Nr. 233 Zweites Blatt. Donnerstag den 4. October 150. Jahrgang 1900 Henerat-UnMer Alle Anzeigen-VermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bnngerlohn; durch die Abholestellen vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Lnuahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abendS vorher. ßrfcheiut lägtich Ä Xj Etm«- mit Ausnahme des M Kreßener Anzeiger und Zlnzeigeblatt für den Kreis Gieren. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchutstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betr.: Die Maul- und Klauenseuche. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Langsdorf größeren Umfang angenommen hat, ordnen wir hiermit die Sperre deS Orts Langsdorf «ud dessen Feld- gemarkuug an. Danach unterliegt der Verkehr mit Rindvieh, Schweinen, Schafen und Ziegen folgenden Beschränkungen: Das Durchtreiben derselben von außerhalb durch Ort und Gemarkung ist verboten. Die Einfuhr von solchem Vieh über die Gemarkungsgrenze in den gesperrten Ort ist nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung gestattet oder für den Fall, daß es in der Gemarkung verbleibt. Die Ausfuhr ist ebenfalls nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung mit schriftlicher Erlaubnis der Bürgermeisterei Langsdorf auf Grund einer Aeußerung des Großh. Kreisveterinärarztes zulässig. Wer ein Stück Vieh an einen auswärtigen Metzger oder ein Schlachthaus liefern will, muß also zunächst die Untersuchung durch den Großh. Kreisveterinärarzt veranlasien und wenn danach der Ausfuhr kein Hindernis im Wege steht, einen Erlaubnisschein der Großh. Bürgermeisterei lösen. Bei dem Transport muß er diesen Schein, der eine 3tägige Gültigkeit hat, mit sich führen und die vorgeschriebenen Transportbedingungen genau beobachten, auch der Polizeibehörde (Bürgermeisterei) des Empfangsortes Nachricht geben. Auf Antrag der Bürgermeisterei wird von uns im Bedürfnissalle angeordnet, daß der Großh. Kreisveterinärarzt sich wegen Ausstellung solcher Bescheinigungen an einem bestimmten Tag wöchentlich, der ortsüblich bekannt zu machen ist, dienstlich einfindet. Die Sperrmaßregeln bezüglich verseuchter Gehöfte oder Weiden bleiben daneben bestehen. Im übrigen können Klauentiere aus nicht verseuchten Gehöften innerhalb der gesperrten Gemarkung zur Feldarbeit benutzt oder auf die Weide getrieben werden, nicht aber über die Gemarkungsgrenze hinaus. Ebenso können der Ansteckung verdächtige Tiere zur Feldarbeit innerhalb der Gemarkung benutzt werden; das sind solche Tiere, bei denen wegen des Zusammenstehens mit kranken Tieren im selben Gehöft oder Stall oder wegen Berührung mit krankem Vieh in irgend einer Weise die Vermutung besteht, daß sie angesteckt worden sind. Wer Grundstücke oder Anlagen in einer anderen Gemarkung besitzt, muß dieselben entweder durch Pserdegespanne oder aber durch Rindviehgespanne aus dieser anderen Gemarkung besorgen. Jede Weggabe von Milch aus der gesperrten Gemarkung darf nur nach vorheriger Abkochung erfolgen; ausgenommen, wenn die Abgabe an eine Molkerei erfolgt, welcher das Verbot der Abgabe ungekochter Milch zugegangen ist. Ausfuhr von Dünger, Rauhfutter und Stroh aus Seucheställen des Sperrgebiets ist verboten Gießen, den 3. Oktober 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Chinefische Geldverhältniffe. Mit Geld und Geldeswert in China werden unsere Soldaten bei ihrem voraussichtlich längeren Aufenthalt dort sich bald bekannt machen müssen, auch in Dieser Beziehung ist es, wie mit so vielen Dingen im Lande der Zopfträger gar schlecht beschaffen. Schon seit längerer Zeit ist man, auch von feiten einsichtiger Chinesen, tzu der Ueberzeugung gekommen, daß die jetzigen Zustände durchaus unhaltbar und für den lebhaften Handelsverkehr nicht geeignet seien. Da beschloß die Lyoner Handelskammer, eine Kommission nach China zu senden, um die dortigen Geld- und Preisverhältnisse zu studieren. Die Ergebnisse dieser Forschungen sind sehr interessant und enthalten viel Neues.^ Das „Kurant" besteht in China nicht aus Gold oder Silber, sondern aus Bronzemünzen, die auch bei uns nicht unbekannt sind und die Form durchlöcherter kleiner Scheiben haben; die Chinesen nennen sie „Tongtsin", die Engländer „cash" und die Franzosen „sapeques". Dieses Geldstück könnte als Einheit aufgefaßt werden, ist es aber nicht, da es nach Zeit und Gegend in Gewicht, Größe, Aussehen, sogar im Namen wechselt. Die Münze in Peking prägt die „Sapeken" im Gewichte von vier Gramm; die Mischung enthält 545 Tausendteile Kupfer, 363 Teile Zink und etwa 100 Teile Eisen, Blei usw. Da das Kupfer in China infolge mangelnden Bergbaues sehr teuer ist, so mußte das Einschmelzen der Münzen, ein gutes Geschäft, gesetzlich verboten werden. Die „Scrpeke" hat einen Wert von etwa ein Drittel Pfennig, und eine größere Geldsumme in diesen Münzen hat jein recht hübsches Gewicht. Das Loch in der Mitte dient zum Aufreihen der Geldstücke; ein „Strang" („Tiao") hat gewöhnlich 1000 Sapeken — an manchen Orten 500 -der auch weniger — und wiegt etwa? 4 Kg. Trotzdem daß die Anzahl dieser Geldstücke ganz ungeheuer ist, herrscht doch im Handelsverkehr fortwährend Mangel daran, eben weil ihr Wert so gering ist. Das Leben im Innern Chinas ist nicht teuer, und der durchschnittliche Verdienst eines tiichtigen Arbeiters beträgt täglich 80 bis 100 Sapeken. Da Ach nun -er Wert größerer Objekte immer kauf Hunderte von Strängen beläuft, so hat man zum Silber greifen müssen, und da muß man unterscheiden zwischen Metall, gedachten Rechnungsmünzen und geprägtem Silber. Zunächst ist es in Form kleiner Barren im Umlauf („Saizee"); diese sind in Wnnan viereckig und 200 Gr. schwer, in Szetschuan haben sie das doppelte Gewicht und die Gestalt eines halbierten Eies, während am Blauen Flusse Klumpen von zwei Kilo im Umlauf sind, welche die Form von kleinen Schuhen haben. Die Chinesen, die guch im Verkehr unter sich Treue und Glauben nicht kennen,' treibeÜ mit diesen Silberbarren den großartigsten Schwindel; Stempel und Gewicht stimmen nie überein, und nieder chinesische Handelsmann trägt in seinen weiten Aermeln eine Waage bei sich, um sofort nachzuwiegen. Das Gewicht bezw. der Wert dieser Silberbarren wird in „T a e l s" ausgedrückt — das ist für China die Rech- nungsmünze, wie- etwa das „Pfund" für England. Natürlich giebt es in China, wo nichts sicher und feststehend ist, wieder ganz verschiedene Taels; der gewöhnliche Han- delstael ist gleich P5,7 «GrammSilber, Mandarinen rechnen, ihrem Range entsprechend, nach einem 8 Gramm schwereren, und in Kanton ist sein Gewicht wieder 8 Gramm größer. Unter diesen Umständen haben die in China Handel treibenden europäischen Mächte darauf gedrungen, daß eine feste Einheit geschaffen werde, und so wurde im Vertrage von 1858 der 37,8 Gramm schwere Zoll-Tael festgelegt, dessen Wert seit jener Zeit von 7 auf 3,20 Mk. gesunken ist. Der Tael wird in 10 Tsien, dieses in 10 Fen, dieses wieder in 10 Li eingeteilt, und das Li wird gewöhnlich gleichwertig mit der Sapeke angenommen, obgleich man vor etwa 30 Jahren 1600, 1898 aber nur 11—1200 Sapeken für einen Tael erhielt. Geprägtes Gold und Silber hat es wohl vor Jahrhunderten in China gegeben; der außerordentlich zahlreichen Fälsch- ungen wegen mußte man aber die Prägung einstellen. Das einzige gemünzte Geld, das man (von den Sapeken abgesehen), in China trifft, kommt vom Auslande — in bunter Reihe wechselt der spanische und mexikanische Piaster, die indische Rupie, der amerikanische Dollar und das japanische Pen. 1866 richteten die Engländer in Hongkong eine Münzwerkstätte ein und prägten für China einen neuen Dollar mit Untereinheiten; aber die Chinesen wiesen ihn zurück, und die Münze mußte geschlossen werden ; ein ähnliches Schicksal wird der seit 1895 in Bombay geprägte britische Dollar erleiden, da er bestenfalls sofort eingeschmotzen wird. — Aus alledem wird klar, wie notwendig die Schaffung einer nationalen Münze in China ist, und Versuche dazu sind schon gemacht worden. Seit 1890 bestehl eine Münzstätte in Kanton, später folgten solche in Tisntsin, Nanking u. a. O., aber der dort geprägte „D r a ch e n d o l l a r" isö inoch immer den Sammlern besser bekannt, als den Kaufleuten — es bleibt eben beim alten Schlendrian. Schließlich sei noch erwähnt, daß das Silber fast ausschließlich an der Küste umläuft, int Innern dienen die Kupferstücke oder auch Opium als Zahlungsmittel. Der Silberwert ist auch in China außerordentlich gesunken, und die Preise haben sich dementsprechend erheblich erhöht. _______________ Die Wirre« in China. Der Kaiser hat mit nachstehendem Telegramm auf die gestern mitgeteilte Depesche des KaisersvonChina geantwortet: chießener Stadttheater. Gießen, den 3. Oktober 1900. Die gestrige Vorstellung brachte uns vor schwach besetztem Hause Gutzkows „Uriel Acosta", in dem der Kampf der Aufklärung gegen die Lüge verkörpert ist. In seiner Art hat Gutzkow zwar mit ihm das Höchste erreicht, was er seiner Natur nach im Drama erreichen konnte; aber die Grenzen dieser Natur verleugnen sich nicht. DaS Stück besitzt eine vorzügliche Technik, es ist von großer Einfachheit uud Würde in der Komposition, alle Motive sind deutlich herausgearbeitet, unnütze Episoden fehlen. Dazu ist ihm ein poetischer Reiz der Rede eigen, wie er uns aus keiner andern der Gutzkow'schen Dramendichtungen entgegenschlägt. Das ganze Werk trägt einen Trauerflor, nicht allein der Held, Uriel Acosta. Mit blasser Leidensmiene blickt es unS an, und wie die Blumen in der Hand des jungen Spinoza verwelken, wie dies philosophische Kind über das, waS nur zum Genuffe des Augenblicks bestimmt ist, seine klugen Bemerkungen macht, so legt sich über die frischesten, blühendsten Gefühle der kalte, zerfetzende Geist des grüblerischen Denkens. Alles, jede Neigung, selbst die Liebe hat es ergriffen, und wenn das Denken Judith Vander- straaten und Uriel zusammensührt, so trennt es auf der andern Seite den Schüler von dem würdigen Lehrer und stört den Frieden des eigenen Charakters, indem es ihn teilt und seine Teile sich feindlich bekämpfen läßt. Die elegische Grundstimmung, die gedrückte Lust des Stückes taugt nun vortrefflich zu seinem Gegenstand. Der Druck, die Knechtung des freien Gedankens unter das starre Gesetz und den Willen einer plumpen Majorität — das ist sein Thema. DaS hellsichtige Wiffen soll dem Herzen, die Aufklärung dem Vorurteil das Knie beugen. Man kann den „Uriel" wohl mit Recht eine Tragödie der Ueberzeugung nennen. Allerdings wird das Wort Galilei'S: „Und sie bewegt sich doch", bei ihm nicht ganz erfüllt; denn Uriel schwankt manchmal wie ein Rohr im Winde, bald stolz, bald elend. Wir bemitleiden ihn, aber wir brauchen ihn nicht zu bewundern. Doch es ist offenbar des Dichters Absicht gewesen, einen schwankenden Charakter zu schaffen. Wenn ihm dies auch vielfach zum Borwurf gemacht wird, ein künstlerisches Problem bleibt es dennoch. Man muß eben auf die Absichten des Dichters eingehen und ihnen nachzuforschen suchen, nicht aber von ihm anderes verlangen, als er gegeben hat und vielleicht absichtlich so hat geben wollen. Bedauerlich ist, daß der Dichter dem Drama nicht die Lösung gegeben hat, die sich jeder Zuschauer oder Leser selbst machen muß; doch ist daS durchaus nicht unkünstlerisch. Die Kugel, durch die Uriel endet, nachdem Judith Gift genommen hat, führt die Verwirrungen der Tragödie nicht zum Abschluß. Vielleicht wäre in ihr der Knoten drama- tischer gelöst, wenn sich statt des Helden Jochai tötete. Die Darstellung des Uriel Acosta hatte Herr R a m s e y e r, dem es gut gelang, den Uriel nicht zu weich, zu gelassen, „zu leidcndreflektiv" zu geben. Em Darsteller, der eS ver- suchen wollte, im Uriel den schonungslosen Mann der Opposition zu betonen und ihn in diesem Sinne als seinen „Charakter" anzulegen, würde die Schwäche deS Stückes dadurch nur noch mehr aufdecken und sich zugleich um seine Wirkung bringen. Der Grundton der Rolle kann garnicht dunkel genug gefärbt werden. Wohl ragt AcostaS Verstand weit über den seiner Umgebung heraus, aber während sich Ben Akiba und de Santos, in deren Rollen sich Herr- Helm und Herr Reinhardt leicht fanden, in ihren engen Schranken, eins mit sich selbst, frei und glücklich fühlen, drückt dem Uriel das Denken einen Stachel ins Herz und färbt fast jedes seiner Worte melancholisch. Nur aus solcher Stimmung heraus begreift man auch die Stärke, den der Gegendruck, die Liebe zur Mutter und der Geliebten, aus ihn ausübt. Zu der bleichen Farbe des Helden stimmt die Blässe des Antlitzes seiner Genossen und Widersacher. Es ist, als wäre das ganze Bild mit Bleitönen gemalt, so unfrisch, so freudlos ist es. Fräulein Schoelermann verkörperte mit vielem Geschick die Rolle der Judith, die ebenso schwankt, wie Uriel es thut, und wenn sie, stark und entschlossen, ein Opfer verworrener Verhältnisse, nicht ihrer Schuld, mit würdiger Ruhe zum Giftbecher greift, dann hinterläßt sie uns mit dem Gefühl der Bewunderung doch auch das andere, daß es ihr nur auf diese Weise möglich gewesen, sich in unserer ästhetischen Wertschätzung zu rehabilitieren. Judiths Vater, Manasse Vanderstraaten, gab Herr Hofer, der sich die Mannigfaltigkeit, Wahrheit und Feinheit des Charakter, des einzigen des Stücks, der in dem Gespinnst des Denkens nicht verstrickt ist, und der von Zweifeln, von bänglichem Schwanken und Zaudern nichts weiß, ganz zur Geltung brachte. Weniger gut wußte sich Herr di Balthyni in die Rolle Ben Jochais an den Stellen zu finden, die an das Mienenspiel, in dem sich Eifersucht und Rachsucht spiegeln sollten, größere Anforderungen stellten. Im großen und ganzen aber war der Gesamteindruck der Leistungen ein recht befriedigender, der auch in dem anhaltenden Schlußapplaus ohne Rückhalt zum Ausdruck kam. A. st- « Postverbindung nach China und Ostasien findet lm Monat Oktober nach der vom Reichs-Poftamt herauSgegebenen Uebersicht im ganzen zehnmal statt. Dreimal vermittelt der Norddeutsche Lloyd von Neapel aus die Verbindung, und zwar am 3., 17. und 31. Oktober. Schluß- I ®er^n Pn^et am zweiten Tage vorher abends statt, I München 11 Uhr vormittags am Tage vorher. Von Brindisi nehmen Dampfer der „Penisular and Oriental Steam Navigation Company" die deutsche Post nach Shanghai am 13. und 28. Oktober. Nach Port Said wird die deutsche Post von derselben Gesellschaft von Brindisi am • und 21. Oktober befördert; in Port Said übernehmen französische Schiffe die deutsche Post. Die „Messageries I lnarttimeS" schicken Postdampfer unmittelbar von Marseille am 7 und 21. Oktober ab. Heber Kanada endlich findet I monatlich Postverbiudung statt, und zwar am 17. | Oktober von Queenstown nach Vancouver, dann mit der Kanada-Pacific-Linie. Die Schlußzeiten finden für Berlin I vorher statt. Briessendungen nach Peking, Tientsin und Port Arthur gehen aus Verlangen der Ab- lender auch über Rußland. Verbindung findet hier viermal ; monatlich statt. Die Besörderungsdauer beträgt auf diesem Wege von Berlin nach Peking etwa 43, nach Tientsin etwa 44 Tage. Neber Neapel braucht die deutsche Post von Berlin nach Hongkong 29 Tage, nach Shanghai 35 Tage, nach Tsingtau 36 Tage. 2J?tt den englischen Dampfern unmittelbar von Brindisi bis Shanghai dauert die Beförderungszeit von Berlin bis Hongkong 30 Tage, bis Shanghai 35 Tage, bis Tsingtau 39 Tage. Die Verbindung, welche I ! englische Dampfer bis Port Said und französische bis Shanghai Herstellen, braucht von Berlin bis Shanghai 29 bis 31 Tage, bis Tsingtau 39 Tage. Heber Queenstown I wird Shanghai in 41 Tagen, Hongkong in 42 Tagen I erreicht. a | Telegramme des Gießener Anzeigers. London, 3. Oktober. Aus Shanghai wird gemeldet: I Der französische General-Konsul erklärte, daß die Kaiserin- Mutter auf der Flucht beim Passieren der Stadt Tuang I Khang fu den Befehl gegeben habe, alle Europäer, die in I der Stadt seien, zu ermorden. Infolgedessen wurden 15 I französische Missionare abgeschlachtet. Nom, 3. Oktober. Admiral Candiani telegraphiert I aus Tientsin, daß Generalseldmarschall v. Waldersee I über die deutschen, österreichischen und' italienischen Truppen I eine Truppenschau abgehalten hat. Graf Waldersee be- I schästigt sich mit der Reorganisation des Transportdienstes. I Petersburg, 3. Oktober. Zwischen Chabarowsk, dem I Administrativzentrum der Amurprovinzen, und Charbin in I der Mandschurei ist eine Telephonverbindung her- I gestellt. — Der General Rennenkamp marschiert weiter in die Mandschurei hinein. In Shanghaikwan soll die Boxer- I bewegung zunehmen. Dieser wichtige Punkt und Handelsplatz soll von den Russen besetzt werden. New-York, 3. Oktober. Die nach den Nachrichten aus Wien und Paris zu erwartende französische Note be I treffend die China-Angelenheit ist hier noch nicht eingetroffen. Man ist indessen allgemein der Ansicht, daß die am erb I kanische Regierung dieser Note nicht zustimmen I wird. Der Krieg in Südafrika. Reuters Korrespondent in Koma 1i-Po ort ist der Ansicht, Kommandant Erasmus werde wahrscheinlich aus die Rückkehr DircksenS und Osthuysens warten, die sicheres Geleit nach der Delagoa-Bai erhalten hätten, um sich von Deutsches Reich. I nU 2‘- .pftot)cr- Aus Rom inten wird ge- I Lntl * ‘ L'^e.r a 1 fc r uahm heute mittag eine Vorstellung I oer kombinierten Chrenkompagnie entgegen und ließ sich I dabei mehrere Griffe und Wendungen vorführen. Die Ofsi- I i™ere Wurden später zum Diner befohlen, während die Mannschaften mit Butterbrot und Bier bewirtet wurden.' I . ^er, Eaiser wird nach den bisherigen Be- I heute Rominten verlassen und sich mit einigen,1 < Hungen nach Potsdam zurückbegeben. Auf der I Rückfahrt wird der Kaiser, wie die „Post" meldet, Zunächst dem ersten Leibhusaren-Regiment in Langfuhr bei Danzig, das jetzt aus dem Manöver wieder in die Garnison eingeruckt ist, einen Besuch abstatten. Von Danzig fährt der Kaffer nach Marienburg, um dort unter Führung des die Wiederherstellungsarbeiten leitenden Baurats Stein- brecht das Hochschloß zu besichtigen. Von Marienburg > ^a^eL ohne weitere Unterbrechung die Heimreise i uach Potsdam an, um nach kurzer Pause in Begleitung ber Kaiserin auf etwa eine Woche nach Jagdschloß Hubertusstock überzusiedeln. — Aus Eisenjach wird gemeldet: Anläßlich des Hinscheidens des PrinzenBernhardHeinrich von Sachsen-Weimar-Eisenach trafen vom Kaiser der Königin der Niederlande und sehr vielen anderen Fürstlichkeiten Beileidstelegramme ein. Der Gr oßherzog ist durch das plötzliche Ableben seines Enkels so erschüttert, daß er sich zu Bett begeben mußte. . ~ ^as Erbprinzen paar von Sachsen-Mei- nrngen ist heute abend in Cronberg eüigetroffen und wird bis Freitag auf Schloß Friedrichshof verweilen. — Generalfeldmarschall Graf Blumenthal, der schon seit langer Zeit in Quell en dorf bei Köthen zur Erholung weilt, hat dort einen schweren Krankheitsfall erlitten, das zeitweise zu Besorgnissen Anlaß gab. Der „Post" zufolge ist in seinem Befinden eine -erheblich« Verschlechterung eingetreten, wovon sogar dem Kaiseir Mitteilung gemacht worden ist. Dem Bundesrate ging ein Entwurf zu von Bestimmungen über Herstellung ausreichender und geeigneter Sitzgelegenheit in offenen Verkaufs st eklen. * Stuttgart, 2. Oktober. Die Deutsche Partei hat nun auch ihr W a h l p r o g r amin herausgegeben. Gestern waren ihre Vertrauensmänner in Stuttgart versammelt. Sie billigten die Verständigung mit den „befreundeten" Parteien, den Konservativen und dem! Bund der Landwirte, „unbeschadet der liberalen und nationalen Grundsätze ihres Programms". München, 2. Oktober. Heute vormittag fand die standesamtliche Eheschließung des Prinzen Albert von Belgien mit der Herzogin ElrsabetN I insofern als er die leiten- I ^rsonlichketten .Chinas augenscheinlich zum Nach-- I ?^rnfcn gebracht habe. Der „Standard" äußert sich ziem- I ""wirsch über die neuesten Versuche der Chinesen zum I noch mehr aber über die Kundgebungen russi- I £er? £en Drachenthron und bemerkt, I nrffnttPH “nb/ o0d) ^upan noch England konnten sich, I Nnl!p"intt einer Lage zu spielen, die eben erst aufgehört I ^be, tragisch zu sein. Sie könnten die Komplimenten- I wacherer der Mandarinen oder selbst in kaiserliche Ver- I Endigungen eingewickelte Aeußerungen des Bedauerns I begangenes Unrecht weder als eine sichere Gewähr I Herstellung des Friedens noch als eine Knnd- I Abbung geziemender Achtung für die ausländischen Rechte ^fgabe sei damit und mit der Kundgebung des Wunsches des flüchtigen Hofes nach I ^rledensverhandlungen noch nicht erledigt. Die Räumung I rÄ110’ war^gleichoedeutend mit der Preisgebung der bisherigen Errungenschaften. Es handle sich nicht um n^hb/fingen, sondern um die Begründung einer tüchtigen hieb eingeborenen Regierung. Dafür aber sei ebmÖ“n9 eine gebührende Bestrafung der Hauptschuldigen, die mit oder ohne sofortige amerikanische i ober russische Waffenhilfe erfüllt werden müsse. Eine in Berlin eingegangene amtliche Meldung aus Peking vom 23, September berichtet über das vor- lausige Ergebnis der wegen der Ermordung v. Ketteler s angestellten Hntersuchung. Nachdem der chinesische Hnterosfizier, der den tödtlichen Schuß auf v. Ketteler abgegeben hatte, bei dem Versuche, die Hhr des Ermordeten zu verkaufen, erkannt und von japanischen C” kestgenommen war, wurde er auf Antrag der I de "Ischen Vertretung unseren Truppen ausgeliefert. Am I 2 September fand seine letzte Vernehmung statt. Darin I '' c .verhaftete aus, am 19. Juni nachmittags hätte I er unb seine Leute von einem Prinzen den Befehl erhalten: „Schießt die Fremden nieder, wenn! Euch welche zu Gesicht kommen!" Der Mörder | beflrettct, daß der Befehl lautete, auf einen Gesandten, oder im Besonderen auf den deutschen Gesandten zu schießen. Ebenso will der Mörder nicht angeben können, von I Welchem Prinzen der Befehl, aus die Fremden zu schießen, erteilt worden ist. I Krügers zu überzeugen. Die I fiänbe s°'°" folgendermaßen verteil!: Dclaren I Erasmus hrfinh l^MenIs bei Kommando Nek gegenüber, bet b”n iStt N Don Waterwal und Grobeiaar feine Basis In Pi-n->-rS Fluß geleitet, habe I von Prelorial ‘ ^"dstation der nördlichen Bahn fletebcter firn b7r Ä- aUä «vurenzo Marques zurück. bÄe£ er Ä b°- Einnahme von Machado! I 00/ habe er gewußt, daß der Kampf boffnrmoslos spi und habe zur Hnterwerfung geraten, aber©teiin 6a6e durch s°'n w,llkllrlich°s Vorgehen seinen Rat Egüngen nnb I ?n-.b;i®Ür9ct in aufreizenden Reden ungenaue Anaaben über * Verluste u Erfolge der Buren gemacht Es fti bezeich- Korrespondent hinzu, daß die Farmer in Gebieten, I ^nfDrmotintipti ,, fänden, aus eigenem Antrieb Rnrpn^wnen gaben und sagten, sie betrachteten diejenigen kllb r'd °Rr°L»'Edst°n, ebenso sehr als ihre Feinde, Li- nr » --7 »Daily Chronicle» hört aus Prii- buro Utarschiere mit 2000 Berittenen auf Pieters- l°l?Rur^ " r - n z o - M a r q u e S sollen sich 2000 mittel- bem d°r Selati-Bahn stehen ^/^. Telegr." zufolge 1486 Trecks. Lord Kitchener fitm6ati.StiiUSm3 bES rOlleni,en Materials in q einer Meldung des „Daily Telegraph" aus I ^rUren3° r^aro?ucd ^at ber portugiesische Gou- I oerneur alle Truppen von der Grenze zurück- ^.^6en und nach Lourenzo MarqueS zurückkehren lassen. - K(Km Sr®«?* darum in besserer Stimmung, nn En^l Eloff Wird mit seiner Familie Krüger an Bord der „Gelderland" begleiten. hnrtt Telegraph" meldet aus Lourenzo Marquez bonm. Oktober: Eine ganze Gardebrigade hat Ko- matipoort verlassen und kehrt nach England zurück. «us Lindley wird gemeldet: Die Buren griffen am Samstagnacht ein englisches Picket an. Sie kamen | von Kaffirkraal her. Ein englischer Soldat wurde getötet, | einer verwundet. Ein Bur, der gefangen genommen wurde, trug eine vollständige Uniform der Reiter Generals Brabants. Es verlautet, die Buren hätten 20 farbige Eingeborene in der Nachbarschaft von Lindley erschossen. Die eingeborene farbige Bevölkerung ist dadurch in großen Schrecken versetzt. Es ist eine Bekanntmachung erlassen, worm jeder Bur, welcher in englischer Uniform betroffen wrrd, mit Erschießung bedroht wird. Aus Amsterdam wird dem „Daily Mail" gemeldet, ganz Holland treffe Vorbereitungen, um den Präsidenten Krüger würdig zu empfangen. * * * Telegramm deS Gießener Anzeigers. Loudon, 3. Oktober. „Daily Mail" wird aus Pretoria gemeldet, daß die Buren an der Grenze von Natal eine englische Proviant-Kolonne weggenommen Haven. — Demselben Blatte wird gemeldet, daß General Buller Lord Roberts auf feiner Rückreise nach England begleiten und Lord K i t ch e n e r daS O b e r k o m m a n d o in Südafrika übernehmen wird. < r. den Kaiser von China! Ich, der deutsche Kaiser, Mve das Telegramm Sr. Majestät des Kaisers von Ehina erhalten. Ich habe daraus mit Genugthuung ersehen, daß Eure Majestät bestrebt sind, die schändliche, leoer Kultur hohnsprechende Ermordung meines Ge- sandten nach Gebrauch und Vorschrift Ihrer Religion zu juhnen. Doch kann ich als deutscher Kaiser und Christ diese Unthat durch Trankopfer nicht als gesühnt erachten. Neben meinem ermordeten Gesandten ist eine große Zahl von Brüdern christlichen Glaubens, Bischöfe, Missionare, Frauen und Kinder vor den Thron Gottes getreten, die um ihres Glaubens willen, der auch der peinige ist," unter Martern gewaltsam gestorben sind, und als Ankläger Eurer Majestät erscheinen. Reichen die von Eurer Majestät befohlenen Trankopfer für alle diese Unschuldigen aus? Ich mache nicht Eure Majestät persönlich verantwortlich für die Unbill, welche gegen die bei allen Volkern für unantastbar geachteten Gesandtschaften verübt, noch für die schwere Kränkung, welche so vielen Nationen, Konfessionen und den Unterthanen Eurer Ma- jeftat, die meinem christlichen Glauben angehören, zu- , gefugt worden ist. Aber die Ratgeber des Thrones I Mutttünl^^ 9'blCr ^mten' auf deren Häuptern die Blutschuld des Verbrechens ruht, das alle christlichen Nationen nut Entsetzen erfüllt, müssen ihre Schandthat und wenuj lÄrre Majestät sie der verdienten Strafe hpn tDlm £ine Sühne.betrachten, die den christlichen Nationen genügt. Wollen Eure Majestät ^hren kaiferlichen Arm dazu leihen und hierbei die nple^Un9f bcr J?ertretC1-" aller beleidigten Nationen erkläre ich mich meinerseits damit ein- I üerftanben. Auch wurde ich die Rückkehr Eurer Majestät I nach ^hrer Hauptstadt Peking zu diesem Zweck gern Le- I & t «bm^eneralfeldmarfchall Graf v. Waldersee wird den Befehl erhalten, nicht nur Eure Majestät nach I S Ud Wurde ehrenvollzuempsangen, sondern auch I Eurer Majestät jeden militärischen Schutz zu gewähren, I wünschen unL dessen Sie vielleicht auch gegen bie Rebellen bedürfen. Auch ich sehne mich nach Frieden aber nach dem Frieden, der die Schuld sühnt, das be- I gangene Unrecht in vollem Umfang und nach jeder I uiacht und allen Fremden in China I X bietet aJ1 £eib und Leben, an Hab und Gut, besonders aber zu freier Ausübung ihrer Religion. ®eIe Antwort bewegt sich vollständig ^'denBahncn, den»kÄ « ■J?C? vorhergehenden Änndgcbungen des deutschen Reiches befolgt worden sind. Sie^ ist von .^uNchiedenhett in der Frage der Sühne, maß- voll aber in der geforderten Ausdehnung der Strafe Es fhrnrf^L^ xanb' baB öa§ üom Kaiser von China ausgesprochene Bedauern in Verbindung mit zeremonieller Ebr- €in Aequivalent für Pie Schandtaten betrachtet werden konnte, die in China begangen morgen fmd hat der Kaiser wieder auf das Eindring .Ausgesprochen, und wenn seine Worte von höchster rTtstoar^n r^b Schandthaten als das bezeichneten, ?.a? ^-I^ud, nämlich als Schandthaten, so begrüßen wir S“* ”' Offenheit als das einzige viLeicht „och a n ?lC Gf)me)en zu einer richtigen Er- Wung der Sage 5u bringen, die sie sich selbst geschaffen sQt,CI IC^e ^opefche weist zutreffend darauf daß nur durch eine wirkliche und ausreichende Sühne ^^.^Pkehr solcher Ereignisse unmöglich gemacht und den Ausländern Sicherheit der Person, der Habe und des Glaubens gewährleistet werden könne. Wenn wir sagten daß die Depesche des Kaisers sich auch durch jMaßhalten I ' Jo ri^ dies in erster Linie dadurch hervor, daß der Kaiser von vornherein daraus verzichtet, den Kaiser von China für das Geschehene verantwortlich zu machen fondern daß er ganz im Sinne der Bülowschen Mote sich an hie Ratgeber hält, die die Verbrechen herbeigeführt haben. Auch in Bezug auf die Verhandlungen zeigt der I Kaiser das,elbe Entgegekommen, indem er dem Herrscher pS!2° verbürgt, und alle seinem Rang Ä S^en wenn er nach Peking zurückkehren und dort die Verhandluiigen nut den Vertretern der Mächte I aufnehmen will. Indem der Kaiser die Rückkehr nach Pekmg anregt, hat er ein praktisches Mittel gezeigt, wodurch die Friedensverhandlungen ungemein beschleunigt! und auf eine nützliche Grundlage gestellt werden können. Mit der kaiserlichen Depesche ist den Chinesen, soweit das bei ihnen überhaupt möglich ist, jede Aussicht genommen morben, und sie werden nun Farbe bekennen müssen, (ob es I ihnen ernst ist mit ihren Erklärungen der Reue und ihrer | Bereitwilligkeit, Sühne zu gewähren, oder ob wir es §ber- | wals nur mit einer jener verlogenen Spiegel- | fechtereien zu thun haben, in denen die Chinesen Meister | Uuo. Als eine weitere Folge der kaiserlichen Depesche betrachten wir es auch, daß nunmehr auch, für alle anderen | vollste Klarheit geschaffen werden wird über die | SÄ!?' «c(£I)ma ^^klich beseelen. Denii wenn (der kaiserliche Brief ausweichend beantwortet wird, ober wenn ^.^rsprechungen bie Thaten nicht nachfolgen, so werben ^aueneinnihen bUf)Cr nod) ein gewisses Per- Jip^m fpl?p ben 9Utcn Willen und die Ehrlichkeit ber Chi- ?ommen^tSu ng notgedrungen jurücf. wXe Ä^P^ST Beziehung scheint uns Pie ma£ ^beignet, die jetzt noch manche mal vermißte Klarheit und Uedereinstimmung herzustellen. | J^te chinesischen Nachrichten stocken vollständig Tie I der^^°Mstimnttbett^^bn fresse wendet sich mit zunehmen- Bestimmtheit der deutschen A u f f a f s u n a ber I erklärt heute angesichts der neueren Berliner I Nachrichten: wenn es richtig fei Wer Englands Rücken mit'Mußlan? einigen trachte, wenn die deutsche Politik nnr ^P ^Ä^ heit für den chinesischen Handel anstrebe unh nirf.* I di°s-s Zi°l ohne Mitwirkung &Ä b« Ä delsmacht in China zu erreichen, fo stehe nur in bnffpl slk Lord Salisbury bereit ftsi Deuis'chl'ank aüpha° e entgegenzukommen, und nicht zu lange mit Mitte l>.n^ über die Weisungen für die britische Gesandt chE^" I Peking zögere. Schließlich müsse ja die Auffassung des bisherigen Gesandten genügend bekannt sein, die Ansicht I des Nachfolgers könne aber noch nicht allzuschwer ins .Gewicht fallen. Inzwischen habe freilich ber unvermeidliche I in Bayern statt. Den Akt nahm der Staatsminister Crailsheim vor. Hierauf begaben sich die Fürstlichkeiten in feierlichem Zuge in die Allerheiligen-Hofkirche, wobei die Braut vom Könige der Belgier und vom Prinzregenten geleitet wurde,, während der Bräutigam zwischen dem König von Rumänien und der Gräfin von Flandern schritt. Die Trauung Wurde üon dem Erzbischof von München, Stein, vollzogen. Später fand in dem Thronsaal der- Residenz ein Huldigungsakt statt und heute nachmittag im Palais des Herzogs Karl The o'd or in Bayern eine F a m i l i e n t a f e l, an der sämtliche fürstlichen Hochf- zeitsgäste teilnahmen. Bei der Tafel brachte der Prinz- r e g e n t auf den König der Belgier einen Trinkspruch! aus. Dieser erwiderte mit einem Trinkspruch auf den Prinzregenten und die Neuvermählten. — Tas neu- vermählte Paar und der König der Belgier sind heute nachmittag mit dem Orient-Expreßzug in der Richtung nach Stuttgart abgereist. Ausland. London, 2. Dftobet. Bis heute nachmittag 3 Uhr sind gewählt: 144 Ministerielle, 16 Liberale und 13 Nationalisten. Die Ministeriellen haben drei Sitze, die Liberalen einen Sitz gewonnen. Unter den heute Gewählten befindet sich der Staatssekretär des Innern, R i d l e y , dem kein Kandidat gegenüberstand. — Der „Exchange Telegraph Company" zufolge wird Kriegsminister Lord Lansdowne an Stelle des zurücktretenden Lord Cadogan Vizekönig von Irland werden. Brüssel, 2. Oktober. Nach dem „Etoile beige" be- ggingen Rekruten in Bilvorde eine schwere Insub - ordinatio n, indem sie mit Sozialisten gegen die Offiziere fraternisierten. Es entstand eine schwere Schlägerei zwischen Sozialisten und Rekruten einerseits, Korporalen und Unteroffizieren andererseits. Sieben Hauptschuldige wurden in Arrest gesteckt. Paris, 2. Oktober. Zum Gouverneur Algeriens wird, wie jetzt feststeht, der gemäßigte Deputierte Jonnart ernannt werden. Jonnart, der erst 43 Jahre alt ist, war Minister der öffentlichen Arbeiten unter Casimir Perier. Mars eilte, 2. Oktober. General OsmanPascha, der befürchtete, verhaftet zu werden, hat heimlich Konstantinopel verlassen, und ist heute früh auf einem französischen Dumpfer hier angekommen. Wien, 2. Oktober. Die heute unter Vorsitz Golu- chowskis fortgesetzten! gemeinsamen Minister-Konferenzen, denen auch der Chef des Generalstabes Freiherr v. Beck und der Stellvertreter des Kviogs- ministers Sektionschef Sch o e n ai ch beiwohnten, beschäftigten sich mit Eisenbahnfragen, welche auch für die Militärverwaltung von Wichtigkeit sind. Belgrad, 2. Oktober. Kön ig Alexand er unterbricht seinen Aufenthalt in Semendria und kommt am 6. oder 7. nach Belgrad, um hier am Sonntag, 7. Oktober, den Schah von Persien zu erwarten, der als Gast des Königs in Belgrad einen eintägigen Aufenthalt nimmt. Sämtliche Minister fahren mit dem Hofzug bis zur bulgarischen Grenze dem Schah entgegen. Nach der Abreise desselben fährt der König zu den M au ö v er n der Kavallerie auf der Linie Belgrad—Nisch. Konstantinopel, 2. Oktober. Der Besuch des Schahs von Persien verläuft programmgemäß. Eine Anzahl hier lebender Perser wurde unter strenge Polizeikontrolle gestellt und heute wurden vor der Fahrt des Schahs vom Mdiz-Kiosk nach der persischen Botschaft in Stambul einige Perser in Präventivhaft genommen, weil man fürchtete, Mitglieder der fanatischen Babisten- sekte könnten einen Anschlag gegen den Schah ausführen. — Heute nachmittag empfing der Schah das diplomatisch e K o r p s , doch verlief der Empfang sehr schnell. Der deutsche, der russische und der italienische Botschafter wurden einzeln kurz, das übrige diplomatische Korps gemeinsam einige Minuten lang empfangen. Aus Stadt und Land. Gießen, 3. Oktober 1900. ** Der Kriegervereiu Gießen hielt gestern abend in seinem Vereinslokal eine Monatsversammlung ab, in der Kamerad Bommersheim einen Vortrag über die Reise nach den Schlachtfeldern von Metz und Umgegend hielt. Der Vortrag wurde in leicht verständlicher Form der Versammlung entgegengebracht. Kamerad Dickorv, der Leiter des Ausflugs, brachte noch einige Reiseepisoden vor und gab den ganzen Reiseplan nebst dem Kostenbetrag, der ca. 25 Mk. pro Teilnehmer ausmachte, zur Kenntnis der Versammlung. Mit einem Dank für den genußreichen Abend, ausgesprochen von dem Schriftführer, Kamerad Möbus, wurde die Versammlung in später Stunde geschlossen. ♦* Zur Geburtstagsfeier des 90jährigen Lehrers Prä- torius wurde dem Jubelgreis von der Firma Schirmer, von der Herr Prätorius schon 70 Jahre seinen Rauchtabak „Portorico" bezieht, ein großes Packet Tabak von der genannten Sorte mit gereimter Widmung dediciert. Doch soll der Tabak viel genießbarer als Reim und Versmaß der Widmung sein, wenngleich diese nicht minder Freude hervorgerufen haben wird. Kastel, 2. Oktober. Die Zahl der Einjährigen, die bei den hiesigen Pionieren eintreten, wird immer geringer; vor 2 Jahren sind noch 16 Einjährige in dem 11. Pionier-Bataillon eingetreten, im vorigen Jahr sank diese Zahl auf 12 und dieses Jahr haben sich nur 9 Einjährige zum Eintritt bei dem Pionier-Bataillon gemeldet. -h- Gieße«, 3. Oktober. Außer den gestern bereits erwähnten bekannten Herrenfahrern sind zu dem Radrennen am Sonntag noch weitere Meldungen der tüchtigsten Fahrer aus Mainz, Frankfurt rc. eingelaufen. Namen wie Goertz, Gottron, Erich Moeder, A. Graef, Link, Düsseler, v. Alexander rc. werden int Verein mit Cerrato und Duill dafür sorgen, daß das Rennen sich zu einem höchst spannenden mit interessanten Endkämpfen gestalten wird. Bei dem Hauptfahrer über zehn Kilometer sind Schrittmacher zugelassen und als solche sind u. a. auch Motortandems gemeldet, die hier bisher noch nie zur Verwendung gelangt sind. Daß auch ein Match zwischen Radfahrer und Läufer und ebenso ein Wettstreit zwischen Reiter und Radfahrer in dem Programm vorgesehen sind, erwähnen wir heute gleichfalls und behalten uns vor, des Näheren auch hierauf noch bei der Besprechung des Gesamtprogramms einzugehen. Neueste Meldungen. London, 3. Oktober. Sowohl die liberalen wie die konservativen Blätter sprechen sich befriedigend über den Ausfall der Wahlen aus. Beide Parteien bezeichnen das Wahlergebnis als einen Triumph ihrer Sache. Die Zahl der bis jetzt gewählten Mitglieder beträgt 235. Die Negierungs-Majorität beziffert sich bis jetzt auf 133, wenn aber die noch vorzunehmenden Wahlen in demselben Verhältnis ausfallen, so wird die Regierungs-Majorität bedeutend zurückgehen. London, 3. Oktober. Dem „Standard" zufolge werden der Herzog und die Herzogin von Jork in verletzten Hälfte des April in Australien eintreffen. Die Tour wird vier Monate dauern. Offiziös wird erklärt, daß Melbourne die Hauptstadt Australiens werden soll. Paris, 3. Oktober. Die Kosten des bekannten Bürg erbau ketts sind nunmehr festgestellt. Sie belaufen sich aus 800000 Frks. Budapest, 3. Oktober. Aus Sofia verlautet, Oesterreich-Ungarn und Rußland hätten in einer identischen Note die Erledigung der rumänischen Reklamation übernommen. Die bulgarische Regierung betreibt energisch die Untersuchung gegen das Revolutionskomitee. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt, den 3. Oktober. 31/» % Reichsanleihe . . 3°/o do . . 3Vs c/o Konsole . . . . 3 °/0 do . . . . BVg % Hessen . . . . 5 % Italien. Rente . . . 40/0 Griech. Monop.-Anl. 3 0/0 Portugiesen . . . 3 0/0 Mexikaner . . . . 4 Vs °/o Chinesen . . . . 93.20 Kreditaktien 93.60 Oesterr. Staatsbahn 23.60 75.90 Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Gotthardbahn Laurahütte Bochum Harpener . 85.30 93.45 83.- 91.30 Tendenz: geschäftslos. 203.— 170.20 127.50 140.10 141.70 140.— 138.30 194.90 180.— 180.— Braut-Seiden-Robeiuk.i7.5o und höher — 14 Meter I — porto- und zollfrei zugesandtl Muster umgehend; ebenso von schwarzer, weißerund farbiger „Henneberg-Seide" on 85 Pfg. bis 18.65 p. Meter. 6496 G. Henneberg, Men-Fabrikant (k. a. k. M) Zürich. Bekanntmachung. Die für dar Rechnungsjahr 1901/1902 im Gießener Stadtwald erforderlichen Kultur-, Wegbau- und Graberrarben, als: a) Aufräumen von Gräben veranschlagt zu 212.10 Mk. b) Anfertigung von Neuyräbtn // " 170.- „ c) Lieferung von Basaltsteinen H If 4054.- ,, d) Aufsetzen derselben fl H 250.56 „ e) Wegplanierung M // 210.- „ f) Chaustierarbeit // n 3102.80 „ g) Lieferung von Basaltkleinschlag „ „ h) Herstellung von rajolten Riefen einschließ805.- „ lich der Beseitigung von Dörnern und Unkraut „ 1820.- „ sollen Donnerstag den 9, Oktober d. I., vormittags 10 Uhr, im Saale des alten Rathauses öffentlich vergeben werden. Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in den dortigen Gemeinden bekannt machen zu lasten. Gießen, den 1. Oktober 1900. Großherzoaliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. 6520 Bekanntmachung, betreffend: Die Vergebung der Holzhauer- und Setzerlöhne im Gießener Stadtwaid pro 1901/1902. Die vorbemerkten Löhne sollen Dienstag den 9. Oktober d. I., vormittags 9 Uhr, im Saale des alten Rathauses öffentlich vergeben werden. Die Gcoßh§rzoglicht.n Bürgermeistereien der umlhgenben Orte werd n ersucht, dies in den dortigen Gemeinden bekannt machen zu lasten. Gießen, den 2. Oktober 1900. 6522 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ___I. V.: Wolff._____ Älice-Schule. Unterricht im Hand- und Maschinennähen, Flicken, Stopfen, Schneidern, Bügeln, Kunstwäscherei, Weiß- und Buntsticken, Klöppeln, Knüpfarbeiten u. s. w. Reu eingefühtt: die Bunt- und Namenstickerei, Hohlsaum, Durchbrucharbeiten u. s. w. auf der Maschine und dürfen die Schülerinnen, welche das Maschinennähen besuchen, den Unterricht im Wintersemester 1900/1901 in dieser neuen Arbeit unentgeltlich besuchen. Der Unterricht für Holzbrand, Tiefbrand, Holzmalerei, Schnitzen u. s. w. beginnt den 15. Oktober. Um vielen Wünschen entgegen zu kommen, soll ein Unterricht für schulpflichtige Mädchen, auch kleinere Kinder, eingerichtet werden, in welchem dieselben ihre Weihnachtsarbeiten machen können, und dürften wir um baldige Anmeldungen bitten, da die Stunden doch nach der Schulzeit eingerichtet werden müsten. Nähere Auskunft morgens von 10 bis 12 Uhr im Schullokale, esu L. Möser, Köerlehrenu. Städtischer Arbeitsnachweis Meßen OartsrrstraÄs T. Angebot der Arbeitnehmer» 2 Schreibgehilfen, 1 Büreaudiener, 1 Aufseher, 1 Taglöhner, 1 Ladnerin oder Kontoristin. Nachfrage der Arbeitgeber» 2 Holzdrechsler, 1 Glaser, 1 tücht. Bau- schloffer, 2 tücht. Bauschreiner, 2 Tapezierer, 3 Hausburschen, 3 Pferdeknechte, mehrere Tagiöhner, 2 Laufmädchen. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die unterzeichnete Kaste vom 1. Januar 1901 ab alle Anlagen, ohne Rücksicht auf ihre Höhe, mit 4 Prozent verzinst, dagegen sind alle Entnahmen von diesem Zeitpunkte ab mit 41/, Prozent zu verzinsen. Diejenigen Personen, Gemeinden, Korporationen rc., welche gegen Hypotheken ober Schuldscheine Darlehen aus unterzeichneter Kaste empfangen ha^en, werden hierdurch ersucht, falls sie nicht bereit sind, 4V2 Prozent Zinsen zu entrichten, die bett. Darlehen bis längstens 1. Januar 1901 zurückzubezahlen. Ebenso sind alle fällig gewesenen Kaufschillinge vom Verfalltage ab mit 4V2 Prozent zu verzinsen. Einlagen in jeder Höhe werden an den Zahltagen Mittwoch und Freitag angenommen. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks werden ersucht, Vorstehendes in ihren Gemeinden bekannt machen zu lasten. Nidda, den 29. September 1900. Spar- und LeMaffe Wdda. _______________________Erk, Direktor.______________________6510 Akademischer Gesangverein. Keginu der Probe«;« „Wesfias" vo« Wvdel Montag den 8. Oktober, abends 8 Uhr, in der großen Aula. Da die Aufführung bereits Mitte Dezember in Aussicht genommen ist, werden die verehrlichen Damen und Herren dringend gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Neuanmeldungen nimmt Herr Musikdirektor Traut mann an den Probeabenden und an Wochentagen, außer Mittwoch, nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr in seiner Wohnung, Moltkestraße 6, entgegen. 6419 Der Vorstand. Empfehle Fmus-, Geschäfts- und leichten amerik. Wagen jeder Art. Fr. Grauer, Auhöach, 6513 Wagenbauer. agen-Verkauf. reichhaltiges Lager in Bekanntmachung. Donnerstag den 4. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, sollen dahier, Neustadt 55, Hausgeräte aller Art, sowie eine Ladeneinrichtung, 30 Blumenkörbe, 1 Kiste Glas, mehrere Bilder, 1 Klavier, 2 Kastenwagen und 1 Posten Schuhwaren zwangsweise gegen bar versteigert werden. Gießen, den 3. Oktober 1900. 04179 Seipel, Gerichtsvollzieher. DsWDM Stadt. SGachthaus. Freibank. 6456 Heute und morgen: Gchseustkisch 50 M Hchmimßeisch 50 M in roten Dosen' mildem Göppingen. in roten Dosen erzeugt auch auf »fettem Leder wieder 8» schönsten ■Glanz1 macht / ,8c. T erhält das Leder \ weich, M dicht T & L u" *>• Bl. erb. Näheres in der Expedition d. Bl. Unterricht. D-r untere ©toi «edtgftr. 3,1 un(ctritf)i im Maschin«nschr-ib-N vollständig neu bergencMet mit Separat, i bctfd)iebener Systeme, für Dame» un6 eingang, Garten und «eranba-SlnteU, auch ju jeder Tageszeit erteilt 6«6 Montag den 8. Oktober er«, abends 8 L-Hr, Einlaß 7l/2 Uhr, im Festsaal zu Gießen (Cas6 Leib): IT KOKZERT iwä (yit). Die Begleitung hat verr_ Musiklehrer Wilh. Schmidt aus Wetzfar “Platz 6 2 Mk, unnumerierter tl'anblung Herren gesucht FÜtH 11 ä IÄUm ^brkauf meiner vorzüglichen Zigarren *»**aie «v an Händler rc. gegen Vergütung von toerben in modernen Fayons rasch und ! Mk. i5v pro Monat und hohe Provision, billigst fayoniert. Georg Meitzner, I. HamburgerZigarren- A. Fangmann, I Versandthaus,Hambg., Uhlenhorst. [6507 6426 Bahnhofstr. 29. I b500] Eine vollständig neu hergerichtete 5 Zimmerwohnung sofort zu ver- m'eten.___________Goelhestratze 46. (Sine kleine Mansardenwohnung per 15, Okt zu vermieten. Grünbergerstraße 4, 04172] Einfach möbliertes Zimmer zu vermieten. Franksurterstratze 41, | Freund!, möbl. Zimm. a.e. Herrn o. Dame sz.verm.m-o.ohnePens. Ludwigstr.33part. -"04175J Möbliertes Zimmer zu vermuten.______________Neustadt 14. 6502] Schön möbl. Zimmer vor dem Korridor zu vermieten. Grabenstraße 3, Qtoei schön möbl. Zimmer zusammen ob. -U getrennt zu verm. 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