150 1900 Freitag den 5. Oktober ayrgaug Erstes Blatt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger Alle Anzeigen-VermittlungSstellen deS In» und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Aezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholcstellen vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abend» vorher. M. 233 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener AamitienSkätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Heff. Landwirt" u. „Blätter für heff. Volkskunde" wSchtl. 4 mal beigelegt. Amts- und Anzeigeblatt für den Ttreis Metzen Gratisbeilagen: Gießener Famiiienblätter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Uatksknnde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnkstraße Ar. 7. Politische Tagesschau. Die klerikale „Oberelsässische Landeszeitung" veröffentlicht nachfolgende bezeichnende Mauöverbetrachtung: „Trotzdem gar oft die Gemeinden mit Einquartierung mehr alS überbürdet waren und die Wohnungen der Landleute von den Soldaten geradezu bestürmt und für einige Tage beschlagnahmt wurden, kam man doch den Mannschaften allenthalben freundlich entgegen, bediente sie gut und bewirtete sie reichlich. Hohe wie Niedere haben verschiedmtlich geäußert, daß der Soldat in Alt. deutschland drüben nicht so gut empfangen werde wie hier im Elsaß. Die ärmsten Leute haben ihr Einziges mit den Fremden geteilt und ihnen ost viel bessere, hingestellt, als sie selber zu essen hatten. Vielfach geschah des Guten eher zu viel als zu wenig. Und doch hat sich unser Landvolk hierfür viele Opfer auferlegen müssen; denn die Feldarbeiten mürben vielfach vernachlässigt, um den fremden Gästen aufzuwarten. Und das waren doch zum großen Teile Männer, die noch unter den Franzosen gedient und unter französischer Fahne mitgefochten haben, die noch in der Abneigung gegen den preußischen Soldatenrock großgezogen worden waren. Und nirgends zeigte sich eine Spur von Chauvinismus und Deutschfeind- ltchkeit; um aber so die Vergangenheit vergeffen zu können, kann man nicht jenes angeblich haßerfüllte unversöhnlich^ sondern nur ein äußerst friedfertiges Volk sein. Das dürfenwir alS Gegendienst von allen unseren Gästen verlangen, das find unS besonders die Offiziere schuldig, das laute Zeugnis, daß das gute Elsässeroolk wahrlich nicht mit Dtktaturparagraph und Ausnahmegesetzen geknebelt zu werden verdient." Das ist wieder eine bemerkenswerte Stimme aus dem Reichsland.________ Aus Stadt und Land. Gießen, 4. Oktober 1900. ** Der Zweiten Kammer der Landst'ände ging 1) ein Gesetzentwurf über die Errichtung einer Hessischen Pfandbriefbank zu: 2) eine Vorstellung der Revisoren und des | Sekretärs des Ober-BetriebSinspektorS bei der Main-Neckar- i Bahn, betreffend Regelung ihres Besoldungsdienstalters; j ferner 3) eine Anfrage des Abg. Molthan und Genoffen, betreffend die Errichtung einer Handelshochschule in Dessen: Ist die Großh. Regierung Willens, demnächst der Gründung einer Handelshochschule in Hessen näherzutreten? Wird die Großh. Regierung für den Fall der Errichtung einer solchen Handelshochschule als Sitz derselben Mainz, die bedeutendste Handelsstadt des Landes, wählen? und 4) ein Antrag des Abg. Wolf, betreffend die Erbauung einer Nebenbahn Undenheim—Armsheim. *• Militärisches, v. Neröe, Lt. im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, unter Stellung al.s. des Regiments, ist vom 1. Oktober d. Js. ab auf sechs Monate zur Dienstleistung bei den Ersatzformationen der Marine-Inf. kommandiert und zwar zur Marinestation der Ostsee (Meldeort Kiel); v. Oppeln-BronikowSki im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, I kommandiert zum Seminar für orientalische Sprachen, ist Die Zensur ist also eine Notwendigkeit; sie begründet in der menschlichen Unzulänglichkeit hinsichtlich der „Autoren" sowohl, als der rücksichtslosen Genußgier großer Schichten des Publikums. Es kommt nur daraufan, wer dieZensurausübensoll. Die Polizei dürste hier kaum die rechte Behörde sein. Der Berliner Polizeipräsident hat einst gesagt: „Die janze Richtung paßt uns nich". Man braucht nur dies ästhetische „Welturteil" anzuführen, um die Unzulänglichkeit der Polizei in künstlerischen Dingen darzuthun. Gemeint war die moderne Richtung Ibsen, Hauptmann, Sudermann usw., die, aus den Wandlungen des Volkslebens entstanden, mit tiefgründigem Ernst und kraftvolle Psychologie Probleme des modernen Lebens behandelte und dabei zu theatralischen Farben kam, welche dem polizeilichen Auge unangenehm waren. Es giebt eben immer Leute, die zwischen dem sittlichen Ernst und der gemeinen Leichtfertigkeit nicht unterscheiden können. Darum ist das Zensur amt ein schweres und kann nur von Leuten ausgeübt werden, die sittlichen Ernst mit künstlerischer Bildung verbinden. Den sittlichen Ernst hat die Polizei sicherlich, die künstlerische Bildung aber nur in vereinzelten Fällen. Wir kommen deshalb auf den Vorschlag, den wir schon einmal gemacht haben, zurück: es muß der Polizei ein k ü n st l e r r s ch e r Beirat zugesellt werden, der in Wirklichkeit die Zensur ausübt, damit alle Fehlgriffe und Geschmacklosigkeiten vermieden werden. lieber Lie Zensur selbst wird man Nicht hmweg kommen, da — aus den angeführten Gründen — weder Publikum noch Autoren geistig und ästhetisch so souverän sind, daß sie eine Leitung aus dem Vollen der Sitten- und Kunst- aesetze entbehren könnten. Gestalte man deshalb die Zensiir so, daß sie eine fachmännische ist und Kunst und Publikum werden damit zufrieden sein. Amtlicher Heil. Bekanntmachung. B etr.: Beginn der landwirtschaftlichen Winterschule zu | Büdingen. , , mn.. An der landwirtschaftlichen Winterschule zu Büdingen I beginnt der Lehrgang 1900/1901 am 5. November, vormittags 10% Uhr. I Die Anmeldungen haben rechtzeitig schriftlich oder I mündlich bei dem Vorsteher der Schule, Großh. Landwirt- I Ichaftslehrer Andrae in Büdingen, zu erfolgen, von welchem der Unterrichtsplan und Jahresbericht unentgeltlich bezogen, und jede gewünschte Auskunft eingeholt werden kann. Büdingen, 15. September 1900. Der Vorsitzende des AuffichtSrats der landwirtschaftlichen Winterschule Büdingen. Jrle, Großh. Kreisrat.__I Theater - Zensur. Die Zensurthätigkeit des Berliner Polizeipräsidenten I und seines Theaterdezernenten macht neuerdings wieder I viel und unliebsam von sich reden und laut und immer I lauter ertönt der Ruf nach dem Goethe-Bund. Es war vorauszusehen, daß nach Ablehnung der lex I Heinze die Theaterzensoren etwas energischer nach dem I Rotstift greifen werden, als es bislang der Fall war. I Das war eine „natürliche Reaktion", die man zunächst | nicht tragisch zu nehmen brauchte, weil man annehmen I durfte, daß sich ihre Fluten bald verlaufen. Neuerdings I häufen sich aber Verbote von Stücken oder doch die Ver- I stümmelungen, die der Zensorenstift in ihnen anrichtet. I Es konnte dann des weiteren nicht fehlen, daß gewisse I Preßorgane eine Komödie der Entrüstung aufführten, von I der man hofft, daß sie im Parlament eine Parallel-Er- I scheinung zustande bringen wird. Wir sind in keiner Richtung Freunde der bureau- j kratischen Reglementierung, und infolge dessen ist uns I der Polizeistock in litterarischen und Kunstdingen am aller- I unsympathischsten.. Der ideale Zustand wäre doch der, daß das Publikum selbst so fein und gebildet in seinem Kunstgeschmack ist, daß es anstößige und unsittliche Dinge von selbst zurückweist. Man kann ja auch zugeben, daß jene Gemeinde im Publikum, die die Kunst liebt, em maßgebendes Zensuramt in der That ausübt. Aber wie groß ist denn diese Gemeinde? Auch der oPtimistiM Beurteiler des Publikums wird zugeben, daß es ein außerordentlich geringer Prozentsatz ist, der an unserer Kunststätte ä st h e t i s ch genießt. Für die überwältigende Mehrheit des Publikums ist das Theater und was dazu gehört Unterhaltungs- und Vergnügungsstätte, wobei es garnichts ausmacht, ob der eine nun seine Unterhaltung an ein paar herausgeschmetterten hohen E's, an einem „Stimmenwohlklang" oder pikant vorgetragenen „feschen Couplets", will sagen: verschleiert-gewürztew Zotereien findet. So viel ist jedenfalls Thatsache, daß das Gros des Publikums bei der Kunst Unterhaltung, „Amüsement" sucht. Diesem „Amüsements"bedürfnis tragen nun die Autoren, die angeblicy für die Kunst schreiben, in weitgehendstem Maße Rechnung und so haben wir eben bc^chj eine ganze Anzahl von Stücken, die mit der Kunst wenig, aber alles mit dem „Amüsement" zu thun haben. Auch dagegen läßt sich nichts sagen. Der Mensch soll sich amüsieren, er hat ein Recht dazu; außerdem steckt auch im „Amüsement" ein Stück „Aesthetik", das man noch lange nicht mit Achselzucken abzufertigen braucht. Es kommt eben nur auf die Mittel an, mit denen das Amüsement versucht wird. Zweifellos ist doch, daß in vielen „Theaterstücken" der Gegenwart einfache die Zote herrscht. Man braucht nicht im geringsten prüde zu sein unt) muß zugeben, daß es für gewisse Dinge, die theatralisch behandelt werden, schließlich doch eine Grenze giebt. Gewiß wird diese Grenze je nach dem Bildungsstandpunkt und der ästhetischen und gemütlichen Durchbildung des einzelnen oder einzelner Bevölkerungsschichten eine verschiedene fein. Wo das Gefühl der Schamhaftigkeit bei dem einen bereits verletzt wird, lacht der andere noch, ohne innerlich au erröten. Ab e r ein e Grenze giebt es bei aller Latitude des ästhetischen Gewissens und die auch am meisten vorgeschrittenen Mitglieder des Stammtischs oder ber ^110611^1 be3 kurärismus, werden, wenn sie glotzte Leute oder Familienväter sind, zugeben, daß gew ffse Dinge weder gesagt noch gemalt, weder gesungen noch durchjdenGestus ausgedrückt werden können, o h n e d a ß d i e Sch a m verletzt wird. Aus diesen Thatsachew ergiebt sich^ber zweifellos die Notwendigkeit des Einschreitens, d. h. de Zensur. Denn es fehlt weder an -Autoren , noch an gewissen Schichten des Publikums, die auch ^ant $ _ kommensten ausgebildete Zoterei — um keinen schlimmeren Ausdruck zu gebrauchen — „goutieren". mit dem 30. September ausgeschieden und dem 6. ostasiat. Jnf.-Regt. zugeteilt, dessen Uniform er anzulegen hnt. •• Personalnachrichten. Versetzt find: die Pofiräte Albrecht von Darmstadt nach Frankfurt a. M. und Rogetzky von Frankfurt a. M. nach Darmstadt, der Postkassierer Stroh von Gießen nach Stettin als com. Postinspektor, der Ober-Postdirektionssekretär Olbricht von Danzig nach Gießen als com. Postkassierer, der Postmeister Jllert von Dörnach nach Großgerau, die Post- sekretäre Fuhr von Worms nach Bensheim und Kleinste über von Bensheim nach Worms, der Ober-Postasfi- stent Freu del von Köln a. Rh. nach Offenbach a. M., der Postassistent Neundörser von Worms nach Kelsterbach als Postverwalter und die Postassistenten Kolb von Bingen a. Rh. nach Großgerau, Rettig von Oppenheim nach Heppenheim (Bergstraße), Jakob Schmitt von Mainz nach Darmstadt; angestellt ist: der Postassistent Frer.- höfer in Worms; angenommen sind als Telegraphenanwärter: der Bizefeldwebel Hahn in Mainz, als Post- agent der bisherige Postamtsvorsteher Schmidt in Wiebelsbach; in den Ruhestand übergetreten sind: der Postmeister Platz in Großgerau und der Ober-Postassistent Ochs in Mainz; aus geschieden sind: die Postagenten Diefenbach in Kelsterbach und Friederich in Goddelau. •» Erledigte Stellen im Bezirk des 18. Armeekorps. Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M., 15 Anwärter für den ZugbegleitungSdienst, 900 Mk. AnfangSgehalt und der tarifmäßige Wohnungsgeldzuschuß (60-240 Mk. jährlich), ferner die reglementsmäßigen Fahr-, Stunden- und Nachtgelder. Eiserfeld, Amt Eiserfeld zu Niederschelter, Polizei-Wachtmeister, 15—2100 Mk. Gehalt, 250 Mk. Wohnungsgeldzuschuß und 100 Mk. Kleidergeld. Elz (Oberlahnkreis), OrtSbehörde, Nachtwächter, 500 Mk. jährlich. Kaiser!. Ober-Postdirektionsbezirk Dortmund, Landbriefträger, 700Mk. Anfangsgehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. Neheim, Polizeibehörde, Polizeisergeant, 1300—1800 Mk. Gehalt und 100 Mk. Kleidergeld. Orb (Reg.-Bez. Kaffel), Stadt (Magistrat), Bureaugehilfe, 780 Mk. jährlich. — Im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division. Kgl. Eisenbahn- Direktion in Frankfurt a. M., 10 Anwärter für den Zugbegleitungsdienst, 900 Mk. Anfangsgehalt und der tarifmäßige Wohnungsgeldzuschuß (60—240 Mk. jährlich), ferner die bestimmungsmäßigen Fahr-, Stunden- und Nachtgelder. Kgl. u. s. w. Eisenbahn-Direktion in Mainz, 40 Anwärter für den Bahnwärter- und Weichenstellerdienst, 700—1000 Mk. Gehalt und der tarifmäßige Wohnungsgeldzuschuß (60 bis 240 Mk. jährlich). * Zur Bürgermeisterwahl. Ueber die N e u b e s e tz u n g der Stelle des Oberbürgermeisters ist bisher nicht mehr zu erfahren, als daß die Vorschlagskommission zwar mehrfach beraten hat, über ihren Antrag an die Stadtverordneten aber noch nicht ins Reine gekommen ist. Infolge der langen Geheimnisthuerei der Kommission haben in den letzten Tagen private Besprechungen einer Anzahl von Stadtverordneten stattgefunden, wobei zu erkennen gegeben wurde, daß man den geeigneten Mann in einem Juristen aus Oberhessen gefunden zu haben glaubt, der auch bereits bei den Beratungen der Kommission in die engere Wahl gekommen sein soll. Der Bürgerschaft wäre ein Stadtoberhaupt, das die hessischen Verhältnisse kennt, natürlich sympathischer als ein Bürgermeister, dem man die sogenannte preußische Schneidigkeit nachrühmt, der sich aber in unsere Verhältnisse erst hineinleben müßte. Sicher verlautet, daß der Beigeordnete Wolff sich für den Bürgermeisterposten nicht gemeldet hat, sondern in den Staatsdienst zurücktreten will. * * Alice Schule. Jetzt, wo nach der Erholung, die die vergangene Ferienzeit für Alle, die mit der Schule Zusammenhängen, brachte, mit neuem Eifer und größerem Ernste die Arbeit begonnen wird, tritt auch unsere AliceSchule wieder in Thätigkeit. Die Ausnahme der Schülerinnen erfolgte gestern, und der Inseratenteil des „Gieß. Anz." brachte bereits die Ankündigung der verschiedenen Kurse. Stets bemüht, den neuen Erscheinungen auf dem Gebiete der weiblichen Handarbeiten Interesse und Förderung entgegenzubringen, ist für diesmal ein Kursus für Maschinen.Stickerei in Aussicht genommen. In ihm wird gelehrt mit Hilfe einer Vorrichtung, die an Maschinen jeglichen Systems angebracht werden kann, und zwar mit ganz geringen Kosten, die schönsten Bunt- und Weißstickereien herzustellen. Ganz besonders Pertti nll wird sie zur Herstellung von Hohlsäumen und Durchbrucharbeiten sein, die jetzt augenblicklich eine Hauptzierd? aller Wäschegegenstände, besonders Bett« und Tischwäsche, bilden. * Eisenach, 30. September. Der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Baudert wollte gestern abend in einer öffentlichen Versammlung hier sprechen. Bürgermeister Böttchen hatte nicht das Geringste dagegen einzuwenden, wohl aber der Bezirksdirektor Dr. Eucken (2. Vizepräsident ! des Landtags). Dr. Eucken forderte den Bürgermeister bestimmt auf, die Versammlung zü verbieten, was letzterer ablehnte. Daraufhin hat der Bezirksdirektor die Versammlung selbst verboten. Der Bürgermeister machte heute darauf in den hiesigen Zeitungen bekannt, daß auf Verfügung des Bezirksdirektors die öffentliche Politische Versammlung verboten worden sei. — Bisher war cd nur Ausländern verboten, im Großherzogtum zu reden, jetzt wird die Regierungsleine noch straffer gezogen. * Neuwied, 2. Oktober. Die Königin von Rumänien, welche seit einiger Zeit bei ihren hiesigen Verwandten auf Schloß Segenhaus zum Besuch weilte, hat wieder die Heimreise angetreten. Ueber die Gründe der etwas beschleunigten Abreise sind nun allerhand Gerüchte in Umlauf, die sich daraus beziehen, daß seit dem verflossenen Donnerstag das Schloß und seine Umgebung sehr streng bewacht wurden. Während sonst die Königin von ihren großen Hunden begleitet in dem großen Park ohne Schutz spazieren zu gehen Pflegte, waren diesmal an den Wegen, I welche die Königin passierte, in unauffälliger Weise Gendarmen in Civilkleidung postiert, und desgleichen waren die Zugänge zum Schloß Segenhaus besetzt. Die Ursache dieser Maßregeln war die Besorgnis vor einem geplanten Attentat. Es hieß während der letzten Tage, daß der König Karl von Rumänien seine Gemahlin hier abholen wolle. Plötzlich wurde diese Nachricht dementiert, und statt dessen heute morgen erst hier bekannt, daß die Königin abreisen werde. Den sich hieran knüpfenden Gerüchten I liegt nun folgendes zu Grunde: Am Donnerstag traf hier ein rumänischer Radfahrer ein, der sich verschiedentlich nach den Verhältnissen auf Schloß Segenhaus erkundigte. Er I machte gesprächsweise die Bemerkung, ob der König Karl I noch nicht eingetroffen sei. Dadurch wurde man auf ihn I aufmerksam. Der Unbekannte hat wiederholt Einlaß auf Schloß Segenhaus begehrt, wurde aber, nachdem das Aufsichtspersonal gewarnt war, stets abgewiesen. Als Gendarmen in Zivil ihn am Samstag auf seinem Gang verfolgten, verschwand er Plötzlich im Nothausener Parke. Sein Fahrrad hatte er vorher in der Schmitt'schen Wirtschaft abgeholt. Man glaubt Anzeichen dafür zu haben, daß es sich | Um eine rasche Einführung dieser Arbeit zu ermöglichen, «oü den Schülerinnen der Alice-Schule, die den Kursus für Weiß- und Maschinennüherei besuchen, die Unterweisung in Maschinenstickerei frei gegeben werden. Auch eine andere Neuerung wird gewiß den Beifall vieler Mütter finden, nämlich die Aufnahme von schulpflichtigen Mädchen in einen Kursus für Weihnachtsarbeiten. Zu dem schönen Christfeste regen sich alljährlich ja schon die kleinen Hände mit großem Vergnügen. Sehr erwünscht und angenehm wird es darum den Eltern sein, wenn sie die Kinder unter richtiger Anleitung und Aufsicht wissen. Man glaubt mit diesen beiden Einführungen vielfachen Wünschen entgegen zu kommen und erhofft daraus für die Alice-Schule einen recht gedeihlichen Erfolg. ** Lich, 3. Oktober. Der Vorstand des hiesigen OrtS- gewerbevereins hat beschlossen, mit der im nächsten Jahre stattfindenden Generalversammlung eine Ausstellung der gewerblichen Erzeugnisse des Handwerks in der Provinz Oberhessen zu verbinden. -k- Stockheim, 2. Oktober. Innerhalb einer Woche zogen durch unser Thal zwei schwere Gewitter mit sehr starken elektrischen Entladungen. Bei ersterem am vergangenen Freitag schlug der Blitz in das Wohnhaus des benachbarten Leustädter Hofes, aber ohne zu zünden. Ein Forster aus der Umgegend, der vor dem Wetter Schutz im Hausgange suchte, wurde betäubt wegqetraaen, ist später wieder zu sich gekommen. Frankfurt a. M., 3. Oktober. Mit Rücksicht aus die I am 11 Oktober in Gegenwart des Kaisers stattfindende I Emweihungsfeierlichkeit auf der Saalburg hat der geschäftS- I 'Uhrende Ausstellungsvorstand beschlossen, die Eröffnung I der Kochkunstausstellung auf den 12. Oktober zu I verlegen, da sonst die Teilnahme der Protektorin und der I Sitzen der hiesigen Behörden in Frage gestellt gewesen I Ware. Die Ausstellung wird daher nicht vom 11.—21. Ok- I tober, sondern vom 12.—22. Oktober stattfinden. I .Oktober. Durch Einsturz eines I ^ClJcCA a?C dem Bau eines Petroleumtanks der boi" ?n^uM4en Naphtha Jmport-Gesellschaft „Nobels- I hnl ü Oberspree sind gestern nachmittag eine Anzahl I S“ ber Maschinenfabrik „Cyklop" verunglückt. I Uhl ArbeAr davon war sofort tot, fünf sind schwer ver- I Spitzbuben, die den jüngst gemeldeten Ein- I !n ber des Dr. Wrede ausgeführt haben, sind I M entdeckt und festgenommen worden. Es sind der frühere I Hermann Buß und der Pförtner Heinrich Wald- I aw8 der Viktoriastraße. Die Haussuchung förderte bei Buß Nachschlüssel und etwa 1000 Mk. zu Tage- auch seme Frau verdächtigte ihn. a ’ * Heinrich Leckert, der Preßgauner in Altona. Unter se'E« Ultzmarke schreibt der „Alton. Anz." am Eingang I 4 ^t[r folgendes: Vor einigen Jahren erregte nnntiu "^"gemeine Aufmerksamkeit, der foge= dessen Opfer der damalige StaatS- sekretar v. Marschall-Bieberstein war, der sich durch Angriffe gegen seine Person in der „Wett am Montag veranlaßt sah, in die Oeffentlichkeit zu flüchten. ? Rausch-Prozeß spielte neben dem Hauptangeklagten »X m gewisser v. Lützow eine wenig beneidenswerte Rolle. Noch zweifelhafter war aber das Licht, das auf JXa namens Heinrich Leckert fiel, ein un' Äes Bürschchen, das es verstanden hatte, sich an ältere Schriftsteller heranzudrangen, in seiner Frechheit sogar in die Vorzimmer der Ministerien gedrungen war. Berüchtigt wu:de Henrich Leckert durch das erfundene Interview mit -in- ^ürst Hohenlohe in Breslau, dem eine politische Bedeutung sollte beigemessen werden. In Wahrheit hatte man es aber mit der Arbeit einer Klique zu thun, die sich in höheren Kreisen Eingang zu schaffen versuchte Die Strafe blieb für die drei traurigen Helden v. Tausch, v. Lützow und Leckert denn auch nicht aus, am meisten gekennzeichnet wurde aber Heinrich Leckert, der m der gewissenlosesten Weise ein frivoles Spiel getrieben hatte. Und nun ist Heinrich Leckert in Altona, oder vielmehr SäÜF s -betlk "wird inzwischen schon wegen verschiedener Schwindeleien den Staub unserer Stadt von seinen Füßen ri- tcln versucht haben, wenn die Polizei nicht ein entschiedenes Veto eingelegt hat. Leiderstanden wir zu diesem „Herrn" tn Beziehungen, die glücklicherweise leicht gelöst werden konnten: Heinrich Leckert ist identisch mit dem „Redakteur" Heinrich Larsen, der bis zum gestrigen Tage am „Altonaer Anzeiger" thätig war. Ww nehmen nicht Anstand, diese Thatsache der breiten Oeffentlichkeit mitzuteilen, um dem sauberen Gesellen wenigstens in Altona den Boden zu entziehen. Unter dem Namen „Larsen" hat er sich bei uns um eine ausge- I schriebene Redakteurstellung beworben, unter dem Namen „Larsen" haben wir mit ihm korrespondiert und als „Larsen" zeichnete er verantwortlich für Provinzielles und Vermischtes. Für uns waren verschiedene Vorkommnisse, die Larsen vielmehr Leckert in ein eigentümliches Licht setzten, maßgebend, um seiner Thätigkeit am „Altonaer Anzeiger" ein rasches Ende zu bereiten. Ob er Altona baldigst verläßt? Wir hoffen, nein, sondern wünschen, daß die Polizei ihm in I stiller Abgeschlossenheit Gelegenheit giebt, sich inneren Betrachtungen hinzugeben." Sitzgelegenheit in offenen Verkaufsstellen. Der bereits angekündigte Entwurf von Bestimmungen über die Herstellung ausreichender und geeigneter Sitzgelegenheit in offenen Verkaufsstellen ist dem Bundesrat nunmehr zugegangen. Der Gesetzentwurf lautet solgender- 1. In denjenigen Räumen der offenen Verkaufsstellen, wo die Kundschaft bedient wird, sowie in den zu solchen Verkaufsstellen gehörenden Schreibstuben (Kontoren) muß für die daselbst beschäftigten Gehilfen und Lehrlinge eine nach der Zahl dieser Personen ausreichende Sitzgelegenheit porhanden sei. Für die mit der Bedienung der Kundschaft beschäftigten Personen muß die Sitzgelegenheit so eingerichtet sein, daß sie auch während kürzerer Arbeitsunterbrechunaen benutzt werden kann. 2. Die Befugnis der Polizeibehörden bleibt unberührt, im Wege der Verfügung für einzelne offene Verkaufsstellen oder durch allgemeine Anordnungen für die offenen Verkaufsstellen ihres Bezirks zu bestimmen, welchen besonderen Anforderungen die Sitzgelegenheit in Rücksicht auf die Zahl j der Personen, für welche sie bestimmt ist, sowie hinsichtlich ihrer Lage und Beschaffenheit genügen muß. Die Vorlage wird mit Ausführungen begründet, in denen zunächst auf die Feststellungen des kaiserlichen Gesundheitsamtes bei den Erhebungen der Kommission für Arbeiterstatistik hingewiesen wird. Bekanntlich wurden damals die erheblichen Gesundheitsschädigungen nachgewiesen, die bei I dem Verkaufspersonal infolge des ununterbrochenen Stehens bei ihrer Arbeit einzutreten pflegen. Mit Bezug darauf I wird nun ausgeführt: I Diesen Mißständen gegenüber alsbald von Reichswegen I einzuschreiten, hat bereits bei den Vorarbeiten zu der Ge« I werbeordnungs-Novelle vom 30. Juni 1900 in der Absicht I gelegen. Ein unverzügliches Vorgehen auf diesem Gebiete erscheint um so dringlicher, als auch in jüngster Zeit wieder | lebhafte Klagen über die gesundheitsschädlichen Folgen des übermäßig langen Stehens laut geworden sind. Es em- I pfiehlt sich daher, die Frage, ob etwa in nächster Zeit von I Reichswegen noch weitere Schutzvorschriften aus Grund des | § 139 h Absatz 1 der Gewerbeordnung in Aussicht zu I neunen find, vorläufig zurückzustellen und zunächst den I Geschäftsinhabern die Verpflichtung aufzuerlegen, für die I in den offenen Verkaufsstellen und den dazu gehörenden I beschäftigten Gehilfen und Lehrlingen eine I naeg der Zahl dieser Personen ausreichende und nach Lage I nnb Beschaffenheit geeignete Sitzgelegenheit zu beschaffen I unb deren Benutzung in entsprechender Weise zu gestatten. I pierjtt gehört insbesondere auch, daß die Sitzgelegeu- I 9611 Jur das Ladenpersonal so eingerichtet wird, daß sie I oon den Angestellten nicht nur während größerer Pausen, I fonDcrn auch während kürzerer Arbeitsunterbrechungen er- I reicht werden kann. Für die Ausdehnung der Bestimmung | auf die mit den offenen Verkaufsstellen verbundenen Lager- I raume durfte em allgemeines Bedürfnis nicht bestehen. wNrde" ^nM^aen Uevelstänbe zutage treten sotten, I mütbe denselben auf Grund des § 139 g der Gewerbe- I ordnung durch die zuständigen Polizeibehörden abgeholfen I werden können. Dagegen wird in Uebereinstimmung mit I iXTSLfW I s r Lesung der Novelle gefaßten Beschlüsse besonderer Wert daraus -u leaen fein baj ber mit der Anwendung des § 139 h erftrebte Schutz »tcht "Ur dem we.bl.chen, sondern auch dem männlichen Hilfspersonal zuteil wird. I In den besonderen Vorschriften dem Muster der ena- I Uschen und französischen Gesetzgebung zu folgen, ist vor- I läufig vermieden worden. Vor einer ziffernmäßigen Fest- I setzung nach der Zahl Der Personen und Sitzplätze hat man I vielmehr einer allgemeiner gefaßten Bestimmung den Vorzug I gegeben, zumal besondere Erfahrungen, die einen Anhalt | gewähren könnten, nicht vorliegen. Ein Gründungsprozeß. | Der sogenannte „kleine Wendland-Prozeß" ter ber Vorläufer zu dem „großen" demnächst zur I anstehenden Prozeß gegen den Bankier begaun gestern vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I. Auf der Anklagebank hatten Platz zu I nehmen. Der Bankier Paul Wendland, der seit bei- I ^ohe 1 ernhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzt, und der Privatier August So eckniÄ. Sie sind beschuldigt, I tn Zwei Fallen sich gegen das Reichsgesetz vom 18. Juli 1884 I und gegen) § 75 des Börsengesetzes vom 22. Juni 1896 ver- I gangen und sich dadurch gleichzeitig des Betruges schuldig I gewacht zu haben. Sie sollen in öffentlichen Bekannt- I machungen falsche Thatsachen vorgespiegelt haben, um Personen zu einer Beteiligung an einem Aktien-Unter- I nehmen zu bestimmen. Die Anklage vertritt Staats-An- I walt Dr. Noelting, die Verteidigung führen die Rechtsanwälte Leonh. Friedmann, Lewin II. Als Börsensachverständiger wohnt Bankdirektor Weill, als Buchführungs- Sachverständige die gerichtlichen Bücherrevisoren Reuter, Doerck, Bierstedt und Simon der Verhandlung bei. — Der Angeklagte Wendland, seinerzeit Hauptmann der Landwehr, ist kein gelernter Bankier, sondern war ursprünglich Landwirt und in den Jahren 1888—1891 Di- rektor der Hagel-Versicherungs-Gesellschaft „Germania". Als er von diesem Posten zurücktrat, erhielt er eine Ab- slndung von 80 000 Mark ausbezahlt und vielleicht mit aus diesem Grunde fing bald darauf eine Preßfehde gegen ihn an. Er kaufte alsdann die „Allgemeine«rBörsenzeitung für Privatiers und Rentiers" und gründete außerdem die Versicheruvgsbörse". Im Jahre 1893 begründete er im Verein mit anderen Personen den „Deutschen Bankverein, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung", und dieser wurde am 24. August 1893 in das Genossenschafts- register eingetragen. In diese Genossenschaft, deren Vorsteher die beiden Angeklagten wurden, wurden das Bankgeschäft und die Zeitungen der Firma „Allgemeine BZr- senzeitung Wendland" übergeleitet. Als Zweck wurde ixt den Statuten aufgeführt: Die Förderung der Erwerbsund wirtschaftlichen Verhältnisse der Genossenschafts-Mitglieder, daneben war der Betrieb von Bank- und Börsengeschäften vorgesehen. Innerhalb der Genossenschaft sollen nun zwei besondere stille Vereinigungen von Gruppen der Mitglieder — ein Kassa-Konsortium und ein Ultimo-Konsortium — bestanden haben, welche dem Bankverein Gelder zu Spekulationszwecken zur Verfügung stellten, derart, daß der Leitung des Bankvereins die Auswahl der Papiere, in denen spekuliert werden sollte, überlassen war. Diese beiden stillen Gesellschaften machten Börsengeschäfte in großem Umfange; beim Ultimo-Konsortium soll derselbe in einem Jahre über vier Millionen Mark betragen haben. Angeblich soll die Abmachung bei diesen Spekulations- Gesckstiften dahin gegangen sein, daß, wenn ein Gewinn v ^datt Hilfsbedürftigen handelte. So ber Sach. ‘CÄbe," G-rüchte sind unbegrünbet. Sännet beibe nu«'^ .06“' Sn,ei hoffnungsvolle junge Tob Plötzlich abberusen wöL. D . pK^e r "Kivat- eX t^itoenQMha" ber Rostocker UnivessitZt wukb von S aussichtsreichen Laufbahn Bon ber Link würbe am Sonntag Verletzungen, baß et alsbalb "tarb"" CtIltt fo ^n’ete w-‘ äs?:WwÄÄi,Äls w D-r lUNge Rechtsprvfeffor Dr. Herzen hatte am^ kttaa nadi Äodueif Cbnfetr^9en ^,,in flEfci‘rt «m Morgen »nf befahl Frau Herzen dem Dienstmabchen, auf ben Markt zu gehen; bann begab sie sich ins Bab DRllCJ?C,.m®aSo,en ücheizt wirb. Als sie längere efeit lle^ g-ng Professor Herzen nachsehen und fanb ° bewußtlos neben ber Sabetoanne. WShtenb er Bet. in^ Schallbringen, fiel bie Thüre wieder erariffet1 nnh3 tourbe VDn einem Schwindel ünb bewußtlos neben feiner Frau nieder; Als dasbcm Ofen hatten Beide betäubt, rebti? nnh® hn« 10 Uhr vom Markte heim- kehrte und das Frühstuck unberührt fand, suchte sie ihre VU'nUanb ^Ueßlich die beiden Körper im Badezimmer. Die Frau konnte nicht wieder ins Leben zurück- Ö" t??rbe(J; Professor Herzen ist noch nicht außer 1)16 Nachricht vom Tode seiner jungen Gattin durfte ihm noch nicht mitgeteilt werden. erzielt wurde, Her Bankverein eine,Provision erhalten sollte/ wenn sich ein Verlust ergab, dieser dem Konsortium zur Last fiel. Am 31. Dezember 1894 ging das erste Geschäftsjahr zu Ende, und der Ueberschnß desselben wurde auf 7 pEt., der Ueberschnß des Jahres 1895 gar auf 38 pCt. berechnet. Die Anklagebehörde behauptet, daß diese Berechnungen durchaus nicht den Thatsachen entsprecheii und nur auf künstliche Weise und unter Hintansetzung der Grundsätze einer soliden Buchführung zu stände gekommen seien und den wahren Stand der Genossenschaft in unzulässiger Weise verschleiert haben. Ansangs 1896 tourbe die Umgründung der Genossenschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien geplant und nachdem in ber „Allgemeinen Börsenzeitung" eine Reihe von Artikeln die Thätigkeit und die Erfolge der Genossenschaft in allen Tonarten gepriesen hatten, auch verwirklicht. Im Mai 1899 ist über die Kommanditgesellschaft der Konkurs eröffnet und im Juni wegen mangelnder Masse geschlossen worden. Im Vertrauen auf die Angaben des Prospektes haben sich etwa 80 Personen zur A k t i e n z e i ch n u n g i m G e s a m t - betrage von etwa 237000 Mark bereit finden lassen. Sie haben ihr gesamtes gezeichnetes und ein gezahltes Kapital verloren. Einige Aktionäre haben in den Jahren 1897 und 1898 unter der Behauptung, durch betrügerische Angaben zur Aktien-- zeichiiung verleitet zu sein, den Aktienzeichnungsvertrag angefochten und auf Rückzahlung der Beträge geklagt. Sie haben in erster Instanz ein obsiegendes Urteil er dritten. Als auf den Prospekt ein Erfolg nicht mehr erreicht wurde und weitere Aktienzeichnungen ausblieben, erschien in der ^Allgemeinen Börsenzeitung" Ende Juni 1896 ein neuer Giessen, Kirchenplatz 11. — Am Sonntag, 7. Oktober, nachmittags 2 Uhr, findet auf dem Mtaracker zu Frankfurt das erste Spielfest des Mittelrheinischen Turnspielverbandes statt. Es finden Wettspiele im Barlaufen, Schlagball, Fußball, Fußball ohne Aufnahmen, Schleuderball, Stoßball und Tamburinball statt. Außerdem Wettlaufeu über 100 und 200 Meter, Diskuswerfen mit dem 4 Pfd. schweren Diskus, Stafettenlauf über 400 Meter (vier Mann) und Tauziehen (sechs Mann) statt. schätzte, daß der Prozeß vielleicht in drei Tagen Iwird zu Ende geführt werden können. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Böiee vom 3. Oktober. Wechsel äuf New-York zu 0.00-00. PrftmipH auf Kredit per ult Okt, 2.10%, do. per ult. Novbr. 3.10%, Diekonto-Kommandit per ult, Okt. 2.00%, do. per ult. Novbr. 3.10%, Lombarden per ult Okt. 0.75%, do. per ult Novbr. 1.00%. Deutsche Bank 0.00%, otierniagen : Kreditaktien 202.80-00-00, Diakon ro- Kommandit®170.50-.170.20-00 Staatabahn 140.00-00.00, Lombarden 00-24.90, Italiener 93 50, Spanier 00.00-00, 3ptoz, Mexikaner 25.30, Bochumer 173,00-00-000 bz., Laura 194 90-000.00 bz., Harpener 180.00-180.50 bz., Gelsenkirchen 191.60-20-60 bz., Privat-Diskont 0% 1% bis 2% Uhr 1 Kreditaktion 000.00-000.00-00 bz., Ois- korjto-Kommandit 170.80-000-00000 bz. G., Staat* bahn 000.00 bz. Lombarden 24.90-00.C0 b., Laura 000-00, Berliner Handelsgesellschaft 000.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz , 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz., Bochumer 000.00 bz , Deutsche Bank 182.70-3.50 bz., Harpener 175 80 bz. Landwirtschaft. Darmstadt, 1. Oktober. Der Sitz und Bureau des Hessischen Landwirtschaftsrates wurde heute von Offenbach nach Darmstadt, Bismarckstrahe 78 I, verlegt. Alle den Landwirtschaftsrat betreffenden Zuschriften und Anfragen sind von jetzt ab dorthin zu richten. — Mit dem heutigen Tage wurde der Sitz und das Bureau des Verbandes der Hessischen Landwirtschaftlichen Genossenschaften und seiner milchwirtschaftlichen Versuchsstation nach Darmstadt, Saalbaustr. 78, verlegt. Schul-Anzüge in grosser Auswahl! Universität und Hochschule. — Hermann Grimm in Berlin erklärt in einer Zuschrift an die „Nationalztg.", er beabsichtige nicht, seine Lehrthätigkeid ganz aufzugeben, sondern hoffe, nach Wiederherstellung seiner Gesundheit seine Vorlesungen wieder aufzunehmen. — An Stelle des in den Ruhestand getretenen Geh.-Rath W. Harleß wurde der Archlvrat Dr. Theodor Ilgen zum Archivdirektor in Düsseldorf ernannt. — Der „Voss. Ztg." zufolge ist der Archivhilssarbeiter Dr. phil. Friedrich Lau von Berlin an das Staatsarchiv in Stettin und der Archivhilfsarbeiter Dr. phil. Rudolf Martiny von Königsberg an das Staatsarchiv in Koblenz versetzt worden. — Der Direktor der Psychiatrischen Klinik in Greifswald, Prof. Dr. Rudolf Arndt, ist im Alter von 65 Jahren gestorben. Prospekt, worin abermals unrichtige Angaben über den Ueberschuß des Jahres 1895, die Höhe der Beteiligung der persönlich hastenden Gesellschafter, deren „bare" Einlagen und über die in Aussicht genommene Beantragung zur Zulassung der Aktien an der Börse enthalten gewesen sein sollen. Angekl. W e n d l a n d bestritt bei seiner gestrigen umfangreichen verantwortlichen Vernehmung jegliche Schuld und behauptete, daß die von ihm vorgenommenen Transaktionen in keiner Weise gegen das Strafgesetzbuch verstießen, er vielmehr zu den Angaben des Prospekts berechtigt gewesen sei. Die Buchungen seien nach, seiner Ueberzeugung vollständig ordnungsgemäß vor sich gegangen. Die Bilanzen seien seinerzeit von dem gerichtlichen Bücherrevisor als richtig beglaubigt worden. Die Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft sei nicht bloß auf ihn zurückzusühren, sondern durch den Aufsichtsrat ausdrücklich gebilligt worden. Er bestreitet auch, daß die Versendung des Prospekts in geschlossenem Couvert an eine beschränkte Anzahl von Personen als eine „öffentliche Bekanntmachung" im Sinne des Art. 249 D Les Reichsgesetzes vom 18. Juli 1885 zu betrachten sei. Der Angekl. S o e ck n i ck lehnte sowohl für den Inhalt des ersten Prospekts, als auch für die spätere .Veröffentlichung in der „Allg. Börsenzeitung" jede Verantwortung ab. Wendland habe seinen Namen selbständig unter den gedruckten Prospekt gesetzt, den er allein redigiert habe. Er habe lediglich die Geschäste an der Börse wahrgenommen und sich um die Buchführung nicht gekümmert. Die Bilanzen habe er in gutem Glauben unterzeichnet und vuch geglaubt, daß die Angaben des Prospekts durchaus der, Wahrheit entsprächen. Er habe sich auch, thatsächlich mit 30 000 Mk. an der Kommanditgesellschaft beteiligt. Bei der Beweisaufnahme wird es wesentlich auf die Gutachten der Sachverständigen ankommen, in welchen zahlreiche Buchführungs- und börsentechnische Fragen berührt werden müssen. Landgerichtsdirektor Müller Märkte. Limburg a. d. Lahn, 3. Oktober. Fruchtmarkt. Durch, schnittspreis pro Malter. Roter Weizen, alter, 00.00 Mk., neuer 13.08 Mk, Weißer Weizen —Mk., Korn 00.00 Mk., neues Korn 11.10 Mk., Gerste 8.50 Mk., Hafer, alter, 8.00 Mk., neuer 6.00 Mk, Erbsen Mk., Kartoffeln Ml. Markus Bauer. .Stoffe, Sammle,VelvetSsfita B Blusen, Bcsatzliefernwirdlrektar»Private. Alan verl. Muster unserer großen Auswahl. & Keussen, Handlung1 Krefeld. ■■■ Für alle Futtermittel, Malz, Brotschrot u. a. «shhä Neue Excelsior-Schrotmühlen K—-t vervollkommneten Mahlscheiben. Deutsches Reichs-Patent. Vorzüge : Vollkommen gleichmässige Schrotung. Grosse Feinheit des Schrotes bei nur einmaligem Durchgänge durch die Mühle. Wolliges, mehlreiches Schrot. Weitgehende Zerkleinerung der Hülsen. 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Um vielen Wünschen entgegen zu kommen, soll ein Unterricht für schulpflichtige Mädchen, auch kleinere Kinder, eingerichtet werden, in welchem dieselben ihre Weihnachtsarbeiten machen können, und dürften wir um baldige Anmeldungen bitten, da die Stunden doch nach der Schulzeit ein« gerichtet werden müssen. Nähere Auskunft morgens von 10 bis 12 Uhr im Schullokale, em L, Möser, Höerlehreriu. Nähmaschinen öxM Iaörikate von Junker & Ruh, Karlsruhe, Kusch, Kaalfeld, u. a. m. PräMonsjl'stierung. — Leichter Lauf. Elegante Ausführung. — Langjährige Garantie. jv®L Carl Graf, Kirchenplatz 11, Ladeneingang Schloßgasse. Ersatzteile. Repacnlure«. ß Die bekannte lotttrk-XoIWnr hick. BuchacHtr 11 Menenväne 11 Giessen 11 WeuerröLue 11 empfiehlt (oft der 2. KlO. Hess. MtgOlkm V,o 8.30, 1/5 ** 6.60, '/- -* 16.50, >/i 83 — pro Klaffe. Haupttreffer eveut. Mk. 700000, Mk. 600000, Mk. 500000 u. f. P ” jufommen 4 M.IÜm'en 446000 Mark. 6966 Ziehung der 1. Klaffe schon am 8. Oktober 1900. 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