Dienstag den 4 September 15V. Jahrgang Lr-Q-V Zweites Blatt Ae;ngspreis vierteljährl. Mk. 3JM monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh«) durch die tt6t)o(eftok» virrtrljährl Mk. IjÄ monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 DicrteljÜ* mit Bestellgeld. »lle Anzeigen-Bermittlungrstellea de- In- und ÄuiUn*» lernen Anzeigen für den Gießener Anzeiger etrtgcg*. ZeilenpreiS : lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pf«. Qu»atz«« ww Luzetge« zu der «achmttta-S fffr ta* {dgnüni Sag «Meinende« Nummer M Htm. » WifMgrti välestmS **M Mr^r. Kießener Anzeiger Heneral-Anzeiger Rr S06 MgM eit des M- ENchmer D«»tt4s»Stttter **** dem Anzeiger ««cht-i e* «Hey. SeMcT ■- «ALtter Mr M. **»hmb«e «M* 4 sei kigefegt Amts- und Anzeigeblatt für den Nveis Gieren p» Gratisdeiüyril: Gießener FamAenbiätter, Ker heWtzr Landwirt, Kiätter ffir tzeWhe VMÄmndr. »reffe für Depeschen: Anzeiger OttßM. Fernsprecher Nr. 5L »tafiftM, *W*t*»B und Drucker«: IchMtOrutze Nr. 7. Die Wirren in China. Eine Mitteilung der russischen Amtszeitung, über das Programm Rußlands. Hat folgenden Wortlaut: . . , , , „Auf dem Kriegsschauplätze in Petschilr haben tn der letzten Zeit die militärischen Begebenheiten eine so unerwartet rasche Wendung genommen, daß es einer verhältnismäßig unbedeutenden Truppenabteilung der Verbündeten, deren Aufgabe darin bestand, die belagerten auswärtigen Geschandschasten und die Ausländer zu befreien, gelungen war^ nicht nur diesen Hauptzweck zu erreichen, sondern auch die in der Hauptstadt des himmlischen Reiches konzentrierten Rebellenbanden auseinander- zutreiben und Maßregeln zur Sicherstellung der Verbindung mit Peking zu ergreifen. Diese günstigen Umstände verändern jedoch keinesfalls das früher vor gezeichnete Programm Rußlands, dessen Grundsätze in der letzten Regierungsmitteilung enthalten sind. Rußland hat, wie in der Mitteilung gesagt wird, China den Krieg nicht erklärt; die russischen Truppen betraten das Gebiet eines Nachbarstaates mit bestimmten Zwecken, dessen größter Teil gegenwärtig erreicht ist. Um für die Zukunft keinen »Anlaß zu irgend welchen Mißverständnissen oder unrichtigen Deutungen bezüglich der weitern Absichten Rußlands zu geben, geruhte der Kaiser dem Verweser des Ministeriums des Auswärtigen zu befehlen, an die im Auslande beglaubigten russischen Vertreter folgendes telegraphische Rundschreiben zu richten: Rundschreiben des Verwesers des Mini st e - riunls des Auswärtigen vom 25. August: Die nächsten Ziele, welche die kaiserliche Regierung gleich von Anfang der chinesischen Wirren bezweckte, bestanden in folgenden: 1. Beschützung der russischen Gesandtschaft in Peking, Sicherstellung' der russischen Unterthanen vor den verbrecherischen Absichten der chinesischen Rebellen. 2. Unterstützung der chinesischen Regierung in ihrem Kampfe gegen die Wirren im Interesse der baldigsten Herstellung der gesetzlichen Ordnung der Dinge im Reiche. Als infolge dessen alle interessierten Mächte beschlossen, mit den gleichen Zielen Truppen nach .China zu senden, hatte die kaiserliche Regierung als Richtschnur bezüglich der chinesischen Begebenheiten folgende Grund-Prinzipien vorgeschlagen : 1. Aufrechterhaltung des gemeinsamen Einvernehmens der Mächte; 2. Aufrechterhaltung der frühern Staatsordnung in China; 3. Beseitigung von allem, was zu einer Austeilung des himmlischen Reiches führen könnte; 4. mit gemeinsamen Kräften Herstellung einer gesetzlichen Zentralregierung in Peking, die fi,m stände ist, allein die Ordnung und die Ruhe zu bewahren. In diesen Punkten bestand fast zwischen allen Mächten ein Einvernehmen. Da die kaiserliche Regierung keine andern Zwecke 'verfolgt, wird sie auch weiter standhaft ihrem frühern Aktionsprogramme treu bleiben. Wenn der Gang der Ereignisse, wie der Angriff der Rebellen auf unsere Truppen in Niutschwang, und eine Reihe feindseliger Handlungen der Chinesen än der Grenze unsres Staates, wie z. B. die Beschießung von Blagowieschtschensk Rußland zur Einnahme von Niutschwang und zum Einrücken russischer Truppen in die Gebiete der Mandschurei veranlaßten, so können solche zeitweiligen Maßregeln, die ausschließlich durch Ungesetzlichkeiten hervorgerufen wurden, um aggressive Handlungen der chinesischen Rebellen abzuwehren, keinesfalls von irgend welchen selb st süchtigen Plänen Zeugnis geben, die der Politik der kaiserlichen Regierung voll- kvmmen fremd sind'' Sobald in der Mandschurei die dauernde Ordnung wiederhergestellt sein wird und auch die unumgänglichen Maßregeln zum Schutze der Eisenbahn ergriffen sein werden,^ deren Bau noch eines besondern formellen Einvernehmens mit China bezüglich der Konzession bedarf, die der Gesellschaft der chinesischen Ostbahn verliehen werden soll, wird auch das Nachbarreich Rußland nicht ermangeln, seine Truppen aus diesen Gebieten zurückzurusen, vorausgesetzt, daß die Handlungsweise anderer Mächte dem nicht im Wege steht. Es ist offenbar, daß die Interessen der andern auswärtigen Mächte und internationalen Gesellschaften in dem von Rußland besetzten für den internationalen Handel offenen Hafen Niutschwang, wie auch auf den Eisenbahnlinien, die von unfern Truppen wiederhergestellt worden sind, unverletzt bleiben und völlig gesichert sind. Durch die Einnahme Pekings ist die erste Hauptaufgabe, die sich die kaiserliche Regierung setzte, nämlich die Befreiung der Vertreter der Mächte mit allen sich in. der belagerten Stadt befindlichen Ausländern, erreicht. Die zweite Aufgabe, die Mitwirkung einer gesetzlichen Zentralregierung zur Herstellung der Ordnung und regelmäßiger Beziehungen zu den Mächten erscheint bisher schwierig infolge der Abreise des Kaisers, der Kaiserin-Regentin und des Tsungliyamen aus der Re- fidenz. Unter solchen Bedingungen findet die kaiserliche Regierung nicht einen hinlänglichen Grund, daß die Gesandtschaften weiter in Peking verweilen. Sobald eme gesetzliche chinesische Regierung neuerdings die Zügel in die Hände nimmt, und ihre mit Vollmachten versehenen Vertreter zu Verhandlungen mit den Mächten ernannt haben wird, wird Rußland nach der Verständigung mit allen auswärtigen Regierungen seinerseits nicht ermangeln, zu diesem Zweck einen Bevollmächtigten nach lenem Ort zu senden, wo die Verhandlungen stattfinden werden, infolge des oben mitgeteilten Rundschreibens an die auswärtigen Mächte wurde dem Wirklichen Staatsrat von Giers sowie dem Generalleutnant Lenewitsch befohlen, für die Verwirklichung der allerhöchsten Absichten bezügliche der Ueberführung der kaiserlichen Gesa ndtschaft, der russischen Unterthanen und der russischen Truppen von Peking nach Tientsin zu wirken, wobei zweifellos alle Lokalbedingungen berücksichtigt werden. r M . . . Die „Köln. Ztg." schreibt zu der Annahme einiger Blätter, Rußland mache angesichts der militärischen Schwäche der in Peking versammelten Truppen den Rau- mungsvorschlag: Jeder Gedanke an eine Gefährdung unserer Truppen müsse verschwinden, wenn man bedenke, daß das kleine zusammengewürfelte Detachement unserer Seesoldaten die Gesandtschaften monatelang gegen den Ansturm der Boxer und der regulären chinesischen Truppen erfolgreiche geschützt haben. Und gegenüber vereinzelten Behauptungen, die Einheit der Mächte sei nunmehr in die Bruche gegangen, betont ein Berliner Telegramm der „Köln. Ztg.", daß es sich bei der russischen Note nur um einen Vorschlag handle, über den gegenwärtig zwischen den Mächten verhandelt wird. So lange aber diese Verhandlungen, wie es thatsächlich. geschehe^ in durchaus freundschaftlichen Sinne geführt werden, habe man kein Recht, zu behaupten, der Brach, sei vollzogen. Es sei die Aufgabe der Diplomatie^ die"Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten auszugleichen. Die Grundlagen für eine solche Thätigkeit lägen gegenwärtig nicht ungünstig, da es heute feinen einzigen Staat gäbe, der leichten Herzens in eine Politik hineintreibe, die zu ernsten Spaltungen und Zerwürfnissen führen können. — Auch nach der „Nat.- Ztg." wird die chinesische Lage an maßgebender Stelle in Berlin keineswegs kritisch angesehen. Die Auffassung gehe dahin, daß man sich in einem Meinungsaustausch über die besten Mittel zur Erreichung des Zieles befinde, berreffs dessen vielfach Uebereinstimmung der Mächte versichert worden ist. Dabei dürfte die deutsche Regierung allerdings die Ansicht vertreten, daß die bedingungslose Räumung Pekings gefährliche Folgen haben kann, weil sie von den Chinesen als ein Beweis der Schwäche oder der Uneinigkeit der Mächte würde angesehen werden. Dagegen wird aus Paris telegraphiert: Die diplomatische Lage ist augenblicklich sehr ernst. Frankreich unterstützt bedingungslos den auch von Nordamerika angenommenen Vorschlag Rußlands, die -europäischen Truppen aus Peking zurückzuziehen. Englands Zustimmung wird noch heute erwartet. An gewissen Stellen besteht unverkennbar die Absicht, Deutschlan d zu vereinzeln und es allein das chinesische Abenteuer bestehen zu lassen. — In Londoner parlamentarischen Kreisen verlautet, Englands Antwort auf die amerikanische Note bezüglich des Vorschlages Rußlands, daß die verbündeten Truppen Peking räumen sollen, sei infolge der Abwesenheit Lord Salisburys nicht bindend. Die Antwort bestätige lediglich den Empfang der Note und bitte um Zeit zur Erwägung, ohne Englands künftige Aktion zu engagieren. Betreffs der Antwortnote der Vereinigten Staaten auf den russischen Vorschlag hebt die „Post" hervor, daß die Note sich, dahin ausspricht: die Frage der Räumung Pekings sei von einer gemeinschaftlichen Verständigung der dort befindlichen militärischen Befehlshaber abhängig. Das zeige, daß auch seitens der Vereinigten Staaten die militärischen Gesichtspunkte als ausschlaggebend betrachtet werden. Nach einer Pariser Meldung ist nun aus Shanghai die sichere Meldung eingegangen, daß der Kaiser und die Kaiserin-Witwe, sowie der gesamte Hofstaat und die Leibgarde in Tai hu en fu eingetroffen sind. Sie beabsichtigen, dort Hof zu halten^ bis für die Rückkehr nach Peking ein passender Modus gefunden worden sei. In Shanghai glaubt man, die Kaiserin-Witwe würde, um die Dynastie zu retten, darein willigen, daß der Kaiser allein nach Peking zurückkehrt, vorausgesetzt, daß die Mächte dies verlangen, und daß mau ihr einen glänzenden Witwensitz mit entsprechender Apanage sichere. — Nach einer weiteren Shanghai-Meldung soll die deutsche Gesandtschaft so lange in Peking bleiben, bis Graf Waldersee dort ein- trifft. Wie verlautet, soll der ch i n e s i s ch e T h r o n e r b e Selb st mord begangen haben. — Ein Pariser Telegramm lautet: Der in Paris anwesende japanische Gesandte am Londoner Hof erklärte, Japan könne nur in dem vom Einflüsse der Kaiserin-Witwe völlig befreiten, liberalen Ideen zugänglichen Kaiser und dessen Vertrauensmännern die Autoritäten erkennen, mit denen Frieden zu schließen möglich sei. Außerdem sagte der Gesandte, Japan wolle Korea nicht besitzen, aber auch seine dort erworbenen Rechte nicht schmälern lassen. Bei Besprechung des Standes der Chma-Wirren sagt das „Wiener Fremdenblatt", daß bisher noch keine Macht dem Vorschläge Rußlands aus Räumung Pekings zugestimwt habe. Das Blatt ist aber der Ansicht, daß man mit der Räumung Pekings und der bevorstehenden Eröffnung seriöser Friedensverhandlungen rechnen müsie. Nach Meldungen aus Taku haben bereits mehrere Gesandte mit ihrem Personal, darunter der österreichisch- ungarische Geschäftsträger, Peking verlassen und befinden sich auf dem Wege nach Tientsin. Die Londoner Meldung des „Figaro", nach der die Verbündeten Peking räumen und die Streitkräfte in Tientsin zusammenziehen werden, wird unserem Berliner Mitarbeitr als unzutreffend bezeichnet. Man glaubt in Berlin nicht an die baldige Rückkehr des chinesischen Hofes nach Peking, selbst dann nicht, wenn die fremdländischen Truppen Peking wirklich verlassen und sich in Tientsin festsetzen würden. Als richtig wird unserem Gewährsmann dagegen derjenige Inhalt der genannten Meldung bezeichnet, wonach sowohl Tientsin als auch Taku noch ziemlich lange von den verbündeten Truppen besetzt bleiben wird. — Man glaubt in Berlin nicht, daß Li-Hung-Tschang in der Lage ist, unantastbare Vollmachten für seine Berechtigung zur Friedens. Vermittelung beizubringen. Ein Telegramm aus Madrid berichtet, die spanische Regierung habe beschlossen, ihren Gesandten aus Peking zurückzuberufen und diesen Posten in Zukunft nicht mehr zu besetzen. * e * Wie aus Tientsin von wohlunterrrichteter Seite mtt- geteilt wird, ist die deutsche Gesandtschaft in der kritischen Zeit der Belagerung von chinesischen Truppen auf zehn Schritte Entfernung aus Gewehren, auf 150 Meter mit Kanonen beschossen worden. Von den deutschen Zivilpersonen ist jedoch keiner, mit Ausnahme des Dolmetschers Cordes, verwundet worden. In Tientsin ist es gegenwärtig ruhig; doch befinden sich in der Umgebung der Stadt Boxer, die mit Feuerwaffen Angriffe unternahmen. Ein Telegramm aus Peking meldet, der Tao Tai von Tsang-Chou habe vor einigen Tagen 2000 Boxer zu einem großen Gartenfeste eingeladen und sie, während sie sich unbewaffnet in den Gärten ergingen, von kaiserlichen Truppen niedermetzeln lassen. Aus Shanghai wird gemeldet: Im Thale des Dangtse- Kiang wird die Lage bedrohlicher, da aus vielen Orten Unruhen gemeldet werden und überall Aufregung herrscht. Waffen und Munition werden der Bevölkerung aus dem Jangtse zugeschifft und das aus dem Arsenal von Wasung unter der Nase der europäischen Kriegsschiffe. Ein deutsches Geschwader, unterwegs von Batavia wird erwartet. Das Fort Wusung hätte genommen werden können, wenn der „Jaguar" hier gewesen wäre. Jetzt sei die Sache gefährlicher, da die Bevölkerung des Jangtse-Thales sich erheben und alle Europäer ermorden würde. * * Dem Grafen Waldersee ist während der Dauer seines Aufenthalts in Ostafien eine Renumeration von 2000 Mk. pro Monat und an RepräsentationSkosten eine Summe von monatlich 10000 Mk. bewilligt worden. Die „Köln. Ztg." meldet aus Kiel, das Deutsche Reich sei nunmehr unter allen Mächten durch die größte Anzahl Linienschiffe vertreten. Aus dem Kriegsschauplatz sind 17000 Mann Verstärkungen angekommen. Im Indischen Ozean schwimmen noch sieben Transportschiffe, darunter zwei mit allein 4000 Mann. Wie man aus Bremen meldet, ist der Lloyddampfer „Frankfurt" von Tsingtau nach Francisco abgefahren, angeblich um von dort einen PserdetranSport für die ostasiatische Expedition nach China zu befördern. Die Fahne, die für das belgische Expeditionskorps bestimmt war, wird, wie nunmehr berichtet wird, dem General Bersträten am 9. September von den Offizieren, die an der Expedition teilnehmen sollten, überreicht werden. • * • Telegramme de- Gießener Anzeiger-. Berlin, 3. September. Der Kaiser soll, wie man uns von besonderer Seite mitteilt, am Samstag bei dem Festmahl zu Offizieren gesagt haben, er werde auf keinen Fall Peking aufgeben und wenn zu dem Zwecke alle Armee-Korps mobilisiert werden müßten. (?) London, 3. September. Die Morgenblätter widersetzen sich den Vorschlägen Rußlands und erklären, es sei für England schwierig, sich demselben anzuschließen, da die Zurückziehung der verbündeten Truppen aus Peking augenblicklich als eine Flucht und als ein Zeichen der Schwäche ausgelegt werden würde. Jedenfalls sei es ein unwürdiger Schritt. Die Blätter heben hervor, daß die Haltung der Vereinigten Staaten ihre Erklärung in der bevorstehenden Präsidentenwahl findet. Loudon, 3. September. AusShangai wird gemeldet: Gestern fand eine Konferenz zwischen Lihungtschang und der Spezialgesellschaft der Vereinigten Staaten statt. Lihungtschang besitzt Vollmachten des Kaisers und der Kaiserin- Witwe (?) und will allein der Friedensvermittler sein. London, 3. September. „Daily Mail" meldet aus Shanghai: Der kaiserliche Hof kehrt nur dann nach Peking zurück, wenn ihm Garantieen dafür gegeben werden, daß er nicht bestraft wird. Nach Wiederbesteigung des Thrones wird der Kaiser die Kaiserin verbannen (?). Die Vizekönige werden sich dem nicht widersetzen. Rußland würde nach der Räumung Pekings eine Garnison von 2000 Mann in Tientsin lassen. Loudon, 3. September. „Daily Expreß" meldet aus New-Iork: Die amerikanische Regierung habe beschlossen, die Frage des Verbleibens der Verbündeten in Peking nicht zu diskutieren in Erwartung der Einsetzung einer rechtmäßigen chinesischen Regierung. Sollten Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mächten ausbrechen, so werde die amerikanische Regierung ihre Truppen hinter den Truppen derjenigen Macht, die das internationale Konzert in China gestört hat, zurückzieheu. London, 3. September. „Daily Expreß" meldet aus Shangai,: Rußland beabsichtige, sich jetzt vollständig der Mandschurei zu widmen und die Eisenbahn-Linie in dieser Provinz fertig zu stellen. ES sei bereit, Niut- schwang auszugeben und Deutsch land sreieHand in TschiliundShantung zu lassen. Die Verbindungen mit Peking sind wieder unterbrochen. London, 3. September. „Daily Mail" meldet aus Shangai: Die Lage wird vom diplomatischen Standpunkt aus als sehr ernst betrachtet. Man glaubt allgemein an eine Aufteilung Chinas. Das Telegramm fügt hinzu, daß die Chinesen nicht die geringsten Anzeichen ihrer Unterwerfung geben. Paris, 3. September. Die Mutter des französischen Gesandten in Peking, Madame Pichon, erhielt ein aus Tschifu vom 2. September datiertes Telegramm ihres Sohnes folgenden Inhaltes: Gerettet, bei guter Gesundheit. Umarme Verwandte und Freunde. Wien, 3. September. Das „Neue Wiener Journal" veröffentlicht sensationelle Mitteilungen zur chinesischen Frage und nennt als Gewährsmann den Privat-Sekretär des chinesischen Gesandten in Paris. Darnach habe man in der Pariser chinesischen Gesandtschaft die Ueberzeugung gehabt, daß zwischen Rußland und Japan ein geheimes Abkommen existiere, nach dem Rußland die Mandschurei und Japan Korea annektieren sollte. England habe durch rasche Truppensendungen in Shanghai den Plan vereitelt. Der Krieg tu Südafrika. Eine Depesche des Feldmarschalls Roberts aus Belfast bestätigt die Freilassung von 1800 gefangenen Engländern durch die Buren, doch sollen die Offiziere nach Barberton gebracht worden sein. Da die Engländer selbst als vermißt und gefangen 55 Offiziere und 2778 Mann aufzählen, befinden sich also noch etwa 1000 Mann in den Händen der Buren. Die Ofsiziere haben die Buren seit der kopflosen Freigabe in Pretoria immer zurückbehalten, da sie inzwischen eingesehen haben, daß der Mangel an brauchbaren Offizieren die Achillesferse der englischen Armee ist. Die Gefangenen berichten, daß die Präsidenten Krüger und Steijn sowie die Generäle Botha, Schalk Burger und Lucas Meyer am 29. August mit der Bahn nach Nelspruit abgereist seien. Kommandant Grobler hat, wie Roberts weiter meldet, 34 englische Gefangene, die er noch in seiner Gewalt hatte, an Paget zurückgeschickt. Die Buren scheinen sich nach verschiedenen Richtungen zu zerstreuen. In Maseru geht das Gerücht, daß 1500 Buren mit zwei Geschützen beim Mequatlingsnek in der Nähe von Clocolan (Bezirk Ladybrand) stehen. Die Garnison von FickSburg ist verstärkt worden. „Zentral NewS" meldet aus Johannesburg vom 30. August: Das Gefecht am Dienstag fand 8 Kilometer südlich von hier statt; es war nicht ernstlich. Die Buren, me über den Klip River herübergekommen waren, und eine Stellung nahe bei Eagles Rest besetzt hatten, wurden mit Artillerie beschossen, worauf sie sich wieder über den Fluß zu- ruckzogen. —- Aus Ottawa wird vom 30. August gemeldet: Dre engusche Regierung hat die kanadische ersucht, zu gestalten, daß die erste nach Südafrika gesandte kanadische Truppen- ab eilnng noch einige Zeit verbleibe. Roberts hat vorge- schlagen, daß der Termin ihrer Rückkehr um drei Monate verschoben werde. „ m Sompan? meldet aus Durban vom 1. ds Melhuens berittene Infanterie habe Brede kUnX9Tc°6c 9°?cn0cn Schi-ßbedarf sowie Herden von Vieh und Schafen erbeutet. v Kundschafter haben die Eisenbahn bei dem Bahn- Hose Kliprwer zerstört und einen Zug mit 28 Waaen in Brand gesetzt. Die BurgherS in Pretoria sind, nach einer Reutermeldung aus Pretoria, einstimmig der Ansicht daß der Krieg demnächst beendet sein werde. Sie erklären die Buren würden, falls eS den Engländern gelänge, die Eisenbahnlinie nach der Delagoabai zu beherrschen, genötigt sein, sich in daS ungesuude und sumpfige Gebiet zurück zuziehen. Aus Badfontein wird vom 2. September gemeldet: General Buller ist gestern 14 Meilen auf der Straße nach Lydenburg vorgerückt und hat den Krokodilfluß überschritten. Die Buren ziehen ihre Streitkräfte in den Krokodilbergen zusammen, wo sich alle Kommandos mit Ausnahme derjenigen von Carolina und Ermelo befinden. Dem „Manch. Guard." wird eine neue lange Proklamation gemeldet, welche Lord Roberts in Bloemfontein erlassen hat, und worin er befiehlt, 30 Pachthöfe, deren Eigentümer überführt find, die Eisenbahn zerstört zu haben, in Brand zu stecken und 50 andere Farmer, wegen ähnlicher Vergehen mit einer Geldstrafe zu belegen, die den achten Teil des Gesamtwertes ihrer Besitzungen ausmacht. * • Telegramme des Gießener Anzeigers. Loudon, 3. September. Ein Telegramm aus Pietermaritzburg meldet, daß sich nach Mitteilungen aus Burenquellen die Buren in drei Abteilungen getrennt haben. Die erste begab sich nach Middelburg, um die dort angehäuften Lebensmittel und Munition zu bewachen, die zweite begab sich nach Barberton zur Besetzung der Goldminen und die dritte, bei der sich auch Präsident Krüger befindet, folgt der Eisenbahn. London, 3. September. Das Auswärtige Amt hat dem österreichisch.ungarischen Botschafter mitgeteilt, daß wegen der Ausweisung der österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen aus Johannesburg von Lord Roberts ein genauerBericht erbeten worden sei. Dieser sei aber noch nicht eingetroffen. Falls sich Herausstellen sollte, daß unnötige Härten vorgekommen seien, so biete die englische Regierung den Ausgewiesenen vollständigen Ersatz an. Deutsches Reich. Berlin, 2. September. Die große Herbstparade über das gesamte Gardekorps hat gestern Vormittag mit dem üblichen miltärischen Pomp stattgefunden. Um Vi 7 Uhr wurde es bereits in den Straßen, die zum Paradefelde führen, lebendig. Die Truppen rückten mit klingendem Spiel heran. Um 8 Uhr begann die Auffahrt der Prinzen und Prinzessinnen und der geladenen Persönlichkeiten. Um dieselbe Zeit stieg der Kaiser im Hofe des königlichen Schlosses zu Pferde und ritt an der Spitze der Fahnenkompagnie zum Tempelhofer Felde. Der Kaiser trug kleine Generalsunisorm und hatte das Band des Schwarzen Adlerordens angelegt. In der Hand hielt der Monarch den Feldmarschallstab. Unterdessen war die Kaiserin zu Wagen in der Kaserne des 1. Gardedragonerregiments angekommen, um da zu Pferde zu steigen. Die hohe Frau trug die Uniform ihres Dragonerregiments; in ihrer Begleitung befand sich Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein. Auf dem Tempelhofer Felde waren inzwischen die übrigen Mitglieder des königlichen Hauses ^gelangt, der Groß- herzog von Hessen und der Großherzog von Sachsen in der Uniform des 1. Garde-Regiments, Prinz Friedrich August von Sachsen in der Uniform des Garde-Schützenbataillons, Prinz Johann Georg von Sachsen in der Parade- ulanka des 2.',Garde-Ulanenregiments, der^Großherzog von Oldenburg in der Uniform des 1. Garde Dragonerregiments, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen in derUniform des Kaiser Franz Regiments rc. Nach Beendigung der beiden Treffen begann der Vorbeimarsch, und nach demselben hielt der Kaiser eine kurze Kritik ab, ritt dann an der Spitze der Generalität an ein neues ost asiatisches Bataillon, das am Paradefelde Ausstellung genommen hatte. Der Kaiser hielt an dasselbe eine kurze Ansprache. setzte sich an die Spitze der Fahnenkompagnie und brachte mit dieser in Begleitung des Großherzogs von Oldenburg die Feldzeichen zur Stadt zurück. Das in den Straßen ausgestellte zahlreiche Publikum brachte dem Kaiser brausende Hurrahrusc dar. Zu bemerken ist noch, daß der Kgiser schon heute früh 6V2 Uhr sich in das Palais Kaiser Wilhelms I. be gab und sich circa 20 Minuten im Fahnenzimmer aufhielt. Bei der Rückkehr vom Paradeselde befahl der Kaiser, daß die 43 neuen Fahnen vor dem historischen Eckfenster ausgestellt werden. Der Parade schloß sich im Weißen Saale des Königlichen Schlosses nachmittags um 6 Uhr die Parade- Tafel beim Kaiserpaar an. Der Kaiser in Generalsuniform mit dem Bande des Schwarzen Adlers führte die Kaiserin, die über einer schwarzen Robe denselben Orden und reichen Brillantschmuck trug; der K r o n p r i n z, in der Uniform des 1. Garderegiments z. F., führte die Herzogin zu Schleswig-Holstein. Es folgte die stattliche Reihe der hier versammelten Fürsten. Bei der Tafel saß der Kaiser rechts von der Kaiserin. Neben dem Kaiser saß die Herzogin zu Schleswig-Holstein, es folgte der Kronprinz, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Prinz Johann Georg von Sachsen, der Herzog zu Schleswig- Holstein, der Fürst zu Waldeck, Prinz Ernst von Sachsen- Weimar, Herzog Heinrich zu Mecklenburg, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, Prinz Albert zu Schleswig-Holstein - Sonderburg - Glücksburg, Prinz Carl von Hohen- zollern, Prinz Heinrich VII. Reuß, der Fürst zu Wied. Links von der Kaiserin saßen der Großherzog von Hessen und weiter der Großherzog von Oldenburg, Prinz Friedrich August von Sachsen, Prinz Heinrich von Preußen, Herzog Albrecht von Württemberg, der Fürst zu Hohenzollern, Prinz Bernhard Heinrich von Sachsen-Weimar, Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, Prinz Chlodwig von Hessen-Philippsthal-Barchfeld, Prinz Ernst von Sachsen- Altenburg, der Erbprinz von Hohenzollern, der Prinz Friedrich von Hohenzollern. An der Tafel nahmen weiter Teil die ersten Hofchargen und Umgebungen der Majestäten und das Hauptquartier, die Kabinettschefs, die Staatsminister, die Generalität, die fremdherrlichen Offiziere, die selbständigen Kommandeure der Parade u. a. m. Im Laufe des Mahls erhob sich der Kaiser zu einem kurzen Trinkspruch, worin er etwa sagte, er trinke auf das Wohl seines Gardekorps mit dem Wunsche, daß ihm Gott verleihen möge, daß es im Krieg wie im Frieden auckr hE äUhin ^wahren möge wie bisher. Er schließe Pltbf hJnn?^ern bre Truppen des 3. Armeekorps che ihm defiliert seien, vor allem auch sein Leid grenadier-Regiment. Der Kaiser schloß mit drei Hurra Di.Versammlung kräftig ausgenommen würden' ^s-sd^usik intonierte den Yorkschen Marsch. Nach der Tafel hielten die Majestäten Cercle nnh Leidlichem Wetter beschloß den Paradetag der Auge » ^^gleichermaßen Genuß bietende große 3apfen- 1 4 der Musikkorps des Gardekorps und der drei heute 9fr ber beteiligten Regimenter unter Leitung des Armeemusikinspizienten Roßberg. y Kaiser empfing während der heutigen Pa- remK Tempelhofer Felde die seit einigen Tagen in^Jenbe Abordnung deutsch-amerikanischer San ger, die sich für einen von ihm gestifteten ^bankten. Nach der Rückkehr ins königliche b.er Kaiser eine größere Anzahl militärischer und empfing den neuen italienischen fotoie ben hwsigen amerikanischen Marine- l L UUK-. Arme f e H?^e-Verordnungsblatt" enthält folgenden Durch die Aufstellung und den Abtransport des ost- asiatlschen Expeditionskorps sind den hiermit betrauten Behörden und Truppenteilen sehr umfangreiche und schwierige Aufgaben auf einem zum Teil ganz neuen Gebiete erwachsen. In verhältnismäßig kurzer Zeit ist es gelungen, die zahlreichen Fragen, bei denen es an eigenen Erfahrungen bisher fehlte, in durchaus befriedigender Weise zu lösen und alles vorzubereiten, was nach menschlicher Voraussicht einen glücklichen Verlauf gewährleisten kann. Ich nehme daher gern Veranlassung, allen Beteiligten für die Umsicht und den unermüdlichen Eifer, womit die Arbeiten gefördert sind meine Anerkennung auszusprechen. Wilhelm. - Aus E r f u r t, wo sich jüngst der K a i s e r aufhielt, wird berichtet: „Wer ein Fenster vermietet hatte und über den Mieter nicht ganz genaue Auskunft geben konnte, kam in eine schlimme Lage. Noch schlimmer erging es den Personen, hie in dem Verdacht des Anarchismus standen. Ein Maler wurde von einem Polizeibeamten am Verlassen seiner Wohnung verhindert, bis der kaiserliche Besuch Erfurt wieder verlassen hatte. In Haft genommen waren auch die bei den Zuschüttungsarbeiten beschäftigten Italiener." — Der Kaiser hat per Gräfin Elisabeth zu Erbach-Fürstenau, geb. Prinzessin zu Salm-Horstmar auf Schloß Fürstenau bei Michelstadt, die Rote Kreuz- Medaille zweiter Klasse verliehen. 1 — Ein Pariser Blatt will wissen, der französische Botschafter am Berliner Hofe, Marquis von Noailles verlasse Ende dieses Jahres seinen Posten und werde durch den früheren Minister Bourgeois ersetzt werden. — Der „Börsenkourier" führt in längerer Auseinandersetzung aus, daß er bei sehr vorsichtiger Budgetier-- ungsmethode Rußlands dieses sehr wohl in der Lage sei, die Kosten der chinesischen Expedition aus den Budgetüberschüssen zu bestreiten. Daher sei es unrichtig, anzunehmen, daß Rußland genötigt sei, eine Anleihe zu dem gedachten Zwecke aufzunehmen. Daher sind nach dem genannten Blatte die im Umlauf gewesenen Gerüchte von Anleiheverhandlungen unzutreffend. Der Zweck der Reise Witte's nach Paris gilt der Ausstellung und ist als ein Akt der Courtoisie anzusehen. Das sieht, wie die „Franks. Ztg." meint, fast so aus, als ob die Bemühungen des Herrn Witte, eine Anleihe aufzunehmen, auch in Paris keinen Erfolg gehabt haben. Politische Tagesschau. Zur Frage der Einberufung des deutschen Reichstag« schreibt die „Nat.-Lib. Korresp." u. a. folgendes: Vor Wochen hätte die Regierung sicher sein können, binnen 24 Stunden vom Reichstag einen ausreichenden Kredit zu erhalten. Stellt man aber jetzt das Verlangen, dann muß der Regierung auch Zeit und Gelegenheit gelassen werden, alles erforderliche Material so zu schaffen, daß es der kritischen Prüfung im Reichstag Stand hält. Dazu gehören ausreichende Ausweise über die bisherigen Kosten der Vorbereitungen, an denen verschiedene ReichsreffortS und Bundesstaaten beteiligt gewesen sind, und ein einigermaßen ausreichend begründeter Ueberschlag über die nächsten weiteren Aufwendungen. Weiter würde der Reichstag einen genauen Bericht über den Gang der Dinge verlangen, die zu der Krisis getrieben haben, und den Anteil der deutschen Vertretung daran. Zur Zeit werden darüber erst genaue Berichte beschafft, und wie schwierig diese Beschaffung ist, geht aus der Dürftigkeit der aus Peking übermittelten Nachrichten hinreichend hervor. Ist dieses Material da, und wir nehme» an, daß die Regierung sich die schleunige Beschaffung angelegen sein läßt, dann ist die Zeit für die Einberufung deS Reichstags gegeben, die jetzt in der Sache selbst nichts ändern wird, ob sie eine Woche früher oder später erfolgt, und von der alle ihrer Verantwortung bewußten Politiker erwarten, daß die Position der Regierung vor dem Ausland dadurch eine Stärkung erhält. Ausland. Paris, 2. September. Kaiser Nikolaus verlieh Loubet den AndreaSorden. — Der Großfürst und die Großfürst,» Peter vo« Rußland, der Herzog und die Herzogin von Leuchte», berg, Baron von Stael, sowie der Prinz Alex OlgoiSki, Hofmarschall des russischen Kaisers, sind hier eingetroffen. — Fr anyoiS, der französische Generalkonsul in Aaunau, ist gestern hier eingetroffen. Er wurde am Bahnhöfe vom Direktor deS Ministeriums des Aeußeren empfangen. FranyoiS reifte nach kurzem Aufenthalt zu seiner Familie. — Eine technische Kommission wird nach Korsika und Tunesien entsendet werden, um über die zu errichtenden Befestigungswerke einen Bericht abzufassen. — Der Minister des Innern empfing die Zirkularnote der italienischen Regierung, betreffend die Einberufung einer internationalen Anarchistenkonferenz. — Nach einer Blättermeldung aus Narbonne wurde dort der auS Buenos Aires eingetroffene Anarchist Guiappa verhaftet. Die Verhaftung geschah auf die Anzeige eines Reisegefährten, daß Guiappa einen Anschlag gege^n den Kaiser von Oesterreich plane. — Bon bester russischer Seite wird hier mitgeteilt, daß ein Besuch des russischen Kaisers in Paris nicht beabsichtigt ist. (?) Mailand, 2. September. BreSci hat gestern abend seinem Verteidiger mitgeteilt, daß er gegen die Höhe der Strafe keine Berufung einlegen werde, da dieselbe doch nicht gemildert werden würde. Nur gegen die Konfiszierung seines Vermögens werde er sich verwahren. Bresci benimmt sich im Gefängnis wieder frech und gewaltthätig. Wien, 2. September. Erzherzog Franz Ferdinand reist am 8. September von hier nach Stettin ab zur Teilnahme an den deutschen Land- und Seemanövern. — Ministerpräsident v. Körber wurde gestern nachmittag vom Kaiser in Audienz empfangen, um diesem Bericht über die Ergebnisse der Besprechungen mit den verschiedenen Parteiführern zu erstatten. Da die Jungtschechen nicht gewillt sind, die Obstruktion aufzugeben, so dürfte v. Körber sich in der Audienz die Ermächtigung zur Auslösung des Parlaments haben erteilen laffen. — Das Brünner Organ des Obmanns der Jung- tschechen, Stransky, meldet, das Kabinett Körber werde seine Demission einreichen und der Kaiser werde auf die ursprüngliche Kombination mit dem Fürsten Alfred Lichtenstein zurückkommen. Offiziell wird hingegen das Bestehen einer Kabinettskrise entschieden in Abreise gestellt. — Reichstagsabgeordneter Schönerer, der schon vor längerer Zeit aus der katholischen Kirchengemeinschaft ausgetreten ist, wurde in den Verband der evangelischen Kirche -ausgenommen. Konstantinopel, 1. September. Anläßlich des Regierungsjubiläums des Sultans fand heute im Jildiz- palafte feierlicher Empfang statt. Der österr.-ungar. Botschafter von Calice als Doyen des diplomatischen Korps wurde als erster empfangen. Er überreichte dem Sultan ein besonderes Beglaubigungsschreiben und ein eigenhändiges Schreiben des Kaisers Franz Joseph. Hierauf wurden die anderen Botschafter mit den besonderen Gesandtschaften der .Reihe nach empfangen, die gleichfalls besondere Beglaubigungsschreiben und eigenhändige Schreiben der betr. Herrscher dem Sultan überreichten und die Mitglieder der Mission dem Sultan vorftellten. Sodann wurden die besonderen Gesandtschaften Serbiens und Rumäniens und schließlich die übrigen Gesandten und Geschäftsträger empfangen. Heute abend sand Illumination, morgen abend Galatafel im Jildiz- palaste statt. Der König von Italien übermittelte im eigenen Namen und namens der Königin dem Sultan Glückwünsche. Der Prinzregent Luitpold gratulierte dem Sultan ebenso. Der deutsche Kaiser sandte ein Telegramm, in dem er seinen Wünschen und denjenigen der Kaiserin für das Glück des Sultans erneuten Ausdruck gibt. Kaiser Wilhelm, der eine Fontaine in Stambul errichten läßt, sandte dem Sultan noch eine photographische Ausnahme, sowie eine Kiste herrlicher Aquarelle. Der Zar schickte das Wunderwerk einer aus Jaspis gehauenen Uhr, deren Ziffern durch große Rubinen und Brillanten markiert sind, während der Aufsatz mit Smaragden besät ist. Präsident Loubet sandte kostbare Gobelins und Sövresvasen. Die aus türkischen Kreisen dem Sultan gewidmeten Geschenke betragen mehr als tausend. Generalversammlung und Stiftungsfest des hessischen Bauernbundes. -ff- Gießen, 2. September. Vor ca. 200 Landwirten, die aus ganz Hessen herbeigeströmt waren, um die Feier des 10jährigen Bestehens ihrer politischen Vereinigung xu feiern, eröffnete in Verhinderung des ersten Vorsitzenden, Bürgermeisters Köhler- mk.b. 1906 91.80 Sztschw au durch kaiserliches Edikt abgeseht wurde«. Die Kaiseriuwitwe läßt sich nach wie vor von den Ratschlagen der rachsüchtigen Reaktionäre leiten. Der Vormund des designierten Thronerben soll Selbstmord begangen haben. (Also nicht der Thronerbe selbst, wie kurz vorher gemeldet wurde D. Red.) Glasgow, 3. September. Eine junge Frau ist neuer- dings an der Pest gestorben Ihre Mutter ist auch darau erkrankt. New-Dark, 3. September. Ein Ausfluglerzug stieß mit einem anderen Zuge zusammen. 15 Personen Getötet, etwa 40 verwundet. ♦ • * Berlin, 3. September. Gestern mittag explodierte im hiesigen Hauptpost-Packetamte in der Oranien- 1 Krieger-Denkmal. Die bereits geprüfte und richtig befundene Abrechnung über die Einnahmen und Ausgaben für die Errichtung des Kriegerdenkmals liegt bifl zum 10. d. Mts. in der Apotheke des Herrn Dr. Julius Caesar, Marktplatz, auf und kann von Interessenten jederzeit während der üblichen Geschäftsstunden eingesehen werden. Wir benutzen die Gelegenheit, allen Denen, die unser Unternehmen unterstützt haben und fördern halfen, nochmals aus diesem Wege unseren verbindlichsten Dank abzustatten. Der Denkmals Ausschuß. I. d. A.: Jeau Kirch, Vorsitzender. Gieße«, den 2. September 1900. 5838 erste Sitzung ab. Der Vorsitzende Pob wie- in einer An-, spräche darauf hin, daß der Parteitag wahrscheinlich sicht E»en Vorbereitungen für die Neuwahlen Retchsrate besi^rftrgen wird. Dem verstorbenen Partei- N^f^bknecht wurde ein warmer Nachruf gewidmet nols^ k" " r forderte schließlich den Parteitag auf, feine volle Aufmerksamkeit der agrarischen Frage ^h^re Redner traten für die Wiederaufnahme der Wahlrechtsbewegung ein. | burger Straße eine von Stralsund tn eine Berliner Firma adressierte mit Feuerwerkskörpern gefüllte Kiste und verursachte einen Brand, der jedoch von den Beamten durch die eigene Schlauchleitung des Postamtes gelöscht werden konnte, sodaß die gleich darauf erschienene Feuerwehr nur noch wenig zu thun hatte. Paris, 3. September. Der italienische Abg. Mor- fldri, Direktor des römischen Blattes „Avanti-, ist aus Frankreich ausgewiesen worden. Er hatte die in Marseille beschäftigten italienischen Arbeiter ausgefordert, in den Ausstand einzutreten. Graz, 3. September. Der Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie, an dem als Delegierte der deutschen Sozialdemokraten die Reichstags- Abgg. v. Vollmar und Segitz teilnahmen, hielt gestern seine Vorbereitnng Finanzprnfang II. Kat Steueraufs., Pfandm., städt. Assistenten (1800—3400 Mk. E). Einz. richtig. Mat. Näheres in der Exped. d. Bl 5841 Zur gell. Beachtung. nach verschiedenen Mustern, ür herrschaftliche Brautausstattungen usw.. werden gut und sauber ausgeführt durch Fräulein M. Poppeck. Gefl. Aufträge sind zu richten an die Expedition d. Bl. unter 0 V 03635. Stottern Rationelles, physiologisch begründetes Verfahren des Direktors Neumann. DaS Verfahren ist wesentlich abweichend von den üblichen didaktischen Usymptomatischen) Methoden und verhilft schwersten Stotterern zu völlig freier Sprache. . Behandlung ohne Hypnose und ohne Medikamente oder Operationen. (Retchsmedizinalanzgr. 91 r. 25/1893.) — Empfohlen von Geheimrat v. Leyden t» Berlin und anderen hervorragenden medizinischen Gelehrten. fifilttnfl Ick gebe dem Institut „Hephata" gerne das Zeugnis, daß tch, der früher sehr am Stottern litt, nach dem Kursus hier in Solingen, den ich mitmachte, von meinem Leiden nun voll und ganz befreit bin. Ich werde dies auf Wunsch Jedermann gerne bestätigen. F. Hesper. Als ich zur Fahne fortgemüßt Hat mich mein Schatz so treu geküßt Und gab mir in der Abschiedsstund' Gin Päckchen noch: „Verbrauch'« gesund!" Und dieses Päckchen freut mich sehr, Und freut mich alle Tage mehr; Denn Gentner'S Wichs', die drinnen war, 87, Deutsche RctchSanl. 3 Preuß. TonsolS 37, Gr. Hessische Obl. 4 4 3 3 Voranzeige zu dem Konzert erblindeten Pianisten Mr. Wartung ans Eschwege am Montag dem 8. Oktober er., abends 8 Uhr, im Festsaal (Caf6 Leib) unter gütiger Mitwirkung bewährter Kräfte. Eintrittspreise: Logensitz ä Mk. 2.50, numerierter Plate L Mk. 2.—, unnumerierter Platz L Mk. 1.—, Schülerkarten ä 50 Pfg. Stahl. Schlachthaus. Freibank. 5847 Heute und morgen: SchmiuesteW 40 Ufg. 03626] Morgen trifft auf dem hiesigen Brandplatz c^ie Sendung ßinrnach^ und Senfgurkeu, sowie Weißkraut ein. Staunend billige Preise. , „ I Blattes entgegen. begen Barzahlung tiBrauner Jagdhund zugelaufen. Abzu- versteigert. 58341 holen [03624] Nahrungsberg 20. | 5822] Erste Etage Güdantage 10, mit allen Bequemlichkeiten, per 1. Oktober zu vermieten. Näheres durch Herrn Klees und Kreuz 6._________________________ 03618] Einfach möbliertes Zimmer zu vermieten. Landmannstrabe 16 Jin einfach möbliertes Stübchen zu ver= mieten. [6842] Seltersweg 61. /Kin möblieres Zimmer au vermieten. 03626 Näheres Neustadt 77. Könlgr. Sachsen Technikum Hainichen Höh. u. mINI. Fachschule f. Maschl nenbau und Elektrotechnik. Ingenieure 5, Techniker 4 u. Werkmeister 2 Sem. Staatl. Oberaufs ^Dlrektö^T^ßöltz^ 5840] Die am 1. Oktober 19001 6826] 120 Mark pro Btcnat und fälligen Coupons unserer hohe Provision. Altbek. la. Ham- Pfandbriefe werden bereits t>om 8 6»««« refp- Septbr. er. ab an Kaffe sowie an den bekannten Zahlstellen an «. L. Daube & Co., Hamburg, kostenlos eingelöst. — = " Neustrelitz, 1. September 1900. Medklrvdurg'Strelihsche . HMthkkriibmk. b?” Versteigerung. «■* «•«i.ero. Di-ndlag »en 4. September »«. 3#., f„r,^icn6to° mor8en °°rft°ia°r°"iZ"NV °"d^ier gegen —_____«b-tMan H-nbo« I. "Vfe.,, LS»ee Leute 1 anderen Wagen, 1 Pianino, 1 Partie ?on J6 b‘8 -1® Jahren finden Arbeit in Schuhwaren, 2 Hobelbänke, 1 Näh- °er rrampenfabnk von 5887 maschine und diverse Möbel. I___Kauffmanu & Eie. ~ °°7' Eine tücht. Verkäuferin Mittwoch de« 5. Kkptember d. A, auf einige Monate sucht 03620 . nachmittags 8 Uhr, ----e* WeimerSheim Stachst. werden int Bieker'schen Saale versteigert: (ytnt9® ordentliche Mädchen nach hier I. Mehrere Sofas, Kommoden, Kleider»' ttnd Darmstadt ner ir (Sonfh* schranke, Tische, 1 Ausziehtisch, 1 Schreibtisch, 1 Bücherregal, 1 Linoleumbelag, 1 Aquarium, 1 Bauerntischchen, 1 Regu« lator, 1 Vertikow, 1 Waschtisch, 1 vollständiges Bett, 1 Nähmaschine, 1 Hobelbank, 1 Faß Sprit, 1 Damenfahrrad, 2 Faß Wem, 1 Ladenschrank, 2 Zugpferde, 2 Schweine u. a. m. — II. 1 Regal mit 14 Gefachen, 1 Partie Notizbücher, Federhalter, 12 Dutzend Bunt- und Bleistifte, 21 Pack Griffel, 4 Bilder, 1 silberne! Eylinderuhr mit goldener Kette. fiimmtS3#tafitiflen,n6 U"‘er Pnie‘ 6e1 SprechstundenI 5839 R ed8l,r. G-rich.s°°ll,jeher. 9 bis 12 Uhr vorn., u. 4 big 9 Uhr abb8. ~ ---———-------- -----Eintritt 1 Mk. 03628 Uobilllir-Nerstklgttung.^.Z"»»-"« b°°u°e-, Mittwoch den 5. föeptbr., v ig z st 3ii8i|IMo ratleifti. 1 Bett, 1 altes Sofa, 1 Tisch, Nachrichten über Verbleib mehrere Stühle, 1 Küchenschrank, nimmt die Expedition dieses Haus- und Küchengeräte, Kleider "" “ ~ Brief Srid Brief ®e(b 20 Frankm-St. 16.30 16.26 Franz. Banknoten 81J6 Engl. Sovereigns 20.43 20.39 Oesterr. bto 84.50 Dollars in ®ofi> 4.20 4.17 Americ. 4-177« Darmst. Bk.-Actien Elöendeorrrfer 000 00 | Oesterr. Tredit-Actiev 000 00