Freitag den 3. August 1900 Nr. 179 Zweites Blatt. Ke;ug,prei« vierteljährl. Mk. 2M monatlich 76 Pj>. mit Bringcrlohn; durch die Abholestell« vierteljährl. Mk. 1,N monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Veficllgeld. Alle Lnjeigen-vermittlangSstellen de- In- und Äullenltl nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger eulgege». ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfß. Erscheint tL-Nch mit LtiS»ckh«< de- Die Grctzener Sfe*Uit*ICat(er Werden dem Auznger he O0M mit „M- tatatrf b. Mütter Mr H SrMkunde" tiMM** ^egt. »»««hm« »w Anzeigen zu der »«chmtttagr für dE s iiWNd ni leg «scheinenden Nummer M vorm. M> Uhr. WtMhmyn fpStestenS ete*M Mrfcr. Meßmer Anzeiger Henerat-AHeiger Amts» und Anzsigeblatt für den Nveis Gieren. Md^i««, eW«MWn ond »rüder*: Nr. 7. Oraüsbellage«: Gießener FamMenblättrr, Der hessische Landwirt, KlüÜer für hessische Volkskunde.__ Adresse für Depeschen: Anzeiger chteßs«. Fernsprecher Nr. 5L Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betr.: Schießübungen. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß LaS 2. Bataillon des Infanterie Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 am 3. August l I. von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags im Wißmarbach-Thal in der allgemeinen Richtung Wißmar-Schmelz nördlich Salzböden mit scharfer Munition schießen wird. Gefährdet find für den Verkehr die Wege Wißmar- Krumbach und Odeuhauseu-Kirchvers, sowie alle Wege, die von Ruttershansen und Wißmar in den Wald führen. Die« selben werden während des Schießens abgesperrt werden. Die Chaussee Krofdorf—Waldhaus—Schmelz ist für den Verkehr frei, ebenso die Chaussee Wißmar—Odenhaufen. Gießen, den 2. August 1900. Großherzogliches KreiSamt Gießen. v. Bechtold. Die Thronfolge in Sachsen-Koburg-Gotha. Der Tod des Herzogs Alfred von Sachsen-Kyburg- Gotha lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit wieder auf die eigenartigen dynastiscl^n Verhältnisse des Herzogtums. Das koburgische Fürstenhaus hat im Laufe des letzten Jahrhunderts die fronen von Belgien, Portugal und Bulgarien erwarben, und wird mit der Thronbesteigung des Prinzen von Wales auch den englischen Thron innehaben. Es ist mithin diesem Hause, namentlich dank der klugen, berechnenden Hauspolitik Leopolds des Ersten von Belgien gelungen, eine weit über den ursprünglichen Wirkungskreis des kleinen ernestinischen Fürstengeschlechts hinausgehende europäische Bedeutung zu gewinnen. In Deutschland konnte man sich! zuerst nur schwer mit dem Gedanken einer Thronbesteigung des Herzogs Alfred von Edinburg befreunden; man bedachte nicht, baß deutsche Fürstenhäuser auf fast allen Thronen Europas sitzen, man besorgte, der neue Fürst werde sich durchaus nur als Engländer fühlen. Wir wollen dem Urteile der Geschichte über die Berechtigung dieses nationalen Mißtrauens nicht vorgreifen; nicht ableugnen läßt sich! indessen, daß die langwierigen Streitigkeiten über die Do- manialverhältnisse nicht dazu angethan waren, die Volkstümlichkeit des neuen Herrschers zu vermehren. Dazu kamen die ärgerlichen öffentlichen Erörterungen im englischen Parlament über seine Zwitterstellung als deutscher Fürst und englischer Agnat, denn auf seine vermögensrechtlichen und politischen Vorteile als britischer Prinz wollte Herzog Alfred nicht verzichten. Als nun noch! sein einziger Sohn Alfred in der Blüte der Jahre starb, trat die Unsicherheit der politischen Lage des Herzogtums wieder in den Vordergrund der Erörterung. Der Nächstberechtigte, Herzog Arthur von Connaught, erklärte sich zwar zur Nachfolge bereit, wollte indessen seinen Wohnsitz nicht in Deutschland nehmen; er erklärte erst nach langen Verhandlungen seinen Verzicht zu Gunsten des Sohnes seines jüngeren verstorbenen Bruders, des da- nrals fünfzehnjährigen Herzogs Karl Eduard von Albany, .jedoch mit dem Vorbehalt des Erbrechts für den eigenen Sohn Arthur von Connaught für den Fall, daß der Herzog von Albany vorzeitig sterben oder dessen Familie im Mannesstamm erlöschen sollte. Diesen Verzicht teilte Staatsminister von Strenge dem Landtage mit. Die Frage der Erbfolge wurde darauf gesetzlich in dem erwähnten'Sinne geregelt mit dem Zusatz, daß beim Aussterben auch des Eonnaughtschen Mannesstammes das Recht der Nachfolge auf den Prinzen von Wales übergehe. Zugleich wurde ein Regentschaftsgesetz für den unmündigen Herzog Karl Eduard von Albany angenommen. Dieses bestimmte: „Als Vormund ist ein deutscher Prinz, der Gemahl einer in dm Herzogtümern geborenen und erzogenen Tochter des regierenden Herzogs gewählt worben, der mit den Verhältnissen des Landes aut das eingehendste vertraut und durch seine persSn- lichen Eigenschaften zur Führung der Regierungsgeichäfte besonders geeignet ist; treffen alle wünschens werten Eigenschaften in seiner Person zusammen, io ist derselbe auch nach seiner Konfession befähigt, den Anforderungen deS S 20 des StaatsgrundgesetzeS zu entsprechen." Der also gekennzeichnete Regent ist der Erbprinz Ernst von Hohenlohe-Langenburg, Sohn des Statthalters von Elsaß-Lothringen. Der nunmehrige Regent des Herzogtums Sachsen-Koburg-Gotha, Erbprinz Ernst zu Hohenlohe-Langenburg, stand einige Jahre als Leutnant im 2. Gardedragoner Regiment, wurde ä la suite der Armee gestellt und erhielt am 2. Oktober 1893 den Charakter als Oberleutnant, am 10. September 1898 den als Rittmeister. 1889 trat er in das Auswärtige Amt ein, wurde 1891 dritter Botschaftssekretär in Petersburg und in dieser Stellung 1892 nach London versetzt. Im September 1894 wurde er von dort auf ein Jahr beurlaubt und der Ministerial- abteilung des Innern in der Verwaltung der Reichslande überwiesen. Den 9. September 1895 verlobte er sich auf Schloß Rosenau mit der Prinzessin Alexandra von Sachsen-Koburg und Gotha, der dritten Tochter des regierenden Herzogs; die Vermählung erfolgte in Gegenwart des Kaiserpaares am 20. April 1896 in Koburg. Aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem diplomatischen Dienst im November 1897 erhielt der Erbprinz den Charar^. als Legationsrat. Der Regent wird feines Amtes bis zum 19. Juli 1902 zu walten haben, an welchem Tage der Herzog Karl Eduard sein 18. Lebensjahr vollendet. Das Ableben des Herzogs Alfred bedingt auch ein schleuniges Zusarnmentreten des Gemeinschaftlichen Landtags. §§ 158 und 159 des Staatsgrundgesetzes für die Herzogtümer Koburg- Gotha bestimmen darüber: „Wenn der Herzog stirbt, tritt der Gemeinschaftliche Landtag spätestens am vierten Tage darauf ohne Berufung zu Gotha zusammen, um den von seilendes Regierungsnachfolgers zu leistenden verfassungsmäßigen Eid anzunehmen. Bevor die über das eidliche Angelöbnis auf die Verfassung ausgestellte Urkunde an den Gemeinschaftlichen Landtag abgegeben worden ist, kann der Herzog keine Regierungshandlung vornehmen. In der Zwischenzeit gehen die auswärtigen Regierungshandlungen vom Staatsministerium aus." Mills» höhe» tzguLklsschulk nnb HMchk Handklsh-chMk. Bei der in letzter Zeit wieder mehrfach erörterten Frage einer hessischen Handelshochschule ward auch kurz der seit zwei Jahren bestehenden höheren Handelsschule in Mainz Erwähnung gethan, von der bis jetzt so wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Nach dem uns vorliegenden Lehrplan, so schreibt der „Mainz. Anz.", verfolgt dieselbe den Zweck, den jungen Leuten, die sich dem Kausmannsstande widmen wollen, vor dem Eintritt in die Praxis neben der allgemeinen Bildung, wie sie die bestehenden höheren Lehranstalten bieten, eine den gesteigerten Anforderungen der heutigen Zeit, insbesondere dem stetig sich verschärfenden internationalen Wettbewerb mehr als seither entsprechende Fachbildung zu geben. Tie Schule ist mit dem Großh. Realgymnasium verbunden und besteht aus zwei Klassen, welche der Obersekunda und Unterprima dieser Anstalt gleichlaufen. Aus dem Bericht der Handelskammer und dem Programm des Realgymnasiums ist ersichtlich, daß in diesem Frühjahr die ersten Schüler die Anstalt nach zweijährigem Besuche verlassen und daß dieselben sämtlich in hiesigen angesehenen Häusern der bereits vorhandenen kaufmänni- schen Bildung entsprechende Stellungen unter wesentlicher Abkürzung der sonst üblichen Lehrzeit gefunden haben. Obgleich die Zöglinge derhöheren Handelsschule erst seit Ostern kaufmännisch thätig sind, haben sich deren Chefs bei der Direktion der Schule bereits sehr anerkennend über ihre Leistungen ausgesprochen und denselben ein rasches Avancement in Aussicht gestellt. Als Befähigungsnachweis für das Betreten der kaufmännischen Laufbahn galt bisher im allgemeinen das Ein- jährigen-Zeugnis, mit dem man allen Ansprüchen zu genügen glaubte, ja es gab sogar Leute, die der Ansicht waren, daß diese Einjährigenbitdung eigentlich schon zu wissenschaftlich sei und daß der junge Kaufmann dieselbe in seinem Berufsleben teilweise als überflüssigen Ballast empfinden würde. Wie gewaltig haben sich jedoch bei der ungeahnten Ausdehnung, die der Handel im letzten Vierteljahrhundert erfahren hat; die Ansprüche geändert, die an das Wissen und Können eines Kaufmanns gestellt werden! Der deutsche Außenhandel weist heute einen jährlichen Umsatz von etwa neuneinhalb Milliarden auf, er bringt die Erzeugnisse deutscher Arbeit nach allen Erdteilen und ist an flllen großen Operationen des Welthandels beteiligt. In einer Denkschrift der Aachener Handelskammer heißt es: „Die lokale und provinzielle Beschränkung des Absatzes ist geschwunden. Die Welt ist heute der Markt für alle großen Artikel. Auf dem Weltmarkt aberringen; oie verschiedensten Nationen mit einander und nur, wer das höchste «geistige Rüstzeug mit in diesen Kampf zu bringen vermag, nur der darf hoffen, nicht bei Seite geschoben zu werden." Die deutsche Kaufmannschaft ist heute von der Notwendigkeit der Aneignung dieses höchsten geistigen Rüstzeugs durchdrungen, und wir weisen auf die Notwendigkeit hin, die Eltern, die ihre Söhne dem Kaufmannstande widmen wollen, darauf aufmerksam zu machen, daß heute das Einjährigenzeuanis nicht mehr genügt, sondern daß zur Erlangung der besseren und besten Stellen in Mittelund Großbetrieben die Absolvierung einer höheren Handelsschule oder einer Handelshochschule nötig lund nützlich ist. Es giebt kaum einen Stand, in dem die Abstände der einzelnen Stufen größer sind als im Kaufmannstand. Wie«groß ist der Unterschied zwischen dem kleinen Kaufmann der Landstadt, der die lokalen Bedürfnisse befriedigt tund dem großen Hamburger Exporthause, dessen Schiffe die Meere durchqueren, oder zwischen dem Geldwechsler der Kleinstadt und den großen Bankl)äusern der Börsenplätze, durch die die großen Staaten Anleihen aufnehmen und durch deren Kapitalkraft die mächtigsten industriellen Unternehmungen ins Leben gerufen und gefördert werden! Die höhere Handelsschule ist für die Ausbildung der Kaufleute der Mittelbetriebe und für diejenigen bestimmt, die in Großbetrieben eine bessere: Stellung als Buchhalter, Korrespondet, Bureauchef usw. erlangen wollen. Wer aber die höchsten Stufen der kaufmännischen Laufbahn erreichen, wer Leiter großer kaufmännischer und industrieller Unternehmungen werden will, hei denen neben der reinen Fachbildung eine ausgedehnte, allgemein wirtschaftliche Bildung nötig ist, für den wird der Besuch einer Handelshochschule von unberechenbarem Nutzen sein. Im Anschlüsse hieran dürfte folgender Rückblick aus die Karrdetsschuterr rmd die Handelshochschule in Sachsen von Interesse sein. Wie man in Sachsen die Leistungsfähigkeit der Gewerbetreibenden durch Errichtung und Erhaltung von gewerblichen Fachschulen systematisch zu steigern bemüht gewesen ist, so hat man auch nicht versäumt, zahlreiche Bildungsstätten zu schaffen, deren Aufgabe die berufliche Weiterbildung junger Kaufleute ist. Bahnbrechend ist in dieser Beziehung die heute noch blühende und auf reichte Erfolge zurückblickende öffentliche Handelslehranstalt zu Leipzig gewesen. Wie sehr damit einem allgemeinen Bedürfnis Rechnung getragen wurde, geht daraus hervor, daß die Schülerzahl schon im ersten Jahre 140 betrug. Die öffentliche Handelslehranstalt zu Leipzig hat von Anfang an die doppelte Aufgabe erfüllt, Handelslehrlingen Gelegenheit zur Erlangung der für ihren Beruf erforderlichen allgemeinen Bildung und Fachbildung zu bieten, und Jünglingen, die sich später dem Handel oder einem verwandten Gewerbe widmen wollen, die dafür wünschenswerte wissenschaftliche Ausbildung zu ermöglichen. Weitere Handelsschulen wurden errichtet 1845 in Leisnig, 1847 in Zwickau, 1848 in Chemnitz, 1849 in Freiberg, 1850 in! Oschatz, 1854 in Dresden (öffentliche Handels-Lehranstalt), 1855 in Grimma, 1856 in Bautzen, 1857 in Kamenz, 1858 in Plauen i. V., 1859 in Frankenberg, 1865 in Döbeln, 1866 in Dresden (Vereinigte Handelsakademie), 1867 in Leipzig (kaufmännische Fortbildungsschule), 1869 in Meißen, 1870 in Großenhain, 1874 in Waldheim und Leipzig (Fortbildungsschule für jüngere Kaufleute und Gewerbtreibende), 1876 in Schneeberg und Zittau, 1877 in Riesa, 1881 in Auerbach, 1885 in in Bischofswerda und Rochlitz, 1887 in Annaberg, Crimmitschau und Hainichen, 1888 in Radeberg, Werdau und Zwickau (Fachschule für Kaufleute), 1889 in Dippoldiswalde und Roßwein, 1890 in Reichenbach und Wurzen, 1892 in Meerane und Oederan, 1893 in Löbau. Die meisten dieser Schulen sind von kaufmännischen Vereinen errichtet worden, für andere haben sich besondere Handelsschulvereine oder Konsortien gebildet, wie in Plauen, Frankenberg, Auerbach, Hainichen, Löbau; rn Roßwein gehört die Handelsschule zu den städtischen Lehranstalten. In Leipzig besteht außer der öffentlichen Handelslehranstalt und den Privatschulen zur Fortbildung junger Kaufleute noch eine öffentliche Buchhändlerlehranstalt, in der Buchhandlungslehrlingen Gelegenheit zur Förderung ihrer speziell für den Buchhandel erforderlichen wissenschaftlichen Bildung gelten wird. Diese Anstalt ist im Jahre 1852 durch benJBerent Leipziger Buchhändler errichtet worden. Alle diese Handelsschulen oder Handelslehranstalten sind entweder kaufmännische Fortbildungsschulen zur elementarer^ Weiterbildung von Lehrlingeii, insbesondere der Detaugeschaste^ oder es sind Schulen für die Vorbildung der 'mittleren .Schichten des Handelsstandes. Sachsen, das eines besonders stark entwickelten Handelsschulwesens sich erfreut, kann auch den Ruhm für süch in Anspruch nehmen, die erste Handelshochschule errichtet zu haben. Nachdem schon seit Jahrzehnten von Gelehrten und Kaufleuten die Notwendigkeit betont worden war, durch Errichtung von Handelshochschulen oder durch Angliederung handelswlssen- schaftlicher Fakultäten an die vorhandenen ckmversttaten auch jungen Kaufleuten Gelegenheit zu geben, daß ftc nach Erlangung der nöttgen formalen Vorbildung — Dürft} Studien an einer Hochschule sich, für die künftigen und schwierigen Berufe der Großkaufleute, Direktoren von Aktien- und Handelsgesellschaften, Konsulatsbeamten, Handelsschullehrer u. s. w. entsprechend vorbereiten, ift von der Handelskammer in Leipzig im Jahre 1898 int Einvernehmen mit dem akademischen Senat der Universität eine Handelshochschule errichtet worden. ström angesichts der befürchteten ernsten Vorkommnisse zur vollen Geltung bringen können. Rüstungen. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge genehmigte der Kaiser grundsätzlich die Annahme von tropendienstsähigen, zur Verwendung in China sich freiwillig meldenden Unteroffizieren und Mannschaften des Beurlaubtenstandes für etwa notwendig werdende Ersatztransporte. Durch die Bezirkskommandos werden in der nächsten Zeit entsprechende Ermittelungen angestellt werden. Die betreffenden Leute würden ein Handgeld und Löhnungszuschuß erhalten. Wie die Leitung des Norddeutschen Lloyd mittetlt, ist die vom Wolffschen Büreau verbreitete Nachricht, daß die Dampfer Königin Luise, Barbarossa und Friedrich der Große zu Transportzwecken gechartert worden seien, nicht richtig. Sollte aber dennoch etwas Wahres an der Meldung sein, so ist es ein Anzeichen dafür, daß die Regierung auf alle Fälle vorbereitet und in den Stand gesetzt sein will, mit größter Schnelligkeit bedeutende Truppenmengen nach China zu werfen. Die drei genannten Schiffe gehören zu den größten und stärksten, die zur Zeit den Ozean befahren und haben je bei 10 500 Tonnen Größe eine Geschwindigkeit von 14 bis 15 .Knoten; sie können ohne Schwierigkeit bis zu 3000 Manu verladen, sodaß man auf ihnen eine Expedition bis zu 9000 Mann befördern könnte. Hoffentlich wird diese Notwendigkeit nicht an uns herantreten. Der Stab der zweiten ostasiatischen Infanterie-Brigade, in der auch Oberstleutnant Petzel vom Inf.-Regt. Kaiser Wilhelm im Stabe des 3. ostasiat. Jnf.-Regts. steht, hat gestern abend Berlin verlassen. Die Einschiffung erfolgt in Bremerhaven. R«stla«d trab die Mandschurei. Die amtlichen Meldungen aus Rußland lassen erkennen, daß die Lage der wichtigen Amurstadt B l a g o w i e sch t - scheu sk sich immer noch nicht gebessert hat. Nach einem Telegramm des Generals Grodekow wurde die Stadt, die schon vom 15.—22. Juli fast ohne Unterbrechung das Geschütz- und Gewehrfeuer der Chinesen auszuhalten hatte, am 26. abermals beschossen, desgleichen der Dampfer Sselenga. Da der Stadt von dem unterhalb gelegenen Chabarowsk wieder Munition zugeführt worden war, konnte sie das Feuer erwidern. Aus Charbin, dem Knotenpunkt der mandschurischen Querbahn nach der Küstenprovinz und der Südbahn nach Mukden und Niutsch«- wang-Port Arthur, sind seit voriger Woche wieder Nachrichten eingetroffen, indem ein Dampfer und drei Boote von dort gegen 1500 Personen, darunter 79 Kranke und 40 Verwundete, nach einem weiter abwärts am Ssungari gelegenen Orte gebracht hat. An Booten und Schleppdampfern fehlt es im Becken des Amur und des Ssungari nicht, indem zur Beförderung des Eisenbahnmaterials von der Küstenprovinz aus zahlreiche F-ahrzeuge mit dem erforderlichen geringen Tiefgang in England bestellt worden sind. Es ist aber auch notwendig, daß die russischen Truppen, soweit sie zahlreich genug sind, für die Sicherheit der Flußstrecken sorgen. Diesem Zweck diente der Vormarsch des Generals Sacharow von Osten gegen Bajans ussu, einen etwa 15 Kilometer vom Ssungari auf dessen mittlerem Lauf unterhalb Charbin gelegenen Ort von etwa 30 000 Einwohnern, mit zahlreichen Brennereien und Oel- fabriken und einer seit 20 Jahren thätigen katholischen Mission, die schon anderthalb Tausend Christen aufzuweisen hat und eine Schule unterhält. Eine Lehmmauer von 4 Meter Höhe und einem Umsang von 10 Kilometer schützt die Stadt in gewöhnlichen Zeiten gegen die Räuber, die Plage der Mandschurei: an den Ecken dieser Mauer erheben sich'Türme. Die ^chinesische Besatzung von 2000 Mann versuchte zuerst, mit den Russen zu verhandeln: als die Kosaken indes sich der Stadt näherten, gab sie Feuer und floh schließlich! davon. Eine andere Abteilung desselben Generals versuchte um die gleiche Zeit — Ende ^uli — gegen (sanffin vorzugehen eine weiter den Ssungari abwartv, 3<() Kilo- mehr von dessen Mündung gelegene, nur teilweise befestigte, wichtige Handelsstadt von 20000 Einwohnern. Ucber den Erfolg verlautet nichts. Ein Telegramm des Generals Grodekow an den Finanzminister aus Chabarowsk vom 27. ■befaßt'• ,/Der Haupt-Ingenieur Jugowitsch berichtet aus Charbin vom 23. Juli, daß, seitdem er seinen Bericht emgesandt hat die Sachlage sich völlig geändert habe. Am 18. ^uli, heißt ! es in dem Bericht weiter, ist die von Tiettn (nördlich । von Mukden) abgegangene Abteilung zurückgekehrt, deren Verluste betragen 30 Verwundete, 10 Tote. Die Abteilung wurde zweimal von chinesischen regulären Truppen angegriffen, die im Zivilanzug kämpften und ihre Militär- uniform in Taschen mit sich führten. Am 22 i ift eine andere Abteilung von 70 Mann, die auf Anraten des chinesischen Gouverneurs mit einem Freibrief ausgerüstet war, in Charbin angelangt. Sie wurde trotzdem von chinesischer regulärer Artillerie überfallen, und zwar in feem Augenblick, als feie chinesischen Offiziere führenden Offizier einen Besuch abstatteten. Die Verluste betrugen auf russischer Seite 20 Tote und 6 Verwundete. Kund- I schafter teilen tnit, daß die Chinesen von allen Seiten gegen Charbin vorrücken". Aus den Vtttteilungeu >zugo- witschs ergibt sich nur, daß eine nach Süden au^gerucfte Abteilung zurückgekehrt ist, nicht aber, daß fte dw von I Tielm aufgebrochenen 200 Mann und die von diesen eskortierten chinesischen Christen, denen sitz.. Hilfe bringen sollte, getroffen hat. Laut Prwa nachrichten aus Nmtsch- I mang vom 27. Juli haben die Russen die Chinesen am 2b. I außerhalb der Fremdenniederlassung — wohl am linken Ufer des Liaho, von wo die Eisenbahn nach ^^en geht und feie Werkstätten liegen — angegriffen, ®te ttuffn besetzten die chinesischen Befestigungen.zogenlfich aber daun wieder nach den Niederlassungen zuruck. Die M senhatten I 4 Verwundete, feer Verlust feer Chinesen betrug 6 Tote I und 10 Verwundete. t Dem russischen Generalstabe sind weitere Nachrichten I aus verschiedenen Grenzgebieten zugegangen, Die wir, nur I soweit sie noch verständlich bis hierher gelange^ wieder - I geben: Am 29. Juli rückten in Blagowieschtscl)ensk die I ersten russischen Verstärkungen ein. Oberst Serwianow zer- I störte ein chinesisches Piquet gegenüber Koiistaiittnowka, I und der Dampfer Selanga beschoß das chinesische Ämur- I ufer. Die Chinesen ergriffen die Flucht, zwei Kanonen | wurden erbeutet. Die Russen hatten keine Verluste. — Die Wirren in China. Das Reuter'sche Bureau meldet vom 25. v. M. aus I Tientsin: Ein eingeborener Missionsschüler ist in der I letzten Nacht aus Peking zurückgekehrt, wo er sich vier Tage aufgehalten hat; es war ihm nicht möglich, eine Bot- schäft an die britische Gesandtschaft auszurichten; während I seines Aufenthaltes in Peking wurde noch gekämpft. Am I 18. Juli, als er Peking verließ, wurde ein kaiserliches I Edikt erlassen, daS befahl, die Fremden zu schützen. Der Missionsschüler berichtet weiter, General Sung befinde I sich mit 8000 bis 10,000 Mann Truppen bei Yangtsun. „Daily Mail" meldet, die chinesische Armee hat sich bei I Yangtsun stark verschanzt. Es steht zu befürchten, daß dieselbe, falls sie von den verbündeten Truppen geschlagen | wird, gegen Peking marschiert, um die dort lebenden Euro- I päer umzubringen. 20 bis 30 mit Steinen beladene I Dschunken wurden in den Pethofluß versenkt und breite Gräben quer über die Eisenbahn gezogen. General Ma I befinde sich mit 10,000 Mann bei Peitsang; Ma hat wenig Lebensmittel und Munition. DaS Gebiet von Peking nach Yangtsun ist verhältnismäßig frei von Truppen und es werden keine Werke aufgeführt, um dem Vormarsch der I Verbündeten Widerstand entgegenzusetzen. Die Lebensmittel in Peking werden knapp; eS erscheint wahrscheinlich, I daß die Verbündeten auf sehr geringen Widerstand stoßen werden, bis sie unter den Wällen von I Peking anlangen. Die Meldung der „Daily Expreß", nach der der Vormarsch der verbündeten Truppen in Ostasien am | Montag begonnen haben soll, erscheint wenig glaub- I würdig, da eine diesbezügliche Bestätigung immer noch nicht vorliegt. Man nimmt in maßgebenden Kreisen an, I daß außer anderen Gründen feie Hauptursache feer Ver- I zögerung des Vormarsches auf Peking in der Thatsache I liegt, daß die Frage deS Oberkommandos noch un- I gelöst ist. Soweit unsere Informationen erkennen lassen, I handelt es sich in erster Linie um ein französisches und in zweiter um ein deutsches Oberkommando, l Lange darf und wird die Lösung dieser Frage nicht mehr aus sich warten lassen, die Ereignisse drängen zum Ab schluß, und es ist dringend geboten, daß die Einigkeit unter den betreffenden Staaten größer ist, als man von I vielen Seiten annimmt. Man glaubt auch in maßgebenden Kreisen, daß nicht nur feie Frage des Oberkommandos bald gelöst sein wird, sondern auch, daß der Vormarsch aus I Peking und damit die Befreiung der dort befindlichen Europäer so sehr als irgend möglich beschleunigt werden wird. Nach Meldungen aus Shanghai soll der Vormarsch | der verbündeten Engländer und Amerikaner auf Peking bereits gestern begonnen haben. Die Russen hätten nach angeblich dreitägigem schweren Kampfe die Forts von Niutschwang besetzt. Das Oberkommando über die verbündeten Truppen soll General Jacquelin und als dessen Stellvertreter General Chaffee übernommen haben. Der Minister des Auswärtigen in Brüssel veröffentlicht ein Telegramm des belgischen Vertreters Cartier in Tientsin folgenden Inhalts: Die verbündeten Truppen sind auf dem Marsche nach Peking. Sie befinden sich in! einer Entfernung von 18 Meilen vor Peking und hoffen, Peking in acht Tagen zu erreichen. Die zunehmenden Unruhen und Metzeleien in den südlichen Provinzen Chinas lassen feie Entsendung von deutschen Truppen und Kriegsschiffen nach dem Mündungsgebiet des Yangtsekiang und fees Sikiang geboten erscheinen. Da eine Schwächung feer Streitkräfte bei Taku und Tientsin oder die Einschiffung eines Detachements Seesoldaten des Gouvernements Kiau- Ischou nach feem Süden kaum angängig ist, so wird eine Verstärkung erst mit feem Eintreffen der auf feer Ausreise befindlichen Kriegs- und Transportschiffe erfolgen. Der Zeitpunkt der Ankunft von 3000 Mann deutscher Truppen im südlichen China ift aber naher, als vielfach angenommen wird. Der große Kreuzer „Fürst Bismarck" und dii Dampfer „Frankfurt" und „Wittekind" werden in vier Tagen Singapore erreichen und nach weiteren fünf Tagen im Hafen von Hongkong vor Anker gehen. Mithin werden innerhalb nenn Tagen 3000 Mann in Süd-China sein, von denen bei Kanton Swatow und anderen gefährdeten Plätzen ansehnliche Detachements ausgeschifft werden können. Da die Fahrt von Taku nach Hongkong fast dieselbe Zeit beansprucht, so ist es erklärlich, daß der Geschwaderchef lediglich den schnellen kleinen Kreuzer „Gefion", Kommandant Fregatten-Ka- pitän Rollmann, nach Wusung zum Schuhe der Deutschen im Yangtsegebiete entsendet hat. Dieses Schiff hat außer dem größten Teil seiner Verwundeten nock ein starkes Detachement an der Peihomündung zu- rückaelassen. Das Maschinenpersonal und die Bedienungsmannschaften für feie Geschütze sind indes vollzählig an Bord fo daß die Leistungsfähigkeit des Kreuzers in keiner Mk>ise beeinträchtigt ist. Die „Gefion" wird ihre gute Ari/tterie und ihre Maschinenleistung auf dem Yangtse- Konsul Schischmanow meldet aus Urga (Grenzort in feer Mongolei), daß feie Chinesen in Kalgan (dem Handelsplatz am Fuße der chinesischen Mauer, wo die Russen ansässig ein dürfen, um feen Karawanenhanfeel nach Sibirien über Urga und Maimatschin-Kiachta zu leiten) feie russische Kirche und feie Häuser feer Russen in Brand gesteckt, Waren geplündert und anderes Eigentum zerstört haben. • * Telegramm deS Gteheuer Anzeigers. Wien, 2. August. Der hiesige japanische Gesandte erklärte in einem Interview, alle bisher aus chinesischer Quelle stammenden Meldungen seien unglaubwürdig und höchst verdächtig. Er versicherte nochmals auf das Bestimmteste, daß Japan keine Sonder-Jntereffen in China verfolgen wolle, sondern im Verein mit den andern Mächten eine Pazifizierung Chinas herbeizu- ühren entschlossen sei. Der Krieg itt Südafrika. Nach der Freude über die Kapitulation Prius- oos herrscht in London seit Dienstag abend einige Ver- timmung darüber, daß anscheinend PrinslooS Truppen nur teilweise sich den angenommenen Bedingungen fügen, ein Teil vielmehr den Kampf fortsetzen will und ein anderer Teil durchgebrochen ist. Bisher wurde, wie verlautet, nur ein Geschütz übergeben, während Prinsloo angeblich 17 Geschütze milgeführt haben soll. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Standerton vom 31. ds.: Die Buren, die kürzlich versuchten, die britischen Patrouillen aus einem Hinterhalt zu überfallen, wurden gezwungen, sich gestern von ihrer Stellung bei Joubertökop zurückzuziehen, nachdem ihre Stellung be- chossen war. — General Hildyard, der bei Volksrust operiert, zwang die Abteilungen der Buren unter Christian Botha, sich aus der Umgegend der Eisenbahn zurückzuziehen. Die Proklamation des Generals Roberts, durch welche die Beamten der Niederländischen Süd-Afrikanischen Eisenbahn-Gesellschaft aus )etn Lande verwiesen werden, lautet nach dem „Zütph. Courant" in der Uebersetzung folgendermaßen: „Alle Beamten der Nieder!. Süd-Afrikanischen Eisenbahn-Gesell- chaft, die keine Bürger der früheren Südafrikanischen Republik find, und noch keine Stellung bei der „Imperial Military Railway* haben, werden davon in Kenntnis gesetzt, daß sie sich bereit halten müßen, dieses Land innnerhalb 72 Stunden zu verlassen, nachdem sie davon Ansage von einem Offizier der Armee Ihrer Majestät erhalten haben. Sie werden genau erfahren, mit welchem Zug sie von chrer gegenwärtigen Station nach East-London abreisen können. Ueber Transport und Verpflegung werden unter Leitung des Direktors der „Imperial Military Railway“ Verfügungen getroffen werden. Aller Hausrat, den sie nicht mitnehmen können, wird unter Aufsicht des genannten Direktors unter gebracht, und eine Liste davon den niederländischen Konsuln emgehän- digt werden. Letzteren wird nötiges mitgeteilt werden, und diese werden auch die weitere Bestimmung beaufsichtigen. Frauen und Kinder von Verheirateten können mitgehen oder auf Wunsch später nachkommen." Deutsches Reich. Berlin, 1. August. Aus Bremerhaven wird gemeldet: Das Kaiserpaar begab sich mit den Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert und seiner Umgebung heute vormittag 9V2 Uhr im Boot von der „Hohenzollern" zur Lloydhalle und von dort zu Fuß zur Versuchsstation des Nordd. Lloyd. An der Besichtigung der Versuchsstation des Nordd. Lloyd durch das Kaiserpaar nahm auch Staatssekretär Gras Bülow teil. Unter Führung der Direktion des Nordd. Lloyd wurden die Maschinenmodelle besichtigt und Schlepperversuche mit Modellen angestellt. Das Kaiserpaar ging darauf bis zur Lloydhalle zurück und begab sich mit einem Verkehrsboot an Bord der „Hohenzollern". Der Kaiser gedenkt, soweit bekannt, nachmittags an Bord zu bleiben. — Die von Kaiser Wilhelm an den König Viktor Emanuel III. gerichtete Trauerkundgebung hat folgenden Wortlaut: „Tief erschüttert durch den Tod Deines edlen Vaters, meines innig geliebten treuen Freundes und Bundesgenossen, sende ich Dir mit dem Ausdruck meiner Trauer meine aufrichtigen und heißen Wünsche für Deine Regierung. Möge die Freundschaft, welche unsere Häuser und Völker während der Regierung Deines Vaters vereinigte, fortbestehen. Sein Gedächtnis bleibt auf ewig in mein Herz eingeschrieben.* DerKaiser richtete an die Königin Margherita folgendes Telegramm: „Furchtbar erschüttert durch den Tod Deines königlichen Gemahls, Meines teueren Freundes und Verbündeten, sende Ich Dir mit der Kaiserin den Ausdruck unseres tiefsten und innigsten Beileids. Ritterlich durch und durch, gütig, tapfer und treu, fiel König Humbert wie ein Soldat auf dem Schlachtfeld, ein Opfer jener teuflischen Bestrebungen, welche die göttliche und menschliche Ordnung zu zerstören trachten. Gott tröste Dich in Deinem namenlosen Schmerz. Er stärke den Arm Deines Sohnes, daß er das Szepter und Schwert führen möge zum Heil seines Volkes und für den Ruhm und die Wohlfahrt Italiens. Das Andenken Deines verewigten Gemahls wird in unseren Herzen unauslöschlich sortleben.* — Der preußische Hof legte gestern für den verstorbenen Herzog Albsred von Sachsen-Coburg-Gotha die Trauer auf 14 Tage an. . — Der Herzog von Albany, nunmehriger Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha, ist gestern in Potsdam eingetroffen, und hat sich nach der Villa Jugen« heim begeben. Gestern mittag trat er mit feiner Mutter die Weiterreise nach Coburg an. — Die Trauerfeier für den Herzog Alfred ist auf Samstagmittag 12 Uhr festgesetzt. — Der Regent Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg leistete heute den Verfassungseid in Coburg. — Der deutsche Botschafter in Rom, Graf Wedel, der sich auf Urlaub in Schweden befindet, ist telegraphisch zurückberufen worden._________________________ Ausland. London , 1. August. Das Unterhaus nahm heute die F r e i w i l l i g e n - B i l l in 3. Lesung an. Ferner wurde feie Anleihe-Bill in 3. Lesung angenommen. Ernst Ludwig. Teilnahme. sind 18 Mitglied der deutschen Turnerschaft. »♦ Vom Feldberg. Am DienSlag nachmittag um 3 Uhr fand auf dem Feldberg erbteilungshalber die Versteigerung des Anwesens der Johann Georg Ungeheuer'schen Erben (altes FeldberghauS) öffentlich an den Mcistbieten- den statt. Der Zuschlag erfolgte auf ein Angebot von 100 000 Mk. feilens deS Herrn Karl Matthias Bienewald r Die Offiziere sind durch einen Armeebefehl angewiesen, vom 2. August bis zum 13. September für den .......... . . ° . Smoa von Sachsen-Koburg und Gotha Trauer anzu- Die 18 Turnkreise sind m 2i8Turngaue emgeteüt. 1899 fanden 16 Gau-Turnwartsversammlungen, 380 Gauturntage, 188 Gauturnfeste, 157 Gauturnfahrten, 864 Gau- Vorturnerstunden, 11 Kreisturntage, 8 Kreisturnfeste und 2 Kreisturnfahrten statt. Fast überall jft eine erhebliche Zunahme des turnerischen Lebens festzustellen gewesen, so stieg z. B. die Gesamt-Mitgliederzahl um 21 757 Mann. Von den im Ausland bestehenden deutschen Turnvereinen Da aus das Objekt seinerzeit ein Angebot von 260000 Mk. erging, ist anzunehmen, daß genannte Behörde ihre Zu- 1 stimmung zu dem Angebot nicht erteilen wird und es zu einer I nochmaligen Ausschreibung der Liegenschaft kommen wird. Friedberg, 1. August. Die Psarrstelle zu Södel im Kreise Friedberg wird im letzten Verordnungsblatt für die I Evang. Kirche zur Neubesetzung ausgeschrieben. Meldungen sind zu richten an den Grafen Leiningen-Wester- burg. — Die „Hess. LandeSztg." bemerkt hierzu: Jener „Patron" ist derselbe Standesherr, 'der als seiner Wurde verlustig vom Gericht der Standesherren im vorigen Jahre den bürgerlichen Gerichten (der Gießener Strafkammer) überwiesen, und von diesen wegen Ehebruchs zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Gegenwärtig | wird er steckbrieflich verfolgt, weil er sich der Vollziehung der Strafe entzogen hat. Dieser Herr hat also einen Geistlichen für eine Pfarrstelle vorzuschlagen. Vielleicht kann der Borgeschlagene dann der Staatsanwaltschaft angeben, wo sein Patron zu sinden ist. Homburg, 31. Juli. Als Tag der Grundsteinlegung für das Reichs'LimeS-Museum auf der Saalburg ist nunmehr der 11. August bestimmt. Mit Rücksicht auf die ernste Zeitlage verbiete sich eine rauschende Feierlichkeit; es sollen keine Zutrittskarten ausgegeben werden, sondern nur die Nächstbeteiligten eingeladen werden. Dies seien die Behörden, die Vertreter der Wissenschaft, in deren Interesse die Errichtung dieses Museums erfolgt, endlich diejenigen, welche durch Ueberweisung von Fundstücken oder durch Geldbeiträge das Werk gefördert haben. Wenn die Feier in gewisie vom Hergebrachten abweichende Formen gekleidet werde, so geschehe dies, um die besondere Bedeutung des unternommenen wiffenschastlichen Werkes ins Licht zu rücken und der deutschen Wissenschaft eine Huldigung darzubringen. Die archäologische Wissenschaft hat durch jahrelange, vom Deutschen Reiche und seinem Kaiser lebhaft unterstützte Arbeit die römischen Altertümer unseres Vaterlandes und insbesondere die Baureste der Saalburg zu neuem Leben erweckt, sodaß wir jetzt imstande sind, einen Zeitraum von mehr als anderthalb Jahrtausenden zu überspringen und uns von dem wirtschaftlichen Leben unserer Vorfahren und ihrer römischen Lehrmeister eine fast ebenso genaue Vorstellung wie von der Gegenwart zu machen. Diesen Triumph der Wissenschaft soll die Saalburgfeier am 11. August, abends 6 Uhr in ernster und eindringlicher Weise allegorisch zum Ausdruck bringen. Daneben wird der Tag ein Erinnerungstag an Kaiser Friedrich fein, dem zu Ehren die Saalburg bekanntlich rekonstruiert wird (vgl. kaiserliche Kabinettsordre, datiert Wiesbaden, 18. Oktober 1897); und auch des ersten deutschen Kaisers wird man in Dankbarkeit gedenken, der im August 1868 zum erstenmale auf der Saalburg weilte und das große wissenschaftliche Werk in Angriff nahm, dessen Krönung durch den Enkel nunmehr Besonders glänzend steht m dieser Beziehung der Mittelrheinkreis da mit 196 Plätzen und 105 Turnhallen. der Genuß verdorbenen Fleisches die Katastrophe herbei- geführt habe, später hat es sich jedoch herausgestellt, daß die Köchin, um einen Pudding zu machen, Arsenik statt Wein genommen hat, indem sie die Flaschen verwechselte. • Eine Königin als praktischer Arzt. Nach der Mitteilung einer ärztlichen Zeitschrift hat die Königin M aria Amalia von Portugal ihre medizinischen Studien beendet und wird demnächst ihr Diplom als praktischer Arzt erwerben, vorausgesetzt, daß — sie ihr Examen besteht. Außerdem wird die angehende Aerztin während des Besuches des Königs auf der Pariser Weltausstellung im Monat August noch die RegierungSgeschäste ihre« Landes zu besorgen haben. ♦ lieber das Bergungliick auf dem Tschingelgletscher wird Nachstehendes bekannt: Der italienische Student Poca- tera, der in Bern studiert, traf in WildcrSwil bei Interlaken ein und wünschte einige HochgebirgStouren zu unternehmen. Er wollte eine Tour nach der Mutthornhütte (2041 Meter) ausführen; als Führer nahm er den achtzehnjährigen R. Wyß mit, der die Tour schon öfters gemacht. Der Vater von Wyß ist Bergführer; schon mit 14 Jahren hatte der Sohn den Vater als Träger auf die Jungfrau bekleidet. Der Vater nahm den Sohn bei schweren Bergtouren, die er mit Fremden machte, gerne I mit. Der Tschingelgletscher, den der junge Führer und der I Italiener zu überschreiten hatten, gilt im Frühling als un- I gefährlich, da gewaltige Schneebrücken über die Gletscherspalten führen. Der junge Wyß und der italienische Tourist hatten die Mutthornhütte glücklich erreicht. Beim Abstieg verschwand der voranschreitende Wyß var den Augen des I Italieners; die Schneebrücke, die er betreten hatte, war | cingestürzt und Wyß in die Gletscherspalte gefallen. Mau I vermutet, er sei aus dem nicht richtig gebundenen Seil gc- I schlüpft. Er glitt etwa 25 Meter tief in die Spalte I hinunter, lebte noch und konnte sich mit dem Italiener ver- I ständigen. „Ich habe nichts gebrochen, ich bin nur einge- I klemmt", rief er aus der Tiefe. DaS Seil war zu kurz, I um ihn herauszuziehen. Der Italiener eilte ins Thal hinab, I um Hilfe zu holen. Unterwegs stieß er auf eine andere I Partei, die aus zwei Führern und einem Touristen bestand. I Sie traf um 6 Uhr an der UnglückSstelle ein. Einer der I Führer ließ sich an einem Seil hinab und stärkte den noch I lebenden Wyß mit Speise und Kognak. Es wurden vielfache Bemühungen gemacht, den Eingesunkenen zu befreien, I allein die EiSwände faßten ihn wie ein Schraubstock. Ein I kurzstieliges Beil war nicht zur Hand. Während sich die I Retter abmllhten, erfror der junge Mann in der Gletscher- I spalte. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, die Leiche aus I dem Eisgrabe herauSzuschaffen. * Lemberg, 31. Juli. In daS Stationsgebäude I in C helwek wurde von unbekannten Personen eine I Dynamitbombe geschleudert. Der Stationsvorsteher I erlitt Verletzungen, das Gebäude ist stark beschädigt. ♦* Dank für die Lie besgaben. Von der Bürgermeisterei wird uns ein an Herrn Oberst v. Dewitz gerichtetes Schreiben mitgeteilt, worin vor dem Scheiden aus Deutschland namens der ehemaligen Angehörigen des Regiments „Kaiser Wilhelm" Sergeant Schmidt der ihnen „so wohlgesinnten Einwohnerschaft Gießens ein herzliches Lebewohl" zuruft und damit den Dank verbindet für die ihnen überwiesenen Geldspenden wie für die C i g a r r e n s e n d u n g des Herrn Klingspor. — Wir erwidern den Gruß von Herzen mit dem erneuten Wunsch „auf glückliches Wiedersehen" ! ** Besitzwechsel. Die Hofraite der Güngerich- schen Erben, Franksurterstraße 63, ging für 50000 Mark in den Besitz des Kalkbrenners Haas über. ** Abendzug Wetzlar - Dutenhofen- Gießen. Der schon lange erwünschte Abendzug zwischen Wetzlar-Dutenhofen-Gießen ist nun doch von der Eisenbahnbehörde, allerdings vorerst nur zwei Monate probeweise für die Sonntage eingerichtet. Der Zug verläßt Wetzlar 9 Uhr 17 Min., trifft etwa 8 Minuten später in Dutenhofen ein, wo er hält, um Passagiere aufzunehmen, und ist nach halb 10 Uhr in Gießen. Damit ist zur Rückfahrt von Wetzlar und Dutenhofen aus, wenigstens für den Sonntag, den Ausflüglern zwischen 7 Uhr 21 Min. abends und 12 Uhr nachts eine Gelegenheit gegeben, zu guter Zeit heimzukommen. ** Deutsche Turnerschaft. Die StandeSerhebung der deutschen Turnerschaft vom 1. Januar 1900 ist jetzt abgeschlossen und hat wiederum bemerkenswerte Fortschritte des Turnwesens ergeben. An 5609 Orten Deutschlands und Deutsch Oesterreichs bestehen 6483 Vereine mit 648 269 Mitgliedern, wozu noch in 815 Abteilungen 24115 tur« neude Frauen und Mädchen kommen. 310 374 sind praktische Turner. Die meisten Turner hat Leipzig, nämlich 9299. Zöglinge giebt es 93 890, Vorturner 32 437. 900 Vereine besitzen eigene Turnplätze, 524 auch Turnhalle. vollzogen wird. Wiesbaden, 31. Juli. Em bedeutender Diebstahl ist heute vormittag in dem Kurhaus-Restaurant verübt worden. Ein Büffetfräulein hatte die Unvorsichtigkeit begangen, eine Kassette mit der gestrigen Tageseinnahme von angeblich 1500 bis 1800 Mk. unbewacht aus dem Büffet stehen zu lasten. Obwohl sich das Fräulein nur ganz kurze Zeit entfernte, nahm ein Langfinger doch die Gelegenheit wahr, die Kassette zu stehlen. Die letztere wurde später in der Wäschekammer gesunden; sie war erbrochen, und bis auf das Kupfergeld entleert. Der Verdacht, den Diebstahl verübt zu haben, lenkte sich auf einen Hausburschen, der auch vermißt, aber alsbald in der Stadt ermittelt, und festgenommen wurde. Von dem Gelde soll jedoch nichts bei ihm gefunden worden sein; vermutlich hat er es irgendwo versteckt. Vermischtes. * Karlsruhe, 1. August. In dem Walde zwischen Krumbach und Engelbrand wurden heute früh zwei kleine Mädchen im Alter von 7 und 9 Jahren erdrosselt aufgefunden. Das eine ist ein Kind des SchremermeisterS Merkle, das andere gehört der Witwe Schnürle aus Krumbach bei Pforzheim. Vermutlich liegt Lustmord vor. ♦ Kopenhagen, 30. Juli. Ein verhängnisvoller Irrtum, der den Tod einer ganzen Familie verursacht hat, wurde dieser Tage bei einem Gutsbesitzer in der Nähe von Aarhus in Jütland begangen. Der Gutsbesitzer hatte feine Freunde zu einem Diner eingeladen. Nach der Mahlzeit erkrankte die ganze aus 15 Personen bestehende Gesellschaft, und die Aerzte konstatierten eine Vergiftung. Trotz der schnellen Hilfe verschlimmerte sich der Zustand der Kranken, und am folgenden Tage starben sieben Personen, darunter der Wirt, seine Frau, Schwester, Tochter und Stiefmutter. Erst meinten die Aerzte, daß Meratur. Im Augenblick der Einschiffung des deutsch-chinesischen ErpeditionS- korps in Bremerhaven legt uns der bekannte Kriegskartograph Prof. Paul Langhans eine Spezialkarte zum Verfolg der bevorstehenden Operationen der deutschen Truppen auf chinesischem Boden vor. Während desselben Verfaffers weitverbreitete „Politisch-militärische Karte von Ostasien" ein Bild des gefamten ostasiatischen Kriegs- theaters entwirft, hat die vorliegende neue Karte des Kriegsschauplatzes der deutschen Truppen in China den ausgesprochenen Zweck, den Verfolg des Vorgehens der deutschen Truvpen im Einzelnere zu ermöglichen. Die Karte zeigt das gesamte engere deutsche Interessengebiet Chinas und die gegebenen drei Anmarschlimen der deutsche« Truppen auf Peking (von Schanhaikuan, Taku und Kiautschou aus) m einem so großen Maßftabe wie überhaupt keme andere deutsche Karte. Alle bisher von den Deutschen gelieferten Gefechte sind etngetrag^, den Weg der Borerhorden laffen die geplünderten und ntebergebrannten Universität und Hochschule. Die Leipziger Burschenschaften Arminia, DreSdenfia und «ermania sind aufgelöst worden, liebet die Suspendierung, die vielfach Aufsehen erregt, wird folgendes berichtet: Ein langer Aktiver der „Arminia" war in einer der ersten Gastwirtschaften Leipzigs, die besonders lebhaft von Studenten besucht wird, aus irgend einem Anlasse von einer größeren Anzahl von zum größtem Teil m sehr hohen Semestern stehenden, keiner Korporation angehörenden Studenten gemeinschaftlich arg verhauen worden, und einer der Th ä ter, ein cand. med. und besonders altes Semester, hatte geglaubt, sich der Teilnahme an dieser Großthat anderen Leuten gegenüber rühmen zu müssen. Eine ihm von feiten des Mißhandelten zugegangene Säbels forderung lehnte er ab und die Folge mar, daß er vom D. C. in Verruf erklärt wurde. Der cand. med. zeigte dies der Universitätsbehörde an, worauf die Suspension des D. C. verfügt wurde. Wie verlautet, werden sich demnächst andere Burschenschaften mit anderen Namen und Farben aufthun. , r — Man schreibt aus Freiburg i. B.. Zum Wintersemester 1900/1901 verlassen nachstehende Lehrkräfte unsere Universität: Dr Zehnder geht als Professor der Physik nach München, Dr. Kalbfleisch geht als o. Professor der Philologie nach Rostock und Dr. Schmezer als Direktor der Landwirtschaftlichen Winterschule nach Tauberbischofsheim. Neu treten in den Lehrkörper ein: Dr. Gattermann-Heidelberg als o. Professor der Chemie, Dr. Schlegel vom hiesigen hygienischen Jnftftut als a.-o. Profeffor der Threrhyglene Dr. Königsberger-Heidelberg als Privatdozent der. Physik und Dr. Wahl als Prioatdozent der Geschichte. — Prof. ». Eck an der Technischen Hochschule in Stuttgart wurde in den Ruhestand versetzt. An der Berliner Universität ist der bisherige Pnvatdozent der romanischen Phllologie, Dr. Oskar Schutz-Gora, zum a.-o. Profeffor befördert worden, ferner nach der „Tägl. Rundschau" der Pnvatdorent in der philosophischen Fakultät, Dr. Georg Simmel, zum a.-o. Professor in derselben Fakultät — Auf den neuen Lehrstuhl der Technischen Hochschule in Charlottenburg wurde Regierungsbaumeister Siegmund Müller als o. Professor berufen — Der Privatdozent in der theologischen Fakultät der Universität Leipzig, Dr. Otto Seesemann, hat einen Ruf an die Universität Dorpat erhalten, dem er voraussichtlich Folge leisten wird. — Der Privatdozent Dr. v. Rege lein in Königsberg geht als freiwilliger Krankenpfleger nach China. — Der Prinzregent hat der auf den o. Profeffor Dr. Emanuel Ullmann zum Rektor der Universität München für das Studienjahr 1900/1901 die Allerh. Bestätigung erteilt. Ferner hat der Regent die Wahl der o. Professoren Dr. Andreas Schmid, Dr. August Ritter v. Bechmann, Dr. Georg v. Mayr, Dr. Franz Ritter v. Winckel, Dr. Ernst Kuhn und Dr. Hugo Seeliger als Senatoren für die Jahre 1900/1901 und 1901/1902 genehmigt. Nach Maßgabe des Titels II § 18 der Sers faffungsurkunde wurde der Privatdozent Dr. Kurt Heinke zum o. Professor der Elektrotechnik ernannt. beftnbWn Arbeit^ ^lnuhme zahl- reicljcr au^länbifd^rr3Wtlimtetten ^irbnuCft |au« OberWcifcnbcrg, vorbehaltlich der Genehmigung der kn"i»°m stattfinken T« P^apst'hat nact). der ftonfenn» | Obervormundlchast-b-hörd- sür di- mindttjährig-n^Kind-r. mit den Kardinalen beschlossen, die Leichenfeier nach Art derjenigen von König Viktor Emanuel II. abzuhalten Rach ber Thronbesteigung und dem Schwur auf die Verfassung wird der Vatikan den bekannten Protest gegen die Usurpation Roms wiederholen. — Das Parlament wurde für den 6. ds. einberufen, um Mitteilungen und Vorschläge der Regierung sowie der Präsidien der beiden Kammern entgegenzuneymen. — Gestern wurde Her Attentäter B r e s e i in das Mailänder Untersuchungsgefängnis überführt. Er ist in einer unterirdischen Zelle untergebracht. In Jvrea wurde ein Anarchist verhaftet, der sich als ein Komplize Brescis bekannte und die Aussage machte, daß er und Bresci aus- aelost worden seien, entweder die Königin oder den König zu töten. Wäre die Königin, die anfänglich nicht disponiert war, nach dem Feste gekommen, so wäre sie das Opfer gewesen. — Die Verhaftungen von Sozialisten und Anarchisten dauern fort. In Mailand sind über aO Personen verhaftet worden. Die meisten davon sind Anarchisten. In P r a t o wurden ebenfalls zahlreiche Sozialisten ^Brüssel, 1. August. In Antwerpen sind die meisten Diamantschleifer ausständig infolge um bewilligter Lohnerhöhung. — Kaut „Cote Libre vereinbarten neuerdings sämtliche belgische Hüttenwerke ein gemeinsames Verkaufsbüreau für Belgien und 6etI C h^ar^l eroi, 1. August. In 19 im Eharleroi-Becken zerstreuten Fabriken legten die Glas arbeit e rdieAr- beit nieder. 11 Fabriken wurden geschlossen. )täQ)stenv werden voraussichtlich noch mehrere Glashütten geschlossen werden. Die Zahl der Ausständigen besagt ungefähr 10 000. Sie verlangen Entlassung der nicht im Syndikate verhaftet. t o _ Belgrad, 1. August. Die Trauung dev Königs Alexander erfolgt am nächsten Sonntag vormittags 11 Uhr. , ,,r, Konstantinopel, 1. August. Das telegraphische Ersuchen des deutsck)en Kaisers wegen der 'baldigen V e r - wirklichung der Bagdad-Bahn beantwortete der Sultan damit, daß es ebenfalls fein dringender Wunsch fei. Es beständen aber noch Differenzen mit der Gesellschaft. Er hoffe jedoch- daß nach der Rückkehr des deutschen Botschafters ein Einvernehmen über die Frage erzielt werden wird. Aus Stadt und Land. Gießen, den 2. August 1900. •* Anläßlich des Ablebens deS Herzogs von Sachs en- KoburgundGothahat Herr Oberbürgermeister G n a u t h an den Großherzog die nachstehende Beileidsdepefche gerichtet: Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Hessen. Kobnrg. Der schwere Verlust, welcher Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin und die Ihr Nahestehenden betroffen, hat auch in dem seinem Fürstenhause treu verbundenen Gießen allseitige herzliche Teilnahme erweckt. Namens der Stadt bitte ich Eure Königliche Hoheit, den Ausdruck solcher Gesinnung genehmigen und Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin übermitteln zu wollen. Gnauth. Daraus ging folgende Antwort ein: Oberbürgermeister Gnauth. Im Namen der Großherzogin spreche ich der Stadt Gießen den wärmsten Dank aus für ihre aufrichtige Rrssionsstatwnen erkennen, die Lageplätze der Kriegsschiffe kennzeichnen dre schwerstbedrohten Punkte der Küste mit ihren Europäerkolonien. Die Begleitworte stellen die deutschen Interessen jeglicher Art, und die zu "rem Schutze vorhandenen deutschen Truppen ausführlich einander gegenüber. Jedem, vor allem natürlich jedem Angehörigen und Bekannten der Verteidiger deutscher Ehre in China, dürfte die neue Spezialkarte des Kriegsschauplatzes unserer Truppen unentbehrlich sein. Landwirtschaft. Wetzlar, 31. Julr. Wie gemeldet, war mit dem in den Spätabendstunden des vorigen Samstags niedergegangenen Gewitter ein heftiger Hagelschlag verbunden. Sehr bedeutend stellen sich die Ber- herungen in den Gemarkungen der Gemeinden Leun, Oberbiel, Burgsolms, Albshausen und Oberndorf dar. Nach den bisherigen Ermittlungen kann als feststehend angesehen werden, daß der in diesen sechs Gemarkungen angerichtete Hagelschaden auf nicht weniger als 100 000 Mk. bewertet werden muß. Von den betroffenen Gemeinden ist in Oberndorf fast alles versichert, während in allen übrigen die Versicherung gegen Hagel zu den Ausnahmen gehört und nur vereinzelt geschehen ist. Familien Nachrichten. Gestorbenr Frau Johannette Leichtweiß, geb. Brehm, Darmstadt. — Herr Johann Peter Schneider, Darmstadt. — Fräulein Marie Zaun in Darmstadt. — Herr Franz Fehrer in Darmstadt. — Herr Heinrich Hoelscher in Darmstadt. — Eleonore Gerstenschläger in Darmstadt. — Magdalene Beilstetn, Ww., geb. Rehg, in Darmstadt. — Frau Geheimrat Charlotte Pfeiffer, geb. Friedrich, in Darmstadt Verlobter Fräulein Anna Höck mit Karl Breidenbach, Friedberg. Aeurstc Meldungen. Rom, 2. August. Die Leiche des Königs Humbert wurde gestern einem Alkohol-Bade unterzogen, und dann auf einem Bett aufgebahrt, um dem Sohne zum letztenmale das Antlitz des Vaters zu zeigen. Nur ein Geschoß wurde aus der Leiche entfernt. Das Testament wird heute geöffnet. Man spricht in Monza davon, König Humbert habe ein politisches Testament hinterlassen. Rom, 2. August. Der Bürgermeister machte den Vorschlag, die Leiche des Königs provisorisch in der Gruft Viktor Emanuels II. beizusetzen und nach der Fertigstellung des Denkmals für König Humbert dieselbe aus dem Kapitol unter der Säulenhalle des Denkmals zu bestatten. . Marland, 2. Augussi JnMonza waren außerordent-- lrche Sicherheits-Maßregeln getroffen worden. Der Bahnhofsplatz war von Kavallerie, Karabinieri und Wachen besetzt. Um 6 Uhr 40 Minuten lief der königliche Hofzug in Monza ein. Zunächst entstiegen demselben der Herzog von Aosta und der Prinz von Montenegro, dann das Königspaar. Der Monarch trug dunkle Zivilkleidung. In geschlossenen Landauern, umgeben von Kavallerie, fuhr der Hof ins Schloß. Das Volk war von dem düsteren Gepränge etwas bestürzt. Um jeder Manifestation zuvorzukommen, waren von den Behörden außerordentliche Maßregeln getroffen worden. In Monza trafen gestern noch zwei Schwadronen Kavallerie und eine Abteilung der Königs-Garde ein Sämtliche Zufahrten zum Bahnhofe und die Zuglinien wurden unzugänglich gemacht. In Mailand selbst waren gestern wieder alle Truppen konsigniert, trotzdem in der Stadt alles ruhig war. Der Zugang zum königlichen Schloß ist auf Befehl der Königin- Witwe nur noch für die nächsten Familien-Angehörigen und die Geistlichkeit offen. Die Einzeichnungen in die Trauerliste betragen mehr als 10 000. Die Zahl und Pracht der Kränze ist groß. Gießen, den 1. August 1900. 5265 sofort gesucht 5258 Dampftvirschanstait Edelweitz ni. 5257 Schlohgaffe 19. IV. Hygiama V. SS 5261 4450 empfiehlt billigst H Procent Proceut Oesterr. Silberrcnte 5259 Neidhart Abendcourser 206.75 000.00 f Oesterr. Tredit-Actiev Darmst. Bk.»Artteu Verantwortlich für den allgemeinen Teil: I. B.: A. Steffenhagen; für den Anzeigenteil: Hans Beck. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckecei (Pietsch Erben) in Gießen. ikrinichiiuien onipfrhhnnicn 4 rz‘ 3 5 4 95.20 85.80 92.40 99.00 68.00 Ung. Gold-Rente Portugiesen Mexicaner amort. Monopol-Griechen Verheir. Buchhalter, der eins. Buchführung mächtig, wünscht seine jetzige Stelle baldigst zu verändern. Offerten unter X 0318« an die Expedition d. Bl. S. von Vorrätig in den Apotheken und Drogerien. Die Beerdigung findet Freitag den 3. August, nachmittags 21/e Uhr, vom Sterbehause, Kaplansgaffe 3, aus statt. Gr. Hessische Obl. Stadt Darmstadt v. 1891 Stadt WormS unk. b. 1901 i-in 1887 und Katharina, geb. Dern, Ehefrau des Wilhelm Strötter zu Langgöns bezüglich: 1. ihres Bruders bszw. Oheims Anton Heinrich Schaum VIII. von Langgöns, geb. am 8. Juni 1853 daselbst als Sohn des dortigen Ortsbürgers und Ackersmanns Anton Schaum VI. und deffen Ehefrau Katharina, geb. Weil, zuletzt wohnhaft zu Langgöns, ausgewandert im Jahre 1870 nach Amerika, zuletzt zu New Jork, seit über 25 Jahren verschollen; 2. ihres Vaters bezw. Großvaters Octsbürger und Ackersmann Anton Schaum VI. zu Langgöns, geboren daselbst am 4. August 1824, verheiratet gewesen mit der am 28. September 1886 verstorbenen Katharina, geb. Weil, im Jahre 1853 nach Australien ausgewandert, zuletzt zu Melbourne daselbst, seit über 40 Jahren verschollen. Konrad Wilhelm zu Langgöns bezüglich der Elisabetha Schmidt, geboren am 13. Juni 1849 zu Langgöns als Tochter des dortigen Ortsbürgers und Barbiers Kaspar Schmidt und deffen zweiten Ehefrau Dorothea, geb. Streub-r, zuletzt wohnhaft zu Langgöns, seit längeren Jahren mit unbekanntem Aufenthalt in Amerika abwesend. 1. Gotthardt Euler zu Daubringen, 2. Johannes Euler, 8. W.lhelm Euler zu Wieseck, 4. Karl Euler und 5. Susann« Höfler Witwe, geb. Euler, zu Daubringen hinsichtlich des Heinrich Euler, geboren am 26. Oktober 1851 zu Daubringen, Sohn der verstorbenen Eheleute Matthäus Euler von da und der Anna Margaretha, geb. Kratz, Cigarrenmacher, Ende der 1860er Jahre nach Baltimore in Nordamerika ausgewandert und feit 1872 verschollen. Anna Elisabetha, geb. Müller, Witwe des Johannes Ludwig Ratzlow zu Langgöns bezüglich der Christine Müller, geboren am 24. Mäcz 1837 als Tochter des Konrad Müller und deffen Ehefrau Arna Elisabeth, geb. Bergk, zu Langgöns, in den 1840er Jahren von dort nach Australien ausgewandert und seitdem verschollen. Versteigerung. Freitag den 1V. August, nachmittags S Nhr, versteigere ich gegen Barzahlung im Pfandlokal SelterSweg 11: 1 Pianino, 1 Kaffaschrank, 1 Vertikow, Sofas und Kommode, 1 Regulator, 1 Oekonomiewagen u. a. m. Gießen, den 2. August 1900. 5263 Mulch, Pfandmelster. Wlo.- »h-ll.-n mit Milch gekocht, bietet ein ungemein nahrhaftes und bekömmliches Frühstück- und Abendgetränk. Preis Mk. 1.60 und Mk. 2.50. Gießen, den 21. Juli 1900. Großherzogliches Amtsgericht. Schmidt. 96.25 96.40 23.10 40.70 43.40 VI. Johannes Schäfer V. von Leihgestern bezüglich: 1, des Johannes Georg Werner, geboren den 15. Mai 1825 zu Leihgestern, 2. der Katharina Werner, geboren den 8. März 1835 daselbst als Kinder des Ortsbürgers und Dachdeckers Johannes Werner von Leihgestern und seiner Ehefrau Katharina, geb. Will, zuletzt zu Langgöns wohnhaft, mit ihren Eltern auszewandert nach England und dort nach der letzten Nachricht aus dem Jahre 1839 zuletzt wohnhaft gewesen zu Leeds (Yorkshire), seitdem jedoch verschollen. VII. Christoph Hofmann II. von Großen-Buseck bezüglich: 1. des Johann Jost Hofmann von Großen-Buseck, geboren am 80. Dezember 1825, im Jahre 1851 nach Amerika ausgewandert und seit mindestens 25 Jahren verschollen; das kuratorisch verwaltete Vermögen beträgt 215 Mk.; 2. des Johannes Hofmann von Großen-Buseck, geboren am 16. August 1834, im Jahre 1856 nach Amerika ausgewandert und seit 30 Jahren verschollen; das kuratorisch verwaltete Vermögen beträgt 215 Mk. Demgemäß werden aufgefordert: 1. die oben bezeichneten Verschollenen, sich spätestens im Ausgebotstermin Montag den 1. April 1901, vormittags 9 Uhr, bei unterzeichnetem Gericht, Zimmer Nc. 3, zu melden, widrigenfalls die Todeserklärung derselben erfolgt; 2. alle, welche Auskunft über Lebm oder Tod der Verschollenen zu erteilen vermögen, spätestens im Aufgebotstermin uns Anzeige zu machen; 3. alle, welche Erbansprüche an den etwaigen Nachlaß jener Personen bilden zu können glauben, solche bis zu jenem Termin ebenfalls anzumelden und durch den Nachweis ihrer Ecbemigenfchaft näher zu begründen, widrigenfalls sie, soweit gesetzlich zuläfftg, bei der Erb- verteilung nicht berücksichtigt würden. A. Grünebaum, ZLahntzofstratze 35. Stöbt. Mlchthlms. Treibers, 8. 5237 Morgen: MeMilch 50 M. 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Folgende Personen haben das Aufgebotsverfahren zum Zwecke der Todeserklärung nachstehend näher bezeichneter Verschollener beantragt: I. Fräulein Luise SLlich, zur Zeit in Karlshafen, bezüglich ihres Bruders Theodor Karl Schlich, geboren am 26. Februar 1844 zu Flonheim als Sohn des evangelischen Pfarrers Daniel Schlich und deffen Ehefrau Charlotte, geb. Frank, zuletzt zu Langgöns wohnhaft, ausgewandrtt 1871 oder 1872 nach Amerika und seit mindestens 25 Jahren verschollen. II. Katharina, geb. Schaum, Ehefrau des Johr. Ohly zu Langgöns, Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe, gute Gattin, Mutter, Tochter, Schwester und Schwägerin Margaretha Setzer, geb. heute mittag nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im Alter von 30 Jahren durch einen sanften Tod zu erlösen. Die tieftrarrerudeu Hinterbliebenen. Kursbericht nen J. Kurz & Co., Hießen, Kahuhofstraße 63. Frankfutter Börse vom 1. August 1900. 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