2* «fr «teh61ier 166 vetiet, 2» Zh». «• uhi. • SohiM. ,d^U. toht 16N Eiolögta» «Uht ej, Uat»sUdt, ^db ehe» Börse Nr. 153 Erstes Blatt. Mittwoch de« 4 Mi 19oe Alle Lnzeigen-Bermittlung-stellm befl Ja- und «u8lanMt nehmen Anzeigen für dm Gießener Anzeiger cutgcgea« ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auSwärlS 20 Pfg. Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,31 monatlich 75 Pfg. mit Bnngerlotm; durch die Abholrstelle» vierteljährl. Mk. IM monatlich 66 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 Vierteljährt, mit Bestellgeld. ■••Oeu Ww Anzeigen zu der aachmitstagS für bei ßEt^ndra L»ß scheinenden Nummer bü »onn. 10 1fr«. »kMimgro fpätesten- ab*M »«rher. Kießmer Anzeiger Heneral-Anzeiger frfMut KU LuAeahme de» Die Vießmer »erdm dem Anzeiger ta Gechf-t mit ^Heff. »enbratrt* «. Mütter Mr he«. Volttkunde- •i*L 4wtf deigelegt. Anits* und Anzeigebltttt für den 'Kreis Giefzen. UtfreBtoe, Expedition und Druckerei: >fr*t«r*6< Nr. 7. Oraüsbrilagr«: Gießener Famitienbiätter, Der hefsisthe Landwirt, Llätter für hessrfthe UsiKsKnildr. Adresse für Depefchm: Anzeiger chietz«. Fernsprecher Nr. 5L Amtlicher Teil. inten 8lellea n Tage der betreffenden möglich nach . August ds. 4561 nd. le. Uhr, t 9 srlio» mnnounerierte st Challier und 1,25 Mk. )•••• 1». Ä id D Az Js per10 Oss ftto&eJL— “tf ßbetP°“el1 Bekamttmachuna, betr.: Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter, sowie der Durschnittswerte der Naturalbezüge. Auf Grund deS § 2 der Verordnung vom 13. Dezember 1899, betr. die Ausführung deS JnvalidenversicherungS- gesetzeS vom 13. Juli 1899, und der §§ 1 und 8 des 15. Juni 1883 , KraukenversicherungSgesetzes vom 10 April 1892 oestrmmen wir hiermit, 1, daß für die Zeit vom 1. April 1900 bis 1. Oktober 1900 noch die seitherige Fest- setzung der ortsüblichen Taglöhne gewöhnlicher Tagearbeiter (siehe Bekanntmachung vom 10. November 1892, Kreisblatt Nr. 266) maßgebend und in Kraft bleibt. 2. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1900 au haben wir nach Anhörung sämtlicher Gemeindevorstände die ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter, wie folgt, neu festgesetzt: für Personen für Personen über unter 16 Jehren 16 Jahren männl, weibl. männl, weibl. Mk. Mk. Mk. Mk. a) für die Stadt Gießen . . . 2.20 1.50 1.20 1.— b) für die Gemeinden Allendorf a. d. Lahn, Alten-Buseck, Annerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daub- ringen, Garbenteich, Großen- Buseck,Großen-Linden, Grünberg, Hausen, Heuchelheim, Klein-Linden, Langgöns, Leihgestern,Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Steinbach, Trohe, Watzenborn-Steinberg und Wieseck . 2.— 1.30 1.10 0.90 c) für die Gemeinden Albach, Allen- dorsa d.Lda., Bellersheim, Bersrod, Bettenhausen, Birklar, Dors- Gill, Eberstadt, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Kesselbach, Langd, Langsdorf, Lich, Londorf, Muschenheim, Ober- Hörgern, Obbornhofen, Rabertshausen, Rodheim, Steinheim, Trais-Horloff, Treis a. d. Lda., Utphe und Winnerod . . . 1.80 1.20 1.10 0.90 d) für die Gemeinden Allertshausen, Beltershain, Climbach, Ettingshausen, Geilshausen, Göbelnrod, Harbach, Hattenrod, Lauter, Lindenstruth, Lumda, Münster, Nieder-Bessingen, Nonnenroth, Ober - Bessingen , Odenhausen, Queckborn,ReinhardShain, Röthges, Rüddingshausen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Gillingen, Weickartshain und Wei- tershain........1.70 1.10 1.— 0.80 Die hier sestgestellten Löhne bilden den Maßstab, nach welchem bei der Gemeindekrankenversicherung das Krankengeld und die Höhe der Versicherungsbeiträge und bei den eingeschriebenen und sonstigen Hilfst assen ohne Beitrittszwang (wenn deren Mitglieder von der Verpflichtung zum Beitritt zur Gemeindekrankenversicherung oder einer anderen nach Maßgabe des Gesetzes errichteten Krankenkaffe mit Ausnahme der Knappschaftskaffen entbunden werden sollen) das Krankengeld zu berechnen ist, sowie den Maßstab zur Berechnung der Lohnklassen und Beiträge zur Invalidenversicherung für diejenigen Versicherten, die nicht unter § 34, Abs. II, Ziffer 1—4 deS Jnvalidenversicherungsgesetzes vom 13. Juli 1899 fallen, und mit Ausnahme der Lehrer und Erzieher (siehe § 34, Abs. II, Ziffer 5 des Jnv.-Vers.-Ges.). 3. Bezüglich der Durchschnittswerte der Naturalbezüge behält es auch vom 1. April 1900 an bei der seitherigen Festsetzung sein Bewenden, bezw. werden besondere Festsetzungen von Fall zu Fall erfolgen. Dieselben sind z. Zt. festgesetzt: a) für die Stadt Gießen: Mk. Wohnungen alleinstehender Betriebsbeamten, Gewerbe- und Handlungsgehilfen, Dienstboten rc. jährlich..... 48.— Familienwohnung, jährlich.......144.— Freie Kost für männliche und weibliche Personen: a) Morgenkaffee 10 Pf. b) Frühstück 10 „ c) Mittagessen 35 „ d) VeSper 10 „ e) Abendbrod 25 „ volle Kost zus. 90 Ps. oder jährlich rund . 320.— Heizung, jährlich......... 15.— Beleuchtung, jährlich........ 5.— b) für die Landgemeinden des Kreises: Wohnung, jährlich......... 30.— Kost für männliche Personen, jährlich . . . 200.— „ „ weibliche „ „ . . . 170.— Heizung, jährlich......... 15.— Beleuchtung, jährlich........ 5.— Gießen, den 24. März 1900. Großh. KreiSamt Gießen. v. Bechtold. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien deS KreiseS. Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie wiederholt in Ihren Gemeinden ortsüblich veröffentlichen laffen. Wir bemerken hierzu noch Folgendes: 1. Vom 1. Oktober 1900 ab betragen also diewöchen- lichen Krankenversicherungs-Beiträge: für Personen für Personen über unter 16 Jahren 16 Jahren männl, weibl. männl, weibl. a) für die Stadt Gießen b) für diejenigen Gemeinden vorstehenden Bekanntmachi unter 2b die 2% erheben . . die °/o erheben . c) für diejenigen unter 2c die 2% erheben. . die l5/i % erheben . die iVa °/o erheben . die lV4o/o erheben . d) für diejenigen unter 2d die 2% erheben . . die l'/zv/o erheben . 2. Vom 1. Oktober 1900 ab Versicherungs-Beiträge s nicht unter § 34, Abs. II, . Versicherungsgesetzes fallen Mk. Mk. Mk. Mk. . 0.20 0.14 0.11 0.09 . 0.24 0.16 0.13 0.11 . 0.18 0.12 0.10 0.08 . 0.22 0.14 0.13 0.11 . 0.19 0.13 0.12 0.10 . 0.16 0.11 0.10 0.08 . 0.14 0.09 0.08 0.07 . 0.20 0.13 0.12 0.10 . 0.15 0.10 0.09 0.07 tragen die Invalid e n- diejenigen Personen, die fer 1—4 des Jnvaliden- ) nicht Lehrer oder Erzieher find: a) in der Stadt Gießen: bei männlichen = 24 Psg., bei weiblichen — 20 Psg., b) in den Gemeinden unter 2b der vorstehenden Bekanntmachung : bei männlichen = 24 Psg., bei weiblichen — 20 Psg., c) in den Gemeinden unter 2 c dieser Bekanntmachung: bei männlichen ----- 20 Pfg., bei weiblichen — 20 Psg., d) in denjenigen unter 2d der erwähnten Bekanntmachung: bei männlichen — 20 Pfg., bei weiblichen — 14 Psg. 3. Für die in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigten Personen bleiben auch fernerhin die in der Bekanntmachung vom 17. März 1899 (Kreisblatt Nr. 67) angegebenen Sätze der Invalidenversicherungs-Beiträge bestehen, nämlich: a) in der Stadt Gießen und in Großen-Linden: bei männlichen ----- 24 Psg., bei weiblichen = 20 Pfg., b) in den übrigen Gemeinden des Kreises: bei männ- lichen — 20 Psg., bei weiblichen — 14 Psg. Den Rechnern der Gemeindekrankenverficherungen und der örtlichen Jnvalidenversicherungsstellen wollen Sie unter Mitteilung der vorstehenden Bekanntmachung und Verfügung entsprechende Anweisung erteilen. v. Bechtold. Gießen, 1. Juli 1900. Betr.: Die Herrichtung von Schullokalitäten während den Ernteserien. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien des KreiseS. Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß wir die pünktliche Erfüllung der Vorschriften in rubr. Betr. von Ihnen erwarten. Der Anstrich der Wände in den Schulzimmern muß mindestens alle 2 Jahre erneuert werden und muß hierzu Leimfarbe verwendet werden, die nach dem Trocknen nicht absällt oder stäubt. (Ausschreiben Gr. M. d. I. u. d. I. A. f. Sch. A. vom 29. Juli 1876). v. Bechtold. Gießen, den 1. Juli 1900. Betr.: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Falle einer Mobilmachung. Die Großh. Kreis-Schulcommission Gießen au die Schulvorstände deS Kreises. Sie wollen die Lehrer oder Schulverwalter einklassiger Schulen, welche militärpflichtig sind, darauf aufmerksam machen, daß Gesuche um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung innerhalb 8 Tagen bei uns einzureichen find. Später einlausende Gesuche können nicht berücksichtigt werden. In den Gesuchen ist anzugeben: 1. Civilstellung, 2. Vor- und Zunamen, 3. Militärcharge und Truppengattung, 4. Genaue Angabe des Truppenteils, Regiment, Kompagnie rc., bei welchem der Eintritt erfolgt ist, und Datum des letzteren, 5. Bezirk des Landwehrbataillons. Bei Lehrern oder Schulverwaltern, welche bereits früher bei uns reklamiert haben, bedarf es der Angaben 1—5 nicht, es genügt hier einfache Meldung. Abwesende Lehrer oder Schulverwalter, die als alleinstehende Lehrer zur Reklamation berechtigt sind, wollen Sie sofort benachrichtigen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Die nachstehenden Anordnungen des Königlichen Land- ratSamtS zu Wetzlar bringen wir hiermit zur Kenntnis der Interessenten. Gießen, den 30. Juni 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung des auf den 5. Juli d. Js. in Ehringshausen anstehenden Biehmarktes an die Bedingungen geknüpft, welche durch die untenstehende diesseitige Bekanntmachung vom 4. Oktober 1898 angeordnet worden sind. Für die Einführung von Händlervieh in den Kreis Wetzlar gilt jedoch die in Nr. 110 des „Wetzlarer Anzeigers" vom 12. Mai 1900 veröffentlichte polizeiliche Anordnung des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 27. März 1900. Aus der Provinz Oberhessen deS Großherzogtums Hessen und den preußischen Kreisen Biedenkopf und Usingen dürfen Rindvieh, Schweine und Schafe nicht ausgetrieben werden. Wetzlar, den 27. Juni 1900. Der Landratsamtsverwalter. Aekarrntmachung vom 4. Hklover 1898. An die Abhaltung der im Kreise Wetzlar stattfindenden Viehmärkte werden zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche bis aus weiteres folgende Bedingungen geknüpft: 1. Für den Aus- und Abtrieb der Tiere ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen. Die Benutzung anderer Stellen für den Aus- und Abtrieb, ebenso das Handeln mit Vieh außerhalb der Marktplätze ist verboten. Der Auftrieb darf im Winter nicht vor 9 Uhr und im Sommer nicht vor 8 Uhr vormittags stattfinden. 2. Aus die Märkte dürfen nur Tiere aus seuchenfreien Orten, deren Führer mit giltigen behördlichen Ursprungszeugnissen versehen sind, aus« getrieben werden, Tiere von Händlern aber nur dann, wenn in jenen NrsprungSzeugniffen weiter bescheinigt ist, daß die Tiere sich die letzten sieben Tage in unverseuchtem Zustand in seuchesreien Orten befunden haben. Im übrigen gilt für die Einführung von Händlervieh in den Kreis Wetzlar die in Nr. 109 des „Wetzlarer An« zeiger" vom 11. Mai 1897 veröffentlichte polizeiliche Anordnung des Herrn Regierung- - Präsidenten zu Koblenz vom 13. April 1897. 3. Bei dem Austrieb der Tiere hat der Eigentümer oder Füherr dem anwesenden Polizeibeamten das unter Nr. 2 erwähnte Ursprungszeugnis vorzuzeigen. Außer von der Kontrolle der Ursprungszeugnisse ist der Austrieb von der vorherigen Besichtigung und Nichtbeanstandung der Tiere durch den Kreis« tierarzt allhängig. 4. Seuchenkrauk und seuchenverdächtig befundenes Bieh unterliegt den vorläufigen Anordnungen des Kreis- tierarzteS. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Gprechftnnden der GerichtSfchreiberei auf 10—12 Uhr vorrrrittagS festgesetzt sind, und daß der Gerichtstag, an welchem der unterzeichnete Richter für das Publikum zu sprechen ist, aus DouuerStag, und zwar in der Zeit von 8—12 Uhr vormittags und 3—5 Uhr nachmittag-, bestimmt ist. Zu anderer als der festgesetzten Zeit hat niemand Anspruch, angehört zu werden, es handle sich denn um eine sehr dringende Angelegenheit. Lich, den 26. Juni 1900. Großherzogliches Amtsgericht. _____________________Giller._____________________ Bekanntmachung. Kiel, 14. April 1900. Wilhelmshaven, 20. April 1900. Im Herbst 1901 wird eine größere Anzahl tropen- dienstfähiger Dreijährig-Freiwilliger für die Besatzung von Kiautscho« zur Einstellung gelangen. Ausreise: Frühjahr 1902. — Heimreise: Frühjahr 1904. Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner u. s. w.) und andere Handwerker (Schuhmacher, Schneider usw.) werden bei der Einstellung bevorzugt. Die Mannschaften erhalten in Kiautschou neben der Löhnung und Verpflegung eine Teuerungszulage. Bewerber, von kräftigem und mindestens 1,67 Meter großem Körperbau, welche vor dem 1. Oktober 1882 geboren sind, haben ihr Einstellungsgesuch mit einem auf dreijährigen Dienst lautenden Meldeschein entweder: dem I. Teebataillon in Kiel: zum Diensteintritt für das DI. Seebataillon, oder dem II. Seebataillon in Wilhelmshaven: zum Diensteintritt für da- III. Seebataillon und die Marineseldbatterie, oder der III. Matrosenartillerie-Abteilnng in Lehe: zum Diensteintritt für das Matrosenartillerie- Detachement Kiautschou (Küstenartillerie) bis spätestens Ende Febrnar 1901 einzusenden. Kaiserliche Inspektion Kaiserliche Inspektion der Marineinfanterie. der Marineartillerie. Politische Tagesschau. Der Schluß der „Enquete" der „Deutschen Juristenztg." über die Frage, ob das Rechtsstudium deu Realgymuafiasten zugänglich gemacht werden soll, wird in der neuesten Nummer des Blattes mitgeteilt. Es sei das folgende Gutachten des Hauptmitarbeiters am Bürgerlichen Gesetzbuch, des Wirkt. Geh. Rats Dr. Planck, hervorgehoben: Für die Frage kommt es einerseits darauf an, ob die Kenntnis der griechischen Sprache unmittelbar für dm juristischen B«uf von Bedeutung ist, andererseits aber darauf, ob die allgemeine Vorblldung, welche die humanistischen Gymnasien unter Mitbenutzung des Griechischm gewähren, eine bessere Grundlage für das Rechtsstudium und für die Erfüllung der dem Juristen im Leben obliegmdm Aufgabm gewährt, wie sich auf den Realgymnasien erreichen läßt. Was dm ersterm Punkt anlangt, so glaube ich, daß die Kenntnis des Griechischen bei der jetzigen Lage des Rechtes nur noch eine geringe Bedeutung hat und daß die Kenntnis der neueren Sprachen für dm juristischen Beruf von größerem Werte ist wie die Kmntnis des Griechischen. Für wissenschaftliche, insbesondere rechtsgeschichtliche Arbeiten wird allerdings auch jetzt noch die Kenntnis des Griechischen nicht wohl zu mtbehren sein; dies kommt aber für die Vorbildung der Juristm im allgemeinen nicht in Betracht. Bei der Entscheidung der zweiten Frage handelt es sich darum, auf welchem Wege die gesamte Persönlichkeit am besten entwickelt und für den juristischen Beruf am tüchtigsten durchgebildet wird; es handelt sich hier also wesmtlich um ideale Mommte. Die Beantwortung dieser Frage setzt eine genaue Kmntnis der Schulpläne der verschiedenen Arten der Gymnasien, und der Art und Weise, in welcher die Schulpläne ausgeführt werden, wie der Ergebniffe voraus, welche die verschiedenm Gymnasim erzielm. Die Kenntnis traue ich mir nicht in dem Maße zu, um eine bestimmte Antwort geben zu können. Meine persönliche Sympathie steht auf Seiten der humanistischen Gymnasim. Der Brand der Lloyddocks in Hoboken. Das Unglück, das den Norddeutschen Lloyd in New-. Work bettofffen hat, stellt sich als sehrvielgrößer und furchtbarer heraus, als anfangs angenommen wurde. Der ganze große Pier mit seinen gesamten, Einrichtungen und den auf ihm lagernden Warenmassen' ist ein Raub der Flammen geworden, und drei der schönsten und größten Schiffe des Lloyds haben schwere Beschädigfungen erlitten. Ueber die Zahl der verlorenen Menschenleben Liegen Noch keine sicheren Nachrichten Vor, doch scheinen sie mehrere Hundert zu überschreiten. Der Pier des Norddeutschen Lloyds liegt am User von Hoboken, der halb oder vielmehr dreiviertel deutschen Vorstadt von New- Pork. Durch immer neue Ankäufe hat ihn der Lloyd dett- artig vergrößert, daß er heute die größte Hafenanlage in New-Pork darstellt. Die Anlage besteht aus drei oder vier senkrecht und parallel in den Hudson hineingebauten Pieren, d. h. breiten Holzstegen, an deren beiden Seiten je ein Schiff anlegen und löschen kann. Die Länge der Piere ist so bemessen, daß a« ihnen auch die allergrößten Dampfer Platz finden können, sie werden also über 200 Meter lang sein müssen. An dr.^p Pieren würden sechs Schiffe Platz finden können, und dafür ist manchmal auch Bedarf, da der Lloyd drei Linien nach New-Port unterhält. Im Augenblicke des Brandts lagen vier Schiffe in der Anlage, sodaß auch die Zwischesträume zwischen drei Pieren ganz und gar ausgefüllt roarew Am Ufer, dort, wo die Piere auf das Festland stoßen, liegen in einer Ausdehnung von ivohl 6- bis 700 Meter Front die großen Schuppen und sonstigen Baulichkeiten des Lloyds, ein mächs- tiger Komplex von Gebäuden, der den Raum zwischen den Pieren ujnd der Hobokener Hafenstraße ausfüllt. Hier befinden sich alle Einrichtungen, die in allem den modernstes Anforderungen entsprachen. Oberster Leiter der Anlagen war der Inspektor Möller, der vor einigen Jahren an diesen Posten berufen wurde. Durch diese Lage der Piere erklärt sich, daß, als das Feuer auf den Festlandsanlagen ausbrach, den Leuten auf den Schiffen der Rückzug nach der Landseite vollständig abgeschnitten wurde. Da das Feuer mit unheimlicher Schnelligkeit um sich griff, konnten die auf den Pieren beschäftigten Menschen nur nach der Flußseite hin gerettet werden, und am einfachsten hätte sich das gemacht, wenn die Schiffe unter eigenem Dampf hätten auslaufen können. Zu allem Unglück aber waren die Dampfer nicht unter Dampf, sodaß sie nicht mit eigenex Kraft gehen konnten. Meist werden immer nach dem Einlaufen im Hafen die Feuer gelöscht, um Kessel und Maschinen einer gründlichen Durchsicht und Reinigung zu unterziehen. Das Feuer wird erst wieder aufgemacht, wenn die <Ächisie auslaufen sollen. Da also eigene Kraft nicht vorhanden war, mußte man warten, bis Schlepper von der Flußseite eintrafen und die Schiffe aus dem Pier her- auszogen. Dies Eintreffen der Schlepper scheint sich aber auch verzögert zu haben, vielleicht sind auch nicht gleich eine genügende Anzahl Schlepper vorhanden gewesen, um alle Schiffe gleichzeitig zu schleppen; kurz, die Schiffe sind nur eines nach oem anderen herausgebracht worden und Main scheint überhaupt zwischen den Pieren stecken geblieben zu sein. Diejenigen Boote, deren Herausschleppen^ zuletzt in Angriff genommen wurde, standen schon in Flammen, sodaß die Anbringung der Schlepptaue nur schwer LAnd mit Zeitverlust erfolgen konnte. Außer der Besatzung der Schiffe befanden sich noch am Pier bezw. auf den Schiffen die mit dem Verladen beschäftigeten Arbeiter, und endlich, wie es scheint, auch ein halbes tausend Besucher, die an den hierzu freigegebenen Tagen sich auf den Lloydschiffen einzufinden pflegen. Alle diese Mepschen dürsten, da der Ausweg nach der Landseite durch Feuer versperrt war, sich zunächst auf die Schiffe gerettet haben in der Hoffnung, daß sie mit diesen rasch auf den,' Fluß gelangen könnten. (Äitwärts war auch kein Entrinnen möglich, da die seitwärts liegenden fremden Piere, darunter rechts das der Hamburg^-Amerika-Linie, durch hohe Bauten abgesperrt sind. Auch sich durch Schwimmen; von den bald brennenden Schiffen zu retten, war sehr bedenklich, da der 'glanze Raum zwischen den Pieren wahr- scheinlich bald durchbrennende Gegenstände ausgefüllt war, sodaß man den Mut hätte haben müssen, in ein Feuermeer zu springen. Zudem wird man wohl auch bis zum letzten Augenblick geglaubt haben, es werde wohl nicht so schlimm werden und man könne ruhig abwarten. Es versteht sich von selbst, daß die Besatzung bis zum letzten Augenblick ausharren und das Menschliche und Ueberinenschliche thun mußte, um die ihr anvertrauten Schiffe und die Menschenleben zu retten. An Bord befinden sich alle möglichen! Löschvorrichtungen, die es ermöglichen, in kurzer Zeit ganze Kompartiments unter Wasser zu setzen und das im Schiffsraum entstehende Feuer durch Wasser oder durch Wasserdampf zu unterdrücken. Auch an Deck sind solche Vorrichtungen, und auch lvenn die Hauptkessel nicht unter Dampf stehen, wird ihr Funktionieren meist durch kleine Hilfsmaschinen gesichert, die so wie so zum Betriebe des Ladegeschirres nötig sind. Daß es Mit ihnen nicht möglich war, das Feuer zu bekämpfen, beweist, daß dieses in ungeheuren, unüberwindlichen Massen auf das Deck der Schiffe gefallen sein muß. Furchtbare Schrxckensscenep werden von den Dampfern Bremen, Saale und Main gemeldet, wo anscheinend schwere Menschenverluste zu beklagen sind. Als die Dampfer Bremen und Saale auf den Hudson hinausaeschleppt wurden, standen sie in Hellen Flammen, und die Mannschaften suchten sich durch Ueber- bordspringen zu retten, wobei auch, viele von den Schleppdampfern aufgefischt wurden. An Bord der Main hatten sich 16 Mann in die untersten Kohlenbunker geflüchtet, wo sie auch glücklich nach Löschung des Feuers lebend herauss» gezogen wurden. Was die beschädigten Schiffe anlangt, so ist der Kaiser Wilhelm der Große so bekannt, daß über ihn nichts gesagt zu werden braucht- Glücklicherweise ist es seinem wackeren Kapitän Engelbart gelungen, den stolzen Dampfer ohne allzuschwere Beschädigung zu retttrt. Der Schnelldampfer Saale, Kapitän Minow, hat 5300 Tonnen und 9500 Pferdekraft; erbaut ist die Saale im Jahre 1886, doch wurde sie vor zwei Jahren einem so durchgreifenden Umbau unterzogen, daß sie seitdem wieder für einen durchaus modernen erstklassigen Schnelldampfer, gelten konnte. Sie entwickelt eine Geschwindigkeit von ungefähr 19 Knoten und gehört zu den beliebtesten Pafsagiev- schifsen. Gebaut ist die Saale noch in England, doch wurde ihr großer Umbau, durch den das Schiff auch zwei Schrauben erhielt, a'uf dem Stettiner Vulkan vollzogen. Die B r e m e n ist seit drei Jähren in Dienst und bei Schichau in Danzig gebaut. Die Bremen, Kapitän Nierich, gehört zur Klasse der Barbavossadampfer, die im Sommer zwischen Bremen und New-N^rk fahren, im Winter dagegen als Reichspostdampfer nach Australien gehen. Diese Schiffe von 10 500 Tonnen und sehr schönen Einrichtungen für Passagiere gehören zu den besten Booten des Lloyds und werden von solchen Reisenden, denen cm einer sehr schnellen Reise nicht viel gelegen ist, vielfach den Schnelldampfern vorgezogen. Sie haben über dem Hauptdeck einen ungemein hohen Aufbau, an dem sich naturgemäß viel Holx befindet, sodaß das Feuer hier rasch und reichlich Nahnung fand. Auch dieses Schiff rst ein DoppelschrauSer, ebenso wie auch der Main, der bei der Katastrophe am schlimmsten fortgekommen zu sein scheint. Die vier in Frage kommenden Schiffe dürften zusammen einen Wert von mehr al^ 20 Millionen darstellen, doch kann man sich natürlich kein Bild davon machen, wie groß die Kosten ihrer Wiederhers- stellung sein tvürden. Da der Kaiser Wilhelm der Gwße trotz der Beschädigungen fahrplanmäßig abgehen soll, so darf man annehmen, daß er wenigstens noch recht glimpflich fortgekommen ist. Durch das Feuer aus dem Norddeutschen Lloyd »vurde auch der Pier der Hamburgs-Ame- riklvLinie, auf dem die Dampfer Kaiser Friedrich und Phönicia lagen, in Gefahr gebracht. Letzterer scheint auch, wenngleich uinerheblich, beschädigt zu sein. Erfreulich ist es, nach englischen Nachrichten feststellen zu können, daß die Disziplin an Bord der Schiffe, selbst in der furchtbaren Lage, in der sie fich befanden, durchweg gewahrt wurde« und daß der Ruf der deutschen Semannschaft auch ausj dieser schweren Prüfung glänzend hervorgegangen ist. Nach, einer Meldung der „Daily Expreß" aus New- Bork waren die Schiffe voll von Arbeitern, die Kohlen und Ladung hineinschafften, reinigten und anstrichen. Es war außerordentlich heiß und alles war dem Feuer günstig. Am frühen Nachmittage explodierte ein gläserner Ballon voll Säure, der mitten zwischen Haufen von Baumwollballen und anderen Waren stand. Die brennende Flüssigkeit verbreitete sich und das trockene Holz der Docks fing Feuer wie Zunder. Ehe die Leute auf den Piers und den Schiffen alarmiert werden konnten, sprangen die Flammen von Dock zu Dock und schnitten jeden Ausweg ab. Fast im Augenblick waren die Piers-Halbinseln vom Feuer bedeckt und das Feuer sprang über auf die Schiffe. Die Leute, Iberen Rückweg abgeschnitten war, liefen auf die Pierenden zu und stürzten sich in den Hudson. Dutzende, welche dies nicht konnten, wurden vom Ranchi überwältigt. Das Feuer bedeckte die oberen Decks der Schifte so schnell, daß Besucher und Arbeiter schon ihren Ausweg abgeschnitten fanden, als sie die Flammen entdeckten. Manche Männer arbeiteten noch tm Schiffsräume weiter, ohne vom Brande oben etwas zu wissen. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle, konnte aber wenig thun. Eine Feuerwehr-Station war nur 400 Fuß von den Docks entfernt, aber die Flammen rückten so schnell heran, daß, als die Dampffpritze ankam, ihr Führer von Hitze geblendet vom Sitze fiel, während die Pferde durchgingen, tim die Flammen liefen und verbrannten. Der Lärm war fürchterlich, die Schreie der um kommenden Menschen, die Schreie der Pferde, das laute Geräusch der Flammen, die Explosion der Whisky-Fässer und der Säure- Ballons, das Fallen per Balken und das Tönen der Pfeifen der großen schwimmenden Dampffpritzen, die von New- Dork kamen, verursachten einen Lärm, der weit bis Manhattan gehört wurde. So schnell sprangen die Menschen ins Wasser, daß es aussah, wie ein Seebad. Kleine Dampfer und andere Fahrzeuge eilten herbei, kamen so nahe heran wie es die Sicherheit gestattete und retteten Hunderte, aber ringsum ertranken Männer, Frauen und Kinder. Besucher und Arbeiter auf den Schiffen konnte man, während der Rauch sich hob, beim vergeblichem Versuche, an das Geländer zu kommen und über Bord zu springen, niederfallen sehen. Die Beamten des Lloyd versuchten zunächst, die Schifte in den Fluß hinaus zu ziehen, wo die Dampffpritzen ihre gewaltigen Wasserströme ft ei über sie ergießen konnten. Zwanzig für 2000 Dollar gecharterte Schleppdampfer brachten den Dampfex „Kaiser Wilhelm der Große" in Sicherheit. Wie dem „Daily Telegraph" aus New-Pork berichtet wird, sprangen drei Personen vom „Kaiser Wilhelm", als die Schleppdampfer an denselben befestigt wurden, über Bord, allein sie wurden wieder aufgefischt. Die eisernen Taue hielten den „Kaiser Wilhelm" noch fest am Pier und sie waren so heiß geworden, daß die Mattosen sie nicht hantieren konnten. Sie mußten mit Aexten durchgehackt rverden. Der große Dampfer brannte 30 Fuß über der Wasserlinie, aber der Brand wurde gelöscht wähtend Wan ihn hinausschteppte. Dem „Expreß" zufolge rissen sich die „Saale" und „Bremen", als sie völlig brennend hinaus geschleppt wurden, mitten im Sttome los und trieben zur New-Norker Seite hinüber, wo sie verschiedene Piers anzündeten. Durchs übermenschliche Ansttengungen brachten die Feuerwehr boote sie wieder in den Sttvm hinaus und setzten sie auf der New-Jersey-Seite auf den Strand. Auf der „Saale" schoben verschiedene Mütter ihre Kinder durch die Luken und ließen sie in das Wasser fallen. Bei Nacht war die Szene fürchterlich. Die „Saale" und „Bremen" brannten mitten im Flusse und Dutzende von Booten, die in den Docks gewesen waren, loderten hell. Ink Lichte der Flammen konnte man sehen, wie die unglücklichen Ueber- lebenden in den Schiffen an den Luken nach Luft rangen. Feuerwehrleute konnten deutlich ihre Hilferufe vernehmen, Äer tvenn diese auch; im stände gewesen tvären, an die Seite der Schiffe heranzukommen, so hätten sie doch nicht durch die Stahlplatten durchbrechen können. Die meisten Besucher waren auf der „Bremen", aber viele waren auch auf anderen Schiffen. Die Hospitäler arbeiteten die ganze Nacht, um den endlosen Strom von Patienten zu behandeln. Erst Sonntag mittag bekam man das Feuer auf den Schiffen unter Kontrolle. Die Feuerwehrboote zogen sie aus seichte Stellen, wo man sie bei der Ebbe erreichen kann. Biele Leichen sieht man jetzt aus den Verdecken. Der Norddeutsche Lloyd übernimmt die Beerdigung der geborgenen Leichen. Der Fluß ist voll von Wrackftücken und Trümmern von den Docks, den Schiffen und Booten. Spät am Sonntagnachmittag wurden 50 Leichen von den oberen Verdecks der „Saale" entfernt. Alle waren auf den Eisenplatten geröstet und verkohlt, viele Leichen in den unteren Verdecks sind bis zu Asche verbrannt. Ueber die Verlustliste gehen die Meldungen der Blätter sehr auseinander. Die Staatszeitung" sagt, 360 Personen seien umgekommen, die „Times" spricht von ebensoviel, während der „Herald" die Zahl 320 und die „Tribüne" über 300 angiebt. Andere Blätter sind näher an 400 als an 300. Unzweifelhaft ist, daß viele Menschen verloren sind, von denen mau nie etwas erfahren wird, da bei der Polizei Meldungen von Angehörigen zahlreicher Vermißter eingehen. Bon allen Leiche» sind *»r fünf identifiziert, nämlich diejenige des Kapitän- Mirow von der „Saale", der auf seinem Schiffe den Heldentod starb, indem er die Rettung desselben versuchte; ferner die Leichen der Stewardeß Philomena Cordes aus Bremerhaven, des Matrosen Christian Bolchmann und des Führers der Frachtverlader, Henry F. Kardel aus Ho- bolen, des Stewards Ludwig Meyer von der „Saale". Unter den Vermißten find die Oberstewardeß Anna Elbut von der „Saale", Carl Gahre, zweiter Maschinist der „Saale", Matrose William Hackbord, Koch Georg Hannewacker, Obersteward Charles Kolbe, Steward Adolph Oelberking, Steward Hermann Prendt, Matrose Oskar Richter, Hochbootsmann Diederich Rolfs (derselbe kam um, weil er nicht die „Bremen" verlaffen wollte, bevor nicht seine Untergebenen gerettet waren), Steward Joseph Thiele- mann, Küchenmann Otto Weber, der Oberingenieur des Schiffes „Bremen", Hagen, und der erste Offizier, Halberg. Die Liste der vermißten Schiffsmannschaften ist noch lange nicht vollständig. Schwerverletzt sind der erste Offizier der „Bremen", Adolph Ahlborn, der Elektriker desselben Dampfers, Her- Mann Becker, die Stewardeß Dorothea Holme, Obersteward Gustav Kühne, die Stewardeß Lina Ella Laine und Emma Petersen, der Heizer Emil Weieuheimer, der Matrose Ernst Benner und die Stewardeß Emilie Schmuck. Die vollständige Liste der Vermißten soll erst morgen ausgegeben werden, da noch Leute in den Hospitälern gefunden werden. Die Schuld an der Ausbreitung des Feuers wird dem Umstande zugeschrieben, daß in Hoboken und New-Aork noch hölzerne Speicher altmodischer Art vor- Händen waren. Die Schiffsmannschaft hielt sich durchweg vorzüglich, dagegen werde mehrfach geklagt, daß die Feuerwehren von Hoboken mehr Wert darauf legten, Eigenthum als Menschen zu retten. Die Direktion des Norddeutschen Lloyd teilt mit, daß die auf Piers befindlichen Bauten durch Verficherung ge- deckt find. Auf den in Frage kommenden Dampfern läuft der Lloyd ein Selbstrifiko von 8,700,000 Mk. Der Umfang des Schadens an den Dampfern ist noch nicht fest- zustellen. Die Direktion hofft jedoch, daß es fich bei allen drei Dampfern lediglich um Partialschäden handelt. Der Kontreadmiral Melville erklärte, daß er den Brand von einem Remarqueur aus angesehen habe, und daß die Aufführung des Schiffspersonals, speziell auch der Offiziere, über alles Lob erhaben sei. Er erklärte ferner, es sei ein Fehler der Schiffsbauer, daß sie die Luken so klein und eng Herstellen, daß Niemand sich durchzwängen könne. — Der Kapitän H. Engelhart vom „Kaiser Wilhem der Große" übersandte den Blättern ein Schreiben, in dem er der Mannschaft für die aufopfernde Thätigkeit während des Feuers dankt. Der Schiffsarzt Grahn von der „Phoenicia" sowie der zweite Offizier Zander erzählen, daß ein Schleppboot-Kapitän, als er aufgefordert ward, zu retten, erklärte: „Laßt doch die Grünhörner ersaufen!" Dieser, sowie andere die Hilfe verweigernde Kapitäne sind bekannt, und werden zur Verantwortung gezogen. — Der deutsche Botschafter von Holleben hat eine Konferenz mit Schwab. — Der Norddeutsche Lloyd kaufte eine Grabstätte für die Opfer der Katastrophe. Graf Zeppelins lenkbares Luftschiff. Friedrichshafen, 30. Juni. Ein glühend heißer Tag. Männlein, Weiblein und Kinder wischen sich in der Mittagsglut den Schweiß von der Stirn. Wir»^ endlich jener seit Jahresfrist bis zum lleberdruß angetündchte und widerrufene Aufstteg vor sich gehen, an den auchl letzt grade die Einheimischen nicht recht glauben wollen ?Wtnd und Wetter sind so günsttg, als nur denkbar, und pieyveite Fläche des „schwäbischen Meeres" ist glatt, als ob sie mit Oel übergossen wäre. Auch weht auf der „Arche Noahs", wie die Ballonhalle ihrer Gestalt entsprechend hier scherzweise genannt wird, die deutsche Flagge, die den entscheidenden Entschluß zum Aufstteg anzudeuten scheint. Am Ufer haben Tausende von Menschen, und zwar die klügeren. Poften gefaßt, während diejenigen, die für ihr gutes Geld ein Dampferbillet erstanden hatten, dermaßen weit vom Schauplatz des beabsichtigten Aufsttegs entfernt blieben, daß sie bestenfalls so gut wie gar nichts gesehen haben würden. Imposant allerdings sah es aus, wie fast ein Dutzend Dampfer der fünf Uferstaaten in zwei Linien der Ballonhalle gegenüber Front machten. Schort war es 6 Uhr, also eine volle Stunde später als die festgesetzte Zeit des Aufstiegs, als im Auftrage des Grafen Zeppelin der Hafenkapitän von Friedrichshafen in einem Lernen Motorboot bei den verschiedenen Dampfern vorbeifuhr, um anzukündigen, daß man sich noch eine halbe Stunde gedulden möge, da der Graf alsdann ganz gewiß aufsteigen werde. Um 7 Uhr wurde jedoch die deutsche Flagge über der Salonhalle durch ein blaues Fähnchen ersetzt, woraus sowohl die Kapitäne der Dampfer als das Publikum den Schluß zogen, daß es für heute mit der Aussicht auf einen Aufstteg vorbei sei. Sehr verschieden lautet das Urteil über die Ursachen dieses- „Schwabens streiches". Während jene vielen Tausende, die aus ganz Schwäbenland, der Schweiz und Bayern zugereist sind, an irgend einen in letzter Stunde entdeckten Fehler des komplizierten Apparates denken, scheinen die Einheimischen eher der Ansicht zuzuneigen, daß der Graf den Aufstteg für heute überhaupt gar nicht ernstlich beabsichtigt habe. Bei- einer zweiten Ankündigung, so meint man, werde nicht der vierte, bei einer dritten nicht der zehnte oder zwanzigste Teil der heutigen Volksmenge anwesend und dadurch naturgemäß die ungenierte Erprobung des Unternehmens erleichtert sein. Gegen diese Annahme spricht jedoch, daß sich an Bord des Dampfers König Karl nicht nur in sehr großer Anzahl Offiziere verschiedener deutscher Heereskonttngente, sondern auch einige Mitglieder des württembergischen Königshauses befanden, die man dochf schwerlich, selbst wenn man sich solches mit dem großen Publikum erlauben sollte, in dieser Weise an der Nase herumführen würde. Sehr interessant war es, die ganz vorzügliche Haltung dieses schwäbischen Publikums zu beobachten, das die Enttäuschung mit gutem Humor auffaßte und für alle Widerwärttgkeiten irgend ein Scherzwort in Bereitschaft hatte. Friedrichshafen, 2. Juli. Gestern abend, als; sich das Publikum verlaufen hatte, wurde der gefüllte Zeppelinsche Ballon auf einem Floß aus der Halle herausgezogen und, während fünf Personen im Korbe Platz nahmen, auf seine Tragfähigkeit geprüft. Der Aufstteg unterblieb vorgestern, weil die Füllung unfertig war, gestern wegen mäßig starken Windes. Heute abend halb acht Uhr ist er a u f g e st i e g e n. Er ist glänzend gefahren, gegen und mit Wind, und hat dann Kehrt gemacht; er ist aber nach einer halben Stunde mangels Tragkraft oder infolge Undichttgkeit bei Immenstaad in den See gesunken. Die Mannschaft ist gerettet. Auch der Ballon kann wieder auf einen Ponton gehoben werden. Vermischtes. * ueber die Landung eines französischen Luftballons bei dem südlich von Papenburg gelegenen! Dorfe Börssum in Ostfriesland liegen jetzt folgende Einzeh- heiten vor. Der Ballon war am Sonntagabend 6 Uhr mit noch mehreren a'nderen Ballons vom Pariser Weltausstellungsplatze aufgestiegen; ttr der Gondel befanden sich der Direktor des Observatoriums auf dem Mont Blaue, I. Vallot, und ein französischer Sportsman, der Comte Henri de Levaulz. Die teilweise von einem heftigen Unwetter mit Regen und Hagelschlag begleitete Fahrt ging über Belgien; bei Köln überschritt der Ballon, der eine Höhe von 3200 Meter erreichte, den Rhein. Die Landung ging äußerst glatt von statten; denn noch ehe die verwunderten Dorfbewohner herbeigeeilt kamen, waren die Luftj- schiffer der Gondel entsttegen. Der zufällig in der Nähe weilende Landrat des Aschendorfer Kreises, Herr Hassenkamp, begleitete die Franzosen nach Aschendorf, woselbst sie sich im Bahnhofshotel stärkten. Da die Gondel, sowie die Ballonhülle infolge der heftigen Niederschläge sehr gelitten hatten, wurde die Rückreise nach Paris auf den anderen Tag verschoben. Die Fahrt von Paris nach Börssum währte 15 einhalb Stunden. Bor ihrer Abreise sprachen sich die französischen Luftschiffer über die ihnen; zu Teil gewordene freundliche Aufnahme sehr anerkennendi aus. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener Werkstätte. Gießen, Airchenplatz 718 Bekanntmachung, betr.: Die Beaufsichtigung der Hunde in der Provinzialhauptstadt Gießen. Um eine bessere Kontrolle über die gesetzlich vorgeschriebene Anmeldung der Hunde ausüben zu können, haben wir mit Inkrafttreten des abgeänderten Gesetze«, betr.: die Hundesteuer, an Stelle der seither verausgabten (runden) Hundemarken solche in neuer (viereckiger) Form eingeführt, welche während der Büreaustunden im Bürgermeistereigebäude, Zimmer Nr. 14, verabfolgt werden. Die Verabfolgung der neuen Marken geschieht bis z«m 16. Juli er. rrueutgeltlich; nach diesem Zeitpunkte ist für jede Marke eine Gebühr vou IO Pfg. zu entrichten. Im Uebrigen verweisen wir auf die Bestimmungen der 88 < und 7 des Lokalreglements vom 20. Januar 1882, nach demn die Besitzer von Hunden bei Meidung von Geldstrafe bis zu 30 Mark dafür zu sorgen haben, daß die Hunde auf der Straße die Marke stets am Halsbande oder am Maulkorb tragen. Hunde, welche auf der Straße nicht die vorgeschriebene Marke trogen, werden eingefangen und dem Wasenmeister überliefert. Gießen, den 14. Juni 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ______________________I. V.: Wolff._____________________4242 Bekanntmachung. Nachstehende Polizeiverordnung, betr. die gewerbliche Nebenbeschäftigung schulpflichtiger Kinder, wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Gießen, am 22. Juni 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. 4448 Polizeiverordnung, betr.: die gewerbliche Nebenbeschäftigung schulpflichtiger Kinder. Aus Grund des Art. 56 der Städteordnung und des 8 1 der Verordnung vom 5. Oktobrr 1898, die Handhabung der Lokalpolizei iu der Provinzialhauptstadt Gießen betreffend, wird nach Anhörung der Stadt- verordneten-Versammlung mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern vom 11. Juni 1900 zu Nr. M. d. I. III. 1822 für den Bezirk der Gemarkung Gießen verordnet, wie folgt: o s le Schulpflichtige Kinder dürfen in der Zeit von 8 Uhr abends bi« 8 Uhr vormittags außerhalb der elterlichen Wohn- oder Werkstätte nicht mit gewerblichen Arbetten beschäftigt, oder zum Austragen von Backwaren, Milch, Zeitungen oder anderen Gegenständen verwendet werden. 8 2. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschrift des 8 1 werden an den Eltern, Pflegeeltern und Vormündern, sowie an den Arbeitgebern mit einer Geldstrafe bi« zu 80 Mk. oder im Falle der Uneinbringlichkeit mit entsprechender Haftstrafe geahndet. 8 3- Diese Polizeiverordnung tritt zwei Wochen nach ihrer Verkündigung im „Gießener Anzeiger" in Kraft. Gießen, den 22. Juni 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. flacbmr-Badeökn O.R.P. Uber 50000 im Gebrauch D.R.P. fiouben's Baske izökn ^rospecte gratis. Vertreter an fast allen Plälzefb J.6.Houben Sohn £arl, Hache ft. 4436 Bekanntmachung. Nachdem die für 30. v. Mts. vorgesehene Versteigerung resultatlos verlaufen, soll die Ktrschenernte non bat städtischen Munterr auf dem Trieb im Wege schriftlichen Angebots öergeben werden. Angebote auf die ganze Ernte oder einzelne Lose derselben find mit der Aufschrift „Angebot auf Kirschen" vis Aonnersta- bat 5. Anti, vormittags 9 M-r, verschlossen auf der Bürgermeisterei — Zimmer Nr. 15 — einzureichen. Gießen, am 2. Juli 1900. 4595 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Bekanntmachung. Wegen Steinigung des Ktabtvaches wird das Wasser in demselben von Dienstag den 3. l. Mts. ab auf die Dauer vün etwa drei Wochen von morgens 6 Uhr bis abends 6 Uhr gesperrt. Gießen, dm 2. Juli 1900. 4596 Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Verdingung der zur Ingebrauchnahme fertigen Herstellung der EmpfangSgebäude mit angebautem Güterschuppen und der Nebengebäude auf den Bahnhöfen Allendorf, TreiS und Mainzlar- Daubringen der Neubaustrecke Lollar— Londorf, eingeteilt in 3 Lose und zwar: Loos I die Gebäude in Mendorf, Los II diejenigen in Treis und Los III diejenigen in Mainzlar-Daubringen. Termin: Samstag den 14. Juli 1900, vormittags 10 Uhr, im Bureau der Großherzoglichen Eisenbahn-Bauabteilung zu Grünberg. Die Zeichnungen,Berechnungen,Bedingungen u. s. w. können daselbst eingesehen und die Angebotbogen gegen kostenfreie Einsendung von 1,60 Mk. für je ein Los von daher bezogen werden. Zuschlagsfttst 3 Wochen. 4608 Grünberg (Hessen), im Juni 1900. Großh. Eisenbahn-Bauabteilung. Mittwoch de« 11. Ni 1900, nachmittags 2Vs Uhr, wird auf hiesigem Ortsgericht das der Ernst Hosch Ehefrau, Mathilde geb. Simon, in Wetter zustehende ideelle Fünftel von Flur 1 Nr. 45 = 212 qm Hofraite in der Mühlgaffe öffentlich meistbietend versteigett werden. Großh. Ottsgericht Gießen. Gros. 4294 Mittwoch dr« 4. Juli I. J, nachmittags 2 Uhr, werden im Birker'schen Saale versteigett: 1. Möbel aller Arten, 1 Faß Rot- und 1 Faß Weißwein, 2 Hobelbänke, 1 Nähmaschine, 2 Bilder u. a. 2. 4 Ries Kanzlei- und Konzeptpapier, 6 Pfd. Kordel, 4 Bilder. Die Versteigerung unter 2. findet bestimmt statt. 4584 Geitzler, Gettchtsvollzieher. I Die Lieferung von Steinkohle« — Nußkohlen I oder II, oder doppelt gesiebten Stückkohlen, oder melierten Fett- stemkohlen mit 60% Stückgehalt — soll am Mittwoch den 25. Jnli d. IS., vormittags 10 Uhr, in 3 Losen i 240000 bezw. 200000 kg für 1900 verdungen werden. Die Lieferungsbedingungen liegen im Geschäftszimmer 92, Kaserne I, zur Einsicht aus, können auch von der Garnisonverwaltung gegen Erstattung der Selbstkosten bezogen werden. Schriftliche und versiegelte Angebote find an der vorbezeichneten Stelle vor Beginn des Termins mit der Aufschrift „Angebot auf Lieferung von Steinkohlen" versehen abzugeben. 4617 Garnisonverwaltung Gießen. Dienstag den 10. und Mittwoch den 11. Jnli d. I., jedeSmal «ach« mittag- 2 Uhr, werden durch den Unterzeichneten im Pfandlokal SelterS- weg 11 dahier geg« Barzahlung versteigett: 2 Wagen, 1 Billard, 1 Klavier. 3 Nähmaschinen, 1 Sekretär, 2 Kommoden, mehrere Sofas, Kleider- sckränke und andere Möbel. Gießen, den 2. Juli 1900. 4605 Johan«, Pfandmeister. Montag-, Mittwochs u. Freitag-, von morgens 9 Uhr ab 4131 frischen Zwiebelkuchen. Wilh.Amend,KchllhM.K2 Textors Terrasse Täglich 3223 frische Waffeln. Verlosung. Bei der heute unter polizeilicher Aussicht vorgenommenen Verlosung für Werke christlicher Liebe wurden die nachbenaunten Losnummern mit Gewinnen gezogen: Rr. 7, S, 28, 78, SO, 95, 101, 134, 147, 150, 179, 188, 195, 228, 238, 239, 286, 811, 327, 361, 362, 377, 421, 447, 451, 506, 527, 538, 552, 554, 556, 563, 568, 571, 610, 679, 707, 731, 762, 774, 786, 796, 824, 825, 828, 845, 871, 874, 886, 896, 897, 911, 918, 923, 975, 981, 994, 1000. Die Gewinngegenstände wolle man gegen Rückgabe der g^ogenen Lose in dem Psarrhause, Südanlage 8, baldigst abholen laffen. Gießen, den 2. Juli 1900. 4623 Dr. Nauman«, Psarrer. Gewerkschaft Gießener KraNßeivberswerke vormalS getttie in Gießen. Sinlit-W M ttdesllichtu Gewerkt»-VttsmmlMg. Samstag den 14. Juli d. I., vormittags 11 Uhr, findet im Hotel Viktoria zu Gießen die ordentliche Gewerken-Ber- fammluug pro 1900 statt. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Grubenvorstandes; Vorlage der Bilanz und Dechargeerteilung. 2. Bericht des Direktors. 3. Wahl des Grubenvorstandes. 4. Verschiedenes. Wir laden unsere Gewerken zu dieser Versammlung hierdurch freund- lich ein und bemerken, daß eine Befichttgung der Gruben sich an die Versammlung anschließen soll. Gießen, den 2. Juli 1900. 4608 Der Gruben Vorstand: Dr. Psahl. Othberg. Grünewald. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877. General-V er Sammlung Mittwoch, 4. Juli, abends 9 Uhr im Bootshaus. Tagesordnung. 1. Geschäftliches. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 8. Gießener Regatta. 4578 Der Vorstand. Gießener Zither-Klub (WohlthSttgkeitS'Bereich. Zu dem am Sonntag dem 8. Inti d. A. in Steins Harten stattfindenden 15. Stiftungsfeste des Hefangvereins HemütlichKeit bittet der Vorstand obengenannten Vereins seine Mitglieder um recht zahlreiche Beteiligung, da an uns eine diesbezügliche Einladung ergangen. — Bei Vorzeigen der MÜgliedskarten beträgt der Eintrittspreis 20 Pfennig. 4606 Bund Deutscher Gastwirte. t? Der un» in Originalsüllung zur Prüfung überlasiene Selters-Sprudel der Angusta-WM- Aelle;» Zellers a. d. lohn wurde von uns als ein wohlschmeckendes, kohlensäurehattige» Tafelwaffer befunden, die beigegebene Analyse ist eine äußerst günstige und erweist sich der natürliche Selters mtt Wein vermischt als ein angenehmes, wohl- bekömmliches Getränk. Leipzig, am 14. Februar 1900. 4604 Die Prüfungs-Kommission res SWschtll Gistwirts-Nerdmires nai des Bundes Deutscher Gastlsirtk. H. Pacing, Vorsitzender. Heneral-Iertreter für Hießen und Umgegend: Er. Hainer, Tiefenweg 4, Ecke Bahnhofstraße. Vorrätig In den Apotheken und Drogerien. 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