in ÖO, r schirre icasilber au^ Ml Ismhe i 1 Mark. ing iu ver« : Woriechen r Musikstücke Ausgestaltung sondern mit J, Univ.-Baeh- p/atz. »r, -w 4566 y 9 erlin. tmnnmmerierte nst Challier Qni 1,25 , bei hoheiMn Sentit M- r, 2855 «• _________ t*«. jfcg/ kollar^ rrd-it-r W MM küthl süß PM J tN“” 'Vtl MeLatzS- w W- .MdtefsA ixeUnb 9it. 154 Zweites Blatt Donnerstag dm S. Juli 1OOO Alle Lnzeigen-vermÜtlungSstellm M In- und Ausland«» vchmtn Anzügen für den Gießener Anzeiger cutgege»« ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Alczngrpreis viertelfährl. Mk. 2,98 monatlich 75 PZg. mit Bringerlohn; durch die Abholestrlle» »irrteljährl. Mk. 1,98 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vicrteljährl. mit Bestellgeld. tratet täglich BU Aufnahme deS M-ntag». Die Girhnrer Mamttteußkttter wrU« de« Anzeiger t* **t „Heff. »eubn^rT e. „Blätter 9k kf. Volkskunde- »GchL4»«l deigelegt. »m Anzeigen zu der m»chmittag» für We |H|nila leg «Khrinenden Nummer bis norm. 10 Hk- UGGißillmsgen spätesten- **M »orher. Gießener Anzeiger General-Unzeiger Zlints- und Anzeigeblatt fiiv den "Kreis Giefzcn. RkM« »SkdNion und Druckes: >*H#re|< Ar. 7. Gratisbeilage«: Gießener Famitienblätter, Der hessische Kandwirt, KWer für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger chietse. Fernsprecher Nr. 5L Die Wirren in China. An die nach China abgehenden Truppen hat Kaiser Wilhelm eine Ansprache gehalten, die wir gestern in ihrem wesentlichen Inhalte und heute an anderer Stelle im Wortlaut mitteilen. Er hat darin erklärt, er werde nicht ruben, als bis die deutschen Fahnen, vereint mit denen der anderen Mächte über den chinesischen Meeren wehen, und aus den Mauern Pekings faufgepflanzt den Chinesen den Frieden diktieren. Weiter ist in der Rede deS Kaisers von der Brandfackel des Krieges die Rede. Damit ist allem Anscheine nach nur der thatsächliche Zustand des Kampfes gemeint, wie er obwaltet und mit barbarischeu Völkern auch ohne 5kriegS-Erklärung besteht. Es handelt sich also zunächst nur um eine gemeinsame Straf-Expedition der civili- sierten Staaten gegen Barbaren. — Die gestrigen Londoner Abendblätter melden aus Paris, daß dort das Gerücht umlaufe, daß die englische Botschaft eine Mitteilung von der Ermordung des französischen und englischen Gesandten erhielt, sich aber weigere, das Gerücht zu bestätigen. Und das „Bureau Dalziel" meldet aus Shanghai: Berichte aus chinesischen Quellen, die in starken Worten abgefaßt sind, melden, daß zwei weitere Gesandte, deren Nationalität nicht angegeben ist, am selben Tage ermordet wurden wie Baron Ketteler. Man hegt die größten Zweifel, ob überhaupt noch Ausländer in Peking am Leben sind. Es ist cmzunehmen, daß nunmehr auch die übrigen Mächte dem kleinen Neid und dem Mißtrauen, dus schon setzt unheilvolle Früchte gezeitigt hat, absagen und Schulter an Schulter mit Deutschland, jede nach Maßgabe ihrer besten Kräfte, nach Peking Marschieren werden. Vermutlich wird die Re ttun g s expe d ction zu spät kommen; nun wohl, wenn die Truppen der Mächte in der Hauptstadt des Reiches der Mitte nichts mehr zu retten1 finden, so bleibt ihnen nur übrig, ihre Landsleute zu rächen und ein Beispiel aufzustellen, das für alle Zeiten eine Wiederkehr des heurigen Schreckens verhütet. Wir meinen damit nicht, daß die Truppen der Zivilisation nun in Peking Hausen sollen wie die Barbaren, die blind den Schuldigen mit dem Schuldlosen treffen, sondern daß sie kommen als rächende Richter, die vor einem schuldbeladenen' Haupte nicht Halt machen, und wenn es bisher noch so hoch, getragen wurde, daß sie ferner der Diplomatie als sichere Stützen dienen, wenn es gelten wird, die Bürgschaften für die Zukunft aufzurichten. Deutschland hat den Beweis geliefert, daß es zu dem Ende bereit ist, sein Teil der Rechnung an Blut und Geld zu tragen; schon ist dieMobilmachung von weiteren zehn Kriegsschiffen befohlen, und ein Expeditionskorps aus einer gemischten Brigade wird zusam- mengestellt. — Die „National-Zeitung" hört zuverlässig, daß auch die Entsendung einer Division der Armee beabsichtigt wird. Es fanden gestern in Wilhelmshaven militärische Beratungen darüber statt. Der Kaiser hat seine Abreise nach Norwegen verschoben und der Staatssekretär v. Bülow hat seinen Urlaub vertagt, da, wie es in einer anscheinend offiziösen Meldung heißt, die chinesischen Vorgänge möglicherweise in der nächsten Zeit Entschlüsse über weitere Maßregeln erfordern könnten. Die „Berl. Neuest. Nachr." sprechen bereits von einer beschlossenen Entsendung deutscher Landtruppen nach China, die von dem Chef des Kreuzergeschwaders, Bendemann^ in einer Depesche angeregt worden sein soll. Es handelt sich um 12000 Mann Infanterie mit entspre- rJL r-r allerie und Artillerie. Nichtaus- gejchlosfen ist, daß wegen der Kosten der Expedition der Reichs t a g zu einer kurzen Tagung einberufen wird; doch ist in dieser Beziehung «noch keinerlei Entschließung erfolgt. Was die internationale Seite her chinesischen Frage betrifft, so wird demselben Blatt 'an maßgebender Stelle versichert, daß alle Mächte, Rußland nicht ausgeschlossen, loyal an dem Programm des einmütigen Vorgehens festhalten. — Deutschland im besonderen beharrt auf dem von Beginn an .eingenommenen Standpunkte, daß eine Teilung Chinas durchaus unerwünscht wäre. Die deutsche Politik hat nach! wie vor als nächstes Ziel lediglich die Besetzung Pekings, die Sicherung der Verbindungslinie Peking-Tientsin- Taku, sowie die Herstellung geordneter Zustände im Auge. Die diplomatischen Beziehungen zur chinesischen Regierung sind formell nicht abgebrochen, da bisher noch keinerlei Gewißheit zu erlangen war hinsichtlich der Stellung der Pekinger Regierung zu den jüngsten Ereignissen in ihrem Reiche. Im völkerrechtlichen Sinne besteht gegenwärtig in China ein durch den Aufruhr der Boxer entstandener kriegsmäßiger Zustand, nicht aber der Krieg mit der legitimierten Regierung des chinesischen Reiches. In Wiener diplomatischen Kreisen verlautet, Kaiser Wilhelm habe bei den Mächten die Initiative zur Einleitung einer energisck)en Aktion in China ergriffen. Die Ausreise der Seebataillone aus Wilhelmshaven auf den beiden von der Marineverwaltung gecharterten Dainpfern des Norddeutschen Lloyd „W i t t e- k i n b" und „Frankfur t" ist am Dienstag früh zwischen 3 und halb 5 Uhr von statten gegangen. An Bord der „Hohenzollern" erschien das Kaiserpaar, das dem Verlauf der Abfahrt beiwohnte. Die Mannschaften hatten teils am Bordrand, mit der Front nach der kaiserlichen Yacht zu Aufstellung genommen, teils waren sie aufgeentert und hielten auf Strickleitern die Masten bis hinauf zum Bug und selbst die Takellage besetzt. Brausende, Hochs auf den Kaiser erschallten von Bord, als die Dampfer sich in Bewegung setzten. Eine Schn ell feuer-Bat te- r i e wird nach Mitteilung des Kaisers an das Offizierkorps mit dem nächsten Postdampfer jnachgeschickt. — Wie aus Kiel gemeldet wird, erhielt das dortige Marinebeklei- dungsamt aus Befehl des Kaisers die Anweisung, schnellstens weitere 25000 Tropenanzüge anzufertigen. —> Die erste Division des ersten Geschwaders wird sofort die kriegsmäßige Ausrüstung beschleunigt ausführen, so daß ihr Abgang nach China in wenigen Tagen erfolgen kann. Sie geht unter dem Befehl des Admirals Hoffmann von Kiel direkt nach Wilhelmshaven, wo sich die Schiffsausrüstungskammern für sie befinden. — Nachdem die Probefahrt des Kanonenbootes „Luchs" die Seefähig- ftit des Schiffes ergeben hat, ist seine Ausreise nach China auf den 7. d. M. vormittags angesetzt worden. Der auf der Germaniawerft erbaute Lenzer „Nymphe" soll die Ausrüstungsarbeiten nach Möglichkeit beschleunigen, um baldigst für die Ausreise nach China bereit zu sein. Generalkonsul Fr. Knappe, der seine Rückreise nach Shanghai antreten sollte, wurde zum Kaiser nach Wilhelmshaven berufen, um ihm dort Vortrag zu halten. Das Wolffsche Bureau berichtigt seine Angabe, daß nach der Meldung pes Chefs des Kreuzergeschwaders Frhr. v. Ketteler am 16. Juni ermordet worden sei, dahin, daß in jener Meldung als Datum nicht der 16., sondern der 18. Juni angegeben sei. Englische Depeschen gaben den 16. Juni als Tag der Unthat an. Es wird daher eine noch>- malige Bestätigung des Datums abzuwarten sein. Sofort nach bem Eintreffen der Nachricht über die Ermordung des Gesandten Frhrn. v. Ketteler hat das Auswärtige Amt den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Staats-Minister Frhrn. v. d. Recke, beauftragt, die Trauernachricht der in Münster lebenden Mutter des Verstorbenen, Freifrau v. Ketteler mitzuteilen. Aus Wilhelmshaven sandte der Kaiser an Freifrau v. Ketteler ein Beileidstelegramm. Das Personal der deutschen Gesandtschaft in Peking, das, soweit bekannt, noch am Leben oder in großer Gefahr ist, besteht, abgesehen von der Witwe des ermordeten Gesandten, Frhrn. v. Ketteler, aus dem ersten Sekretär v. Below-SaleSke, dem zweiten Sekretär Dr. v. B e r g e n, dem zur Gesandtschaft kommandierten Leutnant v. Loesch, dem zweiten Dolmetscher Cordes, dem Stabsarzt Dr. Velde, dem als Hilfsschreiber kommandierten Seesoldaten Koch vom Gouvernement in Kiautschou, dem Kanzleischreiber P i f r e m e n t, dem Amtsdiener Hum melke und dem Dolmetschereleven Dr. Merklinghaus. Der erste Dolmetscher Frhr. v. d. G o l tz, hat am 2. April einen Urlaub angetreten. Der neuernannte Legationskanzlist Dobrikow ist noch unterwegs und wird nach Berlin zurückberufen werden. Das Detachement, das am 3. Juni zum Schiutze der Gesandtschaft in Peking eingetrosfen ist, besteht aus einem Offizier und fünfzig Mann von dem in Kiautschiou stationierten Seebataillon. Nach> einer Meldung aus London macht die Ermordung Kettelers in allen Kreisen einen tiefen Eindruck. Die „Times" schreiben, alle zivilisierten Völker müssen mit Deutschlandsympathisieren wegen des Verlustes, den es erlitten hat, und die tiefe Entrüstung teilen, womit diese Ausschreitung die deutsche Nation erfüllt. Die Deutschen sind nicht das Volk, die Ermordung ihres Gesandten ruhig hinzunehmen; ihr Kaiser ist jedoch viel zu sehr Staatsmann, um seine Politik in einer ernsten und delikaten Frage von internationaler Bedeutung durch seine persönliche Erbitterung oder durch die seiner Unter» thanen bestimmen zu lassen; er werde mit gehöriger Rück- fid)it auf die Interessen und Empfindlichkeiten anderer vorgehen. „Daily Chronicle" sagt, der Kaiser sei nicht in der Lage, die Ermordung Kettelers zu rächen. Wenn er Japan beauftragte, die Rache auszuführen, würde er der gemeinsamen Sache der Zivilisation dienen, obwohl es nicht jedermann in Petersburg gefallen würde. In London eingetroffenen Depesrnähme der Reorganisation Urlaub erteilt werde, der Antrag ist indes endgiltig abgelehnt worden. (Für Deutschland ist damit die Sache erledigt, .ünd wenn Griechenland darauf besteht, einen akttven ausländischen Offizier als Reorganisator zu berufen, so würde es sich nunmehr außerhalb Deutschlands umzusehen haben. Möglich wäre zwar, daß die griechische Militärverwaltung jetzt mit einem inaktiven deutschen Offizier in Verbindung ttäte. Daß derartige Unterhandlungen unterbleiben oder scheitern, wäre das Wünschenswertere. D. Red.) Tanger, 3. Juli. Der Chef der Fezer Filiale eines französischen Handlungshauses, Marcos Essagin, ein amerikanischer Staatsangehöriger, st i e ß bei einem Ritt durch eine enge Straße mit einem Imam zusammen und st reifte dessen Maultier. Es entspann sich ein Wortwechsel, wobei eine Schjar von Fanatikern gegen Marcos Partei nahm. Da dieser sich bedroht sah, feuerte er einen R e v o l v e r s ch u ß ab, durch den ein Eingeborener getötet wurde. Sofort stürzte sich die Menge auf ihn, hieb ihn in Stücke und verbrannte diese. Der französische Gesandte machte sogleich, nachdem ihm die Thatsache gemeldet war, dem amerikanischen Generalkonsul Mitteilung davon. Beide thaten Schritte beim Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten, um gegen solche Vorkommnisse Verwahrung einzulegen. ____________________________________ Aus Stadt und Land. Sietzeu, 4. Juli 1900. • • Auszeichnungen. Dem Reisenden unb Vertreter der Firma Fr. Engelhardt zu RüffelSheim a. M., Heinrich । Schäcker, wurde das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Bürgermeister Heinrich Lipp zu Klein-Gerau das Allgemeine Ehrenzeichen mit der In- schrift „Für langjährige treue Dienste" am Bande des PhilippsordenS verliehen. ♦ * Aus dem Militär-Wochenblatt. Deinhard, Ma;or und Abteil.'Kommandeur im Feld Art.-Regt. Nr. 51, ist I als aggregiert zum 2. Großh. Heff. Feld Art.-Regt. Nr. 61 I versetzt worden. * * Studentisches. Zur Erinnerung an bie Gründung I der deutschen Burschenschaft feiert der Gießener und Mar« I barger D.-C. am Samstag dem 7. d. M. im großen Saale I des Museums zu Marburg zusammen mit den alten | Burschenschaftern einen großen Kommers. • * Befitzwechsel. Man teilt uns mit, daß das Anwesen I der Firma S. Weimersheim Nächst (Inhaberin Frau Rosa Kaan Witwe) für 76,000 Mk. an Herrn Abr^ Meyerhofs verkauft sein soll. * • Zirkus Althoff kündigt sich im Inseratenteile für Samstag an. Auswärtige Blätter schreiben: Das Pferbematerial macht einen vorzüglichen Eindruck; die Dreffur ist hervorragend, was besonders bei Vorführung von vier prachtvollen Falben durch Herrn Althoff jun. inS Auge fällt, auch ein von demselben Herrn tn Freiheit dressierten Lippischer Hengst erregt Srwunderung. AlS schneidige Rettkünstlerin führt sich Frl. Gertrud ein, und ganz reizend ist das pes de deux der kleinen Alma und deS Herrn Richter. Höchsten Beifall finden auch die jugend- llchen Geschwister Pawey atS Dapezkünstler-nnen, wie als LSnzer- i men des „Czardas", bei dem sie sich durch Grazie unb Ausdauer vorteilhaft auszeichnen. Die Leistungen des jugendlichen Jokey- Re ters Baptiste Althoff sind geradezu staunenswert. ErwähnenS- ind noch ein von Frl. Althoff und Herrn Hasenbauer auf zwei Araber-Hengsten schneidig und mit Eleganz gerittenes Bolero, die staunenerregende „Arbeit" des Kopf-Equilibristen Schmilling, sowie eine von Herrn Bensch vorgeführte komische Szene. Die Kostüme ind elegant; für allerlei Kurzweil sorgen die Clowns, von benen Clown Fredy mit seinem dressierten und singenden Esel und die musikalischen Clows, Gebrüder Mazello, viel Heiterkeit erregen. * * Laudeslotterie. Montag ben 9. bs. Mts., vormittags von 8 Uhr ab finbet in dem Saale der Brauerei zum Schützenhofe in Darmstadt die Ziehung 4. Klaffe 1. Hesfi- cher Landeslotterie unter notarieller Kontrolle statt. — In veiten Kreisen der Spieler der hessischen Landeslotterie cheinen über die Einrichtung derselben sehr irrige Ansichten verbreitet zu fein, und namentlich scheint die Zusammengehörigkeit der einzelnen Klassen einer Lotterie vielfach verarmt zu werden. Es mag deshalb hier nochmals darauf Angewiesen werden, daß bei einer jeden Klassenlotterie die einzelne Lotterie ein untrennbares Ganze bildet, und daß )ie verschiedenen Klassen hauptsächlich eingerichtet sind, um dem Spieler, dem die ungeteilte Zahlung des gesamten Betrags für ein Loos bezw. ben Teil eines solchen zu hoch fein würde, es zu ermöglichen, die Summe in kleineren Teilbeträgen zu entrichten, ben ganzen Kaufpreis also, ohne sich auf einmal mit einer größeren Ausgabe zu belasten, allmählich gewissermaßen einzusparen. In ben Klaffen- lotterieen pflegt das Hauptgewicht der Lotterie, sowohl was die Zahl, als was die Höhe der Gewinne anlangt, auf die Schlußklasse gelegt zu werden, für die in den Vorklaffen erhebliche Summen angesammelt worden sind. Nach diesem System ist auch die hessische Landeslotterie aufgebaut. Darmstadt, 3. Juli. Die Großfürstin Sergius mit Gefolge ist heute vormittag von Jagdschloß Wolfsgarten nach Rußland abgereist. — Prinz und Prinzessin Franz Joseph von Battenberg waren gestern nachmittag zum Besuch in Wolfsgarten. — Gestern wurde der Gemeinderechner Ph. Ritzert I. von Fehlheim, der außer diesem seinem Amt auch! die Kirchenkasse unb die Kasse des dortigen BauernvereinH verwaltete, wegen Unterschlagung im Amt in Untersuchungshaft gebracht. R. ist geständig, sich aus den fraglichen drei von ihm nicht getrennten Kassen nach und nach, Gelder im Gesamtbetrag von 3000 Mark angeeignet und für seine Bedürfnisse hauptsächlich zur Fröhnung seiner Lust am Lotteriespiel, verbracht zu haben. Er will damit bereits im Jahre 1891 begonnen und den Fehlbettag fror den Visitationen jeweils durch entliehenes Geld gedeckt haben. - bm. Aus Rhein Hess en, 3. Juli. In Altenbamberg bei Wöllstein hat ein Einwohner bei dem Abbruch eines baufälligen Hauses einen in eine Wand sorgfältig eingemauerten Topf gesunden, in dem sich mehrere hundert Gold -und Silbermünzen befanden. Von Münzen, die alle wohl erhalten sind, tragen die meisten die Bildnisse der französischjen Könige Ludwigs XV. und XVI. Der Wert des Fundes wird auf mehrere Tausend Mark geschätzt. F r a u k f u r t a. M., 3. Juli. Der Schireiner Christian Kraus, der hier in Stellung steht, ging mit seiner Braut auf der Forsthausstraße spazieren. Gegen 9 Uhr setzten sübeide auf eine Bank, nicht weit vom Forfchaus entfernt. Kurz darauf sprangen vier Burschen aus dem Wald, von denen einer mit den Worten: „Was habt Ihr hier zu suchen?" sofort auf Kraus ein schlug. Als dieser sich zur Wehr setzen wollte, hieb der Wegelagerer dermaßen auf ihn ein, daß Kraus, als der Schwächere und ohne Waffe, die Flucht er gr elf en mußte. Er wurde noch einige hundert Schritte verfolgt, dann soll daK Mädchen in den Wald geschleppt und vergewaltigt worden sein. Das ist jetzt innerhalb ttirzer Zeit der dritte derartige Fall, der sich in unserem Stadtwalde zugetragen hat; von den beiden letzteren Fällen sind die Thäter noch nicht entdeckt.______________________________ Vermischter. * Dortmund, 3. Juli. Wegen Verbrechens gegen das keimende Leben verurteilte die Strafkammer den Arzt Grüne aus Unna zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. , , * Recklinghausen, 3. Jnli Durch einen schweren Gewittersturm wurde daS Schützenzelt, in dem sich mehrere tausend Personen befanden, während die Musik zum Tanze aufspielte, umgerissen. ES entstand eine große Panik, wobei viele Personen verwundet wurden, davon einige schwer. Sie mußten inS Hospital gebracht werden. Der Sturm hat in der Stadt großen Schaden angerichtet. * Swiuemuude, 2. Juli. Heute nacht sand hier eine Schlägerei zwischen Soldaten und Zivilisten statt, wobei der Unteroffizier Schulz und ein Gefreiter erstochen wurden. • Zur Kouitzer Affaire wird berichtet: Fleischermeister Hoffmann, gegen den bekanntlich ein Verfahren wegen Totschlags eingeleitet wurde, sollte einer Meldung zufolge außer Verfolgung gesetzt worden sein. Das ist in dieser Form nicht richtig. Der Untersuchungsrichter Dr. Zimmermann hat dies dem Meister auch nicht mit- geteilt. Die Voruntersuchung, lautend auf Totschlag ist nur geschlossen worden. Die Akten werden jetzt der Strafkammer zugestellt und diese beschließt, ob das Hauptverfahren zu eröffnen sei oder ob infolge fehlender Beweismomente die Angelegenheit fallen gelaffen werden muß. Auch gegen den Schlächtermeister Levy wird bis iIe fc äbliens- N iwet «o, die ültenbm- Wrrch sorgfältig rändelt , Münzen, bie Stilb* XVL Der tgeW- , Christm t seiner ;en 9 Uhr Forschaus hen aus Ms W lug. M igerer der- achere und §r wurde soll fo* ö verze' kurzer N Ddüoalde >n sind die tme die !ud daß itib, Uttl nten Be- zu W kleineren lso, ohne belasten, Achn- vvh! was !, aus die Külchn ich diesm aut. n Sei' Mchloß nz E tnbeig ssgarten. itzert I. auch die rnvereinS in Untere »en \xag» Md nach .gnet und ng seiner )ill damit -trag vor L gedeckt Mdir Sm. vorinit- rei zum Hesst- ' - In ilvttnie ^sichten amoren- der- W; die ite 16 geg/n awtner den ,thauö und schweren in titNf Md ewe । wurden, l gebracht n Scheden iif tb hier eine ftatt,»»'' D-ra«^ *tfS i ’ inv ’ ° «erde» dato nicht vorgegangen werden, da die Belastungszeugen für nicht glaubwürdig befunden worden sind. Das erhellt schon daraus, daß die Untersuchungsbehörde ihm freigestellt hat, in Könitz zu verbleiben oder zu verreisen. Das Gerücht, gegen Moritz Levy sei ein Verfahren wegen Meineids im Gange, erhält sich nach wie vor. Mit der Mordthat selbst hat diese Angelegenheit nichts zu thun. Moritz L. soll nur eidlich in Abrede gestellt haben, den ermordeten Ernst Winter gekannt zu haben. Mehrere Zeugen widerlegen dies. Bis jetzt sind an 800 Zeugenvernehmungen erfolgt, d. h., eS ist dies die Gesamtsumme der Vorladungen, wobei mancher Zeuge mit 20 und mehr Vernehmungen registriert ist. Sonstiges „Neues zur Mordthat- liegt nicht vor. — Die Stadt wird ein neues Rathaus erhalten; ein Gebäudekomplex ist zu diesem Zweck schon an- resp. auf Abbruch wiederoerkauft worden. Dem Magistrat gegenüber sind jetzt teilweise Schadenersatzansprüche geltend gemacht worden von solchen Personen, denen bei den Straßenunruhen unvernünftigerweise arg mitgespielt worden ist. So verlangt der Kaufmann Zander 198 Mk., der Kaufmann Aronheim 55 Mk. rc., Levys Ansprüche sollen sich auf über 500 Mk. beziffern. * Zwickau (Sachsen), 3. Juli. Der Fabrikbesitzer Richard Werner nebst Ehefrau und Mutter, sowie der Buchhalter Grumbt wurden heute verhaftet unter dem verdacht, die gestern niedergebrannte Spinnerei der Gebrüder Werner in Werdau in betrügerischer Absicht an- gezündet zu haben. * Friedrichshafen, 3. Juli. Gras Zeppelin, der vor der Auffahrt ein Gebet sprach, hielt nach der Landung eine ?urze Rede an die Umstehenden, worin er betonte, daß sich Las Luftschiff vollkommen lenkbar erwiesen und eine größere Eigengeschwindigkeit, als man von ihm er- wartete, erzielt habe. Von anderer fachmännischer Seite wird mir versichert, daß der erste Teil der Freifahrt wegen !>es erfolgreichen Manöverierens in horizontaler und vertikaler Richtung tatsächlich erfolgreich gewesen und ein Mißerfolg blos dadurch eingetreten sei, daß wegen des Bruches oder Versagens eines Hebels das eine Steuer nicht mehr funktionierte. Von diesem Augenblick an habe Zeppelin nur noch nach links steuern können. Die Landung sei tadellos glatt erfolgt; blos sei der Ballon quer gegen die Windrichtung zu liegen gekommen und gegen einen Pfahl getrieben worden, der ein Loch in die Ballonhülle riß. Als Das Floß herangebracht war, habe man den Ballon vorn entlastet. Leute auf dem Floß hätten zwei vom Ballon herabhängende Stricke erwischt und denselben dann auf das Floß gezogen, woraus erst die Jnsaffen aus den Gondeln hinausgesprungen seien. Die Freunde des Grafen behaupten, auch der Wind sei oben viel stärker gewesen als unten, woraus allerdings der langsame Davonflug des vorher ausgelassenen kleinen Versuchsballons nicht schließen ließ. Graf Zeppelin will, ehe er wieder aufsteigt, aus der gestrigen Fahrt Lehren ziehen und einige Aenderungen treffen, was wohl eine Weche dauern dürfte. Wien, 3. Juli. Vier Wiener Touristen, die am Samstag einen Aufstieg auf den Dachstein unternahmen, sind bisher noch nicht zurückgekehrt. * Pilsen, 3. Juli. Auf der Station JosephShütte suhr infolge falscher Weichenstellung ein Personenzug auf einen Lastzug aus. Eine Person wurde schwer, fünf leicht verletzt. * Charkow, 3. Juli. Aus der Station Soszimowka der BalaichoSk Eisenbahn entgleiste infolge einer durch Regengüsse bewirkten Bahndammzerstörung ein Personenzug und stieß mit einem Güterzug zusammen. 8 Personen sind tot, 30 verwundet. Der Eisenbahnverkehr ist auf zwei Tage unterbrochen. Universität uni» Hochschule. Aus Heidelberg wird geschrieben: Der zweite hiesige Bürgermeister Dr. Ernst Walz wird sich nächstens als Privatdozent, vornehmlich für badisches Verwaltungsrecht, habilitieren. Dr. Walz ist der Ver- fasser eines Wertes über „Badisches Ortsstraßenrecht". — Der a. o. Professor Dr. C. Jung, Leiter des zahnärztlichen Instituts an der Heidelberger Universität, legt sein Lehramt nieder, um nach Hamburg überzufiedeln. — Aus Bonn wird geschrieben: Für das nächste Studienjahr wurde zum Rektor der hiesigen Universität der Geh. Med.-Rat Professor Dr. Freiherr v La Valette St. George gewählt. — Der Borstand der Juristischen Gesellschaft in Berlin, an deren Spitze der Reichsbankpräsident Wirk!. Geh. Rat Dr. Koch steht, hat Fräulein jur. Marie Raschke als Mitglied ausgenommen. Dabei wurde Lllerdings der Vorbehalt ausgesprochen, daß in ähnlichen Fällen die Zulässigkeit der Ausnahme einer Frau erneuten Erwägungen unterliegen soll. Zan-urirtschast. Darmstadt, 2. Juli. Nachdem von vielen Seiten Wünsche wegen Verlängerung des Anmeldetermins für verschiedene Abteilungen der landwirtschaftlichen Landesausstellung zu Darmstadt geäußert "urdm, hat die Ausstellungsleitung beschlossen, den J®?!$'Atwirtschast und Jagd, landwirtschaftliche Hilfsstoffe, landwirtschaftliche Rebengewerbe, Maschinen und Geräte und für dre w.ffenschastliche Abteilung bis 15. Juli zu verlängern. Der Umfang der bisherigen Anmeldungen läßt auf eine außergewöhnlich «L.kb, Beschickung der Ausstellung schließen. Insbesondere werden die Abteilungen für Maschinen und landwirtschaftliche Hilfsstoffe und Düngemittel die früheren Ausstellungen dieser Art an Umfang und Reichhaltigkeit wesentlich übertreffen, indem außer den bekanntesten Firmen des BroßherzogtumS auch solche aus den benachbarten Provinzen in großer Zahl vertreten sind. ö p Frankfurt a. M., 4. Juli. Am 27. Juni tagte hier die Generalversammlung der Landwirtschaftlichen Central-Darlehns- lvsse für Deutschland. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Gutsbesitzer Kaulen-Lövenich, leitete die Versammlung. Zunächst teilte er >nit, daß der langjährige General-Direktor Cremer aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt habe, und daß der Aufsichtsrat einstimmig auf ebenfalls einstimmig erfolgten Vorschlag des Vorstandes 9tn Verbandsdirektor Heller-Danzig zum Generaldirektor der Central- wiffe und damit zugleich des Generalverbandes ländlicher Genoffenschaften R^iffeisenscher Organisation für Deutschland zu Neuwied gewählt habe. . den scheidenden Generaldirektor Cremer wurde ein Begrüßungs- tejegramm, in dem ihm für die lanjährige, selbstlose Thätigkett herzlichster D»»nk ausgesprochen wird, gesandt. Der neue Generaldirektor erstattete darau, den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Jahresbericht für 1899, aus dem die ständig wachsende Bedeutung der großen Raiffeisenorgani- sation hervorgeht. Die Generalversammlung genehmigte einstimmig die Bilanz und erteilte Entlastung. Auf Vorschlag des Aufsichtsrates wurde beschlossen, den Aktionären, als welche bekanntlich nur RaiffeiseN'Lereine mit unbeschränkter Haftpflicht zugelassen werden, eine Dividende von 4 Prozent zu zahlen. Schließlich wurden verschiedene Statutenänderungen ausgenommen, darunter als wichtigste die einstimmig beschlossene Erhöhung des Aktienkapitals auf 10 Millionen Mark. Sport, Spiel, Jagd. Dresden, 3. Juli. So weit die deutsche Zunge klingt, rüstet man sich in Schützenkreisen zur Reise nach der Hauptstadt des Sachsenlandes, um dort der Feier des 13. Deutschen Bundes- s ch i e ß e n s — 8. bis 15. Juli — beizuwohnen. Und das gastliche Dresden rüstet, um sich für die bevorstehenden Tage zu schmücken. Der Festplatz, mit Dampfschiff und von allen Stadtteilen aus mit elektrischer Straßenbahn in wenigen Minuten bequem zu erreichen, liegt in Dresden- Friedrichstadt, im sogen. Ostragehege. Gerichtssaal. -1. Gieße«, 3. Juli. Strafkammer. Eine durch das hiesige Untersuchungsamt zu Anfang d. I. vorgenommene Untersuchung von Wurfiproben hatte das Ergebnis geliefert, daß von fünf Lauterbacher Metzgrrn zwei zur Herstellung ihrer Wurstwaren einen Zusatz von Stärkemehl verwendeten. Es war deshalb gegen die beiden, und zwar gegen Jerome Rehn und Johs. Duchardt IV. wegen Vergehens gegen 8 101 des Nahrungsmittelgesetzes bezw. Uebertretung des § 3677 des Strafgesetzbuchs Strafantrag gestellt worden, sie waren jedoch vom Schöffengericht Lauterbach am 23. April d. I. freigesprochen worden. Die hiesige Strafkammer erachtet indes das von diesen Metzgern damals beliebte Publikationsmittel — eine neben der jeweiligen Fleischtaxe ausgehängte Schiefertafel, auf der mit Kreide die Worte verzeichnet waren: „Fleischwurst rc. mit Zusatz" — als gesetzlich nicht ausreichend und nimmt deshalb beide mit Rücksicht auf die genannten Paragraphen in eine Geldstrafe von je 20 Mk. — Dem Fabrikanten Ferd. Neitzert aus Fulda wird zur Last gelegt, eine belgische Firma zur falschen Deklaration ihrer Fabrikate bewegt und sich dadurch einer Zolldefraudation schuldig gemacht zu haben. Von der Strafkammer vom 23. Januar d. I. wurde er fteigesprochen. Gegen dieses Urteil hatte der Staatsanwalt Revision eingelegt, weshalb die Sache zufolge d^r Entscheidung des Reichsgerichts zur nochmaligen Verhandlung vor die hiesige Strafkammer gelangte, die heute auf eine Ordnungsstrafe von 80 Mk. erkennt. — In Ober-Seemen hatten sich gelegentlich der bevorstehenden Bürgermeisterwahl zwei Parteien gebildet, die sich gelobten, für den ihrerseits in Aussicht genommenen Kandidaten durch dick und dünn zu gehen. Daß sie event. auch der Ausfechtung einerFehde nicht abgeneigt waren, bewiesen die charakteristischen Bezeichnungen, die sie sich beigelegt hatten, denn zwischen „Buren" und „Engländern", wie sie sich zu nennen beliebten, dürfte wohl kein allzu großes Einvernehmen vorauszusetzen sein. Zu einem offenen Kampfe kam es indes erst am Tage der Wahlschlacht, am 10. März d. I. oder vielmehr in der darauf folgenden Nacht. Die Hauptbeteiligten stehen heute in d r Person des Maurers Hch. Kipper und des Zimmermanns Hch. Herröder V. vor den Schranken des Gerichts, um sich gemäß ber SS223, 223awegen schwerer Körperverletzung zu verantworten. Nach einem vorausgegangenen, noch harmlosen Rencontre mit dem Schmied Johs. Lind verfolgten sie diesen, um chn für angeblich erlittene Unbill zur Rechenschaft zu ziehen. Wie aus der heutigen Zeugenvernehmung mit genügender Zuverlässigkeit hervorgeht — die Voruntersuchung hatte sehr widersprechende Aussagen zutage gefördert — gelang es dem Angeklagten Kipper, seinen Feind am Rocke festzuhalten, in dem Augenblicke, als dieser die zu seinem Hofe führende Treppe hinaufeilen wollte, während der Angeklagte Herröder mit einem gefährlichen Hiebwerkzeuge darauflos und seinen Gegner nahezu besinnungslos zu Boden geschlagen haben muß. Beide Angeklagte leugnen zwar, und behaupten mit großer Dreistigkeit, der Bruder des Verletzten, Wilhelm, habe mit einer Mistgabel dreingeschlagen und bei dieser Gelegenheit seinen Bruder getroffen Für diese Ausflüchte findet sich indes nicht der geringste Anhalt, int Gegenteil ist es als feststehend zu betrachten, daß Wilhelm Lind erst dann zur Mistgabel gegriffen hat, nachdem er seinen Bruder bewußtlos im Hofe liegend fand. Da einesteils der Verletzte infolge der erlittenen Mißhandlungen ca. 10 Wochen an das Zimmer gefesselt war, auch heute noch nicht völlig hergestellt ist, und voraussichtlich an den Folgen zeitlebens zu tragen haben wird, andernteils beide Angeklagte in angetrunkenem Zustande als gewaltthätige Menschen bekannt, und wegen ähnlicher Vergehen bereits vorbestraft find, erkennt die Straftammer dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend, auf eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten gegen Kipper und von 1 Jahr 6 Monaten gegen Herröder, und verfügt die sofortige Verhaftung des letztern, der s. Z. als scheinbar nur wenig belastet wieder auf freien Fuß gesetzt worden war. Darmstadt, 3. Juli. Bor der Strafkammer stand gestern der frühere Bürgermeister, OrtSgerichtSvorsteher und Srandesbeamte Jakob Hofferberth von Hetschbach wegen Unterschlagung. Er hatte einige Jahre die genannten Aemter inne, obwohl er noch nicht selbständig, sondern im Brot seines VsterS war. Er liebte etwas die Geselligkeit und kam deshalb mit seinen Einkünften nicht auS. Jnfolgedeffen lieferte er wiederholt Gelder, die ihm anvertraut waren, nicht an die Gemeindekasse ab, sondern vrrwcnde'.e dieselben für sich. So unterschlug er in den letzten vier Jshren 400 Mk. Kaufschilltng, 49,25 Mk. Schafweidepschtgeld, 37,80 Mk. Einquartierungsgelder und 25,50 Mk. Erlös «ms einer Mobiliarversteigerung. Er ist in jeder Beziehung geständig und versuchte nur, sich auf Unzurechnungsfähigkeit hinauSzureden. Er fing dies aber so plump an, daß der Sachverständige, Kreisarzt Dr. Schäffer von Erbach, ihn durchschaute. Gestern gab er selbst zu, daß er habe täuschen wollen. Er wurde zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt, von der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte aber abgesehen. Hofferberth hat die angegebenen Beträge der Kaffe erstattet. (Darmst. Tgbl.) Stuttgart, 3. Juli. Eine Entscheidung von grundlegender Bedeutung traf das Stuttgarter Landgericht als Jnstanzengericht, indem es die Forderung der Stteikleitung des letzten Stuttgarter Möbel- arberterausftandes, daß die Streikbrecher gezwungen werden sollen, die aus der Stteikkaffe empfangenen Unterstützungen zurückzubezahlen, abwies. In der ausführlichen Begründung heißt es u. a.: Die eigenen Einräumungen des Klägers, daß vielleicht schon von Anfang an beabsichtigt gewesen sein möge, von denjenigen, welche beim Streik ausharren, die Beträge nicht zurückzuverlangen, daß aber die Geldempfänger gleich beim Empfang der Unterstützungen belehrt worden seien, daß jedenfalls von den Streikbrechern das Geld werde zurückverlangt werden, lassen erkennen, daß die Form des Darlehens lediglich zp dem Zweck gewählt worden ist, um zu verdecken, daß es sich bei den hingegebenen Bettägen uni Streikunterstützungen handelt, deren Rückforderung im Wege der Klage nach S 132 der Gewerbeordnung ausgeschlossen ist. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse gvem 3. JnlL Wechsel auf New-York zu 4.2 01/»“21£X Uw* WÜVU Hotel u. Pension „zur Krone**, Sommerfrische. Pensionsprospekt u. Führ. grat. Les.: G. Diefenbach. Jede sorgsame Mutter sollte auf den Rat de« Arztes hören und beim Waschen der Kinder die ärztlich empfohlene Patent-Mvrrholin-Seife anwenden. So schreibt z. B. ein bekannter Arzt: „Bei meinem Kindchen (z. Z. % Jahr alt) wegen oberfläch» Ucher Hautschrunden rc. zu Waschungen in Gebrauch genommen, hat sich großartig bewährt." Die Patent-Myrrhottn Seife, welche überall, auch in den Apotheken, erhältlich, ist bereits in vielen Familien unentbehrlich geworden. Bei Todesfällen übernimmt die Buchdruckerei des Giessener Anzeigers, Schnlstrasse 7, die schnellste Anfertigung von Trauerbriefen und Danksagungskarten, welche auf Wunsch couvertlrt geliefert werden. 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