Nr. 233 Zweites Blatt. Freitag den 5 Octobtt 150. Jahrgang IWO General-Anzeiger Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen deS In- und Auskandc- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Bezugspreis vicrtcljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellen vicrtcljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vicrtcljährl. mit Bestellgeld. Erscheint täglich Ä jkj _ nut Ausnahme des WMSaik HA sSießener Anzeiger tiitb Anzeigsblatt für den Urels Grefzen. Redaktion, Expeditton und Druckerei: Schutstraße Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.__________________ Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieß«. Fernsprecher ^r. 51. Das Kohlenfieber in Amerika. Die amerikanische Presse scheint nicht müde zu iverden, aus dem gegenwärtigen Kohlenmangel in Europa die Hoffnung zu schöpfen, daß die Vereinigten Staaten in Bälde die ganze Welt mit Kohlen zu versehen haben würden. Zeitungsberichte aus Europa und die allezeit auf Schmeichelei der amerikanischen Eitelkeit berechneten Eingaben der amerikanischen Konsuln leisten dem Glauben Vorschub, daß Europa ohne amerikanische Kohlen nicht mehr fertig werden könnte und daß somit den Vereinigten Staaten angesichts der Abhängigkeit der ganzen modernen Kultur von den Kohlen die Zukunft gehöre. Man sieht im Geiste bereits europäisches Kapital in amerikanischen Kohlenbergwerken veranlagt und die Entwickelung eines ungeheuren Kohlenexports. Den glühendsten Schwärmern ist das noch lange nicht genug. Ihnen erscheint jdie nahe Zukunft so, daß die Europäer ihre Industrien gänzlich «usgeben werden, um es den Amerikanern zu überlassen, die ganze Welt mit den Erzeugnissen ihrer Fabriken ?zu versorgen. Es ist ein Wunder, daß man den armen Euro- -väern noch das Recht läßt, zum Ackerbau zurückzukehren, venu es gehört doch auch zu den amerikanischen Glaubenssätzen, daß Europa dereinst seinen Bedarf an Brotstoffen und Fleisch ausschließlich aus den Vereinigten Staaten beziehen werde. In der Hitze dieses über die Amerikaner hereingebrochenen Kohlenfiebers schmiedet inzwischen eine Spekulation von riesigem Umfang ihr Eisen. Ja, es sieht fast so aus, als habe sich die gesamte Presse dieses Landes freiwillig oder für Geld in den Dienst derjenigen gestellt, welche das Kohlenfieber benutzen, um wertlosen Kohlenländereien einen künstlichen Wert zu verschaffen und die .Aktien von Eisenbahnep, die aus dem Jnlande zu den Exporthäfen führen, in die Höhe zu treiben. Darauf läuft die glanze Sache hinaus. Kohlenlager finden sich in allen Staaten der Union. Sie sichern den Amerikanern für alle Zukunft ihre industrielle Unabhängigkeit und entheben sie der Notwendigkeit, sich mit der Frage ßu beschäftigen, was dann werden solle, wenn einmal ihre Kohlenvorräte erschöpft sind. Vor der Hand sind die allermeisten Kohlenländereien als solche wertlos, weil ihre Ausbeutung für den heimischen Bedarf noch nichlt nötig geworden ist. Könnte man aber den Glauben erzeugen, daß eine ungeheure, von Jahr zu Jahr wachsende Kohlenausfuhr nach Europa bevorstehe, dann waren diese brach liegenden Kohlenfelder mit einem Schlage wertvolles Eigentum geworden, natürlich nur so lange, wie der Glaube anhält. Lange kann der Wahn nicht dauern, aber die Reue derjenigen, die ihr gutes Geld in Kohlenländereien zu stecken und gewisse Eisenbahnaktien zu kaufen sich verleiten ließen, wird desto länger sein. Es ist das Unglück der sollst so „smarten" Amerikaner. daß sie sich mit einer Presse begnügen, die, wie sie selbst, für jede Belehrung vom Ausland unzugänglich ist. Würden die amerikanischen Zeitungsschreiber es der Mühe für wert halten, europäische Verhältnisse aus europäischen Informationsquellen kennen zu lernen, so wäre es unmöglich, daß solche Wahnvorstellungen, wie der Glaube an eine noch bevorstehende völlige Abhängigkeit Europas von Amerika bezüglich der Kohlen, ernstlich Platzgreifen könnten. Man würde dann wissen, daß man sich mit dem Kohlenproblem in Europa schon sehr lange beschäftigt hat und daß man das ziemlich genau weiß, wieviele Kohlen in den europäischen Ländern noch vorhanden und wo außerdem noch unabsehbare Kohlenvorräte zu finden sind. Es giebt außer den VereinigtenStaaten noch rechtviele Länder, welche reiche Kohlenlager haben. China, Japan, Korea und Formosa sind voll davon. A u st r a t i e n und Neu-Seeland können ihre Kohlenausbeute noch vertausendfachen. In den Anden find überall Kohlen zu finden, soweit überhaupt das Gebirge erforscht ist, und durch Peru und Chile läuft bis fast zur Küste eine Ader der allerfeinsten Anthrazit- kohle. Britisch Nord-Amerika, Neu-Schottland und Neu-Braunschweig haben Ueberfluß an Kohlen und in Afrika fehlt es nicht daran. Kurz, die Kohlen sind über die ganze Erde wohl verbreitet, sodaß Europa und insbesondere England und Deutschland, die noch selbst auf Jahrhunderte genug eigene Kohlen haben, durchaus nicht gezwungen sind, gerade zu den amerikanischen Kohlen ihre Zuflucht zu nehmen. Der gegenwärtige Kohlenmangel ist durch ungewöhnliche Verhältnisse verursacht worden. Er ist aber nicht annähernd so schlimm, wie die Amerikaner sich ihn vorstellen und hat offenbar seinen Höhepunkt schon überschritten. Im nächsten Jahre werden in den Vereinigten Staaten sehr wahrscheinlich nur noch diejenigen an dem Kohlenfieber lewen, welche die Opfer des darauf basiert gewesenen Grundungs- schwindels geworden sind.___ Die Wirren in China« T„ Soweit man aus den bisher eingegangenen ausländischen Depeschen ersehen kann, hat das Telegramm des deutschen Kaisers an den Kaiser von China den besten Eindruck gemacht, und es wird mit großer Uebereinstimmung ausgeführt, daß durch Ein- schlagung des vom Kaiser empfohlenen Weges die schnellste Beilegung der chinesischen Wirren erzielt werden könne. Auch die deutsche Presse verhält sich zustimmend, nur finden wir in einzelnen Blättern die Meinung ausgesprochen,' daß zwischen dem kaiserlichen Schreiben und der letzten Note des Staatssekretärs Grafen Bülow ein schwer zu überbrückender Widerspruch bestehe. Wir glauben, daß dieser Widerspruch nur gefunden werden kann, wenn man ihn mit der Lupe sucht und ihn finden will. Tie Sühnung- des begangenen Unrechts „in vollem Umfang und nach jeder Richtung" ist der springende Punkt sowohl im kaiserlichen Telegramm wie auch im Rundschreiben des Staatssekretärs. Daß der Kaiser nicht in Einzelheiten eingeht und nicht die Frage.erörtert, wie die Prozedur der Sühnung vor sich gehen soll, ist nur erklärlich, denn das ist die Aufgabe der deutschen Diplomatie, die sich hierüber mit den andern Mächten und mit China zu einigen haben wird. Ganz von selbst versteht es sich, daß man die Bestrafung nicht ausschließlich chinesischem Gutdünken und chinesischer Willkür überläßt, und das ist auch in dem kaiserlichen Telegramm hinreichend an jener Stelle angedeutet, wo von der Unterstützung durch die Mächte die Rede ift Wenn man China die alleinige Bestrafung der Schuldigen nicht überlassen zu können glaubt, so ist es eben begründet in dem Mißtrauen gegenüber der chinesischen Rechtspflege und Liebe zur Gerechtigkeit. Wir glauben nicht, daß die hierüber herrschenden Zweifel sich werden beseitigen lassen. Wie aber alles in der Welt, so wäre es schließlich ja auch möglich, daß die Chinesen, ihr inneres Wesen verleugn'md, aus freien Stücken ein Beispiel strenger und gerechter Strafjustiz gäben. Wir können uns nicht zu der Hoffnung erheben, daß dem ch sein werde, aber ausgeschlossen ist es doch nicht. Nehmen wir z. B. an, daß in einigen Tagen die Nachricht einträfe, der Kaiser von China habe unter dem Eindruck des erhaltenen Telegramms sich aufgerafft, kurzen Prozeß gemacht und einem halben oder ganzen Dutzend von Großwürdenträgern, und zwar solchen, die auch nach Auffassung der Gesandten die wirklichen Schuldigen sind, die Köpfe vor die Füße legen lassen, ohne jedwede Rücksicht auf Rang, Geburt und Stellung. Dann müßte man allerdings sagen, daß der Kaiser von China es verstanden hätte, das Präveniere zu spielen, und das Verlangen nach einer Strafjustiz der Mächte in seinen wesentlichen Teilen gegenstandslos zu machen. Wir geben uns in dieser Beziehung gar keinen Täuschungen hin, aber wir wollen Nlit diesein Beispiel nur zeigen, daß es Lagen geben kann, wo das Verharren auf dem Wortlaut gewisser Forderungen dem eigentlichen Ziele direkt entgegenarbeiten könnte. Wir glauben auch heute noch, daß die Besorgnis vor dem bösen Willen Chinas berechtigt* ist. Sollte sich diese Meinung wider Erwarten als unzutreffend Herausstellen, so würden wir das keineswegs beklagen, sondern es als eine durchaus berechtigte Politik betrachten, wenn man der veränderten Lage durch veränderte Mittel Rechnung trüge. So wie die Dinge heute liegen, muß man nun abwarten, wie der Kaiser von China sich äußern und welche Maßnahmen er ergreifen wird. Es kann das eine Geduldprobe werden von einer Woche und mehr, aber Geduld gehört zu denjenigen Eigenschaften, mit denen man bei den chinesischen Wirren gerüstet sein muß. Aus Shanghai wird gemeldet: Nach einem kaiserlichen Erlaß vom 26. September ist Yuesien, der bisherige Gouverneur von Schansi, seines Amtes enthoben. Der Erlaß ordnet ferner die Besetzung einiger wichtiger Posten mit Personen an, die, soviel man weiß, an der Boxerbewegung nicht beteiligt waren. Eine hier aus Tientsin eingetroffene Depesche vom 29. September meldet: Li-Hung-Tschang hat seine Absicht, nach Peking zu gehen, aufgegeben. Es verlautet, daß er Unterhandlungen mit dem russischen Gesandtm beginnen wird, sobald dieser in Tientsin ankommt. Eine Meldung des „Daily Expreß" vom 30. September lautet dahin, daß die Verbündeten Schanhaikwan bereits genommen und eine größere Streitmacht dort zurückgelassen hätten, um die Boxer abzuwehren, die einen weiteren Angriff planen sollen. Bestätigung dieser Nachricht bleibt abzuwarten. Dasselbe Blatt meldet, eine starke deutsche Kolonne sei unterwegs, um die Kohlengruben von Tangschan und Kaiping zu beschützen, die unter der Leitung des stets fremdenfreundlichen Tschanghinmao den Betrieb wieder eröffnen sollen. Aus Peking wird gemeldet: General v. H ö p f n e r ging gestern mit 2000 Mann und einer Feldbatterie zu einer Straf-Expedition nach dem südlichen Teil des kaiserlichen Jagdparkes ab, mo am Tage vorher eine Patrouille angegriffen worden war. Die Deutschen steckten mehrere Dörfer in Brand, wo Waffen gefunden wurden, und rückten bis nach N a n h u n g m e n vor. Die Boxer, die außerhalb der Stadt angetroffen wurden, wurden nach einem kurzen Kampfe zersprengt. Die feindlichen Truppen waren teils mit Gewehren, teils, mit Piken und Schwertern bewaffnet. Einige chinesische Soldaten, die sich bis auf zwanzig Schritt den deutschen Truppen näherten, wurden niedergemacht. Vier Deutsche wurden verwundet. Aus London wird vom 3. geschrieben: Die Kunde aus China fließt auch heute spärlich. Nach einer vorgestrigen Shanghaier Meldung der „Morning Post" befände" sich der chinesische Hof auch jetzt noch an seinem neuen Zufluchtsorte in einer ziemlich kläglichen Lage, nms zum Teil die anscheinende, neuerliche Gefügigkeit erklären würde. Die Truppen, die als Deckung dienen, sollen teils gemeutert haben, teils umgekehrt seien. Nach einer Dalziel-Meldung zog Admiral Seymour neuerdings die Kriegsschiffe Goliath, Hart und Orlando von Wusung nach Tschingwanda heran. Eine Meldung des „Standard" aus Tientsin vom 29. September bestätigt die Angabe, daß auf Befehl Li-Hung-Tschangs in Paotingfu durch Maueranschläge angezeigt wurde, die chinesischen Christen müßten sterben, falls sie nicht ihrem Glauben entsagen wollten, und die Mächte hätten versprochen, ihre Truppen abzurufen. Der Petersburger Generalstab meldet unter dem 3. Oktober: General Grodekow erhielt am 19. September von dem Verweser des Ministeriums des Aeußern ein Telegramm des Prinzen Tsching, mit dem Auftrage, dieses dem Gouverneur der Mandschurei zuzustellen. In dem Telegramm erklärt Prinz Tsching, daß er bevollmächtigt sei, in Gemeinschaft mit dem Kanzler Tschungtschou Unterhandlungen mit den Mächt-n eiuzuleiten, und dem Gouverneur befiehlt, zur Erleichterung dieser Unterhand-, lungen die Feindseligkeiten einzustellen und für den Schutz des Eisenbahnmaterials Sorge zu tragen. Das Telegramm wurde dem Gouverneur am 24. September durch den Körnet Vasiliew überreicht. Am gleichen Tage besetzte General Rennenkampf ohne Widerstand Kirin. Die chinesischen Soldaten legten die Waffen nieder, sodaß man in der Mandschurei keine Kriegsereignisse mehr erwartet. Bodune ergab sich am 30. September ohne Widerstand, 1500 Chinesen, die die Waffen streckten, werden zu den Arbeiten in Charbin erwartet. Neber die Kolonne des Generals Fleischer wird gemeldet : Die Kolonne, bestehend aus 6 Bataillonen mit 10 Geschützen und zwei Sotnien, verdrängte nach hartnäckigem Kampfe die Truppen des Generals Schuje, bestehend aus 6000 Mann mit Artillerie aus einer ganzen Reihe befestigter Ortschaften und nahm das alte Niutschwang ein. Die Chinesen flohen nordwärts. Von den Russen wurden 7 Offiziere und 18 Mann verwundet, die Chinesen hatten starke Verluste, eine Fahne, deren Träger getötet wurde, und eine Kanone wurden erbeutet. Am gleichen Tage unternahm der Oberst Artamonow auf Befehl des Generals Subbotisch mit zwei Schwadronen Kavallerie eine Rekognoszierung vor dem allgemeinen Vorrücken gegen die chinesische Stellung südlich von Anschanschaw. Er erkundete mit Erfolg die Flanken und das Centrum der Position und näherte sich auf 300 Schritt dem Feinde, der ihn mit Gewehr- und Geschützfeuer empfing. Es zeigte sich hierauf, daß die Chinesen mit 14000 Mann disziplinierter Truppen und 30 Geschützen eine starke Position einnahmen. Ferner wurde bestätigt, daß die Eisenbahn überall zerstört und die Schwellen weggebracht waren, die Schienen dagegen geblieben seien. • ♦ * Telegramme des Gießener Anzeigers. Berlin, 4. Oktober. Aus Shanghai wird gemeldet: Außer vier deutschen Kriegsschiffen nahmen englische, französische und russische Schiffe an der Eroberung von Shanghaikwan teil. Unter den Landtruppen befand sich auch das 2. Bataillon des 2. deutschen oftafiatischen Jnf.- Regiments. Dazu wird aus Taku depeschiert: Die Admirale beschlossen, Shanghaikwan zur Sicherung der Verbindung mit Peking zu nehmen. Die Forts wurden von 10000 Chinesen verteidigt. An der Aktion nahmen 3500 Russen, 100 Engländer, 1200 Franzosen, 800 Deutsche und 500 Italiener, sowie ein Teil der internationalen Flotte unter dem Befehl des Admirals Candiani teil. Loudon, 4. Oktober. Laffans Bureau meldet aus Washington: Der deutsche Geschäftsträger bei der amerikanischen Regierung habe mitgeteilt, daß Deutschland vollständige Genugthuung von China erhalten habe. Deutschland' widersetze sich infolgedessen nicht mehr der Eröffnung von Friedens-Verhandlungen und mache folgende Vorschläge: Die schuldigen Prinzen sollen vom Throne in Peking bezeichnet werden, der auch die ihnen zukommenden Strafen verhängen soll. Außerdem soll eine Garantie dafür verlangt werden, daß die Strafen auch wirklich auSgesührt werden, dann würde über die Friedens- Verträge mit den Großmächten und die ihnen zukommenden Entschädigungen unterhandelt werden können. Pans, 4. Oktober. Ein Mitglied der Umgebung des Generalfeldmarschalls Grafen Waldersee erklärte einem Vertreter des „Journal" in Schanghai, der Graf sei zum Wiederaufbau, aber nicht zum Zerstören nach China gesandt worden. Paris, den 4. Oktober. Die hiesige Ausgabe des „New-Aork Herald" meldet, daß die Vereinigten Staaten und die übrigen in China interessierten Mächte von Deutschland eine Note erhalten haben, worin die Enthebung des Prinzen Tuan und der übrigen ihm zugethanenen Beamten von ihren Posten gefordert wird. Washington, 4. Oktober. Die Zirkularnote des französischen Ministers des Auswärtigen, Delcassö, traf gestern hier ein und wurde sofort dem zurzeit in Ohio weilenden Präsidenten Mac Kinley übermittelt. Der Krieg i» Südafrika. Nach einer Meldung aus Johannesburg benachrichtigte der Militärgouverneur das Hauptquartier, er habe Veranstaltungen für die Rückkehr von Flüchtlingen, je 3000 bis 4000 wöchentlich vom 10. Oktober ab getroffen. — Nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Ma ritz bürg machten die Buren einen plötzlichen Einfall in das nördliche Natal und nahmen einen Train. Zwei Kaffern wurden dabei getötet und mehrere >Natalsche Freiwillige schwer verwundet, während andere gefangen genommen wurden. Man war gerade im Begriff, die Natalschen Freiwilligen in ihre Heimat zu schicken. Dies ist jetzt aus unbestimmte Zeit verschoben worden. Eine Depesche von Lord Roberts aus Pretoria vom 2. ds. meldet: Ein Convoi von 22 Wagen, der unter Eskorte von 60 Mann Kavallerie nach Vryheid ging, wurde gestern von 140 Buren bei Dejagersdrift angegriffen. 12 Mann-entkamen. Natalfreiwillige sind abgesandt, um in Erfahrung zu bringen, was aus den übrigen geworden ist. In der letzten Nacht brachten die Buren einen Eisenbahnzug bei Panstation zum Entgleisen. Im Zuge befanden sich 3 Kompagnien von der Coldstreamgarde und andere Truppen. 5 sind tot, ein Offizier und 13 Mann verwundet. »Daily Telegraph" meldet aus Lourenzo Marques vom 2. ds.: Die Niederländisch-Südafrikanische Bahn von Komatipoort führt jetzt die Bezeichnung Reichs- Militärbahn. — „Standard" meldet aus Durban vom 2. ds.: General Dartnell telegraphierte gestern an den Gouverneur von Natal: Ein von Freiwilligen geführter Convoi wnrde am 1. ds. 6 Meilen östlich von De Jagers drift von Buren genommen. Ein Offizier und vier Mann find verwundet, zwei Farbige gefallen, mehrere Begleitmannschaften gefangen. — Lord Roberts teilte dem Lord Mayor mit, daß er nicht rechtzeitig zum Bankett in der Guildhall am 9. November in London eintreffen könne. Lord Roberts verläßt Südafrika wahrscheinlich am 17. Oktober. Aus Brüssel wird gemeldet: Ebenso wie der reiche Holländer Van Houten beabsichtigt, dem Präsidenten Krüger sein Schloß in Wesp zum dauernden Wohnsitz anzubieten, hat nun auch ein in Belgien ansässiger Holländer, von Aumerie, die Transvaal-Gesandtschaft ersucht, Krüger nach seiner Ankunft in Europa zu benachrichtigen, daß ihm sein Schloß bei Anderlecht in der Nähe Brüssels mit Pferden und Wagen zur Verfügung steht. * * * Telegramme des Gietzeuer Anzeigers. London, 4. Oktober. Morning Leader macht neue Enthüllungen über die Finanz-Operationen Chamberlains. Das Blatt beweist, daß der Kolonialminister einer der Haupt-Aktionäre des Syndikats Birmingham Trust- Company ist, während fast sämtliche anderen Aktien sich in den Händen der Mitglieder seiner Familie befinden. Aus den Geschäftsbüchern geht hervor, daß in den letzten Jahren sämtliche Geschäfte des Syndikats in An- und Verkäufen von solchen Gesellschaften bestanden, die Kriegs-Munition für die englische Armee lieferten. Lourenzo-Marques, 4. Oktober. Aus der Reise nach Europa befinden sich 920 Flüchtlinge und zwar Deutsche, Holländer, Italiener, Amerikaner und Irländer. Dieselben haben auf den Dampfern „Styriano", „Herzog" und „Gironde" die Ueberfahrt angetreten. 900 Buren und Afrikander befinden sich noch hier. Marseille, 4. Oktober. Der Dampfer „Portugal" ist 9ter Süd-Afrika eingetroffen. An Bord desselben be fand sich Prinz Ludwig vonOrleanS, derinTrans- vaal unter B^otha aus Seiten der Buren gekämpft hat. .Deutsches Reich. Die Abreise des Kaisers tn^oI9e veränderter Bestimmung in der Frühe deA 4. d. M. und die Ankunft in L a n a f u b r für pr° Tnnp r° 9f p i n1 °h 9 e^ott toirb der Besuch nur von kurzer Tauer sein, da der Kaiser nach Besichtiauna der neuen Militarbauten und nach einem Imbiß im Offizier- ka,mo des 1. Leibhusarenregiments sofort Me Weiterreise nach Marrenburg antreten wird. ~ Zn den Feierlichkeiten während des Beiuebs des Kaisers im Wupperthal haben ihr Erschien bis letzt zugesagt: Reichskanzler Fürst Hohenlohe Ministe? v. Rhembaben, Hausmrnrster v. Wedel, Oberpräsident Rasse Landeshauptmann Dr. Klein und Regierungspräsident bnn Holleufer. Minister v. Miquel und Fürst zu Wied find verhindert. — -Ter Kronprinz begiebt sich am nächsten Sonntag zum Herzog Karl Theodor in Baiern, um an den Jagden in Bad Kreuth teilzunehmen. — Dem verstorbenen Prinzen Bernhard Heinrich von Sachsen-Weimar - Eis e n a ch widmet das Offizierkorps des 3. G ar d e - n en -R e g t s. folgenden Nachruf: „Obgleich es dem Regimente noch nicht zwei Jahre lang vergönnt war, den hohen Verblichenen mit Stolz Dulden ©einigen tzählen zu dürfen,- so Hat Hochderselbe sich in dieser kurzen Zeit die Liebe und Verehrung aller Regimentsangehörigen in so hohem Maße zu erwerben gewußt, daß sein Andenken im Regimente unvergeßlich sein und bleiben wird. — Die Leiche des Prinzen Bernhard Heinrich wird am Donnerstag mittag nach Weimar in die Fürstengruft zur Aufbahrung übergeführt lverden. Stadt und Land beklagen in aufrichtiger Trauer das schmerzliche Ereignis, da der junge Fürst eine wirkliche liebenswürdige Persönlichkeit war. Seine Studien hatte er unter Leitung des Majors v. Giersheim in Jena beendet, ehe er in Potsdam beim 3. Garde-Ulanenregiment eintrat. Am 1. Oktober gedachte er in seine Garnison zurückzukehren. Das großherzogliche Hoftheater bleibt noch einige Tage nach der Beisetzung geschlossen. Der Großherzog ist durch den unerwarteten Schlag hart mitgenommen und wird sein Hoflager von der Wartburg, wo er bis Ende des Monats zu bleiben gedachte, sofort nach Weimar verlegen. Die ihm so teure Burg wird wohl wie dereinst nach dem Hinscheiden Kver Großherzogin Dornburg, für längere Zeit von dern Großherzoge gemieden werden. Als Vertreter des Kaisers wird der Kronprinz der feierlichen Beisetzung, die am kommenden Freitag, mittags 12 Uhr, stattfindet, beiwohnen. — Der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Generalmajor von Li e b e r t ist in dem Soolbade Karlshafen zum Besuche eingetroffen. — Der Staatssekretär Graf v. Bülow, den man fälschlich für erkrankt ausgab, hat die Geschäfte des Auswärtigen Amtes in vollem Umfange übernommen. Am 1. Oktober d. I. trat im Fürstentum Schwarz- Durg -Sondershausen eine öffentliche Schlachtvieh-Versicherungsanstalt ins Leben. Es ist eine vom Staat geleitete und bezahlte Gegenseitigkeitsanstalt, welche die Aufgabe hat, die inländischen Viehbesitzer für alle diejenigen Verluste zu entschädigen, welche bei der Schlachtung von Rindvieh und Schweinen infolge der Fleischbeschau- Ordnung erwachsen. — Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht die am 1. Oktober d. I. in Kraft getretene Verordnung betr. das strafgerichtliche Verfahren gegen Militär - Personen der Schutztruppen vom 18. Juli d. I. — Die Ausrüstung der Garde-Infanterie mitdem neuen Gewehr, Modell 1898, hat begonnen; Montag und Dienstag waren Abteilungen des Garde-Gre- nadier-Regiments Königin Elisabeth aus Charlottenburg in Spandau, um die neue Waffe im Artilleriedepot in Empfang zu nehmen. — Im Verlage von Mittler u. Sohn, Berlin, ist soeben eine Dienstaltersliste der Offiziere des Beurlaubten st an des der Armee mit Angabe der Patente jedes Dienstgrades erschienen. Ein Bedürfnis nach einer solchen Liste ist hervorgetreten, seitdem die Offiziere des Beurlaubtenstandes in hie höheren Dienstgrade innerhalb der Waffe nach dem Dienstalter aufrücken und bei ihrer Weiterbeförderung nicht mehr an die Bestimmung gebunden sind, daß zuvor der Hintermann in der Linie befördert sein muß. Die Dienstaltersliste setzt durch ihre Anordnung jeden Offizier in den Stand, sich selbst über den Zeitpunkt seiner Weiterbeförderung unterrichten und sich infolge dessen auf die abzuleistende Beförderungsübung rechtzeitig vorbereiten zu können. Der höchste in der Dienstaltersliste vertretene Dienstgrad ist der eines Obersten von der Infanterie. Diesen Grad bekleidet int Beurlaubtenstande nur ein Offizier, und zwar Graf von Seckendorfs in Berlin. Ebenso ist nur ein Oberstlt. von der Infanterie, Staatsminister v. Bo etlicher in Magdeburg, verzeichnet. Die Kavallerie weist keinen Obersten, sondern nur einen Oberstlt., den Fürsten Radziwill, auf. An Majors von der Infanterie sind 13, von der Kavallerie 9 aufgezählt. Bei allen übrigen Waffengattungen sind Stabsoffiziere nicht vorhanden. Ausland. London, 3. Oktober. Bis nachts i/22 Uhr waren folgende Wahlresultate bekannt: 178 Ministerielle, 54 Oppositionelle, darunter 19 Irländer. Die Ministeriellen gewannen 6, die Oppositionellen 7 Sitze. Balfour wurde in Manchester mit 2454 Stimmen — 776 mehr als bei der letzten Wahl — gewählt. Die Liberalen gewannen einen Sitz in Grantham. — Wie „Truth" mitteilt, will sich der Marineminister Goschen nach seinem Rücktritt vom Amt litterarischer Arbeit widmen, die er seit 30 Jahren geplant habe. Er will nämlich die Korrespondenz, die sein Großvater, der berühmte deutsche Verleger Göschen in Leipzig, mit litterarischen und politischen Größen in allen Teilen Europas unterhielt, zusammen mit einer Biographie seines Großvaters veröffentlichen. Brussel, 3. Oktober. Bei dem Fackelzug zu Ehren der Vermählung des Thronfolgers kam es gestern in Gent zu schweren Ausschreitungen. Die Militärmusik, die die Brabanxonne spielte, wurde von Arbeiterhaufen zum Schweigen gebracht und statt deffen aus Hunderten von Kehlen die Marseillaise angestimmr. Das Volk verfolgte das Militär. Man warf mit Steinen. Die Unteroffiziere mußten blank ziehen. Paris, 3. Oktober. Laserriöre, der bisherige Generalgouverneur von Algerien, übernahm das Amt als Generalprokurator am Kassationshose an Stelle Manaus. — Der gestrige Ministerrat erledigte die Derschiebungeu in den höchsten Richterstellen; doch steht die Beröffeni^ lichung noch aus, weil der bisherige Gouverneur Algeriens, Laferriöre, für das Präsidium des Kassationshofes kandidiert, das die Regierung dem Berichterstatter der Dreifus- Affaire, Ballot-Beauprö, bestimm! hat. Laserriöre soll als Nachfolger Beauprös Präsident der Zivilkammer des Kassationshofes oder General-Staatsanwalt anstelle des wegen Alters zu pensionierenden Man au werden. Falls Lüferriöre ablehnt, würde ihm der Posten eines Gesandten angeboten. Da das gesamte Avancement alle hohen Richter und Staatsanwälte umfaßt, die in der DreyfuS-Affaire oder tm StaatSgerichts-Prozesse eine Rolle spielten, so ist man in manchen Kreisen nicht abgeneigt, darin ein ReinigungS- Verfahren zu erblicken, das die letzte Phase der DreysuS- Affaire einleitet. — Dem »Figaro" zufolge trifft der König von Griechenland Mitte Oktober in Paris ein und wird dort länger verweilen. Gegen Ende deS'Monats wird der König der Belgier erwartet, dem zu Ehren eine Reihe von Festlichkeiten veranstaltet werden sollen. Ferner wird Prinz Georg von Griechenland die Weltausstellung offiziell besuchen. Wien, 3. Oktober. Kaiser Franz Joseph ist heute zu den Hochwildjagden nach Radmer abgereist. — Die gemeinsamen Ministerkonferenzen werden Sonntag fortgesetzt. Es handelt sich um den Bau einer neuen bosnischen Bahnlinie, die von Serajevo nach Südosten geführt werden soll. Die Kosten wären aus Mitteln Bosniens zu bestreiten. —- „Hlas Naroda" warnt die Jung- czechen, auf dem eingeschlagenen Wege zu verharren und auf fremde Hilfe sich zu verlassen. Gott sei hoch und der Zar weit. Andererseits empfiehlt dasselbe Blatt im Interesse der nationalen Abgrenzung, die czechischen Gemeinden von Niederösterreich an Böhmen und Mähren anzugliedern. Der „Czas" bekämpft angesichts des Wiederbeginns der Kontrollversammlungen die unglückliche Politik in der „Z de"-Frage. Sofia, 3. Oktober. Heute begannen die Verhandlungen vor dem Schiedsgerichte, welches zur Regelung des Streitfalles zwischen der bulgarischen Regierung und den Generalunternehmern des Baues der Eisenbahn Sofia-Roman eingesetzt worden ist. Schiedsrichter sind der frühere belgische Ministerpräsident Bernaert, der Präsident des Frankfurter Oberlandesgerichts, Hagens, und der Advokat am Pariser Kassationshofe, Bari. Konstantinopel, 3. Oktober. Der Schah vonPersien ist stark verstimmt. Er erwartete den Empfang des Sultans, wie verabredet worden war, in Ortakeni, statt dessen begrüßte ihn der Sultan im Iildiz-Kiosk. — Die offiziellen türkischen Zeitungen veröffentlichen an ihrer Spitze in fetter Schrift die Nachricht, der Schah habe dem Sultan bei der ersten Begrüßung die Hand geküßt und ihn als Khalifen angeredet. Wenn dieses offizielle Kommunique mit den Thatsachen übereinstimmt, so wäre, wie in einflußreichen persischen Kreisen versichert wird, die Stellung des Schahs unmöglich und die intensivste Agitation der fanatischen persischen Sekten wäre zu erwarten. Der hiesige persische Botschafter ist im Zusammenhang hiermit in Ungnade gefallen und seine Abberufung wird nach Beendigung des Besuches erfolgen. Als Zeichen der Mißstimmung des Schahs ist es auch anzusehen, daß das für morgen im Wldiz-Kiosk geplante diplomatische Diner infolge angeblicher Ermüdung des Schahs ausfällt. Mexiko, 3. Oktober. Die neue Amtsperiode des Präsidenten Parfirio Diaz beginnt am 1. Dezember 1900. Aus diesem Anlasse werden große Festlichkeiten vorbereitet. Km Stadt und Kand. Gießen, 5. Oktober 1900. ** Elektrizitätswerk. Um Irrtümern entgegenzutreten, werden wir gebeten, darauf aufmerksam zu machen, daß bis jetzt nur die beiden Firmen M. Weisbäcker hier und Schuckert u. Cie. in Frankfurt a. M. die Erlaubnis haben, Anlagen zum Anschluß an das städtische Elektrizitätswerk auszusühren. Letztere Firma ist verpflichtet, hier dauernd ein Bureau zu unterhalten, da nach den Bestimmungen für Installateure nur solche zugelassen werden, die ihren Wohnsitz in Gießen haben. Dadurch stad tue Interessenten vor Ueberlaufung von Leuten mit wenig ober keinen technischen Kenntnissen geschützt. Das städtische Elektrizitätswerk prüft vor Anschluß sämtliche Anlagen, ist aber auch bereit, mit Ratschlägen, Kostenanschlägen usw. behilflich zu sein. , •• Theater-Verein. Wie schon im 3nfenitenteu an» gekündigt, beginnt der Theater-Verein am 30. Oktober feine Borstellungen. Als Gast für diesen Abend ist die aus- gezeichnete Berliner Künstlerin Fran Prasch G revenberg gewonnen worden. Daß alle übrigen Rollen durch Mitglieder unseres Stadttheaters besetzt sind, dieses überhaupt mit dem Theater-Verein Hand in Hand geht, dürfte wohl allgemein bekannt sein. Gleichzeitig steht die jährlich sich wiederholende Verlosung der Sperrsitze bevor. Die Logenplätze werden vergeben, nicht verlost und können nach dem Plan, der bei Herrn Challier ausliegt, soweit sie nicht bereits in festen Händen sind, ausgewählt werden. Mitglieder, die bereits bei früheren Verlosungen ihre Wünsche geäußert haben, brauchen diese nicht zu wiederholen, da alles ordnungsmäßig vorgemer't wird. Nur Neueintretende und bisher Nicht - abonnierte müssen unbedingt die Zahl der Platze und daraus bezügl. Wünsche bei Herrn Challier angeben. " Stadttheater. Die gestrige Vorstellung, die uns das Lustspiel „Mauerblümchen" von Blumenthal und Kadel- burq brachte, zeigte uns dasselbe Gesicht wie die Eröffnungsvorstellung und verfehlte mit ihren mehr oder minder guten Witzen und Scherzen ihre Wirkung auf die Lachmuskeln d-s Publikums nicht. Die Rolle des alten, verliebten Junggesellen Wörmann ist für Herrn Helm wie geschaffen, sodaß bei ihm, ebenso wie be. Herrn Liebscher a« chüchterner, unbeholfener penston,er,er Beamter der Erfolg ein durchschlagender war. Auch Herr d. Balthynr gab sich aefteru reckt natürlich, wie überhaupt die gestrige» Ostungen, unter denen noch di- von Frl Wohtbrück, SW v Lindenan und Herrn Ramsey er besonders bervorlraten, sich allgemeiner Anerkennung zu erfreuen hatten — Morgen abend wird Max Dreyers sensationelles vierartiges Schauspiel „Der Probekandidat", das hier am Schlüsse der vorigen Spielzeit einmal mit großem Erfolge aufgesührt wurde, mit Herrn Balthyni als „Probekaudidat Fritz Heitmann" zur Darstellung gelangen und dürfte, wie überall, so auch hier seine Zugkraft bewähren. In Vorbereitung befindet fich das indische Märchen „Vasantasena" von Emil Pohl. ** Verhaftung. Gestern abend gegen 11 Uhr wurden die in der Umgebung der Herberge zur Heimat wohnenden Personen durch laute Hilferufe in ihrer Ruhe gestört. Ein auf der Herberge logierender Gast hatte anscheinend einen Anfall von Geistesstörung bekommen, sodaß er durch Polizei aus der Herberge entfernt und in das'Polizeigefängnis gebracht werden mußte. *» Platzkarten. Der preußische Munster der öffentlichen Arbeiten hat angeordnet, daß beim Neudruck der Platzkarten der zurzeit unverständliche und undeutsche Aufdruck der Rückseite, wie folgt zu fassen ist: „Diese Karte berechtigt den Inhaber eines gütigen Fahrtausweises zur Benutzung des auf der Vorderseite eingetragenen Platzes. Sie ist vom Reisenden bis zur Beendigung der Fahrt auf- ruheben." ** Der Vorstand des Landeslehrer-Ver- eins hat an die Erste Kammer der Stände folgendes Gesuch gerichtet: „Die Verhandlungen der beiden Hohen Kammern der Landstände über die Gesetzesvorlage der Großh. Staatsregierung, betreffend die Gehalte der Volksschullehrer, sind bis jetzt ergebnislos verlausen, und die Hoffnung der hessischen Volksschullehrer, endlich aud)1 eine den Zeitverhältnissen entsprechende Besoldung zu erhalten, ist leider unerfüllt geblieben. Bei dem sichtlichen Bestreben aller beteiligten Faktoren aber, der Großherzogi. Staatsregierung sowohl als auch der Hohen Ersten Kammer der Landstände, sowie der Hohen Zweiten Kammer der Landstände, die Gehaltsverhältnisse der Volksschullehrer in einer Weise zu regeln, welche eine gedeihliche Weiterentwickelung unseres Volksschulwesens verbürgen, glauben wir, uns der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß auch jetzt noch auf allen Seiten das ernste Bestreben obwaltet, die beregte Angelegenheit baldigst einem befriedigenden Abschluß entgegen zu führen; denn eine erst in der nächsten Legislaturperiode erfolgende Aufbesserung der Lehrergehalte würde für das Voltsschulwesen unseres Landes eine empfindliche Schädigung im Gefolge haben. Ganz abgesehen von dem materiellen Schaden, welchen die bis dorthin wegen Dienstunsähigkeit in den Ruhestand tretenden Lehrer, die zumeist mehr als 40 und 50 Jahre bei kleinem Gehalte ihres Amtes gewaltet haben, durch die Zumessung einer ihrem dermaligen geringen Einkommen entsprechenden kleinen Pension erleiden würden, übt nämlich die Unzufriedenheit der in der Erfüllung ihrer als berechtigt anerkannten Wünsche sich getäuscht sehenden Lehrer unter allen Umständen einen ungünstigen Einfluß aus auf die erziehliche und unterrichtliche Berufsthätigkeit derselben zum Nachteil der Heranwachsenden Jugend, während zürn anderen der weniger zahlreiche Zugang zum Volksschullehrerberuf den schon vorhandenen Lehrermangel erheblich vermehren würde, was auf Jahre hinaus der Volksschule zum Schaden gereichen müßte. Da nun nach^ Lage der Sache, wie wir belehrt werden, es in erster Linie von der Entschließung der Hohen Ersten Kammer abhängt, ob eine erneute Beratung der angezogenen Gesetzesvorlage in gegenwärtigem Landtage noch zu stände zu kommen vermag, so wagt es der allerehrerbietigst unterzeichnete Vorstand des Landes-Lehrervereins, Hoher Erster Kammer mit dem ganz ergebensten Ersuchen zu nahen: Hohe Erste Kammer der Landstände wolle geneigtest von dem ihr verfassungsmäßig zustehenden Rechte Gebrauch machen und bewirken, daß die Verhandlungen über die Gesetzesvorlage der Großh. Staatsregierung, die Gehalte der Volksschullehrer betreffend, recht bald wieder in den Hohen Kammern der Landstände ausgenommen werden möchten." ** Umzug. Wenn die Nomaden neue Weidestätten für ihre Herden nötig hatten, dann brachen sie die Hütten ab und zogen weiter. DaS geht natürlich heute nicht mehr Io einfach mit dem Weiterziehen und Hüttenabbrechen, schon aus Rücksicht auf die zu erwartende sehr energische Klage ÄeS Hausbesitzers wegen Sachbeschädigung; aber ein gewisser Nomadentrieb lebt noch heute in vielen Menschen, und an den Umzugsterminen wird das gewohnte Einerlei der Straßen durch die großen Möbelwagen in angenehmer Abwechselung belebt. Gewöhnlich gehen dem Umzuge Tage und Monate größter Aufregung voraus, wenn man nicht, wie der bekannte „Fliegende Blätter-Student", sich nur seinen Papier- kcagen und Stiefelknecht „herunterwerfen" zu lassen braucht, um auszuziehen, oder wie jener in ein kleines Nest an der russischen Grenze versetzte Leutnant regelmäßig alle Vierteljahre ein neues Heim bezieht — der Abwechselung halber. AuS diesem Gründe werden sich abec schwerlich viele Familien ben Annehmlichkeiten und den großen Kosten eines Umzuges unterwerfen; sagt doch schon das Sprichwort: „Dreimal umgezogen, so gut wie einmal abgebrannt." — Die neue Wohnung ist natürlich stets das Ideal einer solchen, ebenso -wie es die verlassene im Anfang gewesen war, aber alsbald treten auch hier Mängel zu Tage, und Sache der Hausfrau ist es dann, die Fehler der Familie nicht zu empfindlich zu machen, sondern durch Fürsorge trotzdem ein behagliches Heim zu schassen. Denn ein Umzug mit dem vorausgehenden Wohnungssuchen, Neuanschaffungen, der vielen Last und Arbeit, ist doch höchstens ein Vergnügen für die Kinder, die sich an solchen Tagen weniger beaufsichtigt wissen und überhaupt dem ungewohnten Treiben viel Geschmack abgewinnen. So stellte sich am Tage nach dem Umzug ein kaum käse. Hoher Bengel mit wichtigem Gesichtchen und einem Fußschemel unter dem einen, den Baukasten unter dem anderen Arm, vor seiner Mutter auf und erklärte einfach aber bestimmt: „Umziehen!" •* Ein teures Lied haben an einem schönen Sommer- tage die Mitglieder eines hessischen Turnvereins gelungen. „Frisch, fromm", der Devise treu, zogen sie per Leiterwagen aus, um einem Nachbarverein das StiftungS- ftst zu verherrlichen, „fröhlich" waren sie auch und „frei" däuchten sie sich, zu thun, was ihnen beliebte. So fuhren te denn vormittags durch eines der Nachbardörfer zu der Zeit, da Gottesdienst und Predigt die frommen Gemeindemitglieder versammelt hielt, aus echt teutonischen Kehlen nach Herzenslust singend. Doch das Unglück schreitet schnell. Dieser Tage erschienen nicht weniger als 35 Strafmandate ä 7,10 Mk. wegen Störung des evangel. Gottesdienstes in N. Innerhalb des Vereins soll augenblicklich eingehendes Studium der Polizeiverordnungen betrieben werden. )( R ö d g e n, 3. Oktober. Während des letzten Vierteljahres wurde die hiesige Kirche einer grünblichen Renovierung unterworfen und der Gottesdienst in dem Saal der ersten Schulklasse gehalten. Am Sonntag konnte das auss schönste hergestellte Gotteshaus wieder in Gebrauch genommen und eine neue Orgel eingeweiht werden. Ein stattlicher Festzug bewegte sich unter Glockengeläute und Vorantritt der Schuljugend nach der auch äußerlich in neuem Gewand prangenden Kirche. Unter den Ehrengästen war auch Provinzialdirektor Geheimrat von Bechtold. Der Eindruck, den das Innere der Kirche besonders auf alle die machte, die sie in ihrem früheren Zustand gekannt, war ein außerordentlich günstiger; vor allem der geschmackvolle, wohl abgetönte Anstrich, die prächtige, mit zweckentsprechenden Sprüchen durchsetzte Malerei riefen allgemeine Bewunderung wach. Ein exakt und kraftvoll ausgeführter Ehor des Posaunenchors Beuern empfing die Eintretenden, worauf der Gesangverein Concordia daö Lied „Mit dem Herrn fang' alles an" in stimmungsvollster Weise zum Vortrag brachte und so unmittelbar das Anfangslied und die Liturgie vorbereitete, die von der Gemeinde unter Posaunenbegleitung gesungen wurden. Nunmehr folgte die feierliche Weihe der neuen Orgel. Diese, ein Werk der bekannten Firma Förster u. Nicolaus-Lich, ist ein Instrument von großem Wohlklang zu nennen, wie denn auch ihre ersten Darbietungen die andächtig Lauschenden in hohem Grad befriedigten und entzückten. Der Ortsgeistliche hielt die Festpredigt über denselben Text (Jeremia 7, 2. 3), über den bei der ersten Einweihung der Kirche im Jahre 1811 gepredigt worden war. Ein Kinderchor und ein trefflich gesungener Ehor des Gesangvereins Eintracht verstärkte den Eindruck der Predigt. Sichtbar erbaut verließen die Feiernden das Gotteshaus; eine Nachfeier fand nicht statt. -sc- Alten-Buseck, 3. Oktober. Heute feierte der hiesige langjährige Gemeinde- und Kirchenrechner Heinrich Seuling I. in seltener geistiger Frische und verhältnismäßig körperlicher Rüstigkeit seinen 7 7. Geburtstag. Die Vorsteher der Gemeinde und der Kirche, Bürgermeister Körber und Pfarrer Scriba, überbrachten ihm, der eine besondere Tüchtigkeit in: seinen Aemtern allezeit an den Tag gelegt und auch schon vor Jahren die verdiente Anerkennung des Großherzogs erhalten hat, persönlich ihre Glückwünsche. Bad-Nauheim, 3. Oktober, Der Gewinner des ersten Preises der mit der Hessischen landwirtschaftlichen Ausstellung verbundenen Lotterie, vier Pferde und ein Erntewagen, welcher bisher nicht abgeholt worden war, so daß die Pferde versteigert werden mußten, ist Hotelbesitzer Sprengel dahier, dem zirka 5000 Mk. bar ausbezahlt wurden. Darmstadt, 3. Oktober. Eine hiesige Dame hat laut „St. P. Z." ein Kapital von 10 000 Mk. gestiftet und noch spätere Spenden in Aussicht gestellt für einen zu gründenden „katholischen Dienstmädchenverein". Zwar besteht hier schon seit einigen Jahren ein katholisches „Mädchen- Heim", das jedoch nur für solche Dienstboten bestimmt ist, die sich erstmals hier vermieten wollen oder vorübergehend ohne Stelle sind, während der neu zu gründende Verein solchen Mädchen, die hier bereits in Diensten stehen, an Sonntag Nachmittagen Unterhaltung und. Belehrung zu bieten bestimmt ist. Darmstadt, 3. Oktober. Wie schon gemeldet wurde, wird auf die Initiative der Darmstädter Handelskammer hin der zum 14. Oktober nach Mainz einberufene hessische Handelskammertag, der ursprünglich nur den Entwurf eines neuen Handelskammergesetzes besprechen sollte, sich auch mit den Vorbereitungen zu den neuen Handelsverträgen beschäftigen. Es ist dies um so erklärlicher, als die Regierung, die vor vierzehn Tagen durch den Landwirtschaftsrat und den Bauernbund zur Genüge über die Ansichten und Wünsche der hessischen Landwirtschaft orientiert worden ist, aus den Kreisen der Industrie und des Handels bisher keine Gegenäußerung erfuhr. Der Handelskammertag, auf dem die Regierung entsprechend vertreten sein dürfte, wird, zumal die Regierung wohl gerade im Hinblick auf ihn von einer Befragung der einzelnen Handelskammern nach dem Vorgänge der preußischen und sächsischen Rcgicruvg abgesehen hat, der geeignete Ort fein, wo die berufenen Vertreter der Industrie und des Handels ihre Interessen zur Geltung bringen können. Es ist als sicher anzunehmen, daß die hessische Negierung diesen Vorstellungen ebenso geneigtes Gehör schenken wird, wie denen der Landwirte. Mainz, 3. Oktober. Der Gedanke schulärztlicher Aufsicht verwirklicht sich nun auch hier. Medizinalrat Dr. Balser wird im Laufe des Winters die Funktionen eines Schularztes provisorisch versehen und während dieser Zeit dem Lehrerpersonal Vorträge halten, die auf dessen Mitwirkung bei den hygienischen Maßnahmen abzielen. Wiesbaden, 3. Oktober. Bei dem jetzigen Oktoberumzug haben, wie glaubhaft versichert wird, über ^Arbeiterfamilien keine Wohnung finden können, sodaß sie ihre Hausgeräte irgendwie provisorisch unterstellen, und bei Bekannten re. Notquartier suchen mußten. Die Stadtverordneten haben kürzlich zu dem Vorschlag der sozialpolitischen Kommission des Magistrats einen Antrag auf Freigabe der fünften Stockwerke zu Wohnzwecken mit der bemerkenswerten Begründung abgelehnt, daß von der Stadt die Steigerung der Grundstückwerte nicht begünstigt werden dürfe. Nun sollte aber auch mit praktischen Maßnahmen zur Hebung der Wohnungsnot der.kleinen Leute einmal energisch vorgegangen werden. Entsprechende Absichten scheinen bisher bei der städtischen Baudeputation nicht immer das wünschenswerte Entgegenkommen zu finden. Vermischtes. * Berlin, 3. Oktober. Der Fahnenjunker Meiße von der 8. Kompagnie des Eisenbahn-Regiments Nr. 3 hat sich heute früh in der Nähe des Tegeler Gefängnisses kurz vor seiner Beförderung zum Offizier erschossen. Er hinterließ einen Brief an eine junge Dame, in der er kurz mit# teilte, daß ihn das Los zu sterben getroffen habe und er daher seinem Leben ein Ende machen müsse. Man vermutet, daß es sich um ein amerikanisches Duell handelt. * Köln, 3. Oktober. In der vergangenen Nacht gegen li/z Uhr fuhr ein von Ohligs kommender Güterzug trotz des Haltesignals einem aus dem Bahnhof Leichlingen ausfahrenden Güterzug in vieFlanke. Zwei Fahrbeamte sind unerheblich verletzt. Mehrere Güterwagen sind erheblich beschädigt. Beide Hauptgleise Köln-Elberfeld bleiben voraussichtlich bis gegen abend gesperrt. Die Züge werden über Düsseldorf bez. Hilden geleitet. * Koblenz, 3. Oktober. Bei Andernach ertrank die Tochter des Schiffers Bell; bei Ob er wes el fiel ein Schiffsjunge aus Nieverlahnstein über Bord und ertrank. — Mit jedem Tag vermehrt sich die Zahl der TyPhuS- kranken beim 68. Regiment. Gestern wurde ein Unteroffizier und 6 Mann ins Lazarett gebracht, auch 2 Offiziere sind erkrankt. Die Nichterkrankten dürfen das Kasernement nicht verlassen; für die am 12. d. M. eintreffenden Rekruten werden besondere Baracken erbaut; die Rekruten kommen mit der alten Mannschaft nicht in Berührung. * Rom, 3. Oktober. Wie versichert wird, gehörte daS im Vatikan gestohlene Geld nicht der Administration des apostolischen PalaiS, sondern war persönliches Eigentum des Papstes und zu einer Spende für religiöse Werkthätig- keit bestimmt. Die „Tribuna" sagt, die italienische Polizei habe im Juli 1899 dem Vatikan mitgeteilt, eS werde ein Diebstahl im Vatikan vorbereitet. Der That sind 4 bestimmte Personen verdächtig, wovon heute zwei festgenommen ftnb.________________ Kunst und Wissenschaft. Berlin, 3. Oktober. Professor Ludwig Manzel hat sich von den Folgen des bedauerlichen Unfalls schon einigermaßen erholt. Die Wunden am Knie, die er durch Ueberfahren erlitten hat, sind zwar noch nicht gehellt, der Künstler vermag aber sich frei zu bewegen, und erschien gestern abend bereits in der Versammlung des Vereins Berliner Künstler, wo er freudig begrüßt wurde. — Zum Direktor der Berliner Singakademie ist mit großer Mehrheit Georg Schumann aus Bremen gewählt worden. — Hartlebens „Rosenmontag" übte heute tm „Deutschen Theater" nach den ersten drei Akten mit ihren geistreich aufgebauten und lebendig geschilderten Szenen aus Ofsizierskrenen eine starke Wirkung aus, die in den tragisch verklingenden Schlußakten nachließ. Ein junger Offizier von persönlichem Wert und Bewußtsein bricht zusammen, weil man, um den Offizier zu erhalten, den Menschen in ihm schwer verwundet. Eine Tragödie des Standes also, eine Osfiziers- tragödie, über deren innere tragische Notwendigkeit man schließlich Zweifel hegen konnte.________________ __ 31/» % Reichsanleihe . do 3% 3*/i % Koneols . do 3 % 70.10 3Vg % Hessen . . . 5 n/y Italien. Rente . . 40/0 Griech. Monop.-Anl, 3 0/0 Portugiesen . . 30/0 Mexikaner . . . 4Vs % Chinesen . . . 93.85 85.85 93.80 85.65 91.40 93.60 41.90 23.61 Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Gotthardbahn . . Laurahütte . . . Bochum . . . - Harpener . . . . . 203.60 . 171.60 . 128.60 . 148.— . 143.30 . 140.70 . 139.50 . 196.— . 173.50 . 179.60 Telephonischer Kursbericht Frankfurt, den 4. Oktober. Tendenz: Fortgesetzt Deckongsbedürfnis, sowie bessere Newyorker und Londoner Kurse bewirkten auf allen Gebieten ein lebhaftes Geschäft bei anziehenden Preisen. Neueste Meldungen. Berlin, 4. Oktober. Für den Gouverneur von Deutsch-Ostafrika sollen außer dem Freiherrn von Rech en berg die Legationsräte von der Decken, sowie der bekannte Reisebegleiter des Majors von Wißmann, Dr. Bumiller in Frage kommen. General von Siebert dürfte indessen nicht durch einen Zivilbeamten, sondern durch einen hohen Militär ersetzt werden. London, 4. Oktober. Das Resultat der bisher bekannt gewordenen Wahlergebnisse ist folgendes: Ministerielle 210, Oppositionelle 78. Die Konservativen gewannen bis jetzt 7 Sitze, die Liberalen 11. In London sind die Konservativen mit noch größerer Mehrheit wie früher wieder- gewählt worden, während in der Provinz die Liberalen dem Angriff der Konservativen gegenüber ihre Stellnng behaupten konnten. Paris, 4. Oktober. Der „LibertS" zufolge belaufen fich die Kosten für die in letzter Zeit vorgenommenen militärischen Operationen an der marokkanischen Grenze bereits auf 25 Millionen Francs. Rom, 4. Oktober. Der König und die Königin von Italien werden im April des nächsten Jahres die Hauplstädte Berlin, Petersburg und Wien und im Herbst Paris, Brüssel und London besuchen. New-York, 4. Oktober. Der allgemeine Eindruck geht dahin, daß der Streik^ der Bergwerksarbeiter als fast erledigt betrachtet werden kann. Die Eisenbahngesellschaften bezw. die Bergwerksbesitzer sind entschlossen, die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen. Aus dem Oeschästsleben. — Der chemischen Fabrik von Fritz Schulz jun., jetzt Fritz Schulz jun. Aktiengesellschaft, Leipzig, ist neuerdings wieder eine hohe Auszeichnung zu teil geworden, und zwar wurde dieser renommierten Firma auf der Weltausstellung zu Paris 1900 für ihre Haushaltungsartikel, alsGlobus-Putzextrakt, Globus-Putzseife, Kieselkrerde, Glanzstärke und ihre weiteren, sonst noch ausgestellten chemischen Fabrikate die Goldene Medaille zuerkannt. Vereine -M, O M Verantwortlich für den allgemeinen Teil: I. B.: A. Steffen Hag en; für den Anzeigenteil: HanS Beck. — Druck und Verlag August Frees Kroßh. Kess. Kos- und Nniversttäts-Buchhandlung Giessen empfiehlt g: Lose 3 der Kesstschen Landes-Lotterie. 1. Ziehung: 8. Oktober. 6530 Herr Heinrich Noll Rentner 6582] 8-Zimmerwohnung mit Zubehör sofort zu vermieten. Grünbergerstr 3a. 04198] LogiS zu vermieten. ________G. Elsoffer, Marktstraße 27. 01197] Kleines Logis zu vermieten. ___________________Asterweg 22. 6589] Schöne Wohnung, bestehend aus 5 Zimmern, 2 Kammern, Küche u. Zubehör per bald zu vermieten. Bieickstr. 21. II. 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Oberlehrer Stürmer. Oberlehr.Dr.Balduin Paul Benefeld . . Hirsekorn,Schuldiener H. Dewitz, Quintaner Mehrere Oberprimaner Die Preisverteilung findet nach- dem Rennen in unserem Vereinslokal, abends 8 Uhr statt, und laden wir unsere Mitglieder nebst Damen hierzu ergebenst ein. Gäste sind herzlichst willkommen. 6540 Der Vorstand. atggxiaLKXMJcrijnnnna Giessener Stadttheater. Freitag den 5. Oktober 1900t Der DrodekandW. Schauspiel in 4 Akten von Max Dreyer. Student lucht sür das w v w’wvni« v kouituende meffer gut und bequem möbliertes Zimmer zum Preise von 70-100 Mk. Offerten unter L. Z. 6531 an die Exped. AchWelK siir 4 Keule gesucht, wenn möglich 2 Zimmer. Offerten mit Preisangaben unter Nr. 04200 an die Expedition dieses Blattes. Ein Vchuhmachergeselle auf bald gesucht. I. Fleischmann, Neustadt 8. Ein junger Kausdmsche such«. 6527] Adolf Möhl, Bahnhofstraße 5. 6'38] Zwei tüchtige Haillenaröeiterinnen finden bei hohem Lohn noch dauernde Beschäftigung. Aug. MontanuS Nchs. 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V.: Wolff. Bekanntmachung, betreffend: Die Vergebung der Holzhauer' und Eetzerlöhne im Gießener Stadtwald pro 1901/1902. Die vorbemerkten Löhne sollen DieuStag den 9. Oktober d. I., vormittags 9 Uhr, im Saale des alten Rathauses öffentlich vergeben werden. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werdm ersucht, dies in den dortigen Gemeinden bekannt machen zu laffen. Das Scheiden unseres langjährigen, hochverdienten Oberbürgermeisters, des nunmehrigen Präsidenten des Finanzministeriums, Herrn Gnauth hat allseitig in der Bürgerschaft das lebhafteste Bedauern hervorgerufen. Dem Danke für die hervorragenden Verdienste, welche sich Herr Gnauth um unsere Stadt erworben, nochmals vor seinem Wegzuge von Gießen Ausdruck zu geben, ist ein Bedürfnis vieler Mitbürger. Es ist zu diesem Behuse am 11. Oktober l. IS., abendS 7 Vs Uhr pünktlich, in Steins Saalbau ein einfaches Abendessen in Aussicht genommen; ich beehre mich, auf diesem Wege eine allgemeine Aufforderung zur Teilnahme an der geplanten Abschiedsfeier ergehen zu laffen. Anmeldungen werden bis spätestens SamStag den 6, L MtS. auf der Bürgermeisterei — Zimmer Nr. 15 — und bei Herrn Ernst Balser, Mäusburg 11, entgegen genommen. Gießen, den 2. Oktober 1900. 6487 Im Namen und Auftrage der Stadtverordneten« Versammlung: Wolff, Beigeordneter. sollen DienStag den 9. Oktober d. I., vormittags 10 Uhr, im Saale des alten Rathauses öffentlich vergeben werden. Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in den dortigen Gemeinden bekannt machen zu laffen. Gießen, den 1. Oktober 1900. Aus Anlaß unserer silbernen Hochzeit ist uns von allen Q Seiten freundliche Teilnahme und Aufmerksamkeit in so reichem Q Maße zu teil geworden, daß wir außerstand sind, jedem Einzelnen Q fo, wie wir es gerne möchten, persönlich zu danken. Wir bitten tz daher, unseren herzlichen Dank auf diesem Wege entgegen nehmen ß ru wollen. 6542 Q Marrer Schlosser und Irau. 0 Mein bautrchoischrS Btireau bcfmbet sich jetzt Wilheln,straffe 5. Bekanntmachung. Die für da« Rechnungsjahr 1901/1902 im Gießener Stadtwald erforderlichen Kultur-, Wegbau- uud Grabeuarbeite«, als: a) Ausräumen von Gräben veranschlagt zu 212.10 Mk. b) Anfertigung von Neugräben n n 170.- „ c) Lieferung von Basaltfteinen ff if 4054.— „ d) Aufsetzen derselben ff n 250.56 „ e) Wegplanierung » n 210- H f) Chauffierarbeit ff 0 3102.80 , g) Lieferung von Basaltkleinschlag „ „ h) Herstellung von rajolten Riefen einschließ805.- „ lich der Beseitigung von Dörnern und Unkraut „ 1820.- „ Perle der Wetterau. Heute Freitag trifft ein Waggon Seiberüben, Weitzkraut, Rotkraut und Wirsing ein zu billigen Preisen. Main-Weser-Bahn. Berkaus von 8 Uhr ab. 04199 Kieler Bücklinge, neue Kastanien, „ Aprikosen 6635 eingetroffen. J. M. Schulhof. la. Kieler Bücklinge, ger. Lachs, ruff. 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Der Schmerz der Eltern, wochenlang ihre Kinder so unsäglich leiden zu sehen, ohne helfen zu können, macht den Keuchhusten zum Schrecken der Mütter, zur Marter der Kinder, umsomehr, als dessen fast unausbleiblichen Nachwehen und Folgekrankheiten oft so schwer, dass entzündliche Affektionen der Bronchien und des Lungengewebes die traurigen Nachzügler sind Die Natur bietet auch hier wieder in Fay’s echten Sodener Mineral-Pastillen ein Linderungsmitel von wunderbarem Erfolg. (Mene Stellen Vermietung VerslWents