Nr. 153 Zweites Blatt Mittwoch den 4. Juli iso® Henerat-Unzeiger Alle Lnzeigen-BtrmittlrmgSstellen deS In« und Auslands» »ehmm Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Nezugsprei» eintci'jäbrl Mk. 2,2t monatli^ 76 Pfg. mit Brmgerlohn; durch die AbholtstrLr» vierteljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2.40 vierteljähri. mit Bestellgeld. W»»e|me »•« Anzeiger, zu der nachmittags für de» fMtmfcai Lr»ß erscheinender. Nummer bis vorm. 10 Uhr. RbtefteLungcn spätestens abends vorher. erscheint täglich ▲v Ä mit Ausnahme de» W IMBk W ä Kreßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Aireis Gieren. Ä*®M»», Expedition und Druckerei: Ach»tßraße Ar. 7. 1 . ...B B'J"?!1 ■ UJ .. H1 . J. TTT'T. . W L, .LJ. 'JJLP -11.. ■'Sl g 1 1 ■■■"-■■g"’." Gratisbeilage«: Gießener FamilienblAter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Ldreffe für Depeschen: Anzeiger Kkt«. Fernsprecher Nr. 51. Die Wirre« in China. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt an der Spitze der gestrigen Nummer: Nach einer Spanne Zeit langen Schweigens und wider- sprechenoer Nachrichten ist endlich eine Aufklärung gekommen. Der kaiserliche deutsche Gesandte, Freiherr von Ketteler ist nach vorliegenden Nachrichten, während er mit dem Dolmetscher zum Tsung Li Namen ritt, vomPferde gerissenund ermordet worden. Der Dolmetscher wurde verwundet, hat sich aberretten können. Die Gesandtschaft ist zum größten Teile niedergebrannt und die übrigen Vertreter der Mächte mit ihrem Personal und den kleinen Marineschutzwachen sind, soweit Nachrichten vorliegen, noch im Kampfe um ihr Leben begriffen. Doch foll die M u n i t i o n bereits knapp gewesen fern, so daß auch! hier das Schlimmste zu befürchten ist. Es ist eine erschütternde Nachricht, die aus der Hauptstadt des Reiches der Mitte kommt, und ganz Deutschland wird die Kunde von dem Schicksal des deutschen Gesandten mit einem Gefühle größter Teilnahme und Trauer, aber auch« tiefer Empörung ausnehmen. Das offiziöse Blatt widmet alsdann dem ermordeten Gesandten anerkennende Worte und schließt: Wenn es etwas giebt, was die Verwandten und Freunde des Freiherrn trösten kann, so ist es, daß er auf dem Schlachtfelde gefallen ist. Wer immer im Augenblick in Peking regiert — Daily Telegraph berichtet aus Shanghai, Prinz Tuan bemächtigte sich der Personen des Kaisers und der Kaiserin-Witwe und riß die Gewalt an sich — ist verantwortlich dem deutschen Volke und der gesitteten Welt für die Greuelthaten, für die Verbrechen gegen das Völkerrecht, die unter den Augen der Machthaber sich! vollzogen haben, für die heuchlerische, lügnerische Verschleierung der Wahrheit vierzehn Tage hindurch Wer immer in China künftig regieren wird, er wird angehalten werden, die über Nacht ungeheuerlich angewachsene Rechnung, dieDeutschlandpräsentieren wird, zu bezahlen, ohne freilich dadurch wieder gut machen zu können, was leider nicht mehr gut zu machen ist! Nach Erklärungen der chinesischen Regierung ist wiederholt beteuert worden, daß die Gesandtschaften nach wie vor den Schutz der chinesischen Regierung genössen. Der Vizekönig in Nanking hat sich auf kaiserliche Reskripte, die vom 25. v. M. datiert sind, als Zeugnis berufen. Frhr. v. Ketteler ist, wie wir in unserer gestrigen Nummer bereits uUsern Lesern mitteilen mußten, ermvrdet worden, ermordet auf dem kurzen Wege von deutschem Boden, dem Gesandtschaftsgebäude, zum Sitze des Auswärtigen Amts, des Tsung-li-Yamen; man hat ihn meuchlerisch schon am 18. v. M. erschlagen und dies Verbrechen bis jetzt der Außenwelt verborgen gehalten! Der Gesandte des deutschen Reichs in Peking ist das Opfer ferner Berufstreue und eines ungeheuerlichjen Frevels geworden. Er, als erster unter' den Diplomaten, hatte die Gefahr erkannt und seine mahnende Stimme erhoben! Nicht seine Schjuld ist es gewesen, daß die Mächte zu spät sich zu Sicherungsmaßnahmen vereinigt haben. Die Blätter besprechen in längeren Artikeln die amtlich bestätigte Meldung von der Ermordung des deutschen Gesandten und geben ihrer Entrüstung über diese Greuel- that in bewegten Worten Ausdruck. Die „Deutsche Tageszeitung" meint, es wäre geboten, daß, wenn unsere leitenden Kreise zu der Ueberzeugung gelangen sollten, daß wir in China zu weitergehenden Unternehmungen in unserem Interesse gezwungen seien, der Reichstag darüber befragt würde, ob er sich dieser Anschauung anschließen wolle. — Die „Germania" bezeichnet als! wichtig festzustellen, ob und wie weit die chinesisch^ Regierung an der Mo!rdthat beteiligt sei. Erst nachdem dieser Punkt endgiltig aufgeklärt sei, werde die deutsche Regierung ihre Maßnahmen treffen können. — Dem „Börs en - Courier" zufolge ist, wie wir heute bereits! in aller Frühe duxch Extrablatt bekannt gaben, damit zu rechnen, daß wesentliche Verstärkungen der deutschen Streitkräfte für Ostasien sowohl der Schiffs - wie der Landtruppen bevorstehen. Vielleicht wird auch eine außerordentliche Session des Reichstages einberufen werden. Nach Ansicht amtlicher Stellen ist schwerlich vorauszusetzen, daß Freiherr v. Ketteler das einzige Opfer der Revolutionäre geworden ist, daß vielmehr auch das Schicksal der übrigen Diplomaten zweifelhaft ist. — Die „N a t i o n a l z t g." schreibt: Durch die Ermordung des deutschen Gesandten gestaltet sich die internationale Lage für Deutschland schwieriger als sie es vor der Bestätigung des Gerüchtes war. Für Deutschland kommt insofern ein besonderer Druck in die Angelegenheit, als es, wenn die endgiltige Abrechnung erfolgen wird, besondere Forderungen als Genugthuung für die Ermordung des Gesandten wird zu erheben haben. In der Hauptfrage der gemeinsamen Ueberwindung der chinesischen Schwierig- SL (VEREWIGTE frY)r. v. Ketteler /w- IPEUTCHE9 REICH ) er. rery t RUSS LAN D)_ 3Uue mucuur/uvu • ( ENGLAND ) t Priester in Nanking empstngen von ihren Amtsbrüdern aus Peking Meldungen, wonach öffentliche Masse n-Hin- richtungen von Ausländern in Peking seit dem 20. Juni im Gange gewesen seien. Einer Shanghaier „Times"- Drahtung zufolge empfing der Vizekönig Liu ein vom 20. Juni datiertes Edikt, worin er nach Hinweis auf die Schwierigkeit, das Problem der fremdenfeindlichen Bewegung zu lösen, und auf die düsteren Aussichten für die Zukunft ausgefordert wird, seine eigenen Grenzen zu schützen; gut informierte Chinesen seien überzeugt, daß die Kaiserin und der Kaiser westwärts geflüchtet seien, Prinz Tuan seinen Sohn aus den Thron gesetzt und sich zum Regenten gemacht habe; ferner verlautet, Li-Hung-Tschang empfing eine Depesche Aunglus, datiert Peking, 21. Juni, die ihn auffordert, irgendwelche künftighin zu erlassenden Dekrete zu ignorieren. Li-Hung-Tschang teilte dies den Vizekönigen in Nanking und Wutschang mit, die sich seitdem über eine gemeinsame keilen, bleibt die Stellung der Mächte und die Stellungl des deutschen Reiches unverändert. Der Staatssekretär Graf Bülow hatte sich vor der Bestätigung der Ermordung Kettelers nach Wilhelmshaven begeben, um dem Kaiser Vortrag zu halten. Er hatte vorher, am Sonntagnachmittag, die Botschafter der an den chinesischen Schwierigkeiten beteiligten Mächte empfangen, und dabei war die vollständige Einigkeit derselben von neuem festgestellt worden. — Die „V o s s. Z t g." bej- merkt, vermutlich würden die Mächte jede EntscMdung! über das, was nun in China zu thun sei, so lange aufschieben, bis ihre Truppen in Peking stehen und ihrie Vertreter ein zutreffendes Bild der Lage geben können, — Das „B erl. T a g e b l." sagt: Der Monarch sieht sich vor verhängnisvolle Entschlüsse gestellt. Möge es ihm in diesen schweren Stunden an erleuchteter Eingebung nicht fehlen. — Die „Köln. Ztg." schreibt: Die Bedeutung der Vorgänge in China wurde dadurch so grell beleuchtet, daß es Nunmehr für die Mächte eine Pflicht der Selbsterhaltung! sei, Vorsorge zu treffen, daß zukünftig nicht nur das Leben und Eigentum der Ausländer gegen die Wechselfälle der inneren Politik dieses Landes gesichert seien, sondern daß auch die Regierung wie das Volk dafür haften, daß schmähliche Verletzungen des Völkerrechtes sich nicht wiederholen. Die deutsche Regierung werde sich der im Interesse der Allgemeinheit zu übenden Pflichten nicht entziehen; es sei tzweifellos, daß alle übrigen Mächte diese Pflichten teilen werden. .Hoffentlich sei diese Erkenntnis so allgemein, daß sie das bisherige gemeinsame Vorgehen aller Kulturmächte noch stärker festige. Soweit die bemerkenswerten Preßstimmen. Thatsächlich läßt sich über die Stellungnahme der Reichsregierung noch nichts Bestimmtes sagen, da die Beratungen darüber zwischen dem Kaiser und dem Grafen Bülow noch in der Schwebe sind. Jedenfalls wird die Lage als überaus ernst angesehen, was schon daraus erhellt, daß Gras Bülow seine Absicht, jetzt seinen Sommerurlaub anzutreten, aufgegeben hat. Nach einer Meldung aus Wilhelmshaven sollte die ostasiatische Expedition erst heute früh um 5 Uhr in See gehen. Die Abschiedsparade vor dem Kaiser erfolgte gestern nachmittag 4 Uhr. Wie gerüchtweise verlautet, ist auch die Nordlandreise des Kaisers aufgegeben. Aus der chinesischen Gesandtschaft in Berlin hat die Nachricht von der Ermordung des Freiherrn von Ketteler „höchste Bestürzung und herzlichstes Bedauern" erweckt. Die Gesandtschaft selbst besitzt keine Meldungen. Der verwundete Dolmetsch Cordes konnte zurzeit der Katastrophe erst wenige Tage aus Deutschland, wo er einen längeren Urlaub verbracht hatte, wieder auf fernen Posten zurückgekehrt sein. * * * Oben haben wir bereits angedeutet, daß Prinz Tuan sich die Herrschaft in Peking angeeignet haben soll. Es ist also kein Zweifel, daß absolute Anarchie in der chinesischen Hauptstadt herrscht. Nach einer Drahtung aus Shanghai wird dort befürchtet, daß, wenn die verbündeten Armeen in Peking ankommen, sie erfahren werden, daß die Regierung nach Shansi geflüchtet und Prinz Tn an thatsächlich Kaiser geworden sei. Liuchanliu, der sremdseindliche Gouverneur von Sutschau, wurde nach Peking berufen, die Konsuln hegen wenig Hoffnung, daß irgend welche Ausländer am Leben geblieben sind. Die französischen Politik der Unabhängigkeit von Peking in der gegenwärtigen Krisis verständigt haben. Prinz Tuans Anhänger seien 15000 Mann stark. Ein weitere Meldung besagt, daß in Peking offenbar Bürgerkrieg mit Aunglu und Tuan als Parteihäuptern herrscht. In Shanghai läßt die Panik Dank den Bemühungen Lius auch unter den Eingeborenen nach. Hiernach sind die Besorgniffe wegen des Lebens und der Sicherheit der übrigen Europäer in Peking völlig gerechtfertigt. Nach einem Scheitern der Expedition Seymours haben nun die Konsuln der Mächte zur Rettung der etwa in Peking doch noch lebenden Europäer eine Maßregel ersonnen, die kräftig genug ist, um die Chinesen von weiteren Angriffen auf die Pekinger Europäer abzuhalten, und die sofort zu wirken vermag. Sie sind zu einem Vorschlag gekommen, der allerdings auf die Chinesen einen ganz besonderen Eindruck machen wird und der große Aehnlichkeit mit dem Gewaltmittel hat, das anfangs vorigen Jahres von Lord Kitchener, dem damaligen Sirdar von Egypten, angewendet worden ist, um die Lage im Sudan dauernd zu beruhigen. Lord Kitchener ließ nämlich das Grab des Mahdi in Omdurman zerstören, die Leiche herausnehmen und in den Nil werfen, um jede Spur des Mahdi im Sudan zu verwischen. Er ging dabei von der Ueberzeugung aus, daß, solange die Mahdisten am Grabe ihres Helden den Mittelpunkt einer weiteren Entwickelung, einen politischen Wallfahrtsort und ein Agitationsziel der bedenklichsten Art haben würden, die Herrschaft Englands über den Sudan niemals gefestigt und beruhigt bleiben würde. Der Vorschlag der Konsuln zielt darauf hin, die Chinesen mit der Drohung von einer demnÜch sti - gen Zerstörung ihrer wichtigsten Heiligtümer, der Kaisergräber bei Peking, dermaßen einzuschüchtern, daß sie das aufs äußerste gefährdete Leben so vieler Europäer nicht länger bedrohen, sondern ihrerseits alles zur Erhaltung derselben aufbieten sollen. Die Sch an tu n g - Ei s e n b a h n - G e s e l l s ch a f t in Berlin hat folgendes Telegramm aus Tsingtau erhalten: „Die Eisen bahn arbeiten sind infolge der politischen Wirren eingestellt. Unruhen sind zwischen Kiauho und W e ih s i e n ausgebrochen; die Eisenbahn-Ingenieure, von aufständischen Soldaten geplündert, konnten sich zurückziehen". Diese Meldung bestätigt die Befürchtung, daß nun auch das deutsche Interessengebiet in der Provinz Schantung von der fremdenfeindlichen Bewegung ergriffen ist. Daß selbst Soldaten sich an dem Angriff auf die deutschen Eisenbahn-Ingenieure beteiligt haben, ist ein bedenkliches Zeichen und legt die Ver- mutung inahe, daß der Gouverneur General Puanschitai, der bisher mit eiserner Hand Zucht hielt, entweder nicht mehr in Schantung weilt,' oder aber absichtlich die Zügel gelockert hat. Aus T s i n t a u wird berichtet, daß sechs deutsche Eisenbahningenieure bei Kaumi an gefallen wurden und mit dem nackten Leben entkamen. Die deutsche Gedenkkirche inYenchou ist niedergebrannt. Inzwischen wird dem New York Herkld aus Tschifu gemeldet, «auch in Weihaiwei, der englischen Besitzung an der Ostküste von Schantung, sei ein Auf stand rm Entstehen begriffen, deshalb seien am Samstag die Mannschaften der nach Taku entsandten britischen Schiffsbrrgade zurückgerufen worden und sollten durchs ändere Truppen dort ersetzt werden. Das amerikanische Blatt berichtet ferner, die Konsuln in Tschifu hätten einen Dampfer ausgesandt, der aus den Provinzen Schantung und Honan eine große Anzahl flüchtiger Missionsmitglieder nach Tschifu gebracht habe. Mit ihm seien 33 amerika- nische, 29 englische, 10 kanadische und 1 chinesischer Missionar eingetroffen. Leider scheint also kein deutscher Missionar darunter zu sein. Die Londoner Blätter verzeichnen Gerüchte aus Shanghai, wonachig roßeAbteilungen der Verbündeten die vereinigte Armee der kaiserlichen Truppen und der Boxer besiegt haben und in Peking ein* getroffen sein sollen. Leider ist es nicht wahrscheinlich, daß diese Gerüchte sich! bestätigen, obschon das jetzt etwa 1400 Mann starke Expeditionskorps, das an der Küste gelandet ist, alles aufbieten dürste, den bedrängten Ausländern in Peking Hilfe zu bringen, wenn diese Hilfe nicht jetzt schon zu spät kommt. Die Verwundung des deutschen Kapitäns Lans besteht, wie die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, in einer Schußfraktur beider Knochen des'linken Unterschenkels. In Wilhelmshaven traf gestern früh 3 Uhr mit Sonderzug das erste Seebataillon aus Kiel ein. Es wurde auf beut „Wittekind", das zweite auf der „Frankfurt" eingeschifft. General v. Hopfner übernahm' darauf sein neues Kommando über die Expedition. • e Telegramme de- GießeirerlArrzeigerS. Wilhelmshaven, 3. Juli. Bei der Besichtigung der nach Ostasien bestimmten Truppen hielt nach dem Abschreiten der Front der Kaiser an die Mannschaften eine Ansprache, in der er u. a. aussührte: Mitten in den tiefsten Frieden hinein, für ihn leider nicht unerwartet, sei die Brandfackel deS Krieges geschleudert worden. Ein Verbrechen, unerhört in seiner Frechheit, schaudererregend durch seine Grausamkeit, habe seinen bewährten Vertreter betroffen und dahingerafft. Die deutsche Fahne sei beleidigt und dem deutschen Reiche Hohn gesprochen worden. Das verlange exemplarische Bestrafung und Rache. Er sende die Mannschaften hinaus, um das Unrecht zu rächen, und er werde nicht eher ruhen, als bis die deutsche Fahne mit denen der anderen Mächte siegreich auf den chinesischen Meeren und aus den Mauern Pekings ausgepslanzt sei, um den Chinesen den Frieden zu diktieren. Dann ermahnte der Kaiser die Truppen zu guter Kameradschaft mit allen anderen, wer es auch sei, und an die deutsche Waffenehre. Sie sollten die Fahnen, die zum ersten Male ins Feuer gehen, rein und fleckenlos zurückbringen. Der Kaiser sprach in noch kräftigerem Tone und mit noch größerem Ausdruck, als man dies an und für sich an ihm gewohnt ist. Zu Beginn der Rede, als er die Scheußlichkeit des an Freiherrn v. Ketteler begangenen Verbrechens schilderte, bebte seine Stimme, und es war unverkennbar, in wie hohem Grade er erregt war. Die Rede machte gewaltigen Eindruck, denn sie bedeutet den Krieg. Wilhelmshaven, 3. Juli. Der Chef des Marinekabinetts, Viceadmiral Freiherr v. Senden-Bibran, teilte einem Journalisten mit, für den K a i s e r sei die W i e d e r- herstellung des Status quo in China die Hauptsache. An eine Ausdehnung des Reiches werde nicht gedacht. Die Rede des Kaisers lasse.keinen Zweifel über den Ernst der Situation. Im übrigen seien endgiltige Beschlüsse noch nicht gefaßt worden. Berlin, 3. Juli. Die auf Befehl des Kaisers mit größter Eite zu mobilisierende er st e_D i - Vision des ersten Geschwaders besteht aus den Linienschiffen Kurfürst Friedrich Wilhelm, Brandenburg, Wörth, Weißenburg und dem kleinen Kreuzer Hela. Berlin, 3. Juli. In hiesigen militärischen Kreisen wird nunmehr mit der Möglichkeit gerechnet, daß sehr bald weitere Truppen-Nachschübe nach den chinesi- schjen Gewässern an,geordnet werden.. Viel bemerkt wird die Thatsache, daß der Oberstleutnant Wachs vom preußischen Kriegs-Ministerium, welcher die Mobilmachungsgeschäfte für die ostasiatische Expedition leitete, nach derSchweiz abgereist ist, um dem dort auf Urlaub befindlichen Kriegsminister Vortrag zu halten. Der Krieg in Südafrika. Das Reutersche Bureau meldet vom 29. Juni aus Trommel: General Clements fliegende Kolonne, welche gestern mit versiegelten OrdreS von Senekal abging, stieß auf dem nach Lindley führenden Wege auf den Feind, und es kam zu einem heißen Gefecht. Clements meldet': alle wohl. Der Feind hält noch alle seine alten Stellungen im Norden und Osten von Senekal besetzt mit der zutage tretenden Absicht, sich gegen Ficksburg zusammenzuziehen. In Kapstadt sind die fremden Attachees von der Front eingetroffen; nur der russische Militärattachee verfolgt noch die Endoperationen aus dem Kriegsschauplatz. Deutsches Reich. Berlin, 2. Juli. Aus W i l h e l m s h a ven wird gemeldet: Das Kaiserpaar traf heute nachmittag hier ein!umd begab sich mit dem Prinzen Rupprecht von Bayern, dem Großherzog von Oldenburg, sowie dem Gefolge nach dem Torpedoexerzieirplatz, wo das Expeditionskorps Parade-Aufstellung genommen hatte. Die Truppen trugen Khakianzüge. Der Kaiser schritt die Fronten ab und hielt eine Ansprache. — Beim Kaiserpaar fand abends auf der „Hohenzollern" ein Diner statt, wozu die hier anwesenden Fürstlichkeiten, die Minister und Admiralität, Generalmajor Hoepfner, die Stabsoffiziere des Expeditionskorps u. a. Einladungen erhalten hatten. — Der Denkmalsenthüllung für das dritte Garderegiment z. F. bei St. Privat, die nunmehr bestimmt am 25. September stattfindet, wird auch der Kaiser beiwohnen. Schon bei seiner Anwesenheit^ in Metz hat der Monarch eine Beteiligung an der Feier zugesagt. Bei dieser Gelegenheit wird der Kaiser einen Abstecher nach Diedenhofen unternehmen, um das dort im Bau begriffene Fort bei Gentringen zu besichtigen. — Der Kultusminister Dr. Studt hat heute den Bischof v. Anzer aus Shantung zu längerer Unterredung empfangen. — Nach der „Nationalztg." bestätigt es sich, daß Ge- neral Lieb er t von seinem Posten als Gouverneur von Deutsch-Ostafrika zurücktreten wird, um ein seiner militärischen Anciennität entsprechendes Kommando zu erhalten. „ ~ — Oberlandesgerichtspräsident Staatsminister Falk ist, wie aus Hamm in Westfalen depeschiert wird, von einem S ch l a g a n f a l l betroffen worden. Sein Befinden giebt indes nicht zu ernsten Besorgnissen Anlaß. — g)em Abg. Roeren ist, wie die „Germania" meldet, vom Papste das Ritterkreuz zum St. Gregorius* Orden verliehen worden zur „Anerkennung seiner unentwegten Treue gegen den römischen Stuhl und seiner hervorragenden Verdienste um die katholische Sache". Cron berg, 2. Juli. Der Großherzog und die Großherzogin von Baden trafen heute Mittag zum Besuche auf Schloß Friedrichshof ein und setzten 6 Uhr nachmittags die Reise über Frankfurt a. M. fort. Karlsruhe, 2. Juli. Die Zweite Kammer des badischen Landtags nahm heute den Antrag des Abg. Wacker (Zentrum) auf Einführung der direkten Wahlen zum badischen Landtag auf der Basis des Proportionalsystems, mit 38 Stimmen gegen 22 Stimmen an. — Die Petitionskommission der Zweiten Kammer hat bezüglich der Petition der Lehrer um Besserstellung folgende Anträge gestellt: 1. Die Petition, soweit sie Einreihung in den Gehaltstarif verlangt, empfehlend zu überweisen in dem Sinne, daß- diese Einreihung bei der 1901 in Angriff zu nehmendes Revision des Gehaltstarifes erfolgen soll. 2. Die Regiet- rung zu ersuchen, dem nächsten Landtage eine Vorlage zu machen, wonach unter Beseitigung der Uebergangsbe^ stimmungen jeder Lehrer in die Gehaltsbezüge rücken soll, die er nach dem bestehenden Gesetz zu beanspruchen hat. 3, Die Petition, soweit sie eine Erhöhung der AnfangK- und Höchstgehalte verlangt, empfehlend zu überweisen. 4. Die Bitte um Besserstellung der Untesrlehrer in dem Sinne zur Kenntnisnahme zu überweisen, daß dieselben nach bestandener Dienstprüfung in regelmäßigen Zeiträumen angemessene Aufbesserung erfahren sollen, allerdings ohne gesetzlichen Anspruch, wie ein solcher bei nichtetatmäßigen Beamten überhaupt nicht besteht. 5. lieber die Bitte um Abänderung des Verfahrens bei den Stellenbesetzungen zur Tagesordnung überzugehen. 6. Die Bitte um Vergütung der U m z u g s k o st e n empfehlend zu über- tveisen in dem Sinne, daß solchen Lehrern, die fünf Jahre in derselben Stelle waren, und ohne ihr Verschulden eine Aenderung erfahren, die Umzugskosten ersetzt werden sollen. jäe&od. Paris, 2. Juli. Der internationale Landwirtschafts-Kongreß wurde gestern unter dem Präsidium des Ackerbauministers Jean Dupuy eröffnet. ES wohnten der Eröffnung u. a. Meline, der ungarische Ackerbauminister Darany und etwa 500 Teilnehmer bei, darunter zahlreiche auswärtige Delegierte. Dupuy begrüßte die fremden Teilnehmer, worauf Msline in einer Ansprache die Bedeutung des Kongresses hervorhob. — Auf der deutschen Botschaft fand vorgestern abend großer Empfang statt, der glanzvoll verlief. Fürst Münster begrüßte im Thronsaale die zahlreich erschienenen Gäste, unter denen sich die meisten Botschafter und Gesandten, sowie der frühere Präsident Casimir Perier befanden. Ferner waren der Oberhofmarschall Graf Eulenburg, der Oberstallmeister Graf Wedel, Graf und Gräfin v. Hohenau, der bayerische Gesandte in Berlin, Gras Lerchenfeld, ReichSkommissar Geheimrat Richter, Geheimer Regierungsrat Lewald u. a. erschienen. Während deS Mahles spielte das auf Befehl des Kaisers von Rußland für die Zeit der Ausstellung nach Paris gesandte Balalaikisten- Orchester. — Der Präsident des Senats, FalliäreS, veranstaltete vorgestern abend ein großes Diner zu Ehren der AuS- stellungSkommissare. Der deutsche Generalkommiffar Geheimrat Richter saß zur Rechten der Frau FalliereS. Bern, 2. Juli. Der Kongreß des Weltpostvereins znr Feier des 25jährigen Bestehens des Vereins wurde heute vormittag durch den Chef des Post- und Eisenbahnwesens, Bundesrat Zemp, eröffnet. Etwa 180 Vertreter von zirka 60 Staaten waren anwesend. Bundesrat Zemp wurde zum Präsidenten, der Direktor des Weltpostvereins, Oberst Ruffy, zum Vizepräsidenten gewählt. Der Staatssekretär des deutschen Reichspostamts, v. Podbielski, sprach den Dank der deutschen Regierung für die Einladung aus, nnd entbot dem Verein die Glückwünsche der Reichspostverwaltung. Er betonte die Notwendigkeit der Weiterentwickelung deS Ausbaues des Weltpostvereins. Die deutsche Abordnung brachte einen Antrag ein, ein Denkmal zur Erinnerung an die Begründung des Weltpostvereins auf gemeinsame Kosten der am Weltpostverein beteiligten Staaten in Bern zu errichte». jES wurde eine Kommission zur Vorberatung drS Antrages eingesetzt. Bei dem auf die Sitzung folgenden Festbankett brachte der Bundespräsident Hauser einen Toast auf die Souveräne und Staatsoberhäupter, sowie die Regierungen aller Staaten des Weltpostvereins aus und trank auf die Wohlfahrt der durch den Verein verbundenen Völker und auf die Gesundheit der Delegierten. Innsbruck, 2. Juli. Rektor Hacker wurde heute nachmittag beim Erscheinen in der Universität von den aufgelösten Studenten-Verbindungen und einem Teil der „Finkenschaft" mit Pfeifen und Pfui-Rufen empfangen. Die aufgelösten Verbindungen konstituierten sich wieder in ihren Reserveverbindungen. Helfiugfors, 2. Juli. RitzauS Bureau meldet: Der finländische Senat sandte eine Eingabe an den Kaiser, worin erklärt wird, daß er das kaiserl. Reskript, «treffend die Einführung der russischen Sprache inFinland, betreffend die Einschränkung der Versammlungsfreiheit und betreffend die Erlaubnis für die Ruffen, gewisse Arten von Handel zu betreiben, die den Finen verboten seien, nicht veröffentlichen könne. Konstantinopel, 1. Jull. Konsular - Telegramme aus Van (Armenien) melden, daß vorgestern in Serai, einer Stadt des Vilayets Van, 1500 wohlbewaffnete Kurden, geführt von einem gewiffen Timur Hussein, eingedrungen find. Die ihnen entgegengesandten türkischen Truppen schlugen die Kurden, welche die Stadt plündern wollten, unter großen Verlusten zurück. Timur und seine beiden Neffen wurden im Kampfe getötet. Timur war als großer Ruffenfreund bekannt. — In Ghilan, einer serbischen Ortschaft des SandjakS Pristina, ist eine Bande Albanesen eingefallen. Sie plünderten den Ort aus und zündeten ihn dann an. Mehrere serbische Einwohner wurden getötet, eine große Anzahl derselben schwer verletzt. Der serbische Gesandte wird deshalb eine Note überreichen. Aus Stadt und Hmd. Gießen, den 3. Juli 1900. • • Ernennungen. Der Bergreferendar Karl Köbrich wurde zum Bergaffeffor bei der Oberen Bergbehörde und der Bergmeisterei Darmstadt, Johannes Storck aus Darmstadt zum Jnstallationsmechaniker für Heizung und Beleuchtung und zum Hausverwalter an der Technischen Hochschule ernannt. * ♦ Auszeichnung. Dem Major v. Lochow, Bataillons- Kommandeur im Füfilier-Regiment v. Gersdorff (Hessisches) Nr. 80, seither im 5. Großh. Infanterie Regiment Nr. 168, wurde daS Ritterkreuz 1. Klaffe mit der Krone des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. * * Das Regierungsblatt Nr. 49 vom 30. Juni hat zum Inhalt: Bekanntmachung, den Erlaß einer Promotionsordnung für die Verleihung der Würde eines Doktor- Ingenieurs durch die Großh. Technische Hochschule zu Darmstadt betreffend. * * Postalisches. Der Postdirektor Ritsert, der seit 1880 das hiesige Hauptpostamt geleitet hat, ist am 1. Juli wegen eines Augenleidens in den Ruhestand getreten. Aus diesem Anlaß ist ihm der Königliche Kronenorden dritter Klaffe verliehen worden. Gleichzeitig find dem Postdirektor Ritsert in Anerkennung seiner in langjähriger treuer Pflichterfüllung geleisteten ersprießlichen Dienste besondere Dankschreiben deS Staatssekretärs des Reichspostamts, von Podbielski, und der Kaiserlichen Ober-Poftdirektion in Darmstadt zugegangen. — Der Amtsnachfolger des Herrn Ritsert ist Postdirektor Schäfer aus Gleiwitz geworden. — Dem Postkassierer Stroh ist vom 1. Oktober ab eine Postinspektorstelle für den Bezirk der Kaiserlichen Ober Postdirektion in Stettin übertragen worden. -i-Staufenberg, 2. Juli. Am verflossenen Sonntag hatten trotz des schlechten Wetters mehrere Vereine, her Turnverein Lollar mit Musik, drei Technikervereine, von Gießen, Kassel und Marburg einen Sommerausflug ebenfalls mit Musik nach, unserer Burg gemacht. Wie wir hören, hatte per Gießener Technikerverein hierzu bie beibeit anberen eingelaben. Vorträge unb Reben mannigfachen Inhalts füllten bie Konzert- unb Tanzpausen aus. Den Glanzpunkt ihrer Veranstaltungen bilbete am Abenb em großartiges Feuerwerk, bas Alt unb Jung aus Staufenberg hinauflockte. Der Lampionzug nach» Lollar mit über 100 Teilnehmern bot einen imposanten Anblick. Noch lange nach dem Abzug ber Vereine, bie man bis nach Lollar sich langsam unter Vorantritt ihrer Musikkapelle fortbewegen sah, 'war b !Burg durch hen gälische Feuer taghell beleuchtet. z. Liudeustruth, 2. Juli. Gestern feierte der hiesige Kriegerverein sein 25jähriges Bestehen. Obgleich am Morgen und Vormittage des Himmels Schleusen reichlich geöffnet waren erschienen doch zahlreiche Kriegervereine aus nah und fern, sowie mehrere Gesangvereine auS der nächsten Umgebung. Erprobte und mutige Krieger fürchten des Regens Naß, besonders wenn des Gerstensaftes Wirkung das Gleichgewicht hält, nicht. Der Festzug bestand aus den Vorrettern, den Schülern, wovon sämtliche Knaben mit Helmen und Schleppsäbeln ausgerüstet waren, den Festdamen, dem Musikkorps und den Vereinen und bewegte sich durch das festlich geschmückte Dorf. Während des Zuges heiterte es sich auf. Der Vereinspräsident hielt die Begrüßungsansprache und Pfarrer Biedenkopf die Festrede. Küche und Keller boten reichliche Labung und Tanz- und Juxplatz allerlei Vergnügungen. Zu rasch verstrichen die Stunden fröhlichen Wiedersehens. -ö. Nieder-MooS, 1. Juli. Ein hiesiger Bienenzüchter bekam innerhalb zwei Wochen von einem Bienenstock drei Schwärme. Gewiß ein seltenes Vorkommnis, das in weiteren Kreisen der Imker Jntereffe erregen dürste. -n- Gettenau, 2. Juli. Das Zweite Musikfest des Oberhessischen MusikbundeS fand gestern hier statt. Von acht Vereinen waren sieben erschienen. Zwar ließ die Witterung viel zu wünschen übrig; dennoch nahm das Fest einen schönen Verlauf. Alle Vereine zeigten, daß sie sehr wohl ihre Instrumente zu beherrschen verstehen, und ebenso bewiesen die Gesamtchöre eine sorgfältige Schulung durch den Vereinsdirigenten. Die Leistungen des Schottener Vereins verdienen besonders erwähnt zu werden. Wenn aus dem seither betretenen Wege fortgefahren wird, kann man den strebsamen Vereinen eine schöne Zukunft Voraussagen. Q AuS dem oberen Vogelsberg, 2. Juli. In einem Dörfchen unseres Vogelsbergs erschien am verfloffenen Sonntag zum größten Erstaunen der Kirchenbesucher der Pfarrer ohne Chorrock in der Kirche. Andere Amtszeichen waren nicht vorhanden. Ohne Verlegenheit hielt dec 'iladere :r fett 1880 M wegen Aus diesem rittet Klasse ettor Ritsert ichersülllmg tytibtn des ibbuUti, Mstadt zu> Ritsert ist 1. - Dem eine W i Ober-W 1900. l Köbtiih Orde unb tus Darm- Beleuch'. Hochschule Bataillons- (tzesstsches) it Nr. 168, - der Utt: n. mi hat M ßromotious» cs Doktor- chschule Jenen Sonn- ?re Vereine, nkemreine, MraMng hl. Wie wir ju bie beibin anMÄhen i ans. Tsr t Abend ein Staufenberg lit über 100 ch lange nach Lollar sch sortdewegen -ss beleuchtet. tltmr au$ einer wurden, ringe! lMen Stadt n zurück. N\t ge. 'anut - "en- Tie ’n dann tel, eine W Ge- tt: Der Ä fc 8t. ^en ver- n. Weich euch reichlich ^vereine uuL ine aus der leget sürchle« ches MM W- aus den , den Fest' ! bewegte M b des Mes hitll di- sditS-ßr-de- ,d !»«i' «rpi-hi« bl das tu tvet- 'W'g des^ jßenn Ml' ** Grosser Ausverkauf!! belassen möge. ES würde dies eine prächtige Zierde für den Gutenbergplatz und eine Augenweide für jedermann, der dort vorübergeht, abgeben. Die Springbrunnen am Gutenbergplatz sind den ganzen Tag von Hunderten von Vögeln besetzt, die dort ihren Durst löschen, da den armen Tieren in der Stadt das Wasser fehlt. — In den Gabriel'schen Marmor- und Kalksteinbrüchen bei Bieber am Fuße des DünSbergeS hat man kürzlich eine mächtige Höhle, die 60 Personen bequem aufnimmt, aufgefunden. Die Wandungen weisen prächtige Kristallisationen des Gesteins aus. Von der Außenwelt gelangt man mittels eines ebenfalls von der Natur gebildeten etwa 10 bis 15 Meter langen Ganges in die Höhle selbst. Temperatur der Lahn und Lust nach Reaumur gemessen am 3. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr mittags: Wasser 16°, Lust 15». Rübsamen'sche Badeanstalt. Kernnfihter. * Köln, 2. Juli. Aus dem Wege nach FrimmerSdors I wurde an einem 27 jährigen Mädchen aus Bedburgbroich I in einem Hohlwege ein Lustmord verübt. Das bedauerns- I werte Wesen wurde, nachdem es vergewaltigt worden war, I durch vier Revolverschüsse getötet. Vom Thäter fehlt bisher I jede Spur. Das Opfer des Verbrechens genoß allgemeine I Achtung und war im Begriff seinen hochbetagten Eltern I einen Besuch zu machen. * lieber einen Stratzentumult wird aus Beuthen ! (Oberschlesien) telegraphiert: Bei der Verhaftung eines be- I trunkenen WeibeS tumultierte ein starker Pöbelhaufen gegen I den Polizeibeamten Zurawietz und griff ihn thätlich an. I Bei dem entstandenen Kampfe wurde einer der Rädels- I sührer, Karl RuzniSk, erstochen. Zweimal mußte Militär I requiriert werden, das mit ausgepflanztem Bajonett die I Straße säuberte. • München, 2. Juli. Ucber ein Rekontre des Land- gerichtSratS Riedl mit einem Wilderer geht der „Münchener Post" folgende Darstellung zu: „Da der Wildschütze der Aufforderung des Jagdpächters Landgerichtsrat Riedl, das Gewehr abzulegen, keine Folge leistete, vielmehr auf Letzteren anlegte, streckte Landgerichtsrat Riedl den Wilderer durch einen Schuß zu Boden. Der Getroffene war auf der Stelle tot. Der Landgerichtsrat erstattete selbst Anzeige und setzte seine vorgesetzte Behörde sofort | von dem Vorfall in Kenntnis." * Duderstadt, 30. Juni. Ein Bubenstreich und seine entsetzlichen Folgen. Gymnasiasten hatten hier den Geburtstag eines Mitschülers gefeiert. Nach 12 Uhr machten die jungen Leute einen Streiszug durch die Stadt, verübten großen Radau und warfen eine Anzahl Fensterscheiben ein. Der Nachtwächter Konrad hatte einen der Burschen sestgenommen, die übrigen wollten ihren Genossen befreien, weswegen es zu lebhaften Streitereien kam. Inzwischen lief der Gymnasiast Leib ecke aus Lindau nach Hause, holte einen geladenen Revolver und feuerte aus den Beamten fünf scharfe Schüsse ab. Der Nachtwächter und der Tischler M. erhielten Streifschüsse, während der hinter dem Wächter stehende ganz unbeteiligte Schneider Borchard in die Stirn getroffen wurde und sofort tot zusammenstürzte. Das Publikum übte an dem Thäter Lynchjustiz. Leibecke । wurde so übel zugerichtet, daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Leibecke und drei andere mitbeteiligte Schüler sitzen jetzt hinter Schloß und Riegel. Der getötete Schneider B. war ein braver, allgemein beliebter Mann. (Eine kurze Mitteilung über diesen schweren Dummenjungenstreich ist in unserem gestrigen Blatte durch ein Versehen unter Darmstadt geraten.) * Erzherzog Franz Ferdinand Karl Ludwig Josef Maria von Oesterreich hat sich am Sonntag mit der „hochgeborenen Gräfin Sophia Maria Josephina Albina Chotek von Chotkowa und Wogüin, Dame des hochadeligen Sternkreuz- Ordens und Tochter des verstorbenen geheimen Rates, Kämmerers und Oberststaberlmeisters Sr. k. u. apostolisch k. Majestät, Bohuslaw Grasen Chotek von Chotkowa und Wognin und dessen gleichfalls in Gott ruhenden Gemahlin Gräfin Wilhelmine geborene Gräfin Kinsky von Vichnitz und Tettau, Sternkreuz-Ordens- und Palastdame" aus I Schloß Reichsstadt ehelich verbunden. Von der kaiserlichen I Familie nahmen nur die Erzherzogin Karl Ludwig Maria I Theresia von Braganza, die ©tiefmutter des Thronfolgers I und deren beide jüngere noch unvermählte Schwestern an I der Hochzeit teil. Der einzige männliche Verwandte des I Bräutigams und Trauzeugen war der Erbprinz von Löwen- I stein, ein Neffe der Erzherzogin Karl Ludwig. Außer dem I Erbprinzen von Löwenstein und Gemahlin waren die Ge- I schwister der Braut, der Obersthofmeister des Bräutigams I F. M. Graf Nostitz und der Kammervorsteher der Erz- I Herzogin Karl Ludwig Graf Cavriani anwesend. Die I Trauung vollzog der Dechant Hickisch. Nach der Ceremonie I stimmte die Orgel die Volkshymne an. Um Va12 Uhr I sand ein Frühstück statt, bei dem die Erzherzogin Maria I Theresia, die Mutter des Bräutigams, ein dreifaches Hoch I aus das junge Paar ausbrachte. Universität und Hochschule. — Die Jbernifdje Negierung wählte zum Professor des Strafrechts und Strafprozesses an der Universität Bern Wolfgang Mittermater, Extraordinarius des Strafrechts in Heidelberg. Kunst Md Wissenschaft. — Jhsen. Wie man aus Kopenhagen meldet, ist nach einer dort eingetroffenen Privatnachricht Henrik Ibsen dieser Tage bedenklich erkrankt und jetzt einigermaßen hergestellt, jedoch gebe die Gesundheit des Dichters zu lebhaften Besorgnissen Anlaß. Geistliche feine Predigt, und der ganze Gottesdienst verlies I ohne jegliche Störung. XX Reu-Ulrichstein, 1. Jult. Dte Arbeiter- Kolonie hatte Ende Juni stellen-, resp. arbeitslos 22 Mann. Seit Bestehen der Kolonie wurden ausgenommen I 3728, entlassen 3706, mithin Bestand 22. Zugänge im Juni 7, Abgänge im Juni 12. Die Abgänge verteilen I ficb: aus eigenen Wunsch 7, in Stellung 1, arbeitsscheu 4. I Darmstadt, 2. Juli. Zu dem Kindesmvrd, -en wir in unserer vorletzten Nummer telegraphisch meldeten, schreibt die „Durmst. Ztg." noch: I mehreren Jahren an epileptischen Anfällen leidende Per- I son, die hier allgemein geachtete Ehefrau emes sehr flet- I ßigen und ehrbaren Fabrikarbeiters, tötete in einem An- I falle geistiger Störung ihr dreiviertel ^ahre altes Kmd^ I ein schönes, kräftiges Knäblein. Sie lag wegen ifyreg I Leidens im Bette, während ihre Kinder am Tische saßen I und speisten. Als ein vorübergehender Händler Kirschen I feilbot hieß die Unglückliche ihre ebenfalls im Zimmeb I anwesende Mutter, Kirschen für die Kinder zu kaufen. Die Krau' eckte ahnungslos hinaus, um den Wunsch ihrer I kranken Tochter zu erfüllen. In diesem Augenblick eilte die Kranke in das Zimmer, in dem ihr Mann, der gegen- I markig in der Fabrik Nachttour hat, schlief, holte ein paar I Schuld unter dessen Bette hervor, zog sie an, eilte zur I Wohnstube zurück, faßte das jüngste Kind, lief mit dem- I selben in den Hof, ergriff hier die Axt und schlug nut dem I Rücken (Oehr) derselben dem Kinde den Schädel ein. ^Als I die Großmutter mit den Kirschen zurückkam, war die That I schon geschehen, und auch der sofort nachgeeilte Ehemann I der Bedauernswerten konnte nicht mehr hindernd em- I greifen. Die Unglückliche wurd!e heute noch in das Kran- I kenhaus zu GroUGerau verbracht. Das Gericht war zur I Aufnahme des Lhatbestandes bereits hier. Die unglückliche Familie wird sehr bemitleidet. Mainz, 2. Juli. Architekt Oppermann ist bekanntlich mit der Ausarbeitung der Pläne für die Restauration des kurfürstlichen Schlosses betraut. Herr Oppermann hat nun der Stadt Mainz einen Plan unterbreitet, welcher Weise die Restaurationsarbeiten zur Ausführung kommen sollen. Die Bürgermeisterei wird diesen Plan demnächst veröffentlichen, um auch dem Publikum mitzuteilen, in welcher Weise die Arbeiten in Angriff genommen werden sollen. Die Restaurationsarbeiten selbst werden aber nicht Dor 1. April nächsten Jahres in Angriff genommen werden. — Die Gutenberg-Feier hat in geschäftlicher Beziehung für manchen Enttäuschungen gebracht. Abgesehen davon, daß der erfolgte Konsum weit hinter den gehegten Erwar- ' langen zurückgeblieben ist, haben auch verschiedene Speku- 1 kanten mit Tribünen ihre Rechnung nicht gefunden, indem lhnen ein großer Teil der Plätze liegen blieb, wodurch sie einen Ausfall von mehreren tausend Mark in ihren Einnahmen erlitten. — In Kastel ist eine Anzahl Musterungspflichtiger gewaltsam in die Wohnung eines 82jährigen jüdischen Greises gedrungen und hat den alten Mann in der gemeinsten Weise mißhandelt. Die rohen Gesellen find bereits der Staatsanwaltschaft überwiesen. bm. Mainz, 2. Juli. Wegen des skandalösen Beiragens in Mainz und bei der Festfahrt zur Guten berg- feier ist gegen eine größere Anzahl Studierender der Technischen Hochschule in Darmstadt eine DiSziplinar- untersuchung eingeleitel worden. Staatsminister Rothe hat den Geh.-RegierungSrat Best hierher beordert, um ver- fchiedene Personen zu vernehmen, die Augenzeugen bei den unliebsamen Vorgängen waren. Außerdem schwebt ein Disziplinarverfahren gegen einen Lehrer an dem hiesigen Gymnasium, der die Partei der Studierenden auf der Festfahrt ergriffen hatte. Wie hier erzählt wird, habe StaatS- minister Rothe im speziellen Auftrag des Großherzogs dem Oberbürgermeister Dr. Gaßner sein lebhaftes Bedauern über die Vorgänge ausgedrückt. Krofdorf, 1. Juli. Im Saale des Freund'schen Gast- Hauses hatte sich heute nachmittag eine stattliche Zahl von Handwerkern der verschiedensten Berufe von hier und auswärts zusammengesunden. Der Zweck chrer Zusammenkunft bestand zunächst darin, die Satzungen der Handwerker- vereinigung zu beraten, die vor einigen Wochen für das Gebiet der Bürgermeistereien Atzbach und Launsbach neu gegründet worden war. Die Feststellung dieser Satzungen begegnete keinen Schwierigkeiten und so konnte sich die Besprechung schon nach kurzer Zeit einer Reihe von Fragen zuwenden, die für das Handwek von Bedeutung sind. So wurde über die neuen Bestimmungen, betreffend die Verleihung des Meistertitels, gesprochen, ferner über das Lehrlingswesen, insbesondere die Ausbildrng der Lehrlinge in ben Fortbildungsschulen, welche als höchst verbesserungsbedürftig bezeichnet wurde. Eine große Anzahl von Handwerkern zeichnete sich in die Vereinsliste ein. Es wurde in Aussicht genommen, die nächste Versammlung in Kinzenbach .abzuhalten. •* Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Mainz ist der Wunsch laut geworden, daß man die schöne Gartenanlage samt den Springbrunnen um das Gutenbergmonument nicht mehr entfernen, sondern daselbst FMO-M.WkM.ls.so unb höher — 14 Meter! — porto- unb zollfrei zugefanbt! Must« umgehenb; ebenso von schwarzer, weißer unb farbiger „Henneberg-Seide von 75 Pfg. bis 18,65 per Meter. 122 G. Henneberg, Seto-FalriM (t. y. L toi.) Zürich. UlaMTACAn u' oürou. Kranken z. Notiz, dass m. Kuren gegen nervösen Herzerreg., Magenverstimmung, Angst, Zwangs- gedanken, Schwachezust. etc. auch d. Saison in Auerhaeh, Hessen stattfinden. Spezifisch wirksam bei veralteter Darmträgheit. Prospekte über Eigenart und Erfolge freu 1929 Dr. Bereherdt. Gerichtssaal. Brüssel, 2. Juli. Heute vormittag begann vor bem hiesige« Schwurgericht die Berhanblung gegen Lipibo unb Genossen wegen bes Attentates auf ben Prinzen von Wales. Lipibo erklärte in seme« Verhör, bas Attentat sei nur bie Folge einer Prahlerei, aber kern vor langer Hanb vorbereiteter politischer Morbversuch gewesen, unb bestätigte bie in bet Voruntersuchung festgestellten Einzelheiten. Nach Vernehmung beö Mitangeklagten Meerts würbe die Berhanblung auf nachmittag vertagt. In ber Nachmittagssitzung wirb bie Vernehmung der Angeklagten beenbet, welche nichts neues aussagen. Als erster Zeuge erscheint ber Untersuchungsrichter Bollie, ber Über bie Ergebnisse seiner Nachforschungen berichtet. Darauf wirb ein Wassenhänbler vernommen, ber erklärte, baß bie Kugel nicht einmal bie Kleibung bes Prinzen burchbrungen haben würbe. Handel «nd Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse vem 2. Juli. Wechsel auf New-York zu 4L0%-21%. Prämien auf Kredit per ult Juli 2.100/0, do. per ult Äug. 3.80%, DiSkonto-Kommandit per ult. Juli 1.95%, do. per ult Aug. 3.10% Lombarden per ult Juli 0.65%, do. per ult Äug. 1.10%. Notierungen: Kreditaktien 214 80-000.00, Diskonte- Kommandit 179.20-40 20, Staatsbahn 142.30 ex (Abschlag ca. 1%%), Gotthard 136.00, Lombarden 26.90, Ungar. Goldrente 96.50, Italiener 94.30, Bproz. Mexikaner 25.30, Gestern Coupons 84.00, Amerik. Coupons 4.18%, Privat-Diskont 47 g% Geld. 1% bis 2®/, Uhr: Kreditaktien 214.70-212.80-213.30 bz., Dis- konto-Kommandlt 179.20-6 20-6.70 bz. , Staatsbahn —, Lombarden 26.90 bz., Dresdener Bank 148 bz., Nationalbank für Deutschland 134.20-133.80 bz., Berliner Handelsgesellschaft 150.50-149 bz., Deutsche Bank 190-187.30 bz. G., Northern 71.50-20 bz., Gelsenkirchener 190.50-188 bz., Bochumer 207.50-202 bz. Giesse», 3. Jult Marktbericht Auf dem heutigen Wochemnarkt kosteten: Butter per Pfd. 0/90-1.00 Hühnnewie per St. 6—0 4L, 2 St. 11—13 H, Enteneier 2 St. *2—14 H, Gänse- eiet per 1C-11 Käse 1 St. 5-7H, Käsnnatte LSt5-6^. Erbsen per Liter 19 Linsen per Ater 80 £, Tauben per Paar X 0.80—0.90, Hühner per St X 1-40—2.00, H^uen per Stück ; X 0.80—1.20, Enten per St. X "0—2.20, Gänse AUA X 0.00-0.00 Ochsenfleisch per Pfd. 68-74 Kuh. und Mndflessch per Pfd. 62-64 4 Schweinefleisch per Pfd. 50-70^, SchAi^- fleisch, gesalzen, per Pfd. 74 L, Kalbfür ch per Pfd. A- HammeUeisch per Pfd. 50-66 H, Kartoffeln per 100 RUoJ^Ob» 6.00^, Weißkraut per St 00-00, Zwiebeln per Ett. X 8.00—9.00, Mich per Liter 16 H Kirschen per Pfund 14—20 Dauer der Marktzeit von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags. Während der ersten drei Stunden der Marktzelt darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden. - 8% 0/0 Grossh. Hessische Staatsanleihe von 189». Die Großh. Hessische Regierung hat die Ausgabe «ner 8/,% vt«tt- anleihe von 14 Millionen Mark beschlossen, deren Erlös zur Herstellung von Nebenbahnen unb für ben Ausbau bestehender Bahnlinien bestimmt ist. Von dieser Anleche werden 12% Millam Mark am 6. d. M. in Berlin bei der Generaldirektton der Seehandlungs- Societät, der Bank für Handel und Industrie, der Dnettwn der Diskonto-Gesellschaft, der Deutschen Bank sowie den Bauhäusern S. Bleichröder und Robert Warschauer u. Co. »um Kours von 92 zur Subskription aufgelegt. Dte Tilgung der Anleche erfolgt mit den I dafür in das Budget etnzustellenden Mittel. Dem Staat bleibt daS I Recht vorbehalten, die Schuldverschreibungen oder einen beliebigen Teil, berselben zur Einlösung mit halbjähriger Frist zu kündigen. Die am 1. April unb 1. fälligen Zinskoupons werben m Darmfiabt, Berlin und Frankfurt a. M. eingelöst. Die Zahlung an ber Frankfurter Börse ist I bereits erfolgt, bie Zulassung an ber Berliner Börse beantragt. Di« I Abnahme ber zugeteilten Stücke hat vom 16. b. bis 31. n. M. zu er- I folgen.____________________________________ __ Kriefkasten der Redaktion. Cassel. Wenn Sie bie Schäben in ber Wohnung, bie Sie drei- I einhalb Jahr lang gemietet hatten, nicht selbst verschuldet habew.dann I fmb Sie keineswegs zur Tragung ber Kosten für Reparaturen verpflichtet. Wegen baulicher Veränderung meines Ladens werden sämtliche Waren-Vorräte