Sonntag den 4. November 15V. Jahrgang 1900 Ain^Ss und für den ‘Kreis Gieren. fr^ctnt lägNck etu Ausnahme dc- Montags. Die Gießener A«»rrre«vrsitcr werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wtchtl. 4 mal beigelegt. Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Annahme von Anzeigen zn der nachmittags für dm fOlßmdm Tag erscheinenden Wummer bis vorm, 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Bezugspreis vieneljährl. Mk. 2^9 monatlich 75 Pfg, mit Bringcrlohn; durch die Abholestellm vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Viertes Statt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger Redaktion, Expedition und Druckerei: -chnkstraße Ar. 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener FamMenlüatter, Der hessische Landwirt, I « Klafter für hessische Ualkskunde. Soldateubriefe aus China. Der „Bremer Bürger-Zeitung" wurde nachfolgender Solda t e n br ie f aus Peking übergeben: 26. August 1900. Heute wurden wir plötzlich vom Mittagsmahle gerissen. Wir mußten deutschen Matrosen zu Hilfe eilen. Wir nahmen 76 Chinesen gefangen, banden sie mit den Zöpfen zusammen und nahmen sie in unsere Mitte. Und so mußten sie mit. Nun hieben einige rohe Burschen unbarmherzig darauf los, daß das Blut aus dem ganzen Körper hervorquoll. Schrecklich war das. Ich stand gerade Poften vor den Gefangenen, beteiligte mich aber nicht daran, denn so eine Roheit würde ich nicht verantworten können. Nach dem Essen wurden sie alle zum Tode verurteilt durch Erschießen, wozu auch, ich kommandiert war. Als sie zur Richtstätte geführt wurden, liefen zwei weg. Acht ganz junge Chinesen blieben am Leben. Die anderen 60 Stück wurden erschossen, wozu auch ich kommandiert war. Zwölf bis fünfzehn Schritt mußten wir uns aufstellen, vier Mann vor einen Chinesen, und auf Legt an! war alles ein Gewinsel um Gnade. Aber da kam das „Feuer!" Da war alles aus. Wir hörten nur noch ein Stöhnen und Aechzen, denn jeder war von vier Kugeln durchbohrt wurden, und sie fielen rückwärts ins Grab, das sie vorher selbst graben mußten. So endeten die 68 Chinesen. Und diesev Sonntag — der 26. August 1900 in Peking — wird mir unvergeßlich bleiben. Ihr werdet auch wohl schon in der Zeitung gelesen haben, die 4. und 2. Kompagnie, durch die sie erschossen wurden. Um 3 Uhr wuroen sie erschossen, also gerade die Nacht von Sonnabend auf Sonntag, als Ihr im Bette lagt und schlieft." Ein weiterer Brief ähnlichen Inhalts, mit Bleistift rotem chinesischen Einsckstagepapier geschrieben, wird von der Halberstadter „Volks-Zeitung" veröffentlicht: Vor Peking, 1. September 1900. Liebe Mutter! Es sind nun bereits 10 Wochen her und noch habt Ihr keine Nachricht von mir; heute jedoch haben wir einmal Ruhetag, und somit werde ich an Euch denken. Einen besseren Brief kann ich Euch heute leider nicht schreiben, da uns das dazu nötige Material mangelt; nicht einmal dabei zu sitzen ist uns vergönnt, sondern wir müssen dabei liegen, dazu regnet es, was vom Himmel herunter will. Wir lagern in einem Maisfelde und zwar vor Peking. Wie es uns so ungefähr ergeht, könnt Ihr Euch nicht entfernt vorstellen. Da wir unsere Proviantwagen infolge der miserablen unwegsamen Gegend nicht bei uns behalten können, so müssen wir schmachten und darben; so daß wir alle abgemagert find, wie die hölzernen Götter. Liebe Mutter, wir bleiben hier noch vorläufig liegen und wenn die Kaiserin durchaus keinen Frieden haben will, heißt es, dann s»ll weiter gekriegt werden und wenn es Jahre dauere, ober die Chinesen gänzlich vertrieben würden. Bisher bin ich weder verwundet noch, sonst krank gewesen, liebe Mutter, abgesehen von einem kleinen Unfall, wo ich in einen Graben gestürmt war, dessen Folge ein längeres Lahmen beim Marschieren war, welches allerdings nicht so ganz schmerzlos abging. Wie es hier jetzt während des Kriegs zugeht, liebe Mutter, ist mir unmöglich zu beschreiben, denn so ein Gemorde und Geschlachte ist geradezu toll, was daher kommen soll, weil die Chinesen außerhalb des Völkerrechts stehen, weshalb auch keine gefangen genommen werden, sondern alles wird erschossen, oder um die Patronen zu sparen, sogar erstochen. Am Sonntagnachmittag haben wir 7 4 Ge- fangenemitdemBajttnett erstechen müssen. Letztere haben eine Patrouille von uns erschossen, worauf das ganze Bataillon zur Verfolgung alarmiert' wurde, bei der uns besagte 74 Mann lebend in die Hände fielen. Es war grmtfam und nicht zu schildern, wie es der Wirklichkeit entsprach. Laß mich schließen in der Hoffnung, daß es nicht mehr so lange dauert, denn sonst weiß man schließlich nicht mehr, oder vielmehr man vergißt es, ob man einmal Mensch war. Mit bestem Gruß Dein Sohn M. . . . Besten Gruß an alle Geschwister und Bekannten. Aus Stadt und Zand. Gieße», 3. November. ** Novembers Anfang. November, die Zeit der dunklen, düsteren Tage, ist gekommen. Regen und Wind, Nebel und bald vielleicht schon Schnee, wechseln ab und machen die Luft grau und schwer. An den Giebeln der Häuser fließen die Wassertropfen trübselig nieder, und m den Straßen der Stadt ist es schlüpfrig und schmutzig. Nur selten gluckt die Sonne mit freundlichem Gruß auf die Erde. Der ganze Tag gleicht einer großen Dämmerstunde, zumal in den Städten, wo vierstöckige Häuserriesen den Ausblick verhindern. Die Menschen bleiben am liebsten zu Hause und drängen sich dichter um ihren schwarzen Freund, den Ofen. Wie prasselt lustig die Flamme und singt ihr Lied! Wer es zu deuten vermag, dem kündet es allerhand bunte Mär. Draußen aber wandert der Geist der Erkältung fröstelnd und zitternd, zahneklappernd und durchnäßt durch die Stadt. Unter Husten und Keuchen schleicht er einher. Was er spricht, klingt wie Räuspern und Niesen, und wenn er mit seinen rotgeränderten Augen umherschaut, schnaubt er zugleich gewaltig durch die Nase, sodaß alle Menschen vor ihm zuruckschrecken. Hier und da sucht und findet er auch Herberge, doch überall nur als aufgezwungener (Äast. Langsam und mühselig verstreicht die Zeit der dunklen ^age, aber doch winkt von ferne schon Lichterglanz und helle Freude. Der Gedanke an das nahende Weihnachts- sest mit blendendem Schnee und blinkendem Eis verklärt die traurigste Zeit des Jahres und weckt neue Hoffnungen in des Menschen Brust! Fraukfurt a. M., 31. Oktober. Der neue Intendant der Frankfurter Oper, Direktionsrat Paul Jensen, wurde am Sonntagvormittag vom Aufsichtsrat der Neuen Theater-Aktiengesellschaft dem auf der Bühne des Opernhauses versammelten Personal vorgestellt. In Vertretung des ersten Vorsitzenden, Geh.-Justizrat Hamburger, ergriff Herr A. Bolongaro-Crevenna das Wort zu einer kurzen Ansprache, worin er den Mitgliedern Herrn Jensen vorstellte und sie aufforderte, dem neuen Leiter mit Vertrauen entgegenzukommen. Sodann gedachte Herr Bolongaro- Crevenna der Verdienste des Intendanten Claar, der namentlich auch in kritischen Zeiten der Neuen Theater-Aktiengesellschaft durch geschickte Führung unvergessene Dienste geleistet habe, und ermahnte die Mitglieder, dem nunmehr sich auf die Leitung des Schauspiels beschränkenden bisherigen Chef ein dankbares Erinnern zu bewahren. Hierauf trat Intendant Jensen in den Kreis des Personals zu folgender Ansprache: „Durch das Vertrauen des AufsichtSratS der neuen Theater- Aktiengesellschaft hierher und an Ihre Spitze berufen, übernehme ich nunmehr da» mir übertragene jchwierige Amt. ES widerstrebt mir durchaus, an dieser Stelle und am heutigen Tage eine längere Programmrede zu halten. Ich bin kein Freund von vielen Redensarten und liebe es nicht, Versprechungen »u machen, wenn ich nicht weiß, ob ich sie auch zu hallen in der Lage sein werde. Ich bin hierher gekommen, um frisch und fröhlich zu arbeiten! Dazu bedarf ich, dessen bin ich mir wohl bewußt, zuvörderst Ihrer Beihilfe. Nun sagt einer der erfahrensten und gewiegtesten Theaterkenner, Heinrich Laube, an einer bekannten Stelle seiner Schriften: „Ein neuer Bühnenleiter brauche wohl fünf Jahre, um sich ganz betätigen und seine Pläne und Absichten zur Geltung bringen zu können, denn — so fügt er leider hinzu — „in den ersten drei Jahren sei er gezwungen, sich manche Feinde zu macken." Lassen Sie mich hoffen, baß dieses Wort auf mich nicht in vollem Umfange zutreffen möge; weiß ich mich dock von den besten Absichten beseelt, bin ich doch einer der Ihren! Jahrelang bin ich selbst ausübender Künstler gewesen; ich vermag mich daher sehr wohl in die Seele eines solchen zu versetzen. Ich habe die Freuden und Leiden des dramatischen Künstlers am eigenen Leibe zu verspüren hinreichende Gelegenheit gefunden. Sie werden aus diesem Grunde bei mir stets für Ihr, berechtigten Wünsche ein offenes Ohr und ein warmeS Herz firiden- und ich werde freudig bestrebt sein, Ihre Interessen bei der vor- gesttzten Behörde, dem AussichtSrat, aufs wärmste zu vertreten, vore ausgesetzt, daß die Wünsche des Einzelnen dem Grsamtinteresst deS uns allen teuern Institutes nicht zuwiderlaufen. Nun noch eine dringende Bitte: Schenken Sie mir das Vertrauen, das ich Ihnen von ganzem Herzen entgegentrage! Und nun lassen Sie unS fröhlich an die Arbeit gehen und etwas Tüchtiges leisten. Ich hoffe, wir werden gute Kameraden werden." Nach diesen Worten hieß Oberregisseur Krähmer im Namen der Mitglieder der Oper den neuen Chef willkommen und sicherte ihm zugleich ihr Vertrauen zu seiner Person und künftigen Amtsführung zu. Intendant Jensen dankte in kurzen Worten. ® ® ® TAFELKARTEN © © ® BALL- UND TISCHKARTEN HOCHZEITSTAFELKARTEN REIZENDE NEUE MUSTER IN EINFACHER UND GLÄNZENDER o o o o o AUSFÜHRUNG o o o o o BRÜHL’SCHE UNIV.-BUCH- UND STEINDRUCKEREI, GIESSEN, SCHULSTRASSE 7. Meratur. t O o H a r n a cf, ordentlicher Professor an der Trcftrnschen Hochschule in Darmstadt, der bekannte Vor- sitzende des hessischen Goethebundes, hat im Verlage vvn Vleweg & Sohn in Braunschweig „Essais und ylubl^np VL.§xt4eIat Vgeschichte" herausge- geben. Das stattliche Buch enthält in der Hauptsache folgende Aufsätze: lieber klassische Achtung. - lieber Lyrik — Goethes Tagebücher. — Ueber die Entstehung des „Faust". — Eine neue Faust-Erklärung. — Entwürfe und Ausführung des zweiten Teiles des Faujstz —> Ueber Goethes „Pandora". — Ueber Goethes „Löwenstuhl". — Goethe und Wilhelm Humboldt. — Goethe und Heinrich Meyer. — Goethes Kunstanschauungen in ihrer Bedeutung für die Gegenwart. — Zu Goethes Maximen und Reflexionen über Kunst. — Ueber Goethes Verhältnis zu Shakespeare. — Bemerkungen über die Normen einer neuen Ausgabe von Goethes „Maximen und Reflexionen". — Ueber neue «oethesche Sprüche. — Ein Goetheproblem. — Ueber Goethes Monadenlehre. — Zu „Don Carlos". — Zwei litterarische Aufsätze Napoleons des Ersten. — Zolas Kriegsroman. — Tolstoi als Modeschriftsteller. — Ueber Fbsens soziale Dramen, vornehmlich die Gespenster. — Neue Dramen (Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang", Holz «nt> Schlafs Familie Seelicke, Wildenbruchs Generalfeld- «berft, Sudermanns Ehre, Jaffes Bild des Siguorelli). — garnad rechtfertigt diese Samnfluug von kleinen Auflätzen Damit, daß er hoffe, durch die Vereinigung des Zerstreuten vrk Gesichtspunkt, von denen aus er die Erscheinungen und die zu Grunde liegenden Probleme der Litteratur- geschichte und Aesthetik beurteilt habe, deutlich hervortreten zu lassen und die Einheitlichkeit seiner Betrachtungsweise zu bekunden. Es ist die „klassische Aesthetik der Deutschen", an der er festhält, deren Grundsätze er auch der späteren, sogar der modernen dichterischen Produktion gegenüber zur Geltung bringt. In dem Aufsatz „Ueber Goethes Monadenlehre" wird der Einfluß Schellings auf Goethe nachgewiesen. In einigen anderen Goethe-Aufsätzen tritt eine scharfe Polemik gegen andere Litteraturhistoriker hervor. Sehr verständig ist die Beurteilung des Zola'schen Romans, der unter dem deutschen Titel „Der Zusammenbruch" allgemein bekannt ist. Weniger einverstanden können wir uns mit dem erklären, was Harnack über die genannten neueren Dramen sagt. Höchstens unterschreiben wir seine Ausführungen über Sudermann und Wildenbruch. Das Buch als Ganzes aber bietet vielseitige Anregung. Als 9. Heft der Verdeutschungsbücher des Allg. Deutschen Sprachvereins erschien: „Tonkunst, BühnenwesenundTanz. Verdeutschung der hauptsächlichsten in der Tonkunst, dem Bühnenbetrieb und der Tanzkunst vorkommenden Fremdwörter. Im Auftrage des Vereins zusammengestellt von Prof. Dr. A. Deneke." Preis 60 Pfg. Berlin, Verlag des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins (F. Berggold). Das nur 60 Seiten umfassende verdienstvolle Schristchen möchten wir jedem Tonkünstler und die Tonkunst als Liebhaber Ausübenden, jedem Schauspieler und Schauspielleiter, jedem Tanzlehrer und flotten Tänzer zu gründlicher Einprägung dringend empfehlen. Möge jeder, dem dieses Büchelchen in die Hände kommt, sein Scherf lein dazu beitragen, daß auch auf den Gebieten der Tonkunst, des Bühnenwesens und des Tanzes von keinem deutschen Munde hinfort ein Fremdwort gebraucht werde da, wo man ein gutes deutsches Wort in demselben Sinne und in derselben Klarheit anweichertz kann. Auch auf diesen Gebieten läßt sich das eigentümliche Wesen der deutschen Sprache pflegen, Liebe und Verständnis für die Muttersprache ausbreiten und das nationale Bewußtsein im deutschen Volke kräftigen durch verständigen Gebrauch guter deutscher Redeweise anstelle des Mißbrauches von fremden, undeutschen Worten, die unserm Nationalcharakter Schaden zufügen, gleichwie Maulwurfsarbeit die Arbeit des Landmannes schädigt. Nur wenigen dürfte bekannt 'sein, daß der Feldmarschall Moltke sich in seiner Jugend auch auf dem Gebiete der schonen Litteratur versucht hat. Die neueste (9) krummer der Weiten Welt" beginnt mit dem Abdruck einer Novelle „Die beiden Freunde", die Moltke .seinem 27. Lebensjahre verfaßte. Sonst bringt diese Zeitschrift einige wohlgelungene Aufnahmen von Moltke im Kreise seiner Angehörigen und einiger seiner näheren Verwandten. Zahlreiche interessante und aktuelle Bilder, wie von Waldersees Ankunft in Hongkong, von dem Aufstieg des Grafen Zeppelin usw., sowie gediegene Aufsätze aus dem Gebiete der Literatur und Kunst, Novellen- und Romanfortsetzungen geben auch dieser Nummer wieder einen äußerst reichhaltigen und vielseitigen Inhalt. Die Nummer (Union, Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin) ist für 25 Pfg. in allen Buchhandlungen käuflich. ute sachliche Schulbildung für den Kandwirtschastliches Landwirtschaftliche Schule. Bei den heutigen schwierigen Bewirtschaftungs-Be- dittgungen ist eine gute fachliche Schulbildung für den jungen Landwirt uno späteren Betriebsleiter von allergrößtem Wert. Ter Kampf um die wirtschaftliche Existenz und die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage wird immer schwieriger und heftiger. "Deshalb sorgt zur rechten Zeit dafür, daß Euere Kinder wenigstens das erforderliche Rüstzeug durch Erwerbung der notwendigsten fachlichen Ausbildung mit auf den Weg bekommen. Es giebt zwar noch genug Leute, die über landwirtschaftliche Schulen und theoretische Ausbildung spötteln oder nach dem alten Rerept: „Wir haben ja auch keine Winterschulen besucht und sind doch alt geworden" sich beruhigen. — Laßt diese Leute reden; sie kennen den Wert und die heutige Bedeutung einer guten fachlichen Schulbildung nicht und haben keinen Begriff von der Verantwortung, welche sie auf sich laden, wenn sie trotz vorhandener Mittel ihre Sühne aus reiner Gleichgiltigkeit nichts lernen lassen. Auch die jungen Leute sind häufig noch zu unreif, um zu verstehen, was es für ihr ganzes zukünftiges Leben bedeutet, ob sie eine fachliche Ausbildung durchgemacht haben oder nicht. — Wenn sie dann Männer werden und den Betrieb übernehmen sollen oder an ihren Kameraden sehen, daß sie etwas gelernt haben, dann kommen die Vorwürfe und ihr ganzes Leben hindurch ärgern sie sich, wenn sie beim Anhören von Vorträgen oder beim Lesen von Fachzeitschriften finden, daß es ihnen an der Grundlage zum richtigen Verständnis vieler Vorgänge fehlt und sie nicht wie andere in allen landwirtschaftlichen' Fragen initreden können. Viele fassen auch die Aufgaben des Unterrichts in landwirtschaftlichen Schulen falsch auf. Tie Schüler sollen dort nicht die praktischen Arbeiten und die Bewirtschaftung ihres heimatlichen Gutes lernen. Tas lernen sie vielmehr am besten von Eltern, die langjährige Erfahrungen auf der eigenen Scholle gemacht haben. Sie sollen vielmehr die wissenschaftlichen und volkswirtschaftlichen Grundlagen des Betriebes und seiner Faktoren, die Vorgänge in der landwirtschaftlichen Pflanzen- und Tierentwiaelung, das Für und Wider der anwendbaren Betriebs- und Verbesserungsmittel kennen lernen, um in die Lage zu kommen, Ursache und Tragweite jedes Vorganges und jeder Maßregel -zu verstehen, und sich ein sicheres Urteil zu bilden über das, was für sie brauchbar oder nicht vorteilhaft anwendbar ist. Andere werden ihre Söhne zu Hause behalten wollen, weil sie sie bei den heutigen schwierigen Arbeits-Verhältnissen für die Arbeit nicht entbehren zu können glauben. — Tiefes Bedenken scheint heutzutage gewiß berechtigt. Aber die Winterschulen dauern nur die Wintermonate über. In dieser Zeit sind die Söhne am ehesten entbehrlich oder andere Leute für die Arbeit zu bekommen. Schlimmer ist es aber für diejenigen jungen Leute, welche unbeschäftigt oder nicht genügend beschäftigt ihre schönste Lernzeit zu Haufe vertrödeln und verbummeln und sich an Müßiggang gewöhnön. Tas schlimmste Bedenken ist das Fehlen der nötigen Mittel. Wo dies der Fall und Stipenoien nicht zur Verfügung sind, ist schlechterdings nichts zu machen. Wo es aber irgend geht, und bei sparsamerem Leben gehr es vielfach auch dort noch, wo es nicht zu gehen scheint, so unterlasse man diese Ausgabe nicht, die vielleicht berufen sein kann, dem jungen Manne den Weg für eine bessere Zukunft zu eröffnen und zu zeigen. Zum Schluffe möge bedacht werden, daß, allein schon die Thatsache, daß nach jahrelanger allgemeiner Ausbildung in der Elementarschule ohne Berufsunterschied jetzt beim Eintritt in die landwirtschaftliche Fachschule die jungen Leute sich zusammenfinden, um ausschließlich für ihren Berus zu lernen, das Beruss- interesse hebt und die Berufskameradschaft stärkt, Eifer und Streben erzeugt, wo bislang man solches nicht erwartet hat, und so die Grundlage legt zur Heranbildung von Männern, die noch stolz sind auf ihren Beruf und willens und fähig sind, ihre Berussinteressen zu vertreten. Leute, wie wir sie als Nachwuchs für die landwirtschaftlichen Vereine und die öffentliche Vertretung der Landwirtschaft so gut brauchen können. Dr. M—r. — Wichtig für Schweinezüchter. Um die Frage der geeigneten Fleischqualität der Schweine für verschiedene Verwertungszwecke ihrer Lösung näher zu bringen, hat, wie die „Allgem. Fleischerztg." erfährt, das Ausstellungskomitee für die nächstjährige Berliner Mastvieh- Ausst.llung im Mai 1901 neben dem Wettbewerb für Schweine im lebenden Zustand auch eine besondere Preisbewerbung für aus- geschlachtete Tiere festgesetzt; es find dafür bedeutende Preise nicht nur seitens des Komitees, sondern auch seitens der Staatsbehörden in Aussicht gestellt. Die Rassenangehörigkeit der Tiere bleibt hierbei vollständig unberücksichtigt; es werden dieselben in drei Klassen ausgestellt: a) Schweine, welche sich besonders für den Ladenverkauf eignen (©enget). Diese Tiere müssen von feinem Knochenbau, vollfleischig sein und möglichst wenig und festen Speck haben. Lebendgewicht etwa 140 —160 Pfd. 1>) Schweine, welche sowohl für den Ladenverkauf als auch für die Wucstfabrikation Verwendung finden können. Bei einem Lebendgewicht von etwa 160—200 Pfd. müssen diese Tiere ebenfalls vollfleischig sein. Der Speck muß fest, das Fletsch nicht zu fettig und nicht wässerig sein, c) Schweine, die sich hervorragend bei der Wurstfabrikation und zur Herstellung von Dauerware verwenden lassen. Vollfleischigkeit ist auch hier die erste Bedingung. Der Speck muß fest, das Fleisch derb, trocken und nicht von zu Heller Farbe sein. Lebendgewicht 200 Pfd. und darüber. — Während die lebenden Tiere von Kommissionen beurteilt werden, welche im allgemeinen aus zwei Landwirten und einem Fleischermeister zusammengesetzt sind, soll bei den ausgeschlachteten Tieren den Fleischern ein vorwiegender Einfluß eingeräumt werden, und zwei Fleischermeister neben einem Landwirt in Wirksamkeite treten. Selbstverständlich wird es von größter Wichtigkeit sein, daß die mitwirkenden Preisrichter auch gerade die Tiere, welche sie beurteilen sollen, geschäftlich genau aus der Praxis kennen, und werden dahingehende Vorschläge seitens der Beteiligten soweit wie möglich Berücksichtigung finden. Auch den mitteldeutschen Wurstfabrikanten soll Gelegenheit gegeben werden, ihre Ansichten an maßgebender Stelle zur Geltung zu bringen. Universität und Hochschule. Hochschulpädagogik. Im vierten Heft des „Lotsen" (Verlag von Alfred Janßen in Hamburg) spricht der bekannte Berliner Astronom Professor Wilhelm Fo er st er über „Hochschulpädagogik". Erweist aus die Reformbedürftigkeit aller Hochschulen, gleichviel ob Universitäten oder technischer und künstlerischer Hochschulen hin und stellt Hamburg die Aufgabe, den Typus der modernen Hochschule zu schaffen. Nachdem er klar hervor- ^ehoben hat, was wir bedürfen, fährt er fort: „Es ist ger nicht abzusehen, wie viel segensreiches in allen Gebieten des Gemeinschaftslebens aus der folgerichtigen und energischen Durchführung von Verbesserungen obiger Art hervor-- gehen kann. Tazu wird es jedoch schon in naher Zukunft, wenn nicht tiefere und dauerndere Erkrankungen der Zustände eintreten sollen, eines eifrigen Zusammenwirkens! bedürfen, dessen Aufgaben, zunächst in vorbereitendem Sinne, etwa die folgenden sein werden: 1) Umfassenjderei geschichtliche Erforschung und Darstellung der Entwickelung des Unterrichts- und Erziehungswesens der Hochschulen, sowohl in Deutschland als auch im Auslande; 2) Kritische Darlegungen der gegenwärtigen Zustände und Erscheinungen im Leben der Hochschulen aller Länder, insbesondere auch mit Berücksichtigung der schon eingeleiteten oder schon im Gange befindlichen Verbesserungen und der dabei hervortretenden Erfahrungen; 3) Systematische Vorarbeiten, betreffend die auf den Hochschulen zur Geltung zu bringende Pädagogik." 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Muster unserer großen Auösvahl. von Ellen & Keussen, äJSLä Krefeld Der Krieg irr Südafrika, der jetzt seinem Ende zugeht, hat Tausende von Kindern zu Waisen gemacht, aber diese bedauernswerte« Geschöpfe befinden sich noch immer verhältnismäßig wohl daran gegenüber den vielen armen Kleinen bei uns zu Lande, die ihr ganzes Leben schwach und kränklich bleiben, weil die Eltern es unterließen, sie mit „Knorr's Hafermehl" zu nähren und sie hierdurch zu gesunden und kräftigen Menschen zu machen. Bin Ijlltf M| um S6Ä. Dieselben unterschieben offenbar um sich unliebsamer Konkurrenz zu erwehren, dem „Maggi zum Würzen11 eine falsche Zweckbestimmung. Thatsächlich dient „Maggi zum Würzen11 dazu, um jeder schwachen Suppe oder Fleischbrühe, Saucen, Ragouts und Gemüsen, mit wenigen Tropfen, augenblicklich einen überraschenden kräftigen Wohlgeschmack zu geben. — Zur augenblicklichen Herstellung einer vollständigen Fleischbrühe dagegen nehme man MAGGI’8 BOUÜlOn-Kapseln, womit eine Einzelportion vorzüglichir Fleisch- brühe auf 6 Pfg. und eine Einzelportion Kraftbrühe (extra stark) auf 8 Pfg. zu stehen kommt. Maggi-Kesellschast m. ö. K. Fabriken in Singen am Hohentwiel («Arotzherzogth. Baden), Geschäftsstelle: Berlin W., Bülowstr. 57, Nürnberger Spiellvaren! Puppen nnd Christbaumschmuck, Kurzwaren und Gebrauchsartikel Neuheiten in 10 und 50 Pfg -Artikeln. Preisliste 182 nur für Wiederverkauf! Friedr. Ganzenmüller in Nürnberg. Soldene Medaille Mris 1900. Empire- Schreibmaschine der Abltt-zahrradmrkk norm. Heinrich Kleyrr, krankfnrt. Sichtbare Schrift. Absolute Kcradheit der Zeiten. Krößte erreichbare Schreibgeschwindigkeit. 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