Donnerstag den 5 Juli Erstes Blatt. i»oe Amts* und Anzeigeblatt für den Urei» Gieren. Alle Anzeigen-Bermittlung-stellen des In- und AuSl««mS nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgege, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. HvteMa«, fc^Kkition und Druckerei: -ch«rßr«ße Nr. L Nezugsprets vierteljährl. Mk. 2M monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohnr durch die AbholesteL« vierteljährl. Mk. 1,8t monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Adreffe für Depeschen: Anzeiger chittzß». Fernsprecher Nr. 5L Snnvtzmr Anzeige« zu der nachmittags für den HOtgeod« t«f «scheinenden Nummer bis »arm. 10 iHr. AbbetzeLmgen fpätestmS vorher. GratisbMage«: Gießener Familienblätter, Der heffisthe Landwirt, Etter für hessische UslKsKundr. Gießen, 2. Juli 1900. Betr.: Die land- nnd forstwirtschaftliche Berufsgenossen- schast für das Großherzogtum Hessen. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien Allertshausen, Alteu-Buseck, Bersrod, Climbach, Garbeuteich, Geilshausen, Hausen, Heuchelheim, Huugen, Langd, Lauter, Leihgestern, Nieder Bessingen, Bekanntmachung. Betr.: Die Maul- und Klauenseuche. Nachdem die Seuche in Leusel, Kreis Alsfeld, erloschen ist, sind die angeordneten Sperrmaßregeln ausgehoben worden. Nachdem die Seuche in sämtlichen verseucht gewesenen Gehöften in Ruppertenrod, Kreis Alsfeld erloschen ist, ist die seither noch bestandene Gehöftesperre aufgehoben worden. Da die Seuche in Unter-Seibertenrod, Kreis Schotten, erloschen ist, sind die angeordneten Sperrmaßregeln ausgehoben worden. Gießen, den 3. Juli 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Betreffend: Die Abgabe der Vermögenssteuer-Erklärungen zum Zwecke der Veranlagung für das Steuerjahr 1901/02. Nach Art. 19 des Gesetzes die Vermögenssteuer betr., vom 12. August 1899 haben die von der Kommission für die Einkommensteuer erster Abteilung zu veranlagenden, ein jährliches (Änkommen von 2600 Mark und mehr besitzenden Betriebsunternehmer (Personen, die Land- und Forstwirtschaft oder ein Gewerbe betreiben), die zum ersten Male mit Anlage- und Betriebskapital zur Vermögenssteuer veranlagt werden, eine schriftliche Erklärung über das im land- und forstwirtschaftlichen oder gewerblichen Unternehmen verwendete Anlage- und Betriebskapital und die es belastenden Schulden abzugeben. Meßmer Anzeiger Heimat-Anzeiger Gießen, den 2. Juli 1900. Betr.: Die Vorschriften des Arbeiterschutz-GesetzeS vom I.Iuni 1891 über die Arbeitsbücher und Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien der Land- gemeinden des KreiseS. Nach c II. Absatz 2 der Ihnen zugegangenen gedruckten Anweisung vom 26. März 1892 ist von der Ortspolizeibehörde in jeder gewerblichen Anlage, welche den Bestimmungen der §§ 135 bis 139 b der Gewerbeordnung vom 1. Juni 1891 unterliegt, und in welchen Arbeiterinnen oder jugendliche Arbeiter beschäftigt werden, jährlich mindestens eine ordentliche Revision vorzunehmen. Hierbei sind solgende Punkte sestzustellen: 1) Wie groß ist die Zahl der in der revidierten Anlage zurzeit beschäftigten Arbeiter a. zwischen 16 und 21 Jahren, b. zwischen 14 und 16 Jahren, c. unter 14 Jahren? In den Rubriken a., b. und c. find diese Zahlen getrennt nach Geschlechtern festzustellen. Außerdem ist, soweit die- thunlich, die Zahl der Arbeiterinnen über 21 Jahre zu ermitteln. 2) Sind sämtliche minderjährige Arbeiter (mit Aus- nähme der unter A III Abs. 3 der Anweisung bezeichneten) mit vorschriftsmäßig auSgesüllten Arbeitsbüchern versehen? 3) Ist in den Arbeitsräumen, in denen Arbeiterinnen über 16 Jahre beschäftigt werden, der Auszug aus den gesetzlichen Bestimmungen ausgehängt? 4) Stimmt die regelmäßige tägliche Arbeitszeit an den Vorabenden der Sonn» und Festtage und die Mittagspause der Arbeiterinnen über 16 Jahren mit den gesetzlichen Vorschriften (§ 137 Abs. 1—4 der Gew.-Ord.) und mit der der Ortspolizeibehörde erstatteten Anzeige überein? 5) Wird denjenigen Arbeiterinnen über 16 Jahren, welche ein Hauswesen zu besorgen haben, aus ihren Antrag eine 1^/zstündige Mittagspause gewährt? 6) Werden nicht Arbeiterinnen entgegen der Vorschrift des § 137 Abs. 5 der Gewerbeordnung während der ersten vier Wochen nach ihrer Niederkunst beschäftigt oder ist, sofern eine Beschäftigung während der folgenden zwei Wochen stattfindet, das Zeugnis eines approbierten Arztes, welches diese Beschäftigung für zulässig erklärt, beigebracht worden? 7) Sind in den Arbeitsräumen, in denen jugendliche Arbeiter beschäftigt werden, der Auszug aus den gesetzlichen Bestimmungen und das Verzeichnis der jugendlichen Arbeiter ausgehängt? 8) Stimmen die Angaben dieses Verzeichnisses über Arbeitszeit und Pausen mit den der Ortspolizeibehörde gemachten Anzeigen überein? 9) Stimmen die in dem Verzeichnisse eingetragenen jugendlichen Arbeiter mit dem Befunde und mit den vom Arbeitgeber verwahrten Arbeitsbüchern überein? 10) Stimmen Arbeitszeit und Pausen der jugendlichen Arbeiter mit den gesetzlichen Vorschriften und den aus den Verzeichnisien eingetragenen Angaben überein? Indem wir Sie an die Vornahme dieser Revision hiermit erinnern, wollen wir Ihrer berichtlichen Vorlage, unter genauer Berücksichtigung der vorerwähnten Punkte, bis znm LS. August d. I. spätesteus entgegensetzen. Hinsichtlich des zu verwendenden Formulars (G) verweisen wir auf unsere Verfügung vom 21. März 1900 (Gießener Anzeiger Nr. 71). v. Bechtold. Die Wehrkraft Chinas. Von Theodor v. Schewe (vormals erster Instruktions- Offizier in Tientsin.) Die Niederlagen, welche die chinesischen Streitkräfte; in dem jüngsten Kriege gegen die Japaner zu Wasser und« zu Lande erlitten haben, waren für den Kenner ostasiatischer Verhältnisse keineswegs auffallend. Hatten sich doch die Japaner von jeher durch Tapferkeit ausgezeichnet und schon in dem gerade vor dreihundert Jahren bei aleich wertiger Bewaffnung ebenfalls in Korea geführten Kriege den Chinesen in jedem Gefechte überlegen gezeigt. Die lange Dauer des Krieges hat damals die Japaner trotzt ihrer Waffenerfolge ermüdet und dem Frieden um so eher geneigt gemacht, als die eigentliche Triebfeder des Krieges der ehrgeizige Regent Hidejossi, auf seinem Kranken- und Sterbelager die Zurückziehung des Heeres aus Korea gewünscht hatte. Auch in dem letzten Kriege haben die Japaner trotz der in Korea und Liaotong so glänzend gezeigten militärischen Ueberlegenheit den angekündigten konzentrischen Vormarsch ihrer Heeresteile auf Peking unter-, lassen und sich nach dem leichten Siege von Wei-hai-wer um so lieber mit dem stachligen Beutebissen Formosa begnügt, als die von Frankreich und später auch von Deutschland unterstützte russische Diplomatie ihren Einfluß zu Gunsten Chinas geltend zu machen begann. Die thatsach liche Unterwerfung Formosas hat der japanischen Armeeweit glrößere Opfer gekostet, als der ganze Krieg nut Damals sollen zur Verteidigung der Hauptstadt angeblich 3—500 000 Mann Soldaten bereitgestanden haben!, doch werden es> abgesehen von der mongolischen Reiterei, kaum mehr als 200 000 Mann gewesen sein, und ebenso! viel stehen Mch heute nur zur Verfügung. 10 000 Franzosen und Engländer haben am 18. und 21. September 1860 ein Heer von 60 000 Chinesen und Mongolen bei Tschangkiawang und Balichiao entscheidend geschlagen. Die Verluste der Engländer und Franzosen an Toten und Verwundeten erreichten in beiden Gefechten zusammen noch nicht die Zahl von 100, während die Chinesen bei Balichiao allein 3000 Tote verloren. Gegenwärtig wird das Verlustverhältnis vermöge der Lieferung europäischer Waffen und der teilweise von Europäern geleiteten Ausbildung der! chinesischen Truppen für diese nicht ganz so ungünstig sein, doch dürfte der Verlust der Chinesen in jedem Gefechte! immer noch mindestens das Zehnfache des Verlustes der Europäer betragen, selbst wenn die Chinesen mit fünf- bis zehnfacher Uebermacht kämpfen sollten. Alle gegenwärtig zur Verteidigung Pekings zur Verfügung stehenden ch i n e s i sch - t a r t ar i s chen Truppen würden zusammen nicht im st an de sem, dem kraftvoll durchgeführten Angriffe e i n e r e i n z i g e ch tüchtigen europäischen oderjapanischen Division von 15000 Mann in einer Felds ch lach t Widerstand zu leisten. Dert attische Wert eines chinesischen Heeresl wird durch das Zusammentreffen verschiedener, eine nd^ tige Kraftentfaltung hindernder Umstände derartig ungünstig beeinflußt, daß er, in Zahlen ausgedrückt, kaum au f ach t b is z eh n P r o zen t d es t a ktischen Wertes eines europäischen Heeres geschätzt werden' kann. Zunächst behandelt "der chinesische Soldat seme. Waffen derartig schlE, da ßbinnen kurzer Zeit Geschütze und Gewehre nicht nur verrostet, sondern auch schon zu einem starken, naturgemäß stets steigenden Prozentsatzs völlig unbrauchbar geworden sind. Die Ausbildung der Soldaten im Schießdienste ist natürlich eben so gering, tote in allen anderen Dienstzweigen. Zwar soll schon im Frieden jeder chinesische Soldat zur Uebung jährlich 180 Patro-. nen verschießen, doch geschieht dies eben nicht. Die Arsenalverwalter und Trnppenkommandeure betrügen hierbei, sowie in vllen anderen Dingen, gemeinschaftlich den Staats in so offenkundiger Weise, daß selbst der äußere Schein der Ehrlichkeit wenig gewahrt bleibt. Die von den euro- päischen Militärinstrukteuren dagegen erhobenen Vorstellungen blieben völlig wirkungslos, da ja die Truppenkommandeure, ebenso wie alle anderen chinesischen Offiziers und Beamten, auf Beute jeglicher Art angewiesen sind, von! der ihnen wieder ein Teil von ihren Vorgesetzten und den Zivilgouverneuren abgenommen wird. So ein ausgedehntes System von Lug, Trug und Bestechung, und so eine vollkommene Verderbnis der Sitten wie sie in dem äußeren Rahmen der Hohen Lehre de^ Konfutse im Laufe der Zeit üblich geworden, sind selbst unter der Herrschaft des Rubels ebenso unbekannt, wrs unter der Herrschaft des Königs Dollar. Ferner sind nach Art. 25 desselben Gesetzes diejenigen, deren sonstiges Vermögen (Kapitalvermögen usw.) nach Abzug der darauf lastenden Schulden einen Wert von 3000 Mark und mehr hat, zur Abgabe einer schriftlichen Erklärung über dieses Vermögen verpflichtet. Zu diesen Erklärungen sind die vom Gr. Ministerium der Finanzen festgesetzten Formularien zu verwenden; dieselben sind je nach der Wahl der Steuerpflichtigen offen oder verschlossen spätestens bis znm 31. Juli d. IS., ohne haß der Pflichtige deshalb eine besondere Aufforderung abzuwarten hat, bei der Bürgermeisterei des Wohnorts oder auch unmittelbar bei dem betreffenden Steuer-, kommissariat abzuliefern. Den außerhalb des Großherzogtums wohnenden Steuerpflichtigen werden die Formularien zu den Steuererklärungen durch die betreffenden Steuerkommissariate zugesendet, an welche die abzugebenden Erklärungen innerhalb vier Wochen unmittelbar eimusenden sind. Nach! Art. 32 des Gesetzes sind die Vermögenssteuererklärungen abzugeben: 1. für Minderjährige, für Abwesende, sowie für Personen, die aus anderen Gründen unter Vormundschaft oder Pflegschaft gestellt sind, von deren gesetzlichen Vertretern; 2. für Nachlaßmassen, die der Steuerpflicht unterliegen, von deren Verwaltern; 3. in allen anderen Fällen von dem Steuerpflichtigen selbst und zwar hinsichtlich seines eigenen Vermögens sowohl, als auch des Vermögens, das ihm nach Art. 10 des Gesetzes bei der Besteuerung zuzurechnen ist. Bei Abgabe dieser Erklärungen ist besonders zu beachten, daß Schulden und La st en nur dann an b c m rauhen Ve r.m ö-g e n ab gezogen werden können, wenn das Bestehen und die Höhe dieserSchulden undLasten nach- gewiesen wird. Zwecks Herbeiführung einer zutreffenden Veranlagung des Grundvermögens, bezügliche dessen eine gesetzliche Verpflichtung zur Abgabe von Erklärungen nicht besteht, ist die Einreichung freiwilliger Erklärungen über die Höhe, den Wert desselben und die es belastenden Schulden in eigenem Interesse des Steuerpflichtigen sehr wünschenswert, da hierdurch! unter Umständen einer irrtümlichen Veranlagung und den hieraus erwachsenden Weiterungen vorgebeugt wird. Anknüpfend an diese Mitteilungen richten wir an die hiernach zur Abgabe von Vermögenssteuererklärungen Verpflichteten unserer Bezirke hiermit die Aufforderung, ihre Erklärungen unfehlbar bis zu dem angegebenen Termin an die betr. Bürgermeistereien oder direkt an uns gelangen zu lassen. Die bei den Bürgermeistereien einlaufenden! Steuererklärungen werden, und zwar insoweit verschlossen, uneröffnet, an die Vorsitzenden der betr. Veranlagungskommissionen abgegeben werden. Die Formularien zu den Steuererklärungen, welchen ein Auszug aus dem Gesetz und der hierzu erlassenen! Anweisung beigefügt ist, hat der Steuerpflichtige von der Bürgermeisterei des Wohnorts zu beziehen. Gießen, Grünberg, Hungen und Nidda, 29. Juni 1900. Die Großherzoglichen Steuerkommissariate I. E. I. E. Köhler. Ulrich Frenz Schmitt. Nr. *54 täglich mit be8 Die Gieße «r M«milte«»tätter Werden dem Anzeiger t» »echpl mit „Hess. 8enb»irr ». „Blätter jLr heg. Volks künde- »öchtt. 4 wü beigelegt. Nouuenroth, Odeuhauseu, Oppenrod, Rödgen, Ruttershausen, Saasen, Steiuheim, Winnerod. Sie wollen unsere Verfügung vom 1. Mai 1900 (Gieß. Anz. Nr. 102) innerhalb acht Tagen erledigen. v. Bechtold. Die Tapferkeit gehört nebenbei auch nicht gerade zu 'den Tugenden des chinesischen Soldaten, dagegen ist er bis zu einem gewissen Grade willig und bedürfnislos. Vor allem erträgt er Hitze und Kälte ebenso wie Hunger und Durst mit großer Leichtigkeit, während er wieder gegen die Unbedeutendsten Regen- und Schneefälle sowie gegen starken Wind sehr empfindlich ist. Das starre Festhalten am Althergebrachten, an guten und schlechten Sitten, an Vorurteilen, Gewohnheiten und an Aberglauben der verschiedensten Art, sowie die Verachtung aller fremdländischen Kultur haben in China eine Art von Abderitentum großgezogen, das besonders der Wehrkraft des Landes zum Schaden gereicht. Die Thorheiten, die in militärischer Beziehung von der, gewöhnlich durch einen Zivilbeamten ausgeübten Leitung des Heeres an bis zur Thätigkeit des einzelnen Soldaten hinunter fortgesetzt begangen werden, sind so groß, und so mannigfaltig, daß sie derjenige kaum für möglich halten wird, der nicht selbst in der Lage war, chinesische Truppen zu beobachten. Es ift| z. B. eine charakteristische Thatsache und keineswegs eine Erfindung, daß im letzten Kriege mit den Japanern nicht nur die weit vom Schuß befindlichen Dmp- pen-Kommandeure, sondern auch die im Bereiche des feindlichen Feuers liegenden Offiziere und Soldaten beim Fallen einiger Regentropfen — ihrer angeborenen Wasserscheu nachgebend — schleunigst durchs Aufspannen von Schirmen gegen den Regen Deckung gesucht und hierdurch dem feindlichen Feuer ein größeres Ziel geboten haben. Die Abderitenstreiche der leitenden Stellen sind den Chinesen sehr oft verhängnisvoll geworden und haben noch im Jahre 1884 dem französischen Admiral Courbet zu dem billigen Triumphe von Futschau verhalfen, der dann von Jules Ferry als eine der ruhmreichsten Wafsenthaten übermäßig gefeiert worden ist. Die angeblich so große Zahl der chinesischen Soldaten, die Zahl der chinesischen Festungswerke und besonders auch die große Zahl der darin auf gestellten, meist von Krupp und Armstrong gelieferten Geschütze können europäische Beurteiler, wie z. B. die bei Ausbruche der Feindseligkeiten mit Japan chinafreundlichen englischen Berichterstatter ge- than haben, leicht verleiten, von der Wehrkraft Chinas mit größerer Achtung zu sprechen, als sie verdient. Der an europäische Verhältnisse gewöhnte Beurteiler kann sich kaum vorstellen, in wie hohem Maße das bereits gekenn-^ zeichnete chinesische Abderitentum die zweckmäßige Anlage von Festungswerken und besonders auch die zweckmäßige Verwendung der vorhandenen Geschütze von vornherein Verhindert. Der preußische Leutnant und jetzige chinesische General v. Hanneken durfte als Festungsbaudhrektov von Port Arthur die schweren Verteidigungsgeschütze nicht an den zur sicheren Bestreichung des Hafens, der vorliegenden See und des vorliegenden Geländes geeignetsten! Stellen, etwa gar dem Auge des Beobachters möglichst entzogen, aufstellen, sondern mußte auf das gebieterische Verlangen der Chinesen die Batterien auf den höchsten und weithin sichtbarsten Punkten errichten, damit dem Feinde' größere Furcht eingeflößt werden sollte. Die Folge davon war, daß der größte Teil des Hafens im toten Winkel lag. 9hir mit Mühe konnte Hanneken die zweckmäßige Anlage einiger kleineren Batterien erreichen. Aehnlich lagen die Verhältnisse in Taku, das allerdings mit Batterien förmlich gespickt war. Dagegen war hier das Baumaterial — der Lehm des Peho — das denkbar ungeeignetste. Taku, dieser Stolz Chinas, ist nach int ganzen siebenstündiaem Kampfe in die Hände der Europäer gefallen, und das eine Meile nördlich von Taku am Ausfluß des Petangflusses gelegene Petang wird wohl ohne Sang und Klang das Schicksal Takus geteilt haben. Tsiaotschang und Lutai, die Sitze der Generalkommandos südlich und nördlich des Peho, sind garnicht befestigt, und das zwischen Taku und Tientsin am Peho gelegene kleine Sperrfort scheint schon vor der Erstürmung Takus in den Händen der Europäer gewesen zu sein. 1 Die verbündeten europäischen Truppenteile treffen bis Peking keine Festungen, boefy ist jede chinesische Stadt mit einer Mauer umgeben. Die Mauern von Peking selbst sind außerordentlich, hoch und breit, doch! wird eine Verteidigung derselben, ebenso wie im Jahre 1860, kaum versucht werden. Das Gelände der Pehoebene ist lehmig, auch 'befinden sich- die Wege und Brücken in sehr schlechtem Zustande, sodaß bei Regenwetter das Fortkommen ziemlich erschwert ist. Der Peho kann jedoch bis Tungtschao — ungefähr 35 Kilometer von Peking — als Wasserstraße benutzt werden. Das Vorrücken der europäischen Truppenteile bis Peking hat also, selbst wenn die Benutzung der teilweise zerstörten Eisenbahnlinie nicht angängig ist, mit verhältnismäßig unbedeutenden Schwierigkeiten ju rechnen. Das chinesische Landheer setzt sich aus dem kaiserlichen Heere, im engeren Sinne, und den Provinzialtruppen zusammen. Das aus „acht Bannern" bestehende eigentliche kaiserliche Heer ergänzt sich nur aus Mandschuren, aus den seit der Eroberung Chinas mit ihnen verbündeten Mongolen der östtichen Aimaks und aus den Nachkommen derjenigen chinesischen Soldaten, welche zu derselben Zeit (1644) freiwillig unter den Mandschuren gefochten haben. Dieses Heer steht teilweise in der Nähe Pekings, in den Provinzen Tschili und Liaotong, besonders auch in Schan- haikvan, wo die große Mauer an der Grenze der vorgenannten Provinzen bis in das Meer hinein geführt worden! ist, teilweise steht es unter besonderen Bannergeneralen in den entfernteren Provinzen, die eine Art Aufsicht über die Zivilgouverneure ausüben. Die kriegerische Kraft der im Laufe her Jahrhunderte verweichlichten, in Sitten und Gebräuchen völlig in den Chinesen aufgegangenen Mandschuren ist bis auf die in der alten Mandschurei zurückgebliebenen Reste dieses Tartarenstammes völlig erloschen. Ebenso ist auch die kriegerische Kraft der ganz unter der schwerlastenden Herrschaft der Leamapriester stehenden, vielleicht noch zwei Millionen Köpfe zählenden Nomaden- bevölkerung derartig zurückgegangen, daß ihre Reiterei selbst in China den Schrecken des 13. Jahrhundert völlig verloren hat und europäischen Truppen gegenüber wenig in Betracht kommen kann. Außer der kaiserlichen Armee besteht in jeder Provinz und den in der Verwaltung den Provinzen gleichgestellten Nebengebieten Chinas eine besondere, unter je einem Titu oder kommandierenden General stehende Provinzialarmee. Die Titus unterstehen sowohl dem Kriegsministerium zu Peking als auch den Zivilgouverneuren ihrer Provinz. Die Stärkere schinesischenHeeres soll im Frieden 1 200 000 Mann, also noch nicht ein Drittel Prozent der Bevölkerung gusmachen, während sie in Wirklichkeit höchstens 300 000 Mann, also vielleicht ein Fünfzehntel Prozent der gegenwärtig auf ungefähr 450 Millionen Einwohner zu veranschlagenden Bevölkerung des über 11 Millionen Quadratkilometer großen Reiches zählt. Die taktische Einheit bilden Lager von 500 Mann, von denen in den entfernteren Provinzen oft nur 50 Stammmännschäften ständig versammelt sind, welche Zahl sich in der am schärfsten kontrollierten Provinz Tschili auf etwa 300 bis 350 Mann erhöht. Der Sold der fehlenden Soldaten, die durch erspartes Pferdefutter und ähnliche Unregelmäßigkeiten erzielten Ersparnisse und anderweitigen Nebeneinnahmen fließen zunächst in die Tasche der Lagerkommandanten, die aber ihren Vorgesetzten sowie den revidierenden Beamten einen Teil der Beute abgeben müssen. Die Offiziere ergänzen sich im allgemeinen aus den Soldaten und sollen nach den alten Ueberlieferungen nach! Maßgabe ihrer Kraft und Geschicklichkeit befördert werden. Meistens werden die Stellungen aber mehr oder minder öffentlich verkauft. Der Sold der chinesischen Soldaten übersteigt in China den durchschnittlichen Tagelohn gewöhnlicher Arbeiter, der nach unserem Gelde etwa 20 bis 40 Pfennig für den Tag beträgt Es kommt daher vor, daß die Einstellung als Soldat im Frieden bereits als eine gewinnbringende Beschäftigung angesehen wird, die bei stärkerem Angebot nur durch Gunst oder Bestechung erreicht werden kann. Andererseits nehmen sich, die Lagerkommandanten, die Generale, sowie auch die hohen Zivilbeamten das Recht, die in ihrem Verwaltungsbereiche befindlichen Soldaten geeigneten Falles in ihrem persönlichen Interesse als Arbeiter zu. 'verwenden. In diesen Fällen werden Trägheit und Nachlässigkeit sehr streng bestraft. Eine wichtige Nebenbeschäftigung der verwaltenden chinesischen Generale ist stcis die Unterhaltung mehrerer Pfandleihen. Erfteuen sich di.se Geld-Jnstttute des erwünschten Zuspruches noch nicht in dem erwarteten Maße, so werden einfach die mit den 1. und 15. jeden Mond-Monats festgesetzten Soldzahlungen so lange ausgesetzt, als das Geschäftsinteresse des Generals dies zweckmäßig erscheinen läßt. Die in den einzelnen chinesischen Provinzen errichteten Pulverfabriken und Militärschulen sind im großen ganzen nicht vielmehr als Attappen, und die Mühe und Pflicht- treue der europäischen Instrukteure fällt stets aus recht undankbaren Boden, weil sie sich mit dem Geschäftsinteresse der verwaltenden Generale in fortgesetztem Kampfe befinden muß. Imm'erhin ist durch die Thätigkeit ber fremden Offiziere der Werteines Teiles der chinesischen Armee derartig gehoben, daß dieVerluftederEuroPäerindenGefechten künftighin größer sein müssen als früher. Dessenungeachtet wird die militärische Wehrkraft Chinas den europäischen Trupven sich nicht gewachsen zeigen und bald wie ein irdenes Gefäß im Zusammenstoß mit einem eisernen elend in Scherben zerbrechen. Dagegen steht zu befürchten, daß die überlegene chinesische Diplomatie unter kluger Benutzung des Interessengegensatzes der europäischen Mächte bald wieder ihre Triumphe feiern und die Ruchlosigkeit der dolosen chinesischen Handlungsweise vergessen machen wird. Aus Stadt und Kand. Gießen, den 4, Juli 1900. Domstnger. Konzert. Mit großem Interesse ficht man in den musikliebenden Kreisen unserer Stadt dem Erscheinen der König!. Domsänger aus Berlin entgegen. Die bekanntlich aus acht Herren bestehende Vereinigung, welche aus dieser Reise ihr 750. Konzert absolviert, und die auch hier zahlreiche Freunde besitzt, wird altem Gebrauche gemäß in dem ersten Teile ihres Programms Werke alter und neuer Meister aus dem Gebiete der musica sacra und im zweiten Teile Blüten weltlicher Mufik zu Gehör bringen. Das voraussichtlich stark besuchte Konzert findet am 9. Juli (Montag) in Steins Saalbau statt. § Vom Urkuudeustempelwese». Zufolge eines neueren Ministerialerlasses sollen nunmehr auch die Ortsgerichtsvorsteher sich dem Geschäfte des Stempelmarkenverkaufs unterziehen, damit Beamten und Privaten, die in die Lage kommen Stempel zu verwenden, eine raschere Beschaffung von Urkunden möglich ist. Diese Anordnung entspricht wohl einem Bedürfnis, das an solchen Plätzen empfunden wurde, die von einem Amtsgericht oder Kreisamt ziemlich entfernt liegen, resp. keine günstige Verbindung zu dem Sitze genannter Behörden haben. ** Bertillonsche Körpermessung. Der in Bruchsal abgehaltene 1. badisch-hessische Lehrkursus zur Erlernung der Bertillonschen Körpermessungen wurde am Samstag geschlossen. An diesem Kursus, der von einem Kriminalkommissar aus Berlin geleitet wurde, nahmen Polizei- und Strafanstaltsbeamte aus Hessen und Baden teil, u. zw. aus den Städten: Gießen (Kriminalschutzmann Pfeffer), Mainz, Marienschloß und Worms, sowie Baden-Baden, Bruchsal, Freiburg, Karlsruhe und Mannheim. Im ganzen wurden 12 Beamte ausgebildet. Der Kursus wurde am 8. Juni von dem Regierungsrat Lenhard-Bruchfal mit warm empfundenen Worten eröffnet und während der Dauer desselben von dem Respizienten der Strafanstalten, Ober-Reg.-Rat Hübsch- Karlsruhe inspiziert. Das Bertillonsche System bezweckt die Identifizierung von Verbrechern, Selbstmördern, Vermißten u. dgl. und basiert auf der Thatsache, daß bei einem ausgewachsenen Menschen einzelne Körperteile sich nicht mehr oder doch nur ganz unwesentlich verändern. Es werden deshalb mehrere Körpermaße festgestellt und zwar Körperlänge, Armspannweite, Sitzhohe, Kopflänge, Kopfbreite, Jochbeinbreite, Länge des rechten Ohres, linke Mittel- und Kleinfingerlänge, Länge des linken Fußes und linken Unterarmes. Außerdem wird die Farve der Augen-Jris beurteilt, und es findet eine nähere Beschreibung einzelner Körperteile und der sich vvrfindenoen Merkmale (Narben u. dgl.) statt. Die auf genommenen Meßkarten werden an die Zentrale für den Erkennungsdienst in Berlin gesandt und dort nach den einzelne Maßangaben registriert. Wie wir hören, sind alle Kursteilnehmer jetzt gründliche ausgebildet und des Lobes voll über die klare und leftht verständliche Vortragsweise, sowie üben das freundliche Entgegenkommen ihres Jnsttuktors, des Herrn Kriminalkommissars Cellarius. DieT Teilnehmer des Kurses waren während der Dauer desselben von dem Regierungsrat Lenhard in seiner Wohnung zu einem gemütlichen Zusammensein, und von dem Vertteter der Badischen Regierung, Geh. Ober-Regierungsrat Hübsch zu einem Abendessen in das Hotel Keller in Bruchsal eingeladen. Als Zeichen ihres aufrichtigen Dankes überreichten sie dem Geh. Ober-Reg.-Rat Hübsch ein Gruppenbild, das sie als Erinnerung an ein, wenn auch arbeitsreiches, so doch auch fröhliches, drei Wochen langes Zusammensein hatten aufnehmen lassen. In gleicher Weise wurde diese Photographie dem Regierungsrat Lenhard und Kriminal-Kommissar Cellarius überreicht, diesem außerdem ein silberner Becher mit entsprechender Widmung. — Möge der Kursus zum Wohle der Allgemeinheit reiche Früchte tragen. -i- Klein-Linoen, 3. Juli. Am Sonntagnach-- mittag wurde das Jahresfest unserer Kleinkinderschule in erhebender Weise gefeiert. Mit schönen Kränzchen >u»nd Blumen geschmückt erschienen die Kleinen, geführt von der Schwester. Obwohl der Himmel anfangs! noch sehr trüb war, so sandte doch bald die Sonne ihr« freundlichen Strahlen auf die blühende Kinderschar. Pfarrer H e p d i n g begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Nachdem alsdann die Kinder in schöner Weise ihre Liturgie« vorgetragen hatten, hielt Pfarrer Koch aus Lützellinden« die Festtede über den Text: „Lasset die Kindlein zu mir kommen usw." Herr K. sprach in einem sehr ansprechenden, ja volkstümlichen Tone und schilderte die Kleinkinoer- schulen als ein Werk der inneren Mission. Auch betonte er ihre große sittliche Bedeutung für Familie, Gemeinde und Staat. Hierauf hielt Pfarrer H e p d i n g noch« eine zu Herzen gehende Ansprache und forderte die Gemeind« auf,, nufere Kleinkinderschule nach Kräften zu unterstützen. Durch etliche Jugendspiele wurde die Feier beschlossen. Und Kopf an Kopf drängten sich die Anwesenden, um dem munteren Treiben der Kleinen zuzuschauen. Die gesungenen Choräle wurden von unserem Posaunenchor begleitet^ auch trug der Kirchengesangverein mehrere christliche Volkslieder vor. Friedberg, 3. Juli. Gestern mittag wurden von dem hiesigen Rangierbahnhose wieder acht Waggons Brieftauben ausgelassen. Die Tiere, die aus dem nördlichen Rheinland kamen, brauchten diesesmal, da es trüb, und der Himmel wolkig war, eine verhältnismäßig lange Zeit, bis sie die Richtung nach Nordwesten sanden. — Die Festesfreude, die in der Familie des Lokomotivführers Wehn am Sonntag, anläßlich des 25 jährigen Dienstjubiläums desselben, herrschte, wurde durch eine Unglücksbotschaft aus dem fernen Osten jählings unterbrochen. Ein Telegramm meldete, daß der Sohn Emil Wehn, der die Stelle eines HilsSheizerS auf dem Kanonenboot „Iltis" innehatte, durch eine Kesselexplosion derart verwundet wurde, daß er alsbald starb. Der Tod des jungen Wehn erfolgte in dem ersten Gefecht vor Taku. Die Kesselexplosion wurde durch eine einschlagende Granate verursacht. (N. F. Ztg.) Mainz, 3. Jnli. Die Bäckerinnung hat eine Anzahl ihrer Mitglieder, die trotz JnnungSbeschluffes an die hiesige sozialdemokratische Spar- und Kousum-Ge- nossenschast Backwaren geliefert hatte, aus der Innung ausgeschlossen. Gegen diesen Beschluß haben die Bäckermeister eine Beschwerde bei dem BerwaltungS- gericht eingereicht. — Ueber hundert israelitische Auswanderer aus Rumänien, Männer, Weiber und Kinder, kamen gestern aus chrer Reise hierher und schlugen an der Landungsstelle der niederländischen Boote ihre Lager auf. Am Abend bezogen sie den Dampfer, mit dem sie heute früh die Reise nach Rotterdam antraten, von wo sie nach Canada fahren. Viele der Auswanderer mußten erst drei Wochen marschieren, ehe sie mit Hilft von Glaubensgenossen Bahn und Schiff benutzen konnten. Auch hier fanden sie entsprechende Fürsorge. Frankfurt a. M., 3. Juni. Im „Englischen Hos« hielten heute die deutschen StandeSherren ihre Jahresversammlung ab. Es waren anwesend: Gras und Erbgras Solms-Laubach, Graf Neipperg, Fürst Bentheim- Steinfurth, Fürst Oettingen-Wallenstein, Graf Castell-Castell- Rüdenhausen, Gras Solms Wildensels, Fürst Hohenlohe- Bartenstein, Gras Görtz-Schlitz, Fürst Löwenstein-Wertheim- Freudenberg, Gras v. Bentinck, Fürst Salm-Horstmar, Fürst Salm-Dyck, Fürst Löwenstein-Kleinheubach, Gras Stolberg- Roßla. ** Biedenkopf, 3. Juli. Der Oberlehrer amKgl. Realprogymnasium Flach ist mit der Abfassung em er Beschreibung des Kreises Biedenkopf (Hess. Hmt^land) beschäftigt. Er bittet die Freunde hessischer Geschichte unb Landeskunde, sowie die Touristen, welche die eme oder andere Notiz Über Land und Leute im Hinterland m dieses Buch auf genommen sehen möchten, ihre Wünsche bis-zum 12. August kund tchun zu wollen. Im Jitterefie des« Kreises hat Herr Flach bereits einen Führer durchs Hinterland, sowie durch Biedenkopf und nähere Umgebung veröffentlicht. In der letzten Schrift findet sich eine anschauliche Schilderung des berühmten BiedenköPfer dreitägigen Grenzganges, eines echten, rechten Volksfestes, das nur alle fieben Jahre abgehalten wird, in diesem >;ahre vom 16. bis 18. August. Bei diesem Grenzgangftste begeht that- sächlich die gesamte Einwohnerschaft die Stadtgrenze, dis vorzugsweise durch die der Stadt erb- und Eigentümlich gehörenden prächtigen Waldungen geht. „Es liegt em» tiefer Sinn in alten Bräuchen, man soll sie ehren. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten- Bei der Generalversammlung der Aktiengesellschaft für Trebertrocknung in Kassel wurden über 200 Mk. ge- sammelt, die dem Reichs-Marineamt übersandt wurden, um zu Gunsten der Hinterbliebenen deutscher Mitkämpfer, insbesondere der Besatzung des Kanonenbootes „Iltis", Verwendung zu finden. - In Gambach wurde am Sonntag die neugegründete Sonntagszeichenschule durch den Vorstand des Ortsgewerbevereins eröffnet. Em sprechender Beweis dafür, wie notwendig eine solche Schule war, ist, daß dieselbe bis jetzt schon über 30 Schüler besuchen. Auch SM tattbi, * $e. ' ! ^tnüu'' 8"*« " eititm W Hm L6e °is 7^ auch tten auf' ■Wie rSr r.Nt 'us jum ^gnach- lnder- ge- QTNg9 >nne isre ' Psarrex rto, Gäste. Liturgie Äben 1 iu mir ssprechen- ^kinder- betonte Genieße M eint Gemeinde tersttitzen. schlossen, ' um dem ' Schnge- begleitch lhristlicht vor dem i Brief- bem vörd. a es M, !ßig lange :n. - Die irer8®d)n tjubiläums ot^ajt tin Tele- , der die inenboot on berart ■ Tod deS dox latu. re Granate J. Kg.) ine Anzahl die Me juin^e-- , ans der >1115 haben rwaltungS' sche Ans- txbtt unb nb schlugen iljre Lager iit bem fie von wo ft mißten rch Glanbens- 8nch hier chen W cxen ihre Gras unb t VentheiM' stell'Taftll- hvhenbohr- aÄerthkiln- ftmar, N ter vifty- M txx? I-rMM Me unb > eine oder nd in dreies cft bis'« ntereist W ME »r-ÄE - das nur qahre * Ä ehren." «•w M1 200 » «„ t tvnrbe"'. Ä“r’8tr von einigen benachbarten Orten, wie Eberstadt und Oberhörgern, haben sich etliche junge Leute als Schüler an- gemeldet. — Der wiederholt genannte Schulmann aus Mainz, der bei der Festsahrt zur Gutenbergfeier das Betragen der Darmstädter Hochschüler zu rechtfertigen suchte, hat einen halbjährigen Urlaub erhalten. In maßgebenden Kreisen wird es sehr bezweifelt, daß er seine seitherige Thätigkeit wieder aufnehmen wird. Nachrichten auS Darmstadt besagen, daß man dort in höchsten Kreisen das Vorkommen mit den Darmstädter Studenten aus daS lebhafteste bedauere. Der Brand der Lloyddocks in Hoboken. lieber die Katastrophe am Hudson werden nodj folgende Einzelheiten gemeldet: Im Maschinenraum und Herzraum der „Bremen" waren ungefähr 30 Personen eingeschlossen. Einige versuchten, aus der oberen Luke herauszusteigen, aber die Flammen trieben sie zurück und zwangen sie, zu bleiben, wo sie waren. Um das Wasser aus den überschwemmten Schiffsteilen herauszubringen, wurden 17 Mann der ein geschlossen en Mannschaft vom Maschinisten ausgeschickt, um die Pumpen in Thätigkeit zu setzen. Kaum hatten diese dem Befehle Folge geleistet, da gab eine der Zwischenwände nach, und eine Lawine brennender Kohlen! schloß sie in den engen Raum ein, in welchem sie arbeiten sollten. Trotz ihrer gefährlichen Lage singen sie an, an den Pumpen zu arbeiten. Inzwischen waren ihre Kameraden gerettet und diese erzählten, in welcher Gefahr sich die anderen 17 befanden. Verzweifelte Versuche wurden dann gemacht, sie zu retten, was schließlich auch gelang. Von einer Flotte von kleinen Dampfern umgeben, trieb die „Saal e" in den Strom hinaus. Jeder Teil des schönen alten Dampfers war entweder in Flammen oder von Hitze rotglühend. Wie viele ihrer Mannschaft im Feuer imtfdnten, ist nicht genau bekannt. Von einer Flottile brennender Kähne und Lichter begleitet, trieb die „Saale" den Strom hinab mit der sinkenden Ebbe. Ihre Eskorte schwimmender Dampfspritzen, ebenfalls vom Feuer versengt, war immer noch bei der Arbeit, aus so vielen Schläuchen wie nur möglich auf das furchtbar brennende Schiff Wasser strömen zu lassen. Da das Hafenpolizeiboot „Patrol" nicht int Dienst war, mietete der Hafenmeister Kapitän Smith den kleinen Dampfer „Mutual" und dampfte darauf mit einer Abteilung Hafenpolizei zum Wrack hinaus. Die „Mutual" rettete 37 Leute von der Mannschaft der „Saale" und landete sie am Pier. Die meisten der Geretteten waren bewußtlos und viele waren schlimm verbrannt. Alle hatten durch Einatmen von Rauch gelitten. Während diese Leute vom Schaffe weggeschafft wurden, bemerkte Kapitän Smith verschiedene Leichen aus dvm Verdeck. Als die „Mutual" ihre zweite Fahrt zur „Saale" unternahm, waren alle diese Leichen unter Wasser. Aas Schiff war inzwischen zum Flußufer von New-Yersey htnübergetrieben, wo es vor den Sandbänken in den Schlamm sank. Massen von Leuten beobachteten die furchtbare Szene vom Ufer aus. Männer und Frauen sah man von dort aus von den Piers springen, aber die brennenden Schiffe machten ihr Entkommen nach den Ufer von New- Dersey hinüber unmöglich. Licht er schiffe und kleine Boote, die alle brannten, trieben zu der Bai hinunter. Einige gelangten an den Pier an Governors Island. Hier wurden die Soldaten ausgeschickt, um die Flammen zu löschen. Den furchtbarsten Anblick boten die Leute an den Lukenfenstern der „Saale", die wie wahnsinnig um Hilfe riefen, denen aber unmöglich zu helfen war. Ein ungewöhnlich magerer Mann wurde durch eine Luke gezogen und gerettet, die anderen wurden wütend, als sie den Mann in Sicherheit sahen, sie ballten ihre Fäuste und heulten vor Aerger. Nur für die Leute in der Takellage konnte etwas gethau werden, und auch von diesen sielen inzwischen viele in den brennenden Ofen hinab. Als die „Saale" in den Fluß hinausgeschleppt wurde, fand man, daß 40 Mann an ihrem Steuerruder hingen. Ehe ihnen aber Hilfe zu teil werden konnte, waren alle bis auf ein Dutzend ertrunken. Ein Floß, auf welchem sich 100 Personen befanden, die man aus dem Wasser gezogen hatte, schwamm auf einen der brennenden Pwrs zu. Hier schlug es um, und viele ertranfen. Kapitän Smith sah, wie eine Frau in einer Kabine der „Saale" mit den Flammen kämpfte. Man reichte ihr einen Schlauch vom Dampfer aus, und damit spritzte sie in der Kabine um sich Während sie so noch weiter vergeblich mit dem Feuer kämpfte, sank das Schiff und ihre Kabine verschwand tm Wasser. Der Norddeutsche Lloyd hält die Verlustliste noch zurück, da in Privathäusern noch Vermißte gesunden werden, soeben die Stewardeß Schmuck. Von den beim Lloyd Angestellten sind 140 Personen umgekommen, außerdem sehr viele Frachtverlader, wie Anfragen der Angehörigen darthun, ferner manche Schiffslbesucher, sodaß nach einer mäßigen Schätzung die Gesamtzahl der Toten auf 250 zu beziffern ist. Bis jetzt wurden 97 Tote gefunden, von manchen nur ein Fuß oder ein Arm. Die Behörden bieten fünf Dollars für jede gefundene Leiche. Es sucht nunmehr eine Menge Privater den Fluß ab. Die Feuerwehr ist noch mit Löscharbeiten am „Main" beschäftigt. Die Schleppboot-Kapitäne hielten eine Versammlung ab und sie offerieren tausend Dollars Belohnung für Beweismaterial gegen irgend einen Kapitän, der bei dem Brand der Lloyd-Docks und Schiffe die Rettung verweigerte. Zwischen den Senaten von Hamburg und Bremen fand folgender Depeschenwechsel statt: An den Senat von Bremen. Dem Senate der Schwesterstadt Bremen spricht der Senat von Hamburg, erschüttert von dem so schweren Unglück, das den Norddeutschen Lloyd und mit ihm Bremen betroffen hat, seine wärmste Teilnahme aus und bittet den Senat, auch dem Nordd. Lloyd den Ausdruck tiefempfundenen Mitgefühls zu übermitteln. Hachmann. An den Senat von Hamburg. Dem Senate von Hamburg sprechen wir für seine warme Teilnahme an dem Unglück, das den Nordd. Lloyd betroffen hat und unsere Stadt aufs tiefste berührt, unseren herzlichsten Dank aus. Dem Nordd. Lloyd haben wir von dem Telegramm Kenntnis gegeben. Groening. Der Norddeutsche Lloyd beschloß die Gewährung einer besonderen Rente an die Angehörigen der in Hv- doken umgekommenen O s f i z i e r e und M a n n s ch a f t e n neben den Bezügen aus der Seemannskasse der Witwen- und Waisenkasse. Vom Kaiser ging heute aus Wilhelmshaven dem Norddeutschen Lloyd die folgende Beileids- d e p e f ch e zu: Das Unglück, von welchem der Norddeutsche Lloyd in Newyork betroffen wurde, erfüllt mich mit wahrer Betrübnis. Der große Verlust an Menschen und Schiffen ist ein harter Schlag. Ich habe aber die feste Ueberzeugung, daß die bewährte Leitung des Norddeutschen Lloyd auch dieser Prüfung mit mannhafter Stirn begegnen wird, und daß die Angestellten des Norddeutschen Lloyd in Newyork auch in dieser schweren Stunde sich ihrer gewohnten Pflicht treu gezeigt haben, gez. Wilhelm. Der iltorddeutsche Lloyd antwortete darauf, daß die warme Anteilnahme an dem schweren Unglücksfall, ihn in dem Vertrauen stärke, daß der Norddeutsche Lloyd aus dem Kamps mit dem harten Mißgeschick seine Kraft in weiterer neuer Blüte entwickeln werde. Er danke dem Kaiser für feine Teilnahme. Der „Franks. Ztg." wird aus New-York berichtet: Auf einem 25 Quadrat fuß messenden Raum zwischen den Llvyd- docks sind 45 Ertrunkene aufgefunden worden. Die Taucher schildern das Innere der „Saale" als vollkommen entblößt von Holzwerk. Viele Leichen fand man in den Kabinen schwimmend. Es ist eine Sammlung von Geldern für fciie Verunglückten begonnen worden. Dr. von der Schulenburg, ein bekannter Arzt, hatte einen Schiffsarzt besucht und wird seither vermißt; er ist wahrscheinlich verbrannt. Der Gesamtverlust beläuft sich auf 320 Tote und Vermißte. Besonders viele Deutsche, aber auch Oesterreicher und Amerikaner befinden sich darunter. Das Feuer auf dem „Main" war bis gestern nachmittag noch nicht gelöscht; es hatte die Kohlenräume des Schiffes erfaßt. Das Feuer auf der „Saale" ist völlig gelöscht, mehrere Leichen wurden herausgeholt. Das Schiff sieht aus, wie von Granaten beschossen, lieber den Tod des Kapitän Mirow berichtet man: Der Kapitän stand auf der Kommandobrücke, bis die Flammen seine Uniform erfaßten, und er, den sicheren Tod vor Augen, zur Abkürzung des schrecklichen Endes mit einem Satze in die Glut hineinsprang. Er zuckte noch für einige Augenblicke und lag dann sttll, während Rauch und Flammen über ihm zusammenschlugen. Durch die un- vrenschlichen Äreuelthaten der Mannschaft der Schleppboote sind wenigstens 100 Menschen umgekommen. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener werkstätte. Gießen, Airchenplatz 718 Gelegenheitskftnfe Reise- und Strassen-Kostnme aus Loden 4221 y früher Mk. 13 —. Seltersweg 85 Seltersweg 85 Elektrische Anlagen jeder Art und Grösse. 4627 4 Karl 02722 ^ettstadl 48. 70 Psettttige. Alleinige Niederlage bei 4440 Otto Schaaf, Seltersweg 39.