besucht ernt Bauernfamilie") gemalt. Die „Kinderstube" von demselben Uhde ist für mein Gefühl zu sehr mit anekdotenhaftem Zügen ausgestattet. Des Hamburgers Julius v. Ehren; „Die Schule ist aus" fesselt durch kräftigere Farbengebung, Freiherr Riedesel zu Eisenbach vertritt den Stcmd- punkt der Mehrheit des Ausschusses, die dem Antrag Backes nicht stattgeben will, Geh. Kommerzienrat Michel als einziges Mitglied des Ausschusses tritt für den Beschluß der Zweiten Kammer ein. Er sieht in dem Mehrerforder- nis von 144 000 Mark keinen allzu erheblichen Betrag und glaubt, daß gerade eine Aufbesserung in den unteren Stufen mit Rücksicht auf die erhöhten Bedürfnisse in gewissen Lebensjahren der Lehrer am Platze sei. Ministerialrat Dr. E i s e n h u t sucht seine Ausführungen zu widerlegen und weist besonders darauf hin, daß mit der beabsichtigten Neuregelung der Gehaltsverhältnisse der Lehrer Hessen an der Spitze des Reiches stehe. Wenn die Regierung solches nachweise, so dürfe sie für sich in Anspruch nehmen, daß sie nickst von kleinen Gesichtspunkten ausgegangen sei. Er könne, so leid es ihm in seiner Stellung thue, doch darüber nicht hinauskommen, daß der Staat auch- noch andere Interessen außer den Interessen der Schule zu wahren habe. Er wünsche dringend, daß die Vorlage Gesetz werden möge, im Interesse unserer Schulen und der Lehrer, die die Aufbesserung in hohein Maße nötig hatten. Professor Dr. Schmidt wird der Regierungsvorlage zu- sttmmen im Interesse des Zustandekommens des Gesetzes. Bischof Dr. Brück spricht für den Anttag Molthan, der den berechtigten Forderungen der Lehrer Genüge leisten und ihre Lage bessern werde. Die Regierungsvorlage nut der Skala Molthan wird gegen 2 Stimmen (Geh. Komwerzienrat Michel, Geh. Hofrat Professor Kittler) angenommen. Danach definitiv angestellten Ährer an Volksschulen Werliner Kunstausstellungen. (Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.) in*). Die Sezession. 2. Corinth — Liebermann — Leistikow — Skarbina — Stuck — Thomas Theodor Heine. War im vorigen Jahre der Münchener Max Slevogt der Prügelknabe der Ausstellung, dank der mit unerhörter Kühnheit d argestellten Parabel vorn verlorenen Sohn, so ist es Heuer der Münchener Louis Corinth mit seinem Salome-Gemälde, also wieder ein biblischer Stoff, dessen Behandlung die Geister auf einander platzen läßt, die Gemüter in Wallung versetzt. Die skrupellos realistische Auffassung hat das Gemälde zu einem Clou gemacht. Würdige Herren und ehrbare Frauen stehen staunend davor und schütteln das Haupt. Mau sieht es aus ihren Mienen, daß sie die Frivolität, mit der ein bekannter biblischer! Vorwurf behandelt ist, in ihren Gefühlen beleidigt. Und doch haben sie vielleicht vor drei Jahren dem Sudermann- Lchen „Johannes" Beifall geklatscht, obwohl hier ein moderner Reabiet nicht davor zurückschreckte, Salome als eine Tiergarten-demi-vierge darzustellen. Nicht anders und nicht schlimmer der Maler. Er hat höchstens die Wollust der Grausamkeit hinzugefügt. Aber wer je die Ecce Homo- Bilder der alten Meister gesehen hat, hier den Heiland mit der Dornenkrone in unsäglichem Schmerz, dort die tterische Lust seiner Peiniger, die sich! an diesem leidvollen Anblick laben, der muß einräumen, daß Corinth nach dieser *) vgl. Nr. 124 und Nr. 143. Rückäußerung der Zweiten Kammer über die heutigen Beschlüsse der Ersten Kammer, bett, den Gesetzentwurf über? dieGehaltederVolksschullehrer, ihre Erledigung finden. „ Schluß der Sitzung 12 dreiviertel Uhr. Politische Tagesschau. Die „Koloniale Zeitschrift« bringt die Nachricht von der Amtsenthebung des bisherigen Gouverneurs von Deutsch- Ostafrika, Generalmajors v. Liebert, mit folgenden Angaben: Generalmajor v. Liebert ist, wie wir erfahren, am 28. Ium vom Kaiser seines Amtes als Gouverneur von Deutsch-Ostafrika enthoben worden und wird eine Brigade erhalten. Veranlassung zu dieser Verabschiedung war wohl in letzter Linie die Insubordination des Gouverneurs v. Liebert gegenüber seinem Chef, dem Kolonialdirektor von Buchka. Es ist bekannt, daß Herr v. Liebert nach zahlreichen Prwat- briefen und Mitteilungen an die Preffe, zu der er seit den Zeiten, da er für den als Reichskanzler designierten Grafen Waldersee die Preßsachen bearbeitete, Beziehungen unterhielt, die Ablehnung der Centralbahn zum Anlaß nehmen wollte, um eigenmächtig nach Deutschland zurück, zukehren und über den Kopf des Kolonialdircktors hinweg die Agitation für die Centralbahn aufzunehmen. Gleichzeitig stellte die den Generalmajor v. Liebert hochschätzend, Preffe diesen als Kandidaten für den noch gar nicht erledigten Posten des KolomaldireklorS auf. Auf die Nachricht des Gouverneurs, daß er nach Deutschland komme, erhielt er den telegraphischen Bescheid vom Kolonialamt, daß man diese Abreise als Abschiedsgesuch betrachten würde. Jn- folgedeffen verschob Herr v. Liebert seine Abreise. Diese Dinge haben wohl dem Faß den Boden ausgeschlagen. Denn es ist in kolonialpolitischen Kreisen schon lange bekannt, daß die Stellung des Herrn v. Liebert unhaltbar war, und daß der Kaiser seiner Unzufriedenheit mit de» jetzigen Zuständen in Deutsch- Ostafrika mehrfach in scharfer Weise Ausdruck gegeben hat, indem er mit Recht für den rapiden Niedergang des Karawanenhandels einerseits den ans Phantastische grenzenden Optimismus des Herrn v Liebert, dann aber seine bureaukratische Methode, die sich namentlich in der Unmenge seiner Erlasse äußert, rote sie in solcher Ausdehnung bisher in unseren Kolonieen noch nicht erlebt ist, verantwortlich machte. _ , . _ r nr. e. In praktischen Kolonialkreisen und m denen der Kolomalgesellschaft macht man Herrn v. Liebert sein Verhalten gegenüber der Ry assa- qesellschaft deS Herm Deuß zum Vorwurf, da der Gouverneur gleichzeitig an Herrn Deuß schrieb, er würde das Unternehmen aufS Kräftigste unterstützen, während er dem Kolonialamt erklärte, er laffe die Konzession der Nyaffagesellschaft nicht zu. Abgesehen von dem Handelsniedergang Deutsch-Ostafrikas sind auch die politischen Zustände der Kolonie wenig erfreulich, da unter den Eingeborenen wegen der gewaltthätigen Art, in der die von Liebert einge» führte Hüttensteuer zu hohen Ziffern getrieben wird, starke Erbitterung herrscht Wie weit Dr. Hans Wagner, der diesen Artikel gezeichnet hat, für die darin gemachten Behauptungen Beweise in Händen hat, wird sich zu zeigen haben, zumal er weitere Ausführungen in Aussicht stellt.__ Chronik der Universität Gießen. Bei dem Jahresseste der Universität verlas der Rector ma^niLcus, Professor Dr. Netto, folgende Chronik unserer Universität: „(Seit dem ersten Juli 1899 find mancherlei Veränderungen tm Lehrkörper vor sich gegangen. Es schieden aus und traten in den Ruhestand die ordentlichen Professoren Geh. Oberschulrat Dr. Hermann reicher Leben. Bei ihrem Ausscheiden aus dem Staatsdienste wurden durch Allerhöchste Gnade die Herren Bose und Laspeyres zu Komthuren 2. Klaffe des Philipps-Ordens ernannt. Das Ritterkreuz erster Klaffe des Philipps- Ordens wurde den Profefforen Frank, Haupt, Netto, Winkler verliehen. Profeffor Dr. Naumann erhielt den Charakter als Geh. Hofrat; der Hausbeschließer Friedrich Wilhelm Storck den Charakter als Verwalter. Dem Universitäts-Forfigärtner Karl Dörmer wurde das allgemeine Ehrenzeichen für langjährige treue Dienste am Bande des Philipps-Ordens verliehen. — Durch auswärtige Orden wurden ausgezeichnet die Profefforen Löhlein, der zum Komthur 2. Klaffe des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens, und Oncken, der zum Komthur des Großherzoglich Sachsen-Weimarschen Ordens vom weißen Falken ernannt wurde. — Profeffor Dr. Wilhelm Spengel wurde zum korrespondierenden Mitglieds der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften gewählt. An Stiftungen und Zuwendungen habe ich mit freudigem Gefühle des Dankes zu nennen: für die Universitätsbibliothek seitens des Herzogs von Loubat in Paris drei Bände, enthaltend die photochromographische Nachbildung von drei mexikanischen Handschriften in Bilderschrift; seitens des Prof. Dr. Sticker eine größere Anzahl älterer medizinischer Werke; seitens des Dr. Karl Ritter von Scherzer, Exc., 16 Bände seiner geographischen und naturwiffenschastlichen Veröffentlichungen. Die Hundeshagen-Stiftung routbe von der im Dezember 1899 verstorbenen einzigen Tochter Hundeshagens mit einem Legate von 1000 Mk. bedacht. Durch dieses hochherzige Geschenk ist das Stiftungs- Vermögen auf mehr als 5000 Mk. gewachsen. Am 19. Februar ging die Einweihung der Neubauten für das physikalische und das physikalisch-chemische Institut in Gegenwart von Vertretern hoher Behörden des Staates, der Armee und der Stadt vor sich. Die Feier begann mit einem Festakte im großen Hörsaale des phyfikalffchen Institutes; daran schloß sich die Besichtigung der Räume beider Institute, und es folgte ein Festmahl. Mtt freudigem Danke vernahmen wir die Worte Sr. Exc. des Staatsministers Rothe, der die feste Absicht der hohen Großh. Regierung betonte, den weiteren un- abwtislichen Bedürfniffen der Landes-Univerfität gerecht zn werden. Längs der Umfaffungsmauern dieser Neubauten war es den Studierenden unserer Hochschule vergönnt, am 10. Mai, bei Gelegenheit der Einweihung des Kriegerdenkmals, chrem erhabenen Fürsten, dem Rector Magnifioentißsünue der Lndoviciana, begeisterte Huldigungen darbringen zu dürfen. Bei der Hundertjahrfeier der technischen Hochschule zu Charlotten- bürg, sowie bei der Zwechundertjahrfeier der Akademie der Wiffenschafteu zu Berlin war die Universität durch ihren Rector vertreten, auf dem Orientalisten-Kongreß zu Rom durch den Profeffor der vergleichenden Sprachwiffenschaft Dr. Bartholomae. — An der großartigen Guten- bergfeier zu Mainz nahm außer dem Rector und den Dekanen eine .Deputation der Studentenschaft teil. — Ihrem scheidenden Lehrer Prof. Dr. Frank veranstalteten die Studierenden als Zeichen ihres Dankes und ihrer Verehrung einen AbschiedscommerS. Die Kinder hat fidp diesmal auch Max Liebermann erkoren, der nur ein einziges Bild „Badende Jungen" ausgestellt hat. Mit Freuden ist zu vermerken, daß sich der Berliner Meister neuerdings eine reichere Farbengebung angelegen sein läßt. Tie ausgezeichnete Behandlung des Meeres ist uns von anderen Bildern Liebermanns her bekannt. Freilich die Enge der Perspektive ist nicht völlig überwunden. Die weiten Dimensionen sind mehr der Phantasie des Beschauers überlassen, als daß sie auf dem Bilde selbst ihren großzügigen Ausdruck fänden. Schon die Gestalt des Bademeisters, der, den Stock in der Hand, die Knaben beaufsichtigt, ist durch den Rahmen zerschnitten worden. Die souveräne Raumbehandlung ist eben nicht die stärkste Seite der Neueren. Umso rühmlicher verdient die Abwechslung hervorgehoben zu werden, die Liebermann in den an sich trockenen Gegenstand — wenn man das pom badenden Jungen sagen darf — gebracht hat. Ganz vorne steht ein Knirps, der mit der Fußspitze das Wasser prüft. Ein anderer kommt gerade bibbernd heraus. Wieder andere lassen sich von den schäumenden Wogen begießen. Und zwei besonders Mutige sind weit ins Meer hinausgeschwommen. Je häufiger man das Bild betrachtet, umso lieber gewinnt man es, obwohl es keine neuen Schönheiten zu erschließen vermag. Aber das ist immerhin ein Vorzug, der nicht allen sezessionistischen Werken eignet. Beispielsweise nicht dem Berliner Ludwig von Hofmann, einem Farbensymphoniker, der mit acht Gemälden vertreten ist. Der Reichtum seiner Farben frappiert, doch er erwärmt vicht Eine gewisse Uebersättigung bleibt nicht aus. Seine leuchtenden Farben sind ohne vermittelnde Uebergänge nebeneinander gesetzt. Anfänglich wird man von diesem Uhnen Spiel geblendet; ein innigeres Verhältnis stellt sich nicht ein. Zwei Berliner und zwei Münchener Künstler mögen den Reigen beschließen. Walter L e i st i k o w hat mit bekannter Meisterschaft wieder dem Grünewald seine Themen abgewonnen. Er ist der Grunewald-Maler par excellence und weiß landschaftliche Schönheiten zu entdecken wie keiner vor und neben ihm. Besonders seine Sonnenuntergänge sind von einem schwermütig poetischen Reiz. Franz S k a r - bina findet seine Stoffe im Gewühl des Großstadtlebens. Wie Hans Baluschek bevorzugt er Darstellungen der Straße und ihres belvegten Lebens. Hier liegen die Keime einer neuen Großstadtkunst, die die zeitgenössische Lyrik bis jetzt vergeblich zu gestalten bemüht war. Der Münchener Franz Stuck hat nur zwei Bilder eingesandt, die sein gewaltiges Können weder erschöpfen noch von der vorteilhaftesten Seite erscheinen lassen. Das Porträt des verstorbenen General-Musikdirektors Hermann Levi, das pietätvoll ein Lorbeerkranz mit Trauerschleise ziert, ist nicht frei von Manier. Ein schwärmerischer Zug, der sich in dem milden Gesicht ausprägt, tritt vielleicht allzusehr hervor. Und die Bacchantin, die der lüsterne Centaur davonträgt, leidet unter einem gequälten, nicht frei genug quellenden .Humor. Hier ist Stuck der kleinere Schüler des großen Böcklin. Alle guten Geister des Humors entfesselt wieder der famose Thomas Theodor Heine, der populäre „Simplrcissimus - Zeichner, der heute als der genialste Satiriker in deutschen Landen gelten darf. Im brillantesten Plakatstil hat er zwei Zigarettenpärchen hingeworfen. Sein „Frühlingserwachen ist eine übermütige Verspottung modern jungfräulicher Liebestriebe. Ein dicker, grimmiger Ochse wird von zwei überschlanken Dämchen an Blumenketten über einen Rasenteppich geleitet. Sanft schmiegen sich, die plattbusigen Schönen an den gutmütig-dummen Vierstißler. >zn diesem pikanten Gegensatz steckt eine überwältigend komische Kraft. „Wolken, die vorüberziehen" sind in ihrer symbolischen Bedeutung nickst so klar enthüllt. Dieser Thomas Theodor verfügt über ein respektables Können; das beweist, wenn es bei ihm überhaupt noch eines Beweises bedurfte, auf3 neue „Die Blume des Bösen". Wir dürfen uns beglückwünschen, daß uns ein solcher kleiner Rabelais rnun,erem die Satire so vielfach! herausfordernden Zeitalter in ihm erstanden ist. Wie weit übertrifft der Maler den ihm in "manchen Punkten wesensverwandten Dichter Otto Erich. >)art^pen. mit dieser spärlichen Auszählung daS Sehenswerte der Sezessions-Ausstellung keineswegs. Aufs Geratewohl sind einige hervorragende Namen herausge- ariffen die auch außerhalb der Kunstzentren einen guten Klang haben. Dabei haben weder die Werke ausländischer .Künstler unter denen der Schwede Anders Z o r n an erster Stelle genannt zu werden verdient, die ihnen gebührende Berücksichtigung gefunden noch die plastischen Werke einer Adolf Hildebrand und Constantin e§ fan< nicht so sehr darauf an, absolute Vollständigkeit zu erzielen wie von einzelnen ein Bild ihres Schaffens zu geben. Wir dürfen die zuversMliche Hoffnung he§-n und sie hier zum Schluß nussprqchen daß die Berliner zur weiteren gedeihlichen Entwickelung der deutschen Kunst ihr Sckerflein beitrage. Möge sie, unbeirrt durch klein- lülves Parteigezänk und durch die Anfeindungen aus geg- Eischem Lager, ihren Weg gehen. Allen kann und wrN sie genügen •9 wenig Edlen" genug zu thun ist em Meres Ziel Wir aber dürfen dieser Kunst nachrühmen, waA Goethe von der Geschichte gesagt hat: „Das Beste, was wir von ihr haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt. xtz Aus Stadt und Land. (Unsere ständigen und gelegentlichen Herren Mitarbeiter werden gebeten, bei Einsendungen stets nur eine Seite ihres Manuskripts zu beschreiben und die Rückseite frei zu lassen im Interesse der schnelleren Druckherstellung.) Gießt«, 5. Juli 1900. ** Provinzialtag. Gestern fand eine außerordentliche Sitzung des Provinzialtages der Provinz Oberhessen statt, in der lediglich die Frage der Errichtung einer Provinzial-Siechenanstalt behandelt wurde. In dieser Sache war von einer seitens i des Provinzialtags im vorigen Jahre ernannten Kom- I Mission beantragt gewesen, die Siechenanstalt in Grün- berg zu erbauen, wogegen die Vorlage des Provinzial- Ausschusses dahin ging, unter Ablehnung dieses Kommissionsantrages zu beschließen, die fragliche Anstalt in Gießen zu errichten. Während der Verhandlung kam im allgemeinen zum Ausdruck, daß ein Bedürfnis zur Errichtung einer Siechenanstalt in der Provinz Oberhessen schon lange empfunden sei, daß es sich jetzt nur darum handle, an welcyem Orte dieselbe erbaut werden solle. Gleich nach Eröffnung der Sitzung wurde eine weitere Bewerbung der Stadt A l s f eld um die Anstalt verlesen und diese später auch vom Bürgermeister von Alsfeld vertreten. Herr Weidner von Herchenhain sprach zu gunsten des Kommissionsantrages und bemerkte, daß keiner der in Gießen angebotenen Plätze der lebhaften Lage wegen für die Anstalt geeignet sei. Auch sonstwo seien derartige Anstalten nicht in Städten, sondern auf dem Lande unter- gebrac t, wie auch überhaupt das Land und nicht die Stadt von Erholungsbedürftigen aufgesucht werde. — Geh. Regierungsrat Dr. Braden aus Friedberg hielt Gießen seiner Lage wegen, und da sich! hier alles vereinige, was zum Besten der Siechen diene, für den geeignetsten Ort. Der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, daß der Antrag des Provinzialausschusses aus einstimmigen Beschluß desselben beruhe, und daß der Provinzialausschuß nicht das Interesse des Ortes, sondern dasjenige der Sache im Auge habe. 9hir hieraus sei der Beschluß, die Anstalt in Gießen zu errichten, hervor- gegangen. Oberbürgermeister Gnauth bemerkte, daß er nicht geleitet sei von etwaigen materiellen Vorteilen, die der Stadt durch! das Siechenhaus, wenn es nach Gießen komme, erwachsen könuten, sondern daß er als Mitglied des Provinzialausschusses nur im Interesse der armen Siechen sich habe bestimmen lassen, für den Platz in Gießen einzutreten. Die Erörterungen in der Frage waren umfangreich; noch mehrere Mitglieder des Provinzialtages sprachen zur Sache. Nach Schluß der Diskussion ließ der Vorsitzende zuerst abstimmen über die Frage: „Soll die Provinzialsiechenanstalt in Grünberg errichtet werden?" Von 19 Abgeordneten waren 7 dafür, 2 enthielten sich, der Abstimmung. Bei der Gegenprobe waren 9 Abgeordnete dagegen. Hierauf wurde mit 13 Stimmen beschlossen, die Provinzial-Siechenanstalt auf dem von der Stadt Gießen angebotenen Gelände zu errichten. Die Anlagekosten sind auf 600000 Mark veranschlagt; an Pflegekosten sollen von den verpflichteten Armenverbänden 120 Mark, von Selbstzahlern 360 Mark pro Jahr erhoben werden. ** Personaluachrichleu. Ernannt sind: der Ober-Post- direktionssekretär Brümlees in Bingen zum Postkassierer, der Postsekretär Klingelhösser in Darmstadt zum Ober- PostdirektionSsekretär, der Ober-Postsekretär Seel gen in Lauterbach zum Postmeister, der Postsekretär Krenzien in Darmstadt zum Ober-Postkassenbuchhalter und die Post- sekretäre Schmidtgen in Mainz und Schonebohm in Offenbach zu Ober-Postsekretären; versetzt find: die Ober- Postasfistenten Alm anritt er von Offenbach nach Darmstadt, Sack von Weinheim nach Bingen, der Postasfistent Grau von Iserlohn nach Mainz; angenommen find als Postagenten: der Krankenwärter Großmann in Hosheim und der Ober-Postassistenti. R. Zimmermann inPsaffen- schwabenheim; als Postagentin: die Witwe des Postagenien Lang in Angersbach; in den Ruhestand übergetreten find: der Postdirektor Ritsert in Gießen, der Postsekretär Schreiber in Bensheim und der Ober-Postassistent Zimmermann in Mainz; gestorben sind: der Postassistent Neeb in Alsfeld, der Postagent Lang in AngerSbach und der Poftsekretär i. N. Drescher in Mainz. *• Statistik der akademisch gebildete« Lehrer Hessens.. Der Landeslehrerverein der akademisch gebildeten Lehrer Heffens hat eine sehr sorgfältig ausgearbeitete Liste der an den höheren Lehranstalten Hessens thätigen Lehrer seinen Mitgliedern zugestellt. Hierüber entnehmen wir dem katholischen „Mainzer Journal" folgende Mitteilungen auS Darmstadt: Die Lifte enthalt zum ersten Make auch Angaben über die Konfession der Lehrer, und gerade diese Rubrik dürfte auch für weitere Kreise im Hinblick auf bestimmte Zeitfragen besondercs Jntereffe bieten. Sie ermöglicht nun folgende Zusammenstellungen: Unter dm 17 Direktoren der Gymnasien, Realgymnasien und Lehrer* seminarien sind 4 als katholisch bezeichnet, unter dm 10 Direktoren, der Realschulen und Progymnasirn 1, unter den 5 höheren Mädchenschulen 0, insgesamt sind also unter 32 Direktoren 5 KathoUken- An den Gymnasim, Realgymnasien, Realschulen, Oberrcalschulm wirken 298 definitiv angeftellte Lehrer, 51 find katholischer Konfession, darunter 5 Geistliche; an dm Lehrerfeminarlen sind 14 akademisch gebildete Lehrer thätig, drei find katholisch und zwar zwei Theologen; von den 16 Lehrern höherer Mädchenschulen sind zwei katholisch, unter den 14 Lehrern höherer Bürgerschulen finden wir drei Katho- ltkm, worunter eir en Geistlichen. Von den 352 akademisch gebildeten Lehrern Hessens gehören also 59 der katholischen Konfession, darunter acht dem Klerus an, die Zahl der Katholiken beträgt also Ve- die Geistlichen mitgezählt, ohne dieselben V?; tat Beoölkerungsstand Hessen bilden die Katholiken bekanntlich etwa Vs- Die Zahl der katholischen Direktoren entspricht, infolge der jüngsten Ernennungen, dem konfesfionellen Verhältnis der übrigen Lehrer: ob sich ein Unter' schied ergäbe, wenn wir die Bethätigung des kirchlichen Bekenntnisses in Betracht zögen, entzieht sich unserer Beurteilung. Die Verwendung der Geistlichen beider Konfessionen deckt sich, man muß es anerkennen, ziemlich mit den konfessionellen Verhältnisse« der Bevölkerung, neben dm acht katholischen Geistlichm sind 20 evangelische Theologen im höheren Lehramte verwandt. Im Nachwuchs der akademisch gebildetm Lehrer scheint das katholische Element etwaS schwächer vertreten zu sein; denn von dm 99 Affefsorm und Accessisten gehörm nur 12 der katholischen Konfession an. Die Afslssoren- und Acc-ssistenliste weist dagegen auch drei Israeliten auf, während wir unter dm definitiv angestellten Lehrern keine An-^ gehörige israelitischer Konfession finden. DaS Publikum kann dem Vorstand des Vereins aka-< demisch gebildeter Lehrer nur Dank wiffen, daß er durch seine detaillierten Angaben der allgemeinen Statistik eine sichere Grundlage gegeben hat, wenn auch die Publikation zunächst nur für die Mitglieder des Vereins bestimmt ist. Grüntagen, 3. Juli. Grau in Grau hing der Himmel am Sonntag. Dies konnte aber nicht verhindern, die alten und jungen Soldaten in großer Zahl unserem sonst so ruhigen Dörfchen zuzusühren. Aus den Gefilden der Wetterau, vom Fuße des Taunus und des Vogelsberges waren sie herbeigeeilt, um der Fahnenweihe unseres Kriegervereins verbunden mit Bezirkssest des Kriegervereinsbezirks Butzbach- Bad-Nauheim in echt kameradschaftlicher Weise beizuwohnen- Wenn auch die Sonne nicht gleich schweiß- und dursterzeugenk aus die Erschienenen niederstrahlte, so klärte fich aber doch nach und nach der Himmel in das schönste Blau, und der erste Festtagsnachmittag und Abend waren noch recht vom Wetter begünstigt. Nach den Schulkindern, von denen dtr Mädchen Schärpen an hatten und die Knaben Fähnchen trugen, folgten die Festjungfrauen, die die noch mit ber schützenden Hülle versehene neue Fahne in ihrer Mttte trugen. Der Zug setzte sich aus den folgenden Vereinen zusammen: Bezirks-Vorstand, die Kriegervereine Ober-Morlen, Nieder-Mörlen, Langenhain, Ziegenberg, Fauerbach, Hochweisel, Ostheim, Rockenberg, Niederweisel, Butzbach, Pohlgons^ I Kirchgöns, Langgöns, Griedel, Gambach, Münzenberg, Trais- Münzenberg, Oberhörgern, Holzheim, Eberstadt, Dors-Grll, Muschenheim, Watzenborn, Steinberg, Gießen, Marme-Verem Gießen, Kriegerverein Grüningen, Gesangverein ^ünmgen. Die Festredner, die Festjungfrauen mit der Fahne, die Musik und die Mitglieder des hiesigen Kriegerverems nahmen auf dem Podium Platz, vor demselben die Vereine und eme dichtgedrängte Menge. Der Vorsitzende deS hiesigen Kriegervereins, Herr Bingel, ergriff zunächst das Wor^ um die Kameraden und sonstigen Gäste aus das herzlichste willkommen zu heißen. Im Namen der Frauen und Jung--. frauen von Grüningen übergab nun Frl. E. Marställer die von diesen gestiftete Fahne mit klaren weihevollen Worten, die mit einer schwungvollen Dichtung schloffen, au den Verein. Herr Bingel nahm die Fahne, ein Prachtstück in ihrer Art, unter herzlichen DankeSworten im Namen Schiller, Dr. Georg Pflug, der Geh. Redizmalrat Dr. Heinrich Bose, der Geh. Hofrat Dr. Etienne Laspeyres. Ferner verließen uns die ordentlichen Profefforen Dr. Reinhard Frank, der einem Rufe nach Halle a. S., und Dr. Wilhelm Wien, der einem Rufe nach Würzburg folgte. In die Lücken traten als ordentliche Profefforen für die Tierheilkunde Dr. Wilhelm Pfeiffer als Direktor des Tierspitals und Dr. Friedrich Eichbaum als Direktor der Veterinüranstalt; für die Chirurgie Dr. Peter P o p p e r t, für die Nationalökonomie Dr. Magnus Biermer, für Strafrecht Dr. Ernst Beling und für Physik Dr. Paul Drude. Der langjährige Leiter des neusprachlichen Seminars Profeffor Karl Pichler legte seine Stelle nieder; an seiner Statt wirken jetzt der französische Lector Albert Goetschy und der englische Lector John Shawcroß. Mit der Verttetung des für das Sommersemefier beurlaubten ProfefforS in der theologischen Fakultät, Dr. Heinrich Adolf K ö st l i n wurde der Pfarrer Sic. Karl Eger betraut. Der außerordentliche Professor an der juristischen Fakultät, Dr. Ludwig Günther wurde zum ordenllichen Honorarprofeffor befördert. Der Privatdozent Dr. Julius Reinhard Dieterich wurde zum Haus- und Staats-Archivar deS Haus- und Staats-Archivs in Darmstadt ernannt Dr. Bruno Henneberg und Dr. Friedch Best hablli- tierten sich bei der medizinischen Fakultät und Dr. Wilhelm E i d - mann bei der philosophischen Fakultät. An der Universitäts-Bibliothek wurde der Volontär Licentat Bernhard Willkomm zum zweiten Assistenten befördert, und als Lolontär trat Pfarr- und Lehramtskandidat Georg Koch ein. Des Todes harte Hand hat uns auch im verfloffenen Jahre schmerzliche Verluste zugefügt. Nur kurze Lebenszeit nach seiner aufopfernden Thätigkeit war unserem ehemaligen Kollegen Prof. Dr. Bose gegönnt; er ging, von schweren Leiden erlöst, am 23. April 1900 zur ewigen Ruhe ein. In Oberheffen war er geboren, in Gießen hatte er eine zeitlang studiert, hier wurde er promoviert; vom Jahre 1878 ab war er hier als ordentlicher Profeffor und Direktor der chirurgischen Klinik thätig; hier hat er seinen Ruf als Gelehrter, als Lehrer, als Arzt gegründet. Tief ttauernd haben ihn Kollegen, Schüler und Freunde ein Stücklein auf seinem letzten Wege geleitet. Sein Andenken wird unter uns bleiben. Die Jugend wurde nicht geschont: auch unter unseren jungen Kommilitonen hat der Tod Ernte gehalten. Es starben Hermann Orbig, stad, ehern, aus Gießen, Hermann Böhmer, stad. phil. aus Weisenheim in Bayern, und Karl Werner, etnd. ehern, aus Schlangenbad, der in den Wellen des Rheines durch ein tragisches Geschick umkam. Wir beklagen mit den Hinterbliebenen den frühen Abschluß hoffnungs- h unt> )et Q6 uö ala-- ch V\nt it fixere zunächst katho- 1 aus Hons ttelteje hhtefc Unter Mehrer» 'fltorm Nen. Wttu ifiukn *n, ^w'sch ifcn; I Kaihv- ■hllbcttn '«runter ‘/i. big Wanb 3»hl der >nungm. s Ur.tti' W\\tf $)U Ln. । mb er der Be« rnßdifdjt W der »t ttniig 'ten vnb an. W Staelihw keine Sn- ' Himmel die altt'o- fonft (o >n Wet« :s waren ervereiiis Butzbachs ulvvhnen- erzeugeud ürn -och md der echt vom um die Fähnchen m't Ser n Milte Vereinen r-Mörlen, 4 M tzühMs, rg, Trais- DorfW or-Lnrin MnM, die MB chmen ans und eine >n£Nx< t, um die Gr will- tnd Juug- arställer vei'hevokcu Men, 01? ein W iiü Namen mE ^/heodor < wenn as beglück- in unserem [ter in ¥ aft» $"<* IrauW ik®» n an E -EL Geck L =Va” gkeit zn y 'et te !'->zK des Vereins entgegen, sie wiederum dem Fahnenträger, Herrn Bender, übergebend, welcher gelobte, das schönste Kleinod des Vereins stets hoch und heilig zu halten. Hierauf hielt Herr Pfarrer Walz aus Darmstadt, unser früherer Ortsgeistlicher, die eigentliche Weihe- und Festrede. Der Redner schloß mit einem Hoch auf die Protektoren der deutschen bezw. hessischen Kriegervereine, Se. Majestät deu Kaiser und Se. König!. Hoheit den Großherzog. Medizinalrat Dr. Bogt aus Butzbach brachte hierauf dem Kriegerverein Grüningen zu seinem heutigen Ehrentage die Glückwünsche des Bezirks und der anderen Kriegervereine dar. Dann übergab er zwei diesem Bezirk angehörigen Vereinen — Gambach und Eberstadt — aus Anlaß ihres 25 jährigen Bestehens Fahnenschleifen, und für ihre 25jährige ununterbrochene Mitgliedschaft im Vorstande des Vereins Eberstadt Ehrentafeln den Kameraden Konrad Holler, Johs. G ö r l a ch «nd Heinr. Weisel. Medizinalrat Vogt schloß mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Im Namen der Vereine sprach der Vorsitzende des Kriegervereins Gambach. Herr Grieb, den Dank aus, mit einem Hoch auf die Kameradschaft schließend. Der offizielle Teil der Feier war damit beendet, und nun entwickelte sich aus dem geräumigen Festplatze ein munteres Treiben, daS für manchen Teilnehmer erst spät seinen Abschluß gesunden haben dürste. (Butzb. Ztg.) E. Echzell, 3. Juli. In dem benachbarten Grund- Schwalheim, dicht vor dem Römerbrunnen, wurde heute ein Sprudel erbohrt, der an Stärke demjenigen von Nauheim nichts nachgibt. Der Sprudel ist sehr reich an Kohlensäure. Auch die Bohrungen in der Gemarkung Borsdorf nach Süßwasser find vom besten Erfolg gekrönt. Beide Ergebnisse dürsten für Bad Salzhausen von hervorragender Bedeutung sein. — DaS Konzert am Sonn' rage war leider von der Witterung nicht sonderlich begünstigt. Mainz, 4, Juli. Am Montagnachmittag stürzte der 17 jährige Spengler Lorenz Spangenmacher von einem Neubau durch eine Dachluke vom vierten Stock herab in das Innere des Baues. Der junge Mann wurde schwer verletzt in das Rochusspital verbracht. Das Unglück soll durch Fahrlässigkeit der Dachdecker entstanden sein, indem dieselben über das ganze Dach Pappe gelegt hatten, ohne die Luke vorher zu verschließen. Als der Spangenmacher über die Luke ging, brach er durch und stürzte in die Tiefe. Staatsanwalt Kilian war alsbald an dem Unfallorte und nahm den Thatbestand auf. •* Langenschwalbach, 4. Juli. Unser Männergesangverein begeht im nächsten Frühjahr sein 60 jähriges Bestehen durch einen großen Gesangwettstreit deutscher Männerchöre. Eine Anzahl schöner und wertvoller Preise ist bereits in Aussicht gestellt. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und de« Nachbarstaaten. Bei einer Radwetttour im Zeller Thal stürzte der Fabrikarbeiter Johann Schreiber so unglücklich, daß er lebensgefährlich verletzt in das städtische Krankenhaus zu Worms verbracht werden mußte. — Gelegentlich der Einweihung M vom Kommerzienrat Friedrich Schramm der Stadt Dillenburg zum Geschenk gemachten Kurhauses am Sonntag überreichte Landrat von Beckerath Herrn Schramm den Roten Adlerorden 4. Klasse. Von der Stadt Dillenburg wurde der hochherzige Spender zum Ehrenbürger ernannt. Die Feier verlief unter lebhafter Beteiligung in Ichönster Weise. An einem am Abend stattgehabten Festessen beteiligten sich ca. 200 Personen. — Den Landwirt Linkmann in Queckborn ereilte ein jäher Tod, indem er, mit einem Wagen voll Heu auf dem Heimweg begriffen, -nusglitt, und mit dem Kopf unter die Räder geriet. — Am Sonntag tagte in Weilburg die 3. Bezirksversammlung des Krieger-Verbandes des Regierungsbezirks Wiesbaden. Von den 18 Kreis-Verbänden hatten 17 Verbände Vertreter entsendet. Es fehlte der Verband Unter-TaunuS. Von dem Dill-Kriegerbund waren erschienen die Vorstandsmitglieder Hennes - Rittershausen, Münch-Herborn und Ohlenburger-Haiger. Gegen 12 Uhr eröffnete der 1. Ehren- vorsitzende, Vize-Admiral z. D. Meusing die Versammlung. — Bei Gelegenheit des vor einigen Wochen abgehaltenen Lsängersestes in Waldgirmes hatte der Taglöhner Philipp Müller von Niedergirmes, wie wir seinerzeit berichteten, einen unsittlichen Angriff auf eine Frau aus Waldgirmes unternommen. Dieses Verbrechen hat bereits in der gestrigen Sitzung des Schwurgerichts zu Marburg seine Sühne gefunden. Das Urteil lautete auf eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren und Ehrverlust auf die gleiche Dauer. — Eine brutale That wurde in Kreid ach verübt. Als der Straßenwart Merker morgens in seinen Stall kam, war seine frischmelkende Kuh in furchtbarer Weise zugerichtet. Der schnell von Wald-Michelbach herbeigerufene Tierarzt konnte nur noch den Rat erteilen, das arme Tier schleunigst abzuschlachten. Mittelst eines offenbar sehr scharfen Instrumentes waren die ganzen Afterteile herausgeschnitten, so daß selbst Tragsack und Eingeweide verletzt waren. — Als am Samstagmittag der um Hl/z Nhr von Mainz nach Frankfurt abgelassene Personenzug die Rheinbrücke passierte, stürzte der Heizer Schmitz aus Bingerbrück von der Maschine. Schwer verletzt wurde er ins Rochusspital verbracht, wo er, erst 23 Jahre alt, verstarb. — In Biebrich wurde dieser Tage eine noch lebende Katze aufgefunden, der von bübischer Hand beide Augen ausgestochen waren. Der Tierschutzverein zu Wiesbaden hat eine Belohnung von 100 Mk. aus die Ermittelung des Thäters ausgesetzt. Der Brand der Lloyddocks in Hoboken. In den Jahren 1858—1861 legten die Lloyddampser an der Newyorker Seite des Hudsonflusses, und zwar an einer am Ende von Chamberstreet gelegenen Landungsbrücke an. Im Jahre 1861 wurde der Landungsplatz der Lloyddampser nach dem rechten User des Hudsons, und zwar nach Hoboken, verlegt, in den Jahren 1868—1870 das Areal für die heutige Anlage allmälig käuflich erworben und sodann diese (1. Pier) geschaffen. An Pier 1 und 2 legen alle Lloyddampser an, landen über dieselben Fahrgäste sowie Gepäck und Ladung. In nachstehender Zeichnung sind die Dockanlagen und die dazu gehörigen Baulichkeiten entsprechend bezeichnet. 'rooi Nach einer dem Norddeutschen Lloyd zugegangenen Newyorker Depesche wird wahrscheinlich auch der Dampfer „Main" wieder repariert und in Fahrt gestellt werden. — Gegen die Führer verschiedener Schleppboote ist Anklage erhoben worden, daß sie gelegentlich der Rettungsarbeiten bei dem Brande des Piers des Norddeutschen Lloyd sich hätten Unmenschlichkeiten zu Schulden kommen lassen. Der Mayor von Hoboken hat gegen zwei Kapitäne von Schleppboten die gerichtliche Verfolgung wegen Mords beantragt. Zugleich setzt er eine Belohnung von 1000 Doll, für Mitteilungen aus, die geeignet find, den Beweis zu erbringen, gegen weitere Personen vorzugehen. — Am Mittwoch wurden noch die Leichen von 18 Personen ausgesunden. — Nach den von der Direktion des Lloyd zusammengestellten Listen sind gerettet von der „Bremen" 173, von ber „Saale" 133 und von dem Dampfer „Main" 107 Personen. Im Hospital liegen von der „Bremen" 12, von der „Saale" 30 und von dem „Main" 8 Personen. Vermißt werden von der „Bremen" 12, von der „Saale" 109 und von dem „Main" 44 Personen. Von dem „Kaiser Wilhelm" ist anscheinend niemand verletzt. Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen 26. Woche. Vom 24. bis 30. Juni 1900. (Einwohnerzahl: iwgenommen zu 24 800 (incl. 1660 Menn Militär) SterblichkritSziffer: 16,77, nach Abzug der Ortsfremden 1048°/w. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Lungenschwindsucht 1 1 — — Lungmerweiterung 1 1 — — Brustfellentzündung 1 1 — Herzleiden 3 (1) 3 (1) - - Verunglückung 2 (2) 1 (1) - 1 (1) Summa: 8 (3) 7(2) - 1(1) Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gietzen gebrachte Kranke komme«. Isndrt uvd Derkchr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse vom 4. Juli. Wechsel auf New-York zu 4.20%-21%. Prämie» auf Kredit per ult. Juli 2.20%, do. per ult. Ang. 3.7C%, Diskonto-Kommandit per ult. Juli 2.10%, do. per ult. Ang. 3.50%, Lombarden per ult. Juli 0.65%, do. per ult. Aug. 0.95 0/ . Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 %. Notierungen: Kreditaktien 212.70-30-213-212.40, Diskont c- Kummandit 175.30-174 40-90-20, Staatabahn 140.30, Gotthaid 134.00, Lombarden 26.20-00, Ungar. Goldrente 96.10, Italiener 93 90, 3proa. Mexikaner 25.80, Oesterr. Coupons 84.00, Ameriir. Coupons 4.18%, Privat-Diskont 4» 8% 1% bis 23/j Uhr: Kreditaktien 212.20-211.10 bz., Dis- kontc-Kommandit 174.20-171.50-172 bz., Staatebahn 139.90-138 50 bz , Lombarden 26.10-20 bz., 3proz. Portugiesen 00.00, Deutsche Bank 186-184 bz., Harpener 176.50-174 bz. Märkte. Limburg a. d. Lahn, 4. Juli. Fruchtmarkt. Durch» schnittspreis pro Malter. Roter Weizen 14.00 Mk., Weißer Weizen Mk., Korn 12.10 Mk., Gerste 0 00 Mk., Hafer 7.36 Mk., Erbsen —Mk., Kartoffeln —Mk. Stuttgart, 3. Juli. (Allgemeiner Deutscher VerstcherungS- Verein.) Im Monat Mai 1900 wurden 1348 Schadenfälle reguliert. Davon enlftden auf die Haftpflichtversicherung 715 Fälle, und zwar 421 wegen Körperverletzung und 294 wegen Sach- btschädigung; auf die Unsalloerstcherung 566 Fälle, von denen 17 den sofortigen Tod und 3 eine gänzliche oder teilweise Invalidität der Verletzten zur Folge hatten. Von den Mitgliedern der Kapttal- ve sichcrung für den Todesfall find 67 in diesem Monat gestorben. Neu abgeschlossen wurden im Monat Mai 6819 Versicherungen. Don den vor dem 1. März 1900 angemeldetcn Schäden der Unfall-Versicherung (tnJ. der Todes- und Invaliditäts-Fälle) find nur 181 noch in Behandlung. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener werkstätte. Gießen, Airchenplatz y. 71g Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Garterrftrertze 2. Angebot bet Arbeitnehmer r 1 Metzger, 1 Heizer, 4 Taglöhner, 1 Hoteldiener, 1 Mechanikerlehrling, 2 Lauffrauen. 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