Sonntag de» & August ErstesBlatt. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren «Sfik Lllr Lnzngen.BrrmtttliMßrstellea de» In- und ÄuilteM uehmev «nzngen für den Gießener Anzeiger entgeya. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., au»wärt» 20 Pfg. SieeNee W* lijcigt« zu brr »achmwogß für b* leg «scheinenden 9himmct b4» wrm. k® W» »»■nF ipiteften» M Mrl)«r. SSqngsprds dterieljährl. Mk. 2J? monatlid) 75 Pfß. mit Briiu^rlohn; durch die AbholesteL« vierteljährl. Mk. 1,« monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 ottrteliSM mit Bestellgeld. Gießener Anzeiger General -Anzeiger Nr 181 r«L"4 Dtt W***•<♦<*%< Pr. 7. Betreffend: Ankörung von Zuchtbullen Vogelsberger und Simmenthaler Rasse. Gelegentlich des am 23. August d. I. stattfindenden Viehmarkts zu Grünberg soll zum Zwecke der Ankörung eine öffentliche Faselschau durch die Körkommission lvu„ vvll .......... ......... und zwar von 10 Uhr vormittags beginnend, abgehalten I 6 und 11 Uhr abends Gelegenheit zur Rückfahrt nach werden. Es werden nur sprungfähige Lullen Vogelsberger oder Simmenthaler Rasse berücksichtigt; sie müssen sicher gefesselt sein und dürfen vor 10 Uhr nicht aufgetrieben Die Staatsprüfung für das höhere Lehramt fand heute ihren Abschluß. Bestanden wurde die Prüfung von: Friedrich Adami Worms, Wilhelm Büttner-Gießen, Franz Como-Hechtsheim, Wilhelm Friedrich-Darmstadt, Wilhelm Friedrich-Ober-Ramstadt, Philipp Gütlich-Rüssels- heim, Karl Klein-Holzhausen, Otto Knauß-Gießen, Gustav Köllner-Gießen, Heinrich Michel-Burgbracht, Wilhelm Noll-Gießen, Otfried Prätorius-Sprendlingen, Georg Schmahl-Worms, Franz Tschieoe-Darmstadt, Wilhelm Wagner-Darmstadt, Ludwig Weißbart-Offenbach, Karl Weitzel Alsfeld, Ferdinand Werner-Gießen, Heinrich Werner-HeideSheim. *♦ Gießener Volksbad. Der Besuch des Bades im Monat Juli war — wie bei der zeitweise abnormen Hitze während dieses Monats kaum anders zu erwarten — ein als im gleichen Monat des vorausgegangenen Jahres. Im Ganzen wurden abgegeben 12 508 Bäder gegen 10055 im Juni 1900 und 8695 im Juli 1899 oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 439 Bäder gegen 379 im Juni 1900 und 304 im Juli 1899. — Der Besuch im einzelnen Adrrff« für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher 9h. 51. hat sich verteilt wie folgt: Schwimmbad 5821 Männer, darunter 650 zu 10 Pf., 1771 Frauen, „ 518 M 10 „ Wannenbäder 1. Klasse 286 Männer, 120 Frauen, „ 2. „ 1019 „ 867 „ Dampf, und Heißlustbäder, sowie Massage zusammen 102 Männer, 16 Frauen, Brausebäder zusammen 2506. Die Personenwage wurde von 280 Personen benützt, das Bad von 32 Personen besichtigt. — Der Monat Juli dsS. IS. hat somit seit Eröffnung des Bades den höchsten Gesamtbesuch aufzuweisen. ** Bet Ausflügen nach Braunfels, Wetzlar und Weilburg war den Inhabern von SonntagSkarten bisher nur um Gratisbeilage«: Gießener Familienblattrr, Der hePsche Landwirt, Klätter für ßeUche Volkskunde. werden. Gießen, den 3. August 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Aus der Sommerfrische zu Araunfels. Von Arthur Kleinschmidt (Heidelberg). Wie froh bin ich, Braunfels diesmal zur Ausspannung von meiner akademischen Thätigkeit gewählt zu haben, und wie danke ich dem Zufalle eines Urlaubs zu archivalischen Zwecken die Veranlassung, dahin zu gehen! Braunfels ist ein Idyll im vollsten Sinne des viel mißbrauchten Wortes, ein Aufenthalt so lieblichen und anmutenden Charakters, so naiv und so fesselnd daß man den Ausspruch des kaiserlichen Dulders Friedrichs Ill.unwillkürlich adoptiert: „Wie konnte man nur so alt werden, ohne Braunfels gesehen zu haben!" Vom Schlosse, einem der interessantesten, die es vielleicht giebt, mit seinen Bergfrieden, Sälen, Kunstschätzen u. s. w. will üfy nicht reden, das hat Pfarrer C. Allmenröder in Oberbiel bei Wetzlar, der kundigste Forscher des Solmser Landes, in Woerls Verlag gethan, und die Geschichte des Solmser Hauses zu Braunfels hat ein anderer Pfarrer, F. H. Himmelreich, in Wetzlar erscheinen lassen. Ich will nur von dem Luftkur-Aufenthalte und von den Abwechselungen einiges berichten, die mir bisher begegnet sind. Es liegt vielfach ein Vorurteil gegen Sommer- theater vor und oft nicht mit Unrecht. Nun Braunfels hat ein Sommertheater, aber ein so originelles und so leistungsfähiges, daß jedermann befriedigt wird. Man spielt in einem Riesenzelte, das mit Segeltuch umschlossen ist, dessen einzelne Teile zurückgezogen werden können und einem somit den Blick in die wonnige Landschaft f miauen. Das Zelt ist in der uralten Lindenallee des Herrengartens ausgeschlagen und die würzige, von tausend Blüten durch- tr-änkte Luft weht um uns, Glühwürmchen fliegen hinein und hinaus, her Mond und die Sterne grüßen und gießen ein märchenhaftes Licht über den rauschenden Park. Die Kulissen sind von einem am Wiesbadener Hoftheater vielbeschäftigten Maler von bekanntem Rufe, und einige Baume der großen Allee leisten, im Zelte stehend, selbst Kulissendienst Die Möbel entstammen zumeist dem Schlosse, dessen hohe Insassen alles erdenkliche thun, um das Theater zu heben und zu fördern. Direktor Moritz Höfler, der vom Prinzen Albrecht zu Solms-Braunfels, dem gegenwärtigen Regenten des Fürstentums, auf viele Jahre nut seiner Truppe engagiert ist,' um von Juni bis Oktober drei- bis viermal wöchentlich zu spielen, leistet ganz Vorzügliches, unterstützt von seinem Schwiegervater Franz Bergmann, der neun Jahre bei den Memingerii war und ein Charakterdarsteller von seltenem Pli genannt werden darf; Fraulein Johanna Buchner ist eine bedeutende Künstlerin, bei anderen Damen überwiegt der Liebreiz einstweilen noch die Darstellungskunst. Die Truppe ist kaum über ein nutzend Köpfe stark, aber ihr Spiel ist ebenso gewandt wie mannigfaltig, und ich freue mich jedesmal wenn ein Theaterabend kommt. Der kunstfreundliche Prmz und seme Gemahlin, eine Frau von ungewöhnlicher Weite dev Gesichts- krei es fehlen nie und beweisen durch ihre Teilnahme, daß uns nichts Schlechtes vorgeführt wird; sie haben die Welt und zahllose Theater gesehn, und diese- ihre eigenste Schöpfung, zeigt, daß sie mit Erfolg gesehen^haben. Mit dem Direktor sorgen sie sur alles. Und die- selbe Zelt umschloß am 18. Juli emen Bazar zum Zwecke des Neubaues einer Kleinkinderschule. Da waren Buden aller Art, in denen kostbare und einfache Gegenstände nützlicher und unnützer Art, wie es eben in Bazars Sitte ist, verkauft wurden, und die Damen, die sich dieser Aufgabe unter- 8" 965 918 und trifft in Gießen „ 928 „ ein. Sonntagskarten haben für beide Züge, die auf allen Stationen und Haltepunkten anhalten, Giltigkeit. *• Truppenschau. Der K aiser trifft bestimmt am 10. August in Mainz ein. Aus dem großen Sande wird eine Truppenschau stattfinden, an der außer den Truppen der Mainzer Garnison eine Anzahl auswärtiger Jnfanteric- und Kavallerie-Regimenter teilnehmen werden. Die Truppen üben schon fleißig Parademarsch; auch die sonst auf die Truppenschau bezughabenden militärischen Vorbereitungen sind flott im Gange. — Auch das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm ist zur Truppenschau befohlen. ** Landeslotterie. Da in letzter Zeit von außerhessischen Kollekturen wiederholt an hessische Einwohner Aufforderungen zur Beteiligung an fremden Klassen-Lot- teneen gesandt worden sind, erscheint es notwendig, darauf hinzuweisen, daß nach Art. 4 des Gesetzes vom 12. Aug. 1899, die Einführung einer staatlichen Klassenlotterie betr. der in einer außerhessischen Klassenlotterie, oder m einer anderen daselbst nicht genehmigten Lotterie spielt, mit Geldstrafe bis zu 600 Mark bestraft wird. Es ist aber um fo thörichter, such der Gefahr dieser Bestrafung auszusetzen, als die hessische Lotterie allen denen, die spielen, um emen Gießen geboten. Die Eisenbahnverwaltung hat den Wünschen des reisenden Publikums neuerdings dadurch Rechnung getragen, daß die Züge 9576a und 9569a, welche bisher nur an Werktagen verkehrten, bis auf werteres auch an den Sonn- und Feiertagen gefahren werden. Letzterer Zug wird außerdem an Sonn- und Feiertagen brS Gießen durchgesührt. Derselbe fährt ab: von Weilburg zogen, leisteten ihren Liebesdienst mit so herzlicher Eindringlichkeit, daß der Bazar schließlich em Ausverkauf geworden war; die schönsten Blumen wurden neben Erfrischungen, die jedem Geschmack Rechnung trugen, feil- geboten, Zigeunerinnen wahrsagten jungen und alten Kerzen was sie nur hören wollten; Frau Prinzessin! Ebba, welche mindern die kleidsamste Kostüme zu dem Jeste' hatte anfertigen lassen, war überall sichtbar, anregend und anfeuernd zum Kaufe. Wir Kurgäste freuten uns um die Wette mit dem .Publikum von Braunfels und lustwandelten unter den Bäumen oder zwischen den Buden, die im Zelte und vor demselben standen. Die vortreffliche Kapelle der Marburger Jäger „Königin Margherita' spielte von 3—11 Uhr entzückende Weisen, und bengalisches Feuer nebst vielen Hunderten von Lampions durchleuchtete den von Jubel erfüllten Park. Es war eine unvergeßliche Nacht, wie das ganze Fest gelungen war. Prinz und Prinzessin waren aber auch im Verein mit dem Komitee unermüdlich seit Monaten thätig gewesen, und eine allgemeine Opferfreudigkeit kam ihnen entgegen. Was gieüt cs Schöneres für Mediatisierte, als eine Immediateingabe an wohlthätige Herzen? Das ist ein Medium, welches wirkt. Und so ertrug der Bazar die für das kleine Braunfels stattliche Summe von 2300 Mark Reingewinn mit Einschluß der oLtterie, bei der prächtige Gewinne gefallen sind. Ich schließe diese Notiz mit warmer Empfehlung des Schloßhotels, in dem man bei Herrn Wittkop brillan verpflegt und logiert ist. Möge sie viele bestimmen gleich mir nach Braunfels zu kommen und fich an den Reiz der herrlichen 9latur zu laben! Amtlicher Heil. Gießen, den 2. August 1900. Betr.: Die Errichtung der Fortbildungsschulen. Die Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen ao die Schulvorstäade deS Kreises. Wir erinnern Sie daran, daß die Schülernsten in rubr. Betreff bis Ende des Monats an uns einzusenden sind. Wir machen Sie daraus aufmerksam, daß nach § b poß. 2 a. b. c. d. des MinisterialanSschreibens vom 13. Juli 1875 in die Listen alle schulpflichtigen Schüler einzutragen find, und bei von auswärts Eintretenden die betr. Gemeinde anzugeben ist. Die aus Ihren Gemeinden in andere Gemeinden Übertretenden Schüler find getrennt von den anderen aufzu- sühren, und dahinter ist zu bescheinigen, daß die nötige Mitteilung an den Schulvorstand der betr. Gemeinden erfolgt ist. poa. 2 c. . , r, , Die Verzeichnisse find nicht, wie vereinzelt geschehen, durch die Lehrer, sondern durch die Vorsitzenden der Schulvorstände mit Begleitbericht an uns einzusenden. Zugleich fordern wir Sie auf, etwa einlaufende Gesuche um Dispensation vom Besuche der Fortbildungsschule auch spätestens bis zum 1. September ds. Js. an und gelangen zu lassen, da wir später einlaufende Gesuche nicht berücksichtigen können. v. Bechtold. Gießen, den 28. Juli 1900. Betr.: Remunerierung des Polizeiauffichtspersonals. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Zur Remunerierung des Polizeiaussichtspersonals ist uns auch für das Etatsjahr 1900/1901 von Großh. Ministerium des Innern eine Summe zur Verfügung gestellt worden. Wir sehen daher binnen 14 Tagen Ihrem Berichte entgegen, welche Polizeibediensteten Ihrer resp. Gemeinden sich durch besonders gewissenhafte Pflichterfüllung in 1899/1900 einer Belohnung würdig gezeigt haben und wollen Sie hierbei das nachstehende Schema zur Anwendung bringen. In den Berichten ist ferner anzugeben, ob auch das antzerdienstltche Verhalten der Polizeibediensteten zu Klagen Anlaß gegeben hat oder nicht. Diejenigen Bediensteten, welche Sie einer Belohnung nicht würdig erachten, wollen Sie uns ebenfalls unter Angabe der Gründe namhaft machen. v. Bechtold. „ Braunfels M Wetzlar M Dutenhofen Gesunden : 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Vorstecknadel, 1 Kopskissenbezug, 1 Stück Kattun und 1 Peitsche. Verloren: 1 silberne Damenuhr, 1 goldener Ring, 1 goldene Busennadel, 1 goldene Brosche und 1 goldenes Medaillon. Gießen, den 4. August 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Aus Wadt und Land. Gießen, den 4. August 1900. Name Alter Dtenst- jahre Anzahl der pro 1899/1900 von den Polizei- bedienfteten erhobenen Anzeigen Aeuhrrung über die Dtenstführung Markus Bauer 187 dm. Mainz, 3. August. Hauptmann Frehschmitt vom 87. Regiment wurde gestern abend beim Zurückreiten von einer Hebung von einem ernsten Unfall betroffen. Beim Einreiten in die Stadt blieb das Pferd an einer Pserdebahnschiene mit dem Huf hängen, wodurch es zu Fall kam und den Reiter abwarf, und zwar so unglücklich, daß er unter das Pferd zu liegen kam. Am linken Bein erlitt der Hauptmann eine schwere Verletzung. Braunfels, 3. August. Von den Gemeinden der hiesigen Bürgermeisterei, die am vorigen Samstag durch Hagelschlag geschädigt worden sind, ist Niederbiel am stärksten mitgenommen. Der daselbst angerichtete Schaden beläuft sich aus über 50000 Mk., dann folgt Burgsolms mit etwa 9000, Oberndorf mit beinahe 8000, Oberbiel mit ungefähr 6000 und Altenberg mit 4500 Mk. In den andern Gemeinden sind die Schäden erheblich geringer. Frankfurt a. M., 3. August. Im Frankfurter Tiergarten ist in der vorigen Woche wieder ein Transport von über 50 Tieren aus Ausstralien eingetroffen. Nur einige wenige davon sind schon früher einmal durch Artgenossen hier vertreten gewesen und manche von ihnen waren überhaupt noch nie lebend auf dem europäischen Kontinent. Auch unter den neueingetroffenen Säugetieren befinden sich mehrere, die zum erstenmale lebend nach Deutschland kamen. Der Zoologische Garten kauft schon seit Jahren ganze Tiertransporte direkt von den Kolonisten, wodurch sich das rapide Wachsen des Tier- bestandes erklärt. In diesem Jahre mußten 104 neue Vogelkäfige eingerichtet werden, die schon fast sämtlich gefüllt sind. 50 neue Säugetierbehälter werden augenblicklich aufgestellt; wettere 70 sind in Arbeit und werden noch vor Winter bewohnt sein. Vermischtes. * Vom Raubmörder Göuezy. Die B e s ch w e r d e Gönczy's gegen die Ablehnung des Wiederaufnahmeverfahrens seitens der Strafkammer ist jetzt auch vom Strafsenat des Kammergerichts verworfen worden. Gönezy will sich jedoch hiermit nicht zufrieden geben und hat seinen Verteidiger Dr. Herbert Fränkel unter Beteuerung feiner Unschuld dringend gebeten, alle nur möglichen Schritte zu thun, damit neues | Entlastungsmaterial herbeigeschafft wird. Der Erfolg ist freilich mehr als fraglich. - Die Ehefrau des Gönczy befindet sich noch immer in einem Berliner Krankenhause. Es geht ihr jetzt etwas besser; sie ist für die ihr feiten« der Verwaltung entgegengebrachte gute Pflege dankbar. • Zwei Schulknaben aus Könitz hatten sich, wie wir seinerzeit meldeten, während der Pfingstfeiertage heimlich aus den elterlichen Wohnungen entfernt und waren in die weite Welt gewandert. Nachdem es bisher trotz der umfangreichsten Nachforschungen nicht gelungen war, den Verbleib der Ausreißer zu ermitteln, sind dieselben nunmehr in Zoppot angehalten worden. Sie versuchten dort bettelnd ihren Unterhalt zu erwerben und wurden jetzt ihren Eltern in Könitz wieder zugeführt. Wie noch erinnerlich fein dürfte, versuchten die antisemitischen Zeitungen, da« Verschwinden der beiden Knaben für ihre Zwecke zu sruk- Der frühere Reichstagsabgeordnete, der bekannte Freiherr von Münch, Majoratsherr in Mühringen, Oberamt Horb (Württemberg) gab vorgestern auf seinen Schweizer, während eines Streites, fünf Revolverschüssc ab und verletzte denselben so schwer, daß kaum Hoffnung aus Erhaltung seines Lebens besteht. Die gerichtlich- Untersuchung ist bereits cingeleitet. H * Eine unangenehme Verwechslung ereignete sich im städtischen Krankenhaus zu Neustadt a. H. Ein Dienst- mädchen hatte sich eine Nähnadel so tief in die Hand ge- stoßen, daß die Nadel mit Röntgenstrahlen gesucht werben mußte. Im Besitz der Photographie machte sich der Krankenhausarzt daran, dem Mädchen die Nadel aus der Hand zu schneiden. Mitten in der Arbeit erwachte das Mädchen aus der Narkose und rief erschreckt: „Ach Gott, Herr Doktor, Sie haben ja die falsche Hand!" Sofort chloroformierte der Arzt das Mädchen wieder und schnitt nun aus der anderen Hand die Nadel. Da die Verwundung der „falschen" Hand schwer ist, soll der Prinzipal des Mädchens den Beschwerdeweg betreten haben. • Mailand, 3. August. In S a n t a M a r i e l l a wurde auf den Fürsten Balthasar O d eskalchi ein Attentat verübt. Der Fürst soll schwer verwundet sein. Gerichtssaal. 8 Butzbach, 4. August. Ein hier bedienstet gewesener Schweizer unterschlug kürzlich in dem LadengefchLft von Kunz ein Paar Manschettenknöpfe und entwendete dann seinem Mit« knechte besten Geldbörse mit etwa 2 Mk. aus der Schlafstube. Das Schöffengericht diktierte hierfür dem unredlichen Burschen im Hinblick auf seine Vorstrafen eine ebenso gerechte als exemplarische Strafe von 6 Wochm und 4 Tagen Gefängnis zu. Im Humboldthain zu Berlin. Sie schien stark nervös zu sein. Als sie den rotseidenen Pompadour auf die Brüstung des Anklageraums stellte, ihn mit zitternden Händen auseinanderzog und dem Inhalt ein Papier ent- nahm, das sie zunächst zwischen die Äppen klemmte ließ sie die Tasche von dem unsicheren Stützpunkt falten. Glcrch darauf machte sich ein starker Dust von Kölnischem Wasser bemerkbar, ein ungewohnter Geruch im Gerichtssaal. eine int Pompadour aufbewahrte Flasche mußte zerbrochen sein. Das feingeschnittene Gesicht der Angeklagten überzog stch mit Röte. Dann wandte sie es mit einem verlegenen Lächeln dem Richtertische zu. — Vors.: Frauletn, ich denke. Sie geben die unüberlegte Aeußerung ruhig zu, dann rst die Sache bald zu Ende. — Angeklagte: O nee, so leichte iiebt die Lotte Sp. . . sich doch nich ick will mir hter von diese jlühende Stelle aus verdefsendteren, denn der Schutzmann, der sich an een schwächet Werb vergreift, rs in meine Oogen ee.n — Bors.: Seien Ste ruhtg, tch sehe schon, ich habe mich in Ihrer Persönlichkett geirrt. Also Sie sind die unverehelichte Charlotte Sp. . . ., 49 Jahre alt und unbestraft? - Angekl.: Jawohl, un mein Vater' war königlicher Beamter. — Vors.: Das ist Nebensache. — Angekl • Ick meene doch, wenn ick hier wegen Beamtenbeleidigung us die Folterbank muß, un werde zur Wache ieschleppt wie 'ne Mörderin un .muß, zwischen alle die Männer in eenen kleenen Raum stehen un mein Signalement uiieben, det mir vor Scham die Lust knapp wird, utt wo doch sonst in Berlin us Sitte un Anstand jehalten wrrd, un ick uf det lebhafteste bedauere, det det Heinze-Gesetz durchjesallen is, denn die Zucht mit die Unzucht m Berlin is nick au beschreiben, denn — ja, wat wollte tck doch fleich faqen 4 „ Vors.: Ja, Sie haben den Faden verloren, das kommt davon, wenn Sie so viel reden. Geben Sie kurze und präzise Antworten und schweifen Sie nicht ab. Nun erzählen Sie mal kurz, was Sie am Morgen des 20 Mai mit dem Schutzmann im Humboldthain vorgehabt haben. — Angekl.: Wat denken Sie denn, Herr Jerichtshos, sowat kriege ick nich ieber meine Lippen, det is mir denn doch zu scharnierlich. Ick habe det zu Hause allens schön zu PaPrer gebracht, hier is et. — Vors.: Nein, das kann uns nick)ts nützen, hier haben wir mündliche Verhandlung. Es wird wohl nicht so schlimm sein. — Angekl.: Herr Präsident, et is schön int Humboldthain. Wenn tm Frühjahr Die Vöjel singen un die Sonne durch det jriene ^anb uf die sauber beharkten Weje scheint, wenn allens so still is un die janze Natur Ruhe un Frieden atmet, wenn der Flieder seine Jerüche durch die Atmosphäre ziehen läßt, wenn — Vors.: Aber verschonen Sie uns blos mit elegischen Natur- schilderungen, kommen Sie zur Sache. — Angekl. (fort- fahrend): durch die Atmosphäre ziehen läßt, dann sitzt et sich schön uf 'ne schattige Banke. Ick nehme denn mein Strickzeich mit un esse meine Schrippe zu. So hatte ick et ooch an jenen betreffenden Morjen gemacht, ^zct war eben mit meine Schrippe fertig un lese m die halbe Zeitung, wo ick ihr injewickelt jehabt hatte. Mit eenem Male sehe ick, det zwee Studenten, die jeder eenen Hund an die Leine führen, uf meine Banke lossteuern, denke: Nanu? Wat soll nu loswer'n? Un richtig, der eene fefct sich rechts un der andere links von mich, wobei si yoslich an ihre bunten Mützen fassen un fragen, ob et erlaubt is. Wat sollte ick machen? Ick blieb ruhig sitzen und las meine Zeitung weiter. Die beeden Studenten fangen an, sich wat zu erzählen, als wenn ick jarnich da wäre, allerhand dumme Witze, ick dhat, als hörte ick nischt; bann fing der eene an zu fingen: „Sie hat ’n Flo —- fie hat en Florentiner Hut, und auch ein köstliches Geschmew . Det kochte in mir, aber ick "ließ mir nischt merken. Vors.: Warum standen Sie nicht auf und suchten eine andere Bank? — Angekl.: Nee, nu wollte ick jerade sehen, wie weit die Jemeinheit wohl jinge. Det dauerte rnch lange, so ließen die beeden Studenten ihre Hunde so weit locker, det sie miteinander spielen konnten, un wie Hunde nu so sind, jerade vor meinen Oogen — aber nee, bet jage ick nich, bet kann bet Schutzmann erzählen. stand wütend uff und jing weiter. So nach etwa hundert Schritt bejegnet mir een Schutzmann. Ick sehe mir um, die beeden Studenten sind jerade uffjestanden un ziehen mit ihre Hunde los. „Herr Schutzmann" sage ick, arretieren Sre mal die beeden Studenten da, sie haben Hunde bei sich • Ja, sagt er, det sehe ick. Aber sie führen die Sounbe je an der Seine un bet dürfen sie. — „Sie Jabeu afcer mein sittliche! Anstandsgefühl beleidigt", sage ick. ,,^er i Die Studenten?" fragt er. „Nee, die Hunde", sage ick. — Un wat giebt er mir dadruff zur Antwort? „Na, wenn t weiter nischt is, nu lassen Sie sie man loofen. Die sind ooch schon zu weit weg". Un damit will er weiter jehen. Det war mir denn doch een bisken zu ville. Herr! sage ick. Sie wollen Beamter sind? Ick will Ihre Nummer wissen, denn ick will mir bei Herrn v. Windheim beschweren. Vors ■ Sie sollen aber noch einige recht grobe Schimpfworte gebraucht haben, worauf der Beamte Sie zur Wache führte. — Angekl.: Wat sagt man nich alles in der Erve jung. Ick bitte um eene jelinde Jeldstrafe. — Vvrs.: Das ist wenigstens ein vernünftiges Wort. — Die Angeklagte kommt mit einer Geldstrafe von 10 Mark davon. Wegen vorgerückter Saison verkaufe kh die noch vorrätigen W»«ch.Ajl.n«e; Bin»®-, Hosen, Loden-Joppen and sommer-iiaveiocns HW zu bedeutend herabgesetzten Preisen. bietet, als jede andere Klassenlotterie. Es hat nicht nur I jeder Spieler die Möglichkeit, sich an einem Höchstgewmri I von 700 000 Mark zu beteiligen, während der Höchstgewinn aller anderen Lotterieen außer der weit teureren sächsischen I und thüringischen Lotterie nur 500 000 Mark beträgt, I fonbern es ist auch bie Zahl ber emberen großen, mittleren I unb kleineren Gewinne im Verhältnis weit größer, als I in den anderen Lotterieen. In der 5. Klasse der hessischen I Klassenlotterie vom Dienstag den 7. August d. I. ab wer- I den drei Millionen 584 400 Mark zur Ausspielung gelangen. . . I •• lieber die Behandlung alleinreisender Kinder wurde I auf den preußischen Staatsbahnen eine Vorschrift erlassen, I durch die das Bahnpersonal angewiesen wird, bei dem Oeffnen und Schließen der Wagenthüren sehr vorsichtig zu I verfahren: das Fahrpersonal zu überweisen, das Sorge zu tragen hat, daß die Kleinen nicht unberufenen Personen I in die Hände fallen. Ist zur Abholung alleinreisender Kinder niemand ans dem Bahnhof, so sind die Angehörigen I zu benachrichtigen und die Kinder bis zur Abholung im Wartesaal zu beaufsichtigen. -v- Heuchelheim, 4. August. Vor gut besetztem Hause gab gestern abend das Kruse'sche Streichquartett sein I vorletztes Symphoniekonzert, das den schönsten I Verlauf nahm. Die Quartettvorträge, bestehend ans dem I Quartett Op. 18 Nr. 2 in G-dur von Beethoven und „Ofterfrieben" von H. Kruse, fanden diesmal besonders | freundliche Aufnahme; letzteres Stück, mit dem Herr Kruse einen schönen Beweis eigner Schaffenskraft erbrachte, mußte I sogar auf allgemeines Verlangen wiederholt werden. Die I Solisten bewährten daneben aus's neue ihre bekannte Künstler- I schäft, die das Publikum zu stürmischem Beifall fortriß, von dem sich beide Künstler erst mit einer Zugabe loSkausen mußten. Herr H. Kruse entzückte diesmal die Zuhörer I durch seine vollendete Flageolet-Technik in einer Schweizer- I melodie von Koßmann, während Herr W. Kruse in einem I Biolinsolo von Rieß eine gereifte Auffassung verbunden mit I weit vorgeschrittener Technik an den Tag legte. Montag I abend findet nun, wie bereits mitgeteilt, das letzte Konzert I statt, das sich aller Voraussicht nach zu einem Ehren- I abend für die Konzertgeber gestalten dürfte. b. Friedberg, 3. August. Die Arbeiten am Bahnbau I Friedberg-Homburg schreiten rüstig vorwärts. Die I Erdarbeiten sind aus der ganzen Strecke fast vollendet mit | Ausnahme des ersten unb schwierigsten Teiles zwischen Fried- I berger Bahnhof und Niederwöllstädterstraße, der dem Schacht- I meister H. Weimer aus Gießen übertragen worden ist. Die I Erdarbeiten müssen bis zum 15. November ds. IS. fertig I gestellt fein. Die Hauptschwierigkeiten auf dieser Strecke I liegen hinter Fauerbach in dem Dreieck zwischen Hanauer- I und Main-Weserbahn. Es sind hier drei Brückenbauten I erforderlich, welche dieser Tage angefangen werden. Die I neue Bahn geht zuerst über die Hanauer- und dann über I die Main-Weserbahn. Die Arbeiten für den Oberbau der | Strecke werden auch in Bälde vergeben werden, da die Bahn I bereits am 1. März 1901 dem Verkehr übergeben werden soll. I Die Strecke von Homburg bis Friedrichsdorf ist schon seit I längerer Zeit in Betrieb. Bahnhöfe werden außer Fried- 1 berg und Homburg noch kommen nach Roßbach, Rodheim I und Holzhausen. Büdingen, 3. August. Wie dem „Büd. Allg. Anz." mitgeteilt wird, haben einen Vertrag, das Oberhesfische I Elektrizitätswerk betreffend die Gemeinden: Eckartshausen, I Ranstadt, Büches, Echzell, Gettenau, Bingenheim, Jlben- I ftabt, Nieberflorstabt, Hungen, Laubach, Melbach, Söbel, Wenings, Hirzenhain, Merkensritz, Eckartsborn, Lißberg, Ortenberg, Stockheim, Nibba unb Glauberg anerkannt unb die elektrische Anlage genehmigt. Darmstadt, 3. August. Heute vormittag gegen halb 11 Uhr passierte bas vierte ostasiatische Infanterie-Regiment, dem achch bie hessischen Freiwilligen angehören, auf ber Fahrt von Hagenau nach Bremerhaven den hiesigen Main-Neckar-Bahnhof. Daselbst chatten sich! bie Spitzen ber Behörben, Generalleutnant v. Perdanbt, ber Stadtkommandant General v. Daum, bie Offizierkorps, Oberbürgermeister Morneweg und bie Stadtverorbneten, | sowie ein nach Tausenden zählendes Publikum, darunter , auch viele Kameraden aus hiesiger Garnison und zahlreiche Auswärtige eingefunden, um den Scheidenden ein Lebewohl zuzurufen. Als der Zug unter brausenden Hurrah- rufen in den Güterbahnhof einfuhr, drängte sich alles nach den Wagen, und es sand alsdann eine überaus herzliche Begrüßung der Freiwilligen statt, welche die Wagen nicht verlassen durften. Viele Liebesgaben, insbesondere Cigarren, wurden ihnen gereicht und durch die Mannschaften des freiw. Sanitätskorps, welche in Uniform erschienen waren, wurden ihnen die Feldkessel und Trink- gefäße mit Bier gefüllt. Von feiten der Stadt Darmstadt war als Liebesgabe ein großes Quantum Cigarren gespendet, welche den Truppen später zu Teil werden. Den Offizieren wurde Champagner kredenzt und wurden ihnen belegte Brödchen verabreicht. Die Mannschaften trugen größtenteils den gelblichen Khaki-Anzug, die Offiziere dunkelblaue Litewkas. Offiziere und Feldwebel trugen Revolver. Die Offiziere wie die Mannschaften, hatten als Kopfbedeckung den aufgekrämpten Strohhut mit einer großen Kokarde in den Reichsfarben, darunter eine kleinere in den betreffenden Landesfarben der Träger. Während des etwa 15 Minuten währenden Aufenthalts spielte die Kapelle des Leibgarde-Regiments Nr. 115. Der Kommandeur der Großh. Division, Generalleutnant v. Perbandt, brachte ein Hoch auf das Bataillon aus, in welches das tausendköpfige Publikum begeistert einstimmte. Nur zu rasch waren die wenigen Minuten verflossen, während welcher sich manche rührende Abschiedsscene zwischen Angehörigen und den Freiwilligen abspielte. Der Kommandeur des Bataillons sprach bei der Abfahrt noch aus dem Wagen herzlichen Dank für alle Liebesbezeugungen aus und unter den Klängen der Musik, brausenden Hurrahrufen, sowie Tücherschwenken, welche von den Scheidenden lebhaft erwidert wurden, setzte sich der Zua in Bewegung Die innigsten Segenswünsck-e begleiten die Tapferen auf ihrer Fahrt nach dem fernen Osten; mögen sie alle glücklich und gesund in die Heimat zurückkehren! N. Hess. V. Sport, Spiel, Jagd. Gietzerr, 3. August. Zwei Mitglieder des Vereins „Hunde- sport für Gießen und Umgegend" haben auf bet am 22. und 23. Juli d. I. in Apolda stattgehabten Hundeausstellung neue Lorbeeren geerntet. So erhielt Herr August Schwan für.seine zwei rauhhaarigen Pinscher „Max-Kismet" und »Hüde Hardthof fünf 1. Preise, Herr Herrn. Förster für feine Zwergspitzhündin Distapzritt Florenz-Berlin, den italienische Lanciert unter Führung des Leutnants Grafen Alfred Bosellt am 15. Juli unternommen, jedoch wegen der Tragod^ von Monza in München unterbrochen hatten, wird nunmehr auf Befehl des Königs Viktor Emanuel III. zu Ende geführt werdm. Leutnant Bosellt, der dieser Tage in Berlin weilte, ist gestern nach Münchm zurückgekehrt, worauf fofort der Ritt über Würzburg nach Kassel angetreten wurde. Graf Bosellt wird das bet sich führendeHandfl^etbendeslnzwisch« verstorbenen Königs Humbert dem Kaiser Wilhelm auf Schloß Wtlbelmshobe überreichen. __ — HMdesÄr Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter BÖr*e vom 3. August. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. Prämien auf Kredit per ult Äug. 1.80’/q, do. per ult. Sept. 2 80%. Diskonto-Kommandit per ult. Aug. 1.50%, do. per ult Sept 235 o/£ Lombarden per ult Aug. 0.65%, do. per ult. Sept. 1.10%. Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 %. 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