M. 207 Zweites Blatt. Mittwoch den 5 September 150. Jahrgang wog Gießener Anzeiger ■ u aaHMtw< bei General-Anzeiger TNr Lnzngen'BerintttlungSstell« bei In- und Buffleataft nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entygee. Zeilk7U>reiS: Total 12 Pfg., auStoärte 20 Pfß. ZZezugspreiL dierteljährl. Mk. ®ZU monatlich 75 Psß. mit Bringerloha; durch die AbholesteSe» Vierteljährl. Mk. lM monallich 65 Pitz. Bei Postbezug Mk. 2,40 viert-ljähsL mit Bestellgeld. L»»ah«e wve Anzeigen zu der Mdptittagl für b* s<$lge*i.ta Lng »icheinenden Numrn« bei wnn. 1® AK^LMvngen ipttesten» **M Mrbtr. ftw ß^ltzener ^eeUlewffittet untoi Xtx XvjNger * «st ^Heff. n. ^Blärter H. ♦**( »et-elegt. Zlintr- und Anzrigeblatt für den Uvers Gieren. mmwOTWuii ■■■ ***•*■*, TypedNtnu und Druse?«: Nr. 7. ■ i |i »W> ■ iriwi—wm nu ii n ui .Wil ------- GralisbeiiaKm: Gießener Famitienblätter, Der hesßfche Lundwirl, MMrr fnr hestische NslKtzKunde.________________ —W—wwinri’owniin—wmmi 11in Adresse für Depeschen: Anzeiger Ole-S«. Fernsprecher Nr. 5L g"BL______ . Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Straßcncnbeiten wird die Bismarckstraße zwischen Südanlage und Stephanstraße für den Fuhrwerksverkehr auf einige Tage gesperrt. Gießen, den 4. September 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Die Wirren in China. Die zwischen deuMächten stattfindenden Besprechungen, betr. den Vorschlag Rußlands, nehmen ihren Fortgang und dürften sich, wie die „Post" meldet, in der Richtung bewegen, wonach die Frage einer zeitweiligen Verlegung der Gesandtschaften vonPeking nach Tientsin kaum auf Schwierigkeiten stößt, während betreffs der Frage der Zurückziehung der Truppen aus Peking zwar eine genauere Prüfung der Zweckmäßigkeit einer solchen Maßnahme vom militärischen Standpunkte aus erfolgen soll. — Das „Berl. Tagebl." glaubt zu wisien, daß Graf Bülow vor seiner Abreise nach Norderney den russischen Botschafter in Berlin mündlich über den Standpunkt Deutschlands zu dem russischen Vorschlag betr. die Räumung Pekings, unterrichtet hat, sodaß man in Petersburg darüber genau orientiert ist. Der „Köln. Ztg." wird aus Berlin gemeldet: Sämtliche Mächte beauftragten ihre Gesandten, sich darüber zu äußern, ob ein folgenschwerer Schritt, wie die Räumung Pekings, ratsam sei oder nicht. Ihre vor allem in Betracht kommende Meinung solle abgewartet werden, bevor weitere Entscheidungen fallen, lieber die veränderte Haltung Rußlands sagt das Blatt, Rußland, das demnächst über 187 000 Mann in Ostasien verfügt, wolle vielleicht sein Pulver für etwaige Möglichkeiten in Korea trocken halten, vorläufig aber China zur Dankbarkeit verpflichten, in der Hoffnung, mit dem dankbaren China in der alten Form besser auszukommen, als mit einem neuen aus dem Chaos herausgewachsenen China, das Rußland vielleicht mit Mißtrauen begegne. Aus Paris lieg! folgende Depesche vor: Falls eine Einigkeit der Mächte bezüglich der Räumung Pekings nicht erzielt wird, wird Frankreich offenbar Rußlands vereinzeltem Beispiele nicht folgen. Der ehemalige Sekretär des Vizekönigs von Petschili erklärte, daß die amerikanische Regierung keinerlei Vertrauen in Lihungtschang setzen könne. Letzterer verfolge nur den Zweck, das Einvernehmen der europäischen Mächte zu stören und die Ausländer irre zu führen. Die oberen chinesische Behörden erklären, das größte Hindernis für die Regelung der Chinafrage bestehe in der Besetzung Pekings durch die europäischen Truppen. Erst nach der Zurückziehung der letzteren lasse sich eine Einigung in dieser Beziehung erzielen. Lihungtschang hat ausdrücklich verlangt, daß man ihm als Beiräte zwei andere chinesische Vizekönige gebe, und zwar von den an das Meer anstoßenden Provinzen, und zwei Mitglieder des Auswärtigen Amtes von China. — Wie aus London telegraphiert wird, erhielt Lihungtschang nach einer Depesche der „Times" aus Shangai am Freitag ein Telegramm vom chinesischen Gesandten in Berlin, in dem es heißt, Deutschland sei bereit, mit Rußland gemeinschaftlich zu handeln betreffs Beilegung der chinesischen Frage. Nachdem Rußland erklärt habe, seine Truppen aus Peking zurückzuziehen, werde Deuschland wahrscheinlich dasselbe thun. Die leitenden Londoner Blätter sprechen sich energisch gegen die Zurückziehung der englischen Truppen aus Peking aus. „Daily Telegraph" sagt, die Ereignisse hätten dahin zusammengewirkt, die Wage der diplomatischen Gewalt in die Hände Salisburys zu legen, und seine Haltung könne so entscheidend werden für das, was auf die Einnahme Pekings folgen werde, wie sie es gewesen sei, um Japan aus die Bühne zu bringen und die Errettung der Gesandtschaften sicher zu stellen. Kurz gesagt, Deutschland sei in der schlimmen Lage einer diplomatischen Vereinzelung, oder doch dieser Gefahr sehr nahe, es hänge von Salisbury ab, ein Üebergewicht in die Wagschule zu werfen, die schon nahe daran fei, das Üebergewicht zu haben, oder die Wage dadurch in Gleichgewicht zu bringen, daß er Deutschland in der Politik eines Kompromisses unterstütze, die dieses beinahe sicher Vorschlägen werde. Ein Hongkonger Telegramm besagt, der Kommandant eines französischen Kanonenbootes habe ohne jede Provokation aus die Farmer am Hantiang geschossen und dabei drei derselben getötet und drei verwundet. — Der „Standard" meldet aus Tientsin, die Kaiserin habe sich unter den Schutz des Gouverneurs von Sch ansi gestellt. Sie soll 51 Missionare haben ermorden lassen, die im Rainen zu Tayuensu Zuflucht nahmen. Die englischen Truppen in Peking kampieren im kaiserlichen Wagenpark, in dem sie Oie Staatswagen und Sensten beschlagnahmten. General G a s e l e e nahm das Verbot des Plünderns zurück, gleichwie die anderen Generale, bestand aber auf der Methodismen Ausführung derselben und Verwendung der Beute zu gemeinsamen Zwecken. Aus Shanghai ist in London die Meldung ein- getrossen, daß der Sohn des Prinzen Tuan, Put- sing, den die Kaiserin letzten Januar zum Thronerben proklamierte, zum Kaiser unter russischer Protektion erklärt werden soll. Gin Telegramm vom österreichischen Kriegsfchiss „Maria Theresia" meldet: Ter kaiserliche Palast ist von Truppen aller Nationalitäten, darunter vom österreichisch-ungarischen Detachement, besetzt worden. Die kaiserliche und königliche (österreichische) KTiegsflagge wurde gehißt. Am 28. August fand der Durchzug aller Truppen durch den Palast statt. Das Detachement ist im Palast des M i l i t ä r g o u v e r n e u r s Chung li einquartiert, weil er als Rebell auf Veranlassung des Gesandtschaftsattaches verhaftet und an Japan ausge- liefert wurde. In Peking und Uingegend sind keine chinesischen Soldaten und Boxer mehr. Tas französische Kanonenboot „Su r p r i s e" ist am 3. d. M. in Shanghai eingetroffen und fuhr sofort nach Nanking ab, um die französischen Interessen dort wahrzunehmen. Es sind zwei weitere im Y a n g t s e ein- getrofsen. Talziels Bureau meldet aus Shanghai, daß auch Vorbereitungen zur Entsendung einer deutschen Abteilung nachdem Yangtse gemacht würden, sie werde wahrscheinlich in Han kau landen .In Hankau besteht eine deutsche Niederlassung. Wie aus Shanghai berichtet wird, sollen dort in Hankau gegen Ruhestörungen alle Vorkehrungen getroffen worden sein. Tie .Kriegsmacht im Hafen von Shanghai betrage 27 Schiffe mit 7340 Mannschaften und 302 Geschützen. Teutschland habe dort drei Kriegsschiffe mit 1041 Mann und 43 Geschützen. Tas größte Schiff im Hafen sei der deutsche Kreuzer Fürst Bismarck. S. M. S. See-Adler, Kommandant Schack, ist am 3. September in Hankau eingetroffen. S. M. S. Schwalbe, Kommandant Korvettenkapitän Börner, ist am 3. September in Hongkong eingetrosfen und beabsichtigt, am 5. September nach Amoy in See zu gehen. Auf Wunsch des Konsularkorps in Shanghai wird die Batavia nach Wusung fahren und dort mehrere hundert Mann deutsche Truppen landen, welche die Engländer und Franzosen in der Aufrechterhaltung der Ordnung unterstützen werden. Ter „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge hat nach telegraphischen Meldungen aus Peking der spanische Geschäftsträger als Toyen des dortigen diplomatischen Korps in seiner bei der B eis e tzu n g s f ei e r für Freiherrn von Kettel er gehaltenen Ansprache den Legationssekretär v. Bredow gebeten, dem Kaiser das Beileid des gesamten diplomatischen Korps zu der Ermordung des Gesandten v. Ketteler zu übermitteln. In Kiautschou sind zwei französische Priester aus dem tiefen Innern eingetroffen. Sie wurden auf dem ganzen Wege von chinesischen Soldaten, die der Gouverneur von Schantung, Yuanschikai, gestellt hatte, geleitet. Tie Priester behaupten, Yuanschikai habe jenseits Kiautschou 20 000 Mann stehen, die augenscheinlich dort aufgestellt seien, um sich einem etwaigen Versuche Deutschlands, sein Gebiet zu erweitern, zu widersetzen. Der New-York Herald will wissen, Lihungtschang habe in Shanghai am Samstag die Nachricht erhalten, daß die Chinesen den verbündeten Truppen bei Kangtschung große Verluste beigebracht hätten. Auch die Verluste der Chinesen seien schwer gewesen. Wenn überhaupt an dieser Mitteilung etwas Wahres ist, so haben wir den Schauplatz dieses Gefechtes vermutlich im Süden von Peking zu suchen, da die Verbündeten nach dieser Richtung einen Vorstoß gemacht haben sollen. Dort liegt ein Ort ähnlichen Namens etwa 15 .Kilometer südsüdwestlich von Peking zum Südwestrande des kaiserlichen Jagdparks Haitse, den die Richthofensche Karte als Hwangtsun verzeichnet. In dieser Gegend operierten nach den letzten Meldungen die verbündeten Truppen und hier sollte auch eine größere chinesische Truppenmacht stehen. Eine zweite deutsche Feldpost nach China geht um 2 Uhr bewegte sich gestern mittag der aus der Schuljugend und den Vereinen der Stadt gebildete stattliche Festzug unter Vorantritt des Musikvereins vom neuen Schulhause aus durch die beflaggten Hauptstraßen der Stadt nach dem Festplatze an der Gießener Straße. Hier hielt Rektor Dr. Busch nach dem gemeinschaftlichen Gesang des Liedes „Deutschland, Deutschland über Alles" die von patriotischem Geist getragene Festrede. Die eindrucksvolle Rede schloß mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf unseren all- verehrten Kaiser, worauf dann unter Musikbegleitung „Heil dir im Siegerkranz" gesungen wurde. Auf dem schattigen Festplatze entwickelte sich bald reges, munteres Treiben. Die Jugend, welche sich durch gemeinschaftliche Spiele ergötzte, wurde später mit Bretzeln beschenkt, während die Alten den trefflichen Vorträgen des Musik- und Gesangvereins lauschten. Gegen 6 Uhr ordnete sich der Zug wieder zum Rückmarsch nach der Stadt. Auf dem Marktplatze gedachte Lehrer Laub er noch in patriotischer Ansprache unseres geliebten Landesfürsten, der sich als treuer Bundesgenosse des Kaisers erwiesen und dessen Sinnen und Trachten stets darauf gerichtet sei, das Wohl seiner Unterthanen zu fördern. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Großherzog Ernst Ludwig und dem Gesang von „Heil unserm Fürsten, Heil" war die in jeder Hinsicht schön und würdig verlaufene Feier beendigt. ! Laubach, 2. September. Die für heute in unserer Stadt geplante Sedanseier fiel wegen des Ablebens des Grafen Friedrich aus. Lehrerheim Vogelsberg, 3. September. Die diesjährige Hauptversammlung findet Samstag den 6. Oktober zu Frankfurt statt. Lokal und Tagesstunden werden noch bekannt gegeben. Vorläufige Festsetzung der Tagesordnung: 1. Jahresbericht, 2. Rechnungsablage, 3. Beratung über Ausgabe von Anteilscheinen für das Lehrerheim, 4. Beratung über einen dem Bürgerlichen Gesetzbuch angepaßten Satzungsentwurf, 5. Beschlußfassung über Anträge, 6. Verschiedenes, 7. Borstandswahl. Darmstadt, 3. September. Der Großherzog reist heute mittag zur Jagd nach dem Viernheimer Walde und wird von da morgen abend hierher zurückkehren. Am Mittwoch wird sich der Großherzog zur Beisetzungsfeier nach Laubach begeben. In den Tagen um den 14, September wird der Großherzog aus Anlaß der Manöver in Limburg Wohnung nehmen. — Das 2. Batailon des 6. und die 9. Kompagnie des 4. ostasiatischen Infanterie-Regiments trafen 1% Uljr vom UebungSplatze in Griesheim hier ein und traten die Abreise nach Bremerhaven um 3 Uhr mit Extrazug an. Vor der Abreise brachte der Bataillonskommandeur Major Lidl auf den Großherzog, der erste Vorsitzende der Kampsgenossenschaft Darmstadt auf die abreisenden Kameraden ein Hoch aus. DaS Osfizier- korps der Garnison war beim Abschied anwesend. Vor dem Bahnhof konzertierten die Kapellen des 117 und 118. Jn- fanterie-RegimentS und die Kapellen der beiden hessischen Dragoner-Regimenter. Die Abfahrt erfolgte unter brausenden Hochrufen und Tücherschwenken einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge. Darmstadt, 3. September. Die Großherzogin, die zurzeit noch bei ihrer Mutter auf Jagdschloß Oberhof bei Koburg weilt, wird am Freitag wieder von da zurückkehren und der gemeinsame Hofhalt alsdann wieder nach Jagdschloß WolfSgarten verlegt werden. Mainz, 2. September. Für den sozialdemokratischen Parteitag, der vom 16. bis 18. September hier tagt, werden jetzt schon große Vorbereitungen seitens der hiesigen Genossen getroffen. Die Festreden an dem Empfangsabend werden von Bebel und dem hessischen Landtagsabgeordneten Dr. David gehalten werden. Der Komponist Wendelin Weisheimer, ein Freund und großer Anhänger von Richard Wagner, hat für den Parteitag eine Neukomposition zu dem Herwegh'schen Liede „Bet und arbeite" vom Stapel gelassen, dessen Chöre die hiesigen Genossen schon seit Wochen einstudieren. — Nach einem Beschluß des in Gera abgehaltenen Verbandstags des Zentralverbandes deutscher Uhrmacher wird der im Jahre 1903 abzuhaltende 10. Verbandstag, durch Einladung des Uhrmachers A. Ott aus Mainz, in Mainz abgehalten werden. Der in Gera abgehaltene Verbandstag hat u. a. beschloffen, an den Reichstag eine Eingabe zu richten mit dem Ersuchen, die Gewerbeordnung in der Weise umzuändern, daß auch das Verauktionieren und Hausieren mit Wanduhren in derselben Weise verboten sein soll, wie es schon mit den Taschenuhren der Fall ist. Mainz, 3. September. Gestern abend sprang von der Rheinallee aus ein italienischer Arbeiter in den Floßhafen. Eine Stunde später wurde die Leiche des Lebensmüden geländet. Andere Italiener erklärten, daß ihr Kollege sich wegen Obdachlosigkeit ertränkt habe. — In der Samstagnacht hat der Taglöhner Josef Rauch in der Rentengasse einem hiesigen Fuhrmann drei Messerstiche in den Kopf versetzt. Der Verletzte kam ins Rochushospital und der Thäter in Hast. — Ein 82jähriger Landwirt aus Effenheim, der gestern hier auf Besuch weilte, wurde Plötzlich in einer hiesigen Wirtschaft irrsinnig. Der alte Mann wurde von seinem Sohne ins Vincenz-Hospital verbracht. ** Kleine Mitteilungen aus Hesse» uud den Nachbarstaaten. Dem Postmeister Schröder von Herborn, der am 1. Oktober nach 50jähriger Dienstzeit in den Ruhestand treten will, ist der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. — In verflossener Woche hat ein ungnädiges Geschick über den Bergleuten deS Oberschelder Bezirks gewaltet. Auf der Grube „Neue Lust" zerschlug ein niedergehendes Gesteinstück einem Bergmann aus Eiershausen das Rückgrat und auf der Grube „Prinzkessel" zerschmetterte ein herabfallender Stein einem Bergmann aus Eisen- ro th den Kopf, sodaß der Tod sofort eintrat. Ein anderer Bergmann aus Frohnhausen wurde gleichzeitig schwer verletzt. — Auch der Fürst v. Reuß j. L. ist aus Schleiz auf Schloß Braunfels eingetroffen. ----1 ■ ■ ■ " IIII..I z Vermischtes. *ZweiFällevon So ldatentötungendurch Vorgesetzte werden heute gemeldet. In Koblenz erstach ein Unteroffizier des Telegraphen - Bataillons einen Gemeinen mit einem Brodmesser. Ter Mann starb bald daraus. — Der Triester „Piccolo" meldet aus Ratet am Karst bei Adelsberg: Als aus dem Rückmarsch von der Uebung ein Soldat nach von einem Leutnant eingeholter Erlaubnis Wasser trinken wollte, erhielt er von einem Hauptmann einen Säbelhieb, auf den Kopf. Der Soldat starb bald darauf; er hinterläßt eine Witwe und drei Kinder. Der Hauptmann flüchtete, wurde jedoch in Laibach verhaftet. * Der Gymnasiaste n mord in Könitz in Westpreußen, der nun schon fast volle sechs Monate die Oefsent- lichkeit in Aufregung hält, wird am 8. September, in Form einer Anklage wegen Begünstigung, die Ferienstrafkammer des Konitzer Landgerichts beschäftigen. Der Botenmeister des Landgerichts, Fiedler, hatte der Behörde mitgeteilt: er habe am Eharfreitag vormittags gegen 10 Uhr den früheren Abdecker I s r a e l s k i mit einem Sack auf dem Rücken beim Landgericht Vorbeigehen sehen. Jsraelski, der in dem Sack einen runden Gegenstand trug, sei die Schützenstraße entlang, in die Gegend des Stadtwaldes gegangen. Rach etwa einer Stunde sei Jsraelski mit leerem Sack und schmutzigen Stiefeln zurückgekehrt, während er auf dem Hinwege saubere Stiefel hatte. Eine sofort bei Jsraelski vorgenommene Haussuchung hatte keinerlei Ergebnis. Jsraelski soll sich aber in Widersprüche verwickelt haben, auch soll seine Frau wesentlich andere Aussagen wie er gemacht haben. Jsraelski wurde deshalb unter dem Verdacht, den Kops des ermordeten Winter an die erwähnte Fundstelle geschasst, mithin den oder die Thäter nach der That begünstigt zu haben, um sie der Bestrafung zu entziehen, verhaftet. Jsraelski bestreitet entschieden, mit dem Morde in irgend welcher Beziehung zu stehen und ebenso, am Eharfreitag .'mit einem Sack auf dem Rücken die Schützenstraße entlang nach dem Stadtwalde zu gegangen zu sein. Allein Fiedler hält seine Wahrnehmung mit voller Bestimmtheit aufrecht. Da dem Vernehmen nach die Fiedlersche Aussage von mehreren anderen Zeugen unterstützt wird, so wurde der von dem Verteidiger Js- raelskis gestellte Haftentlassungsantrag abgelehnt und die Anklage gegen ihn auf Grund des § 257 des Strafgesetzbuchs erhoben. Dieser Paragraph lautet: „Wer nach Begehung eines Verbrechens oder Vergehens dem Thäter oder Teilnehmer wissentlich Beistand leistet, um ihn der Bestrafung zu entziehen oder um ihm die Vorteile des Verbrechens oder Vergehens zu sichern, ist wegen Begünstigung mit Geldstrafe bis zu 600 Mark oder mit Gefängnis bis zu einem Jahre und, wenn er diesen Beistand seines Vorteils wegen leistet, mit Gefängnis zu bestrafen. Die Strafe darf jedoch, per Art oder dem Maße nach, keine schwerere sein, als die auf die Handlung selbst angedrohte. Die Begünstigung ist straflos, wenn sie dem Thäter oder Teilnehmer von einem Angehörigen gewährt worden ist, um ihn der Bestrafung zu entziehen. 'Die Begünstigung ist als Beihilfe zu bestrafen, wenn sie vor Begehung der That zugesagt worden ist. Diese Bestimmung findet auch auf Angehörige Anwendung". Jsraelski,ist 1848 zu Lichnau bei Könitz geboren, jüdischer Religion und wegen Diebstahls, Unterschlagung und Bedrohung bestraft. Er ist verheiratet und Vater von sechs, zum Teil schon erwachsenen Kindern. Er soll früher auf einem Dorfe bei Könitz eine Schankwirtschaft betrieben haben. In dieser soll Fiedler, als er noch Exekutor war, viel verkehrt haben, so daß ihm, wie er behauptet, Jsraelski genau bekannt sei. Jsraelski ist ein durch hen Trunk vollständig heruntergekommener Mann. Er mußte deshalb seine Gastwirtschaft aufgeben. Später wurde er Abdecker. Allein der Schnapsgenuß zwang ihn schließlich, auch diese Thätigkeit einzustellen, so daß er von öffentlicher Unterstützung und von dem geringen Verdienst lebte, den seine sehr fleißige und ordentliche Frau und seine sich ebenfalls des besten Rufes erfreuenden Kinder erwarben. Jsraelski stand, ehe er verhaftet wurde, in Könitz auf der öffentlichen Säuferliste. Er behauptet: er habe niemals Stiefel, sondern nur immer aus Bändern hergestellte Schuhe getragen. Da er sehr schlecht zu Fuß sei, könne er gar nicht den weiten Weg binnen einer Stunde zurückgelegt haben. Es sind bisher von der Staatsanwaltschaft 19, von der Verteidigung 10 Zeugen geladen. Die Anklage wird der Erste Staatsanwalt Dr. Settegast vertreten. Die Verteidigung haben Justizrat Dr. v. Gordon (Berlin) und Rechtsanwalt Maschke (Könitz) übernommen. * Glasgow, 3. September. Am letzten Samstag fand man in einem Hause, dicht an der pest verseuchten Straße, dessen Bewohner seit Montag nicht gesehen wurden, nach Erbrechung der Hausthür ein junges Mädchen tot und die Mutter im Fieberdelirium. Letztere erklärte, ihre Tochter, die der Leichenwache bei der an der Pest gestorbenen Frau eines Quai-Arbeiters beigewohnt hatte, sei bereits am Donnerstag gestorben, sie selbst sei zu krank gewesen, um Hilfe herbeizurufen. Die Leiche ist bereits so verwest, daß die Feststellung der Todesursache bisher unmöglich war. Mehrere Personen wurden deshalb unter Beobachtung gestellt, im ganzen 93. * Wien, 3. September. Der Dragoner-Oberleutnant Millanich ist bei dem Offiziersrennen zu Stettel- dorf so unglücklich gestürzt, daß er seinen Verletzungen erlag. * Ein neuer Konitzer Mord. In Könitz in Mähren (nicht an Westpreußen) wurde vor einigen Tagen die frühere Pfarrers köchin verhaftet, weil sie ihr uneheliches Kind ermordet hatte, dessen Vater, der Pfarrer, vor kurzem gestorben ist. Der „Naprzod" bringt über diesen Fall folgenden Bericht: Dem Gendarmeriepostenführer Helman in Könitz kamen Gerüchte zu Ohren, daß (der unlängst verstorbene) Pfarrer Navra til zwei Kinder, die seinem Verhältnis mit seiner Köchin Hrabal entsprossen waren, umgebracbt und im Garten vergraben habe. Der Gendarm stellte genaue Nachforschungen an und erfuhr von den Leuten in der Nähe der Pfarre, daß der Pfarrer thatsächlich zMi Kinder bald nach ihrer Geburt umgebracht habe. Helman verhaftete die Hrabal wegen des Verdachtes der Mitschuld am Morde. Universität und Hochschule. — Geheimrat Georg Ernst Hinzpeter, der einstige Erzieher deS Kaisers, feiert heute, Lienstao, das goldene Doktor-Jubiläum. Er hat 1850 bei der philosophischen Fakultät in Berlm promoviert. Hinzpeter steht im 73 Lebensjahr. - Der Historiker Professor Hermann Eduard v. Holst, seit 1892 Professor an der Universität Chicago, hat seine dortige Stellung ntedergelegt und wird nach Freiburg i Br. zurück« kehren, wo er von 1874 ab bis zu seiner Berufung nach Chicago als Universitätslehrer gewirkt hat. Von 1872 bis 1874 war Professor v. Holst Mitglied der Universität in Straßburg. — Der o. Professor der mathematischen Pbyltk an der böhmischen Universität in Prag Dr. Franz Kolacek ist zum o. Profeffor der Physik an der böhmischen technischen Hochschule in Brünn ernannt worden. — Die Zulassung des Dr. 2 Braun als Privatdozent für interne Medizin an der medizinischen Fakultät der Universität Wien, des Konzipienten der böhmischen Finanz.Prokuratur Dr. E. Adler als Privatdozent für österreichisches Prioatrecht an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der deutschen Universität in Prag, des Dr. I. Prusak als Privatdozent für österreichisches Strafrecht und Strasprozeßrecht an der juridischen Fakultät der böhmischen Universität in Prag, deS Dr. T. Pfeiffer als Privatdozent für Pathologie und Therapie der inneren Krankheiten an der medizinischen Fakultät der Universität in Graz und des a. o. Professors an der Bergakademie in Pribram August Harpf als Privatdozent für Technologie der Papierstoffe an der deutschen technischen Hochschule in Prag ist bestätigt worden. — Mrs. M. Lloyd Kennedy aus Sioux-City wurde von der Regierung des Staates Iowa zum Examinator in den juristischen Prüfungen ernannt; eS ist die erste Frau in dieser Stellung. Nüttl Verkehr. Volkswirtschaft. 4. September. Marktbericht. Aus dem heutige« iVochennmrkt kosteten: Butter per Psd. A 1.20—1.85, Hühnereier per St. 0- 0 2 St. 13—15 H, Enteneier 2 St. 00—16 4, Gänse, eier per ©t.^OO-OO Käse 1 St. 5—8 H, Kasematte 2 St. 5—6 4, Erbsen per Liter 24 Linsen per Liter 34 H, Tauben per Paar A 0 70—0.80, Hühner per St. * 1.00—1.40, Hahnen per Stück A 0 60—1 oo, Enten per St. A 1.80—2.00, Gänse per Pfund A 0.00—0.00 Ochsenffeisch per Psd. 68—74 Kuh- und Rindfleisch per Psd. 62—64 H Schweinefleisch per Psd. 50—70 Schweinefleisch, gesalzen, per Psd. 74 Kalbfleisch per Dfd. 64—66 5, Hammelfleisch per Psd. 50—70 4, Kartoffeln per 100 Kilo 5.00 biZ 7.00 A, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. A 5 50—6.00, Milch per Liter 18 H. Bohnen per Pfund 9—15 Belgrad, 3. September. Der Großindustri e lle A. Deutsch ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Passtoen betragen 3 Millionen Kronen. Deutsch suchte ein dreijähriges Moratorium nach. Die Gläubiger bestehen aus Budap ster Bankhäusern, Wiener Eskompteuren und einer Berliner Bank. Kunst und Wissenschaft. AndrLe. Nach einem Telegramm aus Kopenhagen erklärte ein mit arktischen Verhältnissen genau bekannter Frchmann, eS sei Hoffnung vorhanden, in diesem Herbst Nachricht von Andrse zu erhallen. Wmn der Ballon j nseitS des Nordpols angekommen sei, würde die Wanderung nach bewohntcn Gegenden drei volle Jahre beanspruchen.? ** Berlin, 4. September. Die Frage der Kohlennot bildet den Gegenstand von Erörterungen innerhalb der Staatsregierung. Das Staatsministerium dürste sich i# einer für diese Woche in Aussicht genommenen Sitzung mit dieser Frage beschäftigen. Chicago, 4. September. Bei dem gestrigen sogen. ArbeitSsest hielt Bryan vor einer ungeheuren Zuhörerschaft eine von großem Beifall ausgenommene Ansprache, der wir folgende Stellen entnehmen: Die Haltung der Arbeiterschaft kann und muß einen entscheidenden Einfluß aus die Geschicke unseres Landes aus- üben, und dieser Einfluß wird das Land den früheren Traditionen zurückführen und eS könnten die Reformen durchgeführt werden, die die Regierung schon lange an- firebt. Die Arbeiter sollten und müßten durch ihr Botum die Politik des Landes bestimmen. Der Arbeiter hat auch ein Interesse an der Gesetzgebung, die der Einwanderung ein Ziel setzen solle. Wir können nicht dulden, daß Leute bei uns zuziehen, die auf die Dauer sich mit unS nicht verständigen können. Soeben wieder eingetroffen 5791 Maggi zum Würzen, per 1. Oktober gesucht. 5854 ä bei der Expedition dieses ibzugeben. Der Verlierer ist Blattes a vermieten. Pfrrdkstüllau 5207 nicht Eigentümer des Inhalts Großer Steinweg 5. Ampel. Ludwig-Platz S. gesucht. Marktplatz 22. 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