Freitag den 5. Januar Rf. 3 Zweites Blatt 1900 Gießener Anzeiger Henerat-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen Alle Anzeigen.Bermittlungsstcllen des In- und Auslandenehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Erscheint täglich »it Ausnahme des Montags. Die Gießener AamikienVtälter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für heff. Volkskunde" »öchtl.4mal beigelegt. Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestelle« vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. »ta* ,u. lb * g,. ** <5. fig 11 178 UM 8V2 Herrnann 178 »eit. uMmiM. Der Vorstand, anz, )5 präjis 9 Mr: lokal. >ct Vorstand. iftrafe« 20 etc. msten Qualitäten. T.VtensilieD' lser eher iover Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße Zlr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Witter für hessische Volkskunde. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. Bom Rechte, das mit «ns geboren. (Nachdruck verboten.) Wer kennt nicht die Worte Mephistos: Es erben sich Gesetz und Rechte Wie eine ew'ge Krankheit fort; Sie schleppen von Geschlecht sich zu Geschlechte Und rücken sacht von Ort zu Ort. Vernunft wird Unsinn, Wohlchat Plage; Weh Dir, daß Du ein Enkel bist! Vom Rechte, das mit uns geboren ist, Von dem ist, leider! nie die Frage. Von treffender Wahrheit für den Rechtszustand der Goethe'schen Zeit! Heute vielleicht auch noch hier und da nicht völlig ohne Grund angeführt, im großen ganzen aber — mit freudiger Genugthuung sei es gesagt — veraltet. Namentlich in dem großen Gesetzgebungswerke unserer Zeit, dem „Bürgerlichen Gesetzbuche", das nun Leben gewonnen hat, tritt überall das Bestreben hervor, jene herben Worte des Dichters zu Schanden zu machen. Doch welches ist denn eigentlich „das Recht, das mit uns geboren ist?" Wer wollte sich getrauen, eine einigermaßen bestimmte Antwort auf diese Frage zu geben? Zu den dem Menschen angeborenen Eigenschaften gehört vor allem die Selbstsucht, der Urquell zugleich edelster Menschenwerke wie verabscheuungswürdigster Thaten. Sie wird die meisten, oft auch die redlich nach Vollendung Strebenden, verleiten, das für „angeborenes Recht" zu halten, was ihren Interessen am besten entspricht. Man denke an die täglich in den Gerichtssälen zum Ausdruck kommenden Gegensätze verschiedener Int eressenten-GruPpen, wie Hauswirte und Wohnungsvermieter, ja ganzer gesellschaftlicher Klassen, wie Herrschaft und Gesinde, überhaupt Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Jede Partei glaubt da, auch ihr „geborenes Recht" zu vertreten. Wie soll sich der Gesetzgeber zu diesen Gegensätzen stellen? Verstand und Logik allein führen hier nicht zum Ziele; sie führen of zu einer Ueberspannung des Rechtsbegriffs, zu Folgerungen, vor denen auch der selbstsüchtigste Interessent zurückschreckt. Die letzte Lösung menschlicher Gegensätze kann, wie aus allen anderen Gebieten, so auch auf dem des Rechts, nur die Liebe bringen. Nicht die Liebe, die „Liebesgaben" macht — wo der Gesetzgeber sich dem Verdachte solcher aussetzt, zieht er sich den Vorwurf der „Ungerechtigkeit" zu —, sondern die Liebe, die „Rechte", obgleich sie gesetzmäßig entstanden find und bestehen, nur so lange als „Rechte" anerkennt, als sie nicht zur vollständigen Unterdrückung des Verpflichteten führen. Jedem Denkenden wird einleuchten, welche großen Schwierigkeiten diese Aufgabe für den Gesetzgeber bietet. Die Gesetzgeber verschiedener Zeiten haben sich mit ihr verschieden abgefunden. Ein handgreifliches Beispiel bietet die Geschichte der „Zwangsvollstreckungsmaßregeln" wegen Geldschulden. Bis zum Jahre 1868 konnte der Gläubiger den Schuldner in den Schuldthurm sperren lassen, um ihn oder seine Verwandten zur Bezahlung der Schuld zu zwingen. Heute werden dem Schuldner nicht nur seine Person, sondern auch eine ganze Anzahl an sich zur Befriedigung des Gläubigers geeigneter Sachen von Pfändung frei gelassen, z. B.: „Die Kleidungsstücke, die Betten, die Wäsche, das Hausund Küchengerät, soweit diese Gegenstände für den Bedarf des Schuldners oder zur Erhaltung eines angemessenen Hausstandes unentbehrlich sind", ferner: „die für den Schuldner, seine Familie und sein Gesinde auf vier Wochen erforderlichen Nahrungs-, Feuerungs- und Beleuchtungsmittel oder, soweit solche Vorräte auf zwei Wochen nicht vorhanden sind und ihre Beschaffung für diesen Zeitraum auf anderem Wege nicht gesichert ist, der zur Beschaffung erforderliche Geldbetrag." Diesen die heutige Gesetzgebung beherrschenden Geist nennt man ihre „soziale Tendenz", d. h. sie geht darauf aus, das Zusammenleben der Menschen so zu ordnen, daß das Recht des Einzelnen weichen muß, wenn und soweit die höheren Interessen der menschlichen „Gesellschaft" — und zu diesen gehört in erster Linie der „Schutz der Schwachen" — es fordern. Daß auch das „Bürgerliche Gesetzbuch von „sozialer Tendenz", erfüllt ist, soll an einigen Beispielen klar gemacht werden. Zunächst einige Vorschriften allgemeinen, das ganze Privat recht beherrschenden Inhalts: „Die Ausübüng eines Rechtes ist unzulässig, wenn sie nur den Zweck haben kann, einem anderen Schaden zuzufügen." — Das sogen. Chikane-Verbot des § 226. „Bei der Auslegung einer Willenserklärung ist der wirkliche Wille zu erforschen und nicht an dem ^buchstäblichen Sinne des Ausdrucks zu haften." — § 133. „Verträge sind so auszulegen, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern." — § 157. „Der Schuldner ist verpflichtet, die Leistung so zu bewirken, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern." — § 242. „Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig. Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung derNotlage, des Leichtsinns oder der U n e r f a h r e n - heit eines anderen sich oder einem dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren läßt, welche den Wert der Leistung dergestalt übersteigen, daß den Umständen nach die Vermögensvorteile in auffälligem Mißverhältnisse zu der Leistung stehen." — § 138. „Wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem anderen vorsätzlich Schaden zufügt, ist dem anderen zum Ersätze des Schadens verpflichtet." — § 826. Als Anwendungsfall dieser Gesetzesvorschrift wird z. B. angeführt, daß ein k a p i t a l k r ä f t i g er Konkurrent mit eigenem Schaden (Preisschleuderei) (seinen Konkurrenten vorsätzlich „tot" macht"; wenn er dies thut, muß er den zugrunde Gerichteten entschädigen. Goldene Regeln! die allerdings ein hohes Maß der Lebenserfahrung uud Lebensweisheit bei den Richtern voraussetzen. Daß man ihre Anwendung den deutschen Richtern übertragen hat, ist ein großer Vertrauensbeweis des Gesetzgebers, mehr als äußere Ehren und Güter geeignet, das Ansehen unseres Richterstandes im Volke zu festigen und zu mehren, wenn er, wie zu hoffen, das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigt. Jene Paragraphen können, wie ein angesehener Rechtslehrer es namentlich von dem § 157 ausspricht, in der Hand der deutschen Gerichtspraxis das feurige Schwert werden, mit dem sie durch viele andere Paragraphen hindurchzuschlagen imstande ist, wenn es nötig werden sollte — ja, mit dem ihr Vollmacht gegeben ist, die Vorschriften des Gesetzbuches im Sinne sozialer Gerechtigkeit weiter zu gestalten. Viele einzelne, für besondere Rechtsverhältnisse gegebene Vorschriften stellen sich nur als Folgesätze jener allgemeinen Regeln dar. So: die für das Familienleben wichtigen, namentlich den Schutz der Frauen bezweckenden Bestimmungen des EhercchtS, wonach die Frau dem Manne nicht zu folgen braucht, wenn er sein Recht, Wohnort und Wohnung zu bestimmen, „mißbräuchlich" auSübt, z. B. trotz hinreichender Erwerbsfähigkeit seiner Frau eine ganz unzureichende Kellerwohnung bietet, — wonach ferner die Frau den Schutz des Vormundschaftsgerichts anrufen kann, wenn der Mann „unter Mißbrauch seines Rechts" seine Zustimmung zu einem von der Frau beabsichtigten Arbeits- oder Dienstverträge verweigert, z. B. sie will je nach ihrem Bildungsstande eine Stellung als Nachmittagslehrerin, als Aufwärterin, als Klavierspielerin u. s. w. annehmen, um die Kinder besser erziehen zu können. Zum Schutze der wirtschaftlich Schwächeren dienen z. B. folgende Vorschriften: Ein Mann in bedrängter Lage braucht Geld; er erhält solches nur zu dem wenn auch noch nicht wucherlichen, so doch drückenden Zinsfüße Feuilleton. Das Jahrhundert Rust verwundert: „Warum haben Sie mich lebendig begraben?" Felix Dahn. * Zu den Pistolenduellen in Allenstein und Mülhausen, werden dem „Berl. Lok.-Anz." folgende Einzelheiten gemeldet: In dem Pistolenduelle, das am Vormittage des 26. v. Mts., zwischen 8 und 9 Uhr auf dem Militärschießstande des StadtwaldeS zu Allenstein stattfand, waren die beiden Duellanten der Oberleutnant Stielow und der Leutnant Rau, beide vom Jnf.-Reg. Nr. 159. Der verheiratete Oberleutnant wurde schwer am Unterleibe verwundet und in das Garnisonlazarett gebracht, wo er bereits seinen Verletzungen erlegen sein soll. Die Ursache zu dem Zweikampf ist bisher nicht bekannt geworden. — Das zweite Duell mit tötlichem Ausgange fand im Tannenwald bei Mülhausen im Elsaß statt. Dort standen sich die Unterleutnants Kißlig und Ernst, sowie der Unterleutnant Schlabitz, sämtlich vom badischen Jnf.-Reg. Nr. 112, gegenüber. Die Bedingungen waren folgende: „Distanz 50 Schritte, nach jedem Schuß zwei Schritte vorgehen, Kampf bis zur vollständigen Kampfunfähigkeit; Leutnant Schlabitz hat den ersten Schuß, fällt einer seiner Gegner vor ihm, so tritt der andere an dessen Stelle". Schlabitz verletzte mit dem ersten Schuß den ihm zuerst gegenüberstehenden Leutnant Kißlig an der großen Zehe des rechten Fußes, dieser dagegen, ein bekannter Scharfschütze, traf den Leutnant Schlabitz in die rechte Brustseite, die Kugel durchschlug die Hauptschlagader und die Lunge, worauf sofort innere Verblutung und damit der Tod eintrat. Der Erschossene ist 28 Jahre alt und wäre in diesem Frühjahre zum Oberleutnant befördert worden. Leutnant Kißlig, angeblich Sohn eines Berliner Apothekers, liegt an seiner Verletzung noch darnieder, außerdem ist ihm vorläufig Zimmerarrest zudiktiert worden, und er wird sich demnächst vor einem Kriegsgericht zu verantworten haben. Die Ursache zu dem Duell war folgende: Vor einiger Zeit gerieten die Leutnants Kißling und Ernst mit ihrem Kameraden Schlabitz im Wiener Cafe zu Mülhausen in Wortwechsel, wobei Beleidigungen fielen. Hierauf forderte Schlabitz seine Gegner Kißlig und Ernst, beide früher intime Freunde von ihm. Die Angelegenheit wurde einem Ehrengericht unterbreitet und ging sogar bis zum Korpskommando in Karlsruhe. Leutnant Schlabitz, als der in seiner Ehre Gekränkte, wählte als Waffe die Pistole. Da die Beleidigung eine sehr schwere war, so wurden auch die oben angeführten scharfen Bedingungen gestellt. * Die gelöste Dienstbotenfrage. Ein New-Iorker Blatt schreibt: Alle Hausfrauen, und solche, die es werden wollen, oder einmal werden wollten, alle, die es beinahe geworden sind oder hätten werden können, alle Gatten, Söhne, Väter, Vettern, Onkel und Neffen von Hausfrauen u. s. w. wie oben, stehen tiefgebeugt an der Bahre der — Dienstbotenfrage. Sie ist nicht mehr, die Dienstbotenfrage. Durch unerwartetes Gelöstwerden ist ihr Ende schnell, wenn auch nicht schmerzlich, herbeigeführt worden. Auch dieses traurige Ereignis ist wieder auf Rechnung jenes bösen Elementes zu setzen, dem seit so vielen Jahren, in der That seit der ewig denkwürdigen Abenddämmerung der „guten alten Zeit", alles üble zuzuschreiben ist, auf Rechnung des fluchwürdigen neuen Zeitgeistes mit seiner Eile und Ueberhastung, mit seinem Treiben und Drängen. Genauer genommen ist es das „Minuten-Mädchen" (vorläufig ists ja noch ein „Stunden-Mädchen", aber wie lange wirds dauern?), welches der altehrwürdigen Dienstbotenfrage ein so jähes Ende bereitet hat. Die Hausfrau braucht kein „Mädchen" mehr, sie ist nicht mehr davon abhängig, sie braucht sich keine „freien Tage" mehr vom „Mädchen" auszubedingen, sie ist frei. Eine Grenze hat Tyrannenmacht! Man schickt einfach ins Bureau und verlangt ein Mädchen für anderthalb, zwei, drei Stunden. „Verlangt, ein Mädchen von angenehmem Aeußeren, das kochen, waschen und bügeln kann, um in einer ruhigen Familie anderthalb Stunden als Stütze der Hausfrau zu fungieren. Muß gut mit kleinen Kindern umgehen können. Doppelwaise guter Herkunft, ohne Verwandtschaft, vorgezogen." Das ist alles! Den Zettel schickt man ins Bureau, und zehn Minuten später meldet sich die Doppelwaise, stützt neunzig Minuten lang die Hausfrau, erhält das Zeugnis, daß sie anderthalb Stunden lang „treu und anhänglich" gedient hat, und der Vorfall ist erledigt. Ists ein Wunder, daß dieses „neue System" sich wunderbar gleich im Anfangsstadium bewährt? Sicherlich nicht! Man sollte deshalb alles mögliche aufbieten, um dem System zu dauerndem Erfolge zu verhelfen. Für Stundenmädchen, welche mehr als zehnmal in derselben Familie je eine Stunde „dienstbar" waren, sollten Ehrenzeichen gestiftet werden. Eine silberne Ehrenmedaille für Treue und Anhänglichkeit sollte unter entsprechenden Festlichkeiten vom Bürgermeister jedem Mädchen überreicht werden, das sein „Silber-Jubiläum" feiert, d. h. welches seine 25. Dienststunde in ein und derselben Familie absolviert hat, und für 50 stündige treue Dienste in einem Hause sollte eine goldene Medaille gestiftet werden, welche der Empfängerin das Recht giebt, den Rest ihrer Stunden in einem elegant eingerichteten Dienstbotenheim sorgenlos, in stiller Beschaulichkeit, zu verbringen. Don 7 Prozent und mit der Bedingung, daß die Rückzahlung erst nach drei Jahren stattfinden darf, weil der Gläubiger den Schuldner (z. B. einen Beamten) für sicher halt, und den hohen Zinsfuß möglichst lange ausnutzen rot . Trotz der vertragsmäßig auf längere Zeit hinauSgescho Fälligkeit giebt § 247 SB. @.>8. bei Verbindlichkeiten, d,° zu mehr als 6 Prozent verzinslich pnd, dem Schuldner nach Ablauf von 6 Monaten das Recht, mit sechsmonatlicher Frist zu kündigen, also sich schon nach Ablaus eines Jahres von der durch den hohen Zinssatz drückenden Schuld zu befreien. „ r Stellenvermittler, Theateragenten u. s. - lasten sich oft von den Stellensuchenden, als deni m der Regel wirtschaftlich Schwächeren, einen unverhältnismäßig hohen Mäklerlohn versprechen; -- es lst bekannt, daß z. B. junge Sängerinnen oft auf 10 Jahre hinaus hohe W zente ihrer Gage an den Agenten, der ihnen das erste Enaaaement verschaffte, abgeben müffen; hier hilft § durch ^die Vorschrift: „Ist für den Nachweis der Gelegenheit zum Abschlüsse eines Dienstvertrages oder für die Vermittlung eines solchen Vertrags ein unverhältnismäßig hoher Mäklerlohn vereinbart worden, so kann er auf Antrag des Schuldners durch Urteil auf den angemessenen Betrag herabgesetzt werden". Unter ähnlichen Voraussetzungen läßt § 343 die Herabsetzung einer unverhältnismäßig hohen Vertrags-(Konventional-) etr@in vom Verstandes-Standpunkte unanfechtbarer Rechtssatz ist es, daß wer im Zustande der Bewußtlosigkeit oder in einem die freie Willensbestimmung aus- schließenden Zustande krankhafter Störung der GeisteSthätigkeit einem Anderen Schaden zufügt, sowie daß ein unter sieben Jahre altes Kind für angerichteten Schaden rechtlich nicht verantwortlich gemacht werden kann. Das „Bürgerliche Gesetzbuch" stellt die, recht erkennbar durch Menschenliebe für die wirtschaftlich Schwächern diktierte Vorschrift auf, daß in den erwähnten Fällen, wenn auch keinen Aufsichtspflichtigen eine Schuld trifft, also an sich niemand haftbar wäre, doch der Schadenzufüger insoweit schadenersatzpflichtig ist, als die Billigkeit nach den Umständen, insbesondere nach den Verhältnissen der Beteiligten, eine Schadloshaltung fordert. Es sind also z. B. der dreijährige reiche Erbe, der mit seinem Ball das Schaufenster eines kleinen Handwerkers zertrümmert, der plötzlich in Tobsucht verfallende Arbeitgeber, der seinen Tagelöhner verwundet und arbeitsunfähig macht, verpflichtet, Schadenersatz zu leisten; sie müssen zahlen, die Betroffenen sind nicht, wie bisher, auf ihre Mild- thätigkeit angewiesen. Ganz besonders sind durch eine Anzahl Vorschriften die wirtschaftlich Schwächeren geschützt bei der „Woh- nungSmiete" und beim „Dienstverträge", also die Mieter und die Arbeitnehmer (Gesinde, Gewerbegehilfen, Handlungsgehilfen, gewerbliche Arbeiter jeder Art). Hierauf des Näheren einzugehen, verbietet leider der Raum. Der Absicht, die Schwachen zu schützen, entspricht auch die Verbefferung der Rechtsstellung der außerehelichen Mutter und deS unehelichen Kindes gegenüber dem bisherigen Recht. Nur wenn die Mutter innerhalb der Empfängniszeit sich mehreren Männern hingiebt, haben sie und das Kind in der Regel keinen Anspruch, weil dann eben in der Regel nicht feststeht, wer der Erzeuger des Kindes ist. Alle übrigen Einwendungen des bisherigen preußischen Rechts, die dem Manne die Möglichkeit gewährten, sich von seinen natürlichen Verbindlichkeiten frei zu machen, z. B. daß die Mutter deS Kindes Bezahlung angenommen habe, daß sie schon früher außerehelich geboren habe, daß sie eine bescholtene Person sei, sind im B. G.-B. gestrichen. Das uneheliche Kind kann nicht blos, wie bisher, bis zur Vollendung des 14., sondern bis zum vollendeten 16. Lebensjahre Unterhalt, Erziehung usw. vom Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen! Gießen, den 4. Januar 1600. ** Geschichtskalender. tm 5. Januar 1858, starb zu Mailand der greis österrE^ Generalfeldmarschall Graf Radetzky, der durch ftine S ege bei Lustona und Novara Venetien zurückeroberte. Ebenso mild und menschenfreundlich als tapfer und thatkräftig , schändete er seine Siege nie durch Grausamkeiten, und errang sich dadurch selbst die Achtung des FeindeS. Er wurde am 2. November 1766 zu Trzebnitz in Böhmen geboren. •• Empfang. Se. König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 3. Januar u. a. den Professor Knoll vom Schullehrerseminar in Alzey, den Oberbibliothekar Professor Dr. Haupt von Gießen, den Rektor Bock der höheren Bürgerschule in Babenhausen, den Professor Dr. Netto, Rektor der Landesuniversität in Gießen, den Dekan Appell von Oppershofen, den Materialieninspektor Lauber an der Großh. Hessischen und König!. Preußischen Staatsbahn in Mainz. . •* Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Grotz- herzog haben Allergnädigst geruht, am 2. Dezember dem Bürgermeister Adam Siefert II. zu Ober-SenSbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" am Bande des PhilippSordenS, dem Werkführer Johannes Bi er au zu Wieseck das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für treue Arbeit" zu verleihen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs dem Mit- gliede der freiwilligen Feuerwehr zu Grünberg Friedrich Schmitz. *• Oesfeutliche Lesehalle. Im Monat Dezember wurden 1386 Bände ausgeliehen. Von diesen Bänden kommen auf: Illustrierten Zeitschriften 390, Erzählende Litteratur 609, Jugendschriften, Märchen, Sagen 210, Versdichtungen 17, Literaturgeschichte 9, Geschichte und Biographien 33, Länder- und Völkerkunde 35, Naturwissenschaft, Technologie 63, Land- und Hauswirtschaft 3, Philosophie 4, fremdsprachliche Litteratur 13 Bände; auf Männer: Handwerksmeister 186, akademisch Gebildete 25, Kaufleute 124, Beamte 10, Unterbeamte 67, Techniker, Schriftsetzer 98, Arbeiter, Taglöhner 83, Diener, Burschen, Kellner 37, Lehrlinge, Gehilfen 211, Volontäre, Schüler 42, Studenten 27, Soldaten 4, zusammen 914 Bände; auf Frauen: Ehefrauen, Witwen, ältere Unverheiratete 197, Gewerbetreibende 39, Dienstmädchen, Lauffrauen 17, Arbeiterinnen, Tagelöhnerinnen 36, Beamtinnen 27, Pflegerinnen 5, Junge Mädchen, Lehrmädchen 151, zusammen 472 Bände. Nach auswärts wurden 46 Bände verliehen. * Der nächste allgemeine Verbandstag des „Alldeutschen Verbandes findet nach einer Mitteilung der Hauptleitung in der Pfingstwoche dieses Jahres hier in Mainz statt. Es Erreuaer fordern, und zwar entsprechend der Lebens- steUung der Mutter, was, wenn diese den sogenannten , 6efferen3Stänben" angchört, eine schwer wiegende S> pflichtung fein kann. Wenn da- uneheliche «md de, Vollendung de- 18. «-b-nS,ahr°S infolge körp -i rUcher ober qeiftiger ©ebrec^en außer Staube ist, sich fetvsi zu unterhalten, so hat ihm ber Vater auch “ ’f hinan-, unter Umstänbeu lebenslänglich Unterhalt zu 9Cmää)to biefem Beispiel, baS nicht bl°S in übertragenem Sinne, fonbetn wörtlich genommen eine Illustration bietet ru dem Dichterwort „vom Rechte, das mit uns geboren , wollen wir unsere Darlegung schließen. Das Gesagte: wi genügt haben, um den Beweis zu führen, daß das ..Bürgerliche Gesetzbuch" auch den sozialen Anforderungen unserer Zeit in weitem Umfange gerecht wird.____________ soll mit dem BerbandStag eine große Kundgebung vor dem Niederwalddenkmal verbunden werden. ** Die kleinen Silberzwanziger. Wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, ist die von verschiedenen Blättern wiedergegebene Meldung, daß die kleinen silbernen Zwanzig- Pfennigstücke mit dem 1. Januar d. I. außer Kurs gesetzt sind, falsch. Dieselben bleiben nach wie vor in Kurs. Die einzige Verordnung, welche betr. dieser Münze neuerdings ergangen ist, ist die, daß die öffentliche Kassen dieselben anhalten und nicht wieder ausgeben. — Heuchelheim, 4. Januar. Wie alljährlich, so veranstaltete der hiesige Verein „Kind er freund" auch diesmal zu Weihnachten eine kleine Feier. Bestand auch der ursprüngliche Zweck des Vereins darin, weniger bemittelten Kindern durch Ueberreichung von allerhand nützlichen Gegenständen eine Weihnachtsfreude zu bereiten, so hat er sich daneben seit einigen Jahren das Ziel gesteckt, eine Kleinkinderschule, welche ein dringendes Bedürfnis für unseren Ort ist, zu begründen. Durch kleinere und größere Beträge von feiten einzelner Gemeindemitglieder, sowie von außerhalb wohnenden Freunden der Sache wurde das schöne Unternehmen wesentlich gefördert, und sind wir der end- giltigen Erbauung und Einrichtung um ein Bedeutendes nähergerückt. Auch die gelegentlich der diesjährigen Weihnachtsfeier des Vereins veranstaltete Verlosung und damit verbundene Versteigerung verschiedenartiger Gegenstände brachte der Vereinskasse einen Reingewinn von nahezu 60 Mk. Besondere Erwähnung verdient ein von unbekannter Hand zur Verlosung bestimmter Gewinn, bestehend aus einer Geldkassette mit 20 Mk. Inhalt, dem glücklichen Gewinner jedoch zur Bedingung machend, den Inhalt der Kassette der Vereinskasse zufließen zu lassen. Dem gütigen, aber unbekannten Spender sei auf diesem Wege herzlichst Dank gesagt. Wünschen wir dem Verein „Kinderfreund", daß er außer den bewährten alten Freunden — einerlei, ob bekannt oder unbekannt — auch fernerhin neue Gönner und Freunde seiner Bestrebungen finden möge, so wird der glückliche Erfolg nicht ausbleiben. O Aus dem Vogelsberg, 3. Januar. In den Ortschaften hörte man schon vor Weihnachten, noch häufiger aber zwischen den Jahren, hier und da einen Schuß knallen; es galt jedesmal einem dem Tode geweihten Hunde, den man einem Jagdbesitzer zngeführt. Wenn man die Zahl der Hunde, die glücklich das alte Jahr überleben durften, mit der Zahl, die vor der Abmeldefrist vorhanden waren, vergleicht, so ergiebt sich eine bemerkenswerte Minderzahl noch vorhandener Hunde. Die Erhöhung der Hundesteuer um das Doppelte des früheren Betrages hat doch viele Hundeliebhaber auf dem Lande bewogen, ihrer Liebhaberei Valet zu sagen. Man darf unter dieser Thatsache darauf gespannt sein, welches Resultat die Hundesteuer in unserem Lande wohl ergeben wird. Bad-Nauheim, 3. Januar. Noch im alten Jahrhundert hat unsere Stadt einen großen Verlust erlitten. Nauheims Bewohner haben den Mitbegründer und Förderer unseres Bades, unseren Ehrenbürger, den Geheimen Medizinalrat Dr. Friedrich Bode am 31. Dezember zu Grabe tragen müssen, und in die Feier zur Jahrhundertwende mischten sich in allen Nauheimer Familien Gedanken der Erinnerung an den lieben Verstorbenen. Die große Teilnahme bei dem Hinscheiden und bei der Beerdigung Bodes haben seinen Verwandten gezeigt, daß Nauheim dankbar und treu gesinnt seine großen Männer zu ehren weiß. Die Bode'sche F-imi- lien-Gruft auf dem Nauheimer Friedhof hat sich nun für immer geschlossen, und wenn der alte Friedhof nun bald nicht mehr benutzt wird, dann werden die Nauheimer den Kurgästen die Ruhestätte ihres ersten Badearztes zeigen. Das Gedenken an das thatenreiche Leben unseres ersten Ehrenbürgers wird nicht erlöschen, solange es hier Heilquellen giebt, und Kurgäste Nauheim besuchen. Herr Pfarrer Wissig hielt eine herrliche Rede vor dem offenen Grabe. ♦ Ei« früherer deutscher Oberst als Einfiedler. In Red Bud, Illinois, wurde dieser Tage GeorgHepp als Leiche in seiner armseligen Hütte, die er seit zehn Jahren als Einsiedler bewohnte, aufgefunden. Hepp kam 1889, niemand weiß, woher, nach Red Bud und bezog ein altes Blockhaus. Er verkehrte mit niemandem und deutete, wenn ihn jemand über seine Vergangenheit befragte, an, daß er im Leben schon viele Enttäuschungen erfahren hatte. Niemand sah jemals ein Lächeln über seine Züge gleiten, und er sprach nur dann, wenn er eine Antwort schuldig war. Seine Mahlzeiten nahm er stets in seiner primitiven Wohnung ein, selbst wenn er auf einer Meilen weit extfernten Farm arbeitete. Nach seinem Tode fand man ein Tagebuch und verschiedene Papiere, aus denen ersichtlich ist, daß Hepp als Oberst eines Artillerie-Regiments im deutsch.französischen Kriege diente und infolge eines Duells mit einem Kameraden geflüchtet war. Es handelte sich in dem Fall um eine Frau, in welche beide Offiziere verliebt waren. Hepps einziger Freund während der letzten Jahre war ein Hund, der nach dcrn Tode des Einsiedlers ein furchtbares Geheul anstimmte und die Nachbarn dadurch aufmerksam machte. • Der Tabak im Kriege, lieber dieses Thema plaudert ein Londoner Blatt recht unterhaltend: Der Tabak und die Pfeifen, die den englischen Soldaten in der Front von Hause geschickt werden, sind die kostbarste Gabe, die man ihnen bieten kann. Nirgends wird der Trost, den der Tabak gewährt, mehr geschätzt, als auf dem Schlachtfelde. Im deutsch-französischen Kriege galoppierten bei Saarbrücken die Braunschweigischen Husaren mit Cigarren im Munde unter einem wahrhaften Kugelregen in die Masse der französischen Truppen hinein. Deutsche Generale führten ihre Soldaten kaltblütig rauchend in den mörderischen Kampf. Der Mangel an Tabak, unter dem die französischen Truppen sehr litten, ist mit dafür verantwortlich gemacht, daß bei ihnen Unzufriedenheit entstand. Es ist bekannt, daß die deutschen Frauen immer dafür sorgten, daß ihre Männer, Söhne und Brüder gut mit dem edlen Kraut versehen waren. Die Soldaten und Matrosen der Königin Elisabeth waren die ®«fltönber, die rauchten. Bei Sebastopol hob ein ^lanber unvorsichtiger Weise den Kopf über die Ver- chanzungen. Eine russische Kugel kam und zerschmetterte einen Pfeifenkopf, das Rohr aber behielt er im Munde. ©ajneU suchte der Mann wieder Deckung und wünschte nur Mit „dem Diebe, der ihm seine einzige Pfeife zerschlagen zusammui zu kommen. Durch den Krimkrieg kam das Rauchen in England allgemein in Mode; vorher rauchten nut bie atbeiienben Blaffen. Aber bie Schrecken unb Ent- Ölungen ,enes furchtbaren FelbzugS lehrten bie Offiziere nal "hm X™ ^°kals TröstungSmittel gleichkam? unb nach bem Kriege rauchten sie weiter, unb Pftifen unb ^stöhnt. Als bas Gefecht bei 3tQÜen und Spanien wird der Tabak als etwas rum 'v-ö-n es übrigens bei der britischen Marine 9 ' lft eine-^7n?t'en'Lbon7r°Fm^ier7si!fmi. B°s°rg' beobachtet ihn bet Batet unb fragt bann ' r ä 'S’" Mr SM'q „Mir ttäumi,. ich wilr, gti.de am Wcihn.chilfbeech gestorben; St. Nikolaus kam und führte mich fort. Ich fragte ihn, ob er mich zum Himmel bringen wollte. Er ließ mich aber auf einem großen Felde allein und dort traf ich den heiligen Petrus. Den bat ich, mir doch die Himmels- thüre zu zeigen. Petrus aber nahm meine Hand und brachte mich zu einer großen Leiter, die mitten auf dem Felde stand und bis in die Wolken hineinreichte. Dann gab er mir ein großes Stück Kreide und sagte, ich solle die Leiter hinaufklettern, dabei aber auf jeder Sprosse eine Sünde schreiben, die ich im Leben begangen hätte. Dort oben sei der Himmel und wenn ich ihn erreichen wolle, dürfe ich keine Sünde vergessen." Vater (seine Zeitung bei Seite legend): „Nun, und---Bist Du dann bis in den Himmel gekommen?" Willie: „Ach nein, Papa, gerade als ich nachdachte, was ich auf die dritte Sprosse schreiben sollte, sah ich nach oben, und da tratest Du aus den Wolken und kamst die Leiter herunter." Vater (be- grerig): „Und weißt Du, weshalb ich herunter kam?" Wime: „Das habe ich Dich gefragt, Papa, und da sagtest c \ wäre bie Kreide alle geworden. Du müßtest mehr holen, weil Du noch sehr viel zu schreiben hättest $°r ?ann mich Lizzie geweckt. Mußt Du aber viele Sünden haben, Papa--!" Der Herr Finanzier 'Jv;. ’1(7 ,im Sollen vorgenommen haben, sein Söhnchen nicht wieder nach seinen Träumen zu fragen. dovvelt „^"5 dtS Auslandes. A.: „Mein Buchhalter hat mich gebrannt" 1 ?’ sst meiner Kasse und mit meiner Frau durch- - Mein ein doppelter Buchhalter!« - Ged ich - t-^Ser als der Deine," sagte Wallie; „er schreibt keine." ~ viel klüger als Deiner, er schreibt habt'-'" — cujJpa smxSlar9,,^Qt der Fleischer keine Schweinshaxen ge- M ttama i*ersten Male auf den Markt geschickt): =r " Schweins^ hL-, «ilr („Münchner Jugend.-) Er gedachte in warmen Worten der hohen Verdienste des Entschlafenen, seiner Güte und seines frohen, freudebringenden Wirkens. Nach dem Gebet trat Herr Bürgermeister Wörner vor und schmückte das Grab unseres Ehrenbürgers mit einem prächtigen Strauß lebender Blumen. Nach ihm spendeten Kränze: Herr Dr. Baur (im Namen deS ärztlichen Vereins), Herr Medizinalrat Dr. Lorenz von Friedberg (im Auftrag des ärztlichen Kreisvereins Friedberg), Herr Lehrer Wagner (für den Kur- und Verschönerungsverein) und zum Schlüsse widmete Herr Georg Hartmann seinem alten Freunde einen Kranz und einen herzlichen Nachruf. Neben dem Grabe häuften sich bald die Blumen und Kranzspenden von nah und fern, welche zumteile auf langen Bandschleifen Widmungen trugen. Auf dem Heimwege konnte man unter den sich entfernenden Leidtragenden noch manches gute Wort über den Verstorbenen hören. Möge er unvergeßlich ruhen in Nauheims Erde! Bad'Nauh. Anz. BadNauheim, 3. Januar. Die Großh. Handelskammer erhielt von der Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. folgendes Schreiben: Wir danken Ihnen für die in dem nebenbezeichneten Schreiben enthaltenen Mitteilungen und werden nicht verfehlen, auf Beseitigung der auf Station Nauheim vorhandenen dringenden Mißstände thunlichst Bedacht zu nehmen. Ein Teil derselben wird schon beim Umbau der Gleisanlagen, wofür die Geldmittel im Betrage von rund 140 000 Mk. bereits bewilligt worden sind, beseitigt werden können. Inwieweit den durch die unerwartete Verkehrszunahme während der Badesaison veranlaßten Mißstände des Empfangsgebäudes in zweckmäßiger und ausreichender Weise dauernd abzuhelfen ist, unterliegt noch einer näheren Prüfung. Von einer vollständigen Verlegung des Güterbahnhofs und des Empfangsgebäudes auf die Ostseite der Bahn haben wir endgültigen Abstand genommen, weil diese Verlegung mit ganz unverhältnismäßigen Kosten verknüpft sein würde, und im Interesse des Bahnverkehrs auch nicht erforderlich erscheint. Lampertheim, 2. Januar. Vielversprechende Jugend. Ein Akt größter jugendlicher Verrohung trug sich hier am zweiten Feiertage zu. Zwei Bürschchen von 16 Jahren gerieten bei der Tanzmusik wegen eines Mädchens in Wortwechsel. Gegen 11 Uhr nachts feuerte der Eine von Beiden auf offener Straße einen Revolverschuß auf seinen Gegner ab, an welchem dieser am folgenden Tage nach qualvollen Schmerzen erlegen ist. Der Thäter wurde sofort nach dem Bekanntwerden des Todes des Opfers gefesselt nach Darmstadt abgeführt. Ohne die geringste Niedergeschlagenheit und Reue legte das saubere Früchtchen, das die Mordwaffe von seiner Mutter zum Christgeschenk erhalten hat, den Weg nach dem Bahnhofe zurück. Im Wartesaale daselbst soll der Thäter dem dort anwesenden Geistlichen seiner Konfession auf dessen Befragen die kurze Antwort gegeben haben, daß er es wegen eines Mädchens gethan habe. Allgemeine Entrüstung herrscht in der ganzen Gemeinde ob dieses Bubenstücks. Eine exemplarische Strafe sollte der rohen That folgen. Marburg, 2. Januar. Zu der bereits mitgeteilten Schußaffaire, wonach ein angeblicher Student einen Kutscher tötlich verwundete, ist noch nachzutragen, daß der Thäter kein Student ist, sondern ein beschäftigungsloser Kaufmann aus Hanau namens Hony, der sich als Student ausgab. Unter dem Einfluß allzu reichlichen Genusses alkoholischer Getränke stehend, hatte der junge Mensch diese Waffe mit scharfen Patronen geladen und als er gestern morgen kurz vor 7 Uhr in der Nähe des Mönchbrunnens in Wortwechsel mit einigen Passanten geriet, zog er den Revolver hervor und schoß blindlings um sich. In diesem Augenblick ging zufällig der bei Herrn Fuhrwerksbesitzer Eckstein beschäftigte Kutscher Möhl von hier vorbei. Von zwei Kugeln getroffen, sank, wie die „Oberhess. Ztg." meldet, Möhl schwerverletzt zu Boden. Kassel, 2. Januar. Gestern abend gegen 7 Uhr wurde die Komtesse von Königsdorfs, Tochter des Polizeipräsidenten, drei Häuser vom Polizeigebäude entfernt, auf ihrem Wege zum Theater von einem Menschen, der direkt auf sie zuging, so heftig mit der Faust auf die Brust geschlagen, daß im ersten Augenblick ein Messerstich vermutet wurde, was sich glücklicherweise nicht bestätigte. Dieser Vor- fall verursacht in der Stadt große Aufregung und um so mehr Teilnahme für die Komtesse, als sie bereits s. Z. in Veranlassung ihrer Verlobung mit dem Grafen zu W. u. P., welche in der Folge auf ihren Wunsch von ihrem Vater gelöst wurde, das Opfer böswilliger Verläumdungen geworden ist, deren strafgerichtliche Verfolgung damals eingeleitet, später aber auf Bitten der Angezeigten beruhen gelassen wurde, nachdem dieselben die Böswilligkeit der Ver- läumdung schriftlich anerkannt und um Verzeihung gebeten halten. — Einer der geachtetsten und bekanntesten Aerzte in Kassel, der frühere Generalarzt des 11. Armeekorps, Herr Dr. med. Wilhelm Kuckro, ist hente im Alter von 87 Jahren gestorben. — Herr Regierungsrat Friedrich Wilhelm Maximilian v. Kehler in Kassel ist zum Geh. Regierungsrat und Vortragenden Rat bei dem Rechnungshof des Deutschen Reichs in Potsdam ernannt. Hanau, 2. Januar. Der Portefeuiller Iller aus Fechenheim, ein unverheirateter Mann von etwa 30 Jahren, geriet in der Neujahrsnacht, abseits gehend, an das Main- ufer bei Fechenheim, fiel ins Wasser und ertrank.__________ Kunst und Wissenschaft. Auf dem Pariser Ausstellungsgeläude soll eine große Musikhalle errichtet werden, in welcher ein internationaler mili- ärischer Musikwettstreit während der Dauer der Ausstellung geführt werden soll. Die hervorragendsten Regimentsmusiken aller zivilisierten Nationen sollen dort konzertieren. — Bekanntlich fand auf der ersten Pariser Weltausstellung ein ähnlicher Wettkampf statt, in dem die deutsche Militärmusik siegte. Petersburg, 3. Januar. Der Schriftsteller Dimitrie Grigoro- witsch ist heute gestorben. Karl Millöcker •$•<> „Ach ich hab sie ja nur auf die Schulter geküßt!" Wer hat nicht diese Worte des Walzers aus dem „Bettelstudent" gesummt oder sich nach seinen Tönen im Tanze gedreht? Neben der „schönen blauen Donau" und den beliebten Melodien der „Fledermaus" von Strauß und einigen einschmeichelnden Melodien von Suppee hat sich Karl Millöckers „Bettelstudent" die Welt erobert. Der Schöpfer der wahrhaft populären Musik aber ist mit der Jahrhundertwende dahingegangen, woher es keine Rückkehr giebt, nachdem seine Verwandten schon seit einiger Zeit das Schlimmste befürchtet hatten. Millöcker stand erst im 58. Lebensjahr, und seine Schaffenskraft, die zeitweilig unter dem körperlichen Verfall gelitten hatte, war noch lange nicht erschöpft, das zeigt besonders eine seiner letzten Schöpfungen, die Operette „Der arme Jonathan". Wenn sie auch den „Bettelstudent" bei weitem nicht erreicht, so bringt sie doch eine Fülle reizender Melodien. Neben den beiden genannten Operetten trat „Gasparone" den Siegeszug über die Bühnen an. Auch mit der Volksoper hat Millöcker Versuche gemacht, seine „sieben Schwaben" legen davon Zeugnis ab. Millöckers Musik war Wiener Volksmusik, denn als geborener Wiener kannte Millöcker Wiener Leben und Wirken von Jugend an. Wenn auch im neuen Jahrhundert neue Komponisten kommen und wenn sie auch auf dem etwas zurückgegangenen Gebiet der Operette Gutes leisten sollten, Millöckers „Bettelstudent" wird fortleben und Kinder und Kindeskinder entzücken und nie wird Oberst Ollendorf, diese charakteristische Figur des „Bettelstudent", zu sagen nötig haben „Schwamm drüber!" Kirche und Schule. Der Zentral-Ausschuß für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche in Berlin erläßt folgenden Aufruf: An das evangelische deutsche Volk. Evangelische Christen, die auS ganz Deutschland zum Kongreß für Innere Mission in Straßburg versammelt waren, haben uns den Auftrag erteilt, bei dem Beginn des neuen Jahrhunderts ein Wort an unser Volk zu richten. In ihrem Namen reden wir, wie die feierliche Stunde des abschließenden und anfangenden Jahrhunderts es uuS aufS Gewissen legt. Gott hat in dem abgelaufenm Jahrhundert Großes an unserem Volk wie an der Kirche der Reformation gethan. Vor hundert Jahren war das deutsche Reich zerrisien und zerklüftet, von dem französifchen.Welteroberer mit Vernichtung bedroht. Heute sind wir, in dem Feuer siegreicher Schlachten zusammengeschmiedet, ein einiges Volk. Damals lag der Protestantismus unter dem Bann einer öden Weltanschauung, die keinen lebendigen Gott und keinen wahrhasten Erlöser kannte. Heute wissen wir wiedef, was für das deutsche Herz, Haus und Volk das evangelische Christentum bedeutet. Aus der Not und Hilfe der Fceiheitskriege wurde der Geist weltüberwindenden Glaubens geboren. Eine Erweckung zu neuem Leben in Gott hob die Geister aus dem Staube empvor. Gewaltige Prediger drangen mit ihrer Glaubensmacht in das innerste Herz deS Volkes, und fromme Christen aller Stäube halfen das heilige Feuer schüren. Immer reicher entfaltete die theologische Wissenschaft die in der heiligen Schrift verborgenen Schätze der Weisheit und Erkenntnis zur Vertiefung des Glaubenslebens. Und die lebendig gewordenen Christen legten Hand an's Werk, zuerst der Aeußeren, bann der Jnnrren Mission. Mit Fug und Recht heißt das 19. Jahrhundert das Mifstonsjahrhundert der evangelischen Christenheit. Alle die Erinnerungen und Errungenschaften müssen unsere Seele mit demütigem Dank erfüllen. Auch an dem friedlichen Wettbewerb der Nationen hat unser Volk durch emsige Arbeit in Stadt und Land, in W:rkstatl und Fabrik unter Gottes S.'gen erfolgreich teilgenommen. Wie in keiner anderen Zeit zuvor hat die Menschheit in Erfüllung deS göttlichen Befehls: „Machet sie euch unterthan!" die Erde und ihre Kräfte zu beherrschen gelernt. Dazu haben deutscher Geist und deutsche Kraft ihren reichen Anteil beigetragen und den Stand menschlicher Wohlrhat erhöhen helfen. So bietet da8 alte Jahrhundert am Schluß den Anblick eines wunderbaren Aufschwungs des gesamten Kulturlebens, das neue bei seinem Anfang die Verheißung gewaltigen Weiterstrebens. Und während die Völker, in denen einst die Gegenreformation am erfolgreichsten gewirkt hat, immer schwerer um ihre staatliche und nationale Existenz ringen, weiß die evangelifche Christenheit Gott Dank, daß alles Große und Herzliche, was sie erreicht hat, ihr zu Teil geworden ist als der Erbin und Hüterin der Güter, die ihr in der Reformation der Kirche Christi gefchenkt sind. Dies glänzende Bild hat freilich seine dunkle Kehiseite. Dir Entfaltung der Weltkräfte hat den Wellsinn zu einer unheimlichen Stärke anwachsen lasten. In der Beschäftigung mit den Naturmächten ist die Pflege deS Seelenlebens verkümmert. Ueber der Arbeit an der Schöpfung hat ein Teil der Kinder des 19. Jahrhunderts den Schöpfer vergessen, und ein Abfall von Gott und allem Göttlichen, wie er entschiedener nicht sein kann, ist über weite Kreise gekommen. Auch bei Vielen, die zur Kirche halten, hat der christliche Charakter gelitten und der Geist der Hingebung abgenommen; sie stellen weder ihre Person roch ihr Hab und Gut in den Dienst des Reiches Gotlls. Schwere Gebrechen nagen an dem Marke unseres Volkslebens: Zuchtlosigkeit, Fleischeslust und Ueppigkeit überwuchern bei Alt und Jung, in allen Ständen den Sinn für Si tten reinbeit und zerrütten das Familienleben, desfen Pflege ein ft der Schmuck unsereS deutschen Volkes war. Und der öffentliche Geist, losgelöst von der göttlichen Offenbarung, schützt nicht mehr, wie er sollte, die ewigen Ordnungen GotteS gegen ihre Verwüster und die Heiligtümer des Glaubens gegen ihre Verächter. In einer Welt, die mehr als je zu ihrem Bestände und Fortschritt der Lebens- kräfie des Evangeliums bedarf, ist das Evangelium von vielen, sonst tüchtigen Menschen verkannt, verurteilt und verachtet. Am schwersten machen sich die Wirkungen dieser Notstände auf dem Gebiete der Dateien Bewegung fühlbar. Ohne Zweifel ist der Eintritt der arbeitenden Klaffen als mttbestimmender Macht in die christliche Dölkerwelt die folgenreichste Erscheinung, die das scheidende Jahrhundert darbietet, und die Ueberwindung der daraus erwachsenen. Kämpfe die schwerste Aufgabe, die eS dem aufsteigenden Jahrhundert: hinterläßt. Noch fehlt dem Staate für dirfe Kämpfe die wirksame Waffe, den führenden Klaffen das klare Verständnis, der Kirche das rechte Wort des Friedens. Große Verschuldungen aus allen Seiten haben die Geister verwirrt, die Herzen verbittert, daS gegenseitige Vertrauen durch Uebermut und Neid ertötet. Deutschland, im Herzen Europa« gelegen und im Laufe der Jahrhunderte in die Mitte aller entscheidenden Geisteskämpfe gestellt, wird auch an der Durcharbeitung der durch die soziale Bewegung geschaffenen Fragen in erster Reihe teilnehmen müssen. Von seiner Begründung an hat sich das neuerstandene R eich vor diese Aufgabe gestellt gefehen und zü ihrer Lösung neue Wege betreten. Die deutsche evangelische Kirche aber ist schon um die Mitte des Jahrhunderts durch die prophetische Stimme WichernS aufgerufen worden, in allen ihren lebendigen Gliedern durch Gebet und Arbeit mitzuhelsen an der Heilung der Schäden und Nöte des VolklebenS. Dieser Ruf ist nicht ungehört verhallt. Eine reiche Liebesthätigkett, die im Glauben wurzelt, ist in der evangelischen Kirche erblüht, hat manche Wunde am Volks- körper geheilt und dm Weg zur Versöhnung der Stände unter einander gewiesen. Aber größeres ist not, als bis jetzt geschehen ist. In der evangelischen Chrtftmheit muß das Bewußtsein mächtig werden, daß das Evangelium das einzige Heilmittel ist zur Gesundung unseres Volkslebens wie zur Herbeiführung eineS dauernden Friedens in unseren sozialen Kämpfen. Der Opfersinn, der unsere Väter im Glauben dazu trieb, Gut und Blut freudig binzugeben, muß wieder erwachen. Wer in dem Evangelium von Christo das ewige Gut gefunden hat, wird daS irdische Gut als ein anvertrautes Pfund ansehen, für deffen Verwendung zu höheren Zwecken und im Dienste des Nächsten er seinem Gott verantwortlich bleibt. Wer erkannt hat, daß wir alle, durch Christum mit Gott versöhnt, Brüder find, wird sorgen, daß aller treuen Arbeit ihr Lohn werde, daß der Starke dem Schwachen biene und jede Not rechtzeitige Hilfe finde. Wer die Gnade GttteS, die unS in Christo selig macht, am eigenen Herzen erfährt, wird in Demut sich zu dm Gefallmen und Verlorenen herabneigen, um sie wieder auf den rechten Weg zu führen. Gottesfurcht und deutsche Treue, Zucht und Sitte im Haufe, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit im öffentlichen Leben gedeihen nur auf dem Boden des Glaubens, der im Evangelium den Frieden des Gewissens und die Kraft eines neuen Lebens gefunden hat Thut Buße und glaubet an das Evangelium! Mit diesem Wort, schärfer denn kein zweischneidig Schwert, hat JesuS Christus seine Verkündigung deS Himmelreichs begonnen. ES weift allen Jahrhunderten den Weg der Rettung und des Heils. Daß jeder Stand und Beruf seine Schuld ernennt und seine Pflicht erfüllt, am Reiche Gottes mitzuarbeiten, ist der Anfang zur Besserung. Gott sei Dank, noch sind in unserem Vaterlande blühende Stätten evangelischen Glaubens und freudigen kirchlichen LebmS. Wir brauchen nicht zu verzagen, sondern sollen hoffen. Auch wo eS nicht gut steht, kann eS durch Gottes Gnade wieder beffer werden. Alle evangelischen Deutschen, Hoch und Niedrig, Reich und Arm, rufen wir auf zum heiligen Kampf und .'zur ernsten Arbeit für die hohen Güter des evangelischen Glaubms und Lebens. Wenn alle, die an die Wahrheit des seligmachenden Evangeliums und an die Zukunft des Volkes der Reformation glauben, sich zufammenthun und dafür mutig im öffentlichen Leben eintreten, fo wird Gott unsere Gebete erhören und neue Ströme deS heiligen Geistes ausgießen, der allein eine Erneuerung unseres Volkes zu wirkm vermag. Im Reich« Gottes ist es nie zu spät zur Umkehr. Aber es ist hohe Zeit. Darum zurück zum alten Evangelium und vorwärts mit Gott! Jagd und Sport. — Im Beniheimer Walde zeigte sich unter den Hasen eine eigentümliche tätliche Krankheit, die sich zuerst darin äußerte, daß die Leber allmählich zusammenschrumpfte. Die Obersörsterei des Fürsten hatte infolge deffen Hasen aus Rußland zur Blutauffrischung eingesetzt, aber auch diese Maßregel hat nicht geholfen, da nach wie vor sehr häufig verendete Hasen gefunden werden. In Jägerkreisen nimmt man an, daß die künstliche Düngung der dem Walde benachbarten Wiesen, welche die Hasen zur 2kjung aufsuchen, diesen schädlichen Einfluß auf das Wild hervorbringe. Interessant würde es fein, zu erfahren, ob auch an anderen Orten derartige Beobachtungen gemacht sind. — Was sind Treibjagden'? Die Kunstmaler W. und Genossen aus Berlin waren angeklagt, die Polizeiverordnung des Oberpräsidenten von Brandenburg vom 4. Juli 1898 übertreten zu haben, weil sie im vorigen Jahre eine Treibjagd an einem Sonntag veranstaltet hatten. Rach der Polizeiverordnung sind an Sonn- und Festtagen Hetz- und Treibjagden verboten. Die Angeklagten, die vom Schöffengericht und der Strafkammer verurteilt wurden, hatten in Abrede gestellt, eine Treibjagd veranstaltet zu haben. Es war festgestellt worden, daß sie am 26. November v. I. ihr Jagdgebiet teilweise eingelappt hatten und am Sonntag, 27. November, das Wild gegen die Lappen trieben. Die Angeklagten, die in Entfernungen von 50 Schritt von einander gingen, schossen bann auf das durch die Lappen zurück- grscheuchte Wild und brachten drei Rehe und acht Hirsche zur Strecke. Zur Zeit des Gottesdienstes hatte man gefrühstückt Gegen das Urteil der Strafkammer legten die Angekagten Revision beim Kammergericht ein und suchten nachzuweisen, daß die Straskammer den Begriff einer Treibjagd verkannt habe; von einer Treibjagd könne nur dann die Rede sein, wenn den Jägern das Wild durch Treiber zugetrieben werde, oder aber, wenn die Jäger sich das Wild gegenseitig zutreiben. Das Kammergericht erkannte auch auf Freisprechung der Angeklagten, da eine Hetz- oder Treibjagd im Sinne der Oberpräsidialverordnung nicht vorliege. Aus der Mett der Technik. Mit der soeben erfolgten Vergebung des Schiffsbaues für die in Vorbereitung befindliche deutsche Südpolar-Expedition an die Howaldtwerke in Kiel ist das Unternehmen in das erste Stadium seiner Ausführung getreten. Das Schiff wird ein Holzbau sein, weil nur ein solcher die genügende Festigkeit und Elastizität für die Eisschifffahrt erhalten kann. Die Form des Schiffes wird etwas voller und nicht in der Weise abgeschrägt sein, wie es bei Dr. Nansens „Fram" der Fall war, deren Form für die schweren Stürme und den hohen Seegang der südlichen Meere ungeeignet fein würde, wie es Nansen selbst auf dem internationalen Geographenkongreß zu Berlin aussprach. Daß das Schiff so stark wie nur möglich gebaut wird, ist selbstverständlich. Es wird zur Aufnahme eines Kohlenvorrats und der gesamten Ausrüstung für drei Jahre eingerichtet und behagliche Wohn- und Arbeitsräume für 5 Gelehrte, 5 Offiziere und etwa 20 Mann Schifisbesatzung erhalten. Die Werft ist kontraktlich verpflichtet, das Schiff bis zum 1. Mai 1901 abzuliefirn, so daß darnach die wissenschaftliche und praktische Ausrüstung desselben bis zum Abgang der Expedition Ende August 1901 noch fertiggestellt werden kann. THEE-MESSMER Berühmte Mischungen Mk. 2,80 und 3,50 per Pfund. Probepackete 60 und 80 Pfg. Zu haben bei den Niederlagen von Meffmers Thee Achtungsvoll 5 346 Kiefern- und Bettfedern Fichtenstangen 342 befindet. rm Nadel-Scheitholz, n Wellen Nadel-Reisig. Unterzöge 8834 jgäbercg in der Expedition d. Bl. Ausposaunt Rordanlage Ecke «derstratze 1. 5 gegeben werden. 6650 Brief Berantwottlichrr Rcdaklrur: H. korglcr. - Druck «„lag bcr «rckhl,chm 233.40, llrrltcißriiuijirn Wietgeluche (Ulfenc Stellen Vermietungen In u er kauf eit Capitntien Jersltiiedents Fichtenstämme fm (darunter 47 180 99 3150 97.70 97 50 23 70 41.80 47 50 99.00 95 80 100.50 100.80 100.25 98.95 98.05 88.90 97.00 101.00 100.50 Brief 16.21 20.47 4.20 •clt 81.20 84.40 14.17'/, Lager in Stofihenheiten. Aug. Montanas Nachfl., Inh. R & M. Imheuser, Giese en, Marktplatz 9—10. mit 197,97 Schnittholz), Kiefern- und mit 14,62 fm, Achtungsvoll August Werner A. & G. Wallenfels Markt 21. — Fernfprech-Nr. 46. 033] Steinbrecher in Akkord gesucht. Chr. Haubach I. deren Bier auf allen von ihr beschickten Ausstellungen mit ersten Preisen ausgezeichnet wurde, ent- fchloffen. Indem ich mich zum Bezüge desselben in Flaschen und Gebinden bestens empfehle, versichere ich prompte und aufmerksame Bedienung. Die Zusammenkunft ist auf dem alten Steinbacherweg am Pflanzgarten. Gießen, 2. Januar 1900. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. ambrgr. Hyp Bk. unk. b. 1905 reuß.Hyp.A.Bkunk.b.1900 omm.Hyp.A.Bk. unLb.1904 rkf.Ldw.Ered.Br.unk.b.ioOO Hohversteigerung im Sikßtttt Stadtmld. Montag »en 8. Januar 1900, vormittags 9*/a Uhr beginnend, werden im Gießener Stadt- »ald, Distrikt Unterhag, versteigert: Geschäftsverlegong. Meiner werten Kundschaft zur gefälligen Nachricht, daß sich meine Korb- uttb Stuhlflechterei vom 3. Januar an 9060 N^" Neuenweg 58 RvWe Gummisitzuhk in anerkannt bester Qualität billigst bei Wrlh. Herbert, Marktplatz 2. Wassnüffe,Kaselnüffe,Zeigen, Datteln,Fafelmandeln,Iafe5 rofluen, Muscat-Datteln, Maronen, Krangen frisch eingetroffen bei 25 A. & G. Wallenfels, Marktplatz 21. Herren welche sich einen eleganten Anzug oder Paletot anfertigen lassen wollen, machen wir aufmerksam auf unser grosses Gotthilf Röhrte, Waröurgerstraße 7. A. Dinkelmann, Worms Haupt-Kollekteur der Grossherzogi. Hessischen Landes-Lotterie. Lose-General-Deblt. 8848 Telephon 75. Bank - Conto: Pfalz. Bank. Telephon 75. Kursbericht m J. Kurz & Co.z Hießen, KaWisstttst 63. Sraulfurter Börse vom 3. Januar 1900 Darmff. Bk..«ctien ^beudeoursrr L>ypotheke^^E7^MÄ- . .. und Iartehn-Sucheude Wilh»iOtt Kc.lflnrtc Angebote. 6160 -WUhelm_HirBcht Mannheit m von Seite« meiner geehrten Kundschaft geäußerten Wünschen entsprechen ^können, S I ÄtoM neben dem belieb,en Hellen Bier de« Gießener Brauhaus-, auch noch ein echt bayerische* Bier zu führen, und nach sorgfältigster Prüfung mich zur Wahl des ganz vorzüglichen Bieres der Aeltesten Culmbacher Erportbierbrauerei (G. Sandler) Drucksachen für den Privatbedarf als: Visitkarten, Verlobungskarten, Vermählungsanzeigen Gratulationskarten, Einladungskarten, Trauerbriefe, Danksagungskarten, üoehzeitszeitungen etc. liefert rasch und billig in jeder Ausführung die BrUhl’sche Univ.-Druckerei (Pietsch Erben), Schufctrasse 7» „ -Knüppelholz, „ -Stockholz, 20 yranken^t. Procrm 47s Oesterr. Silberrente 4 Ung. Gold-Rente Bekanntmachung Die fünf Abteilungen der auf dem Viehmarktplatze zu ocr, Iwecken hergerichteten, mit Tischen, Bänken, Anrichten 190] sehenen Halle sollen für die Zeit vom 16. Januar 1900 bi« öl* ” ’ Mittwoch den 10. Januar 1900, nachmittags 6 Ayr, an Ott und Stelle öffentlich meistbietendverpachtet^werden.^^^ gegebefi Die Verpachtungsbedtngungen werden « J Zimmer und können auch schon vorher bei der unterzeichnete y Nr. 16 — eingesehen werden. Gießen, den 30. Dezember 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. _____ lexicaner amort. S. I-III 4 Monopol-Griechen von 1887 * «ldsorierir Arid prima (Qualität, billigst bei 8«nnurn und allem Zubehör, Garten Fb.. Schlatter. I öaufe,PMeIb“t|lu »erÄ' LLrLE *Äto‘ ..... 8556] Bahnhosstr atze 24, Hinterhaus 131] Für einfache Konlorarbenen wird ist eine Wohnung von 3 Zimmern mit I vorübergehend ein junger Mann mit Küche u. Zubeh. per sofort zu vermieten, schöner Handschrift gesucht. Eventuell kann Näheres bei H. Schaffstaedt, Schanzenstr, die Stellung sich auch dauernd gestalten. 8891] Zweiter Stock, vier Zimmer, I Reflektanten belieben ihre Adresse mit Küche, Korridor und sonstiges Zu- Zeugnisabschriften oder Angabe bisheriger behör, versetzungshalber per 1. April Thätigkeit uno der Gehaltsansprüche an 1900 zu vermieten. Wolfstratze 10,1 Haasensteiu & Vogler, A. G., in Ecke Grünbergerstratze._____________| Gietzen unter A. Z. 8 gelangen 96] Die seither von HerrnDr. Collin I &u Schellfische inuegkhadtt Wohnung, lehriing per Ostern gesniht. be^^erÄ Ä“ & ' «fwhSb.uBB. mieten. Ad. Bieler, Westanlage 62. Nur die Marke.Pfeilring gibt Gewähr für die Aechtheit des Lanolin-Toilette-Cream-Lanolin 16Tg Man verlange nur Pfeilring« »Pfeilring“ Lanolin-Cream o s und weise Nachahmungen zurück. Uttb 7344 I Moderne 4—5-Zimmttwohunng i» jeder Preislage billigst bei gesucht. Offerten unter 8. 141 an die C. Röhr & Co. b" — 8920] Ein größerer Laden allein oder ein kleinerer Laden mit 3-Zimmerwohnung und Zubehör zu vermieten in Plockstraße. Birkenstock & Schneider. 8919] Größere Kellerräume unter dem alten Lahnstein, sowie ein Sälchen daselbst auf längere Jahre zu vermieten. Btrkenstock & Schneider. HmimbeiWiilt non frnulcin ftniitnnnn Gießen, Südanlage 7. Wiederbeginn des Unterrichts in allen weiblichen Handarbeiten, sowie Knustarbeiteu 86 Mittwoch, den 3. Januar 1900. Zuschneide-Lehranstalt Grünbergerftraße 16, Mittelbau. Matzrrehmen, Musterzeichnen, Zuschneiden und Berarbeiten kann jede Dame gründlich erlernen. 23 Der Kursus beginnt am 8. Januar 1900. Lina Petri, gepr. Lehrerin. 8916] Em schön möbl. Zimmer im 1 Stock zu vermieten. Sonnenstr. 25. 8917] Noch mehrere 6- und 5-Zimmer- wohnungen sind sogleich zu vermieten' zumleil sogleich, zumteil per April in, -- G°°lh-tz°ß^ N°ldmIage und Pl°ck,trabe. Wxr Uihf einem G°,»ästsm°nn° ----------dirkenstock L Schneider. I ; «egen gute Sicherheit Sd4«1 Em° kleine u"L>b° 8>n en Rk. 2000. MN Zubehör im 2. Stock per fofoit ober bÄ ."lt5 ' $r' 026 an die Exp-d. spater zu vermieten. Schottstratze 1V. * otc'ed "ölQlte8- 85911 2- bis 3-Zimmerwohnung mit WasserleUung zu vermieten. Näheres Schiffenbergerweg 58. ® /i Deutsche ReichSanl. Preuß. LonsL ? /• vesstsche Obl. * Srr Darmstadt v. 1891 * »tobt WormS unk. b. 1901 20 4? g"1» «antnokn 20.42 Oesterr. dto. S17 Americ. Trauerkleider Blusen und Röcke 6615 stets grosser Vorrat bei: Aug. Montanus Nachfl., Inh. R. & M. Imheuser, Giessen, Marktplatz 9 10. Norclanlage 33. Bel'Etager 7 Zimmer mit Zubehör und allen Bequemlichkeiten, Balkon, Gas- und Badeemrrchtung, auch Gartenanteil. Ä vermieten, evenMell kamt'Mansarde^ zm !Der Kursus beginnt! ------ ——— __________761 atu 15, 5ttttttofc f vermieten. ^rünbergerftratz^23?" Anmeldungen nehme jederzeit entgegen. vermieten. " MarktplatzAkadmische Anschneideschule J- Vogel, 8806] Zwei schön möbl. Zimmer »ul^, --[80 --«ahnhofstratze^8^ JmPriVatscklackt^B 06] Zimmer mit Kabinett, mit ob. ohne ^hpfiehltsich « e " Möbel zu vermieten. SelterSweg V. 1027 Hammstraß?°i5^' ' »ÄÄ. D6L p. ÄSSSKl hat es die Kundschaft, daß meine Cigarren -ie besten stnd. 28 Richard Buchacker, Sigarreugeschäft, Neuen Bane 11. Filiale r SelterSweg 16. | In kürzester Zeit verschwinden alle Unreinlicvkeiten der Haut, als: Flechten, rote Flecke, HautauSschläge rc. durch den täglichen Gebrauch von: 6842 Theerschwesel»Seife von Bergmann & Go., Radebeul-Dresden. äSt.50Pfa-bci Emil Bender, Markt 18. >; ®ne «iichliae, eben eingetroffen bei 6511 ^Wohnung zu vermieten. qq, qi—öt}' „r ■■ bieustadt 10. I welche waschen, bügeln und flicken kann, RimmSn S Qn ^°n toitb ^suckt. Näheres zu erfahren bei mfm2fCtIL neb't 8u.®e9°t tn Goethe- und skxau I. Puth, Ossizier-Kasino Enfant - Plockstraße zu vermieten zu 20 und 25Mk. Zeqt. Kaffer W.lbe m ' T 92 pro Monat; desgl. eine solche von oiet \-” Zimmern für 32 Mark pro Monat. I 889b] Zuverlässige Frau oder Mädchen Birkenstock & Schneider. IReinigung von Geschätts- für Herren finden Sie in grösster Aus-1 9058] 3-Zimmerwohnung mit Zubehör I -----Seltersweg ^8.^ wähl und bestbewährten Qualitäten bei: hu bermieten. 012] Saubere Putzfrau gesucht. Aug. Montanus Nachfl., - H- «arl^Bleichstraße 11. L—-— Ttephanftratze 15, 3 Tr. Inh. R.&. M. Imheuser, 6649 ®918J Wegzugshalber ist die Wohnung K^l°sort Elntrltl eln Laufmädchen Giessen, Marktplatz 9-10. Alicestratzk 12, 11, 8 Zrmmer und Z.,- Frau gesucht. Ludwigstr, 36, I —-----——-----------------:--- behor, per 1. Aprrl 1900 anderwert zu 8729] Laufmädchen gesucht, rnn! Plimminnhllhn eten‘ ,^ereg Sudanlage 19,II, ___Seltersweg 12, I. rlini Llllllllllxl IIIIIIr L??54^ 4 3iwt uiibBu-. 8938] Laufmädchen oder Frau sofort zu vermreten. F I J Schrotmühle billig zu vertäuten. ~ Löberstratze 3, patt.