SamStagden 4 August Zweites Blatt iooe Gießener Anzeiger monatlich 75 W W mit Brittgerlobn; General-Anzeiger Stints* und Anzeigeblutt für den "Kreis Gieszen durch dir Abholksttll«» vierleltährl. Mk. 1,91 monatlich 65 Pf-. Bei Postbezug Mk. 2,40 virrleljätzsL mit vtstcügkld Krczngsprels Bkrtcliiibrl. Mk. 2M Ä6r Ln-eigen*vermtttlung«stellen M In- und Au-laadsA nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tatgrgm. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieß«. Fernsprecher Str. 5L Lnnah«« W» Anzeigen zu der »nchmtttagS fflr We Seg «scheinenden Stummer Ul wrm. w Ihr. IttiMwin» sPiteftenS ateebt »mcher RMte, Ar^diN.« und Drucker«. Nr. 7. Schon wieder ein Attentat meldet ein heute früh eingegangenes, allerdings wenig glaubhaft klingendes Telegramm: London, 2. August. „Daily Chronicle" zufolge ist gestern ein Attentat gegen den König von Serbien verübt worden durch ein Individuum, das einen Revolverschuß auf den König abfeuerte, als dieser per Wagen durch die Stadt fuhr. Der König wurde nicht getroffe-r, der Attentäter sofort verhaftet. Eine Bestätigung der Meldung fehlt noch. __BL. . -'LS1BL-!--tue--UM .!■!■!< ---------- Gratisdeitazr«: Gießener Zamilunblüttcr, Der hessische Landwirt, Mittler für hessische DolLsiwndr. Nach d>em Attentat hat der Schah seinen Ausflug nach Sevres und Versailles in guter Stimmung ausgeführt und kehrte 4 Uhr 30 Min. nach Paris zurück. Alsbald stattete ihm Präsident Loubet einen Besuch ab. Die Zusammenkunft, die sehr herzlich war, dauerte fünf Minuten. — Einige Personen bekundeten auf dem Polizeikommissariat, sie hätten eine Person, von der sie eine Beschreibung gaben, mit dem Vcrüber des Mordansalls sprechen und im Augenblick der Ausführung des Verbrechens stehen sehen. Der Untersuchungsrichter Valles wurde mit der Untersuchung betraut. Der Verbrecher wurde auf dem Polizeibureau photographiert. Da er gefesselt war, konnte er keinen Widerstand leisten. Er senkte beständig den Kopf. Valles versuchte vergebens, ihn zu vernehmen. Der Untersuchungsrichter glaubt nicht, daß der Verhaftete einen ausländischen, sondern vielmehr, daß er einen baskischen Accent habe. Er ist 1,71 Meter groß und hat braune Augen, hellblonden Schnurrbart, dunkle Gesichtsfarbe. Der Untersuchungsrichter vernahm etwa 15 Personen, welche Zeugen oes Attentats waren, und wird heute abend den Mörder nach dem Gefängnis de la Santee überführen lassen. E_J!!"L!AJAki König Viktor Emanuel III. und die vächfteu Aufgaben seiner Regierung. „Der neue König von Italien, Viktor Emanuel III., ist ein noch, unbeschriebenes Blatt" — diese gebräuchliche, wenn auch wenig gesch^rnackvolle Phrase kehrt in fast allen Leitartikeln wieder, in denen die deutsche Presse firit mit dem Nack)folger des so grausam dahingcmordeten Königs Humbert beschäftigt. Doch sonderbar! In denselben Artikeln, deren Stichwort iobige Phrase bildet, kommt zum Schlüsse meist schon eine völlig fertige, natürlich „wohlbegründete" Charakteristik des neuen Herrschers zum Vorschein, die „nur aus. bester Quelle geschöpft" ist, aber dennoch verzweifelt an jene leichtfertigen psychologischen Sttzzen erinnert, wie sie zu vielen hunderten in den Feuilletonspalten unserer Tagesblätter sich finden, wenn es gilt, einen Tenoristen oder dramatischen Stern zu analysieren. Lassen wir diese nach Sensationshascherei riechenden Charakterisierungsversuche beiseite und halten uns bei dem, was allgemein bekannt ist, so besitzt Viktor Emanuel allerdings weder die gewinnenden Eigenschaften seines Großvaters, noch die imponierenden seines Vaters. Von Statur eher klein als untersetzt, tritt er hinter den Herrschern anderer Staaten persönlich sehr zurück, und hieraus ergiebt sich auch wohl eine gewisse Zurückhaltung in seinem Auftreten. In früheren Jahren war der Prinz sehr schwächlich, doch hat sich seine Gesundheit in der letzten Zeit erfreulicherweise sehr gekräftigt, da Viktor Emanuel sich mit aller Ausdauer einer Abhärtungskur unterzogen hat. So konnte er denn auch die gewiß nicht geringen Strapazen des Militärdienstes aushalten, und in Offizierkreisen gilt der jetzige Träger der italienischen Krone allgemein als tüd)p tiger Offizier. Es wird sich jetzt erst zu erweisen haben, welche Bahnen der neue König einzuschlagen gewillt ist (bergt Tagesschau), und wir zweifeln nicht daran, daß ihm eher die energische Art des Generals und bisherigen Ministerpräsidenten Pel- loux zusagt, als die Jongleurkunststückchen der verschiedenen Parteigrößen. Denn das Hauptübel, an dem Italien zurzeit leidet, ist der Mißbrauch des parlamentarischen Systems. Minister, die noch soeben eine Mehrheit von 100 Stimmen hinter sich halten, sehen plötzlich, die Reihen ihrer Getreuen dahinschwinden wie Märzenschuee vor der Sonne. Und warum? Nicht etwa, weil der Minister seinem Parteigrundprogramm untreu geworden ist, sondern weil einige Ehrgeizige selbst Gelüst nach einem wohlbesoldeten Portefeuille haben, oder weil der eine [ober andere Tribun sich zurückgesetzt ober zu wenig „belohnt" für seine Dienste glaubt. Solange ber Ministerwechsel nach Pariser Muster anhält unb mit ihm diesteteZersetzung, UmbilbungunbNeu bilb- ung ber Parteien, solange kann Italien nicht gesunden unb erst recht nicht die großen Aufgaben lösen, bie schon Jahrzehnte hinburch immer zurückgestellt worben sinb. SohatbiesozialeGesetzgebung kaum bie ersten Schritte gethan, unb welches Elend in weiten Provinzen bes von ber Natur so reich gesegneten Lanbes herrscht, bas zeigte sich erschreckend beutlich während bet Nr. $80 ftfAthrt U|fi4 mit InAeafrmt deck Weirtefi. Dk Ok-H—er meiWn dem »»zckgrr ta «chchAt Mit .Heff. tabmfat* a. „Witter flbr H- Beßttanbc* W-chL.4«! Wigtlezt. Dr. Morrison, ber Berichterstatter ber „Times" in Peking, ber bereits für tot galt, hat seinem Blatte einen längeren Brief aus Peking vom 21. Juli zugesandt. Darin heißt es u. a.: Die Feinbseligkeiten fyaben fett bem 18. Juli aufgehört, aber bie chinesischen Solbaten fahren fort, ihre Stellungen um ben belagerten Stabtteil zu befestigen. Das Gros ber kaiserlichen Truppen ist ben internationalen! Hilfstruppen entgegengerückt. Die Lage ber Belagerten verbessert sich fortwährenb. Die neuesten Depeschen aus Peking zeigen mit unfehlbarer Sicherheit, welchen schweren Fehler man begehen Würbe — unb teilweise begangen hat — wenn, man glauben revolutionären Putsck)e im Jahre 1898, wo bie sozialen. Mißstänbe politische Umwälzungen von weittragender Be beutung herbcizuführen drohten. Nur dem unerschrockenen Vorgehen bes Generals Pelloux war es zu danken, daß damals nicht die ganze Lombardei das Banner der Re> publik aufpflanzte. Und selbst in dieser kritischen Lage zeigten sich die verantwortlickien Leiter der Politik nicht einmal der Bedeutung des Augenblicks gewachsen; denn statt sich einmütig um den König und die bedrohte Mo narchie zu scharen, befehdeten sich Criöpi und Rudini ans das Erbittertste und dem Beispiele dieser beiden alten Gegner folgten die bii minorum gentium bis hinab zu den bescheidenen Dorspolitikern. Selbst nach außen hin vergaßen diese Herren nur zu oft, die Größe und den Ruhm ihres Vaterlandes zu wahren. Der Streit um Erythräa artete in ein häßliches Gezanke und schließlich in eine kleinliche Feilscheret um eine Million Lire mehr oder weniger aus; ja, ein Teil der Volksvertretung stimmte sogar für sofortige Räumung aller afrikanischen Kolonien. Hier muß daher König Viktor Emanuel zuerst Hand anlegen, wenn er sein Reich neu ansbauenl und seine Verwaltung verjüngen will. Die Berufspolitiker und mit ihnen d!as Volk haben vergessen, daß der 3toC(f des Staates die Förderung des gemeinsamen Wohles ist; statt dessen kämpft jeder für seine eigenen Interessen und geht sofort zur Opposition über, wenn nicht sein Wille geschieht. Der neue König muß den selbstsüchtigen Politikern mit derselben Festigkeit und derselben Strenge zu rufen, daß sie einzig und allein dem Staate zu dienen haben, wie dies einst Brandenburgs großer Zkurfürst seinen trotzigen Ständen gegenüber that. Erst dann wird Italien die Bahn zu neuem Fortschritt auf allen Gebieten betreten können. ■_________________________________________ Die Wirren in China. Amtlich ist bis jetzt die Nachricht, daß der Vormarsch auf Peking bereits begonnen habe, nicht bestätigt. Es scheint jedoch!, daß die- Russen und Japaner schon am vorigen Samstag ihre Spitzen den Peiho entlang auf Peitsang und Sjangtsuu vorgeschoben haben, und der japanische General Fukuschima soll erklärt haben, er hoffe binnen drei Tagen Yangtsun, etwa 9 Kilometer nordwestlich von Tientsin, wo größere chinesische Truppenmassen — etwa 15 000 Mann — gemeldet waren, besetzen zu können. Auch wurde den Japanern die Absicht zugeschrieben, ohne Unterstützung durch die übrigen Mächte abzuwarten, in Eilmärschen auf Peking vorzugehen und die Welt mit der Nachricht zu überraschen, daß sie die chinesische Armee vernichtet hätten. Inzwischen wird dem „New York Herald" aus Tientsin gemeldet, die japanische Avantgarde sei geschlagen und habe 150 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Die Russen, so sagt dieselbe Meldung, sollen in der Richtung auf Peking belegene, 16 Kilometer von Tientsin liegende Forts genommen haben. Die 10 000 Mann starke chinesische Besatzung habe die Flucht ergriffen. Diese beiden Meldungen des amerikanischen Blattes stehen zu einander in Widerspruch, denn wenn die Russen schon weit über Vangtsun hinaus Erfolge erfochten haben, so können die Japaner nicht wohlUn! ihrem Rücken geschllagen worden sein, man müßte denn annehmen, daß sich jenes Gerücht bestätigte und die Japaner-auf eigene Faust vorgegangen, den Russen vorausgeeilt wären, und daß dabei ihre Avantgarde eine Schlappe erlitten hätte. Das wäre dann der erste Beweis, wie mißlich diese Kriegführung ohne einheitliches Kommando ist und würde auf die Lage der Fremden in Peking vielleicht nachteilig zurückwirken. — Wie ber „Stanbarb" aus Tientsin vom 22. Juli berichtet, geht aus Schriftstücken, bie man im Mmen bes Vizekönigs $uhi gefunben hat, hervor, baß ber Vizekönig von Tschili den Boxern in jeder Weise Unterstützung zuteil werden ließ. Dasselbe Blatt meldet aus Shanghai vom 22. Juli, Li- Hung-Tschang habe abermals leine'Denkschrift an den Thron gerichtet, worin er erklärt, seine Bemühungen, den Frieden wieder herzustellen, seien fruchtlos, solange die Regierung nicht ernstlich anfange, die Boxer zu unterdrücken. Reuter meldet aus Shanghai, Admiral Seymour sei am 1. August auf dem englischen Kriegsschiff Alacrity in See gegangen, um sich mit Dem Vizekönig Liukunyi in Nanking zu beraten. Wie verlautet, sind in Schensi 50 Missionare ermordet worden. 'Ml IIUH—।III Attentat auf den Schah^von Persien. Kurz nach Redaktionsschluß, der gestern wegen des [Fugendfestes etwas früher als sonst erfolgte, traf mittags folgendes Telegramm ein, bas wir sofort durch Aushang bekannt gaben: Paris, 2. August. Ein Italiener versuchte heute vormittag den Schah von Persien zu erdolchen. Der Schah parierte den Stoß und blieb unverletzt. Der Attentäter ist verhaftet. Eine andere Meldung, die uns kurz nachher per Telephon zuging, lautet: . Paris, 2. August. Heute vormittag halb 10 Uhr, in dem Augenblick, als ber Schuh von Persien bas Hotel des Souverains in per Avenue bu Bois be Boulogne verließ, um einen Wagen zu besteigen, ber ihn nach ber Almabrücke bringen sollte, von wo er sich zu Schiff nach Sevres begeben wollte, stürzte sich ein Italiener, ber am Thorgitter gelehnt hatte, auf ben Schuh unb wollte einen [Dolchstich gegen ihn ausführen. Mit einer bewundcrungs- würdigen Kaltblütigkeit aber erfaßte ber Schah seinen Angreifer an ber Kehle, zog einen Revolver aus ber Tasche lunb hielt ihn dem Manne so lange vor bie Stirne, bis er dingfest gemacht (var. Die ausführlichen Melbungen über ben Zwischen- f a l l, bie heute früh vorliegen, gehen sehr auseinanber. Einem Augenzeugen zufolge erfolgte bas Attentat unter fvlgenben Umstänben. Kaum hatte ber Zweispänner, ber den Schuh nach per Almabrücke bringen sollte, bas Hofthor überschritten unb bie Avenue Malakoff eingeschlagen, als vor Nummer 10 dieser Straße sich ein junger Bursche auf das Trittbrett des Wagens schwang unb entgegen ber ersten Lesart mit einem Revolv e r auf den Schah zielte. Der Großvezier, welcher den Schuh begleitete, faßte sofort den Angreifer am Handgelenk, und zwar so rasch, daß ber Revolver bem Attentäter aus ber Hand fiel. Er wurde später im Wagen gefunden. Ein Polizist, der den Wagen uuf dem Fahrrad begleitete, nahm den Kerl fest, andere Polizisten kamen hinzu und führten ihn einstweilen in die Pförtnerloge des Hotels des Souverains. Der Schuh war über den Vorgang sichtlich nicht besonders aufgeregt; er befahl seinem Zttttscher, die Fahrt fortzusetzen,, und schiffte sich an der Almabrücke programmgemäß mit seinem Gefolge nach Sevres ein. Im Augenblick seiner Verhaftung (rief der Attentäter aus: Vivent les enfayts du peuple! Auf die Fragen des Polizeileutnants verweigerte der Bursch? zunächst die Antwort, später sagte er: Ich habe gethan, was Mir zu thun gefallen hat. Er spricht sehr gut französisch, aber mit einem südlichen Accent, sodaß man annimmt, baßer, wenn nicht Italiener, so dochSüdfranzpse ist. Man fand Lei ihm einen Dolch und ein Taschentuch mit einer Matrikelnummer des 128. Infanterie-Regiments. Papiere hatte er nicht bei sich Als er nach dem Polizei- K-mmissariate gebracht wurde, rief die Menge: Nieder mit dem Italiener! Tod dem Italiener! Unterwegs machte der Bursche vergebliche Anstrengungen, sich seiner Fesseln zu entledigen. Eine andere Lesart lautet: Der Zwischenfall, der nachmittags den SchahvonP ersien betroffen hat, spielte sich sehr rasch ab. Der Schah hatte, begleitet von dem Großvezier und dem General Parent, zu Wagen den Palast der Souveräne verlassen, als an ber Ecke ber Avenue Malakoff ber Verbrecher, ber sich zwischen zwei Automobilsahrzeugen verborgen hatte, hervorstürzte, bett radfahrenben Polizisten, ber eben bem Wagen des Schahs nachfahren wollte, zu Boden warf unb zwei bis breimal einen Revolver gegen ben Wagen des Schahs richtete. Gerade als er die Linke auf den Wagenrand stützte, schlug ihm ein Offizier mit der flachen Säbelklinge die Schußwaffe zur Seite, während sich der Polizeibeamte auf den Mann warf und ihn fest umklammert hielt. Der Wagen des Schahs, der einen kurzen Aufenthalt erlitten hatte, setzte wenige Augenblicke danach die Fahrt fort. Der Verbrecher, der 27—28 Jahre alt zu sein scheint, soll bei der Festnahme zu den Polizisten gesagt haben: „Euer Herr wird gut thun, zu demissionieren, wir werden ihn kriegen". Er trug eine weite, bauschige Sammethose nach Art der Zimmerleute, wollenen Tricot, eine Tuchmütze und hatte einen Weißdornstock. Auch ein Messer wurde bei ihm gefunden. An Geld hatte er 2 Frcs. Er spricht mit stark südlichem Accent, aber man glaubt nicht, daß er ein Italiener ist. Der Verhaftete wird scharf bewacht. Er verweigert bis jetzt jede Auskunft über seine Identität. Kurz vor der Ausfahrt erhielt der Schah einen aus Neapel datierten und in Paris zur Post gegebenen Brief, der mit einem anscheinend auf „i" endigenden Namen unterzeichnet war «ttd den Schah benachrichtigte, daß ein Mord an schla g ttuf ihn stattfinden werde. Der Schah legte dem Bericht reine Bedeutung bei, sondern begnügte sich damit, ihn -vem Polizeikommissar zu übergeben. wollte, von den Chinesen durch gütliches Verhandeln etwas erlangen zu können. Diese. Söhne des Himmels sind keinen andern Gefühlen zugänglich- als denen der Furcht und es bedurfte der blutigen Nieder!ag e von Tientsin, um sie zum Nachdenken zu bringen. Solange die Machthaber in Peking in ihrer kindlichen Unkenntnis europäischer Machtmittel noch der Ansicht sein konnten, daß es den chinesischen Truppen gelingen werde, den europäischen Angriff zurückzuweisen, solange forderten kaiserliche Erlasse zur Ausrottung der Christen auf, und solange wurden die Gesandtschaften mit allen Mitteln unter voller Beteiligung des chinesischen Militärs angegriffen. Erst als der Schlag von Tientsin erfolgte, kam plötzlich ein neuer Erlaß, der die Schonung der Gesandten anbefiehlt, und gleichzeitig wurden auch die Angriffe auf die Europäer in Peking eingestellt, ja, es scheint sogar, daß man eine gewisse Verproviantierung ^gestattete. Sehr bezeichnend ist auch die von verschiedenen Briefschreibern gemachte Bemerkung, daß die Nachricht, die Verbündeten marschierten auf Peking, Mitte Juli plötzlich für die Gesandtschaften einen Wandel zum Bessern hervorrief.- die Angriffe hörten auf, und nachdem noch kurz zuvor ein kaiserlicher Erlaß die Boxer belobt hatte, befahl jetzt ein neuer Erlaß, die Fr e m - den zu schützen. Auch das ist ein Wink, der die Hoffnung aufs neue belebt, daß die Rettung der Belagerten gelingen wird; wenn schon, damals der Sieg der Verbündeten in Tientsin und Hie falsche Nachricht von ihrem Vormarsch auf die Hauptstadt den Machthabern in Peking eine solche Angst einflößte, so,ist das ein Zeichen, daß ihre Energie und ihre Mordlust «erlahmt sind, und daß die Verbündeten, die jetzt den Vormarsch thatsächlich angetreten haben, kaum noch ernsten Widerstand zu erwarten haben, falls die ersten Schläge, die sie auszuteilen haben, kräftig und entscheidend sind. — , • ♦ * Der „Petersburger Regierungsbote" schreibt: Die Nachrichten über den Gang der Ereignisse in China beweisen vollkommen die Machtlosigkeit der Pekinger Regierung gegenüber der rebellischen Bewegung einiger Reichsprovinzen und die Schwierigkeit der Herstellung der Ordnung. Diese Lage hat den Bogdochan, den einzigen legalen Herrscher in China bewogen, Kaiser Nikolaus II. um seine Vermittlung zu bitten. Das vom 3. Juli datierte Telegramm des Kaisers Kuangsü an den Kaiser von Rußland schreibt alle Unordnung böswilligen Agitationen und dem Haß gegen die Christen zu. Als die Meuterei aus- brach, war es sür die Regierung zu spät, Repressivmaß^ regeln zu ergreifen. Die allgemeine Volksaufregung war für ein energisches Einschreiten bereits zu groß, es war sowohl für die Gesandtschaften als auch für die Europäer in den Freihäfen Gefahr im Verzüge, und der Aufruhr war allgemein geworden. Tie europäischen Regierungen glaubten, hierin ein Gewährenlassen der Rebellion seitens der Regierung des Bogdochan sehen zu müssen, weshalb Europa gegen China rüstete. Der Kaiser Kuangsü bittet deshalb unter Berufung auf die zweihundertjährige Freundschaft Rußlands und Chinas den Kaiser Nikolaus II., ihm Maßregeln zur Rettung Chinas anzugeben und gleichzeitig die Initiative zur richtigen Anwendung solcher Maßregeln zu ergreifen. Am 3. Juli wurde durch Vermittlung der chinesischen Gesandtschaft das Telegramm folgendermaßen beantwortet: Der Kaiser von Rußland sieht mit Bedauern die Ereignisse im himmlischen Reiche wegen ihrer schweren Folgen. Die vollkommene Unkenntnis über die Lage in Peking, die Abwesenheit von Nachrichten über das Schicksal der kaiserlichen und der anderen Gesandtschaften sowie der russischen und anderen europäischen Unterthanen erschweren jede Vermittelung zu Gunsten Chinas. Die Bestrebungen Rußlands sind auf ein Ziel gerichtet: auf die Mitwirkung zur Herstellung der Ordnung und Ruhe im chinesischen Reiche. Die russische Regierung, die sich« durch stete Freundschaft zu China leiten läßt, wünscht, daß China die ihm drohende Gefahr und die Verwickelungen abwende, und in dieser Hinsicht ist Rußland stets bereit, zur Unterdrückung der ausgebreiteten Bewegung jede Hilfe der legalen chinesischen Regierung angedeihen zu lassen. Der Kaiser hofft, der Bogdochan werde in dem vollen Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit als oberster Chef der Gewalt die energischsten Maßregeln zur Herstellung der Ruhe in seinem Reiche und zur Sicherung des Lebens und des Eigentums nicht nur der russischen, sondern auch: der europäischen in China lebenden Unterthanen ergreisen. (Die russische Regierung, die noch bis in die neueste Zeit an dem Glauben festgehalten zu haben scheint, die Regierung in Peking sei machtlos und im übrigen gewillt, die Boxer zu unterdrücken, wird wohl durch die letzten Botschaften aus Peking eines bessern belehrt worden sein.) * Reuters Bureau meldet: In den Boguesorts bei Kanton sind die Chinesen mit Schießübungen beschäftigt. — Die Behörden in Kanton stellen Rekruten zu einem Monatslohn von 9 Dollars ein, dem doppelten Betrag der bisherigen Löhnung. Ein Tagesbefehl bedroht die Offiziere mit Strafe, die sich einen Teil der Löhnung der Truppen aneignen, wie es bisher im chinesischen Heere üblich war. Rußland «ud die Mandschurei. Unter den aus Petersburg eingetroffeneu Meldungen befand sich auch eine, wonach General Rennenkampf das chinesische Fort Moche am Amur besetzt hat. Bei Moche befinden sich Goldgruben, deren ziemlich reiche Ausbeute nach Zizikar und von dort meist nach China gebracht wird. Ferner wurden die Chinesen in demselben Landstrich von den Goldgruben am Shetugaflusse vertrieben, der am Chingan entspringt und sich in den kleinen Albasicha, einen bei Albasin mündenden südlichen Nebenfluß des Amur, ergießt. Diese letzteren Gruben sind seit 1883 in regelrechtem Betriebe und sehr ergiebig. Seit 1888 werden sie durch eine Aktiengesellschaft betrieben, die eine hohe Dividende verteilen soll; der Ertrag geht zum Teil an die chinesische Regierung, die ihn zur Besoldung der Truppen verwendet. — Eine aus Niutschwang in Tokio eingetroffene Meldung bestätigt, daß am 26. ds. die Russen das chinesische Lager angriffen und ein etwa zweistündiger Kampf folgte, und fügt hinzu, daß die Lage in Niutschwang gefährlich sei. An demselben Tage wurden 4000 Russen von 7000 Chinesen bei Taschikiong angegriffen, woraus den ganzen Tag über gekämpft wurde. Der Oberingenieur Jugowitsch teilte am 23. Juli der russischen Bevölkerung CHarb ins, wo er gegenwärtig den Befehl führt, mit, da die Chinesen baldige kriegerische Operationen von Zizikar aus in Aussicht stellten, sollten sich alle Frauen, Weiber und waffenlose Männer auf Dampfern den Ssungari abwärts nach der Grenze der Küftenprovinz begeben, dagegen sollen die Beamten, Techniker und Telegraphisten bleiben, um den Eisenbahn- und Dampferverkehr auftecht zu erhalten. Es sollen nach einer russischen Blättermeldung gegenwärtig 20 Dampfer mit über 9000 Pferdekräften dem Verkehr aus dem Amur und dessen Nebenflüssen dienen. Im Frühjahr wurde vom BerkehrSministerium in Blagowieschtschensk zum Bau von sechs hölzernen flachgehenden Dampfern geschritten, die für den Verkehr auf dem Argun bestimmt waren. Durch die andauernde Beschießung von Blagowieschtschensk dürften wahrscheinlich die Werften und die im Bau befindlichen Dampfer beschädigt sein. Durch die kriegerischen Ereignisse sind ferner große Scharen von Uebersiedlern, die nach dem Ussuri'Gebiet wollten, unterwegs auf unbestimmte Zeit ausgehalten worden. In Kansk und Tulun haben sich deren mehr als je 1000 Personen angesammelt. Sie werden von der Krone verpflegt und sollen zum Teil nach Irkutsk geführt werden. — Ein Telegramm des Generals Grodekow aus Chabarowsk meldet die Einnahme der chinesischen Grenzfestung Hunschun (wahrscheinlich am Amur) durch die Russen am 30. Juli, mit einem Verlust von 2 Offizieren und 6 Mann tot. Die Einnahme dieser Festung soll von einer gewissen Bedeutung für den Gang der militärischen Operationen in der Mandschurei sein. • * • Telegramme des Gießener Anzeigers. Berlin, 3. August. Gestern nachmittag 5 Uhr sind die beiden Lloyddampfer „Rhein" und „Adria" mit ungefähr 2700 Mann an Bord nach China in See gegangen. London, 3. August. „Daily Expreß" meldet, 10,000 christliche Chinesen seien in der Nähe von Peking ermordet worden. Die chinesische Kavallerie gehe zu den Boxern über. Loudon, 3. August. Der britische Gesandte in Peking, Sir Macdonald gab in seiner letzten Botschaft der Befürchtung Ausdruck, daß der am 18. Juli abgeschlossene Waffenstillstand von Seiten der Chinesen, denen offenbar die Munition ausgegangen war, nur eine List gewesen sei, um Zeit zu neuen Rüstungen zu gewinnen. London, 3. August. Aus Tschisu wird gemeldet, der russische Gouverneur hat fein Haupt-Quartier in Hankau, in der Nähe von Niutschwang, ausgeschlagen. Die Stadt wird von 5000 Chinesen belagert. Sämtliche Dörfer an der Eisenbahnlinie auf eine Entfernung von 10 Meilen von der Stadt wurden zerstört. Zahlreiche Eingeborene sind getötet worden. Eine Schlacht, die 24 Stunden Dauerte, fand bei Takhe-Achao statt. Die Ruffen, 2000 Mann stark, griffen die Chinesen, die 3000 Mann stark waren, an. 500 Chinesen wurden getötet. Die Chinesen leiteten alsdann Unterhandlungen zur friedlichen Besetzung Nintschwangs ein. Loudon, 3. August. „Daily News" berichten aus Tientsin, die Japaner rücken am rechten User des Peiho- flusses, die übrigen Truppen aus dem linken User gegen Peking vor. London, 3. August. Daily Mail meldet aus Tientsin: Die Ausständischen errichten Barrikaden um die Gesandtschafts Gebäude in Peking und stellen Artillerie aus den Mauern der Kaiserstadt, die die Gesandtschastsgebäude überragt. Der russische General Schevanoff berichtet, 50 000 chinesische Soldaten befänden sich zwischen Tientsin und Peking. London, 3. August. Eine Meldung aus Shanghai besagt, die Armee Tungsuhsiangs, unterstützt von Boxern sei bei Tetschuan mit Truppen IuanschikaiS in einen Kampf geraten. Der Ausgang der Schlacht ist noch unbekannt. London, 3. August. „Daily Expreß" meldet aus Shanghai: Acht englische Missionare wurden von der Volksmenge in Tschi-Tschan enthauptet. Gerüchtweise verlautet, die Franzosen hätten Menatza in der Provinz Huenan besetzt. Die chinesische Kavallerie meuterte gegen ihre Führer und machte gemeinsame Sache mit den Boxern. Ein japanisches Torpedoboot ist in Wei-hai-wei aus Grund geraten. Der Krieg in Südafrika. London, 2. Aug. Mit außerordentlicher Spannung sieht man hier in politischen wie in militärischen Kreisen der weitern Entwicklung der Dinge auf dem südafrikanischen Kriegsschauplätze entgegen. Die Lage ist augenblicklich, gelinde gesagt, etwas verworren. Der Vorstoß, der vor wenigen Tagen gemacht wurde, um Botha zu sangen, ist anscheinend, jedenfalls was diesen Hauptzweck anbelangt, gescheitert. Die Transvaaler sind wiederum mit Geschütz und Gepäck den andrängenden Engländern entronnen. General French und andere Truppen stehen in Middelburg, aber Jan Hamilton ist von diesem Teil des Kriegsschauplatzes zurückgekehrt und vor ein paar Tagen durch Pretoria durchmarschiert. Ob er in der Nähe der Stadt stehen geblieben oder weiter nach Westen marschiert ist, bleibt einstweilen unaufgeklärt, und es bleibt jedermann unbenommen, sich seine eigene Erklärung über diesen Zug zurechtzumachen. Hier glaubt man vielfach, Jan Hamilton eile tzum Entsatz Baden-Powells heran und werde mit Lord Methuen die Bedränger des schneidigen Verteidigers von Mafeking abzufangen suchen. Mittlerweile hören wir aus Pretoria, daß Frau Botha vorgestern abend Tischgast bei Lord Roberts in Pretoria war. Frau Botha ist eine g/anze oder halbe Irländerin und außerdem eine sehr einflußreiche Frau, mit ber schon vor mehreren Wochen verhandelt worden ist. Was ihren Gemahl, den heutigen Oberbefehlshaber anbelangt, so meldet der Berichterstatter des „Daily Telegraph" am vorigen Samstag aus Middelburg, zwei Tage vorher habe Botha int dortigen Transvaal-Hotel sein (Quartier gehabt und sei Tags darauf, also am letzten Freitag, abgezogen. Reuters Berichte melden wieder von großem Kriegsüberdruß der Buren und versichern, Bothas Truppen würden zum Teil nur mehr durch jöie ungeheuerlichsten Lügen über neuere Siege der Buren zusammengehalten und Botha werde die Waffen niederlegen, ohne lange zu zaudern, sobald de Wet in dieser Richtung den ersten Schritt thue. lieber Krügers Mißliebigkeit weiß derselbe Gewährsmann zu berichten: Besonders das neue Papiergeld, über dessen Wert und Sicherheit Krüger große Beteuerungen gemacht, die sich bald genug als unbegründet herausgestellt hatten, soll ihm viele Feinde gemacht haben. Ein Farmer zeigte dem Berichterstatter einen Stoß von 1500 L. solcher Noten, sein ganzes Geld, und brach in Thräuen aus, als er hörte, daß sie wertlos seien. Die Döpper in Pietersburg solleu des Krieges so überdrüssig sein, daß sie sich nicht nur von Krüger abgewandt, sondern sich von ihrer Sekte ganz losgesagt, ihre besondere Tracht aufgegeben haben und die Schnurrbärte wachsen lassen. Inzwischen zieht sich aber der Krieg noch immer weiter hin, weil augenscheinlich, die einflußreichern Persönlichkeiten sich noch immer nicht entschließen können, die Waffen zu strecken. — Aus Lourenco Marquez wird gemeldet: Die Buren haben Machadadorp geräumt. Die telegraphische Verbindung zwischen Lydenburg und Nelspruit ist von den Buren fertiggestellt worden. Wie dem „Daily Telegraph" aus K a p st a d t gemeldet wird, wurden in Pretoria wichtige, aus England stammende Sch ri ft stü ck e vorgefunden, durch die gewisse Parlamentsmitglieder und andere Politiker, die mit ihren Gesinnungen auf Seiten der Buren stehen, be- l ast et erscheinen. Deutsches Reich. Berlin, 2. August. Der Kaiser hörte gester. an Bord der „Hohenzollern" in Bremerhaven die Vorträge des Staatssekretärs Grafen Bülow, des Lloyddirektors Dr. Wiegand nub des aus China zurückgekehrten Oberstleutnants Dürr und empfing den kommandierenden General des ostasiatischen Expeditionskorps Generalleutnant v. L e s s e l. Heute hörte der Kaiser die Vorträge Hahnkes, Bülows und v. Senden-BibranS. — Zur gestrigen Abendtafel beim Kaiserpaar war, wie aus Bremerhaven gemeldet wird, der Generaldirektor des Norddeutschen Lloyd, Dr. Wiegand, zu der heutigen ist der Generalleutnant von Lessel geladen. — AuS Bremerhaven wird gemeldet: Die Aufstellung der Truppen unterblieb, weil am Nachmittag ein heftiges Ungewitter mit starkem Regenguß niederging. Der Kaiser kam um 4 Uhr an Land und besichtigte mit der Kaiserin eingehend die Schiffe „Rhein" und „Adria". Die Kaiserin ließ sechs aus ihrem Regiment mitgehende Leute vortreten und schenkte jedem ein Bild des Kaisers und eine wollene Leibbinde. Eine Ansprache erfolgte nicht. — Der Besuch des Kaisers in Bielefeld ist vom Sonntag auf Montag, 6. August, verschoben worden. — Wie wir zuverlässig hören, ist eS sehr fraglich, ob gerade Prinz Heinrich als Vertreter deS Kaisers zu den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Rom geht. Bestimmt kann nur mitgeteilt werden, daß der Kaiser selbst keinesfalls den Feierlichkeiten beiwohnen wird, sondern daß ein Vertreter dazu bestimmt werden wird. ©8 ist übrigens nicht ausgeschloffen, daß Gras Bülow, der ja bekanntlich in Rom Botschafter war, als Vertreter des Kaisers nach Rom gesandt werden wird. — Der Erste Lord der englischen Admiralität, Goschen, hat folgendes Telegramm von Kaiser Wilhelm erhalten: „Im Namen meiner Flotte bitte Ich Sie, den Ausdruck unserer Teilnahme beim Tod des Herzogs von Koburg anzunehmen. Die hervorragenden Eigenschaften, welche er in seiner glänzenden Laufbahn als Herzog von Edinburg in Ihrer britannischen Majestät Flotte entwickelt hat, hat ihn bei den Seeleuten beider Nationen volkstümlich gemacht. gez. Wilhelm, I. R., Admiral ob tho Fleet*. Goschens Antwort lautete: „Im Namen der britischen Flotte danke ich Eurer Majestät auf das aufrichügste für Euerer Majestät Teilnahme beim Tod Sr. Königlichen Hoheit des Admirals of the Fleet Herzogs von Koburg und für das beredte Zeugnis über seine Eigenschaften als Seeoffizier und über seine Volkstümlichkeit bei den Seeleuten beider Nationen, welches Euerer Majestät gnädige Drahtung übermittelt hat. gez. I. G. Goschen." Der Kaiser verläßt morgen abenv 11 Uhr Bremerhaven und geht mit Sonderzug nach Koburg. — Der Kaiser und die Kaiserin werden, früher als ursprünglich beabsichtigt, schon morgen auf Schloß Wilhelmshöhe eintreffen. Die kaiserlichen Kinder reisen schon heute dahin ab. — Der Kaiser sprach unmittelbar nach dem Bekannt- werden des Todes des Herzogs Alfred der Herzogin- Witwe Marie telegraphisch sein inniges Beileid aus. — Das „Marine-Vorordnungsblatt" veröffentlicht eine kaiserliche Ordre betr. die Trauer um den Herzog von Koburg. Darin heißt es: „In dem Entschlafenen verlor meine Marine einen treuen Freund und hohen Gönner voll wärmsten Jntereffes für die Entwickelung und den Ausblau der Flotte. Der Kaiser befiehlt, daß die^ Schiffe rn der Heimat bis nach der Beisetzung die Flagge Halbstocks lehren Dre Seeoffiziere legen bis zum 7. August Trauer um den lmken Unterarm an. An den Beisetzungsfeirrlichkeiten nehmen der Generalrnspekteur der Marine und eine Abordnung, bestehend aus emem Contreadmn-al und je einem Offizier der folgenden Dienstgrade, sowie je einem Deckoffizier, Unteroffizier und Gemeinen der beiden Marine-SrationSkommandos teck." Koburg, 2. August. Gestern nachmtttag um drei Uhr fand unter großer Beteiligung die feierliche Ueberführung der Lerche des Herzogs vom Kavalierhaus des Schlosses Rosenau nach Koburg statt. An der Spitze des Zuges marschierte das dritte Bataillon des 6. Thür. Jnf.-Regrs. 5to. 95A dessen Chef der Verstorbene gewesen ist. Dem Sarge folgte Waaen die gesamte herzogliche Familie. Gegen 5 uhr erreichte der Zug das Weichbild der Stadt, von toft wohnen. Meldungen S 6 ab au8 Greifswald ist in bet Irrenanstalt zu Itedcrmünbe verstorben. — In München verstarb nach dem Schwäbischen Merkur an den Folgen der Malaria Dr. Erich Nymann, ein schwedischer Naturforscher auS Upsala, nachdem er soeben nach einer dreijährigen Reise durch den malayischen Archipel und im holländischen Teile Neuguineas nach München zurückgekehrt war. Dem Privatdozenten in der medizinischen Fakultät zu Halle Dr. Grunert ist das Prädikat „Professor" beigclegt worden. Im August d.^J. werden an der Universität Cambridge Vorlesungen über die Entwicklung der Wissenschaften im 19. Jahrhundert gehalten, um den Zuhörern einen Einblick in das geistige Leben und einen Ueberblick über die Hauptströmungen dieses Zeitabschnittes zu geben. Aus Deutschland wird Prof. Dr. Rein in Jena drei Vorträge über „Die Entwickelung der Pädagogik auf deutschem Boden" halten. Der Privat dozent der Theologie Dr. Otto Seesemann in Leipzig erhielt einen Ruf nach Dorpat. — Der Physiker Prof. Boltzmann in Wien hat, entgegen einer früheren Meldung, den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Leipzig angenommen. Ansprache: Verehrte Festgenosien und insbesondere liebe Schüler I In festlichem Aufzuge und in freudiger Stimmung sind wir hier» I hergekommen, um das so beliebt gewordene Jugendfest zu feiern. I Ich will Euch, liebe Schüler, nicht durch eine längere Rede aup I halten, dies wäre heute nutzlose Mühe, aber einige Worte an Euch zu I richten, kann ich mir nicht versagen. Wir alle, besonders Eltern, Lehrer I und Freunde der Jugend wollen sehen, ob Ihr auch in der Freude und I bei dem Spiele Euch wiffet anständig und brav zu verhalten. Ihr sollt I heute an Eurem Freudentage zeigen, wie weit Ihr durch die seither an I Euch geübte Zucht gefördert seid in Gehorsam, Verträglichkeit und Zu- I vorkommenheil. Wir wollen uns gerne mit Euch freuen. Sorgt dafür, daß unsere Freude nicht getrübt wird! Aber, liebe Schüler, wenn die in echt vaterländischer* Gesinnung erzogene deutsche Jugend m solch stattlicher Zahl versammelt ist, um ihr 'Jugendfest zu feiern, da wird sie es auch gewiß nicht versäumen wollen, des deutschen Kaisers und des geliebten Landesfürsten besonders zu gedenken. Möge beiden eine recht lange und gesegnete Regierung zu teil werden. Möge unsere Liebe und Treue zu Kaiser und Reich, zu Fürst und Vaterland eine stets unwandelbare sein und bleiben 1 Und so wollen wir denn kurz alle Wünsche und Gefühle, welche unsere Herzen für sie durchziehen, ausklingen lasten in den Ruf: Seine Majestät Kaiser | Wilhelm II. und Se. König!. Hoheit Großherzog Ernst Ludwig, sollen leben hoch, abermals hoch und nochmals hoch 1 Nach Absingen von „Heil dir im Siegerkranz" und „Deutschland, Deutschland über alles" löste sich der Zug in musterhafter Ordnung aus, und die einzelnen Gruppen begaben sich alsbald an die ihnen zugeteilten Spielplätze, wo sich unter Aufsicht der Festordner bald ein fröhliches Treiben entwickelte, während die älteren Festteilnehmer in der Leibschen Wirtschaft und den ausgeschlagenen Wirtschaftshallen ihrer Festesstimmung Rechnung tragen konnten. Den Gipfelpunkt aber erreichte die Freude der Kleinen, als nach Beendigung des Turnens und der mannigfaltigen Spiele die Preisverteilung fiattfand. Da strahlte aus all den kleinen Gesichtchen jene jubelnde Zufriedenheit, wie sie eben nur dem kindlichen Gemüt geschenkt ist. Bereits um 7 Uhr scharte sich die Jugend wieder um die Fahnen, um sich zum Zug zu ordnen. Unter den munteren Weisen der ; Musik ginge dann wieder zurück zur Stadt, wo die Eltern 1 ihre zufriedenen Kleinen wieder in Empfang nahmen. Die Veranstalter und die Herren und Damen, welche in liebenswürdigster Weise das manchmal so undankbare Geschäft der Aufsicht über die Kinder übernommen hatten, mag für die gehabte Mühe das Bewußtsein entschädigen, so vielen bescheidenen Kinderherzen eine reine Freude bereitet zu haben, für die ihnen gewiß auch die Eltern Dank wissen werden. *• Dar Kr lsequartett giebt heute abend 8 Uhr sein viertes Symphonie-Konzert in Heuchelheim. Mit dem 8-Uhr-Zug der Bieberlhalbahn kommt man zum Beginn des Konzertes noch zurecht. Das letzte Konzert findet wegen Abreise des Cellisten schon am Montag statt. Homburg, 3. August. Die Grundsteinlegung für das Reichs-Limes-Museum auf der Saalburg, die am 11. August stattfinden sollte, ist wegen der Ermordung des Königs von Italien und wegen des Todes des Herzogs von Sachsen-Koburg-Gotha, Onkels des Kaisers, auf den Monat September verschoben. Gestern nachmittag traf Herr von Hülsen aus Wiesbaden ein, um die weiteren Bestimmungen des Kaisers zu übermitteln. Heute begeben sich die hier weilenden drei Prinzen und Prinzessin Luise nach Wilhelmshöhe, wo sie bis zum 24. August verweilen werden. Hauau, 2. August. Ein betrübender Unglücks- sall mit tätlichem Ausgange ereignete sich am Mittwoch auf der Landstraße zwischen Mainkur und Dörnigheim. Der bei der Firma I. D. Weinig u. Sohn in Hanau thätige Fahrbursche Peter Wiegand befand sich mit seinem Fuhrwerk (Pritschenwagen, bespannt mit 2 Pferden) aus der Fahrt von Frankfurt nach Hanau. In der Richtung gegenüber Rumpenheim angelangt, ließ er, um ein Bedürfnis zu verrichten anhalten, und stieg vom Wagen herunter. In dem Augenblicke, als er im Begriffe stand, wieder aufzusteigen und auch bereits oben angelangt war, zogen die Pferde plötzlich und vorzeitig an, und schlugen sofort eine scharfe Gangart an. Wregaud griff, um das zu verhindern, nach den Zügeln und stürzte hierbei rücklings vom Wagen herunter, wobei er sich die Schädeldecke zertrümmerte, was seinen sofortigen Tod herbeiführte. Er wurde noch etwa 50 Meter mit fortgeschleift, ehe die Pferde zum Halten gebracht werden konnten. Aus dem Wagen befand sich auch sein etwa 16 jähriger Sohn. Die Leiche des Verunglückten wurde dann von zwei anderen Hanauer Fahrburschen, die sich nicht weit von der Unfallstätte befanden, aus den Wagen gelegt und seiner Familie zugeführt. •* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die von der Firma Eduard Gerlach in Lübbecke i. W. dem Kriegsminister für das ostasiatische Expeditionskorps gratis zur Versügnng gestellten 5000 Büchsen Präservativ- Cream (bewährter Schutz gegen Wund- und Schweißsuß, Wundreiben des Körpers, Folgen von Moskitoftichen rc., I sowie Geschirr- und Satteldruck bei Pferden) wurden dankend von der Medizinal - Abteilung des Ministeriums I aceeptiert. _________________________________________ Berlin, 3. August. Als Vertreter des Kaiser- Wilhelm bei den Beisetzungsfeierlichkeiten in Rom dürfte Prinz Albrecht von Preußen oder einer seiner Söhne nach Rom entsandt werden. Karlsruhe, 3. August. Der mutmaßliche Lustmörder der beiden Mädchen in Krumbach wurde gestern abend von zwei württembergischen Landjägern zwischen Sandweier und Baden-Baden, bis wohin er verfolgt wurde, sestgenommen. Er wurde nach dem Rastatter Gefängnis gebracht, von wo er heute früh nach Neuenburg eingeliefert wurde. Paris, 3. August. Der Schah von Persien sandte gestern abend persönlich ein Telegramm über das gegen ihn gerichtete Attentat nach Teheran. — Der vorgestern unter dem Verdacht, das erste Attentat auf den Schah von Persien versucht zu haben, verhaftete Perser, ein Mitglied des persischen Theaters in der Ausstellung, ist auf freien Fuß gesetzt worden, da keine Beweise gegen ihn erbracht werden konnten. Nom, 3. August. Im Pantheon haben die Vorarbeiten für die Beisetzung begonnen. Die Leiche wird in die Krypta gesenkt. Mitten im Pantheon wird bei der Leichenfeier ein reich geschmückter Katafalk errichtet werden. 160 der besten Sänger und Sängerinnen Italiens führen unter der Leitung Mascagnys die Totenmesse aus. Gestern abend 6 Uhr wurde der Sarg wegen fortschreitender Verwesung geschloffen. Rom, 3. August. Die offiziöse Korrespondenzia betont die aufrichtige Freundschaft des neuen Königs von Italien zu Kaiser Wilhelm. Monza, 3. August. Gestern vormittag kamen die Minister hier an und hielten sofort unter dem Vorsitz des Königs einen Ministerrat ab. Vorher hatte ein Familienrat stattgefunden. Belgrad, 3. August. Die Trauung des König- Alexander erfolgt in der hiesigen Kathedrale. Auf Befehl des Königs müssen sämtliche Minister, alle Würdenträger, sowie sämtliche Mitglieder der Skuptschina der Trauung beiwohnen. Der Stadtgemeinde wurde befohlen, die Ausschmückung der Straßen am Tage der Trauuu- vorzunehmen. Die Personalveränderungen unter den Truppenkommandanten dauern ungeschwächt fort. Universität und Hochschule. Dec Vorstand des physikalischen vniversitätsmstituts in Tübingen, Professor Dr. Ob erb eck, hat aus Gesundheitsrücksichten seine Pensionierung nachgesucht. — Der frühere Universitätsbibliothekar Dr. I. Ba- Aus Stu-t und Hand. Gießen, 3. August 1900. ** Gießener Zugendfest. Nach längerer Pause feierte man gestern wieder einmal in unserer Stadt da- früher so beliebte Jugendsest. Der gestrige Festtag verlief zur allgemeinen Zufriedenheit aller, namentlich der jugendlichen Teilnehmer, deren fröhliche Festesstimmung auch ein vorübergehender Regenschauer, der zwar mancher Mutter einige Besorgnis für das „neue weiße Kleidchen" einjagen mochte, 'ctucn Abbruch thun konnte. Die verschiedenen Ausschüffe Ausland. London, 2. August. (Unterhaus.) Balfour legt einen Adreßentwurf vor, der der Königin Viktoria und der Herzogin von Sachfen-Koburg und Gotha das Beileid des Hauses ausspricht. Der Adreßentwurf wird angenommen. Im weiteren Laufe der Beratung bemerkt Chamberlain, daß der Tarif, der für die Einfuhr in der Orangeriver-Kolonie zur Anwendung gelange, der Zolleinheitstarif sei, der für die Kapkolonie und Natal gelte. — Balfour erklärte, die britische Regierung teilte der belgischen Regierung mit, daß sie in dem Ergebnis des Prozesses gegen Sipido einen schweren und unseligen Mißgriff der Justiz erblicke (Beifall), und daß sie mit Bedauern und Ueberraschung erfahren habe, daß die belgische Regierung keinerlei Maßnahmen getroffen habe, um Sipido festzuhalten, so lange noch keine Entscheidung darüber getroffen war, was mit Rücksicht auf den Wahr- spruch des Gerichtshofes zu erfolgen habe. Die belgische Regierung habe bisher hierauf nicht geantwortet. — (Oberhaus.) Salisbury bringt einenAdreßentwurf ein, der dem dem Unterhause vorgelegten Entwürfe entspricht. Der Entwurf wird angenommen. — Die dritte Lesung des Gesetze« betreffend die ländlichen Besitztümer wurde angenommen. Paris, 2. August. Die Mitglieder des internationalen medizinischen Kongresses wurden heute vom Präsident Loubet im Elysee empfangen. Der Präsident unterhielt sich mit mehreren derselben, namentlich längere Zeit mit den Professoren Virchow und v. Bergmann. Um 2 Uhr fand die Eröffnung des Aerztekongress es statt, zu dem sich zweitausend Teilnehmer aller Länder ein- gefunben haben. Lannelongue eröffnete den Kongreß mit einer langen Rede, worin er die Zusammengehörigkeit der Gelehrten zum Wohle der Menschheit feierte. Namens der Republik sprach Justizminister Monis anstatt des Präsidenten, der wegen der Trauer um König Humbert nicht erschienen war. Dann folgten Reden der Delegierten, mit Ausnahme der italienischen. Dr. Bergmann feierte Frankreich als das Land der großen Entdeckungen auf medizinischem Gebiet. Dann, frenetisch begrüßt, sprach Virchow. Valencia, 2. August. Die Behörden beschlossen, die tonftitutionellen Garantien wiederherzustellen. Rom, 2. August. ES scheint jetzt sicher, daß die Beerdigung der Leiche König Humberts in Rom stattfindet. Die Leiche wird am Bahnhof vom Pfarrer des QuirinalfprengelS eingesegnet und dann im Quirinal ausgestellt. Von dort wird sie nach dem Pantheon über- geführt. Der Kardinalvikar Respighi verfügte, daß die Geistlichkeit ihr Aeußerstes zu thun habe, um das Begräbnis feierlich zu gestalten. Sobald das Nationalmonument in Rom fertig ist, werden die Leichen beider Könige vom Pantheon dorthin gebracht. — Bisher war alles Suchen nach dem Testament des Königs Umberto vergebens. Graf Brambilla ist von Monza nach Rom abgereift, um im Quirinal in den Königszimmern das Dokument aufzusuchen. — Die Verhaftungen von Anarchisten dauern fort. Biella Piemont, die Geliebte Brescis, die ihn von Amerika nach Turin begleitete, wurde verhaftet. Monza, 2. August. Der König bestätigte durch Dekret von heute das gegenwärtige Kabinett. Alle Minister außer dem in Rom zurückgebliebenen Kriegsminister und dem Justizminister find in Monza anwesend. Dieselben leisteten dem Könige den Eid. Belgrad, 2. August. Gestern war der Andrang der Glückwunsch-Deputationen wieder so groß, daß der König dieselben vereinigt auf der Skupschtina Wiese bei Topschieder empfing. — Der ehemalige Minister Andrea Nikol Usch, ein dynastisch gefinnter Radikaler, ist zum Staatsrat ernannt worden. Petersburg, 2. August. Hiesige informierte Kreise bestätigen, daß die definitive Ernennung des Grafen Lambsdorff zum Minister des Aenßern nahe bevorstehe. p v Algier, 2. August. Der marokkanische Stamm Doucmesia griff am 30. Juli einen Convoi an. Auf Seite der Franzosen wurden neun Mann getötet und neun Mann verwundet. Die Marokkaner wurden zurück- zeschlagen und erlitten erhebliche Verluste. iürftlic&en Damen qerades Wegs nach der Moritzkirchc , hallen auch wirklich mit größter Sorgfalt vorgearbeitet und 1 ' — «■ - -• -----""k I für die Sicherheit der Kleinen durch die große Zahl von Zugführern und Festordnern, sowie durch Etablierung einer Sicherheitswache gesorgt, die übrigens unseres Wiffcns erfreulicherweise kaum in Thätigkeit zu treten brauchte. So war ein programmmäßiger Verlauf der Feier von vornherein gesichert; pünktlich 2‘/t Uhr setzte sich der Fcstzug unter Borantritt der Regimentskapelle mit Fahnen u. s. w. von der Bürgermeisterei aus in Bewegung. Besonders die in hell gekleideten Mädchen, alle mit Epheukränzen im Haar, machten mit ihren fröhlichen Gesichtern den denkbar freundlichsten Eindruck. Nach der Ankunft im Walde wurde ein Kreis geschlossen und Oberlehrer Hahn hielt folgende fuhren, tvähreud der Großherzog von Hessen und der Regent, Erbprinz von H o he n lo h e-Lan g en- bürg, hinter bem Sarge herschritten. E» folgten das Ministerium, die Hofpehörden, der Landtag, die Reiche-, Staats- und städtischen Behörden und eine große Menge Leidtragender. Vereine und Schulen bildeten Späher. Die Straßen, die der Zug passierte, trugen .Trauerschmuck. Am Portal der Moritzkirche erwartete die Geistlichkeit des Landes den Zug. Zwölf Unteroffiziere trugen den Sarg zur Kirche. Im Fürstenstand hatte die Herzogin-Witwe mit ihren Töchtern Platz genommen. Oberhofpredigev Dausen hielt die Trauerandacht. Choralgesang schloß die Feier, worauf die fürstlichen Herrschaften die Kirche vergeßen, die alsdann ffilr das Publikum geojfmt wurde. Den Sir Frederick Richards und fünf Marineoffizieren, bei- Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 5. August. 8. nach TrinitattL. Gottesdienst. In der LtadMrche. Bormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde. Vormittags v»/, Uhr: Pfarraffistent KrauS. Näckstkünstigen Sonntag, den 12. August, totrb im Haupt- gottesdienst da-r heil. Abendmahl für bie Matthaus« und MarkuS- gemeinde gemeinsam gehalten werden Anmeldungen dazu werde« bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. I« der JoyanneSkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten auS der Johannesgemeinde. Vormittags 9 Sl-mdruck-r-i sPi-'ich Srbcu) in Bekanntmachung, die Rdbbereiniaung des auf dem rechten Lahnufer liegenden Teiles der Gemarkung Gießen betreffend. Die nachstehende Bekanntmachung des Großh. Bereinigungs-Kommiffärs zu Friedberg vom 27. v. Mts. wird hiermit zur Kenntnis der Grundbesitzer der Gemarkung Gießen gebracht. Gießen, am S. August 1900. 5281 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Allen denen, die unserem lieben Vater, Großvater und Schwiegervater Hm« K. Th. Rühl die letzte Ehre erwiesen, sowie für die zahlreichen Blumenspenden sagen herzlichsten Dank Die trauernden Hinterbliebenen Gießen, den 8. August 1900. Programm. 1, a) Gebet vor der Schlacht .... b) Sommerlied........ o) Wiegenlied 2. Solo für Tenor. 3. a) Soweit . . . . ..... b) Altniederländisches Lied .... c) Mei Diandle is sauber..... 4. Duette für Tenor und Bariton. Bekanntmachung, betreffend: Feldbereinigung des aus dem rechten Lahnufer liegenden Teiles der Gemarkung Gießen. I Nachdem sich in dem Abstimmungstermin am 25. September v. I. 852 beteiligte Grundeigentümer mit 155,9464 ha Flache Segen die rühr. Zkeldbereiniauna erklärt haben, während im Ganzen 782 Grundeigentümer! mit 447,19879ha an dem Unternehmen beteiligt sind, hiernach«A Ahr als die nach Art. 6 des Feldbereinigungsgesetzes für die rubr. Feldbereintgung vorhanden ist, undnachdem in”^^b ,b^r aefeülicken Frist keine Einwendungen gegen die Zuläffigk^t oder Rechts! beständiakeit dieses Ergebniffes erhoben worden sind, hat Großherzogliches Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und^Ge-I werbe, den Beginn der Feldbereintgungsarbeiten angeordnet und den Unterzeichneten zum Beretnigungr-KommMr ernannt. m I i Indem ich die« zur öffentlichen Kenntnis bringe, lade ich in Gemäß I heit de« Art. 16 de« Gesetze« vom 28. September 1887 die becheiligten Grundbesitzer zu einer am Donnerstag de» «ugM» I L ^ormittaaS «OV, Uhr, in bet Turnhalle des Turn- veAi'nS, Meiustratze 8, zu Gießen stattfindenden Versammlung ein. „ie die Bereinigungrlosten aufgebracht »erben■ fott™, I ob durch Ausschlag aus den Fläch-ngehalt, ober den Abschätzung«, wert der Grundstücke, oder durch Bildung und Verkauf von Masse I grundstücken, sowie ferner, ob die Beiträge nach Bedürfnis erhoben, oder ob die Kosten durch Kapttalausnahme ausgebracht werd en sollen, 2 die zur Vollzugskommiffton zu berufenben Sachverständigen und daen Stellvertreter, sowie ein Mitglied b-r Schiedsgericht« unb au6eTbeTfönnenCttoün“^^eäunb Anträge seilen« der Beteiligten vor- gebrach^ und berate r ^^i^g $flt eln jeder anwesende, 6etc^l0te ®ru^’ eigentümer eine Stimme; die Beschlüfle erfordern zu ihrer Gil igkeit eine Mehrheit von zwei Dritteilen der Anwesenden, und find unter dieser Vor- au«setzung auch für die nicht erschienenen Beteilig en verbindlich. Kommen gütige Beschlüffe nicht zu stände, so hat ru 1 • die Vollzugskommiffion die erforderlichen Beschlüffe zu faffen, u 2- Grobherzogliche« Ministerium de« Innern, Abteilung für Land. ’ wirtschaft Handel unb Bewerbe, bie Sachverständigen und die Schiedsrichter zu ernennen. Friedberg, den 27. Juli 1900. Der Großherzogliche Bereinigungs-Kommiffär: I. V.. Spanier, Kreisamtmann. Tief ist die Mühle verschneit . Die drei Röselein .....| In der Ferne......... • > Der Reiter und sein Lieb (Preischor beim Gesangswettstreit zu Kassel am 27. Mai 1899) . Wie die wilde Ros’......... Minnelied.......... • • Eintritt 50 Pfg. Balzhausen, den 30. Juli 1900. auäflana nebnw verbüten, empfiehlt °s st», ein Bruchband ,u tragen, //_ ...z— meine Leibbinden, Nabel-, »°rfaA.»a"dagen^^^^^ . 6274 J. A. Saenger, Aruchsal (Baden). bin 1U Iprechen am «. «ugnst in Gießen, Hole» Riegelmann.f i 7. nn» «. «ngnft in «ranksnr. a. 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